Darmstädter Tagblatt 1912


25. Januar 1912

[  ][ ]

Inſerate
175. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk., aus=
werden
angenommen in Darmſtadt,
wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl. verbunden mit Wohnungs=Anzeiger und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
den Annoncen=Expeditionen. Bei
für Aufnahme von Anzeigen an vorge=
gerichtlicher
Beitreibung oder bei Konkurs
ſchriebenen Tagenwirdnicht übernommen.
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 14 Seiten.

Das Neueſte vom Tage.

Die Regierung des Herzogtums Sach=
ſen
=Koburg=Gotha ließ dem Ausſchuß des Ge=
meinſchaftlichen
Landtages eine Vorlage über Ein=
führung
des direkten Wahlrechts zu den
Landtagswahlen zugehen.
Die braunſchweigiſche Landesverſamm=
lung
iſt geſtern eröfnet worden. Die Thronrede
kündigt einen Geſetzentwurf an, betr. die Reform des
Wahlrechtes für die Landesverſammlung.
Das engliſche Königspaar iſt in Malta ein=
getroffen
und vom franzöſiſchen Geſchwader begrüßt
worden.
Die Meldung von dem bevorſtehenden Rücktritt
des ſpaniſchen Miniſteriums iſt von Cana=
lejas
als unrichtig bezeichnet worden.
Die Opiumkonſerenz im Haag wurde am Diens=
tag
geſchloſſen und die internationale Opiumkonven=
tion
unterzeichnet.
Die Abdankung der Mandſchudynaſtie in
China iſt wieder in Frage geſtellt.

Zu dem franzöſiſcheitalieniſchen Streitfall

ſchreibt die Liberté: Die franzöſiſche Regierung kann
von ihren der Gerechtigkeit, den Geſetzen und der natio=
nalen
Würde entſprechenden Beſchlüſſen nicht abgehen.
Wenn Italien gegen alle Erwartung auf die Forderun=
gen
Frankreichs eine ablehnende Antwort erteilen ſollte,
ſo würde die franzöſiſche Regierung ſich gezwungen
ſehen, ſofort in einſchneidender Weiſe den Charakter und
ihre Beziehungen zu Italien zu ändern. Die erſte Maß=
nahme
würde offenbar die ſein, daß man den Botſchafter
in Rom, Barrére, zum mindeſten in Form eines Ur=
laubs
abberufen würde. Ferner würde Frankreich
unverzüglich gewiſſe Verhaltungs= und Zwangsmaß=
regeln
ergreifen, alle den Italienern bisher gewährten
maritimen und ſonſtigen Erleichterungen vorübergehend
aufheben und eine ſtrenge Ueberwachung ihrer Umtriebe
an der tuneſiſchen Grenze anordnen. Weiter glaubt das
Blatt beſtätigen zu können ,daß die franzöſiſche Regierung
bereits die erforderlichen Weiſungen erteilt habe, damit
die Schiffsabteilungen des Mittelmeergeſchwa=
ders
ſich zum Schutze der Intereſſen Frankreichs bereit
halten, falls ſie noch länger bedroht würden.
Allgemein herrſcht die Anſicht, daß die Unterhand=
lungen
zwiſchen der franzöſiſchen und der italieniſchen
Regierung über den Manuba=Zwiſchenfall erſt nach der
Rückkehr des franzöſiſchen Botſchafters Barrére nach
Rom wieder aufgenommen würden. Auf beiden Seiten
ſcheint man jedoch den Wunſch nach einer ſchnelleren
Regelung des bedauernswerten Zwiſchenfalles
zu haben, da ſchon am Dienstag eine Unterredung in
Rom ſtattgefunden hat. Beim Empfang des Geſchäftsträ=
gers
Legrand, der den franzöſiſchen Standpunkt ausein=
anderſetzte
, ſtützte ſich di San Giuliano auf den
Artikel 47 der Londoner Deklaration, den Poincaré zi=
tierte
. In franzöſiſchen politiſchen Kreiſen iſt man der
Anſicht, daß der freundſchaftliche Geiſt, von dem bisher
die Verhandlungen zwiſchen den beiden Regierungen ge=
tragen
wurden, dafür bürge, daß der Zwiſchenfall eine
befriedigende Löſung finden werde.
Der Matin glaubt behaupten zu können, daß die ita=
lieniſche
Regierung die Forderung Frankreichs
betr. Rückgabe der 29 türkiſchen Reiſenden annimmt.
Dem Echo de Paris zufolge telegraphierte der in Rom
eingetroffene Botſchafter Barrsre, daß die italieniſche
Regierung die Abſicht habe, die Türken freizugeben, ſo=
bald
ihre Identität feſtgeſtellt ſei und die nach Cagliari
entſandte Kommiſſion, die die Türken einer mediziniſchen
Prüfung unterziehen ſoll, das Ergebnis derſelben mit=
geteilt
habe. Das Blatt meldet ferner, daß der franzö=
ſiſche
Geſchäftsträger in Rom, Legrand, nach dem von
ihm begangenen monumentalen Irrtum kaum auf ſei=
nem
Poſten verbleiben werde. Miniſterpräſident Poin=
ꝛcaré habe eine längere Unterredung mit dem Botſchafter
Jules Cambon gehabt. Am Quai d’Orſay ſtänden große
Perſonalveränderungen unmittelbar bevor. Mehrere
Blätter greifen den italieniſchen Botſchafter Tittoni ſehr
lebhaft an und behaupten, es ſei ſehr unwahrſcheinlich,
daß er noch lange in Paris verbleiben könne.
Die italieniſche Tribuna ſchreibt: Zwiſchen der fran=
zöſiſchen
und italieniſchen Regierung finden Unterhand=
lungen
ſtatt, die von wechſelſeitigem verſöhnlichem

Geiſte getragen ſind, um eine Löſung zu finden, die eine
wechſelſeitige Genugtuung auch der öffentlichen Meinung
beider Staaten geben könnte. Wir können verſichern, daß
die beſtehenden überaus herzlichen Beziehungen
zwiſchen den beiden Nationen keine Störung durch
dieſe vorübergehenden Zwiſchenfälle erleiden werden, die
vor allem hervorgerufen wurden durch die Kriegsnot=
wendigkeit
, in der ſich Italien befindet. Anderſeits hält
Italien an den herzlichen Beziehungen zu Frankreich feſt
und wir können uns nicht erklären, wie einige Blätter
dieſen Zwiſchenfall von geringer Bedeutung ſo aufbau=
ſchen
konnten, als wollten ſie daraus eine Frage von po=
litiſchem
Charakter machen. Die italieniſche Regierung
hat geglaubt, von ihrem guten Rechte Gebrauch
zu machen. Davon legt der Vorſchlag Zeugnis ab, den
Zwiſchenfall dem Haager Schiedsgericht zu unterbreiten.

Keine Miniſterkriſe in Spanien.

* Aus Madrid wurde am Dienstag gemeldet: Es
ſcheint erwieſen, daß der bevorſtehende Rücktritt des
Miniſteriums Canalejas auf eine Unterredung
zwiſchen dem König und dem Konſervativen Maura
zurückzuführen ſei, welcher erklärt hatte, daß es im In=
tereſſe
der Monarchie liege, die Konſervativen nicht län=
ger
in der Oppoſition zu laſſen und daß ein ſo günſtiger
Augenblick, die Konſervativen ans Ruder zu rufen, ſich
nicht ſo bald wieder finden werde. Unter dem Eindruck
dieſer Erklärung habe der König Canalejas zum Rück=
tritt
aufgefordert.
Der Korreſpondent des Temps berichtet, hervorra=
gende
Mitglieder der liberalen Partei hätten
ihm geſagt, daß es ſich um einen wahren
Staatsſtreich handele, der die ernſteſten Folgen
nicht bloß für die liberale Partei, ſondern für das Re=
gime
ſelbſt haben könne.
Canalejas bezeichnete dagegen bei ſeiner Rückkehr
aus dem Königsſchloß die Gerüchte über eine Kriſis
als unrichtig, indem er hinzufügte, daß es ſich um
Phantaſien handele, die in den Wandelgängen in der
Deputiertenkammer entſtanden ſeten. Das Parlament
werde ſeine Arbeiten in gewohnter Weiſe fortſetzen. Wie
die Agence Havas meldet, herrſcht jedoch allgemein die
Ueberzeugung, daß tatſächlich irgend etwas vorgefallen
ſei, daß aber wegen des ungünſtigen Eindrucks
und der Ueberraſchung, die die Nachricht von dem uner=
warteten
Sturz des Kabinetts aus unbekannten Gründen
hervorgerufen habe, jeder Gedanke an eme Aende=
rung
des Kabinetts fallen gelaſſen worden ſei.
Die liberale Preſſe hat nämlich ihrer einſtimmigen Ent=
rüſtung
über die Kriſe Ausdruck gegeben und Einſpruch
erhoben gegen die Art und Weiſe wie dieſe hervorgeru=
fen
ſei.
Republikaner und Sozialiſten beſchloſſen, zu erklä=
ren
, daß die Kriſe nicht geduldet werden könne, weil ſie
außerhalb des Parlaments liege und das
Vorhandenſein des perſönlichen Regiments beweiſe. Beide
wollen ſich der Rückkehr der Konſervativen zur Regie=
rungsgewalt
widerſetzen, Canalejas aber trotzdem be=
kämpfen
, da er das liberale Programm nicht verwirk=
liche
. Der Führer der Republikaner wird in der Kam=
mer
Interpellationen über die Kriſe einbringen.

Die franzöſiſche Volkszählung.

* Die Ergebniſſe der franzöſiſchen Volkszählung
vom 5. März 1911 werden erſt jetzt im Amtsblatt ver=
öffentlicht
. Frankreich hat noch immer nicht die vierzigſte
Million erreicht, iſt ihr aber etwas näher gekommen, denn
es fehlen dazu nur noch 400000 Einwohner.
Der Zuwachs der Bevölkerung in den fünf
Jahren von 1906 bis 1911 betrug 349 264 Einwohner.
Dieſe Vermehrung iſt ſtärker als die 1906 verzeichnete.
Damals war die Bevölkerung in den 5 Jahren der Zäh=
lungsperiode
nur um 290 300 geſtiegen. Die ungünſtigſte
Periode ſeit dem Kriege von 1870 war übrigens die von
1886 bis 1891, wo ſich die Bevölkerung nur um 124980
Seelen vermehrt hat. Trotz einzelner Verbeſſerungen iſt
aber die Bewegung im ganzen doch rückgängig, denn
1876 zählte man eine Vermehrung von 802867 Seelen
und dieſe Zahl iſt ſpäter nicht mehr erreicht worden. Im
ganzen iſt die Zahl von 1872 bis 1911 nur von 36 102921
auf 39 601509 geſtiegen. In der gleichen Friſt hat die
deutſche Bevölkerung um mehr als 20 Millionen zuge=
nommen
.

Betrachtet man die Ergebniſſe der 87 Depar=
tements
, in die Frankreich zerfällt, ſo ergibt ſich, daß
in 64 Departements die Bevölkerung zurückging und
nur in 23 geſtiegen iſt. Dieſe 23 Departements ſind ent=
weder
an der Grenze gelegen und daher der Einwan=
derung
beſonders zugänglich oder enthalten große
Städte, die die ländliche Bevölkerung an ſich ziehen. Die
ſtärkſten Vermehrungen haben die Seealpen mit Nizza.
die Rhonemündungen mit Marſeille, die Rhone mit
Lyon, die Seine mit Paris, Seine=et=Oiſe mit Verſail=
les
aufzuweiſen. Dazu kommen die Grenzdepartements
des Finiſterre, des lothringiſchen Meurthe=et=Moſelle, des
Norden, des Pas=de=Calais und der Nieder=Seine.
Am ſtärkſten zurückgegangen iſt die Bevölkerung in
den vorwiegend ländlichen Departements des Allier,
der Ardeche, der Oberloire, des Lot, der Manche, der
Nievre, der Somme und der Yonne. In einigen Depar=
tements
haben die wichtigeren Städte zugenommen,
ſelbſt wenn die Geſamtzahl ſich vermindert hat. So hat
die Aube 2915 Einwohner verloren, aber die Hauptſtadt
Troyes 2039 gewonnen. Illeset=Vilaine verlor 3707,
aber die Stadt Rennes gewann 3732 Einwohner.
Sehr ſtark iſt übrigens die Zunahme der
Städte in den letzten fünf Jahren nicht geweſen. Wie
damals, zählt Frankreich nur 15 Städte, die mehr denn
100 000 Einwohner zählen. Lhon verlor vor fünf Jah=
ren
die zweite Stelle an Marſeille und hat ſie nicht zurück=
erobert
, denn Marſeille zählt nun 550 619 Einwohner
und Lyon nur 523 790. Dann folgen in weitem Abſtande
Vordeaur und Lille und nach einer weiteren Kluft Nan=
tes
, Toulouſe, Saint=Etienne; Nice, Hapre, Rouen, Rou=
bair
, Naneh, Reims und Toulon, das 104582 Einwoh=
ner
zählt.

Deutſches Reich.

Der neue Reichstag. Aus Berlin wird
uns geſchrieben: Beſonders bedeutſam wird die völlige
Veränderung der Zuſammenſetzung des Reichstages für
die Geſtaltung der kommenden Vorlagen zunächſt für die
Zwecke der Landesverteidigung ſein, die unter ſolchen Um=
ſtänden
kaum auf ſo ſchnelle Erledigung wird rechnen
dürfen wie im bisherigen Reichstag. Noch ſchärfer aber
dürften die Meinungen aufeinander platzen, wenn es ſich
um den neuen Zolltarif und die Handelsverträge handeln
wird, notabene wenn dieſer Reichstag überhaupt bis da=
hin
noch leben wird. Angeſichts der zu erwartenden Kon=
flikte
gehört wenig Prophetengabe dazu, um vorauszu=
ſehen
, daß die Gefahr der vorzeitigen Parlamentsauf=
löſung
keine geringe iſt und daß ſich die Dinge bedauer=
licherweiſe
dahin entwickeln werden. Für den inneren
Frieden Deutſchlands bricht kaum eine erfreuliche Periode
an. Die Verantwortung dafür tragen die Wähler.
Der neue Rleichstagspräſident. Die
von einigen Zeitungen gebrachte Meldung, daß im
Schoße der ſozialdemokratiſchen Partei die Präſidenten=
frage
bereits entſchieden worden iſt und die Sozialdemo=
kraten
den erſten Vizepräſidentenpoſten für ſich beanſpru=
chen
, iſt, wie das Depeſchen=Bureau Herold erfährt, voll=
kommen
unbegründet. Die Frage iſt bisher in den
Sitzungen des ſozialdemokratiſchen Parteivorſtandes noch
nicht mit einem Worte berührt worden. Ebenſo unrich=
tig
iſt es, wenn bereits verlautet, daß über die Be=
ſetzung
dieſes Poſtens ſchon irgend welche Beſchlüſſe ge=
faßt
worden ſind. Die ganze Meldung eilt den Ereig=
niſſen
voraus. Uebrigens nimmt man in informierten
Abgeordnetenkreiſen an, daß die ſozialdemokratiſche Par=
tei
tatſächlich einen Poſten im Präſidium für ſich in An=
ſpruch
nehmen wird, wenn auch die Frage, wie ſchon oben
erwähnt, noch in keiner Weiſe zur Beratung geſtan=
den
hat. Als Alterspräſident im neuen Reichstage wird
der 82jährige Albert Träger am 7. Februar die erſte
Reichstagsſitzung eröffnen.
Die Wehrvorlagen und ihre Der=
kung
. Der Köln. Ztg. wird aus Berlin geſchrieben:
Die erwarteten Vorlagen für Heer und Marine ſind zwar
bei den in erſter Linie in Betracht kommenden beiden
Fachreſſorts in allen weſentlichen Punkten aufgeſtellt wor=
den
, doch iſt eine bindende endgültige Geſtaltung der
Vorlagen noch nicht erfolgt und ebenſowenig ſind Vor=
lagen
für die Deckung fertiggeſtellt. Mitteilungen hierüber
an die Oeffentlichkeit werden wohl auch erſt erfolgen,
wenn die Vorlagen den ganzen vorgeſchriebenen Weg
durchgemacht, d. h. von den verſchiedenen Reſſorts, vom
Reichskanzler und dem Bundesrat genehmigt worden
ſind. Was die Deckung anlangt, ſo liegt es gewiſſermaßen
in der Luft, daß man ſie durch eine Erbſchaftsſteuer auf=
zubringen
verſuchen wird. Die Berechtigung und die Ge=

[ ][  ][ ]

Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 25. Januar 1912.

Nummer 21.

rechtigkeit dieſer Steuer iſt in weiteſten Kreiſen anerkannt
worden. Daß die Konſervativen ihre Abneigung gegen
ſie aufgegeben haben, iſt zwar auch nach den Erklärungen
ihres Führers v. Heydebrand bei der marokkaniſchen De=
batte
im Reichstag noch nicht ſicher, aber auch ſie dürften,
falls dieſe Steuer beantragt werden ſollte, ſich ſelbſt ſagen
müſſen, daß bei der ganzen Zuſammenſetzung des neuen
Reichstags neue indirekte Steuern wenig Ausſicht auf
Annahme haben und daß man wohl oder übel gezwungen
ſein werde, eine Vermögensſteuer in irgendeiner Form
zu wählen.
Wahlrechtsvorlage für das Herzog=
tum
Koburg=Gotha. Dem Ausſchuß des gemein=
ſchaftlichen
Landtages der Herzogtümer Koburg und
Gotha, der in nächſter Woche in Koburg zuſammentritt,
iſt ſeitens der Gothaiſchen Staatsregierung eine Vorlage
betreffs Einführung direkter Wahl zum Landtage zuge=
gangen
. Der Landtags=Ausſchuß iſt zunächſt um eine
gutachtliche Aeußerung erſucht worden.
Die bayeriſch en Biſchöfe und der
Jeſuitenerlaß. Mitte Februar wird in Freiſing
eine Konferenz der bayeriſchen Biſchöfe ſtattfinden, die
ſich neben der endgültigen Regelung der Feiertagsfrage
auch mit dem Jeſuitenerlaß des Kultusminiſters be=
faſſen
ſoll.

Ausland.

Oeſterreich=Ungarn.
Graf Aehrenthal. Dem Neuen Peſter Jour=
nal
wird mitgeteilt, daß es der Wunſch des Kaiſers
Franz Joſef iſt, daß Graf Aehrenthal auf ſeinem Poſten
bleibt. Der Kaiſer ließ dem Miniſterium des Aeußern
ſagen, Graf von Aehrenthal möge ſich Schonung auf=
erlegen
und ſich ſo lange wie möglich Ruhe gönnen, um
bei den Delegationen wieder auf ſeinem Poſten zu ſein.
Nach einem Telegramm der Morgenpoſt iſt Graf von
Aehrenthal ſchwer an Influenza erkrankt, die ſeinen
Zuſtand als ſehr ernſt erſcheinen läßt.
Rußland.
Die Reichsduma nahm in dritter Leſung die Vor=
lage
betreffend die Krankenverſicherung der Arbeiter an.
Bau einer Schwarzen Meer=Flotte. Der
Marineminiſter forderte im Miniſterrat einen Nachtrags=
kredit
von 11500000 Rubel zum Bau einer Schwarzen
Meer=Flotte.
Serbien.
Wie die Tribuna meldet, legte der Kronprinz
infolge von Meinungsverſchiedenheiten mit dem Kriegs=
miniſter
die Würde eines Generalinſpektors der Armee
nieder.
Marokko.
Die Spanier in Marokko. Nach einer Blätter=
meldung
aus Tanger habe das willkürliche Vorgehen der
Spanier in Larraſch und Elkſar, durch das die Franzo=
ſen
verhindert würden, daſelbſt Landbeſitz zu erwerben,
nicht nur in franzöſiſchen Kreiſen, ſondern auch bei allen
Ausländern großen Unwillen erregt. Die Vertreter ver=
ſchiedener
Großmächte hätten die Aufmerkſamkeit ihrer
Regierungen auf das Verhalten der ſpaniſchen Behörden
gelenkt, deren Abſicht offenkundig dahin gehe, aus ihrer
Einflußzone alle nichtſpaniſchen Unternehmer auszu=
ſchließen
.
Japan.
Die auswärtige Politik und das Budget.
In einer bei der Eröffnung des Abgeordnetenhauſes ab=
gegebenen
Erklärung über die äußere Politik wies der
Miniſter des Aeußeren, Vicomte Uchida, zunächſt darauf
hin, daß das engliſch=japaniſche Bündnis durch die Revi=
ſion
des Vertrages eine Kräftigung erfahren habe und be=
tonte
ſodann, daß die Regierung die Wiederherſtellung der
Ordnung in China wünſche. Japan habe gemeinſam mit
England ſeine guten Dienſte zur Erleichterung der Ver=
handlungen
zwiſchen den ſtreitenden Parteien angeboten
und habe ferner gemeinſam mit den andern Mächten die
Kämpfenden auf die Notwendigkeit hingewieſen, Frieden

zu ſchließen. Er bedauere, daß die Vorſtellungen zunächſt
ohne Erfolg geweſen ſeien; denn die Grundlage der ja=
aniſchen
Politik ſei der Friede im fernen Oſten. Mini=
ſterpräſident
Saijonji erklärte, die Regierung ſei mit der
Reorganiſation der Verwaltung und der Neuordnung
des Steuerweſens beſchäftigt. Finanzminiſter Yamamoto
legte das Budget vor, das lediglich nach dem Grundſatz
aufgeſtellt iſt, zwiſchen Einnahmen und Ausgaben das
Gleichgewicht herzuſtellen, um die allgemeine wirtſchaft=
liche
Lage zu fördern und um die Finanzen auf eine feſtere
Grundlage zu ſtellen. Die gegenwärtige ungünſtige Han=
delsbilanz
ſei Gegenſtand reiflichſter Ueberlegung ge=
weſen
. Die Ermunterung der Ausfuhr und die Förde=
rung
der Induſtrie ſeien Angelegenheiten von dringend=
ſter
Wichtigkeit. Der Miniſter betonte ſchließlich, daß eine
Aenderung im Tilgungsplan der Anleihen nicht beabſich=
tigt
iſt.

* Haag, 23. Jan. Wie nunmehr amtlich bekannt
gegeben wird, hat die leichte Erkrankung der Köni=
gin
während der letzten Tage die eine Zeitlang gehegten
Hoffnungen zunichte gemacht. Der Zuſtand der Königin
iſt indes befriedigend.
* Haag, 23. Jan. Die Opiumkonferenz hielt
in Gegenwart des Miniſters des Aeußern und des Staats=
miniſters
Aſſer ihre letzte Sitzung ab. Der Miniſter des
Aeußern erklärte, die niederländiſche Regierung werde gern
die Arbeiten übernehmen, die ſich aus der Opiumkonvention
ergeben würden. Die Konferenz wurde ſodann geſchloſſen.
Die bevollmächtigten Vertreter der zwölf beteiligten Staa=
ten
unterzeichneten hierauf die internationale Opiumkon=
vention
, die 25 Artikel enthält, ſowie das Schlußprotokoll.
Die beteiligten Staaten ſind: Deutſchland, die Vereinigten
Staaten von Amerika. China, Frankreich, Großbritannien,
Italien, Japan, die Niederlande, Perſien, Portugal, Ruß=
land
und Siam.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 25. Januar.

* Empfänge. Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
empfingen geſtern den Oberſtleutnant a. D.
Frhrn. Schenck zu Schweinsberg, den Lehrer Emmerich
von Roßdorf, die Lehrer Rothſchild, Rieß und Lehr von
Worms, den Bauinſpektor Joſt von Bad Nauheim; zum
Vortrag den Staatsminiſter Ewald, den Vorſtand des
Kabinetts Geheimerat Römheld.
* Ernannt wurden durch Entſchließung Großh.
Miniſteriums des Innern die Referendare Dr. Hermann
Fitting zu Darmſtadt und Hans Goebel zu Groß=
Rohrheim zu Regierungsaſſeſſoren.
Ihre Königl. Hoheiten der Großherzog und
die Großherzogin reiſten heute abend nach Berlin zur
Teilnahme an der Kaiſergeburtstagsfeier. Die Rückkehr
erfolgt am 28. d. Mts.
* Aus der Geſellſchaft. Die Tochter des Herrn
Staatsminiſters Ewald Exz., Fräulein Eliſabeth, hat ſich
mit dem Leutnant im Garde=Dragoner=Regiment Herrn
v. Guſtedt verlobt.
* Großh. Regierungsblatt. Die Beilage Nr. 1.
vom 24. Januar hat folgenden Inhalt: 1. Bekannt=
machung
, die Beiträge der waldbeſitzenden Gemeinden
und Körperſchaften zu den Beſoldungen der Oberförſter
betreffend. 2. Bekanntmachung, die Beſtellung des
Denkmalrats betreffend. 3. Ordensverleihungen. 4. Er=
mächtigung
zur Annahme und zum Tragen fremder
Orden. 5. Namensveränderungen. 6. Zulaſſung zur
Rechtsanwaltſchafk. 7. Dienſtnachrichten. 8. Dienſtent=
laſſungen
. 9. Charaktererteilungeu. 10. Ruheſtands=
verſetzungen
.
g. Strafkammer. Geſtern hatte ſich vor der hieſigen
Strafkammer der ſchon oft vorbeſtrafte Gärtner Ill=
mer
aus Reichelsheim wegen dreier Diebſtähle zu ver=
antworten
. Er hatte im Dezember 1911 in Klein= Stein=
heim
und Mühlheim beim Betteln Wäſche geſtohlen, die
ihm aber bald wieder abgenommen werden konnte. Er
wurde wegen Bettelns zu 3 Wochen Haft und wegen
Diebſtahls in drei Fällen zu 4 Monaten Gefäng=
nis
verurteilt.
* Frauenverein der Johannesgemeinde. Im
Vortragsabend des Frauenvereins der Johannes=
gemeinde
erzählte am Dienstag abend Miſſionar Weis=
mann
Ernſtes und Heiteres von einer in=
diſchen
Miſſionsſtation‟. Der Vortragende,
der über 30 Jahre in Indien tätig war, bot ein Bilder=
buch
voll intereſſanter Ausſchnitte aus jenem merk=
würdigen
Lande, mit deſſen Natur und Volk und ſeinen
Geſchicken in Freud und Leid, ſeinen Märchen und
ſeinem Gemütsleben überhaupt die Zuhörer in an=
regender
, oft draſtiſcher Form bekannt gemacht wurden.

Der zahlreiche Beſuch bewies, daß Schilderungen aus
der Miſſion auch heute noch auf das Intereſſe weiter
Kreiſe rechnen können.
* Sektion Darmſtadt, D. u. Oe. Alpenverein. Am
zweiten, von der Sektion Darmſtadt im Januar im
Kaiſerſaal veranſtalteten Vortragsabend ſprach Herr Hof=
ſchauſpieler
Hans Baumeiſter über Klettertouren im
Wilden Kaiſer. Die Gipfel des Predigtſtuhls und der
Kleinen Halt mit ihren gigantiſch aufragenden Wänden
und ſchwierigen Kaminen waren von ihm mit gleich=
geſinnten
Kletterfreunden führerlos bezwungen worden.
Vom einzigen Gedanken beſeelt, die Größe der Natur
mit ihrem Zauber nach jeder Richtung hin genießen und
geiſtig auskoſten zu wollen, ſieht der Redner in der kör=
perlichen
Leiſtung und der techniſchen Ueberwindung der
Schwierigkeiten nur das Mittel zur Erreichung ſeines
ſtolzen Zieles. In glänzender Sprache, mit tiefer Empfin=
dung
und einem alle menſchlichen Schwächen des Tou=
riſtentums
liebenswürdig umrankenden Humor zwang
der Vortragende die zahlreich verſammelten Hörer leicht
in den Bann, einen die Bergwelt ſtolz beherrſchenden
Alpiniſten hören zu dürfen. Eine Reihe ausgezeichneter
Lichtbilder von Kufſtein, dem Bärenbad und Stripſen=
joch
, ſowie von den ſchweren und ſchwindeligen Stellen
in den trotzigen Bergwänden halfen zur Vertiefung des
Eindrucks. Den reichen wohlverdienten Beifall der Hörer
faßte der Vorſitzende noch in beſonderem Dankesworte
zuſammen.
g. Antiſpiritiſtiſcher Wohltätigkeits=Abend. Im
großen Saal des Städtiſchen Saalbaues fand am Diens=
tag
abend zum Beſten der Kaſſe des Heſſiſchen Fechtver=
eins
Waiſenſchutz ein gut beſuchter Experimental= Vor=
trag
des Antiſpiritiſtenpaares Ida Lané=Ney und Rich.
Lané ſtatt. Als erſte Nummer zeigte Frau Lané=Ney ein
Experiment von anſcheinender Gedanken= und Willens=
beeinfluſſung
. Sie konnte mit verbundenen Augen ein
vorher vom Publikum beſtimmtes Bild aus einem großen
Tableau herausfinden, anſcheinend, durch Gedankenüber=
tragung
, während ſie in Wahrheit durch die durchſichtige
Binde von ihrem Partner durch Anwendung einer genial
ausgedachten Zeichenſprache die Nummer des betreffen=
den
Bildes wahrnahm. Das Feſſel=Experiment, das wir
bereits vor kurzem von einem anderen Antiſpiritiſten er=
klärt
erhielten, wurde ebenfalls vorgeführt, aber er=
weitert
durch die Befreiung aus der Zwangsjacke, ein
ziemlich anſtrengendes Experiment. Das Geheimnis, daß
das gefeſſelte Medium verſchiedene Inſtrumente ertönen
läßt, wurde durch das Vorhandenſein von Dubletten ge=
löſt
. Herr Richard Lané, der bei dieſen Experimenten
das Publikum durch ſeine humoriſtiſchen Bemerkungen
ſehr beluſtigte, führte zum Schluß einige Taſchenſpieler=
kunſtſtückchen
des Zauberkünſtlers Bosko vor, die ebenſo
wie die übrigen Vorführungen reichen Beifall ſanden.
Den Beſchluß des Programms bildete ein Zeugnis der
Gedächtniskunſt der Frau Lané=Ney, die 30 vom Pübli=
kum
angegebene Gegenſtände aus dem Gedächtnis der
Reihe nach wiedergab, dann auch beliebig nach der Num=
mer
den Gegenſtand oder umgekehrt; ein Experiment, das
nicht auf Täuſchung des Publikums beruht, ſondern
lediglich auf einer mächtigen Uebung des Gedächtniſſes.
Wie glaubhaft verſichert wurde, iſt Frau Lané=Ney im=
ſtande
, dieſes Gedächtnismeiſterſtück bis auf 100 Gegen
ſtände auszudehnen. Hochbefriedigt, und viele wohl
auch belehrt und bekehrt von manchem Aberglauben,
gingen die Erſchienenen nach Hauſe.
* Vortrag. Auf den von der Deutſchen Kolo=
nialgeſellſchaft
, Abteilung Darmſtadt, unter An=
ſchluß
der Kreisgruppe Darmſtadt des Deutſchen Flotten=
vereins
, heute abend 8 Uhr veranſtalteten Lichtbilder=
Vortrag des Herrn Spezialarztes Dr. Vir von hier über
ſeine Forſchungsreiſen in den Ländern zwiſchen den Scen
im Nordweſten von Deutſch=Oſtafrika 1910/11 erlaubt
man ſich, hiermit aufmerkſam zu machen. (Näh. ſ. Anz.)
* Kaiſerfeier des Wartburg=Vereins. Der Chriſt=
liche
Verein junger Männer Wartburg feierte den Ge=
burtstag
Sr. Majeſtät des Kaiſers im Feierabend,
Stiftſtraße 51. Die Feier, die unter der Deviſe:
Fürchtet Gott, Habt die Brüder lieb!
Ehret den König! ſtand, nahm einen glänzenden
Verlauf. Ein ſorgfältig gewähltes, reichhaltiges Pro=
gramm
, welches von den Mitgliedern des Poſaunen=
Chors zuſammengeſtellt wurde, ſorgte dafür, daß ſich
dieſe Feier allen früheren würdig anſchloß. Fanfaren,
Trommelwirbel und Paukenſchlag eröffneten den Abend,
dem ſich der Eröffnungsgeſang, Prolog und Begrüßungs=
Anſprache anſchloß. Nach einem wirkungsvollen Poſaunen=
vortrag
folgte eine Deklamation: Max Schneckenburgers
Wacht am Rhein, worauf der Poſaunenchor das Alt=
niederländiſche
Dankgebet zu Gehör brachte. Im
Mittelpunkt des Abends ſtand das echt vaterländiſche
Schauſpiel: Deutſche Treue von Th. Körner, welches
den Darſtellern reichen Beifall einbrachte. Im 2. Teil
trug der Poſaunenchor die wunderbare Arie des Saroſtro
aus der Zauberflöte vor, worauf der Männerchor durch
das ſchöne Lied: Das treue deutſche Herz erfreute.
2 Terzette für Flügelhörner und eine Deklamation: Das

Aegyptens neuer Hafen.

C) Ehe vor einigen Wochen bei Beginn des Tripo=
lis
=Krieges die Engländer die bisher türkiſche Bai von
Sollum für britiſches, bezw. ägyptiſches Eigen=
tum
erklärten, war der Name dieſes Golfes außerhalb
geographiſcher Fachkreiſe ſo gut wie unbekannt. Es kam
faſt nie vor, daß ein Europäer jenen abgelegenen öden
Küſtenſtrich beſuchte, der jetzt dazu beſtimmt iſt, ein neuer
Hafen Aegyptens zu werden. In der Tat beruht
der Wert des Golfs von Sollum nur auf den ganz unge=
wöhnlich
günſtigen natürlichen Vorbedingungen zu einem
Hafenplatze. Ein Engländer, der jetzt nach der Beſitzergreif=
ung
Sollums die lange Zeit hindurch vergeſſene Stätte auf=
geſucht
hat, gibt eine aufſchlußreiche Schilderung dieſes
neuen britiſchen Beſitztums. Der natürliche Hafen bildet
einen vollkommen ſicheren Schutz gegen die verheerenden Weſt=
winde
, die gerade in jenem Teile des Mittelmeeres oft Un=
heil
anrichten. Die hohen, roten Sandſteinklipen, die den
Golf umrahmen, und eine natürliche Schutzmauer gegen
Sturm und Wogen bilden, erheben ſich in einer Höhe von
200300 Fuß. Dagegen exiſtieren künſtliche Hafenanlagen
überhaupt noch nicht. Der Verkehr mit Schiffen muß durch
kleine Boote bewerkſtelligt werden, was nur bei ganz
ſtillem Wetter ohne Schwierigkeiten durchzuführen iſt. Das
heutige Dorf Sollum beſteht aus einem halben Dutzend
verlaſſener, armſeliger Lehmhütten und einem Zollamt.
das ein kleines Zimmer umfaßt und ebenfalls verlaſſen iſt.
Auf den Gipfeln der Klippen liegt auch ein kleines Fort.
Aber wie öde und armſelig dieſe Stätte heute auch an=
mutet
, es finden ſich zahlreiche Anzeichen, die erkennen
laſſen, daß Sollum einſt eine große und bedeu=
tende
Stabt war. Aus dem Sande ragen noch die

Ruinen mächtiger alter Mauern, aber vor allem überraſchen
die großen Waſſerreſervoirs, die heute freilich verfallen
ſind, einſt aber mächtigen Regenwaſſermengen Raum ga=
ben
. Einer dieſer gemauerten Waſſerbehälter mißt ſogar
nicht weniger als 36 Meter im Quadrat. Das Waſſer wurde
durch Löcher und Röhren in der Regenzeit in die Behälter
geleitet, denn Sollum iſt einſtweilen völlig auf Regen an=
gewieſen
, da ſonſt nur ungenießbares Brachwaſſer zu finden
iſt. Wie ſtark aber auch zu gewiſſen Jahreszeiten die
Regenniederſchläge ſind, die Vegetation iſt von einer troſt=
loſen
Dürftigkeit. In den Wintermonaten ſieht man nicht
die geringſte Spur von Grün. Nur kleine, rauhe Sträucher,
eigentlich Büſchel von nur 6 Fuß Höhe, gedeihen hier im
Wüſtenſande und bilden die Nahrung für die Kamele.
Die Klippen münden landeinwärts auf ein Hochplateau,
mit dem die Wüſte beginnt, ſo weit das Auge ſchweift
Nirgends ein Hügel, ein Felſen, eine Geländeerhebung,
überall nur Sand und hin und wieder Sanddünen. Zur
Regenzeit bilden ſich dann Salzſümpfe, die für Menſch und
Tier gefährlich ſind. Ebenſo dürftig iſt die Fauna, nur
ſelten ſieht man eine vereinzelte Gazelle, bisweilen ein
Wüſtenhuhn und vielleicht auch eine Lerche. Nur wer ge=
zwungen
iſt, wird dieſen verlaſſenen, öden Weltwinkel auf=
ſuchen
, der jetzt durch die jüngſten Vorgänge beſtimmt
ſcheint, künftig im Mittelmeer als ein wichtiger ſtrategiſcher
Punkt eine Rolle zu ſpielen.
Sollum und ſeine felſige Umgebung iſt ein geradezu
idealer Hafen, der beſte aller Naturhäfen im ganzen
ſüdöſtlichen Mittelmeerbecken. Mit dem Golf von Sollum
haben die Italiener, ſofern der Krieg in ihrem Sinne enden
wird, den ſchönſten Hafen und die wertvollſte ſtrategiſche
Poſition Großtripolitaniens verloren. Die Höhen von
Sollum beherrſchen die Cyrenaika und ſchützen Aegypten.
Man könnte dieſe Poſition geradezu als das Gibraltar

des Oſtens bezeichnen. Es war ſeit vielen Jahren die
Abſicht des Vizekönigs, ſein großartiges Bahnunterneh=
men
, die khediviale Bahn, durch die Mariutwüſte einmal
in Sollum endigen zu laſſen und damit den Weg nach
Aegypten zu verkürzen. Die khediviale Privat=
bahn
hat bereits 225 Kilometer weſtlich von Alexandrien
durch die Wüſte und das Gebiet der Auladalirbeduinen
vorgedungen. Ihre jetzige Endſtation iſt Sidi el Haggag
in ziemlicher Nähe vom Hafen Mirſa Matru. Es ſoll nach
dem Ausbau der Linie bis zum Golf von Sollum und der
gleichzeitig zu unternehmenden Verſtärkung und Verdoppe=
lung
der Geleiſe ein Expreßverkehr mit Kairo eingeführt
werden und im Anſchluß daran der Schiffsverkehr mit
Sollum. Der Seeweg von Italien nach Aegyp=
ten
wird dadurch eine Verküzung um einen vol=
len
Tag erfahren. Es wird die kürzeſte Route nach dem
Orient darſtellen. Für die ExpreßzügeSollum=Kairo wären
dann höchſtens neun Stunden Fahrt anzuſetzen und dieſe
Fahrt berührt intereſſante, bisher unbekannte Regionen
Aegyptens. Sollum wäre der ideale Endpunkt dieſer
Bahn. Der große prächtige Golf bietet eine unvergeßliche
Szenerie. Bei klarem Wetter ſieht man von den Höhen
aus die Inſel Kreta in weiteſter Ferne verſchwinden.
Die beſondere ſtrategiſche Bedeutung dieſer Bahnlinie
für Aegypten (und für die Okkupation!) hat übrigens der
ägyptiſchen Staat veranlaßt, ſie dem Khediven abzukaufen.
Die Verhandlungen ſind jüngſten Datums und man hat
vereinbart, dem Khediven die erſte Hälfte des Kaufpreiſes
im Juni 1912, den Reſt anfangs 1913 auszuzahlen. De
Vizekönig macht dabei einerſeits ein glänzendes Geſchäft
erlebt aber andererſeits die Freude, ſeinen alten Traum.
der Verkürzung des Seeweges nach Aegypten, wenn auch
von Staats wegen, ſo doch unter ſeinen eigenen Auſpizien
ſich verwirklichen zu ſehen,

[ ][  ][ ]

Nummer 21.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 25. Januar 1912.

Seite 3.

deutſche Vaterland löſten weiteren großen Beifall aus.
Dann folgte eine Kaiſerhuldigung in Lied und Bild,
ausgeführt von den Bläſern, welche ſehr effektvoll wirkte.
Nach einem allgemeinen, begeiſterten Geſang, dem an=
ſchließend
die Schlußanſprache folgte, brachte der Poſaunen
chor noch den großen Zapfenſtreich und Gebet unter
Benutzung von Schlagzeug zu Gehör, dem dann noch
eine weitere Zugabe folgte. Erwähnt ſei auch noch
Herr Martin Beſt, der wieder einige ſeiner beliebten
Lieder vortrug. Der Reinertrag des Feſtes wurde den
wackeren Bläſern zur Neuanſchaffung von Inſtrumenten
zur Verfügung geſtellt.
* Freiwillige Sanitäts=Hauptkolonne vom Roten
Kreuz. Im Mathildenhöhſaal fand am Dienstag die
Schlußprüfung des Winterkurſus unter zahlreicher
Beteiligung ſtatt. Erſchienen waren u. a. Herr General=
Arzt Dr. Lindemann, Oberkonſiſtorialpräſident Nebel,
Oberpoſtdirektor Milkau, Provinzialdirektor Fey, Major
Maaß und Regierungsrat Gennes. Abordnungen hatten
entſandt die Sanitätskolonnen Eberſtadt, Groß=Biberau,
Nieder=Ramſtadt und Roßdorf. Die Leiſtungen der
Prüflinge in dem unter Leitung von Herrn Oberleutnant
Lotheißen ſtattfindenden theoretiſchen und praktiſchen
Prüfungen waren äußerſt befriedigend und zeugten von
dem Fleiß von Schüler und Lehrer. Herr Generalarzt
Dr. Lindemann beſprach hierauf eingehend die An=
forderungen
, die heute an die Sanitätsmannſchaften ge=
ſtellt
werden und betrachtete die gezeigten Leiſtungen der
Prüflinge nach dieſer Hinſicht. Er gab ſeiner Freude
über die vorzüglichen Leiſtungen lebhaften Ausdruck. Es
wurde hierauf die Modellſammlung der Sanitätskolonne
einer eingehenden Beſichtigung unterzogen. In der ſich
anſchließenden intimen Feier würdigte Herr General=
arzt
Dr. Lindemann die Tätigkeit der Kolonnen im In=
tereſſe
des Gemeinwohles. Am Schluſſe ſeiner Rede
brachte er ein Hoch aus auf Se. Maj. den Kaiſer, in das
begeiſtert eingeſtimmt wurde. Herr Oberleutnant Loth=
eißen
berichtete ſodann über die Tätigkeit der Kolonne
und ihre Entwicklung im vergangenen Jahre, wonach
an die Prüflinge die Ausweiskarten verteilt wurden,
womit ſie ſich überall als ausgebildete Krankenpfleger
ausweiſen können, um überall einſpringen zu können,
wo ihre Tätgkeit erforderlich iſt. Für fünfjährige Arbeit
in der Sanitätskolonne konnten an 7 Mitglieder Diplome
verteilt werden.
* Die Balkan=Vorträge. In dem zweiten Vor=
trag
des Vortragszyklus über das Balkangebiet am
Donnerstag, den 25. Januar, behandelt Herr Profeſſor
Dr. Klemm die Oberflächenformen, die Bodenverhält=
niſſe
und Glieder der Halbinſel, insbeſondere auch
Griechenland und die benachbarte Inſelwelt. Lichtbilder
und Karten werden den Vortrag bereichern und er=
läutern
. Lokal: Techniſche Hochſchule. Karten an den
bekanntgegebenen Stellen und am Saaleingang.
* Handel mit Rußland. In der heutigen Nummer
unſeres Blattes befindet ſich eine Veröffentlichung der
Großh. Handelskammer Darmſtadt. über die Anweſen=
heit
des Handelsſachverſtändigen beim Kaiſerl. General=
konſulat
in St. Petersburg am 10. und 12. Februar zur
Verrechnung in Frankfurt a. M.
* Kinovorführungen für die Jugend. Man ſchreibt
uns: Der Darmſtädter Ausſchuß für Beſſerung in kine=
matographiſchen
Darſtellungen hat mit dem Beſitzer des
Reſidenztheaters vereinbart, daß nächſten Samstag, an
Kaiſers Geburtstag, wieder kinematographiſche Schüler=
Vorſtellungen ſtattfinden. Die zur Darſtellung gelangen=
den
Films, von Ausſchußmitgliedern ausgewählt, ſind in
ihrer Mehrheit belehrenden Inhalts und der Geographie,
Geſchichte und Naturkunde entnommen; eine Nummer:
Fritzchen als Zauberkünſtler bildet die humoriſtiſche
Beigabe. Die Vorführungen, zwei am Vormittag und
drei am Nachmittag, beginnen um 10 Uhr bezw. 1½ Uhr
und dauern je 11¼ Stunden. Eintrittskarten zu 10 Pfg.
ſind erhältlich ab Donnerstag am Verkehrsbureau; ſie
ſind von beſonderer Farbe für jede Vorſtellung, deren
Beginn auf der Rückſeite vermerkt iſt. Eine Begleitung
durch den Vater, die Mutter oder ein erwachſenes Fami=

lienglied iſt geſtattet gegen vorausgegangene Löſung einer
Karte zu 20 Pfg. Oben genannter Kommiſſion gereicht es
zu einiger Befriedigung, erwirkt zu haben, daß der In=
haber
des Darmſtädter Reſidenztheaters das Verſprechen
gegeben hat, künftig von dem Aushang ſolcher Reklame=
bilder
abſehen zu wollen, die bei ihrer ſenſationellen
Wirkung auf Sitte und äſthetiſches Empfinden als an=
ſtößig
bezeichnet werden könnten, ſelbſt wenn ſie polizei=
behördlich
geſtattet ſind.
* Die Darmſtädter Karneval=Geſellſchaft ſchreibt
uns: Die Geſellſchaft wird am nächſten Sonntag den 28.
ds. Mts., abends 7 Uhr 11 Minuten im Saalbau ihre erſte
Große Damen= und Herrenſitzung abhalten.
Die Feſte der Darmſtädter Karneval=Geſellſchaft ſind
ja immer in vornehmem Stile gehalten geweſen, und
ſo wird dieſe große Sitzung ganz beſonders prächtig aus=
geſtaltet
werden, ſodaß ein Beſuch zu empfehlen iſt, zu=
mal
der Eintrittspreis ſo niedrig gehalten iſt, daß ſelbſt
eine größere Familie den Beſuch riskieren kann. Da
Se. Königl. Hoheit der Großherzog ſeinen Beſuch in
Ausſicht ſtellte, bleibt die Hofloge für die Allerhöchſten
Herrſchaften reſerviert, und auf der Galerie werden die
erſten Reihen der Sitzplätze numeriert und ſind zu 2 Mk.
pro Stück in dem Verkehrsbureau zu haben. Es werden
von dieſen Karten nur 60 Stück verkauft und empfiehlt
es ſich, mit dem Kauf nicht zu zögern. Auf die Sitzung
ſelbſt kommen wir noch zu ſprechen.
B. Arheilgen, 24. Jan. Am Montag feierte Herr
Lehrer Herget ſein 25jähriges Jubiläum. Der
Männergeſangverein Eintracht deſſen Mitglied der
Jubilar iſt, veranſtaltete eine Feier im Vereinslokal Zur
Krone, zu der eine ganze Anzahl Herren, die dem Jubi=
lar
nahe ſtehen, ſich einfanden. Nachdem der aktive Chor
zur Einleitung der Feier das Lied An die Heimat ge=
ſungen
hatte, ehrte der Vorſitzende des Vereins den Ju=
bilar
mit einer warm empfundenen Anſprache, in der
er die guten Eigenſchaften hervorhob, durch welche ſich
der Jubilar die Achtung und das große Vertrauen der
Einwohner von Arheilgen zu erwerben wußte, ſodaß
heute eine große Anzahl Schüler und Schülerinnen, die
jetzt zu Männern und Frauen herangereift ſind, mit
Ehrerbietung zu ihrem Lehrer emporblicken, und ſchloß
mit dem Wunſche, daß es dem Jubilar vergönnt ſein
möge, auch ſein 50jähriges Jubiläum in gleicher Ge=
ſundheit
zu feiern. Hierauf dankte der Jubilar dem
Verein für die Ehrung, die er ihm aus Anlaß des heuti=
gen
Tages zuteil werden ließ, und ermahnte die Sänger,
in ihrem Beſtreben und unter der Leitung des Dirigen=
ten
, Herrn Damm, fortzufahren und die Ehre und das
Anſehen des Vereins auch nach außen hin zu fördern.
Weitere Anſprachen wurden noch gehalten von Herrn
Pfarrer von der Au, Herrn Sekretär Hirſch und Herrn
Beigeordneten Benz, durch welche der Jubilar geehrt
und gefeiert wurde. Die Anſprachen wurden durch Ge=
ſangsvorträge
gewürzt, welche mit großem Beifall auf=
genommen
wurden.
Offenbach, 24. Jan. Eine hochherzige Stift=
ung
hat der am 4. Januar verſtorbene Rentner Hein=
rich
Krumm in einer letztwilligen Verfügung gemacht,
indem er ein Kapital von 300000 Mark ſtiftete,
deſſen Zinſen zu wohltätigen Zwecken Verwendung finden
ſollen, die im Teſtament des Verſtorbenen näher bezeichnet
ſind. In der Hauptſache kommt die Stiftung dem Städti=
ſchen
Krankenhaus und einer Reihe ſonſtiger, mit dieſem
Inſtitut verbundener Nebenanſtalten zugute, ſo unter an=
derem
der Beratungsſtelle für Mutter= und Säuglingsfür=
ſorge
. Die Verwendung der Zinſen im einzelnen ſoll dem
Ermeſſen des jeweiligen Bürgermeiſters und des Chef=
arztes
des Krankenhauſes überlaſſen bleiben. Das Kapital
fällt nach dem Tode der Witwe des Verſtorbenen an die
Stadt und wird bis zu dem genannten Zeitpunkt im Sinne
der Stiftung ſichergeſtellt. Auf die Nutznießung des Ka=
pitals
hat bis zu ihrem Ableben Frau Witwe Heinrich
Krumm Anſpruch.
* Fränkiſch=Crumbach, 23. Jan. Vor kurzem wurde,
wie gemeldet, in dem Schloſſe der Freiherren von
Gemmingen in Fränkiſch=Crumbach ein bedeutender

Einbruch verübt und außer einer Anzahl afrikaniſcher
Waffen und ſonſtiger Seltenheiten auch eine goldene Mon=
ſtranz
, ein goldener Abendmahlskelch, eine Figur (das
Jeſukind darſtellend) in Gold, eine goldene Krone und
einige hundert alte Goldmünzen aus dem 15. und 16. Jahr=
hundert
von beträchtlichem Werte geſtohlen. Vor einigen
Tagen nun wurde ermittelt, daß herumziehende Zigeu=
ner
die das Keſſelflickerhandwerk betreiben, in verſchie=
denen
Wirtſchaften auf dem Lande den Verſuch gemacht
haben, von dieſen geſtohlenen Goldſtücken zu verkaufen.
Die Polizeiorgane ſind, wie die Darmſt. Ztg. berichtet,
aufgefordert worden, ein wachſames Auge auf die Zigeuner
zu haben.
Mainz, 24. Jan. Im Mai v. Js. war in Worms
und Umgegend ein Streik der Schreiner ausge=
brochen
. Am Himmelfahrtstag erſchienen in den Werk=
ſtätten
verſchiedener Schreinermeiſter in Worms, Hoch=
heim
und Pfiffligheim drei Schreinergeſellen, um angeb=
lich
im Auftrage des Polizeiwachtmeiſters Meis zu
kontrollieren, ob an dieſem Tage gearbeitet werde. Wegen
gemeinſchaftlichen Hausfriedensbruchs wurden die drei
Geſellen vom Schöffengericht Worms zu je 10 Tagen Ge=
fängnis
verurteilt. Der Polizeiwachtmeiſter hatte ent=
ſchieden
beſtritten, den Angeklagten einen Auftrag gegeben
zu haben, er will mit den Leuten nur geſprochen haben.
Gegen das Urteil legten die Angeklagten Berufung ein,
die koſtenpflichtig verworfen wurde. Ein Arbei=
ter
wurde am 1. Dezember vor dem Schöffengericht als
Zeuge vernommen. Er gab an, täglich 4,60 Mark zu ver=
dienen
und verlangte in dieſer Höhe ſeine Zeugenge=
bühren
. Dem Richter erſchienen die Gebühren zu hoch,
auf eindringlichen Vorhalt gab der Zeuge zu, nur 3,60
Mk. täglich zu verdienen. Nun hatte er ſich wegen Be=
trugsverſuchs
gegenüber dem heſſiſchen Fiskus
heute vor dem Schöffengericht zu verantworten. Er wurde
zu 25 Mark Geldſtrafe verurteilt. (M. Tgbl.)
Worms, 24. Jan. In der Gerberei der Firma Cor=
nelius
Heyl fanden Arbeiter den 25jährigen Fabrik=
arbeiter
Jakob Born aus Pfiffligheim mit dem Rücken
gegen den Ausſchalter der elektriſchen Leitung gelehnt
tot auf. Wahrſcheinlich iſt er der Leitung zu nahe
gekommen und durch den ſtarken Strom getötet worden.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 23. Jan. Die Gedächt=
nisfeier
für Friedrich den Großen ſetzte ſich
abends um 6 Uhr in der Kriegsakademie fort. Der Kai=
ſer
erſchien in Begleitung des Prinzen Heinrich, außer=
dem
waren ſämtliche hier anweſenden Prinzen des =
niglichen
Hauſes zugegen. Generalmajor Frhr. von
Freytag=Leringhofen hielt den Feſtvortrag über König
Friedrich als Kriegsherr und Heerführer. In Potsdam
begann die Feier des 200. Geburtstages mit einem Feſt=
gottesdienſt
in der Garniſonkirche, zu dem das Kaiſer=
paar
, die kaiſerliche Familie, die anweſenden Fürſtlich=
keiten
, der Reichskanzler erſchienen waren. Die Feſtpre=
digt
hielt Feldprobſt Wölfling. Sodann legte der Kai=
ſer
am Sarge des großen Königs einen Kranz nieder.
Deputationen von Regimentern legten ebenfalls Kränze
mit Inſchriften am Sarkophag nieder., Dann begann die
Parade im Luſtgarten, bei der der Kaiſer eine Anſprache
an die Truppen hielt. Es folgte ein Frühſtück im Re=
gimentskaſino
des 1. Garde=Regiments zu Fuß. Das
Denkmal Friedrichs des Großen Unter den Linden iſt mit
grünem und goldenem Lorbeer umwunden und wird von
Pylonen von goldenen Königskronen überragt. Topf=
gewächſe
flankieren den hohen Unterbau, Girlanden ver=
binden
die Pylonen. Vier Poſten vom Alexander= Regi=
ment
mit Blechmützen halten Wache. Die öffentlichen
Gebäude Berlins ſowie ſtaatliche und ſtädtiſche Gebäude
tragen Flaggenſchmuck. Auf dem königlichen Schloſſe
ſind drei Standarten gehißt. Wie der Berliner Lokal=
inzeiger
hört, wird der Kronprinz und die Kron=
prinzeſſin
im Laufe des Monats Februay einen

Vorträge.

Die Stenographen=Vereinigung Ga=
belsberger
hielt am 23. Januar, abends, im Fürſten=
ſaale
ihre Monatsverſammlung ab. Nach Aufnahme
von 4 Mitgliedern wurde eine Ueberſicht über die neueſten
Vorgänge auf ſtenographiſchem Gebiste geboten und der
Wert des Leſens für die ſtenographiſche Uebung betont.
Darauf hielt Herr Lehrer Speckhardt einen nach
Inhalt ſehr lehrreichen, in der Darbietung feſſelnden
Vortrag über die Entwickelung und den Stand
der deutſchen Valuta. Dieſes Fremdwort
iſt in dem kaufmänniſchen Leben allgemein be=
kannt
durch ſeine Bedeutung als Wert Weiter=
hin
wird es gebraucht, um die Währung, den
Münzfuß, anzugeben. Vor der Reichsgründung
gab es ſechs verſchiedene Münzſyſteme: Talerwährung,
Guldenwährung, Frankenwährung und die lübiſche, ham=
burgiſche
und Bremer Währung. Dazu kam der Um=
lauf
vieler ausländiſcher Münzen, ſodaß es vorkam, daß
eine größere Bezahlung in 25 verſchiedenen Sorten Mün=
zen
gemacht wurde. Dadurch ergaben ſich unhaltbare
Zuſtände, denn es war nötig, die Währung aller dieſer
Geldſorten zu kennen, die Berechnung war ſehr umſtänd=
lich
uſw. Wie von Familie zu Familie ein fortwähren=
der
Austauſch des Geldes durch den Abſatz der Produkte
oder durch den Ankauf deſſen, was gebraucht wird, er=
folgt
, ſo entwickelte ſich auch zwiſchen den einzelnen Völ=
kern
ein Verkehr, und das Geld hat die Funktion, den
Austauſch im Inlande und nach dem Auslande auszu=
gleichen
. Im Welthandel hat nun das Volk den Vorzug,
das das beſte Tauſchmittel gibt, und als ſolches gilt heute
das Gold. England hat das früh eingeſehen; es hat viel
Goldgeld hergeſtellt und dadurch mit im Weltverkehr
ſeine Bedeutung erlangt. Im Anfang des vorigen Jahr=
hunderts
war Frankreich Englands ſtärkſter Rivale;
Frankreich wollte einen maßgebenden Einfluß dadurch
gewinnen, daß es die Kontinentſtaaten unter ſeiner
Führung auf die Goldwährung zu vereinigen ſich be=
ſtrebte
; es ſammelte Gold an, um die anderen Staaten,
die ſelbſt kein Gold produzieren, in ſeine Abhängigkeit
zu bringen. Im Jahre 1867 kam dann die Münzkonfe=
renz
zuſtande, und daß ſie ergebnislos verlief, können
wir nur als einen Erfolg Bismarcks anſehen. Als aber
der Krieg 1870 das Deutſche Reich uns brachte und da=
mit
die Einheit auf ſo vielen Gebieten, da wurde auch
die Münzeinheit für Deutſchland erreicht. Es kam ein
ausreichender Goldvorrat nach Deutſchland, ſodaß die
Münzgeſetze von 1871 und 1873 auch für Deutſchland die
Goldwährung einführten. Unſer 20=Mark=Stück bildet
dabei die Grundlage. Seitdem haben wir eine deutſche
Valuta. Sie lehnt ſich an die engliſche an, nur haben
wir die Dezimalteilung. England rechnet nach Karat. Die

Valuta dient dem Handel, dem Großverkehr, dem Klein=
verkehr
dient die Scheidemünze. Mit der deutſchen Va=
luta
iſt ein wichtiges Gut der Nation erzielt worden.
Dies zu ſchützen, iſt Aufgabe der Reichsbank, die durch
das Fallen und Steigen des Diskonts den Goldbeſtand
auf der erforderlichen Höhe hält. An gemünztem Gold
ſind im Deutſchen Reiche bis 1911 geprägt für
4 749002000 Mark. Es iſt zu hoffen, daß durch die
deutſche Valuta die Stellung Deutſchlands auf dem Welt=
markte
eine immer günſtigere wird. Reicher Beifall
lohnte den geſchätzten Redner. Zum Schluſſe fand die
Verteilung der Ehrenpreiſe und Diplome vom letzten
Vereinspreisſchreiben ſtatt. Darauf hielt eine Abend=
unterhaltung
die Mitglieder und Gäſte noch lange zu=
ſammen
.

Feuilleton.

* Im Aeroplan zur Reichstagswahl. Heutzutage
gibt es ſchon Leute, die im Aeroplan zur Jagd gehen oder
ihre Hochzeitsreiſe machen. Da nimmt es nicht mehr
wunder, daß ein Aviatiker, diesmal ein Deutſcher, im
Flugzeug ſich zur Wahlurne begeben hat. Der Gradepilot
Heinz A. Falderbaum führte am Samstag von dem
Gradewerken in Bork (Belzig) vom Flugfeld Mars
einen Ueberlandflug aus, flog von Bork über Neuendorf
und Rottſtock nach Brück, landete bei Brück auf den Wieſen,
begab ſich zur Wahl und flog dann, nachdem er bei einer
bekannten Familie ſich geſtärkt hatte, wieder zurück nach
dem Flugfeld Mars wo er glatt landete. Wenn dem
Wahlkandidaten alle Stimmen ſo zugeflogen kamen, dann
kann er von Glück ſagen.
C.K. Diebſtahl an drahtloſer Telegraphie. Die
Fortſchritte der drahtloſen Telegraphie und ihrer Aus=
nutzung
haben in Frankreich die Notwendigkeit eines
neuen Geſetzes zur Folge gehabt, das die unberechtigte
Benutzung dieſer neueſten Errungenſchaft der Technik
verhindert. Seit einigen Monaten werden vom Eiffel=
turm
durch die Herzſchen Wellen zweimal am Tage ge=
naue
Zeitſignale ausgeſandt, die auf hoher See von
denen, die eine genaue Beſtimmung ihres Längengrades
machen, zu einer richtigen Zeitbeſtimmung benutzt wer=
den
können. Einige unternehmende Perſonen, vor allem
Uhrmacher, ſind nun auf die Idee gekommen, daß es für
jedermann leicht iſt, dieſe Signale mit Hilfe eines ziem=
lich
leicht zu konſtruierenden Apparates aufzufangen. Um
dieſem Mißbrauch zu ſteuern, iſt daher ein geſetzliches
Verbot der unberechtigten Benutzung der Zeitſignale er=
gangen
. Wenn man daran denkt, meint dazu das Athe=
näum
, daß die britiſchen Poſtbehörden eine beträchtliche
Summe für die Lieferung der Zeitſignale von Green=
wich
zahlen müſſen, ſo kann man verſtehen, daß man ſich.

gegen den Mißbrauch zu wehren ſucht; aber wie das
geſetzliche Verbot durchgeführt werden ſoll, das kann
man ſich nur ſehr ſchwer vorſtellen.
* Die herzogliche Familie im Gepäckaufzug. In New=
York ſind, wie gemeldet wird, der Onkel König Georgs von
England, der Herzog von Connaught, mit der Herzogin und
ihrer Tochter Prinzeſſin Patricia angelangt und feſtlich em=
pfangen
worden. In amerikaniſchen Depeſchen wird aus=
führlich
erzählt, wie die herzogliche Familie den unver=
meidlichen
amerikaniſchen Reportern und Zeitungsphoto=
graphen
entwiſchte. Man hatte dieſen Herren geſagt, der
Extrazug werde am Bahnſteig 23 halten, während er in
der Tat am Bahnſteig 24 hielt. Die herzogliche Familie
wurde dann an einen Gepäckaufzug gebracht, an dem die
Warnung aufgeſchrieben war: Wer dieſen Aufzug benutzt,
tut es auf ſeine eigene Gefahr hin. Indeſſen gelangten die
hohen Gäſte ungefährdet auf die Straße und fuhren in be=
reitſtehenden
Automobilen nach der Wohnung Mr. White=
law
Reids, des amerikaniſchen Botſchafters in London, wo
ſie während ihres New=Yorker Aufenthaltes wohnen
werden.
* Prinz Lulus Taufkiſſen. Das Taufkiſſen, auf dem
Prinz Lulus Köpfchen ruhte, als er zur Taufe getragen
wurde, liegt zur Zeit in New=York in den Kunſträumen von
Mr. E. F. Bonaventure zur Anſicht aus. Das viereckige
Kiſſen iſt mit Stickereien verziert, die von den Frauen
von Nancy verfertigt wurden; es iſt ein Geſchenk der
Stadt Nancy an die Kaiſerin Eugenie und Napoleon III.
Lange Zeit war das Kiſſen im Beſitz der Gräfin Taſcher
de la Paherie, einer Kouſine des Kaiſers, deren Vater zur
Zeit des großen Kaiſers Oberhofkämmerer war. Die
Stickerei iſt ſehr gut erhalten, das Kiſſen iſt ungefähr 24
Quadratzoll groß und mit dem kaiſerlichen Wappen und
dem Namenszug verſehen. An den vier Ecken befindet
ſich je ein gekröntes N und unter dieſem die Abzeichen der
Ehrenlegion. Die Stickerei iſt von feinſter Ausführung
und das Kiſſen wird von Kennern auf 8000 Mark Wert ge=
ſchätzt
.
Die handſchuhloſe Mode. Nach Ausweis der Lon=
doner
Zeitungen gilt es bei den Damen nicht mehr als
bon ton, zur Abendtoilette Handſchuhe zu tragen. Die
Mode der langen Handſchuhe iſt zurzeit abgetan er=
klärte
eine der tonangebenden Größen im Reiche der
Toilette. Das gilt insbeſondere für die Theaterbeſuche=
rinnen
, die der überwiegenden Mehrzahl nach mit nack=
ten
Armen und Händen erſcheinen. Mit dem Handſchuh=
verkauf
geht es deshalb unabläſſig abwärts, und in den
Kreiſen der Händler, die für ihre Waren keinen Abſatz
mehr finden, herrſcht ob der Abkehr von der Handſchuh=
mode
begreifliche Erregung.

[ ][  ][ ]

mehrwöchigen Aufenthalt in der Schweiz nehmen. Der
Rixdorfer Wahlrechtsſtreit, der ſich um die
Gültigkeit von 28 Stadtverordnetenwahlen aus dem
Jahre 1910 dreht, beſchäftigte heute den Erſten Senat
des Oberverwaltungsgerichts. Der Bezirksausſchuß zu
Potsdam hatte die 28 Wahlen für ungültig erklärt, weil
ſie erfolgt waren auf Grund einer Liſte, die die Grund=
ſätze
des Geſetzes betreffend die Aufſtellung der Wähler=
liſten
vom Jahre 1909 nicht berückſichtige. Das Oberver=
waltungsgericht
beſtätigte das Urteil des Bezirksaus=
ſchuſſes
. Eine aufregende Szene ſpielte ſich vor
einer Abteilung des Schöffengerichts ab. Auf die An=
klage
des Diebſtahls hatte ſich eine Frau zu verantworten.
Sie leugnete entſchieden, wurde aber auf Grund der Aus=
ſage
einer Zeugin, die ſie beſtimmt wieder erkannt, zu
zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Da ertönte von der
Anklagebank ein furchtbarer Schrei. Die Verurteilte rief
verzweifelt aus: Ich bin unſchuldig, ſo wahr ich dieſes
Gift trinke! Sie ſetzte ein Fläſchchen an den Mund und
trank es aus. Der Vorſitzende, die Gerichtsdiener und
der im Zuhörerraum anweſende Ehemann ſtürzten
auf die Lebensmüde zu und es wurde ihr ſofort herbei=
geſchaffte
Milch eingeflößt. Dann brachte man ſie zum
Krankenhauſe, wo ihr der Magen ausgepumpt wurde.
Biebrich, 24. Jan. Die Stadtverordnetenverſamm
lung erteilte dem Magiſtrat die Ermächtigung zum Ab=
ſchluß
eines Kaufvertrages mit der Geſellſchaft zur Er=
richtung
von kaufmänniſchen Erholungs=
heimen
wegen Abtretung eines Baugeländes im Stadt
walde am Bahnhof Chauſſeehaus. Damit iſt die Erricht=
ung
eines weiteren Erholungsheimes im Taunus geſichert.
Frankenheim (Rhön), 24. Jan. Drei Männer fuhren
beim Rodeln in voller Fahrt gegen einen Baum. Einer
wurde ſofort getötet, die beiden anderen lebensgefährlich
verletzt und beſinnungslos vom Platze getragen.
Köln, 24. Jan. Der Bauunternehmer Ohl in Wem=
metsweiler
, der ſich, in eine Wahldebatte vertieft, bis
morgens 4 Uhr in einem Lokale aufgehalten hatte, war
gerade im Begriff, mit einigen Bekannten fortzugehen, als
drei als raufluſtig bekannte Burſchen das Lokal betraten.
Der Wirt weigerte ſich, ihnen Getränke zu verabreichen.
Darauf ergriff der eine der Burſchen eine Bierflaſche
und ſchlug damit dem Wirt auf den Kopf. In dem nur
entſtehenden Handgemenge fiel Ohl, von einer Kugel in
die Stirn getroffen, tot zu Boden.
Leipzig, 23. Jan. Das Reichsgericht verwarf
die Reviſion der Logisvorſteherin Voigt, die am 15.
Oktober 1911 vom Schwurgericht Chemnitz wegen Gift=
mordes
an ihrer Tochter und Brandſtiftung zum Tode
zu zwei Jahren fünf Monaten Zuchthaus und 300 Mark
Geldſtrafe verurteilt worden war. In der Reviſions=
ſchrift
waren nicht weniger als 36 Rügen vorgebracht, die
aber ſämtlich als belanglos erachtet wurden.
Leipzig, 23. Jan. Wir haben bereits berichiet, daß
das Urteil der Strafkammer Mainz, das den Redakteur
Hirſch wegen Beleidigung der Polizei=Aſſiſtentin von
Mainz, Frau Dr. Schapiro und des Beigeordneten
Berndt zu ſechs Monaten Gefängnis verurteilt hatte,
vom Reichsgericht aufgehoben worden iſt. Die Auf=
hebung
iſt erfolgt, weil dem Angeklagten vielllicht zu Un=
recht
der Schutz des Paragraphen 193 verſagt worden ſei,
wenigſtens, ſoweit er an den Amtshandlungen der Frau
Schapiro Kritik geübt habe. Das Reichsgericht erklärt es
für zweifellos daß Mißgriffe vorgekom=
men
ſind. Dieſe habe der Angeklagte als Mainzer Bür=
ger
und Stadtverordneter rügen dürfen, ſogar öffent=
lich
rügen dürfen da er ebenfalls öffentlich wegen
ſeiner Kritik in der Stadtverordnetenverſammlung an=
gegriffen
worden ſei. Durch die unzuläſſige Verquickung
der Beleidigungen gegen Berndt und die Beleidigungen
gegen Frau Schapiro durch die Mainzer Strafkammer
werde die Vermutung einer ungenügenden Prüfung, ob
der Angeklagte gegen Frau Schapiro berechtigte Inter=
eſſen
wahrgenommen habe, nahegelegt.
Eilenburg, 23. Jan. In der Eilenburger Kattun=
Manufakturen=Aktiengeſellſchaft brach in der vergangenen
Nacht, vermutlich infolge Selbſtentzündung, ein größeres
Feuer aus, das die Färberei zerſtörte. Der
Schaden an Maſchinen und Gebäuden iſt durch Verſicher=
ung
gedeckt; der Schaden an Waren iſt unerheblich. Die
Betriebsſtörung wird nach Mitteilung des Vorſtandes
nur eine kurze ſein, da ein Umſichgreifen des Feuers auf
die übrigen Gebäude verhindert werden konnte.
Hannover, 24. Jan. Als ein Opfer ihres Be=
rufes
büßte die Aſſiſtenzärztin Frl. Dr. Luiſe Brinck ihr
Leben ein. Sie hatte ſich bei der Behandlung ſcharlach=
kranker
Kinder in der Kinder=Heilanſtalt eine Infektion
zugezogen, an der ſie geſtern im Alter von 27 Jahren ver=
ſtarb
. Die Aerztin hatte in München und Göttingen
ſtudiert. Sie wirkte erſt ſeit einem halben Jahre an der
Kinder=Heilanſtalt.
Altona, 23. Jan. Im Rathaus erfolgte die Grün=
dung
des Elektrizitätswerkes Unterelbe,
A.=G., mit einem Aktienkapital von 3 Millionen Mark
Stammaktien, die die Stadt Altona übernommen hat, und
3½ Millionen Mark Vorzugsaktien, die von der Allgemei=
nen
Elektrizitätsgeſellſchaft, der Elektrobank in Kiel und
der Elektrizitäts=Lieferungsgeſellſchaft zu gleichen Teilen
übernommen worden ſind. Die Stadt bringt das vorhan=
dene
Elektrizitätswerk ein. In den Aufſichtsrat wurden
u. a. gewählt: Oberbürgermeiſter Schnackenburg, Bürger=
meiſter
Dr. Schulz=Altona, Profeſſor Dr. Klingenberg=
Berlin, Kommerzienrat Menroth=Berlin und Direktor
Sander=Zürich.
Kiel, 23. Jan. Wegen Fahnenflucht, Unterſchlagung,
Diebſtahls, Betrugs und ſchwerer Urkundenfälſchung
hatte ſich der Heizer Willi Holbein von der 1. Werft=
diviſion
vor dem Kriegsgericht zu verantworten.
Holbein gab ſich nach der Deſertion abwechſelnd als
Diplom=Ingenieur, Gerichtsaſſeſſor und Arzt aus und
hatte zahlreiche Perſonen in Magdeburg, Breslau, Poſen,
Blankeneſe, Görlitz, Hannover, Berlin und anderen
Orten durch Hochſtapeleien zum Teil ſchwer geſchädigt.
Das Kriegsgericht erkannte gegen den Angeklagten auf
ſechs Jahre Gefängnis, fünf Jahre Ehrverluſt und
auf Verſetzung inedie zweite Klaſſe des Soldatenſtandes.
Sechs Wochen wurden durch die Unterſuchungshaft als
verbüßt erachtet.
Danzig, 23. Jan. Rudolf Presber war am
Samstag vom Kronprinzen von Preußen zur
Tafel in die kronprinzliche Villa nach Danzig=Langfuhr
geladen und hat dort nach Tiſch Ernſtes und Heiteres
aus ſeinen Werken zum Vortrag gebracht.
London, 24. Jan. Die Maſchiniſten und Hei=
zer
der Kohlenzechen von Süd=Wales haben
mit einer Mehrheit von faſt 12 zu 1 den Ausſtand be=
ſchloſſen
, um eine Lohnerhöhung durchzuſetzen, die die
Grubenbeſitzer abgelehnt haben. Die Kündigung ſoll am
1. Februar auf den 1. März erfolgen. Das würde einen
Stillſtand aller Kohlengruben von Süd=Wales bedeuten,

auch wenn der Streik der Bergarbeiter vermieden wird.
Der Ernſt der Lage wächſt dadurch, daß, wenn die Ma=
ſchinen
nicht in Gange bleiben, ein Teil der Gruben unter
Waſſer geſetzt wird.
Warſchau, 24. Jan. Geſtern abend überfielen in
Hruſchtſchobrody im Gouvernement Petrikau in Abweſen=
heit
des Pfarrers ſechs Räuber den Pfarrhof. Das
Dienſtperſonal wurde getötet und eine große Barſumme
geraubt. Die Dorfpolizei verfolgte die Räuber und es
entwickelte ſich ein Revolverkampf. Zwei Räuber wurden
getötet, die anderen konnten verhaftet werden. Auch wur=
den
viele Hausſuchungen und Verhaftungen in der Nach=
barſchaft
vorgenommen.
Hamilton (Georgia), 23. Jan. Drei Neger und
eine Negerin waren des Mordes bezichtigt und in
das Unterſuchungsgefängnis gebracht worden. 100 Män=
ner
überwältigten den Kerkermeiſter, ſchleppten die Neger
vor die Stadt und hingen ſie an Bäumen auf und gaben
auf die Gehängten Schüſſe ab.

Kunſtnotizen.

Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach=
ſtehenden
Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.
Ueber die Schweſtern Tula und Maria
Reemy, die hier in dem von der Freien Studentenſchaft
zum Beſten der Akademiſchen Leſehalle veranſtalteten Kon=
zerte
auftreten werden, ſchrieb Profeſſor Nicolai in der
Eiſenacher Zeitung: Frl. Tula und Maria Reemy aus
Mexiko, die Violiſtinnen des geſtrigen Abends, haben ihre
Ausbildung in Deutſchland genoſſen; ſie ſind die Schüle=
rinnen
der Joachimſchüler Petri und Halir und des be=
rühmten
Geigenvirtuoſen im großen Stil Henri Marteau.
Aus dieſem Unterricht ſtammt die ſchlichte Natürlichkeit und
Größe ihres Spieles, die außerordentliche Sicherheit in
Tongebung und Bogenführung. An Größe und Fülle des
Tones verdient vielleicht Frl. Tula Reemy den Vorzug,
aber auch Frl. Maria hat eine ganz herrliche Tonfülle.
Ganz einzigartig iſt das Zuſammenſpiel der beiden Geige=
rinnen
; nur dauerndes gemeinſames Ueben konnte ein der=
artiges
feines Sicheinleben der einen künſtleriſchen In=
dividualität
in die andere hervorbringen. Hier ſcheint auch
die große Zukunft der Künſtlerinnen zu liegen; im Zuſam=
menſpiel
können ſie nicht übertroffen werden, auch nicht von
Petſchnikoff und Gattin, die in dieſer Beziehung gewöhn=
lich
für muſterhaft gelten. Das von den Künſtlerinnen ge=
ſpielte
D-moll=Konzert für 2 Violinen von Bach kam ſo ſtil=
echt
und groß zum Vortrag, daß das einzigartige Kunſt=
werk
eindringlichſt wirkte. Nach dem Largo erfolgte ſpon=
taner
Applaus, und obwohl der Vortrag von aller falſcher
Sentimentalität entfernt war, füllt ſich manches Auge mit
Tränen.

gegen Konſervative, 3 gegen Reichspartei, 3 gegen Zen=
trum
, 7 gegen Nationalliberale, 5 gegen Fortſchr. Volks=
partei
, 1 gegen Wilden. Die Fraktionsloſen 1 Bauern=
bund
gegen Konſervativen, 1 Wilder gegen Sozialdemo=
kratie
.
Von dieſen 33 Wahlkreiſen gehörten bisher 8 den Kon=
ſervativen
, nämlich Marienburg, Schwetz, Potsdam,
Landsberg, Kalau, Striegau, Freiſtadt, Salzwedel und
Merſeburg, 8 der Fortſchr Volkspartei, nämlich
Glogau, Bunzlau, Liegnitz, Hirſchberg, Wittenberg, Nord=
hauſen
, Altena und Lennep, 5 den Sozialdemo=
kraten
, nämlich Frankfurt a. O., Bochum, Dortmund,
Düſſeldorf und Duisburg, 3 der Reichspartei, nämlich
Züllichau, Sangerhauſen und Elberfeld, 3 den Polen,
nämlich Schwetz, Krotoſchin und Oppeln, 3 dem Zentrum,
nämlich Osnabrück, Eſſen und Mörs, 3 den National=
liberalen
, nämlich Guben, Sorau und Torgau.
* Bingen, 24. Jan. Nach der vorläufigen amtlichen
Feſtſtellung des Wahlergebniſſes von Bingen=
Alzey durch das Kreisamt Bingen hat Dr. Becker
(nat.=lib.) 12013, Korell (Fortſchr. Vpt.) 12010 Stimmen
erhalten.
Danach wäre Korell wieder nicht gewählt.
Eine Anzahl Stimmen wurde abgegeben, welche auf
Dr. Becker in Sprendlingen, Rheinprovinz, lauteten. Da
der Kandidat nicht in Sprendlingen in Rheinheſſen, ſondern
in Sprendlingen bei Langen wohnt, ſo wurden dieſe Stimm=
zettel
vom Wahlkommiſſar ausgeſchieden. Ob dies richtig
war, erſcheint zum mindeſten zweifelhaft, da doch aus den
Stimmzetteln mit abſoluter Sicherheit hervorgeht, welche
Perſönlichkeit die Wähler auf ihren Stimmzetteln bezeich=
nen
wollten.

Luftfahrt.

sr. Eine Summe von 25 Millionen Fran=
ken
für das franzöſiſche Militär= Flug=
weſen
wird die Finanzkommiſſion des franzöſiſchen
Senats in einer Verſammlung des höheren Kriegsrates
fordern, die am Donnerstag im Beiſein des franzöſiſchen
Kriegsminiſter abgehalten werden ſoll. Gelegentlich einer
Sitzung dieſer Finanzkommiſſion zur Beratung der Nach=
tragskredite
für die Militär=Aviatik wurden zunächſt elf
Millionen bewilligt, die reſtliche Summe ſoll dann nach
dem Ergebnis der Verſammlung des höheren Kriegsrats
genehmigt werden. Auch die öſterreichiſche Heeresver=
waltung
beabſichtigt, in dem Budget=Voranſchlag für das
Jahr 1912 einen Betrag von 34 Millionen Kronen für
aviatiſche Zwecke einzuſtellen. Dieſe Summe ſoll teilweiſe
für Ankäufe von Flugapparaten, die Anlage von Flug=
plätzen
und aviatiſchen Stationen, ferner für die Auf=
beſſerung
der Gehälter für Flieger=Offiziere und= Mann=
ſchaften
verwendet werden, und teils für Preiſe bei grö=
ßeren
Veranſtaltungen des Kriegsminiſteriums ausgeſetzt
werden.

Handel und Verkehr.

H. Frankfurt a. M., 24. Jan. ( Frucht=
marktbericht
.) Am Wochenmarkt war Landweizen
und Landroggen reichlich offeriert, aber die Forderun=
gen
meiſt erhöht. Infolgedeſſen konnte ſich kein richtiger
Verkehr entwickeln, da die Mühlen und der Konſum nur
wenig kauften. Für Hafer zeigte ſich weitere ſtärkere
Nachfrage zu anziehenden Preiſen. Gerſte und Mais
waren feſt. Futterartikel wenig verändert. Mehl ſtetig
Der Mannheimer Getreidemarkt iſt ffeſt bei
nahezu unveränderten Preiſen. An der Berliner
Produktenbörſe lag Getreide matter, da das Tau=
wetter
und die bald zu erwartende Wiedereröffnung der
Schiffahrt verſtimmten; auch Hafer wurde billiger
abgegeben. Inländiſches Angebot und ausländiſche Offer=
ten
waren noch feſt. Nach den letzten Kabelnachrichten
von den amerikaniſchen Getreidemärkten
(Chicago und New=York) war Weizen nach mehrfachen
Schwankungen ſtetig auf den hauſſelautenden Viſſible
Suppley=Ausweis. Mais anfangs nachgebend auf das
milde Wetter im Weſten der Vereinigten Staaten und
auf großes Angebot der Farmer, dann aber mäßig be=
feſtigt
. Schluß kaum behauptet, trotz Käufen Armours.
Die ſichtbaren Weizenvorräte ſind dort in dieſer Woche
von 67.11 Millionen Buſhels auf 64.87 Mill. Buſh. und
die Maisvorräte von 5.24 Millionen Buſhels auf 4.77
Mill. Buſh. zurückgegangen. Auch in Kanada reduzierten
ſich die Weizenvorräte in dieſer Woche von 23.57 Mill.
Buſh. auf 21.55 Mill. Buſh.
Hier ſtellen ſich die Preiſe bei 100 Kilogramm wie
folgt: Weizen hieſiger und Wetterauer, 21.9022,
Norddeutſcher 21.90, Kurheſſiſcher 21.9022, Rumäniſcher
23.5024, Laplata 2424.25. Ruſſiſcher 23.5024, Kanſas
2424.25, Redwinter 2424.25, Walla=Walla 2424.25,
Manitoba 2424.25; Roggen hieſiger 20.00, Bayeriſcher
(Pfälzer 20.00, Ruſſiſcher Amerikaniſcher
Rumäniſcher .; Gerſte (Pfälzer) 22.5023.25, hieſ.
und Wetterauer 22.5023, Fränkiſche 22.5023.25, Un=
ariſche
2425.25, Riedgerſte 22.5023, Ruſſiſche Futter=
gerſte
.: Hafer hieſiger 20.2520.75, Bayeriſcher
20.2520.75, Ruſſiſcher 2021, Rumäniſcher 2020.75,
Amerikaniſcher 19.5020: Mais mixed 18.1018.25,
Ruſſiſcher 18.3018.50, Donaumais 18.2518.50, Rumä=
niſcher
18.3018.50, Weißer Mais 18.3018.40, Laplata
18.2518.50; Weizenſchalen 1313.25, Weizenkleie 13 bis
13.25, Roggenkleie 13.5014, Futtermehl 1416, Biertre=
ber
getrocknet 1415.50; Weizenmehl, hieſiges (Baſis
ab Mannheim) Nr. 0: 30.7531.25, feinere Marken 31.50
bis 31.75, Nr. 1: 29.2529.50, feinere Marken 29.7530,
Nr. 2: 28.2528.50, feinere Marken 28.7529, Nr. 3: 26.25
is 26.50, feinere Marken 26.7527; Nr. 4: 23.2523.50,
feinere Marken 23.7524; Roggenmehl, hieſiges,
Nr. 0: 27.5028, Nr. 1: 25.5026, Nr. 2: 2222.50.

Parlamentariſches.

*X* Darmſtadt, 24. Jan. Der Finanzaus=
ſchuß
der Zweiten Kammer beſchäftigte ſich in
ſeiner heutigen gemeinſamen Sitzung mit der Regierung,
die durch die Herren Staatsminiſter Ewald, Finanz=
miniſter
Braun, Miniſter des Innern v. Hombergk
zu Vach, die Geheimeräte Beſt, Dr. Weber und
Miniſterialrat Hölzinger vertreten war, in erſter
Linie mit Kapitel 67 des Staatsvoranſchlags, worin bei
einer Einnahme von 38 200 Mark 97948 Mark Ausgaben
verzeichnet ſind. Es wurde zunächſt eingehend die durch
die Reichsverſicherungsordnung veranlaßte Organiſation
der Verſicherungsämter und das zu errichtende Oberver=
ſicherungsamt
beſprochen. Die Regierungsvertreter recht=
fertigten
den Standpunkt, daß die Anſtellung von drei
Ober= und vier mittleren Beamten, ſowie einer Anzahl
Gehilfen das Minimum ſei, was für die Durchführung
der Verſicherungsorganiſation notwendig werde. Auf
andere Weiſe laſſe ſich der infolge der Durchführung der
Reichsgeſetzgebung benötiate Beamtenapparat nicht her=
ſtellen
. Zu Kapitel 30: Provinzialdirektion und Kreis=
ämter
, wurde den Klagen aus dem Ausſchuß gegenüber
wegen allzu reichlicher Benutzung von Wagenfahrten bei
Beſichtigung uſw. durch die Beamten der Kreisämter ſei=
tens
der Regierungsvertreter durch den Hinweis auf die
Herabſetzung der im letzten Jahre verbrauchten Summe
von zirka 7000 Mark entgegnet. Die Regierung habe in
dieſer Hinſicht einen Bremserlaß an die Kreisämter
ergehen laſſen, und ſie verlange daher, daß dieſe Nota=
mina
aus dem Ausſchuß durch einzelne Tatſachen belegt
werden, da ſonſt Aenderungen in dieſer Richtung nicht
weiter eintreten laſſen könne. Jedenfalls habe ſie die
ſtrikte Anweiſung gegeben, daß nur in beſtimmten Aus=
nahmefällen
Wagen benutzt werden düeften, wenn keine
andere Fahrgelegenheit vorhanden ſei. Die Regierung
erläuterte dann weiter ihren Standpunkt in der Frage
der drei Kreisamtmänner, die in dem vergan=
genen
Jahre von der Kammer nur auf den
Inhaber bewilligt worden waren. Der Regierungsver=
treter
erklärte die Notwendigkeit der drei im neuen Etat
wieder angeforderten Beamten (für Mainz, Darmſtadt
und Gießen), ohne die man nicht auskommen könne. Sehr
eingehend wurde ſodann die Frage der Verſtaatlich=
ung
der Polizei in Offenbach erörtert. Miniſter
v. Hombergk zu Vach gab eine ausführliche Darleg=
ung
und Aufklärung über die dringende Notwendigkeit
der Verſtaatlichung. Nur durch eine Trennung von loka=
len
Einflüſſen und durch Stellung der Polizei unter das
Kreisamt werde die Selbſtändigkeit und Unabhängigkeit
der Polizei gewährleiſtet. Ein Beſchluß über die be=
treffende
Etatspoſition wurde vom Ausſchuß noch nicht
gefaßt. Die Fortſetzung der Etatsberatung erfolgt mor=
gen
vormittag.

Die Reichstagswahlen.

* Heute Donnerstag, finden noch 33 Stichwahlen
in folgenden Wahlkreiſen ſtatt: Marienberg=Elbing,
Schwetz, Potsdam=Oſthavelland, Landsberg=Soldin, Frank=
furt
a. O.=Lebus, Züllichau=Croſſen, Guben=Lübben, So=
rau
=Forſt, Calau=Luckau, Krotoſchin, Striegau= Schweid=
nitz
, Oppeln. Grünberg=Freyſtadt, Glogau, Lüben=Bunzlau,
Liegnitz=Goldberg, Schönau=Hirſchberg, Salzwedel= Garde=
legen
. Liebenwerda=Torgau, Schweinitz=Wittenberg,
Sangerhauſen=Eckartsberge, Querfurt=Merſeburg, Nord
hauſen, Osnabrück, Altena=Iſerlohn, Bochum=Gelſenkirchen,
Dortmund, Lennep=Remſcheid. Elberfeld=Barmen, Düſſel=
dorf
, Eſſen, Mülheim (Ruhr)=Duisburg, Mörs=Rees.
An dieſen Stichwahlen entfallen auf:
Die Konſervativen 1 gegen Reichspartei, 1 gegen
Bauernbund, 3 gegen Fortſchrittliche Volkspartei, 4 gegen
Sozialdemokratie. Die Reichspartei 1 gegen Konſer=
vativen
, 2 gegen Polen, 3 gegen Sozialdemokratie. Das
Zentrum 1 gegen Polen, 2 gegen Nationalliberale, 3
gegen Sozialdemokratie. Die Polen 2 gegen Reichspartei,
1 gegen Zentrum. Die Nationalliberalen
gegen Zentrum, 7 gegen Sozialdemokratie. Die Fort=
ſchrittliche
Volkspartei 3 gegen Konſervative, 5
gegen Sozialdemokratie. Die Sozialdemokratie 4

Vermiſchtes.

C.K. Die engliſche Bücherflut. Die Jahres=
ſtatiſtik
der neuen Bücher für 1911, die ſoeben in engliſchen
Fachzeitſchriften veröffentlicht wird, zeigt, daß die Ueber=
produktion
noch immer zunimmt. 1910 waren es 19804
Bücher, 1911 ſind es 10914. Die größten Zunahmen ent=
fallen
dabei auf die Abteilungen Philoſophie und Reli=
gion
, Wiſſenſchaft und Technik, Geſchichte und Biographie,
Poeſie und Drama. Neue Dichtungen gab es 1238 Bände;
mit 933 Neuausgaben, 40 Ueberſetzungen und 4 Bro=
ſchüren
kommt dieſe Abteilung auf die ſtattliche Geſamt=
ziffer
von 2215 Bänden. Es iſt zweifellos, bemerkt dazu
das Athenaeum, daß das Angebot bei weitem größer iſt
als die Nachfrage. Auch der Fachmann findet es unter
den heutigen Bedingungen ſchwierig, das Bemerkens=
werte
unter einer ſolchen Fülle von Neuerſcheinungen her
auszufinden, aber er erkennt ſchließlich darunter eine
Menas Aufgewärmtes, das nicht zu eriſtieren braucht.

[ ][  ][ ]

Nummer 21.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 25. Januar 1912.

Seite 5.

Der italieniſch=türkiſche Krieg.

* Konſtantinopel, 23. Jan. Die Italiener
haben geſtern morgen den öſterreichiſchen Panzer Bre=
genz
angehalten.

Die Revolution in Ching.

* Peking, 23. Jan. Juanſchikai beſuchte
heute früh im geheimen den Palaſt und hatte eine
Unterredung mit der Kaiſerin=Witwe.
Dieſe, die unter dem Einfluß der jungen Mandſchuprin=
zen
ſteht, erklärte ſich für die Wiederaufnahme der Feind=
ſeligkeiten
. Juanſchikai ſoll dieſer Anſicht beiſtimmen
und den Rat gegeben haben, die Mandſchus ſollten zu=
ſammenhalten
und die nötigen Mittel zum Kampf ver=
ſchaffen
. Man ſolle aber vor Beginn der Feindſelig=
keiten
den Vormaſch der Revolutionäre abwarten. Da=
mit
ſind jedoch die jungen Mitglieder des kaiſerlichen
Hauſes nicht einverſtanden. Es wird hauptſächlich be=
hauptet
, daß Tichliang den Umſchwung am Hofe herbei=
geführt
hat und jetzt die Ermordung Juanſchikais an=
regt
, da er Juanſchikais Einfluß für ſo groß hält, daß
man ihm nicht erlauben dürfe, Peking zu verlaſſen.
Juanſchikai ſelbſt trifft zu ſeinem perſönlichen Schutz um=
faſſende
militäriſche Vorſichtsmaßregeln. Er hat jetzt
4000 Mann ſeiner eigenen Truppen um ſich, während die
Mandſchus 12000 Mann haben. Indeſſen halten die
Mannſchaften und alle nordchineſiſchen Truppen zu Juan=
ſchikai
. Die Geſandtſchaften glauben nicht, daß den extre=
men
Ratſchlägen der Mandſchuprinzen Folge gegeben
wird und daß die Abdankung des Thrones nur einen
Aufſchub erfahren hat.
* Schanghai, 24. Jan. Da es den Revolutio=
nären
an Mitteln fehlt, den Ende Februar fälligen Sold
den Truppen auszuzahlen, forderte der republikaniſche
Kriegsminiſter die Dampfſchiffahrtsgeſellſchaft für chineſiſche
Waren auf, zehn Millionen Taels zu zahlen, widrigenfalls
die Schiffe der Geſellſchaft beſchlagnahmt und verkauft
würden. Die Direktoren der Geſellſchaft baten um Auf=
ſchub
, um ihre Aktionäre befragen zu können.
* Mukden, 24. Jan. In Ausführung eines kaiſer=
lichen
Erlaſſes richtete der Vizekönig der Mandſchu=
rei
ein Rundſchreiben an die Behörden der drei Provin=
zen
der Mandſchurei, das umfaſſende Maßnahmen zum
Schutz des Lebens und Eigentums der Ausländer gegen
die Chunchuſen auch für den Fall eines Uebergreifens der
revolutionären Bewegung auf die Mandſchurei vorſchreibt.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Potsdam, 24. Jan. Der Kaiſer verlieh dem
Regiment Gardedukorps in Erinnerung an
den heutigen Tag ein Bruſtſchild mit dem Namenszug
Friedrichs des Großen, das bei Paraden und Feſtlichkei=
ten
zu tragen iſt.
* Rheinsberg, 24. Jan. Die 200. Wiederkehr des
Geburtstags Friedrichs des Großen wurde
geſtern mit einem Fackelzuge eingeleitet. Heute vor=
mittag
wurde ein Umzug durch die Straßen veranſtal=
tet
, der am Denkmal Friedrich des Großen endigte, wo
eine Anzahl Kränze niedergelegt wurde. Am Mit=
tag
fand im Ratskeller ein Feſtkommers ſtatt.
* Rudolſtadt, 24. Jan. Während der geſtrigen Vor=
ſtellung
im fürſtlichen Theater entſtand durch ein
Feuer auf der Bühne mit ſtarker Rauchentwicklung eine
Panik. Durch das energiſche Eintreten von Geheim=
rat
Grube konnte das Publikum beruhigt werden.
* Braunſchweig, 24. Jan. Heute vormittag wurde
im Weißen Saal des Reſidenzſchloſſes die 3 1. Landes=
verſammlung
durch den Herzog=Regenten feier=
lich
eröffnet. In der Thronrede heißt es u. a.: Der
Landtag trete zu einer ſchweren Zeit zuſammen, zu einer
Zeit, wo treu zu Kaiſer und Reich ſtehende Vaterlands=
freunde
mit ernſtem Blick in die Zukunft blicken. Die
Zeit ſollte davon zurückhalten, an den bewährten Ein=
richtungen
eine Aenderung vorzunehmen, dennoch habe
ſich die Regierung dazu entſchloſſen, und der Landesver=
ſammlung
werde ſofort unter Zugrundelegung der ge=
heimen
und direkten Wahl und des Dreiklaſſen=Syſtems
der Entwurf zu einem Geſetz über die Zuſammenſetzung
der Landesverſammlung und den Wahlen hierzu zugehen.
* Malta, 4. Jan. Das engliſche Königspaar
iſt, von der Bevölkerung lebhaft begrüßt, hier einge=
troffen
. Das franzöſiſche Geſchwader ſalutierte.

* Buenos Aires, 24. Jan. Der Miniſterrat be=
ſchloß
, den Eiſenbahngeſellſchaften zu befeh=
len
, daß ſie binnen vier Tagen für Wiederherſtellung des
normalen Verkehrs der Perſonen= und Güterzüge ſorgen
ſollten und daß bis zum 15. Februar der Eiſenbahndienſt
im geſamten Umfange wieder aufzunehmen iſt.

Berlin, 24. Jan. In der Berliner Straße in
Charlottenburg fuhr heute vormittag ein Auto=
mobil
gegen einen Straßenbahnmaſt. Der
Chauffeur wurde herausgeſchleudert und erlitt einen
Schädelbruch.
Danzig, 24. Jan. Der ſchwediſche Dampfer
Tromſoe wurde bei ſeiner Ankunft im hieſigen
Hafen wegen einer Schadenerſatzforderung von 90000
Mark beſchlagnahmt. Der Dampfer hatte im Kai=
ſer
Wilhelm=Kanal einen großen Leichter angerannt und
zum Sinken gebracht.
Waldenburg i. Schl., 24. Jan. In vergangener
Nacht iſt die Klempnerfamilie Prampf in Hermsdorf
durch Einatmung von Gaſen vergiftet worden. Aus
einer am Hauſe vorbeiführenden Leitung war Gas durch
den Keller in die Schlafräume eingedrungen. Die Ehe=
frau
, 2 Töchter und ein Sohn waren tot, der Ehemann
iſt hoffnungslos erkrankt.
H. B. Rom, 24. Jan. Auf ſeiner Rückreiſe nach
Deutſchland ſandte Staatsſekretär von Kiderlen=
Wächter von der Grenze aus an den Miniſter des
Aeußeren di San Giuliano ein in herzlichen Worten ge=
haltenes
Telegramm, das ebenſo herzlich erwidert wurde.

Was für Erinnerungen ſtrömen auf mich ein
wenn ich ſo auf die letzten 25 Jahre zurückſehe!

Was hat man damals doch alles aushalten müſſen,
wenn man erkältet war. Schwitzen, Tees, Süßig=
keiten
, die einem beſtimmt den Magen verdorben,
u. was ſonſt noch alles. Und heute? Da kauft man
ſich einfach eine Schachtel Fays ächte Sodener
Mineral Paſtillen, lutſcht ſie, wo man gerade iſt,
u. verliert ſeinen Katarrh, ohne daß man recht merkt,
wie. Die Sodener ſind kleine Wunderdinger, die nie
verſagen. Die Schachtel koſtet n. 85 Pfg., manlaſſe ſich
aber niemals Nachahmungen aufſchwätzen. (1350M
Trauerkleider
färbt unzertrennt innerhalb 24 Stunden
Hoffärberei C. & Ch. REICH
Grösste u. leistungsfähigste Färberei in Darmstadt
Telephon 1501 und 1472.
(125a

Todes-Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Anzeige.)
Heute nachmittag um 5½ Uhr verſchied
nach kurzem, aber ſchwerem Leiden mein guter
lieber Mann, unſer treubeſorgter Vater, Bru=
der
, Schwager, Schwiegervater, Großvater und
Onkel
(2507

für Erwachſene.
Herr Carl Scholl

Ganz zu Unrecht nimmt man vielfach an,
Scotts Emulſion eigne ſich nur als
Stärkungsmittel für Kinder. Ihr Ge=
brauch
empfiehlt ſich auch für Erwachſene
jeden Alters, Frauen und Männer, wenn
ihre darniederliegenden Kräfte einer Neu=
belebung
und Wiederauffriſchung bedürfen.
Scotts Emulſion

Nur echt mit
dieſer Marke S
dem Fiſcher
d. Kennzeichen
des Seottſchen
Verfahrens!

Scotts Emulſion wird von uns ausſchließlich im großen verkauft,
und zwar nie loſe nach Gewicht oder Maß, ſondern nür in verſiegelten
Oriainalſlaſchen in Karton mit unſerer Schutzmarke (Fiſcher mik dem.
Dorſch). Stott 4 Vowne, G. m. b. H., Frankſurt a. M.
Beſtandteile: Feinſter Medizinal=Lebertran 150,0 prima Glyzerin
50,0, unterphosphorigſaurer Kalk 4,3, unterphosphorigſaures Natron 2.0,
pulb. Tragant 3.0, feinſter arab. Gummt pulv. 20, Waſſer 129,0, Alkohok
11,0. Hierzu aromatiſche Emulſion mit Zimt=, Mandel= und Gaultheriab!
ie 2 Tropfen.

Grossh. Hess. Hofbildhauer
im 72. Lebensjahre.
Um ſtille Teilnahme bitten
im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Frau Minna Scholl, geb. Hieronymie,
Carl Scholl und Familie,
Ferdinand Scholl und Familie,
Hermann Scholl.
Darmſtadt, den 23. Januar 1912.
Die Beerdigung findet am Freitag, den
26. ds. Mts um 2½ Uhr nachm., vom Darm=
ſtädter
Friedhof aus, ſtatt.
Kondolenzbeſuche dankend abgelehnt.

weg- Geme
10 20 40
75 100
Die
llommute
Schdstege.
Iwegdeile.
50
C. Gelendouf 8 Co. Kambung

1457)I

e
Darmſtädter Alöbelfabrik
5. m. b. H.
bis zur vornehmſten Ausführung
fertigt Wohnungseinrichtungen Erſtrlaſſige Arbeit Dauernde Garantie
Sehenswerte Ausſtellungen von 300 Muſterzimmern
Fabrik und Hauptausſtellungshaus: Darmſtadt, Heidelbergerſtr. 129
Zweiggeſchäfte: Darmſtadt, Rheinſtr. 28 Frankfurt a. M., Kaiſer-Wilhelm=Daſſage
Illuſtrierte Koſtenanſchläge gratis!

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Im Südoſten Europas liegt hoher Druck, während
im Nordoſten und Weſten Tiefdruckgebiete lagern. Unter
dem Einfluß des Hochs herrſcht heute morgen in unſerem
Gebiet meiſt heiteres und trockenes Wetter, während es
geſtern allenthalben geregnet hat. Wir werden vorläufig
mit wechſelndem Einfluß des Hochs und des Tiefs zu
rechnen haben.
Ausſichten in Heſſen für Donnerstag, den 25. Jan.:
Wechſelnd bewölkt, geringe Niederſchläge, Temperatur
weni verändert

Schnebericht.

Schierke im Harz (Brockengebiet), 23. Jan.
2 Grad Wärme. Schneeverhältniſſe noch günſtig. Sport=
ausübungen
einſtweilen unterbrochen.

Tageskalender.

Hoftheater, Anfang 7 Uhr (Ab. A): Gudrun.
Vorſtellung um 8¼ Uhr im Orpheum.
Vortrag über die Balkangebiete um 8¼ Uhr im
Saal 326 der Techn. Hochſchule (Volksbildungsverein).
Vortrag mit Lichtbilder von Dr. med. Vix um
8 Uhr im Saal Zur Traube (Kolonialgeſellſchaft und
Flottenverein).
Bilderr vom Tage (Auslage Rheinſtraße 23):
Miniſter bei der Reichstagswahl der Brand des Equi=
tablepalaſtes
in New=York, Porträts von Exzellenz
v. Radowitz , und Miniſterpräſident Poincaré; Bil=
der
vom Winterſport.

Verſteigerungskalender.

Pferde=Verſteigerung um 10 Uhr in der Train=
Kaſerne (Eſchollbrückerſtraße).
Brennholz=Verſteigerung um 9 Uhr in der Turn=
halle
am Woogsplatz.
Holzverſteigerung um 9 Uhr im Domanialwald
Frankenſtein (Zuſammenkunft auf der Straße nach
Nieder=Beerbach gegenüber Villa Burgwald.
Schwellen=Verſteigerung um 9 Uhr auf Bahnhof
Groß=Zimmern.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkriptewerden nicht
zurückgeſandt.

(756a

Nur mit kochendem Wasser
übergossen, geben sie augenblick-
lich
delikate Fleischbrühe zu Sup-
pen
, Gemüsen, Saucen und Trink-
bouillon
.
(VI 2466

Man verlange stets ausdrücklich MAGGls Bouillon-Würfel und weise andere Marken zurück!

=MAGüls gute, sparsame Küche.

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 25. Januar 1912.

Nummer 21.

Heinrichstrasse 105
elegante 6-Zimmerwohnung
(hochparterre) mit reichlichem
Zubehör, Bad, Fremden=, Mäd=
chenzimmer
und Garten iſt per
April 1912zu vermieten. Preis
Mk. 1200.. Näh. im Laden
Rheinſtraße 33.
(1835ids

Gruner Weg 17, iſt 6= Zimmer=
wohnung
zu vermieten. Näh. Saal-
baustr
. 78, part.
(*1138ids

Grüner Weg 17, 6=Zimmerw.
zu vermieten.
(*1870dsi
Näheres Saalbauſtr. 78, pt.

Kahlertſtraße, 5 Z., Zubeh., ev.
Garten, per ſof. z. verm., 650 Mk
Ausk. Wendelſtadtſtr. 40, I. (331ids

Gutenbergſtraße 12
1. Stock, ſchöne 5=Zimmerwohn.,
der Neuzeit entſpr. eingerichtet, mit
allem Zubehör p. 1. April zu vm.
Näh. daſ. v. 25 Uhr. (1736ids

Neue Martinſtr., hochpartere,
neu hergericht., herſch., gr. 5 Zim=
merwohn
. mit Fremden= u. Mäd=
chenzim
., Bad, Gas, elektr. Licht
uſw. per 1. April. Näheres Mar=
tinſtraße
89, 2. Stock. (B1834id

Bismarckstrasse 48
5 Zimmerw. per 1. April zu verm.
Einzuſ. tägl. v. 1012 u. 35 Uhr.
(1365t
Näh. daſ. part.

Zimmer

Schöne 4=Zimmerwohnung
1. Stock, per 1. Februar. Mauer=
ſtraße
14.
(537ods

Schulſtraße 12
45=Zimmerwohn. ſofort zu verm.
Näheres bei A. Merz. (2274t

Gervinusstrasse 28
hübſche 4=Zimmerw., Gas u. all.
Zubehör. Näh. 1. Stock. (2486ms

ämer

Grüner Weg 17, Manſarden=
wohn
. von 34 Zimmer zu verm.
Näh. Saalbaustr. 78, pt. (*1144idi

Saalbauſtraße 8, ſchöne große
3=Zimmerw. m. abgeſchl. Vorplatz
u. reichl. Zub., ev. 4 Z. p. 1. April
z. verm. Erfr. 1. Et. (*1677id

Kiesbergſtr. 62, part., 3 Zim., mit kompl. Bad ſofort
zu vermieten. Näheres Sandberg=
(*1889ds
ſtraße 37.

Kranichſteinerſtraße 37 ſchöne
2 u. 3 Z.=W., der Neuzeit entſpr., per
1. Apr. an ruhige Leute z. v. (244ds

Zimmer

Angenehm. Heim für Dame
1 ſehr geräum. unmöbl. Zimmer
in feinem Hauſe, part., freie Lage,
Nähe des Waldes, Bad. u. event.
auch Küchenbenütz., bei jung. Ehep. 1. März. Adr. i. d. Exp. (*1734mdf

findet zum
Geb. äl
Dame 1. April od.
früh. bei ebenſo 12 leere od. möbl.
Zimmer, evtl. a. ſol. Herr. Saub.
Haus, faſt freie Lage, Balkon. Adr.
erb. Heim Post, Rheinstr. (*1852

hte Zimmer

Einfamilienhaus
Prinz Chriſtianweg Nr. 8 ( Ma=
thildenhöhe
) zum 1. April 1912 zu
vermieten oder zu verkauf. Aus=
kunft
ert. Hochbauaufſeh. Bender,
Kanzleigebäude.
((1064ids

Kiesſtr. 8, Hth., kl. Manſ. mon.
12 M. Zu erfr. im Laden. (2019a

e

In meinem Hauſe Liebigſtr. 7,
iſt d. Parterreſtock, in welch. ſchon
20 J. eine gutgeh. Konditorei betr.
w., v. 1. Juni ab anderw. zu ver=
mieten
. Näheres Aliceſtr. 8. (2519a

Eberſtadt
Ein Haus zu verm. Wilhelmſt. 12.
Näh. Schulſtr. 6.
(*1855df

Sae
nebſt Ma=
z
Hell. Laden
gazin, mit

od. ohne 3=Zimmerw., für jed.
§ Geſchäft geeig., Ecke Saal=
bauſtr
. u. Marienpl. 8, iſt
per ſofort evtl. ſpäter zu ver=
§ mieten. Näh. Hügelſtr. 27
* Kontor.
(2485od
Possssagsatgtg

nebſt Magazin mit
Hell. Laden oder ohne 3 Zim., für jed. Geſchäft geeign.
Eckt Saalbauſtr. u. Marienpl. 8,
iſt per ſofort eventuell ſpäter zu
vermieten. Näheres Hügelſtr. 27,
(730od
Kontor.
Großer Laden mit 3=Zimmer=
Wohnung, in welchem ein Kolo=
nialwarengeſchäft
geführt wird,
umſtändehalber ſofort zu ver=
mieten
. Näheres Landwehrſtr. 1½
(*1838df
parterre.

Die ſeither von mir inne gehabten
Werkſtatt= u. Kontorräume
ſind ſofort oder ſpäter, evtl. mit der,
mit den Räumen verbundenen
5 Zimmer=Wohnung, zu vermiet.
Näheres bitte Karlsſtraße 34 im
Kontor zu erfragen. J. Jacobi,
Bauſchloſſ., Kunſtſchmiede, Werkſt.
für Feinkonſtruktion in Eiſen und
Bronce. Karlſtraße 34. (805t

Iälifin

Werkſtätten
Auto-Garagen, u. Stallung
per ſof. z. verm. H. Braun, Moosberg=
ſtr
. 97 n. d. Heidelbergerſtr. (B2191ms

Ofere Zimmer

Schön möbl. Zimmer mit od.
ohne Penſion für beſſeren Herrn
per 1. Februar zu verm. Näheres
Hölgesſtraße 1, 1. St. (1972omds

Bleichſtr. 45, 1. St., ſchön möbl
Zimmer m. od. ohne Penſ., auch für
Herren.
(2200a

Eliſabethenſtr. 49, eleg. möbl.
Zimmer ſofort zu vermieten. (22t

Beſſungerſtr. 8, III., ein möbl.
Zimm., ſep. Eing., ſofort. (B1282t
Saalbauſtr. 40, 3. St., freundl.
möbl. Zimmer ſof. billig. (1920t

Eliſabethenſtr. 37, Htb., I. St.,
ſchön möbl. Zim., ſof. bill. (*1811md

Landwehrſtr. 24, pt., großes,
ſchönes, gut möbliertes Zimmer
für beſſ. Herrn zu verm. (*1657imdf

Landwehrſtraße 13, II. Stock,
ein ſchön möbl. Zimmer mit oder
hne Penſion per 1. Februar
(2352t
zu vermieten.

Penſion Eliſabethenſtr. 4, II.,
gut möbl. Zimmer mit voll. Penſion
von 65 Mk. an aufw. z. verm. (2173a

Dame od. Schülerin find. gemütl.,
Heim mit od. oh. Penſ. Inſelſtr. 38, I.
Auskunft v. 114 Uhr. (*1628imf

Hygienisches ungesäuertes
Eisen-
Kraft-Brot
Aerztlich begutachtet und
empfohlen wegen ſeiner leicht.
Verdaulichkeit und ſeines
großen Nährwertes. Wird
vom ſchwächſten Magen leicht
vertragen u. iſt bei chroniſcher
Verſtopfung unentbehrlich.
Stück 30 Pfg.
Alleinverkauf:
Reformgeschaft
ARISTA‟
Geſundheitliche Nahrungs=
und Genußmittel (808a
Anton Braunwarth
Marktpassage:: Fernspr. 971.

Primdspeisenartortel
in vorzüglicher Qualität empfiehlt
Ph. Germann, Karlſtraße 63½,
Telefon 1299. (B1874

Riedeſelſtraße 68, III., einf.
möbl. Zimmer zu verm. (1043ids
Wilhelminenſtr. 8, 3. Stock,
freundlich möbl. helles Zimmer
mit Kaffee 16 M., per ſof. (1232ids

Eliſabethenſtr. 35, Htb., II. I.,
b. Paus gut möb. Z. ſof. bill. (1221a

Möbl. Zimm. z. vermiet. Die=
burgerſtr
. 6, 2. St. (*1569sid

Luiſenplatz 1, 2. Stock, möbl.
Zimmer nach der Straße. (*1520sds

Hochſtr. 2, 2. St., gut möbl.
Zimmer, monatl. 15 Mk. mit
Kaffee, zu verm.
(2514t

Apartments, in a good house,
A for one or two Gentlemen,
with, or without Board. Terms
moderate. English Family. Offert.
under D 50 an d. Exp. (*1844ds

In ruh. H. gr. gut möbl. Wohn=
u
. Schlafz. bald zu verm. Näh.
(*1836
Heß, Friedrichſtr. 9.

Waldſtr. 11, III., ſchön möbl.
Manſardenzim. bill. zu verm. (*1848

Lauteſchlägerſtr. 6, II.r., 2 möbl.
Z. à 3.50 M. p. W. m. Kaff. (*1817ds

find. gute Penſ.
34 Hei
in fein. Hauſe.

Näheres Exvedition.

(*1812dsj

Alleinſtehende,ältere Witwe
mit Penſion, möchte ihr Heim mit
äſterem Herrn, nicht unt. 60 Jahren,
teilen, zwecks gegenſeitigem Bei=
ſtand
. Offerten unter D 54 an
die Expedition ds. Bl. (*1853

Einem tücht. Archi=
Einheirat! tekten iſt Gelegenheit
zur Einheirat in ein großes, gut
fundiertes Baugeſchäft geboten.
Offert. unt. D 17 Exped. (*1685ids

Pheinl., hübſch, dkl., 21 J. a., kath.,
vorl. ſch. Ausſt. u. ſp. Verm., w.
ſich m. mittl. Beamt. od. beſſ. Kauf=
nann
zu verheir. Frdl. genaue
Offert. poſtlagernd Darmſtadt u.
B. M. 244.
(*1878

Kinderbeitſtelle
eiſern, weiß lackiert, 140X70, mit
Matratze und Federzeug 28 M.,
2 Bettſtellen, modern, mit 2 Feder=
matratzen
, faſt noch neu, 84 M.
nußb. pol. Vertiko, gek. 85 M.,
für 44 M., 1 Moquette=Diwan,
faſt neu, gek. 95 M., für 44 M.,
1 neues Sofa 38 M., 1 Kommode
18 M., Kleiderſchränke billig.
Karlstr. 41. (*1898

Ein graues 7har

Beseiigen Sie das
Zeichen des Alters
diskret, ohne dass es Ihre Um-
gebung
merkt, mit Fr. Tillmann’s
: Haarfarbe-Wiederhersteller ::
GLORlA‟

Preis per Flacon 2.50 Mk.,
für mehrere Monate reichend.
Fr. Tillmann,
Elisabethenstrasse 21.
(774a

eutſche Schäferhünd n. Stamm., ſehr wachſ., billig zu verk.
*1833)
Eichbergſtraße 18.

Ein Jagdhund, abger., f. 15 Mk.
zuverk. Mühlſtr. 37, Stb. (*1877

Zur Begleitung von Geſang
muſikaliſch perfekte Dame für
wöchentlich 2 Stunden geſucht.
Schriftliche Offerten mit Preis u.
D 43 an die Exped. erb. (B2481

Sprach-Lehr-Institut
Herderstrasse 3.
Französisch-Englisch-Italienisch.
Nationale Lehrer. Eigene, schnell lördernde
Methode. (B2201
Französisch
f. Vorgeschr.: Mont. u. Freit. 8½ U. abds.,
f. Anf.: Mittwochs u. Samstags 8½ U. abds.
Anmeldungen bis 1. Februar.
Direktion: Professeur I. Berryer.

wälnſcht eugſiſch.
Engländerin Unterricht zu er=
teilen
Wilhelminenplatz 10, I. (94a

Klavierlehrerin, konſerv. gebildet,
§ erteilt gründlichen Klavier=
Unterricht nach bewährter Methode.
Gefl. Offert. u. D 6 an die
Expedition ds. Blattes. (2334a

Stolze-
Schrey’scher
Steno graph.-
Verein
Unterricht,
Fortbild. De-
battenschr
.
Uebung Montag u. Donners tag abends 8 Uhr.
Hessischer Hof, Wilhelminenstr. 1, I.

OCe

Spauiſchen Anterricht
erteilt Dame
(1499a
Herderſtraße 17, parterre.

ründl. Klavierunterricht (Anf.)
wird ert. von Frl., p. St. 60 Pfg.
Zu erfr. in der Exped. (*1884ds
erteiltgründlichen
Wer Klavierunterricht
und zu welchem Preis? Offert.
unter D 39 an die Exp. (*1819

In der Kochschule
v. Frau Auguſte Klein, Wieners=
ſtr
. 51, 2. Stock, können wieder
einige junge Damen eintreten.
Daſelbſt auch Eſſen über die
Straße.
(675a

Unterricht im Zuſchneiden u.
Kleidermachen erteilt gründlich
E. Greb, Ernſt=Ludwigſtr. 15, I.
Haus Henkel.
(2525a

inseriere ich?

Hierauf die richtige Antwort
finden, heisst zum Ziel und
Erfolg gelangen.
Sowohl bei Geschäftsempfeh-
lungen
, als auch bei kleineren,
sogen. Gelegenheits-Anzeigen,
hängt alles von der Wahl der
zweckmässigsten Blätter ab.
Eine unpartelische, an keine Sonderinteressen ge-
bundene
Annoncen-Expedition mit 40jähriger Erfahrung
dürfte in solchen Fragen die objektivste und zuverlässigste
Beraterin sein.
(2515
Als solche empfiehlt sich die Annoncen-Expedition
Generalagentur Darmstadt,
Invalidendank, Bleichstr. 24.
Fernspr. 639.

Eine wertvolle Bibliothek für das Haus!
Für wenig Geld eine für alle Zeit wertvolle Bibliothek zu
erwerben dieſe Gelegenheit bietet ſich Ihnen durch Abonnement
auf die im Verlage der Union Deutſche Verlagsgeſellſchaft
in Stuttgart erſcheinende
(V1344
Bibliothek der Unterhaltung
und des Wissens.
Die Bibliothek der Unterhaltung und des Wiſſens be=
ginnt
bereits ihren 36. Jahrgang.
In vielen Millionen
von Bänden verbreitet
erfüllt ſie ihr Programm:
jedem Bücherliebhaber Gelegenheit zu geben zur Anlegung
einer wirklich gediegenen, ſpannendſte Unterhaltung und eine
unerſchöpfliche Fundgrube des Wiſſens zugleich bietenden
Privatbibliothek
aufs allerbeſte.
Die Bibliothek der Unterhaltung und des Wiſſens erſcheint
in 13 vierwöchentlichen, reich illuſtrierten, elegant in echte
Leinwand gebundenen Bänden mit Goldrücken= und Deckel=
preſſung
. Jeder Band iſt mit einem hübſchen farbigen
Umſchlag verſehen. Um die Anſchaffung auch weniger Be=
mittelten
zu ermöglichen, beträgt der Abonnementspreis
nur 75 Pfennig für den Band

ein Preis, zu welchem der Buchbinder im einzelnen noch nicht
einmal den bloßen Einband zu liefern im ſtande wäre.
Beſtellungen nehmen Buch= und Kolportage=
handlungen
, Journalexpeditionen ꝛc. entgegen.
Union Deutſche Verlagsgeſellſchaft in Stuttgart, Berlin, Leipzig.

Grösste Sorten-Auswahl
billigste Preise, stets frische Ware
empfiehlt
(2397mfs
Emmericher Waren-Expedition
12 Elisabethenstrasse 12 Telefon 979.

Für altes Eisen, alte Metalle,
Papierabfälle aller Art, Ge-
schäftspap
. Bücher u. Akten
unter Garantie des Einſtampfens
zahle ſtets die höchſt. Preiſe. (765a
Lippmann May,
Tel. 157. Kl. Ochſengaſſe 14.
Aufträge werd. jederz. prompt erled.
Haufe alte Zahngeb., pr. Zahn 30
G. Best, Ludwigsböhſtr. 60. (1996a

Konkurrenzlos
im Preis wie in der Aus=

führung ſind die (758a
Kunſthaararbeiten
der Firma
ErnerKeiter
Perückenmacher und Damenfriſeur
Ernst-Ludwigstr. 22
Kein Laden. Tel. 1682. Enlreſol.

Schlafzimmer
zu verkaufen; ferner Wohnzimmer
mit Schreibtiſch, alles faſt, neu
und gut erhalten. Die Möbel
ſtehen in Buchſchlag b. Sprend=
lingen
und ert. Auskunft (102a
Paul Wolf & Co.
G. m. b. H.
Darmſtadt. Rheinſtr. 51.

Sahes
Extra=Ausleſe (2070a
als Stärkungswein für Kinder u.
Kranke ärztlich empfohl., empfiehlt
per Flaſche ohne Glas Mk. 1.
G. Roth, Dieburgerſtr. 9
agstisch
Pleisch u. veg. Kost von
60 Pf. b. M. 1. im Abonn.
bendtisch
Fleisch u. veget. Kost v.
50 Pf. b. 70 Pf. im Abonn.

Ausschank des berühmten
:: Wormser Weinmostes::

Kein Trinkzwang. (114
Reform-Restaurant
4 Alexanderstrasse 4, 1. Stock.

[ ][  ][ ]

§ 10.
Domerdliag. 23. Janar.
1912.

Bekanntmachung.

Im Anſchluß an unſere Bekanntmachung vom 2. Oktober 1908 ( Amtsverkün=
digungsblatt
Nr. 239 vom 10. Oktober 1908) bringen wir die nachſtehenden, für
weibliche Handwerker genehmigten Ausnahmebeſtimmungen zur öffentlichen Kenntnis:
1. Während einer bis 1. Oktober 1913 erſtreckten Uebergangszeit werden weib=
liche
Handwerker zur Geſellen= und Meiſterprüfung auch dann zugelaſſen, wenn ſie
die vorgeſchriebenen Lehr= und Geſellenzeit oder die Ablegung der Geſellenprüfung
nicht nachzuweiſen vermögen.
2. Weiblichen Handwerkern, welche beim Inkrafttreten des Geſetzes am
1. Oktober 1908 ihr Gewerbe bereits 5 Jahre ſelbſtändig ausgeübt haben oder
während einer gleich langen Zeit als Direktrice oder in ähnlicher Stellung
tätig geweſen ſind und am vorgenannten Termin das nach den früheren Beſtim=
mungen
für die Anleitungsbefugnis erforderliche Alter 24 Jahre bereits hatten,
iſt auf ihren Antrag die weitere Beſugnis zum Anleiten von Lehrlingen zu verleihen,
auch wenn ſie eine Lehrzeit nicht nachzuweiſen vermögen. Die weiblichen Hand=
werker
, weiche hiernach um die weitere Befugnis zum Anleiten von Lehrlingen
einkommen müſſen, wollen ihre Geſuche bei der unterzeichneten Stelle einreichen.
Die dazu erforderlichen Antragsformulare ſind bei den Großherzogl. Bürger=
meiſtereien
erhältlich,
3. In allen anderen Fällen wollen ſich die weiblichen Handwerker wegen
weiterer Auskunft an die Handwerkskammer zu Darmſtadt wenden.
4. Wir machen ferner darauf aufmerkſam, daß der Begriff gſelbſtändig bei
den weiblichen Handwerkern ſehr häufig irrtümlich aufgefaßt wird. Insbeſondere
wird von Damenſchneiderinnen vielfach angenommen, daß die Selbſtändigkeit einen
in der eigenen Wohnung ſtattfindenden Geſchäftsbetrieb vorausſetze. Die ſelbſtändige
Ausübung eines Gewerbes (unter eigenem Namen, auf eigene Rechnung und unter
eigener Verantwortlichkeit) iſt jedoch auch bei ſolchen weiblichen Handwerkern gegeben,
die zin der Behauſung der Kundſchaft ſchneidern.
Darmſtadt, den 19. Januar 1912.
(2494
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
An die Großh. Bürgermeiſtereien der Landgemeinden des Kreiſes!
Wir weiſen Sie auf die vorſtehende Bekanntmachung mit dem Auftrag hin,
dieſelbe wiederholt ortsüblich bekannt zu machen.
Darmſtadt, den 19. Januar 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.

Bekanntmachung.

In Arheilgen und Weiterſtadt ſind die an Maul= und Klauenſeuche er=
krankt
geweſenen Tiere ſeit länger als 14 Tagen abgeheilt. Nachdem die vor=
geſchriebenen
Desinfektionen vorgenommen worden ſind, werden die für die
Gemeinden und Gemarkungen Arheilgen und Weiterſtadt angeordneten Sperr=
maßregeln
hiermit aufgehoben.
Beide Gemeinden und G markungen treten dem Beobachtungsgebiet hinzu,
das bis auf weiteres beſteht aus den Gemeinden und Gemarkungen Arheilgen,
Braunshardt, Erzhauſen, Gräfenhauſen, Meſſel, Schneppenhauſen, Weiterſtadt
und Wixhauſen.
Für dieſes Beobachtungsgebiet bleiben die wiederholt bekannt gemachten
Anordnungen in Kraft.
Zuwiderhandlungen gegen dieſe Anordnungen werden mit hohen Strafen ge=
ahndet
und zwar, wenn ſie wiſſentlich begangen werden, auf Grund des § 328 Str.
G. B. mit Gefängnisſtrafe.
Darmſtadt, den 24. Januar 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhart.
(2493
An die Großh. Bürgermeiſtereien der Landgemeinden des Kreiſes.
Wir weiſen Sie auf vorſtehende Bekanntmachung hin. Sie wollen ſie orts=
üblich
veröffentlichen laſſen und außerdem die in Ihren Gemeinden wohnenden
Viehhändler ausdrücklich darauf hinweiſen.
Darmſtadt, den 24. Januar 1913.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhart.

In Groß=Zimmern (Kreis Dieburg) iſt die Maul= und Klauenſeuche aus=
gebrochen
.

Bekanntmachung.

Wir bringen hiermit zur Kenntnis der beteiligten Kreiſe, daß das Proviantamt
Darmſtadt fortgeſetzt Roggen und Hafer ankauft. Auskunft über Lieferungsbeding=
ungen
uſw. wird den Verkäufern vom Proviantamt auf Anfrage ſofort erteilt.
Darmſtadt, den 19. Januar 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt
In Vertr.: v. Werner,
An die Großherzoglichen Bürgermeiſtereien des Kreiſes.
Wir empfehlen Ihnen, für Verbreitung vorſtehender Bekanntmachung in Ihren
Gemeinden beſorgt zu ſein
Darmſtadt, den 19. Januar 1912.
(2461dsi
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
2 In Vertr.: v. Werner.

Bekanntmachung.

Die Abſtimmungsliſte über die Errichtung einer Zwangsinnung für das Photo=
graphenhandwerk
liegt in der Zeit vom
26. Januar bis zum 9. Februar einſchließlich
auf dem Großh. Kreisamt (Neckarſtraße 3), Zimmer 19, zur Einſicht und Erhebung
etwaiger Einſprüche ſeitens der Beteiligten offen.
Darmſtadt, den 19. Januar 1912.
(2462
Der Kommiſſar:
Herling, Kreisamtsgehilfe.

Darmſtadt, den 22. Januar 1912.
Betreffend: Das Militär=Erſatzgeſchäft; hier Einſendung von Auszügen aus den
Sterberegiſtern des Jahres 1911.

Der Zivil=Verſitzende der Erſatz=Kommiſſion des Aushebungsbezirks Darmſtadt
an die Großherzoglichen Bürgermeiſtereien des Kreiſes.
Ich erinnere diejenigen von Ihnen, welche mit Einſendung der Sterberegiſter=
Auszüge noch im Rückſtande ſind an die ſofortige Erledigung. (Siehe Verfügung
vom 23. Dezember v. Js., Amts=Verkündigungsblatt Nr. 145).
(2399
Dr. Reinhart.

Bekanntmachung.

Diejenigen im Jahre 1892 geborenen Militärpflichtigen, welche ſich im Beſitz des
Berechtigungsſcheines zum einjährig=freiwilligen Militärdienſt befinden und im
Kreis Darmſtadt dauernden Aufenthalt haben, werden darauf hingewieſen, daß ſie
gemäß § 93,2 der Wehrordn. ihre Zurückſtellung beantragen müſſen und daher auf=
gefordert
, ihre Berechtigungsſcheine alsbald hier, Neckarſtraße 3, 3. Stock Zimmer
Nr. 38 vorzulegen, damit in denſelben der erforderliche Zurückſtellungsvermerk ein=
getragen
werden kann.
Es wird noch ausdrücklich darauf hingewieſen, daß die Abſicht, ſich am 1. April
oder 1. Oktober l. J. zum Dienſtantritt melden zu wollen, von der Verpflichtung, die
Zurückſtellung zu beantragen, nicht entbindet.
Darmſtadt, den 3. Januar 1912,
Der Zivilvorſitzende der Erſatz=Kommiſſion des Aushebungsbezirks Darmſtadt.
Dr. Reinhart, Reg.=Rat.
(1050a

Bekanntmachung.

Ich bringe hierdurch zur Kenntnis derjenigen Militärpflichtigen, welche Berechti=
gungsſchein
zum einjährig=freiwilligen Militärdienſt beſitzen und deren Zurückſtellung
am 1. Oktober l. Js. abläuft, daß Geſuche um Verlängerung der Zurückſtellung
1. bei derjenigen Erſatz=Kommiſſion einzureichen ſind, welche nach Ausweis
des Berechtigungsſcheines die erſte Zurückſtellung verfügt hat,
2. daß dieſe Geſuche ſchriftlich unter näherer Begründung zu ſtellen und den=
ſelben
der Berechtigungsſchein, ſowie eine Beſcheinigung, aus der ſich die Not=
wendigkeit
weiterer Zurückſtellung ergibt, beiaufügen und
3. daß dieſe Geſuche, ſoweit die Erſatz=Kommiſſion Darmſtadt zuſtändig iſt, im
Juli oder Auguſt 1. Js. anzubringen ſind. Geſuche, die jetzt ſchon eingereicht
werden, würden als verfrüht zurückgegeben werden müſſen.
(1051a
Darmſtadt, den 3. Januar 1912.
Der Zivilvorſitzende der Erſatz=Kommiſſion des Aushebungsbezirks Darmſtadt.
Dr. Reinhart.

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde. In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Forterrier, 1 Kriegshund (zugelaufen). Die Hunde
können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden.
Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden
Werktag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
(2484

Bekanntmachung.

Gemäß § 3 Abſ. 2 des Reichsgeſetzes vom 28. Mai 1894, be=
treffend
den Schutz der Brieftauben und den Brieftaubenverkehr im
Kriege, veröffentlichen wir unter Bezugnahme auf die nachſtehend
abgedruckten Beſtimmungen des erwähnten Reichsgeſetzes die Namen
der Brieſtaubenzüchter, die Mitglieder des Darmſtädter Brieſtauben=
klubs
und des Brieftaubenklubs Gut Flug‟ Darmſtadt=Beſſungen
ſind. Beide Vereine gehören dem Verband Deutſcher Brieftauben=
liebhaber
=Vereine an und haben ſtatutengemäß ihre Brieftauben der
Militär=(Marine=)Verwaltung zur Verfügung geſtellt.

I. Darmſtädter Brieftaubenklub.

1. Ernſt Achen, Grafenſtraße 22.
2. Ludwig Beſt, Nieder= Ram=
ſtädter
Str. 47.
3. Ph. Deutſch, Neckarſtraße 11.
4. Karl Heß, Saalbauſtraße 41.
5. Heinrich Heinzerling, Emil=
ſtraße
26.
6. Friedrich Holler, Merck’ſche
Kolonie (Arheilgen).
7. Karl Kämmerer, Parkusſtr. 10.
8. H. Kraft, Frankfurter Str. 90,
9. Ch. Mölbert, Hochſtraße 6.
10. Auguſt Nold, Landgraf= Phi=
lip
=Anlage 52.

11. W. Nungeſſer, Dieburger
Straße 10.
12. Adolf Reuter, Louiſenplatz 6.
13. W. Schmuck, Kirchſtraße 6.
14. Adolf Schneider, Nieder=
Ramſtädter Straße 72
15. Georg Schnepper, Lang=
gaſſe
19.
16. Karl Steinmetz, Neckarſtr. 24.
17. L. Stoll, Heinheimerſtraße 4.
18. Heinrich Thierolf, Karlſtr. 23.
19. Peter Walther. Kaupſtr. 12.
20. von Iſenburg, Prinz, Goethe=
ſtraße
44.

II. Brieftaubenklub Gut Flug‟ Darmſtadt=Beſſungen.

1. Georg Aberle, Hochſtraße 4.
2. Georg Beyer, Louiſenſtr. 32
3. Georg Caſtritius, Ludwigs=
höhſtraße
3.
4. Ludwig Demmel, Ludwigs=
höhſtraße
64.
5. Ludwig Enes, Beſſunger
Straße 66.
6. Ludwig Erbes, Bruchwieſen=
ſtraße
26.
7. Philipp Erbes, Schießhaus=
ſtraße
42.
8. Philipp Geiger, Beſſunger
Straße 17
9. Heinrich Geyer, Weinberg=
ſtraße
36¾
10. Wilhelm Geyer, Orangerie=
ſtraße
2.
11. Arthur Haas, Beſſunger Str. 7.
12. Philipp Haun, Herrngarten=
ſtraße
23.

13. Heinrich Henkel, Klappacher=
ſtraße
88.
14. Friedrich Henn, Griesheim b.
Darmſtadt
15. Ludwig Hering, Sandberg=
ſtraße
18.
16. Heinrich Horſt, Wittmann=
ſtraße
34.
17. Wilhelm Jäger, Ludwigshöh=
ſtraße
24.
18. Georg Schulz, Beſſunger
Straße 74.
19. Friedrich Stein, Sandberg=
ſtraße
19.
20. Ludwig Vollhard, Schieß=
hausſtraße
59.
21. Karl Wambold, Herdweg 2.
22. Karl Weidmann, Wittmann=
ſtraße
8.
23. Friedrich Weigold, Beſſunger
Straße 44.

Wiemer, Taunen=
ſtraße
23.

25. Mihin Wilmnan, Seclate
ſtraße 16.

Darmſtadt, den 22. Januar 1912.
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.

Auszug aus dem Geſetz

betreffend den Schutz der Brieftauben und den Brieftaubenverkehr
vom 28. Mat 1894.
§ 1. Die Vorſchriften der Landesgeſetze, nach welchen das Recht,
Tauben zu halten, beſchränkt iſt, und nach welchen im Freien be=
troffene
Tauben der freien Zueignung oder der Tötung unterliegen,
finden auf Miltärbrieſtauben keine Anwendung.
Dasſelbe gilt von landesgeſetzlichen Vorſchriften, nach welchen
Tauben, die in ein fremdes Taubenhaus übergehen, dem Eigentümer
des letzteren gehören.
§ 2. Inſoweit auf Grund landesgeſetzlicher Beſtimmungen
Sperrzeiten für den Taubenflug beſtehen, finden dieſelben auf die
Reiſeflüge der Militärbrieftauben keine Anwendung. Die Sperrzeiten
dürfen für Militärbrieſtauben nur einen zuſammenhängenden Zeit=
raum
von höchſtens je 10 Tagen im Frühjahr und Herbſt umfaſſen.
Sind längere als zehntägige Sperrzeiten eingeführt, ſo gelten für
Militärbrieſtauben immer nur die erſten zehn Tage.
§ 3. Als Militärbrieftauben im Sinne dieſes Geſetzes gelten
Brieftauben, welche der Militär=(Marine=Verwaltung gehören oder
derſelben gemäß der von ihr erlaſſenen Vorſchriften zur Verfügung
geſtellt und welche mit dem vorgeſchriebenen Stempel verſehen ſind.
Privatperſonen gehörige Militärbrieſtauben genießen den Schutz
dieſes Geſetzes erſt dann, wenn in ortsüblicher Weiſe bekannt ge=
macht
worden iſt, daß der Züchter ſeine Tauben der Militärverwaltung
(2434md
zur Verfügung geſtellt hat.

Holzverſteigerung.

Donnerstag, 1. k. Mts., von vormittags 9 Uhr an,
werden in dem oberen Lokale des Turnhauſes dahier ( Woogs=
platz
Nr. 5) aus verſchiedenen Abteilungen von Domanialwald=
Diſtrikt Burgwald und Baſſinteil, ſowie der Philippshoſpitalwald=
Diſtrikten Saufang, Eichbaumeck und Texas verſteigert:
Scheiter, rm: 1 Buchen 152 Kiefern: Knüppel, rm:
5 Buchen, 4 Eichen, 60 Kiefern; Reiſig, Wellen: 330 Buchen,
500 Eichen, 660 Virken, 50 Linden, 8030 Kiefern, 60 Wey=
muthskiefern
2950 Fichten; Durchforſtungsreiſig, Wellen:
1790 Kiefern, 20 Lärchen.
Kaufliebhaber werden erſucht, das Holz vor der Verſteigerung
einzuſehen. Der Großh. Forſtwart Schimpf dahier (Forſtmeiſterſtraße
Nr. 9) iſt beauftragt, dasſelbe auf Verlangen vorzuzeigen. Die blau
unterſtrichenen Nummern Holz bleiben von der Verſteigerung aus=
genommen
.
(2459di
Darmſtadt, den 23. Januar 1912.

Großherzogliche Oberförſterei Beſſungen.
Heinemann.

Soktorbuch (Platen) 3 Bändeſ
und 1 Nähtiſch bill. zu verk.
Näheres in der Exped. (*1816

Sochherd, gut erhalten, mittel=
3 groß, ſuch. zu kaufen. Offert.
unter D 41 an die Exp. (*1826ds

Aus Anlaß der Feier des Ge=
burtstags
Sr. Maj. des Kaiſers

bleiben am Samstag, den 27. ds.
Mts, die ſämtlichen ſtädtiſchen Ge=
ſchäftszimmer
und Kaſſen ge=
ſchloſſen
.
(2463
Darmſtadt, 25. Januar 1912.
Großh. Bürgermeiſterei Darmſtadt.
Dr. Gläſſing.

Maßnahmen gegen die
allgemeine Teuerung.

Die Beträge für Kartoffeln und
die Abtragungen auf die Dar=
lehen
zur Kohlen= und Holzbe=
ſchaffung
ſind in den auf den
Rechnungen angegebenen Ter=
minen
von jetzt ab bei uns ( Zahl=
ſtelle
1) während der regelmäßigen
Zahlſtunden (vormittags von 8½
bis 12½ Uhr) einzuzahlen.
Die bereits fällig geweſenen
Raten erſuchen wir alsbald zu ent=
richten
.
(2215sdi
Darmſtadt, 18. Januar 1912.
Die Stadtkaſſe.
Koch.

Konkursverfahren.

Das Konkursverfahren über das
Vermögen der Odenwälder Ba=
rytwerke
, Geſellſchaft mit be=
ſchränkter
Haftung, in Darm=
ſtadt
, wird nach erfolgter Abhal=
tung
des Schlußtermins und.
Vollzug der Schlußverteilung auf=
(2458
gehoben.
* Darmſtadt, 20. Januar 1912.
Großherzogliches Amtsgericht I.

Bekanntmachung.

(Stadtwald.)
Die geſtern und heute abge
haltene Brennholzverſteigerung iſt
genehmigt. Die Ueberweiſung des
Holges und erſter Abfuhrtag ſind
auf Donnerstag, den 1. Februar,
feſtgeſetzt.
(2455
Darmſtadt, 23. Januar 1912.
Großh. Oberförſterei Darmſtadt.
Kullmann.

Kassenschrann
zu verk. Näh. Expedit. (*1869dfs

[ ][  ][ ]

Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 25. Januar 1912

Nummer 21.

Darmſtädter Fiſchmarkt.

Verkaufstage:
a) auf dem Marktplatz: Donnerstag und Freitag jeder
Woche regelmäßig, nach freier Wahl der Händler auch
Dienstag und Samstag;
b) in der Beſſunger Fiſchhalle, Beſſunger Straße Nr. 70:
alle Wochentage, außer Samstag.
Die äußerſt billig geſtellten Wochenpreiſe, die unter Kontrolle
der Großherzoglichen Bürgermeiſterei Darmſtadt feſtgeſetzt werden,
(637a
ſind an den Verkaufsſtänden angeſchlagen.

Holz-Verſteigerung.

Mittwoch, den 31. Januar, von vormittags
10 Uhr an.
werden im Georgenhäuſer Gemeindewald folgende Holzſorti=
mente
verſteigert:
6 Eichen=Stämme 6,63 fm, 2 Hainbuchen=Stämme 0, 56fm,
12 Fichten=Stämme 2,39 fm, 5 Fichten=Derbſtangen
0,39 fm, 5 rm Hainbuchen=Rundſcheit 3,05 fm.
Brennholz.
Scheiter, rm: 17 Buchen, 36 Eichen=Knüppel, 28 Buchen,
29 Eichen, 1 Erlen, 1 Fichten; Wellen: 725 Buchen, 150 Eichen;
(2382md
Stöcke, rm: 16 Buchen, 22 Eichen.
Die Zuſammenkunft iſt bei Herrn Gaſtwirt Schneider bei
Station Meſſel.
Georgenhauſen, den 23. Januar 1912.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Georgenhauſen.
Lehr.

Stammholz=Verſteigerung.

Montag, den 29. Januar I. J., vorm. 9½ Uhr
anfangend, ſollen im Eberſtädter Gemeindewald, Diſtrikt Klings=
ackertanne

269 Stück Kiefernſtämme von 2454 cm Durchmeſſer und
414 m Länge
öffentlich meiſtbietend an Ort und Stelle verſteigert werden.
Zuſammenkunft der Steigerer auf dem Beckerweg am Eingang
des Waldes.
Es wird bemerkt, daß ſich hierunter ca. 30 Stämme, geeignet
für Pumpenmacher, befinden.
Eberſtadt, den 19. Januar 1912.
(2524df
Großh. Bürgermeiſterei Eberſtadt.
Schäfer.

Stamm= u. Stangenholz=Verſteigerung.

Montag, den 29. Januar I. J.,
vormittags 9½ Uhr anfangend, werden im Roßdörfer Gemeinde=
wald
, Diſtrikt Mark,
Stämme: 2 Eiche 144 fm, 2 Eſche 0,28 fm, 3 Lärche
0,47 fm, 5 Kiefern = 2,16 fm, 335 Fichte = 88,39fm;
Derbſtangen: 3 Eſche 0,18 fm, 1534 Fichte = 68,14 fm,
44 Lärche 1,64 fm;
Reisſtangen: 1687 Fichte 9,38 fm
(2523df
verſteigert. Zuſammenkunft auf der Kubig.
Roßdorf, den 23. Januar 1912.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Roßdorf.
Lorenz.

Billige
Gemüse
Spinat
ſehr fein, 2 Pfd.=D. 78 Pfg.
Carotten
in Würfel
2 Pfd.=D. 30 Pfg.
Kohlrabi
zart in Scheiben
2 Pfd.=Doſe 80 Pfg.
Erbsen
mittelfein, 2 Pfd.=D. 60 Pfg.
Sellerie
2 Pfd.=D. 7 Pfg.
Macédoine
gemiſchte Gemüſe
2 Pfd.=D. 60 Pfg.
Bei 10 Doſen, auch ſortiert,
2 Pfg. per Doſe billiger.
Prompter Versand.
(2510
Horlz Landad
Mathildenplatz 1.
Telephon 116.

Verſteigerungs-Anzeige.

Donnerstag, den 25. Januar 1912, nachm. 4 Uhr,
verſteigere ich im Saale Rundeturmſtr. 16 öffentlich
zwangsweiſe gegen Barzahlung:
a) für beſtimmt: 1 Bettſtelle mit Strohmatratze,
1 Waſchſchränkchen, 1 Tiſch, 2 Stühle, 1 Spiegel,
1 Waſchgeſtell und verſchiedene kleine Gegenſtände;
b) vorausſichtlich: 1 Büfett, 5 Vertikos, 3 Diwans,
4 Sofas, 2 Kaſſen=, 3 Spiegel=, 2 Glas=, 2 Eis=, 3 Waren=,
2 Kleider= und 2 Bücherſchränke, 3 Schreibſekretäre, 2 Waſch=
tiſche
, 2 Fahrräder, 8 Mille Zigarren, 1 photogr. Apparat,
1 Partie Drell, Halbleinen, Bettkolter, Tafeltücher, Hemden
und Kravatten, 2 Spiegel, 2 Bilder, 2 Ladentheken pp.
Darmſtadt, den 24. Januar 1912.
(2465
Thüre, Großh. Gerichtsvollzieher,
Bleichſtraße 9.

Gauſierer u. Wiederverkäufer
erhalt. Schuheréme, feinſte
Ware, das Hundert von 2.50 Mk.
an. Näheres Pankratiusſtr. 30½
Hinterh. part. rechts. (*1885

Schiffsbericht.

Nordd. Lloyd Bremen.
Mitgeteilt von dem Vertreter Anton
Fiſcher, Darmſtadt, Frankfurter=
ſtraße
12 und 14.
Der Doppelſchrauben=Dampfer
Willehad iſt. am 23. Januar,
10 Uhr vormittags, in Phila=
delphia
angekommen.
Daipfer Berlin iſt am 20. Jan.,
1 Uhr nachmittags von New=
York abgegangen.
Dampfer Rhein iſt am 22. Jan.,
7 Uhr vormittags, von Balti=
more
abgegangen.
Dampfer Main hat am 21. Jan.,
10 Uhr vormittags, Lizard paſ=
ſiert
.

(Lanarienhähne, Seiſert, untr.
S. Garantie, frei von Entwertungs=
touren
, noch 3 Stück à 15 Mk. zu
verk. Gervinusſtr. 42, II. (2218a

Schweres Zugpferd
zu verk., unter zweien die Wahl.
Viktoriaſtraße 53. (*1860

Schiffsbericht.

Hamburg=Amerika=Linie.
Mitgeteilt von dem Vertreter Hrn
Adolf Rady, Darmſtadt.
Zimmerſtraße 1.
Dampfer Barcelona, 21. Januar
11 Uhr morgens von Boſton nach
Philadelphia.
Dampfer Cincinnati, von Genua
und Neapel, 22. Januar 4 Uhr
30 Min. morgens in New=York.
Dampfer Foreric nach Newport
News, 21. Januar 10 Uhr 15 Min.
morgens in Baltimore.
Dampfer Graf Walderſe, nach
New=York, 22. Januar 3 Uhr
30 Min. nachmittags Cuxhaven
paſſiert.

Honder Ir-Rasslanue

Wir erſuchen diejenigen Firmen, welche am 10. u. 12. Februar d. J.
den Handelsſachverſtändigen beim Kaiſerlichen
Generalkonſulat in St. Petersburg
welcher bereit iſt, den Intereſſenten Auskünfte über die Hanoelsver=
hältniſſe
in Rußland zu erteilen, in Frankfurt a. M. zu ſprechen
wünſchen, uns dies ſpäteſtens bis Donnerstag, den 1. Februar,
mitteilen zu wollen. Unſer Sekretariat iſt zu weiterer Auskunft
gerne bereit.
(2456
Die Großh. Handelskammer Darmſtadt.
Der Vorſitzende:
Der Syndikus:
C. Parcus.
Dr. Human.

Verſteigerungs-Anzeige.

Donnerstag, den 25. Januar 1912,
nachmittags 3 Uhr,
verſteigere ich im Saale Rundeturmſtraße 16 zwangsweiſe gegen
Barzahlung:
1 Pferd, 1 Vertiko, 1 Diwan und 1 Fahrrad.
Ferner nachmittags 3½ Uhr an Ort und Stelle:
1 Lokomobile.
Zuſammenkunft der Steigliebhaber Ecke Feldberg= und Land=
wehrſtraße
.
(2487
Darmſtadt, den 24. Januar 1912.
Rollenhagen, Gerichtsvollzieher in Darmſtadt,
Kaſinoſtraße 24.

Schenrische Cablau

2

Hebermenis Flaschenbiere
aus den vorzüglichst. Rohstoffen hergestellt
hell und dunkel

Nlsch1e₰ ½Fasche 6
(Flaschenpfand 10 Pfennig) (2512
V. IDDERAEHL
Telefon 547
Elisabethenstrasse 53 Lauteschlägerstrasse 4
Mollerstrasse 17 Sandbergstrasse 27
sowie Ecke Hoch- und Kiesstrasse.

Gute Kinderbadewanne
(Zink) 4 Mk., 1 Vorderrad von
Straßenrenner (Holzfelge) mit
a Deckmantel 4 Mk., 1 Paar
ſtarke Schnürſtiefel, für Fuhr=
mann
geeignet (neu), 4,50 Mk.
Näh. Expedition. (2520soi

Wer dort? (2518a
hier V. Schatz, Alexanderſtr. 15.
Ich komme ſof. u. zahle Ihnen für
getrag. Kleid., Schuhe, Wäſche, Zahn=
gebiſſe
, alte Federbett. ſtets die höchſt.
Preiſe. Tel. Nr. 1924. Poſtk. genügt.

Ein n. guter Liegwagen f. 10 M.
zu verk. Eckhardtſtr. 5, pt. (*1893ds
Lieg= und Stzwagen billig zu
verk. Döngesborngaſſe 3. (*1891

Korpulenz
Fettleibigkeit
wird beseitigt durch Tonnola‟. Preis-
gekrönt
mit gold. Medaillen und Ehren-
diplomen
. Kein starker Leib, keine starken
Hüften mehr, sondern jugendlich schlanke,
elegante Figur u. graziöse Taille. Kein Heil-
mittel
, kein Geheimmittel, sondern, wie aus-
drückl
. hervorgehoben wird, für krankhafte
Fettleibigkeit nicht anzuwenden, lediglich
ein Entfettungsmittel für zwar korpulente,
jedoch gesunde Personen. Keine Diät, keine
Aenderung d. Lebensweise. Vorzgl. Wirkung.
Paket 2,50 M. fr. geg. Postanweis. od. Nachn.
D. Franz Stelner & Co.
Berlin 214 Königgrätzer Strasse 06.
In Darmstadt zu haben: (a249o
Hof-Apoth., Bällonplatz 11.

Kurſe vom 24. Januar 1912.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

Staatspapiere. I1Pro.
4 Dſche. Reichsſchatzanw. 100,10
3½ Deutſche Reichsanl.. 91,40
do.
82,40
4 Preuß. Schatzanweiſg. 100,10
3½ do. Conſols . . . . 91,40
82,30
3 do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 100,40
do.
93,90
3½
do.
3
4 Bayr. Eiſenbahnanl. .101,20
90,20
do.
3½
do.
80,10
4 Hamburger Staatsanl. 100,70
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 100,25
4 do. do. (unk. 1918) 100,80
90,20
do.
3½
do.
79,70
3 Sächſiſche Rente . . . 81,80
4 Württembergerv. 1907,100,80
do.
94,90
5 Bulgaren=Tabak=Anl.
Griechen v. 1887 . . 53,20
½ Italiener Rente . .
½ Oeſterr. Silberrente . 93,90
do. Goldrente . . 96,90
do. einheitl. Rente 90,90
4 Portug. unif. Serie I 65,40
do. unif. Ser. III 68,20
3 do. Spezial. 10,10
5 Rumänier v. 1903 . . 101,10
do. v. 1890. . 95,30
da. P. 1995. . *91,70

4 Ruſſen v. 1880. . . . 91,80
4 Ruſſen v. 1902 . . . . 91,50
4½ do. v. 1905 . . . . 100,50
91,00
3½ Schweden. . . .
4 Serbieramort. v. 1895 87,40
4 Türk. Admin. v. 1903 85,30
do. unifiz. v. 1903 91,70
4 Ungar. Goldrente . . 92,60
do. Staatsrente . 90,40
5 Argentinier . . . . . . 100,80
89,70
do.
4½ Chile Gold=Anleihe
5 Chineſ. Staatsanleihe 99,25
94,00
do.
4½
4½ Japaner . . . . . . . 95,80
5 Innere Merikaner . . 97,90
61,90
do.
Gold=Mexikan. v. 1904 91,50
5 Gold=Mexikaner . . . 101,20
Aktien inländiſcher
Transvortanſtalten.
8 Hamb.=Amerika=Paket=
..144,90
fahrt .
.105,50
3 Nordd. Lloyd
6 Südd. Eiſenb.=Geſ.. . 124,00
Aktien ausländiſcher
Trausportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 114,80
6 Baltimore & Ohio. . 105,75
Gotthardbahn . . . .

InPru.
6½Oeſt.=Ungar. Staatsb. 153,25
0 Oeſt. Südbhn. (Lomb.) 19,00
6 Pennſylvania R. R. 119,50
Induſtrie=Aktien.
9 Mainz. Aktienbrauerei 201,50
3 Werger=Brauerei . . . 75,50
25 Bad. Anil.= u. Sodafbr. 495,00
14 Fabrik Griesheim . . 258,00
27 Farbwerk Höchſt . . . 530,50
20 Verein chem. Fabriken
339,00
Mannheim
130,00
5 Lahmeyer .
.164,20
7 Schuckert
12 Siemens & Halsle. . 241,00
30 Adlerfahrradw. Kleyer 464,40
12 Bochumer Bb. u. Guß 23 ,00
. 208,00
17 Gelſenkirchen .
.201,25
7 Harpener .
15 Phönix, Bergb. u. Hit=
. 258,00
tenbetrieb . .
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ.. . 89,30
. 100,40
4 Pfälzer Prt. .
92,10
do.
3½
4 Eliſabeth., ſteuerpfl. .
do. ſteuerfrei. 96,50
Oeſterr. Staatsbahn.
90,00
do.
do. alte . 80,50
5 Oeſterr. Südbahn . . 99,80
80,70
do.
55,90
do.
26
3 Raab=Oedenburger . . 77,50
Ruſſ. Südweſt. . . . . 89,70
4 Kronpr. Rudalfbaßn.. 96.60

S. 1,
72,40
24 Livorneſer.
74,00
Miſſouri=Vacifie
Bagdadbahn Mk. 408 84,50
Anatoliſche Eiſenb.. . 97,70
5 Tehuantepee.
100,50
Bank=Aktien.
9 Berliner Handelsgef. 173,50
6½ Darmſtädter Bank. . 126,50
267,10
12½ Deutſche Bank
6 Deutſche Vereinsb. 125,00
10 Diokonto=Geſellſchaft 191,60
160,40
8½ Dresdner Bank
6½ Mitteldeut. Kreditbk. 121,75
7 Nationalbk. f. Deutſchl. 128,10
130,50
6½ Pfälzer Bank
6,45 Reichsbank .
140,30
7 Rhein. Kredit=Bank. 135,50
7½Wiener Bank=Verein 137,90
Pfandbriefe.
4 Frankft. Hypoth.=Bank
S. 16 und 17 99,20
3½ do. S. 19. . . . . 90,10
4 Frkf. Hyp.=Kreditverein
S. 1519, 2126 98,50
Hamb.=Hypoth.=Bank 100,00
3½
do.
89,75
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bk. 101,30
90,30
do.
3½
4 Meining. Hyp.=Bank 100,20
do.
89,50
3½
4 Rhein.=Hypoth.=Bank
(unk. 1917) 99,20
do. (unk. 1914) 89,50
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 100,60
da.
90.60
3½

Iwßuag.
3.
Städte=
Obligationen
4 Darmſtadt .
-
3½ ds.(2
4 nche
100,60
3½ be.
95,10
4 Gieße
100,00
3½ da.
99,80
3½ da.
90,00
4 S
100,00

89,80
½,
-

99,90
3½

3½ da.
90,20
München.
100,50
3½ Nauheim
90,00
4 Nürnberg
100,20
3½ do.
91,00
4 Offenbe
3½ de.
4 Wiesbe
99.70
3½ de.
4 Worms
-
3½ de.
90,10
4 Liſſabonar u. 1898. 81,20
Verzinsliche
Anlehensloſe.
Badiſche Tlr. 100
3½ Cöln=Mindner 100 136,50
5 Donau=Reg. fl. 100 185,00
3 Holl. Zomm. A 100 109.00

In Ves,
8 Madrider Fs. 100 78,50
4 Meining. Pr.= Pfand=
briefe
. . . . . . . . 137,60
4 Oeſterr. 1860er Loſe 179,70
3 Oldenburger . . . . . 127,00
2½ Raab=Grazer fl. 150
Unverzinsliche
Anlebensloſe.
Augsburgn fl. 1 37,25
Braunſchweign Tlr. 20 211,00
Freiburges
Fs. 15 70,20
Mailände
Fs. 45
da
Fs. 10 33,00
Meiningn
ſt. 7.
Oeſterreißssà 1864 100
vo. N 1858 100 455,00
Ungar. 100
Benedigss Frs. 30 42,50
Tärtiſche
400 172,00
Gold, Sülber und
Wanknoten.
Engl. Sepereigns.
20,43
20 tücke .
16,23
Oeſterr. 20Mronen
16,90
Amerikaniſche Noten
4,19½
Engliſche Noten .
20,18
Franzöfiſche Noten
81,25
Holländiſche Noten . . . . 169,45
Italieniſche Noten . . . . 80,80
Oeſterr.=Ungariſche Roten 85 0
Ruſſiſche Noten . . . . . . 216,00
Schweiger Noten . . . &.. 81,05
Reichsbank-Diskonte . . . 5
echäh
gahard. AMk. Gen

[ ][  ][ ]

Nummer 21.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 25. Januar 1912.

Seite 9.

mit Licht-
Eimddung zum vortras bildern
des Herrn Dr. med. W. Vix, Sp.-Arzt dahier
über seine Forschungsreisen in den Ländern zwischen
den Seen im Nordwesten von Deutsch-Ostafrika 1910/11
am Donnerstag, den 25. Januar 1912, abends 8 Uhr,
im Saale der Traube,
veranstaltet von der
Abt. Darmstadt der Deutschen Kolonialgesellschaft u.
der Kreisgruppe Darmstadt d. Deutsch. Flottenvereins.
Eintrittskarten zu 50 Pfg. (Studenten Schüler und Schüle-
rinnen
zu 20 Pfg.), sind in den Buchhandlungen Bergsträsser und
Waitz, sowie abends an der Kasse zu haben. Die Mitglieder obiger
Vereine haben gegen Vorzeigen ihrer Einladungs- oder Mitglied-
karten
freien Eintritt.
(2307id

ereinigte Gesellschalt.
Freitag, den 26. Januar 1912, abends 8 Uhr

(35

zur Feier des Geburtstages Seiner Majestät des Kaisers.
Karten zu dem gemeinſchaftlichen Abendeſſen zum Preiſe von
Mk. 2.25 werden bis zum 26. d. Mts., mittags 12 Uhr, durch den
Geſellſchaftswirt ausgegeben. Für Teilnehmer ohne Karten erhöht
ſich der Preis des Gedeckes auf Mk. 2.75. Im Intereſſe geordneten
Servierens wird gebeten, die Löſung von Tiſchkarten nicht zu verſäumen.

Auf vielseitigen Wunsch!
Nochmaliges und letztes Gaſtſpiel
Lustige Simplicissimus-Spiele Münchn. Känstler

Mittwach, 31. Januar, abends 8¼ Uhr, Saal zur Traube, Eing. Luiſenſtr.
Grösster künstlerischer Erfolg!
Leo Valberg
Sybille von Braunfels
in ſein. hervorr. Pierrot=Chanſons
Lieder zur Laute

Maximilian Berger
Conferencier
Lucy de Gascard

Anny Schanzer
beliebte Chanſoniere
Paul Flor
in ihrem humoriſtiſchen Programm in ſein. unübertrefflichen Vorträgen
Am Klavier: Heinrich Lang.
Soli und Duette aus der Biedermeierzeit.
Das Enſemble beſteht aus den hervorragendſten Künſtlern und
ſind die Vorträge und Spiele dezent und vornehm, ſo daß der Be=
ſuch
jedermann beſtens empfohlen werden kann. (2483dsm
Jede Vorſtellung neues Programm.
Kaſſenöffnung 7½ Uhr.
Anfang 8¼ Uhr.
Karten im Vorverk. zu Mk. 2 50, 1.50 u. 80 Pfg.
Preiſe der Plätze . bei Geore Thies Nachf., Leopold Schutter,
Eliſabethenſtraße 12; an der Abendkaſſe zu Mk. 3., 2. u. 1..

rT
IRAFENSTR-2ECKE RHEINSTH

Hur heute u. morgen
Kunſtfilm in 3 Akten
Der dunkle Punkt
Verschmäht
Der elektr. Funke u.
d. elektr. Maschinen
(*1827df
1 Matur

3 Humoresken

Chausseehaus
Donnerstag, den 25. d. Mts.
grosses Schlachtfest.
Jean Wenz.
Wozu ergebenſt einladet

(1250

Wachsamer Hund
gelb, glatth. Pinſcher, zu verkauf
Eirſchen=Allee 21.
(2513

Grosser wachs. Hofhund
(Bernhardiner) billig zu verkaufen.
(*1875
Näheres Expedition.

Bürger-Verein und
Darmstädter Fecht-Klub.
Samstag, den 27. Januar, abends 8½ Uhr,
im grossen Saale des Hotel Zur Traube‟s
Zigeunerfest
mit verschiedenen Aufführungen.
Die Einzeichnungsliste für einzuführende Gäste
liegt im Lesezimmer auf.
2517df)
Die Vergnügungs-Kommission.

Nor kaan Neid! Leitung: Hans Schramm.
Sonntag, den 28. Januar, abends 7 Uhr 11
im städtischen Saalbau:
I. Grosse Damen- u. Herren-
Snlzung unt Tanz
Nur hiesige bewährte erste Redner!

Ganz hervorragende Chorlieder!
Dieses Festwirdeine Glanzleistung der D. C.-G.
Auf vielseitiges Verlangen wiederholt:
Der Hosenkaralier- oder Die Humpelhos‟

Eintrittspreise pro Person Mk. 1., num. Plätze
in kleiner Anzahl Mk. à 2.. Im Vorverkauf bei
den Herren Otto Titze (Glocks Hutgeschäft),
Edgar Wetzstein (Gg. Hof Nachfolger), im
Zigarrengeschäft Meyer, Ecke Magda-
lenen
- u. Lauteschlägerstrasse und im
Verkehrsbüro. An der Kasse
50 Pfg. Aufschlag.

2514dfs)

Der große Rat.

Rummelbräu. NMaskengarderobe, ſowie
Allee 61.
Heute Donnerstag
Metzel

suppe
Wurst. Als Spezialität: Schweinepfeffer! Große Kaplaneigaſſe 14, part.
(2521
und Bratwurst
Es ladet freundlichst ein
Georg Brück,

Weinreſtaurant (Maskenanzug
Bockshaut‟

Metzel=
suppe
.

Täglich frische
Mazzen
Bäckerei u. Conditorei
Mainzer (1302a
obere Bleichstr. 13. Tel. 1265.

Afrikaner
frühere Chinakrieger, Kolonial=
freunde
, die im Beſitz von Jagd=
trophäen
, Waffen u. ſonſtigen Er=
zeugn
. aus den Tropen ſind, werd.
gebeten, ihre Adreſſe z. Zweck der
Veranſtalt. einer kolonialen Jagd=
und Seefiſchausſtellung gefl. mit=
zuteilen
. Irgend welche Koſten er=
wachſen
dadurch nicht. Andr. unt.
(*1880df
D 63 a. d. Exp.

ſtets vor=
Trauerhüte
rätig.
Putzſalon Mauerſtr. 20, I. (1995a
(legantes Maskenkoſtüm billig
zu verl., ev. zu verk. (B2502
Neue Niederſtr. 12, pt.

Damenmasken, H.=Dominos zu
verl. od. verk. Kiesſtr. 32. (2499a

ut erh. Smokinganz. kl. Fig., hill.
zu verk. Grafenstr. 370, III.(2493a

elegante Maskenanzüge, ſowie
eine Herren=Maske zu verleih
(B2488
Schießhausſtr. 49.

Letzte
Orphleumz

Donnerstag.
25. Januar

und folgende Tage:
Wer golahrliche Antf
Schwank in 3 Akten
von Herm. Job. (2516

Preise und Vorverkauf wie bekannt.

Großherzogl. Hoftheater
Donnerstag, 25. Januar.
99. Abonnem.=Vorſtellung. A 26.
Zum erſten Male:
Gudrun.
Ein Trauerſpiel in 5 Akten
von Ernſt Hardt.
Spielleitung: Oberregiſſ. Valdek.
Perſonen:
König Hettel . . Hr. Riechmann
Gudrun
. Frl. Alſen
Der alte Wate Hr. Heinz

Die Amme
Hildburg
Rota
Sigrun

Fr. Scherbarth
Frl. Uttmann
Frl. Grünberg
. Frl. Schaub

Sindgund
. Frl. Meißner
Frl. Longin
Signe

u angefertigte Damen-
Damen= u. Herren=Dominos zu
verleihen, Maßanfertigung, ev.
lauch Maßanfertigung leihweiſe.
Große Auswahl! Billige Preiſe!l Erſte
Konfektion, Mühlſtr. 40, I. nächſt
Turnhalle (Woogsplatz). (*1604ods Jocheleg. neue Damen=Masken
Wellfleisch m. Kraut, Ia Hausmacher- 22 billig zu verleihen (*1662idf in
Maskenkostüme großer
Auswahl Stiftſtr. 89, p. (2184a (Holländerin),
neu, f. 7 Mk. z.
verl. Louiſenſtr. 32, 1. St. (*1779md Womino, Herren- u. Damen-Masken
heute Donnersteg 0 bill. zu verl., Damenfrisieren Hartmut; im 4. Akt: am Meeres=
2278a) Mauerſtr. 8, II., Riesinger. 62 hübſche Damenmasken zu
perleihen od. billig zu verk.
*1815ds) Stiftſtr. 83, 2 St. links. Proſzeniumsloge 6 Mk., Fremden= Schön. Maskenkoſtüm (Greichen,
Roßdörferſtr. 59, 3. St. links. Landwehrſtraße 15, II. (*1851dmm Maskenanzige fertigt (*1834
Wendelſtadtſtraße 11, prt. Digennerin (Maske) billig zu verſ.
Große Ochſengaſſe 4, II. (*1821 hübſche Damenmasken billig
3 zu verleihen
(*1829ds Gocheleg. Damenmasken, teils
Roßdörferſtr. 16, 1. St. (2497a Aaskenkoſtüm Großes Losbel=Ouvertüre. Kl. Preiſe.
M billig zu verleihen oder zu
verkaufen Kranichſteiner=
ſtraße
35, I. Herren- u. Damen-Masken Anfang 7 Uhr.
billig zu verleihen. Ferd. Böhm,
Kiesſtraße. Ein Maskenanzug (Edelweiß)
billig zu verleihen oder verkaufen
Mauerſtraße 32, I. I.
(*1890

2 Pierretten
einmal getrag., ſehr billig z. verk.
oder zu verleihen
(*1910
Kiesbergſtr. 53, part.

Eirik
Ein Späher . .
Die Stimme Fru
tens
Hegelingiſche

Wachen

Hr. Kräger
Hr. Jachtmann
Hr. Kroczak
Hr. Klotz
Hr. Indorf
Hr. Jungmann
Hr. Waigandt
Hr. Dobski

Ein Hegeling . . Hr. Peterſen
König Herwig, d.
Däne .
.Hr. Weſtermann
König Hartmut . Hr. Baumeiſter
Gerlind
. Frl. Heumann
. Frl. Gothe
Ortrun
Zwei Normannen=Hr. Hacker
herzöge UHr. Schneider
Ruuk
Hr. Lehrmann
Rurik
. Hr. Semler
Fr. Rudolph
Zweite
Frl. Wisthaler
DritteFrau der
Frl. Daniel
Gerlind
Frl. Guerdan
Vierte
Fünfte
Fr. Kräger
Zwei Mägde der/Fr. Ungibauer
Gerlind (Fr. Dobski
Erſter 1 Nor= Hr. Herrmann
Zweiter) manne Hr. Weiß
Normannen. Hegelinge.
Schauplatz im 1. Akt: Plattform
zwiſchen zwei Türmen; im 2. Akt:
Turmgemach der Gudrun; im 3.
u. 5. Akt: Diele in der Burg des
ſtrand.
Nach dem 2. Akte längere Pauſe.
Preiſe der Plätze (Gr. Pr.):
loge 6 Mk. Balkonloge 5 Mk.,
1. Rang 4.50 Mk., 2. Rang (1.6.
billig zu verkaufen (*1849 Reihe) 2.50 Mk. (7. und 8. Reihe.
2 Mk., Sperrſitz (1.13. Reihe)
Damenmaskenanzüge, einmal 4 Mk., (14.20. Reihe) 3.20 Mk.,
getragen, zu verkauf. od. zu verl. Parterre (1.5. Reihe) 2.70 Mk.,
(6.8. Reihe) 2.20 Mk., 1. Galerie
1.20 Mk., 2. Galerie 60 Pfg.
verden ange= Anfang 7 Uhr. Ende 10 Uhr.
Kartenverk. 111 u. von 6 Uhr an.
Vorverkauf
von 111 Uhr f. d. Vorſtellungen:
Freitag, 26. Jan. 100. Ab.=V.
B 26. Was Ihr wollt.
Kleine Preiſe. Anfang 7½ Uhr.
Samstag, 27. Jan. 101. Ab.=V.
Mühlſtraße 5, II. Gebert. D 25. An Mozart’s Geburtstag.
Feſtvorſtellung zur Feier d. Aller=
neu
, von 3 Mk. an zu verleih. höchſten Geburtsfeſtes Sr. Maj=
des
Deutſchen Kaiſers. Figa=
ro’s
Hochzeit. Vorher: Ju=
Anfang 7 Uhr.
Sonntag, 28. Jan. 102. Ab.=V.
(*1903dfC 25. Grigri. Große Preiſe.
Die Hoftheater=Hauptkaſſe iſt
Karlſtraße 26, I. Stock, Eingang an allen Wochentagen, vorm.
von 1012½ Uhr, geöffnet.
Aus dem Spielplan.
Montag, 29. Jan. 103. Ab.=V.
D 26. Die Räuher. Kleine
Preiſe. Anfang 7 Uhr.
Dienstag, 30. Jan. 104. Ab.=V.
A 27. Madame Butterfly.
Große Preiſe. Anfana 7½ Uhr.

[ ][  ][ ]

Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 25. Januar 1912.

Nummer 21.

Hoflieferant Heinrich Elbert, Darmstadt.

Gesellschaft mit beschr. Haftung.

für zeitgemäsen
Durd-Bcuaf!
Spohlaigoschaft
Hauptvertreter für:
Soennecken Kopiermaschinen,
Original Underwood- und ldeal-Schreibmaschinen,
Dyes praktische Büro-Möbel.
(2145sid

Grosse Posten Zigarren
offeriere ausserordentlich billig!
Abgabe von 50 bezw. 100 Stück an.
(642a
Wiederverkäufern, Händlern, Wirten etc. sehr zu empfehlen.
Garantie für Qualität. Nichtzusagendes wird gegen Barvergütung zurückgenommen.
Zigaretten an Wiederverkäufer zu vorgeschriebenen Fabrikpreisen.

Zigarren-
Wiin. Dauer versand Ludwigstrasse b.

üsse Orangen

treffen fortwährend größere Sen=
(1872a
dungen ein
3 Stück 10 Pf. 10 Stück 55 Pf.
10 35 I10 65
10 45 110 75
Mandarinen
Stück 5 Pfg., 10 Stück 40 Pfg.
Citrouen
10 Pfg.
große 3 Stück
extra große 10 Stück . 45 Pfg.
im Hundert Extra=Preiſe, empfiehlt
Ecke Roßdörfer-
Joh. Walther, u. Wienersstr. 69.
Telefon 1598. (1872a

Schlafzimmer
neu, hell eichen, prima Arbeit,
weit unter Preis. Eichen Bücher=
ſchrank
, Diplomat, feine moderne
Diwans, Ottomane, nußb. Schreib=
tiſch
, hochf. Vertiko, Trumeauſpieg.,
Flurgarderob., Kleiderſchr., Waſch=
kommoden
, Spiegelſchr., Speiſe=
zimmer
, Bettſtellen, Matratzen, ein=
zelne
Kredenz, mod. Küche. (*16100d
Eliſabethenſtr. 42, pt., rechts.

Ein gebraucht. Coupé
preiswert zu verk. W. Schaubach,
Hofſattlermſtr., Bleichſtr. 15. (*1667id

armstädter Bettfedern,
Dämpf- u. Reinigungs-
Anstaltneuest. Systeins
Bleichstr. 1. Leonhard Menger, Tel. 1608.
Dämpfen, Reinigen u. Desinfizieren
aller Bettfedern. Lager in Federn,
Daunen u. Barchent i. all Preisl. 646a

Moderne Frisuren
mit bester und haltbarster
Ondulation
alle vornehmen
Haar-Ersatzteile
erhält jede Dame zur Zufriedenheit bei
Hoffriseur Gelfius
Ernst-Ludwigstr. 21. (1158a-

S293s23S2293Ss9s52sSg

Blumen-Arrangements
in bekannt geschmackvoller Ausführung
zu allen Gelegenheiten.
(2009a
Rheinstrasse 17
Telef. 107o Lina Hardt Eingans Grafenstr.
Spezialgeschäft für moderne Blumenbindereien.
ggggaadde

Totar-Habvorkauf W. Dirih.
Grosse Posten modernster
Costümstoffé, uni und engl. Genres
Kleiderstoffe, schwarz, weiss und farbig
für Ball-, Gesellschafts-, Strassen- u. Hauskleider
Blusenstoffe, jeder Art
(2280od
Costüme, Mäntel etc.
Staunend billige Preise.

Totar-Ausverkauf
wegen Geschäftsaufgabe
Rheinstrasse 31
Joh. Jacob Schenzer Wwe.
Verkaufe die Restbestände meines Lagers während
Februar u. März zu noch weiter herabgesetzten Preisen.
Besonders empfehle:
(2468a
Spitzen, Bänder, Besätze, sowie Samt-, Seiden-,
Spitzenstoffe u. Carneval-Artikel etc.
Silberne Bestecke
0,800 geſtempelt,
versilberte Bestecke
vorzüglicher Qualität,
in viel. Muſt. ſehr preiswürdig
L.. Borné, Hoflieferant, 25 Ernst-Ludwigstr. 25.
(636a
Uhren. Uhrketien, Gold aren, Silberwaren.

Eine Millarde Mark
überschreitet 1912 der Versicherungsbestand der
Leipziger Lebensversicherungs-Gesellschaft
auf Gegenseitigkeit (Alte Leipziger)
(1161a
gegründet 1830.
Deckungsmittel über 380 Millionen Mark.
Bestes Prämien- und Dividendensystem.
Unanfechtbarkeit :: Unverfallbarkeit:: Weltpoliee.
Vertreter: G. Beyser, Darmstadt
Bruchwiesenstrasse 4.

doppelſ. Schreibpult.
1 ſchließb. Schubkaſten u. 1 Lauf=
ſtühlchen
für kleine Kinder zu verk.
Wenckſtraße 34, I. (*1643im

zilig zu verk. Mankel f. 1.Mädch,
B Herrnhalbſchuhe, Nr. 42, Pelz u.
Muff, Schlittſch., Knabenrock f. 17J.
u. Hoſe ꝛc. Wen elstadtstr. 23, p., I. (*1739md

Ia Speise- und Saatkartoffeln
Industrie, Up do date, Holländer, gelbe
u. frühgelbe empf. bill. Crössmann
Nachf., Grafenſtraße 16. (*1690ids

Lump., Flaſch.,
Papier, Eiſen,
Ich
Metall. Zahle
die höchſten Preiſe. Poſtk. genügt.
J. Blum, Obergaſſe 20. (*1774md

ehrock=, Frack=, Smoking=
6 Anzüge, Zylinder zu verleih.
Rheinſtraße 5, 2. Stock. (73a

Grosser Posten Zigarren
Zigaretten, Tabak, div. Laden=
Mobiliar, Gasofen u. Herd bill.
abzugeben. Näh. Exped. (B2089

EHIES12
Schreibmaschine
* billig zu ver=
VOST=
kaufen

Viktoriaſtr. 63, 2. St., 59 Uhr
nachm. tägl. anzuſehen. (2314a
SFNTT!!

Gräfin Laßbergs Enkelin.
Roman von Fr. Lehne.
(Nachdruck verboten.)
33)

So wenig wie heute hatte Lothar die Füchſe noch nie
geſchont.
Es war, als jagten ſeine wildſtürmenden Gedanken
um die Wette mit den edlen Tieren, die er unbarmherzig
antrieb.
Oh, dieſes Mädchen! Wie hatte er es geliebt aus der
Tiefe ſeines Herzens, mit jener heißen, innigen, treuen
Liebe, wie nur ein gereifter Mann zu lieben vermag.
Und ſie hatte ihn glauben laſſen, daß ſie ihm auch gut
ſei. Und doch heute dieſes ſchamloſe Spiel mit dem an=
deren
weil der eine glatte, hübſche Larve trug und
jung war.
Oh, er hätte den Buben züchtigen mögen, der ſo keck
nach dem griff, was ihm gefiel, der nicht danach fragte,
ob er einem anderen damit weh tat, ihm das Beſte nahm!
Tor, der er war! Warum hatte er nicht geſprochen und
ſich des geliebten Weibes verſichert?
Und wie ſehr hatte er ſich nach dieſem ſüßen, blaſſen
Mund geſehnt, ihn einmal zu küſſen! Einmal das holde
Geſchöpf im Arm zu halten!
Aber war es nicht gut, daß es ſo gekommen? Noch
zur rechten Zeit hatte er ihren Unwert erkannt daß es
nur Truggold war, was er für echt gehalten und doch
drängte ihm dieſe Enttäuſchung heiße Tränen ins Auge!
Das würde er nie verwinden!

Seit dieſem Tage war Lothar wie verwandelt. Nie
wieder ſprach er in dem herzlichen Ton wie vordem zu
Yvonne; nie wieder traf ſie ſein warmer, liebevoller Blick,
den ſie ſtets wie eine zärtliche Liebkoſung empfunden. Mit
tadelloſer, eiskalter Höflichkeit begegnete er ihr, und ihre
ſchüchternen Verſuche, das frühere Einverſtändnis wieder=
herzuſtellen
, ließ er unbeachtet.
In vielen ſchlafloſen Stunden fragte ſich Yvonne, wo=
her
dieſer jähe Umſchlag in ſeinem Verhalten kam. Hatte
er vielleicht gefürchtet, Hoffnungen, die er nie erfüllen würde,
in ihr zu erwecken. Noch war ja kein bindendes Wort ge=
ſprochen
und ein Blick, ein Händedruck kann ſo täuſchen.
Sie war tief unglücklich. Jetzt ſchlief ſie nicht mehr
ſo gut, und heiße Tränen netzten ihr Kopfkiſſen. Sie weinte
nach dem Mann, den ſie mit ihrer ganzen Seele liebte, ohne
den ſie nicht mehr ſein konnte und er hatte ſich von ihr
abgewandt! Tauſend Schmerzen litt ſie um ihn, und all
ihr Stolz konnte ihr nicht helfen, dieſe Liebe zu über=
winden
.
Frau von Steinhagen und Tochter ſchwammen im
Strom der Geſelligkeit tapfer mit; längſt hatten ſie die
Mahnungen und Vorſtellungen Lothars vergeſſen und
lebten luſtig darauf los. Sein blaſſes, ernſtes Geſicht
rührte ſie nicht!
Lutz von Brücken war in der Geſellſchaft tonangebend.
Ein Feſt ohne ihn hielt man für undenkbar und er
ſtürzte ſich nur ſo hinein in den Strudel. Manchmal kam
es vor, daß er nach Hauſe ging, den Geſellſchaftsanzug ab=
legte
, eine Duſche nahm, dann hinein in den Dienſtanzug
und fort in die Kaſerne, auf den Exerzierplatz

Yvonne hörte ſo viel von ihm und nicht immer Gün=
ſtiges
. Zuweilen ſah ſie ihn auch und war faſt erſchreckt
von ſeinem verlebten Ausſehen. Bange Sorge erfüllte ſie.
Einmal begegnete ſie ihm zufällig; ſie ſollte Konſtanze
von der Schneiderin abholen; es war noch zu früh dazu.
Er blieb ſofort ſtehen. Wohin des Weges, Yvonnchen?
Sie gab ihm Antwort und ſagte dann: Gut, daß ich
Dich treffe, Lutz! Ich ängſtige mich ſo um Dich! Was iſt
mit Dir?
Sehr gütig, Deine Teilnahme! Doch laſſe mich nur
ich werde ſchon nach meiner Faſſon ſelig!
Lutz, denke an Deine Mutter, denke an Großmama!
flehte ſie.
Schweig’, fuhr er ſie heftig an, wenn Du mir weiter
nichts zu ſagen haſt, Kleines! Spare Dir das Schul=
meiſtern
, es ſteht Dir gar nicht! ſetzte er milder hinzu, da
er Tränen in ihren ängſtlichen Augen blinken ſah. Heftig
preßte er ihre Hand. Ich habe eine ſo raſende Sehn
ſucht nach dieſem ſüßen Munde, der immer ſo klug ſprechen
kann und doch lieber töricht küſſen ſollte! Er drängte ſich
an ſie heran, und ſie fühlte ſeinen heißen Atem. Küſſe
mich wieder, Du Süße, dann wird alles gut.
Lutz, Du beleidigſt mich, und ich meine es doch ſo gut!
ſagte ſie empört. Heut’ iſt nicht zu reden mit Dir. Adieu!
Sie ließ ihn einfach ſtehen und ging davon. Nach
wenigen Schritten ſah ſie ſich um. Er ſtand noch immer
auf derſelben Stelle und ſtarrte ihr nach. Etwas Ge=
hetztes
, Ruheloſes lag in ſeinen Zügen, und ſie hatte
Angſt. Am liebſten wäre ſie umgekehrt, hätte ihn am Arm

[ ][  ][ ]

Nummer 21.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 25. Januar 1912.

Seite 11.

Für diese Woche empfehle in
garant. lebendfrischer Ware:
Holländer


chellfische

große, mittel, kleine

Prachtvollen

Nordsee-

(im Ausschnitt)

Herdsee Rabhlad
mit Kopf, 2
pfündig, per Pfd. 30

Große Nordsee-Schollen
Rotzungen, Merlans
Goldbarsch, Seelachs
Karbonade, Gr. Heringe
Isl. Schellfisch im Ausschn.

Portionsfische
zum Braten . Pfd.

243

verlig 3
Fischhandlung
Karlstr. 47, Tel. 64.

hr
Eine gut
erhaltene Geige u. Flöte billig
zverk. Grafenſtr. 33, II. (*1730mdf

aufe alle Möbel,
ganze Einrichtungen, und Nach=
(1852a
läſſe
Kurtz, Pädagogſtraße 2.

Kaufe

getr. Kleider, Schuhe
ꝛc. zu den höchſten
Preiſ. Poſtkarte gen.
M. Schnitzer
Schloßgaſſe 29. (1871a

Sparſame
Hausfrauen=
kaufen
gegen bar und
ſammeln die ſchwarz=
weißen
Kabatt=
marken
des
(702a
Rabatt=
Spar=Vereins
Darmſtadt.

eree

gut erhalten,
Orchestrion zu jed. an=
nehmbaren
Preis zu verk. Schäfer,
Grafenſtraße 22.
(*1723mds

Parkettboden
werd. gereinigt Dieburgerſtr. 4. (70a

Empfehle den Damen meinen
zeitgemäss eingerichteten
2.
Damensalon.
Kopfwaschen mit Frisur 1.00 Mk.
Kopfwasch. mit Ondulation 1.50
Kinderkopfwaschen . . 0.75
Neneste
ckenanlag
gesünd. Behandlung d. Haare.

Anfertigung aller Haar-
arbeiten
. Grosses Lager
in Zöpfen, Locken, Haar-
Unterlagen usw.
zu billigsten Preisen.
(672a
I r. Prrimann
Elisabethenstr. 21.

Stuttgarter Geldlotterie
das Loos Mk. 3. Ziehung
am 2. und 3. Februar 1912.
Regensburger Geldlotterie
das Loos Mk. 3. Ziehung
am 6. und 7. Februar 1912
empfiehlt und versendet
Philipp J. Schmidt,
Königl. Preuß. Lotterie-
Einnehmer, Darmstadt,
Rheinstr. 33. Tel. 127.
(1839a)

Täglich friſch eintreffend:
ſüßen, ſauren
u. Schlagrahm
Weibatter

Zu verkaufen verſchiedene Tiſche,
Kommode, Schränke, Waſchkom=
mode
, Nachtſchränkchen, Kleider=
ſchränke
, Ausſtellungsſchrank, Bett=
ſtelle
mit Matratze, Hausuhr,
1 beſſerer Kinderwagen (*1845df
Mühlſtr. 23, im Hof links.

0

ioline mit Kaſten zu verkaufen
*1850dmm) Landwehrſtr. 15, II.

Anlkauf
von Altertümern jeder Art.
Möbel, Gemälde, Porzellane,
Stiche, Zeichnungen, Spitzen,
Fächer, Curioſitäten ꝛc.
706a)
Antiquar Eggert,
Luiſenpl. 4, neb. d. Ständehaus.

Alt Darmſtädter
Anſichten, Porzellane, Geſchirre
Uhren, Inſtrumente, Pläne, Karten
ꝛc. zu kaufen geſucht. Offert. m.
Preis u. W 73 an die Exp. (12481

von 1.60 an

bei 2460di
Lina Darmstadt
Butter- und Eier-
: Spezialgeschäft:
17 Elisabethenstr. 17.
FelEdohn. Mannfakturwaren. (6a

Vbravour
hervorragend milde
O Pfg.=Zigarre
Emmericher Waren-Expedition
Elisabethenstr. 12
Telef. 979.

(2398a)

Sed

Vordwand od. Einzännung
ca. 12 m, zu kaufen geſ. Off. mit
Preis unt. D 49 a. d. Exp. (2464

lte Pelze w. z. gr. Muffen u.
mod. Toque umgearb. bei
2451a) Ludwigspl. 8, Vdh. III.

h ſuche ein Tafelklavier, gut
erh., per ſofort. Offerten unt:
D 45 an die Exp. d. Bl. (*1832

M

Feigen=Rafſer.

Einen beſſeren Geſchmackals mit
Ihrem

habe ich noch mit keinem anderen
Kaffee=Zuſatz erzielt; er iſt einfach
großartig! Ich werde ihn überall
empfehlen . . ." (Aus einem Briefe.)
Hunderke ſolcher begeiſterter,
ähnlich lautender Briefe erhielten
wir nachweislich von Frauen
aus allen Ständen. Haben auch
Sie ſich ſchon ein Urteil gebildet?

(2477H

not. begl. Zeugniſſe
von Aerzten und
Privaten verbürgen
den ſicheren Erfolg.
Aeußerſt bekömmliche und
wohlſchmeckende Bonbons
Paket 25 Pfg., Doſe 50 Pfg. zu
haben in Darmſtadt bei:
Chr. Schwinn, Drogerie, Ludw.
Zink, Drogerie, Weinbergſtr. 2,
Fr. Seibert, Drog., Pallas=
wieſenſtr
. 44, Karl Steinhäuser,
N.=Ramſtädterſtr., Fr. Becken-
haub
, Ecke Schul= u. Kirchſtr.,
C. Watzinger, Drogerie, Wil=
helmſtr
. 11, Adler-Drogerie,
Frankfurterſtr. 12/14, Fr. Schä-
fer
, Emanuel Fuld, Peter Keil,
Gg. Petry, Roßdörferſtr. 52,
Ph. Huwert, Ecke Wieners= u.
Roßdörferſtr. 21, Gg. Held,
Roßdörferſtr. 35, Ant. Braun-
warth
, Marktplatz, Wilh. Ritsert
jr., Grüner Weg 30, Otto Erb,
H. Wagenbrenner, Heidelberger=
ſtr
. 17, Carl Block in Nied.= Ram=
ſtadt
, Adam Hartmann in Fränk.=
Crumbach, 6. L. Friedrich in
Brensbach, Friedrich Becker II.
u. G. H. Stühlinger, Reinheim.

Handdruſch, abzug.
Kornstroll, Mauerſtr.20. (1853a

Zur Geſchäfts=Eröffnung gebrauche
dringend getrag. Kleider, Schuhe,
Stiefel, Wäſche, Federbetten, künſt=
liche
Zahngebiſſe ꝛc. und zahle nur
(*1796md
höchſte Preiſe
J. Wallach,
Holzſtraße 1, Laden.

Die nichtfettende Hauteréme!
Weltberühmt u. ärztlich empfohlen zur
Haut- u. Schönheitspflege, gegen rauhe,
rote, rissige, aufgesprungene Hände! Un-
erreicht
gegen unschönen Teint, Mitesser
etc. Tube 60 u. 100 Pf. Kombella-Seife 50 Pf.
Zu haben in den Apotheken und
Drogerien von: (657H
Gerhard Schmitt N., Luisen-
str
. 10, F. Seibert, Pallaswiesen-
u
. Liebigstr.-Ecke, Fr. Becken-
haub
, Wilhelminenstr., Georg
Franz Frank, Parf., Elisa-
bethenstr
. 9, Christianschwinn,
Hofdrogerie, Rheinstr. 8, Carl
Bley, Wilhelminenstr., Friedr.
Schaefer, Drogerie.

gefaßt, ihn gerüttelt: Lutz, ſag’ mir doch, was mit Dir iſt,
ich weiche nicht von Dir, ehe Du nicht geſprochen!
Doch die Zeit drängte. Es war gleich ſechs, und ſie
hatte mit Konſtanze noch einige Weihnachtsbeſorgungen
zu machen. Die Damen hatten diesmal einen größeren
Wunſch, den ſie ſich auch ohne weiteres erfüllten: ein Auto=
mobil
! Beinahe kindlich freuten ſie ſich, als der elegante
Kraftwagen zum erſten Male in ihrem Hauſe einfuhr
als ihr Eigentum!
Ein wenig ängſtlich waren ſie ja, was wohl Lothau
ſagen würde! Sie hatten ſich wohl gehütet, ihn zu fragen. Er
mußte ſich eben mit der Tatſache abfinden.
Zum Glück war er vom 20. Dezember bis 8. Januar
verreiſt und wenn er zurückkam, Konnte er nichts mehr
an dem Geſchehenen ändern.
Lothar war ganz mit ſich zerfallen; er mußte einige
Wochen fort andere Luft, andere Umgebung haben. Der
Gedanke an Yvonne ließ ihn keine Ruhe finden.
Warum ließ er ſich von einem Phantom quälen? Sie
war ihm doch noch keine Treue ſchuldig geweſen. Wenn
er jetzt ſprach, konnte noch alles gut werden!
Aber es war da etwas zwiſchen ihr und Baron
Brücken, das ihn faſt bis zum körperlichen Schmerz quälte.
Was er mit ſeinen eigenen Augen geſehen, was er gehört,
das war da das war kein Hirngeſpinſt, das ließ ſich
nicht wegbringen. Wie eine Mauer trennte es ihn von
dem geliebten Mädchen!
Lothar war zurückgekehrt. . Die drei Wochen, die er in
großer Zurückgezogenheit in einer ſtillen Penſion in Gar=
done
verbracht, hatten ihm ſeine körperliche Friſche wieder=

gegeben, die er durch die heftigen neuraliſchen Schmerzen
etwas verloren hatte.
Doch Yvonne hatte er nicht vergeſſen können!
Spät am Abend war er gekommen, er hatte deshalb
in einem Hotel in der Stadt geſchlafen und machte ſich nun
am anderen Vormittag auf, die Damen zu begrüßen.
Er traf Yvonne allein an; ſie war damit beſchäftigt,
im Salon Staub zu wiſchen.
Bei ſeinem unerwarteten Anblick zitterte ſie. Durch
ſein Verhalten in den letzten Wochen war ſie ſo eingeſchüch=
tert
, und doch freute ſie ſich über ſein gutes, geſundes Aus=
ſehen
und ſprach das auch aus.
Mit ruhiger Höflichkeit antwortete er ohne jede
Wärme im Ton wie man zu einem ganz Fremden
ſpricht.
Das Herz tat ihr weh. Es fehlte nicht viel, und die
Tränen wären ihr unaufhaltſam gefloſſen; ihre Lippen
zitterten, und ſie mußte ſich abwenden. Wenn ſie ahnte,
wie ſchwer ihm ſein förmliches Verhalten wurde, wie ſehr
er ſich dazu zwingen mußte!
Hätten die Damen gewußt, daß wir Sie heut’ ſchon er=
warten
durften, wären ſie nicht ausgefahren; ſie müſſen
aber jeden Augenblick wiederkommen, ſagte Yvonne.
Ausgefahren? fragte er erſtaunt. So zeitig? Es iſt ja
kaum halb zwölf. Uebrigens ſah ich doch den Kutſcher.
Die Damen ſind heute früher aufgeſtanden, kommen
aber bald zurück. Der Chauffeur hier ſtockte ſie plötz=
lich
; Lothar wußte ja noch nichts von dem neuen Auto=
mobil
. Wie würde ihn das in Aufregung bringen!
Sie ſagen Chauffeur. Weſſen denn?

Nun, der unſerige.
Was? Hab’ ich recht gehört?
Ja, die Damen haben doch ſeit Weihnachten ein Auto=
mobil
, entgegnete ſie mit niedergeſchlagenen Augen.
Ein Automobil?
Sie nickte und warf einen ſcheuen Blick in ſein Ge=
ſicht
. Ein jäher Zorn flammte darüber hin; er preßte
die Lippen feſt aufeinander; mit heftigen Schritten ging
er einige Male auf und ab. Bitte, Fräulein Legene, laſſen
Sie mein Zimmer lüften und ein wenig in Ordnung
bringen.
Das iſt bereits geſchehen. Ich wir erwarteten Sie
doch jeden Tag, und da dachten wir
Ich danke Ihnen. Er ging hinaus, und betrübt ſah
ſie ihm nach. Ihre Fürſorge rührte ihn. Denn das war
doch nur von ihr ausgegangen, ſolche Umſicht gab es
veder bei Mutter noch Schweſter. Das Zimmer war
behaglich durchwärmt und blühende Hyazinthen durchduf=
teten
den Raum.
Voller Zorn und Ungeduld ſtand er am Fenſter. End=
lich
ſah er den Wagen kommen und einfahren.
Jetzt hörte er die beiden lachenden Frauenſtimmen
auf der Diele deutlich zu ſich herauftönen. Dann klopfte
es an ſeiner Tür, und das Stubenmädchen meldete, daß
man ihn zum Frühſtück erwarte.
Ich danke, ich habe bereits gefrühſtückt. In ungefähd
zehn Minuten komme ich.
(Fortſetzung folgts

[ ][  ][ ]

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 25. Januar 1912.

Morgen Freitag, ten 26. Januar
Reste und Roschnitte!
aus allen Abteilungen
enorm billig
W000
enorm billig

Blusenstoff-Reste
Halbuollene
Kleidersto
-Reste
50
in den Längen von 1 bis 4 Meter
Serie I
Kleiderstoff-Reste
Kostümstoff-Reste
in den Längen bis 6 Meter

Serie I Serie II Serie III Serie IV Serie V

Serie IV
Serie II
Serie III

Baumwollwaren-
Reste
aller Art, in verschiedenen Längen
29.60.05. 1 1

Seriel Seriell Serielll SerielV Serie V Serie VI Serie VII
0

Weisswaren-Reste

Serie I Serie II Serie III Serie IV

1 Posten
Damast-Reste
130 und 160 cm breit

grösstenteils Reste
von 3 bis 4 Meter
jeder Rest

50

Unsere beiden Eingangsfenster
sind mit Resten dekoriert und zwar: links Kleiderstoffe, rechts Baumwollwarenreste

Markt 2

Jebr. Rotnscua

Markt 2.

(2511

[ ][  ][ ]

§6 21.

Dounersſtag. 23. Januar.

1912.

teleruch

Weiblich

Juge, geblele Frau
wünſcht beſſ. Filiale zu übernehm.
Kaution kann geſtellt werden. Off.
unt. D 40 an die Exped. (*1822do

Modistin
ſucht I. Stellung. Zeugniſſe uſw.
zur Verfügung. Off. unter C 81
a. d. Expedition d. Bl. (B2371

Näherin

(*1669id

empfiehlt ſich im Ausbeſſern von
Kleidern u. Wäſche in Kundſchaft
Eberstadt, Bismarckſtraße 15.

Eine Witwe ſucht Beſchäftig. im
Weißnähen, am liebſt. in ein Ge=
ſchäft
. Offert. unt. D 14 an die
Expedition ds. Bl. (*1698imd

Flickerinnen, Weißzeugnäherin.,
Schneiderin., die die Arbeit abholen
oder ins Haus kommen, ebenſo
Stickerinnen u. Strickerin. f. Hand
u. Maſch. werd. nachgew. Grafen=
ſtraße
45, I., bei Fr. Meyer, Arbeits=
Vermittl. d. Gew.=Vereins d. Heim=
arb
. Nur vorm. Poſtk. gen. (*1854do

m. g.
Aelteres Mädchen ſucht Stel=
lung
bei einzelnem Herrn. Zu er=
fragen
Arbeitsnachweis Wald=
ſtraße
Nr. 6.
(*1729mdf

Landmädchen, darunter mehrere
Oberheſſinnen, eine Lehrerstochter
uch. in Darmſtadt Stell. Fr. Berta
Nehling, Ludwigſtraße 8, gewerbs=
näßige
Stellenvermittlerin. (*1840df

Saub. tücht. Frau ſ. nachm. Be=
ſchäftig
. für Waſch. u. Putzen (*1896
Frau Wiasspki. Heinheimerſtr. 22, H.

Sauberes Hausmädchen, im
Waſchen und Bügeln bewandert,
ſucht Stelle bis 1. Febr. Off. unt.
D 62 an die Exp. d. Bl. (B2501

Gut empf. Herrſchaftsköchin
ſucht Stelle zum 1. März, 3 Allein=
mädchen
, welche etw. koch. können,
ſowie mehr. junge Mädch., ged.
u. nicht ged., ſuchen Stellen als
Hausmädchen, auch zu Kindern,
Frau Gertrude Hartmann, gewerbs=
mäßige
Stellenvermittlerin, Eliſa=
bethenſtraße
45.
(*2505
Vorzüglich empfohlene Fröbel=
Erzieherin ſucht für einige Stund.
Beſchäftigung. Zu erfragen in d.
Expedition ds, Bl. (*1872

Gutempf. Frau ſ. Laufd., g. a. h.
T. waſch. u putz. Arheilgerſtr.25. (*134

Mehr. Landmädchen, u. Aushilfe
in. g. Zeugn. ſuch. paſſ. Stell. d. Joh.
Weihmantel, gewerbsmäßige Stellen=
vermittlerin
, Kaſinoſtr. 17. (*1882

Männlich

Kaufmann
geſetzten Alters, welcher ſelbſtändig
erfolgreich tätig war, ſucht Stellung
als Buchhalter, Geſchäftsleiter od.
ſonſtigen Vertrauenspoſten. Kaut.
kann geſtellt werden. Off. unter
D 58 an die Exp. d. Bl. (*1865

Jung. Mann
23 Jahre alt, ſucht Stellung
als Bureaudiener, Kaſſierer,
Magazinier oder ſonſt ähnl.
Poſten. Gute Referenzen. Gefl.
Offerten unter D 11 an die
Expedition d. Bl. (*1671ids

Junger Mann, militärfrei, ſucht
für ſofort dauernde Stell., gleich
welcher Art. Kaution kann geſtellt
werd. Off. u. D 52 Exp. (*1837

Tüchtiger Buchhalter
in ungeündigter Vertrauensſtellung
ſucht per 1. April anderweit. Stell,
evtl. auch Nähe v. Darmſtadt. Gefl.
Offert. u. W 52 a. d. Exp. (1151a

Maſchinentechniker fertigt ſchn.
und ſauber Pauſen ꝛc. Off. unt.
B 64 an die Exp. ds. Bl. (1854a

Gel. Polierer ſucht Stellung als
Hausburſche ſ. Fabr. od. Möbelgeſch.
Of. unt. D 61 an die Erp. (*1857

Kaufm. (Drog.), 27 Jahre, led.,
K ſucht bei geringen Anſprüch.
Stellung auf Kont., Lager oder
Erpedition.
(2100a
Off. u. C 42 an die Exped

20 Jahre alt, m.
Burſche, beſten Zeugn. a.
beſſ. Kolonialw.=Geſch., ſucht Stell.
*1825) Hädrich, Schulzengaſſe 1.

Jung. Mann mit gut. Zeugn.
ſucht Stellung als Hausburſche.
Off. unt. D 60 an die Exp. (*1858

welch. d. Mittel=
Für Jungen, ſchule beſucht,
wird Lehrſtelle bis 1. April
auf Bureau geſucht. Offert. unt.
D 46 an die Exp. d. Bl. (*1831

Weiblich

Schuhbranche.
Tüchtige Verhäuferin
zur Leitung einer neu eröffneten
Filiale in Darmſtadt mit Kaution
von 2000 Mk. bei hohem Gehalt
u. dauernde Stellung per 1. März
geſucht. Off. mit Gehaltsanſpr. u.
Zeugnisabſchr. an S. Rosenberg,
münchen, Neuhauſerſtr. 23. (2478El

kann Kleidernachen u.
Mädchen Zuschneiden erlernen

2500a)

Kiesſtraße 32.

Hausmädchen mit guten Zeug=
niſſen
, das ſehr gut nähen und

bügeln kann, geſucht.
Näh. Expedition.

(B2400

Suche 1. Februar oder ſpäter
perf. Köchin und einfache Jungfer,
welche ſchneidert und plättet, für
Darmſtadt. Zeugn. an Baronin
Tann, Eiſenach.
(2381md

Ordl. Mädchen vorm. 1½ Std.
u. nachmitt. v. 2½7 Uhr geſucht
Soderſtraße 41, I.
(*1654id

Zuverläſſige Waſchfraugeſucht.
Näh. Neckarſtr. 28, 2. St. (*1820

In Offiziershaushalt geſ. zum
1. März, auch früher, tüchtiges
Mädchen
das gut bürgerlich kochen kann u.
Hausarbeit übernimmt, bei gutem
Lohn in dauernde Stellung. Näh.
Frau Oberleutnant Stempel, Dienze
in Lothringen, wohin Zeugniſſ u.
Bild einzuſenden ſind. (2470a

Bürgerliche Köchin u. Mädchen,
welche koch. können, erhalten recht
gute Stellen zu einer Dame, zu zwei
Leuten hier u. auswärts. Fr. Berta
Nebling, Ludwigſtraße 8, gewerbs=
mäßige
Stellenvermittlerin. (*1842df

Tüchtiges Servierfräul. geſ.
Obergaſſe 3, Ratskeller. (*1835

Junges Mädchen tagsüber für
leichte Hausarbeit geſucht Grafen=
ſtraße
8, 3. Stock.
(*1843

Geſucht ehrliche, ſaubere gut=
empfohlene
Lauffrau od. Mädch.
morg. 2 Stund., mittags Spülen.
Näh. in der Exp. d. Bl. (2522

Suche für ſofort ein fleißiges,
ſauberes Dienſtmädchen, welches
ſchon gedient hat
(*1868df
Riedlingerſtr. 41, 3. St.

Geſucht feinbürg. Köchin, tücht. i.
Hausarb., geſ., ſol., zu verl., a. Allein=
mädch
. zu kinderl. Ehep. in g. Stelle.
Off. unt. D 70 an die Exp. (*1904

Köch., Alleinmädch.,
Suche welche koch. können, m.
gut. Zeugn. für hier u. Offenbach,
Heidelberg, Köln und Frankfurt
Frau Gertrude Hartmann, gewerbs=
mäßige
Stellenvermittlerin, Eliſa=
bethenſtraße
45.
(2506

Tücht. Mädch., welch, alle Haus=
arbeit
verſt., zu 4 erwachſ. Perſ. per
alsbald geſ. Wäſche aus d. Hauſe.
Näh. Markt 10, 2. Etage. (*1867

Männlich

Iich ſuchein. ücht. Faierertreier=
auch
an kl. Orten b. Zuſicherung
ſelten hoh. Einkommens. Direktor
Müller, Mainz, Postfach 90. (Fr727

per ſofort
Schmiedgehilfe geſucht
Magdalenenſtr. 11.
(*1776md

Tüchtiger Geſchäftsmann ſucht die
Vertretung mit Niederlage
oder Filldie
einer erſtklaſſigen Möbelfabrik
zu übernehmen.
Räume für Muſterlager vorhanden.
Offert. erb. unt. F. V. M. 573 an Rudolf
Mosse, Frankfurt a. M.
(2476)1

Phllanelung.
Unſere Geſellſchaft beabſichtigt für den Bezirk Darmſtadt, ſowie
andere Bezirke die Leitung
eines erſtklaſſigen vornehmen Unternehmens
zu vergeben. Dieſe Poſition bietet intelligenten, fleißigen Kaufleuten
(auch Beamten oder Offizieren a. D.) eine
ſelbſtändig einträgliche Erwerbsquelle,
welche bei entſprechender Tätigkeit ein Jahreseinkommen von
1215000 Mark abwerfen kann.
Branchekenntniſſe nicht erforderlich, da unſer Stammhaus dem
betreffenden Herrn inſtruktiv zur Seite ſteht. (Keine Verſicherungs=
oder
Weinbranche.) Nur ſolche Herren, welche über prima Referenzen
verfügen und ein flüſſiges Barkapital von 58000 Mark beſitzen,
wollen ausführliche Offerten mit Altersangabe unter B 2115 richten
(2479E
an Heinr. Eisler, Berlin SW. 19.

Alte deutſche Lebensverſicher.=
Geſellſchaft hat ihre Hauptagentur
m. Inkaſſo f. Darmſtadt z. vergeb.
Herren, w. in der Lage ſind, auch
Neugeſch. z. bring., erſuchen wir um
gefl. Off u. D 64 Exped. (*1886

und mehr täglich
210 Mk. z. verdienen. Proſp.
grat. Joh. H. Schultz, Adress.-
Verlag. Cöin W. 195.
(1369ff

Aktier
Sergeant
geſucht behufs ſpäterer ange=
nehmer
Anſtellung. Offert. unt.
C. 14168 an Haasenstein & Vogler,
A.-G. Frankfurt a. M.
(2475fi

Strebſam. unverh.
Perſon

ſofort
geſucht

beſſ.

für
. Ar=

beiter od.
Hausdiener.
Etw. Betriebs=
kapit
. erwünſcht.
Gefl. Off. m. Ang. d.
Alt. unt. F. L. N. 585 an
Rudolf Mosse, Frankf. a. M.
(2473)l

Schön ist der
Chauffeur-Beruf
Jedermann kann ihn erlernen bei
ermäßigtem Winterhonorar bis zur
komm. Saiſon.
(*1701ids
Chauffeur=Schule
Grafenſtr. 22
Schäfer (kreisamtl. zugelaſſen).

Schiffsjungen
erhalten gratis Ausk. üb. Karriere
und Ausrüſt. J. Brandt, Altona a. d.
Elbe, Fiſchmarkt 20.
(2503E

Jiugerer Schriſtſctzer
ſofort geſucht. Desgl. findet ein
Schriftſetzerlehrling mit guter
Schulbildung Aufnahme (2438md
Buchdruckerei H. C. Kunze.

Helt. Bauschlosser
oder Mechaniker
ſpeziell f. leicht. Reparaturarb. geſ.
J. Jacobi, Karlſtraße 34. (2076a

2 tücht., ſelbſtänd. (2161sid
Eisendreher
find. dauernde u. lohn. Beſchäft. bei
A. Henninger & Co., Maſchinenfabrik.

mit eigenem Werk=
Schreiner zeug für ca. 8 Tage
geſucht. Off. u. D 69 Exv. (*1902

geſucht
Wagnergehilfe
(2471a
Ludwig Hirſch, Arheilgerſtr. 12.

Hausbursche
Wir ſuchen per 1. Februar einen
ordentl. geſunden Hausburſchen
(2500
(Radfahrer)
Speiers Schuhwarenhaus
Inh.: Paul Wildau.

Tüchtige

für Stark= und Schwachſtrom= An=
lagen
per ſofort geſucht (2495
Doll & Benz.

Lehrling mit guter Schulbild.
von umfangr. Putz=, Kurz=, Weiß=,
Wollwaren= u. Herrenartikelgeſch.
beiſteig. Vergüt. per Oſtern geſucht.
Off. unt. D 53 an die Exp. (2491a

Guten iſrael. Mittag= u. Abend=
tiſch
, ſowie auch volle Penſion
wird in gutem Hauſe gegeben.
Anfragen unt. D 4 Exp. (*1644idi

zuten bürgerlichen Mitags=
tiſch

(*1881dfs
Niederramſtädterſtr. 31, I., Vdh.

old. Kettenarmband (And. an
Verſt.) Samſt., Bahnh., Rhein=
ſtraße
, Markt, Geſchäftsviert. bis
Herrngartenſtr. verloren, Geg. Be=
lohn
. abzug. Herrngartenstr. 33. (*1672ids

Verloren
goldene Damenuhr am 22. Jan.,
wahrſcheinlich Soderſtraße. Gegen
gute Belohnung abzugeben bei
Bischoff, Heidenreichſtr. 17, III. (*1823

Entlaufen
eine jg. Dogge
männl., weiße Bläſſe, gelb m. weiße
Füſſe, auf den Namen Dolus
hörend, gegen Belohnung abzugeb.
Baronin v. Alvensleben
Heinrichswingertsweg 1. (*1731md

eteie enehte
Laden mit 2=Zim.=Wohn. in gut.
Geſchäftslage baldigſt zu mieten
geſucht. Gefl. Off. mit Preisang,
erb. u. D 47 an die Exp. (2457df

Im Martinsviertel
iu guter Lage
einen Laden geſucht. Offert.
unt. D 57 a. d. Exp. (2492df

Wohung
geſ. per 1. April, 3 Zimmer Küche,
Bad, elektr. Licht, Gas, nebſt Stal=
lung
für 3 Pferde, Burſchen= und
Sattelkammer. Nähe der weißen
Dragoner=Kaſerne erwünſcht. Off.
mit Preisangabe unter D 2 an
die Exped. ds. Bl. (2309imd

Hinderloſes Ehepaar ſucht per
1. April eine 3 Zimmerwohn.,
parterre oder 1. St. Off. m. Preis=
angabe
u. A 9 an die Exp. (*1883

An der Nähe Johannesviertel
J2 Zimmerwohnung von Braut=
paar
geſucht. Off. mit Preis u.
D 68 a. d. Exped. ds. Bl. (*1899

Zwiebel!

Prima geſunde Speiſe=Zwiebeln
1 Sack
8.00 Mk.
25 Pfund
2.30 Mk.
10 Pfund
1.00 Mk.
liefert J. Triebert, Viktoriaſtr. 63.

Hausverkauf.
Das Haus Viktoriaſtr. 94.
enthaltend vier 5=Zimmerwohn.,
iſt ſofort preiswert zu verkaufen.
Reflektanten erhalten nähere Aus=
kunſt
Viktarigſtr. 90. part. (1350a

Sehr günſtiges
Tauſch=Angebot!
Vertauſche Verhältniſſe halber
mein freiſtehendes, neuzeitlich
erbautes Landhaus mit nahe=
zu
1000 qm Garten, gegen ein
Haus, alt oder neu, in Darm=
ſtadt
. Mehrbetr. wird heraus=
bezahlt
. Das Objekt befindet
ſich in einem größ. Vorort
von Darmſtadt mit Bahn=
verbindungen
. Offert. ſind
unter D 48 in der Exped.
* Bl. niederzulegen. (2469a

Schönes 6 Zimmer-Etagenhaus
in ſüdöſtlicher Höhenlage billig zu
verk. Hypothek oder Baugelände
(auch auswärts) wird in Zahlung
genom. Off. u. D 56 Exp. (*1871

Herdwegviertel
Einfam.=Haus, 8 Wohnr. m. Zu=
behör
, kl. Gart., verh. halb. ſofort
billig zu verkaufen. Offerten u.
A 62 an die Expedition. (*840ddd

In einem Orte von Heſſen=
Darmſtadt iſt ein

mit Laden, geeignet für Bäckerei,
für Mk. 11000. zu verkaufen.
Offerten unter F. N. M. 566 an
Rudolf Mosse, Frankfurt a. M. (2474M

Rerienrgat atech.
Krankheitshalber verkaufe oder
vertauſche mein Reſtaurant=Café,
angenehmes Geſchäft, gegen
hieſig, oder ausw. rentables Zins=
haus
. Off. unter W 810 Tag=
blattverlag
Wiesbaden. (*1887ds

Eckgrundſtück (7200 am)
nächſt der Merckſchen Fabrik, für
induſtrielle Zwecke aller Art ſehr
geeignet, zu verk. (wird ev. auch ge=
trennt
abgegeben). Tauſch gegen
Wohnh. nicht ausgeſchl. Alles Näh.
bei Herm H. Caſtritius, Kahlert=
ſtraße
, Immobiliengeſchäft. (B658

Lehrling geſucht
für (2442mdf
Zeichenatelier u. Bureau
gegen Vergütung
Portune, Bleichſtraße 1.

d. an Oſtern d. Schule
Lehrling verläßt, ausachtbarer
(*1490sds
Familie geſucht
Vilhelm Reinheimer
Weißbinder- u. Lackiergeschäft, Kiesstr. 31.

Allinſteh. geb. Frl. ſucht mit
gleichgeſ. Dame kl. Wohnung zu
teilen, ev. unmöbl. Zim. m. Bed.
Off. u. D 67 a. d. Exped. (*1892

Agenturen für Immobilien,
Hypotheken u. Baugelände
Hch. Castritius (654a
Darmstadt, Kahlertstrasse 38, I.
Tel. Nr. 1382. Sprechst. 24 Uhr.

Ke

Men
60 000 Mark 53½, der orts=
gerichtl
. Taxe zu 4% geſ. Offerten
u. D 51 an die Exped. (*1830

Zum Ausleihen
50000 Mark
liegen
von 100 Mk. an aufw. bereit. Diskr.,
ratenw. Rückzahl., ev. ohne Bürg.
Gg. Nau, Hügelſtr. 32, pt. (*1859
Sprechzeit nur vorm. v. 111 Uhr.

Bauunternehmer
2. Hypoth. von 6000 Mk. zu ver=
kaufen
. Kann auch auf einen zu
errichtenden Neubau verrechnet
werden. Offerten unter D 8 an
die Expedition ds. Bl. (B2331

öbl. Zimmer geſucht mit ſep.
IN Eingang in der Nähe des
Hauptbahnhofs. Offerten unter
D 44 an die Exp. ds. Bl. (*1814

Schön möbltertes
Wohn= u. Schlaßzimmer
von Geſchäftsdame geſucht.
Offerten mit Preisangabe unter
D 55 an die Exped.
(*1846

Für ein jüngeres Fräulein nan=
auswärts
wird in beſſerer Fa=
milie
Penſion geſucht. Gef. Off.
unter D 66 g. d. Exped. (*1894

dir esteiten
koſtenfreier Nachweis und
Vermittlung la Hypotheken
durch C. W. Braun, Hypothek.. Immob.=Geſchäft, Martin=
ſtraße
74. Teleſon 890. (B61

Bau- u. Hypotheken-
Kapital
in jeder Höhe zu günſtigen Be=
dingungen
auszuleihen. Off. unt.
D 42 an die Exp. erb. (2452a
Darlehen
auf Wechſel, Schuldſchein. Möbel
in jed. Höhe. Ratenrückzahl. zu ge=
ſetzl
. Zinſen vonhandelsgerichtl. ein=
getrag
. Bankgeſch. durch k. Manlke,
Vertr.: F. Hasier, Riedeſelſtr. 48, I.
Sprechzeit von 912 u. 26 Uhr,
Sonntags von 912 Uhr. (*1843

[ ][  ]

Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 25. Januar 1912.

Nummer 21.

Das Nadelgeld der Königin
Marie Antoinette.

** Dem Leben und Walten der berühmten Mlle.
Bertin, der Schneiderin der unglücklichen Marie An=
toinette
, hat der franzöſiſche Hiſtoriker Emile Langlade
vor kurzem ein feſſelndes Werk gewidmet, das auf Grund
umfaſſender Studien auch einen intereſſanten Einblick in
das Kleiderbudget der Fürſtin gewährt, die nach Jahren
des Glanzes und der Verſchwendung auf der Guillotine
ſo tragiſch ihr Leben beſchließen mußte. Der Königin
war für die Beſtreitung ihrer Garderobe ein jährliches
Nadelgeld von 120000 Livres ausgeſetzt, wobei man im
Vergleich mit der Gegenwart den damaligen ungleich
höheren Wert des Geldes in Betracht ziehen muß. Aber
dieſes ordentliche Budget reichte in Wirklichkeit nie aus.
Man weiß, zu den ordentlichen Ausgaben treten immer
noch die außerordentlichen, und bei den Kleiderrech=
nungen
der Königin Marie Antoinette waren dieſe
außerordentlichen Ausgaben auch ſtets die größeren.
In den Leetures pour tous werden einige Auszüge
aus den heute noch erhaltenen Rechnungen des Haushalts
der Königin veröffentlicht. Wir erfahren daraus, daß
z. B. im Jahre 1780 die Königin zur Begleichung ihrer
Ausgaben für Kleider und Wäſche, am Schluß des Jah=
res
außer den empfangenen 120000 Livres von dem
Schatzmeiſter noch weitere 194 118 Livres beanſpruchen
mußte, die als außerordentliche Ausgaben figurieren und
die ausſchließlich für die Garderobe der Fürſtin verwandt
wurden. Zwei Jahre ſpäter erreichen dieſe jährlich wie=
derkehrenden
außerordentlichen Ausgaben für Kleidungs=
zwecke
199509 Livres, und bereits im Mai 1783 muß die
erſte Hofdame, die Gräfin d’Oſſin, von dem Generalkon=
trolleur
Fleury noch einen Extrazuſchuß von 111509 L.
verlangen; es wird dabei geltend gemacht, daß die Feſt=
lichkeiten
zu Ehren des Herrn Grafen du Nord des
Kronprinzen Paul von Rußland, ungewöhnliche Extra=
ausgaben
mit ſich gebracht hätten. Die Gräfin hofft, daß
dafür das laufende Jahr weniger teuer ſein würde.
Aber ach, ſchon 1795, muß der nur allzu hilfsbereite
Schatzmeiſter Calonne wiederum einen Zuſchuß von
258000 Livres auszahlen, und von dieſer Summe erhält
Roſe Bertin, die Schneiderin, allein 91930 Livres. Lud=
wig
XVI. iſt ein ſparſamer Hausvater, er ſieht perſön=
lich
alle Rechnungen durch; er ſelbſt begnügt ſich für ſeine
Kleidung mit einer beſcheidenen Jahresſumme, und bei
der ſteten Ebbe in der Königlichen Schatulle beginnen
ihn die jährlich wachſenden Rieſenausgaben der Königin
zu beängſtigen. Er wird verſtimmt, aber die Königin
weint, fleht, und wie immer vermag der gutmütige Lud=
wig
nicht zu widerſtehen und gibt nach. Zudem leiſtet der
ewig optimiſtiſche Calonne die Zahlung mit einem ſo
freundlichen und ſorgloſen Lächeln. Er ſcheint faſt glück=

lich zu ſein, zahlen zu dürfen. Und außer den Schneider=
rechnungen
der Königin zaubert er noch 900000 Livres
aus der Schatulle, mit der die allerdringendſten Schulden
ein wenig gemindert werden können.
Was erhielt nun die Königin für dieſe fürſtlichen
Summen, die ſie jährlich für ihren perſönlichen Bedarf
ausgab? Wie waren dieſe Roben und dieſer Putz für
das Haar beſchaffen, die Mlle. Bertin unermüdlich erfand
und erſann. Es war Mode, die unförmig hochgetürmten
Friſuren mit einem Haufen von Gegenſtänden zu
ſchmücken die ſymboliſche Bedeutung haben ſollten.
Roſe Bertin erfindet z. B. die Pouf aux eentimens,
einen für unſer Empfinden grotesken Kopfſchmuck, der
in ſeiner Zuſammenſetzung die Vorlieben, die Gedanken=
welt
im Geſchmack, kurz die Gefühle der Trägerin wieder=
geben
ſollte. Die Herzogin von Chartres lanciert dieſe
Gefühlspuffe: in der Mitte der Friſur ſieht man eine
Dame mit einem Säugling auf einem Seſſel ſitzend. Zur
Rechten erſcheint ein Papagei mit einer Kirſche im Schna=
bel
, zur Linken ein kleiner Neger. Der obere Teil der
Friſur iſt mit Haarlocken des Herzogs von Chartres,
(des Ehemanns), des Herzogs von Psnthiévre (des Va=
ters
), und des Herzogs von Orleans (des Schwieger=
vaters’
geſchmückt. Nicht weniger Begeiſterung als dieſe
Friſur erregt die Puffe der Herzogin von Lauzun. Sie
beſteht aus einer ganzen Relieflandſchaft: zuerſt ſieht man
ein vom Wind aufgepeitſchtes Meer am Strande ſchwim=
men
Enten, am Ufer ſteht im Buſche ein Jäger im An=
ſtand
; oben wird dieſe Friſur von einer Mühle mit einer
Müllerin gekrönt; an der einen Seite unten in der =
he
des Ohres ſieht man einen Müller einen Eſel führen.
Die Modiſtin der Königin iſt unerſchöpflich im Erfinden
derartiger Novitäten; beſonders beliebt iſt die Pouf àla
Bonne Maman, die nur 150 Livres koſtet und die präch=
tige
Qués Aco deren Federſchmuck ungefähr einen Meter
lang iſt, ſodaß die ſchöne Trägerin im Wagen den Kopf
tief herabbeugen muß um die Coiffüre nicht zu zerſtören.
Aber der ſinnigſte Kopfſchmuck, wenn vielleicht auch ein
wenig unbequem, iſt die von Mme. d’Oberkirch beſchrie=
bene
Coiffüre; ſehr modern, wenn auch ein wenig um=
ſtändlich
. In der Friſur trägt man kleine, abgeplattete,
der Kopfform angepaßte Flaſchen mit Waſſer; das Waſſer
ſoll dazu dienen, die in der Friſur eingeflochtenen friſchen
Blumen zu tränken. Das geſchieht durch eine beſondere
Kopfbewegung; es iſt ſehr ſchwierig und gelingt nicht
immer, aber wenn es glückt, ſieht es reizend aus . .

Vermiſchtes.

Sängergagen in alter Zeit. Die häufig auf=
tauchende
Annahme, daß die beſonders in Amerika aufgewand=
ten
märchenhaften Gagen für Sänger und Sängerinnen in
früheren Zeiten unbekannt geweſen ſeien, wird durch eine
intereſſante Studie widerlegt, die Gine Monaldi in der
Nuova Antologia veröffentlicht. Vor 1830 bezahlte man,
wie aus einem Briefe Roſſinis hervorgeht, einer guten
Sängertruppe für eine Stagione von rund 40 Tagen fol=
gende
Gagen: die Primadonna erhielt 2000 Lire, der erſte
Baß und der erſte Bariton je 1500, der erſte Tenor 1750, der
Kapellmeiſter 950 Lire. Aber nach 1830 ſtiegen die Gagen
zu ſtolzen Zahlen empor. Der Tenor Donzelli wurde
1836/37 von dem königl. Theater in Madrid für die Karne
valszeit mit 38000 Lire Gage engagiert, der Ungher

zahlte man in Palermo für wenige Abende 17000 Lire
und im Jahre 1838 in Wien für eine einzige Stagione
72000. In Paris erhielt die Griſi für 6 Monate 80000
Francs und in London bezahlte man ihr für 3 Abende
15000. Der Baß Lablanche wurde mit 15002000 Francs
für den Abend bewertet und die Taſchinardi Perriani er=
hielt
ſogar 3000 für die Vorſtellung. Der berühmteſte Te=
nor
jener Zeit, Robini, bezog im feſten Engagement eine
garantierte Einnahme von wenigſtens 195000 Francs, und
in London zahlte man ihm für ein zweimonatiges Engage=
ment
weitere 100000 Francs. Erhaltene Briefe und Do=
kumente
zeigen, daß in jener Zeit für bekannte Sänger
und Sängerinnen bei einer kurzen Stagione Gagen von
3040000 Francs an der Tagesordnung waren. Wenn
man berückſichtigt, daß damals das Geld einen ungleich
höheren Wert hatte als heute, zeigt ſich, daß bewährte
Künſtler der Oper auch in den 30er Jahren Nahrungs=
ſorgen
nicht ausgeſetzt waren.

Literariſches.

* Neu erſchienene Broſchüren. Unſer Reichs=
tag
. Was iſt im Reichstag los? Wie arbeitet er? Wie
lebt man dort? Worüber lacht man? Farbige Skizzen von
Hugo Frenz. Edmund Demme, Hofverlagsbuchhandlung,
Leipzig. Preis 75 Pfg. B. Cronberger, Jahrbuch für
den Kleingartenbau, unter Mitwirkung von Fachleuten
herausgegeben. Frankfurt a. M., Verein zur Förderung
des Kleingartenbaues. 9. Jahrgang. Preis 40 Pfg. In
Partien billiger. Sport und Sportbetrieb. Ein Beitrag
zur nationalen Erziehung von Mathias Zdarsky. Oktav.
Elegant broſchiert 80 Pfg. (Verlag von Konrad W. Meck=
lenburg
, vorm. Richterſcher Verlag in Berlin W. 30.)
Ein rechtskräftiges Urteil über ameritaniſche Luftheizung
von Erwin Herz. Zweite Auflage. München und Berlin.
Druck und Verlag von R. Oldenburg, 1911. Die Hals=
krankheiten
: Huſten, Schnupfen, Heiſerkeit, Kehlkopf= und
Luftröhrenentzündung, Grippe, Influenza. Verhütung und
naturgemäße Behandlung. Von Dr. E. Kollegg. 4. Auf=
lage
. Preis 1 Mk. Hof=Verlag von Edmund Demme,
Leipzig. Aus der Praxis für die Praxis. Wie mache
ich Inventur und Bilanzabſchluß? Die geſetzlichen Vor=
ſchriften
in gemeinverſtändlicher Erläuterung nebſt Bilanz=
entwürfen
von Max Luſtig, kaufmänniſcher Sachverſtän=
diger
. 2. Auflage. Preis 1,50 Mk. Kaufmänn.=juriſt.
Verlag, G. m. b. H., Mainz. Zur Abwehr der amerika=
niſchen
Luftheizung. Von Erwin Herz. 3. Auflage.
München und Berlin. Druck und Verlag von R. Olden=
bourg
, 1911. Vorträge und Aufſätze aus der Comenius=
Geſellſchaft. 19. Jahrgang, 2. Stück. Ideen engliſcher
Volkserziehung und Verſuche zu ihrer Verwirklichung von
Anton Sandhagen. 75 Pfg. Verlag von Eugen Diederichs,
Jena, 1911.
Wer bin ich? Roman von Hans Haupt=
mann
. (Heſperus=Verlag, G. m. b. H. in Ber=
lin
SW. 68.) Broſchiert 2 Mk., gebunden 3 Mk.) Hans
Hauptmanns neues Werk Wer bin ich? könnte man
einen Schauerroman für die oberen Zehntauſend der
Kultur nennen. Die merkwürdige Fabel iſt mit einer
Fülle der feinſten pſychologiſchen Beobachtungen und
oft von einem großen lyriſchen Stimmungszauber um=
woben
. Der ſeltene Fall eines literariſch wertvollen
Buches, das man nicht aus der Hand legen kann, bevor
man die letzte Seite geleſen hat.

(1399M)
Chronische Verstopfung,
Leberleiden, Gallensteine,
Gicht, Fettsucht, Zucker-
krankheit
heilt eine

Hauskur

Grosser Preis:
Hygiene-
Ausstellg
Dresden

und deren Salz sowie Pastillen. 1911.

Zwiebel!
friſch verleſene, prima Ware
Mk. 4.25
25 Kilo mit Sack
50 Kilo mit Sack
Mk. 8.00
verſendet unter Nachnahme
Jacob Stern-Simon
Friedbera (Heſſen). 2472M

Donnerstag friſch eintreffend:

Schenrische Pfd.10 Pf.

zum

Herrenzimmer, kombl. leichen
1 Büfett, Ausziehtiſch, 12
Stühle (eich.), 1 Sekretär, Waſch=
u
. Nachttiſch m. Marmor, 1 Di=
wan
, 1 Chaiſelongue, 2 Kleider=
ſchränke
(eintür.) u. 1 Kaſſenſchr.
(klein) uſw. bill. abzug. d. Auktio=
nator
und Taxator Krummeck,
(*1876
Grafenſtraße 4.

Cabliau Pfund 20 Pfg.
Linſen, prima gutkoch. Pfd. 20 Pfg.
do. große
Pfd. 24 Pfg.
Große Hellerlinſen Pfd. 28, 32 Pfg
Bohnen, kleine, weiße . Pfd. 20 Pfg.
do. extragroße . Pfd. 24, 26 Pfg.
Gelbe Erbſen mit Schalen, Pfd. 16 Pfg.
do. große, Viktoria Pfd. 20 Pfg
Geſchälte gelbe Erbſen
große, geſpaltene
Pfd. 20Pfg. große, ganze
Pfd. 24 Pfg.
Grüne Erbſen mit Schalen, Pfd. 22 Pfg.
do. geſchälte . . Pfd. 30 Pfg.
Süße ſpaniſche Orangen Stück 4
große Früchte
5 und 6

6

Ladentheke, 1 Ladenſchrank,
Gaslampen ꝛc. zu verkaufen
*1841) Moosbergſtr. 70, I.

ine Waſchmaſch., g. erh.,f. 14M.
zu verk. Mühlſtr. 37, Stb. (*1879

Fangraße

Filialen in allen Stadtteilen.

der Zeitſchrift März ganz billig
zu verk. Näh Wenckſtr. 47, p
Warmgefütterter Mantel (für
Kutſcher geeignet) für 8 Mk
zu verk. Beckſtraße 62, III. (*1862

Ein größerer, wenig gebrauchter
Gaskochherd, 4 Brenner u. für
Bügeleiſen, für 10. zu verkaufen
Zu erfragen in der Exped. (2496
ut erh. größ. Linoleumteppich
zu kauf. geſucht. Ang. m. Preis
unter D 65 a. d. Exped. (*1897

Vormser Weinmoste
N

empfehlen hervorrag Aerzte
bei Blutarmut, Bleichsucht,
Nervosität (Prof. Forel, Prok.
Eulenburg, Prof. Jordy, Dr.
Gilbert, Dr. Keferstein)
bei Herzkrankheiten, Rheu-
matismus
u. Cicht (Dr. Matzen,
Dr. Stoll-Nauheim, Dr. Kühne)
bei Magen-, Darm-, Leber-
u
. Nierenleiden (Prof. Bunge,
Prof. Winternitz)
bei allen akuten fieberhaften
Krankheiten (Dr. Järschky,
Prof. Bleuler, Dr. Albu, Dr.
Schilling.)
(2415
Verlangen Sie Sorten-
und Preisliste u. auf-
klärende
Literatur von
Schanhes Hern
Alexanderstr. 4, I.
Sendungen (auch Proben) frei Haus.

Georo Bertele
beeidigter und öffentlich angestellter Bücherrevisor
und kaufm. Sachverständiger
66 Mühlstrasse 66
übernimmt:
(2040a
Revisionen, Bilanz-Aufstellungen, Einrichten
und Instandsetzen von Geschäftsbüchern,
Geschäftsliquidationen, Treuhandfunktionen.
Vielseitige Erfahrungen! Strengste Geheimhaltung!

Bei
Husten,
Heiserkeit
ſind
Relchel’s

Nustentropfen
von erprobter Wirkung und grossem Erfolge.
Nur echt mit Marke Medioo‟.
Flaſche 50 Pf.

Arnica 10, Eucalyptus,
Salbei je 6, Anis 7.
Pimpin. 15, destilliert
mit feinstem
Spritrectificat 70.

Vor nutzlosen Nachehmungen
sel dringend gewarnt.
Otto Reichel, Berlin s0.
In Darmstadt und Umgegend er-
hältlich
in allen Drogerien.
IEI!
Für nur 100 Mk.
tadellos funktionierende
Schreibmaſchine
zu verkaufen
Viktoriaſtr. 63, 2. St., anzuſehen
tägl. zw. 59 Uhr nachm. (2315a
II

Kanlerbulfe
ut erhalten, zu verkaufen. (*1874

Tüchuiger Gäriner empſiehlt
ſich im Ausſchneiden u. Zurück=
ſchneiden
von Bäumen. (*1856
Baumgärtner, Alexanderſtr. 15.
uſikbeſtellungen jeder Art,
M Blaß=, Streich=, ſow. Klavier=
nuſik
wird prima u. billig ausgef.
Arnold, Mollerſtraße 36. (*1861

Aerfekte Friſeuſe empfiehlt ſich
in Geſellſchafts= und Theater=
friſuren
; nimmt noch einige Kunden
an. Neue Ireneſtr. 7, III. (*1895ds

w. ſchick
Derf. Schneiderin zu. arbeit.
verſteht und langjähr. Erfahr. hat,
empf. ſich bei billigſter Bedienung
Mühlſtraße 40.
(*1608ods

Knabenkleider all. Art fert.
gut und billig an Markt 7,
Seitenb., II., I.
(1628a
Leißſticken wird angenommen
2335a) Kiesſtr. 43, part.

nimmt Wäſche zum Bügein
Ffl. an in u. auß. d. Hauſe. Näh.
Mühlſtraße 5, II., b. Gebert. (*1830

Damen= u. Kinderkleider werd.
ſauber u. gutſitz. zu ſolid. Preis
angefertigt Sandſtr. 4, I. (*1866df

Wegen Anlage v. Zentralheizung
ſind Eſchollbrückerſtr. 12
einige Kachel= und eiſerne Oefen,
ferner ein, auch für Reſtaurants
paſſender, großer Herd zu verk.
Anfr.: Heidelbergerſtr.7, III. (2489ds
Terſch. Pflanzen, gr. Clivia,
blühende Kaktus, zu verk.
Orangerie=Allee 6, I. (*1864ds