Darmstädter Tagblatt 1912


24. Januar 1912

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175. Jahrgang
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Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 22 Seiten.

Das Neueſte vom Tage.

Die Nachricht, daß die Verlobung der Prinzeſſin
Viktoria Luiſe von Preußen mit dem Erbgroß=
herzog
Adolf Friedrich von Mecklenburg=Strelitz be=
vorſtehe
, wird offiziös dementiert.
Der Reichstag iſt auf den 7. Februar einberufen.
Das ſpaniſche Miniſterium Canalejas iſt
entſchloſſen, zurückzutreten.
In der franzöſiſchen Kammer erklärte der Mi=
niſterpräſident
Poincaré, er hoffe, daß nach der
Rückgabe der ausgelieferten Reiſenden eine baldige
Regelung der franzöſiſch=italieniſchen Streitfrage erfol=
gen
werde und erklärte, daß die Zwiſchenfälle die
freundſchaftlichen Beziehungen zwiſchen den beiden
Ländern nicht ſtören könnten.

Die Reichstagswahlen.

* Der zweite Stichwahltag hat die
ſchlimmſten Befürchtungen noch übertroffen. Die 100
Sozialdemokraten ſind zur Tatſache geworden; denn zu
den bis jetzt ihnen ſchon zugefallenen 99 Mandaten werden
in der letzten Stichwahl noch 56 ſichere Mandate hinzu=
kommen
. So iſt die ſozialdemokratiſche Partei die
ſtärkſte des neuen Reichstags und kann den erſten Präſi=
denten
für ſich beanſpruchen.
Die Lehre, die aus dieſen Wahlen zu ziehen iſt, iſt
ſehr einfach und kurz: Wenn ſich die bürgerlichen Par=
teien
befehden, heimſt die Sozialdemokratie den Vorteil
für ſich ein. Was die Einigkeit vermag, haben die Block=
wahlen
von 1907 bewieſen, was Uneinigkeit ſchadet und
zerſtört, ſehen wir aus dieſen Wahlen, die jeden Vater=
landsfreund
mit tiefer Bekümmernis erfüllen.
Die bürgerlichen Liberalen, die bei dieſem Racheritt
gegen den ſchwarz=blauen Block unter dem ſchallenden
Hohngelächter ihrer Gegner ſelbſt zu Fall gekommen ſind,
können aus den Wahlen den Schluß ziehen, daß die
ſcharfe Oppoſition immer nur der radikalſten Richtung
zu Gute kommt. Sie haben mit ihrer ganzen Agitation
nur die Geſchäfte der Sozialdemokratie beſorgt und ſich
ſelbſt tief ins Fleiſch geſchnitten. Die Wähler, bei denen
die vorhandene Mißſtimmung durch die Agitation noch
künſtlich geſchürt worden iſt, erwägen gar nicht, daß
ja auch die bürgerlichen Liberalen gegen die Reichsfinanz=
reform
geſtimmt haben und in der Oppoſition geweſen
ſind; ſie laden ihre Unzufriedenheit, ihren Groll und
ihren Aerger, die durch die Wahlagitation noch bedeutend
verſtärkt worden ſind, durch die Wahl eines ſozialdemo=
kratiſchen
Kandidaten, in dem ſie allein den Repräſentanten
der Oppoſition gegen alles beſtehende erblicken, ab um ihr
Mütchen zu kühlen und der Regierung einen Denkzettel zu
geben, ohne einzuſehen, daß ſie ſich ſelbſt damit am meiſten
ſchaden. Sie ſpielen mit dem Feuer, ohne daran zu den=
ken
, daß, wenn dieſes Feuer aufgeht, ſie ſelbſt davon er=
griffen
werden. Dies Vorgehen erinnert an das jenes
bekannten Jungen, der ſich, um ſeinen Vater zu ärgern, die
Hände erfrieren läßt, weil der Vater ihm keine Hand=
ſchuhe
gekauft hat.
Vielleicht werden die Nationalliberalen, die bei dieſem
Anſchluß nach links ſelbſt zum Teil von ihren eigenen
ſogenannten Freunden niedergeritten worden ſind,
einſehen, daß ihre wahren Freunde nicht auf der linken
Seite zu finden ſind und daß ihnen nur aus dem Anſchluß
nach rechts Vorteil und Segen erwachſen können.
Bei alledem hat noch dieſer Rachefeldzug gegen den
ſchwarz=blauen Block denn ein ſolcher waren die Wah=
len
ausgeſprochenermaßen ſeinen eigentlichen
Zweck verfehlt. Die Gegner jenes Blocks haben
bis jetzt erſt 172 (99-3835) Sitze erobert; ſie müßten
alſo von den noch ausſtehenden 33 Stichwahlen 27 ge=
winnen
, wenn ſie nur 1 Stimme Mehrheit erhalten wol=
len
. Dies ſcheint nahezu ausgeſchloſſen. Und ſo kann man
auch hier am Schluß mit Mephiſto ſagen: Ein großer
Aufwand, ſchmählich! iſt vertan!
Ja, dieſe Rachewahlen werden gerade das Reſultat
haben, das von den Liberalen wohl am wenigſten ge=
wollt
war: Das Zentrum wird jetzt mehr denn je

wieder die ausſchlaggebende Partei. Es bil=
det
ſchon jetzt einſchließlich der ihm ſicheren 5 Elſäſſer
eine ſichere Mehrheit mit den Sozialdemokraten; außer=
dem
kann es mit den früheren Blockparteien, ausſchließ=
lich
der Fortſchrittlichen Volkspartei, die ſich wohl zu
den Sozialdemokraten ſchlagen wird, eine Mehrheit bil=
den
, deren die Regierung in allen Fragen bedarf, die
das nationale Intereſſe betreffen, z. B. bei dem Etat,
den Heeres= und Marinevorlagen, den Kolonialfragen ꝛc.
So wird, da die Sozialdemokraten in dieſen Fragen be=
kanntlich
eine ablehnende Stellung einnehmen und eine
fruchtbare und poſitive Politik mit ihnen nicht zu
machen iſt, in dem neuen Reichstage alles vom Zentrum
abhängen.
Wenn wir auch in Deutſchland den Ausfall der
Wahlen richtig beurteilen mögen, ſo wird dieſe traurige
nationale Niederlage, die die Reichstagswähler ihrem
Vaterlande bereitet haben, im Ausland einen für uns
beſchämenden Eindruck machen, bei unſeren Freunden
und Bundesgenoſſen wird ſie Bedauern und Mißtrauen,
bei unſeren Gegnern Hohn und Schadenfreude erwecken
und ſie werden, da ſie aus den Wahlen auf unſere Unei=
nigkeit
und unſeren nationalen Niedergang
ſchließen, ihnen den Rücken ſtärken und neuen Mut zu
Angriffen und Herausforderung gegen uns geben.
Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß wir in=
folge
dieſer Wahlen ſchweren inneren Konflikten entge=
gengehen
werden. Trotzdem aber braucht man nicht zu
verzagen und zu verzweifeln. Man muß die Hoffnung
nicht aufgeben, daß die große Maſſe der Wähler mit der
Zeit zu einer höheren Auffaſſung ihrer Wahlpflicht und
zu höherer politiſcher Einſicht und Reife erzogen wird
und zwar noch, bevor ſie erſt durch Schaden klug werden
und daß, wenn ſchwere Zeiten über uns kommen und
ſie werden kommen der geſunde Sinn des deutſchen
Volkes, an dem wir nicht verzweifeln dürfen, wieder
die rechten Wege finden wird und es darüber wachen
wird, daß die mit ſchwerſten Opfern errungenen natio=
nalen
Güter uns erhalten bleiben. Vor allem aber
möge unſere Jugend, auf der die Zukunft unſeres Va=
terlandes
beruht, und deren Väter die deutſche Einheit
und das deutſche Vaterland in ſchwerſten Zeiten natio=
naler
Bedrängnis mit ihrem Blute und ihrem Leben
erkämpft haben, bedenken lernen, daß nichts ſchändlicher
und verächtlicher iſt, als Undankbarkeit und vaterlands=
loſe
Geſinnung.

Der franzöſiſcheitalieniſche Zwiſchenfall in der
franzöſiſchen Kammer.

* In der franzöſiſchen Kammer kam am Montag
die Beſchlagnahme der franzöſiſchen Dampfer zur
Sprache.
Laroche ſprach als erſter über die Zwiſchenfälle der
Carthage und Manuba und ſagte, ſolche Vorkomm=
niſſe
ſeien unerträglich. Man müſſe die Wiederkehr ſol=
cher
Ereigniſſe vermeiden und eine glänzende Genug=
tuung
erhalten. Admiral Bienaime ſagte, daß die
italieniſche Marine ein Attentat auf die Würde der fran=
zöſiſchen
Flagge begangen habe, und warf Italien ſein
Verhalten umſomehr vor, als die Haltung Frankreichs
zu Italien in der letzten Zeit beſonders herzlich geweſen
und Italien umſoweniger berechtigt ſei, franzöſiſche Aero=
plane
mit Beſchlag zu belegen, als die Jialiener täglich
auch auf den franzöſiſchen Flugplätzen übten. Bienaime
forderte Genugtuung und erklirte ſich bereit, bis zum
Aeußerſten zu gehen, wenn es ſein mäßte. Guernier
meirte das mediziniſche Examen dem Italien die Türkei
untern erfen wolle, ſei eine Beleidigung für Frankreich,
die Türken dürften aus Achtung vor der Flagge, die ſie
ſchützte, nicht antworten.
Miniſterpräſident Poincaré antwortete: Obgleich
Unterhandlungen eingeleitet ſind mit dem Ziel, in kür=
zeſter
Zeit eine Löſung zu finden, habe die Regierung
angeſichts der Erregung des Parlaments und des Landes
geglaubt, die nötigen Aufklärungen nicht mehr hinaus=
ſchieben
zu dürfen. Der Miniſterpräſident erinnerte bei
Beſprechung des Zwiſchenfalles mit dem Dampfer Car=
thage
daran, daß der franzöſiſche Geſchäftsträger in
Rom die Anordnung erhalten hat, die Aufhebung der
Beſchlagnahme zu fordern und Vorbehalte zu machen we=
gen
des erlittenen Schadens. Er ſei der Anſicht, die ita=
lieniſchen
. Behörden hätten auf Koſten der Rechte und
Intereſſen Frankreichs anſcheinend einen Irrtum began=
gen
. Poincaré erklärte, er habe die italieniſche Regie=
rung
der franzöſiſchen Neutralität bei verſchiedenen Ge=
legenheiten
verſichert, ſo noch am 17. Januar, aber ohne
Zweifel ſei die Beſchlagnahme der Manuba erfolgt,

bevor der italieniſche Botſchafter ſeiner Regierung die
Erklärungen, deren Aufrichtigkeit er nicht beargwohnen
konnte, habe übermitteln können. Der Miniſterpräſident
erklärte, er habe nach Rom und Cagliari telegraphiert,
die türkiſchen Paſſagiere nicht auszuliefern. Das nach
Cagliari adreſſierte chiffrierte Telegramm ſei als unent=
zifferbar
zur Wiederholung zurückgekommen. Anderſeits
gab die italieniſche Regierung dem franzöſiſchen Ge=
ſchäftsträger
in Rom die Verſicherung, die Paſſagiere
ſeien türkiſche Offiziere und könnten zu Kriegsgefange=
nen
gemacht werden. Der Geſchäftsträger habe geglaubt,
um ernſte Schwierigkeiten zu vermeiden, den franzöſiſchen
Konſul in Cagliari auffordern zu müſſen, ſich der italie=
niſchen
Auffaſſung anzuſchließen. Er habe das volle Ver=
trauen
, daß die italieniſche Regierung die Notwendigkeit
anerkennen werde, den Zwiſchenfällen eine Löſung zu ge=
ben
, die der Gerechtigkeit entſprechen und die Wiederho=
lung
derartiger Zwiſchenfälle verhindern werde. Die
Regierung des Königreichs habe bemerken laſſen, Italien
könne nicht ausſchließlich zu Gunſten Frankreichs auf das
Durchſuchungsrecht verzichten, aber erklärt, daß ſie bereit
ſei, die durch die Zwiſchenfälle aufgeworfenen Fragen
zu prüfen und verſprochen, die italieniſche Flotke werde
bei Ausübung des Auftrags alle Rückſichten beobachten,
die von einer befreundeten Nation gegenüber einer be=
freundeten
Nation beobachtet werden müßten. Er ſehe
in dieſer Erklärung das Unterpfand für eine baldige =
ſung
und zweifle nicht, daß dieſe nach Freilaſſung der
türkiſchen Reiſenden direkt zuſtande kommen werde in
freundſchaftlichen Auseinanderſetzungen der beiden Re=
gierungen
. Dieſe beiden Zwiſchenfälle würden die
freundſchaftlichen Beziehungen beider Länder nicht ſtören
können, die auf gemeinſamen Erinnerungen, Raſſenver=
wandtſchaft
und der Solidarität zahlreicher weſentlicher
Intereſſen beruhten. Die Wolke, ſo ſchloß der Miniſter=
präſident
, die vorüberziehe, könne den Horizont nicht
verfinſtern. Die Beſprechung über die Zwiſchenfälle wurde
darauf geſchloſſen.
Die einmütige Zuſtimmung, mit der die Kammer
die Rede (Poincarés über den franzöſiſch=italieniſchen
Streit aufgenommen hat, gelangt auch in den Erörte=
rungen
der Preſſe zu ſehr bemerkenswertem Aus=
druck
. Die Blätter aller Parteiſchattierungen zollen dem
Miniſterpräſidenten einſtimmig Beifall. Der Figaro
ſtellt feſt, daß die patriotiſchen Ausführungen Poincarés,
aus dene jedes redneriſche Beiwerk verbannt ſei, dadurch
nur umſo tieferen Eindruck erzielt habe. Der Matin
meint der Miniſterpräſident ſprach mit ebenſo vielem
Maß als Energie und er dürfe einen Lohn darin finden,
daß er ſich nunmehr auf die Zuſtimmung von ganz
Frankreich ſtützen kann. Niemals habe ein Miniſter des
Aeußern mit größerer Kraft in Verhandlungen eintreten
können. Der Deputierte Graf de Mun ſchreibt im
Echo de Paris: Die an die Adreſſe Italiens gerichtete
Rede war eine ſchöne Lektion über Völkerrecht und zu=
gleich
eine heilſame Warnung. Die Libre Parole ſagt:
Wir müſſen uns zu der Kammerſitzung Glück wünſchen.
Es iſt das zweite Mal ſeit kurzer Zeit, daß ſich in der
Kammer eine die Parteizwiſtigkeiten zurückſetzende va=
triotiſche
Einmütigkeit kundgibt. Interpellanten und Re=
gierung
haben dieſelbe Sprache geſprochen und man muß
hoffen, daß dieſe jenſeits der Alpen verſtanden werden
wird. Die Action ſchreibt: Poincaré hat mit der
Autorität eines wirklichen Premierminiſters geſprochen,
der ſich ſeiner Pflichten bewußt iſt. Der Gaulois meint,
die patriotiſchen Worte Poincarés haben ſozuſagen die
franzöſiſche Einheit wieder hergeſtellt. Jaurés ſchreibt
in der Humanits: Wenn Frankreich und Italien nicht
vom Wahnſinn befallen ſind, dann wird der Zwiſt, bei
dem kein ernſtes Intereſſe auf dem Spiele ſteht. bald und
leicht geregelt ſein. Die Rede Poincarés wird durch
ihren maßvollen und feſten Ton ſowie durch ihren
verſöhnlichen Geiſt gewiß dazu beitragen.

Deutſches Reich.

Der Reichstag iſt laut kaiſerlicher Kabinetts=
order
vom 22. ds. Mts. auf den 7. Februar einberufen
worden.
Nachklänge zu der Romreiſe Kider=
lens
. Der Popolo Romano ſchreibt, Kiderlen= Wäch=
ters
Beſuch ſei in den politiſchen Kreiſen und der öffent=
lichen
Meinung mit lebhafteſter allgemeiner Sympathie
aufgenommen worden. Wenn er auch nur ein reiner
Höflichkeitsakt geweſen ſei, ſo diene er doch dazu, die
herzlichen und intimen Beziehungen Deutſchlands zu
Italien zu beweiſen. Auch die Uebernahme der Paten=
ſtelle
bei dem viertgeborenen Sohne des Kronprinzen
durch die Königin Helena werde als ein Zeichen der
freundſchaftlichen Beziehungen angeſehen. Was von
einigen Blättern über den Inhalt der Geſpräche der bei=
den
Staatsmänner verbreitet werde, ſeien Phanta=
ſtereien
. Aehnlich äußert ſich die Vita. Der Sozialiſten=
führer
Leonida Biſſolati ſchreibt dagegen im Meſſaggero,
es ſei anzunehmen, daß Kiderlen nicht nur gekommen ſei.

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 24. Januar 1912.

Nummer 20.

um di San Giuliano die Hand zu drücken. Aber wenn
er auch hier ſei, um Terrain zu ſondieren, auf dem man
praktiſche Friedensmöglichkeiten erörtern könne, ſo ſei
anderſeits doch anzunehmen, daß ſich ſeine Anſtrengun=
gen
darauf gerichtet hätten, eine ausgleichende Formel
zu finden für die nicht akzeptablen Vorſchläge Sa=
ſonows
.
Eiſenbahnanleihe und Steuerzu=
ſchläge
. In Nr. 3 der Bankarchive veröffentlicht Mini=
ſterialdirektor
a. D. Kirchhoff einen Artikel, in welchem er
ſeinen bekannten Vorſchlag wiederholt, das Extra=
ordinarium
der Eiſenbahnverwaltung auf eine Anleihe zu
nehmen und dadurch den jetzt zur Erhebung kommenden
Steuerzuſchlag überflüſſig zu machen. Dagegen wendet
ſich die Norddeutſche Allgemeine Zeitung in einem
längeren Artikel, in dem es am Schluſſe heißt: Der Kirch=
hoffſche
Vorſchlag, den Steuerzuſchlag durch die Ueber=
nahme
des Eiſenbahnextraordinariums auf eine Anleihe
entbehrlich zu machen, läuft im Grunde darauf hinaus,
die Abgabe der Eiſenbahnverwaltung um weitere rund 80
Millionen Mark, alſo von rund 226 Millionen auf rund
306 Millionen zu erhöhen, mithin die Staatseiſenbahnen
in noch weit höherem Maße zur Finanzquelle zu machen,
als es bislang der Fall war. Ob man das tun will oder
nicht, hängt nicht von den Ausſichten ab, die man in näch=
ſter
abſehbarer Zukunft den Staatseiſenbahnen beimißt,
ſondern davon, ob man die viel weiter liegende ungewiſſe
Zukunft mit den ſteigenden Staatsſchulden belaſten, oder
ob man ſich umgekehrt bemühen will, die Schuldenlaſt
möglichſt niedrig zu halten, und in einer möglichſt wenig
verſchuldeten Staatsbahn dem Staate einen ſtarken Rück=
halt
für politiſche und wirtſchaftliche Kriege zu ver=
ſchaffen
.
Die Entwicklung der deutſchen In=
duſtrie
. An dem Stiftungsfeſt des Vereins zur För=
derung
des Gewerbefleißes, unter dem Vorſitz des Unter=
ſtaatsſekretärs
Fleck, hielt Handelsminiſter Sydow eine
längere Rede, in der er die Entwicklung der deutſchen
Induſtrie, des Handels und Gewerbes während der letz=
ten
Jahre beſprach, die aufſteigende Konjunktur feſtſtellte,
aber vor übertriebenen Hoffnungen auf eine etwa bevor=
ſtehende
rapide Hochkonjunktur warnte, auf Anzeichen
andauernder Anſpannung des Geldmarktes hinwies und
die vorausſichtlichen Schwierigkeiten eingehend darlegte,
die der bevorſtehenden Verlängerung der großen Ver=
bände
ſich entgegenſtellen könnten.
Die Betrkebseinnahmen der preu=
ßiſch
=heſſſiſchen Eiſenbahn ge=
mein
ſchaft betrugen im Monat Dezember 1911
gegenüber dem gleichen Monat des Vor=
jahres
im Perſonenverkehr 3,7 Millionen Mark, d. i. 8,27
Prozent; im Güterverkehr 4,7 Millionen, d. i. 4,03 Pro=
zent
; insgeſamt einſchließlich Mehreinnahme aus ſonſti=
gen
Quellen 9,3 Millionen, d. i. 5,36 Prozent mehr. In
Berückſichtigung zu ziehen iſt hierbei, daß der Monat
Dezember 1911 zwei Sonn= und Feſttage mehr und zwei
Werktage weniger hatte als der gleiche Monat des Vor=
jahres
.

Ausland.

Spanien.
Rücktritt des Miniſteriums Canalejas
In einem am Montag abgehaltenen Miniſterrat, der ſich
bis Mitternacht ausdehnte, iſt, wie verlautet, der Rück=
tritt
des Miniſteriums Canalejas wegen politiſcher, den

Beſtand des gegenwärtigen Kabinetts ſtark gefährdender
Schwierigkeiten, ſo gut wie entſchieden worden.
Portugal.
Gute Beziehungen zu Deutſchland. Auf
dem Feſtmahl, das die Regierung dem Kommandanten
des Kanonenbootes Panther und dem deutſchen Ge=
ſchäftsträger
in Liſſabon gab, wurden herzliche Trink=
ſprüche
auf die guten Beziehungen zwiſchen Deutſchland
und Portugal gewechſelt. Der deutſche Geſchäftsträger
erwiderte dem Miniſterpräſidenten und der Kommandant
des Panther dem Marineminiſter.
Rußland.
Der Reichsrat nahm den unverändert von der
Reichsduma gebilligten Geſetzentwurf an, betreffend die
Entrichtung von Geldzahlungen ſeitens der finiſchen
Rentei an die Staatsrentei als Erſatz für die perſönlich
zu leiſtende Wehrpflicht finiſcher Bürger.

BHs. London, 22. Jan. Die meiſten hieſigen
Blätter berichten über die heute abend bevorſtehende
Ankunft Dr. Solfs, des neuen Staatsſekretärs des
Reichskolonialamtes. Die Saturday Review glaubt
daß es ſich hauptſächlich um eine Ausſprache mit den hie=
ſigen
verantwortlichen Stellen über eventuellen Kolo=
nialerwerb
in Afrikahandelt und berichtet, daß das
hieſige Auswärtige Amt vor kurzer Zeit vertraulich nach
Berlin mitgeteilt habe, daß es einem Erwerb von portu=
gieſiſchem
Beſitz in Afrika durch Deutſchland keine Hinder=
niſſe
in den Weg ſtellen werde. Es ſoll ſich angeblich um
Angola und ferner um die Kakao produzierenden Inſeln
von San Thomé und Principe handeln. Der Berliner
Berichterſtatter der Daily Mail berichtet ſeiner Zeitung
über ein Interview, das er bei Exzellenz Dr. Solf hatte
und nach welchem ihm der Staatsſekretär als Hauptzweck
ſeiner Reiſe angegeben habe, daß er ſich über das Dia=
mantgeſchäft
, ſowohl vom Standpunkt der Regierung, als
auch vom kaufmänniſchen Standpunkte aus, informieren
und ſich hierfür die langjährige engliſche Erfahrung zu
Nutzen machen wolle. Es hängt dies wohl mit den vie=
len
Klagen, die von Seiten deutſcher Intereſſenten beim
Kolonialamt in Bezug auf den Vertrieb der in Deutſch=
Südweſtafrika geförderten Diamanten eingelaufen ſind,
zuſammen. Das hieſige Diamanten=Syndikat, das ſchon
lange beſtrebt iſt, den Verkauf der deutſchen Diamanten
in die Hände zu bekommen, macht ſich, wie ich von erſter
Seite erfahre, Hoffnung darauf, daß es durch den Beſuch
des Leiters des Kolonialamtes ſeine Beſtrebungen in die=
ſer
Hinſicht ein gutes Stück fördern werde. Es wäre
ſchade um den deutſchen Diamanthandel und die noch ſehr
ausdehnungsfähige Diamantſchleiferei=Induſtrie, wenn
dieſer Wunſch in Erfüllung ginge.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 24. Januar.

* Vom Hofe. Im Neuen Palais findet, wie vom
Großh. Hofmarſchallamt mitgeteilt wird, am Dienstag,
den 13. Februar, abends 8 Uhr, eine Tanzgeſell=
ſchaft
ſtatt.
* Uebertragen haben Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
dem Pfarrer Heinrich Renner zu Bernsburg
die evangeliſche Pfarrſtelle zu Heubach, dem Pfarrer
Auguſt Memmert zu Freienſteinau die evangeliſche
Pfarrſtelle zu Angersbach und dem Pfarrer Georg Karl
Hartmann zu Ulrichſtein die evangeliſche Pfarr=
ſtelle
zu Ege’sbach; dem Schulamtsaſpiranten Adolf
Schmalzhaf aus Hobenſtadt, Kreis Heppenheim, eine
Lehrerſtelle an der Gemeindeſchule zu Gras=Ellenbach, in
demſelben Kreiſe.
g. Strafkammer. Der 30jährige Fuhrmann Wilhelm
Keil von hier hat durch eine gefälſchte Quittung einen
hieſigen Geſchäftsmann um 14 Mark betrogen. Der be=
reits
vorbeſtrafte Angeklagte wird wegen Urkundenfälſch=
ung
zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt. Der
30jährige Apothekergehilfe Georg M. iſt des verſuchten
Verbrechens nach § 176,3 und der Beleidigung in drei

Fällen angeklagt. M. war in Griesheim beſchäftigt, und
als er dort verhaftet werden ſollte, hat er die Flucht er=
griffen
. Er wurde jedoch in Zürich aufgegrifſen und
ausgeliefert. Der geſtändige Angeklagte wird zu 4 Mo=
naten
Gefängnis verurteilt. Von der Unterſuch=
ungshaft
wird ihm 1 Monat angerechnet.
R. Die Jugendvereinigung der Johannesgemeinde
führte, ſo ſchreibt man uns, in dem Gemeindehauſe unter
der Leitung des Herrn Pfr. Kraus und der gütigen
Unterſtützung des Herrn T. Dielmann das vieraktige
Schauſpiel Freiwillige vor aus den Jahren 1812/13
von Dr. Schneideck in glänzender Weiſe vor einer zahl=
reichen
Zuhörerſchaft auf. Das ganze wurde durch den
Gladiatorenmarſch von Joh. Ph. Souſa von einer Schü=
lerkapelle
in beſter Weiſe eingeleitet. Der Ort der Hand=
lung
iſt Schloß Rauditten in Oſtpreußen. Der erſte Akt
führt uns in das Innere des Schloſſes von Hans Eber=
hard
, Freiherrn von Schwenk=Rauditten. Hier ſehen wir
den Freiherrn mit ſeinen Bedienten, abſeits von jeglichem
Verkehr, mit Gott und Welt verfallen, hauſen. Eine An=
klage
auf Hochverrat, die zwar mit Freiſprechung endet,
läßt den ehemaligen preußiſchen Offizier den Schwur
ablegen, niemals mehr ſeinem Vaterlande und König zu
dienen. Ein Reiſeunfall bringt im folgenden Akte die
Offizierswitwe Wilhelmine v. Flemming in das S.floß.
Dieſe edle Dame, mit einem Herzen von glühender Vater=
landsliebe
, begegnet hier einem franzöſiſchen Major, der
in feuriger Liebe zu ihr entbrannt iſt; aber ſie läßt den
Offizier fühlen, daß ihre heiße Vaterlandsliebe ſiots ein
Hindernis zwiſchen ihr und ihm ſein werde. Auch der
Schloßherr konnte ſich dem Zauber dieſer herrlichen Frau
nicht entziehen, und ihre große Begeiſterung für König
und Vaterland nötigt ihm die größte Hochachtung vor
ihr ab. Der dritte Akt bringt Kunde von dem Brand von
Moskau und Napoleons Flucht nach Paris. Im weiteren
Verlauf hören wir von dem Aufruf des Königs Fried=
rich
Wilhelm an ſein Volk, worin zum freiwilligen Ein=
tritt
in das Heer aufgefordert wird. Hier ſpielt ſich eine
hochdramatiſche Szene zwiſchen dem preußiſchen Oberſten
a. D. von Auerwald und dem Schloßherrn ab. Der Oberſt
verſucht, den Freiherrn wieder mit ſeinem König und
ſeinem Vaterland auszuſöhnen; aber vergebens, der
Freiherr bleibt ſeinem Schwur treu. Der letzte rührende
Akt zeigt uns die Freiwilligen im Gotteshaus, wo ſie der
Ortspfarrer einſegnet und ſie dem Schutze Gottes emp=
fiehlt
. Nun ſteigert ſich die Handlung zur höchſten Span=
nung
und packendſter Wirkung. Der alte Oberſt verlieſt
des Königs Aufruf, erinnert daran, daß alle Waffen=
fähige
freiwillig folgen, nur einer nicht der Entehrte.
Hier bricht das Eis! Der Freiherr fragt den Pfarrer, ob
er von ſeinem Schwur entbunden werden könne. Nach
Bejahung dieſer Frage kniet er vor dem Altar nieder,
wird losgelöſt von ſeinem Gelübde und erhält gleich den
Uebrigen Gottes Schutz und Segen zum freiwilligen
Dienſt für König und Vaterland.
Für die Aufführung dieſes wahrhaft patriotiſchen
Stückes, das uns Stunden des höchſten Genuſſes bot,
können wir den Darſtellern nicht genug danken. Sind
ſolche Darbietungen doch wahre Jungbruinen für das
vaterländiſche Empfinden von Jung und Alt. Alle Mit=
wirkenden
boten Vorzügliches und übertrafen ſich in ihren
Leiſtungen. Doch können wir nicht umhin, Frl. Keim,
als der Vertreterin der Hauptrolle, für ihre Glanzleiſtung
unſere vollſte Anerkennung zu zollen, wie wir auch nicht
unterlaſſen dürfen, den Darſtellern der führenden Rollen,
den Herren H. Dielmann, A. Dingeldey, Fr.
Keim, W. Paulmann und Z. Wegner beſonders
anerkennend zu gedenken. Vielleicht entſchließen ſich die
Darſteller zu einer nochmaligen Aufführung, um einem
weiteren Kreis von Zuhörern dieſen Hochgenuß ebenfalls
zu gewähren.
* Der Gaſtwirteverein Stadt= und Landkreis Darm=
ſtadt
feierte im Städtiſchen Saalbau ſein 30jähriges Stif=
tungsfeſt
, verbunden mit Konzert, Theater=Aufführung,
Prämiierung und nachfolgendem Ball. Das Feſt war ſehr
ſchön beſucht und es entwickelte ſich unter den Klängen der
Kapelle des Leibgarde=Infanterie=Regiments Nr. 115 recht
bald eine fröhliche Stimmung. Die verſchiedenen Geſangs=
vorträge
des Brgunſchen Vokal=Quartetts, ſowie das unter
Mitwirkung von Fräulein Guerdan aufgeführte Singſpiel
ernteten reichen Beifall. Der Vorſitzende des Vereins,
Herr Heppenheimer, begrüßte die Feſtgäſte, insbeſondere
die erſchienenen Herren Stadtverordneten Dr. Oſann und

Friedrich der Große.
Ein Bild ſeiner Perſönlichkeit.

Zu ſeinem 200. Geburtstage. (24. Januar.)
Von Dr. Paul Landau.
Der alte Goethe ſuchte gern das Weſen des Genius
durch den Begriff des Dämoniſchen zu erklären. Ein Walten
und Wirken übernatürlicher Geiſter ſah er in den großen Men=
ſchen
und ihren Schöpfungen. Neben Peter dem Großen
und Napoleon ſchreibt er unter den Herrſchern dieſe =
monennatur
Friedrich dem Großen zu. Der alte Fritz,
der alles wußte wie es in den Aufgeregten heißt,
hatte für ihn etwas Unbegreifliches, Inkomenſurables,
das ſich eben nur durch das Wunder des Genialen erklären
läßt. Geht es uns Heutigen, die wir die Wiederkehr ſeines
200. Geburtstages feierlich begehen, nicht ebenſo? Auch wir
ſtehen noch in ehrfürchtiger Bewunderung vor dieſer die
ſtärkſten Kontraſte vereinenden, das Widerſtrebendſte in
ihrer Individualität zuſammenſchweißenden Sphinxgeſtalt
des größten Preußenherrſchers. Ja, unſerm neuromantiſch
myſtiſchen, vielfach chaotiſch verwirrten Weltgefühl wird es
beſonders ſchwer, die ſtolze, harmoniſch ſelbſtſichere, ſonnen=
helle
Verſtandesreinheit jener Epoche der Aufklärung zu
begreifen, deren höchſte Blüte in Friedrich verkörpert war.
Aber eben weil er aus den Höhen des zur Sonne fliegenden
Adlers, der mit Fug und Recht ſein Symbol iſt, auf unſere
Zeit herabblickt, ergreift uns unendliche Sehnſucht, ſein
Weſen zu ergründen, ihm nachzuſtreben, den Weg zu ihm
aus unſerm Fühlen heraus zu finden.
Die Zuſammenſetzung aus allen Gegenſätzen, die
dem Franzoſen Tyrconell an dem König auffiel, wird auch
von ſeiner nächſten Umgebung immer wieder betont. Die=
ſes
leidenſchaftliche, innerlich gärende Temperament
äußerte ſich in einer überſchäumenden Lebhaftigkeit, in einer
verwirrenden Fülle jäher Ausbrüche, zeigte eine vulkaniſche
Zerklüftung, die einem platten Pedanten, wie den Vorleſer
de Catt ebenſo unheimlich wie unnormal ſchien. Dieſer
ſtets kränkelnde, von Hämorrhoiden und Fieber geplagte
Mann, der ſo viel über ſein unglückſeliges Schickſal jam=
merte
, lenkte ſeine Schlachten im dichteſten Kugelregen, ſtark
und ſtahlhart wie der Kriegsgott ſelbſt. Eine ungeheure
nervöſe Senſibilität läßt ihn zuſammenſchrecken, wenn die
Tür geht, läßt ihn bei jedem Brief blutrot vor Aufregung
werden und treibt ihm die Tränen in die Augen, wenn er
von einer edlen Tat hört oder an ſeine ſtillen Alleen in

Sansſouci denkt, nach denen er ſich im Kriegslärm ſehnt,
und derſelbe Mann iſt in der Stunde der Gefahr, im Dunkel
der Unglücksnacht von Hochkirch, wie beim Rückzug nach der
Niederlage von Kollin, der kaltblütigſte, beſonnenſte, mit
Nerven von Eiſen und einer ſchier unbegreiflichen Herr=
ſchaft
über jede Situation. Eine ſentimentale Gefühls=
weichheit
reißt ihn in finſtere Melancholien, läßt ihn dem
übermäßig hart behandelten Bruder (dem Prinzen Auguſt)
und der ebenfalls oft von ihm gekränkten Bayreuther
Schweſter mit nicht endenden Klagen nachtrauern, und
dann wieder verletzt die nächſten Freunde eine eiſige Kälte,
ein ätzender Spott, der in geradezu unwürdigen Necke=
reien
ſich entlädt. Leicht ſich aufſchließend und von abwei=
ſender
Undurchdringlichkeit, frivol und von erhabenem
Ernſt, ſchwärmeriſch begeiſtert und von trockenſter Nüchtern=
heit
, ſich frei hingebend und von peſſimiſtiſchem Mißtrauen
ſo iſt Friedrich, der ſich nach ſeines getreuen Eichel
Urteil nur in Extremen bewegt, wirklich die größte Merk=
würdigkeit
ſeines Jahrhunderts Wie man von ihm ge=
ſagt
hat, daß er franzöſiſch gedacht, aber deutſch gehandelt
habe, ſo kann man auch von ihm ſagen, daß er Sinn und
Fortſchritt der Welt geleugnet, als Menſchenverächter und
Skeptiker geſprochen und dabei ein ganzes langes Leben
dem Dienſt der Menſchheit gewidmet, als gläubiger Ver=
fechter
der Ideale, als Wohltäter der Armen gewirkt habe.
Wie aber entwickelte und geſtaltete ſich dieſe kraftvolle,
widerſpruchsvolle Miſchung der Temperamente, dieſe ein=
zige
Verbindung von Feuer und Mäßigung, jäher Im=
pulſivität
und jäher Ausdauer, von Schärfe und Weich=
heit
, Spott und Frömmigkeit, von tiefer Verſchlagenheit
und herber Wahrhaftigkeit, von Genialität und Selbſtzucht
zu dem ausgeprägten geſchichtlichen Charakter, den wir in
Friedrich dem Großen bewundern?
Die furchtbaren Erlebniſſe der Jugend von unerhörter
Gegenſätzlichkeit, die dem Königsſohn Bilder der höchſten
Macht, in Dresden Szenen üppigſter Schwärmerei, zeigten
und ihn am eigenen Leibe Entwürdigung und Not, ein
kaum bürgerlich beſcheidenes Los ſpüren ließen, die ihn in
ein tragiſches Familiendrama verſtrickten, aus dem von
Hofleuten umbuhlten Thronfolger einen mißhandelten
Schulbuben, aus dem früh zu geiſtiger Selbſtändigkeit er=
wachten
, nach Genuß lechzenden Jüngling einen ſtreng ge=
ſtraften
Gefangenen und todeswürdigen Verbrecher werden
ließen, dieſe helldunkeln Schickſale hatten in ſein Weſen
früh untilgbare Kontraſtzüge eingegraben. Sein herriſcher
Stolz lernte das Sichduckenmüſſen: von den Spionen des

Vaters umgeben, wurde er bald ein Meiſter der Verſtellung;
der unbeugſame Starrſinn trat zurück gegen eine leichte
Liebenswürdigkeit; ſeine erbarmungslos grauſame Wahr=
haftigkeit
, in der Treitſchke den ſpringenden Punkt ſeiner
Natur ſieht, wird eingedämmt durch eine Hingabe an den
ſchönen Schein, an die elegante Lüge jener franzöſiſchen
Rokokokultur, die dem zum langweiligen Gamaſchendienſt
Verurteilten die Augen blendet. Nicht frei und gerade kann
dieſe gottbegnadete Menſchenpflanze in die Höhe wachſen,
der Sonne zugekehrt, ſondern Dunkel und Kälte hemmen
ihren Wuchs. Ein Bruch kommt in die Jugendentwickelung
Friedrichs, ein geheimer Zwieſpalt nagt an ſeiner Seele,
den auch der reife Mann nicht völlig hat ausgleichen können.
Jugendſchickſale ſind bekanntlich ausſchlaggebend für die
Bildung des Charakters. Der große König träumte noch
angſtvoll davon, wie der Vater ihn von ſechs langen Kerls
binden ließ und ſah den ſterbenden Katte vor ſich. Die Auf=
wühlung
aller Lebensinhalte, die Fülle der Konflikte, die
Friedrich ſchon zu einer Zeit umtobten, wo andere Knaben
noch in ſüßen Träumen hindämmern, erweckten in ihm die
ſtrenge Selbſtbeherrſchung, das hohe Kraftgefühl, ſtählten
ſein Pflichtbewußtſein, aber ſchufen auch zugleich die un=
ausgeglichene
Gegenſätzlichkeit ſeines Temperamentes, die
Zerklüftung ſeines Innern, die tiefen Schatten, die den
Heldenkönig zu einer tieftragiſchen Geſtalt machen.
Es waren die beiden geiſtigen Grundſtrömungen ſeines
Zeitalters, die in dem großen Herrſcher, dieſem groß=
artigſten
Repräſentanten ſeiner Epoche, miteinander
rangen: Aufklärung und Irrationalismus, Gefühl und Ver=
ſtand
. Der Monarch, deſſen Zeitalter Kant das
Jahrhundert der Aufklärung oder das Friedrichs
nannte, deſſen Philoſophie und deſſen Staats=
ſyſtem
aanz auf rationaliſtiſcher Grundlage beruhen, hat
in idylliſcher Naturſchwärmerei geſchwelgt, wie der von ihm
ſo verachtete Rouſſeau, hat einen leidenſchaftlichen Welt=
ſchmerz
gepredigt wie Werther, den er ſicher noch mehr ver=
achtet
haben würde, hätte er ihn geleſen. Der große Real=
politiker
, der ſo unbeirrbar ſcharf die Werte der Wirklichkeit
zu beurteilen und auszunutzen verſtand, grübelte in ſeinen
Mußeſtunden mit qualvoll unbefriedigter Logik über den
großen Menſchheitsfragen; er, der in ſich ſo ſtark das Weben
einer höhern, ihn über die Maſſe hinaushebenden Macht
ſpürte, leugnete, daß Gott ſich um die Menſchen kümmere;
ſich ſelbſt im heroiſchen Kampf für ſein Vaterland gegen
eine Welt bezeichnete er und nur als den irrenden Ahasver,
als Nindmühlen beſtürmenden Don Quixote, als Seil=

[ ][  ][ ]

Nummer 20.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 24. Januar 1912.

Seite 3.

den Syndikus der Handwerkskammer Engelbach, die zahl=
reich
erſchienenen Vertreter der mit unſerem Vereine eng=
befreundeten
Handwerksinnungen und Gewerbevereine und
wünſchte allen Anweſenden recht vergnügte Stunden. Frl.
Leyerer brachte einen von Herrn Redakteur Windecker
verfaßten prachtvollen Prolog in gut verſtändiger und
packender Sprache zum Vortrage. In einer Feſtrede ent=
wickelte
Herr Direktor Hermann den Lebensgang des
Vereins, von ſeiner Gründung bis zum heutigen Tage,
und gedachte der ſeit Gründung aus dieſem Leben ab=
berufenen
Mitglieder, insbeſondere widmete er aber den
beiden verſtorbenen Vorſitzenden Karl Reinemer und Karl
Phil. Müller ehrende und dankende Worte der Anerken=
nung
für ihr tatkräftiges Wirken im Verein (den beiden
verſtorbenen Vorſitzenden waren vormittags 11 Uhr von
einer Deputation prachtvolle Kränze mit Schleifen an ihrer
letzten Ruheſtätte niedergelegt worden). Herr Bahnhof=
reſtaurateur
Niemann, ſowie Herr Reſtaurateur Lud=
wig
Lind wurden in dankbarer Anerkennung ihrer 25 jäh=
rigen
Mitgliedſchaft in ihrem Verein zu Ehrenmitgliedern
ernannt. Den Herren Reſtaurateuren Michael Roth in
Darmſtadt und Theodor Schabacker in Babenhauſen
wurden aus Anlaß ihrer 25jährigen Tätigkeit als Wirte
Diplome überreicht. An Auszeichnungen für
treue Mitarbeit wurden verliehen: 1. Für dreijäh=
rige
Tätigkeit in demſelben Hauſe: Herrn Küchenmeiſter
Phildius und Frl. Käthe Theis bei Herrn Hotelier Rudolf
Reuter, Frau Anna Neuroth Witwe, Frl. Martha Kirſch=
ner
und Emma Mittag bei Herrn Bahnhofreſtaurateur
Niemann, Frl. Auguſte Schäfer bei Herrn W. Leyerer, Frl.
Magdalene Seibel bei Herrn Strohmenger, Frl. Eliſe
Neubert bei Herrn Georg Rodenhäuſer in Nieder=Ramſtadt,
Frl. Katharine Korndörfer, Herrn Franz Steul, beide bei
Herrn Schnellbacher und Herrn Louis Domaſchk bei Herrn
Franz Sitte jun. das Diplom des Bundes Deutſcher Gaſt=
wirte
. 2. Babette Glück bei Herrn Hotelier A. Reuter,
Herrn Jean Stein bei Herrn J. Michel, J. Schäfer bei Herrn
Franz Sitte jun., Frl. Thereſe Zerbig bei Frau Frank
Witwe die ſilberne Medaille des Bundes Deutſcher Gaſt=
wirte
. 3. Herrn Heinrich Stauffenberg bei Herrn Hotelier
Rudolf Reuter, Ad. Luley bei Herrn Strohmenger, Frl.
Katharine Keller bei Herrn J. Schnauber die goldene Me=
daille
bezw. Uhr des Bundes Deutſcher Gaſtwirte. Dem
Verein wurden von vielen Behörden und Vereinen Glück=
wunſchtelegramme
und Schreiben zugeſandt. Der anſchlie=
ßende
Ball hielt die Teilnehmer bis zur frühen Morgen=
ſtunde
beiſammen.
* Der Ortsgewerbeverein hatte für Samstag abend
ſeine Mitglieder zu einem geſelligen Abend ein=
geladen
. Der Beſuch war ſehr zahlreich. Herr Maler=
meiſter
Georg Kraus begrüßte mit herzlichen Worten
die Erſchienenen, beſonders die recht zahlreich anweſen=
den
Damen. Zunächſt ſprach Herr Dr. Kienzle über
die Neugeſtaltung des Gewerbemuſeums. Der Redner
gab in kurzen Worten einen Einblick über den Zweck und
Beſchaffenheit desſelben als Vorbereitung für die
Beſichtigung. Reicher Beifall dankte ſeinen Worten. Der
nun folgende geſellige Teil brachte eine Fülle von Dar=
bietungen
. Eine Abteilung der Kapelle Hauske lei=
ſtete
mit ihren Soliſten, wie gewohnt, Vorzügliches. Die
verſchiedenen gebotenen Genüſſe verſchafften einige frohe
Stunden. Und nun folgte der Tanz, der bis ſpät in die
Nacht hinein andauerte. Am Sonntag morgen fand dann
die Beſichtigung des Gewerbemuſeums ſtatt. Herr Dr.
Kienzle führte die verſchiedenſten Bearbeitungen von Ma=
terialien
in den verſchiedenſten Jahrhunderten vor
Augen. Herr Kraus dankte auch hier wiederum Herrn
Dr. Kienzle für ſeine Liebenswürdigkeit, betonend, daß
es kein Handwerker verſäumen dürfte, das Gewerbe=
muſeum
zu beſuchen; auch ermahnte er, die Leſehalle der
Zentralſtelle, die tagsüber, ſowie auch Montag und Frei=
tag
abends geöffnet iſt, in der, wie bekannt, die verſchie=
denſten
Zeitſchriften und Werke jederzeit zur Einſicht
offen liegen. recht oft zu benutzen.
* Der Geſangverein Liederzwelg hielt am Sonn=
tag
nachmittag im Kneipſaale der Turngemeinde unter
zahlreicher Beteiligung ſeine diesjährige General=
verſammlung
ab. Der Verein, deſſen Mitglieder=
zahl
239 beträgt, hatte im laufenden Jahre den Tod dreier
Mitglieder zu betrauern. Der Kaſſenbericht ergab eine
Einnahme von 2705 Mark und eine Ausgabe von 2381
Mark, ſodaß ein Ueberſchuß von 234 Mark erzielt wurde.
Sein Barvermögen beträgt heute 800 Mark. Auch die

Chorkaſſe verfügt über ein bares Guthaben von 283,75
Mark. Im abgelaufenen Jahre fanden 80 Geſangsſtun=
den
ſtatt, die von 3290 Sängern beſucht waren. Nach
kurzer Diskuſſion fand die Vorſtandswahl ſtatt, in der
der erſte Vorſitzende, Herr Adolf Schneider, durch Zuruf
wieder gewählt wurde. Mit der Bitte auf ein weiteres
treues Zuſammenhalten auch im neuen Vereinsjahr und
mit dem Wunſche ferneren Blühens und Gedeihens des
Vereins ſchloß der Vorſitzende die Verſammlung mit
einem dreifachen Hoch auf die hohe Protektorin des Ver=
eins
, Ihre Königl. Hoheit die Großherzogin Eleonore.
* Die Ausſtellung der Medici=Drucke in der Hofbuch=
handlung
von Müller u. Rühle, Eliſabethenſtraße 5, erfreut
ſich tagtäglich des allerlebhafteſten Intereſſes in allen
Kreiſen unſerer Stadt. Und in der Tat ſind dieſe farbigen
Wiedergaben das Vollendetſte, was die photomechaniſche
Drucktechnik bisher geleiſtet hat. Das Auge genießt wohl=
gefällig
den ſicher abgeſtimmten, farbigen Zuſammenklang
des Ganzen, wie die Handſchrift des Malers. Beſonders
gut ſcheinen die großen Italiener zu gelingen, wie Ra=
fael
, Botticelli, Tizian, Bellini. Aber auch die Niederländer,
wie J. van Eyck, Pieter de Hooch, Terborch, Vermeer, können
ſich ſehen laſſen. Vielleicht am originalgetreueſten ſind
ein paar lebhafte, farbige engliſche Bildniſſe ausgefallen,
unter denen vor allen Dingen die vorüberhuſchende Lady
Hamilton von Romney zu erwähnen iſt. Da die Ausſtellung
nur noch dieſe Woche geöffnet iſt, empfehlen wir allen
Kunſtfreunden, ſich den Genuß nicht entgehen zu laſſen, zu=
mal
die Beſichtigung durch das Entgegenkommen der Fir=
ma
Müller u. Rühle unentgeltlich freiſteht.
* Seefiſche und ihre Verwendung in der bürgerlichen
Küche, ſo lautet das Thema, über das heute abend 8½
Uhr Herr Oberſtleutnant v. Gerhardt im Gartenſaal
des Städtiſchen Saalbaues ſprechen wird. Durch die
Einführung guter und billiger Fiſchſpeiſen in unſere
Küchenzettel laſſen ſich weſentliche Erſparniſſe erzielen.
Deshalb iſt zu hoffen, daß recht viele die Gelegenheit be=
nützen
, einen Herrn über dies Thema ſprechen zu hören,
der ganz Deutſchland bereiſt, um für Einführung und
Verbreitung der Fiſchnahrung zu wirken.
* Vortrag. Heute, Mittwoch, findet im Fürſten=
ſaale
(Grafenſtraße) ein Vortrag des Herrn General=
ſekretärs
Curt Blumenfeld, Berlin, über Zionismus oder
Aſſimilation ſtatt. (Näheres ſ. Anzeige).
Johannesgemeinde. Es ſei noch einmal darauf
hingewieſen, daß die Feſtaufführung unſerer
Jugendvereinigung mit dem Vierakter Freiwillige
vor am Sonntag, den 28. Januar, abends 7 Uhr, im
Gemeindehaus wiederholt wird. Außerdem findet auf
vielſeitiges Verlangen hin noch eine Schülervor=
ſtellung
am Donnerstag, den 25. Januar ſtatt.
Karten ſind im Gemeindehaus ſchon im Vorverkauf
erhältlich.
* Vortrag. Auf den heute abend ſtattfindenden Vor=
trag
des Hochw. Herrn Profeſſors Schwarz in der
St. Eliſabethenkirche ſei hiermit nochmals hingewieſen.
(Siehe Anzeige).
* Profeſſor Marcell Salzer hat ſich auf mehrfach
an ihn ergangenes Erſuchen freundlich bereit erklärt,
dem Programm ſeines morgigen Premiérenabend in
Darmſtadt die beiden prächtigen, von ihm hier ſchon
vorgetragenen Geſchichten von Ludwig Thoma: Bis=
marck
und Nord und Süd einzuverleiben. Da der
Abend pünktlich um 8¼ Uhr beginnen wird, empfiehlt
ſich frühzeitiges Erſcheinen, zumal der Kaiſerſaal aus=
verkauft
werden dürfte, ein Reſultat, das im Intereſſe
des Darmſtädter Feſthauſes gewiß freudig zu
begrüßen iſt.
** Straßenunfall. Heute mittag 11 Uhr kam an
der Kreuzung der Eliſabethen= und Neckarſtraße wieder
ein Pferd dadurch zu Fall, daß es mit dem Huf in den
Schienen der Dampfbahn hängen blieb. Es
dauerte eine geraume Zeit, bis man das Tier von den
Schienen zurückgeſchoben hatte, ſo daß der Zug nach
Eberſtadt einige Minuten Verſpätung erlitt. Da alle Be=
mühungen
, das Pferd auf die Beine zu bringen, erfolg=
los
blieben, wurde die Feuerwehr telephoniſch zur
Hilfeleiſtung herbeigerufen, der es auch mit Hilfe eines
Flaſchenzuges bald gelang, es hoch zu bringen. Der Un=
fall
lockte natürlich eine Maſſe Neugieriger herbei. Die
Verſuche, dem armen Tier auf die Beine zu helfen, indem
man es mit Stöcken, Holzſtücken uſw. auf Kopf, Leib und
Beine ſchlug, erregte vielfachen Unwillen. Das Pferd

ſcheint ſchwere Beſchädigungen erlitten zu haben, denn
es konnte nach ſeiner Aufrichtung kaum gehen.
* Weiterſtadt, 22. Jan. Einen überaus befriedigenden
Verlauf nahm das am Sonntag von der hieſigen Turnge
meinde zur Aufführung gebrachte Volksſtück ’s Millerſch
Lisl vunn Michlboch. Man merkte den Spielern an,
daß ſie ſich ganz und gar in das Stück eingelebt hatten
und es infolgedeſſen auch beſtens geſpielt wurde. Alle
Rollen waren äußerſt glücklich verteilt und wurden vortreff=
lich
ausgeführt. Vollſte Anerkennung gebührt dem Spiel=
leiter
, der die Feinheiten des Stücks ſauber herausge=
arbeitet
und die Geſänge und Tänze vorzüglich einſtudiert
hat. Dankbar war auch das Publikum und geizte nicht mit
dem Applaus. Die Turngemeinde ſelbſt hat ſich durch
dieſe wohlgelungene Veranſtaltung wohl wieder viele
Freunde und Gönner erworben. Der anſchließende Ball
vereinigte die muntere Schar bis gegen Morgen. Eine
Wiederholung des Stückes iſt für Sonntag in 14 Tagen vor=
geſehen
.
Offenbach, 23. Jan. Ein neues Theaterpro=
jekt
, das von dem hieſigen Bauinſpektor Sander
ausgearbeitet wurde, wurde in der geſtrigen Sitzung des
Bauausſchuſſes vorgelegt. Es handelt ſich um eine Um=
arbeitung
des vom Beig. Weil entworfenen Theater=
projekts
, das einen Umbau des alten Stadttheaters in
der Kirchgaſſe vorſieht. Das neue Projekt erfordert einen
Koſtenaufwand von 294000 Mark.
Offenbach, 23. Jan. Der am 4. Jan. verſtorbene
Rentner Heinrich Krumm hat der Stadtgemeinde
Offenbach teſtamentariſch 300000 Mark zu wohltätigen
Zwecken hinterlaſſen.
Lorſch, 22. Jan. Der im 23. Lebensjahr ſtehende
Maurer Valentin Grieſer, Sohn von Franz Grieſer, iſt
im Haslocher Wald (Kreis Groß=Gerau) beim Holzfällen
tödlich verunglückt.
Bingen, 23. Jan. Die Eiſenbahndirektion Mainz hat
das Erſuchen der Handelskammer Wiesbaden wegen Zu=
laſſung
kleiner Motorboote anſtelle des Trajekt=
ſchiffsverkehrs
Rüdesheim=Bingen bei unſichtigem
Wetter abgelehnt. Ebenſo hat ſie nicht erlaubt, daß ein
Unternehmer den Fährbetrieb mit ſeinen Motorbooten
durch regelmäßige Fahrten aufrecht erhält, da die Führer
kleinerer Boote bei Nebel ebenſowenig ſehen und ſich zu=
rechtfinden
ſollen wie die Führer der Trajektboote der Eiſen
bahndirektion, da die Reede von Bingen täglich durch
Schleppzüge belegt iſt. Zu dem ablehnenden Verhalten iſt
die Eiſenbahndirektion Mainz noch dadurch beſtimmt wor
den, daß Motorboote von Privatleuten bei Beförderung
von Perſonen ſich im Nebel verirrt und ſich auf Felſen
feſtgefahren hatten.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 22. Jan. Die Nordd.
Allgem. Ztg. ſchreibt: Eine hieſige Korreſpondenz verbrei=
tet
aus Neuſtrelitz Angaben, die den Glauben erwecken
ſollen, daß eine Verlobung der Prinzeſſin
Viktoria Luiſe von Preußen mit dem Erbgroßher=
zog
Adolf Friedrich von Mecklenburg=Strelitz bevorſtehe.
Daran iſt kein wahres Wort. Schon mehr als ein=
mal
ſind wir ähnlichen falſchen Ausſtreuungen entgegen
getreten. Es iſt eine große Taktloſigkeit, ſolche Mit=
teilungen
ohne gehörige Beglaubigung in die Preſſe zu
bringen. Im Zuſammenhang mit der Stichwahl
im erſten Berliner Wahlkreiſe ging es in der
Friedrichſtraße und unter den Linden am abend noch leb=
hafter
zu als ſonſt. Nachdem ſich die Schutzmannſchaft
in den erſten Abendſtunden zurückgezogen hatte, änderte
ſich das Bild gegen 11 Uhr. Unter dem Kommando eines
Polizeioffiziers erſchienen unter den Linden etwa 30
Schutzleute. Die Linden wurde zwar nicht direkt abge=
ſperrt
, es wurde aber Vorſorge getroffen, daß wenn ein
großer geſchloſſener Trupp in Sicht käme, die ſofortige
Abſperrung durch eine geſchloſſene Schutzmannskette be=
wirkt
werden könnte. Unter dem Verdacht des Taſchen=
diebſtahls
wurden ſam Sonntag abend im Metropol=
Theater zwei Herren verhaftet und gefeſſelt zur
nächſten Polizeiwache gebracht. Die Beſchuldigung ſtellte
ſich als ungerechtfertigt heraus. Einer der Verhafteten
war der Regiſſeur eines Kinomatographen=Theaters.
Frankfurt, 23. Jan. Das Großherzogspaar
von Heſſen traf geſtern abend mit Gefolge per

tänzer, den die allerchriftlichſten und allermoskowitiſchſten
Majeſtäten zappeln laſſen, als Komödianten, der nichts
ſehnlicher wünſcht, als von der Narrenbühne des Lebens
abzutreten. Griff er in ſeinem Zelt zwiſchen den Karten,
auf denen er den morgigen Schlachtplan feſtgeſtellt, zur
Feder, um ſein übervolles Herz in Verſen hinſtrömen zu
laſſen, dann ſpottete er nachher ſelbſt über dieſe Nichtſe=
reien
eines eingebildeten Dilettanten. Und doch war er
ein echter Dichter, dem nur durch tragiſche Verkettung das
Inſtrument des Ausdrucks fehlte, der in einer fremden
Sprache ſchuf, weil er die eigene nicht beherrſchte. Wunder=
ſam
, wie durch die von kalten, harten Reflexen funkelnden
Spiegel dieſer zierlich und melodiſch gedrechſelten franzö=
ſiſchen
Verſe der warme Glanz einer großen Seele bricht,
ebenſo wie die vom Schema des Generalbaſſes gegängelten
Läufe und Paſſagen der Flötenkonzerte, in denen er allen
weichen und gedämpften Wohllaut ſeines Gefühls aus=
hauchte
! Es ſind echte, ſtarke Kunſtwerke, die dieſer all=
umfaſſende
Geiſt in Dichtung und Muſik wie in der Diplo=
matie
, Verwaltung, Geſchichtsſchreibung, geſchaffen; ſie
atmen das Feuer ſeines Genies, aber zugleich ſind ſie Sym=
bole
jener tiefen Feindſchaft zwiſchen Gefühl und Verſtand,
die ſein Inneres zerwühlte, zwängen die Ausbrüche eines
leidenſchaftlichen Gemüts in eine intellektuelle, ausgeklügelte
Form.
Dieſer heldenhafte Kämpfer mit den Feinden in ſich
und um ſich, dem nicht nur manch Roß in der Schlacht unter
dem Leibe erſchoſſen wurde, ſondern noch öfter manch
Flügelroß des Ideals in den Schlachten des Geiſtes, hätte
mehr Glück gebraucht, um die innere Tragik zu überwinden.
Während er ſich die Liebe der ganzen Welt errang, blieb
ihm die ſeelenlöſende Liebe zu Weib und Kindern verſagt.
Sein zärtliches Freundſchaftsgefühl ward enttäuſcht durch
die Niedrigkeit Voltaires oder die Banalität des Marquis
d’Argens. Die innigſten Jugendfreunde, an denen ſeine
ganze Seele hing, Caeſarion=Keyſerlingk, der treue Jordan,
ſtarben ihm früh hinweg, allzufrüh auch der einzige ſeiner
Generale, dem er menſchlich ganz nahe ſtand, der Seelen=
menſch
Winterfeldt. Gott weiß, klagt er oft, ich habe
in meinem Leben viel Kummer gehabt, aber ſind wir nicht,
alles in allem, zum Leiden geboren, Was iſt das Leben?
Ein Hauch, der fortfliegt, ob man es nun merkt oder nicht.
In ſeinem Hundeleben gedenkt er mit Wehmut der
Rheinsberger Glücksjahre. Er weiß am beſten, was dieſe
Zeit der arbeitsreichen Muße und des ſtillen Genießens

in ihm entbunden hat. Sie ließ den leuchtendſten Phönix
am Fürſtenhimmel auftauchen: den jungen Friedrich.
Welch eine herrliche, faszinierende Erſcheinung, dieſer junge
König! Das niedlichſte Menſchenkind im ganzen König=
reich
, nennt Valory den zierlichen Elegant mit den ſeelen=
voll
warmen, tiefblauen Augen, der weichen Stimme, den
gepuderten Locken und den feinen, weißen ringgeſchmückten
Händen. Wie zu einem galanten Menuett eilt er in den
erſten ſchleſiſchen Krieg nach dem Rendezvous des Ruh=
mes
fröhlich wie ein Held zum Siegen. Uebermütig
nennt er ſich damals das glücklichſte aller Glückskinder.
Ach wie lange! Der lichte Rokoko=Fürſt lädt ſchon in der
leichtfertig geſchloſſenen Konvention von Klein= Schnellen=
dorf
1741,in der er den günſtigen Augenblick verſäumt, den
Feind für immer zu vernichten, eine ſchwere Schuld auf
ſich, die er ſühnen mußte in langen Kriegen und unermeß=
lichen
Leiden. Schwer laſtet auf ihm die Sorge der Ver=
antwortung
, das harte Gebot der Pflicht; ſtatt Uebermut
und Güte hauſen nun düſterer Peſſimismus und grimme
Menſchenverachtung in ihm, aus hellen, frohen Augen
glüht nun ein trübes Feuer.
Der junge Friedrich wird früh, ſchon Mitte der Vierzig
zum alten Fritz Kein geſticktes Seidenkleid mehr, keine
Spitzenmanſchetten und edelſteinfunkelnde Ringe! In der
einfachen blauen Uniform, die roten Aufſchläge von Schnupf=
tabak
beſchmutzt, hochgeſtiefelt, einen unſcheinbaren Degen
an der Seite, den Krückſtock in der Hand, ſo ſteht der Held
des ſiebenjährigen Krieges vor uns mit den ſtrengen,
ſpitzen Zügen, aus denen die anmutig weiche Rundung
des jungen Herrſchers völlig verſchwunden iſt, grämlich
hart, verhärmt; nur aus den übergroßen Augen mit un=
heimlichem
Glanz jeden ſcharf und kalt anblitzend. Und
erſt in dieſem vorzeitig alten Manne, der mit dem Leben
und der Welt abgeſchloſſen hat, der nur noch ſeiner Miſſion
lebt, ſich nicht mehr als Menſch, nur noch als Monarch
fühlt, offenbart ſich die eigentümliche Stärke, die unver=
gleichliche
Größe ſeines Genies. Geſteigert ſind nun jene
geiſtigen Kräfte, die von Anbeginn ihm eigen waren: der
gewaltige Fleiß, der keine Minute dem ſo präziſe arbeiten=
dem
Hirn Ruhe läßt und ſelbſt in die kargen Stunden des
Schlafs fruchtbare Träume trägt; das fabelhafte Gedächt=
nis
, das den Namen jeden Amtmanns in einem weſt=
preußiſchen
Neſt bewahrt und ihm z. B. geſtattet, Stellen
aus dem Kirchenvater Chryſoſtomus wörtlich zu zitieren
den er 20 Jahre früher geleſen, die ungeheuere Wißbegierde,

die wirklich alle Gebiete der Kultur umfaßt, ſich mit den
fernſten Dingen beſchäftigt und zur gemeinen Neugier
ausartet, wenn er ſeinen Kammerhuſaren und ſeine
Offiziere belauſcht. Dieſer wechſelnde und bewegliche Cha=
rakter
beweiſt eine übermenſchlich zähe Standhaftigkeit und
energiſche Entſchloſſenheit in ſeiner Strategie, jene Fähig=
keit
, die Moltke vor allem bewunderte: alles von ſich
ſelbſt zu nehmen, d. h. den Entſchluß ſtets in der eigenen
Bruſt zu finden. In weiſer Mäßigung und ſtiller Selbſt=
befreiung
läutert er ſich von allen Schlacken der Ruhmſucht
und Eroberungsſucht, wie es die zu ſeiner eigenen Belehr=
ung
verfaßte Abhandlung über den ſchwediſchen Karl
zeigt.
Und als er endlich mit dem Hubertusburger Frieden
ſeine kriegeriſche Lebensepoche abſchließen kann, da gilt
ſeine ganze hingebende Arbeit der inneren Ausgeſtaltung
und Hebung ſeines Staates. Mit Recht hat man geſagt.
daß der Abgründige, Zerklüftete in ſeinem Weſen endlich
zu einer Einheit zuſammengeſchloſſen wird mit eiſernen
Klammern, durch das Bewußtſein ſeines Königtums und
ſeiner Königspflicht, durch das ſchrankenloſe Aufgehen in
der Staatsidee, die über dem Eigenintereſſe der Individuen
nur das Wohl der Allgemeinheit kennt. Und ſo tritt neben
den ſtrahlenden jungen König und den dämoniſch helden=
haften
alten Fritz noch eine dritte Friedrichgeſtalt: der
Vater Friedrich der ſein eigen Glück dem Glück ſeiner
Untertanen geopfert hat, der keines ſeiner Kinder ohne
Hilfe läßt, der ſie alle beſucht auf ſeinen mühſeligen Reiſen,
den ſie alle kennen und wie ein höheres Weſen verehren.
Das iſt der 73jährige Greis, wie ihn Marwitz ſchildert,
dem Berlin mit ehrfurchtsvollem Schweigen huldigt und
die Gaſſenjungen den Staub von den Stiefeln wiſchen, der
ſchlechtbekleidet, ſtaubbedeckt von ſeinem mühſamen Tage=
werk
zurückkehrte. Aber jedermann wußte, daß dieſer
Alte auch für ihn arbeitete, daß er ſein ganzes Leben an
dieſe Arbeit geſetzt und ſie ſeit 45 Jahren noch nicht einen
einzigen Tag verſäumt hatte. Jedermann ſah auch die
Früchte ſeiner Arbeit, nah und fern und um ſich her, und
wenn man auf ihn blickte, ſo regten ſich Ehrfurcht, Bewun
derung, Stolz, Vertrauen, kurz alle edleren Gefühle des
Menſchen Mit einer ſolchen Apotheoſe ſelbſtloſeſter Auf=
opferung
ſchließt das Leben unſeres größten Herrſchers,
tragiſch wie das jedes Genies und gekrönt von dem Glanze
ſeiner Werke, die nicht untergehen werden.

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Seite 4e

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 24. Januar 1912.

Nummer 20

Automobil von Darmſtadt hier ein. Die hohen Herr=
ſchaften
nahmen im Engliſchen Hof das Diner ein und
beſuchten hierauf das Schumanntheater.
Wiesbaden, 22. Jan. Wegen verbotenen Nach=
drucks
von über 20 Artikeln wiſſenſchaftlichen, techniſchen
und unterhaltenden Inhalts war heute der Verleger und
Redakteur des Lahnſteiner Tagbl. in Oberlahnſtein Eduard
Schickel auf Grund einer Anzeige des Schriftſtellers Michael
Impertro aus Mainz vor den Strafrichter zitiert. Wäh=
rend
Impertro für ſeine ſämtlichen Artikel ein Geſamthono=
rar
von 143 Mk. gefordert hatte, einigten ſie ſich vor Ge=
richt
auf 50 Mark. Der Angeklagte übernimmt außerdem
ſämtliche Koſten einſchließlich der der Nebenklage.
Stuttgart, 23. Jan. Der Violinvirtuoſe Profeſſor
Edmund Singer, Ehrenmitglied des Hoftheaters, iſt
heute im 90. Lebensjahre geſtorben.
Leipzig, 22. Jan. Das Reichsgericht verwarf
die Reviſion des Kaufmanns Walter John, genannt
Marlitt, der am 3. Mai 1911 vom Landgericht Roſtock
wegen Betruges und Konkursvergehens zu fünf Mona=
ten
drei Tagen Gefängnis verurteilt worden iſt. Auch
die Reviſion des Staatsanwalts, der die Freiſprechung
in einem anderen Punkte der Anklage angefochten hatte,
wurde verworfen.
Düſſeldorf, 22. Jan. Das hieſige Schwurgericht
verurteilte gegen Mitternacht den Arbeiter Joſef Mus=
zynski
aus Oſtrowo zu 15 Jahren Zuchthaus. Er
hatte im November vorigen Jahres nachts nach einem
Kneipgelage auf dem Heimwege ſeinen Arbeitskollegen
Pickard vor der Stadt überfallen, durch Würgen am
Halſe und durch Meſſerſtiche getötet und des Wochenlohnes
von 25 Mark beraubt.
Bielefeld, 23. Jan. Geſtern abend gegen 7 Uhr brach
in der Fabrik für Fahrradteile von Hermann Froböſe
und Co, Feuer aus, das mit rapider Schnelligkeit um
ſich griff, da die Flammen in den im Fabrikraum lagern=
den
großen Oelmengen reichliche Nahrung fanden. In
wenigen Augenblicken ſtand das ganze umfangreiche
Fabrikgebäude in hellen Flammen. Es wurde bis auf
einen Teil des Keſſelhauſes vollſtändig eingeäſchert. Der
Schaden beläuft ſich auf eine halbe Million Mk.
Graz, 22. Jan. Heute abend um 9 Uhr 8 Minuten
wurde im unteren Mürztal ſowie im Murtal ein heftiges
Erdbeben wahrgenommen. Beſonders ſtark war die
in ſüd=nördlicher Richtung verlaufende Erſchütterung in
Graz und Umgebung zu ſpüren.
Paris, 23. Jan. Unter der Anſchuldigung, ſeiner=
zeit
den Ueberfall auf den Kaſſenboten der Société Gene=
rale
ausgeführt zu haben, wurde ein 22jähriger Bäcker
Garnier verhaftet. Der Ueberfallene erkannte in dem
Verhafteten ſeinen Angreifer.
New=York, 21. Jan. Morgen wird in den Ver=
einigten
Staaten die Einweihung der Eiſen=
bahn
ſtattfinden, die Key=Weſt mit Florida verbindet.
Sie erſtreckt ſich bisher über die anſehnliche Länge von
200 Kilometer. 120 Kilometer der Bahn gehen über das
Meer auf äußerſt kunſtvoll aufgebauten Brücken, die von
Inſel zu Inſel führen. Die Errichtung dieſer Bahnſtrecke
hat ſechs Jahre in Anſpruch genommen und ungeheure
Summen verſchlungen.

Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtkeriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach=
ſtehenden
Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redakti: ihr Urteil vor.

de Haans Kantate Das Märchen und
das Leben die neulich in Barmen aufgeführt wurde,
kam in vergangener Woche auch im Haag (Holland) zur
Aufführung. Sämtliche uns vorliegenden Blätter rüh=
men
das Werk und deſſen künſtleriſch=poetiſche Tendenz

Die Wiedergabe war glänzend, und ſowohl nach der
zweiten Abteilung als auch nach Schluß des ganzen Wer=
kes
mußte der Komponiſt auf dem Podium erſcheinen,
um die enthuſiaſtiſchen Beifallskundgebungen ſeitens des
Publikums in Empfang zu nehmen. Bekanntlich wird
das Werk im dritten Konzert des Muſikvereins (11. März)
auch in Darmſtadt zu Gehör gebracht, wozu die Proben=
dieſer
Tage beginnen.
Simpliziſſimusſpiele. Die luſtigen
Simpliziſſimusſpiele Münchener Künſtler am 16. und 17.
dieſes Monats im Kaiſerſaal waren, das wurde von der
geſamten hieſigen Kritik einhellig anerkannt, von außer=
ordentlichem
künſtleriſchen Erfolg begleitet. Herr Dir.
Burg hat ſich in Hinſicht auf den großen künſtleriſchen Er=
folg
dieſer Abende auf vielſeitigen Wunſch entſchloſſen,
noch ein letztes Gaſtſpiel in Darmſtadt zu veranſtalten,
und findet dasſelbe am Mittwoch, den 31. Januar, im
Saale des Hotels Zur Traube ſtatt.

Karlamentariſches.

§X* Darmſtadt, 23. Jan. Der Finanzaus=
ſchuß
der Zweiten Kammer begann heute unter
Vorſitz des Abg. Dr. Oſann die gemeinſame Etats=
beratung
mit der Regierung, für welche die Herren
Staatsminiſter Ewald Exz., Finanzminiſter Braun
Exz. und Miniſter des Innern v. Hombergk zu Vach
Exz., ſowie die Geheimeräte Beſt, Süffert und
Miniſterialrat Hölzinger erſchienen waren. Bei der
allgemeinen Beſprechung wurde aus dem Ausſchuß her=
aus
von einer Seite angeregt, die Rechnerſtelle für die
Landeskreditkaſſe lediglich auf den Inhaber zu
bewilligen, weil der Wirkungskreis der Landeskreditkaſſe
nach Schaffung und Erweiterung der Landeshypotheken=
bank
weſentlich kleiner geworden ſei. Dem widerſprach
jedoch die Regierung, indem ſie auf die Verantwortung
hinwies, welche der Rechner heute noch trage und die
eine Perſönlichkeit vollſtändig erfordere. Bezüglich der
Anforderungen der Landesirrenanſtalt zu Heppenheim
war durch ein Ausſchußmitglied eine Beſichtigung an Ort
und Stelle vorgenommen worden, und dabei hatte ſich
herausgeſtellt, daß die im Budget angeforderten Feuer=
löſchvorrichtungen
bereits angeſchafft waren, obgleich ſie
noch gar nicht bewilligt worden ſind. Nach den Darleg=
ungen
der Regierung verſchloß man ſich keineswegs der
Auffaſſung, daß die Anſchaffung der Gegenſtände erfor=
derlich
geweſen ſei; allein es wurde vom Ausſchußvor=
ſitzenden
doch betont, daß das Budgetrecht der Zweiten
Kammer verletzt worden ſei und man künftighin ſolche
Forderungen in anderer Weiſe behandeln ſollte. Beim
Kapitel Gymnaſien, Realſchulen uſw., kam es
bezüglich der Frage der Zuſammenlegung mehrerer
Gymnaſien zu einer Ausſprache, wobei auch die Zuſchüſſe
der Gemeinden zu den Koſten der Höheren Schulen und
die Frage einer Gleichſtellung der Schulen erörtert, des=
gleichen
die Notwendigkeit einer Ausgeſtaltung des Zei=
chenunterrichts
, die Frage der Koedukation und die Ver=
wendung
von ſeminariſtiſch gebildeten Lehrern an den
Höheren Schulen. Beim Kapitel Präparanden=
Anſtalten wurde ſeitens der Regierung darauf hin=
gewieſen
, daß jetzt das ſechſte Seminarjahr eingeführt
werden ſolle und ſomit einem langjährigen Wunſche von
Kammer und Regierung entſprochen werde. Beim Kap.
Jugendpflege gab Miniſter v. Hombergk zu Vach
Exz. eine Darlegung, in welcher Weiſe er ſich die Unter=
ſtützung
diefer Beſtrebungen in der Jugenderziehung zu
idealen Zielen denke, zum Beiſpiel durch Zuſammenfaſ=
ſung
der Jugendvereinigungen, wobei nicht nur ſolche
erzieheriſchen Charakters, ſondern auch ſolche für Hand=
fertigkeitsarbeiten
, Körperpflege, Turnen uſw. in Betracht
kommen ſollen. Mit der dafür angeforderten Summe von
15000 Mark ſolle die Grundlage hierfür geſchaffen wer=

den. Von einem Ausſchußmitglied wurde angeregt, ob
es nicht richtig erſcheine, auch ſeitens der Regierung
daran zu denken, wie man die ſozialdemokratiſche
Jugendbewegung in andere, vaterländiſche
Bahnen leiten könne. Dagegen ſei eine für die Jugend
geeignete Darſtellung und Widerlegung der ſozialdemo=
kratiſchen
Ziele und Beſtrebungen erforderlich. Es ſollte
doch einmal in dieſer Richtung ein Anfang gemacht wer=
den
. Die Regierung gab zu, daß gerade auf dem Gebiet
der Jugendpflege auch die patriotiſche Geſinnung in Be=
tracht
gezogen werden müſſe. Die nächſte Sitzung findet
Mittwoch vormittag ſtatt.

Die Reichstagswahlen.

* Darmſtadt, 23. Jan. Das Großherzog=
tum
Heſſen wird in dem neuen Reichstag ver=
treten
ſein durch 3 (früher 3) Nationalliberale, 1 (2)
Wirtſchaftliche Vereinigung, 1 (0) Fortſchrittliche Volks=
partei
, 4 (3) Sozialdemokraten. Das Zentrum, das im
vorigen Reichstag durch 1 Mitglied vertreten war, iſt
ausgeſchieden.
B. Bingen, 23. Jan. Nach den bisherigen Ermit=
telungen
des Kreisamtes hat Becker (natl.) 12012
Stimmen und Korell (Fortſchr. Vpt.) 12010 Stimmen.
Es wäre ſomit Becker (natl.) gewählt.
Eine Beſtätigung dieſer Meldung bleibt abzuwarten.
Die amtliche Verkündigung des Wahlreſultats findet am
26. Januar ſtatt.

Luftfahrt.

sr. Ein neuer Dauerweltrekord im Aero=
plan
mit zwei Paſſagieren wurde am Montag
nachmittag von dem bekannten Harlan=Flieger,
Diplom=Ingenieur Gruhlich, auf dem Flugplatz Jo=
hannisthal
aufgeſtellt. Gruhlich ſtieg mit ſeiner Flug=
maſchine
, die mit einem 100 PS.=Argus=Motor ausgeſtattet
war, mittags 12 Uhr 21 Win. 5 Sek. auf und landete um
2 Uhr 23 Min. 50 Sek. glatt nach einem Fluge von 2 Std.
2 Min. 45 Sek. Der bisherige Weltrekord wurde mit
1 Std. 38 Min. 40 Sek. von Frankreich gehalten. Bemer=
kenswert
iſt, daß der Rekord=Apparat in allen ſeinen Teilen
deutſchen Urſprungs iſt.
* Paris, 23. Jan. Leutnant Prévoſt flog geſtern
auf dem Flugfelde von Bethony bei Reims, mit zwei
Paſſagieren an Bord ſeines Eindeckers, 2200 Meter
hoch und ſchlug damit alle bisherigen Leiſtungen dieſer Art.
* Los Angeles, 23. Jan. Bei dem geſtrigen in=
ternationalen
Wettfliegen iſt Miſter Rather=
ford
Page, ein reicher Amateur, aus einer Höhe von
50 Meter abgeſtürzt. Er war ſofort tot.

Sport.

sr. Die Lawn=Tennis=Meiſterſchaften
von Deutſchland auf gedeckten Spielplätzen, die unter
Leitung des Bremer Lawn=Tennisklub abgehalten wur=
den
, konnten am Sonntag zum Abſchluß gebracht werden.
Der franzöſiſche Meiſter Decugis verteidigte ſiegreich die
Hallenmeiſterſchaft von Deutſchland im Herren=Einzelſpiel.
Mit ſeinem Landsmann Jouſſelin als Partner konnte
Decugis ferner das Herren=Doppelſpiel um die Meiſter=
ſchaft
von Deutſchland gewinnen. Ferner konnte noch das
Ehepaar Deeugis das gemiſchte Doppelſpiel ohne Vorgabe
gegen Frl. Rieck=Spieß gewinnen. Das Damen= Ein=
zelſpiel
um die Hallenmeiſterſchaft von
Deutſchland wurde dagegen von Frl. Rieck gegen Mrs.
Larida mit 63, 86 gewonnen, nachdem Mme. Deeugis
vorher von Frl. Rieck 63, 61 geſchlagen worden war.

Konzerte.

mm. Der Beethoven=Abend des Pariſer
Capet=Quartetts der Herren Lucien Capet
(1. Violine), Maurice Hewitt (2. Violine), Henri Ca=
ſadeſus
(Viola) und Marcel Caſadeſus ( Violon=
cello
) hatte am Montag abend ein recht anſehnliches Pu=
blikum
in der Woogsturnhalle verſammelt. Die ge=
annten
Herren, welche als Gäſte des Richard Wag=
nerVereins
in Darmſtadt mit drei größeren
Quartettkompoſitionen Beethovens als Quartettſpieler
ſich hier zum erſten Male hören liefen, fanden bei den
Konzertbeſuchern eine ſehr freundliche Aufnahme. Die
vier gediegenen Künſtler rechtfertigten denn auch den
ihnen vorausgehenden Ruf als erſtklaſſige, mit den in=
timſten
Feinheiten des Quartettſatzes vollkommen ver=
traute
Interpreten. Klarheit und natürliche Einfachheit,
die ihrer Wiedergabe der Kompoſitionen eigen iſt, konnte
man ſofort bei der verſtändlichen Ausführung des erſten
Satzes des zuerſt geſpielten B=dur=Quartetts,
Opus 18, Nr. 6 wohltuend bemerken, ſowie in dem Fi=
nale
, deſſen langſamere Epiſode, die Einflechtung einer
damals beliebten Volksliedmelodie La Malineonia‟,
der klangvollſte und ſtimmungsvollſte Teil der Kompo=
ſition
war. Die Auffaſſung der Mittelſätze (II und III)
dürfte hinſichtlich der Temponahme im Adagio ma non
troppo der in Deutſchland herrſchenden Tradition gegen=
über
als etwas langſam empfunden worden ſein, obgleich
man zugeben muß, daß gerade dieſes verlangſamte
Tempo der Eindringlichkeit der Kantilene der erſten Vio=
line
, welche dieſelbe ſo mild=glänzend wiederzugeben
weiß, ſehr günſtig iſt.
Von dem bekannten, hier unlängſt gehörten ſoge=
nannten
Harfen=Quartett Opus 74, in
Es-dur mag das Adagio, mit ſeelenvollem Ausdruck
vorgetragen, und das Allegro mit Variationen am ein=
drucksvollſten
geblieben ſein. Vortrag und Auffaſſung
der übrigen Sätze weichen von der deutſchen Manier bis=
weilen
merklich ab, ohne daß aber dieſer neuartigen fei=
nen
Darſtellung ihre Berechtigung abgeſprochen werden
darf. Mehr noch war die Verſchiedenheit von dem Her=
gebrachten
in dem an deitter Stelle geſpielten, im Tempo
öfters wechſelnden Cis-moll=Streichquartett,
Opus 131, bemerkbar; hier erfreute die temperament=
vollere
und die Gegenſätze ſcharf gegenüberſtellende pla=
ſtiſche
Wiedergabe der umfangreichen, verſchiedene Stim=
mungsbilder
raſch und unvermittelt aneinanderreihenden
ſchönen Kompoſition, von deren auf dem Programmdruck
angegebenen Unterabteilungen das 2. Stück (Allegro
molto vivace) und das 5. (Preſto), ſowie das Schluß=
Allegro ganz beſonders gefielen und den Künſtlern mehr=
fachen
ehrenden Hervorruf einbrachten.
An die von den franzöſiſchen Künſtlern allgemein mit
Vorliebe gebrauchte ſchärfere Klangfarbe, die durch das
Anſetzen des Bogens nahe am Steg hervorgebracht
wird, muß ſich freilich das deutſche Ohr ein wenia gewöh=
nen
; für die Klarheit der Melodie und die diffizilſte Rein=
heit
der Harmonie iſt ſie indes günſtiger, als die gewohnte
vollexe Intonation am Griſfbrett.

Recht hübſch nahmen ſich auch die Solo=Stellen von
Viola und Cello der beiden Herren Caſadeſus aus, die
wir von einem mit der Vereinigung für alte Inſtru=
mentalmuſik
im Saalbau vor einigen Jahren hier=
ſelbſt
gegebenen Konzerte her als damalige ausgezeich=
nete
Künſtler auf der Viola d’amour und Viola
die gamba noch in der beſten Erinnerung hatten.

Feuilleton.

W-l. Großh. Hoftheater. Leſſings Nathan der
Weiſe ging am Montag in einer vortrefflichen Auf=
führung
wieder in Szene. Zu den früheren charakteriſtiſchen,
den geiſtigen Gehalt der Rollen erſchöpfenden bewährten
Vertretern des Sultans, Herrn Heinz, des Kloſterbru=
ders
des Herrn Wagner, des Derwiſches des Herrn
Knispel und vor allem der Titelrolle des Herrn
Lehrmann, der dieſe ganz im Sinn und Stil des
früheren unvergeßlichen Vertreters des Nathan, Herrn
Direktors Werner, ſpielt, kamen als neue Kräfte Herr
Weſtermann als Tempelherr, Frl. Uttmann als
Recha und Frl. Alſen als Sittah hinzu. Her Weſter=
mann
ſpielte die Rolle mit vielem Temperament und
Verſtändnis, die von ihm gewählte Maske, die nichts
weniger als ideal war, mußte aber befremden. Frl. Utt=
mann
ſpielte die Recha lebendig und mit ſchöner
Wärme, wenn auch etwas zu aufgeregt. Frl. Alſen
repräſentierte die Sittah äußerlich vornehm und ſym=
pathiſch
, ſie pflegt aber mehr mit den Händen, als mit
dem Herzen zu ſpielen. Köſtlich war die Daja der Frau
Rudolph. Das Publikum, unter dem die Jugend zahl=
reich
vertreten war, bereiteke dem Stück eine ſehr warme
Aufnahme.
CK. Ein Untergrundkanal. Ein eigenartiger Plan
eines Kanalbaues erregt in der New=Yorker Ingenieur=
welt
lebhaftes Intereſſe: die Stadt Jamaika auf
Brooklyn bei New=York ſoll durch einen Kanal mit der
Fluſhingbai verbunden werden, und man will dabei eine
Waſſerſtraße ſchaffen, auf der Laſtkähne bis zu 1000 Tons
Größe verkehren können. Bei der Ausarbeitung des
Planes ſtellte es ſich heraus, daß ein offener Kanal un=
erſchwingliche
Koſten verurſachen würde, weil die Boden=
preiſe
abnorm hoch ſind und weil man eine ungewöhnlich
große Zahl von Brücken bauen müßte, um die zahlreichen
Straßen und Chauſſeen über den Kanal zu führen. Der
neue Plan ſieht nun einen Kanal vor, der ſtreckenweiſe
unterirdiſch geführt wird, alſo einen Untergrundkanal.
Der Tunnel wird eine Breite von 60 Fuß haben, ſo daß
zwei Laſtkähne aneinander paſſieren können; die Wölb=
ung
über dem Waſſerſpiegel, alſo der freie Raum von
der Hochwaſſermarke bis zum oberen Rande des Tunnels,
iſt auf 45 Fuß bemeſſen. Die Koſten des eigenartigen
Projektes ſind von den Fachleuten auf rund 48 Millionen
Mark geſchätzt worden, während die Anlage eines ge=
wöhnlichen
Kanals ſo teuer ſein würde, daß die Ret=
tabilität
des Unternehmens von vornherein ausgeſchloſ=
Sen wäxe.

* Ein peinlicher Zwiſchenfall. Ein peinlicher Zwi=
ſchenfall
zwiſchen dem gräflich von Lonyayſchen Ehepaar
und der Tochter des Erzherzogs Friedrich, Erzherzogin
Marianne Alice, hat ſich auf der Station Preßburg er=
eignet
. Am 17. d. M. wurde das Stationsamt aus Ors=
zafa
von der Lonyayſchen Schloßverwaltung angerufen
und für das gräfliche Ehepaar die Reſervierung dreier
Abteile im Expreßzug nach Ofen=Peſt und die Inſtand=
ſetzung
des Warteſalons beſtellt. Die Beſtellung wurde
entgegengenommen. Am anderen Morgen aber erfolgte
von Preßburg aus vom Oberhofmarſchallamt des Erz=
herzogs
Friedrich die gleiche Beſtellung zu demſelben
Zug Preßburg Nr. 102. Der Stationschef befand ſich
nun in einer peinlichen Situation, denn es iſt bekannt,
daß Erzherzog Friedrich und das Ehepaar Lonyay auf
geſpanntem Fuße ſtehen. Der Stationschef reiſte kurzek=
hand
nach Ofen=Peſt und überließ alles weitere ſeinem
Stellvertreter. Am Morgen kam dann das gräfliche Ehe=
paar
in einem Automobil auf dem Bahnhof vorgefahren
und wollte ſich in den Warteſalon begeben. Der Stell=
vertreter
vermeldere nun: Exzellenz! Ich kann zu mei=
nem
Leidweſen den Warteſalon nicht zur Verfügung
ſtellen, weil eben Reſtanrationsarbeiten vorgenommen
werden. Ich bitte Sie, ſich in den Warteſalon 1. Klaſſe
zu begeben! Nach kurzer Rückſprache mit der Prinzeſ=
ſin
Stefani lehnte der Graf das Anerbieten ab. Die
Herrſchaften blieben auf dem Perron. Kurz vor der Ein=
fahrt
des Expreßzuges erſchien nun Großherzogin Ma=
rianne
Alice und begab ſich, von dem Staatsbeamten be=
gleitet
, in den Hofwarteſalon. Als Graf Lonyay das
bemerkte, trat er, ohne die Erzherzogin zu grüßen, auf
den Beamten zu und machte ihm in erregtem Tone Vor=
würfe
. Der Vorfall erregte das größte Aufſehen und
unter dem Bahnhofsperſonal herrſchte Verwirrung. An
die Staatsbahndirektion wurde jedoch ſofort Meldung
erſtattet.
Ein Unglücksdatum. Die Wiederkehr des Todes=
tages
Ludwigs XVI. gab dem Gaulois Gelegenheit, an
die ominöſe Rolle zu erinnern, die die Zahl 21 im Leben
des unglücklichen Fürſten geſpielt hat. So wurde der
Ehering, der den Dauphin vorerſt in Stellvertretung mit
der Erzherzogin Marie Antoinette verband, am 21. April
1770 nach Wien abgeſchickt. Am 21. Juli desſelben Jahres
wurde dann unter großem Pomp die Hochzeit gefeiert.
auf die eine denkwürdige Kataſtrophe einen tiefen Schat=
ten
warf, eine Kataſtrophe, die in den Augen des Königs
die Bedeutung eines warnenden Menetekel erhielt. Am
21. Januar 1784 wurde durch ein rauſchendes Feſt im
Stadthaus die Geburt des heißerſehnten und lang erwar=
teten
Thronerben gefeiert, und als ſich im Jahre 1791
Ludwig XVI. zur Flucht entſchloß, in der Meinung,
dadurch die erregten Gemüter beruhigen zu können, war
es wieder der 21. Juni, an dem die verhängnisvolle
Fahrt nach Varennes angetreten wurde. Neunzehn Mo=
nate
ſpäter, am 21. Januar 1793, wurde das Todesurteil
vollſtreckt, das von der aus 21 Mitgliedern beſtehenden
Konventskommiſſion gefällt worden war.

[ ][  ][ ]

N

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 24. Januar 1912.

Seite 5.

Im Herren=Einzelſpiel mit Vorgabe ſiegte Poulain
( 15½) gegen von Wittig ( 15½) mit 86, 64. Das
Damen=Einzelſpiel mit Vorgabe gewann Mrs. Larida (0)
gegen Mme. Decugis (¾) mit 26, 64, 64. Im
Herren=Doppelſpiel mit Vorgabe konnten ſich C. Lange=
Lindpaintner ( 15) gegen OHara Murray=Poulain
( 15) mit 64, 64 behaupten. Das gemiſchte Doppel=
ſpiel
mit Vorgabe endlich fiel an das Ehepaar Lindpaint=
ner
, die Frl. Koch=Chelli mit 61, 62 ſchlugen.
sr. Internat. Automobil=Sternfahrt. Von
den deutſchen Teilnehmern ſind bereits einige am Sonntag
nachmittag am Ziel in Monte Carlo eingetroffen. Als
Erſter aller Teilnehmer langte dort der Ruſſe Nagel
am Sonntag um ½12 Uhr vormittags an. Er hatte die
3257 Kilometer lange Strecke in 192½ Stunden zurück=
gelegt
, alſo inkluſive der Aufenthalte eine durchſchnittliche
Stundengeſchwindigkeit von 16,6 Kilometer inne gehalten.
Dieſe Leiſtung wurde allerdings durch die deutſchen Teil=
nehmer
weit überboten, da bereits am Nachmittag kurz
vor ½7 Uhr Marcheſe Barbaro di San Giorgio auf dem
Berliet=Wagen des Herrn Direktor J. Beutler=Berlin
bei einer Fahrzeit von kaum 58½ Stunden für 1700 Kilo=
meter
als Sieger das Ziel paſſierte. Seine durchſchnitt=
liche
Stundenleiſtung war demnach faſt 30 Kilometer, die
indes bei der Bewertung nur mit 25 Kilometer Maximal=
leiſtung
in Anrechnung gebracht werden können. Als
Zweiter der deutſchen Teilnehmer traf Freiherr von
Esmarch mit ſeinem Dürkopp=Wagen ein, als
Dritter Direktor Beutler, gleichfalls auf Berliet. Die Wit=
terungsverhältniſſe
waren recht ungünſtige geweſen. Nach=
dem
anfangs vereiſte Straßen zu paſſieren geweſen waren,
trafen die Fahrer ſpäter Nebel und Regenwetter an und
mußten ſpeziell den letzten Teil der Strecke auf recht durch=
weichten
Straßen zurücklegen. Am Sonntag ſind weitere
Teilnehmer an der Monaco=Sternfahrt aus den verſchiede=
nen
europäiſchen Städten abgelaſſen worden. So ſtarteten
morgens in Wien neun Teilnehmer, in Le Havre acht, in
Boulogne einer und in Brüſſel vier.

Der italfeniſch=türkiſche Krieg.

Die Beſchlagnahme franzöſiſcher
Dampfer.
* Paris, 23. Jan. Eine anſcheinend offiziöſe Zei=
tungsmeldung
beſagt, die franzöſiſche Regier=
ung
habe der italieniſchen bekannt gegeben, daß,
falls die 29 türkiſchen Reiſenden nach Tunis oder Mar=
ſeille
, oder nach Ajaccio oder Toulon gebracht würden,
eine Unterſuchung über ihre Identität eingeleitet werden
ſolle. Es würde alle italieniſchen und türkiſchen Zeugen=
ausſagen
entgegengenommen und, falls ſich unter dieſen
Reiſenden Militärs befinden, würde ihnen die Fortſetz=
ung
ihrer Fahrt nicht geſtattet werden. Unter der Be=
dingung
, daß die italieniſche Regierung dieſem Anſuchen
Folge leiſtet, erkläre die franzöſiſche Regierung ſich bereit,
alle anderen Punkte dieſes Streitfalles dem Haager
Schiedsgericht zu unterbreiten. Falls Italien dieſe Vor=
bedingung
jedoch nicht annehmen ſollte, ſo ſei die fran=
zöſiſche
Regierung entſchloſſen, ohne Schwäche ihre For=
derungen
durchzuſetzen. Dem Echo de Paris zufolge
dürften die Verhandlungen zwiſchen Paris und Rom
einige Tage dauern. Frankreich ſei entſchloſſen, even=
tuell
bis zum diplomatiſchen Bruch zu gehen. Es ſei
ferner entſchloſſen, falls es keine Genugtuung in der
Frage der türkiſchen Reiſenden erhalte, auf die italieni=
ſchen
Verſprechungen keinerlei Rückſicht zu nehmen und
erforderlichenfalls die den Dienſt mit Tunis und Alge=
rien
verſehenden Dampfer von Kriegsſchiffen begleiten
zu laſſen. Andernfalls würde ſich die franzöſiſche Re=
gierung
genötigt ſehen, verſchiedene Flugzeugfabrikan=
ten
, die für Italien die Lieferung von Aeroplanen über=
nommen
haben, aufzufordern, die Aeroplane nicht zu
lieſern. Ferner wiſſe die franzöſiſche Regierung, daß
die Paris-Lyon=Mittelmeerbahn Kriegsmunition und
Waffen befördert habe, die offenbar nach Tripolis be=
ſtimmt
ſeien.

* Konſtantinopel, 23. Jan. Die Pforte erhielt
die Nachricht, daß die Italiener vorgeſtern Kun=
fuda
am Roten Meer beſchoſſen haben. Menſchen
ſind nicht getötet worden, der Materialſchaden iſt unbe=
kannt
.

Vermiſchtes.

Zur Berufswahl Zu Oſtern ſteht wiederum
eine große Zahl von jungen Leuten mit ihrer Entlaſſung
von der Schule vor der wichtigen Lebensfrage der Berufs=
wahl
. Sehr mit Unrecht wird nun hie und da noch von
der Ergreifung eines Handwerks Abſtand genommen in
dem Glauben, das Handwerk habe keine Zukunft mehr.
Wenn auch einzelne Handwerkszweige durch die Induſtrie
zurückgedrängt worden ſind, ſo haben ſich dafür wieder
ndere Handwerkszweige durch die moderne Entwicklung
gegen früher ſehr gehoben, es hat ſich ſogar eine Reihe
von neuen Handwerkszweigen gebildet und iſt in beſter
Entwicklung begriffen. Dadurch, daß ſich das Handwerk
den durch die moderne Technik veränderten Verhältniſſen
anzupaſſen verſtanden hat, wird es ſtets den ihm gebühren=
den
Platz zu behaupten wiſſen, umſomehr, als es eine
ganze Reihe von Gewerben gibt, in denen die individuelle
handwerksmäßige Tätigkeit niemals durch ſchablonen=
mäßige
Fabrikproduktion erſetzbar iſt. Hiernach bietet das
Handwerk nach wie vor, jedem, der dazu Neigung, Ver=
anlagung
und ernſtes Streben mitbringt, ein befriedigen=
es
Auskommen und mindeſtens ebenſoviel Ausſichten auf
einen reichlichen Verdienſt, ja ſelbſt zur Erwerbung von
Wohlſtand, wie jeder andere Beruf auch. Die Zugehörig=
eit
zahlreicher angeſehener Handwerker zu Reichstag,
Landtag, Gemeindevertretung und anderen öffentlichen
Körperſchaften beweiſt weiter, welches berechtigte Anſehen
das Handwerk überall genießt. Das Handwerk zerfällt in
ſo viel Zweige, daß es jedem, der Neigung und Anlage
für techniſch=praktiſche Betätigung hat, möglich iſt, ein ihm
zuſagendes Tätigkeitsgebiet zu finden. Die Ergreifung
eines Handwerks iſt zudem nicht mit beſonderen Aufwen=

dungen verbunden, denn die 3jährige, in einigen wenigen
Handwerkszweigen 4jährige Lehrzeit erfordert in der
Regel nur verhältnismäßig geringe Koſten, in vielen Ge=
werben
wird ſogar ſchon während der Lehrzeit ein, wenn
auch geringer Lohn, gezahlt. Hierin unterſcheidet ſich das
Handwerk vorteilhaft von vielen Berufen mit hohen Aus=
bildungskoſten
, z. B. den akademiſchen, die zum Teil faſt
durchweg ſtark überfüllt ſind und deshalb trotz ihrer ſehr
hohen Ausbildungskoſten zurzeit auch ſchlechte Ausſichten
bieten.
Die Stadt Straßburg i. E. ſchreibt gemein=
ſam
mit der Eigenheim=Bau=Geſellſchaft für Deutſchland
einen Skizzenwettbewerb für die Bebauung des
großen Geländes Fünfzehnerwörth in Straßburg aus.
Preisrichter ſind u. a. Geheimrat Mutheſius=Berlin, Pro=
feſſor
Hugo Eberhardt=Offenbach, Stadtbaurat Gräſſel= Mün=
chen
, Stadtbaudirektor Eiſenlohr=Straßburg. Für Preiſe
und Ankäufe iſt die bedeutende Summe von 13 200 Mark
vorgeſehen.

Literariſches.

Vom alten und neuen Luſtſpiel iſt eine geiſt=
volle
Plauderei von Dr. Oskar Anwand überſchrieben, die
den Einzug des alten Harlekin, den einſt Gottſched ver=
gebens
verbrennen ließ, in unſer modernes Theater und
die wiedererwachte Freude an der Romantik und an aus=
gelaſſenem
Humor ſchildert. Aus dem übrigen Inhalt
des reich und gediegen ausgeſtatteten neueſten (9.) Heftes
der illuſtrierten Zeitſchrift Moderne Kunſt ( Ver=
lag
von Rich. Bong, Berlin W. 57, Preis des Vierzehn=
tagsheftes
60 Pfg.) heben wir beſonders die Fortſetzung
von Alfred Schirokauers machtvoll ergreifendem Roman
Die weiße Jacht hervor, der ſich mehr und mehr dem
Gipfel hoher Tragik nähert. Hieran ſchließen ſich zwei
humorvolle Skizzen aus dem Theater= und Geſellſchafts=
leben
, die den Titel Die Rivalin und Der freie Frieſe‟
führen und aus der Feder von L. Malten und Willy
Rath ſtammen. Eine meiſterhafte Erzählung aus dem
Tierleben Teuer erkaufte Freiheit hat Louis Pergaud
beigeſteuert, der kürzlich für ſeine Erzählungen aus dem
Leben der Tiere mit dem Preiſe der Pariſer Goncourt=
Akademie gekrönt wurde. Die übrigen, in Bild und Wort
prägnant gefaßten Beiträge ſpiegeln gleichfalls feſſelnde
Begebniſſe des modernen Theater=, Kunſt=, Vaxiété= und
Sportlebens in bunter Reihenfolge wieder.
Im Hochgebirge. Von Profeſſor Dr. C.
Keller. (Naturwiſſenſchaftliche Bibliothek für Jugend
und Volk. Herausgegeben von Konrad Höller und Georg
Ulmer.) 144 S. mit zahlreichen Abb. In Originalleinen=
band
Mk. 1,80. Verlag von Quelle &. Meyer in Leipzig.
1911. Für jeden, der die Alpen nur aus Bildern und
Büchern kennt, iſt das Buch ein lebendiger Schilderer, für
die Beſucher des Hochgebirges ein geiſtreicher Führer zu
eigenem Schauen und Beurteilen.
Mit dem Januar=Heft von Buttericks Moden=
Revue hat der 17. Jahrgang des ſo beliebten Frauen= und
Moden=Journals begonnen. Die Farbenbilder und ſonſt=
gen
Abbildungen ſind künſtleriſch vollendet und zeigen
namentlich in dem vorliegenden Januar=Heft eine große
Auswahl von Geſellſchafts= und anderen Toiletten, für
jeden Zweck geeignet. Daran anſchließend findet man eine
reiche Auswahl von Paletots, geſchmackvollen Bluſen, ſo=
wie
einzelnen Röcken. Eine beſondere Abteilung iſt, wie
blich, der Jugend gewidmet. Beſonders reichhaltig iſt
der literariſche Teil in dieſem Hefte aus der Feder erſter
Schriftſteller. Eine beſondere Tafel veranſchaulicht die
neueſten Plättmuſter, ſowie einen Artikel Schneidere
elber über einen Rock mit gehobener Taillenlinie. Außer=
dem
enthält jedes Heft, wie bisher, den üblichen Gutſchein
für ein Butterick=Schnittmuſter nach eigener Wahl gegen
Nachzahlung von 25 Pfg. In jedem Monat erſcheint ein
Heft und koſtet das Abonnement darauf nur 8 Mk. pro Jahr.
(Aktien=Geſellſchaft für Buttericks Verlag. Berlin W. 8.)

Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)

* Berlin, 23. Jan. Die Zweihundertjahr=
Feier der Geburt Friedrichs des Großen
begann heute mittag mit der Eröffnung der Ausſtellung
in der Akademie der Künſte Friedrich der Große in der
Kunſt durch den Kaiſer in den Räumen der Akademie.
lußer dem Kaiſerpaar und den hier und in Potsdam an=
weſenden
Prinzen und Prinzeſſinnen wohnte der Reichs=
kanzler
der Feier bei. Der Kaiſer überreichte dem Präſi=
denten
der Akademie, Profeſſor A. Kampf, den Kronen=
orden
zweiter Klaſſe.
* Berlin, 23. Jan. Als Pate des jüngſten Kron=
prinzenſohnes
wird der öſterreichiſche Thronfolger Erz=
herzog
Franz Ferdinand am 28. Jan. vormit=
tags
auf dem Anhalter Bahnhofe eintreffen. Der Erz=
herzog
hat gebeten, von jedem feierlichen Empfange ab=
zuſehen
.
* Dresden, 22. Jan. Die zweite Kammer bewil=
ligte
heute einſtimmig gemäß der Regierungsvorlage als
Garantieſumme des Staates zweihunderttauſend Mark
für die Internationale Ausſtellung für Buchge=
werbe
und Graphik, Leipzig 1914.
* Braunſchweig, 23. Jan. Die Wahlrechtsvor=
lage
für das Herzogtum Braunſchweig wird
nach einer den Braunſchw. Neueſten Nachr. zugegangenen
Information am Mittwoch, den 24. Januar, dem braun=
ſchweigiſchen
Landtag bei ſeinem Zuſammentritt zugehen.
Die Vorlage ſieht eine Reform des Wahlrechts aufgrund
des Dreiklaſſenwahlſyſtems mit direkter und geheimer
Abſtimmung vor.
* London, 23. Jan. Der Dampfer Atrato
der Royal Mail Steampacket=Company, der am 22. Febr.
London zu einer Kreuzfahrt nach den marokkani=
ſchen
Gewäſſern verläßt, läuft, um die Möglichkeit
internationaler Schwierigkeiten zu vermeiden, Agadir
nicht, wie vorgeſehen, an. Wie verlautet, iſt die Entſchei=
dung
auf die Vorſtellung des britiſchen Auswärtigen
lmtes hin getroffen worden.

* Buenes, Aires, 23. Jan. Der Streik der
Eiſenbahner geht ohne Zwiſchenfall weiter. Die
Vertreter der Eiſenbahngeſellſchaft legten dem Präſiden=
ten
Sänz Pona die Gründe dar, die ſie verhinderten, alle
Ausſtändigen wieder einzuſtellen. Wie es heißt, ſoll den
Geſellſchaften eine Friſt gewährt werden, um den Dienſt
in der normalen Weiſe wieder einzurichten, nach Ablauf
dieſer Friſt aber ſoll das Dekret zurückgezogen, werden,
das die Geſellſchaften ermächtigt, während des Streiks
Perſonal zu verwenden, das den vom Geſetz geforder=
ten
Bedingungen nicht entſpricht. Es geht das Gerücht,
daß der Miniſter der öffentlichen Arbeiten demiſſionieren
werde. Die Kammer hat beſchloſſen, die Regierung von
neuem über den Streik zu interpellieren.
Berlin, 23. Jan. Beim Rodeln ſind in den
letzten beiden Tagen 37 teils ziemlich ſchwere Unfälle
vorgekommen.
Aachen, 23. Jan. Als nach einer Familienfeier in
einem Hauſe in der Kaſingſtraße die Gäſte ſich verab=
ſchiedeten
, ſtürzten zwei junge Leute über das
Treppengeländer klopfüber in den Hausflur.
Einer wurde getötet, der andere ſchwer verletzt.
Trier, 23. Jan. In das hieſige Kranken=
haus
wurde heute ein unbekannter Mann bewußtlos
eingeliefert, der bei Karthaus mit ſchweren Ver=
letzungen
auf dem Eiſenbahngleis aufgefunden wurde.
In der Hand hielt er ein wohlgefülltes Portemonnaie.
Später meldete ſich auf der hieſigen Polizei ein Monteur
und zeigte an, daß ihm in Luxemburg ſeine Geldbörſe
geſtohlen worden ſei. Der Schwerverletzte, der wahr=
ſcheinlich
der Täter iſt, iſt noch immer ohne Bewußtſein.

Briefkaſten.

H. O. Hier. 1. Der Kaiſer erklärt den Krieg im
Namen des Bundesrates. Wenn Deutſchland ange=
griffen
wird, bedarfs keiner Kriegserklärung mehr, dann
wird ſofort losgeſchlagen. 2. Sämtliche Staaten haben
Nachrichtendienſt in fremden Staaten, auch Deutſch=
land
. Ob die gefangenen Spione Englands und Frank=
reichs
einen Spleen haben, können wir beim beſten Willen
auch nicht wiſſen.

Für die Kinder Bioſon,
wodurch ſie friſch und munter werden!
Einen ganz beſonders günſtigen Erfolg kann ich Ihnen
über Bioſon von meinem Enkel mitteilen, welcher bereits ſeit
einem Jahr Bioſon trinkt. Derſelbe war abgemagert und
ſehr matt und trotzdem wir alles angewandt haben, wurde
ſein Ausſehen immer ſchlechter. Schon nach 14 tägigem Ge=
brauch
des Bioſon fühlte er ſich kräftiger u. bekam beſſeres
Ausſehen; er hat bis jetzt 13 Pfd. zugenommen; er trinkt
früh u. abends eine Taſſe, verbraucht jeden Monat 1 Paket.
Mit dem Geſchmack u. der Bekömmlichkeit u. dem Erfolg
ſind wir außerordentlich zufrieden und mein Enkel wird
Bioſon zur allgemeinen Stärkung noch weiter nehmen. Ich
kann Bioſon jedermann auf das Wärmſte empfehlen. Har=
burg
(Elbe), 9. Juni 1911. Margarete Wichmann, Lin=
denſtr
. 37. I. Unterſchrift beglaubigt: Dr. Hans Regula,
Notar. Bioſon das beſte und billigſte Nähr= und Kräf=
tigungsmittel
ſeiner Art, Doſe (ca. ½ Kilo) 3 Mk. in Apo=
theken
, Drogerien. Verlangen Sie vom Bioſonwerk Frank=
furt
(Main) Eritisprobe und Breſchüre.
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Der vorgerückten Saison wegen geben
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letzten Sommer- und
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nach Müncnner Art
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in Flaschen und Syphons.
2453a

[ ][  ][ ]

Anläßlich unſerer Silbernen Hochzeit
ſagen wir allen Denen, die uns durch überaus
zahlreiche Gratulationen und Geſchenke beehrten,
auf dieſem Wege unſeren herzlichſten, aufrich=
tigſten
Dank.
(2403
Adam Chriſt, Schriftſetzer, und Fran.
Darmſtadt, Heinrichſtraße 113.

Todes-Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Anzeige.)
Freunden, Verwandten und Bekannten die
traurige Mitteilung, daß unſere gute Mutter,
Großmutter, Schwiegermutter, Schweſter und
(B2417
Schwägerin

geb. Schnorr
ſanft dem Herrn entſchlafen iſt.
Um ſtille Teilnahme bitten
die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, Köln, den 22. Januar 1912.
Die Beerdigung findet Mittwoch, den 24. Jan.,
nachmittags 4 Uhr, vom Portale des Beſſunger
Friedhofes aus, ſtatt.

Todes-Anzeige.

Allen Freunden und Bekannten die ſchmerz=
liche
Mitteilung, daß meine liebe, gute, treu=
beſorgte
Gattin, meine Mutter, unſere Schweſter,
Schwägerin und Tante
(B2416
Frau Jenny Gerisch
nach kurzem ſchweren Krankenlager ſanft ent=
ſchlafen
iſt.
Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen:
Ludwig Geriſch, Forſtwart,
Cäcilie Geriſch.
Darmſtadt, den 23. Januar 1912.
Die Beerdigung findet Donnerstag, den
25. Januar, nachmittags 2½ Uhr, von dem
Trauerhauſe Frankenſteinſtraße 44 aus, auf
dem Beſſunger Friedhofe ſtatt.

Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.

Das kontinentale Hoch iſt in ſüdöſtlicher Richtung
zurückgewichen. Ueber Nordſkandinavien liegt ein Tief,
das unſer Wetter nicht mehr beeinfluſſen kann. T agegen
dringt von der Biskaya her eine neue Depreſſion in
nordöſtlicher Richtung vor. Unter ihrem zunehmenden
Einfluß werden die Regenfälle ſtärker werden.
Ausſichten für Mittwoch, den 24. Januar 1912:
Trüb, Regenfälle zunehmend, Temperatur etwas ſteigend.

Tageskalender.

Hoftheater, Anfang 7½ Uhr (Außer Abonnement):
Glaube und Heimat
Vorſtellung um 8¼ Uhr im Orpheum.

Vortrag von Oberſtleutnant v. Gerhardt um 8½ Uhr
im Saalbau.
Vortrag von Profeſſor Schwarz um 8 Uhr in der
Eliſabethenkirche.
Vortrag von Generalſekretär Blumenfeld um 8½ Uhr
im Fürſtenſaal.
Luſtiger Abend von Profeſſor Marcel Salzer um
8¼ Uhr im Kaiſerſaal.
Referat mit Lichtbilder von Suſanne Homann
um 8 Uhr im Saal 326 der Techniſchen Hochſchule
(Allgemeiner deutſcher Frauenverein).
Hauptverſammlung des Vereins für Vogel= und Ge=
flügelzucht
Ornis um 8½ Uhr in d. Stadt Pfungſtadt‟
Hauptverſammlung des Vereins der Innenſtadt um
8¾ Uhr in Reſtaurant Trautmann.
Konzert um 4 Uhr auf der Ludwigshöhe.
1. Darmſtädter Kinematograph (Ecke Rhein=
u
. Grafenſtraße): Vorſtellungen von 3½11 Uhr.
Vorſtellungen im Reſidenztheater von 411 Uhr.
Bilder vom Tage (Auslage Rheinſtraße 23):
Miniſter bei der Reichstagswahl, der Brand des Equk=
tablepalaſtes
in New=York, Porträts von Exzellenz
v. Radowitz , und Miniſterpräſident Poincaré; Bil=
der
vom Winterſport.

2 erſteigerungskalender.
Donnerstag, 25. Januar.

Brennholz=Verſteigerung um 9 Uhr in der Turn=
halle
am Woogsplatz.
Stamm= u. Brennholz=Verſteigerung um 9½ Uhr
im Ober=Ramſtädter Gemeindewald (Zuſammenkunft
auf dem Waſchenbach-Ober=Ramſtädter Weg).
Holzverſteigerung um 10 Uhr in der Hebererſchen
Wirtſchaft zu Meſſel.
Schwellen=Verſteigerung um 9 Uhr auf Bahnhof
Darmſtadt=Oſt, um 11 Uhr auf Bahnhof Roßdorf.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkriptewerden nicht
zurückgeſandt.

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Katarrh, Hartleibigkelt. Ich bin in der glücklichen Lege, Ihnen mit
keilen zu können, daes ich vor . . Wochen durch Beuandlung mit Dunsalbe und
Dunpillen von einem überans heftigen Katarrh in kurzer Zeit fefreit wurde.
Dersolbe fing mit Sohluckbeschwerden an, und 1 h war fast beidubt vor läuter
Elend. Ich verspürte sofort Linderung nach Einreiben mit Dunualbe und Auf-
legen
von Dunpflaster um den Hals. Der Appetit stellte sich bereits am andern
Tag wieder ein. Vielen herslichen Dank für diese wirkeame Hülfe. Zugleich
dringt es mich noch zu sagen, dass Ihre Dunpillen micb schon vor lüngerer Z2i
von einer lästigen und hartnäckigen Hartleibigkeit befreit haben, die von einer
Blinddarmentsündung surückgeblieben war. Auch die Schmerzen, die von der-
selben
Krankheit herrührten, und verschwunden, seit ich Dunpillen einnehas.
Auch dafür meinen herslichen Dank, dass ich durch ein so einfsches Aittal von
diesem Uebel befroit bin.
Darmstadt, Schwester H. Müller.
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Speoteis

(V2437)

Kurſe vom 23. Januar 1912.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

Bf. Staatspapiere. IrPen.
4 Tſche. Reichsſchatzanw. 100, 10
3½ Deutſche Reichsanl.. 91,30
82.20
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg. 100,10
3½ do. Conſols . . . . 91,30
82, 10
3 do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 100,40
do.
93,40
3½
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanl. .101,50
do.
90,25
do.
4 Hamburger Staatsanl. 100,70
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 100,70
do. do. (unk. 1918) 100,80
do.
90,20
do.
79,70
3 Sächſiſche Rente.
81,75
Württembergerv. 1907 101,0)
do.
3½
**94,90
5 Bulgaren=Tabak=Anl. 101,25
1¾ Griechen v. 1887
3¾ Italiener Rente . .
4½ Oeſterr. Silberrente . 93,75
4 do. Goldrente . . 96,70
4 do. einheitl. Rente 90.90
3 Portug. unif. Serie I 65,4)
3 do. unif. Ser, III 68,20
3 do.
Spezial. 10,40
5 Rumänier v. 1903 . . 101,55
do. v. 1890.
do. v. 1905. .

4 Ruſſen v. 1880. 92,00
91,20
4 Ruſſen v. 1902. .
½ do. v. 1905 . 100,60
91,00
3½ Schweden. .
4 Serbieramort. v. 1895
4 Türk. Admin. v. 1903 84,75
do. unifiz. v. 1903 91,70
Ungar. Goldrente . . 92,70
do. Staatsrente . 90,50
Argentinier . . . . . . 101,70
do.
4½ Chile Gold=Anleihe
5 Chineſ. Staatsanleihe 99,90
94,80
do.
4½
95,70
4½ Japaner . . . .
Innere Merikaner . 97,75
61,75
do.
Gold=Mexikan. v. 1904 91,50
Gold=Merikaner . . . 100,60
Aktien inländiſcher
Transvortanſtalten.
8 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
.
.. 144,70
.105,0)
3 Nordd. Lloyd
6 Südd. Eiſenb.=Geſ.. . 124,50
Aktien ausländiſcher
Transvortanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60½
Einz. Mk. 403 115,00
6 Baltimore * Ohio. . 105,60
Gotthardbahn .

IN
6½Oeſt.=Ungar. Staatsb. 153½
0 Oeſt. Südbhn. (Lomb.) 19,25
6 Pennſylvania R. R. 119,50
Induſtrie=Aktien.
9 Mainz. Aktienbrauerei 202,00
3 Werger=Brauerei 75,50
25 Bad. Anil.= u. Sodafbr. 496,50
14 Fabrik Griesheim . . 258,00
27 Farbwerk Höchſt . . . 531,00
20 Verein chem. Fabriken
338,50
Mannheim
130,00
5 Lahmener
165,50
7 Schuckert
12 Siemens & Haleie. . 242,60
30 Adlerfahrradw. Kleyer 465,00
12 Bochumer Bb. u. Guß 231,00
208,00
17 Gelſenkirchen .
.202½
7 Harvener
15 Phönix, Bergb. u. Hilt=
.. 258,00
tenbetrieb . .
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ.. . 89,30
.100,50
4 Pfälzer Prt. .
92,00
do.
3½
4 Eliſabeth., f euerpfl.
do. ſteuerfrei. 96,50
5 Oeſterr. Staatsbahn. 104,60
do.
95,70
do. alte . 80,30
5 Oeſterr. Südbahn . . 100,00
do.
80,70
50,90
do.
Raab=Oedenburger . . 78,00
4 Ruſſ. Südweſt. . . . . 89,70
Kronp.. Rudolfbahn . 96,50

2) Livorneſer.
72,50
Miſſouri=Vacifie .. 74,00
Bagdadbahn Mk. 408 84,60
Anatoliſche Eiſenb.. . 97,30
Tehuantepee
.100,50
Bank=Aktien.
9 Berliner Handelsgeſ. 173,90
6½ Darmſtädter Bank. . 126,40
12½ Deutſche Bank . . . 266,70
6 Deutſche Vereinsb. 125,25
10 Diskonto=Geſellſchaft 192,50
8½ Dresdner Bank
160,60
6½ Mitteldent. Kreditbk. 121,75
7 Nationalbk. f. Deutſchl. 127,90
130,50
6½ Pfälzer Bank
140,40
6,45 Reichsbank . .
7 Rhein. Kredit=Bank. 135,50
7½ Wiener Bank=Verein 137,50
Pfandbriefe.
4 Frankft. Hypoth.=Bank
S. 16 und 17 99,20
3½ ho. S. 19. . . . . 90,10
4 Frkſ. Hyp.=Kreditverein
S. 1519, 2126 98,50
4 Damb.=Hypoth.=Bank 100,00
do,
89,75
3½
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bk. 101,30
do.
90,30
4 Meining. Hyp.=Bank 100,20
do.
89,50
4 Rhein. Hypoth.=Bank
(unk. 1917) 99.20
do. (unk. 1914) 89,50
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 100,60
do.
90,60
3½

NrB).
St.
Städte=
Obligationen
-
4 Darmſtadt . . .r..
5.
90,30
4ansiun
100,80
3½ da.
96,10
Giehe .
100,00
3½ 5a.
99,80
3½ 2.
90,00
4 Hrl
100,00
3½
89,70
3½
-
3½
-
99,80
3½ de.
90,00
4 Müncher
100,50
½ Nauheim
90,00
Nürnberg
100,20
do.
91,00
4 Offenbach
99,40
3½ ds.
91,50
4 Wiesbal
99.80
3½ de.
90,60
4 Worms
-
3½ do.
90,10
4 Liſſabones v. 1886. . 81,20
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche Tlr. 100 168,10
3½ Cöln=Mindner 100 136,50
Donau=Reg. ſl. 100 185,00
3 Holl. Zoma. * 100 109,00

In Zen
3 Madrider Fs. 100 79,90
4 Meining. Pr.= Pfand=
briefe
. . . . .
137,00
Oeſterr. 1860er Loß 179,25
3 Oldenburger .
126,80
2½ Raab=Wrazer fi. 150 114,60
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger
ſ. 3
Braunſchweiger Tr. 20 211,00
Freiburges
Fs. 15
Matländen
Fs. 45
Da
58. 10
Meininger
ſl. 7 34,50
Oeſterreiches à. 1864 100
do. A 1858 . 100 456,00
Ungas. Gaaats
100 373,00
Benedige
Frs. 30
Türkiſche
400 172,80
Golk, Gilber und
Banknoten.
Engl. Sopereigns
20,43
20 Frants=Stücke
16,23
Oeſterr. 29=Rronen .
16,90
Amerilaniſche Roten
4,19½
Engliſche Noten .
20, 18
Franzöſtſche Noten.
81,15
Holländiſche Noten . . . . 169,45
Kalieniſche Noten . . . . 80,60
Ueſterr.=Ungariſche Rotes 85.05
Ruſſiſche Noten . . . . . . 216,00
Schweiger Roten . . . . . 81,07

Reichsbau=Diskonts.
Reichsbens=Lombard A3k 6%

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Nummer 20.

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Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 24. Jauuar 1912.

Nummer 20.

Weiblich

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Kaufmannsfr. wünſcht Heimarb.
in ſchriftl. Sachen, wie Bücherbeitr.,
Abſchriften, Adreſſenſchreib. ꝛc. bei
billigſter Berechnung. Gefl. Off.
unter B 36 a. d. Exp. (*1204mmm

Modistin
ſucht I. Stellung. Zeugniſſe uſw.
zur Verfügung. Off. unter C81
a. d. Expedition d. Bl. (B2371

Modistin
mit prima Zeugniſſen, ſucht zum
Frühjahr Stellung. Zu erfragen
Schwanenſtraße 25. (*1575sm

Perl. Schneid. nimmt n. Kund.
an Dieburgerſtr. 41, Hth. (*1406sm
Tücht. Schneiderin empfiehle
ſich im Anfertigen einfacher und
feiner Damengard. in u. auß. d. H.
Hedw. Sprengel, Mühlstr. 38. (*1760ms

Schneiderin empf. ſich im Anf.
einf. u. eleg. Damengard. u Mäntel
Nieder-Ramstädterstr. 1, III. (*1807ms
Tüchtige Schneiderin
empfiehlt ſich (*1767
Saalbauſtraße 42, III.

Füglerin nimmt n. einige Kund
an, in u. außer dem Hauſe
Rundeturmſtr. 15, III. (*1756

Reinliche Waſchfrau empfiehlt
ſich im Waſchen, geht auch in
1143a
Wäſcherei
Frau Stork, Georgenhauſen.
Suche f. m. 16jähr. Tocht. Aufn.
in beſſ. Familie z. Erl. d. Haush.
Familienanſchl. u. Taſchengeld erw.
Offerten unter D 1 an die Expe=
(*1634im
dition ds. Bl.

Aelt. geb. Mädchen, w. ſch. ged.,
koch. u. d. Haushalt gründl. verſt.,
ſ. tagsüber Stelle in beſſ. Hauſe
Liebfrauenſtr. 109, part. (*1647im
Tücht., beſſ. Mädch. ſucht von
jetzt bis 1. April tagsüber Aushilfe=
ſtelle
Liebfrauenſtr. 98, I. (2342im

Fleiß. Frau wünſcht noch einige
Kunden im Waſchen u. Putzen Frau
Schäfer, Gr. Ochſengaſſe 30. (*1742

Junge Frau ſucht morgens
(*1751
2 Stunden Lanfdienſt
Schwanenſtraße 65, Manſarde

Geb. Dame, 40er Jahre, unabh.
möchte die Pflichten des Haushalts
bei älterem, beſſeren Herrn über=
nehmen
. Off. erbeten unter D 24
an die Expedition d. Bl. (*1752

m. 9. Z.
Aelteres Mi
chen ſucht Stel=
lung
bei einzelnem Herrn. Zu er=
fragen
Arbeitsnachweis Wald=
(*1729mdf
ſtraße Nr. 6.

Jung. Mädchen m. gut. Zeugn.
erfahren in Küche und Haushalt,
ſucht per ſofort oder 1. Februar
Stelle als Alleinmädchen in bürger=
licher
, ruhig. Familie. Off. m. Lohn=
angabe
u. D 28 a. d. Exp. (*1781

26jähr. Mädch., welch. ſelbſtänd.
koch. kann, mit ſehr gut. Zeugn., ſucht
St. a. Köch. od. Alleinmädch. Emma
Frank, gewerbsmäßige Stellenver=
(*1773
mittlerin, Karlſtr. 31.
Unabhäng. Frau ſucht tagsüber
Beſchäftig. Näh. b. Frau Jöckel,

Eliſabethenſtr. 32, II.

(*1771

ſ. Beſch. Dieſ. geht a.
Alleinſt. Wi. als Krankenpfleger
Neue Ruthsſtr. 17, 2. St. (*1769

Durchaus tüchtiges, braves
Mädchen, welches gut kochen
kann, alle Hausarbeiten verſteht,
ſucht ſof. oder 1. Febr. Stelle.
Näh. Fuchsſtr. 21, 1. St. (*176

E. j. M. ſ. Laufſtelle für morgens
Sandbergſtraße 45, III. (B2418

Saubere Frau ſucht Laufdienſt
Weinbergſtraße 5, II. (B2419

Mädchen, d. ſchon i. beſſ. H. w.
im Näh., Büg. u. Serv. bew. iſt, ſ.
St. als Hausmädch. z. 15. Febr.
Zeug. vorh. Gefl. Off. u. F. J.25,
Heidelberg, poſtlag. (*1736

Aelt., einf. Mädchen, das lange
Jahre ſelbſt. einen Haush. führte, u.
gut bürg kocht, auch leichte Krank.=
Pflege übern., ſucht tagsüb. Beſchäft.
Viktor aſtr. 98, III., mittl. Tür. (*178

Männlien

Junger Bautechniker
mit guter Schulbildung und beſten
Zeugniſſen, ſucht bei beſcheidenen
Anſprüchen ſofort Stell. auf Arch.=
Bureau od. in Baugeſchäft. Offert.
unt. B 80 an die Exp. (*1215om

in der
Jung. Kaufman, Buch=
führung
, Stenographie und allen
Syſtem. der Schreibmaſch. vertrau
u. mit guten Zeugn. verſehen, ſucht
bis 1. Februar, eventl. auch ſpäter,
Stellung auf einem Büro. Off. u.
D 10 a. d. Exped. (*1661im
Vertrauenspoſten.
Tüchtiger, zuverläſſiger Mann, ge=
ſetzten
Alters, verh., ſucht Stellung
als Kaſſierer, Magazinier od.
ſonſt. Vertrauenspoſten, auchin der
Eiſenbranche vertraut, auf einem
Vüro od. Fabrik. Kaut. k. geſtellt
werd. Of. u. C 26 Exp. (*1407am

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fort
oder ſpäter eine
durchaus branchekun=
dige
ſelbſtändige
Verkäuferin.
Offert. nebſt Zeugnis=Kopie
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Ludwigstrasse 17.

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flott im Stenogr. u. Maſchinenſchr.
Angebote mit Gehaltsang. u. An=
trittstermin
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für täglichen Bedarfsartikel ſof.
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Blumenthalſtr. 41, part., r. (*1784

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z. 15. Febr. eventl. früher oder
ſpäter ein tüchtiges beſſeres
Alleinmädchen
n. unter 20 J., d. gut bürgerl.
kocht u. alle Hausarbeit verſteht,
i. ruhig. klein. Haushalt v. 4 Perſ.
Wäſche wird außerhalb gewaſch.
(1978a
u. gebügelt.
Näheres Friedrichſtr. 14, I.
v. morgens bis nachm. 4 Uhr.

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niſſen
, das ſehr gut nähen und
bügeln kann, geſucht.
Näh. Expedition.
(B2400
Ein tüchtiges
Hausmädchen
das nähen und ſervieren
kann, für ſofort
oder 1. Februar nach
Frankfurt a. M.
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Heinrichſtr. 45. (2396ms

Ein kräftiges, tucht. Mädchen,
welches kochen kann, per 1. Febr.
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(*1768

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Wendelſtadtſtr. 8, 1. Stock. (*1800

Tüchtige, katholiſche Köchin,
1825 Jahre, mit etwas Ver=
mögen
, in Hotel nach Thüringen
geſucht. Spätere Heirat nicht
ausgeſchloſſen.
(*179
Offert. mit Bild unter D 35
an die Expedition ds. Bl.

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Modezeitung geſucht
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Große Ochſengaſſe 18.

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den ganzen Tag geſucht (*1792
Rheinſtraße 17 (Blumenladen

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für Monats=Abſchlüſſe
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für Fabrik, nahe einer gr. Stadt,
Eintritt bald od. ſpäter. Der=
ſelbe
muß praktiſche Erfahrungen
haben, möglichſt gelernter Hand=
werker
ſein, verſtehen erwachſene
u. jugendliche männl. u. weibl.
Arbeiter richtig zu behandeln,
Zucht und Ordnung halten u.
ſelbſt mitarbeiten. Die Frau
könnte evtl. auch angemeſſene
Beſchäftigung finden. Verhei=
ratete
Bewerber, die ähnliche
Stellung ſchon mit Erfolg be=
kleideten
und ſich durch gute
Zeugniſſe ausweiſen können
(nur Abſchriften ſenden!) wollen
ſchriftliches Angebot m. Gehalts=
anſprüchen
, Angaben über Fa=
milienſtand
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Militärverhältniſſe ꝛc. einſenden
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ſieht. Ständiger Bedarf. Garan=
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Fleißiger Mann Geld, zur
Uebernahme einer Fabriknieder=
lage
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wiſchen 3 u. 6 Uhr Blumenthal=
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41, parterre, rechts. (*1783

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ſicherungsgeſellſchaft ſucht einen
geſchäftsgewandten Fachmann,
der namentlich mit der Volks=
verſicherungsbranche
vertraut
ſein muß, als
Inſpektor
zu engagieren. Demſelben obliegt
neben der perſönlichen Akquiſi=
tion
insbeſondere die praktiſche
Einarbeitung u. Ueberwachung
der Organe. Einem wirklich
ſtrebſamen Mann iſt hier Ge=
legenheit
geboten, ſich angenehme
u. dauernde Poſition zu ſichern.
Ausführliche Offerten wolle man
unter L 120 an die Expedition
d. Bl. richten.
2394fi

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Schriftſetzerlehrling mit guter
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Weißbinder= und Malergeſchäft
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zut bewandert iſt. Offerten unter
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per ſofort
Schmiedgehilſe geſucht
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Magdalenenſtr. 11.

Ordentlicher Hausburſche,
nicht über 18 Jahre, geſ. Rhein
(*1732
ſtraße 4, 2. Stock.

Ein ehrlicher, fleißiger junger
Mann, der auch mit Pferden um=
gehen
kann, z. Brotfahren geſucht
(*1737mf
Müllerſtr. 16.

von 1618 Jahr.
Saub. Burſche
geſucht.

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(*1761)

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von 1416 Jahren in die Kellner=
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[ ][  ][ ]

Nummer 20.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 24. Januar 1912.

Seite 9.

KEeiEIZu
TERRTEN.
nur am weissen Turm
Grösstes und elegantestes Lichtspielhaus Hessens.

Heute Erstaufführung
des neuen dänischen Schlagers
Imandu
Tragödie von Lauritz Lauritzen.
Gespielt von dom berühmten dänischen Schauspieler
Herrn Björn Björnson
als Herman
und Fräulein Gerda Christophersen als Miranda.
Spieldauer zirka 1 Stunde.
Nur 3 Tage! : Nur 3 Tage!

(*1795

Hanre Lerers

EAr

Unwiderruflich
nur 3 Tage
am Mittwoch, den 24. Jan.
bis incl. Freitag,
den 26. Januar
Eine Tragödie
aus dem Leben
einer Lehrerin.
Kunſtfilm in 3 Akten
betitelt
Der dunkle Punkt.
Geſpielt von den bei unſeren
Beſuchern durch ihre her=
vorragend
und wahrheits=
GRAFENSTR-12ECKE RHEINSTR. getreue Darſtellung ſo
beliebt gewordenen
Däniſchen Künſtler des Kopenhagener Theaters.
Vorführungsdauer ca. 1¼ Stunde.
Dieſes abwechslungsreiche und in geſchickter Steigerung ſich
immer ſpannender geſtaltende Drama iſt mit einer Dezenz durch=
geführt
, die niemals, auch nur im geringſten anſtößig wirken kann,
aber trotzdem iſt jede Szene inhaltreich und erſchöpfend, mit einem
Wort, immer wieder das beſte, was in dieſer Saiſon zu bieten iſt.
Verſchmäht. Hervorragend gut geſpielte Tragödie einer
Indianer=Prinzeſſin.
Der elektriſche Funke und die elektriſchen Maſchinen. Sehr
belehrend für Schüler der höheren Klaſſen, da alle Experimente, die
man ſich nur denken kann, zur Vorführung gelangen, nicht mit ſchon
hier vorgeführten früheren Films zu vergleichen, vollſtändig neue
Aufnahme.
Die Krankenhilfe der Fiſcher in Island. Gut gelungene
Naturaufnahme. Aufbruch der mediziniſchen Expedition von Dün=
kirchen
zur Hilfe der franzöſiſchen Fiſcher.
Lemke erlernt das Schwimmen. Köſtlicher Humor.
Moritz liebt das Familienleben. Gut Humoriſtiſch.
Willy, der Rollſchuhlehrer.
797

Heute Mittwoch, den 24. Januar 1912,
abends 8 Uhr,
Vortrag des Hochw. Herrn Prof. Schwarz
in der St. Eliſabethenkirche
(2391
Themd. Der Verborgene dotf.

Heute Mittwoch, den 24. Cr., abends 8½ Uhr.,
im Fürstensaale (Grafenstrasse)
Vortrag
des Herrn Generalsekretär Curt Blumenfeld, Berlin
(2446
Thema:
Zionismus oder Assimilation
Um zahlreichen Besuch wird gebeten.

Grammophon-Tanzplatten
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Liebestanz, Two-Step von
Karl Hoschna.
Der Rose Hochzeitszug, Two-
Step von Leon Jessel.
Mariette! Two-Step v. Bosc.
Quellengeister, Two-Step v.
Frederick W. Hager.
Schattenspiele, Two-Step v.
H. Finck.
Danse du Paraguay, Two-
Step von J. Valverde.
Valse boston von Drigo,
arrang. von Th. Lumbye.
Ballgeflüster, Walzer von
Meyer-Helmund.
Tesoro mio! Walzer von
Becucci.
Liebliche Dame in Rot,
Walzer v. Robert Winter-
berg
, arrang. von Mueller-
Melborn
Jolie fleur d’amour, Walzer
von Christiné.
Troika, Walzer von G. de
Bottari, arr. v. P. Körke.
Zuider Zee, Walzer von W.
J. Paans.
Reviens! Walzer v. Fragson
und Christiné.
Liebchen! lass uns tanzen!
Walzer von Jean Gilbert.
Walzer aus Der Graf von
Luxemburg, von Lehär.
Idylle Passionelle, Walzer v.
Georges Razigade.
Valse Brune (Boston) von
Georges Krier.
Rose mousse, (Moosröschen-
Walzer von Bosc.
Fascination, Walzer von
Marchetti.
Schatzwalzer von Strauss.
Immer oder nimmer, Walzer
von Waldteufel.
Verschmähte Lie be, Walzer
von P. Lincke.
Gold und Silber, Walzer v.
Lehär.
Schattenspiele, Two-Step v.
H. Finck.
Mary, Two-Step von Neil
Moret.
Die Parade der Zinnsoldaten,
Two-Step von Jessel.
Aufzug der Stadtwache,
Two-Step von Jessel.
Lachende Liebe, Two-Step
von Christiné.
Liebestanz, Two-Step von
Karl Hoschna.

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angenommen Fr. Thumm,
Pallaswieſenſtr. 35, I. (*1793ms

s drängt mich, den Wählern des Wahlkreiſes
Darmſtadt-Groß=Gerau, welche mir ihre Stimme
gegeben haben, wärmſten Dank zu ſagen. Weiter
ſage ich herzlichen Dank den Parteien und Kor=
porationen
der Rechten, welche auf eigene Kandidaten
verzichtend, direkt für meine Wahl eingetreten ſind,
ebenſo denjenigen Mitgliedern der Fortſchrittlichen
Volkspattei, welche ſich für mich entſchieden haben.
Zugleich danke ich auch ganz beſonders herzlich den
Freunden der nationalliberalen Sache in Stadt und
Land, welche in treueſter Arbeit und mit größter
Opferwilligkeit in der Agitation gewirkt und geſtritten
haben.
(2401

Dr. Osann,
Landtagsabgeordneter.

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25. Januar

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Volksvorſtellung zu erm. Preiſen.
Glaube und Heimat.
Die Tragödie eines Volkes (3 Akte)
von Karl Schönherr.
Spielleitung: Oberregiſſ. Valdek.
Perſonen:
Chriſtof Rott . . Hr. Baumeiſter
Rott Peter . . Hr. Weſtermann
Der Alt=Rott . . Hr. Wagner
Die Rottin.
. Frl. Alſen
Der Spatz, ſ. Sohn Frl. Gothe
Die Mutter der
Rottin . . . . Fr. Scherbarth
Der Sandperger
. Hr. Semler
zu Leithen
Die Sandpergerin Frl. Heumann
Der Unteregger Hr. Riechmann
Der Englbauer v.
der Au
. Hr. Jürgas
Ein Reiter des
Kaiſers
Hr. Heinz

Der Gerichts=
ſchreiber

Der Bader
Der Schuſter
Der Keſſelflick=
Wolf.
Das Straßen=
trapperl
.
Ein Soldat
Ein Trommler

Hr. Jordan
Hr. Weiß
Hr. Peterſen
Hr. Speiſer
Frl. Grünberg
Hr. Kräger
Hr. Klotz

ehrock, Frack u. Smoking= An=
züge
zu verleihen u. zu verkauf.
93a)
Soderſtraße 14, 1. St.

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zu dem am Mittwoch, den
24. Januar, von 121 Uhr mit=
tags
vor dem Neuen Palais ſtatt=
findenden
Konzert der Kapelle
Inf.=(Leibgarde=)Regts. Nr. 115.
1. Germania=Marſch von G. Keil.
Ouverture, komponiert von
Friedrich dem Großen (zur 200.
Wiederkehr des Geburtstages des
Komponiſten). 3. Fantaſie aus
Hänſel und Gretel von E. Hum=
perdinck
. 4. Wotans Abſchied und
Feuerzauber aus Die Walküre‟
von R. Wagner. 5. Die Werber,
Walzer von Joſeph Lanner.
6. Steieriſche Gebirgsklänge‟
Marſch von E. Wagnes.

Spielt zur Zeit der Gegenrefor=
mation
in den öſterr. Alpenländ.
Nach dem 2. Akte längere Pauſe.
Preiſe der noch vorhan=
denen
Plätze: Proſzeniums=
loge
2 Mk., Fremdenloge 2 Mk.,
Balkonloge 2 Mk., 1. Rang 2 Mk.
Sperrſitz 1.50 Mk.
Anfang 7½ Uhr. Ende 9½ Uhr.
Kartenverk. v. 111 u. v. 6½ Uhr an.
Vorverkauf
von 111 Uhr f. d. Vorſtellungen:
Donnerstag, 25. Jan. 99. Ab.=V.
A. 26. Zum erſten Male: Gu=
drun
. Ein Trauerſpiel in fünf
Akten von Ernſt Hardt. Große
Preiſe. Anfang 7 Uhr.
Freitag, 26. Jan. 100. Ab.=V.
B 26. Was Ihr wollt.
Kleine Preiſe. Anfang 7½ Uhr.
Samstag, 27. Jan. 101. Ab.=V.
D 25. An Mozart’s Geburtstag.
Feſtvorſtellung zur Feier d. Aller=
höchſten
Geburtsfeſtes Sr. Maj.
des Deutſchen Kaiſers. Figa=
ro’s
Hochzeit. Vorher: Ju=
bel
=Ouvertüre, Kl. Preiſe.
Anfang 7 Uhr.
Die Hoftheater=Hauptkaſſe iſt
an allen Wochentagen, vorm.
von 1012½ Uhr, geöffnet.

[ ][  ][ ]

Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 24. Januar 1912.

Nummer 20.

ee
Heiserkeit, Verschleimung, Magen-
& säure Influenza u. Folgezustände.
Überall erhältlich in Apotheken. Drogen und
Mineralwasser-Handlungen.

Landwirtſchaftliches.

Kurzer Getreide=Wochenbericht
der Preisberichtſtelle des Deutſchen Landwirtſchaftsrates
vom 16.22. Jan. 1912.
Die Aufwärtsbewegung auf dem Getreidemarkt hat
in der Berichtswoche weitere Fortſchritte gemacht, wobei
die Anregung in der Hauptſache von der feſten Situation
für Futterartikel ausging. Die ohnehin ſchon ungewöhn=
lich
hohen Preiſe für ruſſiſche Futtergerſte haben weiter
ſcharf angezogen, und man kann die ſeltene Beobachtung
machen, daß die Cif=Forderungen für dieſen Artikel ſich
um zirka 8 bis 10 Mark höher ſtellen, als für den an ſich
iſchon teuren ruſſiſchen Roggen. Der Umſtand, daß auch zu
den ſo geſtiegenen Preiſen nur wenig ruſſiſches Angebot
herauskommt, deutet darauf hin, daß die Ware dort tat=
ſächlich
knapp iſt, was ſich übrigens in den geringen Ver=
ſchiffungen
der letzten Wochen zum Ausdruck bringt. Den
infolgedeſſen geringeren Zufuhren in den deutſchen Häfen
ſteht andauernd ein ſtarker Bedarf gegenüber, ſo daß für
bald greifbare Ware in den letzten Tagen Preiſe von
1.60 Mark eif Hamburg bewilligt wurden. Angeſichts der
hohen Gerſtenpreiſe wendet ſich das Intereſſe in ſtärkerem
Maße dem Mais=Angebot zu, und da ſich auch zu Brenn=
zwecken
vermehrte Nachfrage bemerkbar machte, ſo geſtal=
tete
ſich das Geſchäft bei um 35 Mark geſteigerten Pei=
ſen
ziemlich lebhaft. Die Knappheit des inländiſchen
Hafer=Angebots hat auch für dieſen Artikel zu einer wei=
teren
Erhöhung der Preiſe geführt. Der Konſum kauft
zwar nur vorſichtig, iſt aber ſchwach verſorgt und muß
die Forderungen bewilligen. Rußland iſt kaum im
Markte, Argentinien hielt auf höhere Forderungen. Die
hohen Preiſe für ſämtliche Futterartikel bringen es mit
ſich, daß viel Roggen von den Landwirten zu Futter=
zwecken
zurückgehalten wird. Berückſichtigt man außer=
dem
, daß bereits ſieben Monate ſeit der Ernte verfloſſen
ſind, in denen der Verbrauch lediglich auf das eigene Pro=
dukt
angewieſen war und viel Material vom Export in
Anſpruch genommen wurde, ſo erſcheint die Schwäche des
inländiſchen Angebots durchaus begreiflich. Die Mühlen
griffen allgemein ſtärker zu, während Abgeber im Liefer=
ungsgeſchäft
ſehr vorſichtig waren. Für Weizen wirkten
höhere Auslandsforderungen, ſowie der andauernde

Eiſenbahnerſtreik befeſtigend. Kleine Weltverſchiffungen,
knappes Inlandsangebot und andauernde Nachfrage zum
Export, namentlich für italieniſche Rechnung, beeinfluß=
ten
die Tendenz in gleicher Richtung, indes vermochten
ſich die Höchſtpreiſe der Woche angeſichts der milder ge=
wordenen
Witterung nicht zu behaupten. Es ſtellten ſich
die Preiſe für inländiſches Getreide am letzten Markttage
wie folgt:

Weizen
Roggen
Hafer
161 (*2 ) 194
Königsberg. . 210
186 (*2½) 194 (F
Danzig
.212
210 (* 3 ) 188 (*3 ) 199
Stettin
181
Poſen
)189
.204
184 (*3 ) 191
.205
Breslau
195 (*5½) 208
214
Berlin
185 (41 ) 205
Magdeburg .205
193 (*3 ) 212 (43
Halle
.209
193
Leipzig
.207
213 (*
212
193
.212
Dresden

188 (*2 ) 195
.210
4 )
Roſtock
210 (*7
192
.210 (* 1
Hamburg
193 (*
)210 (*3
.206
Hannover
197 (*1 ) 198 (*4
.214
2
Köln
207½ (42½
200
Frankfurt a. M. 220
Mannheim . . 227½ (4
202½ (*2½) 205
Straßburg . . 227½ (* 2½) 205
215. (* ½)
215
München . . 234
210 (*3
Weltmarktpreiſe: Weizen: Berlin Mai 219 (P 1,50),

Peſt April 201,90 (* 2,60), Liverpool März 173,10
(*3,30), Paris Jan. 220,95 (P 5,70), Chicago Mai 155,65
(*1,35), Roggen: Berlin: Mai 198,25 (* 2). Hafer:
Berlin Mai 195,75 (* 2). Futtergerſte cif. Hamburg
ſchwim. 158 (* 6,75), Jan. 158,25 (7), Febr.=März
158,50 (*-7). Mais Mixed Jan.=März 136 (3,50),
Odeſſa ſchwim. 138 (4), Donau März=April 135
(5), La Plata Mai=Juni 123 (3) Mark.

Nachrichten des Standesamts Darmſtadt I.

Geöffnet an Wochentagen von 9 12 Uhr vorm. und
3 5 Uhr nachmittags. Samstags nachmittags nur für
dringende Falle und Sterbefallsanzeigen.
Geborene. Am 16. Januar: Dem Kaufmann Bern=
hard
Keil, Mollerſtraße 43, eine T. Katharina Marga=
reta
. Am 14.: dem Kernmacher Wilhelm Gehbauer,
Neue Ireneſtraße 19, eine T. Sophie. Am 18.: dem Inge=
nieur
Wilhelm Höh, Viktoriaſtraße 85, ein S. Kurt.
Dem Filialleiter Valentin Brunnengräber, wohn=
haft
in Frankfurt a. M., Ohmſtraße 35, eine Tochter,
Grafenſtraße 9, hier. Dem Schuhmacher Paul Hentſchel,
Luiſenſtraße 32, ein S. Willi. Dem Geflügel=
händler
Leonhard Schröder, Karlſtraße 26,

eine T. Magdalena. Am 14.: dem Wachtmeiſter im
Garde=Dragoner=Regiment Nr. 23 Heinrich Ahrens,
Marienplatz 1, ein S. Heinrich Franz Friedrich. Am 21.:
dem Schloſſer Georg Jung, Müllerſtraße 9, ein S. Wil=
helm
. Am 16.: dem Bierbrauer Joſeph Schmiedberger,
Rößlerſtraße 83, eine T. Emilie Anna. Am 18.: dem
Stadtbauführer Karl Winter, Arheilgerſtraße 4, ein S.
Erwin Waldemar Kurt. Dem Trödler Adolf Wolf, ge=
rufen
Max, Schnitzer, Schloßgaſſe 29, ein S. Moritz.
Am 22.: dem Telegraphenhilfsmechaniker Wilhelm
Schmidt, Liebigſtraße 5, ein S. Hans Walter. Am 17.:
dem Schloſſer Heinrich Kern, Müllerſtraße 31, eine T.
Marie Eliſabeth. Am 18.: dem Maſchinenwärter Fried=
rich
Weltmann, Feldbergſtraße 70, ein S. Friedrich
Heinrich. Dem Schuhmacher Emil Späth, Schloß=
gartenſtraße
49, eine T. Luiſe Minna.
Aufgebotene. Am 18. Januar: Bankbeamter Hubert
Edmund Palm, Rheinſtraße 15, mit Anna Kiefer,
Steinſtraße 5. Am 19.: Schloſſer Eduard Vierheller,
Traiſa, mit Dienſtmagd Marie Katharine Hunleth,
Wilhelminenſtraße 15. Former Johannes Lehr, Feld=
bergſtraße
105, mit Hildegard Margaretha Eva
Wilhelmine Gaiſer, Heidelbergerſtraße 27. Bäcker
und Konditor Joſeph Krug, Rundeturmſtraße 15, mit
Dienſtbote Anna Babette Kirchner, Landwehrſtraße 1½.
Am 20.: Käſehändler Auguſt Fendt, Altheim, mit
Waſchfrau Maria Chriſt, Witwe, hier. Landwirt
Andreas Philipp Kleiß, Bruchenbrücken, mit Emma
Margaretha Dörr, Bönſtadt. Am 22.: Garde= Unter=
offizier
Ernſt Wilhelm Ludwig Rothermel, hier, mit
Anna Eliſabetha Wagner, Biebesheim. Landwirt Va=
lentin
Rothermel IV., Hähnlein, mit Margareta
Grieſer, Linnenbach. Fabrikarbeiter Peter Stein
mit Barbara Laun, beide in Ginsheim. Spenglergehilfe
Hermann Kurt Wohlrabe mit Marie Kluger, beide
in Wiesbaden.
Eheſchließungen. Am 20. Januar: Miniſterialreviſor
Ludwig Zimmermann mit Bertha Scheich, beide
hier. Mechaniker Philipp Sattler mit Verkäuferin Jo=
hanna
Götz, beide hier. Vizefeldwebel Valentin
Fuchs, hier, mit Eliſe Heckelmann in Kaltenholz=
hauſen
.
Geſtorbene. Am 18. Januar: Privatier Georg Wolf,
72 J., ev., Kahlertſtraße 7. Verkäuferin Dorothea Luiſe
Marie Barth. 49 J., Mollerſtraße 32. Am 19.: Jakob
Wilhelm Fiſcher, 17½ Stunden, ev., Ireneſtraße 23.
Am 22.: Hildegard Metzger, Tochter des Gärtners, 1 J.,
ev., Große Kaplaneigaſſe 18. Am 20.: Gertrude Müller,
geb. Schmidt, Witwe des Taglöhners, 54 J., ev., Sprend=
lingen
. Am 21.: Erika Mathilde Auguſte Friede=
ike
Ella Becker, Tochter des Großh. Direktors der
Erſten Kammer der Stände, 4 J., ev., Roßdörferſtraße 85.

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kennen z. lernen. Aelt. Herren nicht
ausgeſchl. Briefe erb. u. C45 a. d.
Exp. bis 1. Feb. Anon. zweckl. (*1754

Srl., 20 J., 2. 0,000 M. bar, Witwe,
7 27J., 20000 M. bar, w. ſich ſchnell z.
verh. Herren a. oh. Verm. Brief an
Fr. Aug. Scoth, Berlin SW. 61. (*1747msm

geſetzt. Alt, angenehm.
Fräulein, Aeuß., möchte gerne m.
ält., beſſ. Herrn in Verbind. treten,
zwecks Heirat. Vermittl. verbeten.
Offert. u. D 21 an die Exp. (*1726

Mtädchen, 34J., ev., 4000 Mk., etwas
Aſchief, durchaus häusl. u. tücht.,
ſ. angenehm. Charakt., ſ. ſolid. Arbeit.
zu heirat. Frau Schäfer, Worms
a. Rh., Burkardſtr. 23, p. (*1787

Fehrer, ev., 29 Jahr, ſucht paſſende
* Heirat. Hyp.= u. Immobilien=
geſchäft
Frau Schäfer, Worms a. Rh.,
Burkardſtraße 23.
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[ ][  ][ ]

Nummer 20.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 24. Januar 1912.

Seite 11.

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.

Gefunden: 1 Damenportemonnaie mit Inhalt. 1 goldenes
Medaillon mit Herrenphotographie. 1 Federfächer. 1 Indianer=
Federkopfſchmuck für Kindermasken. 1 Damen=Silbergürtel. 3 ſchw.
Samtgürtel. 1 kl. dunkelgr. Portemonnaie mit Inhalt. 1 kleines
Kinderportemonnaie mit einigen Pfennigen. 1 kl. Perlmutt= Taſchen=
meſſer
. 1 blauer Kinderhandſchuh. 1 kleiner ſchwarzer Kindermuff.
1 ſilberne Damenuhr. 1 altes Koppel.
(2402
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde. In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Boxer. 1 Foxterrier, 2 Dobermann, 1 Kriegshund ( zu=
gelaufen
). Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=
Revier ausgelöſt werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde
findet dortſelbſt jeden Werktaa, vormittags um 10 Uhr, ſtatt. (2389

Holzanfuhr-Vergebung.

Die Anfuhr des diesjährigen Holzbedarfs in den Großherzog=
lichen
Holzhof dahier, beſtehend in:
150 rm Buchen=Scheiter,
650 Buchen=Knüppel,
7 Kiefern=Scheiter,
ſoll auf dem Submiſſionswege in 4 Loſen an die Wenigſtfordernde
vergeben werden.
Von dem Holz werden 100 rm Buchen=Scheiter und 450 rm
Buchen=Knüppel aus den Domanialwaldungen Großh. Oberförſterei
Beſſungen, 50 rm Buchen=Scheiter, 200 rm Buchen=Knüppel und
7rm Kiefern=Scheiter aus den Domanialwaldungen Großh. Oberförſterei
Ober=Ramſtadt entnommen. Die Submiſſionsforderungen ſind ver=
ſchloſſen
und mit entſprechender Aufſchrift verſehen bei unterzeich=
neter
Stelle (Geſchäftszimmer Großh. Oberförſterei Beſſungen), von
welcher auch über die Akkordbedingungen und die Zuſammenſetzung
der einzelnen Loſe Auskunft zu erhalten iſt, bis ſpäteſtens Montag,
29. ds. Mts., vormittags 9 Uhr, ſchriftlich einzureichen, um welche
Zeit deren Eröffnung in Gegenwart etwa erſchienener Submittenten
erfolgen wird.
(2357ms
Darmſtadt, den 22. Januar 1912.
Großherzogliche Holzmagazins=Verwaltung.
Heinemann, Geh. Forſtrat.

Brennhor=Verſteigernag Nr. C.
(Stadtwald.)
Freitag, den 26. Januar l. Js., vorm. 9 Uhr,

werden in der Turnhalle (Woogsplatz 5) hier aus dem Diſtrikt
Dachsberg, Abt. 31 und 32 der Forſtwartei Beſſunger Laubwald
(Förſter Lehr) verſteigert:
Scheiter:
132 rm Buche; 3 rm Eiche,
Knüppel:
216 rm Buche; 30,2 rm Eiche,
Reiſigknüppel:
rm Eiche,
Stöcke (grob):
rm Buche; 5 rm Fichte.
Das Holz trägt die laufenden Nummern von 559 bis 764.
Unterſtrichene Nummern kommen nicht zum Ausgebot. Um vorherige
Einſicht wird gebeten.
Darmſtadt, den 18. Januar 1912.
(2124sm
Großherzogliche Oberförſterei Darmſtadt.
Kullmann.

Breunholz=Verſteigerung Nr. 9.
(Stadtwald.)

Montag, den 29. Januar l. Js., vormittags 9 Uhr,
werden in der Turnhalle (Woogsplatz 5) hier verſteigert:
I. Aus der Forſtwartei Beſſunger Tanne‟ (Forſtwart Geriſch)
das im Diſtrikt Texas, Abt. 41 und 43 ſitzende Holz mit den laufen=
den
Nummern 164 bis 415, ſowie das Dürr= und Windfallholz aus
verſchiedenen Diſtrikten mit den laufenden Nummern 416 bis 544,
und zwar:
Kiefern: 99 rm Scheiter, 180 rm Knüppel, 142 rm Reiſigknüp=
pel
und 100 rm Stöcke (grob);
Hainbuche: 100 Wellen Reiſig.
II. Aus der Forſtwartei Städtiſche Tanne (Forſtwart Ahl=
heim
) das Dürr= und Windfallholz aus verſchiedenen Diſtrikten mit
den laufenden Nummern 151 bis 320, ſowie das Holz aus Durch=
forſtung
im Diſtrikt Bürgerſchlag, Abt. 32, mit den laufenden Num=
mern
321 bis 434:
Kiefern: 178 rm Scheiter, 177 rm Knüppel, 60 rm Reiſigknüp=
pel
, 42 rm Stöcke (grob) und 53 rm Stöcke (fein.
In beiden Forſtwarteien kommen unterſtrichene Nummern
nicht zum Ausgebot. Um vorherige Einſicht wird gebeten.
Weitere Brennholz=Verſteigerungen finden in der Tanne nicht
mehr ſtatt.
Darmſtadt, den 20. Januar 1912.
(2383ms
Großherzogliche Oberförſterei Darmſtadt.
Kullmann.

Holzverſteigerung.
Mittwoch, den 31. Januar, vormittags ½9 Uhr,

wird in der Brücher’ſchen Wirtſchaft zu Arheilgen das Brennholz
von dem Abtrieb in Diſtrikt Niederes Hirtenhäuſer Heegſtück 20
(zwiſchen Dreiſchläger Allee und Erzhäuſer Weg), Forſtwartei Kalk=
ofen
verſteigert:
Scheiter rm: 154 Buchen I. Kl., 139 Buchen II Kl.,
49 Eichen II. Kl.; Knüppel rm: 135 Buchen, 25 Eichen;
Reiſig, Wellen: 8560 Buchen, 100 Eichen; Stöcke, rm:
157 Buchen, 15 Eichen.
Der Schlag iſt ca. 2 km von der Frankfurterſtraße entfernt.
Blau unterſtrichene Nummern werden nicht verſteigert. Auskunft
erteilt Förſter Loeſch, zu Kalkofen, Poſt Darmſtadt.
Darmſtadt, 23. Januar 1912.
Großherzogliche Oberförſterei Kranichſtein.
van der Hoop.
(2412

Holz-=Verſteigerung.
Mittwoch, den 31. Januar, von vormittags
10 Uhr an.

werden im Georgenhäuſer Gemeindewald folgende Holzſorti=
mente
verſtelgert:
6 Eichen=Stämme 6,63 fm, 2 Hainbuchen=Stämme 0,56fm,
12 Fichten=Stämme 2,39 fm, 5 Fichten=Derbſtangen
0,39 fm, 5 rm Hainbuchen=Rundſcheit 3,05 fm.

Brennholz.
Scheiter, rm: 17 Buchen, 36 Eichen=Knüppel, 28 Buchen,
29 Eichen, 1 Erlen, 1 Fichten; Wellen: 725 Buchen, 150 Eichen;
(2382md
Stöcke, rm: 16 Buchen, 22 Eichen.
Die Zuſammenkunft iſt bei Herrn Gaſtwirt Schneider bei
Station Meſſel.
Georgenhauſen, den 23. Januar 1912.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Georgenhauſen.
Lehr.

P10 Deutsche Reichsanteine und
4% Preussische Konsols
beide Anleihen unkündbar bis 1918
werden am 29. Januara. C. zum Course von 101.40%
zur öffentlichen Zeichnung aufgelegt. Zeichnungen übernehme ich zu den
Bedingungen des Prospektes spesenfrei.
(2411mf
Hermann Wertheim, Filiale Darmstadt,
Bankgeschäft.

Holzverſteigerung.
Montag, den 29. Januar I. J., vorm. von 9 Uhr an

ſollen in der Schneider’ſchen Gaſtwirtſchaft in Nieder=Ramſtadt
aus den Diſtrikten Kirchberg und Weinwegteil verſteigert werden:
Scheiter rm: 141 Buchen, 31 Eichen, 2 Birken, 8 Kiefern;
Knüppel rm: 120 Buchen, 14 Eichen, 1 Aſpen, 2 Kiefern, 2 Lärchen,
11 Fichten; Reiſig H. W.: 79 Buchen, 2,5 Eichen, 1,5 Kiefern, 8,5 Fich=
ten
; Stöcke rm: 58 Buchen, 10 Eichen, 7 Kiefern, 1 Lärchen.
Die Verſteigerung erſtreckt ſich auf die Nummerfolge 1418.
Das mit F gezeichnete Holz kommt nicht zum Ausgebot.
Ober=Ramſtadt, den 17. Januar 1912.
(2380
Großh. Oberförſterei Ober=Ramſtadt.
Daab.

Stamm= und Brennholz=Verſteigerung.

In den Waldungen der Gemeinde Ober=Ramſtadt werden an
Ort und Stelle verſteigert:
Mittwoch, den 24. u. Donnerstag, den 25. Jan. l. J.
im Diſtrikt Griesbach 29 Eichen=Stämme von 1733 cm mittlerer
Durchmeſſer, 816 m Länge, 10 Buchen=Stämme von 3444 cm
mittlerer Durchmeſſer und 410 m Länge.
Ferner 752 rm Buchen= und 10 Eichen=Scheiter, 184 rm Buchen=
und 14 Eichen=Knüppel, 135 rm Buchen= und 10 Eichen=Stöcke.
Am erſten Tage kommt das Stamm= und Brennholz bis zur
Nummer 460 zur Verſteigerung.
Die Zuſammenkunft iſt an beiden Tagen jedesmal um ½10 Uhr
auf dem Waſchenbach-Ober=Ramſtädter Weg.
Ober=Ramſtadt, den 12. Januar 1912.
(2354im
Großherzogliche Bürgermeiſterei Ober=Ramſtadt.
Rückert.

Kohlenlieferung.
Donnerstag, den 1. Februar 1912, vorm. 11 Uhr,

wird auf dem Rathauſe zu Pfungſtadt die Lieferung von Kohlen,
25 Waggons Nuß I und 50 Waggons Nuß II für das Städtiſche
Elektrizitätswerk auf dem Submiſſionswege vergeben.
Bedingungen liegen bei uns offen und werden auf Anfordern
zugeſandt. Es kommen hauptſächlich Saarkohlen in Betracht.
Pfungſtadt, den 15. Januar 1912.
(2386fI
Großh. Bürgermeiſterei Pfungſtadt.
Lang.

Maßnahmen gegen die
allgemeine Teuerung.
Mittwoch, den 24. Januar,
abends 8½ Uhr,

wird Herr Oberſtleutnant von
Gerhardt im Auftrag des Deut=
ſchen
Seefiſcherei=Vereins im
ſtädtiſchen Saalbau ( Garten=
ſaal
) einen Vortrag halten über:
Seefiſche als
Volksnahrungsmittel.
Alle Intereſſenten ſind freund=
lichſt
zur Teilnahme an dem Vor=
trag
eingeladen. Der Eintritt iſt
frei.
(2210sm
Darmſtadt, 18. Januar 1912.
Großh. Bürgermeiſterei Darmſtadt.
J. V.: Mueller.

Bekanntmachung.
Mittwoch, 14. Februar 1912,
vormittags 10 Uhr,

ſoll die den Leonhard Treuſch Ehe=
leuten
zu Darmſtadt gehörige Lie=
genſchaft
:
Flur Nr. qm
XIII 199 2275 Acker im
Straßen=
garten
,
in unſerem Geſchäftszimmer, Witt=
mannſtraße
1, zwangsweiſe verſtei=
gert
werden.
Die Genehmigung der Verſteige=
rung
wird auch dann erfolgen, falls
ein der Schätzung entſprechendes
Gebot nicht eingelegt wird und
andere rechtliche Hinderniſſe nicht
entgegenſtehen.
Darmſtadt, 22. Januar 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II
(Beſſungen).
Frantz. (V2379

Garde=Dragoner=
Regiment
(1. Großh. Heſſ.) Nr. 23.

J.=Nr. 206.
Der Dragoner Willy Nauheim
der 4. Eskadron, welcher vom Ur=
laub
nicht zurückgekehrt war, iſt
aufgegriffen und zu ſeinem Trup=
penteil
zurückverbracht worden.
Die gegen denſelben erlaſſenen
Steckbriefe, bezw. die angeſtellten
Recherchen werden zurückgenom=
(2428
men.
Darmſtadt, 22. Januar 1912.
von der Schulenburg,
Oberſt
und Regiments=Kommandeur.

Bekanntmachung.

Die Firma Chemiſche Fabrik
Hillmann & Co. in Höchſt a. M.
hat ihren Sitz nach Pfungſtadt
verlegt. Die Geſellſchafterin Frl.
Eliſabethe Hillmann iſt aus der
Firma ausgeſchieden und wird
nunmehr das Geſchäft von der
weiteren Geſellſchafterin Frau
Anna Lina, geb. Jacobi, verwit=
wete
Hermann Hillmann, und nun=
mehrige
Ehefrau des Chemikers
Albin Johannes Kieſewalter in
Pfungſtadt, als Einzelkaufmann
unter der ſeitherigen Firma wei=
tergeführt
. Aktiven und Paſſiven
des Geſchäfts ſind von der Frau
Kieſewalter mitübernommen.
Eintrag in das Handelsregiſter
iſt heute erfolgt.
(2439
Darmſtadt, 20. Januar 1912.
Großherzogliches Amtsgericht II.

Konkursverfahren.

Das Konkursverfahren über das
Vermögen der Firma Dampf=
ziegelei
Eberſtadt, G. m. b. H.,
auf der Morr ach bei Eberſtadt,
wird nach erfolgter Abhaltung des
Schlußtermins hierdurch aufge=
(2440
hoben.
Darmſtadt, 20. Januar 1912.
Großherzogliches Amtsgericht
Darmſtadt II.

Aufforderung.

Die Schülerinnen der verſtorbe=
nen
Muſiklehrerin Fräulein J.
Nonnemacher werden gebeten,
rückſtändige Stundengelder an den
Unterzeichneten binnen 14 Tagen
zu entrichten.
(*1500sm
Forderungen an dieſelbe ſind
benfalls wegen Regulierung des
Nachlaſſes bei dem Unterzeichneten
anzumelden.
Darmſtadt, 19. Januar 1912.
E. Bender, Hügelſtr. 9.

Bekanntmachung.
(Stadtwald.)

Wir geben Fichtenſchmuck=
Reiſig für Kaiſers Geburtstag
durch Forſtwart Hofmann ( Hirſch=
köpfe
) ab.
(2125sm
Darmſtadt, 17. Januar 1912.
Großh. Oberförſterei Darmſtadt.
Kullmann.

Ein Gehrock mit Weſte, mitl.
Figur, gut erh., billig zu ver=
kaufen
Schulſtr. 13 II. (*1762

Pferde=Verkauf.
Freitag, 26. Januar 1912,
vormittags 10 Uhr,
werden auf dem Hofe der Kaſerne
in Darmſtadt, Eſchollbrückerſtraße
Nr. 24, eine zum Militärdienſt
nicht geeignete, ſonſt aber geſunde
Zugremonte, ſowie ein überzäh=
liges
Dienſtpferd öffentlich meiſt=
bietend
gegen Barzahlung ver=
ſteigert
.
(2392
Darmſtadt, 22. Januar 1912.
Train=Bataillon Nr. 18.

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[ ][  ][ ]

Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 24. Januar 1912.

Nummer 20.

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375
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443
515
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Gew=
Nr.

15
(34
13
35

Los=Nr.

60
672
723
834
849
881
1005
1008
1116

Gew.
Nr.

29
14
26
20

Los=Nr.

1170
1252
1427
1453
1488
1558
1604
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[ ][  ][ ]

von

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 24. Januar 1915.

Seite 14.

2

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Gräfin Laßbergs Enkelin.
Roman von Fr. Lehne.
(Nach.
Jnboten.)
32)

Ich warne dich, Konſtanze! ſagte dieſer. Halte dich
ein wenig fern von Baron Brücken, komm ihm nicht ſo
entgegen!
Sie fuhr auf, dunkelrot werdend. Das tue ich nicht!
Nach meinem Gefühl tuſt du es wohl und nicht du
allein biſt es. Sah er Yvonne bei dieſen Worten nicht
ſcharf an? Ach nein, das war doch Zufall. Nicht du allein,
Konſtanze, auch andere! Von einem hübſchen, glatten Ge=
ſicht
und einigen wohlgedrechſelten Phraſen laßt ihr Mäd=
chen
euch gar zu leicht betören dazu kommt der bunte
Roch nach dem Kern ſeht ihr nicht.
Was haſt du nur gegen Baron Brücken, Lothar? Er
hat dir doch nichts getan!
Ich hab’ nichts gegen ihn, er iſt mir gleichgültig! Nur
möchte ich nicht, daß du ſo häufig mit ihm geſehen wirſt;
auch wünſche ich ihn nicht als ſtändigen Gaſt unſeres, mei=
nes
Hauſes! Haltet euch zurück! Er ſteht in keinem beſon=
deren
Ruf; er iſt ein leichtſinniger Schuldenmacher, Spieler
und hat außerdem zarte Bande mit der bekannten Brettl=
diva
Lillian Morton angeknüpft, die ihm viel Geld koſtet!
So, nun weißt du es!
Es iſt eigentlich kein Thema für junge Mädchen; aber
es iſt beſſer, du biſt orientiert!
Findeſt du das ſo ſchlimm, daß man ihm quaſi deshalb

dis Gns derdiein nhſief ſangte Kanſange herons=
fordernd
. Tue nur nicht ſo, du ſtrenger Tugendheld! Ihr
alle
Bitte, Konſtanze, behalte deine Anſichten lieber für
dich! entgegnete er ſehr ſcharf. Er ſah jetzt auf Yvonne,
die ſeine Worte merkwürdig erregt haben mußten. War
ihr Geſichtchen nicht wie in Schreck erſtarrt? Blickten ihre
Augen nicht angſtvoll auf ihn? Zitterte ſie um den
anderen? Hatte dieſer Menſch ’s ſchon verſtanden, in ſo
kurzer Zeit das unſchuldige Mädchen zu betören? Ein un=
bändiger
Zorn erfaßte ihn.
Er hatte wohl richtig geſehen vor wenig Tagen erſt
Yvonne und Baron Brücken zuſammen in angelegent=
licher
Unterhaltung. Er war ihnen unbemerkt nachgegangen,
hate von weitem beider Abſchied beobachtet, wie der junge
Offizier die kleine Mädchenhand ſo feſt und lange in der
ſeinen gehalten. Und dann war er ihm nachher begegnet
ein zufriedenes Lächeln auf dem leichtſinnigen Geſicht!
Seit jenem Tage war er von Zweifeln zerriſſen. Sollte
er ſich ſo gänzlich in Yvonne getäuſcht haben? Vielleicht
war dieſes Zuſammentreffen nur Zufall geweſen ſie
hatten ſich ja perſönlich kennen gelernt. Und dann gleich
dieſe große Vertraulichkeit?
Am nächſten Empfangstage ſeiner Stiefmutter nahm
er teil.
Es traf ſich günſtig; am Nachmittag war er beim Arzt
geweſen, und jetzt wollte er ſehen, wer eigentlich alles in
ſeinem Hauſe ein und aus ging. Und das heimliche, un=

eingeſtandene Belinigen, ulbſe, 5 Paten Briten and
kommen und wie er ſich gegen Yvonne verhalten würde,
das erfüllte ihn auch.
Nur wenige der Gäſte waren ihm bekannt. Es war ein
lebhaftes, angeregtes Leben und Treiben, ein Lachen und
Plaudern, ein Kommen und Gehen, ein Sichbegrüßen und
Necken alles atmete Heiterkeit und Lebensfreude nur
er mit ſeinem Ernſt und ſeinen Sorgen paßte nicht hier
hinein.
Yvonne reichte Tee, Gebäck, Likör herum. Heimlich be=
obachtete
er ſie. Mit welch ruhiger Anmut und Sicherheit
ſie ſich bewegte, wie zurückhaltend und vornehm ſie gegen
die Herren war, denen ſie Getränke ſervierte. Sie igno=
rierte
vollkommen die mehr oder weniger faden Schmeiche=
leien
, die ihr bei dieſer Gelegenheit wurden und die er
größtenteils hörte. Ein leiſes, überlegenes Lächeln, das
ihre Mundwinkel herabzog, war die ganze Antwort. Sie
war unnahbar und zeigte die vollendete Sicherheit der
großen Dame.
Endlich kam Lutz von Brücken. Schlank, elegant, bild=
hübſch
war er. Einige Freundinnen Konſtanzes und dieſe
ſelbſt umringten ihn lächelnd. Spät kommt Ihr doch Ihr
kommt!
Beteuernd legte er die Hand aufs Herz.
Der weite Weg, der ſtrenge Dienſt entſchuldigen mein
Säumen! Ich lege mich den Damen zu Füßen!
Ach was, Brücken will Eindruck ſchinden! Kennt man.
kennt man! rief ein junger Allelleor. Broſt, Brückenl,

[ ][  ][ ]

Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 24. Januar 1912.

Nummer 20.

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Mit Lutz war doppeltes Leben und Scherzen eingekehrt;
für jeden hatte er ein paſſendes Wort! Ja, das war derſelbe
übermütige Lutz, dem immer ſchon, wohin er kam, die
Geiſter der Langeweile weichen mußten und doch fehlte
dieſer Luſtigkeit die echte, innere Fröhlichkeit. Sie war
laut, lärmend, mit einem fremden Ton darin, der Yvonne
auffiel; ſie kannte den Lutz der Jünglingsjahre zu genau,
um das nicht ſtörend zu empfinden. Voller Sorge betrachtete
ſie ihn. Sein Auge flackerte unruhig, um den Mund
lagerte ein häßlicher, faſt zyniſcher Zug, vor dem ſie inſtink=
tiv
zurückſchreckte.
Jetzt trat er zu ihr und nahm das Glas, das ſie ihm
bot. Ich trinke auf das Wohl der Allerſchönſten, ſagte er
leiſe und ſchaute tief in ihre Augen und dieſer Blick ent=
ging
Lothar nicht! Bildſchön ſah ſie aus in dem geſchmack=
vollen
, hellen Kleide, ſchöner, als Lutz ſie je geſehen! Sie
paßte ſo gut in dieſes prächtige, ſtilvolle Milieu aber
nicht als Dienerin, ſondern als Herrin!
Lothar ſaß im Erker des Salons, etwas abſeits von
dem Getriebe, als ob ihn das alles nichts anginge und
doch hatte er ein beſtimmtes Intereſſe. Kaum, daß er
Yvonne und Lutz einmal aus den Augen verlor.
Jetzt ſprachen einige ältere Herren mit ihm und ver=
wickelten
ihn in ein anregendes Geſpräch. Da ſpannten
plötzlich alle ſeine Nerven. Der junge Offizier trat wieder
wie zufällig neben Yvonne und ſagte etwas zu ihr was,
konnte Lothar nicht verſtehen, wohl aber hörte er ihre leiſe
Antwort. Sie ſtand nicht weit von ihm entfernt, hatte ihm
aber den Rücken zugedreht. Sie ſaate: Nicht doch, Lutz,
ſei doch nicht ſo unvorſichtig!

Es war die Erwiderung auf die Bemerkung des
Vetters, wie es ihn empöre, daß die Gräfin Laßberg ſo
untergeordnete Dienſte tun müſſe! Lothar hatte ihre Worte
ganz deutlich vernommen; krampfhaft umklammerten ſeine
Hände die Lehne des Stuhls; er richtete ſich halb auf, ſank
aber wie kraftlos zurück, und ſein Geſicht war aſchfahl ge=
worden
.
Wie klug ſie war. Der Leutnant ſollte nicht unvorſich=
tig
ſein! In ſeinen Zügen arbeitete und zuckte es, als ol
er von den heftigſten körperlichen Schmerzen gequält würde,
und er mußte an ſich halten, um nicht höhniſch aufzulachen.
Alles, alles war ja Lüge! Der unſchuldigſte, reinſte
Kinderblick nichts weiter, als raffinierte Koketterie! Er
wollte nichts mehr ſehen, nichts mehr hören! Und doch
nahm er die Qual dieſer Stunde auf ſich er ging nicht!
Faſt wollüſtig durchkoſtete er die Schmerzen dieſer Ent=
täuſchung
!
Allmählig entfernten ſich die Gäſte; Lutz von Brücken
war der letzte, der ging.
Nun, cher Baron, wo werden Sie das Weihnachtsfeſt
verleben? fragte Frau Agathe.
Ich muß nach Hauſe fahren, nach Bernried. Meiner
Schweſter Verlobung ſoll da offiziell werden. Yvonne
horchte auf, davon hatte er ihr ja nichts geſagt. Heute be=
kam
ich die Nachricht von dem wichtigen Familienereignis.
Und mit wem, wenn es erlaubt iſt, zu fragen?
O, bitte ſehr! mit der Nachbarſchaft er blickte dabei
zu Yvonne mit dem zukünftigen Landrat des Kreiſes,
einem Herrn von Hammerſtein.

Unwillkürlich mußte ſie ſeinen Blick erwidern und ein
ganz klein wenig lächeln alſo hatten ſich die beiden mit=
einander
getröſtet für ſie lag etwas Komiſches darin.
Die durch ſeine Eiferſucht geſchärften Augen ließen
Lothar auch dies geheime Einverſtändnis bemerken. Er
ertrug es nicht mehr. Faſt unhöflich knapp verneigte er
ſich vor dem jungen Offizier.
Verziehen Sie, Herr Baron, ich muß mich jetzt verab=
ſchieden
!
Ah, Pardon, ich habe die Herrſchaften aufgehalten. Ich
bedauere unendlich
,
Nein, nein, Herr Baron! Lothar, du verſprachſt
uns doch, noch zu bleiben? Du willſt nicht? Mademoiſelle,
ſagen Sie doch dem Diener Beſcheid, daß Herr von Stein=
hagen
fahren will.
Ich danke! Ich beſorge es allein. Lothar ging hinaus;
er wollte nicht Zeuge des Abſchieds ſein, den Baron
Brücken von Yvonne nehmen würde, er wollte nicht die
kleine, blaſſe Mädchenhand, die ihm ein Heiligtum war,
in den unreinen Fingern des andern ſehen, er wollte nicht
vor deſſen lächelndem Siegerblick die dunkeln Wimpern
ſich ſenken ſehen!
Kurz war dann ſein Abſchied von Mutter und
Schweſter. Flüchtig reichte er auch Yvonne die Hand
ohne den geringſten Druck und ließ ſie ſofort wieder
fallen, als ob ſie ihn verbrannt hätte. Ohne dem Mädchen
einen letzten, guten Blick zu gönnen, jagte er davon.
(Fortſetzung folgt.)

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Nummer 20.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 24. Januar 1912.

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Seite 18.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 24. Januar 1912.

Nummer 20.

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Nummer 20.

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Seite 20.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 24. Januar 1912.

Nummer 20.

Sahfres

Beginn Mittwoch, den 24. Januar, morgens 8 Uhr.
Auch in dieſem Jahre hatte ſich mein Geſchäft in Folge meiner Leiſtungsfähigkeit und Preiswürdigkeit eines bedeutenden Mehrumſatzes zu erfreuen. Die
Rieſenausdehnung meines Detallgeſchäftes ſowie meiner diverſen Verkaufstellen erfordern daher für Detail= und Engros=Betrieb die Unterhattung koloſſaler Läger bis
zum Schluß der Saiſon. Es iſt daher ſetzt nach beendigter Saiſon für mich eine unbedingte Notwendigkeit, meine Läger zu reduzieren, um Platz für die in großen
Mengen eintreffende Frühjahrs=Konfektion zu ſchaffen. Ich ſcheue hierbei vor keinem Verluſte zurück und habe mich daher entſchloſſen, für mehr als

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[ ][  ]

Seite 22.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 24. Januar 1912.

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Aus Darmſtadts Vergangenheit.
Das Großherzogliche Heſſiſche
Armenkolleg.

Das Jahr 1816 war ein Mißjahr und hatte eine große
Teuerung zur Folge. Die Armen litten beſonders darun=
ter
. Da bildete ſich ein Komitee zu deren Unterſtützung
und richtete im Hoſpital Grafenſtraße 9,
mit dem zugleich das Armenhaus verbunden
war, eine Suppenanſtalt ein, in der die Ar=
men
meiſt unentgeltlich geſpeiſt wurden. Da trat an
die Herren bald die Frage heran, was ſoll werden, wenn
die Speiſeanſtalt, die doch nur ein Notbehelf für teuere
Zeiten iſt, aufgehoben wird? Man beſchloß, ein Arbeits=
inſtitut
einzurichten für die noch arbeitsfähigen Pfründner
im Spital und Arbeitshaus, für die vielen armen, noch
ſchulpflichtigen Mädchen, die nach dem Schulunterricht
ſich meiſt ſelbſt überlaſſen waren und für ſo manche ver=
ſchämte
Arme, die ſich im Dunkel verbargen und lieber
verhungerten, als daß ſie um eine Unterſtützung baten.
Das Armenkolleg beſtand aus folgenden Herren: Du
Hall, Obriſt und Stadtkommandant, Siebert, Geh. Regier=
ungs
=Rat, Müller, Hofkammerrat, Lehr, Regierungsrat,
von Roſenberg, Major, Frei, Polizeirat, Reuling, In=
ſpektor
, Stücker Ludwig und lutheriſche, Keim, reformier=
ter
, und Kirchenrat Dahl, katholiſcher Stadtpfarrer, E. E.
Hoffmann, Senator, und Dr. Huth, älteſter Armenarzt.
Rube, Medizinalrat, wurde als erſter, Kaufmann Wenck
als zweiter, Kaufmann Zöppritz als Dritter, und Archiv=
rat
Strecker als vierter Vorſitzender gewählt. Der Arbeits=

ausſchuß beſtand aus den Herren Polizeiinſpektor Hädrich
für die Verwaltung, Pfarrer Stücker für das Schulweſen,
(Armenſchule), und Hofgerichtsadvokat Becker für die An=
ſchaffung
von Arbeitsmaterialien und Verſchleiß der Wa=
ren
Eine Vereinigung von 18 Damen aus den angeſehen=
ſten
Kreiſen ſtand dem Ausſchuß zur Seite; ſie führten
abwechſelnd in den Arbeitsſälen die Aufſicht.
Das Armenkolleg nahm mit Erlaubnis der Regierung
das ganze Armenweſen in die Hand. Es erließ einen Auf=
ruf
an die wohlhabenden Kreiſe der Reſidenz mit der
Bitte, nach Kräften zur Unterſtützung beizutragen. Im
Jahre 1817 trat die neue Armen= und Arbeitsanſtalt ins
Leben. Eine Anzahl Webſtühle wurden in den Sälen
aufgeſtellt und eine Manufaktur errichtet, die Tuch und
Leinwand fabrizierte. Die Mädchen wurden mit Nähen,
Stricken, Sticken und Spinnen beſchäftigt, eben=
ſo
die älteren arbeitsfähigen Frauen des Hauſes.
Den Armen, die in der Stadt wohnten, wurde reichlich Ma=
terial
zu Arbeiten mit nach Hauſe gegeben, die nach Ab=
lieferung
, je nach Güte der Arbeit, bezahlt wurden.
Die Arbeitsanſtalt wurde zuerſt von einer Frau Aſſeſſor
Frowein Witwe geleitet. Ihr zur Seite ſtand eine Leh=
rerin
für die Strickſchule, eine verwitwete Frau Stumpf.
Außer Tuch wurden Strümpfe, Joppen, Jacken, Kinderklei=
der
, Wäſche bis herab bis zur Wickelſchnur angefertigt. Dieſe
Gegenſtände wurden aus freier Hand verkauft, Auf dem
Markt errichtete man eine Bude, worin man zur Markt=
und Meßzeit die Erzeugniſſe des Arbeitshauſes verkaufte.
Auch die Kaufleute in der Stadt nahmen einen Teil der
Waren zum Wiederverkauf ab. Im erſten Jahre ſchloß die
Rechnung der Anſtalt mit einem Defizit ab, denn die Bei=
träge
floſſen ſehr ſpärlich, und viele gezeichnete Gaben
(3041 Gulden) waren nicht beizutreiben.
In dem Rechenſchaftsbericht für das Jahr 1817 be=
merkt
der Vorſtand: Aus dem Fehlbetrag geht leider da=
raus
hervor, daß die Einnahmen zur Verpflegung der Ar=
men
und zur Erziehung der vielen verlaſſenen Kinder
unzureichend iſt, daß desfalls manche Einſchränkungen,
die ſich mit dem Zweck einer vollkommenen Armenpflege=
anſtalt
nicht vereinigen, eintreten mußten und die Bezahlung
alter, bedeutender Schulden für Medizin, Getüch uſw.
jede Ausſicht verloren hat.
Ein vorzüglicher Grund dieſes Dranges liegt übri=
gens
hauptſächlich in den geringen Beiträgen, welche viele
bemittelte Einwohner bewilligten, und wir ſehen uns bei
der aufhabenden Pflicht, dem Armenweſen in jeder Hin=

ſcht gewiſenhaſt vornuſtehen, gegen Erwartung in die
traurige Notwendigkeit verſetzt, dieſen ſowohl als auch
denjenigen, welche gar nicht ſubſkribierten, die Pflichten
ins Gedachtnis rufen zu müſſen, welche ſie als Chriſten,
als Staatsbürger und als Leute von Ehre ihren verarm=
ten
Mitgliedern ſchuldig ſind. Wir vertrauen übrigens
dem zu verſchiedenen drangvollen Zeiten von Seiten
der hieſigen Einwohner bewieſenen Gemeinſinn für das
Gute und finden in dem Glauben Beruhigung, daß ſie
eine zur Unterſtützung wahrhaft bedürftiger Menſchen,
zur Erziehung verlaſſener Kinder, Beförderung der Mo=
ralität
und Abwendung des Müßigganges mit großen Hoff.
nungen erſt organiſierte Anſtalt nicht unvollſtändig, oder
wohl ganz zurückſinken, vielmehr durch angemeſſene Bei=
träge
jene in den Stand geſetzt ſehen wollen, der leiden=
den
Armut zur Hilfe eilen zu können.
Der Appell an den Wohltätigkeitsſinn der Darmſtäd=
ter
hatte den Erfolg, daß die milden Beiträge reichliche:
floſſen und das Arbeitskolleg im Jahre 1820 alle Schul=
den
tilgen konnte. Seine Einnahmen ſchöpfte das Armen=
kolleg
meiſtens aus milden Beiträgen. An der Spitze
ſtand wieder der Großherzogliche Hof mit 2512 fl. An
Legaten und Vermächtniſſen gingen 1110 fl. ein. Für
verkaufte Waren wurden 1609 fl. im Jahre erlöſt.
Den Einnahmen von 22850 fl. im Jahre 1818 ſtanden
Ausgaben von 19952 fl. gegenüber. Die Vorſteherin
bezog ein jährliches Gehalt von 350 fl., die Lehrerin
250 fl. Für Arbeitsmaterialien wurden 1635 fl. bezahlt
und der Arbeitslohn betrug 806 fl. Ein Teil desſelben
wurde den Eltern der Kinder ausbezahlt, ein anderer
verzinslich bis zur Konfirmation angelegt. Die Anſtalt
wurde meiſt von Kindern der Armenſchule, jedoch auch
von Schülerinnen aus der Stadt= und Katholiſchen
Schule beſucht.
Die Leiter und Leiterinnen der Arbeitsanſtalt hatten
ſich mit ihr eine ſchwere Laſt auferlegt, denn es ging nicht
alles ſo glatt ab als man anfangs dachte. Kampf mit den
alten unordentlichen Arbeitern, die mangelhafte Arbeit
lieferten, die nicht verkäuflich war; Streitigkeiten der
Arbeiter untereinander und Auflehnung gegen die Haus=
ordnung
, waren an der Tagesordnung. Nachdem aber
die finanziellen Schwierigkeiten überwunden, die Arbei=
ter
fähiger und williger wurden und beſſere Arbeite:
liefern konnten, entwickelte ſich die Armen=Arbeitsanſtalt
zu einer gewiſſen Blüte und wirkte noch viele Jahr=
ſegensreich
in unſerer Stadt. Wann ſie aufgehoben wurde
konnte ich aus den Akten leider nicht erfahren. Rb.

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