Abonnementspreis
Inſerate
175. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk.,
aus=
werden angenommen in Darmſtadt,
wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl.
verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
für Aufnahme von Anzeigen an
vorge=
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
ſchriebenen Tagenwirdnicht übernommen.
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 16 Seiten.
Das Neueſte vom Tage.
Die Reichstagsſtichwahlen finden im
König=
reich Sachſen am 20. Januar ſtatt.
Die Norddeutſche Allgemeine Zeitung
veröffentlicht einen zweiten Artikel zur
Reichstags=
wahl gegen die Sozialdemokratie.
Der= Papſt hat an die portugieſiſche
Regie=
rung ein Ultimatum geſandt, in dem er die
Zurück=
ziehung der Ausweiſungsdekrete gegen die Biſchöfe
verlangt.
Bei einem Eiſenbahnunfall im Bahnhof
Auſterlitz bei Paris wurden 53 Perſonen verletzt,
bei einem Eiſenbahnunfall bei Bondy 10 Perſonen
ge=
tötet.
Neumexiko iſt als 47. Staat in die
nordameri=
kaniſche Union aufgenommen worden.
Sunhatſen hat als Präſident der chineſiſchen
Re=
publik ein Manifeſt an alle befreundete Nationen
erlaſſen.
In der ſüdamerikaniſchen Republik
Ecu=
ador iſt die Anarchie ausgebrochen.
Noch immer Marokko.
— Wenn auch die Marokkoverhandlungen für uns
in Deutſchland ſo gut wie erledigt ſind, ſo läßt es ſich
doch nicht leugnen, daß ihre Nachwirkung fortdauert
und die Polemik über ſie noch immer nicht zum
Schweigen kommen will. Erſt dieſer Tage hat ein
Pro=
zeß ſtattgefunden, der ſich eingehend mit der Marokko=
Kriſis befaßte, aber eine wirkliche Klarheit über manche
interne Dinge, über die viel gemunkelt wird, iſt nicht
geſchaffen worden. Insbeſondere dreht ſich der Streit
darum, ob es den Tatſachen entſpricht, daß Herr von
Kiderlen=Wächter die nationale Preſſe ermutigt
hat, Landerwerbungen in Marokko, vor allen Dingen
an der weſtlichen Küſte, anzuſtreben, während er
nach=
her offiziell in Abrede ſtellte, daß Deutſchland jemals
territorialen Beſitz in Marokko gewünſcht oder gefordert
habe, im Gegenteil ſei das von vornherein angeſtrebte
Ziel erreicht worden. Im Grunde genommen iſt dieſer
Streit jetzt recht müßig, und wenn Herr von Kiderlen=
Wächter tatſächlich ermuntert haben ſollte, für die
Land=
erwerbung einzutreten, ſo wäre das lediglich ein
diplo=
matiſcher Trick geweſen, um auf Frankreich einen Druck
auszuüben und es für die deutſchen Wünſche gefügiger
zu machen, indem man ſich, angeblich unter Hinweis auf
die weitergehenden Forderungen der öffentlichen
Mei=
nung, bereit zeigte, ſich mit weniger zu begnügen. In
ähnlicher Weiſe iſt man zweifellos auch in Frankreich
verfahren, wo ja auch Herr Caillaux ſich im allgemeinen
maßvoll verhielt, während die Blätter nicht genug
lär=
men konnten.
Ein ähnlicher Rummel ſpielt ſich an der Seine auch
jetzt wieder ab, wo die Verhandlungen im Senat
ziem=
lich ins Stocken geraten ſind. Auch hier ſind es einige
diplomatiſche Unklarheiten, über die langatmige
Erör=
terungen angeſtellt werden, obwohl ſie für den Gang der
Dinge höchſt gleichgültig ſind. Freilich liegt für die
Se=
natsmitglieder ein beſtimmter Grund vor, hierauf näher
einzugehen, und zwar iſt dieſer in innerpolitiſchen
Mo=
tiven zu ſuchen. Man darf nicht vergeſſen, daß im Senat
eine ganze Reihe früherer Miniſter ſitzen, Gegner der
jetzigen. Regierung, denen natürlich eine Gelegenheit
recht willkommen iſt, den jetzigen Machthabern eins
aus=
wiſchen zu können. Auf die ſchließliche Annahme des
Vertrages haben dieſe Plänkeleien kaum einen
beſtim=
menden Einfluß.
Im übrigen ſchenkt man jetzt größere Beachtung den
Verhandlungen mit Spanien, die einen
ähn=
lichen Verlauf zu nehmen ſcheinen wie die Berliner
Konferenzen. Hier iſt es Spanien, das ſich ganz
beſon=
ders beharrlich zeigt und wehrt. Man ſagt ſich nicht mit
Unrecht, daß Spanien weit früher in Marokko war als
Frankreich, und daß man ein weit größeres Anrecht auf
Marokko hat als die Franzoſen. Man will ſich nicht
ein=
fach mit einer Kompenſation abſpeiſen laſſen, ſondern
will etwas Greifbares innerhalb Marokkos ſelbſt. Es
iſt ja an und für ſich menſchlich begreiflich, daß
Frank=
reich von dem ihm zugefallenen Marokkohappen nicht
gern etwas abgeben möchte, aber ſchließlich wird man
doch nicht umhin können, in den ſauren Apfel zu beißen.
Frankreich iſt auf gute Beziehungen zu Spanien auf
wirt=
ſchaftlichem Gebiete ſtark angewieſen, und ſchon einmal
im Verlaufe der Marokko=Wirren hat man in Spanien
gegenüber Frankreich gezeigt, daß man keinen Spaß
ver=
ſteht. So dürfte wohl noch manche Woche ins Land
gehen, bis die Marokkofrage vollſtändig zur Ruhe kommt.
Ein Vertreter des Berliner Tageblattes interviewte
den marokkaniſchen Großweſir El Mokri im Berliner
Hotel „Eſplanade‟. El Mokri, der in ſeiner tadellos
europäiſchen Kleidung den Eindruck eines europäiſchen
Diplomaten macht, erklärte, nach Berlin nur zur
Erho=
lung gekommen zu ſein. Er wolle auch nicht mit
Finanz=
oder Induſtriekreiſen in Fühlung treten. Er glaubt, daß
Marokko aus dem deutſch=franzöſiſchen
Ab=
kommen die größten Vorteile ziehen werde.
Verhand=
lungen über das Protektorat würden augenblicklich nicht
geführt. Die Behauptung, daß Frankreich aus Marokko
drei Armeekorps werde rekrutieren können, bezeichnete
der Großweſir als einfach lächerlich. Er glaubt an
ei=
nen glücklichen Ausgang der ſpaniſch=
franzö=
ſiſchen Verhandlungen. Auf die Frage, wie
das Desintereſſement in Marokko aufgenommen worden
ſei, antwortete El Mokri: Seine Landsleute ſeien
da=
mit ſehr zufrieden. Das Abkommen wäre auch ſehr
günſtig für Deutſchland, weil es Handel und Verkehr in
Marokko ſicherſtelle. Es ſei eine Wohltat für alle
Betei=
ligten. Der Großweſir gedetzkt ſich von Berlin direkt nach
Paris zurückzubegeben.
Nach einer Zeitungsmeldung aus Madrid habe der
Miniſter des Aeußern Prieto im Miniſterrat unter dem
Vorſitze des Königs die Forderungen
Frank=
reichs als unannehmbar bezeichnet, doch ſei die
amtliche Antwort Spaniens auf die neuen franzöſiſchen
Vorſchläge noch nicht erfolgt und werde wohl noch einige
Tage auf ſich warten laſſen. — Der Temps erklärt, die
ſpani=
ſche Regierung habe eine Haltung angenommen, welche die
Verhandlungen ſchwierig geſtalten werde. Sie zeige ſich
in drei Punkten durchaus unnachgiebig: Sie beharre
darauf, daß Spanien in ſeiner Zone dieſelbe Stellung
habe wie Frankreich in der ſeinigen, ſie verlange die
Auf=
rechterhaltung der Beſetzung von Larraſch und El Kſar
und weigere ſich, in der Südzone einen Küſtenſtrich
abzu=
treten, der irgendwie mit den Kanariſchen Inſeln in
Be=
ziehung ſtehe. Unter ſolchen Umſtänden müſſe man ſich
fragen, was überhaupt noch Gegenſtand der
Verhandlun=
gen bilde, und welche Entſchädigung Spanien den
Fran=
zoſen anbieten könne.
Auf die Gefahr hin, die Stellung Frankreichs in den
Verhandlungen mit Spanien zu ſchwächen, empfiehlt der
geweſene Miniſter des Aeußern, Gabriele
Hano=
taux, im Figaro äußerſtes Entgegenkommen und eine
raſche Verſtändigung. Selbſt in Frankreich direkt wäre
die Verfeindung mit Spanien eine ſchwere Gefahr für
Frankreich, aber auch in Marokko würden ſich ſchließlich
Unzuträglichkeiten ergeben.
Dem Matin wird aus London berichtet: England
habe es bisher nicht für zweckmäßig gehalten, in die
franzöſiſch=ſpaniſchen Verhandlungen tätig
einzugrei=
fen, ſobald jedoch Frankreich erklären würde, daß
es in ſeinen Zugeſtändniſſen bereits an dem äußerſten
Punkt angelangt ſei und den Anſprüchen Spaniens eine
endgültige Weigerung entgegenſetzen müſſe,
werde England in Madrid zur Vernunft mahnen. Dieſer
Augenblick ſcheine nicht mehr fern.
England vor dem Generalſtrrik.
* Immer drohender treten die Vorboten eines neuen
großen Arbeiterkrieges in England an den
Tag. Die Frage, ob neben den Mitgliedern der
Arbei=
terorganiſationen auch Nichtmitglieder geduldet werden
ſollen, die der großen Ausſperrung in der Baumwoll=
Induſtrie zugrunde liegt, iſt jetzt von der „General
Fe=
deration of Trade=Unions” aufgenommen worden, die
etwa 800000 Mitglieder zählt. In der Komiteeſitzung
dieſer Organiſation brachten die Delegierten der Weber
dieſe Frage zur Sprache, und es wurden ſo radikale —
um nicht zu ſagen revolutionäre — Vorſchläge gemacht,
daß das Komitee nicht wagte, zu einer Entſcheidung zu
ſchreiten, ſondern telegraphiſch eine Konferenz
aller „Trade=Unions” auf den 14. ds. Mts.
ein=
berief. Es heißt, daß die der Konferenz vorzulegenden
Vorſchläge zu Maßnahmen führen dürften, die weit
ver=
hängnisvoller ſein würden als ſelbſt die September=
Streiks des vergangenen Jahres. Auch wollen die
„Trade=Unions” Fühlung mit der nationalen Föderation
der Bergleute nehmen, die bekanntlich auch einen
Feld=
zug vorbereiten und ſich mit den Transportarbeitern und
Eiſenbahnbedienſteten verbünden. Alle dieſe Millionen
von Mitgliedern zählenden Organiſationen ſollen für
den Kampf gewonnen werden, der darauf hinausgeht,
den Arbeitgebern vorzuſchreiben, wen ſie nicht
beſchäfti=
gen dürfen. Man will ſich — ſo wird dem Berl.
Lokal=
anzeiger aus London geſchrieben — nicht darauf
be=
ſchränken, den Kampf um dieſe Frage in der Baumwoll=
Induſtrie durch Beiträge zur Kriegskaſſe zu unterſtützen,
ſondern es ſoll der Verſuch gemacht werden, einen
all=
gemeinen Ausſtand auf allen Gebieten der
Induſtrie und des Verkehrs in Szene zu ſetzen. In
Wel=
lington (Shropſhire) haben bereits 2000 Bergleute die
Arbeit niedergelegt, weil ſie nicht mit Leuten
zuſammen=
arbeiten wollen, die nicht ihren Organiſationen
ange=
hören. Dieſelbe Frage hat zu einem Konflikt zwiſchen
den Schiffbauern Hawthorn, Leslie und Co. in Newcaſtle
und ihren Arbeitern Veranlaſſung gegeben. Sir George
Askwith, der Friedensvermittler des
Handelsminiſte=
riums, der ſeit einigen Tagen in Mancheſter weilt, hat
ſeither nicht vermocht, eine Ausſöhnung zwiſchen den
aus=
geſperrten Webern und den Fabrikbeſitzern in die Wege
zu leiten.
Deutſches Reich.
— Die Entwickelung des
Fernſprech=
weſens in Deutſchland iſt in einem ſo gewaltigen
Aufſchwung begriffen, daß ſeit einigen Jahren die
Be=
reitſtellung der Rieſenſummen zum Ausbau der
Verbin=
dungslinien und zu anderen Fernſprechzwecken ſeitens
des Reiches mit Zuhilfenahme von Sonderanleihen,
de=
ren Tilgung aus den Ueberſchüſſen der Reichspoſt= und
Teiegradhenverwaltung im Laufe von 30 Jahren
erfol=
gen ſoll, erfelgen muß. Im Rechnungsjahr 1910 wurde
eine ſolche Anleihe in Höhe von 25Millionen
ausge=
bracht, und auch im Vorjahre wurde eine 22 Millionen=
Anleihe in den Etat eingeſtellt. So lange das
Fern=
ſprechweſen mit neuen Anforderungen in ſo ausgedehntem
Umfang Jahr für Jahr ſich meldet, wird
vorausſicht=
lich an dem vom Reichstag gutgeheißenen Prinzip der
Mittelbeſchaffung auf dem Anleihewege durch
Vertei=
lung der Geſamtlaſt auf ein Menſchenalter feſtgehalten
werden müſſen. Inzwiſchen iſt eine neue wichtige
Auf=
gabe, wenn man ſo ſagen darf, reif geworden, nämlich
die Herſtellung großer unterirdiſcher Fernleitungskabel.
Die Anlagen unter der Erde haben ſich ſo trefflich
be=
währt, daß es naheliegt, dieſen techniſchen Fortſchritt
nicht nur auf den Ortsverkehr anzuwenden, ſondern ihn
auch dem Fernverkehr ſyſtematiſch dienſtbar zu machen.
Anfänge hierzu ſind bereits gemacht worden, ſo zwiſchen
Potsdam und Berlin, Hamburg und den Nachbarorten
und an anderen Stellen. Die Inangriffnahme der
Aus=
führung von unterirdiſchen Fernſprechlinien erſcheint
alſo zweckmäßig, um ſo mehr, als die oberirdiſchen
Lei=
tungen teilweiſe bereits bis an die Grenze ihrer
Lei=
ſtungsfähigkeit in Anſpruch genommen ſind. Es ſoll
da=
her noch in dieſem Jahre mit einer Hauptader für den
unterirdiſchen Fernſprechverkehr der Anfang gemacht
wer=
den, und zwar zunächſt von Berlin bis Magdeburg, in
der Abſicht, dieſes Fernleitungskabel ſpäterhin über
Hannover bis in den Induſtriebezirk fortzuführen.
— Die Reichspartei und die
Reichstags=
wahlen. Die Poſt ſchreibt: Die Erläuterungen, die
die Konſervative Korreſpondenz zu der Heydebrandſchen
Stichwahlparole gibt, ſtellen deren Sinn zweifelsfrei.
Daß Stimmenthaltung bei Stichwahlen gegen einen
Sozialdemokraten der Auffaſſung der Reichspartei nicht
entſprechen würde, geht aus deren Wahlaufruf mit
vol=
ler Deutlichkeit hervor. In der Poſt ſucht Frhr. von
Zedlitz darzutun, daß es ein ſchwerer Fehler ſei und auf
eine Schwächung des deutſch=nationalen und des mon=
archiſchen Bewußtſeins hinauslaufe, wenn die bürgerliche
Demokratie durch ein Zuſammengehen mit der
Sozial=
demokratie die Reichsfinanzreform=Mehrheit beſeitige.
Daß den Sozialdemokraten der Löwenanteil an den
ge=
meinſam zu erobernden Mandaten zufallen werde, könne
nicht beſtritten werden. Dann würde aber eine
Mehr=
heit der bürgerlichen Parteien ohne das Zentrum nicht
denkbar ſein und das Zentrum käme alſo wieder wie vor
1907 in die glückliche Lage der ausſchlaggebenden
Par=
tei. Auf der anderen Seite würde aber auch eine
Mehr=
heit gegen die Parteien der Rechten und das Zentrum
ohne die Sozialdemokratie ausgeſchloſſen ſein und damit
wachſe der Einfluß der Sozialdemokratie.
— Als Stichwahltermin für die
Reichs=
tagswahlen im Königreich Sachſen iſt der
20. Januar in Ausſicht genommen.
— Abänderung der Wehrordnung. Eine
Abänderung der beſtehenden Wehrordnung wird dem
Reichstage, wie man berichtet, im Frühjahr
vorgeſchla=
gen werden. Ein diesbezüglicher Geſetzentwurf wird
augenblicklich ausgearbeitet und ſoll den im Parlament
wiederholt geäußerten Wünſchen auf Vereinfachung des
Erſatzgeſchäftes nachkommen. Eine Zuſammenlegung
der Geſchäfte der beiden Erſatzkommiſſionen iſt nicht
be=
abſichtigt, doch ſollen die Erſatzkommiſſionen erweiterte
Befugniſſe erhalten, die das Erſatzgeſchäft weſentlich
ver=
einfachen.
Das Reichs= und
Staatsangehörig=
keitsgeſetz. Eine parlamentariſche Korreſpondenz
weiß zu melden, daß die Novelle zum Reichs= und
Staatsangehörigkeitsgeſetz dem Reichstage
vorausſicht=
lich in der nächſten Seſſion zugehen werde.
— Errichtung eines Kolonial= und
Kon=
fulargerichtshofes. Der Geſetzentwurf über die
Errichtung eines Kolonial= und Konſulargerichtshofes
wird vorausſichtlich dem neuen Reichstage in etwas
ab=
geänderter Form von neuem vorgelegt werden, nachdem
ihn der alte Reichstag wegen einiger Differenzen mit der
Auffaſſung des Staatsſekretärs von Lindequiſt nicht
mehr verabſchiedet hatte. Bekanntlich hatte die
Kolo=
nialverwaltung damals die Entſendung eines
Kolonial=
ſachverſtändigen ins Richterkollegium verlangt, eine
For=
derung, auf die der Reichstag nicht eingehen wollte.
Dieſe Differenzen ſollen jetzt behoben werden.
— Beſtrafte „Schiebungen”. Aus dem
Wahl=
kreiſe Leipzig=Stadt wurde bekanntlich gemeldet, daß die
Sozialdemokratie durch Abkommandierung außerhalb
wohnender Wähler das Wahlbild zu ihren Gunſten zu
fälſchen verſucht. Nach dem Reichswahlgeſetz ſind
derar=
tige „Schiebungen” nicht ſtrafbar. Dagegen melden die
Leipz. N. Nachr.:
Bei dieſem Manöver ſind in vielen Fällen die
Be=
ſtimmungen des polizeilichen Melde=Regulativs
umgan=
gen worden Es erfolgten nicht wenig Falſchmeldungen
und die abkommandierten Wähler meldeten ſich nicht
ſel=
ten in eine Wohnung im Wahlkreiſe Leipzig=Stadt an
oder ließen ſich anmelden, nur um in die für dieſen
Wahlkreis aufgeſtellte Wählerliſte mit aufgenommen zu
werden und damit die Zahl der ſozialdemokratiſchen
Stimmen zu vermehren, ohne indeſſen ihre bisherige
Wohnung aufgegeben zu haben. Soweit ſich ſolche
Falſchmeldungen ermitteln ließen, ſind wegen
Uebertre=
tung des Melderegulativs für die Stadt Leipzig gegen
mehrere der bei dieſen Schiebungen beteiligten Perſonen
Strafverfügungen von je 50 Mark erlaſſen worden.
— Die Mainkanaliſierung. Die Bayeriſche
Kanalvereins=Korreſpondenz ſchreibt:
Wenn auch Bayern einſtweilen ſich damit hat
be=
ſcheiden müſſen, daß lediglich der Ausbau der
Main=
ſtrecke Offenbach=Aſchaffenburg in die Pflichtaufgaben
des Rheinſtrombauverbandes einbezogen wurde, ſo wird
es für die wirtſchaftliche Weiterentwicklung des Landes
doch ein dringendes Erfordernis darſtellen, es bei der
Mainkanaliſierung bis Aſchaffenburg nicht bewenden zu
laſſen, ſondern über dieſen Platz hinaus mit der
Kana=
liſierung fortzufahren, indem ſie zunächſt etwa bis
Würz=
burg geführt werden würde. Daß ein Beſchluß dieſer
Art einmal gefaßt werden wird, erſcheint deshalb
wahr=
ſcheinlich, weil vor allem die Großinduſtrie am deutſchen
Niederrheine und in ihr wieder in erſter Linie die Berg
bau= und Hütteninduſtrie immer mehr erkennen werden,
von welcher großen Bedeutung für ſie das Abſatzgebiet
des rechtsrheiniſchen Bayern iſt, und was hier noch durch
eine über Aſchaffenburg hinaus geführte
Mainkanaliſie=
rung dem von Oeſterreich, vornehmlich von Böhmen aus,
ihr entgegenſtehenden Wettbewerbe abzugewinnen ſein
wird. Der Verein hat daher an das Staatsminiſterium
des Innern den Antrag gerichtet, einen Bauplan und
Koſtenvoranſchlag für die Weiterkanaliſierung des
Mains von Aſchaffenburg aufwärts ausarbeiten zu
laſ=
ſen. Zunächſt wäre dieſer Plan von Wert für den
Aus=
bau der Mainſtrecke von Aſchaffenburg nach Würzburg
oder wenigſtens nach Wertheim, doch würde es der Ver
ein, wie er in der Eingabe hinzufügte, mit Dank
begrü=
ßen, wenn die Arbeit gleich für die ganze Strecke
Aſchaf=
fenburg=Bamberg fertiggeſtellt werden würde.
Ausland.
Oeſterreich=Ungarn.
Die Beſchleunigung der
Ausgleichs=
verhandlungen. Die deutſch=böhmiſchen
Reichs=
rats= und Landtagsabgeordneten, die faſt vollzählig in
Prag verſammelt waren, beſchloſſen nach langer
De=
batte, in der die geſamte nationalpolitiſche und
finan=
zielle Lage der Deutſchen in Böhmen aufgerollt wurde,
aufs entſchiedenſte eine Beſchleunigung der
Ausgleichs=
verhandlungen zu verlangen, damit endlich die
Stellung=
nahme der Tſchechen zu den deutſchen Grundforderungen
klar werde. Ferner wurde beſchloſſen, von der
Regie=
rung zu verlangen, daß die Benachteiligung der Deutſch=
Böhmen in der Waſſerſtraßenfrage beſeitigt werde.
Auf dem deutſch=böhmiſchen Landtage
nahmen die Reichsratsabgeordneten in ihrer letzten
Beratung u. a. eine Reſolution an, in der die Erfüllung
der Forderungen des deutſchen Volkes in Böhmen nach
geſetzlicher Sicherſtellung ſeiner nationalen Rechte und
ſeiner Selbſtbeſtimmung gefordert und verlangt wird,
daß die nationalpolitiſche Kommiſſion ihre Arbeiten
un=
verzüglich wieder aufnehme und in ununterbrochener
Ta=
gung zu Ende führe, um längſtens bis zum Ende der
gegenwärtigen Parlamentsferien Klarheit zu ſchaffen, ob
nun auch der Sicherſtellung der Rechte des deutſchen
Vol=
kes in der Landesvertretung Rechnung getragen werden
ſolle.
Italien.
Der Papſt und Portugal. Aus Rom wird
gemeldet, der Papſt habe an die portugieſiſche Regierung
ein Ultimatum gerichtet, in dem er die Zurückziehung der
kürzlich für mehrere Biſchöfe erlaſſenen
Ausweiſungs=
dekrete verlangt. Falls Portugal dieſem Ultimatum nicht
Folge leiſten werde, würde der Vatikan ſeinen Vertreter
in Liſſabon abberufen.
Türkei.
Das neue Kabinett Said Paſcha hat den
Cha=
rakter einer etwas engeren Anlehnung an den komitee
freundlichen Flügel der jungtürkiſchen Partei, womit
einſtweilen der Streit der perſönlichen Gruppen der
Par=
tei erledigt iſt. Die Auflöſung der Kammer iſt noch nicht
beſchloſſen, auch iſt noch zweifelhaft, ob nicht der
Aus=
weg einer Einigung mit der Oppoſition auf einen
an=
deren Wortlaut des Vorſchlages zur Aenderung des
Punktes der Verfaſſung, der von dem Recht des Sultans
zur Auflöſung handelt, gewählt wird. Die Oppoſition
iſt in der Feſtſtellung ihres ferneren Verhaltens uneinig.
Rußland.
Der Miniſterrat erachtete es für notwendig,
daß am 14. Januar eine beſondere Verwaltung für die
verſtaatlichte Warſchau=Wiener=Eiſenbahn eingeſetzt
werde, der ein Kontrollorgan zur Seite geſtellt werden
ſoll, das dafür zu ſorgen hat, daß die Intereſſen der
Angeſtellten der Bahn nicht durch die Verſtaatlichung
be=
einträchtigt werden.
Vereinigte Staaten.
Unionſtaat Neumexiko. Präſident Taft hat
eine Proklamation unterzeichnet, nach der Neumexiko als
47. Staat in die Union aufgenommen wird.
* Der Spionageprozeß gegen den engliſchen
Rechtsanwalt und Hauptmann der Reſerve Bertrauk
Stewart der Ende Juli in Bremen verhaftet wurde,
findet am 31. Januar vor dem Reichsgericht ſtatt. Seine
Verteidigung hat Dr. Hans Otto=Leipzig übernommen.
* Das Zarenpaar nebſt Familie kehrt Ende
März wieder nach der Krim zurück, um den Frühling
dort zu verbringen. Der Aufenthalt in Livadia hat der
Zarin Alexandra außerordentlich wohlgetan, und die
Aerzte raten ihr dringend an, den Frühling dort zu
ver=
leben.
* Brüſſel, 6. Jan. Der Streik im
Kohlen=
becken von Mons hat geſtern eine kleine Verſtärkung
erfahren. Es befinden ſich jetzt etwa 27500 Arbeiter im
Streik. Die Annahme, die Arbeiter würden auf eine
zweiwöchentliche Lohnzahlung eingehen, ſcheint ſich nicht
zu bewahrheiten. In einer geſtern von 3000 Arbeitern
beſuchten Verſammlung wurde eine derartige Bedingung
abgelehnt. Die Arbeiter beharren auf ihrer Forderung
einer achttägigen Lohnzahlung.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 8. Januar.
* Vom Hofe. Die Großherzoglichen Herrſchaften
begaben ſich am Freitag mittag 12 Uhr mit Gefolge im
Auto zum Beſuch des Landgrafen Alexander von Heſſen
nach Philippsruhe und kehrten um 4½ Uhr wieder
zurück
Empfänge. Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog empfingen am Samstag den Oberſt a. D.
Frhrn. v. Uslar=Gleichen, den Gymnaſialdirektor Ritzert
von Friedberg, den Regierungsrat Schneider von Worms,
den Finanzamtmann Heſſe, den Kaſſier Hedrich an der
Saline Ludwigshalle in Wimpfen a. N., den Lehrer
Gundrum von Eudorf bei Alsfeld, den Dekan Zaubitz
von Bensheim, den Rentner Becker von Offenbach a. M.,
den Förſter Mahr von Altheim, den Geh. Kommerzienrat
Krafft von Offenbach a. M., die Fabrikaufſeher Friedrich
und Strack von Worms, den Lehrer Hammer von
Stock=
ſtadt, den Vorſitzenden des Kriegervereins Stockſtadt Krug,
den Prokuriſten Sohl von Offenbach a. M., den
Ober=
lehrer Krämer von Büdingen, den Landgerichtsdirektor
Rüſter, zurzeit in Berlin, den Profeſſor Kramer von
Friedberg, den Geh. Hofrat Profeſſor Dr. Fromme von
Gießen, den Kaufmann Fiſcher von Mannheim, den
Ober=
ſtaatsanwalt Hofmann von Gießen, den Oekonomierat
Alles von Nieder=Florſtadt, den Landwirt Hölzel von
Langwaden; zum Vortrag den Finanzminiſter Braun,
den Miniſter des Innern v. Hombergk zu Vach, den
Vorſtand des Kabinetts Geheimerat Römheld.
Ferner wurde von Sr. Königl. Hoheit dem
Groß=
herzog nachmittags 2 Uhr im Neuen Palais Dr. Emil
Preetorius in längerer Audienz empfangen.
* Verliehen wurde das Ehrenzeichen für Mitglieder
freiwilliger Feuerwehren durch Entſchließung Sr. Königl.
Hoheit des Großherzogs an Karl Emil
Barn=
cheidt, Joſef Graulich und Nikolaus Lumb III.,
ſämtlich zu Mainz.
L. Provinzialausſchuß. Der Provinzialausſchuß
ver=
handelte am Samstag unter Vorſitz des
Regierungs=
rat von Werner über das Geſuch des Anton
Winken=
bach I. zu Viernheim wegen Verweigerung der
Rezeßbau=
vergütung. Winkenbach baute im Jahre 1909 eine neue
Hofreite und ſuchte um Rezeßbauvergütung nach mit der
Angabe, er wolle ſeine alte Hofreite verkaufen. Das Ge=
Aus der Geſchichte des Mayſchen Stifts.
Von Stadtpfarrer D. Dr. Diehl.
Es gibt in Darmſtadt wenig Häuſer, die in ihrer
Vergangenheit eine ſolche Fülle von geſchichtlichen
Er=
innerungen bergen, wie das am Eingang des „
Birn=
gartens” gelegene, jedem Darmſtädter bekannte Mayſche
Stift. Da der Schreiber dieſer Zeilen ſeit einem halben
Jahre die Ehre und das Vergnügen hat, der Bewohner
dieſes eigenartigen und in gewiſſem Sinne
einzigarti=
gen Hauſes zu ſein, darf man es ihm nicht verargen
wenn er allerlei, was ihm alte und neue Akten über die
früheren Bewohner dieſes Hauſes erzählt haben,
hier=
mit der Oeffentlichkeit übergibt. Werden doch dadurch
auch ſicher in manchem Leſer liebe Erinnerungen aus
der Jugendzeit geweckt werden.
Das Haus verdankt ſeine Erbauung der Anlage des
Straßenzugs, der unter Ludwig VI. (1661—1678) als
Verlängerung des Wegs, der vom Markt ſeit alter Zeit
nach der Schloßgaſſe führte, nach dem im Jahre 1670
eröffneten neuen Thor, dem Jägerthor, angelegt ward.
des ſpäteren „Birngartens” heute teilweiſe
Schloß=
graben, teilweiſe Alexanderſtraße genannt. Es iſt
an=
zunehmen, daß das Mayſche Stift eines der erſten
Häu=
ſer in der neuen Straße war, und daß die Erbauung
ſeines Vorderhauſes in die zweite Hälfte der 70er,
ſpäte=
tens aber in die erſte Hälfte der 80er Jahre des 17.
Jahrhunderts fällt. Der Hinterbau, die Scheuer und
der nach dem heutigen Schloßgraben hin auf der noch
deutlich erkennbaren Stadtmauer Ludwigs VI.
aufge=
führte Fachwerkſeitenbau entſtanden erſt im 18.
Jahr=
hundert.
Wer das Haus gebaut hat, iſt noch nicht
nach=
gewieſen. Walther nennt auf Grund von Nachrichten,
die ihm vorlagen, in ſeinem „Darmſtädter Antiquarius”
als älteſten bekannten Bewohner den Keller Chelius
von Leimfelden, was aber ſicher ein Schreibfehler für
Rheinfelden” (heute der Rheinfelder Hof bei
Waller=
ſtädten) iſt. Ob dieſe Angabe richtig iſt, kann ich beim
Mangel an Alten nicht entſcheiden. Anfangs des 18.
Jahrhunderts erſcheint das Haus als
herrſchaft=
liches Gebäude. Wahrſcheinlich iſt es das von allem
Anfang an geweſen. Seine ganze innere Ausſtattung
ſcheint mir darauf zu deuten. Im Anfang des 18.
Jahr=
hunderts wohnte in ihm als in einer Dienſtwohnung der
hochfürſtliche Kriegszahlmeiſter Hermann Meurer.
Ende April 1714 mußte Meurer aus dem ſchönen Haus
heraus, und zwar unter Umſtänden, die
kulturgeſchicht=
lich intereſſant genug ſind, um hier vermerkt zu werden.
Meurer mußte das herrſchaftliche Haus dem jüdiſchen
Hoffaktor Löw Jſaac räumen dem Landgraf Ernſt
Ludwig am 18. April 1714 das Haus „erb= und
eigen=
tümlich” überlaſſen hatte, dieweilen er ſich um das
land=
gräfliche Haus Heſſen große Verdienſte erworben hatte.
Iſaac hatte nämlich „auf des Landgrafen gnädigſtes
Anſinnen zu des Landgrafen ſonderbahrem gnädigſten
Wohlgefallen ſich unterthänigſt erbotten und die Zuſag
gethan, zu Zahlung des Seeheimer Kauffſchillings
der fürſtlichen Kriegscaſſa 50000 Gulden baar
vorzu=
ſchießen und dergeſtalt parat zu halten, daß er ſolche
Summam biß zukünfftige Franckfurther Herbſtmeſſe 1714,
auff jedesmahl 4 Wochen zuvor geſchehene Ankündigung.
zur Außbezahlung in Bereitſchafft halten wolle, jedoch
o, daß Ihme ehenter keine Intereſſen (— Zinſen) alß
von dem Tag an, da die wirkliche und völlige
Außzahl=
ung geſchehen, vergüthet, ſolche Summe der 50000
Gul=
den auch ihm durch den Kriegscaſſier Stürzen
der=
geſtalt wieder erſtattet werden ſolle, daß von primo
erſten) Januario 1715 an ihm monatlich 5000
Gulden mit denen jedesmahls erſchienenen Intereſſen à G
pro cento jährlich, biß die Haubtſumme der 50000
Gul=
den abgetragen ſeyn wird, bezahlt werde.” Auch ſonſt
hatte er ſeine Dienſte bei der Beſchaffung von Geldern,
die zur Erwerbung des von Heſſen angekauften Amtes
Seeheim, das bisher erbachiſch geweſen war, nötig
waren, zur Verfügung geſtellt. Auf dieſe Abmachung hin
zog Löw Jſaac am 1. Mai 1714 in das Haus ein.
Be=
reits am 17. Dezember 1715 gab jedoch der Hoffaktor das
Haus wieder an den Landgrafen zurück. Es geſchah dies,
nachdem er auf eine andere Weiſe „völlige Vergnügung
erhalten” das heißt entſchädigt worden war. In das
hierdurch frei gewordene Haus ſetzte Landgraf Ernſt
Lud=
wig wieder einen landgräflichen Beamten; wie behauptet
wird, den Ende 1714 in landgräfliche Dienſte
angenom=
menen Ingenieurmajor und Oberbaumeiſter Joachim
de la Foſſe, den bsrühmten Erbauer des nach dem
Markt zu liegenden neuen Schloßteils, der an Stelle des
1715 abgebrannten Schloßbaues Georgs II. (vergl.
deſ=
ſen Abbildung auf Rhodings Bild des Marktplatzes 1676)
in jahrelanger Arbeit errichtet ward. Wie lange der der
katholiſchen Konfeſſion angehörige Oberbaumeiſter in dem
Haus, das vordem der jüdiſche Hoffaktor inne gehabt,
ſeine Wohnſtatt hatte, iſt nicht ſicher feſtzuſtellen.
Bis zu ſeinem im Mai 1726 erfolgten Tode hat La
Foſſe jedenfalls in dem Haus nicht gewohnt. Bereits
im Februar dieſes Jahres wird nämlich der Hofmedikus
auch Stadt= und Landphyſikus Johann Zacharias
Thielemann als Bewohner des Hauſes genannt. Es
geſchieht dies bei Gelegenheit des Verkaufes des
Nach=
barhauſes (heute Schloßgraben 15, Gaſthaus zum
gol=
denen Hirſch), das am 18. Februar von ſeitem
bisheri=
gen Beſitzer, dem Bürger und Hufſchmied Johann
Nikolaus Heymer, für 1470 Gulden einſchließlich
alles in ihm vorhandenen Schmiedhandwerkzeuges an
den Landgrafen Ernſt Ludwig abgetreten ward. In dem
noch vorhandenen Kaufbrief wird Heymers Haus
be=
ſchrieben als die zwiſchen dem Haus des Hofdrehers
Jo=
hann Konrad Mayer (heute Gaſthaus zum
Prin=
zen Emil) und Herrn Dr. Thielemann gelegene
Be=
hauſung.
Wie lange die Thielemannſche Familie in dem Haus
gewohnt hat, iſt zur Zeit nicht feſtſtellbar. Dr.
Thiele=
mann ſtarb im Jahre 1736, ſeine Gattin, eine Tochter des
Forſtmeiſters Johann Heinrich Klippſtein, 1747.
Als Bewohner begegnet uns dann in den 50er
Jah=
ren der Regierungs= und Forſtſekretär, ſpätere Forſtrat
Georg Friedrich May der 1795 im Alter von
66 Jahren verſtarb, und dann nach ihm ſein Sohn, der
Regierungsrat Georg Ludwig May. Erſterer hat
das Haus käuflich erworben. Daneben erſcheint er
auc=
als Beſitzer des Nachbarhauſes, des heutigen „Goldenen
Hirſchen” das, wie oben erwähnt worden iſt, 1726 in
herrſchaftlichen Beſitz übergegangen war. Wann Georg
Friedrich May die beiden früher herrſchaftlichen Häuſer
ankaufte, war leider aus den Akten nicht feſtzuſtellen. In
der zweiten Hälfte der 90er Jahre veräußerte Georg
Ludwig May den heutigen goldenen Hirſchen, als deſſen
Beſitzer 1797 und 1799 der Chirurgus Daniel Eck
ge=
nannt wird und der ſpäter im Beſitze des Friſeurs Kaſt.
dann des Schloßverwalters Löwer (noch 1850) war. Er
ſelbſt blieb in dem anderen Hauſe, dem heutigen Mah=
ſuch wurde abgelehnt, weil ein Bedürfnis für einen Neubau
nicht vorhanden geweſen ſei, da er bereits im Beſitze einer
Hofreite war. Im Juni 1910 verkaufte Winkenbach die alte
Hofreite an ſeinen Sohn und ſuchte nunmehr um Vergütung
im Jahre 1911 nach, jedoch auch dieſes Geſuch wurde vom
Gemeinderat abgelehnt, da er beim Bau der neuen Hofreite
bereits im Beſitze einer Hofreite war, der Verkauf an den
Sohn wäre nur ein Scheinverkauf geweſen. Der
Kreisaus=
ſchuß Heppenheim gab in ſeiner Sitzung vom 16. Juni 1911
der Beſchwerde des Winkenbach gegen die Entſcheidung des
Gemeinderats ſtatt und ſprach ihm die Vergütung zu, da
er ſelbſt dann zum Bezuge der Vergütung berechtigt ſei,
wenn er die Hofreite an ſeinen Sohn verſchenkt hätte. Die
Gemeinde Viernheim legte Rekurs gegen das
Kreisaus=
ſchuß=Urteil ein, weil die Berechtigung nicht rückwirkende
Kraft hätte. Der Provinzial=Ausſchuß verwarf den Rekurs
der Gemeinde als unbegründet die Koſten des Verfahrens,
einſchließlich der Anwaltskoſten des Geſuchſtellers und 20 Mk.
Averſionalſtrafe werden der Gemeinde Viernheim auferlegt.
— Dem Johs. Wahlig X. zu Lorſch war nach der
Impfung ein Schwein unter Rotlaufverdacht eingegangen.
Vor der Prüfung war das Schwein als geſund befunden
worden und war nach der Impfung ganz plötzlich verendet
Die Obduktion ergab keinen Anhalt fur Rotlauf, die
eigent=
liche Urſache konnte nicht feſtgeſtellt werden. Der
Kreisaus=
ſchuß Heppenheim verweigerte den Entſchädigungsanſpruch
des Wahlig. Dem eingelegten Rekurs wurde vom
Pro=
vinzialausſchuß inſoweit ſtattgegeben, als das Urteil des
Kreisausſchuſſes aufgehoben und zur nochmaligen
Verhand=
lung zurückverwieſen wird. — Freifrau v. Fechenbach=
Lau=
denbach hat vor einigen Jahren das Schloß in Ober=Mörlen
angekauft. Sie hatte bis 1910 die Gemeinde= und Kapital
rentenſteuer nach Dieburg bezahlt. Die
Einſchätzungs=
kommiſſion Butzbach erklärte für 1911 die Gemeinde Ober=
Mörlen für berechtigt, die Steuern zu erheben, da die
Freifrau ihren Hauptwohnort in Ober=Mörlen hatte,
wäh=
rend die Gemeinde Dieburg das Gegenteil behauptete. Das
Miniſterium hatte durch Entſcheidung vom 20. November
1911 den Provinzialausſchuß der Provinz Starkenburg zur
Entſcheidung dieſer Frage beſtimmt. Die beiden Vertreter
der Gemeinden erklären ſich bereit, mit der Freifrau von
Fechenbach eine freiwillige Vereinbarung zu verſuchen.
Der Hauptlehrer Quirin zu Obertshauſen erhält ſeit 1902
für ſeine Tätigkeit als Hauptlehrer in Obertshauſen eine
jährliche Vergütung von 50 Mark. Die anfangs 4 Klaſſen
umfaſſende Schule hatte ſich bis auf 6 Klaſſen erweitert und
in dieſem Jahre ſoll die 7. Klaſſe eingerichtet werden. Die
Kreisſchulkommiſſion erachtete deshalb eine Erhöhung der
Vergütung auf 200 Mk. für erforderlich. Die Erhöhung wurde
jedoch von der Gemeinde bis zur Einrichtung der 8. Klaſſe
abgelehnt, worauf auf die Beſchwerde der
Kreisſchulkom=
miſſion das Miniſterium die Entſchädigung auf 150 Mk.
feſt=
ſetzte. Gegen die Entſcheidung des Miniſteriums legte die
Gemeinde Beſchwerde ein und der Kreisausſchuß Offenbach
ſetzte die Entſchädigung gemäß dem Antrage der
Kreis=
ſchulkommiſſion auf 200 Mk. feſt, da dieſe Entſchädigung in
allen gleich großen Orten gezahlt wird. Gegen die
Ent=
ſcheidung des Kreisausſchuſſes verfolgt die Gemeinde
Re=
kurs beim Provinzialausſchuß. Dieſer erkannte dahin, daß
die Gemeinde eine Entſchädigung von 150 Mk. zu zahlen
habe. Die Koſten des Verfahrens trägt die Gemeinde.
* In der nichtöffentlichen Sitzung der
Stadtverord=
neten=Verſammlung wurden die von der Bürgermeiſterei
aufgeſtellten Grundſätze zur Regelung der Dienſt=
Beförderungs= und
Beſoldungsverhält=
niſſe des nicht angeſtellten Beamtenperſonals
geneh=
migt, die in Verbindung mit dem gleichfalls vorgelegten
Beſoldungsplan Vorſchriften über die Annahme,
Beför=
derung und Bezahlung des geſamten nicht angeſtellten
ſtädtiſchen Beamtenperſonals enthalten. Ebenſo fand die
Prüfungsordnung für Anwärter auf ſtädtiſche
Bureau=
aſſiſtenten= und Kanzliſtenſtellen die Zuſtimmung der
Ver=
ſammlung. In dieſer Prüfungsordnung ſind 2
Prüfun=
gen vorgeſehen, die nur von im ſtädtiſchen Dienſt
ſtehen=
den Anwärtern auf Bureauaſſiſtenten= und
Kanzliſten=
ſtellen (Zibil= und Militäranwärter) nach beſtimmter
Wartezeit abgelegt werden können. Das Beſtehen der
niederen Prüfung gibt die Anwartſchaft auf eine zu
be=
ſetzende Kanzliſtenſtelle, der höheren Prüfung auf eine
Bureauaſſiſtentenſtelle. Schließlich wurde noch eine Reihe
neuer Amts= und Dienſtbezeichnungen für ſtädtiſche
Beam=
tenſtellen gutgeheißen.
* Von der Techniſchen Hochſchule. Auf
ein=
ſtimmigen Antrag der Abteilung für Chemie wurde
durch Beſchluß von Rektor und Großem Senat der
Techniſchen Hochſchule zu Darmſtadt Herrn
Divlom=
ingenieur, Major d. R. Samuel Eyde in Kriſtiania
Generaldirektor der Norsk Hydroelektrisk
Kvaelſtofak=
tieſelskab „wegen ſeiner hervorragenden Verdienſte um
die Nutzbarmachung des atmoſphärifchen Stickſtoffes für
die Zwecke der Chemie und Landwirtſchaft” die Würde
eines Doktor=Ingenieurs Ehrenhalber
verliehen.
* Bevölkerungsbewegung in der Stadt Darmſtadt
Die Einträge in das Standesamtsregiſter weiſen im
letzten Jahre folgendes Ergebnis auf: Standesamt I:
Geburten: Lebendgeborene 1375 (1536), Totgeborene 61
(67), Eheſchließungen 510 (526), Sterbefälle 1101 (1018)
Standesamt II: Geburten: Lebendgeborene 314 (388)
Totgeborene 8 (11), Eheſchließungen 123 (98), Sterbe
fälle 158 (154). Die ortsanweſende Bevölkerung iſt durch
die allgemeine Volkszählung vom 1. Dezember 1910 auf
87089 feſtgeſtellt worden. Nach dem Ergebnis der Ab=
und Zuſchreibungen kann die Bevölkerungsziffer am
Schluſſe des Jahres 1911 auf 86860 geſchätzt werden.
Braunshardter Heim Marienhof. Man ſchreibt
uns: Seit dem Beſtehen dieſer Anſtalt findet in jedem
Jahre für die dort untergebrachten Mädchen unter
Teil=
nahme des Vorſtandes eine ſchlichte
Weihnachts=
feier ſtatt. Eine beſondere Freude war es, daß bei
der diesjährigen Feier die Gründerin der Anſtalt, Ihre
Durchlaucht die Fürſtin Marie zu Erbach zugegen
war. Auch im Uebrigen nahm die Feier einen überaus
befriedigenden Verlauf. Herr Dekan Schneider,
Wei=
terſtadt, ſchilderte in ſchlichter, ergreifender Weiſe die
Be=
deutung des Weihnachtsfeſtes: „Friede auf Erden und
den Menſchen ein Wohlgefallen”. Weihnachtslieder,
ab=
wechſelnd mit der Weihnachtsgeſchichte, durch die
Pfleg=
linge vorgetragen, erhöhten den Eindruck der Feier. Die
Lichter des Weihnachtsbaumes ſpiegelten ſich in vor
freu=
diger Erwartung glänzenden Augen. Der vorhandene
Raum, das Eßzimmer des Aſyls, vermochte die
Teilneh=
mer kaum zu faſſen. Auch legte der reich beſetzte
Weih=
nachtstiſch Zeugnis davon ab, daß die Zahl der
Inſaſ=
ſinnen ſich in den letzten Wochen ſtark vermehrt hat. Für
12 Mädchen eingerichtet, konnte, durch die Verhältniſſe
gedrängt, Marienhof es nicht vermeiden, daß die Zahl
der Schützlinge auf 19 geſtiegen iſt, und unter Umſtänden
noch weiter ſteigen wird: Es werden deshalb alle, die
für dieſe notwendige und mühevolle Arbeit, ſich entlaſſe
ner Strafgefangener und ſonſt gefährdeter jugendlicher
Perſonen anzunehmen, Verſtändnis haben, gebeten, den
Braunshardter Heimverein in ſeiner Arbeit zu
unter=
ſtützen. Denke niemand, daß die Verlorenen zu retten,
vergebene Liebesmüh ſei. In vielen dieſer armen
See=
len ſteckt noch ein göttlicher Funke, der durch liebevolle
Fürſorge zu wecken iſt. Kann doch die Anſtalt auf eine
ganze Reihe von Fällen hinweiſen, daß arme verirrte
Menſchenkinder ſich auf den rechten Weg zurückgefunden
haben. Sind es doch meiſt Sünderinnen in jugendlichem
Alter, die für die rettende Fürſorge in Betracht kommen.
Junge, noch biegſame Seelen, die niemand mit Recht
eines Fehltrittes wegen zu den Verlorenen rechnen darf.
Daß leider in dieſer Arbeit die Geldfrage eine große
Rolle ſpielt, muß geſagt ſein. Wir bitten deshalb die
wohl eingerichtete Waſchanſtalt des Aſyls zu
berückſichti=
gen, desgleichen in die Nähſtube Arbeit geben zu wollen
Auch werden feine Stickereien, weiß und bunt, letztere
auch auf Seide, befriedigend ausgeführt. Es iſt eine der
traurigſten Erſcheinungen unſerer Zeit, daß jugendliche
im Erwerbsleben ſtehende Perſonen jeden Halt verlieren
Wir ſtehen hier vor einer Tatſache, die jeden Tag in
be=
denklicheren Formen in die Erſcheinung tritt. Der
ret=
tenden Fürſorge erwachſen hier ſchwere Verpflichtungen:
die Verpflichtung, ſich der Geſcheiterten zu erbarmen, nicht
nur im Intereſſe dieſer ſelbſt, ſondern auch im Intereſſe
der Allgemeinheit. Freilich müſſen wir hier auf die
Un=
terſtützung aller Einſichtigen rechnen. Nähere Auskunft:
Marienhof, Braunshardt. Anſchlußſtelle: Weiterſtadt,
Telephon Nr. 1.
* Der Landesverband Heſſen des Deutſchen
Frauenvereins vom Roten Kreuz für die Kolonien
iſt ſeit ſeiner erſten Hauptverſammlung im November
von 500 auf über 1000 Mitglieder angewachſen.
Dieſe Tatſache iſt gewiß hocherfreulich für jeden, der
Sinn hat für die koloniale Sache. Bekanntlich galt ſchon
Bismarck die Teilnahme des geſamten Volkes an der
überſeeiſchen Betätigung unſerer Nation als Grund=
bedingung einer geſunden Kolonialpolitik. Daß jetzt
Süddeutſchland und namentlich auch unſer Heſſenland
wachſendes Intereſſe zeigt, iſt dankbar zu begrüßen.
Möchten noch recht viele ſich dazu entſchließen, unter
dem Banner des Roten Kreuzes für die ſanitäre Er
ſtarkung unſerer Kolonien mitkämpfen zu helfen. Kaun
gegründet, geht der junge Landesverband ſchon recht
energiſch an die Arbeit. In kurzer Zeit ſchon wird
Heſſen ſeine erſte Pflegeſchweſter hinausſenden. Fräulein
Wera von Geldern=Crispendorf,
die ihre
Kraft ſchon früher längere Zeit an einem Offenbacher
Krankenhauſe in den Dienſt der werktätigen Nächſten
liebe geſtellt hat, wird als Krankenſchweſter unſeres
Landesverbandes nach Deutſch=Oſtafrika gehen. Da
ihre Tropenfähigkeit feſtgeſtellt iſt, erhält Schweſter Werg
im Hamburgiſchen Staatskrankenhaus zu Eppendorf und
im Hafenkrankenhaus für Schiffs= und Tropenkranke
jetzt ihre Spezial=Ausbildung. Welch großes Intereſſe
die Hohe Ehrenvorſitzende des Landesverbandes, Ihre
Königl. Hoheit die Großherzogin, der Sache
ent=
gegenbringt, bezeugt der Empfang, welcher der erſten
Schweſter des Heſſiſchen Landesverbandes am Großh.
Hofe zuteil wurde.
* Verein für Verbreitung von Volksbildung.
Der Südoſten Europas, alſo die Türkei und die
ge=
ſamten Balkanländer, hat heute für die Politik und die
Volkswirtſchaft des Deutſchen Reiches eine früher
unge=
ahnte Bedeutung gewonnen. Es hat deshalb der Verein
für Verbreitung von Volksbildung in Fortſetzung ſeiner
dem Gebiete ſtaatsbürgerlicher Ausbildung angehörender
Vorträge eine eingehende Betrachtung jener
Staaten=
gebilde in ſeinen Winterplan aufgenommen. Für die
geologiſchen, geographiſch=hiſtoriſchen, wirtſchaftlichen und
handelspolitiſchen Vorträge ſind gewonnen: Herr
Pro=
feſſor Dr. Klemm, Landesgeologe, Darmſtadt, Herr
Profeſſor Dr. E. Anthes=Darmſtadt und Herr
Chef=
redakteur Dr. Jäckh=Heilbronn. Die Vorleſungen
be=
ginnen mit dem 18. Januar.
* Fortſchrittliche Volkspartei. Am Mittwoch, den 10
Januar, abends, findet in der Turnhalle am Woogsplatz
die letzte große öffentliche liberale Kundgebung
ſtatt. Bei dieſer werden außer dem Kandidaten der
Fort=
ſchrittlichen Volkspartei, Dr. Strecker, der in ſeiner Rede
beſonders auf Handwerker= und Mittelſtandsfragen ein
gehen wird, die Herren Redakteur Dr. Goldſchmidt aus
Frankfurt a. M. und Landtagsabgeordneter Prof. Dr.
Ur=
ſtadt=Gießen ſprechen. Alle Wähler ſind hierzu eingeladen.
Freie Ausſprache wird zugeſichert.
* Das franzöſiſche Flugweſen. Der Lichtbilder=
Vortrag des Herrn Kapitän a. D. von Puſtau
über: Das franzöſiſche Flugweſen findet am 17. Januar
abends im Saale der Vereinigten Geſellſchaft ſtatt und
nicht im Hotel zur Traube. Näheres ſiehe An
zeige in heutiger Nummer.
* Vom Odenwaldklub. In Dreieichenhain hat
ſich eine Touriſtenvereinigung „Wanderfreunde
Dreieich” gegründet, die als 76. Ortsgruppe dem
Odenwaldklub beigetreten iſt. Der Vorſitzende iſt Herr
Lehrer Rückert in Dreieichenhain.
* Einziehung von Fernſprechgebühren. Am
9. d. Mts. wird mit der Einziehung der
Fernſprech=
gebühren begonnen werden. Es empfiehlt ſich, die
fälligen Beträge bereitzuhalten.
Durchſchnittspreiſe von den Wochenmärkten
ver=
gangener Woche. Butter½ Kg. 1,50, in Partien 1,40 M.
Eier 6—10 Pf., Schmierkäſe ½ Ltr. 20—22 Pf., Handkäſe
4—10 Pf., Kartoffeln Zentner 4,50—5,00 M., Kumpf
(10 Liter) 80 Pf., ½ Kg. 6—7 Pf., Mäuschen ½ Kg, 12 bis
Kg.
15 Pf.: Obſt u. dgl.: Aepfel Zentner 15—18 M., ½
15—20 Pf., Birnen Zentner 10—18 M., ½ Kg. 12—18 Pf.,
Kaſtanien ½ Kg. 14 Pf., Nüſſe 100 Stück 60—70 Pf.,
Zitro=
nen 8 Pf., Apfelſinen 5—8 Pf.; Salat, Gemüſe:
Kovf=
ſalat 15 Pf., Endivien 10 Pf., Roterüben ½ Kg. 10 Pf.,
Rettiche 3—6 Pf., Meerrettich 15—60 Pf., Zwiebeln ½ Kg
Tomaten ½ Kg. 35—40 Pf., Gelberüben ½ Kg.
12—14 Pf
10—15 Pf., Bündel Römiſch=Kohl 2—3 Pf., Spinat ½ Kg.
20—25 Pf., Wirſing 5—20 Pf., Grünkohl 5—10 Pf.,
Blumen=
kohl 15—70 Pf., Rotkraut 15—60 Pf., Weißkraut 8—10 Pf.,
Zentner 7,00—7,50 M., Kohlrabi 3—6 Pf., Erdkohlrabi
10—20 Pf., Schwarzwurz ½ Kg. 30—35 Pf., Roſenkohl
½ Kg. 30 Pf.; Geflügel, Wild: Gänſe ½ Kg. 70 bis
80 Pf., Enten 3,50—4,00 M., Hahnen und Hühner 1,00
bis 2,50 M., Tauben 60 Pf., Haſen 2,50—3,00 M., Lapins
0,90—1,00 M.; Fiſche ½ Kg.: Hecht 80 Pf., Aal 1,20 M.
Rheinbackfiſche 30—40 Pf., Rotzungen 60 Pf., Schollen
35 Pf., Kabeljau 22—33 Pf., Schellfiſche 17—33 Pf., See=
ſchen Stift, wohnen. Aber heute noch iſt aus der
An=
lage der aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts
ſtammenden Nebengebäude des Stifts zu erkennen, daß
bei ihrer Errichtung die beiden Häuſer ein Ganzes
bildeten.
Georg Ludwig May bewohnte ſein Haus im
Birn=
garten bis zu ſeinem am 25. Juli 1808 erfolgten Tode
Dann bekam das Haus auf Grund des von dem ledig
gebliebenen Erblaſſer am 6. Dezember 1807 errichteten
Teſtaments eine neue, ganz eigenartige Beſtimmung. Es
ſollte fortan als Pfarr= und Schulhaus dienen. Die
Be=
nutzung der einzelnen Teile des Hauſes wurde von May
genau geregelt. Er ſchied vier Gruppen von Räumen,
für deren Zweckbeſtimung er in ſeinem Teſtament
ge=
naue Vorſchriften machte. Es ſind dies: 1. der in der
oberen Etage befindliche große Saal des Vorderhauſes.
heute zwei Wohnzimmer nach der Alexanderſtraße zu:
2. die übrigen Zimmer in der zweiten Etage des
Vorder=
hauſes und Hinterhauſes, ferner das Eckzimmer im
Sei=
tenbau, der vordere kleine Weinkeller, die auf dem
Vor=
platz des erſten Fruchtbodens neu eingerichtete
Magd=
kammer und die auf dem zweiten Fruchtboden erbaute
ſchwarze Gerätekammer, ferner der zweite und dritte
Fruchtboden und der kleinere Holzplatz; 3. die in der
dritten Etage des Hinterhauſes befindliche Stube und
Kammer; 4. die ganze untere Etage des Wohnhauſes im
vorderen und hinteren Bau mit der Bedientenſtube im
Seitenbau, dem großen mittleren Keller, dem
Küchen=
keller, der größeren Holzarkade, dem großen, mit Latten
zugemachten Fruchtboden, der daran ſtoßenden
ſchwar=
zen Gerätekammer.
Der die erſte Gruppe bildende große Saal ſollte
Schullokal für die zweite Stadtmädchenſchule ſein; die
Räume der zweiten Gruppe dem jederzeitigen Lehrer
an der zweiten Mädchenſchule, die Räume der vierten
Gruppe dem jederzeitigen dritten Stadtpfarrer zur
Be=
nutzung zuſtehen; die Räume der dritten Gruppe aber
zur ferneren Aufbewahrung von Mays ornithologiſchem
Kabinett unbewohnt bleiben.
In der Folgezeit ſind in der Art der Benutzung der
vier Gruppen von Räumen große Aenderungen
einge=
treten, deren Ergebnis der heutige Zuſtand iſt. Die für
Mays Vogelſammlung beſtimmten Räume wurden
nachdem die Sammlung, die bald nachher (1835) aus Ver
wahrloſung zugrunde ging, aus ihnen entfernt worden
war, im Jahre 1830 auf Koſten des Stadtpfarrers
Stücker zu einer Wohnung eingerichtet. Es wohnten
in ihr 1830 bis 1861 Stückers Schwägerinnen, zwei
Fräulein Zimmermann. Der Schulſaal diente
ſeinem ſtiftungsgemäßen Zweck nur bis 1829. Nur bis
dahin hatte die zweite Darmſtädter Mädchenſchule, wie
May angeordnet hatte, in dem Sqal ihr Lokal. Im
Jahre 1829 zog in den Saal die zweite Abteilung der
erſten höheren Mädchenſchule ein. Sie machte 1861
der zweiten Abteilung der erſten Stadtmädchenſchule
Platz, die in dem Saal bis 1878 blieb. Als dieſe Klaſſe
im Jahre 1878 in das neuerbaute Schulhaus in der
Rundeturmſtraße übergeſiedelt war, hatte die Stadt für
den Schulſaal, der übrigens auch den Anforderungen der
modernen Zeit nicht entſprach, keine Berwendung mehr.
Die Lehrerwohnung (im oberen Stock) war
bewohnt 1808—1814 von Freiprediger Schäfer, 1814
bis 1828 von Freiprediger Sackreuter, 1828—1836
von Freiprediger Lachmann, 1836—1851 von Frei=
1854—1861 von Freiprediger
prediger Ritſert,
Göhrs, 1861—1863 von Mitprediger Strack, 1863 bis
1878 von Mitprediger Ritſert, die ſämtlich im
Schul=
dienſt an ſtädtiſchen Schulen ſtanden und dabei, ſofern ſie
Freiprediger waren, im Neben amt, ſofern ſie
Mit=
prediger waren, im Hauptamt im Kirchendienſt tätig
waren. Als im Jahre 1878 die Schule aus dem
May=
ſchen Stift verlegt ward, blieb Mitprediger Ritſert, der
ſeit 1877 Vikar ſeines Vaters war und 1877—1876
keine Schule mehr gehalten hatte, in ſeiner Eigenſchaft
als Pfarrvikar in dem Stift wohnen. Im Jahre 1880
wurde der Schulſaal zu Ritſerts Wohnung
hinzugeſchla=
gen, nachdem der Saal in zwei Zimmer zerlegt wor
den war.
Die Pfarrerwohnung hatte zu Inſaſſen 1898
bis 1816 den Stadtpfarrer Reuling, der 1808—1813
als dritter, 1813—1816 aber (gegen das Teſtament) als
zweiter Pfarrer in dem Haus wohnte; 1816—1851
Stadt=
pfarrer Stücker (1816—1832 als dritter, 1832—1851 als
zweiter Pfarrer), 1851—1864 Stadtpfarrer Georg
Friedrich Ritſert, 1864—1877. Stadtpfarrer
Ewald (1864—1873 als dritter, 1873—1877 als zweiter
Pfarrer), 1877—1882 Stadtpfarrer Dingeldey, 1882
bis 1890 Stadtpfarrer Friedrich Ritſert, 1890 bis
1891 Stadtpfarrer Trümpert, 1891—1892 Stadtpfarrer
Guyot, 1892—1897 Stadtpfarrer Eger. Vor 1861 bis
1897 gehörten zu deren Wohnung die zwei Zimmer, die
1808—1830 ornithologiſches Kabinett, 1830—1861
Wohn=
ung von Stückers Schwägerinnen geweſen waren
Entſcheidend für die weitere Entwickelung der Nutz
nießung des Hauſes war die 1882 vollzogene Errichtung
einer neuen Pfarrſtelle, deren erſter Inhaber 1883 bis
1898 Pfarrer Pfnor war, auf den die Pfarrer Vogel,
Weißgerber und Diehl folgten. Die Stadt, die
im Jahre 1882 zur Stellung einer Wohnung für den
neuen Pfarrer noch rechtlich verpflichtet war, räumte —
um das Wohnungsgeld zu ſparen — Pfarrer Pfnor die
ſeit Ritſerts Auszug leerſtehende Lehrerwohnung ein
Von dieſem Zeitpunkt an wohnten in dem Stift alſo
zwei Pfarrer. Im Jahre 1890 wurde bei der
Ver=
mögensauseinanderſetzung zwiſchen Stadt und Kirche
feſtgeſetzt, daß die Kirche, die für dies
Zuge=
ſtändnis große finanzielle Opfer brachte,
dauernd das Wohnrecht in dem Stift in ſeinem voller
damaligen Umfang (alſo für zwei Pfarrwohnungen
behalten ſolle. Von da an blieben bis 1897 zwei Pfarrer
in dem Haus wohnen. Als das Pfarrhaus in der
Stift=
ſtraße 1897 gebaut war, zog der eine Pfarrer (Eger),
deſſen Wohnung ſchon längſt als zu eng empfunden ward,
aus. Als Rechtsnachfolger trat ein Pfarraſſiſtent (Ko
rell) in die Wohnungsnutznießung. Nachdem dann
vorübergehend in einem Teil der unteren
Pfarrwohn=
ung ein Kirchendiener gewohnt hatte, ward der
gegen=
wärtige Zuſtand geſchaffen, daß ein Pfarrer ſeine Wohn
ung in dem Stift hat. Seit 1910 befindet ſich in ihm noch
vorläufig das Heſſiſche Schulmuſeum, deſſen Beſtände in
drei geräumigen Zimmern aufgeſtellt ſind.
Wie dieſer geſchichtliche Ueberblick zeigt, ſind durch
das ſtolze Haus am Eingang des Birngartens alle
mög=
lichen Menſchen gezogen. Auf den Kriegsmann folgte der
Bankier, auf dieſen der Baumeiſter, der Arzt, der
Forſt=
mann, der Juriſt und dann die großen Scharen von
Pfar=
rern und Lehrern. Gemeinſam war den meiſten unter
ihnen ein doppelter Grundzug: einmal der, daß wir au
Erden ſind, um was Rechtſchaffenes zu arbeiten;
ſo=
dann der andere, daß das Helfen den Menſchen vor
nehm macht. Wie viel dienende Liebe iſt aus dem
Hau=
hinausgeſtrömt über die ganze Stadt Darmſtadt. Mögen
alle künftigen Bewohner des Hauſes dies Erbe aus alten
Tagen allezeit feſthalten!
lachs 25—38 Pf.; in den Fleiſchſtänden½ Kg.:
Rind=
fleiſch 56—60 Pf., Hackfleiſch 72 Pf., Rindsfett 50 Pf.,
Rinds=
würſtchen (Stück) 15 Pf., Schweinefleiſch 72 Pf.,
Schwar=
tenmagen 70 Pf., Leber= und Blutwurſt 60 Pf.
Bensheim, 6. Jan. Die vor einiger Zeit gegründete
Zweigſtelle wird am nächſten Mittwoch eine neue
Bera=
tungsſtelle der Großherzogl. Zentrale für M. und S.
hierſelbſt eröffnen. Eine Beſprechung darüber fand am
letz=
ten Mittwoch unter dem Vorſitz des Bürgermeiſters Dr.
Frenay, der ſich der Angelegenheit beſonders angenommen
hat, ſtatt. Die nötigen Hilfskräfte für die Beratungsſtelle
ſind gewonnen. Der leitende Arzt iſt auf Vorſchlag des
Aerztlichen Kreisvereins bereits ernannt, es iſt Herr Dr.
Vogel. Die nötigen Mittel ſind von der Zentrale
ange=
wieſen.
Lorſch, 6. Jan. Geſtern nacht um 1 Uhr iſt am
Kai=
ſer Wilhelmplatz Feuer ausgebrochen. Die Scheunen
der Landwirte Eduard Raab und Joh. Gärtner XII.
ſind total niedergibrannt. Die
Entſtehungs=
urſache iſt unbekannt. Das Vieh konnte gerettet werden,
ebenſo gelang es der alsbald angekommenen Lorſcher
Freiwilligen Feuerwehr, den Brand zu beherrſchen und
die Nachbargebäude zu retten.
Mainz, 6. Jan. Die 50jährige Witwe und
Zigarren=
händlerin Eliſe Decker hat ſich heute vormittag mit
Salzſäure zu vergiften verſucht. Die Kranke
wurde von der Sanitätswache ins Hoſpital gebracht,
wo=
ſelbſt ihr ſofort der Magen ausgepumpt wurde. Ein
Sohn der Witwe, der beim Militär in Darmſtadt
Ser=
geant war, war dort plötzlich vom Schlage getroffen tot
zuſammengebrochen. Aus Kummer hierüber iſt ſie
je=
denfalls zu der Tat gekommen.
* Friedberg, 6. Jan. Wie wir ſeiner Zeit berichteten,
wurde die Stadt Friedberg vom Landgericht Gießen mit
ihrer Klage in Sachen des Bombenattentates
Wingeß abgewieſen. Die Stadt wünſchte ſich aus dem
Nachlaß des Attentäters ſchadlos zu halten für den ihr
durch die Exploſion im Rathauſe erwachſenen großen
Schaden, mußte aber zu ihrem Leidweſen erſehen, daß
ein Leipziger Bauunternehmer ältere Rechte an dem
hin=
terlaſſenen Gelde hatte, weil dieſes ihm von dem
Bom=
benwerfer entwendet worden war. Das Reichsgericht
verwarf dieſer Tage die von der Stadt Friedberg
gegen das Urteil des Gießener Landgerichts eingelegte
Rechtsmittel der Reviſion. Die Koſten der beiden
Inſtanzen ſind, da es ſich um einen Betrag von 4700 M.
handelt, nicht unbedeutend.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 5. Jan. Der Direktor
Norbert Rodkinſon wurde heute nachmittag in ſei
nem Bureau in der Zimmerſtraße von einer
Putzmache=
rin durch drei Schüſſe lebensgefährlich verletzt
Die Täterin flüchtete und verletzte ſich durch einen
Re=
volverſchuß auf der Treppe des Hauſes ebenfalls ſehr
ſchwer. Die Gattin Rodkinſons teilt mit, es handle ſich
bei dem Attentat nicht um eine Liebesaffäre, ſondern um
einen Erpreſſungsverſuch. Das Mädchen ſei vor zehn
Jahren bei der Familie angeſtellt geweſen, als dieſe nöch
in Petersburg anſäſſig war. Seitdem habe es
wieder=
holt verſucht, Geld zu erpreſſen. — Der 33 Jahre alte
Kontordiener Hermann Ritter, der kürzlich der
Pelz=
warenfirma Wolff 22750 Mark unterſchlug, iſt geſtern
von der Kriminalpolizei feſtgenommen worden. In
ſeinem Beſitze fand man noch etwa 12000 Mark. 10000
Mark will er in etwa drei Tagen verjubelt haben.
Der 39jährige Invalide Wilhelm Jahnke aus der
Schön=
hauſer Allee wurde in ſeiner Wohnung tot
aufge=
ſunden. Durch ſeine Trunkſucht hatte er ſich ein
Leber=
leiden zugezogen, das ihn vor zwei Jahren
arbeitsun=
fähig machte. Wegen ſeiner zahlreichen Familie erhielt
er außer der Invalidenrente noch Armenunterſtützung.
Die Frau mußte als Pförtnerin und Hausreinigerin den
Reſt zur Erhaltung der Familie erwerben. Er ſchrieb
am Tage vor ſeinem Selbſtmord an einen Kameraden,
ſeine Frau habe ihn vergiftet! Der Empfänger des
Brie=
fes ging zur Polizei. Frau Jahnke wurde amtlich
vernommen, jedoch ſofort wieder von der Polizei
ent=
laſſen. Ihre älteſte Tochter und deren Freundin hatten
geſehen, wie Jahnke ein weißes Pulver in die Teekanne
ſchüttete, und gehört, daß er ſagte, er wolle ſich vergiften
Die Kinder hatten ſich dabei nichts gedacht, weil er des
öfteren ſolche Reden führte.
Frankfurt, 6. Jan. Wie amtlich gemeldet wird, iſt
Sir Francis Oppenheimer, der hieſige britiſche
Ge=
neralkonſul, zum Handelsattachee bei der Botſchaft in
Berlin ernannt worden.
Frankfurt, 6. Jan. Wie das Komitee für das 17.
Deut=
ſche Bundes= und Jubiläumsſchießen mitteilt,
hat Prinz Heinrich von Preußen das Protektarat
übernommen. Das Schießen findet vom 14. bis 21. Juli
1912 ſtatt.
Frankfurt, 6. Jan. Im Alter von 62 Jahren ſtarb in
der Nacht zum Freitag Herr Kaufmann Jakob Latſcha,
eine der bekannteſten Frankfurter Perſönlichkeiten von
markanter Eigenart. Herr Latſcha, der trotz ſeiner
Ver=
dienſte um das allgemeine Wohl ſtets ſchlicht und einfach
blieb, hat viele gemeinnützige Unternehmen ins Leben
ge=
rufen und gefördert. Große Verdienſte hatte er
nament=
lich um die innere Miſſion; dem „Evangeliſchen Verein
für innere Miſſion” gehörte er bis zu ſeinem Ableben
als Vorſtandsmitglied an, und die Gründung des „
Evan=
geliſchen Kaſinos” iſt ſein Werk. Latſcha war einer der
erſten, die für die Einführung der völligen Sonntagsruhe
eingetreten ſind, ſein Hauptſtreben galt aber der Reform
des Wohnungsweſens. Die Gründung der
Vil=
lenkolonie Buchſchlag iſt auf ſeine Initiative
zu=
rückzuführen, auch die Kleinwohnungskolonie, die zwiſchen
Offenbach und Rumpenheim im Werden begriffen iſt,
verdankt Latſcha ihre Entſtehung. Seine Verdienſte in
Heſſen ſind im vorigen Jahre durch Verleihung des
Rit=
terkreuzes 1. Klaſſe, des Verdienſtordens Philipp des
Großmütigen gewürdigt worden.
München, 6. Jan. Im Amtsgerichtsgefängnis
Mies=
bach hat heute vormittag 9 Uhr der ledige
Zimmermaler=
gehilfe Albert Speckner, der geſtern ſpät abends in
Bayriſch=Zell verhaftet worden war, nach längerem Leug
nen vor dem vernehmenden Oberamtsrichter das Geſtändnis
abgelegt, daß er am 18. Dezember in ſeiner Wohnung in
München die 11jährige Malerstochter Frieda Pracher
er=
würgt habe. Der Mörder wird noch heute in das
Unter=
ſuchungsgefängnis in München eingeliefert.
Düſſeldorf, 6. Jan. Aus der
Provinzialirren=
anſtalt Grafenberg ſind geſtern drei zur Beobachtung
ihres Geiſteszuſtandes überwieſene Verbrecher
ent=
ſprungen. Unter ihnen befindet ſich der bekannte
Einbrecher Kaspers.
Leipzig, 3. Jan. Die Urſachen der Leipziger
Punſchvergiftung ſind jetzt ſoweit ermittelt
wor=
den, daß der Tatbeſtand lückenlos vorliegt. Der
Likör=
fabrikant Kehr hatte vor einiger Zeit von einem Reiſen
den der Firma Bode & Salzmann in Berlin einen 60
Liter=Ballon Spiritogen, einen
methylalkoholhalti=
gen Spirituserſatz, gekauft, um ihn in Unkenntnis ſeines
eigentlichen Verwendungszweckes, der
Parfümeriefabri=
kation, der Herſtellung von Genußmitteln zu verwenden.
Die verhängnisvolle Bowle war das erſte
Spiritogen=
fabrikat Kehrs, und die drei polniſchen Arbeiter ſollten
ſie begutachten. Eine zweite Bowle, die Kehr am ſelben
Abend braute, enthielt nur unverfälſchten Spiritus.
Da=
her kam es, daß bei der gerichtlichen Unterſuchung der
Punſchreſte keine Giftſtoffe vorgefunden wurden. Die
Firma Bode & Salzmann trägt keine Schuld an dem
Unglück, da ſie das Spiritogen ausdrücklich nur zur
Parfümeriefabrikatkon verkaufte. Wie der
Verein ſächſiſcher Großdeſtillateure in einem Rundſchrei
ben an die Preſſe betont, iſt das ſchreckliche Ereignis nur
auf die mangelnde Sachkenntnis Kehrs zurückzuführen,
der das billige Spiritogen, von dem das Liter 1,25 Mk
koſtet, dem 1,85 Mark koſtenden Spiritus gleichwertig
er=
achtet hat.
Altenburg, 6. Jan. In der verfloſſenen Nacht iſt das
Rittergut Münſa mit ſämtlichen Erntevorräten, viel Viek
und Maſchinen niedergebrannt. Der Schaden iſt durch
Verſicherung gedeckt.
Kiel, 6. Jan. Auf dem kleinen Kreuzer „Stettin” iſt in
der Kammer des erſten Offiziers das feſt eingebaute,
mit Sicherheitsſchloß verſehene eiſerne Spind, das
zur Aufbewahrung geheimer Dienſtvorſchriften benutzt
wurde, erbrochen worden. Auf die Ergreifung des
Täters iſt eine Belohnung von 300 Mark geſetzt worden.
Nach Anſicht militäriſcher Kreiſe werden durch den Verluſt
der entwendeten Schriftſtücke keine wichtigen militäriſchen
Geheimniſſe preisgegeben.
Königsberg i. Pr., 5. Jan. Ein unbedachtſamer
Aus=
druck hat einem in der Nähe anſäſſigen Gutspächter
eine empfindliche Strafe eingebracht. Im Herbſt vorigen
Jahres war der Lehrer einer Volksſchule von ſeinen
Schülern gebeten worden, ihnen einmal zu zeigen, wie
man kunſtgerecht einen Drachen ſteigen laſſe.
Der Lehrer tat den Jungen denn auch den Gefallen. Es
wurde ein mächtiger Drachen angefertigt und man begab
ſich nach einem in der Nähe befindlichen Felde, das aber
bereits abgeerntet und nur noch mit Stoppeln bedeckt
war. Als das Drachenſteigen im beſten Gange war,
er=
ſchien plötzlich der Gutspächter und fing ſofort an, den
Lehrer in grober Weiſe zu beſchimpfen. Unter anderem
warf er ihm den beliebten oſtpreußiſchen Ausdruck
„dammliger Kerl” an den Kopf und nannte ihn noch
dümmer als ſeine Schüler. Darauf erfolgte die
Auffor=
derung an die Geſellſchaft, ſich möglichſt bald von dem
Stoppelfelde zu ſcheren. Dieſes dauerte dem aufgeregten
Mann offenbar zu lange, denn er hetzte ſeinen Hund auf
die Jungen. Der Hund ſprang an einem empor und
verletzte ihn an der Seite, ſo daß eine ſchmerzhafte
Ver=
wundung entſtand. Wegen dieſes Verhaltens wurde
gegen den Gutspächter Anklage wegen öffentlicher
Be=
leidigung des Lehrers erhoben. Bei ſeiner
Vernehm=
ung gab er an, daß es ihm ferngelegen hätte, den Hund
auf die Schülerſchar zu hetzen, der Hund ſei aus freiem
Antriebe auf eines der Kinder losgegangen. Die als
Zeugen vernommenen Schüler bekundeten aber das
Gegenteil; der Angeklagte habe vielmehr ganz deutlich
durch Hochheben des Armes dem Hunde ein Zeichen ge=
geben, worauf dieſer das gebiſſene Kind anſprang. Unter
dieſen Umſtänden ſah der Gerichtshof die Schuld des
Angeklagten für erwieſen an und verurteilte ihn wegen
Beleidigung und Körperverletzung zu drei Wochen
Gefängnis.
Allenſtein, 5. Jan. Ein Reklametrick hat die
Inhaberin eines hieſigen Schuhwarengeſchäfts und den
Leiter des Meſſengerboy=Inſtituts wegen
Portohin=
terziehung auf die Anklagebank gebracht. Die Frau
war auf die Idee verfallen, Reklamekarten drucken zu
laſſen, welche der äußeren Form nach, ſowie nach der
Faltung äußerlich genau den Eindruck von amtlichen
Telegrammen machten. Dann wurde ein Meſſengerboy
in eine Uniform geſteckt, die täuſchend der eines
Poſt=
unterbeamten ähnlich war. Er erhielt außerdem eine
ſchöne rote Taſche umgehängt und trat damit ſeinen
Be=
ſtellgang an. Es wurden ungefähr 2000 der
Reklame=
karten verteilt. Mancher der Empfänger hatte nun
an=
ſcheinend für die Originalität der Reklameidee kein
rich=
tiges Verſtändnis; verſchiedene von ihnen empfanden
die Sache vielmehr als groben Unfug und machten die
Polizei darauf aufmerkſam. Dieſe belegte zunächſt die
Kaufmannsfrau mit einer Geldſtrafe von 20 Mark und
benachrichtigte zugleich die Poſtbehörde. Dieſe ſtellte
eine eingehende Unterſuchung an und kam zu dem
Er=
gebnis, daß bei der ganzen Sache tatſächlich eine
Porto=
hinterziehung in Frage komme. Infolgedeſſen wurde
von ihr gegen die Kaufmannsfrau und den
Inſtitutsvor=
ſteher in dieſem Sinne Anklage erhoben. Der
Gerichts=
hof ſtellte ſich auf den Standpunkt der Poſtbehörde, daß
Portohinterziehung vorliege und verurteilte beide
An=
geklagte zu 350 Mark Geldſtrafe eventuell 15 Tagen Haft.=
Außerdem haben die Angeklagten für hinterzogenes
Porto je 87 Mark 50 Pfg. an den Poſtfiskus zu zahlen.
Solothurn, 6. Jan. In Selzach ſtarb ein 34
jähri=
ger ſtarker und geſunder Mann drei Stunden nach der
Abendmahlzeit unter gräßlichen Schmerzen. Bei der
Sek=
tion wurde eine Menge Strychnin im Magen des
Verſtorbenen gefunden. Unter dem Verdachte der
Täter=
ſchaft wurden die Gattin und ein angeblicher Liebhaber
derſelben verhaftet. Der Letztere iſt wieder auf freien
Fuß geſetzt worden. Es wird jetzt zu ermitteln verſucht,
woher das Strychnin ſtammt.
Paris, 5. Jan. Ein Konfektionär namens Salomon,
welcher vor einiger Zeit einen Scheidungsprozeß
verlo=
ren hatte, feuerte heute auf der Straße auf den
Kaſſa=
tionsgerichtsrat und früheren Präſidenten des Pariſer
Zivilgerichts Ditte drei Revolverſchüſſe ab.
Ditte blieb unverletzt. Der Angreifer, der ſofort
feſtge=
nommen wurde, behauptete, er habe nur die öffentliche
Aufmerkſamkeit auf ſeine Sache lenken wollen und nur
blinde Schüſſe abgegeben.
Paris, 6. Jan. Ein Anarchiſt hat ſich ſelbſt in
die Luft geſprengt. Es war ſchon die
Dunkel=
heit hereingebrochen, als plötzlich aus
einerBedürfnis=
anſtalt auf dem Montrougeplatz ein heller Feuerſchein
herausleuchtete. Vorübergehende eilten in die Anſtalt
und ſahen, wie ſich ein junger Menſch in brennenden
Kleidern auf dem Boden wälzte. Neben ihm lag eine
halb zertrümmerte Blechſchachtel, die noch rauchte. Es
gelang, die Flammen raſch zu unterdrücken und der
Ver=
unglückte wurde mit verhältnismäßig leichten
Brand=
wunden in das Krankenhaus gebracht. Dort gab er an,
Hervo zu heißen, er habe die Blechſchachtel mit dem Fuße
geſtreift und, von Neugierde erfaßt, mit einem
brennen=
den Streichhölzchen hingeleuchtet, worauf der Zündſchlag
erfolgte. Die Polizei hat aber einen Grund zu der
An=
nahme, daß Hervo ein Anarchiſt iſt, der mit ſeiner
Höl=
lenmaſchine ſelbſt in die Luft ging.
Paris, 6. Jan. Am Kai Manzaiſſe in Corbeil, wo
augenblicklich Erdarbeiten für die elektriſche Bahn ausgeführt
werden, wurde eine alte 300 Kilogramm ſchwere
Kanone von einem Meter Länge aufgefunden, die
noch mit einer Kugel geladen war. Man nimmt an, daß
die Kanone aus dem Religionskriege von 1590 ſtammt.
Zu=
dieſer Zeit belagerte nämlich der Herzog von Parma,
Alexander Farneſe, an der Spitze der ſpaniſchen Truppen
während 25 Tagen Corbeil und nahm die Stadt ein.
Paris, 6. Jan. Ein frecher Diebſtahl wurde
geſtern in der Wohnung der 60 Jahre alten Baronin
Mal=
lermé ausgeführt. Die Dame hatte den Abend bei einigen
Freundinnen verbracht und bemerkte nach ihrer Rückkehr
um Mitternacht, daß ihre Wohnung durchſucht worden war.
Die Diebe hatten Bargeld und Schmuckſachen in Höhe von=
25000 Francs mitgenommen. Bis jetzt hat man keine Spur
von ihnen.
Paris, 5. Jan. Vor dem Pariſer Gerichtshof
be=
gann heute die Verhandlung gegen den des
Beſte=
chungsverſuches an dem Deputierten Ceccaldi
an=
geklagten Staatsanwalt Ferrol de la Valette.
Der Deputierte Deccaldi hielt ſeine Beſchuldigungen in
allen Stücken aufrecht, und ſeine beiden Sekretäre
beſtä=
tigten, daß der Brief Ferrols an Ceccaldi 10 Banknoten
zu 100 Franks enthalten habe. Ferrol ſtellte auch bet
der Verhandlung ſeine Schuld in Abrede.
Paris, 6. Jan. Nach einer Zeitungsmeldung aus=
Toulouſe hat der Bankier Delpech in Villefranche de
Feuilleton.
C) Der Triumph der Feder in der neuen Mode. Die
neuen Frühjahrsmoden werden in dieſem Jahre eine
ungewöhnliche Ueberraſchung bringen: die Schöpfer der
Mode haben diesmal den Plan gefaßt, den Pelz durch
die Feder zu erſetzen. Aber es handelt ſich dabei nicht
etwa um eine Wiedererweckung der alten Federboas.
Die modernen Federn des Frühjahrs werden in der
Toilette der eleganten Frau in einer ungewohnten Weiſe
erſcheinen. Einer der bekannteſten Londoner
Damen=
ſchneider, der ſoeben von einer Rekognoſzierungsreiſe
nach Paris zurückkehrt iſt, erzählt davon: „Man wird
lange Federſtolen tragen, aber ſie werden mit winzigen,
kleinen, glatten Federn bedeckt ſein, mit unzähligen
Tauſenden von kleinen Federn, die ſo geſchickt und eng
aneinandergearbeitet ſind und ſo glatt liegen, daß ſie
auf den erſten Blick den Eindruck koſtbarer Pelzwaren
machen. Aus demſelben Material werden auch große
kiſſenförmige Muffs geſchaffen, ja in Paris arbeitet man
bereits an einer Anzahl von Mänteln und Jacketts aus
dieſem Federgewebe. Dieſe Neuheit aber wird in der
Farbenwahl der Frühzahrsmode eine außerordentlich
große Rolle ſpielen. Man kann dieſe Federſtolen und
Federmuffs in allen erdenklichen Farbennüancen
erhal=
ten, vom lichteſten Roſa oder Gelb bis zum dunkelſten
Grün, Blau oder Schwarz. Bei Pelzen iſt natürlich
die Farbenwahl ſehr beſchränkt, und in dieſe= Lücke
ſpringt die neue Mode ein, die im Gegenſatz zu den
bunkleren Farben der Pelze der Vorliebe für lichtere
koloriſtiſche Effekte die Bahn ebnet. Aber die Fedex be=
ſchränkt ſich nicht nur auf die Straßenkleidung, ſie wird
in den nächſten Wochen auch in den Salons ihren
Ein=
zug halten, eine ganze Reihe prachtvoller
Geſellſchafts=
kleider, die gegenwärtig in den Pariſer Ateliers in
Ar=
beit ſind, zeigen einen leichten, diskreten Federbeſatz, ja
ſogar bei einigen Straßenkleidern taucht dieſer Schmuck
auf. Dieſer neue Einfall der Pariſer Künſtler der
Frauenkleidung hat aber außerdem noch einen
prakti=
ſchen, geſundheitlichen Vorteil: die leichten und dabei
doch warmen Federſtolen, Federmuffe und Federjacketts
bilden einen erwünſchten Uebergang von der ſchweren,
warmen Pelzkleidung des Winters zu der leichten
Som=
mergarderobe.” So weit die Enthüllungen des
indis=
kreten Londoner Modeſpions.
— Die erſten weiblichen Poliziſten in New=York.
Seit Mittwoch genießt New=York den Schutz dreier
weib=
licher Poliziſten, drei „Schutzfrauen” die von dem
Sche=
rif Julius Harburger am Morgen feierlich mit den
In=
ſignien ihres neuen Amtes verſehen worden ſind. Die
drei unternehmenden Damen, die als Hüter der
Ord=
nung ihres Amtes walten wollen, ſtehen in der Mitte
der 30er Jahre; es ſind Frau John S. Crosby, Miß
Cornelia Swinnerten, die der Liga für
Frauenſtimm=
recht angehört, und Miß Patterſon, die bisher als
Journaliſtin tätig war. Alle drei leiſteten den Amtseid,
worauf der Scherif ihnen feierlich erklärte: „Von dieſem
Augenblick an können Sie Ihre Autorität geltend machen,
wo immer die Geſetze verletzt werden. Sie zeigen Ihre
amtliche Beglaubigung vor und führen alle Schuldigen
in Haft. Den größten Nutzen werden Sie ſtiften können,
wenn Sie junge Mädchen in öffentlichen Ballſälen be=
ſchützen, wenn Sie beſonders darauf achten, daß die
Ge=
ſetze gegen den Verkauf von Alkohol an Kinder ſtreng
inne gehalten werden, wenn Sie darüber wachen, daß
die Fabrikgeſetze erfüllt werden.” Mit Ungeduld wartet
nun ganz New=York auf die erſte Verhaftung durch dieſe
weiblichen Poliziſten. Der Scherif hat inzwiſchen von
anderen wagemutigen Damen eine große Reihe von
Geſuchen um Anſtellung erhalten, und er erklärt, daß
er bereit ſei, tauſend weibliche Poliziſten anzuſtellen
wenn genug Bewerber ſich melben. Die „
Schutz=
frauen” werden auch in Fällen, in denen die reguläre
Polizei vor ſchweren Aufgaben ſteht, wie etwa bei
Volksaufläufen und Unruhen, herangezogen werden;
ſie erhalten dann Revolver und Polizeiknüppel als
Ausrüſtung. Auch die Ueberführung verurteilter
Ver=
brecher zum Gefängnis wird ihnen übertragen.
* Eine reizende Geſchichte von der „Findigkeit” der
Poſt erzählt das „Berl. Tageblatt”: Der Kaufmann B.
aus der Nollendorferſtraße in Berlin ſchrieb vom
Poſt=
amt W. 30 eine Rohrpoſtkarte an eine junge Dame in
Charlottenburg und teilte ihr darauf mit, daß er ſie am
Silveſterabend um 9 Uhr vor einem beſtimmten Hauſe
der X=Straße in Charlottenburg erwarte. Die Dame
hatte dem Herrn aber eine falſche Adreſſe angegeben,
und die Karte kam als unbeſtellbar an das Poſtamt
W. 30 zurück. Von hier ging ſie an das Poſtamt C. 2
zur Ermittelung des Abſenders, und da dieſer in dem
angegebenen Hauſe auch nicht bekannt war, wurde ihm
die Karte, als er abends um 9 Uhr zu dem Rendezvous
erſchienen war, von dem dort wartenden Poſtboten
übergeben.
Rouergue die Zahlungen eingeſtellt. Der
Fehlbe=
trag wird auf mehr als 4 Millionen beziffert. Von dem
Bankerott werden an 2000 kleine Grundbeſitzer und
Rent=
ner betroffen. Delpech verübte einen Selbſtmordverſuch
indem er Gift nahm, doch befindet er ſich außer
Lebens=
gefahr. Die Volksmenge veranſtaltete vor ſeinem Hauſe
lärmende Kundgebungen.
London, 5. Jan. Geheimpoliziſten verhafteten
geſtern, wie ſchon gemeldet, vor dem Hauptpoſtamt einen
vornehm gekleideten Indier, der in dem Verdachte
ſteht, ein der Königswitwe von Siam gehöriges
Hals=
band geſtohlen zu haben. Königin Wowaya Pongſi
die Witwe des unlängſt verſtorbenen König
Schulalong=
korn, hatte in London ein Perlenhalsband eigenen
Ar=
beſtellt, das 200000 Mark koſten ſollte. Es wurde in dem
Kaſſenſchrank eines Dampfers des Norddeutſchen Lloyd
nach Bangkok übergeführt. Als man hier aber das Etui
aus dem Schrank nahm, war es leer, niemand konnte ſich
erklären, wie es dem Dieb gelungen war, ſich den
koſt=
baren Schmuck anzueignen. Indiſche und europäiſche
Geheimpoliziſten wurden mit der Erforſchung des
Ver=
brechens betraut. Ein indiſcher „Sherlock Holmes” war
auf einen Landsmann aufmerkſam geworden, der früher
Beamter des Hofes von Siam geweſen war und ſpäter
in Singapore Wohnung genommen hatte. Anſcheinend
ohne regelmäßige Einkünfte, führte der ehemalige
Hof=
beamte doch ein recht flottes Leben. Er wurde von Tag
zu Tag beobachtet, und ſo blieb es nicht verborgen, daß
er nach und nach einige wertvolle Perlen an Landsleute
verkauft hatte. Vor einigen Wochen traten der
Verdäch=
tige und der indiſche Geheimpoliziſt auf demſelben Schiffe
die Reiſe nach London an. Hier wurden die erwähnter
Perlen, die der letztere an ſich gebracht hatte, als zu dem
Halsbande der Königin gehörig erkannt, worauf die
Ver=
haftung erfolgte.
Kopenhagen, 5. Jan. Als der Miniſter des Innern,
Jenſen, heute nacht zu Fuß heimkehrte, glitt er aus
und kam ſo unglücklich zu Fall, daß er ſich einen
ſchwe=
ren Schädelbruch zuzog. Der Miniſter war
außer=
ſtande, ſich ſelbſt wieder zu erheben. Paſſanten halfen
ihm in eine Droſchke, die ihn in ſeine Wohnung brachte
Heute vormittag mußte er jedoch in eine Privatklinik
ge=
bracht werden, wo er zunächſt durch Röntgenſtrahlen
un=
terſucht werden ſoll.
New=York, 6. Jan. Eine furchtbare Kälte
herrſcht im ganzen Lande, namentlich in Duluth. Viele
Nenſchen ſind erfroren. Im Süden iſt die Obſtblüte
ver=
tichtet.
Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nachs
ſtehenden Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.
— Ueber Alfred Kaſe der ſich am nächſten
Dienstag dem Darmſtädter Publikum erſtmalig
vorſtel=
en wird, mögen folgende Preßurteile mitgeteilt ſein:
Wieder bewährte er ſich als der auserwählte, gottbe
mnadete Meiſterſänger. Alle Gefühlstöne beherrſcht er,
ür jeden hat er die entſprechende Farbe auf ſeiner
Palette. Aus Schuberts „Prometheus” ſchuf er ein
Drama von packender, tiefgreifender Wirkung. So hat
zei uns wohl noch kein Sänger das götterverachtende
Selbſtbewußtſein künſtleriſch nachgeformt, wie diesmal
Kaſe.” (Chemnitzer N. Nachrichten.) — „Die Wogen der
Begeiſterung gingen aber beſonders hoch nach dem
Vor=
rage einer Reihe Lieder und Balladen durch Herrn Alfr.
Kaſe. Der Künſtler beſitzt eine prächtige Baritonſtimme,
die er vollkommen künſtleriſch beherrſcht. Auch iſt ſein
Vortrag ſo belebt und fein durchdacht, daß er jetzt ſchon
zu unſeren erſten deutſchen Liederſängern zu zählen iſt.”
Deutſche Wochenzeitung für die Niederlande und
Bel=
zien.) — „In den friſchen ſtudentiſchen Ton des
Univer=
itäts=Sängervereins zu St. Pauli fügte ſich unſeres
hoch=
geſchätzten Opernſängers Alfred Kaſes kernige und
nännliche Art geiſtvoller und plaſtiſcher
Darſtellungs=
ind Charakteriſierungskunſt gut ein. Man muß ihn wic
geſtern ſo verſchiedene Stimmen und Bilder vorführen
gehört haben, um die Vielſeitigkeit, die dramatiſche Wucht
ſeiner in der Höhe herrlich breit ausladenden Stimme,
die geſunde, großzügige Geſtaltungskraft dieſes
ausge=
zeichneten und lebhaft gefeierten Künſtlers immer wieder
bewundernd anzuerkennen.” (Leipziger N. Nachrichten.)
Wahlverſammlungen.
* Traiſa, 5. Jan. Geſtern abend fand hier eine
nationalliberale Wählerverſammlung
ſtatt, in der Herr Profeſſor Dr. Neßling aus
Darm=
ſtadt ſprach. Auf kurze, in verbindlicher Form
vorgetra=
gene Einwendungen eines Vertreters der
Sozialdemo=
kratie antwortete Herr Oberpoſtaſſiſtent Kolb.
* Meſſel, 4. Jan. Man ſchreibt uns: Die heutige
Verſammlung der Fortſchrittlichen
Volkspar=
tei erfreute ſich eines zahlreichen Beſuches. Der
Kan=
didat Dr. Strecker entwickelte die Gründe, warum
man bei der bevorſtehenden Reichstagswahl im
Inter=
eſſe des Vaterlandes und ſeiner gedeihlichen Entwicklung
den ſchwarzblauen Block entſchieden bekämpfen müſſe.
Er kennzeichnete in dieſer Hinſicht ſcharf ſeinen Gegenſatz
zu der Kandidatur Dr. Oſanns. In der Diskuſſion
ſprach ein Herr Jung für die Sozialdemokratie. Das
gab den Anlaß zu einer längeren, übrigens durchaus
ſachlichen Diskuſſion, in der Dr. Strecker die Haltung
ſeiner Partei im Bülow=Block eingehend beleuchtete und
verteidigte. Herr Lehrer Jung=Darmſtadt ging dann
auf das Verhältnis der Landwirtſchaft zur Induſtrie
ein und wies zahlenmäßig nach, wie das Anwachſen
einer kaufkräftigen Arbeiterſchaft viel mehr Einnahmen
trüge, als die geſamten Getreidezölle. Es ſei demnach
eine Verſündigung des Bundes der Landwirte nicht nur
am Gedeihen des Vaterlandes, ſondern gerade ſpeziell
auch des Bauernſtandes, wenn er die induſtrielle
Ent=
wickelung Deutſchlands bekämpfe. Im Namen liberal
denkender Arbeiter forderte Herr Barban zur Wahl Dr
Streckers auf. Nachdem letzterer noch in einem kurzen
Schlußworte auf die Intereſſengemeinſchaft aller
Berufs=
ſchichten hingewieſen hatte, konnte der Vorſitzende um
12¼ Uhr die gut verlaufene Verſammlung ſchließen.
* Eſchollbrücken, 5. Jan. Heute abend fand hier
eine öffentliche Wählerverſammlung der
Fortſchritt=
lichen Volkspartei ſtatt, in der der Kandidat,
Herr Dr. Strecker, ſprach. In großen Zügen
ent=
wickelte er ſein Programm und betonte die Punkte, die
ihn von der Reaktion, und diejenigen, die ihn von der
Sozialdemokratie unterſcheiden. In der Diskuſſion
ſprach ein Herr vom Bund der Landwirte. Ihm
ant=
wortete Herr Jung=Darmſtadt, der in
außerordent=
lich ſachkundigen Ausführungen den Bauern Wege zeigte
auf denen ein Aufſchwung der Landwirtſchaft zu
er=
reichen ſei.
Am gleichen abend ſprach Herr Dr. Strecker in
Hahn, wo er ebenfalls ſeine Stellung zu den beiden
Gegenparteien und zu den Ereigniſſen der letzten
Ver=
gangenheit entwickelte. In der Diskuſſion ſprach Herr
Maus für die Sozialdemokratie und machte z. T.
Vor=
würfe, die nicht im geringſten die Fortſchrittliche
Volks=
partei treffen können. Für die Volkspartei ſprach dann
noch Herr Haller. Im Schlußwort ging Dr. Strecker
auf die einzelnen Einwände ein und wiederlegte ſie in
ſachlicher Weiſe. Gegen 1 Uhr wurde die Verſammlung
von Herrn Lackmann geſchloſſen.
* Weiterſtadt, 6. Jan. Die von der
Fortſchritt=
lichen Volkspartei einberufene Wählerverſammlung
war von nahezu 170 Perſonen beſucht. Der Kandidat Dr
Strecker behandelte in überaus klarer Weiſe die Haltung
ſeiner Partei im vergangenen Reichstage. Der Kandidat
bedauerte die Kampfesweiſe der Sozialdemokratie gegen
ihn, zumal in einer Zeit, wo doch alle Kräfte ausgenützt
werden müßten, um die Reaktion niederzuſtimmen. Bei
Beſprechung der Hochſchutzzölle kam Dr. Strecker auf die
Behauptungen zu ſprechen, wonach er ſich in Leeheim als
Hochſchutzzöllner ausgegeben habe, und wies das entſchieden
als unwahr zurück. Starker Beifall belohnte den Referenten
für ſeine klaren Ausführungen. In der Diskuſſion ſprach
Dr. Vaubel=Darmſtadt. Er ging auf die Tätigkeit des
Reichstages ein und ſprach ſich gegen die Gewerbe= und
ſonſtigen Steuern aus, die zum großten Teil von den kleinen
Handwerkern und Gewerbetreibenden getragen werden
müſſen. — Ein Erfolg dieſer Verſammlung iſt vor allen
der, daß demnächſt in Weiterſtadt ein Verein der
Fortſchritt=
lichen Volkspartei gegründet wird.
* Gräfenhauſen, 7. Jan. Heute fand hier eine gut
beſuchte Verſammlung der natonalliberalen
Partei unter dem Vorſitz des Herrn Joſt ſtatt. Herr
Dr. Oſann gab Rechenſchaft über die Tätigkeit des
vergangenen Reichstags und entwickelte ſein Programm.
In der Diskuſſion traten als Gegner die Herren Collin
von der freiſinnigen Volkspartei und Herr Steitz von
der ſozialdemokratiſchen Partei auf. Dem erſteren
er=
widerte in überzeugender Weiſe noch Herr Dr. Oſann,
der aber dann zu einer weiteren Verſammlung nach
Königſtädten mußte. An ſeine Stelle trat Herr Dr
Kalbfleiſch, der dem ſozialdemokratiſchen Redner erwiderte
indem er vor allem auf die nationale Bedeutung der
Wahl am 12. Januar hinwies. Gegen 6 Uhr konnte der
Vorſitzende die Verſammlung ſchließen.
* Biſchofsheim, 7. Jan. Die geſtrige von der
na=
tionalliberalen Partei einberufene
Wählerver=
ſammlung war infolge des überaus ſchlechten Wetters
nicht ſehr zahlreich beſucht. Landtagsabgeordneter Dr.
Oſann gab eine ſachliche Darſtellung der politiſchen Lage
und der Aufgaben des Reichstags, welche den lebhaften
Beifall der Anweſenden fand, worauf dann
Stadtver=
ordneter Lautz in warmen Worten die Kandidatur des
Herrn Dr. Oſann empfahl und aufforderte, ihm
ein=
mütig am 12. Januar ſeine Stimme zu geben.
Zur Reichstagswahl.
* Berlin, 6. Jan. Die Norddeutſche
Allge=
meine Zeitung ſchreibt: In die kommende Woche fällt
der Termin für die Hauptwahl zum Reichstage.
Wir haben dargelegt, welche Grundſätze bei der Wahl für
jeden ſtaatstreuen Mann maßgebend ſein ſollten und es war
nicht unſere Aufgabe, für oder wider dieſe oder jene
bür=
gerliche Partei Stellung zu nehmen. Worauf es ankam
war, einen Blick von dem Hader der Parteien hinweg auf
die großen Aufgaben des kommenden Reichstages zu lenken
und darauf hinzuweiſen, wie die Sozialdemokratie ſich zu
dieſen Aufgaben ſtellt. Iſt die ſozialdemokratiſche Partei
gelegentlich auch einmal aus ihrer beſtändigen Negatior
herausgetreten, ſo hat ſie doch bei den großen Werken
unſerer Geſetzgebung zum Schutze der nationalen Arbeit
wie zum inneren Ausbau des Reiches ſtets in mehr oder
minder erbitterter Oppoſition geſtanden und vollends hat
ſie bei allen Aufgaben der Sicherung und Wehrhaftigkeit
unſeres Vaterlandes, für die auch der kommende Reichstag
wahrſcheinlich ſchon bald einzutreten haben wird,
vollſtän=
dig verſagt. Verhängnisvoll wäre für die Entwickelung
des Reiches, wenn die Sozialdemokratie mit ihrer
ſtaats=
feindlichen Verneinung in dieſen grundlegenden Fragen
jemals eine ausſchlaggebende Stellung erlangen ſollte. Wie
alſo auch im übrigen die Gegenſätze unter den bürgerlicher
Parteien zum Ausdruck kommen mögen, bleibt doch das
eine beſtehen: Weder in der Hauptwahl noch in der
Stich=
wahl kann ein in ernſter Zeit um die Zukunft des
Vater=
landes beſorgter Mann ſeine Stimme den Sozialdemokraten
geben.
Handel und Verkehr.
* Berlin, 5. Jan. Unter der Firma Société
Commerciale Belgo=Allemande du Congo
(Société anonyme) wurde heute in Brüſſel in den
Räumen der dortigen Filiale der Deutſchen Bank eine
belgiſche Aktiengeſellſchaft mit einem Kapital von
2000 000 Francs mit dem Sitz in Brüſſel errichtet. Von
dem Kapital wurden 1000000 Francs bei der
Gründ=
ung vollgezahlt, auf den Reſt der Einzahlung 25
Pro=
zent geleiſtet. An der Gründung ſind beteiligt u. a. die
Deutſche Bank, die Deutſch=Oſtafrikaniſche Geſellſchaft in
Berlin, die Firma C. Woermann in Hamburg und die
Banque d’Outremer und Compagnie du Congo pur le
Commerce et I'Induſtrie in Brüſſel. Die Geſellſchaft
hat insbeſondere den Zweck, im belgiſchen Kongo und
in den angrenzenden Kolonien Handel zu treiben unter
Uebernahme und Fortführung der Geſchäfte der Firma
Walther Karl, die die Hauptniederlaſſung in Matadi
am Kongo beſitzt. Den erſten Verwaltungsrat bilden
C. Balſer=Brüſſel, Mitglied des Aufſichtsrats der
Deut=
ſchen Bank, als Vorſitzender, E. Frenqui, Adminiſtrateur
und Délégué de la Banque d’Outremer in Brüſſel, als
ſtellvertretender Vorſitzender, M. Brock in Firma C.
Woermann in Hamburg, als Delegierter des
Verwalt=
ungsrats, R. Beſelen in Hamburg, Dr. K. Helferich,
Di=
rektor der Deutſchen Bank in Berlin, W. Karl in
Ham=
burg, F. Kautz, Direktor der Deutſchen Bank,
Succur=
ſale de Bruxelles in Brüſſel, R. Peltzer in Antwerpen,
Gaſton Perier in Brüſſel und J. Warnholtz, Direktor
der Deutſch=Oſtafrikaniſchen Geſellſchaft in Berlin.
— Trieſt, 5. Jan. Mit dem 4. dieſes Monats hat
der Dienſt auf der neuen Schanghai=Eil=Linie,
die der Oeſterreichiſche Lloyd eingerichtet hat
begonnen. Der erſte Dampfer iſt geſtern mit voller
Lad=
ung und einer großen Anzahl von Paſſagieren, darunter
zahlreiche Vergnügungsreiſende, zumeiſt Angehörige der
Ariſtokratie, die ſich zu Jagden nach Ceylon begeben,
ab=
gedampft. Auf der neuen Linie, welche den Verkehr
Trieſt-Schanghai in 33 Tagen beſorgt, werden folgende
Häfen angelaufen: Port Said, Suez, Aden, Colombo,
Penang, Singapore, Hongkong und Schanghai.
Luftfahrt.
* Frankfurt a. M., 6. Jan. Zum diesjährigen
Zuverläſſigkeitsflug am Oberrhein hat
Prinz Heinrich von Preußen, wie gemeldet, mit
allerhöchſter Genehmigung das Protektorat übernommen
und den erſten Ehrenpreis für den Sieger geſtiftet. Der
Preis wird nach eigenen Angaben des Stifters beim
Bildhauer Korſchmann in Berlin entworfen. Der Preis
muß, um in den endgültigen Beſitz des Siegers
überzu=
gehen, ähnlich wie bei dem Prinz Heinrich=Automobil=
Preis zweimal gewonnen werden. Einen anderen
Ehrenpreis hat Prinz Wilhelm von Sachſen=Weimar
ge=
ſtiftet. — Der Deutſche Zuverläſſigkeitsflug wird
bekannt=
lich von der Südweſtgruppe des Deutſchen
Luftſchiffer=
verbandes veranſtaltet. Vorort war im vorigen Jahre
Frankfurt a. M., in dieſem Jahre iſt er nach Straßburg
verlegt. Das Präſidium des Fluges beſteht, wie im
vo=
rigen Jahre, aus den Herren Geheimrat Hergeſell=
Straß=
burg, Geheimrat Andrege=Frankfurt, Exzellenz Gaede=
Freiburg i. B. Die Vorbereitungen liegen in den Hän
den des Arbeitsausſchuſſes, der aus Major Frhrn. von
Oldershauſen=Straßburg, Dr. Joſeph=Frankfurt a. M.
und A. Weber=Straßburg beſteht. Den Ehrenvorſitz des
Arbeitsausſchuſſes hat Prinz Wilhelm von Sachſen=
Wei=
mar übernommen.
Kunſthalle am Rheintor=
II.
Ein Künſtler, der den Beſchauer immer wieder
feſſelt und intereſſiert, wenn auch nicht immer durch
künſtleriſche überragende Größe, ſo doch durch die
Eigen=
art ſeines Wollens und Könnens, iſt Heinrich
Zer=
nin. Er hat eine ganze Kollektion von Aquarellen
und eine Anzahl Oelbilder ausgeſtellt, die, als Ganzes
betrachtet, einen offenbaren erheblichen Fortſchritt
ſei=
nes Könnens bedeuten und zum Teil ganz neue
Sei=
ten ſeiner Malkunſt offenbaren. Den Oelgemälden, von
denen wir die lebhaft an Thomas' Naturauffaſſung
er=
innernde Odenwaldlandſchaft (Stallenkandel) als die
beſte anſprechen möchten, fehlt zur Reife höchſtens noch
die Nuancierung, der innigere Ausgleich zwiſchen Licht
und Schatten. Das kräftige, friſche, lebhafte Kolorit iſt
ſonſt fein und gehaltvoll. Auch die große Felsgruppe
auf dem Frankenſtein, ferner die Motive aus der Berg
ſtraße und von der „Kühruh” ſind intereſſante Werke
wie ſich der Künſtler überhaupt mit Vorliebe Motive
wählt, die ſchon im Vorwurf auch den Laien feſſeln und
denen er dann bildinhaltlich die Reize ſeiner künſteriſchen
Eigenart hinzufügt. Ganz reizende und hochintereſſante
Bildchen aber ſind unter den kleinen Aquarellen zu fin
den, die zum Teil ganz prächtige Stimmungen feſthalten,
ſo z. B. das feine „An der Ruthenbach” dann „Buche
bei Kranichſtein” „Alpenglühen im Winter”, „
Kranich=
ſteiner Chauſſee” u. a. Es ſind ihrer zu viel, um auf
mehr Einzelheiten eingehen zu können.
H. Schlegel, deſſen Stärke ebenfalls die
Waſſer=
farbenmalerei iſt, iſt mit einigen ſeiner hübſchen
Alt=
ſtadtanſichten und zwei Landſchaften (bei Darmſtadt
Eulbacher Forſthaus) recht ehrenvoll vertreten, und
Marie Seyd zeigt in einer großzügigen, wenn auch
noch nicht ganz reſtlos gelöſten Aufgabe einen ſehr
er=
freulichen Fortſchritt ihrer Kunſt. Der „Berg in
Wolken” an ſich ein hochintereſſanter Vorwurf, iſt
aus=
gezeichnet gemalt und zeigt auch in der Kompoſition eine
bemerkenswerte Größe und Kraft der Auffaſſung. Die
faſt bronzen nuancierten grünen Bergpartien und dann
das dunkel gehaltene tiefliegende grüne Tal mit den
Baumpartien und die trefflich, beſſer als der Himmel
gemalten ſchwebenden Wölkchen geben dem Kolorit etwas
ſehr Reizvolles. Nicht ganz ſo glücklich iſt die Perſpektive
herausgearbeitet. Dieſer ſchwierigſten Seite des
intereſ=
ſanten Problems ſcheint das Können der Künſtlerin noch
nicht gewachſen. Immerhin aber iſt, wie geſagt, das
Ganze eine hocherfreuliche Leiſtung.
Heinrich Deuchert=Oberallmannshauſen ſtellt
drei Oelgemälde aus, von denen „Waldinneres” uns das
reifſte ſcheint. Es liegt viel Stimmung in dieſem
flott=
gemalten Bild und es zeugt ebenſo wie das friſch kolo=
rierte „Zur Erntezeit” von ſicherem Erfaſſen der
land=
ſchaftlichen Schönheit und Charakteriſtik, während der
„Hühnerhof” darunter leidet, daß der Künſtler ſich gar zu
ſehr in Details verliert. In einzelnen Partien iſt aber
auch dieſes Bild nicht ohne Reiz, wenn auch die ganze
Malweiſe des Künſtlers dem Geſchmack unſerer Zeit
fremd ſcheint.
Die kleine Kollektion von Ernſt Eimer=Groß=
Eichen zeigt den Künſtler von verſchiedenen Seiten
ſei=
nes Könnens. Die hübſchen Zeichnungen verraten
voran „Familienglück”, einen liebenswürdigen Humor
der in der „Brautſchau” allerdings zur Satire, und wenr
der langbärtige alte König an Leopold den Belgier
er=
innern ſoll, gar zur politiſchen Satire wird. Im „
Deng=
ler” ſcheint auf die zeichneriſche Durchbildung der größte
Wert gelegt; es wirkt ſonſt gar zu ſachlich. Auch von
dem Oelgemälde Strickendes Bauernmädchen” darf das
geſagt werden, doch wird dieſes Bild intereſſant durch
das gut gelungene Kolorit des Interieurs
Friedrich Fennel=Kaſſel wirkt in ſeinen
bei=
den Oelbildern bei offenbar gutem techniſchem Können
gar zu ſchwer. „Wälder und Felder” iſt wohl großzügig
aufgefaßt und vermittelt bei entgegenkommender
Be=
trachtung einen Eindruck von der Größe und
Erhaben=
heit des Naturausſchnittes, aber der „Frühlingstag” iſt
von faſt düſterem ſchweren Inhalt und vermittelt kaum
den Eindruck von neuem Leben, von kommender Schön=
Auch
heit, den der Frühling doch verkörpern ſoll.
Anderly Möllers (Hamburg) kleines Bild „Das
Lied” vermag wenig zu ſagen; trotzdem, oder vielleicht
gerade, weil ihm eine etwas geſuchte Myſtik zu geben
ver=
ſucht iſt, die ſowohl im Vorwurf ſelbſt, als auch in ſeiner
techniſchen Löſung liegt.
Ehe wir der großen Kollektion Hermann Kaulbachs
uns zuwenden, fällt der Blick beim Betreten des
Ehrenſaals auf eine prächtige überlebensgroße Bronze:
die „Jägerin” von Hans Harry Liebmann=Berlin=
Halenſee. Eine köſtliche Plaſtik von reiner Aeſthetik. Der
herrliche Körper iſt in edler Anmut der Bewegung in einet
Phaſe feſtgehalten, die ſeine natürlichen Schönheiten
voll zur Geltung bringt. Die Jägerin hält in der Linken
den Bogen und wendet ſich mit der Rechten in halber
Drehung des Körpers, um dem auf dem Rücken
hängen=
den Köcher einen Pfeil zu entnehmen. Die
Rückenpar=
tien, die dadurch eine beſonders ſchwierige Aufgabe für
den Modelleur bilden, ſind trefflich ſtudiert und
model=
liert. Die Formen im ganzen bei aller faſt ſtrengen
Keuſchheit von warmer lebenatmender Weichheit. Sehr
fein iſt auch das edelgeſchnittene Geſicht gezeichnet. In
der kleinen Gipsſkizze „Glücksbringerin” feſſelt vor allem
die Bewegung, die auch hier von edler, ſtolzer Anmut
und Natürlichkeit iſt.
Seite 6.
darmſtädter Tagblatt, Montag, den 8. Januar 1912.
Nummer 6.
Parts, 6. Zan. Auf Anregung des
Gemeinde=
rats von St. Germain=du=Bois, Departement Saöne=et=
Loire, werden ſämtliche 36000 Gemeinden Frankreichs
aufgefordert werden, für das Militärflugweſen
Frankreichs alljährlich einen der Einwohnerzahl
ent=
ſprechenden Beitrag zu leiſten. Der Geſamtertrag
dieſer Spende wird auf 4 Millionen veranſchlagt.
Sport.
sr. Der Boxkampf zwiſchen dem
Welt=
meiſter Jack Johnſon und dem Neger Sam
Mac Vea iſt jetzt angeblich geſichert. Wie es heißt, ſoll
Jack Johnſon in Chicago einen Vertrag unterzeichnet
haben, wonach er am 23. Juni zum Kampfe gegen Sam
Mac Vea antreten will. Dem Neger ſollen 100000 Mark
winken. Wo der Kampf zum Austrag gelangen ſoll,
wird nicht angegeben. Sydney, das urſprünglich in
Aus=
ſicht genommen war, dürfte kaum noch in Frage kommen,
da die dortigen Behörden den Kampf nicht geſtatten
würden. Neuerdings ſind allerdings Verhandlungen
angebahnt worden, um den Kampf nach Paris zu
be=
kommen.
Eiſenbahnunf le.
* Paris, 5. Jan. Heute abend fuhr auf dem
Bahnhof Auſterlitz infolge falſcher
Weichenſtel=
lung ein Vorortzug in voller Fahrt auf die Maſchine
eines Leerzuges. Etwa 30 Perſonen wurden
ver=
letzt, darunter zehn ſo ſchwer, daß ſie ins Hoſpital
ge=
bracht werden mußten.
* Paris 6. Jan. Die Zahl der bei dem
Eiſen=
bahnunfall auf dem Bahnhof Auſterlitz
verletz=
ten Perſonen beträgt, wie nunmehr feſtgeſtellt iſt,
53, von denen 32 in ihre Wohnungen entlaſſen werden
konnten. Die übrigen 21 Verletzten, von denen eine große
Zahl Knockenbrüche erlitten hat, ſind in verſchiedene
Krankenhäuſer gebracht worden. Bei keinem der
Ver=
letzten beſteht unmittelbare Lebensgefahr.
* Paris, 6. Jan. Der Unfall auf dem
Bahn=
hof Auſterlitz ereignete ſich 6 Uhr 45 Minuten abends.
Der Arbeiterzug, der von Suviſy kam und von
einer elektriſchen Lokomotive gezogen wurde, wollte
ge=
rade in den Bahnhof einfahren, als er irrtümlich auf ein
Gleis gelenkt wurde, auf dem eine Lokomotive ſtand.
Der Lokomotivführer konnte nicht mehr bremſen, ſo daß
der Zug mit voller Gewalt auf die Lokomotive auffuhr.
Der Reiſenden bemächtigte ſich eine große Panik. Sieben
Wagen wurden ſchwer beſchädigt, einer fing Feuer, das
glücklicherweiſe gelöſcht werden konnte. Die
Rettungs=
arbeiten wurden ſofort in Angriff genommen.
* Paris, 7. Jan. Zwei Vorortzüge der
Oſt=
bahn ſind in der Nähe der Station Bondy
aufeinander=
gefahren. Sechs Reiſende wurden getötet, zehn
ver=
wundet, darunter vier ſchwer. Der Unfall ereignete ſich
auf einem Gleis, das ausſchließlich dem Vorortverkehr
dient. Infolgedeſſen iſt der Verkehr zwiſchen Paris und
Deutſchland nicht in Mitleidenſchaft gezogen.
* Bondy, 7. Jan. Das gemeldete Eiſenbahn=
Unglück ereignete ſich auf der Station Pont des
Cvquetiers, etwa zwölf Kilometer öſtlichl von Paris.
Die Strecke iſt dort nur eingleiſig. Ein vom Obſtbahnhof
abgelaſſener Zug wartete auf der Station, da ein aus
entgegengeſetzter Richtung kommender Zug gemeldet
wurde. Inzwiſchen war der vom Oſtbahnhof zehn
Mi=
nuten ſpäter fällige Zug in der Richtung auf Pont des
Coquetiers abgefahren. Dieſer Zug war es, der auf den
in der Station wartenden von hinten auflief. Die
Wir=
kung des Zuſammenſtoßes war entſetzlich. Ein mit
Rei=
ſenden vollbeſetzter Wagen wurde gänzlich zertrümmert.
Drei Männer, zwei Frauen und ein kleings Mädchen, die
unter den Trümmern lagen, wurden ſofort getötet. Drei
Männer ſind ſchwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert
worden, 17 Perſonen ſind leicht verletzt. Der
Zuſammen=
ſtoß iſt darauf zurückzuführen, daß der Führer des
auf=
gefahrenen Zuges die Signale nicht beachtete.
* Paris, 7. Jan. Die Zahl der bei dem Eiſenbahn=
Unglück bei Bondy Getöteten beträgt nach den
letz=
ten Feſtſtellungen zehn.
Zu den franzöſiſch=ſpaniſchen
Marokko=
verhandlungen
ſchreibt der Londoner Korreſpondent des Temps ſt. a.:
„Man hofft in engliſchen Kreiſen, daß die Franzoſen und
Spanier ſich bei den Verhandlungen etwas weniger
ſchroff zeigen werden. Die Annahme, daß England
auf Spanien eine Preſſion ausüben werde, iſt irrig.
Wenn die engliſche Regierung überhaupt interveniert,
dann würde es nur zu dem Zwecke geſchehen, die beiden
Parteien zu gegenſeitigen Zugeſtändniſſen zu zwingen.
Die engliſche Regierung will ſich gewiß nicht mit
Frank=
reich entzweien, aber ebenſo großen Wert legt ſie darauf,
ihre guten Beziehungen zu Spanien zu
erhal=
ten. Der tiefliegende Grund dieſer Freundſchaft mit
Spa=
nien iſt ſtrategiſcher Natur. England will, daß ſeine
Ge=
ſchwader an der ganzen iberiſchen Halbinſel ſicher ſeien.
Zu dieſem Zweck fördert es mit allen Kräften die
Wie=
deraufrichtigung der ſpaniſchen Marine. Deshalb
wer=
den von der Firma Vickers, die mehr oder weniger von
der engliſchen Admiralität abhängt, für Spanien drei
Dreadnoughts gebaut, und die Pläne von zwei weiteren
Dreadnoughts vorbereitet. Deshalb wird auch das
Ar=
ſenal von Ferrol und der Hafen von Cartagena den
mo=
dernen Bedürfniſſen gemäß ausgeſtaltet. Außerdem iſt
ganz ernſtlich die Rede davon, durch die Firma Vickers
in Liſſabon ein neues Arſenal und ein Trockendock
für die großen Schiffe, ſowie drei Panzerſchiffe von
20000 Tonnen bauen zu laſſen. Dieſe Stützpunkte, die
einmal von unſchätzbarem Wert für die engliſchen
Ge=
ſchwader ſein können. wären in den Händen der
Deut=
ſchen furchtbar. Das vergißt man in London
nie=
mals.”
Der italfeniſch=türkiſche Krieg.
* Berlin, 6. Jan. Die deutſche
Hilfsexpe=
dition des Roten Kreuzes für das
tür=
kiſche Lager in Tripolis wird ſich am Mittwoch
früh, wie wir hören, in Hamburg auf einem von der
Le=
vantelinie zur Verfügung geſtellten Dampfer einſchiffen
und wird möglichſt nahe an die tripolitaniſche Grenze
heranzukommen verſuchen, um von dort mit 150
Kame=
len ins Innere transportiert zu werden. Für dieſe
Hilfsexpedition ſind bereits größere Summen in
Deutſch=
land aufgebracht worden. So haben die Deutſche Bank
20000 Mark, Krupp 10000 Mark, Mauſer 10000 Mark
und die Deutſchen Waffenfabriken 5000 Mark zur
Verfü=
gung geſtellt; weitere größere Beträge ſind in Ausſicht
geſtellt worden. Bekanntlich iſt von deutſcher Seite eine
derartige ſanitäre Hilfe den beiden kriegführenden Teilen
angeboten worden. Italien hat ſie abgelehnt, die Türkei
aber dankend angenommen. (Frankf. Ztg.)
H. B. Paris, 6. Jan. Echo de Paris meldet aus
London: In den letzten Tagen waren in Konſtantinopel
Gerüchte verbreitet, wonach Said Paſcha von dem Wunſche
beſeelt ſei, dem Kriege ein Ende zu ſetzen und
folgende Vorſchläge gemacht habe. Die Türkei werde die
Zyrenaika an Aegypten und Tripolitanien an den Bey von
Tunis abtreten. Der Khedive und der Bey von Tunis
werden dann ihrerſeits dieſe Lände an Italien abtreten.
Hierdurch hofft Said Paſcha die Regierung vor dem
Vor=
wurf zu ſchützen, daß ſie Gebiete an eine nicht islamitiſche
Macht abtrete. Dieſe Forderung iſt jedoch im Kabinett nicht
durchgedrungen. Die türkiſche Regierung hat nunmehr der
engliſchen Regierung einen anderen Vorſchlag
unter=
breitet dahingehend, daß die Zyrenaika und Tripolitanien
unter der Oberhoheit des Sultans belaſſen werde. Der
Sultan werde das religiöſe Oberhaupt dieſer Länder
blei=
ben. Die italieniſche Regierung prüft zurzeit dieſen
Vor=
ſchlag, der aber wenig Ausſicht auf Annahme hat.
H. B. Paris, 6. Jan. Der Eclair meldet aus Rom:
Trotz der Erklärungen Saids, daß er einem
Friedens=
ſchluß nicht abgeneigt ſei, wird es immer wahrſcheinlicher,
daß die türkiſche Kammer dem Friedensvorſchlage nicht
zu=
ſtimmen werde. Die Unterhandlungen, die zwiſchen der
Türkei und England über die Baſis von Friedensvorſchlägen
ſtattgefunden haben, haben bisher zu einem Ziele nicht
ge=
führt. Neuerdings ſollen Vorſchläge dahingehend gemacht
ſein, daß Italien der Türkei eine Entſchadigung von
300 Millionen zahlen ſoll.
* Konſtantinopel. 7. Jan. Hier iſt von einem
Rundſchreiben des Großweſiers, in dem er
ſeine Ueberzeugung von einem baldigen Abſchluß
des Friedens ausſpricht, nichts bekannt.
Das Rundſchreiben des Großweſiers vom 2. Januar, in
dem er den Provinzbehörden ſeine Ernennung mitteilte,
enthielt nur die üblichen Ratſchläge bezüglich einer guten
Erledigung der Geſchäfte und der Aufrechterhaltung der
Ruhe und des guten Einvernehmens aller Elemente der
Bevölkerung.
* Konſtantinopel, 7. Jan. Ein offiziöſes
Kommunigué ſtellt feſt, daß die in tendenziöſer
Weiſe verbreiteten Gerüchte über die Abſicht eines
Friedensſchluſſſes jeder Grundlage
ent=
behren. Die Pforte bahnte keinerlei Verhandlungen
an und ſondierte auch keine europäiſche Kanzlei.
Ange=
ſichts der heroiſchen Verteidigung der ottomaniſchen
Kämpfer und der militäriſchen Lage gehe die Meinung
der offiziellen Kreiſe des ottomaniſchen Volkes dahin,
daß auf der Grundlage der italieniſchen Anſprüche vom
Frieden keine Rede ſein könne. Der Tanin bringt
mor=
gen eine vom Miniſter des Aeußern ausgehende
Ver=
öffentlichung, in der die Gerüchte über den Friedensſchluß
als unrichtia bezeichnet werden, der unter den
gegenwär=
tigen Umſtänden unmöglich ſei.
Die Revolution in China.
* Schanghai, 6. Jan. Sunyatſen hat in
Nan=
king ein Manifeſt an alle befreundeten
Na=
tionen erlaſſen. Das Manifeſt beginnt mit einer
langen Anklage gegen die Mandſchuregierung. Weiter
er=
klärt es, daß die Republikaner entſchloſſen ſeien, alle
Ver=
träge, Anleihen und internationale Verpflichtungen, die
unter der Mandſchuregierung vor dem Beginn der
Revo=
lution mit Ausländern oder mit fremden Nationen
einge=
gangen worden ſeien, zu reſpektieren, dagegen alle ſpäteren
Verträge nicht anzuerkennen. Das Manifeſt verſpricht den
Fremden Schutz der Perſon und des Eigentums. Die
republikaniſche Regierung beabſichtigt eine
Re=
form des Zivil= und Strafrechts, ferner eine Reform des
Bergbaurechts, eine Reform der Verwaltung und des
Fi=
nanzweſens, Abſchaffung der Beſchränkungen des Handels
und religiöſe Toleranz. Den Mandſchus, die ſich friedlich
verhalten, wird Rechtsgleichheit und Schutz verſprochen.
* Peking, 5. Jan. Konſulardepeſchen aus
Tſchung=
king beſagen, daß der größte Aufruhr in Tſchengtu
herrſche. Der Vizekönig flüchtete in den Yamen, wurde
aber dort am 20. Dezember gefangen genommen und
hin=
gerichtet. Ein ähnliches Schickſal traf den kaiſerlichen
General Tien. 140 Ausländer verließen geſtern
Tſchung=
king.
* Peking, 6. Jan. Die Mächte ließen heute in
Uebereinſtimmung mit dem jüngſt gefaßten Plan die
Bahnlinie von Peking nach der See beſetzen. Die
hier wohnenden Ausländer ſind von dieſer Demonſtration
ſehr befriedigt.
* Kanton, 6. Jan. Die Engländer ſandten
angeblich aus Furcht vor einer bevorſtehenden Meuterei
der aufſtändiſchen Truppen, unter denen ſich frühere
Pi=
raten befinden, weitere 200 Soldaten und zwei
Feld=
geſchütze von Hongkong nach Kanton. Sie befeſtigen
die Fremden=Niederlaſſung in Kanton, worüber die
Chi=
neſen erregt ſind.
* London. 6. Jan. Wie das Reuterſche Bureau
aus Manila meldet, wird das 15. amerikaniſche
Infanterie=Regiment bereit gehalten, um nach
China abzugehen.
* Waſhington, 5. Jan. Dem Erſuchen des
amerikaniſchen Geſandten in Peking um
Ent=
ſendung von Truppen zum Schutze der Eiſenbahn
Tſing=
wangtau-Peking wird, wie hier mitgeteilt wird, vom
Staatsdepartement erſt dann Folge gegeben werden, wenn
die ſechs beteiligten Mächte eingehend um Rat gefragt
wor=
den ſind, und wenn beſtimmtere Informationen vorliegen.
Darmſtadt, 8. Januar.
Hofball. Am Samstag abend fand der erſte
diesjährige Hofball im Alten Palais ſtatt, an dem
insgeſamt 310 Perſonen teilnahmen. Der Ball wurde
um 8 Uhr mit dem feierlichen Einzug der hohen
Herr=
ſchaften eröffnet. Bei dem Zug in den Ballſaal führte
Se. Kgl. Hoh. der Großherzog die Prinzeſſin
Fried=
rich Karl und der Landgraf Chlodwig von Heſſen
Ihre Kgl. Hoh. die Großherzogin. Es folgten Prinz
Chriſtian von Heſſen mit der Landgräfin
Chlod=
wig von Heſſen, Fürſt zu Solms=Lich mit der
Fürſtin zu Iſenburg=Birſtein, Graf zu Erbach=
Erbach mit der Fürſtin zu Solms=Lich,
Prinz Leopold zu Iſenburg=Büdingen mit der
Prinzeſſin zu Löwenſtein, Prinz zu Löwenſtein
mit der Prinzeſſin zu Iſenburg=Birſtein, Prinz
Ludwig zu Solms=Lich mit der Gräfin Wilhelm
zu Solma=Laubach. Graf Wilh. zu Solms=Lau=
bach mit der Prinzeſſin M. zu Solms=Braunfels,
Prinz Stolberg (Drag.=Regt. 24) mit der Prinzeſſin
zu Reuß. Dann folgten die Diplomaten, zunächſt
Staatsminiſter Ewald Exz., der die Oberhofmeiſterin
Exz. v. Grancy führte, Staatsrat v. d. Vliet mit der
Lady Acton, Lord Acton mit der Frau v. d. Vliet
uſw. — Um 10.15 Uhr wurde in den verſchiedenen
Sälen das Souper eingenommen. Das
Großherzogs=
paar beteiligte ſich mehreremale an den Tänzen.
Die Tafel= und Ballmuſik ſtellte die Kapelle des
115. Infanterie=Regiments unter Leitung des Herrn
Obermuſikmeiſters Hauske. Die Ballfeſtlichkeit dehnte
ſich bis nach 1 Uhr nachts aus. — Am Sonntag fand
im Reſidenzſchloß eine Frühſtückstafel zu 31 Gedecken
ſtatt, an der alle hier weilenden Standesherren teilnahmen.
Odenwaldklub. Zum erſten Male im neuen
Jahre hatte der Odenwaldklub geſtern ſeine
Mit=
glieder zur Wanderfahrt aufgeboten. Wer im
Hin=
blick auf die ungünſtigen Wetterausſichten eine geringe
Beteiligung vorausgeſagt hatte, wurde angenehm
ent=
täuſcht. Die Wanderer verſammelten ſich früh 7.52 Uhr
in der ſtattlichen Zahl von wenig mehr als 100 auf dem
Luiſenplatz und fuhren mit der Dampfſtraßenbahn nach
Eberſtadt, dem Ausgangspunkte des Marſches. Der
Himmel ſah wenig verheißend aus, Gott Pluvius ſpielte
dieſes Mal dem ſprichwörtlichen „Odenwaldklubwetter”
übel mit. Nach einer guten Stunde war der
Franken=
ſtein erreicht. Im Regen und Wind ging es ohne Raſt
weiter, vorüber am Magnetberg, durch die Seeheimer
Schweiz mit der Friedensquelle über den Hof Hainzen=
Klingen und die Kuralp zum Felsberg. Es war 12½,
Uhr geworden, als man ſich in den gaſtlichen Räumen
des Bergreſtaurants niederließ. Der vierſtündige Marſch
hatte die Wandersleute hungrig und durſtig werden
laſſen. Sie ſprachen dem Frühſtück wacker zu. Herr
Profeſſor Kiſſinger verſchönte die Raſt mit einer
lau=
nigen Rede, die in den Wunſch ausklang, die
Mitglie=
der möchten auch im neuen Jahre feſt zuſammenhalten
in der Treue zum Klub und in der Liebe zu den
Ber=
gen der Heimat. Ein dreifaches „Friſch auf” gab dem
Redner fröhlich zuſtimmend Beſcheid. Während in den
gaſtlichen Räumen die Sonne der Gemütlichkeit die
Her=
zen der Wanderer erwärmte, gingen draußen eiſige
Regenſchauer nieder. Beim Aufbruch (1½ Uhr) hatten
ſich die Schleuſen des Himmels wieder geſchloſſen.
Son=
nenſtrahlen verſuchten den Wolkenrand zu
durchdrin=
gen und bemühten ſich, dem ſuchenden Auge die Ferne
zu erſchließen. Die Anſtrengung lag jetzt hinter den
Wanderern. Auf gekürztem Wege ging es dem Endziel
der Tour, Bensheim, entgegen. Man erreichte es um
3¼ Uhr. Das Mittageſſen wurde im Bahnhofshotel
eingenommen. Die Ortsgruppen Seeheim und
Bens=
heim hatten Wandergrüße entbieten laſſen. — Auch
die zehnte Wanderung im Klubjahr 1911 bereitete ihren
Teilnehmern angenehme Stunden der Erholung und
Freundſchaft, eine Erfriſchung für Geiſt und Leib. Das
Wetter konnte keinen Abtrag tun. Dem echten
Wande=
rer iſt die Natur auch vertraut, wenn ſie ihn rauh
an=
packt, Sturm und Regen entfeſſelt. Mögen Stürme
toben oder die Strahlen der Sonne aus heiterem
Him=
mel die Erde umfangen, jederzeit gilt für ihn in Wort
und Tat: „Friſch auf”.
C) Darmſtädter Jugendwehr. Die von den vereinigten
Kriegervereinen Darmſtadts veranlaßte Gründung
einer Jugendwehr fand am Sonntag nachmittag um
1½ Uhr auf dem Exerzierplatz hier ſtatt. Erſchienen waren
der Präſident des Landesverbandes der heſſiſchen
Krieger=
vereine, Herr Generalmajor à la suite Freiherr v. Heyl,
und für die vereinigten Kriegervereine Herr
Oberbürger=
meiſter a. D. Schäfer, ſowie zahlreiche Lehrer der hieſigen
höheren Schulen, der Volksſchulen und der
Landesbau=
gewerkſchule. Ueber 50 Knaben aus allen Ständen im Alter
von 12—16 Jahren hatten ſich zu dem Gründungsakt
ein=
gefunden. Als Leiter der Darmſtädter Jugendwehr wurde
Herr Oberleutnant Deiß, ein geborener Darmſtädter,
ge=
wonnen, der den Knaben die Ziele und den Zweck dieſer
für Körper und Geiſt unſerer Jugend nützlichen Vereinigung
darlegte. Sämtliche Schüler traten der Neugründung einer
Darmſtädter Jugendwehr bei. Hierauf fand ein Marſch
der fröhlichen Knabenſchar nach dem Griesheimer
Schieß=
platz ſtatt, woſelbſt eine Reihe von Jugendſpielen den
Ab=
ſchluß des erſten Spiel= und Verſammlungstages bildeten.
Anmeldungen zur Darmſtädter Jugendwehr werden bei
den einzelnen Kriegervereinsvorſtänden entgegengenommen.
Der zweite Spiel= und Verſammlungstag wird
vorausſicht=
lich am nächſten Sonntag nachmittag ſtattfinden und iſt zu
hoffen, daß ſich dann noch mehr Knaben dieſer
vaterlän=
diſchen Vereinigung anſchließen, zumal jeder
Standesunter=
ſchied ausgeſchloſſen iſt.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 5. Jan. Im Reichsamt des Innern
tra=
ten unter Vorſitz des Staatsminiſters von Moeller
Ver=
treter der verſchiedenen über Deutſchland verbreiteten
Mittelſtandsverbände und führende Perſönlichkeiten auf
dem Gebiete der Tuberkuloſebekämpfung
zu=
ſammen. Das Reichsamt des Innern war durch
Re=
gierungsrat Pähler, das Reichsgeſundheitsamt durch
Regierungsrat Hamel vertreten. Auch der Direktor des
Reichsamts des Innern, Lewald, wohnte der
Verſamm=
lung bei. Durch die neue Reichsverſicherungsordnung
und das Geſetz über die Angeſtelltenverſicherung
wer=
den neue Möglichkeiten der Tuberkuloſefürſorge
inner=
halb des Mittelſtandes eröffnet, auf die ſich die
berufe=
nen Stellen beizeiten einrichten müſſen. Nach einem
Referat des Regierungsrat Dr. Bergemann (Stettin)
und zuſtimmenden Erklärungen von Vertretern der
Mittelſtandsverbände wurde unter allgemeiner
Zuſtim=
mung ein Organiſationsausſchuß gewählt, der die
ein=
leitenden Schritte unternehmen ſoll. Im beſonderen
wurde der Volksheilſtättenverein vom Roten Kreuz
er=
ſucht, die Errichtung einer neuartigen Muſterheilſtätte
für Frauen und Kinder des Mittelſtandes in die Wege
zu leiten.
* Berlin, 7. Jan. Seit geſtern Abend ſchneit es
ununterbrochen in Berlin. Die Temperatur war mittags
minus vier Grad Celſius. Große Verkehrsſtörungen
werden befürchtet.
* Straßburg i. Elſ., 7. Jan. Hier ſtarb ganz
plötz=
lich an den Folgen einer Sehnenentzündung im Alter
von 56 Jahren der Profeſſor an der hieſigen Univerſität
Dr. Willy Liſt, Oberbibliothekar der Kaiſerlichen
Univerſität und der Landesbibliothek.
* Düſſeldorf, 7. Jan. Bei dem Brande, der geſtern
in einem hieſigen Hotel auskam, iſt ein geiſtesſchwacher
Mann verbrannt. Zwei Mädchen, die aus dem
oberſten Stockwerk herabſprangen, erlitten Arm= und
Riopenquetſchungen; in gleicher Weiſe wurde ein
unten=
ſtehender Mann, auf den eines der Mädchen fiel, verletzt.
Nummer 6.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 8. Januar 1912.
Seite 7.
Ferner trügen der Brandmeiſter und drei Feuergehrleute
Verletzungen davon.
* Hamburg, 6. Jan. Ueber den Untergang des
Dampfers „Chios und die Rettung zweier Leute
durch den Dampfer „Ravenſtone” hat die Deutſche
Levante=Linie folgende Meldung aus Port Said
erhal=
ten: Der „Ravenſtone” traf mit dem Offizier Huſſer und
dem Matroſen Homann hier ein. Beide befinden ſich
wohl. Sie wiſſen nicht, ob noch andere Leute von der
Mannſchaft gerettet ſind. Wahrſcheinlich iſt es nicht. Der
„Chios” ſank am 21. Dezember morgens infolge
Bre=
chens der Ruderkette, während ein ſchwerer Sturm die
Luken einſchlug. Beide Leute wurden durch den „
Ra=
venſtone” 5 Stunden nach dem Untergang des „Chios”
von treibenden Schiffstrümmern gerettet und werden am
Sonntag über Marſeille zurückkehren. Aus der Nachricht
geht hervor, daß der „Chios”, der zu Beginn des Jahres
1911 einer großen Ueberholung unterzogen und vor
An=
tritt ſeiner Unglücksfahrt auf einer hieſigen Werft gedockt
und ſorgfältig beſichtigt worden war, ſeinen Untergang
infolge eines ſchweren Orkans gefunden hat, welcher im
Golf von Biskaya wütete.
* Stettin, 6. Jan. Der geſtern bei einer Wagenfahrt
verunglückte Reichstagskandidat Bürgermeiſter
Wie=
acker=Prenzlau befindet ſich auf dem Wege der
Beſſerung.
* Breslau, 7. Jan. Der frühere Generalſtaatsanwalt
Iſenbiel iſt geſtern in Obernigk geſtorben.
* Breslau, 7. Jan. Der Unterrichtsminiſter ſandte
im Auftrage des Kaiſers an die Witwe Felix Dahns
folgendes Telegramm: „Der Kaiſer und König
nahmen vom Hinſcheiden Ihres Gemahls mit
ſchmerz=
licher Teilnahme Kenntnis. Se. Majeſtät beklagen den
großen Verluſt, den Wiſſenſchaft und Vaterland durch
den Tod des hervorragenden Gelehrten und Dichters
erlitten haben und laſſen allerhöchſt wärmſtes Beileid
ausſprechen. Kultusminiſter von Trott zu Solz.‟ — Der
Kronprinz ließ durch den Rektor der Univerſität am
Grabe Dahns einen Kranz niederlegen.
* Mailand, 8. Jan. Der Corriere della Sera
mel=
det aus Kairo: Lord Kitchener ließ die afrikaniſchen
Ufer des Suez=Kanals beſetzen und ſandte
200 Soldaten nach Ismailia und andere nach Kabret,
um zu verhüten, daß die Beduinenſtämme, die ſich bei
Elkantara ſammelten, nach der Cyrenaika vordringen.
Paris, 7. Jan. Der „Siecle” verlangt, daß die
Regierung vor keinem Opfer zurückſchrecken möge, um
Caſablanca zu einem großen Hafenplatz zu
geſtalten und von dort Zufahrtswege ins Innere
Marokkos zu ſchaffen, welche außerhalb der ſpaniſchen
Zone liegen, da die Beſetzung des Ghargebietes durch
die Spanier für die Bahn von Tanger nach Fez, wie
immer auch die ſranzöſiſch=ſpaniſchen Verhandlungen
ausfallen mögen, ein ſchweres Hindernis, ja vielleicht
eine Gefahr bedeuten.
Paris, 7. Jan. Nach einer Zeitungsmeldung aus
Lyon ſtellte der dortige Bankier Brun die Zahlungen
ein. Die Paſſiven betragen an 2 Millionen.
* Paris, 7. Jan. Hundert Wahlen zum
Se=
nat haben ſtattgefunden in denjenigen Departements,
deren Namen mit den Buchſtaben A bis G anfangen
oder in denen durch Todesfälle Sitze frei geworden ſind.
Bisher iſt kein Zwiſchenfall durch die bisher bekannten
Wahlergebniſſe und keine bemerkenswerte Aenderung
eingetreten. Unter den Gewählten befinden ſich die
ehe=
maligen Miniſter Maurice Faure und Pierte Baudin
und der frühere Miniſterpräſident Combes, der mit 664
von 990 Stimmen gewählt wurde.
* Chalous ſur Marne, 8. Jan. Die Zuchtpolizei
ver=
urteilte den Straßburger Oberſt Lebrecht wegen
Spio=
nage zu zwei Jahren Gefängnis.
* Brüſſel, 6. Jan. Beim deutſchen Geſandten von
Flotow fand heute abend zu Ehren des hier anweſenden
Prinzen und der Prinzeſſin Karl von
Hohenzol=
lern ein Diner ſtatt, an dem auch die Gräfin von
Flan=
dern, die Mutter König Alberts, teilnahm. — Prinz
Adalbert von Preußen, der ſich ſeit zwei Tagen
zum Beſuch des Herzogs von Arenberg hier aufhält,
wurde heute abend von der Konigin der Belgier
empfan=
gen.
* Madrid, 6. Jan. Das miniſterielle Blatt Manana
verſichert, daß ſich der letzte Miniſterrat hauptſächlich
mit den neuen Operationen beſchäftigte, wobei Melilla
als Baſis für die Beſatzung des Nachbargebietes von
Al=
hukemas dienen ſolle. Der Miniſterrat billigt ferner den
ſtrategiſchen Plan, der heute an den
Oberſtkommandieren=
den von Melilla geſchickt wird, um ſeine ſchleunige
Durch=
führung zu ſichern.
Madrid, 7. Jan. Das Befinden des Generals
Ros, der in den Kämpfen bei Melilla am 27. Dezember
eine ſchwere Schußwunde im Genick erlitt, iſt befriedigend.
Den Aerzten iſt es gelungen, die Kugel operativ zu
entfernen.
* Aſtrachan, 7. Jan. Auf einer Eisſcholle, di
ſich losgeriſſen hatte, wurden viele Fiſcher ins Mee
getrieben. Eisbrecher ſind zur Hilfel eiſtung abgegange
* Konſtantinopel, 6. Jan. Die Kammer ſetzte die
Diskuſſion über den Artikel 35 fort. Die Sitzung verlief
ruhig. Zwei Deputierte der Oppoſition wandten ſich
in langen Ausführungen gegen die Abänderung, die
un=
angebracht ſei und nur den Zweck habe, die Auflöſung
der Kammer herbeizuführen, um den Jungtürken die
Aufrechterhaltung ihrer Machtſtellung zu ſichern. Der
Unterrichtsminiſter entgegnete namens der Regierung.
— Der Großweſir, der immer noch krank iſt, wohnte der
Sitzung nicht bei.
* Konſtantinopel, 6. Jan. Den Blättern zufolge
be=
auftragte die Pforte ihre Botſchafter, die Klagen der
bulgariſchen Regllerung gegen die ſtürkiſchen
Behörden anläßlich der Unruhen in Iſtip zurückzuweiſen
und gleichzeitig die Aufmerkſamkeit der Mächte auf das
Treiben der mazedoniſch=bulgariſchen Komitees zu
rich=
ten, ferner die Abſicht der Pforte mitzuteilen, baldigſt die
Ruhe in Mazedonien wieder herzuſtellen.
* New=York, 6. Jan. Infolge der Kälte herrſcht
hier viel Elend. Die Aſyle für Obdachloſe ſind überfüllt.
Für die Obdachloſen wurde deshalb die ſtädtiſche
Leichen=
halle geöffnet.
* Quito, 6. Jan. Nach dem durch einen
Herz=
ſchlag verurſachten Tode des Präſidenten Eſtrada iſt
im ganzen Lande die Anarchie ausgebrochen. Hier in
der Hauptſtadt übernahm Finanzminiſter General
Leoni=
das Plaza die Regierung; gegen ihn erhob ſich General
Montero in Guayaquil. Die Bahn nach Quito wurde
durch ihn unterbrochen. Ein amerikaniſches
Ka=
nonenboot wird zum Schutze der Intereſſen der
Fremden in Guayaquil erwartet. In den
Nordprovin=
zen Manavi und Esmeraldas hat Flavio Alfaro, ein
Neffe des früheren Präſidenten, die Herrſchaft an ſich ge=
riſſn. Die wichtigen Ausfuhrhaſen Mania, Bahia de
Caragues und Esmeraldas ſind augenblicklich für den
Handel geſperrt. Die Lage wird als ernſt
be=
zeichnet. Zum Schutze der fremden Intereſſen,
beſon=
ders des ſtark beteiligten deutſchen Handels, iſt die
Anweſenheit fremder Kriegsſchiffe dringend erwünſcht.
Im Innern ſoll noch General Julio Anrade gegen die
Regierungstruppen im Kampfe ſtehen, doch fehlt eine
Be=
ſtätigung der Nachricht, da ſämtliche
Inlandsverbindun=
gen unterbrochen ſind. Die Kabelverbindungen nach den
Häfen ſind vorläufig noch offen.
Buenos Aires, 8. Jan. Der Ausſtand der
Lokomotivführer und Heizer hat begonnen. Der Verkehr
der Perſonenzüge iſt ſehr eingeſchränkt, der der
Güter=
züge faſt lahmgelegt.
Danzig, 6. Jan. Seit 24 Stunden ſchneit es
hier ununterbrochen. Die Schneemaſſen verurſachen
hier und in den Vororten, ſowie in ganz Oſt= und
Weſt=
preußen ſtarke Verkehrsſtörungen.
— Berlin, 6. Jan. In der Thiergartenſtraße
er=
folgte heute nachmittag ein heftiger
Zuſammen=
ſtoß zwiſchen dem Automobil der Frau Bankier
Richter und einer Automobildroſchke. Die drei im
Pri=
vatautomobil befindlichen Perſonen wurden durch
Glas=
ſplitter im Geſicht und an den Händen verletzt. Beide
Automobile wurden ſtark beſchädigt.
* London, 6. Jan. Die Daily News veröffentlicht
eine lange Unterredung mit Lord Lonsdale, der
über den von den Zeitungen angekündigten Beſuch des
Kaiſers auf Schloß Lowther weiter nichts ſagen
wollte, als daß, falls es zu einem weiteren Kaiſerbeſuch
in England käme und der Gaſt den Wunſch ausſpräche, im
Gehege von Schloß Lowther zu jagen, er ſich ſehr freuen
würde. Es gezieme ſich nicht für ihn, den Kaiſer
ein=
zuladen, ſondern es ſtehe beim Kaiſer, ſich anzuſagen. Im
übrigen ſprach Lord Lonsdale aus perſönlicher Kenntnis
eindringlich von des Kaiſers friedlichen und für
Eng=
land ſehr freundlichen Geſinnungen und erklärte ihm, dem
Sprecher, ſei die von dem britiſchen Kabinett in der
ma=
rokkaniſchen Frage und beſonders hinſichtlich Agadirs
eingenommene Haltung ganz unverſtändlich geweſen. Das
Gerede des britiſchen Abgeordneten Hauptmann Faber
von einem drohenden deutſchen Ueberfall gegen England
erklärte Lord Lonsdale für reinen Unſinn, denn er
habe durch Marineoffiziere und von anderer Seite von
einer Abſprache über eine freundſchaftliche Begegnung
der engliſchen mit der deutſchen Flotte in den
norwegi=
ſchen Gewäſſern vernommen, bei der der Kaiſer zugegen
zu ſein beabſichtigt habe.
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Die Reichstagswahl am 12. Jan.
Die Fortſchrittliche Volkspartei
für den Wahlkreis Darmſtadt=Groß=Gerau
veranſtaltet
Mittwoch, 10. Jan., abends 8½ Uhr,
zwei Tage vor der Wahl
in der Turnhalle am Woogsplatz die letzte
liberale Kundgebun
für die Kandidatur Dr. Strecker.
Es werden ſprechen:
Redakteur Dr. Goldschmidt
aus Frankfurt a. M.,
Landtagsabgeordneter Henrich
aus Darmſtadt und
Oberlehrer Dr. R. Strecker
aus Bad=Nauheim,
der Kandidat der Fortſchrittl. Volkspartei.
Alle Wähler ſind eingeladen.
Freie Aussprache.
Der Wahlausschuss
für die Kandidatur Dr. Strecker.
Das Wahlbüro befindet ſich Bleichſtraße 24
(Fernſpr. 639). — Jede gewünſchte Auskunft wird
gern erteilt.
(1213
Der heutigen Rummer unſeres Bates liegt
die Wahlrede des Reichstagskandidaten
der Fortſchrittlichen Volkspartei des Wahlkreiſes
Darm=
ſtadt-Groß=Gerau, Herrn Dr. Strecker, bei, auf die
hiermit hingewieſen wird.
(R1223
Todes-Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unseren innigstgeliebten Sohn,
Bruder, Schwager und Onkel
Herrn Willi Grünig, Architekt
nach langem Leiden heute vormittag um 9½ Uhr im 24. Lebensjahre zu sich
zu rufen.
Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen:
Philipp Grünig.
Darmstadt, Frankfurt a. M. u. Friedberg (Hessen), den 7. Januar 1912.
Die Beerdigung findet Dienstag, den 9. Januar, nachmittags ¾2 Uhr, vom Sterbehause
Land-
wehrstrasse 7 aus, statt. Kondolenzbesuche dankend verbeten.
(1226
Seite 8.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 8. Januar 1912,
Nummer 6.
Statt beſonderer Anzeige.
Tief betrübt machen wir die traurige
Mit=
teilung, daß unſer lieber, guter, treubeſorgter
Gatte und Vater
(1214
Herr Heinrich Dörmer
Lokomotivführer
geſtern nach kurzer Krankheit ſanft entſchlafen iſt.
Die tieſtrauernden Hinterbliebenen.
Bockenheim, Darmſtadt, Friedberg, 6. Jan. 1912.
Die Beerdigung findet Montag, den 8. Januar,
nachmittags 3½ Uhr, auf dem Beſſunger
Fried=
hof auf Wunſch des Verſtorbenen in aller
Stille ſtatt.
Statt beſonderer Anzeige.
Unſere liebe Mutter, Schwiegermutter,
Großmutter, Schweſter, Schwägerin u. Tante
Antonie Köhler
wurde heute abend von ihrem Leiden erlöſt.
Darmſtadt, Nürnberg, Kalk, 6. Januar 1912.
Im Namen der Hinterbliebenen:
W. Mahr, Zimmermeister.
Die Beerdigung findet ſtatt: Dienstag, den
9. Januar, nachmittags 2½ Uhr, von der
Friedhofskapelle aus.
(1227
Todes-Anzeige.
Heute entſchlief unſer lieber guter Vater,
Schwiegervater, Urgroßvater, Großvater,
Bru=
der, Schwager und Onkel
(1176
Herr
Jean Rühl
Privatier
nach kurzem, ſchwerem Leiden.
Um ſtille Teilnahme bitten
die trauernden Hinterbliebenen:
Georg Rühl, Hofspengler
u. Familie,
Edward Ruehl u. Familie.
Darmſtadt, New=York, den 5. Jan. 1912.
Die Beerdigung findet am Montag nachmittag
½3 Uhr, vom Portale des Friedhofes aus, ſtatt.
Banklagung.
Für die uns bewieſene herzliche Teilnahme bei
dem Hinſcheiden unſeres teuer Entſchlafenen
Herrn Philipp Vogel
ſagen innigen Dank
(1218
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Marie Vogel, geb. Einsiedel.
Darmſtadt, den 6. Januar 1912.
Bankſagung.
Für die herzliche Teilnahme bei der langen
Krankheit und dem Hinſcheiden unſerer
unvergeß=
lichen Mutter
(*509
Frau Wwe. Sophie Puder
beſonders für die troſtreichen Worte des Herrn?
Pfarrers Behringer, ſagen wir hiermit unſeren
innigſten Tank.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 8. Januar 1912.
Tageskalender.
Konzert der Großh, Hofmuſik um 7 Uhr im
Hof=
theater (Hauptprobe vormittags 10 Uhr).
Konzert um 3 und 8 Uhr im Hotel Heß.
1. Darmſtädt er Kinematograph (Ecke Rhein= und
Grafenſtraße): Vorſtellungen von 3½—11 Uhr.
Vorſtellungen im Reſidenztheater von 4—11 Uhr.
Verſteigerungskalender.
Dienstag, 9. Januar.
Mobiliar= ꝛc. Verſteigerung um 1 Uhr zu Traiſa
(Zuſammenkunft in der ehemaligen Riedmatterſchen
Penſion).
Faſelochs=Verſteigerung um 11 Uhr auf der
Bürgermeiſterei zu Hahn bei Pfungſtadt.
Brennholz=Verſteigerung um 9 Uhr in der
Gaydoulſchen Gaſtwirtſchaft zu Rohrbach.
Großh. Porzellanfammlung im Prinz=Georgs=
Palais (Schloßgartenplatz). Geöffnet Dienstags und
Freitags von 3—4 Uhr, Sonntags von 11—1 Uhr.
Eintritt 50 Pfg.
Verkehrs=Verein: öffentliches Verkehrsbureau
Ernſt Ludwigsplatz (Zentrale der elektriſchen
Straßenbahn). Auskünfte jeder Art.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto 2aldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil: Hans Seitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſtriptewerden nicht
zurückgeſandt.
„Univerſum”=Anſichts=Kartenbriefe, Heſſen
mit eingeprägter 5 Pfg.=Marke.
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Nummer 6.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 8. Januar 1912.
Seite 11.
Amtliche Nachrichten des Grofh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde. In
polizei=
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 2 Pinſcher. 3 Pinſcher (zugelaufen). Die Hunde können
von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden.
Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden
Werktag, vorm. um 10 Uhr, ſtatt.
(1153
Zwungsverſteigerung.
Die nachſtehend bezeichneten Grundſtücke, die zur Zeit der
Ein=
tragung des Verſteigerungsvermerks auf den Namen der Sinn,
Jo=
hanna in Darmſtadt, im Grundbuch eingetragen waren, ſollen
Donnerstag, den 29. Februar 1912,
nachmittags 455 Uhr,
durch das unterzeichnete Gericht auf dem Rathaus zu Traiſa
ver=
ſteigert werden.
Die Verſteigerung erfolgt im Wege der Zwangsvollſtreckung.
Der Verſteigerungsvermerk iſt am 8. November 1911 in das
Grundbuch eingetragen worden.
Inſoweit Rechte zur Zeit der Eintragung des
Verſteigerungs=
vermerks aus dem Grundbuche nicht erſichtlich waren, ſind ſie
ſpäte=
ſtens im Verſteigerungstermin vor der Aufforderung zur Abgabe von
Geboten bei dem unterzeichneten Gericht anzumelden und, wenn der
Gläubiger widerſpricht, glaubhaft zu machen, widrigenfalls ſie bei der
Feſtſtellung des geringſten Gebots nicht berückſichtigt und bei der
Verteilung des Verſteigerungserlöſes dem Anſpruche des Gläubigers
und den übrigen Rechten nachgeſetzt werden.
Diejenigen, welche ein der Verſteigerung entgegenſtehendes
Recht haben, werden aufgefordert, vor der Erteilung des Zuſchlags
die Aufhebung oder einſtweilige Einſtellung des Verfahrens
herbei=
zuführen, widrigenfalls für das Recht der Verſteigerungserlös an die
Stelle des verſteigerten Gegenſtandes tritt.
Darmſtadt, den 29. Dezember 1911.
(1189a
Großh. Amtsgericht Darmſtadt II.
Bezeichnung der Grundſtücke.
Grundbuch für Traiſa, Band 3 Blatt 269:
Ord.=
Betrag der
Flur Nr. Kulturart Gewann qm Schätzung
im Dorf
230 Garten
306 650 Mk.
231 Grabgarten „
350 800 Mk.
232 Hofreite
575 41500 Mk.
,
233 Garten
1025 2050 Mk.
258 Wieſe Kappeswieſe 675 275 Mk.
259 Wieſe.
488 200 Mk.
Acker
im Weingarten 963 388 Mk.
88 Acker
975 387 Mk.
Ueberſicht
der Durchſchnittspreiſe von
folgen=
den Früchten und
Verbrauchsgegen=
ſtänden in der Zeit
vom 16. bis 31. Dezember 1911:
per Sack à 100 Ko.
Weizen von Mk. 22.— bis 26.50
Korn
17.25 „ 19.50
Gerſte
16.75 „ 22.-
Hafer
19.75 „ 20.−
Butter ½ Kilo Mk. 1.60
Butter in Partien Mk. 1.50
Eier per Stück 10 Pfg.
Eier in Partien per 25 Stück
Mk. 2.25
Kartoffeln per 100 Kilo Mk. 12.—
Kartoffeln per 25 Kilo Mk. 3.50
Kornſtroh per 50 Kilo Mk. 4,50
Heu per 50 Kilo Mk. 5.50
Darmſtadt, 6. Januar 1912.
Großh. Polizeiamt Darmſtadt.
Oellieferung
für die ſtädtiſchen Betriebe.
Die Lieferung des bei
dem Elektrizitätswerk,
„ Gaswerk,
„ Waſſerwerk,
„ Schlachthof,
„ Schwimmbad und
der elektriſchen Straßenbahn
im Verwaltungsjahr 1912 (1. April
1912 bis Ende März 1913)
be=
nötigten
Dampfzylinder=u. Maſchinenöls
ſoll vergeben werden.
Die Lieferungsbedingungen
lie=
gen auf dem Stadthaus, Zimmer
Nr. 39, zur Einſicht offen und
können daſelbſt auf Wunſch gegen
Zahlung von 50 Pfg. abgegeben
(1188oo
werden.
Verſendung der Bedingungen
nach auswärts findet nicht ſtatt.
Angebote ſind bis zum
29. Januar I. Js.
vormittags 10 Uhr,
einzureichen.
Darmſtadt, 3. Januar 1912.
Großh. Bürgermeiſterei Darmſtadt.
I. V.: Ekert.
Garde=Dragoner=
Regiment
(1. Großh. Heſſ.) Nr. 23.
J.=Nr. 32.
Der Dragoner Richard Oskar
Eduard Scholz der 4. Eskadron
Garde=Dragoner=Regiments Nr. 23,
welcher ſich am 31. Dezember 1911
ohne Urlaub aus der Garniſon
entfernte, iſt zu ſeinem Truppen=
(1155
teil zurückgekehrt.
Die gegen denſelben erlaſſenen
Steckbriefe, bezw. die angeſtellten
Recherchen werden
zurückgenom=
men.
Darmſtadt, 5. Januar 1912.
(gez.) von der Schulenburg.
Oberſt
und Regiments=Kommandeur.
Bekanntmachung.
(Stadtwald.)
Die Nutz= und Brennholz=
Ver=
ſteigerung Nr. 4 vom 5. ds. Mts.
iſt genehmigt. Die Ueberweiſung
des Holzes iſt auf Samstag, den
13. Januar, vormittags 8 Uhr,
(1154
feſtgeſetzt.
Darmſtadt, 6. Januar 1912.
Großh. Oberförſterei Darmſtadt.
Kullmann.
Bekanntmachung.
(Stadtwald.)
Wegen Vornahme von
Kanal=
arbeiten am Oberwaldhaus durch
das ſtädtiſche Tiefbauamt wird
die Oppermannswieſenſchneiſe
zwi=
ſchen Dieburger Straße und
Gar=
tenſchneiſe für die Zeit vom 4. bis
14. Januar 1912 geſperrt. (663do
Darmſtadt, 30. Dezember 1911.
Großh. Oberförſterei Darmſtadt.
Kullmann.
Bekanntmachung.
In unſer Handels=Regiſter A.
wurde heute eingetragen:
Die Firma Georg Hein in
Roß=
dorf hat ihren Sitz nach
Darm=
ſtadt verlegt.
(1186
Darmſtadt, 4. Januar 1912.
Großherzogliches Amtsgericht II.
Wleichſtr. 27, Laden, ſelbſtgel.
Gelee, Marmelade u. Latw. (1178a
Mittagstiſch
für jüngeren Herrn, dem
be=
ſondere, jedoch leicht
durch=
führbare Koſt verordnet iſt,
gegen entſprechende
Vergüt=
ung geſucht Gefl. Offert. u.
W9 durch die Expedition
erbeten.
(1117so
9
ühneraugen
und Nageloperationen
werden ſorgfält. ausgeführt
Fr. Hartmann, appr. Heilgeh.
Grafenſtr. 20, Tel. 276. (1180a
Geehrker Derr Apotheker!
Nächſt Gott danke ich Ihnen für
die gute Nino=Salbe, die ſich an meinen
Händen, ſeit 4 Jahren naſſe, freſſende
Flechte, gut bewährt hat.
Indem ich Ihnen nochmals meinen
herzlichſten Dank entgegenbringe,
be=
grüße ich Sie
hochachtungsvonl
Wwe. H.
Bismark, 1./11. 1905,
Dieſe Rino=Salbe wird mit Erfolg
gegen Beinleiden Flechten und
Haut=
ſelden angewandt, iſt in Doſen à
Mk. 1.15 und Mk. 2.25 in den Apotheken
vorrätig; aber nur echt in
Original=
packung weiß=grün=rot und Firma
Schubert & Co., Weinböhla=Dresden.
Fälſchungen weiſe man zurück.
I. Hes. Versich. geg. Ungeziefer
Ibel & Lotz, G. m. b. H.
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3. Jan. 12 Uhr 30 Min. mittags
in Baltimore.
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more kommend, 4. Januar Beachy
Head paſſiert.
Dampfer „Hamburg” 4. Januar
11 Uhr morgens von New=York
über Gibraltar, Algier und
Nea=
pel nach Genua.
Dampfer „Pretoria” nach New=
York, 4. Januar 11 Uhr 35 Min.
morgens Cuxhaven paſſiert.
Dampfer „Steiermark” nach
Phila=
delphia, 3. Januar 9 Uhr 30 Min.
morgens in Baltimore.
An meine früheren Wähler im
Wahl=
kreis Darmſtadt-Groß=Gerau!
Die Umſtände haben es mit ſich gebracht, daß ich im diesmaligen
Reichstagswahlkampf die Poſition meiner Partei in einem anderen
Wahlkreis zu verteidigen habe. In Darmſtadt-Groß=Gerau iſt mein
Parteifreund, Herr Dr. Strecker, an meine Stelle getreten. Auf ihn
bitte ich meine früheren Wähler das Vertrauen zu übertragen, das ſie
bei früheren Wahlen mir bewieſen haben.
Herr Dr. Strecker ſteht, wie er durch Wort und Schrift der
Oeffentlichkeit ſchon zur Genüge bewieſen hat, politiſch auf dem gleichen
Boden wie ich. Gegenüber der rückſichtsloſen Verfechtung einſeitiger
Klaſſenintereſſen, wie ſie der Bund der Landwirte einerſeits, die
Sozialdemokratie andererſeits betreibt, vertritt er den Standpunkt
eines vernünftigen Ausgleichs und vergißt nicht, daß die Hebung
aller Berufsſchichten unſeres Volkes in letzter Linie doch auch immer
abhängig bleibt von einer ſtarken und geſunden Entwicklung des
ge=
ſamten Vaterlandes.
Wenn es bei der Wahl am 12. Januar gilt, gegen die
volks=
feindliche und ſtaatsgefährliche Politik des ſchwarz=blauen Blocks nicht
nur mit lauten Worten zu proteſtieren, ſondern ſie auch durch eine
dauernde, beſſere politiſche Arbeit zu erſetzen, ſo wird mein
Partei=
freund Herr Dr. Strecker unter den Kandidaten des Wahlkreiſes
Darmſtadt-Groß=Gerau dafür die beſte Gewähr bieten.
Indem ich meinen früheren Wählern für das mir geſchenkte
Vertrauen nochmals danke, fordere ich ſie auf, dies Vertrauen am
12. Januar abermals dadurch zu beweiſen, daß ſie einmütig
ihre Stimme für Herrn Dr. Strecker abgeben. (1206
Pfarrer Adolf Korell=Königſtädten.
Herr Dr. Strecker hat an die Ortsgruppe des
Hanſabundes zu Darmſtadt folgendes Schreiben
ge=
richtet:
„Ich beſtätige dankend den Empfang Ihres
Schreibens vom 4. Januar 1912.
In meiner doppelten Eigenſchaft als Mitglied des
Hanſabundes und als Kandidat für den hieſigen
Wahl=
kreis habe ich ein dringendes Intereſſe an der Klärung
der politiſchen Verhältniſſe in dieſem Wahlkreis. Deshalb
geſtatte ich mir in Anknüpfung an den Inhalt Ihres
ge=
ſchätzten Schreibens die folgenden zwei höflichen Anfragen:
1. Wie kann ſich mein Gegenkandidat, Herr Dr. Oſann,
verpflichten, nach dem Wortlaut Ihres Schreibens
vom 22. Dezember „die einſeitigen Beſtrebungen
des Bundes der Landwirte im Sinne des
Hanſa=
bundes zu bekämpfen, wenn er in engſter
Ver=
bindung mit dieſem ſelben Bunde der Landwirte
im Wahlkampf erſcheint?
2. Wie iſt die angeblich „entſprechende mündliche
Erklärung” die nach Ihrem heutigen Schreiben
Herr Dr. Oſann Ihnen abgegeben hat, vereinbar
mit der entgegengeſetzten Erklärung, die er in ſeiner
Rede am 2. Januar vor der Oeffentlichkeit abgab,
in der er wörtlich ſagte: „So habe ich mich auch
nicht auf die Forderungen des Hanſabundes
ver=
pflichten können?‟ Dieſe letztere Erklärung hat er in
einer Verſammlung in Griesheim noch am 4. Januar
wiederholt, alſo ſogar einen Tag nach Ihrer
Be=
ſchlußfäſſung, die ſich auf ſeine mündliche Erklärung
ſtützt.
Ich werde dieſe beiden Fragen gleichzeitig der
Oeffentlichkeit unterbreiten, von der Anſchauung
aus=
gehend, daß die Wähler des hieſigen Wahlkreiſes Anſpruch
darauf haben, in unzweideutiger Weiſe über die
Stel=
lung ihrer Kandidaten unterrichtet zu werden.
Ihrer baldgefälligen geſchätzten Antwort
entgegen=
zeichne hochachtend Dr. R. Strecker.”
ſehend
(1225
Hessische Flugstudien-Gesellschaft
Darmstadt.
Mittwoch, den 17. Januar 1912, abends 8½ Uhr
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(2a
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Gräfin Laßbergs Enkelin.
Roman von Fr. Lehne.
(Nachdruck verboten.)
18)
Auf Yvonnes ſtrahlende Freude war ein tiefer Schatten
gefallen. Wie ſehnte ſie inbrünſtig das Ende ihres
Auf=
enthaltes auf Burgau herbei! Und noch immer keine
Aus=
ſicht!
Sie ſeufzte tief auf. Was ſollte werden?
Als er ihr bekümmertes Geſichtchen ſah, nahm er ſie
tröſtend in die Arme. Gräme dich nicht, Liebſtes! Nur eine
kurze Weile noch!
Er hatte nicht den Mut gehabt, ihr zu ſagen, was die
Großmutter ihm nahegelegt, was ſie von ihm hoffte.
Ihm ſelbſt war es ja noch vollkommen ſchleierhaft, wie
die Angelegenheit enden würde.
*
Heftig ſtürmte Herta in das Zimmer, in dem ihre
Mut=
ter Mittagsruhe hielt, ohne Rückſicht darauf, ſie im Schlafe
zu ſtören. Sie hielt einen geöffneten Brief in der Hand.
Die Baronin wachte auf. Unwillkürlich rief ſie:
Mein Gott, Herta, wie ungeſtüm! Du weiſt doch, daß
ich ſchlafe?
Ach Gott, Mama, hier lies, dann wird dir der Schlaf
vergehen! Zu dumm, daß Lutz und Dagobert ſchon fort ſind!
Na, gegen abend treffen wir ſie ja doch in Burgau. Das
kann lieblich werden! ſprudelte ſie aufgeregt hervor und
be=
pbachtete dabei die Mutter, die den Brief las und noch
ein=
mal las, dann den Kopf wie nicht begreifend ſchüttelte.
Da ſiehſt du, das iſt dein Lutz, dein Liebling! bemerkte
ſie hämiſch.
Im Gegenſatz zu ihrem ſonſtigen Phlegma ſprang
die Baronin haſtig von der Chaiſelongue auf, die
Müdig=
keit ganz vergeſſend.
Lutz iſt wohl verrückt geworden! Was hat er ſich denn
gedacht? Mein Gott!
Und die tugendhafte Yvonne, die doch ſonſt tut, als ob
ſie kein Wäſſerchen trüben könnte! kicherte Herta boshaft.
Und dabei techtelmechtelt ſie mit meiner brüderlichen Liebe.
Unerhört! ſtieß die Baronin hervor. Und daß gerade
Daiſy die beiden ſehen mußte! Nun hat ſich der Junge durch
ſeine Liebelei die glänzende Partie verſcherzt, nun werden
die Hammerſteins wohl ganz fertig mit uns ſein. Erſt
Yvonne und jetzt Lutz. Es iſt wie ein Verhängnis.
Ja, geärgert hat ſich Daiſy doch mächtig. In einer
Hinſicht kann es der arroganten Perſon gar nicht ſchaden.
Sie bildet ſich ſo ſchon ein, daß ſich alle für ſie allein nur
intereſſieren. In Lutz war ſie mächtig verliebt und hat
mich nach ihm ausgefragt und ausgequetſcht wie eine
Zi=
trone — und wie herablaſſend ſie ſchreibt:
Ich bedaure, meine Zuſage zu dem Abendeſſen
über=
morgen bei Euch zurückziehen zu müſſen, da ich ſchon
mor=
gen nach Scheveningen abreiſen werde. Wie lange ich dort
bleiben werde, weiß ich noch nicht; deshalb will ich ſchon
im voraus zur Verlobung deines Bruders mit ſeiner
Kouſine Yvonne Laßberg gratulieren. Ich ſah das junge
Paar geſtern; in ihrem Glück haben mich beide aber nicht
bemerkt, ſonſt hätte ich Deinem Herrn Bruder ſchon
per=
ſönlich meine Glückwünſche dargebracht. Ich begreife nur
eins nicht — daß Deine Großmama, Frau Gräfin
Laß=
berg, uns nichts mitgeteilt hatte, als es darauf ankam,
daß ihre Enkelin ſchon anders über ſich verfügt hatte!
Mit einer Empfehlung an Frau Baronin
Daiſy von Hammerſtein.
Da haben wir die Beſcherung! Was nun? Daiſy iſt
wütend! Du haſt doch auch geſehen, welche Avancen ſie
Lutz an ihrem Geburtstage gemacht hatte. Es war
ordent=
lich auffallend, wie ſie ihn anſchmachtete und jetzt dieſe
Enttäuſchung! Was wird Großmama ſagen!
Die Baronin ſtöhnte auf.
O Gott, wäre nur erſt das vorüber! Laß uns jetzt
anſpannen. Wir wollen gleich fahren; ich hab keine Ruhe
mehr. Dieſes ſchamloſe Geſchöpf, das meinen Sohn
ver=
führt hat, ſoll es büßen!
Herta pruſtete vor Lachen.
Mama, Mama, du biſt köſtlich! Bedaure nur deinen
armen Sohn nicht zu ſehr! Er wird halt gefunden haben,
daß Yvonne doch hübſcher als Daiſy iſt, meinte ſie in
einer ſeltenen Anwandlung von Gerechtigkeit. Ich kenne
mein Brüderlein; jeder hübſchen Schürze läuft er nach!
Herta, ſei nicht ſo ungewöhnlich in deinen Ausdrücken!
tadelte die Baronin. Unerhört, unerhört! Dieſer Affront
für Hammerſteins!
Der nur in deiner Einbildung beſteht, Mama. Lutz
hat Daiſy nicht die geringſten Hoffnungen gemacht. Mit
dieſem Brief hier hat ſie ſich ſelbſt blamiert. Wenn ſie
ihn nicht in ihrer erſten Wut geſchrieben und abgeſchickt
hätte — jetzt würde ſie es nimmer tun.
Ganz erhitzt und rot vor Aufregung kam die
Baro=
nin auf Burgau an. Nicht eine halbe Stunde war
ver=
gangen, und die Gräfin war von allem unterrichtet. Der
Brief hatte faſt niederſchmetternd auf ſie gewirkt. Dieſer
perfide Zweifel, den Daiſy in ihrem letzten Satz
ausge=
drückt, hatte ſie in eine ſeltene Erregung verſetzt. Rote
Nummer 6e
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 8. Januar 1912.
Seite 13.
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Flecken brannten auf ihren Wangen, und unheimlich
glühten die dunklen Augen. Yvonne mußte kommen.
Sie ſah ſofort, daß ſich etwas Außergewöhnliches
er=
eignet hatte; eine dumpfe Angſt kroch lähmend über ſie
hin. Die Großmutter reichte ihr den Brief.
Gib mir eine Erklärung zu dieſem Schreiben! ſagte
ſie heiſer.
Sie las und atmetete dann tief auf. Jetzt mußte ſie
ſprechen. Nach dieſem konnte Lutz nicht länger
Schwei=
gen verlangen, ohne ſie in eine ſchiefe Lage zu bringen.
Fräulein von Hammerſtein hat recht, entgegnete ſie
beshalb ruhig. Ich bin Lutz’ Braut.
Ih, das lügſt du, das bildeſt du dir nur ein! fuhr
die Baronin auf.
Mit einem verächtlichen Blick ſtreifte Yvonne die
naßloſe Frau.
Ich lüge nicht. Frage Lutz!
Alſo du betrachteſt dich als Lutz Braut, glaubſt
we=
nigſtens, das Recht dazu zu haben? fragte die Gräfin mit
unheimlicher Gelaſſenheit.
Ja, das habe ich.
Seit wann?
Das junge Mädchen zögerte einen Augenblick mit der
Antwort.
Ah, ſie wird es ſich jedenfalls überlegen müſſen, ob
und wann Lutz ihr je zu ſolcher Annahme Veranlaſſung
gegeben, wenn er ſich in verwandtſchaftlicher Weiſe mit ihr
geneckt hat, meinte Frau Aline höhniſch. Sie wußte doch
ganz genau, welche Pläne wir mit Lutz hatten.
Mit denen er aber durchaus nicht einverſtanden war,
wie er mir mehr als einmal verſichert hat.
Willſt du mir meine Frage nicht beantworten? fragte
die Gräfin ſcharf. Seit wann biſt du Lutz’ Braut?
Seit vorigem Jahr!
Ah, der Knabe! Wagt er, mich ſo zu täuſchen und zu
hintergehen? murmelte die Gräfin. Das ſoll er mir
büßen! Und mich dieſer Blamage auszuſetzen! Und du
Yvonne, du hat wohl kein Gefühl der Scham, mit deinem
Vetter hinter meinem Rücken ein Liebesverhältnis
ein=
zugehen!
Großmama, längſt hätte ich Lutz gebeten, dir zu ſagen,
daß wir uns heiraten wollten. Doch er ſprach von
Schwierigkeiten, die noch zu überwinden ſeien; deshalb
gab ich nach und ſagte nichts, auch damals nicht, weil ich
Lutz mein Wort gegeben hatte, zu ſchweigen.
Mit einem eigentümlichen Blick ſah Frau von
Laß=
berg auf die Enkelin, deren Worte ihr einen durchaus
glaubwürdigen Eindruck machten. Yvonne war
welt=
unerfahren, und man tat nicht unrecht, Lutz den größten
Teil der Schuld beizumeſſen. Und war es ihm wirklich
ernſt? Hatte er nicht erſt vor wenigen Tagen erklärt, er
fühle ſich nach keiner Seite hin gebunden? Entweder
hatte er ſie oder Yvonne belogen.
Lutz hatte recht, wenn er von Schwierigkeiten ſprach.
Sie ſind nicht zu überwinden. Ich gebe niemals meine
Zuſtimmung zu einer Verbindung zwiſchen euch.
Ich auch nicht! bekräftigte die Baronin mit einem
haß=
erfüllten Blick auf die Nichte.
Warum nicht? Warum wollt ihr zwei Herzen trennen,
die ſich lieben? Und Lutz liebt mich! Bin ich ihm nicht
eben=
bürtig? Ich bin wie Herta Großmamas Enkelin und ich
trage ſogar ihren Namen.
Du biſt aber auch die Enkelin irgend eines Monſier
Legéne, ein Fräulein Habenichts! höhnte die Baronin,
Meinem Sohn iſt eine andere beſtimmt.
Ich laſſe nicht von Lutz, und er läßt nicht von mir,
das weiß ich! Alles wollt ihr mir nehmen, alles, was mein
Glück ausmacht, ſetzte ſie leiſer hinzu.
Heute habe ich dir nichts weiter zu ſagen. Yvonne. Was
ich wiſſen wollte, hab’ ich erfahren.
Damit war Yvonne entlaſſen.
Sie wollte auf Lutz warten, aus deſſen Munde ihr
Schickſal hören. Er würde ſich doch zu ihr bekennen und zu
ihr halten. Ein Zweifel daran wäre Verſündigung an ihm
geweſen. Mit aller Gewalt klammerte ſie ſich an den
Ge=
danken; aber das Herz wurde ihr immer ſchwerer. Sie
verging faſt vor Ungeduld.
Endlich kam er mit dem Freunde. Sie hörte ſein
ſorg=
loſes Lachen, Dagoberts ruhige Stimme.
Vorſichtig lauſchte ſie zur Tür hinaus. Lutz mußte bei
der Großmutter bleiben. Herta ging mit dem jungen
Lichtenfels nach dem Garten. In unerträglicher Stimmung
hob Yvonne die Arme hoch. Jetzt fiel die Entſcheidunge
Wie lange er blieb!
Sie konnte es auf ihrem Zimmer nicht mehr ertragen.
Vorſichtig ſchlich ſie die Treppe hinunter. Jetzt mußte er
doch bald kommen. Und im Garten, an beider
Lieblings=
platz, wollte ſie ihn erwarten. Sie verſteckte ſich im Gebüſch.
Nicht lange, und ſie hörte nahende Schritte. Es waren
Herta, Dagobert und Lutz, die da kamen.
(Fortſetzung folgt.)
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kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 16 Seiten.
Das Neueſte vom Tage.
Im Leipziger Aſyl für Obdachloſe haben ſich
eine Anzahl von Vergiftungen durch
Methylalko=
hol ereignet; eine Perſon iſt geſtorben.
Der italieniſche Finanzminiſter
veröffent=
licht Mitteilungen über den Staatshaushalt und die
Lage des Schatzes.
Der König von England wird bei ſeiner
Rück=
kehr aus Indien von einer Panzerdiviſion des
franzö=
ſiſchen Mittelmeer=Geſchwaders begrüßt werden.
Der franzöſiſche Miniſterpräſident
Cail=
laur entwickelte in einer Bankettrede ſein neues
Pro=
gramm.
Die hundert Senatswahlen in Frankreich
am Sonntag, durch die eine Drittel=Erneuerung des
Senats erfolgt, haben keine weſentliche Veränderung in
der Zuſammenſetzung ergeben.
Lord Lonsdale, der Freund Kaiſer Wilhelms
und Deutſchlands.
Der eben aus Berlin zurückgekehrte Lord Lonsdale
hat, wie ſchon mitgeteilt, auf ſeinem Landſitz einen
Ver=
treter der Daily News empfangen und ſich zu ihm
aus=
führlich über Kaiſer Wilhelm geäußert. Zu dem Gerücht,
daß der Kaiſer in dieſem Jahre wieder auf ſeinem Schloß
Pearith weilen werde, meint er, daß er ſelbſtverſtändlich
den Kaiſer nicht einladen könne, daß er ihm ſein Haus
aber ſtets mit Freuden zur Verfügung ſtellen würde, falls
der Kaiſer den Wunſch, ihn zu beſuchen, äußern würde.
Lonsdale rühmte dann die Friedensliebe des
Kaiſers.
Er ſagte: „Ich habe es mir zum Prinzip gemacht,
nie=
mals etwas zu wiederholen, was der Kaiſer mir geſagt
hat. Hätte ich aber ſeine Erlaubnis, ſo könnte ich
Tat=
ſachen erzählen, die die Engländer mit Erſtaunen
erfüllen würden, Tatſachen über die große
Freund=
ſchaft, die Kaiſer Wilhelm für Großbritannien hegt. Ich
bin überzeugt, daß der Kaiſer die Haltung unſerer
Regie=
rung nicht verſteht. In bezug auf die Kriegsfurcht
ver=
ſtehe dich ſie ſelbſt nicht. Ich befand mich an der Grenze
Deutſchlands, als der „Panther” in Agadir anlangte. Ich
kenne Watürlich viele einflußreiche Perſönlichkeiten in
Deutſchland, und ich darf ſagen, daß die
Zeitungskom=
mentaxe — offenbar ſind die engliſchen gemeint — nicht
von fhnen verſtanden wurden. Als ich Lloyd
Geor=
ges=Redelas — ich geſtehe das als einer der vielen
Eng=
länder, die nicht an die deutſche Gefahr glauben — da
kart mir die Ueberzeugung, daß dieſe Rede einen
ver=
hängnisvollen Einfluß auf die Maſſe der
Deut=
ſchen ausüben müſſe. Die oberen Klaſſen und die
Poli=
tiker freilich würden ſie eum grano salis aufnehmen.
Meine Erfahrung lehrt mich, daß in Deutſchland ein
ge=
wiſſer Brotneid herrſcht, wie er bei Nationen, die eifrige
Handelskonkurrenten ſind, nicht vermieden werden kann.
Aber ich weiß auch, daß das deutſche Volk, was immer
die Zeitungen ſagen mögen, England ſtets als einen
Freund erachtete . . . Aber jene Rede hat einen ſo
un=
günſtigen Eindruck auf die deutſchen Volksmaſſen gemacht,
daß es Jahre dauern dürfte, ehe er verwiſcht ſein wird.
Es iſt erſtaunlich, wie ſich die Beziehungen in den letzten
zehn Jahren geändert haben!
Wenn der Kaiſer nicht von vornherein entſchloſſen
geweſen wäre, den Krieg zu vermeiden, kein Kabinett
hätte ihn verhindern können; aber der Gedanke, daß der
Kaiſer je England oder ſeinen Handel angreifen werde.
iſt gänzlich grundlos. Der große Freund des Friedens,
der Mann, der behauptet, daß eine ſtarke und tüchtige
Ar=
mee die beſte Sicherheit für den Frieden bietet und die
beſte Vorbereitung für den Krieg iſt, iſt der Kaiſer.
Nie=
mand, der ihn beſſer kennt, kann überſehen, daß ihm der
Krieg als ein Unheil gilt, ſo lange er nicht durch die
Intereſſen ſeines eigenen Landes erzwungen wird. Aber
er würde alles andere eher tun, als einen Krieg
provo=
zieren. Es gibt keinen größeren Soldaten, es gibt keinen
größeren Geiſt! Und es gibt keinen großen Soldaten oder
Seemann, keinen großen Geiſt in unſeren Tagen, der die
ungeheure Verantwortlichkeit für einen Krieg unter den
gegenwärtigen Verhältniſſen auf ſich nehmen möchte. Das
gilt ganz beſonders für den deutſchen Kaiſer, in deſſen
Reich alle die neueſten, Menſchenleben zerſtörenden
In=
ſtrumente den höchſten Grad der Vollkommenheit erreicht
haben.”
Der Ausfrager erwähnte ſodann Kapitän Fabers
Rede, und Lord Lonsdale meinte, die darin enthaltenen
Andeutungen ſeien abſurd. „Ich fordere den größten
lebenden Staatsmann heraus, mir das Gegenteil zu
be=
weiſen,” ſagte Lord Lonsdale, „wenn ich ſagte, daß die
Deutſchen nie die geringſte Abſicht hatten, England anzu=
greifen. Das liegt nicht in ihrem Plan. Es war
wahr=
lich kein Kunſtſtück, der deutſchen Flotte nachzuſpüren;
denn es war um jene Zeit verabredet, daß die
britiſche Flotte mit der deutſchen an der
norwegiſchen Küſte zuſammentreffen ſollte,
um Freundſchaft miteinander auszutauſchen, und ich
glaube, der Kaiſer ſelbſt hatte beabſichtigt, an dieſer
freundſchaftlichen Begegnung mit ſeiner Jacht
teilzuneh=
men. England mag überzeugt ſein, daß hinter der
mili=
täriſchen und entſchloſſenen Natur des Kaiſers ein
über=
aus gütiges Herz ſchlägt Er iſt der Onkel (ſoll wohl
Vetter heißen) unſeres Königs, und ſeine Erinnerungen
an England gehören zu ſeinen angenehmſten, und es iſt
wahrlich nicht der geringſte Grund vorhanden, an einen
deutſchen Angriff auf England zu glauben.” Lord
Lons=
dale tadelte ſehr ſcharf die Aeußerungen
engli=
ſcher Miniſter, die patriotiſche Gefühle erwecken
ſollten. Wenn irgendetwas geſchehen könnte, um dieſe
abſurde und lächerliche Idee eines deutſchen Ueberfalles
auf England auf ihr Nichts zurückzuführen, ſo wäre damit
beiden Nationen der größte Dienſt getan. Ein ſolcher
Krieg iſt unmöglich. Ich würde mein Leben dagegen
wet=
ten.”
Als der Marineminiſter MeKenna ſeine
Erklärun=
gen über die Beſchleunigung der deutſchen Schiffsbauten
im Unterhauſe abgegeben habe, ſagte Lord Lonsdale
weiter, ſei er genau unterrichtet geweſen, was in den
deutſchen Schiffsbauwerften vor ſich ging. Trotzdem ſeien
dieſe Erklärungen mehr kriegeriſch als korrekt geweſen.
„Ich möchte Ihnen noch manches ſagen, aber wenn man
Gaſtfreundſchaft genoſſen hat,” fuhr Lord Lonsdale fort.
„ſo legt das Schweigen auf. Aber ich kann ſagen, daß ich
in den vielen Jahren, in denen mich der Kaiſer ſeiner
Güte gewürdigt hat, niemals ein Wort aus ſeinem Munde
gehört habe, das nicht Sympathie für England
bekun=
det hätte, und ſoweit es ſich mit den deutſchen Intereſſen
verträgt, hat England keinen aufrichtigeren Freund als
den Deutſchen Kaiſer.
Die Aeußerungen Lord Lonsdales werden verſchieden
kommentiert, hie und da auch als Schmeicheleien gegen den
Deutſchen Kaiſer bezeichnet. Ob es auf die deutſch=
engli=
ſchen Beziehungen beſonders günſtig wirken wird, wenn
die Friedensliebe des Kaiſers ſo nachdrücklich unterſtrichen
wird, wie Lonsdale es tut, muß immerhin zweifelhaft
er=
ſcheinen. Dankenswert iſt, daß der Lord ſeinen
Lands=
leuten manche Lehre gibt.
*
N
Die Pariſer Preſſe beurteilt Lord Lonsdales
Interview wenig freundlich. Der Temps findet, daß
die Worte des Lords nicht dazu beitragen, die
anti=
deutſche Stimmung der engliſchen Bevölkerung zu ändern.
Für England ſei und bleibe der einzige Maßſtab der
engliſchen Steuerträgern ſo große Opfer auferlege.
Die italieniſchen Stgatsſinanzen.
— Da die italieniſchen Kammern noch nicht
verſam=
melt ſind, veröffentlicht der Schatzminiſter
Te=
desco anſtelle des üblichen Finanzexpoſés
Mitteilun=
gen über den Staatshaushalt und die Lage des
Schatzes.
Seit dem Jahre 1898 wird die Entwickelung
der italieniſchen Staatsfinanzen
charakteri=
ſiert durch ein beträchtliches und ununterbrochenes
An=
wachſen der Einnahmen, eine raſche und
anhal=
tende Steigerung der Ausgaben und mehr oder weniger
große Ueberſchüſſe. Das definitive Budget für 1910/11
wies einen Ueberſchuß von 32,2 Millionen Lire auf, etwa
doppelt ſo viel als das vorangegangene ,das berichtigte
Budget für 1911/12 einen ſolchen von mehr als 59
Mil=
lionen, von denen nach Abzug der unvorhergeſehenen
Ausgaben immer noch etwa 23,7 Millionen verbleiben.
Für das Rechnungsjahr 1912/13 iſt ein Ueberſchuß von
14,5 Millionen vorgeſehen, wobei alle Etats mit
Aus=
nahme des Schatzes Mehrausgaben aufweiſen. Am
ſtärk=
ſten iſt dieſe Steigerung zutage getreten beim öffentlichen
Unterrichtsweſen, den öffentlichen Arbeiten, dem
Acker=
bau, dem Poſt= und Telegraphenweſen.
Ueber die Kriegsaufwendungen bemerkt
der Miniſter: Zu den normalen Ausgaben treten
gegen=
wärtig die außerordentlichen für die Unternehmung
hinzu, die das Volk mit aufrichtigem Beifall und
Kund=
gebungen der Begeiſterung für die tapferen Matroſen,
und Soldaten und des Vertrauens in die Zukunft der
neuen italieniſchen Länder begrüßt hat. Indeſſen können
und ſollen, wie der Miniſterpräſident in völliger
Ueber=
einſtimmung mit dem ganzen Kabinett erklärt hat, die
Kriegsausgaben die Ausführung der auf die Entwicklung
des nationalen Lebens abzielenden Reformen weder
un=
terbrechen noch verlangſamen, und der Budgetvoranſchlag
enthält alle in Erwägung gezogenen
Ausgabeſteigerun=
gen, ſo 33 Millionen für den Volksſchulunterricht und
mehr als 9 Millionen für öffentliche Arbeiten, ohne daß
das Gleichgewicht des Budgets irgendwie gefährdet
würde. Zur Beſtreitung der Koſten des Krieges genügen
die Ueberſchüſſe der früheren Rechnungsjahre zuſammen
mit dem im laufenden Jahre vorgeſehenen Ueberſchuß,
ſowie ein Teil der ordentlichen Mittel der
Schatzverwal=
tung, die zurzeit in Höhe von nicht weniger als 500
Mil=
lionen verfügbar ſind. Der Miniſter kommt ſodann auf
die befriedigende Lage der Börſen, der Emiſſionsbanken,
ſowie des Geldumlaufs zu ſprechen.
Die Lage der Staatskaſſe iſt trotz der
ver=
ſchiedenen Anforderungen, die der Schatz zu befriedigen
hatte, immer zut geblieben, und der Schatz verfügt noch
über etwa 225 Millionen Schatzanweiſungen und. 125
Millionen ſtatutenmäßige Vorſchüſſe der
Emiſſionsban=
ken, abgeſehen von den namhaften Summen, die bei der
Banca d’Italia für den Dienſt des Schatzes und in
lau=
fender Rechnung bei ausländiſchen Kreditinſtituten (in
Oeſterreich, Belgien, Frankreich, Deutſchland, England,
den Niederlanden und der Schweiz) deponiert ſind. Dieſe
Summen belaufen ſich auf mehr als 100 Millionen und
ſind ſeit dem 30. September, d. h. ſeit der
Kriegserklä=
rung, in bemerkenswerter Weiſe noch um einige
Millio=
nen erhöht worden.
Der Miniſter erörtert dann noch die ſehr
befriedi=
gende Lage der Depoſitenkaſſe und ſchließt: Die
Italie=
ner konnten das Gedächtnis ihrer nationalen
Wiedergeburt nicht würdiger feiern, als indem ſie
in raſcher Zuſammenfaſſung die Offenbarungen des
erha=
benen und vielgeſtaltigen Erneuerungswerkes ſammelten
und in die Erſcheinung treten ließen, das ſie unter
Kämpfen und Opfern, in Zeiten der Begeiſterung und
der Entmutigung während eines halben Jahrhunderts
vollendet hatten einer ſehr kurzen Spanne Zeit in der
Geſchichte der Völker. Aus den heiligen Mahnungen
ſei=
ner nationalen Wiedergeburt, aus der Erinnerung an
das in den letzten fünfzig Jahren vollbrachte Werk, aus
den mannhaften Beiſpielen der Gegenwart ſchöpft das
italieniſche Volk in dieſem von Erinnerungen wie von
Zukunſtsahnungen erfüllten Jahr, ein um ſo ſichereres
Bewußtſein ſeiner Leiſtungsfähigkeit, ein Gefühl umſo
größeren Selbſtvertrauens und, wie im Beſitze einer
neuen Kraft weiß es in unbeſiegbarem Geiſte und in
vermehrter Stärke auf den ſchwierigen Pfaden der
Zivili=
ſation weiterzuſchreiten.
Caillaux’ neues Programm.
* Miniſterpräſident Caillaux hielt als
Vorſitzender eines Banketts der Blauen aus der
Norman=
die, einer radikalen politiſchen Vereinigung, eine Rede,
in der er auf die von dem Parlament angenommenen
Geſetzentwürfe einging, insbeſondere auf die Annahme
des Budgets und des deutſch=franzöſiſchen Abkommens
deutſchen Politik das deutſche Flottenprogramm, das den durch die Kammer. Dank der Tätigkeit des Parlaments
ſei das Terrain gut geebnet. Während der Senat das
Budget und das deutſch=franzöſiſche Abkommen erledigte,
deſſen endgültige Annahme ſich nicht länger verzögern
dürfe, könne die Kammer die Wahlreform, die Geſetze
zur Verteidigung der Laienſchule und das
Schiffbaupro=
gramm, deſſen Annahme für die Sicherheit und Größe
Frankreichs notwendig ſei, beenden. Die Regierung
werde die Kammer zur Verwirklichung einer nationalen
Politik auffordern, um die Verteidigung und demzufolge
die Sicherheit des Landes in größerem Umfange ſicher
zu ſtellen, die Verwaltung zu feſtigen und auf der
ſozia=
len Stufenleiter von oben bis unten Ordnung und
Diſziplin durchzuführen. Das ſei das Werk, das man
verfolgen müſſe. Die Regierung werde ſuchen, damit das
Programm einer wirtſchaftlichen Verjüngungsaktion zu
verbinden. Sie werde ſich bemühen, die Erſparniſſe des
Landes auf die Ausdehnung der Häfen und der
Schiff=
fahrtsſtraßen, ſowie auf die Verbeſſerung des
Eiſenbahn=
netzes hinzulenken, denn wenn man ſich auch aus
verſchie=
denen praktiſchen Geſichtspunkten über die Geldanlagen
im Auslande frenen müßte, die Frankreich zum
Kom=
manditär des Fortſchritts in der Welt machten, dürfte
es doch angezeigt ſein, in gewiſſem Maße dem
Mißver=
hältnis entgegenzuwirken, das zwiſchen dieſen Anlagen
und der Verwendung der Kapitalien im Innern Platz
greifen könnte. Ohne daß man ſich gewaltſam der
Aus=
dehnungsbewegung, die in der Natur der Sache liege,
widerſetze, müßten doch die wertſchaffenden Kräfte des
Landes inniger zu ſeiner Entwickelung und ſeiner
Wohl=
fahrt zuſammenwirken. Der Miniſterpräſident ſchloß mit
einem Aufruf an die Eintracht und Diſziplin unter den
Republikanern.