Abonnementspreis
Inſerafe
175. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk.,
aus=
werden angenommen in Darmſtadt,
wärts nehmen die Poſtämter u. die Ageu=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
tnren Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl. verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
den Annonen=Expeditionen. — Bes
für Aufnahme von Anzeigen an
vorge=
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
ſchriebenen Tagenwirdnicht übernommen.
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 18 Seiten.
Das Neueſte vom Tage.
Die Norddeutſche Allgemeine Zeitung
be=
zeichnet in einem Artikel „Zur Reichstagswahl”
die endgültige Ueberwindung der Sozialdemokratie als
eine Lebensfrage für unſer Vaterland.
Der Schriftſteller Felix Dahn iſt im 78.
Le=
bensjahre geſtorben.
Das Organ der internationalen
Schieds=
gerichtsliga veröffentlicht Neujahrsbotſchaften
ver=
ſchiedener engliſcher Miniſter über die
deutſch=
engliſchen Beziehungen.
Hauptmann Lux hat von der franzöſiſchen Behörde
den Befehl erhalten, ſich jeder Kundgebung zu
ent=
ziehen.
Im belgiſchen Kohlenzentrum iſt der
Gene=
ralſtreik erklärt worden.
Der deutſche Botſchafter in
Konſtantino=
pel legte bei der Pforte Verwahrung ein gegen die
Sperrung der ikalieniſchen finanziellen
Etabliſſements.
Der Fall Luz.
Ganz Frankreich freut ſich über die gelungene
Flucht des Spions Hauptmann Lux aus der Feſtung
Glatz. Das kann man den Franzoſen billigerweiſe nicht
übel nehmen, wenn man ſich auch in Deutſchland ſeine
eigenen Gedanken wegen der maßloſen Verherrlichung
dieſes Entweichens machen wird. Abſer die amtliche,
unter Mitwirkung des Generalſtabschefs erfolgte
Beglückwünſchung des Entkommenen durch den
franzö=
ſiſchen Kriegsminiſter und die amtlicheMitteilung
dieſer Tatſache durch die Agence Havas ſind Vorgänge,
die ein diplomatiſches Nachſpiel erforderlich
machen dürften. Hat doch ſogar der Pariſer Figaro den
Empfang des Hauptmanns Lux durch den Kriegsminiſter
und den Generalſtabschef Dubail lebhaft getadelt.
Die=
ſes Vorgehen ſei vom diplomatiſchen und internationalen
Geſichtspunkt aus ſchwer verſtändlich. Hauptmann Lux
hätte ſich lediglich bei ſeinem Vorgeſetzten in Belfort zu
melden gehabt. Die Haltung des franzöſiſchen
Kriegs=
miniſters ſteht in jeder Hinſicht in einem ſo
offenkundi=
gen Gegenſatz zu den diplomatiſchen Gepflogenheiten
und den Geſetzen der internationalen Höflichkeit, daß ſie
auf deutſcher Seite um ſo weniger mit Stillſchweigen
übergangen werden kann, je eifriger die Pariſer
Chauvi=
niſtenpreſſe am Werke iſt, die Angelegenheit für ihre
Zwecke auszubeuten.
Dieſelbe Preſſe plaudert in dem Jubel über die
ge=
glückte Flucht des Hauptmanns Lux redſelig aus, auf
welche Art das Unternehmen vorbereitet worden iſt. Für
dieſe prahleriſche Geſchwätzigkeit dürfen wir unſeren
weſt=
lichen Nachbarn deshalb verbunden ſein, weil ihr
prak=
tiſche Fingerzeige für die künftige
Bewa=
chung ausländiſcher Spione zu entnehmen ſind.
In erſter Linie ſteht dabei die Erkenntnis, daß eine in
der Nähe der deutſchen Grenze gelegene Feſtung
grund=
ſätzlich als ungeeignet für die Aufnahme ſolcher Spione
gelten muß. Die Nähe der Grenze enthält als ſolche
den lockendſten Anreiz zu Fluchtverſuchen und
erleich=
tert ganz außerordentlich den Erfolg. In zweiter Linie
geht aus den Pariſer Angaben hervor, daß der
Ver=
kehr verurteilter Spione mit der
Außen=
welt völlig anders geregelt werden muß. Unſere
bis=
herigen Einrichtungen haben unter dem Zeichen einer
Vertrauensſeligkeit geſtanden, die angeſichts der wieder
modern gewordenen Verſchlagenheit des
Kundſchafter=
weſens gänzlich veraltet erſcheint. Strengſte
Ueber=
wachung des brieflichen Verkehrs und jeder Art von
Lek=
türe ſind durch den Fall Lux als unbedingt notwendig
erwieſen. Vom Standpunkte des Staatswohles bleibt
gar nichts anderes übrig, als daß die
Feſtungskomman=
dantur in beiden Richtungen eine Aufſicht ausübt, die
je=
den Mißbrauch verhindert. Sentimentale Gemüter
wer=
den hierin einen unzuläſſigen Eingriff in die „
Menſchen=
rechte” erblicken. Mit ſolchen Träumereien läßt ſich jedoch
gegenüber Perſonen, die die Sicherheit des Reiches
ge=
fährden, ſchlechterdings nichts anfangen.
Der Fall Lur wird im neuen Reichstage bei der
all=
gemeinen Leſung des Etats ohne Zweifel zur Sprache
kommen. Die Regierung ſollte aber ſchon vorher die
ge=
botenen organiſatoriſchen Aenderungen treffen und der
Oeffentlichkeit ohne Verzug die Gewißheit geben,
daß einer Wiederholung des Falles Lux nach Möglichkeit
vorgebeugt iſt.
Nach einer Mitteilung an die Pariſer Preſſe hat der
Hauptmann Lux den Befehl erhalten, jeder Kundgebung
ſich zu entziehen, die Bezug auf ſeine Flucht aus der
Feſtung Glatz hat. Die Maßregel erklärt ſich aus
Ankün=
digungen von Feſten und Sammlungen zugunſten dieſes
Offiziers in den Zeitungen. (!) Das Echo de Paris hatte
z. B. ſeine Leſer um Beträge für ein Kunſtwerk gebeten,
das Elſaß=Lothringen darſtellt und das dem Hauptmann
feierlich überreicht werden ſollte. Die vom Glatzer
Fe=
ſtungskommando an deutſche Zeitungen gerichtete
Ableug=
nung der franzöſiſchen Darſtellung der Flucht des
Haupt=
manns Lux wird ohne weitere Beifügung wiedergegeben.
Es ſcheint verſchiedenen Stellen das Gefühl aufgegangen
zu ſein, daß man ſich im Falle Lux nicht gerade taktvoll
benommen hat, und daß die ſcharfe Kritik des Figaro,
der das Verhalten des Kriegsminiſteriums in der
Ange=
legenheit vom Standpunkt der internationalen Höflichkeit
aus verurteilte, wohl angebracht war. Die Verfügung
des Miniſterpräſidenten iſt im vollen Einverſtändnis mit
dem Kriegsminiſter erfolgt und wird von ſeiten weiter
Kreiſe der Bourgeoiſie mit großer Befriedigung
aufge=
nommen. Im Miniſterrat wird über die Angelegenheit
Lux vom Kriegsminiſter Vortrag gehalten werden.
Zur Reichstagswahl
ſchreibt die Norddeutſche Allgemeine Zeitung:
In wenigen Tagen wird das deutſche Volk zur
Reichstagswahl an die Urne treten. Der Wahlkampf hat
eine einzelne, klar ſormulierte große Frage, die von den
Wählern einfaches Ja oder Nein verlangt, nicht in den
Vordergrund gerückt. Darin liegt die Schwierigkeit der
Aufgabe, vor die die Nation geſtellt iſt. Sie ſoll durch
den Streit um die Finanzreform, durch die
widerſtreiten=
den Anſprüche der Parteien und wirtſchaftlichen
Grup=
pen, durch Mißmut und Unzufriedenheit aller Art
hin=
durch den Weg finden, den die gedeihliche
Fortentwick=
lung des Vaterlandes verlangt. Die Agitation, die ſeit
Jahr und Tag den Kampf der Parteien in alle Kreiſe
und Verhältniſſe hineinträgt, hilft der Wählerſchaft nicht
zur Klarheit. Aus dem Gewirr von leidenſchaftlichen
Erörterungen über die Parteien und ihre Gruppierung,
über die Koalitionen, die zu ſchließen und über die
Fron=
ten, die zu nehmen ſind, hat ſich kein leitender Gedanke
entwickelt, der als Richtſchnur dienen konnte.: Und doch
liegen die Dinge einfacher als es den Anſchein hat. Wer
unbefangen die Entwickelung Deutſchlands in den
letz=
ten vier Jahrzehnten überſchaut, wird finden, daß das
Geſamtergebnis zu peſſimiſtiſchen Betrachtungen keinen
Anlaß gibt. Die in der Verfaſſung vorgeſehenen
Inſti=
tutionen haben ſich zu leiſtungsfähigen Organen
ent=
wickelt und faſt auf allen der verfaſſungsmäßigen
Ein=
wirkung des Reiches zugänglichen Gebieten erfolgreich
gewirkt. Die Einheit des Rechts und die Einheitlichkeit
des Gerichtsverfahrens ſind die Politik des Schutzes der
nationalen Arbeit, und ſie hat die Landwirtſchaft, den
Handel und die Induſtrie zu hoher Blſte entwickeln
hel=
fen und die in der Nation ſchlummernden Kräfte zu
machtvoller Betätigung geweckt. Die ſozialen
Verſchie=
bungen, die dem ſchnellen wirtſchaftlichen Aufſchwung
folgen mußten, haben ſich ohne Erſchütterungen vollzogen
dank der weitgehenden geſetzlichen Fürſorge für die
ar=
beitenden Klaſſen und die wirtſchaftlich Schwachen
über=
haupt. Trotz der erheblichen Aufwendungen, welche die
ſozialpolitiſche Geſetzgebung dem Reiche und dem Volke
auferlegte, iſt für die Schlagfertigkeit des Heeres ſtändig
geſorgt und eine leiſtungsfähige Flotte geſchaffen worden.
Wenn die Finanzpolitik des Reiches nicht immer den
Anforderungen genügt, die die ſachgemäße Erfülluſig
aller dieſer Aufgaben ſtellte, ſo können wir heute ſagen,
daß auch die Finanzen des Reiches auf einer feſten
Grundlage ſtehen, die uns ohne ernſtere Sorgen den
kom=
menden Aufgaben entgegenſehen läßt. Alles iſt erreicht
worden, weil der ſtaatsrechtliche Aufbau des Reiches
ge=
ſund und die innere Kraft des Volkes durch den Kampf
der Parteien wohl abgelenkt iſt, aber nicht zerſtört
wer=
den konnte.
Freilich liegen aber auf dieſem erfreulichen Bilde
unſerer Entwickelung tiefe Schatten. Noch heute ſteht
ein großer Teil unſeres Volkes unter der Botmäßigkeit
der Sozialdemokratie unſeren nationalen Aufgaben
ab=
lehnend und verſtändnislos gegenüber. Noch heute ſieht
die Sozialdemokratie das Heil ihrer Anhänger in der
Abſonderung von den übrigen Klaſſen der Bevöllerung
und in der Zertrümmerung der beſtehenden Staats= und
Wirtſchaftsordnung. Hier Wandel zu ſchaffen, iſt und
bleibt eine unſerer wichtigſten Aufgaben. Die
geſchicht=
liche Vergangenheit unſeres Volkes ſoll uns noch ein
An=
deres nicht vergeſſen laſſen. Vierzig Jahre hat das
deutſche Volk an ſeinem Hauſe gebaut und für ſeine
wirtſchaftliche Entwickelung geſonnen und geſchafft. Mit
dem wirtſchaftlichen Emporſteigen iſt ſein
Friedens=
bedürfnis gewachſen und manche haben angefangen zu
glauben, daß die eigene Betätigung der friedliebenden
Geſinnung genüge, um der Welt den Frieden zu erhalten.
Die zeitweilig ſchwierige Weltlage hat uns im
vergange=
nen Jahre gezeigt, daß dem nicht ſo iſt. Ein
wirtſchaft=
lich aufſtrebendes Volk, in dem alle Völker der Welt in
ſteigendem Maße einen Konkurrenten des Handels und
der Induſtrie erſtehen ſehen, iſt des Friedens, den es für
ſeine wirtſchaftliche Entwickelung braucht und zu erhalten
beſtrebt ſein muß, nur ſicher, ſolange Heer und Flotte
genügen, um die Grenzen und die Intereſſen zur See
wirkſam zu ſchützen.
Daraus folgt: Wir brauchen einen Reichstag, der
bereit iſt, unſere bisherige Wirtſchaftspolitik, die Politik
der Handelsverträge und des Schutzes der nationalen
Arbeit weiterzuführen. Wir brauchen einen Reichstag,
der bereit iſt, unſere Sozialpolitik, die Bürgſchaft der
friedlichen Entwickelung im Innern, ruhig und beſonnen
fortzuſetzen. Wir brauchen einen Reichstag, der bereit
iſt, Heer und Flotte dauernd im Zuſtand höchſter
Lei=
ſtungsfähigkeit zu halten und die Lücken unſerer Rüſtung
zu ſchließen. Bei der Löſung aller dieſer Aufgaben pflegt
die Sozialdemokratie ihre Mitarbeit zu verſagen. Darum
iſt die endliche Ueberwindung dieſer Partei, deren
Be=
ſtehen eine Gefahr bedeutet für die nationale
Geſchloſſen=
heit unſeres Volkes wie für die Erhaltung des
politi=
ſchen, geiſtigen und ſittlichen Erbes unſerer Väter, eine
Lebensfrage für unſer Vaterland. Wer ſich das alles
vor Augen hält, wird ſich klar darüber ſein, daß kein
pflichtbewußter deutſcher Mann am 12. Januar an der
Wahlurne fehlen darf. Er kann auch nicht im Zweifel
darüber ſein, gegen wen er die Front zu nehmen hat.
Zur Lage in China
wird der Köln. Ztg. aus London geſchrieben: Aus
Pe=
tersburg gelangen Gerüchte hierher, wonach die chineſiſche
Kaiſerinwitwe mit dem jungen Kaiſer, auf
heimlicher Flucht von Peking, Mukden paſſiert habe und
unterwegs ſei nach Zhikhe an der mongoliſchen Grenze,
wo ſie Wohnſitz nehmen und von zwei vorausgeſandten
Bataillonen der Garde beſchützt werden würden.
Ob=
ſchon dieſe Meldung mit einer gewiſſen Umſtändlichkeit
auftritt und gleichzeitig die Mitteilung enthält, Rußland
werde keinen Anſtand nehmen, im Verein mit anderen
Mächten die chineſiſche Republik anzuerkennen, ſobald
ſich herausſtelle, daß die Regierungsform feſt begründet
ſei, hält man hier die Nachricht für denNachhall
frühererGe=
rüchte, die in der Mandſchurei eine etwas veränderte
Faſſung erhalten hätten. Nach einer Pekinger Meldung
des Daily Telegraph iſt zwiſchen den Kaiſerlichen und
den Republikanern noch keine Einigung über Zeit
und Ort des Zuſammentretens der
Nationalver=
ſammlung erzielt worden. Juanſchikai beſteht auf
Peking, während die Republikaner einen Punkt im
Jangtſetal als den Sitz der Verſammlung verlangen.
Auch über den Zeitpunkt der Einberufung gehen die
An=
ſichten noch auseinander, ebenſo wie über die Zahl der
von jeder Provinz zu ſtellenden Vertretung, die
beſchluß=
fähige Anzahl und die erforderliche Mehrheit.
Juan=
ſchikai ſoll zwiſchen der ſtaatlichen Geldnot und dem
Argwohn der Mandſchu faſt ratlos, ſeit einigen Tagen
unraſiert, bei Nacht ſchlaflos, von allen Seiten
angefein=
det, doch immer noch ſeinen Standpunkt behaupten. Nach
einer Pekinger Meldung des New=York Herald würde
er an die Kaiſerin, die Fürſten und die Edeln des
Kai=
ſerſtammes mit den von allen Befehlshabern des
Nord=
heeres unterzeichneten Forderungen herantreten, wonach
der Beſitz der Fürſten und Edeln im Requiſitionswege
zur Erhaltung des Heerds während der Kriegsdauer
herangezogen werden ſolle. Die Führer erklären in ihrer
Denkſchrift, ſie ſeien dem Throne treu, hätten keine
Sym=
pathie mit den Republikanern, und ſeien bereit, ihr
Le=
ben für die Monarchie zu opfern. Falls die Fürſten ſich
weigerten, mit Geld herauszurücken, müßten ſie als
Ver=
räter behandelt werden. Sie erklären die überhebliche
Haltung der Republikaner für unerträglich und äußern
das dringende Verlangen nach einem Kampf bis aufs
äußerſte. Wofern die Fürſten nicht geneigt wären, Geld
herzugeben, will Juanſchikai auf ſeiner Entlaſſung
be=
ſtehen.
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 4. Januar 1912.
Nummer 3.
Deutſches Reich.
Konſervative Stichwahlparole. Die
rechtsſtehenden Blätter bringen eine bemerkenswerte
Auslaſſung der Konſervativen Korreſpondenz zur
konſer=
vativen Stichwahlparole. Darin heißt es:
Wo bis jetzt ſchon ein lokales Stichwahlabkommen
zwiſchen Liberalen und Konſervativen gegenüber der
So=
zialdemokratie beſtanden hat, bleibt es dabei, wo das nicht
zutrifft, da ſoll anzuſtreben ſein, ein auf gegenſeitiger
voll= und gleichwertiger Verpflichtung beruhendes
Stich=
wahlabkommen zwiſchen den Leitungen der Parteien für
weitere geeignete Fälle herbeizuführen. Gelingt das
nicht, dann treten von ſelbſt die in Königsberg
angereg=
ten Stichwahlbedingungen ein, falls man auf die
konſer=
vativen Stimmen rechnet; ſonſt iſt auf konſervativer Seite
Stimmenthaltung geboten. Selbſtverſtändlich ſollten in
Königsberg nur Grundzüge gegeben werden: Keinerlei
Schwächung der verfaſſungsmäßigen Rechte der
Kaiſer=
lichen Gewalt, völlige Sicherſtellung eines ausreichenden
Zollſchutzes für Landwirtſchaft und Induſtrie und
Siche=
rung der bürgerlichen Geſellſchaft und des Einzelnen
ge=
gen den Terrorismus der Sozialdemokraten. Dieſe
Grundzüge dürfen unter keinen Umſtänden aufgegeben
werden; während die Formulierung des Abkommens
ſelbſt dem Takte und der Gewiſſenhaftigkeit unſerer
Wahlkreisvorſitzenden überlaſſen bleiben muß. Zum
Schluß wird die Erwartung ausgeſprochen, daß
unver=
züglich nach dem Ausfall der Hauptwahl mit der Partei
eine geeignete Verbindung aufgenommen werden wird.
— Unſtimmigkeiten im Zentrum. Die
Süddeutſchen Monatshefte veröffentlichen in ihrer
be=
vorſtehenden Januar=Ausgabe dokumentariſche
Mitteilun=
gen über die Differenzen innerhalb der deutſchen
Zen=
trumspartei. Es werden zwei Geheimberichte des
römi=
ſchen Korreſpondenten der „Kölniſchen Volkszeitung” an
ſeine Redaktion, ſowie ein Geheimbericht aus der
Redak=
tion der Germania an einen ungenannten Freund
ver=
öffentlicht. Der erſte Bericht zeigt das geſpannte
Ver=
hältnis zwiſchen der Kurie und der ſogenannten Kölner
Richtung in der deutſchen Zentrumspartei, während der
Germania=Bericht beweiſt, daß auch innerhalb der
ſoge=
nannten Berliner Richtung große
Meinungsverſchieden=
heiten über die Zentrumspolitik beſtehen. In dieſem
Ar=
tikel der Süddeutſchen Monatshefte wird außerdem
be=
hauptet, daß die Fachleitung innerhalb der katholiſchen
Arbeitervereine in der letzten Zeit Verluſte von 75000
Mark gehabt habe, die Kardinal Kopp zum größten
Teil aus ſeiner Taſche gedeckt habe, da großes Intereſſe
daran beſtände, dieſe Sache bis nach den Wahlen zu
verheimlichen.
— Aus Deutſch=Südweſtafrika. Central=
News berichtet aus Johannisburg, daß eine ungewohnte
Tätigkeit in Deutſch=Südweſtafrika herrſcht. Die
Trup=
pen in Damara ſind verſtärkt worden und ihre Zahl iſt
jetzt größer als die der engliſchen Truppen im Zulu=
Lande während eines Aufruhrs jemals geweſen iſt. Die
Deutſchen haben an gewiſſen ſtrategiſchen Punkten der
Küſte wichtige Feſtungswerke errichtet und auch
Schnell=
feuer=Geſchütze aufgeſtellt. Die Regierung von Engliſch=
Südafrika iſt über dieſe Vorbereitungen informiert
wor=
den und man fragt ſich, gegen wen dieſe Rüſtungen
ge=
richtet ſind. (Da die Meldung aus engliſcher Quelle
ſtammt, iſt ſie mit Vorſicht aufzunehmen.)
— Eine Delegation des Vorſtandes des
deutſch=ruſſiſchen Vereins zur Förderung
der gegenſeitigen Handelsbeziehungen
mit dem Sitz in Berlin und Filialen in Petersburg und
Moskau beſucht im Februar Petersburg, Moskau und
andere Plätze Rußlands, um noch engere Beziehungen
zu den für den Handel zwiſchen Rußland und
Deutſch=
land maßgebenden Kreiſen anzuknüpfen. Der ſeit
12. Jahren beſtehende Verein umſchließt in ſeiner
Mit=
gliedſchaft die 60 größten Handelskammern mit 20
Ver=
bänden nebſt 500 der größten deutſchen und ruſſiſchen
Firmen, das heißt den größten Teil der wirtſchaftlichen
Beziehungen zwiſchen beiden Ländern.
— Dementi. Die Norddeutſche Allgemeine
Zei=
tung teilt mit: In den Preßberichten über die
Verhand=
lungen in der franzöſiſchen Senatskommiſſion wurde
be=
hauptet, der Staatsſekreär des Auswärtigen habe in Ge=
ſprächen mit dem franzöſiſchen Botſchafter in Berlin,
Cambon, die Beſetzung von Mogador gefordert. Wir ſind
zu der Feſtſtellung ermächtigt, daß eine ſolche Forderung
niemals geſtellt wurde.
Der preußiſch=ſüddeutſche
Lotterie=
vertrag. Das Münchener Zentrumsorgan erklärt, daß
über die Ablehnung des preußiſch=bayeriſchen
Lotteriever=
trages im kommenden Landtag kein Zweifel mehr beſtehe,
da Zentrum, Sozialdemokraten und der größere Teil der
Liberalen gegen den Lotterievertrag ſeien. Das
baye=
riſche Finanzminiſterium werde gut tun, ſich auf eine
bayeriſche Landeslotterie einzurichten. Wenn ſich die
Mitteilung beſtätigen ſollte, ſo wäre damit dem von
Baden und Württemberg bereits angenommenen Plan
einer preußiſch=ſüddeutſchen Lotteriegemeinſchaft mit
Ein=
ſchluß Bayerns die Grundlage genommen.
— Der Stichwahltermin in
Württem=
berg. Das Miniſterium des Innern hat die
Wahl=
kommiſſäre angewieſen, die in Württemberg etwa
not=
wendig werdenden Stichwahlen, wenn irgend möglich,
auf Montag, den 22. Januar, anzuberaumen.
— Das neue ſächſiſche Volksſchulgeſetz.
Bei der Jahreskonferenz der ſächſiſchen
Bezirksſchulinſpek=
toren gab der ſächſiſche Kultusminiſter Dr. Beck bekannt,
daß der Entwurf des neuen Volksſchulgeſetzes, um das
ſeit Jahren zwiſchen dem ſächſiſchen Lehrerverband und
den Regierungs= und Kirchenbehörden der Kampf tobt,
vollendet iſt und Mitte Januar dem Landtag vorgelegt
wird.
Ausland.
Schweiz.
Das neue Zivilgeſetz. Das Neujahr 1912 iſt
für die Schweiz und ihr Rechtsleben bedeutungsvoll: mit
1. Januar iſt das neue ſchweizeriſche Zivilgeſetz, eine
Frucht jahrzehntelanger Arbeit, in Kraft getreten. Das
Schweizervolk hat das neue Recht bereits vor zwei
Jah=
ren in der Volksabſtimmung angenommen. Nur wer
einigermaßen einen Begriff hat, was es heißt, mit zum
Teil jahrhundertealten Gewohnheiten und
Rechtsbegrif=
fen zu brechen, kann die patriotiſche Tat würdigen, an
Stelle der bis heute beſtehenden 25 kantonalen Rechte ein
einheitliches ſchweizeriſches Recht zu ſetzen. Das neue
Geſetz bedeutet einen mächtigen Fortſchritt des
eidgenöſſi=
ſchen Staatsgedankens, ein hiſtoriſches Ereignis nicht
nur für die Schweiz, ſondern auch für die Rechtskundigen
der Nachbarländer.
Belgien.
Die Bevölkerung Belgiens. Der
Staats=
anzeiger veröffentlicht die Ergebniſſe der
Volks=
zählung vom 31. Dezember 1910. Danach hatte
Bel=
gien an dieſem Tage 7423784 Einwohner. Die
Zu=
nahme ſeit der letzten Zählung im Jahre 1900 beträgt
730 236 Seelen — 10,9 Prozent; 3680 790 Männern
ſtehen 3 742994 Frauen gegenüber, ſo daß ſich für die
letzteren ein Mehr von 62204 ergibt; auf 100 Frauen
kommen nur 98 Männer. Die Frauen überwiegen jedoch
nur in den flandriſchen Provinzen und in Brabant,
wäh=
rend in den walloniſchen das männliche Geſchlecht in der
Mehrzahl iſt. Die ſtärkſtbevölkerte Provinz iſt Brabant
mit 1 469 677 Einwohnern, dann folgt der Hennegau mit
1232867, Oſtflandern mit 1120335, Antwerpen mit
968 677, Lüttich mit 888341, Weſtflandern mit 874135,
Namur mit 362864, Limburg mit 275691 und
Luxem=
burg mit 231 215. Die Kreiſe Brüſſel, Antwerpen,
Lüt=
tich und Gent zählen zuſammen 2 569 384 Einwohner,
et=
vas mehr als ein Drittel der Geſamtbevölkerung. Die
größeren Städte ſind Brüſſel und Vororte mit 711664
Einwohnern, Antwerpen mit 301 766, Lüttich mit 167521,
Gent mit 166 445. Brüſſel zählt ohne die von ihr nicht
mehr zu trennenden, aber immer noch nicht
eingemeinde=
ten Vororte nur 177000 Einwohner. Das Ergebnis der
Zählung wird zur Folge haben, daß die Zahl der
Kam=
merſitze um 18 vermehrt werden wird; hiervon treffen
auf die Wahlbezirke: Antwerpen 2, Mecheln 1, Turnhout
1, Brüſſel 4, Löwen 1, Oſtende 1, Roulers=Thielt 1, Ter=
monde 1, Charleroi 2, Mons 1, Lüttich 1, Tongern 1 und
Maeſeyck 1.
England.
Die deutſch=engliſchen Baziehungen.
Das Organ der internationalen Schiedsgerichtsliga
ver=
öffentlicht Neujahrsbotſchaften verſchiedener engliſcher
Miniſter über die deutſch=engliſchen
Beziehun=
gen, die von der Preſſe ausführlich wiedergegeben
wer=
den, darunter ſolche von Lord Haldane, Kolonialſekretär
Harcourt, MeKenna, dem Präſidenten des Handelsamtes
Buxton, dem Generalpoſtmeiſter Herbert Samuel. Lord
Haldane ſagt, er hoffe und glaube, daß die Zukunft
beſ=
ſere und innigere Beziehungen zwiſchen beiden Ländern
bringen werde. Es ſei kein Grund vorhanden, weshalb
dies nicht erreicht werden könne, wenn es auch einige Zeit
erfordern werde. Kolonialſekretär Harcourt ſagt: Wir
alle ſind weit entfernt von dem Gedanken, Deutſchland
von ſeinem Platz an der Sonne fernzuhalten. MeKenna
betont, daß kein äußerer Grund zu ernſten Differenzen
und keine unüberwindlichen Schwierigkeiten vorhanden
ſeien.
Portugal.
Die Kolonialfrage. Kaum ein Tag vergeht,
ohne daß die großen portugieſiſchen Tageszeitungen die
Frage der Zukunft des portugieſiſchen Kolonialbeſitzes
beſprechen, nachdem verſchiedene Anzeichen dafür
vorhan=
den ſind, daß die portugieſiſche Kolonialfrage die nächſte
von der europäiſchen Diplomatie zu löſende Aufgabe iſt.
So ſchreibt u. a. die ſehr angeſehene A. Capital: „Wie
man aus den großen Zeitungen Londons, Paris und
Berlins erſieht, ſtehen die Kolonien Portugals im
Be=
griff, in die Hände anderer Beſitzer überzugehen. Wird
es wahr ſein? Wir glauben nicht oder richtiger geſagt,
„noch nicht‟ Die Frucht iſt vorläufig noch nicht reif
genug. Die Diplomatie der Nationen, welche in
Wirk=
lichkeit die internationale Vorherrſchaft ausüben, webte
noch nicht vollſtändg das Netz von Geſchicklichkeiten und
Umgarnungen, worin wir gefangen werden können.”
Und bezüglich des ſtarken engliſchen Anlaufs, St. Thomé
in die Hände zu bekommen, über das Kolonie und Heimat
in ihren Nummern 13 und 15 ausführte, daß nur
Deutſch=
land Anrechte darauf habe, ſchreiben die gleichfalls ſehr
angeſehenen Novidades: „Die wirkliche Gefahr beſteht
nicht in der Zulaſſung ausländiſchen Kapitals in
Portu=
gal und ſeinem Kolonialbeſitz, während portugieſiſches
Kapital für Unternehmungen fehlt, ſondern die Gefahr
beſteht beſonders in unſerer adminiſtrativen Unfähige
keit, in unſerem Mangel an politiſchem Takt, in der
Un=
beſtändigkeit der Regierung und in dem Mangel an
Si=
cherheit und Garantien für die in afrikaniſchen
Unterneh=
mungen riskierten inländiſchen Kapitalien.”
Türkei.
Das neue Miniſterium iſt gebildet worden.
Großweſir wird Said Paſcha, Scheil ül Islam Neſſib
Effendi, Miniſter des Innern Talaat, Ackerbauminiſter
Senator Ariſti, Unterrichtsminiſter Eurullah,
Arbeits=
miniſter Sinapiam. Die übrigen Miniſter bleiben auf
ihren Poſten. Das Kabinett ſetzt ſich vollſtändig aus
Mitgliedern der Partei für Einheit und Fortſchritt
(Jungtürken) zuſammen.
Vereinigte Staaten.
Zollfragen. Präſident Taft wird die Streitfrage,
ob Holzbrei und Druckpapier aus Ländern, mit denen
Meiſtbegünſtigungsverträge beſtehen, zur Zollfreiheit
be=
rechtigt ſind, den Gerichten unterbreiten. Die Proteſte der
Importeure gehen dem Zollgericht und dann dem
Bun=
deszoll=Appellgericht zu.
* Eſſen a. d. R., 3. Jan. Die Verhandlungen
über eine eventuelle Beendigung der Ausſperrung
in der weſtfäliſchen Tabakinduſtrie die
nun ſchon 11 Wochen dauert und durch die 11000
Arbei=
ter und Arbeiterinnen betroffen werden, ſind ergebnislos
verlaufen. Der Kampf dauert alſo fort.
Die Bevölkerungsabnahme in
Frankreich. Aus Paris wird berichtet: Die Freude
Sun Vat Sen, der erſte „Präſident
der Republik China‟-
C) Der erſte Präſident der neuen „Republik
China” hat ſeine erſten wiſſenſchaftlichen Studien unter
der Führung eines berühmten engliſchen Arztes, des
be=
kannten Chirurgen Dr. James Cantlie, abſolviert, und
der frühere Lehrer Sun Yat Sens, der ſeit 25 Jahren
mit ſeinem heute ſo berühmt gewordenen Schüler nahe
perſönliche und freundſchaftliche Beziehungen unterhalten
hat, ſchildert jetzt in einem Londoner Blatte Weſen und
Charakter dieſes Führers der chineſiſchen Revolution. Dr.
Cantlie, der in den 80er Jahren in Hongkong ſeine
medi=
ziniſchen Vorleſungen hielt, weilt ſeit langem in London.
Unter ſeiner Aegide hat Sun Yat Sen 1887 in Hongkong
den mediziniſchen Doktorhut erworben. Aber der berühmte
engliſche Chirurg hat in ſeinem chineſiſchen Schüler nicht
nur einen tüchtigen, ungewöhnlich intelligenten und fleißi
gen Studenten kennen gelernt, ſondern auch einen
Men=
ſchen, deſſen ganze Charakteranlage hoch über den
Durch=
ſchnitt emporragt. „Es gibt in ganz China keinen
Men=
ſchen, der beſſer dazu geeignet wäre, eine neue Ordnung
der Dinge heraufzuführen,” ſo erzählt Dr. Cantlie. „Sun
iſt Chriſt, und ich bin davon überzeugt, daß er der am
tiefſten gebildete, der aufgeklärteſte und der großherzigſte
Sohn des heutigen China iſt. Man muß ſich ſtets vor
Augen halten, daß die Chineſen in einer ganz anderen
Ge=
fühlswelt leben als die weſtlichen Raſſen. Der Chineſe
ſtrebt nicht nach Reichtum oder nach einer Stellung oder
nach einem großen Namen. Die tiefſte Achtung und
Be=
wunderung flößt ihnen Wiſſen und Bildung ein. Dem
Chineſen gibt die Bildung größere Macht als Reichtum.
Sun aber hat ſeit 20 Jahren in allen ziviliſierten Ländern
gelernt und ſtudiert und ſo das Beſte in Europa und in
Amerika in ſich aufgenommen. Als ich ihn zuerſt in der
Medizinſchule von Hongkong zu ſehen bekam, war er ſaſt
noch ein Knabe und unterſchied ſich äußerlich durch nichts
von den gewöhnlichen fleißigen jungen Chineſen. Aber
ihn umgab, von ſeiner Arbeitskraft abgeſehen, etwas, was
ihn ſofort aus der Menge ſeiner Genoſſen heraushob. Ich
glaube, es war die ungewöhnliche Einfachheit und
Grad=
linigkeit ſeines Charakters, die in ſeinen Reiſejahren nur
zugenommen hat. Er beſtand 1887 die Prüfung und holte
ſich 5 Jahre ſpäter das Diplom. Aber er blieb an der
Hochſchule und ſtudierte weiter. Schon begann die
Wohl=
fahrt ſeines Vaterlandes ſeine Intereſſen immer mehr und
mehr auf ſich zu lenken. Er las und grübelte viel. Mit
der Zeit verſammelte er eine kleine Gruppe ernſter junger
Chineſen um ſich, und ſo entſtand in aller Beſcheidenheit
die „jungchineſiſche Partei”
Die Bewegung ging von Kanton aus und hatte
be=
reits nach 3 Jahren großen Umfang angenommen. Die
kleine Gruppe von Führern, an deren Spitze Sun ſtand,
zählte nur 16 junge Männer, aber ſie begannen den Geiſt
des gebildeten China aufzurütteln. 1895 organiſierte Sun
dann einen Handſtreich, der auf die Einnahme Kantons
abzielte. Der Plan ſcheiterte und 15 der Führer bezahlten
das Wagnis mit dem Tode. Sun war der einzige, der
entkam; er erkannte, daß die Zeit noch nicht reif war, und
verließ China, um ſich in Europa mit der Kultur und der
Ziviliſation des Weſtens bekannt zu machen. Die
chine=
ſiſche Regierung hatte bekanntlich einen Preis von 50000
Dollars auf Suns Kopf geſetzt.” In jener Zeit ereignete
ſich auch die Verſchleppung Suns in die chineſiſche
Bot=
ſchaft in London, und Dr. Cantlie war es, der damals
Lord Salisbury verſtändigte und die Herausgabe des
Gefangenen erwirkte. Aber gerade dieſe Gefangennahme
iſt für das Weſen Suns bezeichnend. Sun war immer
der argloſeſte und vertrauensvollſte Menſch. Er ging üher
den Portland Place, als zwei Landsleute ihn anſprachen;
er antwortete und ſie ſchritten gemeinſam weiter. Sun
wußte nicht einmal, wo die chineſiſche Botſchaft lag; die
Beiden führten ihn vor die Tür und forderten ihn auf,
mit hereinzukommen, was er völlig ſorglos tat. Im
näch=
ſten Augenblick war er ein Gefangener. In den letzten
15 Jahren iſt Sun Yat Sen regelmäßig nach China
zu=
rückgekehrt und hat alle Teile des großen Reiches beſucht.
Während der britiſche Konſul emphatiſch verſicherke, daß
Sun nicht in China ſei, ſteckte er mitten im Reiche und
ſtreifte in Verkleidungen umher. So hat er das Land
beiſpielsweiſe in der Maske eines Hauſierers
durch=
wandert.
Ohne jede Hilfe, vollkommen allein, organiſierte er die
mächtige Bewegung, die jetzt zum Ausbruch gekommen iſt.
Er beſtellte in den Provinzen Führer, ſandte junge
An=
hänger auf zwei, drei Jahre nach Europa, um europäiſche
Ziviliſation kennen zu lernen, und ſo gewann er immer
mehr Anhänger und Jünger ſeiner Ideen. Gefahr und
Sorge um ſein Leben hat ihn nie bekümmert, und als er
einmal von ſeinen jungen Geſinnungsgenoſſen mit mir
ſprach, ſagte er ſchlicht: „Wenn mir etwas zuſtößt, wird
das für China nichts zu bedeuten haben. Jeder von ihnen
iſt imſtande, meine Stelle auszufüllen.”
Nummer 3.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 4. Januar 1912.
Seite 3.
wer Franzoſen, die im Jahre 1910 eine wenn auch
mini=
mnale Bevölkerungszunahme verzeichnen zu können
glaub=
en, wird durch die jetzt vorliegenden amtlichen
Bevöl=
erungsziffern des erſten Halbjahres 1911
grau=
am zerſtört. In den erſten ſechs Monaten des
vergan=
genen Jahres hat man in Frankreich 404 278 Todesfälle
vverzeichnet; dieſe Ziffer übertrifft die Zahl der Geburten
rum 18 279 Köpfe. Im vorvergangenen Jahre hatte man
dagegen einen Geburtenüberſchuß von rund 21000 ver=
Zeichnen können. Das Ueberwiegen der Todeszahlen im
verſten Halbjahr 1911 iſt ein ſchlimmer Vorbote für die
Zahlen des zweiten Halbjahres, die erfahrungsgemäß
moch ungünſtiger auszufallen pflegen, weil in ihnen die
hheißeſten Monate enthalten ſind. Die ungünſtigſten
Zah=
klen, die man bisher in Frankreich feſtſtellen mußte,
wa=
rren die des erſten Halbjahres 1909, bei denen die Todes=
Ziffern die Geburtszahlen um 28 203 Köpfe übertrafen.
Dieſe Bevölkerungsabnahme des Jahres 1909 konnte auf
teine beſonders hohe Sterbezahl zurückgeführt werden
426 913 gegen 404278 des Jahres 1911. Aber im
ver=
gangenen Jahre ſind die Geburtszahlen noch erheblich
ungünſtiger als in dem bisher ſchlechteſten Jahre 1909,
denn während man in jenem kritiſchen Jahre noch
398 710 Geburten zählte, iſt 1911 dieſe Ziffer auf 385999
geſunken.
* Turin, 2. Jan. Der König verlieh
anläß=
lich der Turiner Weltausſtellung dem
Unter=
ſtaatsſekretär im Reichsamt des Innern Dr. Richter und
dem Präſidenten der Ständigen Ausſtellungskommiſſion
für Deutſche Induſtrie Geh. Kommerzienrat Goldberger
das Großkreuz des Ordens der Krone von Italien, dem
Generalkommiſſar der deutſchen Abteilung Geh.
Regie=
rungsrat Prof. Busley das Großoffizierskreuz des
Mau=
ritiusordens, dem Vizepräſidenten des deutſchen
Komi=
tees Geh. Kommerzienrat Dr. Ravené und dem
kaiſer=
lich=deutſchen Konſul v. Külmer das Kommandeurkreuz
des Mauritiusordens und dem Generaldirektor der
Sie=
mens=Schuckertwerke Dr. Berliner das
Kommandeur=
kreuz des Ordens der Krone von Italien.
* London, 2. Jan. Tolle
Mobilmachungs=
gerüchte, die geſtern hier und da in der Hauptſtadt
wie in der Provinz das Publikum beunruhigten, ſind,
wie ſich nachgerade herausſtellt, lediglich auf die
hierzu=
lande herrſchende Unkenntnis in militäriſchen Dingen
zu=
rückzuführen. Das Kriegsamt hatte, wie es ſcheint, zum
Jahresſchluß den Reſerviſten neue allgemeine
Verhal=
tungsmaßregeln für den Mobilmachungsfall übermittelt.
Dabei war in jedem Fall ein an der nächſten Bahnſtation
gegen eine Fahrkarte umzutauſchender Fahrſchein und
eine Poſtanweiſung für 3 Mark angeſchloſſen. Dieſe
all=
gemeine Weiſung enthielt aber in großem Aufdruck die
Beſtimmung, daß der Inhalt einſchließlich Fahrſchein und
Poſtanweiſung erſt durch und nach der Bekanntmachung
des Mobiliſierungsbefehls Gültigkeit erhalten ſollten.
Das hat indes nicht verhindert, daß in einer Anzahl von
Fällen die Mannſchaften, denen die Bekanntmachung
zu=
ging, ungeſäumt die Anweiſung erhoben, die Fahrkarte
eingetauſcht und ſich bei ihren Truppenteilen eingeſtellt
haben ſollen. Doch ſelbſt dort, wo das nicht geſchehen
iſt, hat die neue Weiſung ganz unglaublich viel Gerede
und Aufregung verurſacht.
* Brüſſel, 3. Jan. Bei dem geſtrigen
Referen=
dum in Borinage ſtimmten 9766 Bergarbeiter für den
Streik und 1678 dagegen, 74 enthielten ſich der
Abſtim=
mung. Damit iſt der Streik erklärt. Bisher iſt die
Ruhe nicht geſtört worden.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 4. Januar.
* Empfänge. Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog empfingen geſtern den Kammerherrn
Frei=
herrn von Oetinger, den Pfarrer Deggau von
Beeden=
kirchen, den Kanzleirat Meyer, den Rechtsanwalt Dr.
Reen, Präſident des Mainzer Karneval=Vereins von
Mainz, den Hermann Ströning von Mainz, den
Pro=
feſſor Schaumann von Gießen, den Sanitätsrat Dr.
Platz von Großen=Linden, den Oekonomierat Pozniczek,
Vorſtand der Großh. Landwirtſchaftlichen Winterſchule
in Mainz; zum Vortrag den Staatsminiſter Ewald,
den Vorſtand des Kabinetts, Geheimerat Römheld.
* Vom Hofe. Dienstag abend 7 Uhr fand im
Kaiſer=
ſaal des Reſidenzſchloſſes Neujahrstafel zu 92
Ge=
decken ſtatt. Nach Schluß der Tafel unterhielten ſich die
Großherzoglichen Herrſchaften bis gegen 10 Uhr mit ihren
Gäſten. An der Tafel nahmen teil: S. K. H. der
Groß=
herzog und J. K. H. die Großherzogin, Geſandter Frhr.
v. Frieſen, Oberhofmeiſterin, Geſandter Frhr. v. Jeniſch,
Frau Ewald, Kaiſerl. Ruſſ. Staatsrat und Miniſterreſident
van der Vliet, Lady Acton, Legationsrat Frhr. v. Rubido=
Zichy, Frau v. Breugel, Generalmajor Frhr. v. Heyl, Frau
Fey, Präſident Köhler, Geheimerat Dr. Beſt, Geheimerat
Dr. Becker, Geheimerat Lorbacher, Präſident Reuleaux,
Oberſt v. Etzel, Freifrau v. Jeniſch, Geſandter Graf v.
Moy, Frau van der Vliet, Generalleutnank v. Plüskow
Exz., Freifrau v. Heyl, Lord Acton, Frau v. Branconi,
Generalmajor Franke, Frau Uſinger, Ordenskanzler,
Ge=
heimerat Dr. Breidert, Geheimerat Beſt, Geheimerar
Dr. Uſinger, Präſident Dr. Michaelis, Provinzialdirertor
Fey, Miniſterialrat Hölzinger, Staatsminiſter Ewald Exz.,
Frau Braun, Miniſter des Innern v. Hombergk Exz.,
Frei=
frau v. Riedeſel, Biſchof Dr. Kirſtein, Freifrau v. d. Hoop.
Präſident Nebel, Frau v. Randow, Generaladjutant
Frei=
frau v. Roeder, Generalmajor v. Breugel, Freiin v.
Roks=
mann, Geheimerat Römheld, Geheimerat Dr. Kittler,
Geheimerat Süffert, Senatspräſident Dr. Keller, Frau v.
Hombergk, General der Kavallerie Graf v. Schlieffen Exz.,
Frau v. Plüskow, Finanzminiſter Braun Exz., Frau Hahn,
Oberjägermeiſter, Frau Römheld, Generalmajor v. Branconi
Frau Breidert, Generalmajor v. Randow, Freiln v.
Bellers=
heim, Geheimerat Wilbrand, Geheimerat Dr. Preetorius,
Rektor Prof. Dr. König, Oberkammerherr, Miniſterialrat
Dr. Kratz, Oberſt v. Geldern, Oberbürgermeiſter Dr.
Gläſſing, Oberſt v. Behr, Oberſt Neuhaus, Oberſt Schmidt,
General=Oberarzt Dr. Thiele, Obſtlt. Heuer, Major Frhr.
v. Stetten, Krhr. Frhr. C. v. Starck, Krhr. Frhr. v.
Schau=
roth, Rittm. Frhr. v. Maſſenbach, Hofjgadj. v. Becker,
Hof=
marſchall, Rektor Prof. Wickop, Oberſt Herhudt v. Rohden,
Oberſt v. Müller, Graf v. Pilar, Oberſt v. d. Schulenburg,
Oberpoſtdirektor Milkau, Major Zierold, Leibarzt Dr.
Happel, Oberhofprediger Ehrhardt, Krhr. Frhr. v.
Leon=
hardi, Oblt. v. Schroeder, Oblt. Frhr. v. Putlitz, Lt. Frhr.
v. Malapert. (Darmſt. Ztg.)
Die Muſik zur Hoftafel wurde von der Kapelle des
Großherzogl. Art.=Korps unter der Leitung des
Obermuſik=
meiſters Mickley mit folgendem Programm ausgeführt:
Oranien=Friesland und Oranien=Gelderland, Märſche,
Schmid: Ouverture z. Op. „Die luſtigen Weiber von
Wind=
ſor‟ Nicolai; Peer=Gynt Suite I, Grieg; a)
Morgen=
ſtimmung, b) Aeſes Tod, e) Anitras Tanz, d) Tanz in der
Halle des Bergkönigs; Spaniſche Rhapſodie, Richardy;
Fantaſie aus „La Tosca” Puccini; Serenara,
Mosz=
kowsky: Moments muſicaux, Schubert; Tu ne sauras
jamais, Rico; Angereihte Stücke aus „Die Glocken von
Corneville‟ Planquette.
* Eiſenbahnperſonalien. In den Ruheſtand verſetzt
wurden der Werkmeiſter Valentin Kauffmann zu
Mainz wegen geſchwächter Geſundheit, der Zugführer
Simon Beſt zu Mannheim, der Zugführer Jakob Grau
zu Biſchofsheim, der Lademeiſter Anton Bittel zu
Worms, der Lokomotivführer Karl Rodemann zu
Mainz, ſämtlich auf ihr Nachſuchen. — Die unkündbare
Anſtellung wurde verliehen: den Bahnhofsaufſehern Otto
Seibert zu Häuſerhof und Auguſt Lind zu Grund=
Schwalheim, den Eiſenbahn=Unteraſſiſtenten Eberhard
Schmidt und Wilhelm Luh zu Gießen, Adam
Helfe=
rich zu Büches=Düdesheim, Wilhelm Rühl zu
Büdin=
gen, den Weichenſtellern erſter Klaſſe Angelin Keller
Weigand Müller und Friedrich Heinrich zu Gießen.
dem Rangiermeiſter Konrad De ucker zu Mücke, den
Lademeiſtern Georg Sänger zu Lauterbach, Johann
Schmulbach zu Lollar, ſowie den Lokomotivführern
Peter Arnold und Friedrich Dörr zu Niederhauſen,
Ludwig Pfaff zu Gießen, Otto Wiechard zu
Fried=
berg, Georg Lehr zu Nidda, Albert Gernand und
Peter Horn zu Stockheim und Gottlieb Rüfer zu
Friedberg, den Bahnmeiſtern Friedrich Dammer zu
Grünberg und Peter Schemel zu Gießen, dem
Ober=
bahnaſſiſtenten Ludwig Dickel zu Darmſtadt und dem
Bahnhofsverwalter Adolf Weck zu Ehringshauſen. —
Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben dem
Werk=
meiſter in der Heſſiſch=Preußiſchen Eiſenbahngemeinſchaft
Valentin Kauffmann zu Mainz die Krone zum
Sil=
bernen Kreuz des Verdienſtordens Philipps des
Groß=
mütigen, dem Zugführer Jakob Grau zu Biſchofsheim,
dem Lademeiſter Anton Bittel zu Worms, dem
Sta=
tionsſchaffner Heinrich Kraft zu Klein=Umſtadt, dem
Bahnwärter Peter Roth zu Groß=Gerau, dem
Wagen=
wärter Theodor Nathan zu Frankfurt a. M. und dem
Nachtwächter Jakob Schilling zu Biſchofsheim aus
Anlaß ihrer Verſetzung in den Ruheſtand das Allgemeine
Ehrenzeichen mit der Inſchrift „Für treue Dienſte”
ver=
liehen.
* Auszeichnungen. Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog haben zum 1. Januar 1912 dem Oberlehrer
an der Realſchule und dem Progymnaſium zu Bingen
Markus Simon den Charakter als Profeſſor erteilt und
dem Geheimen Baurat in der Heſſiſch=Preußiſchen
Eiſen=
bahngemeinſchaft, Friedrich Weiß zu Mainz, aus Anlaß
ſeiner Verſetzung in den Ruheſtand das Ehrenkreuz des
Verdienſtordens Philipps des Großmütigen verliehen.
* Verleihung des Dienſtauszeichnungkrenzes für
Krankenpflege. Se. Königl. Hoheit der Großherzog
haben der Oberwärterin Margarete Becker und der
Wärterin Katharina Crößmann an der Anſtalt für
Schwach= und Blödſinnige „Aliceſtift” hier das
Dienſt=
auszeichnungskreuz für Krankenpflege in Gold und den
Wärterinnen bei derſelben Anſtalt Katharina Strieder
und Katharina Melcher die gleiche Auszeichnung in
Silber verliehen.
* Städtiſche Straßenbahn=Verwaltung.
Fahr=
geldeinnahme vom Dezember 1911 = 35 780,50 Mk.,
Vorjahr 33020,25 Mk. Einnahme für den Wagen=
kilometer im Monat Dezember 1911 = 37,40 Pfg.,
Vor=
jahr 33,74 Pfg.
— Eleonorenſchule. Zu dem am 11. Januar in
der Turnhalle der Schule ſtattfindenden Elternabend
ſind die Eltern und Schüler, ſowie Freunde der Schule
eingeladen. Herr Dr. Lucius wird über „Zweck und
Ziele der Frauenſchule” ſprechen.
Wi. Epileptiſchen=Anſtalt in Nieder=Ramſtadt.
Es wird in freundliche Erinnerung gebracht, daß die
von der Regierung bewilligte Hausſammlung für
die Epileptiſchen=Anſtalt in Nieder=
Ram=
ſtadt in den Monaten Januar und Februar in unſerer
Stadt durch den Nieder=Ramſtädterſtraße 31 hier
wohn=
haften Bureaugehilfen Auguſt Zinn erhoben wird. Die
Zahl der Pfleglinge beläuft ſich letzt auf 205 (151
Evan=
geliſche, 51 Katholiken, 2 Iſraeliten und 1
Konfeſſions=
loſer). In den 11 Jahren ihres Beſtehens haben aus
Darmſtadt allein 46 Kranke in der Anſtalt Aufnahme
gefunden. Gegenwärtig befinden ſich 31 Darmſtädter in
ihr. So wird gewiß die Bitte um Gaben, wie ſeither
ſchon, in Darmſtadt auf einen beſonders guten Boden
fallen.
— Städtiſche Leſe= und Bücherhalle. Während des
Mo=
nats Dezember wurde die Leſehalle im ganzen von 3576
(im Dezember 1910 von 3344) Perſonen beſucht,
durch=
ſchnittlich an jedem Tage 115,3 Perſonen. Aus der
Bücher=
halle nach Hauſe entliehen wurden 10796 Bände (1910:
9750), darunter 4268 wiſſenſchaftliche und belehrende
Werke. Die Zahl der ſeit 1. April v. J. neu
eingeſchrie=
benen Leſer ſtieg auf 3761. An Büchergeſchenken gingen
in dieſem Monat weiter ein: von Herrn Gerichtsaſſeſſor
Becker in Fürth i. O. zwei von ihm verfaßte Werke, von
Herrn Fr. Beſt 1 Bd., von Frau Helene Chriſtaller in
Jugenheim a. d. B. ein von ihr verfaßtes Werk, von Herrn
stud. H. Dönges 2 Bde., von Herrn Ing. E. Förſter 7 Bde.,
von Herrn Stadtſekretär Göbel 2 von ihm verfaßte
Schrif=
ten, von Herrn Architekt Fr. Harres 1 Bd., von Herrn Prof.
Koch 4 Bde., von Herrn Kaufmann Lettenbauer 1 Bd.,
von Frau Amtsrichter Lindeck 75 Bde., von Herrn
Haupt=
lehrer Ritz 2 Jahrgänge Zeitſchr., von Frl. H. Sander
4 Jahrgänge Zeitſchr., von Herrn J. Schäfer 1 Jahrgang
Zeitſchr., von Herrn Regierungsrat Scriba 3 Bde., von
Herrn Kaufmann Spieß 30 Jahrgänge Zeitſchr., von Herrn
Streeſe 1 von ihm herausgegebenes Werk. Allen
Gebern herzlichen Dank! Weitere Schenkungen von Büchern,
ſoweit ſolche nicht veraltet, ſind jederzeit willkommen.
* Von der Schulzahnklinik. Im Monat Dezember
1911 wurden behandelt 528 Kinder (297 Mädchen, 231
Knaben) mit 740 Konſultationen. Gefüllt wurden 604
Zähne, ausgezogen wurden 443 Zähne (365 Milchzähne,
78 bleibende Zähne). Zahl der Tage, an denen
Sprech=
ſtunden abgehalten wurden: 23.
* Der Werkmeiſter=Bezirks=Verein Darmſtadt
veranſtaltete in dieſem Jahre für ſeine Mitglieder eine
Silveſter=Feier im Fürſtenſaale. Das Programm war
reichhaltig und enthielt theatraliſche und humoriſtiſche
Darbietungen, die in der vorzüglichſten Weiſe zur
Heltung kamen. Der u. a. aufgeführte Einakter „Des
Förſters Rosl” gegeben von Frl. Ernſt und Frl.
Heitzen=
röder und den Herren Ernſt, Munker, Becker, Häußchen
und Bommer, wurde flott geſpielt. Ebenſo gefielen die
humoriſtiſchen Vorträge des Herrn Mechler. Ein Duett
„Fritz ade” geſungen von Frl. Ernſt und Herrn
Häußchen, ſowie „Zwei verlaſſene Rekruten” vorgeführt
von Herren Becker und Häußchen, fanden reichen Beifall.
Auch den Kleinen wurde eine Freude bereitet, indem ſie
bei der Aufführung einer Kinderpolonäſe von einem
„Wiener Zuckerbäcker” beſchert erhielten. Ein Tanz ſchloß
die wohlgelungene Feier.
C Die Karnevalgeſellſchaft Narrhalla hat vom
Ueberſchuß ihrer Närriſchen Jahrhundertfeier im Hotel
Heß am 11. 11. 11. den Betrag von 100,69 Mk. dem
Fonds Ihrer Königl. Hoheit der Großherzogin zur
Unterſtützung unbemittelter Lungenkranker
überwieſen.
Mainz, 3. Jan. Am Montag mittag gegen 12 Uhr iſt
ein 12—14jähriger Junge von der Kaiſerbrücke in
den Rhein geſprungen und ertrunken. Ueber
die Perſönlichkeit des Selbſtmörders iſt nichts Beſtimmtes
bekannt. Die Leiche iſt noch nicht gefunden. — Einen
frechen Betrug verübte heute ein auf der
Holz=
ſtraße wohnender Hauſierer. Derſelbe wollte auf der
Städtiſchen Erſparnisbank 23 Mark auf ſein
Sparkaſſen=
buch erheben. Der Vorraum zum Schalter war von
Menſchen dicht beſetzt, und als der Name Müller
auf=
gerufen wurde und 900 Mark auf dieſes Buch zur
Aus=
zahlung gelangen ſollten, erhob der Hauſierer die 900 M.
und verſchwand damit. Die Frau Müller, welche
das Geld erheben wollte, ſtand mit einer anderen Frau
im Geſpräch und hörte nicht den Namensaufruf. Das
hatte ſich der Hauſierer zu Nutzen gemacht und ließ ſich
das Geld auszahlen.
Mainz, 3. Jan. Der Dreſſeur Wilhelm Bodem
wollte geſtern im Hintergebäude des Hauſes Rheinallee
Nr. 85 mit mehreren Wölfen Dreſſuren
vor=
nehmen, dabei wurde er von zwei Tieren, die er am Tag
vorher gepeitſcht hatte, überfallen und durch Biſſe
an den Beinen, Armen und im Rücken erheblich
ver=
letzt. Zum Glück kamen dem Dreſſeur Tierwärter zu
Das Märchen und das Leben,
Kantate von W. de Haan.
* Aus Barmen wird der „Kölniſchen Zeitung”
ge=
ſchrieben: Der Darmſtädter Hofkapellmeiſter Willem de
Haan, der ſich ſchon durch ſeine große, auch in Köln
auf=
geführte Chorkompoſition Das Lied vom Werden und
Ver=
gehen einen ſehr geachteten Komponiſten=Namen geſchaffen
hat, gelangte ſoeben mit einem neuen Chorwerk zu Gehör,
das den Titel führt: Das Märchen und das Leben.
Dieſe abendfüllende „Kantate für Soloſtimmen, Chor,
Or=
cheſter und Orgel” die bei einer hervorragenden
Wieder=
gabe durch die Barmer Konzertgeſellſchaft eine begeiſterte
Aufnahme fand, iſt berufen, dem Mangel an neuen, ge
diegenen Chorwerken abzuhelfen. W. de Haan hat ſich
ſeinen Text ſelbſt gezimmert. Er iſt ein Philofoph und ern
Poet. Die Vorgänge, die er ſchildert, ſind an ſich einfach
und ſind ſchnell berichtet. Als Triebkraft aller Dinge
ſieht er den Werdegang an, der etwa mit dem
Schopen=
hauerſchen Willen gleichbedeutend iſt, und welchem Leben
und Tod, Entſtehen und Vergehen untertan ſind. Aber
dem Menſchen fällt es ſchwer, die ausſchließliche
Geſel=
ſchaft dieſes harten, in ſeiner Wahrheitsliebe unbeugſamen
Realiſten zu ertragen, und ſo geſellt ein gütiger Gott dem
Werdegang das Märchen zur Seite, das alle Vorgänge
verklärt und idealiſiert. Beide Perſonifikationen, die ſich
übrigens ſehr gut miteinander vertragen, ruft nun der
König Vater ſeinem Söhnlein Hilkar zur Erziehung
her=
bei. Ein erſter Schmerz bleibt dem Prinzen nicht
er=
ſpart; er muß erleben, wie ſein geliebter Star Einar einem
tückiſchen Habicht zum Opfer fällt. Die Lehre von Lohn und
Strafe im Jenſeits tönt durch Märchens Unterweiſungen.
Doch ein echtes Glück wird Hilkar zuteil, indem Liane,
ſeine Erſehnte, die Hand des Königs Düſterwahn
ver=
ſchmäht und ſich Hilkar zu eigen gibt. Ein zarkſinniges
Liebesduett zeugt von ihrer Seelen=Harmonie. Doch mit
Düſterwahn hat ſich Ueberreif, der blaſierte Feind jeglichen
Idealismus, verbündet, die beide gegen Hilkar zu Felde
ziehen, ja, ihm ſogar Weib und Kind entführen. Aus
Schlachtenſturm kehrt er als Sieger heim. Sein Herrrſcher=
und Gattenglück trübt nichts als der Tod, deſſen
Grauſig=
keit durch Märchens Zauberkünſte behoben wird.
Man wird nicht umhin können, dem Gedicht eine
ſtarke, muſikaliſche Ausnutzbarkeit zuzuerkennen. de Haan
(was hat er nur verbrochen, daß ihn Riemann auch in der
neueſten Auflage ſeines Muſiklerikons totſchweigt? Haden
wirklich die längſt vergeſſenen und für die heutige
Muſik=
pflege ſo ganz unwichtigen Toten verfloſſener Jahrhunderte
ſoviel mehr Rechte als die Lebenden?) hat ſeinen Stoff
mit meiſterhafter Kenntnis und Behandlung der
Klang=
mittel des Orcheſters wie namentlich auch des Chors in
Muſik geſetzt. Seine Erfindung wurzelt im melodiſchen
Element und iſt anſprechend und je nach Erfordernis
an=
mutig und bedeutſam. Seine Kunſt der Charakteriſierung
beſitzt Schärfe ohne Aufdringlichkeit, Farbe, die nicht grell
wirkt. Als beſonders wirkungsvoll ſeien hervorgehoden:
die durch zarte Freudeſtimmung ſich auszeichnende
Beru=
fung Werdegangs und des Märchens; der Abſchnitt, der
den Tod des Stars behandelt und durch die Muſik zu
einem tragiſchen Refler des Menſchenſchickſals erweitert
wird, das Purgatorium am Schluſſe des erſten Teils,
im zweiten: der prächtige Chor Nun ſchmücket das Uſer,
das zartſinnige Liebesduett, im dritten: Lianes Klage.
der Hereinbruch des Unheils, im vierten die Herbeirufung
des Märchens, und vor allem die glänzende
Schluß=
ſteigerung. Durch beſonderen Reiz in Erfindung wie
Klangfarbe zeichnet ſich jedesmal der Anteil aus, den
das Märchen an der Handlung nimmt. Der Ausdruck, den
de Haan für die Worte der Liebe findet, iſt edel und lauter
und vermeidet den erotiſchen Anflug. In denjenigen
Strecken, auf denen de Haan zum dramatiſchen Rezikativ
greift, finden ſich manche Längen, die im Inkereſſe einer
ge=
ſchloſſenen Geſamtwirkung zu beſeitigen wären.
Das ganze Werk iſt von hohem Idealismus
durch=
zogen und darf als glückliche Bereicherung der
Konzert=
literatur begrüßt werden. Die Wiedergabe gereichte Prof.
Stronck, wie ſeinem Chor und Orcheſter, zu hoher
Ehre. Was insbeſondere der Chor in der dem ernſten
Muſiktreiben ſo abträglichen Zeit zwiſchen Weihnachten und
Neujahr leiſtete, war zu bewundern, hinſichtlich ſeiner
Klangfriſche nicht minder wie der techniſchen Durchführung
ſeines Parts. Das Orcheſter ſpielte mit größtem Eifer,
und wenn es zuweilen die Intentionen des Komponiſten
nicht ganz erreichte, ſo liegt das an der Zerſplitterung der
Orcheſterverhältniſſe im ganzen Wuppertal, durch die die
Bildung eines einzigen, aber erleſenen, Orcheſters
verhin=
dert wird. Die Solopartien waren vorzüglich beſetzt. Frau
Schmidt=Illing (Sopran), Frau de Haan=
Mani=
farges (Alt) wetteiferten an Schönheit der Stimmen und
an poetiſchem Ausdruck. Herr Thomas Denys war ein
ernſter, ſtimmgewaltiger Werdegang, und Herr Paul
Tödten bediente die Tenorpartie klanglich wie in der
Auffaſſung hervorragend. Der anweſende Komponiſt wurde
wiederholt hervorgerufen.
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 4. Januar 1912.
Nummer 3.
Hilfe und befreiten ihn von den Wölfen. Die
Sanitäts=
wache brachte den Verletzten ins Hoſpital. — Der 35
jäh=
rige Hofarbeiter Wilh. Hillemann von hier wurde
geſtern im Hofe des Städtiſchen Gaswerkes auf der
In=
gelheimer Aue mit einer ſchweren Schädelverletz
ung bewußtlos auſgefunden. Der lebensgefährlich
Ver=
letzte wurde von der Sanitätswache ins Krankenhaus
ge=
bracht. Wie der H. die Verletzung erhalten, konnte noch
nicht aufgeklärt werden.
Oppenheim, 2. Jan. Samstag vormittag ſollte der
Kaſſenbote Joh. Raiß von der Firma C. Naumann in
Offenbach 1830 Mark in Frankfurt zur Hauptpoſt
brin=
gen. Gleichzeitig ſollte er einen Scheck über 5970 Mark
auf der Frankfurter Bank einlöſen. Das Geld und den
Scheck hatte er in einer Handtaſche. In dem
Augen=
blick, als er in die Hauptpoſt auf der Zeil eintreten
wollte, wurde ihm die Taſche von einem Unbekannten
entriſſen, der ſofort im Straßengewühl verſchwand. Raiß
zeigte den Raub ſogleich an und benachrichtigte auch
ſeine Firma die den Scheck ſofort bei der Bank ſperren
ließ. Der Täter konnte bis jetzt noch nicht gefaßt
werden.
Gau=Algesheim, 3. Jan. Der weſtfäliſche Graf
Her=
mann v. Bocholt hat die hieſige alte Burg Ardeck
angekauft, um ſie zu einem modernen
Pracht=
bau auszubauen. Der in altgotiſchem Stil
gehal=
tene Bau erhält mehrere in gleichem Stil gehaltene
Türme, von denen der eine ſich bis zu 18 Metern Höhe
über den Dachfirſt erheben wird. Dieſer Turm iſt als
Ausſichtsturm für die hieſige Gegend gedacht.
Heidesheim, 3. Jan. In der Nacht zum Dienstag
drangen Einbrecher in die Konſervenfabrik der Gebr.
Oppenheim, die zur Zeit ſtill ſteht, ein und ſt ahlen
eine Menge Kupfer, die ſie nach dem nahen Walde
ſchafften. Zwei Söhne des Herrn Lauer, die auf dem
Heimweg Licht in der Fabrik bemerkten und Verdacht
ſchöpften, begaben ſich ſchnell nach Hauſe, bewaffneten
ſich und eilten nach der Fabrik zurück, wo ſie 4 Burſchen
feſtnahmen. Sie wurden nach Ingelheim in
Ge=
wahrſam gebracht.
Gießen, 3. Jan. Profeſſor Biermann von der
hieſigen Univerſität hat einen Ruf an die Univerſität
Halle angenommen.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 2. Jan. Ein großer
Be=
trugsprozeß, für deſſen Verhandlung vorläufig eine
Woche feſtgeſetzt iſt, hat heute vor der 11. Strafkammer
des Landgerichts I ſeinen Anfang genommen. Er ruft
inſofern die Erinnerung an den ſeinerzeit großes
Auf=
ſehen erregenden Heilmittelſchwindel ßes Amerikaners
William Scott wach, als es ſich in der Hauptſache um
ſeine geſchiedene Frau, die im Jahre 1865 geborene
Ver=
lagsbuchhändlerin Frau Violla Scott handelt.
Scott ſelbſt, der Gehörapparate und andere
ſchwindel=
hafte Heilmittel im großen Umfange vertrieb, wurde
ſei=
nerzeit wegen dieſes Schwindels verhaftet und gegen
Stellung einer Kaution von 100000 Mark auf freien Fuß
geſetzt. Er wartete jedoch nicht den Ausgang ſeines
Pro=
zeſſes ab, ſondern zog es vor, die 100000 Mark dem
Staat zu überlaſſen und ſchleunigſt nach Amerika zu
ver=
ſchwinden. Bei der heutigen Anklage handelt es ſich um
einen Darlehensſchwindel, der auf großer Baſis
betrie=
ben wurde, denn die Anklage behauptet, daß die
Geld=
geber der Frau Scott vom Auguſt 1909 bis Mai 1910 um
insgeſamt 40000 Mark durch die Angeklagte geſchädigt
worden ſind. Nachdem Frau Scott, eine geborene
Ame=
rikanerin, vor acht Jahren von ihrem zweiten Mann, dem
bekannten William Scott, geſchieden worden, übernahm
ſie von einem Herrn Daniels mit einem Engländer
Mac=
donald zuſammen einen ſogenannten „Pſychologiſchen
Verlag” deſſen Hauptgeſchäft ſich in Petersburg befand
und von dem eine Filiale in Berlin, zuletzt Jägerſtr. 63,
eingerichtet war. Dieſer Verlag vertrieb hauptſächlich
Bücher, die einen ganz merkwürdigen Inhalt hatten. —
Ein Lokaltermin in dem
Kinemaltogra=
phentheater in der Frankfurter Allee 153, in dem,
wie gemeldet, am zweiten Weihnachtsfeiertag zwei
Kin=
der bei einer Panik getötet wurden, fand heute vormittag
unter Leitung des Unterſuchungsrichters ſtatt. Das
Er=
gebnis war, daß die Verhaftung des Kino=Operateurs
Kugler, der wegen fahrläſſiger Brandſtiftung und
Tö=
tung verhaftet wurde, aufrecht erhalten wurde. — In
Weißenſee verſuchte heute nacht der Kutſcher Julius
Mül=
ler aus der Sedanſtraße ſich ſelbſt und ſeine vier Kinder
im Alter von anderthalb bis elf Jahren mit Leuchtgas
zu vergiften. Das jüngſte Kind iſt geſtorben, die
anderen konnten gerettet werden. Müller ſtellte ſich ſelbſt
der Polizei und wurde verhaftet. Grund zur Tat ſind
eheliche Zwiſtigkeiten.
München, 3. Jan. Die Münchener Neueſten Nachrichten
melden aus Koburg: Die Privatiere Hofreiter, die
ſich vor einigen Tagen aus Gram über den Tod ihres
Mannes vergiftete, vermachte teſtamentariſch der Stadt
München 200000 Mark, deren Zinſen zur Hälfte für
arme Schulkinder, zur anderen Hälfte zur Unterſtützung
hilfsbedürftiger Künſtler Verwendung finden ſollen. Zur
Errichtung eines Mauſoleums auf dem Friedhofe in
Eis=
feld (Thüringen) hinterließ ſie 150000 Mark. Zur
Erhalt=
ung der Friedhofsanlage vermachte ſie der Stadt Eisfeld
40,000 Mark.
Karlsruhe, 3. Jan. Heute mittag 12 Uhr traf zu
zwei=
tägigem Beſuch der Großherzog Friedrich
Franz IV. von Mecklenburg=Schwerin mit
ſeiner Gemahlin, der Großherzogin Alexandra, Schweſter
der Prinzeſſin Max von Baden, hier ein. Am Bahnhot
fand großer Empfang ſtatt; außer dem Großherzogspaar
hatte ſich das Prinzenpaar Max von Baden mit großem
Gefolge eingefunden. Ferner waren befohlen das
Staats=
miniſterium, der kommandierende General, die Generale
und Stabsoffiziere, ſowie der Oberbürgermeiſter der
Reſi=
denzſtadt. Eine Ehrenkompagnie des
Leibgrenadierregi=
ments nahm auf dem Bahnſteig Aufſtellung und
mar=
ſchierte nach Ankunft der Fürſtlichkeiten an den Gäſten
vor=
bei. Der Einzug in die Reſidenz bewegte ſich durch die
feſtlich geſchmückte Kriegſtraße und Karl=Friedrichſtraße
zum Großherzoglichen Reſidenzſchloß, woſelbſt die
Fürſt=
lichkeiten von der Großherzogin Luiſe, der Prinzeſſin
Wilhelm von Baden und dem Hofſtaat begrüßt wurden.
Um 1 Uhr fand bei der Großherzogin Luiſe
Familien=
frühſtück ſtatt.
Stuttgart, 2. Jan. Heute morgen wurde, wie ſchon
gemeldet, im Hof des Hauptpoſtamts ein frecher Raub
ausgeführt. Ein Poſtwagen, der um 6 Uhr früh, wie üblich,
beladen worden war, wurde um 8 Uhr mit erbrochenem
Wertbriefkaſten vorgefunden. Mit einem
Stemm=
eiſen war die eiſerne Kaſtentüre geöffnet worden. Etwa
10 Wertbriefe fehlen mit einem Deklarationsbetrag von
einigen Tauſend Mark. Ob der Inhalt in Bargeld beſteht
iſt noch nicht bekannt. Vom Täter hat man bis jetzt noch
keine Spur. Die Auffindung wird auch ziemliche
Schwie=
rigkeiten machen, denn es ſind gegenwärtig viele
Aus=
hilfsbeamte auf dem Poſtamt tätig, die keine Uniform
tragen. So iſt es auch einem Nichtuniformierten leicht
möglich, ſich unauffällig an den Poſtwagen zu ſchaffen zu
machen. Weiter wird hierzu noch gemeldet: Die
geſtohle=
nen Wertobjekte, elf Wertbriefe von der
Hypothe=
kenbank, wurden heute früh 6 Uhr in einen
Fahrpoſt=
wagen verladen, und zwar ordnungsgemäß an den Platz,
der für die Wertbriefe beſtimmt iſt, in die eiſerne Kaſſette,
die ſich unter dem Bock des Wagenlenkers befindet. Ihre
eiſerne Türe, die etwa die Stärke von einem Zentimeter
hat, iſt mit einem Stemmeiſen oder ſonſt einem dazu
ge=
eigneten Handwerkszeug in der Zeit zwiſchen 6 und 7 Uhr
erbrochen worden. Nun iſt gerade um dieſe Zeit der
Poſt=
hof ſehr belebt, da Pakete und ſonſtige Sendungen nach
allen Seiten verladen werden. Der beſtohlene Wagen
ſtand in der Ecke bei der Zeitungsſtelle, und alſo ziemlich
im Dunkeln, ſo daß der Dieb verhältnismäßig leichte
Ar=
beit hatte.
Pforzheim, 2. Jan. Der Direktor der hieſigen
Kunſt=
gewerbeſchule, Alfred Waag, iſt geſtern in Eßlingen
geſtorben.
Hönning (Rhein), 3. Jan. Beim Abladen großer
Holzbottiche von einem Eiſenbahnwaggon fiel einer
um und begrub zwei Arbeiter unter ſich. Der eine wurde
getötet, der andere ſtarb im Krankenhaus.
Braunſchweig, 2. Jan. Ein ſehr intereſſanter
Beleidigungsprozeß mit hochpolitiſchem
Hinter=
grunde beſchäftigte das hieſige Schöffengericht. Beklzgter
war der Verleger der Braunſchweiger Neueſten Nachr.
Hermann Lauer, dem als Kläger der bekannte
Poli=
tiker Privatdozent Dr. Albrecht Wirth (München)
gegen=
überſtand. Ende September vor. Js. hielt Dr. Wirth in
Braunſchweig einen Vortrag über „Marokko, eine
deut=
ſche Macht= und Ehrenfrage‟ Der Vortrag richtete ſich
beſonders ſcharf gegen den Leiter der deutſchen
auswär=
tigen Politik. U. a. führte Dr. Wirth aus, erſt vor 14
Tagen habe Spanien verſucht, ein Bündnis mit
Deutſch=
land zuſtande zu bringen. Der deutſche Botſchafter in
Madrid habe mehrere Stunden mit dem Könige von
Spanien verhandelt; die deutſche Regierung habe ſich
aber zu einem ſolchen Bündnis nicht verſtehen können, ſo
daß Spanien nunmehr genötigt ſei, ſich Frankreich in die
Arme zu werfen. Darauf wandte ſich der Beklagte Lauer
mit einer entſprechenden Anfrage an das Auswärtige
Amt und erhielt die telegraphiſche Antwort: „Nein,
un=
richtig. v. Kiderlen=Wächter.” Lauer ſchrieb nun zwei
geharniſchte Artikel gegen Dr. Wirth, durch die ſich dieſer
beleidigt fühlte. Der Gerichtshof kam zu der
Ueberzeug=
ung, daß zwei Ausdrücke formell beleidigend ſeien und
verurteilte Lauer wegen dieſer beiden Fälle zu je 100 Mk.
Geldſtrafe.
Leipzig, 3. Jan. Auch die Leipziger Alkohol=
Vergift=
ungs=Affäre iſt nunmehr aufgeklärt. Die chemiſche
Unter=
ſuchung des Mageninhalts, die geſtern abend zu Ende
ge=
führt wurde, ergab, daß der Tod höchſt wahrſcheinlich
ebenſo wie in Berlin, auch auf Methyl=Alkohol
zu=
rückzuführen iſt. Es iſt feſtgeſtellt worden, daß der
Likör=
händler Kehr kurz vor Weihnachten von einem Reiſenden
des in Charlottenburg verhafteten Drogiſten Charmach
mehrere Ballon Sprit zu billigem Preiſe gerauft har.
Dieſer Sprit hat zu mehr als zwei Dritteln Methyi=
Alkohol enthalten.
Wien, 2. Jan. Die Särge mit den irdiſchen
Ueber=
reſten des Fürſten Alerander und der Fürſtin Perſida
Karageorgewitſch werden morgen abend von der
Kapelle des St. Markus=Friedhofes nach Topola
überge=
führt, um im Mauſoleum beigeſetzt zu werden.
Wien, 3. Jan. Es verlautet, daß Angeſtellte einer in
der Nähe des Marxer Friedhofes belegenen Lederfabrik
der TTäterſchaft des Raubes des Schädels des
Fürſten Karageorgiewitſch verdächtig erſcheinen. Es ſoll
ſich um eine beabſichtigte Erpreſſung gehandelt haben. Da
aber die Affäre einen ſo großen Umfang annahm,
fürch=
teten die Räuber Entdeckung und trugen den Schädel auf
den Friedhof zurück.
Wien, 3. Jan. Die Neue Freie Preſſe meldet:
Erz=
herzogin Zita die Gemahlin des Erzherzogs Karl
Franz Joſef, leidet ſeit einigen Wochen an einer leichten
Unpäßlichkeit weshalb vollſtändige Ruhe und
Schonung verordnet wurden. Die nächſten acht bis zehn
Tage wird die Erzherzogin auf dem Schloſſe ihrer
Mut=
ter verbringen, da die Anſtrengungen einer längeren
Reiſe für ſie mit geſundheitlichen Nachteilen verbunden
ſind. Die Erzherzogin wird ſich dann in Begleitung ihres
Gemahls an die Adria, und zwar nach Miramare oder
Brioni, begeben, wo ein mehrwöchentlicher Aufenthalt
vorgeſehen iſt. Die Erzherzogin wird infolge ihres
Zu=
ſtandes an den Karnevalveranſtaltungen bei Hofe nicht
teilnehmen.
Peſt, 2. Jan. Bei der Peſter Petroleum=Aktien=
Ge=
ſellſchaft vormals Berg wurden durch eine
Keſſelex=
ploſion vier Arbeiter getötet und zwei Ingenieure
und zwei Arbeiter ſchwer verletzt, ſowie drei Arbeiter
leicht verletzt. Einige andere Arbeiter werden vermißt.
Rom, 2. Jan. Das ſüdliche Etrurien die
Gegend um den See von Bolſena, gehört zu den
italieni=
ſchen Landesteilen, wo das Brigantentum ab und
zu noch einige verſpätete Blüten treibt. Gegen Ende des
vorigen Jahrhunderts trieb dort Jahre lang ein gewiſſer
Tiburzi ſo erfolgreich das Räuberhandwerk, daß ihm die
reichen Grundbeſitzer regelmäßige Abgaben zahlten, um
ſich vor ſeiner Büchſe zu ſchützen, und daß das Land
ſüd=
weſtlich vom See nach dem Meere hin kurzerhand II regno
di Tiburzi (das Reich Tiburzis) genannt wurde.
Nach=
dem dieſer Brigant endlich im Kampfe mit den
Gendar=
men gefallen war, wurde es einige Zeit ſtille im Lande;
ſeit mehreren Jahren jedoch hat ſich in der wenig
be=
wohnten Gegend öſtlich vom Bolſener See das
Räuber=
weſen wieder geregt, ohne daß man von verſchiedenen
derartigen Uebeltaten bis jetzt die Urheber entdeckt hätte.
Am Mittwoch, den 27. Dezember 1911, hat ſich dort ein
Ueberfall zugetragen, der an die gruſeligen Geſchichten
vom „Wirtshaus im Speſſart” erinnert. Wenige
Kilo=
meter von Allerona entfernt, nördlich von Orvieto, hat
ſich ein reicher belgiſcher Graf Hugo Cahen angeſiedelt
und bewohnt mit ſeiner Gemahlin, einer jungen Dame
aus dem neapolitaniſchen Adel, ein ſtattliches Landhaus,
die Villa della Selva. Der Graf, der ein rühriger
Land=
wirt iſt und ſich mit Eifer der Bewirtſchaftung ſeiner
Güter widmet, iſt im Septmeber 1910, als er im Auto
über Land fuhr, von zwei bewaffneten Männern
ange=
fallen worden, die mit Steinen den Weg verſperrt hatten
und mußte ein hohes Löſegeld bezahlen, um ſich aus
ihren Händen zu befreien. Die Briganten hatten damals
aber nicht die volle Summe, die ſie verlangt hatten,
er=
halten und waren überdies von dem Grafen der Polizei
angezeigt worden. Zwar wurde dieſe ihrer nicht
hab=
haft, aber die Briganten beſchloſſen doch, Rache an dem
Grafen zu üben. Erſt am vergangenen Mittwoch gelang
es ihnen, den Racheplan auszuführen. Als nämlich die
Gräfin am Spätnachmittag allein auf der Straße von
ihrer Villa nach Allerona zu ſpazieren ging, um das von
der Eiſenbahnſtation mit ihrem Gemahl zurückkehrende
Automobil zu erwarten, wurde ſie plötzlich von einem
Manne angehalten, der ſie mit einem Revolver bedrohte
und mit ihm in den neben der Straße ſich ausdehnenden
Wald zu gehen zwang. Da ſchon nach kurzer Zeit die
Großherzogliches Hoftheater.
Dienstag, 2. Januar:
„Was Ihr wollt“
W-l. Shakeſpeares geniale und humorvolle
Verwech=
ſelungskomödie „Was Ihr wollt” ging heute mit ſtarkem
Erfolge wieder in Szene. Ueber die Vorzüge der
Neu=
inſzenierung des Luſtſpieles durch Herrn Hacker durch
die ein einheitlicher „neutraler Schauplatz” geſchaffen
worden iſt und der ſtörende Szenenwechſel der
urſprüng=
lichen fünf Akte vermieden wird, haben wir uns früher
bereits wiederholt geäußert und uns für die
Beibehalt=
ung dieſer Einheitsſzene ausgeſprochen.
Die Verwechſelungskomödie, die ein uraltes Motiv
in neuer Form behandelt, ſetzt bei dem Zuſchauer ein
nicht geringes Maß von Abſtraktion voraus, da bei der
Darſtellung der Viola als Caeſario der feminine
Charak=
ter ſich nicht verleugnen läßt. Verſtärkt werden dieſer
Widerſpruch und der Appell an die nachhelfende
Phan=
taſie der Zuſchauer noch, wenn ſich die
Zwillingsgeſchwi=
ſter einander ſo unähnlich ſind, wie es bei Herrn
Schneider und Fräulein Meißner der Fall iſt, und
wenn man ſagt, daß „die Liebe blind” iſt, ſo gilt dies in
vollem Maße von der ſchönen Gräfin Olivia, die das
Weib in Manneskleidern von dem wirklichen Manne
nicht unterſcheidet. Je liebreizender und ſanfter Fräulein
Meißner ihre Rolle verkörperte und darſtellte, deſto
weiter entfernte ſie ſich von ihrem eigentlichen Ziel. Mit
jugendlicher und friſcher Männlichkeit ſpielte Herr
Schneider den Sebaſtian; Frl. Alſen als Gräfin
Olivia, die Hauptperſon der Liebesgeſchichte, behandelte
ihre Rolle zu konverſationsmäßig und mit zu wenig
innerer Wärme. Die kleinere Rolle des Herzogs Orſino
ſpielte wieder Herr Hacker.
Einen noch breiteren Raum als dieſe Liebesgeſchichte
nimmt in dem Luſtſpiel die Malvolio=Komödie ein, die in
genialer Weiſe mit ihr verflochten iſt. Sie brachte
zu=
nächſt inſofern eine Ueberraſchung, als Herr Weſter=
mann, der bisherige Vertreter des Faches des
jugend=
lichen Liebhabers, die Rolle des Narren ſpielte. Danach
beſtätigt es ſich, daß Herr Weſtermann in das
Charakter=
fach überzugehen beabſichtigt. Nach der heutigen
Probe=
leiſtung kann man ihn dazu ermutigen und es iſt zu
er=
warten, daß er die Eierſchalen des jugendlichen
Lieb=
habers, die ihm noch vielfach anhafteten, bald ganz
ab=
ſtreifen wird. Namentlich muß er bei dieſer ſeiner
künſt=
leriſchen Umformung auch auf eine ſolche in ſeiner
Sprach=
technik und Deklamation bedacht ſein. Die ſchwierige
Rolle des Malvolio ſpielte wieder Herr Jürgas mit
einheitlicher Charakteriſtik. Daß er die Rolle mehr
poſ=
ſenhaft auffaßt, widerſpricht nicht dem Charakter dieſer
Komödie.
Eine prachtvolle Figur im Falſtaff=Stile war der
Junker Tobias des Herrn Riechmann. Er ſowohl
als auch Frl. Gothes ausgelaſſenes Kammerkätzchen,
Herrn Knispels urgelungener Junker Chriſtoph und
Herrn Peterſens luſtiger Fabio ſtimmten die
Mal=
volio=Komödie auf den richtigen Ton, und ſie bildete nicht
den ſchlechteſten Teil der Vorſtellung. Schließlich ſei auch
noch des biederen Antonios des Herrn Heinz lobend
gedacht.
Feuilleton.
* Bismarck und Philippis „Erbe‟ Felir Philippi
erzählt im Neuen Wiener Journal einiges bisher
Unbe=
kannte von der Entſtehungsgeſchichte ſeines Schauſpieles
„Das Erbe‟ Ich mache gar keinen Hehl daraus, daß mich
zu meinem Schauſpiel „Das Erbe” die Entlaſſung
Bis=
marcks angeregt hat. Die Wogen der Erregung über den
jähen Sturz in die Tiefe ſchäumten und brauſten mit
er=
ſchreckender Wildheit auf; es hätte nicht viel gefehlt und
ſie hätten ſich über die Ufer ergoſſen. Alle Kulturvölker,
die ganze ziviliſierte Welt war ſich einig, daß dieſer
Sturz unverdient war. Man hatte das Gefühl, als ob
die Sonne ſich verfinſtere, als ob die Erde bebte, als ob
eine Naturgewalt, von deren Daſein Ruhe und Friede
und Zukunft abhinge, zermalmt ſei! Da habe ich mir
gedacht, daß es nur verdienſtlich wäre, wenn ich mit
meinen beſcheidenen Kräften dem nationalen Heros in
einem Drama ein Denkmal ſetze, deſſen Macht man wohl
brechen konnte, deſſen ungeheuerer Schatten aber nicht
mehr aus der Weltgeſchichte zu tilgen iſt. Viel Intimes
über die Entlaſſung Bismarcks hat mir damals der mir
befreundete Lenbach erzählt und vieles — an einigen
Stellen im zweiten Akte ganze Sätze — habe ich in
mei=
nem Schauſpiel eingeflochten. Ein merkwürdiger Zufall
fügte es, daß genau in dem Augenblick, in dem ich die
letzten Worte des Stückes niederſchrieb, ich die Rufe der
Camelots zu mir heraufgellen hörte, die den Tod des
Recken verkündeten. Ernſt von Poſſart, der damals die
Münchener Hofbühne leitete, hatte den Mut, wenige
Wochen ſpäter, als die Klagen um den Gefällten noch
nicht verſtummt waren, das Stück am Reſidenztheater
auf=
zuführen, und es war lehrreich, zu beobachten, mit welch
leidenſchaftlicher Heftigkeit das Münchener Publikum
Partei für Bismarck ergriff, der ihm ſtets als
wundervoll=
ſtes Wunder gegolten hatte. Und dann entſinne ich mich,
daß in einer ſpäteren Wiederholung — vielleicht der 40.
der ich ganz zufällig beiwohnte, der im Hauſe
an=
weſende Reichskanzler Hohenlohe mich zu ſich
bitten ließ und mir nach den üblichen Komplimenten
ſagte: das Stück ſei ja ſehr intereſſant; ganz unerfindlich
aber ſei es ihm, wie man in Hofkreiſen hätte erzählen
können, daß es „die Entlaſſungsgeſchichte des verewigten
Fürſten” behandle. Als wir voneinander ſchieden,
lächelte ich. Ich glaube, er auch!
* Die „Beſtattung” des „Maine”=Wracks. Das kurz
vor dem Ausbruche des Spaniſch=Amerikaniſchen Krieges
im Hafen von Havanna am 15. Februar 1898 explodierte
amerikaniſche Kriegsſchiff „Maine” iſt, wie erinnerlich ſein
wird, vor einiger Zeit gehoben worden und ſoll nun, wie
gemeldet wird, ein ehrliches „Seemannsgrab” erhalten.
Wie das Gerippe eines ungeheueren vorweltlichen Tieres
ragte es früher zur Ebbezeit aus dem ſchmutzigen,
übel=
riechenden Waſſer empor, und jeder patriotiſche Amerika=
Nummer 3.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 4. Januar 1912.
Seite 5.
aufs tiefſte erſchrockene Dame nicht die Kraft hatte, wei
terzugehen, ſo ſtieß und ſchleifte der Brigant ſie unter
rohen Mißhandlungen vorwärts, bis er ſie in einer
ab=
gelegenen Schlucht an eine Felsgrotte brachte. Die Nacht
hatte bald den Wald in Dunkel gehüllt, und unter den
wiederholten Todesdrohungen, mit denen der Wegelagerer
der Gräfin mit Bezug auf den vor einem Jahre
erfah=
renen Mißerfolg zuſetzte, ſchwanden ihr ſchließlich die
Sinne. Inzwiſchen war der Graf in ſeine Villa
zurück=
gekehrt, hatte ſeine Frau vermißt und mit Hilfe der
Gen=
darmen und der Bauern von Allerona Nachforſchungen
begonnen. Nachdem ſie ſtundenlang den nahen Wald
durchſucht hatten, hörten ſie in der Schlucht leiſe Hilferufe
und fanden, ihnen nachgehend, die Gräfin in der Höhle,
halbtot vor Angſt und Schmerzen. Der Brigant hatte ſich
inzwiſchen aus dem Staube gemacht, ohne ſeinem Opfer
ein weiteres Leid zuzufügen. Man brachte die Dame nach
Hauſe und zu Bett, wo ſie in ein heftiges Fieber verfiel,
aber noch die Einzelheiten ihres ſchlimmen Abenteuers
erzählen und über das Ausſehen des Täters genaue
An=
gaben machen konnte. Seitdem iſt die Gendarmerie der
ganzen Nachbarſchaft auf den Beinen, um den frechen
Briganten aufzuſpüren, aber bis heute ohne jeden Erfolg.
Paris, 3. Jan. Der Pariſer Geheimpolizei ſoll es
geſtern abend in ſpäter Stunde gelungen ſein, die Identität
von drei Banditen feſtzuſtellen, die ſich an der Beraubung
des Kaſſenboten Caby beteiligt haben. Obgleich die
Polizei das ſtrengſte Stillſchweigen bewahrt, will man
wiſſen, daß einer der in Frage kommenden Leute Bonnot
heißt und der vor einiger Zeit als Chauffeur ſeinen
Reiſe=
gefährten, einen Kellner, bei Mélun ermordet hat und
ſpurlos verſchwunden war.
Kriſtiania, 2. Jan. Nach einer Trauerfeier für
den verſtorbenen deutſchen Legationsſekretär Erbgrafen
von Schlitz, der u. a. das diplomatiſche Korps und
ein Vertreter des Königs beiwohnten, wurde die Leiche
nach dem Bahnhof übergeführt. Im Trauergefolge
be=
fanden ſich mehrere Miniſter und das Perſonal des
nor=
wegiſchen Auswärtigen Amtes. Auf dem
Bahnhofsge=
bäude waren deutſche und norwegiſche Flaggen Halbmaſt
gehißt. Die Beiſetzung erfolgt in der Heimat des
Ver=
ſtorbenen.
ner, der nach Havanna kam, hielt es für ſeine Pflicht, ſich
in einem Boote um dieſes Wahrzeichen des kubaniſchen
Krieges herumrudern zu laſſen. Es hieß ſeinerzeit, die
Spanier hatten das friedlich vor Anker liegende Schiff
in die Luft geſprengt, und das ergab den unmittelbaren
Vorwand zum Ausbruch der Feindſeligkeiten. Im
ver=
gangenen Jahre nun hat Präſident Taft die „Leiche” der
„Maine” heben laſſen, um offiziell feſtzuſtellen, ob das
Schiff durch eine Exploſion von außen, alſo einem
tücki=
ſchen Angriff der Spanier, oder durch eine Exploſion
in den Pulvermagazinen zerſtört worden ſei. Nach dem
erſten Berichte der Sachverſtändigen handelte es ſich um
eine Exploſion in den Magazinen, wahrſcheinlich infolge
von Unachtſamkeit. Die Spanier waren alſo unſchuldig
Das Reſultat der Unterſuchung machte aber einen ſehr
ſchlechten Eindruck in Amerika, und man entſandte
ſchleu=
nigſt noch „Sachverſtändigere”, um ein neues Gutachten
abzugeben. Dieſes Mal lautete das Urteil klipp und klar
daß nur eine Exploſion von außen, der allerdings
Explo=
ſionen in den Magazinen folgten, das Unheil angerichtet
haben könne. Jetzt hat die Regierung, wie der Berliner
Lokalanzeiger mitteilt, beſchloſſen, ein regelrechtes
Leichenbegängnis zu veranſtalten. Ein
Schlacht=
ſchiff wird, was noch von der „Maine” vorhanden iſt, in
den Atlantiſchen Ozean hinausſchleppen; Kreuzer und
Torpedoboote werden ihr das letzte Geleite geben. An
einer beſtimmten Stelle im Ozean wird das Schiff dann
unter dem Donner der Kanonen in die Tiefe ſinken. Ein
Kreuz auf den Seekarten wird ſein Grab kennzeichnen.
Der Hauptmaſt ſoll auf dem Nationalfriedhof in
Waſhing=
ton aufgeſtellt werden. Den anderen Maſt hat ſich die
Republik Kuba ausgebeten, um ihn zu einem in Havanna
zu errichtenden Denkmal zu verwenden. Es iſt ein guter
Gedanke, die „Maine” in die Tiefe zu verſenken, denn ſo
wird es dem Vorwitz zukünftiger Zeiten unmöglich
ge=
macht, nicht etwa noch einmal zu unterſuchen, ob ſpaniſche
Tücke oder amerikaniſche Sorgloſigkeit die Schuld an dem
Unheil trug.
C. K. Seltſame Inſpiration. Auf wie ſeltſamen Wegen
bisweilen die Inſpiration ihren Weg zu den Künſtlern
findet, zeigt ein intereſſanter Brief von Hektor Berlioz,
der im „Amateur d’Autographes veröffentlicht wird. Das
Schreiben des berühmten Komponiſten iſt an einen Dichter
gerichtet, der Berlioz einige Verſe zur Kompoſition gefandt
hatte. Berlioz dankt dem Poeten und fährt fork: „Meine
Muſe iſt nicht ſehr anſpruchsvoll und Sie beſchuldigen ſie
zu unrecht; überdies iſt die Ihre ſo reich, daß ſie nichts von
den Anſprüchen ihrer Schweſter zu fürchten hat. Meine
Muſe iſt nur ſehr launiſch, und um Ihnen das zu
veran=
ſchaulichen, werde ich Ihnen erzählen, daß der „5. Mai”
den Sie heute abend hören werden, mir lange Zeit hindurch
eine Quelle ſteter Sorge war. Es war während meines
Aufenthaltes in Rom; zwei Monate lang ſuchte ich
vergeb=
lich nach der Muſik für das Ritornell „Armer Soldaf”.
und ſchließlich gab ich meine Bemühungen auf. Eines
Tages aber gehe ich an der Tiber ſpazieren, gleite aus und
rutſche bis an die Knie ins Waſſer. Als ich mich erhebe,
ſinge ich die Phraſe vor mich hin, die ich ſo lange
ver=
geblich geſucht hatte und das Ritornell war fertig. Daher
wage ich auch nie, den Dichtern zu verſprechen, ihre Verſe
in Muſik zu ſetzen, wie ſehr ich das auch oft möchte.”
ml. Wieviel Federn hat ein Huhn? Einem
amerika=
niſchen Blatte verdankt man die ſchätzbare Erkenntnis,
daß ſich das Federkleid eines Haushuhns mittlerer Größe
aus genau 8120 Federn zuſammenſetzt. Es iſt das das
Ergebnis eines Preisausſchreibens, mit dem das Blatt
an ſeine Leſer die Aufforderung richtete, die Zahl der
Federn eines Huhns zu erraten. Die eingegangenen
Schätzungen ſchoſſen zumeiſt viel über das Ziel hinaus,
und einer verſtieg ſich ſogar zu der Schätzung von 50000
Federn. Derjenige, der der durch Kontrollverſuche
er=
mittelten Wirklichkeitszahl 8120 am nächſten gekommen,
erhielt den ausgeſetzten Preis, 100 Dollars, von der
Re=
daktion des Blattes ausgezahlt, die ſich mit berechtigtem
Stolze rühmen durfte, durch ihren eigenartigen
Wett=
bewerb eine „brennende” Frage zur Löſung gebracht und
damit der wiſſenſchaftlichen Forſchung einen
bemerkens=
werten Dienſt erwieſen zu haben.
Luftfahrt.
H. B. Berlin, 3. Jan. Die für den Flugplatz
Jo=
hannisthal beſtimmte Luftſchiffhalle für das
Luft=
ſchiff „Parſeval” iſt von der italieniſchen
Re=
gierung erworben worden. Die Halle iſt für den
Kriegsſchauplatz in Tripolis beſtimmt. Mit
dem Abtransport nach Tripolis iſt bereits begonnen
worden.
London, 2. Jan. Heute wurden in Alderſhot
mehrere Probeflüge mit einem
geräuſch=
loſen Militärflugzeug gemacht, wobei eine
Stundengeſchwindigkeit von 60 engliſchen Meilen erreicht
wurde. Ein ſchwaches Geräuſch des Motors iſt nur dann
zu hören, wenn ſich das Flugzeug ganz nahe über den
Boden befindet.
Landwirtſchaftliches.
* Landwirtſchaftlicher
Vortragskur=
ſus der Landwirtſchaftskammer zu Gießen.
Am Dienstag, den 2. Januar, vormittag 10¼ Uhr,
er=
öffnete der ſtellvertretende Vorſitzende der
Landwirt=
ſchaftskammer, Herr Bähr, den Vortragskurſus der
Landwirtſchaftskammer. Er begrüßte die zahlreichen
Anweſenden, insbeſondere den Vertreter der Großh.
Re=
gierung, Herrn Regierungsrat Spamer, und den Herrn
Beigeordneten der Stadt Gießen. Letzterer dankte für
die Einladung der Stadt Gießen und ſprach den Wunſch
und die Hoffnung aus, daß auch dieſer Vortragskurſus
der Landwirtſchaft von Nutzen ſein möge. — Als erſter
Referent ſprach Herr Regierungsrat Baſtkan,
Direk=
tor der Großh. Landeshypothekenbank Darmſtadt, über
„Geldmarkt und Geldverkehr” in anſchaulicher, leicht
ver=
ſtändlicher Weiſe. Seinen Ausführungen, insbeſondere
denjenigen über den kurzfriſtigen und langfriſtigen
Kre=
dit, entnahm man die Erfahrungen des Praktikers. Er
berichtete n. a. über die Bedeutung der Reichsbank, die
verſchiedenſten Einflüſſe, die auf die Veränderung des
Diskonts wirkſam ſind, weiter über den
Hypothekenkre=
dit, die Bedeutung der Landeshypothekenbank, der
Spar=
kaſſen uſw. An zweiter Stelle referierte Herr Profeſſor
Berghoff=Iſing in Darmſtadt über „Die neuere
weltwirtſchaftliche Entwickelung Deutſchlands und ihre
Rückwirkung insbeſondere auf die Landwirtſchaft” Zum
Beginn ſeiner Ausführungen ſprach er über die
Welt=
wirtſchaft, ihre Entſtehung und Bedeutung. Er ſchilderte
die Entwickelung und die Veränderungen in der der
Pro=
duktion angehörigen Zahl von erwerbstätigen Perſonen.
Im Anſchluß hieran beſprach er die Bedeutung
Deutſch=
land als Induſtrie= und Agrarſtaat. Wenn auch die
Zahl der in Induſtrie und Handel beſchäftigten
Per=
ſonen heute etwas größer ſei wie die Zahl der
Erwerbs=
tätigen in der Landwirtſchaft, ſo ſei doch die
Leiſtungs=
fähigkeit der Landwirtſchaft nicht zurückgegangen,
ſon=
dern ganz außerordentlich geſteigert worden.
Beide Vorträge wurden mit lebhaftem Beifall
auf=
genommen. In der am Nachmittag ſtattgefundenen
Dis=
kuſſion wurden noch die verſchiedenſten intereſſanteſten
Fragen eingehend erörtert. Am Donnerstag, den 4.
Jaunar, werden ſprechen Herr Kreisveterinärarzt Dr.
Knell=Gießen über das Thema „Was muß der Landwirt
von den Viehſeuchen wiſſen, ſoweit ſie unter das neue
deutſche Reichsviehſeuchengeſetz fallen?” Ferner Herr
Privatdozent Dr. Kleberger=Gießen über „Techniſch
rich=
tige Fütterung des Viehs bei Stallhaltung.”
Handel und Verkehr.
* London, 2. Jan. Wie das Reuterſche Bureau
erfährt, wird in den nächſten Tagen in Paris eine
Verſammlung von Vertretern britiſcher,
franzöſi=
ſcher und ruſſiſcher Banken ſtattfinden, um ein
Abkom=
men für die Aufbringung eines Kapitals
von 100000 Pfund Sterling abzuſchließen. Es
ſollen dadurch vorbereitende Studien für die
transper=
ſiſche Bahn durch eine Studiengeſellſchaft ermöglicht
werden, deren Aufgabe es ſein wird, nachdem die
Linien=
führung der Bahn endgültig feſtgelegt und die
anſchlie=
ßende Vermeſſung vorgenommen worden iſt, die
notwen=
dige Konzeſſion von Perſien zu erlangen. Das ruſſiſche
Komitee beſitzt faſt den vollſtändigen Vermeſſungsplan
von Aſtara nach Perſien und eine vorläufige Abſchätzung
von Teheran nach Gualtar an die Grenze von Perſien
und Belutſchiſtan. Großbriteinnien und Rußland haben
den Plan ſchon vor einem Jahre im Prinzip gebilligt.
Rußland hat ſeitdem verſprochen, den Plan endgültig
zu unterſtützen. Großbritannien hat inzwiſchen die
in=
diſche Regierung um ihre Meinung gefragt. Dieſe rät,
daß die Verbindung mit Indien in Karachi ſtatt in
Nuſhki hergeſtellt werde und die Bahn in die britiſche
Sphäre in Benderabbas ſtatt in Kirdan eintrete. Das
ruſſiſche Komitee ſpricht ſich gegen den großen Umweg
über Benderabbas aus und empfiehlt eine Linienführung
von Karachi nach Gualtar und von da nordwärts über
Kirdan. Die indiſche Regierung wünſcht ferner, daß die
Spurweite der Bahn geändert werde, wo ſie die Grenze
engliſchen Gebietes erreicht. Weitere Bedingungen ſind,
daß Rußland nicht ohne Zuſtimmung Englands irgend
einen Vorſchlag für einen Eiſenbahnbau an der
perſiſch=
afghaniſchen Grenze unterſtützt. Ferner wird gleichmäßige
Behandlung des Handels gefordert. Schließlich wird der
Bau von Zweiglinien vorgeſchlagen, von denen drei, die
in der neutralen Zone liegen, internationaliſiert
wer=
den ſollen, ſowie einer anderen Linie von Benderabbas
oder Tſchabar nach Kirman, die rein britiſch ſein ſoll.
Das ruſſiſche Komitee iſt der Anſicht, daß ſich der
Auf=
bringung des Kapitals und der Erlangung der
Erlaub=
nis ſeitens Perſiens, den Plan zu verfolgen, keine
Schwie=
rigkeiten entgegenſtellen werden.
Die Maſſenvergiftung im Berliner Obdach.
* Bei der Maſſenvergiftung im
Ber=
liner Obdach ſpielt, wie gemeldet, der
Methyl=
alkahol eine Hauptrolle. Methylalkohol iſt
Holzgeiſt. Er wird bei trockener Deſtillation von Holz
und Rübenſchnitzeln gewonnen, verdichtet ſich mit den
gleichzeitig auftretenden Dämpfen von Waſſer,
Eſſig=
ſäure uſw. und befindet ſich im rohen Holzeſſig. Aus
dem genannten Produkt ſtellt man durch Deſtillation und
Miſchung einen 80prozentigen Methylalkohol her. Man
benutzt Methylakohol vielfach als Brennſpiritus, ferner
zu Polituren uſw. Zu dieſem Zwecke muß er aber mehr
als 30 v. H. Azeton enthalten, während der rohe M.
meiſt nur 12 v. H. Azeton enthält.
Ueber die Wirkung des Methylalkohols im
menſch=
lichen Organismus ſchreibt Dr. Rudolf Foerſter, der
Charlottenburger Nervenarzt, der die Wirkungen des
Giftes in mehreren Publikationen wiſſenſchaftlich
behan=
delt hat, folgendes: „Der Methylalkohol oder Holzgeiſt
gelangt öfters als Zuſatz zu amerikaniſchen Marmeladen,
als Denaturierungsmittel für Spiritus, als Zuſatz zu
Firnis, Bay=Rum, Pfefferminzeſſenz in den Verkehr. Von
den bekannt gewordenen Vergiftungen hat
beſon=
ders eine Aufſehen erregt, bei der in Rußland 35 Hoch=
zeitsgäſte durch Trinken von Politurſpiritus erkrankten;
11 davon ſtarben. Der Tod trat in mehreren Fällen unter
den Anzeichen von Schwäche, Leibſchmerzen und
Krämpfen ein. In einem ruſſiſchen Dorfe ſtarben 20
Per=
ſonen innerhalb zweier Tage. Schon die Dämpfe des
Methylalkohols wirken deutlich ſchädigend. In einer
großen Anzahl von Fällen wurde auch ſchon nach
ſol=
chen Dämpfen eine Störung des Sehvermögens —
Nebel=
ſehen — bis zu völliger Erblindung beobachtet. So ſind
nicht weniger als 89 Erblindungen durch Trinken des
Giftes neben 82 Todesfällen ohne vorhergehende
Er=
blindung bekannt geworden. Bemerkenswert iſt, daß
verſchiedene Perſonen durch das Gift ſehr
verſchie=
den geſchädigt werden. Es tritt bei manchen nach
ge=
ringen Mengen ſchon der Tod ein, während andere durch
den Genuß von verhältnismäßig viel Methylalkohol
völlig beſchwerdefrei bleiben können. Dieſe Tatſache iſt
bei vorkommenden Todesfällen natürlich von erheblicher
Bedeutung. Wenn Nachforſchungen nach der Urſache von
Todesfällen ergeben, daß einige Perſonen durch große
Mengen eines verdächtigen Schnapſes nicht geſchädigt
worden ſind, ſo wird der Verdacht von dieſem Schnaps
leicht fälſchlich abgelenkt.”
Ein politiſcher Prozeß.
* Berlin, 3. Jan. Heute kommt die Privatklage
des Hauptmanns a. D. Cleinow, des Herausgebers
der Grenzboten, gegen den verantwortlichen Redakteur
der Poſt, Dr. Müller, wegen eines beleidigenden
Ar=
tikels der Poſt in der Marokkoaff äre vor dem
Schöffengericht Berlin=Mitte zur Verhandlung. Wie das
Berliner Tageblatt hierzu erfährt, beabſichtigt der
Ange=
klagte, den Beweis der Wahrheit anzutreten. Es ſoll
unter Beweis geſtellt werden, daß der Staatsſekretär
des Auswärtigen Amtes, von Kiderlen=Wächtet, zu dem
Abgeordneten Erzberger, zu dem Vorſitzenden des
Alldeutſchen Verbandes, Rechtsanwalt Claas, und zu
dem Chefredakteur Rippler geſagt habe, er werde
nicht eher aus Marokko gehen, bis Weſtafrika deutſch ſei.
Es ſoll weiter die Reſolution, die ſeinerzeit der
All=
deutſche Verband in der Marokkoaffäre gefaßt hat, und
in der verlangt wurde, daß Weſtmarokko deutſch werden
müſſe und die gegen Frankreich ſcharf macht, Herrn von
Kiderlen=Wächter vorgelegt und von dieſem ausdrücklich
genehmigt worden ſein. Schließlich ſoll Beweis dafür
angetreten werden, daß die Grenzboten das offizielle
Organ des Herrn von Kiderlen=Wächter ſeien und daß
auch der fragliche Artikel dem Staatsſekretär vor der
Drucklegung vorgelegen hat. Vorausſichtlich wird auch
auf das Zeugnis des Herrn von Kiderlen=Wächter Bezug
genommen, alſo möglicherweiſe der Staatsſekretär als
Zeuge vernommen werden. Die Verhandlung verſpricht
daher ſehr intereſſant zu werden.
* Berlin, 3. Jan. In dem
Privatbelei=
digungsprozeß des Herausgebers der Grenzboten,
Cleinow, gegen den verantwortlichen Redakteur der Poſt,
Dr. Müller, erkannte das Schöffengericht des
Amts=
gerichts Berlin=Mitte auf Freiſprechung und legte
die Koſten des Verfahrens dem Privatkläger auf. Der
Vorwurf, die Poſt ſtehe im Solde der Gebrüder
Mannes=
mann und treibe deren Politik, führte der Vorſitzende
in der Urteilsbegründung aus, ſei ſo ſchwer, daß eine
Abwehr erforderlich geweſen ſei. Dem Angeklagten ſtehe
der Paragraph 193 des Strafgeſetzbuches zur Seite. Die
Form ſei wohl etwas ſcharf, doch könne die Abſicht einer
Beleidigung darin nicht gefunden werden.
Der Privatkläger erklärte, er habe niemals
behaup=
tet, daß irgend eines der Blätter oder ein Mitglied
be=
ſtochen worden ſei. Es habe ihm dies vollſtändig fern
gelegen. Wohl aber ſeien einige Blätter durch die
Firma Mannesmann und durch deren journaliſtiſchen
Dienſt in außerordentlicher Weiſe beeinflußt worden.
Er mache dieſen Blättern den Vorwurf, daß ſie
verabſäum=
ten, ſich im Auswärtigen Amt, der einzig maßgebenden
Stelle der äußeren Politik, Informationen zu holen. Sie
hätten Informationen haben können, da ſie
Staatsſekre=
tär von Kiderlen=Wächter jedem in der loyalſten Weiſe
gegeben habe. Er gab die Erklärung ab, daß
Staats=
ſekretär von Kiderlen=Wächter bereit ſein wird, über die
Vorgänge während der Unterredung mit den Herren
vom Alldeutſchen Verband vor Gericht auszuſagen.
Die Flucht des Spions Luz.
* Paris, 3. Jan. Hauptmann Lux erhielt von
der Militärbehörde einen dreißigtägigen Urlaub, den er
in Nizza verbringen wird. Die Meldung, daß er der
Form halber vor ein Kriegsgericht geſtellt würde, wird
zum mindeſten als verfrüht bezeichnet. Der Matin gibt
heute eine von den geſtrigen Veröffentlichungen über die
Flucht des Hauptmann Lur etwas abweichende
Darſtel=
lung. Danach ſei dieſe hauptſächlich das Werk eines
Schulfreundes von Lur geweſen, an den der letztere
Briefe gerichtet habe. In einem dieſer Briefe hätte Lux
mit ſympathetiſcher Tinte geſchrieben: „Ich langweile
mich, ich muß trachten zu entkommen.‟ Der
Schul=
freund ſetzte ſich mit einem Freund des Lur ins
Einver=
nehmen, worauf die Abſendung der für die Flucht
erfor=
derlichen Gegenſtände begann. So erhielt Lur in
ver=
ſchiedenen aufeinanderfolgenden Sendungen fünf
Farb=
ſtifte, ein Lineal und einen Zimmer=Turn=Apparat. Die
Farbſtifte enthielten feine Sägen, deren übrige
Beſtand=
teile aus dem Lineal und den Handgriffen des
Turn=
apparates gebildet wurden. Zwiſchen den Blättern eines
Kalenders von 1912 wurde eine Generalſtabskarte der
Umgegend von Glatz in die Hände des Gefangenen
ge=
ſchmuggelt. Schließlicht wurde auf das Erſuchen des
Hauptmanns Lux ein großes Bettlaken an ihn geſandt,
das ihm dazu diente, ſich vom Fenſter herabzulaſſen. Das
erforderliche Geld wurde in Einbanddecken von Büchern
eingeſchmuggelt.
Nach dem Berliner Tageblatt erfährt der Budapeſter
Ujſag über die Flucht des Hauptmanns Lux von
der Feſtung Glatz von Budapeſter Freunden des
Geflüch=
teten folgendes: Einige Freunde des Hauptmanns, die
vor einigen Monaten bereits den Beſchluß faßten, Lux
aus der Haft zu befreien, gaben Mitte Dezember einige
Pakete an die Adreſſe des Hauptmanns auf und erſuchten
gleichzeitig den Kommandanten, die als
Weihnachts=
geſchenke beſtimmten Pakete Lux auszuhändigen. Dies
geſchah auch. Die Pakete waren mit ungewöhnlich
ſtar=
ken Bindfaden umſchnürt. In einem derſelben befand
ſich eine kleine Feile. Die Flucht erfolgte am 27.
De=
zember; am 29. Dezember war Lur bereits bei ſeinen
Freunden in Budapeſt. Er erzählte ihnen, er habe nach
ſeiner Flucht, um 7 Uhr morgens, in Glatz den Zug
be=
ſtiegen. Er hatte gerade ſo viel Geld, um bis zur
öſterreichiſchen Grenzſtation Mittelwalde zu fahren, Von
Seite 6.
Darmſtädter Tagblart, Donnerstag, den 4. Januar 1912.
Nummer 3.
dort fſühr er ohne Geld weiter und wurde von einem
öſterreichiſchen Kontrolleur angehalten. Er erzählte dem
Stationschef, wer er ſei und woher er komme. Als
po=
litiſchen Flüchtling konnte man ihn nicht den deutſchen
Behorden ausliefern. Der Stationschef telegraphierte
auf Veranlaſſung des Lux an deſſen Freunde in
Buda=
peſt, um das nötige Reiſegeld zu beſchaffen. Dies traf
nach einigen Stunden ein. Lux konnte jetzt ohne weitere
Schwierigkeiten nach Budapeſt weiterreiſen, wo er ſich
vier Stunden aufhielt.
Wahlverſammlungen.
Wählerverſammlung der Fortſchrittlichen Volkspartei.
St. Die Fortſchrittliche Volkspartei hatte für geſtern
abend zu einer Volksverſammlung in den Saal des
„Chauſſeehauſes” in Beſſungen eingeladen. Der Saal war
gut beſetzt. Im Namen des Parteivorſtandes hieß Herr
Stadtv. Saeng die Erſchienenen herzlichſt willkommen
und referierte kurz über die bisherige und noch in
Aus=
ſicht genommene Wahlarbeit. Für heute habe man einen
Beamten als Redner gewonnen, um den Beamten
Ge=
legenheit zu geben, ihre Wünſche durch einen Führer dem
Kandidaten der Partei direkt zu unterbreiten. Er erteilte
ſodann dem Herrn
Oberpoſtaſſiſtenten Jeneck=Frankfurt
das Wort. Der Redner wies einleitend darauf hin, daß
die Beamtenſchaft trotz aller emſigſter Arbeit noch nicht
ihre berechtigten Wünſche zur Erfüllung bringen konnte.
Als einen der wichtigſten dieſer Wünſche bezeichnete
Red=
ner neben denen materieller Natur die Schaffung eines
unparteiiſchen Disziplinargerichtshofes und die Einſetzung
von Beamten=Ausſchüſſen, die den Beamten ein
Mitbeſtim=
mungsrecht ſchaffen müſſe. Zur Reſidenzpflicht der
Be=
amten müſſe erreicht werden, daß das Wohnen in den
Vororten geſtattet wird. Die letzte Beſoldungsänderung
ſei keine Erhöhung der Gehälter geweſen. Durch
Petitio=
nen uſw. könne die Beamtenſchaft nichts mehr erreichen.
Es gelte für ſie den Anſchluß an eine große Partei zu
er=
reichen, Wirtſchaftspolitik zu treiben. Die Beamten dürfen
keine Klaſſe mehr für ſich bilden, ſondern müſſen als Söhne
des Volkes mit dem Volke zuſammen an den
wirtſchaft=
lichen Fragen des Lebens arbeiten. Die moderne
Beamten=
bewegung müſſe darauf gerichtet ſein, an der
vorwärts=
ſchreitenden Weiterentwickelung des ganzen Volkes auf
freiheitlicher Grundlage teilzunehmen. Die Beamtenſchaft
müſſe die Wünſche der Privatbeamten verſtehen lernen
und an ihrer Erfüllung im eigenen Intereſſe mitarbeiten.
Vor allem an der Koalitionsfreiheit, die durch Geſetz
ge=
währleiſtet werden muß. Bei all dem könne aber für
den Beamten niemals die
Sozialdemo=
kratie in Frage kommen. (Sehr richtig! Oho!
Widerſpruch.) Die Sozialdemokratie habe nur immer
dann ein Herz für die Beamten, wenn es dem
Stimmen=
fang gilt. Sonſt habe ſie nur Spott und Hohn für die
Beamten, deren Gehälter ſie ja übrigens im Prinzip
ab=
lehnt durch Verweigerung des Etats. (Zuſtimmung.
Un=
ruhe.) Der Beamte könne nur eine bürgerliche Partei
unterſtützen und zwar nur eine auf freiheitlicher
Grund=
lage begründete Partei. Eine ſolche ſei die Fortſchrittliche
Volkspartei, die die freiheitliche Bewegung der
Beamten=
ſchaft allein gewährleiſte. Es ſei zu bedauern, daß die
Nationalliberalen in Heſſen eine andere Stellung
ein=
nehmen wie im Reiche, nur weil einige Führer es ſo wollen
Mit einem warmen Appell, der ſich beſonders an alle die
Lauen richtete, am 12. Januar das Wahlrecht auszuüben
zugunſten des Kandidaten Dr. Strecker, ſchloß der Redner
unter lebhaftem Beifall.
Der Vorſitzende ſprach dem Redner Dank aus und
erteilte, da Herr Dr. Strecker noch in einer Verſammlung
in Arheilgen feſtgehalten wurde, nach kurzer
Geſchäfts=
ordnungsdebatte, zunächſt Herrn
Landtagsabgeordneten Henrich
das Wort, der im weſentlichen in ſeinen Ausführungen
Stellung zu der letzten Rede des Herrn Dr. Oſann nahm
und beſonders darauf hinwies, daß die Nationalliberale
Partei mit dem Bund der Landwirte eng liiert ſei, der an
der Finanz= und Wirtſchaftskalamität im weſentlichen
Schuld trägt, und gegen Dr. Oſann den Kampf nicht in
dem Maße führen kann, als es im Intereſſe der
Geſamt=
lage erwünſcht ſein muß. Dann kam der Redner nochmals
auf die Einigungsverhandlungen zu ſprechen und
bezeich=
nete die geſtrige Darſtellung des Herrn Dr. Oſann als
recht einſeitig. (Noch während der Redner hierzu ſprach,
erſchien, lebhaft begrüßt, Dr. Strecker.) Der
Sozialdemo=
kratie komme es nur darauf an, Stimmen zu zählen, nicht
praktiſch zu arbeiten. Das habe natürlich keinen Wert.
Nach Dankesworten des Vorſitzenden erteilte dieſer
dem Kandidaten Herrn
Dr. Strecker
das Wort, der ebenfalls eingehend zu der Rede Dr. Oſanns
Stellung nahm. Wenn es auch richtig ſei, daß Dr. Oſann
für Dr. v. Calker einmal geſprochen habe, ſo ſei dieſer
ſeltene Fall, in dem die Nationalliberale Partei es einmar
gewagt habe, gegen den Bund der Landwirte aufzutreten,
vielleicht vergeſſen worden. Die Zuſtände im Wahlkreis
Nierſtein ſeien ſo charakteriſtiſch geweſen für die ganze
Partei, daß man das nicht mit Stillſchweigen übergehen
könne Die heſſiſchen Nationalliberalen trieben eigentlich
Mißbrauch mit dieſem Namen, wenn ſie ehrlich ſein wollken,
müßten ſie ſich freikonſervativ nennen. Es ſei ein Bewers
von der Schwäche der Poſition des Herrn Dr. Oſann, daß
er in ſeiner Kandidatenrede den ſchwarzblauen Block und
den Bund der Landwirte mit keinem Wort erwähnt hak.
Daß Dr. Oſann ſagte, von ſeiner Tätigkeit zeugen ſeine
Taten, während andere Kandidaten nur mit Worten
kämpfen, müſſe zurückgewieſen werden. Es kann nicht
jeder Kandidat ſchon vorher im Reichstag geſeſſen haben
und Herr Dr. Oſann habe doch auch einmal nur mit
Wor=
ten ſich empfehlen können. Redner kam dann auf die
Hanſa=
bund=Anfrage zu ſprechen. Er habe ſich ebenfalls nicht die
Hände binden laſſen, aber auf die Richtlinien des
Hanſa=
bundes, die denen ſeiner Partei nicht widerſprechen, habe
er ſich wohl feſtlegen können. Wer das nicht könnte, könne
ſich eigentlich auf gar kein Parteiprogramm verpflichten.
Dann präziſiert Redner nochmals ſeine Ausführungen zur
Schutzzollfrage und ſtellt die dieſerhalb gegen ihn
gerich=
teten Angriffe richtig. (Die Ausführungen ſollen demnächſ
im Druck erſcheinen.) Die Frage, ob die Getreidezölle der
Landwirtſchaft Nutzen oder Schaden bringen, ſei heute
überhaupt noch nicht gelöſt, auch von der Wiſſenſchaft nicht
Das müſſe jeder ehrliche Politiker zugeben, wenn es auch
leichter ſei, nach Belieben zu Zwecken der Agitation für
oder gegen die Getreidezölle einſeitig einzutreten. Seine
Partei ſei durchaus bauernfreundlich und gerade darum
bekämpft ſie den Bauernbund.
Seine Partei bekämpfe auch das Zentrum, und daß
dieſes die Gefährlichkeit der Fortſchrittlichen Volksparter
erkenne, beweiſe die ſoeben bekannt gewordene Tatſache,
daß das Zentrum den aufgeſtellten
Zähl=
kandidaten zurückgezogen habe. Nun gelte es
erſt recht, den Liberalismus zu behaupten, was nur im
Kampfe gegen den ſchwarzblauen Block geſchehen könne,
(Beifall), der ja nun in Darmſtadt wiederyergeſtent
ſcheint. (Widerſpruch.) Danach beſprach der Referent die
Reichspolitik im allgemeinen, die von der Herrſchaft des
Bureaukratismus befreit werden muß, der in dem Manger
an Reſpekt vor der Perſönlichkeit des Untergebenen gipfelt.
Auch ſein Appell an die Anweſenden, am 12. Januar für
ihn einzutreten, wurde mit lebhaftem Beifall quittiert.
Nach kurzer Pauſe eröffnete der Vorſitzende die
Diskuſſion.
Erſter Redner war Herr Stadtverordneter Bechſtätt=
Frankfurt a. M., der in allgemeinen Ausführungen die
Politik der Fortſchrittlichen Volkspartei erörterte und für
den Kandidaten Dr. Strecker agitierte. — Herr
Knob=
lauch vertrat die ſozialdemokratiſche Partei. — Herr
Barban berichtete über die Zentrumsverſammlung, die
kurz vorher zu Ende gegangen war. — Herr Ingenieur
Vömel empfahl als Privatbeamter die Wahl Dr.
Streckers. — Nach Schlußbemerkungen der beiden
Kan=
didaten, die dem gegneriſchen Redner entgegentraten,
wurde die Verſammlung nach ½1 Uhr geſchloſſen.
* Walldorf, 2. Jan. Heute abend entwickelte Dr.
Strecker, der Kandidat der Fortſchrittlichen
Volks=
partei, ſein Programm. Insbeſondere legte er ſeine
Stellung gegenüber der in der Verſammlung ſtark
vertre=
tenen Sozialdemokratie dar. In der Diskuſſion
verſuch=
ten drei Sozialdemokraten in ermüdenden Ausführungen
die Politik der Fortſchrittlichen Volkspartei in jeder
Weiſe ſchlecht zu machen. Auf die Angriffe erwiderte Dr.
Neuroth in ſchlagfertiger Weiſe. Er wies auf den
Widerſpruch hin, der einerſeits in der Mitwirkung bei
der elſaß=lothringiſchen Verfaſſung, anderſeits in ihrer
Kritik der vom Bülow=Block geſchaffenen Geſetze,
insbe=
ſondere des Vereinsgeſetzes, liege. Die Volkspartei
habe ſich beim Vereinsgeſetz von denſelben
Geſichtspunk=
ten leiten laſſen, wie die Sozialdemokratie bei jener
Ver=
faſſung, indem ſie dem Sprachenparagraph zuſtimmte, den
auch ſie auf das ſchärfſte bekämpft hatte, um das ganze
Geſetz wegen ſeiner Fortſchritte nicht zu gefährden.
Be=
merkenswert iſt, daß keiner der anweſenden
Sozialdemo=
ten dieſen Widerſpruch zu löſen verſuchte. Nach einem
kraftvollen Schlußwort von Dr. Neuroth, der energiſch
zum Kampf gegen die Reaktion aufforderte, ſchloß die
lebhaft verlaufene Verſammlung.
An demſelben Abend ſprach Dr. Strecker noch in
Mörfelden. Auch dieſe Verſammlung kennzeichnete
ſich durch ſcharfe Auseinanderſetzungen mit der
Sozial=
demokratie, die ſich in denſelben Gedankengängen wie in
Walldorf bewegten. Erſt ſpät ſchloß die Verſammlung,
deren Verlauf ebenſo wie in Walldorf durch häufige
Zwiſchenrufe ſeitens der Gegner beſonders zu Beginn
in bedauerlicher Weiſe geſtört wurde.
Einſendungen zu den Reichstagswahlen.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung.)
(Aufnahme finden nur kurz und durchaus ſachlich
gehaltene Einſendungen. Entſcheidung für die Aufnahme
behält ſich die Redaktion in jedem Fall vor.)
Bei der kommenden Reichstagswahl iſt es eine
drin=
gende Notwendigkeit, auf die großen Verdienſte des
Herrn Dr. Oſann der geſamten Beamtenſchaft gegenüber
hinzuweiſen. Herr Dr. Oſann iſt unermüdlich tätig
ge=
weſen in der Frage der Erhöhung des Wohnungsgeldes
der Stadt Darmſtadt für die preußiſchen und
Reichs=
beamten, er hat zur Erreichung dieſes Zieles keinen
Schritt unverſucht gelaſſen, und wenn der erwartete
Er=
folg auch bis heute noch nicht eingetreten iſt, ſo liegt
das lediglich an der langwierigen Behandlung der Sache
im Bundesrat und Reichsſchatzamt. Auf die jüngſt von
Herrn Dr. Oſann an die Heſſiſche Regierung gerichtete
Anfrage nach dem Stand der Angelegenheit ſteht die
Ant=
wort zurzeit noch aus. Mögen die Bemühungen des
Herrn Dr. Oſann und der geſamten intereſſierten
hie=
ſigen Beamtenſchaft bald von Erfolg gekrönt ſein. —
Auch) in Sachen der heſſiſchen
Beamtenbeſoldungs=
erhöhung hat ſich Dr. Oſann in ſehr energiſcher und
warmherziger Weiſe betätigt, und es ſteht zu hoffen, daß
der erhoffte Erfolg auch hier demnächſt eintreten wird. —
Dr. Oſann hat ſich in langjähriger parlamentariſcher
Tä=
tigkeit im Heſſ. Landtag und im Reichstag eingehende
Kenntniſſe aller ſchwebenden Beamtenfragen erworben
und hat für alle Organiſationen jederzeit ein offenes Ohr=
und eine offene Tür. — Es liegt deshalb im ureigenſten
Intereſſe der hieſigen Beamtenſchaft, ſich eine ſo wertvolle
Stütze auch für die Zukunft zu ſichern und Herrn Dr.
Oſann auch gleichzeitig den wohlverdienten Dank für
ſeine emſige Tätigkeit dadurch abzuſtatten, daß ſie ihn
am 12. Januar einſtimmig wieder in den Reichstag wählt.
Darum: Alle Beamten, auf zur Wahl für Herrn Dr.
Oſann.
Viele Beamte.
Vermiſchtes.
O.K. Wie die Einwanderer in New=York
behandelt werden. In einem amtlichen Schreiben
hat der Gouverneur des Staates New=York, Mr. Dix,
die ſofortige Entlaſſung des Leiters des
Geſundheits=
amtes am New=Yorker Hafen, Dr. Alvah H. Doty,
ge=
fordert und dabei ſchwerwiegende Anklagen erhoben, die
das größte Aufſehen machen und den Auftakt zu einem
großen politiſchen Skandal in New=York zu bilden
ſchei=
nen. Der Gouverneur wirft dem Leiter des
Geſund=
heitsamtes unverzeihliche Nachläſſigkeit und ein
men=
ſchenunwürdiges Verhalten gegen die Einwanderer vor,
die die Quarantäne des Hafenamtes paſſieren müſſen.
Die Einwanderer werden in Räumen untergebracht, die
von Schmutz und Unrat ſtarren. Bei der Bereitung der
Speiſen ſollen Unreinlichkeiten an der Tagesordnung
ſein; vor allem aber wird den Quarantänebeamten
vor=
geworfen, daß ſie ſich unverzeihliche Ausſchreitungen
gegen die Einwanderer, insbeſondere gegen die Frauen,
erlauben, Ausſchreitungen, die nach der Behauptung des
Gouverneurs ſich jeder Schilderung entziehen. Kranke
Kinder werden im Hoſpital interniert, ohne daß die
jam=
mernden Mütter über das weitere Schickfal ihrer Kleinen
etwas erfahren, und erſchütternde Szenen der
Troſtloſig=
keit und des Jammers ſeien in den
Quarantänequar=
tieren an der Tagesordnung. Die Anſchuldigungen des
Gouverneurs erregen ungeheures Aufſehen, umſomehr,
als Dr. Doty in den ärztlichen Kreiſen von New=York
als ein ganz ungewöhnlich tüchtiger und gewiſſenhafter
Arzt gilt, deſſen Dienſte und Leiſtungen des höchſten
Lobes würdig ſein ſollen.
Literariſches.
Felix Holländer, Charlotte Adutti.
Ein Buch der Liebe. Was Felix Holländers Werke mit
einem ſo innigen Reize erfüllt, iſt die reife und vornehme
Kunſt dieſes Erzählers, ſeine Geſtalten mit dem reichſten
Empfindungsleben unſerer Zeit zu erfüllen. Moderne
Menſchen ſind es, die er uns ſchildert, die er in der
hin=
reißenden Schönheit der Leidenſchaft, in der reichen
Vollſtändigkeit ihres Seelenlebens lebendig werden läßt
Eine Sprache voll dichteriſcher Schönheit verleiht dieſem
Werke beſonderen Reiz. Der Band iſt für 1 Mark überall
erhältlich. Verlag von Ullſtein und Co., Berlin SW.684
Ingelid Edmund, Die Tochter des
Strandvogts. Roman. Broſch. 3,50 Mark, geb.
4,50 Mark. Verlag E. Ungleich, Leipzig. Ingelid
Ed=
mund verſetzt uns in ihrem Roman an den nordiſchen
Strand, unter dieſe kernigen, wortkargen Fiſcher und
Bauern und ſie verſteht es, ſo natürlich und überzeugend
zu uns zu reden, daß wir wähnen, den reinen,
erfriſchen=
den Meereswind zu atmen, unter dieſen biederen, trotz
ihrer geringen Bildung tief empfindenden Menſchen zu
leben. Eine edle Geſinnung, ein tiefes Gottvertrauen
liegt über dem Ganzen, jedoch ſo unauffällig, ohne kaum
Erwähnung zu finden, daß wir es zwiſchen den Zeilen
leſen müſſen. Jeder Leſer wird in dem Buche etwas
Schönes, etwas Nützliches fürs Leben finden.
— Clarice Tartufari: Das Wunder. Ein
moderniſtiſcher Roman. Preis geheftet 3 Mk., in
Lein=
wand gebunden 4 Mk. Verlag von Julius Hoffmann
Stuttgart. — Das Erſcheinen der Original=Ausgabe von
Clarice Tartufaris Prieſterroman „Il Miracolo” war
in Italien ein literariſches Ereignis. Auch eine Reihe
führender deutſcher Tageszeitungen hat ſich bereits mit
dem Buche beſchäftigt, das nunmehr in muſtergültiger
Ueberſetzung vorliegt. Der Roman iſt trotz ſeines
theo=
logiſch=philoſophiſchen Charakters reich an ſrannenden
Szenen. Die Idylle der „Monna Vanna” mit dem
Bon=
ner Privatdozenten Fritz Langen iſt ſo poetiſch reizvoll
und doch wieder ſo dämoniſch packend, daß Ada Negri die
Figur des deutſchen Eroberers „diaboliſch köſtlich” nennt.
Auch auf ein deutſches Publikum wird dieſe Welt von
Myſtik, Sonne und Sinnenfreude gewiß eine tiefe Wirkung
äußern.
Friedensſchluß zwiſchen Italien und der Türkei?
H. B. Wien, 3. Jan. Von türkiſcher Seite wird
der Neuen Freien Preſſe mitgeteilt, daß der
Groß=
wieſir Said Paſcha den Frieden herbeiführen
will, fraglich ſei aber, ob jetzt ſchon eine Baſis für einen
Friedensſchluß zu finden ſei. Es wäre ſehr ſchwer, einen
Ausgleich herbeizuführen, da die Anſichten der beiden
kriegführenden Mächte zu erheblich auseinandergingen.
Uebrigens habe man jetzt in Konſtantinopel mit
inner=
politiſchen Sorgen zu tun. Es müſſe abgewartet werden,
wie ſich die Kammer zum neuen Kabinett Said ſtellen
werde.
H. B. Wien, 3. Jan. Einem Mitarbeiter der
Neuen Freien Preſſe wird von informierter
italieni=
ſcher Stelle mitgeteilt: Wir ſind bereit, Frieden
zu ſchließen, natürlich nur unter ſolchen
Bedingun=
gen, die unſerem Preſtige und unſeren Intereſſen
entſpre=
chen. Wir werden jedoch keinerlei Initiative ergreifen,
um den Friedensſchluß herbeizuführen. Der Standpunkt
Italiens iſt nach wie vor: Souveränität über Tripolis
und die Cyrenaika. Ueber andere Punkte werde ſich
re=
den laſſen und Italien werde das größte
Entgegenkom=
men zeigen und ihrer nationalen Ehre ſei nunmehr
Ge=
nüge getan, die Türkei könne nun einen Frieden in Ehren
abſchließen. Die finanzielle Lage Italiens ſei eine
der=
artige die ihm die Fortführung des Krieges noch für
längere Zeit geſtattet.
Die Revolution in China.
* Peking, 2. Jan. Juanſchikai war heute im
kaiſerlichen Palaſt. Wie das Auswärtige Amt erklärt,
ſtellte ihm die Kaiſerin=Witwe 3 Millionen Taéls zur
Ver=
fügung. Viele Anzeichen ſprechen dafür, daß die
Nord=
armee darauf brennt, den Kampf wieder aufzunehmen.
* Peking, 2. Jan. Siebenhundert
Sol=
daten, die das Arſenal in Lanchow bewachten, haden
heute gemeutert. Der Kommandeur iſt nach Kaiping
geflohen, von wo er an die Eiſenbahnbehörden in Tientſin
telegraphierte, die Meuterer hätten die Abſicht, den
Eiſen=
bahnverkehr zu hindern.
* Hankau, 2. Jan. Die Kaiſerlichen haben
Yanujang geräumt, die Batterien mit ſich genommen
und ſind mit der Bahn nach Norden gefahren. Liyuanheng
hat dem Kommandeur der Kaiſerlichen die Verſicherung
gegeben, daß er die geräumten Stellungen nicht beſetzen
werde. Der Waffenſtillſtand wird nunmehr beobachtet.
Das letzte Gefecht trug keinen ernſten Charakter.
* London, 3. Jan. Die Times meldet aus
Pe=
king: Der Thron und Juanſchikai haben das
Rücktrittsgeſuch Tangtſchaoyis, des Regierungsdelegierten
bei der Schanghaier Friedenskonferenz, angenommen, weil
er während der Verhandlungen eine zu nachgiebige
Hal=
tung eingenommen hatte.
Daily Chronicle meldet aus Peking: Die
finan=
ziellen Schwierigkeiten der Reaierung ſind fo
groß, daß die Bahnen einige Tauſend Pfund bei ihren
britiſchen Kohlengruben haben borgen müſſen.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 3. Jan. Die Kaiſerin empfing heute
im Königlichen Schloſſe die Leiter der vom Roten Kreuz
für die türkiſche Armee in Tripolis ausgeſandten
Hilfs=
expedition in Audienz, und zwar Profeſſor Goebel,
Chef=
arzt vom Roten Kreuzkrankenhaus in Breslau, Profeſſor
Schütze vom Städtiſchen Krankenhauſe in Moabit und
Stabsarzt Dr. Fritz aus Ludwigsburg in Württemberg.
* Berlin, 3. Jan. Der Berliner Lokalanzeiger meldet
aus Petersburg: Der ruſſiſche Geſandte in
Tehe=
ran meldet: Der Regent Naſſer el Mulk wollte
Tehe=
ran ſeiner zerrütteten Geſundheit halber verlaſſen. Die
Teheraner Regierung dürfte den Sepahdar als neuen
Generalgouverneur nach Täbris ſchicken.
* Breslau, 3. Jan. Schriftſteller Profeſſor Felix
Dahn iſt heute geſtorben.
Felix Dahn war 1834 in Hamburg als Sohn des
Schau=
ſpielerpaares Friedrich und Konſtanze Dahn geboren, das
ſpäter nach München überſiedelte. Dort beſuchte er das
Gymnaſium und von 1849—55 die Münchener und die
Berliner Univerſität, um Rechtswiſſenſchaft, Philoſophie
und Geſchichte zu ſtudieren, 1857 habilitierte er ſich in
München, 1863 wurde er außerordentlicher und 1865
ordentlicher Profeſſor für deutſches Privatrecht, deutſche
Mummer 3.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 4. Januar 1912.
Seite 7.
tocchtsgeſchichte, Rechtsphiloſophie und Völkerrecht in
rüürzburg. Im Jahre 1870 nahm er am Kriege in
n ankreich teil, wurde 1872 ordentlicher Profeſſor in
lunigsberg. 1873 heiratete er die Freiin von
Droſte=
uelshoff, eine Nichte der Dichterin, und folgte 1888 einem
tafe nach Breslau. Die Zahl der Schriften Felix Dahns
t ſehr groß. In den weiteſten Kreiſen bekannt
gewor=
em iſt er durch ſeinen großen Roman „Kampf um Rom”.
aich ſeine Abhandlungen über germaniſche Götter= und
dlldenſagen und Erzählungen aus Deutſchlands
frühe=
err Vergangenheit ſind viel geleſen worden. Groß iſt
ſuch die Zahl ſeiner rein hiſtoriſchen Werke. Eine
ein=
echendere Würdigung Felix Dahns als Schriftſteller und
röchter bleibt vorbehalten.
* Peſt, 3. Jan. Der Miniſterpräſident
unter=
og ſich einer Augenoperation wegen Grauen
Sdaares. Die Operation verlief befriedigend.
* Rom, 3. Jan. Die Agenzia Stefani meldet aus
tripolis vom 2. Januar, abends 11 Uhr: Die
Ka=
ellllerie nahm bis zehn Kilometer ſüdweſtlich von
Ain=
ara Erkundungsritte vor, ohne indeſſen vom Feinde
Seuren zu finden. Das Torpedoboot „Cigno”, das eine
Fahrt an der Weſtküſte machte, gab ſechzig Granaten auf
ür bei dem Fort Forcoa befindliches feindliches Lager
Ill und trieb zahlreiche Bewaffnete, darunter einige
Rei=
e,, in die Flucht.
* Brüſſel, 3. Jan. Im Kohlenzentrum ſind
ſaute vormittag gemäß dem Beſchluſſe des geſtrigen
lneferendums 25000 Bergleute in den Streik
ge=
neten. Man glaubt, daß der Streik morgen bereits
bgemein ſein wird. Die Ruhe iſt bisher nirgends
ge=
jart worden.
* Portsmouth, 3. Jan. In Longnor in der
Graf=
ſchaft Southampton iſt bei einem ſchottiſchen
Regi=
nent in der Neujahrsnacht, wie erſt jetzt bekannt wird,
hime Meuterei ausgebrochen. Die Urſache war
an=
ſcheinend, weil den Soldaten nicht der ganze
Neujahrs=
lag freigegeben wurde. Sie warfen einige Baracken um
ſuld bombardierten die Wohnungen der
Offi=
ere mit Steinen. Als Unteroffiziere und Offiziere
ſagen die Mannſchaften vorgingen, bildeten ſie Karree
ſtid verteidigten ſich mit den Bajonetten. Ein Soldat
rutrde erſchoſſen. Schließlich forderte ein als guter
Bo=
ar bekannter Offizier die Soldaten zu einem
Einzel=
voxkampf heraus. Hierbei ſtellten ſich dann alle im
ſlreiſe auf. Der Offizier blieb Sieger in dem Kampfe,
rorauf ſich die Soldaten beruhigten.
* Buenos Aires, 3. Jan. Hier droht ein
allgemei=
ur Ausſtand der Lokomotivführer und
beeizer der Eiſenbahnen, da die Geſellſchaften ſich
wei=
arn, geſtellte Forderungen zu bewilligen. Ein Verſuch
dess Miniſters des Innern, eine Verſtändigung
herbei=
iführen, iſt geſcheitert, da die Eiſenbahner die letzten
Vergleichsvorſchläge abgelehnt haben.
— Schnaitſee (Oberbayern), 3. Jan. Auf einem Weiher
bnachen 4 Knaben ein. Drei gerieten unter das Eis und
tranken.
— Mülheim a. Rh., 3. Jan. Geſtern nachmittag brachte
klff dem Gelände der Felten=Guillaume=Werke ein Arbeiter
eine mit Pulver gefüllte Kiſte mit einer Lunte zur
Ex=
olloſion, konnte ſich aber nicht rechtzeitig in Sicherheit
biingen und wurde ſchwer verletzt.
— Breslau, 3. Jan. Der Münſterberger Zeitung
zu=
filge wurde ein franzöſiſcher Sprachlehrer,
lg gen den der Verdacht vorliegt, an der Flucht des
Haupt=
lmanns Lux mitgewirkt zu haben, in Frankenſtein ver=
Ahnftet.
H. B. Paris, 3. Jan. Das Journal meldet aus
Lon=
damn: Die auf den Antillen lebenden Deutſchen
llegen eine große Tätigkeit an den Tag, die zu ernſter Be=
Auuruhigung Anlaß gibt. Die Eingeborenen der
Barbados=
uiſeln und der Dreifaltigkeits=Inſeln glauben, daß die
Leutſchen ihr Augenmerk auf die Barbados=Inſeln gerichtet
hüben, deren Beſitzergreifung anläßlich der Eröffnung des
Aoanama=Kanals erfolgen ſolle. Der Kreuzer „Hertha” der
llſich in der dortigen Gegend aufhalte, habe zahlreiche
Son=
derungsarbeiten vorgenommen.
H. B. London, 3. Jan. In der Ortſchaft Waunllyd
Uhrgt man ernſte Befürchtungen. Die Ortſchaft iſt
größten=
tells von Grubenarbeitern bewohnt. Ein Hügel, an
wel=
lchen ſich die Ortſchaft anlehnt, iſt ſeit einigen Tagen ins
Rutſchen gekommen, verurſacht durch die
Regen=
güſſe der letzten Zeit. Viele Häuſer weiſen breite Riſſe
llauf und die Landſtraße iſt teilweiſe verſchüttet, ſodaß der
AVerkehr unterbrochen iſt. Mehrere Wohnhäuſer mußten
gteräumt werden. Die Behörden haben alle
Vorſichtsmaß=
r geln getroffen, um eine Kataſtrophe zu verhindern.
Zahl=
riiche Rettungsmannſchaften ſind zur Verfügung geſtellt
morden, um die notwendigen Arbeiten auszuführen, damit
der Verkehr mit der Ortſchaft aufrecht erhalten bleiben kann.
— Stockholm, 3. Jan. Im Befinden des Dichters
A uguſt Strindberg iſt eine neue Verſchlimmerung
eimgetreten.
— Konſtantinopel, 3. Jan. Der deutſche
Bot=
ſchafter legte bei der Pforte ſchriftliche
Verwah=
r ung ein gegen die Sperrung der it
a=
lien iſchen fin an zie l len
Etabliſ=
ſem en ts in der Türkei. Baron Marſchall
weiſt darauf hin, daß, nachdem den italieniſchen
Reſiden=
ten in der Türkei infolge des Kriegszuſtandes die
Kapi=
tmlationsrechte vorenthalten werden, dieſe nach Maßgabe
tees türkiſchen Geſetzes behandelt werden müſſen, die aber
leine ſolche Sperrung nicht zuließen. Außerdem bedeute
tüe obige Verfügung eine ſchwere Schädigung aller
der=
jenigen, die Gelder deponiert und verhindert werden,
lſerüber zu disponieren. (Frankf. Ztg.)
— Athen, 3. Jan. Das Parlament ſchloß heute ſeine
Eitzungen. Die Neuwahlen finden im März ſtatt, der
Z uſammentritt des neuen Parlaments im April.
Bedürfen Sie eines
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verſicherung bedient man ſich mit Vorteil, um Kindern
eine Ausſteuer oder die Mittel zum Studium oder zum
Militärdienſt zu ſtellen. Neben dem
Verſicherungs=
geſchäft betreibt die Anſtalt auf Grund ihrer Allerhöchſt
genehmigten Statuten eine öffentliche Sparkaſſe. Die
Spareinlagen werden je nach der Kündigungsfriſt mit
3 bis 3½ % verzinſt. Die Anſtalt iſt eine öffentliche
Verſicherungsanſtalt. Ihren Verhandlungen und
Aus=
fertigungen iſt durch Allerhöchſte Kabinettsorder vom
9. Oktober 1838 die Gültigkeit öffentlicher Urkunden
bei=
gelegt. Die Anſtalt ſteht ſeit ihrer Errichtung im Jahre
1838 unter der unmittelbaren Aufſicht des Preußiſchen
Miniſters des Innern. Das geſamte Vermögen der
Anſtalt darf ſtatuteumäßig außer in ſicheren Hypotheken
nur in mündelſicheren Werten angelegt werden und
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Ueberblick über ſämtliche bisher erſchienenen Schriften
von Dr. Reinhard Strecker, die aus Anlaß ſeiner
Kandidatur für den Reichstag Intereſſe begegnen
dürften.
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Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
— Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkriptewerden nicht
zurückgeſandt.
Todes-Anzeige.
Dienstag nachmittag 6 Uhr entſchlief nach
langem, mit Geduld getragenem Leiden, unſere
unvergeßliche, herzensgute Mutter,
Schwieger=
mutter, Tante und Großmutter
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Frau Sophie Pnder Wye.
geb. Daum.
Um ſtille Teilnahme bitten
die trauernden Hinterbliebenen:
Guſtav Biſchoff nebſt Frau, geb. Puder,
Braunſchweig,
Lambert Gelée nebſt Frau, geb. Puder,
Darmſtadt,
Karl Rapp nebſt Frau, geb. Puder, Darmſtadt,
Heinrich Flamm nebſt Frau, geb. Puder,
Darmſtadt,
Arthur Welz n. Frau, geb. Gelée, Höchſt a. M.,
nebſt Enkel.
Die Beerdigung findet am Freitag, 5. d. M.,
nachmittags 2 Uhr, vom Sterbehauſe
Linden=
hofſtraße 7 aus, ſtatt. Einſegnung ¼ Stunde
vorher.
Die Beerdigung des Herrn Auguſt
Glaſer findet Donnerstag, den
4. Januar, nachmittags 3 Uhr,
ſtatt.
(662
Dr. Ing. Walter Schulz
Frau Ella Schulz
Vermählte
Weihnachten 1911
Dremmen
Reg-Bez. Aachen
(*240)
Sydowsaue
bei Stettin
Todes-Anzeige.
Heute früh um 1½ Uhr verschied sanft nach kurzem Kranksein, auf
seinen 62. Geburtstag, mein lieber Gatte, unser treubesorgter Vater,
Schwieger-
vater, Grossvater, Bruder, Schwager und Onkel
(733
Herr Philipp Vogel.
Im Namen der trauernd Hinterbliebenen:
Marie Vogel, geb. Einsiedel.
Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Die nördliche Depreſſion hat ſich oſtwärts verlagert.
Wir haben daher bei nördlichen Winden etwas kühleres
Wetter mit vereinzelten Niederſchlägen (im Gebirge
Schnee) zu erwarten. Von Weſten zieht ein neues Tief
heran, ſodaß ſpäter wieder mit leichter Erwärmung zu
rechnen iſt.
Ausſichten in Heſſen für Donnerstag, den 4.
Januar: Meiſt trüb, geringe Niederſchläge (im Gebirge
Schnee), etwas kühler.
Tageskalender.
Hoftheater, Anf. 7½ Uhr (Ab. B): „Das Rheingold‟
Vorſtellung um 8¼ Uhr im Orpheum.
Konzert um 3 und 8 Uhr im Hotel Heß.
Vorſtellungen im Reſidenztheater von 4—11 Uhr.
1. Darmſtädter Kinema tograph (Ecke Rhein= und
Grafenſtraße): Vorſtellungen von 3½—11 Uhr.
Bilder vom Tage (Auslage Rheinſtraße 23):
Por=
träts vom Tage (Staatsſekretär Dr. Solf, Profeſſor
von Waſſermann, Dr. von Jacobs)” chineſiſche
Diplomaten ohne Zopf; Empfangsfeierlichkeiten in
Bombay; nach dem Brande des Luna=Parks in Coney=
Island bei New=York.
Verſteigerungskalender.
Freitag, 5. Januar.
Hofreite=Verſteigerung des Karl Pfaff & Co.
(Kirſchenallee) um 10 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Mobiliar= ꝛc. Verſteigerung um 9 Uhr in der
„Ludwigshalle‟.
Nutz= und Brennholz=Verſteigerung um 9 Uhr
in der Turnhalle am Woogsplatz.
Großh. Porzeilanſammlung im Prinz=Georgs=
Palais (Schloßgartenplatz). Geöffnet Dienstags und
Freitags von 3—4 Uhr, Sonntags von 11—1 Uhr.
Eintritt 50 Pfg.
Darmstadt,
Heinrichstr. 158 I. St.
Bensheim a. d. B.,
Strassburg i. Els.,
3. Januar 1912.
Die Beerdigung findet Freitag, den 5. ds. Mts., nachmittags 4 Uhr, von der Kapelle des
städti-
schen Friedhofes aus, statt.
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gegangen. Geg. gute Belohnung
abzug. Georgenſtr. 1, 1. St. (671
Der Herr A. W., welcher vor
einigen Tagen (Sonntag) in
der Reſtauration „Oper” ſeinen
alten gegen einen neuen ſteifen
Hut vertauſcht hat, iſt erkannt.
Derſelbe wird gebeten, den Hut
umgehend zurückzugeben,
andern=
falls Anzeige erfolgt. A. K. (*232
Schiffsbericht.
Hamburg=Amerika=Linie.
Mitgeteilt von dem Vertreter Hrn.
Adolf Rady. Darmſtadt,
Zimmerſtraße 1.
Dampfer „Aleſia” von Boſton
kommend, 31. Dezember 1 Uhr
30 Min. morgens in Hamburg.
Dampfer „Barcelona” nach
Phila=
delphia, 31. Dezember 2 Uhr
35 Minuten morgens Cuxhaven
paſſert.
Dampfer „Batavia”, von Boſton
und Baltimore kommend, 1. Jan.
11 Uhr 30 Minuten abends in
Hamburg.
Dampfer „Preſident Lincoln”, von
New=York kommend, 1. Januar
11 Uhr 50 Uhr morgens auf
der Elbe.
Dampfer „Preſident Grant”, 30.
De=
zember 4 Uhr nachmittags von
New=York über Plymouth und
Eherbourg nach Hamburg.
Schiffsbericht.
Nordd. Lloyd Bremen.
Mitgeteilt von dem Vertreter Anton
Fiſcher, Darmſtadt,
Frankfurter=
ſtraße 12 und 14.
Der Doppelſchrauben=Poſtdampfer
„Hannover” iſt am 31.
Dezem=
ber 1911, 7 Uhr morgens, in
Philadelphia angekommen.
Der Toppelſchrauben=Poſtdampfer
„Barbaroſſa” iſt am 2. Januar,
6 Uhr nachmittags, in New=
York angekommen.
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Spiel=
zeit abzugeben Aliceſtr. 13. (577a
¼ Theaterplatz, parterre, für
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Nummer 3.
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(*175
Ein bess. Landmädchen
ſucht Anfangsſtelle in nur gutem 5. Franzöſin für deutſche Fa=
Hauſe; es wird mehr auf gute
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handlung, als auf Lohn geſehen.
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(*213
ganze Tage Waſchen
(21.
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Blumenthalſtraße 63.
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Näh. Gutenbergſtr. 35, II. (*223
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hilfe. Zu erfragen
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haus.
(*218
ſtraße 23, Stb. 1. Stock.
Tochter aus guter Familie in kl.
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(*226
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beſſ.
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Seitenbau.
(*179
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Kahlertſtr. 5½, Manſ.
(*224
Männlich
Schuhm., m. kaufmänniſch.
Kennt=
niſſen und gutem Verkäufertalent,
ſeither im elterlichen Geſchäft tätig.
Würde eventuell auch irgendwelche
andere Beſchäftigung übernehmen.
Gefl. Off. u. V65 a. d. Exped. (*203
Junger Mann
ſucht per ſof. Stelle als Verkäufer
oder Lageriſt. Gefl. Off. u. V 44
an die Exped. d. Bl.
(*161df
Kaufmann
empf. ſich zum Nachtrag. v. Büch.,
ſow. f. alle Bureauarb. Vergüt. n.
Uebereinkunft. Anfrag. unt. V 68 1. Febr. ſucht kinderloſe Herrſchaft
an die Exp. d. Bl. erbeten. (*228
Weiblich
Tüchtiger, branchekundiger
Verkäufer
für ein Landesproduktengeſchäft
bei gutem Gehalt für ſof. geſ. Off.
u. V 43 an die Exped. (633dsi
Jüngere Verkäuferin
aus guter Familie ſucht (*208
Alfr. Fränkel, C.-G.
Schulſtraße 5.
mit gut. Auffaſſungsgabe p. ſofort
zur Aushilfe ev. dauernd geſucht.
Uebung im Rechn.= und Tabellen=
(*165
ſchreiben Bedingung.
Offert. unt. V 49 a. d. Exped.
Per 1. Februar
Modiſtin
geſucht (Jahresſtelle). Gute
Zeug=
niſſe mit Gehaltsanſpr. erwünſcht.
Off. u. V 6 an die Exp. (193a
Hauſtererinnen geſucht
(*238
Parkusſtraße 7, 2. Stock.
Gesucht.
In einem Haush. von 4 Erwachſ.
wird zu bald. Eintritt bei hoh. Lohn
ein ſol. Mädchen geſ., das gut
bür=
gerl. kochen kann u. etwas Hausarb.
zu übernehm. hat. Näheres in der
(97a
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geſucht Bäckerei Trumpfheller,
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krank) mit eigenem Haushalt wird
eine zuverl., wohl anſtändige, ältere
Perſon zur Stütze z. bald. Eintritt
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Heidelbergerſtr. 7, 1. Stock. (*94md Eine reinliche Lauffrau geſucht
tRoßdörferſtraße 40. (*61md Das Stellenbureau der „ Freun=
dinnen ” ſucht:
9 1. kath. Erzieherin nach Sedan,
2. ev. Erzieherin nach England,
für Vor= u. Nachmittags Runde=, 3. tüchtige Köchin oder Stütze
beihoh. Lohn nach Thüringen,
4. tüchtiges Mädchen fürs Pfarr=
haus in Metz,
milie nach Ungarn. (197md
Gervinusſtraße 68
Sprechſtunde 2—3 Uhr. Einf., tücht. Alleinmädchen, das
g. bürg. koch. k. u. Hausarb. verſt.,
zu ält. Ehep. auf 1. od. 15. Jan. geſ.
Näheres Expedition.
(98a Unabhängige Frau tagsüber in
kleinerem Haushalte geſucht. Näh.
Expedition ds. Bl.
(*157df Eine zuverläſige, ordentl. Lauf=
Tüchtige Hotel= und frau wird zu baldigem Antritt
geſ. Nachzufr. zwiſchen 3 u. 5 Uhr
Stellung, geht auch als Aus=nachm. Beſſungerſtr. 97, II. (*156d Mädchen, das kochen kann in
kleinen Haushalt geſucht (*152dfs
Nieder=Ramſtädterſtr. 89, p. Ein jüngeres, reinliches Lauf=
=mädchen geſucht
Frankfurterſtraße 78, III. Junges, ſauberes Mädchen
für alle Hausarbeit tagsüber geſ.
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9½ Uhr morgens ſofort geſucht
Landwehrſtraße 7, 3. Stock. (*234 Suche Köchinn., Haus= u. Allein=
können, ſuch. Stelle per 1. Februar. mädch. in g. Privatſtell. Johannette
Weißmantel, gewerbsmäßige Stellen=
Stellenvermittlerin, Karlſtraße 36, Ivermittlerin, Kaſinoſtraße 17, früh.
Eliſabethenſtraße.
(*205 1 Suche für ſofort perſekte Köchin
gern in klein. frauenl. Haushalt mit Hausarbeit, bei hohem Lohn.
die häuslichen Pflichten übernehm. Vorſtellung nur mit Zeugniſſen
erbeten. Zu erfragen in der Ex=
unter V 56 Exped. erb. (*184 pedition dieſes Blattes. (708a
vorm. zu Hausarb. ſofort geſucht
Waldſtraße 30, part.
(*190 Saub. Frau für vorm. 2 St. geſ.
Dauernde Verkäufer= Schloßgartenſtraße 49, I. (*209 oder Lageriſtenſtelle, ſucht 23jähr. Junges brav. Dienſtmädchen
tagsüber per ſofort geſucht (*236
Liebfrauenſtr. 90, 1. St. r. weiche b. Ueberlaſſ.
Dame, freier Wohnung den
Haushalt eines alleinſtehenden
Herrn (Witwer) beſorgen würde,
geſucht. Angebote unter V 67 an!
die Exped. ds. Bl.
(*231 Ein Mädchen geſucht Wald=
ſtraße 55, part.
(*219dfs Fleißige, unabhängige Frau
oder Mädchen für vor= und
nachmittags dauernd geſucht. Näh.
in der Expedition. (*235 Mädchen mit gut. Zeugn., welches
ſchön wäſcht u. bügelt, ſauber den
Haushalt hält. Gute Behandlung
u. gut. Lohn. Hügelſtr. 30, I. (*191 Suche Köchinnen, beſſ. Haus=
mädch. u. 1 Alleinmädch., w. kochen
kann zum 15. Jan u. 1. Februar.g
Frau Gertrude Hartmann, ge=
werbsmärige Stellenvermittlerin,
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Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 4. Januar 1912.
Seite 9.
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Seite 10,
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 4. Januar 1912.
Nummer 3.
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Wil=
helmſtr. 11, Adler-Drogerie,
Frankfurterſtr. 12/14, Fr.
Schä-
fer, Emanuel Puld, Peter Keil,
Gg. Petry, Roßdörferſtr. 52,
Ph. Huwert, Ecke Wieners= u.
Roßdörferſtr. 21, Gg. Held,
Roßdörferſtr. 35, Ant.
Braun-
warth, Marktplatz, Wilh. Ritsert
jr., Grüner Weg 30, Otto Erb,
Carl Block in Niederramſtadt,
Adam Hartmann in Fr.=
Crum=
bach, G. L. Friedrich in
Brens=
bach, Friedrich Becker II. u.
G. H. Stühlinger, Reinheim.
Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt.
§ 1.
Donnerstag. 4. Jaumar.
1012.
Bekanntmachung.
Betreffend: Reichstagswahlen 1912.
Zur Leitung der Wahlen der Abgeordneten zum Reichstag ſind von
Groß=
herzoglichem Staatsminiſterium zu Wahlkommiſſaren ernannt worden:
für den vierten Wahlkreis:
der Großh. Provinzialdirektor Fey zu Darmſtadt;
für den ſechſten Wahlkreis:
der Großh. Kreisrat von Hahn zu Heppenheim an der Bergſtraße.
Wir bringen dieſe Ernennungen hiermit zur öffentlichen Kenntnis.
(630
Darmſtadt, den 4. Januar 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: von Werner.
Bekanntmachung.
In einem Gehöft in Weiterſtadt iſt die Maul= und Klauenſeuche feſtgeſtellt
worden.
Unter Beſtätigung der von Großh. Kreisveterinäramt Darmſtadt bereits
getroffenen Anordnungen ordnen wir auf Grund der §§ 57 ff. der Reichsinſtruktion
zu dem Reichsviehſeuchengeſetz und des Ausſchreibens Großh. Miniſteriums des Innern
vom 10. März 1908 zu Nr. M. d. J. II. 1215 hierdurch folgende Maßnahmen an:
I. Es wird ein neuer Sperrbezirk gebildet und zwar umfaßt dieſer die
Ge=
meinde und Gemarkung Weiterſtadt mit Ausſchluß des Gehaborner Hofs.
II. Für das Sperrgebiet wird folgendes angeordnet:
1. Sämtliche Wiederkäuer und Schweine des Sperrbezirks unterliegen der
Stallſperre. Dieſe Stallſperre dauert ſo lange, bis ſie von uns
aus=
drücklich aufgehoben wird. Die Benützung von Rindviehgeſpannen aus
nicht verſeuchten Gehöſten zur Feldarbeit iſt nur ſolchen Perſonen geſtattet,
die ſich im Beſitz eines beſonderen, von uns erteilten Erlaubnisſcheines
befinden.
2. Die Plätze vor den Stalltüren und die Straßen vor den Gehöftseingängen
ſowie die gepflaſterten Wege an den Ställen und auf dem Hof ſind
drei=
mal täglich durch Uebergießen mit Kalkwaſſer zu desinfizieren.
3. Das Geflügel iſt ſo einzuſperren, daß es den Hof nicht verlaſſen kann.
4. Die Hunde ſind feſtzulegen. Katzen, die gewohnheitsmäßig den Hof
verlaſſen, ſind einzuſperren.
M
Die Einführung von Klauenvieh in den Sperrbezirk iſt nur hinſichlich
ſolcher Tiere geſtattet, die ſofort abgeſchlachtet werden ſollen.
III. Derjenige Teil der Gemarkung Weiterſtadt, der gemäß der Beſtimmung
in I. nicht Sperrgebiet wird, bleibt Beobachtungsgebiet.
Im übrigen tritt in dem ſeither beſtehenden Beobachtungsgebiet vorerſt keine
Aenderung ein.
IV. Für das Beobachtungsgebiet bleiben die wiederholt bekannt gemachten
Anordnungen in Kraft.
Es ſei nochmals ausdrücklich darauf hingewieſen daß in dem ganzen
Be=
obachtungsgebiet das Führen einzelner Tiere an der Leine und das Fahren von
Dieren im Geſpann geſtattet iſt.
V. Zuwiderhandlungen gegen vorſtehende Vorſchriften werden mit hohen
Strafen geahndet, und zwar, wenn ſie wiſſentlich begangen werden, auf Grund des
§ 328 R.=Str.=G.=B. mit Gefängnisſtrafe.
Darmſtadt, den 2. Januar 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhart.
An die Großh. Bürgermeiſtereien der Landgemeinden des Kreiſes.
Wir weiſen Sie auf vorſtehende Bekanntmachung hin. Sie wollen ſie
orts=
üblich veröffentlichen laſſen und außerdem die in Ihren Gemeinden wohnenden
Viehhändler ausdrücklich darauf hinweiſen.
Darmſtadt, den 2. Januar 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhart.
Großherzogliches Miniſterium des Innern hat der Stadt Mainz die Genehmigung
erteilt, mit den am 21. März und 19. September 1912 in Mainz ſtattfindenden
Pferde= und Fohlenmärkten je eine Verloſung von Wagen, Pferden, Pferdegeſchirren
und ſonſtigen Gegenſtänden zu verbinden. Die nachgeſuchte Erlaubnis zur
Ver=
anſtaltung dieſer Verloſung iſt unter der Bedingung erteilt, daß für jede Verloſung
bis zu 25 000 Loſe zu 1 Mark das Stück ausgegeben werden dürfen und mindeſtens
50½, des Bruttoerlöſes aus dem Verkaufe der Loſe zum Ankauf von
Gewinngegen=
ſtänden zu verwenden ſind. Der Vertrieb der Loſe im Großherzogtum iſt geſtattet. (703
Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde. In
polizei=
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1. Spitzhund, 2 Pinſcher. 1 Spitzhund, 1 Pudel (
zuge=
laufen). Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=
Revier ausgelöſt werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten
Hunde findet dortſelbſt jeden Werktag, vorm. um 10 Uhr, ſtatt. (659
Bekanntmachung.
Betr.: Ausnahmen vom Verbot der Sonntagsarbeit in
hand=
werksmäßigen Betrieben.
Nachdem in letzter Zeit wiederholt in Betrieben des Handwerks
Verſtöße gegen die Vorſchriften über die Sonntagsruhe feſtgeſtellt
und zur gerichtlichen Anzeige gebracht worden ſind, bringen wir
nach=
ſtehend aus der Bekanntmachung des Bundesrats vom 5. Februar
1835 (R. G. Bl. S. 12) die für die bezeichneten Gewerbebetriebe
zuge=
laſſenen Ausnahmen von dem Verbot der Sonntagsarbeit erneut zur
Kenntnisnahme und Nachachtung.
(37im
Darmſtadt, den 29. Dezember 1911.
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.
In den nachſtehend aufgeführten Gewerbebetrieben iſt an Sonn=
und Feſtagen die Beſchäftigung von Arbeitern zu den in der
nach=
folgenden Tabelle angegebenen Zeiten und Bedingungen geſtattet:
Bezeichnung
Art der Betriebe
der zugelaſſenen Arbeitszeit Bedingungen
1. Schneiderei (Der Betrieb iſt geſtattet an Werden 10 Arbeiter
im handwerks=6 nach Wahl des Arbeit=oder mehr in dem
mäßig. Betrieb gebers zu beſtimmenden Betriebe regelmäßig
Sonn= und Feſttagen bis beſchäftigt, ſo dürfen
12 Uhr mittags. Dieſe Be=jugendliche Arbeiter
fugnis findet auf das Weih=Perſonen unter 16
nachts=, Neujahrs=, Oſter=,Jahren) zur Sonn=
Himmelfahrts= und Pfingſt=tagsarbeit nicht
her=
feſt keine Anwendung.
angezogen werden.
2. Damenkonfek= wie zu 1
Für jugendliche
Ar=
tion und
Putz=
beiter verboten.
macherei
3. Schuhmacherei wie zu 1
lwie zu 1.
4. Kürſchnerei (wie zu 1
wie zu 1.
5. Herſtellen von wie zu 1
wie zu 1.
Strohhüten
6. Chemiſche
wie zu 1
wie zu 1.
Wäſcherei und
Schönfärbereif.
Kleidungsſtücke
Wenn Arbeitgeber von dem Recht der Sonntagsarbeit nach
den obigen Vorſchriften Gebrauch machen wollen, müſſen ſie dies
vor dem Beginn der Beſchäftigung der Ortspolizeibehörde (Großh.
Polizeiamt) anzeigen, ſowie innerhalb der Betriebsſtätte an geeigneter,
den Arbeitern zugänglichen Stelle eine Tafel aushängen, welche in
deutlicher Schriſt die für die Beſchäftigung von Arbeitern an
Sonn=
tagen geltenden Vorſchriften, wie ſie ſich nach dieſer Bekanntmachung
auf Grund der vorerwähnten Bundesratsbekanntmachung vom 5. 2.
1895 für ihre Betriebe ergehen, enthält. (Solche Tafein ſind in C.
Forgers Druckerei in Offenbach a. M. zum Preiſe von 20 Pfennig
erhältlich.)
Arbeitgeber, welche Arbeiter an Sonn= und Feſttagen
beſchäf=
tigen, ſind verpflichtet, ein Verzeichnis anzulegen, in welches für jeden
einzeinen Sonn= und Feſtag die Zahl der beſchäftigten Arbeiter, die
Dauer ihrer Beſchäftigung, ſowie die Art der vorgenommenen
Ar=
beiten einzutragen ſind. Das Verzeichnis iſt auf Erfordern der
Orts=
polizeibehörde, ſowie dem im § 139 b bezeichneten Beamten jederzeit
zur Einſicht vorzulegen. (§ 105c Abſ. 2 der R.=Gewerbeordnung.)
Wenn die Beſchäftigung der Arbeiter an Sonn= und Feſttagen länger
als 3 Stunden dauert oder die Arbeiter am Beſuch des Gottesdienſtes
hindert, iſt der Arbeitgeber verpflichtet, jeden Arbeiter entweder an
jedem dritten Sonntage volle 36 Stunden oder an jedem zweiten!
Sonntage mindeſtens in der Zeit von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr
abends von der Arbeit frei zu laſſen. (§ 105 c Abſ. 3 der R.=
Ge=
werbeordnung.)
Wer den vorſtehenden Beſtimmungen zuwider Arbeiter an
Sonn= und Feſttagen beſchäftigt, wird gemäß § 146a der R.=
Ge=
werbeordnung mit Geldſtrafe bis zu 600 Mk., im
Unvermögens=
falle mit Haft beſtraft.
Bekanntmachung.
Wir ſehen uns veranlaßt in Erinnerung zu bringen, daß das
Ausklopfen, Ansſchütteln, Abkehren uſw. von Bettwerk.
Tep=
pichen, Kleidungsſtücken, Staubtüchern und dergleichen
Gegen=
ſtänden nach Straßen, öffentlichen Plätzen und Vorgärten hin
gemäß § 366‟ Str.=G.=B. und Art. 292 Pol.=Str.=G. unſtatthaft und
mit Strafe bedroht iſt
Die Schutzmannſchaft iſt zur genauen Ueberwachung angewieſen.
(713df
Darmſtadt, den 3. Januar 1912.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Geines.
Beſaninachung.
(Stadtwald.)
Wegen Vornahme von
Kanal=
arbeiten am Oberwaldhaus durch
das ſtädtiſche Tiefbauamt wird
die Oppermannswieſenſchneiſe
zwi=
ſchen Dieburger Straße und
Gar=
tenſchneiſe für die Zeit vom 4. bis
14. Januar 1912 geſperrt. (663do
Darmſtadt, 30. Dezember 1911.
Großh. Oberförſterei Darmſtadt.
Kullmann.
In unſer Handels=Regiſter, Ab=
Iteilung B, wurde heute einge=
tragen hinſichtlich der Firma:
Bank für Handel und
In=
duſtrie, Darmſtadt.
Dem Bankbeamten Max
Oppen=
heimer in Verlin iſt Prokura für
die Niederlaſſungen in Berlin und
Darmſtadt erteilt,
(661
Darmſtadt, 2. Januar 1912.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.
Verſteigerung im ſtädtiſchen Pfandhaus.
Die Inhaber der Pfandſcheine Nr. 67795 bis 1000000 und
Nr. 1 bis einſchließlich Nr. 2641 werden aufgefordert, die Verſatzeit
der Pfänder verlängern zu laſſen. Bis Ende Februar ds. Js. iſt
die einfache, vom 1. bis 9. März 1912 die doppelte
Verlängerungs=
gebühr zu entrichten.
Alle Pfänder, deren Verſatzeit bis 9. März ds. Js. nicht
ver=
längert wurde, ſind bis ſpäteſtens Samstag, den 20. April ds. Js.,
vormittags 11 Uhr, auszulöſen. Von Montag, den 22. April ds. Js.
ab, werden die verfallenen Pfänder verſteigert.
(689a
Darmſtadt, den 2. Januar 1912.
Städtiſche Pfandhaus=Verwaltung.
Paul.
In der Hessischen
Handelslehranstalt
wird jetzt das
Maschinenschreiben
nach dem Tastsystem
gelehrt, wodurch eine
nenhent 1 Z.
erzielt wird.
Neue Kurse
in allen
Handelsfächern
beginnen
Dienstag, den 9. Januar.
Näheres durch Prospekte.
Wilhelm Siedersleben
Staatl. gepr. Handelslehrer u.
gerichtl. beeid. Bücherrevisor.
Rheinstrasse 6, II.
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Schuhwert wird reell bezahlt
b. C. Minkler, Langgaſſe 10. (647a
Sleine Kolonialwaren-
Ein-
richtung billig zu verk. Näh.
Bleichſtraße 19, 1. St. (*32796fid
Best. Vogelfutter
f. j. Vogelart (mehrf. präm.)
empfiehlt
Samenhälg. F.Rettig
Kirchstr. 10. Tel. 1010.
geg. d. Stadtkirche. (164a
Holz-Verſteigerung.
Mittwoch, 10. Januar 1912, vormittags ½9 Uhr,
wird in der Brücher’ſchen Wirtſchaft zu Arheilgen das
Brenn=
holz von den Abtriebsflächen in Lichtſchlag 21 und Kleeneck 44, ſowie
das Dürr= und Windfallhol= der Forſtwartei Kleeneck verſteigert.
Scheiter, rm: 49 Buchen I. Kl., 126 Buchen II. Kl., 4
Hain=
buchen, 18 Birken 130 Eichen II. Kl., 4 Erlen; Knüppel,
rm: 55 Buchen, 6 Hainbuchen 12 Birken, 90 Eichen, 1 Lärche,
8 Fichten, 10 Erlen; Reiſig, Wellen: 1840 Buchen.
Blau unterſtrichene Nummern werden nicht verſteigert.
Aus=
kunft erteilt Forſtwart Lang zu Meſſeler Falltorhaus, Poſt Meſſel.
Darmſtadt, den 3. Januar 1912.
(623
Großherzogliche Oberförſterei Kranichſtein.
Verſteigerungs=Inzeige.
Donnerstag, den 4. Januar 1912, nachm. 4 Uhr,
verſteigere ich im Saale Rundeturmſtr. 16 öffentlich
zwangsweiſe gegen Barzahlung:
a) für beſtimmt: 7 ſilberne Herren=Taſchenuhren,
3 ſilberne Damenuhren, 1 Handtaſche und 1 kl.
Roll=
wagen;
b) vorausſichtlich: 1 Pianino, 2 Büfetts, 8 Vertikos,
10 Diwans, 3 Sofas, 4 Seſſel, 2 Spiegel=, 2 Bücher=,
4 Kleider, 2 Kaſſen= und 2 Warenſchränke, 8 Schreibtiſche,
4 Pfeilerſchränkchen, 1 Truhe, 1 Druckpreſſe, 3 Trumeaux,
2 Kontrollkaſſen, 1 Partie Spirituoſen, Servietten,
Bett=
kolter, Drell, Bettuch=Leinen, Tiſchzeug, Steppdecken pp.,
1 Jagdwagen, 11 Vogelkäfige u. 12 Kanarienvögel, 1 Partie
Falzziegel und Schieferſteine pp.
Darmſtadt, den 3. Januar 1912. p
(632
Thüre, Großh. Gerichtsvollzieher,
Bleichſtraße 9.
Verloſungsliſte
des Vereins „Züchter edler Kanarien‟ Darmſtadt
vom 2. Januar 1912.
(627
Los
Los
Los
Los
Los
Preis
Preis
Preis!
Preis
Preis
Nr.
Nr.
Nr.
Nr.
Nr.
e
1142 55 1972 52 1 2736
543
125 36
1162 20 1 2031 60 2752
190 63 600
2046
2756 14
702
1220
283 I. 56
2003 59 1 2783 49
761
1294
221
1308 65 1 2130
2958
305
777
2140 50 I 3001 12
788
1342
334 46
2142 26
790
1375
3084 1 44
361 34
401 19 804 36 1485 65 2192 55 3005 25
1550 35 I 2200 70 I 3101 58
405
827
1551
2244 48 1 3105 78
P17 13 834
1710 68 1 2322 30 3210 67
856
466
1712
2338 51 1 3316 32
914
485
939
2551 25 3318 10
1774
492
1844
962
2590. 16 3461
505
66
34
1874
2638 30 1 3474 33
18
1109
523 72
Abholung der Gewinne im Mathildenhöhſaal Dieburgerſtr. 26.
Mlie Geigemälde
aus dem 17. Jahrh. zu verk. Anfr.
(*156
unt. V 39 an die Exp.
4 prachtvolle junge Hündchen,
4 kleine Raſſe, ſehr wachſum, billig
zu verk. K. Kempf, Eberſtadt b.
Dſt., hinterm Waldfrieden. (*117md
Getrag. Herren=
Ich kaufe u.Damenkleider,
Schuhe, Wäſche Zahle d. höchſten
Preiſe. Paſtt. gen. J. Schnltzer=
Trödler, Schloßgaſſe 11. (69a
ehrock, Frack, Smoking=
Anzüge, Zylinder zu verleih.
Rheinſtraße 5, 2. Stock. (73
Seite 12.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 4. Januar 1912.
Nummer 3.
Die Wahl zum Reichstag.
Die Wahl zum Deutſchen Reichstag findet
Freitag, den 12. Januar d. Js.
ſtatt. Die Abſtimmung beginnt um 10 Uhr vormittags und dauert
bis 7 Uhr nachmittags.
Behufs Vornahme der Wahl iſt die hieſige Stadt in
nach=
ſtehende 26 Bezirke eingeteilt:
1. Bezirk: Rheinſtraße, Allee, Landgraf=Philipp=Anlage,
Bahn=
hofsplatz, Bleichſtraße, Friedrichſtraße, Kaſinoſtraße, Georgenſtraße,
Hofſtallſtraße, Wieſenſtraße, Fuchsſtraße, Dornheimer Weg, Bachgang.
2. Bezirk: Bismarckſtraße, Lagerhausſtraße, Grafenſtraße,
Helfmannſtraße, Feldbergſtraße, Griesheimer Weg.
3. Bezirk: Landwehrſtraße, Rößlerſtraße, Kirſchen=Allee,
Gräfen=
häuſer Weg, Weiterſtädter Weg, Wendelſtadtſtraße, Blumenthalſtraße.
4. Bezirk: Viktoriaſtraße, Viktoriaplatz, Aliceſtraße, Aliceplatz,
Kahlertſtraße, Parkusſtraße, Pallaswieſenſtraße, Pfarrwieſenweg.
5. Bezirk: Liebigſtraße, Ireneſtraße, Neue Ireneſtraße,
Emil=
ſtraße, Frankfurter Straße, Pfründnerhausſtraße, Beckerſtraße.
6. Bezirk: Rhönring, Mollerſtraße, Schwanenſtraße,
Schuknecht=
ſtraße, Eckhardtſtraße.
7. Bezirk: Liebfrauenſtraße, Gardiſtenſtr., Löffelgaſſe, Kaupſtr.
8. Bezirk: Arheilgerſtraße, Elfeicher Weg, Sensfelder Weg,
Kaſtanien=Allee, Pankratiusſtraße, Schloßgarten, Schloßgartenplatz,
Schloßgartenſtraße.
9. Bezirk: Heinheimer Straße, Riegerplatz, Fuhrmannſtraße,
Ruthsſtraße, Wenckſtraße, Müllerſtraße, Speſſartring.
10. Bezirk: Aeußere Ringſtraße, Lichtenbergſtraße,
Taunus=
ſtraße, Taunusplatz, Hohler Weg, Am Breitwieſenberg, Kranichſteiner
Straße, Magdalenenſtraße.
11. Bezirk: Gutenbergſtraße, Mauerſtraße, Lauteſchlägerſtraße,
Dieburgerſtraße, Lukasweg.
12. Bezirk: Erbacherſtraße, Nikolaiweg, Mathildenhöhweg,
Prinz Chriſtianweg, Alexandraweg, Olbrichweg, Platanenweg,
Fiedler=
weg, Seitersweg, Dreibrunnenſtraße, Wingertsbergſtraße, Stiftſtraße,
Beckſtraße, Gervinusſtraße, Teichhausſtraße, Adolf Spießſtraße.
13. Bezirk: Soderſtraße, Mühlſtraße, Darmſtraße, Wienersſtr.
14. Bezirk: Heidenreichſtraße, Inſelſtraße, Roßdörferſtraße,
Kiesſtraße.
15. Bezirk: Nieder=Ramſtädterſtraße, Riedlingerſtraße,
Hoch=
ſtraße, Hoffmannſtraße, Grüner Weg, Rückertſtraße, Mathildenſtraße.
16. Bezirk: Heerdweg, Roquetteweg, Am Erlenberg,
Goethe=
ſtraße, Heinrichswingertsweg, Hobrechtſtr., Im Geiſenſee,
Niebergall=
weg, Ohlyſtraße, Schießhausſtraße, Moſerſtraße, Martinſtraße,
Martinspfad, Steinackerſtraße, Bruſtſtraße, Bruchwieſenſtraße,
Witt=
mannſtraße, Klappacherſtraße.
17. Bezirk: Beſſunger Straße, Beſſunger Weg,
Orangerie=
ſtraße, Orangerie=Allee, Clemensſtraße, Seekatzſtraße, Seeſtraße,
Herrn=
gartenſtraße, Herderſtraße, Landskronſtraße, Kiesbergſtraße,
Hofgarten=
ſtraße, Wingertsgäßchen.
18. Bezirk: Moosbergſtraße, Tannenſtraße, Ludwigshöhſtraße,
Frankenſteinſtraße, Felſingſtraße, Weinbergſtraße.
19. Bezirk: Sandbergſtraße, Niederſtraße, Neue Niederſtraße,
Forſtmeiſterplatz, Forſtmeiſterſtraße, Ahaſtraße, Donnersbergring,
Artillerieſtraße, Hermannſtraße, Eichbergſtraße, Wilhelmsplatz,
Wilhelm=
ſtraße, Annaſtraße.
20. Bezirk: Heidelberger Straße, Eſchollbrücker Straße,
Wey=
prechtſtraße, Stadtaklee, Riedeſelſtraße.
21. Bezirk: Wilhelminenſtraße, Wilhelminenplatz, Sandſtraße,
Holzhof=Allee, Marienplatz, Hügelſtraße, Steinſtraße, Zimmerſtraße,
Groß=Gerauerweg.
22. Bezirk: Heinrichſtraße, Karlſtraße, Hölgesſtraße, Schützenſtr.
23. Bezirk: Saalbauſtr., Neckarſtraße, Waldſtraße,
Eliſabethen=
ſtraße, Schuchardſtraße.
24. Bezirk: Mathildenplatz, Luiſenſtraße, Luiſenplatz,
Garten=
ſtraße, Zeughausſtraße, Paradeplatz, Hoftheaterplatz, Hochſchulſtraße,
Alexanderſtraße, Ballonplatz, Reſidenzſchloß.
25. Bezirk: Obergaſſe, Schloßgaſſe, Schloßgraben, Geiſtberg,
Große Kaplaneigaſſe, Kleine Kaplaneigaſſe, Landgraf Georg=Straße,
Langgaſſe, Lindenhofſtraße, Große Ochſengaſſe, Kleine Ochſengaſſe,
Schuſtergaſſe.
26. Bezirk: Ernſt=Ludwigſtraße, Ernſt=Ludwigplatz,
Ludwig=
ſtraße, Ludwigsplatz, Marktplatz, Marktſtraße, Schillerplatz, Kirchſtraße,
Schulſtraße, Kapellſtraße, Große Bachgaſſe, Kleine Bachgaſſe,
Holz=
ſtraße, Sackgaſſe, Woogsplatz, Woogſtraße, Brandgaſſe, Pädagogſtraße,
Hinkelsgaſſe, Döngesborngaſſe, Rundeturmſtraße, Schulzengaſſe.
Das Wahllokal für ſämtliche Bezirke befindet ſich im
ſtädt. Saalbau mit dem Eingang von der Riedeſelſtraße aus.
Als Wahlvorſteher und deren Stellvertreter ſind ernannt:
Stellvertreter:
Wahlvorſteher:
1. Bezirk: Rentner Joh. Ph. Hillgärtner Privatier Philipp Sehnert
2. Bezirk: Buchdruckereibeſ. Adolf Simon Kaufmann Karl Praſſel
3. Bezirk: Feilenhauer Valentin Michel Kohlenhändl. Ph. Baumann
Oberinſpekt. Jak. Wirthwein
4. Bezirk: Hofglaſer Fr. Endner
5. Bezirk: Hauptagent Emil Schröder Diplom=Ing. Georg Hinkel
6. Bezirk: Hoflieferant Hch. Schneider II. Leutnant a. D. Ph. Gärtner
7. Bezirk: Privatier Gg. Hillgärtner Betriebsbeamter A. Meixner
8. Bezirk: Kaufmann Hch. Falkenſtein Rentner Wilhelm Andreß
Gerichtsvollz. i. P. Pet. Herle
9. Bezirk: Stadtverordneter Möſer
10. Bezirk: Ziegeleibeſitzer Joh. Fr. Ludw. Rentner Karl Diehl
Wilh. Schneider
11. Bezirk: Stadtverordneter Schupp Privatier Ph. Schleidt
12. Bezirk: Bauunternehmer W. Ganß Privatier Anton Weinreich
13. Bezirk: Pianofortefabrik. Karl Arnold Rentner Wilhelm Vogt
14. Bezirk: Glaſermeiſter Wilh. Möſer Privatier Hrch. Jacobi
15. Bezirk: Stadtverordneter Kalbfuß Rentner Wilh. Pfeil
Hoflieferant Jacob Nohl II.
16. Bezirk: Stadtverordneter Linck
17. Bezirk: Buchdruckereibeſ. F. K. Bender Privatier Gg. Hoffmann III.
18. Bezirk: Stadtverordneter Werner
Zimmermeiſter Hrch. Karn
19. Bezirk: Stadtverordneter Aßmuth Weißbindermſtr. F. Ludwig
Müller
20. Bezirk: Fabrikant Chr. Achtelſtätter Architekt Fr. L. Mahr
Architekt Karl Schembs
21. Bezirk: Rentner L. Nachtigall
22. Bezirk: Münzdirektor Fr. Kraus Generalagent K. Kahlert
Privatier Ludw. Engel
23. Bezirk: Architekt Julius Harres
24. Bezirk: Schreinermeiſter W. Hofmann Hofbuchbinder Gg. Böcher
25. Bezirk: Bierbrauereibeſ. Val. Wagner Privat. F. Wilh. Dintelmann
Kaufmann Karl Mahr.
26. Bezirk: Hoflieferant Heinr. Wolf
Jeder Wahlberechtigte hat ſeinen Stimmzettel vor der Abgabe
in der bei jedem Wahlbüro aufgeſtellten Abſonderungsvorrichtung
in einen Umſchlag einzulegen. Der Umſchlag wird dem
Wahlberech=
tigten am Wahlbüro ausgehändigt.
Wir laden die in die Liſten aufgenommenen Wahlberechtigten
ein, zur angegebenen Zeit und in dem beſtimmten Lokal ihre
(628dm
Stimme abzugeben.
Darmſtadt, den 4. Januar 1912.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
Dr. Gläſſing.
Darmſtädter Fiſchmarkt.
Verkaufstage:
a) auf dem Marktplatz: Donnerstag und Freitag jeder
Woche regelmäßig, nach freier Wahl der Händler auch
Dienstag und Samstag;
b) in der Beſſunger Fiſchhalle, Beſſunger Straße Nr. 70:
alle Wochentage, außer Samstag.
Die äußerſt billig geſtellten Wochenpreiſe, die unter Kontrolle
der Großherzoglichen Bürgermeiſterei Darmſtadt feſtgeſetzt werden,
(637a
ſind an den Verkaufsſtänden angeſchlagen.
Schöner 2=tür. Mahag.=Wäſche=
Schrank zu verkaufen. Näh.
(*193
in der Expedition.
ſleiß. Leg.,
Prima Zuchthühner abzugeben
Darmſtraße 33a, 2. Stock. (*196
Haupiverein für Rollersche Weltstenograffe
Darmstadt.
Freitag, 5. Januar 1912, abends 9 Uhr
im Vereinslokal, Grafenstrasse 21, Nebenzimmer:
Beginn eines neuen Anfängerkursus
für Damen und Herren
Einfach.
Leicht.
Praktisch.
Kurz.
in der unübertroffenen
Rollerschen
Welt-
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Deutlich.
Zuverlässig.
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Wenig Sigel.
Honorar einschl. Lehrmittel Mk- 5.−
(683
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Schönschreiben
Buchführung
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Maschinenschreiben
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beginnen am 9. Januar.
Einzelfächer — Eintritt tägl.
— Privatunterricht —
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Oskar Dierken
Handelslehrer und Bücherrevisor.
7eg
Uebung Montag u. Donners tag abends 8 Uhr.
Hessischer Hof, Wilhelminenstr. 1, I.
Stolze-
Schrey’scher
Stenograph.-
Verein
Unterricht,
Fortbild.
De-
battenschr.
Berlitz-School
Grösstes Sprachinstitut
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15)
Yvonne!
Großmama?
Fragend blickte die Angeredete von ihrer Arbeit auf.
Sie ſtickte an einem Bluſenſtreifen in mühſamer
Madeira=
ſtickerei für die Baronin, wozu Herta keine Luſt hatte.
Yvonne, es kann Dir unmöglich entgangen ſein, daß
Du das Intereſſe des Aſſeſſors von Hammerſtein erregt
haſt, begann die Gräfin ohne Umſchweife.
Leider, nein, Großmama!
Leider, ſagſt Du?
Ja, leider, Großmama; denn er iſt mir ſehr wenig
ſympathiſch, entgegnete ſie ruhig.
Die Gräfin runzelte die Brauen.
Lächerlich! Was kann Dich zu dieſem vorſchnellen
Urteil beſtimmt haben? Er iſt ein ſtattlicher Mann in
angeſehener Stellung, der eine große Zukunft vor ſich hat,
aus vornehmer, reicher Familie.
Das gebe ich alles gern zu; es hat aber mit meiner
Abneigung gegen ihn nichts zu tun. Mir wäre lleber,
daß er ſein Intereſſe für mich weniger deutlich zeigte, und
daß er mehr Feingefühl hätte, zu bemerken, wie wenig
angenehm mir ſeine Aufmerkſamkeit iſt.
Gerade darüber wollte ich mit Dir ſprechen. Er
ſo=
wohl als Frau von Hammerſtein haben ſich über Dein
beinahe unartiges Benehmen bitter beklagt.
Hat mn das, Grchmnmnf ein ſpolſes Aüchan
zog ihre Mundwinkel herab.
Allerdings, und ich möchte Dich dringend bitten, in
Zukunft höflicher gegen meine Gäſte oder Gaſtfreunde zu
ſein, verſetzte die Gräfin in ſcharfem Ton.,
Der Frau Landrat von Hammerſtein habe ich niemals
Veranlaſſung gegeben, ſich über mich zu beklagen; ich habe
ihr ſtets den ſchuldigen Reſpekt bewieſen. Wenn ich die
Zudringlichkeiten des Sohnes zurückweiſe, ſo —
Bitte, Yvonne, wähle Deine Ausdrücke beſſer. Ich
habe nie etwas von Zudringlichkeiten des jungen
Ham=
merſtein gemerkt.
Das glaube ich gern, Großmama, doch ich habe ſie
empfunden. Warum iſt er gegen Herta nicht ſo?
Weil ſie ihm gleichgültig iſt: Dich aber liebt er,
wünſcht Dich zur Frau, und ich habe nichts gegen dieſe
Verbindung.
Auch wenn ich wiederhole, was ich vorhin ſchon ſagte
— daß mir Herr von Hammerſtein im höchſten Grade
unſympathiſch iſt?
Auch dann, Yvonne! Weil es kindiſch von Dir iſt,
ein ſolches Urteil über einen jungen Mann zu haben, der
meine Sympathie im vollen Maße beſitzt. Richte Dich
alſo nach meinen Wünſchen; ich ſetze voraus, daß Du ihm
Deine Zuſage gibſt, wenn er in Kürze um Dich anhalten
wird.
Ah, er hat ſich um deine Vermittlung bemüht, weil
er genau weiß, daß er bei mir nicht gut angeſchrieben ſteht,
erwiderte ſie mit Nichtachtung. Er glaubt, mich durch dich
wuinger zu kömen. Sihr ritenich und mnig in
der Tat.
Herr von Hammerſtein iſt den einzig richtigen,
kor=
rekten Weg gegeangen, und eben deswegen achte ich ihn.
Du biſt bei ihm gut aufgehoben, kannſt eine glänzende Rolle
ſpielen.
Ach, ich liebe und heirate nicht den Stand,
Groß=
mama, ſondern den Menſchen. Deſſen Geſinnung iſt mir
maßgebend.
Ah, ſieh dal Solche romantiſche Grillen leben in deinem
Kopf? Es iſt Zeit, daß ſie vertrieben werden. Hat man
euch das im Seminar gelehrt?
Nein, das ſagt mir mein Gefühl. Ohne Liebe, um
äußerer Vorteile willen zu heiraten, iſt in meinen Augen
eine Charakterloſigkeit, wenn nichts Schlimmeres. Mag
Herr von Hammerſtein kommen, ich kann es ihm nicht
ver=
bieten. Aber ſeine Frau werde ich trotzdem nicht, weil ich
ihn nicht liebe.
Die Gräfin faßte Yvonne, die in ihrer Erregung
auf=
geſprungen war, feſt um das feine Handgelenk.
Du wirſt mir dieſen Affront nicht antun. Ich habe der
Familie Hammerſtein bereits meine Einwilligung gegeben,
und dabei bleibt es. Einer törichten Mädchenlaune zuliebe
ändere ich meine Entſchlüſſe nicht!
Törichte Mädchenlaune nennſt du, was mein innerſtes,
heiligſtes Gefühl iſt? verſetzte Yvonne mit bebender Stimme.
Wenigſtens in dieſer Hinſicht will ich das Recht auf meine
Perſon bis zum äußerſten verteidigen. Nie werde ich Frau
von Hamerſtein!
Seite 14.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 4. Januar 1912.
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bemerkte die Gräfin hohnvoll. Auf deine Phraſen vom Recht
auf deine Perſon halte ich nicht der Mühe wert
ein=
zugehen.
Groß richtete Yvonne die dunklen Augen auf die alte
Frau.
Warum ſollte ich, eine Gräfin Laßberg, froh ſein,
von Herrn von Hammerſtein erwählt zu werden? fragte
ſie ſtolz.
Muß ich dir das erſt noch ſagen? Denke an deine
Mut=
ter, die geborene Legène!
Da erbleichte das junge Mädchen und zuckte unter dieſen
Worten zuſammen. Wie groß mußte noch immer der Haß
der Großmutter ſein, wenn er ſie ſo unfein werden ließ.
Schmähe mir mein liebes Mütterchen nicht! rief Yvonne
empört. Sie hatte keine Furcht, und zornig blitzten ihre
Augen. Mit ihr ſchmähſt du zugleich auch deinen Sohn.
Du haſt es mich genug fühlen laſſen, haſt mich lediglich als
Kind meiner Mutter handelt. Warum läßt du mich denn
nicht meinen Weg gehen, damit du mich nicht mehr ſiehſt?
Weil ich über meinen Namen wachen muß, verſetzte die
Gräfin eiſig. Von deinem ungezügelten Temperament habe
ich ja ſoeben wieder einen Beweis bekommen. Ich will nicht,
daß mein Name zum zweiten Male durch die Goſſe gezogen
wird; deshalb bleibſt du ſtets unter meiner Aufſicht, bis zu
deiner eventuellen Heirat.
Yvonne legte die Hand über die Augen; wie ein
Schwindel faßte es ſie. Sie wollte etwas erwidern, doch die
ſiche warihr inte ugſchunt Sioher Gat daßte dem die
Mutter ihres Vaters ſo gering von ihr, die ſich doch auch
nicht das geringſte hatte zuſchulden kommen laſſen? War
Haß ſo verblendend?
Deshalb will ich dich verſorgt, und zwar recht bald,
ſehen, und auch ſtandesgemäß. Du biſt alt genug zum
Heiraten, fuhr die Gräfin mit unerſchütterlicher Ruhe fort.
Alſo fügſt du dich meinen Beſtimmungen.
Nein, nein! rief Yvonne außer ſich und warf den
Kopf zurück. Großmutter, wenn ich dir nun ſage — Hier
ſtockte ſie. Nahe war ſie daran geweſen, ihre Liebe zu
ver=
raten. Hatte ſie aber Lutz nicht mit Handſchlag gelobt, zu
ſchweigen? Sie mußte ihm ihr Wort halten. Und ſie fühlte
auch, daß es klüger war, jetzt nichts von ihrem heimlichen
Verlöbnis mit Lutz zu verraten. Das hätte nicht vermocht,
die Großmutter umzuſtimmen.
Nun, weshalb ſprichſt du nicht weiter? Haſt du Vernunft
angenommen? Ich will es hoffen!
Nein, Großmutter, ich laß mich nicht verhandeln. Und
wenn ihr mich zwingt und quält, ſo werde ich noch vor dem
Altar nein ſagen!
Mit funkelndem Blick maß die Gräfin das junge
Mäd=
chen, deſſen Bruſt ſtürmiſch atmete.
Alſo nur Trotz, offenbarer Trotz! Nun, den werde ich
noch zu beugen wiſſen! Oder ſollte hinter dieſer Weigerung
ſich etwas anderes verbergen? Auch das würde ich ja
er=
fahren. Dann wehe dir!
Ruhig hielt Yvonne, um einen Schein bleicher den
drohenden Augen der Großmutter ſtand. Es war doch gut,
daß ſie nichts geſagt, keine Andeutung gemacht hatte.
Er=
barmungslos hätte man ihre junge Liebe zertreten.
Alſo bereite dich darauf vor, Yvonne. Nächſte Woche,
an deinem zwanzigſten Geburtstage, wird deine Verlobung
mit Herrn von Hammerſtein veröffentlicht. Noch heute werde
ich der Frau Landrat mitteilen, daß uns, nach Rückſprache
mit dir, der Beſuch ihres Sohnes willkommen iſt. Ich habe
keine Luſt, mich weiter mit dir noch
auseinanderzu=
ſetzen. Es bleibt, wie ich beſtimmt habe, und du wirſt
ge=
horſam ſein
Damit verlies ſie das Zimmer, und wie vernichtet
ſtarrte ihr die Enkelin nach Konnte man ſo grauſam ſein, ſo
Unmögliches von ihr verlangen? Nein! Entſchloſſen hob ſie
den Kopf und ihre Geſtalt ſtraffte ſich Sie würde ſich nicht
einſchüchtern laſſen
Die Gräfin hielt es für ganz unmöglich, daß Yvonne
im Ernſt ſich ihr zu widerſetzen wagte. Nach dieſer
unerhör=
ten, trotzigen Aufwallung würde auch ſie gehorchen — wie
die anderen.
Aber ſie hatte ſich doch in der Enkelin geirrt.
Keine Drohung hatte dieſe zu bewegen gewußt,
nachzu=
geben. Mit einem glatten, runden Nein mußte ſich Herr
Aſſeſſor Ryno von Hammerſtein abfinden, nachdem er doch
mit ſo hohem Mute und in ſo ſicherer Hoffnung auf den
Be=
ſitz des angebeteten, leidenſchaftlich begehrten Mädchens
Schloß Burgau betreten.
(Fortſetzung folgt.)
Nummer 3
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Richard Wagner-Verein Darmstadt.
Dienstag, den 9. Januar 1912, abends 8 Uhr,
im Festsaale der Turngemeinde (Woogsplatz 5):
Lieder- und Balladen-Abend
von Herrn
Alfred Rase,
Opern- und Konzertsänger aus Leipzig.
Am Klavier: Herr Professor Arnold Mendelssohn.
Der Seiler-Flügel ist aus dem Lager der Firma Hoflieferant
Leopold Schutter.
Eintrittskarten für Nichtmitglieder: Sperrsitz zu 5 Mk., Saal
zu 3 Mk. Vorsaal zu 1.50 Mk., Galerie zu 1.50 Mk., Stehplätze im
Saal zu 1 Mk.; Studentenkarten zu Mk. 1.— und Schülerkarten zu
50 Pfg. bei Leopold Schutter, im Verkehrsbüro und abends an
der Kasse. — Beitrittserklärungen, die noch vor dem obigen
Konzerte erfolgen, berechtigen zu dessen freiem Besuche. Der
Jahresbeitrag beträgt 12 Mk.
(625
Der Vorstand.
Gesenschart „Reichsadfer
unſerer
Hierdurch geſtatten wir uns, alle Freunde und Bekannte zu
am Sonntag, den 7. Januar 1912
im Reſtaurant „Perkeo”, Alexanderſtraße,
ſtattfindenden
Wentkachisteter
beſtehend aus Vorträgen, Theaterſtück, Tombola und Tanz
ergebenſt einzuladen.
(*182
Hochachtungsvoll Der Vorstand.
Eintritt pro Perſon 30 Pfg., eine Dame frei.
Vereinigte Kriegervereine
Darmſtadts.
Grandungenersagendwenr.
Die Söhne und Enkel unſerer Mitglieder im Alter von 12 bis
18 Jahren erſuchen wir, ſich an der von den Vorſtänden der
Ver=
einigten Kriegervereine in Ausſicht genommenen Gründung einer
Jugendabteilung, welche zur Förderung der körperlichen und geiſtigen
Geſundheit unſerer männlichen Jugend dienen ſoll, zahlreich zu
be=
teiligen.
Die erſte Zuſammenkunft und Abmarſch findet Sonntag, den
7. Januar 1912, pünktlich nachmittags 1½ Uhr (nicht um 2½ Uhr,
wie irrtümlich vorige Woche in den Zeitungen ſtand), am Eingang
des Exerzierplatzes nächſt der Rheinſtraße ſtatt.
Ein zu dieſem Zweck geeigneter Leiter iſt hierzu bereits
ge=
wonnen.
Freunde und Bekannte von Söhnen unſerer Mitglieder können
ebenfalls teilnehmen.
*631
Um eine zahlreiche Beteiligung wird gebeten.
Der Vorſtand.
BrRama Noter
empfiehlt seine Säle zu Hochzeiten,
Tanz-
stundsbällen, Konzerten u. Festlichkeiten.
V. Asta Nilsen-Gastspiel
steht bevor.
(*201
ur
Darmstädtel
II
empfiehlt ſich den verehrl. Herrſchaften
bei Feſtlichkeiten, Hochzeiten, Beſuch fahren
und allen in das Fach einſchlagenden Gelegenheiten
: bei Zuſicherung prompter Bedienung.
Bei Bedarf ſteht eigenes Beſteck des Vereins zur Verfügung.
Aufträge werden entgegengenommen bei
Hibler, Eschollbrückerstrasse 6, II.
(*162ds
Telephon-Ruf 578.
Jäglich
von 3—6 Uhr:
onzeri
N6)
Eigene Konditoret,
(142a
8 Neuhusens Billards
Kauf.
Saalbau
Sonntag, den 7. Januar 1912
abends 811 Uhr
Grosser karnevalistischer
Bröffnungs-Abend
unter Mitwirkung
der Kapelle des Artillerie-Regiments 61, M. Weber,
sowie der Gesellschaft Harmlose.
Konzert, Vorträge, Lieder, Tanz.
Karten im Vorverkauf à 40 Pfg.: Verkehrsbüro, L. Simon,
Grafenstrasse 15, Willy Smets, Städt. Saalbau, Gebrüder Wenz,
Marktplatz (Rathaus).
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Abends an der Kasse 50 Pfg.
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Großherzogl. Hoftheater
Donnerstag, den 4. Jan.
84. Abonnem.=Vorſtell. B 22.
Das Rheingold.
Von Richard Wagner.
Leit.: Hofkapellm. Hofrat de Haan.
Spielleitung: Oberregiſſ. Valdek.
Perſonen:
Hr. Weber
Wotan,
.Hr. Semper
Donner, Z
Froh,
8
Loge,
Fricka,
Freia, 1 2 S
Erda,
Faſolt,
Rieſen
Fafner,
Alberich, Nibe=
Mime, lungen
Woglinde,
2
Wellgunde,
Floßhilde, 182 Frl. Howard
Hr. H. Hacker
Hr. Becker
Fr. von Sugh
Frl. Geyersbach
Frl. Howard
Hr. Stephani
Hr. Riechmann
Hr. Hoff
Hr. Bernhardt
Fr. Speiſer=
Suchanek
Frl. Bruker
Nibelungen.
Nach der 1. Abteil. längere Pauſe.
Preiſe der Plätze:
Proſzeniumsloge 6 Mk.,
Fremden=
loge 6 Mk. Balkonloge 5. Mk.,
1. Rang 4.50 Mk., 2. Rang (1.—6.
Reihe) 2.50 Mk., (7. und 8. Reihe)
2 Mk., Sperrſitz (1.—13. Reihe)
4 Mk., (14.—20. Reihe) 3.20 Mk.,
Parterre (1.—5. Reihe) 2.70 Mk.,
(6.—8. Reihe) 2.20 Mk., 1. Galerie
1.20 Mk., 2. Galerie 60 Pfg.
Anf. 7½ Uhr. Ende nach 10 Uhr.
Vorverkauf
von 11—1 Uhr f. d. Vorſtellungen:
Freitag, 5. Jan. 85. Ab.=Vorſt.
C 21. „Meyers.” Große Preiſe.
Anfang 7½ Uhr.
Sonntag, 7. Jan. 86. Ab.=Vorſt.
D 22. Neu einſtudiert: „
Ma=
dame Butterfly.‟ Große
Preiſe. Anfang, 7 Uhr.
Dienstag, 9. Jan. 87. Ab.=Vorſt.
C 22. „Der Opernball.”
Große Preiſe. Anfang 7 Uhr.
Die Hoftheater=Hauptkaſſe iſt
an allen Wochentagen, vorm.
von 10—12½ Uhr, geöffnet.
N eujahrsentſchuldigungstarten
Vzum Beſten der
Kleinkinder=
ſchule haben gelöſt:
Oberbürger=
meiſter Dr. Gläſſing und Frau,
Bürgermeiſter Mueller und Frau,
Oberſekretär Hopp, Stadtbaurat
Keller, Sparkaſſerechner Netz,
Hauptkaſſenbuchhalter Volk,
Stadt=
baurat Steinberger, Amtmann
Krapp, Beigeordneter Schmitt,
Bei=
geordneter Ekert, Prof. Kiſſinger,
Stadtrechner Koch, Oberſekretär
Hahn, Stadtbaumeiſter Hoffmann,
Stadtgeometer Fleckenſtein,
Ober=
ſekretär Käß, Waſſerwerksdirektor
Rudolph, Gaswerksdirektor
Fried=
rich u. Frau, Oberingenieur
Kalb=
fuß, Medizinalrat Dr. Fiſcher,
Oberapoth. Dr. Schwalm, Oktroi=
Inſpektor Kammer u. Frau, Garten=
Inſpektor Stapel u. Frau,
Regie=
rungsaſſeſſor Kröll u. Frau,
Bei=
geordneter Jäger u. Frau, Direktor
Daub u. Frau, Frl. E. Cramolini,
Oherſtleut. Cramolini u. Frau.
Seite 18.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 4. Januar 1912.
Nummer 3.
Luftfahrt.
sr. Der Damen=Flug=Rekord iſt noch zum
Schluſſe des alten Jahres zweimal verbeſſert
wor=
den. Im Wettbewerb um den ſogenannten Femina=
Pokal, der für die beſte Flugleiſtung einer Dame im
Jahre 1911 ausgeſetzt war, bewarb ſich zunächſt Fräulein
Jane Herveu auf dem Flugplatze von Compiegne. Sie
legte mit einem Blériot=Eindecker 248 Kilometer in 2
Stunden 41 Minuten zurück und überbot damit den von
der Aviatikerin Helene Dutrieu aufgeſtellten Diſtanz=
Rekord von 230 Kilometer um 18 Kilometer. Helene
Dutrieu wurde aber noch rechtzeitig von dieſer neuen
Rekordleiſtung verſtändigt, ſodaß ſie noch Gelegenheit
fand, dieſen Rekord abermals zu drücken. Sie blieb 2
Stunden 58 Minuten in der Luft und legte mit ihrem
Farman=Zweidecker in dieſer Zeit 254.239 Kilometer
zurück. Ihr fiel damit der Femina=Pokal zu. Dagegen
hat Fräulein Herveu die Genugtuung, mit einer
durch=
ſchnittlichen Stundengeſchwindigkeit von 92,420
Kilo=
metern Inhaberin des Schnelligkeits=Rekordes für
Damen zu ſein. Die übrigen Flugrekorde des Jahres
wurden nicht mehr verbeſſert, obwohl man erwartet
hatte, daß ſpeziell Angriffe auf den Diſtanz=Rekord
Gobes unternommen werden würden. Gobe hatte
be=
kanntlich am 24. Dezember v. J. mit 740 Kilometer in
8 Stunden 15 Minuten einen neuen Diſtanz=Weltrekord
aufgeſtellt. Mit dieſer Leiſtung fiel ihm nunmehr der
10000 Francs=Preis des franzöſiſchen Aero=Klubs zu.
Der Weltrekord für die längſte Flugdauer blieb in den
Händen Fournys, der mit 11 Stunden 1 Minute 29
Se=
kunden den Michelin=Preis des Jahres gewann.
Höhen=
rekordinhaber iſt Garros mit 3900 Meter, und
Inhabe=
rin des Damen=Höhenrekordes Fräulein Nelly Beeſe
mit 820 Meter.
sr. Ein Todesſturz eines
montenegri=
niſchen Offiziers=Piloten wird aus Wien
ge=
meldet. Der Flieger Monitſch unternahm mit einem
Bleriot=Eindecker in der Nähe des Skutari=Sees Flüge.
Plötzlich verlor der Pilot die Gewalt über die Maſchine.
Monitſch ſtürzte in den See und ertrank.
Sport.
er. Die Internationalen Lawn=Tennis=
Kämpfe des Tennisklubs von Frankreich haben jetzt
ihren Abſchluß gefunden. Im Entſcheidungsſpiel der
Herrenmeiſterſchaft ſiegte der Schweizer William über den
franzöſiſchen Champion Lorentz mit 12—10 6—2 7—5,
nachdem Lorentz vorher den franzöſiſchen Meiſter Decugis
geſchlagen hatte.
sr. Die Eishockey=Mannſchaft der
Ox=
ford=Canadians, die kürzlich auch in Berlin ſpielte,
erlitt in Wien ihre erſte Niederlage auf ihrer
kontinenta=
len Reiſe. Allerdings muß dabei berückſichtigt werden,
daß in Wien nicht wie in anderen Orten mit der Scheibe,
ſondern mit dem Ball geſpielt wird. Die Wiener
kom=
binierte Mannſchaft ſiegte 7:4, nachdem das Spiel bei
Halbzeit 4:2 geſtanden hatte.
sr. Jack Johnſon gegen Sam Mac Vea.
Ein neuer Boxkampf um die Weltmeiſterſchaft
iſt von dem bekannten auſtraliſchen Manager Hugh Mac
Intoſh für den Pfingſtmontag in Sydney (Auſtralien)
geplant. Als Gegner des Boxerkönigs iſt der bekannte
kaliforniſche Neger Sam Mac Vea auserſehen, der in den
letzten Zeit durch ſeine glänzenden Siege auch über Sam
Langford viel von ſich reden machte. Sam Mac Vea hat
bereits einmal vor acht Jahren, 17jährig, mit Johnſon
einen 20 Runden langen unentſchiedenen Kampf
ausge=
tragen. — Schon vorher gedenkt man den Weltmeiſter in
Amerika mit Joe Jeannette kämpfen zu laſſen.
Rdr. Der New=Yorker Sechstage=Sieger
Clark, der ſich Mac Farlands amerikaniſcher
Sechs=
tagefahrer Truppe anſchließen wollte, hat auf ſeinen
europäiſchen Abſtecher im letzten Augenblick verzichtet und
iſt mit ſeinen Landsleuten Goullet und Hehir, ſowie den
Amerikanern Lawſon und Mitten kurz nach Beendigung
des New=Yorker Sechstagerennens nach ſeiner
auſtrali=
ſchen Heimat abgedampft. Die in Sydney und in
Mel=
bourne geplanten Sechstagerennen werden wahrſcheinlich
auf offenen Bahnen abgehalten werden und u. a. die
Mannſchaften Clark-Walker, Goullet-Hehir und Iver
Lawſon-Mitten am Start ſehen.
Landwirtſchaftliches.
Kurzer Getreide=Wochenbericht
der Preisberichtſtelle des Deutſchen
Landwirtſchaftsrats
vom 19. Dezember 1911 bis 2. Januar 1912.
Wie ſtets zwiſchen Weihnacht und Neujahr, hielt ſich
das Getreidegeſchäft in der abgelaufenen Berichtsperiode
in mäßigen Grenzen, aber die Stimmung war
nichts=
deſtoweniger recht feſt, denn die Nachrichten aus
Argen=
tinien lauten meiſt wenig vertrauenerweckend. Nicht
minder trug zu der Feſtigkeit, die ſich zu Beginn des
neuen Jahres auf dem Berliner Markte bemerkbar
machte, die Knappheit des inländiſchen Angebots, ſowie
die andauernd lebhafte Nachfrage für ſämtliche
Getreide=
arten zu Exportzwecken bei. Im Lieferungsgeſchäft
zeigte ſich für Weizen wie für Roggen noch mehrfache
Deckungsbegehr, deſſen Befriedigung die Preiſe um 2
bis 3 Mark anziehen ließ. Demgegenüber ſtellte ſich
Mai=Weizen zeitweiſe niedriger, da Importeure gegen
Erwerbungen von kanadiſchem Weizen als Abgeber für
Frühjahrslieferung auftraten. Angeſichts der feſteren
Haltung des Auslandes und ungenügenden inländiſchen
Angebots bei ſtärker hervortretendem Exportbegeh
konnte indes auch dieſer Termin ſein vor 14 Tagen inne
gehabtes Preisniveau um 1 Mark überſchreiten. Be
Roggen bewirkte die durch die erwähnten
Verhältniſſ=
hervorgerufene Kaufluſt für Frühjahrslieferung einen
Preisfortſchritt von 2¼ Mark. Noch feſter, als für
Brotgetreide, war die Stimmung auf dem Hafermarkte
Die Händler, die wegen unlohnender Konſumpreiſe in
den letzten Wochen nur wenig gekauft hatten, ſehen ſich
gezwungen, ſtärker einzugreifen, finden aber nur
knap=
pes und teures Angebot vor. Rußland ſtellt hohe
For=
derungen, auch Argentinien erhöhte ſeine Preiſe und
ſuchte ſchwere Gewichte zurückzukaufen. Braugerſte hatte
ſtilles Geſchäft; die Vorräte von guten Qualitäten ſind
nur noch gering, und da hier und dort noch mancher
Be=
darf zu decken iſt, ſo halten die Beſitzer von guter Ware
feſt auf Preiſe. Im Futtergerſtegeſchäft hat ſich die
Situation eher noch befeſtigt. Die rege Nachfrage für
nahe Ware blieb beſtehen, und für ſpätere Abladung
zeigen ſich ruſſiſche Firmen ſehr zurückhaltend. Mais
wird von der Donau hochgehalten, während per
Früh=
jahr in Amerika und Argentinien etwas leichter
einzu=
kaufen war. — Es ſtellten ſich die Preiſe für inländiſches
Getreide am letzten Markttage wie folgt:
Roggen
Weizen
Hafer
170 (*3 ) 182
Königsberg. . 203
180 (*1½) 184
Danzig
.203
183 (*1 ) 184
Stettin
.203
178 (*3 ) 182
Poſen
.202
177
183
Breslau . . .201
185 (*2½) 202
Berlin . . . 207
180
Magdeburg . 200
201
.202 (4
189 (*1 ) 209
Halle .
.202 (*
189 (*1 ) 207
Leipzig
184 (*3
.205 (*
185
Roſtock
188 (4.5 ) 202
Hamburg . . 207
189 (*2 ) 205
Hannover . . 202
194 (*1 ) 190
Düſſeldorf . . 210
192 (*2
Köln
.208
190
Mannheim . . 222½
197½ (*2½) 200
202½ (*2½) 205
Straßburg . . 222½
München . . 232 (* 3 ) 212 (*3 ) 203 (*-3
Weltmarktpreiſe: Weizen: Berlin Mai 215,75 (* 1),
Peſt April 198,70 (—0,55), Liverpool März 166,10
(*0,70), Paris Januar 208,60, Chicago Mai 152,70
(—0,40), Roggen: Berlin: Mai 196,75 (2,25). Hafer:
Berlin Mai 193,50 (— 3,50). Futtergerſte cif. Hamburg
ſchwim. 146,75 (— 0,25), Januar 146 (- 2,25), Febr.=
März 146 (- 2,75), Mais Mixed Jan.=März 130,50
(*0,50), Donau März=April 128,50, La Plata Mai=
Juni 117.50 (— 4,50) Mark.
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