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173. Jahrgang
verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage:
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kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
N 261.
Montag, den 7. Novenber.
1910.
Die heutige Nummer hat 20 Seiten.
Kaiſer Wilhelm II. und König Georg V.
(§ Es iſt in der diplomatiſchen Welt längſt kein
Ge=
heimnis, daß das verwandtſchaftliche und an ſich auch
durchaus freundſchaftliche Verhältnis des Kaiſers
Wil=
helm II. zu ſeinem Oheime, dem König Eduard VII. von
England, hin und wieder dadurch eine mehr oder weniger
kurze Trübung erlitt, daß der König der Politik der
klei=
nen Nadelſtiche nicht ganz abgeneigt war. Umſo
erfreu=
licher iſt es, daß zwiſchen dem deutſchen Kaiſer und
ſei=
nem Vetter, Georg V., ein außerordentlich herzliches
Einvernehmen beſteht. Die beiden Souveräne
un=
terhalten einen regelmäßigen eigenhändigen Briefwechſel,
und der Gedankenaustauſch, den ſie pflegen, das
Ver=
trauen, das ſie verbindet, bildet ein nützliches
Gegenge=
wicht für alle Verſuche, die beiden Nationen, deren
ge=
krönte Führer ſie ſind, zu verhetzen. Die Londoner
Wochenſchrift Modern Society, die über die Vorgänge
und Stimmungen bei Hofe gewöhnlich gut unterrichtet iſt,
meldet jetzt, König Georg V. und die Königin Mary
wür=
den in der zweiten Hälfte des nächſten Jahres, nach der
Krönung, die im Juli vor ſich gehen ſoll, dem Berliner
Hofe einen offiziellen Antrittsbeſuch, eine
ſſogenannte Staatsviſite, abſtatten.
Dieſe Meldung hat, wie die N. G. C. von der
zuver=
läſſigſten Seite hört, viel Wahrſcheinlichkeit für ſich. Man
darf in der Tat annehmen, daß das engliſche Königspaar,
wie es neuerer monarchiſcher Sitte entſpricht, die
Ober=
häupter der großen Staaten des europäiſchen Feſtlandes
nach der Krönung beſuchen, und daß eines der erſten Ziele
ſeiner Reiſe Berlin ſein wird. Das Londoner Blatt
iſt aber nicht zutreffend unterrichtet, wenn es hinzufügt,
der Kaiſer habe die Anregung zu ſolchem Beſuche durch
eine Einladung gegeben Es bedarf einer derartigen
Ein=
ladung ſelbſtverſtändlich nicht und es ſteht feſt, daß bisher
über dieſen Gegenſtand Verhandlungen zwiſchen Berlin
und London überhaupt noch nicht ſtattgefunden haben.
Jene Londoner Zeitſchrift erwähnt dann noch, bei der
Krönung des Königs von England werde Deutſchland
durch den deutſchen Kronprinzen vertreten
wer=
den. Auch dies iſt nicht unwahrſcheinlich, aber noch nicht
beſtimmt. Richtig iſt, daß an der Krönungsfeier des
Königs Georg V. kein Souverän teilnehmen wird. Das
beruht auf dem höfiſchen Brauche, daß ein Monarch an
ſeinem Krönungstage niemand den Vortritt überläßt, alſo
keinen anderen Monarchen als Gaſt bei ſich ſehen kann.
Zur Geſchichte des Kulturkampfes.
Bismarck und die Kaiſerin Auguſta.
v. R. An mehr als einer Stelle der „Gedanken und
Erinnerungen” klagt Fürſt Bismarck über die „
anti=
miniſterielle Tätigkeit” der KaiſerinAuguſta, die ſich
immer auf der Seite der Gegner ſeiner Politik befand
und deren Abſichten zu durchkreuzen ſuchte. Die meiſten
Schwierigkeiten bereitete die Kaiſerin ihm während des
Kulturkampfes.
Einen ſehr belehrenden Einblick in die Art, wie die
Kaiſerin während des Kulturkampfes Bismarcks wirkliche
und vermeintliche Pläne zu bekämpfen bemüht war,
ge=
währen die ſoeben veröffentlichten, von uns ſchon
er=
wähnten Erinnerungsblätter aus dem Leben des 1876
verſtorbenen Wirklichen Geheimen Rates Otto
Wehr=
mann, der als erſter vortragender Rat des
Staatsmini=
ſteriums das Vertrauen des Kaiſers gewonnen hatte und
der Kaiſerin namentlich als Kurator des ihr unterſtellten
Diakoniſſenhauſes Bethanien nahe getreten war. Auch
nachdem Wehrmann 1872 den Abſchied genommen hatte
blieb die Kaiſerin mit ihm in Berührung Am 30. März
1875 ſprach er ſie im Zimmer und in Gegenwart ihrer
Palaſtdame Gräfin Hacke, und da beſchwerte ſie ſich bitter
zu ihm über Bismarcks Kirchenpolitik: — „welche nun
auch drohe, die Orden der Krankenpflege und des
Unter=
richts (Barmherzige Schweſtern, Urſulinerinnen u. dergl.)
anzugreifen.” Im Abgeordnetenhauſe bereite man für
die nächſte Gelegenheit einen Anſturm gegen die geiſtliche
Krankenpflege vor und im Bundesrate ein Geſetz gegen
die Kloſter=Orden, das der hanfeatiſche Miniſterreſident
Krueger — „ein Katholikenfeind”, fügte die Kaiſerin
hinzu — entwerfe und das im Herbſt an den Reichstag
gelangen ſolle. Die Kaiſerin bat Wehrmann, er möge mit
Miquel, dem Führer der Nationalliberalen,
und dem Unterſtaatsſekretär Schuhmann ſprechen,
da=
mit man nicht zu weit gehe. „Die Zerrüttung ſo edler,
nützlicher Einrichtungen”, ſo ſagte die Kaiſerin „werde
keinen Segen bringen, und ſie müſſe doch an die Zukunft
ihres Hauſes denken. Mit den Miniſtern könne ſie
dar=
über nicht ſprechen. Bismarck habe ſie ſeit einem Jahr
nur dreimal bei Feſten geſehen. Camphauſen, der
ſonſt freundlich zu ihr war, laſſe ſich nicht mehr ſehen.
Eulenburg habe ſie zweimal geradezu betrogen, indem
er das Gegenteil tat von dem, was ſie wünſchte.
Achen=
bach und Friedenthal ſeien früher ihre Sekretäre
geweſen in dem Vaterländiſchen Frauenverein und ſie
könne nicht glauben, daß ſie mit einem Male
Staats=
männer geworden ſeien.” Wehrmann fährt fort: „Sie
ſprach lebhaft zirka dreiviertel Stunden lang und ließ
mir kaum Zeit, einige Bemerkungen dazwiſchen zu
machen.”
Nachdem Wehrmann der Bitte der Kaiſerin gemäß
mit Miquel und Schuhmann geſprochen hatte, konnte er
ihr melden, daß ihre Befürchtungen unbegründet ſeien,
da man nicht an die Aufhebung der geiſtlichen Orden und
die Ausdehnung des Vereinsgeſetzes auf die geiſtlichen
Genoſſenſchaften denke. Aber die Kaiſerin blieb bei ihren
Beſorgniſſen und erneuerte ſie zu Wehrmann, als er ſie am
27. April 1875, auch diesmal bei der Gräfin Hacke,
wieder=
ſah. Wehrmann ſchreibt: „Die Kaiſerin klagte, daß ſie
ſelbſt von Angelegenheiten, die ihrer Fürſorge angehören
(Kranken=Anſtalten), nichts erfahre. Man ſage, daß alle
Klöſter, auch die für Krankenpflege und Unterricht
beſtimm=
ten, aufgehoben werden ſollten. Sie habe dem Kaiſer
vor der Abreiſe davon geſprochen, was denn aus den
verwundeten Soldaten werden ſolle, wenn im nächſten
Kriege die barmherzigen Schweſtern fehlten. Er habe
ge=
antwortet, daß man dieſe nicht anrühren werde; ſie fürchte
aber, daß Bismarck auch dieſe nicht ſchone, und bat mich,
bei einflußreichen Abgeordneten ein Wort dafür
einzu=
legen.”
So ſieht man die willensſtarke Gemahlin Wilhelms I.
hier bei der Arbeit, durch geſchickte Beeinfluſſung des
Par=
laments dem großen Staatsmanne, den ſie einmal
iro=
niſch „unſeren allergnädigſten Reichskanzler” nannte,
ent=
gegenzuarbeiten.
Deutſches Reich.
— Die Reform der
Staatsangehörig=
keit. Die Vorarbeiten für das neue Geſetz über die
Er=
werbung und den Verluſt der Staatsangehörigkeit ſind
nach einer Meldung der Deutſchen Tageszeitung nunmehr
abgeſchloſſen, ſo daß der Entwurf dieſer Tage dem
Bun=
desrate zugehen wird. Das neue Geſetz, deſſen
Ausarbei=
tung ſich nicht ohne Schwierigkeiten vollzogen hat, beſeitigt
vor allen Dingen den unhaltbaren Zuſtand, daß, wer nicht
im Beſitz eines Heimatſcheines iſt oder ſich in eine
Kon=
ſulatsmatrikel eintragen läßt, ſeine Staatsangehörigkeit
ganz von ſelbſt verliert, wofern er ſich zehn Jahre hindurch
ununterbrochen im Auslande aufgehalten hat. Das Geſetz
bahnt ferner für Auslanddeutſche eine erweiterte
Anwen=
dung der Beſtimmungen an, auf Grund deren perſönlicher
Verhältniſſe halber die Zurückſtellung vom Militärdienſte,
ſowie die Verſetzung von Dienſt= und Uebungspflichtigen
in die Erſatzreſerve auf Antrag ſchon jetzt zuläſſig iſt.
Ebenſo bringt es die Möglichkeit der Ableiſtung ihrer
Dienſtpflicht und etwaiger Uebungen bei der nächſten
Kolonialtruppe; nicht zuletzt wird der Transport
Dienſt=
williger in die Heimat neu geregelt. Angehörigen der
Marine wird es in Zukunft frei ſtehen, ihrer
Uebungs=
pflicht auf dem nächſten deutſchen Kriegsſchiffe, das für ſie
erreichbar iſt, nachzukommen.
— Bei der Reichstagserſatzwahl im
4. Poſener Wahlkreis für den verſtorbenen
Reichstagsabgeordneten Dr. v. Skarzynski wurden
abge=
geben für v. Morawski (Pole) 15965 Stimmen und für
Schwartzkopf=Roſe (Deutſcher Kompromißkandidat) 5568
Stimmen. Drei Bezirke ſtehen noch aus. 30 Stimmen
ſind zerſplittert. v. Morawski iſt ſomit gewählt.
— Zumruſſiſchen Geſandten in München
iſt nunmehr endgültig der Kanzleidirektor im ruſſiſchen
Miniſterium des Aeußern v. Savinsky ernannt worden.
— Arbeitsloſenverſicherung. Im
Auf=
trage des preußiſchen Miniſteriums haben die
Regierungs=
präſidenten der Rheinprovinz die Verwaltungen
verſchie=
dener Städte erſucht, mit den beteiligten Kreiſen in
Be=
ſprehungen über die Frage der Arbeitsloſenverſicherung
einzutreten. Es handelt ſich um unverbindliche
Beſpre=
chungen informatoriſcher Natur, deren Ergebnis der Re=
gierung als Material für eine ſpätere Verhandlung der
kommunalen oder ſtaatlichen Arbeitsloſenverſicherung
die=
nen ſoll.
— Zur Fleiſchteuerung. Mit Rückſicht auf die
beſtehende Fleiſchteuerung hat die badiſche Regierung im
Einverſtändnis mit dem Reichsamt des Innern den
bei=
den Städten Karlsruhe und Mannheim geſtattet, zweimal
wöchentlich Transporte franzöſiſchen Viehs, natürlich
un=
ter ſtrengſter Einhaltung der ſeuchenpolizeilichen
Vor=
ſchriften, einzuführen. — Die Städtiſchen Behörden in
Stettin haben an den Reichskanzler, den Reichstag und
das preußiſche Staatsminiſterium Eingaben gerichtet mit
der Bitte, Maßregeln gegen die Fleiſchnot zu treffen,
be=
ſonders die Einfuhr von Fleiſch und Vieh aus Dänemark
zu geſtatten.
— Der Streit der Werften mit ihren
Arbeitern. Man ſteht an der Unterweſer vor dem
Ausbruch neuer Differenzen auf den Werften. In einer
Vertrauensmännerverſammlung der Werft= und
Lloyd=
arbeiter erſtattete der Verſammlungskommiſſar Bericht
über das Ergebnis der Verhandlungen mit den Werften.
Die Meinungen der Werften und ihrer Arbeiter gehen in
der Auffaſſung der getroffenen Abmachungen ſehr weit
auseinander. In der Diskuſſion erklärten ſämtliche
Red=
ner, die Annahme bedeute eine Verſchlechterung der
bis=
herigen Zuſtände. Die Hafenarbeiter würden dieſen
Be=
dingungen unter keinen Umſtänden zuſtimmen. In einer
Reſolution kam zum Ausdruck, daß, wenn die Werften
kein Entgegenkommen zeigen, eine
Werftarbeiterverſamm=
lung über weitere Maßnahmen neue Beſchlüſſe faſſen
werde. Die Lloydarbeitervertrauensleute beſchloſſen
ein=
ſtimmig, den Lloyd nochmals um Verhandlungen
anzu=
gehen. Die Werften verwahren ſich in der Preſſe
entſchie=
den gegen die Berechtigung neuer Konflikte.
Ausland.
Oeſterreich=Ungarn.
Die deutſch=böhmiſchen
Ausgleichsver=
handlungen. Nach der Bohemia beſchloß der deutſche
Volksrat für Böhmen eine Kundgebung, nach der die
Ausgleichsvereinbarungen über die Sprachenfrage für
un=
annehmbar erklärt werden, jedoch die Fortſetzung der
Verhandlungen gefordert wird. Am Freitag abend fand
in Prag eine Verſammlung faſt ſämtlicher deutſcher
Land=
tagsabgeordneter ſtatt. Nach längerer Debatte wurde ein
von dem Abgeordneten Wolf eingebrachter Antrag
ange=
nommen, der beſagt: Die Sprachenvorlage erſcheint in
der vorliegenden Form vollſtändig unannehmbar und es
iſt gar nicht daran zu denken, daß ſie als Beſtandteil des
zu ſchaffenden Ausgleichswerkes angenommen werden
könnte. Die deutſchen Mitglieder der nationalpolitiſchen
Kommiſſion werden deshalb beauftragt, ſofort energiſch
die nötigen Schritte zu unternehmen, damit die
Sprachen=
vorlage in der vorliegenden Form beſeitigt bezw. an den
Referenten=Ausſchuß zurückverwieſen wird.
Frankreich.
Die türkiſche Anleihe. Der Matin ſchreibt:
Falls die franzöſiſche Regierung bis zum Verfalltermin
der von den öſterreichiſchen und deutſchen Banken der
Pforte gewährten Vorſchüſſe der Türkei eine Anleihe
be=
willigen ſollte, ſo iſt es für jetzt eine ausgemachte Sache,
daß dieſe Anleihe nicht zur Rückzahlung dieſer Vorſchüſſe
dienen dürfte. Im Intereſſe der franzöſiſchen Sparer iſt
es wünſchenswert, daß nunmehr auch andere ſich mit
Frankreich in die Laſt der türkiſchen Geldbedürfniſſe teilen.
Wir ſind ferner zu folgender Erklärung ermächtigt: Falls
die Türkei von neuem mit Frankreich in
Anleiheverhand=
lungen einzutreten wünſche, ſo wird bereits jetzt darauf
hingewieſen, daß die kürzlich von der franzöſiſchen
Regie=
rung für die Zulaſſung der türkiſchen Anleihe zur
Kotie=
rung aufgeſtellten Bedingungen das Mindeſtmaß
dar=
ſtellen. Selbſtverſtändlich würden im Falle einer
Ver=
ſchlechterung der türkiſchen Finanzen die von Frankreich
geforderten Bürgſchaften noch beſtimmter und wirkſamer
ſein müſſen.
Das neue Kabinett Briand. In dem
Mini=
ſterrate wurde feſtgeſtellt, daß vollſtändige
Uebereinſtim=
mung zwiſchen den Anſichten des Miniſterpräſidenten und
denen ſeiner Mitarbeiter beſteht. Die in der Kammer
abzugebende Erklärung des Miniſteriums, deren einzelne
Punkte in verſchiedenen Sitzungen des Miniſterrats
durch=
beraten werden ſollen, wird ſich hauptſächlich auf die
Reform des Wahlrechts, der Verwaltung und des
Ge=
richtsweſens beziehen, ferner auf die Verteidigung der
Laienſchule und auf Maßnahmen, die geeignet ſind, den
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 7. November 1910.
Nummer 261.
ununterbrochenen Betrieb in denjenigen öffentlichen
Dienſtzwaigen, die für die Tätigkeit der Nation eine
Lebensfrage bedeuten, zu ſichern und die Intereſſen der
in dieſen Dienſtzweigen beſchäftigten Arbeiter zu ſchützen.
Die von der früheren Regierung bereits eingebrachten
Vorlagen werden beſtehen bleiben oder wieder
aufgenom=
men, beſonders das Beamtengeſetz, die Wahlreform und
die Feſtſtellung der Rechte der Syndikate, ebenſo der
Ent=
wurf über den Arbeitsvertrag und die Möglichkeit,
Geſell=
ſchaften zwiſchen Kapital und Arbeit zu bilden, die der
letzteren einen gerechten Anteil an dem gemeinſam
erziel=
ten Gewinn ſichern. Im Verlaufe des Miniſterrats
er=
klärte Miniſterpräſident Briand weiter, das neue
Mini=
ſterium ſolle kein Miniſterium der Reaktion ſein. Wenn
er wünſche, daß die Regierung Mittel erhalte,
Unter=
brechungen der öffentlichen Dienſte zu verhindern, ſo ſei
es ebenſo ſein Beſtreben, die Rechte der Arbeiter zu
wahren. Man müſſe alſo Maßregeln treffen, durch die
die Beziehungen zwiſchen den Geſellſchaften und ihren
Arbeitern erleichtert werden und vielleicht eine
Schieds=
gerichtskommiſſion ſchaffen. Der Geſetzentwurf über das
Streikrecht werde der Kammer nicht vor Ablauf von
vier=
zehn Tagen zugehen.
Offiziös verlautet, das neue Miniſterium beabſichtige
keineswegs die Freiheit der Syndikate zu verletzen. Aber
es wolle den Arbeitern und Angeſtellten
der öffentlichen Betriebe das Recht entziehen,
ſich behufs Vorbereitung zum Ausſtande gemeinſam zu
verabreden. Man müſſe dieſen Arbeiterkategorien offen
erklären, daß ſie das Koalitionsrecht nicht beſitzen. Viele
Arbeiter und Angeſtellte werden dann wohl auch zögern,
in einen Ausſtand zu treten, falls ihnen der Gebrauch
die=
ſer für die Intereſſen des Landes ſo gefahrvollen Waffe
unterſagt würde. Briand will ein Schiedsgericht ſchaffen,
dem alle Wünſche und Beſchwerden der Arbeiter zu
un=
terbreiten wären. Dadurch würden die Zwiſtigkeiten
je=
denfalls eine Verminderung erfahren.
Holland.
Landesverteidigungs= Vorlage. Das
Schickſal der holländiſchen Regierungsvorlage über 77
Millionen Mark zu Landesverteidigungszwecken macht den
Engländern Sorge. Die holländiſche Kammer hat einen
genauen Bericht über die geplante Verwendung dieſer
Summe eingefordert. Die Daily Mail führt nun aus,
daß die Regierung ihre Pläne geheim zu halten wünſche
und ſelbſt, wenn ſie der Kammer Mitteilungen mache,
den wahren Zweck der neuen Befeſtigungsanlagen doch
verberge.
Spanien.
Die marokkaniſche Frage. Die ſpaniſche
Bot=
ſchaft in Paris hat der Regierung eine Note übermittelt,
in der die Gerüchte, die Verhandlungen zwiſchen El
Mokri und der ſpaniſchen Regierung würden abgebrochen,
dementiert werden. Nach dieſen Gerüchten ſoll El Mokri
eine Entſchädigung von 60 Millionen Franken angeboten
haben, während Spanien 105 Millionen verlange. Wahr
ſei vielmehr, daß der marokkaniſche Unterhändler und die
ſoaniſche Regierung zu einer vollſtändigen
freundſchaft=
lichen Verſtändigung über die Höhe der Entſchädigung
gelangten.
Portugal.
Das Geſetz über die Eheſcheidung, das
am Freitag veröffentlicht wurde, beſteht aus 70 Artikeln in
6 Kapiteln. Eine flüchtige Durchſicht zeigt, daß ziemlich
allen Forderungen Rechnung getragen wird. Viele Kreiſe
bemerken unangenehm, daß die Scheidung auf
Ueberein=
kunft zugelaſſen wird. Die Beſtimmungen über Kinder
und Güter entſprechen den Geſetzen des Auslandes. Be=
achtenswert iſt die Vorſchrift, daß das Geſetz den
kon=
ſtituierenden Kammern vorgelegt werden muß.
Bulgarien.
Bei der Adreßdebatte in der Sobranje
ſprach ſich der Führer der Nationalpartei Geſchow gegen
die unnützerweiſe kriegeriſche Politik gegenüber der
Tür=
kei aus und wies auf die ungünſtige Lage Mazedoniens
hin. Der Führer der Progreſſiſten Dalnew ſtellte eine
korrekte freundſchaftliche Haltung Bulgariens gegenüber
der Türkei feſt und bemerkte, die bulgariſchen Elemente
in der Türkei müßten ſich derſelben Lage erfreuen, wie
die muſelmaniſchen Elemente Bulgariens. Hierzu ſeien
guter Wille und korrekte Beziehungen notwendig.
Red=
ner erklärte, er glaube nicht, daß eine türkiſch=rumäniſche
Entente in der Form einer Konvention beſtehe, doch ſei
eine Annäherung zwiſchen beiden Staaten ſicher.
Bul=
garien müſſe Rumänien und der Türkei gegenüber eine
korrekte Haltung einnehmen.
Südafrika.
Eröffnung des Parlaments der Union.
Im Beiſein des Herzogs und der Herzogin von
Con=
naught, der Prinzeſſin Patricia und von Lord und Lady
Gladſtone fand am Freitag die feierliche Eröffnung des
Parlaments der Südafrikaniſchen Union ſtatt. In ſeiner
Eröffnungsrede gab der Herzog von Connaught dem
leb=
haften Bedauern des Königs Georg Ausdruck, daß ihm
nicht das Vergnügen vergönnt ſei, Südafrika zu beſuchen.
Der König wiſſe ſehr wohl, daß das Land ſchmerzliche
Prüfungen durchgemacht habe und Mißverſtändniſſe und
Streitigkeiten Unglück über das Land brachten; aber alles
ſei in der Vergangenheit begraben und friedlich beigelegt.
Der König ſei überzeugt, daß alle Südafrikaner ehrlich an
der Wohlfahrt dieſes großen und ſchönen Landes
mit=
arbeiten wollen. Er rufe die Gnade Gottes an, daß die
Union für alle Zeiten dauernd zum Segen und zur
Wohl=
fahrt, zum Gedeihen Südafrikas und des britiſchen
Rei=
ches beitragen möge.
China.
Das Parlament. Am Freitag wurde ein
kaiſer=
liches Edikt veröffentlicht, wonach die Eröffnung des
Parlaments, das aus zwei Kammern beſtehen ſoll, in drei
Jahren erfolgen wird.
* Berlin, 5. Nov. Als Gäſte des deutſchen
Kaiſerpaares treffen am 6. November der ſchwediſche
Kronprinz Guſtav Adolf und Kronprinzeſſin Margarete
nebſt Kindern in Potsdam ein. Hier bleibt das
Kron=
prinzenpaar, das von London kommt, bis zum 7.
Novem=
ber und reiſt dann nach Stockholm. Der im Jahre 1882
geborene Kronprinz Guſtav Adolf iſt ſeit 1905 verheiratet
und beſitzt jetzt drei Kinder.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 7. November.
— Beſtätigt haben Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog den von dem Fürſten zu Iſenburg und
Büdingen in Birſtein auf die evangeliſche Pfarrſtelle zu
Geinsheim, Dekanat Groß=Gerau, präſentierten
Pfarr=
aſſiſtenten Edwin Marguth zu Oſthofen-Rhein=
Dürk=
heim für dieſe Stelle.
— In den Ruheſtand verſetzt haben Se. Königl.
Hoheit der Großherzog den Oberlehrer an dem
Realgymnaſium und der Oberrealſchule in Gießen
Profeſſor Dr. Bernhard Schädel auf ſein Nachſuchen,
unter Anerkennung ſeiner langjährigen Dienſte.
L. Der Provinzialansſchuß verhandelte am
Sams=
tag unter dem Vorſitze des Provinzialdirektors Fey
öffentlich mehrere Sachen: 1. Georg Ludwig Werle I.
von Viernheim hat Beſchwerde geführt, weil ihm durch
Gemeinderatsbeſchluß der ihm zuſtehende
Losholz=
genuß im Werte von 20 bis 22 Mark jährlich
vorent=
halten wird. Die Gemeinde hat eine Sparkaſſenſchuld
des Werle übernommen, auf welche der Losholzwert
aufgerechnet wurde. Der Kreisausſchuß gab dem
Rechtsmittel ſtatt, weil die Aufrechnung geſetzlich nur
zuläſſig ſei, wenn die Gegenforderung der Gemeinde
von dem Schuldner gerichtlich anerkannt oder geeignet
iſt, im Adminiſtrativverfahren beigetrieben zu
wer=
den; vorausgeſetzt, daß eine Befriedigung aus dem
Vermögen des Schuldners nicht möglich iſt. Die
Ge=
meinde verfolgte gegen dieſe Entſcheidung Rekurs,
weil, wie der Beigeordnete Matthes ausführte, nur
13 Mark Sparkaſſeſchuld in Betracht komme, im
übri=
gen es ſich um rückſtändige Staatsſteuer handele, die
zwangsweiſe beigetrieben werde. Der Rekurs der
Gemeinde wurde für begründet erachtet, das
an=
gefochtene Urteil aufgehoben und Werle zur Zahlung
der Koſten, ſowie einer Gebühr von 1 Mark
ver=
urteilt.
2. Der Kaufmann Jakob Schnauber von
König hat um die Erteilung einer
Legitimations=
urkunde als Reiſender zum Aufſuchen von
Waren=
beſtellungen uſw. nachgeſucht, um ſich ſeinen
Lebens=
unterhalt zu verdienen. Der Kreisausſchuß verhielt
ſich ablehnend, weil der Geſuchſteller am 1. Dezember
1909 eine Gefängnisſtrafe von zehn Monaten wegen
Totſchlagsverſuchs verbüßt hat, mithin ſeit der
Ver=
büßung noch keine drei Jahre verſtrichen ſind. Der
dagegen von Schnauber verfolgte Rekurs mußte
ver=
worfen werden, weil es ſich um eine zwingende
Vor=
ſchrift handelt. Schnauber hat die Koſten, ſowie eine
Gebühr von 1 Mark zu entrichten.
3. Wilhelm Bolz von Schönberg ſtrebt ſchon ſeit
dem Jahre 1899 danach, auf der Auerbacher Höhe,
zwi=
ſchen Schönberg und dem Fürſtenlager, eine Wirtſchaft
zu errichten. Später ſuchte er nur um die Erlaubnis
zu einem Hausbau nach, der ihm geſtattet wurde,
nach=
dem er beſtimmt erklärt hatte, daß eine Wirtſchaft nicht
mehr beabſichtigt ſei. In neuerer Zeit kam er von
dieſer Anſicht zurück und bittet um die Erlaubnis, ein
Café auftun zu dürfen. Der Kreisausſchuß wies ihn
ab; der Provinzialausſchuß, welcher am 16. Juni
be=
reits ſich mit der Sache befaßte, beſchloß, vorerſt
Er=
mittelungen über die Tragweite der von Bolz beim
Hausbau abgegebenen Erklärung, ſowie über die ſchon
vorhandenen benachbarten vorübergehenden Betriebe
vorzunehmen. Einige Zeugen beſtätigen, daß es
be=
ſonders Sonntags wünſchenswert ſei, daß man auf
dem ſchön gelegenen verkehrsreichen Punkt Getränke
und Kaffee erhalte. Heute heiße es: „Auf in die
Berge.” Auch der hieſige Verkehrsverein hat ſich warm
zu. Gunſten des Geſuchs ausgeſprochen. Zur Zeit
ver=
kauft ein Mann aus Schönberg Sonntags im Sommer
in der Nähe Waſſer und Limonade. Einer Erlaubnis
bedarf es nicht, weil er den Betrieb begann, als für
alkoholfreie Getränke noch keine Konzeſſion
erforder=
lich war. Der Vorſitzende ſtellte aus den Akten feſt,
daß Bolz vor Erteilung des Baubeſcheides ausdrücklich
wiederholt verſicherte, daß eine Wirtſchaft nicht
betrie=
ben werden ſolle. Der Vertreter des Kreisamtes
Bensheim, Regierungsrat Löslein, wies auf das nahe
Fürſtenlager hin, wo ausreichend Gelegenheit ſich zu
erfriſchen, geboten ſei. Für das Geſuch läge deshalb
kein Bedürfnis vor; auch beſtänden ernſte Bedenken
wegen der Sitten= und Feuerpolizei. Der Rekurs
wurde als unbegründet verworfen. Bolz hat die
Koſten, ſowie eine Gebühr von 3 Mark zu bezahlen.
4. Der Gemeinderat in Eberſtadt hat die
Aufnahme des Fleiſchbeſchauers Genazino, des
Rech=
ners Schäfer und der Hebammen Haller und Maul in
die Fürſorgekaſſe abgelehnt, welche Entſcheidung der
Kreisausſchuß als irrig aufhob. Die Gemeinde legte
dagegen Rekurs ein, welchen Rechtsanwalt Neuſchäffer
dahin begründete, daß es ſich weder um
Gemeinde=
beamte und =Bedienſtete handle, noch um wandelbare
Bezüge, die auf Grund eines dreijährigen
Durchſchnit=
tes auszumitteln ſeien. Die Bezüge fließen nämlich
nicht aus der Gemeindekaſſe, ſondern werden von
Pri=
vaten bezahlt. Das Erkenntnis ſoll am nächſten
Frei=
tag verkündigt werden.
* Wichtige Entſcheidung. Eine für Päter
unehe=
licher Kinder wichtige Entſcheidung fällte das hieſige
Oberlandesgericht in den letzten Tagen. Der § 361,
Ziffer 10 des R.=St.=G. droht demjenigen eine
Haft=
ſtrafe an, der ſich der Unterhaltspflicht als Ernährer
entzieht, obſchon er in der Lage iſt, diejenigen zu
unter=
halten, zu deren Ernährung er verpflichtet iſt. Es
handelte ſich um die ſehr wichtige Frage, ob dieſe
Straf=
beſtimmung auch auf Väter unehelicher Kinder
anzu=
wenden iſt. Ein hieſiger Schneidergehilfe war zur
Unterhaltung ſeines unehelichen Kindes durch Zahlung
Fritz Reuter.
Zu ſeinem 100. Geburtstag.
Skizze von Walter Behrend.
B. Am 7. November feiert das deutſche Volk den 100.
Geburtstag ſeines größten Humoriſten, des
Dialektdich=
ters Fritz Reuter, deſſen Ruhm und Popularität ſeit
lan=
gem über das Gebiet der plattdeutſchen Zunge
hinausge=
drungen ſind. Nicht nur der Niederdeutſche, beſonders
der Mecklenburger, iſt heute ſtolz auf die überragende
Er=
ſcheinung dieſes Dichters, Deutſchland überhaupt hat ihm
einen Ehrenplatz unter den größten künſtleriſchen
Erſchei=
nungen der Nation eingeräumt. Jeder Deutſche, der die
koſtbaren, unvergänglichen Werke Fritz Reuters geleſen
hat, wird ſich heute dankbar an die Stunden prachtvollſten
Humors erinnern, die ihm dieſer einzigartige Poet
ge=
ſchenkt hat — Stunden der Sonne, der hellſten, lachenden
Sonne, der Befreiung von aller=Lebensfinſternis.
Die Niederdeutſchen ſind ein Volk des derbſten,
maſ=
ſivſten Humors. Nur aus ihrer Mitte konnte der Dickens
unſerer Nation, ein Komiker von derart ſiegender,
leuch=
tender Kraft hervorgehen, wie es Fritz Reuter iſt. Er
verfügte über die Linien unwiderſtehlicher Groteske, einer
Karikatur, deren ſcharfer, meiſterhafter Umriß den
Fi=
guren ſeiner Phantaſie nichts von ihrem harmloſen,
rei=
nen, innerlichen Menſchentum nahm. Deshalb ſind ſie
auch im wahrſten Sinne des Wortes volkstümlich
gewor=
den, jene unſterblichen Geſtalten, ſtrahlenden
Phyſiog=
nomien, die in der Sicherheit der Charakteriſtik, in der
Treffſicherheit der breiten, behäbigen Draſtik nicht mehr
überboten werden können: Onkel Bräſig, der ewige
In=
ſpektor, Hanne Nüte, Fritz Triddelfritz, Mamſell
Weſt=
phal und viele andere noch. Plaſtiſch, wie das Leben
ſelbſt, ſtehen ſie dor uns.
Ueber dem Leben Fritz Reuters, des ſonnenfroheſten
aller Humoriſten, haben am Anfang dunkle Sturmwolken
geſchwebt. Schwer hatte der Dichter zu kämpfen, bis er
durchdrang, ein ruhiger Lebensabend ihm winkte. Er
wurde am 7. November 1810 in dem mecklenburgiſchen
Städtchen Stavenhagen, dem ſein unvergeßlicher Vater
als Bürgermeiſter vorſtand, geboren. Früh regte ſich in
ihm der Dichter. Schon als Gymnaſiaſt verſuchte er ſich in
witzigen hochdeutſchen Hexametern.
Nachdem er am 8. Oktober 1830 das
Abiturienten=
eramen mit Not beſtanden hatte, überſiedelte er nach
Roſtock, um auf der dortigen Univerſität Jurisprudenz
zu ſtudieren. Er vernachläſſigte jedoch ſein Studium:
Roſtock wäß für ihn ein „Dahlſprung‟ Deshalb zog er
bald nach Jena, was ſein Verhängnis werden ſollte. Er
wurde hier unglücklicherweiſe — es war im Jahre 1833 —
Mitglied einer Burſchenſchaft, die wüſte Exzeſſe verübte,
an denen ſich auch Fritz Reuter beteiligt haben ſoll. Neue
Kataſtrophen ereigneten ſich: in Frankfurt a. M. wurde
ein Sturm auf die Hauptwache verübt, der zur Befreiung
einiger politiſcher Gefangener führte. Unter den
Tumul=
tuanten wurden auch einige Jenenſer Burſchenſchafter
ge=
ſehen — und bald ereilte den Dichter das Verhängnis.
Am 31. Oktober 1833 wurde Fritz Reuter verhaftet und
nun von Feſtung zu Feſtung, gleichſam als Hochverräter,
geſchleppt. Im Grunde war er vollkommen unſchuldig.
Trotzdem wurde über ihn die Todesſtrafe verhängt, die
indeſſen wieder in 30jährige Feſtungshaft umgewandelt
wurde. Die Qualen, die er, der Gebrandmarkte, auf den
Feſtungen ausgeſtanden hat, hat er in ſeinem herrlichen
Buch — das trotzdem humorvoll erhellt iſt — „Ut mine
Feſtungstid” geſchildert. Acht Jahre blieb der „
Dema=
goge” Gefangener, dann ſchlug ihm auf Dömitz die Stunde
der Befreiung. Dreißig Jahre war er alt, als er aus
den kalten Mauern des Gefängniſſes entlaſſen wurde —
augenſcheinlich ein für alle Zeiten Zerſtörter, ein
inner=
lich Zerrütteter, von der Wekt Verachteter, der nun in den
erſchütternden Ruf ausbricht: „Frei! Oewer ok
ſplitter=
fadennakt, un ſo ſüll ik ’rinne in de Welt!” Aber es
ſollte anders kommen: Fritz Reuter ſollte zum Ruhm
aufſteigen.
Den Plan, Juriſt zu werden, gab er bald nach ſeiner
Freilaſſung auf. Niedergeſchlagen ſchrieb er: „Wat was
ik? Wat wüßt ik? Wat kunn ik? — Nicks! — Wat hadd
ik mit de Welt tau dauhn? Rein gor nicks. — De Welt
was ehren ollen ſchweinen Gang ruhig wider gahn, ahn
dat ik ehr fehlt hadd; üm ehrentwillen kunn ik noch ümmer
furt ſitten un — as ik ſo unner den Dannenbuſch ſatt — för
meinetwegen ok.‟ Dann raffte ſich Reuter aus ſeiner
Ver=
zweiflung auf. Er beſchloß, Landwirt zu werden. 1842
fand er eine Anſtellung, und zwar auf dem im Amte
Sta=
venhagen gelegenen Gute Demzin. Dort begann er als
Volontär zu wirtſchaften. Bald faßte er auch wieder
neuen Lebensmut, verlobte ſich ſogar in einigen Jahren,
im Mai 1847. Die Auserwählte hieß Luiſe Kuntze, in
der er eine Idealgattin gewann. Von nun ab fingen
wahre Glückszeiten für den Dichter an, indem ſich jetzt
die poetiſche Ader wirklich zu rühren begann. Die
„Läuſchen un Rimels”, jene köſtlichen Gedichte, entſtanden
— unter dem Motto:
Wer’t mag, de mag’t;
Un werkt nich mag,
De mag’t jo woll nich moegen.
Reuter ſuhr fort in der Art dieſer launigen,
anekdoti=
ſchen Gedichte. Er ſchrieb die poetiſche Erzählung „De
Reiſ” nah Belligen” die im Jahre 1855 veröffentlicht
wurde und ſofort vielen Beifall fand. Aber er gab ſich
nicht nur als Humoriſt: auch die Tragödie lag ihm; er
ſchuf das erſchütternde ſoziale Epos aus dem Junkertum
und Tagelöhnerſtande „Kein Hüſung” Von dieſem
ge=
waltigen Werk, dem bedeutendſten Monument des
nieder=
deutſchen Schrifttums, ſagt der bekannte Reuterforſcher
Karl Th. Gaedertz: „Mit ſeinem Herzblut im Intereſſe
der leidenden Menſchheit ſchrieb er das Buch, er hielt es
zeitlebens für ſein beſtes.”
Schöpfung auf Schöpfung geht jetzt aus Reuters Hand
hervor. Er ſchreibt „Olle Kamellen” die humoriſtiſchen
Proſa=Erzählungen, die ſeinen Weltruhm begründeten,
ſchreibt ſeine „Hanne Nüte”, jene entzückende Vogel= und
Menſchengeſchichte. Die „Franzoſentid” erſcheint 1859.
Sie ſoll eine „luſtige Geſchichte” ſein, aber hinter ihrem
goldenen Humor ſpannt ſich die Welthiſtorie auf, die
napo=
leoniſche Zeit. Die Troſtloſigkeit, der Jammer der
deut=
ſchen Zuſtände ſchreit zugleich in dieſem Buch auf. Und
weiterhin ſchreibt der unermüdlich Schaffende die „Reiſ'
nah Konſtantinopel” und das amüſante Kulturbild aus
dem mecklenburgiſchen Rokoko „Dörchläuchting” ein
prachtvolles Kabinettſtück.
Am 12. Juli 1874 ſtarb Fritz Reuter zu Eiſenach, wo
er zuletzt ein ruhiges, idylliſches Leben mit ſeiner Gattin
geführt hat. Auf ſeinem Sterbebette erſchien ihm noch
einmal, bevor er verſchied, ſein prachtvoller Onkel Bräſig,
ſeine köſtlichſte Geſtalt, die ihm der Fieberwahn
vorſpie=
gelte. Eine Herzlähmung raffte den ſonnigen, großen
Menſchen hinweg, der nach vielen Qualen einen
ehren=
reichen Lebensabend fand. Das große Gelächter, das er
einſt angeſtimmt hat, wird ſein Echo durch die
Jahrhun=
derte werfen.
Nummer 261.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 7. November 1910.
Seite 3.
einer monatlichen Geldrente von 20 Mark verurteilt
worden. Der von der ſtädtiſchen Berufsvormundſchaft
veranlaßten Lohnpfändung entzog er ſich dadurch, daß
er ſeine mit gutem Verdienſt innegehabte Arbeitsſtelle
aufgab und dann nur ſo viel arbeitete, als er für ſich Willy Merck, Stellvertreter des Vorſitzenden;
Ober=
gebrauchte. Auf den gegen ihn ergangenen
Straf=
befehl in Höhe von einer Woche Haft erhob er
Ein=
ſpruch, der zur Folge hatte, daß die Strafe vom Schöf=
Seine bei der Strafkammer eingelegte Berufung wurde
verworfen. Die Verteidigung hatte eingewendet, daß
die Strafbeſtimmung auf Väter unehelicher Kinder
nicht anwendbar ſei, da dieſe nur eine
Unterhaltungs=
pflicht hätten im Gegenſatz zu den Vätern ehelicher
Kinder, denen ausdrücklich die Pflicht der Ernährung
obliege. Sie ſtützte ſich dabei auf eine Entſcheidung des
preußiſchen Kammergerichts, in der es heißt, daß nach
der ganzen Entſtehung des § 361 des Strafgeſetzes dieſe
Strafbeſtimmung für die Pflichtverletzung von Vätern
unehelicher Kinder nicht herangezogen werden könne.
Auch die weiter verfolgte Reviſion beim
Oberlandes=
gericht hatte nicht den gewünſchten Erfolg. Dieſes hat
jetzt im Einklang mit einer Reihe anderer
Oberlandes=
gerichte entſchieden, daß die Strafbeſtimmung des § 361,
Ziffer 10 auch auf Väter unehelicher Kinder
anwend=
durch nach wie vor ein wirkſames Mittel in die Hand
gegeben, ſäumigen Kindesvätern die Erfüllung ihrer
Unterhaltsverpflichtungen zum Bewußtſein zu bringen.
Perſonalnachrichten der Ober=Poſtdirektion
Darmſtadt. Verliehen wurde anläßlich der
An=
weſenheit Seiner Majeſtät des Kaiſers von Rußland
in Friedberg (Heſſen): der St. Annen=Orden 3. Klaſſe
dem Poſtinſpektor Friſch, der St. Stanislaus=Orden
3. Klaſſe dem Telegraphenſekretär Fink, die ſilberne
Medaille zum St. Stanislaus=Orden dem Ober=
Leit=
ungsaufſeher Dahmer, dem Ober=Poſtſchaffner
Ruckels=
hauß, den Poſtſchaffnern Rau, Fiſcher und Henrich. —
Beſtanden haben die Poſtſekretärprüfung: der
Poſt=
aſſiſtent Wirth in Mainz; die Poſtaſſiſtentenprüfung:
die Poſtgehilfen Wagner in Höchſt (Odenwald), Stauth
in Mainz, Pſeifer in Gau=Algesheim (Kr. Bingen),
Geßner in Jugenheim (Bergſtr.), Freitag in Nierſtein,
Gröger in Darmſtadt, Geißler in Niederolm und Wahl
in Guntersblum; die Telegraphenaſſiſtentenprüfung:
die Telegraphengehilfen Krämer in Darmſtadt und
Walcker in Mainz. — Verſetzt wurden die
Telegra=
phenaſſiſtenten Fauſt von Mainz und Hechler von
Worms nach Bochum und der Ober=Poſtaſſiſtent Gernet
von Berlin nach Mainz. — Angenommen ſind als
Telegraphenanwärter: der Wachtmeiſter Günther in
Offenbach (Main), als Poſtagent: der Lehrer a. D.
Weber in Buchſchlag (Kr. Offenbach). — Freiwillig
ausgeſchieden iſt die Poſtagentin Herold in
Buch=
ſchlag (Kr. Offenbach). — Entlaſſen wurde die
Tele=
graphengehilfin Metzger in Offenbach (Main),
krank=
heitshalber.
— Zur Stadtverordneten=Wahl. Die
Wahlhand=
lung dauert von vormittags 9 Uhr bis abends 6 Uhr
ununterbrochen an.
— Die Kunſthalle, in der z. Zt. Gemälde uſw. der
jüngeren Baſeler, ſowie der Maler Bader, Kröh und
Weyl ausgeſtellt ſind, iſt geöffnet Sonntags von
10—4 Uhr, Werktags von 11—4 Uhr.
— Hanſabund. In der letzten Sitzung des
geſchäfts=
führenden Ausſchuſſes der Bezirksgruppe Darmſtadt des
Hanſabundes iſt an Stelle des verſtorbenen Herrn Georg
Engelhard Herr Hans Tölke zum Vertreter der
Ange=
ſtellten im Präſidium der Bezirksgruppe gewählt worden.
Herr H. Ullrich iſt als Vertreter der Darmſtädter
Bank=
beamten in den geſchäftsführenden Ausſchuß gewählt
wor=
den. Weiter wurde beſchloſſen, die ſchon ſeit längerer Zeit
in Ausſicht genommene öffentliche Verſammlung des
Hanſabundes nunmehr an einem Sonntag nachmittag
um hierdurch auch der Landbebölkerung Gelegenheit zum
Beſuche derſelben zu geben, Mitte oder in der zweiten
Hälfte des Januar 1911 ſtattfinden zu laſſen. Der
Haupt=
redner in dieſer Verſammlung wird Herr Schriftſteller
Brandt aus Berlin ſein.
— Der Vorſtand des Feſthaus=Vereins Darmſtadt
hielt Freitag abend ſeine zweite Vorſtandsſitzung ab.
Die in der letzten Sitzung gewählten Herren: Profeſſor
Burmeſter, Provinzialdirektor Fey, Geh.
Oberfinanz=
rat Dr. Fuchs, Generalmajor Freiherr von Heyl,
Ge=
neralſtaatsanwalt Dr. Preetorius und Geheimerat Dr.
Weber haben die Wahl in liebenswürdiger Weiſe
an=
genommen. Es konnte u. a. mitgeteilt werden, daß
für den laufenden Winter mehrere muſikaliſche
Ver=
anſtaltungen erſten Ranges zum Beſten des
Feſthaus=
fonds in Ausſicht ſtehen. Ein öffentlicher Aufruf zum
Beitritt zum Verein ſoll in den nächſten Tagen in den! vereins geſchehen.
Z e en geegeaht
hieſigen Tageszeitungen erſcheinen. Im Anſchluß an
dieſe Sitzung fand die konſtituierende Sitzung des
Ver=
waltungsbeirats ſtatt, der zurzeit ſich folgendermaßen
zuſammenſetzt: Geheimerat Römheld, Vorſitzender; Dr.
bibliothekar Dr. Voltz, Schriftführer; Hofſekretär Engel,
Stellvertreter des Schriſtführers; Regierungsrat
Ba=
ſtian, Stadtverordneter Ingenieur Markwort,
Stadt=
fengericht auf zwei Wochen Haft erhöht wurde.f verordneter Dr. Nöllner und Eiſenbahninſpektor a. D.
Scheyrer, Beiſitzer. Allen denjenigen Vereinen, die
einen Jahresbeitrag von 100 Mark zeichnen, ſteht das
Recht zu, ihrerſeits einen Vertreter in den
Verwalt=
ungsbeirat zu ſenden. Zunächſt werden der
Muſikver=
ein und der Richard Wagner=Verein in der Lage ſein,
von dieſem Rechte Gebrauch zu machen.
— Heſſiſcher Diakonieverein. Dadurch, daß Herrn
Pfarrer Rehwald=Darmſtadt die evangeliſche
Pfarr=
ſtelle zu Heppenheim übertragen worden iſt, verliert
der Heſſiſche Diakonieverein leider ſeinen
Vereinsgeiſt=
lichen. Dieſer Verluſt iſt umſo bedauerlicher, weil
Herr Pfarrer Rehwald als Vereinsgeiſtlicher zugleich
auch der Geſchäftsführer des Vereins war, und ein
Wechſel in der Leitung ſich für einen noch ſo jungen
Verein recht fühlbar machen wird. Herr Pfarrer
Reh=
wald war in ſeiner ſeitherigen, ſehr ſchwierigen und
bar ſei. Der ſtädtiſchen Berufsvormundſchaft iſt da= arbeitsreichen Stellung nur wenig über ein Jahr tätig;
in dieſer kurzen Zeit hat er aber dem Verein durch
ſeine treue, hingebende Arbeit ſehr wertvolle Dienſte
geleiſtet. Die von ihm geſammelten Erfahrungen
wer=
den dem Verein auch fernerhin zugute kommen; denn
Herr Pfarrer Rehwald hat nicht allein die Zuſicherung
gegeben, die Leitung der Geſchäfte noch einige Zeit von
Heppenheim aus weiter beſorgen zu wollen, ſondern
auch die Abſicht, auch dann noch, wenn für ihn ein
Nach=
folger gefunden worden iſt, dem Verein nach Kräften
zu dienen. Aufgabe des Vereinsvorſtandes wird es
ſein, baldigſt für Herrn Pfarrer Rehwald Erſatz zu
ſchaffen, denn die verſchiedenen Anſtalten des Vereins
und ſeine 77 Schweſtern, von denen 48 im Städtiſchen
Krankenhauſe zu Darmſtadt, 16 im Krankenhauſe in
Hamburg, 3 in der Privatpflege, 6 im
Gemeindepflege=
ſeminar und 4 im Lande tätig ſind, können des
einigen=
den Leiters und Mittelpunktes nicht entbehren.
* Die Freie Studentenſchaft Darmſtadt hielt am
Freitag nachmittag ihre erſte Hauptverſammlung in
dieſem Semeſter ab. Die wichtigſten Punkte der
Tages=
ordnung waren die Neuwahlen der Abgeordneten, die
Ergänzungswahlen für den Ausſchuß der Freien
Stu=
dentenſchaft und ein Referat: „Studentiſches
Diszipli=
narrecht” Zu Abgeordneten wurden 17 Herren
ge=
wählt und in den Ausſchuß die Herren Stud.
Door=
mann und Botſch. In ſeinem Referate legte Herr
Stud. Moller die Notwendigkeit einer Reform der
Disziplinargeſetzgebung für Studierende dar, ein
Thema, mit dem ſich am heutigen Tage
Studentenver=
ſammlungen an faſt allen Hochſchulen und
Univerſi=
täten beſchäftigten. Es wurde dann eine Reſolution
angenommen und beſchloſſen, das Ergebnis telegraphiſch
nach Berlin zu berichten, wo im Laufe des Abends ſich
ebenfalls eine große Akademikerverſammlung, auf der
verſchiedene Abgeordnete als Redner auftraten, mit
demſelben Thema beſchäftigte.
Die Reſolution hat folgenden Wortlaut: Die
am 4. November 1910 in Darmſtadt gleichzeitig mit den
Kommilitonen in Berlin, Bonn, Breslau,
Braun=
ſchweig. Danzig, Eiſenach, Göttingen, Greifswald, Halle,
Heidelberg, Kiel, Königsberg, Leipzig, Marburg,
Mün=
chen und Stuttgart verſammelten Freiſtüdenten ſind
der Anſicht, daß die Disziplinarvorſchriften für
Stu=
dierende einer grundlegenden Reform bedürfen. Sie
erwarten, daß insbeſondere die Beſtimmungen über
das Studentiſche Vereins= und Verſammlungsrecht
eine Neugeſtaltung nach Maßgabe der allgemeinen
Reichsgeſetzgebung erfahren werden. Die
Verſamm=
lung wünſcht endlich eine im Geiſte einheitliche
Regel=
ung des Studentenrechtes in allen deutſchen Staaten.
* Sonderzug. Samstag, den 26. November, mittags
1 Uhr, wird im Zirkus Buſch in Berlin von dem
Verband Deutſcher Hausbeſitzer (über 160000
Mitglie=
der) eine Proteſtverſammlung gegen die geplante
Reichswertzuwachsſteuer abgehalten. Den Vorſitz wird
der kürzlich auch vom Staatsſekretär wegen dieſer
Frage empfangene Herr Juſtizrat Dr. Baumert
füh=
ren. Aus vielen deutſchen Städten ſind Sonderzüge
geplant. So ſoll auch ein Sonderzug am 24. oder 25.
November von Frankfurt a. M. fahren, an dem ſich die
Hausbeſitzer von Frankfurt, Mainz, Wiesbaden,
Mann=
heim und Darmſtadt beteiligen wollen. Anmeldungen
zu dem Sonderzug müſſen bis längſtens Mittwoch, den
9. November an die Geſchäftsſtelle des Hausbeſitzer=
C. Proteſtverſammlung. Man ſchreibt uns: Die
hieſige Sektion des Volksvereins für das katholiſche
Deutſchland veranſtaltete am Freitag im
Konkordia=
ſaale eine ſehr ſtark beſuchte Proteſtverſammlung gegen
die Angriffe des römiſchen Bürgermeiſters Nathan
gegen das Papſttum. Nach einleitenden Worten des
Geſchäftsführers Herrn Dr. Kocks warf Herr Dr.
Meffert von der Gladbacher Zentrale einen
geſchicht=
lichen Rückblick auf die Entwickelung des modernen
Italiens, deſſen gegenſätzliche Stellung zum Papſttum
trotz des Garantiengeſetzes die gleiche geblieben ſei.
Redner kritiſierte aufs ſchärfſte die bekannte Rede des
Sindaco Nathan, ſtellte den wahren Sinn des
Unfehl=
barkeitsdogmas feſt und wies an der Hand der
Ge=
ſchichte auf die Verdienſte des Papſttums um die
Wiſ=
ſenſchaft und Kultur hin. Mit der Aufforderung, Papſt
und Kirche die Treue zu bewahren, ſchloß die
andert=
halbſtündige, von ſtürmiſchem Beifall begleitete Rede.
Herr Pfarrer Fink ſprach Worte des Dankes und
ver=
las ein Ergebenheitstelegramm an den Papſt, das
ein=
ſtimmige Annahme fand.
— Der Frauenverein des Allg. Evang.=Proteſt.
Miſſionsvereins wird am Dienstag, den 8. November,
bei Frau Oberhofprediger Ehrhardt von morgens 9
bis abends 6 Uhr die Gewinne zu ſeiner Verloſung
ausſtellen, worauf wir Intereſſenten aufmerkſam machen.
— Ortsgewerbeverein. Der für kommenden
Freitag angeſagte Vortrag des Herrn Profeſſor
Brock=
mann aus Offenbach über „Die Weltausſtellung
zu Brüſſel” iſt um einige Tage verſchoben
worden.
**: Die Elizabeth Duncan=Schule wird ihr
neues, für 50 Kinder eingerichtetes Inſtitut auf der
Marienhöhe am 1. Juli 1911 eröffnen.
— Ueber die Tätigkeit der Arbeitsnachweisſtelle
im ſtädtiſchen Hauſe Waldſtraße 6 (Telephon 371) werden
für den Monat Oktober folgende Zahlen mitgeteilt:
568 offene Stellen, 1252 Arbeitſuchende, 473
Ver=
mittelungen, darunter 103 Dienſtboten. Die Zahl der
Vermittelungen iſt im Grunde genommen eine weſentlich
höhere, jedoch iſt der Arbeitsnachweis häufig nicht in
der Lage, die in Wirklichkeit vermittelte Stelle als ſolche
zu buchen. Leider ſenden die Herren Arbeitgeber die
Zuweiſungskarten nicht immer zurück, und beeinträchtigen
dadurch die Kontrolle.
— Zahnärztliche Poliklinik für die
Volksſchul=
kinder der Haupt= und Reſidenzſtadt Darmſtadt. Im
Monat Oktober 1910 wurden bebandelt 324 Kinder
(179 Mädchen, 145 Knaben) mit 504 Konſultationen.
Gefüllt wurden 522 Zähne, ausgezogen wurden 148
Zähne (125 Milchzähne, 23 bleibende Zähne). Zahl der
Tage, an denen Sprechſtunden abgehalten wurden: 26.
— Adreßbuch. Die Druckbogen Nr. 12 und 13 des
1911er Adreßbuches, enthaltend Einwohnerregiſter .
Poth, Andreas dis Schneider, Georg — liegen im
Haupt=
meldebureau, Hügelſtraße Nr. 31/33, Zimmer Nr. 13,
während der Bureauſtunden (8 bis 12 Uhr vormittags
und 2 bis 6 Uhr nachmittags) bis zum 10. November
vormittags zur Einſichtnahme offen.
Geflügel=Ausſtellung. Im Saale der „Stadt
Pfungſtadt” wurde am Samstag mittag 12 Uhr die
XII. Geflügel= und Vogel=Ausſtellung des
Vereins für Geflügel= und Vogelzucht „Ornis” eröffnet.
Die Ausſtellung iſt, obwohl als Ausſteller nur
Vereins=
mitglieder zugelaſſen ſind, außerordentlich reich beſchickt
und faſt durchweg mit ganz hervorragendem Material.
Die Tiere, vornehmlich Nutzgeflügel aller Art, ſind in
hübſchen, ſauberen und geſunden Käfigen untergebracht
und das Ganze iſt in durchaus ſachgemäßer Weiſe
arran=
giert und mit Blumen und Blattpflanzen hübſch dekoriert,
ſo daß das Bild, das die Ausſtellung bietet, in jeder
Be=
ziehung abgeſchloſſen und fertig iſt, trotz der umfangreichen
Vorbereitungen, die erforderlich waren. Der Katalog
um=
faßt nicht weniger als 354 Nummern, darunter 164
Hüh=
ner: Cochin, Brahma, Plymouth=Rocks, Langſhan,
Or=
pington, Wyandottes, Faverolles, La Flèche, Rohde
Island, Kämpfer, Malaien, Jokohama, Sumatra, Phönix,
Paduaner, Holländer, Minorka, Andaluſier, Italiener,
Hamburger, Brackel, Rammelsloher, Zwerghühner,
ver=
ſchiedene Raſſen, Japaneſen, Sebright und Bantam. Faſt
ebenſo reichhaltig ſind die Taubenraſſen ausgeſtellt,
beſon=
ders ſind engliſche Kröpfer und Brieftauben in ganz
her=
vorragenden Exemplaren vertreten. Ferner ſind
ausge=
ſtellt Puten, Gänſe, Enten, Sing= und Ziervögel und
Futterartikel. In üblicher Weiſe iſt mit der Ausſtellung
eine Prämiierung verbunden, ebenſo eine
Ver=
loſung, für die wertvolle Preiſe vorhanden ſind.
— Die Gewinner von Gegenſtänden der
Darm=
ſtädter Herbſtpferdemarkt=Lotterie werden hiermit
darauf aufmerkſam gemacht, daß die bis zum 10.
No=
vember, mittags 12 Uhr, nicht abgeforderten Gewinne
Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
* Studentinnen und Kommersfeiern.
In einem Epilog über das Berliner Univerſitäts=
Jubi=
läum, den Profeſſor Hans Delbrück im Novemberheft
der „Preußiſchen Jahrbücher” veröffentlicht, wendet ſich
der Verfaſſer, der ſonſt grundſätzlich für die Zulaſſung
der Frauen in die Hörſäle der Univerſität eintritt,
ent=
ſchieden gegen die Teilnahme der Studentinnen an
dem großen Kommers. Er findet darin (wir ſind in
dieſem Falle ganz der Anſicht des Herrn Profeſſors)
ein wenig erfreuliches Symptom der
modernen Frauenbildung und ſchreibt
dar=
über wörtlich: „Schon die Beteiligung an dem
Fackel=
zug war recht unſchön: der Student zieht beim
Fackel=
zug ſeinen ſchlechteſten Rock an oder kehrt ihn gar um,
um ihn zu ſchonen — ein Mädchen, das ſich mit Abſicht
ſchlecht anzieht, vergibt ihrem Geſchlecht etwas, und der
Anblick, der von dem Publikum mit ironiſchem Jubel
aufgenommen wurde, ſoll auch recht abſchreckend
ge=
weſen ſein. Schließlich gibt es dabei auch leicht kleine
Zuſammenſtöße mit dem Janhagel, denen die Tochter
eines guten Hauſes ſich nicht freiwillig ausſetzt. Nun
aber gar die Beteiligung an dem Kommers: mitten
unter den Tiſchen mit Studenten ein Tiſch mit Damen
vor Bierſeideln. Der Kommers gehört wohl zum
Stu=
denten, aber doch wohl nicht zum Studium. Zum
Kom=
mers gehören Biertrinken und Rauchen, und zum
Schluß iſt es unvermeidlich, daß auch manche des Guten
etwas zu viel tun; „wer niemals einen Rauſch gehabt,
der iſt kein braver Mann”. Schickt es ſich, daß unſere
jungen Damen ſich dazwiſchen bewegen? Es dauerte
auch nicht ſehr lange, ſo ſaßen viele nicht mehr an ihrem
Tiſch, ſondern allenthalben zwiſchen den Herren. Auf
einem Ball ſehr hübſch, aber nicht auf einem Kommers
— weder für die Damen, noch für die Herren. „Der
Gott, der Eiſen wachſen ließ” wurde geſungen, die
herrliche Hymne, aber wo ſoll die getragene Stimmung
herkommen, wenn es von Frauenzimmern geſungen
wird? Das iſt Parodie und muß in Parodie enden.
Ich habe ſchon fragen hören, ob der Damentiſch ſinge:
„irgines dum sumus‟. Oder ob, wenn das ſchöne Lied
ſteigt „Der Papſt lebt herrlich in der Welt”, bunte
Reihe gemacht wird. Der deutſche Studentenkommers
iſt einzig durch ſeine Vereinigung von Ernſt und
Aus=
gelaſſenheit, Studentinnen, die ihn beſuchen, verderben
den Kommers, beläſtigen die Studenten und
erniedri=
gen ſich ſelbſt. Ich hoffe, daß die Studentinnen das
künftig ſelber einſehen, und wenn nicht, daß unſere
Studentenſchaft die Entſchloſſenheit haben wird, den
Unfug nicht wieder zuzulaſſen. Man mag es für den
erfreulichſten Fortſchritt halten, daß den Frauen die
Hörſäle geöffnet ſind, aber auf den Kommers gehören
ſie ſo wenig wie auf die Menſur. Vielleicht wird man
finden, daß ich die kleine Verirrung zu wichtig
ge=
nommen habe. Aber iſt ſchon für den Mann Takt und
Geſchmack ebenſo wichtig wie gelehrtes Wiſſen, ſo iſt
bei der Frau ein Verſtoß gegen Takt und Geſchmack
durch noch ſo viel gelehrtes Wiſſen nicht aufzuwiegen.
Jedes Symptom, das darauf hindeutet, daß das
Uni=
verſitätsſtudium die Frauen in ihrer Weiblichkeit
ſchä=
dige, iſt daher vor die Oeffentlichkeit zu bringen und
zu bekämpfen.”
* Spielplan des Großh. Hof= und
Natio=
nal=Theaters Mannheim. Montag, 7. Nov.:
„Kyritz=Pyritz‟ Dienstag, B. Nov.: „Des Pfarrers
Tochter von Streladorf”. Mittwoch, 9. Nov.: „
Zigeu=
nerliebe‟ Donnerstag, 10. Nov.: „Maria Stuart”
Freitag, 11. Nov.: „Der Muſikant”. Samstag, 12. Nov.:
„Tannhäuſer”. Sonntag, 13. Nov.: „Wallenſtein”.
Kleines Fenilleton.
— Ein Vermögen in
Krönungsmän=
teln. Der engliſche Oberhofmarſchall hat jetzt den
Peers des vereinigten Königreiches und ihren
Ge=
mahlinnen die offizielle Ankündigung zugehen laſſen,
die die hohen Adelsträger Englands feierlich zur
Krö=
nung König Georgs nach London enthietet. Die
Mit=
teilung gibt auch die genaue Vorſchrift der Tracht, die
anzulegen iſt und auf dies Signal hin hat in den
gro=
ßen engliſchen Modehäufern ſofort eine fieberhafte
Tätigkeit eingeſetzt. Denn die Gemahlinnen der Peers
von England erſcheinen alle in den traditionellen,
gro=
ßen roten Krönungsmänteln; nur das koſtbarſte
Ma=
terial an Samt wird dazu vevarbeitet und für Stoff
und Stickerei wird insgeſamt ein Rieſenvermögen
auf=
gewendet werden. Der Samt zu den Roben muß
be=
ſonders ſorgſam hergeſtellt werden, er kommt aus Lyon,
und die großen Seidenwebereien haben bereits die
erſten Aufträge empfangen. Denn das Rot iſt genau
vorgeſchrieben, der Farbton iſt ſelten und der
Färbe=
prozeß erfordert viel Zeit und große Mühe. Wenn
auch Schnitt und Größe der Mäntel durch, die
Jahr=
hunderte alte Tradition feſtſtehen, bietet doch die
Sei=
denſtickerei die Möglichkeit einer individuellen
Betätig=
ung des Geſchmacks und alles weiſt darauf hin, daß bei
der kommenden Krönung König Georgs ſo prunkvolle
Gewänder getragen werden, wie nie zuvor bei einer
engliſchen Königskrönung. Die Stickereien werden
reicher und koſtbarer ſein, und um die gewaltige
Ar=
beit zu bewältigen, haben die großen Modehäuſer
be=
ſondere Arbeitsräume eingerichtet, in denen nur
Krö=
nungsmäntel hergeſtellt werden. Je nach der Art und
dem Reichtum der Stickerei wird für einen ſolchen
leuchtenden, roten Ueberwurf eine Summe von 1200
bis 3000 Mark angelegt.
* Automobil und Hühnerhof. Der
Gau=
lois berichtet über einen — offenbar hübſch erdichteten
— Prozeß vor einem Gerichtshof der franzöſiſchen
Provinz, in deſſen Verlauf der ſtaunenden Mitwelt ein
eigenartiger Blick in das ſchlaue Gebaren eines
länd=
lichen Hühnerhöflers geöffnet wurde. Der brave
Mann war in der Nähe einer Landſtraße begütert, auf
der ſich ein reger Automobilverkehr entwickelte. Eines
Tages überfuhr ein dahinſauſender Motoriſt eines
ſeiner Preishühner. Der Sportsmann zahlte dem
Ge=
ſchädigten, um Aufſehen zu vermeiden, gern einen
doppelten Preis als Schadenerſatz für die getötete
Henne, um weiteren Scherereien zu entgeben. Dieſer
Vorfall regte den ſchlummernden Unternehmungsgeiſt
des Hühnerzüchters gewaltig an. Er ſchaffte ſich eine
Automobilhupe an und gewöhnte ſeine Hühner bald
Seite 4.
E
mſtädter Tagblatt, Montag, den 7. November 1910.
verfallen ſind. Baldige Abholung iſt daher
em=
pfehlenswert.
— Stand der Darmſtädter Volksbank, e. G. m. b. H.,
am 31. Oktober 1910. Aktiva. Kaſſa=Konto u. Guthaben
auf Reichsbank=Giro= u. Poſtſcheck=Konto 69815 M. 01 Pf.
Coupons= u. Sorten=Konto 23981 M. 22 Pf. Bankverkehr=
Konto 474937 M. 95 Pf. Effekten=Konto 511004 M. 55 Pf.
Lombard=Konto 400 961 M. 28 Pf. Wechſel= u. Deviſen=
Konto 360819 M. 55 Pf. Konto=Korrent=Konto 2999337 M.
50 Pf. Vorſchuß= u. Vorſchuß=Wechſel=Konto 729969 M.
54 Pf. Haus=Konto und Immobilien=Konto 285331 M.
34 Pf. Mobilien=Kontö 2434 M. — Pf. Schrankfächer=
Konto 1 M. — Pf. Haus= u. Immobilien=
Unterhaltungs=
koſten=Konto 2690 M. 53 Pf. Verwaltungskoſten=Konto
50136 M. 47 Pf. — Paſſiva. Geſchäftsanteil=Konto
1502006 M. 19 Pf. Reſervefonds=Konto I u. II 371150 M.
48 Pf. Delkredere=Konto 50000 M. — Pf. Penſions= u.
Unterſtützungsfonds=Konto 154683 M. 08 Pf.
Akzeptatio=
nen= und Aval=Konto 64 585 M. — Pf. Sparkaſſen= und
Scheck=Konto 3596489 M. 85 Pf. Zinſen=Konto 169117 M.
27 Pf. Dividende=Konto 3388 M. 07 Pf. Umſchag im
Oktober 1910 5615523 M. 41 Pf. Zahl der
Mitglie=
der 1995.
X Durchſchnittspreiſe von den Wochenmärkten
der vergangenen Woche: Butter ½ Kg. 1,30 M., in
Par=
tien 1,25 M., Eier 7—8 Pf., Schmierkäſe ½ Ltr. 18 bis
20 Pf., Handkäſe 6—10 Pf., Kartoffeln der Zentner
je nach Sorten 3,50—4 M., Kumpf (10 Liter) 70 Pf.,
Mäuschen Zentner 9 M., ½ Kg. 10 Pf.; Obſt u. dgl.:
Aepfel der Zentner je nach Sorten 7—10 M., ½ Kg.
7—15 Pf., Birnen ½ Kg. 12—20 Pf., Trauben ½ Kg.
40 Pf., Nüſſe 100 Stück 50—60 Pf., Zitronen 10 Pf.,
Kaſta=
nien ½ Kg. 15 Pf.; Salat, Gemüſe u. dgl.:
Kopf=
ſalat, Endivien 3—6 Pf., Bündel Radieschen 2—3 Pf.,
Meerrettich 12—30 Pf., Zwiebeln ½ Kg. 8 Pf.,
Rote=
rüben ½ Kg. 5—10 Pf., Paradiesäpfel ½ Kg. 30—40 Pf.,
Römiſch=Kohl Bündel 2 Pf., Gelberüben ½ Kg. 4—5 Pf.,
Wirſing 3—10 Pf., Grünkohl 3—6 Pf., Blumenkohl 10 bis
50 Pf., Rotkraut 10—35 Pf., Weißkraut 10 Pf., Zentner
2,00—2,20 M., Spinat ½ Kg. 12 Pf., Schwarzwurz‟ Kg.
25 Pf., Kohlrabi 3—4 Pf.; Geflügel, Wild: Gänſe
½ Kg. 90 Pf., Faſanen 2—2,50 M., Enten 3—4 M., Hahnen
u. Hühner 1,50—2,50 M., Tauben 60 Pf., junge Rebhühner
1,40 M., alte 1 M., Lapins 90 Pf. bis 1 M., Haſen 3,60 M.;
Fiſche ½ Kg.: Hecht, Aal 1,20 M., andere Rheinfiſche 40 Pf.,
Rotzungen 80 Pf., Kabeljau, große Schellfiſche 35 Pf.,
kleine 18—20 Pf.; in den Fleiſchſtänden ½ Kg.:
Rindfleiſch 60 Pf., Hackfleiſch 80 Pf., Rindsfett 50 Pf.,
Rindswürſtchen (Stück) 15 Pf.
Offenbach, 5. Nov. Ein gefährlicher
Schwind=
ler hat die hieſige Umgebung zu ſeinem
Operations=
feld erkoren. In einem kleinen Städtchen der
Um=
gebung erſchwindelte er ſich unter allerlei
Vorſpiegel=
ungen die Aufnahme in eine angeſehene Familie, in
der er ſeit September dieſes Jahres verkehrte. Meiſt
kam er im Automobil von größeren Städten, wie
Frankfurt, München, Baden=Baden, an. Er trat unter
dem Namen von Lauer, von Naumann, von Niemayer
und von Willmann auf und behauptete, bei den
Daim=
lerwerken in Stuttgart als Ingenieur angeſtellt zu
ſein. Der Verkehr in der betreffenden Familie führte
zuletzt zur Verlobung mit der Tochter des Hauſes.
Sein Verlöbnis benutzte er dazu, zuerſt ſeiner Braut
1200 Mark zu entlocken und ſpäter, ohne daß jemand
etwas bemerkte, aus dem Kaſſenſchrank der Familie
Wertpapiere in Höhe von 6000 Mark zu ſtehlen. Dieſe
veräußerte er in Frankfurter, Darmſtädter und
Aſchaffenburger Bankhäuſern und ſuchte daraufhin das
Weite. Die Staätsanwaltſchaft Darmſtadt ſucht jetzt
eifrig nach dem Schwindler, der ſich in Geſellſchaft einer
Dame befinden ſoll. Der Gauner iſt etwa 30 Jahre
alt, mittelgroß, hat dunkles Haar und engliſch
geſchnit=
tenen Schnurrbart und trägt lt. Offb. Ztg. einen
Zwicker.
— Mainz, 4. Nov. Der am letzten
Frei=
tag in Angriff genommene Bau der
militäri=
ſchen Feldbahn Mombach-Finthen wurde heute
beendet. Die in ſo kurzer Zeit hergeſtellte, ſieben
Kilometer lange Bahnſtrecke wurde durch mehrere
Offiziere des Kriegsminiſteriums einer eingehenden
Beſichtigung unterzogen. Es galt dabei die Erprobung
der übrigen transportablen Feldbahnen für den
Ver=
kehr mit größeren Mannſchafts= und Munitionswagen.
Wie verſichert wird befriedigte das erzielte Reſultat
vollkommen. Der Transport der 2400 Stück Geſchoſſe,
von denen viele rund zwei Zentner wogen, ging glatt
von ſtatten. Auch das in die Erde gelegte, neben dem
Gleiſe hinführende Telephon funktionierte vorzüglich.
Dagegen ſcheinen die an den Wagen angebrachten
Bremſen nicht ganz zuverläſſig zu ſein. Der heutige
Unfall iſt auf das Verſagen einer Bremſe zurückzu=
Nummer 261.
daran, dem brüsken Ton dieſes Inſtruments zu der
täglichen Fütterung zu folgen. Die Dreſſur zeitigte in
kürzeſter Zeit die erwünſchten Reſultate. Statt von
den Hupen herannahender Autos verſcheucht zu
wer=
den, liefen die Hühner, durch den ihnen vertrauten Ton
gelockt, in Schwärmen auf die Landſtraße, wo ſie
natür=
lich immer zahlreicher gerädert und — entſprechend
teuer bezahlt wurden. Das Geſchäft erwies ſich mit
dem Anwachſen des Autoverkehrs als ſehr
gewinn=
bringend und wäre auch nicht bald zum Stillſtand
ge=
bracht worden, wenn nicht ein eiferſüchtiger Nachbar
den ſchlauen Spekulanten bei Gericht angezeigt hätte.
* Wie aus einer ſchwarzen Katze eine
weiße wird. Vor einiger Zeit ereignete ſich auf
einem franzöſiſchen Dampfer ein merkwürdiger
Vor=
fall, über den ſich die Gelehrten bereits die Köpfe
zer=
brechen. Eine ſchwarze Katze, die im Kühlraum des
Schiffes, alſo in einer ſtändigen Temperatur von
6 Graden unter Null, vergeſſen worden war und 32
Tage dort eingeſchloſſen blieb, ſpazierte bei ihrer
Be=
freiung am 33. Tage als weiße Katze aus ihrem
Ge=
fängnis. Das Fell, das ehedem ſchwarz und kurz
ge=
weſen, beſtand nach dieſer Kälteperiode aus langen und
feinen weißen Haaren. Die landwirtſchaftliche
Ver=
ſuchsſtation zu Paris hat ſich ſofort der Sache
ange=
nommen, in der Hoffnung, aus den Fellen ſchwarzer
Kaninchen die ſchönſten weißen herſtellen zu können,
sie hundertfach höher bezahlt werden.
** Hundetreue. Ein hübſcher Zug von
Hunde=
treue wird aus Wieberſchweiler in Lothringen
berich=
tet. Dort ſtarb vor drei Wochen ein Veteran, der
penſionierte Hegemeiſter A., der eine kräftige deutſche
ſechsjährige Dogge beſaß. Nach dem Tode des Mannes
veränderte ſich das Weſen des Tieres auffällend; es
wurde traurig und menſchenſcheu. Auf dem Friedhof
verſuchte das Tier die Leiche auszuſcharren, und als
ihm das gewehrt wurde, legte es ſich auf das Grab
und konnte nur mit Mühe wieder heimgebracht werden.
Das Tier verſchmähte darauf jede Nahrung und gind
wenige Tage ſpäter ein.
führen. Am morgigen Tage wird bereits mit dem
Abbruch der Feldbahn begonnen.
Worms, 5. Nov. Der ſeit 18. oder 19. vor. Mts. von
hier verſchwundene 42 Jahre alte Schirmfabrikant Julius
Molz, Inhaber der Firma Molz u. Forbach, wurde
geſtern nachmittag zwiſchen 1 und 2 Uhr im Rheine
un=
terhalb Rhein=Durkheim als Leiche aufgefunden und auf
den dortigen Friedhof gebracht. Die Leiche wurde mit
aller Beſtimmtheit als diejenige des Molz durch den
lang=
jährigen Chauffeur des letzteren, durch einen hieſigen
Kri=
minalſchutzmann, ſowie durch ſonſtige perſönliche Bekannte
des Verſtorbenen anerkannt. Insbeſondere wurde ſchon
durch den Anzug, einen Brilläntring und verſchiedene
Vi=
ſiten= und Geſchäftskarten, die ſich in den Taſchen
vorfan=
den, die Perſönlichkeit feſtgeſtellt. Die Leiche wird
dem=
nächſt hierher gebracht. — Geſtern abend kurz nach 7 Uhr
ſtieß an der Ecke der Donnersberger= und Burkardſtraße
ein Motorwagen der elektriſchen Straßenbahn mit
einer Rolle der Speditionsfirma A. Schuch u. Co.
zu=
ſammen. Der Fuhrmann, der mit der leeren Rolle die
Burkardſtraße heruntergefahren kam, hat die Signale der
Straßenbahn infolge des Geraſſels ſeines eigenen
Fuhr=
werkes überhört. Der Motorwagen iſt vorn eingedrückt
und die Laterne iſt zertrümmert. Ein Fahrgaſt, der vorn
ſtand, erlitt Hautabſchürfungen an den Unterſchenkeln. Das
Pferd der Rolle iſt leicht verletzt und die Schere der Rolle
entzwei gebrochen.
Oſthofen, 4. Nov. Durch Entgleiſen einer
Ran=
giermaſchine erlitt der Perſonenzug Oſthofen-Gau=
Odernheim, der fahrplanmäßig 5,23 Uhr in Oſthofen
ab=
fahren ſoll, mehr als anderthalb Stunden Verſpätung.
Es mußte erſt ein Hilfszug von Worms beſtellt werden,
um die Maſchine wieder auf das Gleis zu bringen. Viele
Reiſende von Bechtheim legten die Reiſe zu Fuß zurück.
Andere Reiſende von Dorn=Dürkheim fuhren mit dem
Zuge nach Alsheim und gingen die 5 Kilometer weite
Strecke nach Dorn=Dürkheim.
Aus der Reichshanptſtadt, 5. Nov. Der Prozeß
wegen der Moabiter Unruhen wird am
näch=
ſten Mittwoch beginnen und etwa drei Wochen dauern.
Nach den Ermittelungen der Anklagebehörden wurden
bei den Straßenkämpfen etwa 50 Schutzleute
verwun=
det; von den Tumultuanten wurden etwa 150 verletzt.
Es dürften etwa 400 Perſonen als Zeugen an
Gerichts=
ſtelle erſcheinen. — In einem Hotel Unter den Linden
wurden geſtern abend einem Großinduſtriellen aus
Köln Juwelen und Bargeld geſtohlen. Der
Dieb war anſcheinend ein Angehöriger jener Sorte
von internationalen Hoteldieben, welche die Tiſchzeit
benutzen, um ſich unbemerkt in die Hotelzimmer zu
ſchleichen, die Koffer mit einem Meſſer aufzuſchneiden
und ihres Inhalts zu berauben. Der Dieb hat in
die=
ſem Falle das Meſſer unvorſichtigerweiſe in dem Hotel
zurückgelaſſen. Die geſtohlenen Schmuckſachen haben
einen Wert von 6000 Mark. Er hat unter anderem
ferner drei öſterreichiſche Tauſendkronenſcheine und
12—15 Hundertkronenſcheine mitgenommen. — Durch
einen an ſich geringfügigen Wohnungsbrand
wurden geſtern in der Grenadierſtraße mehrere
Per=
ſonen in ernſte Lebensgefahr gebracht. Das
Feuer entſtand in der im dritten Stockwerk gelegenen
Wohnung eines Kaufmanns. Es führte in kurzer Zeit
eine ſtarke Verqualmung der Räume herbei. Nachdem
die Familienangehörigen ins Freie gelangt waren,
wollte der Kaufmann mit ſeinem dritten Kinde über
die hintere Treppe flüchten; die Verqualmung hinderte
ihn daran. Zum Glück traf die Feuerwehr mit der
großen mechaniſchen Leiter ein, um die beiden
gefähr=
deten Perſonen auf dieſem Wege zu befreien.
Heidelberg, 5. Nov. Zu der Meldung Heidelberger und
anderer ſüddeutſcher Blätter über Danny Gürtler
teilt uns deſſen Sekretär Herr Jakob Jochum mit, daß
Gürtler in der pſychiatriſchen Klinik in Heidelberg
unbe=
ſchränkte Freiheit genieße. „Wenn alſo Herr Gürtler am
Montag in der Stadt war, und dort, wie es in ſeinem
Weſen liegt, Anſprachen an das Publikum hielt, ſo kann
von einem Entweichen keine Rede ſein. Ebenſo kann keine
Rede ſein von einer Verhaftung, da ein Arzt der Anſtalt,
der ſich mutmaßlich in ſeiner Nähe aufhielt, ihm riet, er
ſolle in die Anſtalt zurückkehren, wohin ich ihn in der
Droſchke begleitete.”
Dresden, 5. Nov. Geſtern nachmittag 5 Uhr geriet
eine Automobildroſchke in der König=
Johann=
ſtraße auf dem durch den Regen ſchlüpfrig gewordenen
Aſphalt ins Rutſchen. Der Chauffeur konnte den
Wagen nicht mehr halten und fuhr auf den
Bürger=
ſteig, der um dieſe Zeit ſtark belebten Straße. Die
Reſtaurateursgattin Mitſcherling und ihr vierjähriges
Töchterchen wurden von dem Automobil erfaßt und
eine Strecke weit geſchleift. Die Frau erlitt einen
ſchweren Schädelbruch und das Kind ebenfalls
bedenk=
liche Verletzungen.
— Hamburg, 4. Nov. Sparkaſſenbücher
gel=
ten, wie bekannt, als „Urkunden” und es dürfen
keine Aenderungen=in und mit ihnen vorgenommen
werden. Eine Manipulation dieſer Art hatte ſich in
unbedachtſamer Weiſe eine Frau mit dem
Sparkaſſen=
buche ihres Mannes zu ſchulden kommen laſſen, und
das brachte ihr eine Anklage wegen Urkundenfälſchung
ein. Die Frau kam mit ihrem Wirtſchaftsgelde nicht
aus und machte daher Schulden. Um dieſe zu decken,
hob ſie öfters kleinere Beträge von dem
Sparkaſſen=
buch ihres Mannes ab. Als dieſer nun das Buch
ver=
langte, um ſelbſt einen Betrag abzuheben, bekam die
Frau Angſt vor unliebſamen Auseinanderſetzungen.
Damit der Mann nichts von den Geldabhebungen
be=
merkte, riß ſie, ohne lange zu überlegen, die letzte
Seite, auf der die Abhebungen verzeichnet waren, aus
dem Buche heraus. Der Mann merkte das nicht, wohl
aber der Sparkaſſenbeamte, dem er das Buch vorzeigte.
Die Folge war die erwähnte Anklage: Die Frau gab
an, es ſei ihr nicht bewußt geweſen, daß ſie mit dem
Herausreißen eines Blattes eine Urkundenfälſchung
begehe, auch habe ſie ſich nicht etwa einen
Vermögens=
vorteil verſchaffen, ſondern nur verhindern wollen, daß
ihr Mann die Geldabhebungen bemerke. Sie hätte
auch die Abſicht gehabt, das fehlende Geld nach und nach
wieder einzuzahlen, da ſie zu große Angſt gehabt habe,
ihr Verhalten ihrem Manne einzugeſtehen. Der
Ge=
richtshof ſah in Uebereinſtimmung mit dem
Staatsan=
walt die Sache milde an und erkannte auf die gerinaſte
zuläſſige Strafe, nämlich einen Tag Gefängnis. Der
Vorſitzende riet nach Verkündigung des Urteils der
weinenden Frau, ſie möchte an den Senat ein
Gnaden=
geſuch richten und um Erlaß der Strafe bitten.
Hamburg, 5. Nov. In Neuergamme bei Bergedorf
wurde bei Bohrungen in einer Tiefe von 200 Metern einei
Erdgasquelle erbohrt, die geſtern abend in Brand
geriet und heute vormittag bei noch ſtundenweit
hör=
barem Geräuſch brennt. Es iſt Gefahr vorhanden.
Schwerin, 4. Nov. Das Großherzogliche
Amtsge=
richt Doberan in Mecklenburg macht den Termin der
Zwangsverſteigeruung des Seebades
Hei=
ligendamm bekannt, die am 11. Januar 1911,
vor=
mittags 10 Uhr, an Gerichtsſtelle erfolgen wird. Man
erfährt aus der Ankündigung, daß das Grundſtück über
94 Hektar groß iſt und daß ungefähr 20 Hektar davon
landwirtſchaftlicher Benutzung dienen. Zum Inventar
gehören fünf Pferde und 20 Kühe. Das eigentliche
Seebad beſteht aus dem Kurhaus, dem Badehaus mit
etwa 70, dem großen Logierhauſe mit 82 Zimmern,
ſo=
wie zwölf Villen. Außerdem gehören dazu das
ver=
pachtete Waldreſtaurant und noch andere, den Zwecken
des Seebades dienende Baulichkeiten. Der Erwerber
des Anweſens hat zwei grundbuchlich eingetragene
Verpflichtungen zu erfüllen: einmäl die „
Remunera=
tion” eines „landesherrlich zu beſtellenden
Kommiſ=
ſarius” mit jährlich 3000 Mark; dann die Gewährung
freier Verpflegung und Kur an 16 unbemittelte Kranke
während dreier Monate in dem ihm zur Verfügung
geſtellten Hoſpiz.
Brüſſel, 4. Nov. Der deutſche Kaiſer hat aus
Anlaß ſeines Brüſſeler Beſuches dem Bürgermeiſter
von Brüſſel Max 3000 Mark für die Armen der Stadt
überwieſen.
Brüſſel, 5. Nov. Im Stadtviertel
Alt=
brüſfel der Ausſtellung iſt gegen 5 Uhr krüh
Feuer=
ausgebrochen. Drei Häuſer ſind niedergebrannt.
Wei=
tere Gefahr beſteht nicht.
Brüſſel, 5. Nov. Der Brand in Alt=Brüſſel
wird allgemein auf Brandſtiftung zurückgeführt. Es
wur=
den Reſte von Stearinkerzen entdeckt, die auf Stroh
ge=
brannt haben ſollen.
Paris, 5. Nov. Nach den heutigen Morgenblättern
iſt die Eheſcheidung der Baronin
Vaug=
han, verehelichte Madame Durieux, bereits Tatſache.
Ueber die künftigen Pläne der Dame zirkulieren die
widerſprechendſten Gerüchte.
Paris, 5. Nov. Die überaus heftigen Stürme
die geſtern in ganz Frankreich, namentlich an den
Küſten herrſchten, haben mancherlei Unglücksfälle
verurſacht. Auf der Reede von Lorient im Golf von
Morbihan, im Hafen von Tourballe und in der Nähe
von La Seine an der Mittelmeerküſte bei Toulon,
gin=
gen mehrere Bbote unter. Siebzehn Perſonen kamen
dabei ums Leben.
Paris, 5. Nov. In Marſeille herrſcht große
Be=
ſorgnis über das Schickſal des engliſchen
Dampfers „Kurdiſtan‟ Das Schiff hat am 14.
Oktober Liverpool verlaſſen und ſollte am 28. in
Mar=
ſeille eintreffen, um von da nach dem perſiſchen Golf
weiterzufahren. In Marſeille ſollte das Schiff eine
größere Anzahl von Paſſagieren, ſowie weitere Ladung
an Bord nehmen. Seit dem 28. Oktober fehlt jede
Nachricht von dem Schiff. Eine Londoner Depeſche
be=
ſagte zuerſt, daß die „Kurdiſtan” an der marokkaniſchen
Küſte geſcheitert und die Mannſchaft von den Mauren
gefangen genommen worden ſei. Nachforſchungen er=“
gaben jedoch die Unrichtigkeit dieſer Meldung. Es
iſt=
vielmehr ſehr wahrſcheinlich, daß die „Kurdiſtan”
wäh=
rend eines heftigen Sturmes in der Bucht von Biskaya
vor einigen Tagen mit der ganzen Beſatzung
unter=
gegangen ſei.
Calais, 4. Nov. Das Unterſeeboot „
Ger=
minal” iſt in der hieſigen Reede mit einem
Fiſcher=
boot zuſammengeſtoßen. Die aus 14 Mann
beſtehende Beſatzung des Fiſcherbootes, das
unterge=
gangen iſt, wurde gerettet. „Germinal” ſcheint keinen
Schaden erlitten zu haben, wird ſich aber zur
Unter=
ſuchung nach dem Trockendock begeben.
Sundsvall, 5. Nov. Die Zerſtörungen der
Telegraphen= und Telephonleitungen während des
Schneeſturmes vor einigen Tagen zeigen einen
bisher unerreichten Umfang. Allein auf einer Linie
ſind 100 Telegraphenſtangen geknickt.
New=York, 4. Nov. In Yolande im Staate
Ala=
bama ſind durch eine Grubenexploſion hundert
Bergleute eingeſchloſſen worden. Viele ſollen tot ſein.
Parlamentariſches.
*X* Der Sonderausſchuß der Zweiten
Kammer für die Beratung der
Verwal=
tungsgeſetz=Reviſion beendete in ſeiner Freitags=
Sitzung die Beratung über die Geſetzentwürfe betr. die
Städteordnung und die Landgemeindeordnung. Den
Ge=
genſtand eingehender Debatte bildeten zwei Eingaben
der Bürgermeiſterei Gießen und des Landesverbandes der
ſtädtiſchen Beamten (Sitz Worms), die eine Anzahl
Beden=
ken gegen verſchiedene Beſtimmungen der beiden
Vor=
lagen erhoben. Die Ausſchußreferenten führten in der
Debatte aus, daß verſchiedene der in den Eingaben
vor=
gebrachten Wünſche bei der Ausſchußberatung bereits
er=
füllt worden ſeien, die Erfüllung anderer aber ſich als
undurchführbar erwieſen habe. Doch ſollen noch mehrere
Artikel im Sinne der Petenten von den
Ausſchußreferen=
ten abgeändert werden. Die Fertigſtellung der
Ausſchuß=
berichte ſoll dann ſo gefördert werden, daß ſie bis Ende
dieſer Woche den Kammermitgliedern zugeſtellt werden
können. Am Donnerstag, den 10. November, ſoll dann
mit der Beratung der Verwaltungsrechtsvflege
begonnen werden.
Zur Stadtverordnetenwahl.
nn. Die von dem Ausſchuß der Vereinigten
Bezirks=
vereine im Schützenhof abgehaltene allgemeine
Wähler=
verſammlung war ſehr ſtark beſucht. Der Vorſitzende,
Herr Stadtverordneter Saeng, gab nochmals einen
kur=
zen Rückblick über die Vorarbeiten des Wahlausſchuſſes
und betonte, daß bei der Auswahl der Kandidaten nicht
der Parteiſtandpunkt, ſondern nur das Intereſſe der Stadt
in den Vordergrund geſtellt wurde. Eine Einigung ſei
dringend nötig, der politiſche Standpunkt dürfe nicht
aus=
ſchlaggebend ſein. Herr Sanitätsrat Dr. Kolb erſtattete
hierauf einen Bericht über die Tätigkeit der ſtädtiſchen
Verwaltung in den letzten Jahren. Redner gedachte in
warmen Dankesworten des verſtorbenen
Oberbürgermei=
ſters Morneweg und einer Reihe verſtorbener und um das
Wohl der Stadt Darmſtadt verdienter Männer, deren
An=
denken ſtets hoch zu halten ſei. Die Stadtverwaltung
ſtehe heute vor einem Finanzproblem, zu deſſen Löſung
Männer mit weitem Blick nötig ſeien. Parteirückſichten
ſeien auszuſchalten. Herr Hillgärtner empfiehlt
drin=
gend Einigkeit in der Kandidatenfrage und plädiert
für die Kandidatur Rockel. Auch Herr Syndikus
Engel=
bach tritt in warmer Weiſe für Herrn Rockel ein.
Rech=
nungsrat Götz mahnt ebenfalls zum Frieden. Der Zettel
der Bezirksvereine befriedige alle Parteien. Herr Dr.
Nöllner tritt mit Entſchiedenheit für die Wiederwahl
Rockels ein. Angeſichts der Ausſichtsloſigkeit einer
Ei=
nigung gehe die nationalliberale Partei ſelbſtändig zur
Wahlurne. Die Herren Rockel, Heppenheimer, Ritſert und
Bruchhäuſer ſeien als Parteikandidaten aufgeſtellt. Die
Nummer 261.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 7. November 1910.
Seite 5.
nattonaliberale Pariei hoſfe mit ihrem Vorſchlag auf die
Unterſtützung der geſamten Bürgerſchaft. Nachdem noch
verſchiedene Redner geſprochen, wurde die Verſammlüng
um 1 Uhr geſchloſſen.
Von dem Nationalliberalen Verein wird uns
geſchrieben: Nachdem ſich bisher die Verhandlungen
zwiſchen dem Ausſchuß der Bezirksvereine und
der nationalliberalen Partei zerſchlagen
hatten, iſt es ſchließlich doch gelungen, zu einer
Eini=
gung der bürgerlichen Parteien zu kommen. Mit
Rück=
ſicht darauf, daß eine ſolche Einigung doch als ein
er=
ſtrebenswertes Ziel in der gänzen Bürgerſchaft
ange=
ſehen wird, hat Herr Stadtverordneter Rockel in
einer überaus anzuerkennenden Weiſe das Opfer
ge=
bracht, ſeine Kandidatur aufzugeben, damit
die Einigung ermöglicht werde. Nachdem dieſe
Erklä=
rung des Heren Stadtverordneten Rockel vorlag,
be=
ſchloß die nationalliberale Partei, ihren Angehörigen
zu empfehlen, den Wahlzettel der
Bezirks=
vereine unverändert anzunehmen. Wir
können dieſes Ergebnis im Intereſſe der Einigkeit der
Bürger nur auf das wärmſte begrüßen. Es iſt damit
ein Streit unter den bürgerlichen Elementen vermieden
worden, welcher geeignet wäre, den Gegnern des
Bür=
gertums Erfolge zu verſchaffen. Wiederholt muß aber
darauf hingewieſen werden, daß dieſes Ergebnis nur
durch die opferwillige Handlungsweiſe des Herrn Rockel
ermöglicht wurde. Es kann kein Zweifel darüber ſein,
daß die nationalliberale Partei mit dieſer Entſchließung
ebenfalls ein Opfer gebracht hat, allein höher als dieſes
ſtand ihr bei ihren Entſchließungen die Erwägung,
die Einigung der Bürger zu erreichen, die
ihr ein höheres Ziel war, als der Kampf mit anderen
bürgerlichen Parteien um den einen oder anderen Sitz
in dem Stadtvorſtand. Die nationalliberale Partei
wird, getreu ihrer Zuſage, für den
Bezirksver=
einszettel eintreten und mit aller Energie dafür
wirken, daß dieſer mit möglichſt großer Stimmenzahl
ſiegreich aus der Wahlurne hervorgeht.
* Die Vereinigten Bezirksvereine
ver=
öffentlichen ihren Wahlaufruf und ſchreiben uns dazu:
Wenn wir nach dem Verlauf unſerer Wählerverſammlung
allen Anlaß gehabt hätten, wegen des eigentümlichen
Vor=
falles den Nationalliberalen und Jungliberalen gegenüber
unſeren Zettel zu ändern, ſo haben wir dies doch
unter=
laſſen, indem wir der Anſicht ſind, daß alle einſichtsvollen
Kreiſe der Bevölkerung nach Bekanntgabe der
verſchiede=
nen Wahlvorſchläge den Zettel der Vereinigten
Bezirks=
vereine als den einzig nach unpolitiſchen Geſichtspunkten
aufgeſtellten Wahlvorſchlag anſehen werden.
— Der Zentrumsverein veranſtaltet am
näch=
ſten Mittwoch im Konkordiaſaale eine Verſammlung,
worin ſeine Stellung zur Stadtverordnetenwahl
beſpro=
chen werden wird. (S. Anz.)
* Der Mieterverein lädt, nach der heutigen
Anzeige, ſeine Mitglieder, ſowie die ganze Mieterſchaft
auf morgen abend nach dem Kaiſerſaale zur
Wähler=
verſammlung ein, um ſein Wahlprogramm, ſowie den
von ihm ſelbſtändig aufgeſtellten Wahlzettel vor der
Oeffentlichkeit zu beſprechen. Auch iſt jedermann dazu
eingeläden.
* Herr Miniſterial=Reviſor Bruchhäuſer iſt,
wie man uns mitteilt, von der Kandidatur der
Stadt=
verordnetenwahl zurückgetreten.
Luftſchiffahrt.
* Rendsburg, 4. Nov. „P VI” traf gegen
halb 3 Uhr hier ein und landete auf dem Exerzierplatz.
Nach etwa dreiviertelſtündigem Aufenthalt, während
deſſen ein Paſſagierwechſel vorgenommen wurde,
er=
folgte die Rückkehr nach Kiel. Hier langte das
Luft=
ſchiff gegen 3 Uhr 40 Minuten an und landete, nachdem
es noch eine Fahrt über Stadt und Hafen ausgeführt
hatte, vor der Ballonhalle.
* Kiel, 4. Nov. Nach Eintritt der Dunkelheit
ſtieg „P VI” um 5 Uhr 10 Minuten zu einem
zwei=
ten Fluge auf; das Luftſchiff manövrierte über
dem großen Sport= und Spielplatz, denn es mehrere
Male umkreiſte, und ging um 5 Uhr 35 Minuten
wie=
der nieder, worauf es in die Halle zurückgebracht
wurde.
* Kiel, 5. Nov. Das Luftſchiff „P VI” iſt
heute nachmittag 4½ Uhr zu einer
Schleifen=
fahrt über Kiel aufgeſtiegen. Ueberall, wo es
geſichtet wurde, wurde es von der Bevölkerung
jubelnd begrüßt. Bald nach 5 Uhr landete das
Luft=
ſchiff wieder vor der Halle. Die Abfahrt nach
Ham=
burg=Altona iſt auf morgen vormittag 9 Uhr
feſtgeſetzt.
* Kiel, 6. Nov. Das Luftſchiff „P VI” iſt
heute vormittag 11 Uhr 50 Min. mit acht Paſſagieren
zur Fahrt nach Hamburg=Altona aufgeſtiegen.
* Hamburg, 6. Nov. Das Luftſchiff „P VI‟
iſt nach guter Fahrt um 3 Uhr 15 Min. auf der
Bahren=
ſelber Rennbahn unter dem Jubel der Bevölkerung
glatt gelandet. Der Führer wurde durch den
Oberbürgermeiſter von Altona namens der Stadt
be=
grüßt. Morgen unternimmt das Luftſchiff Aufſtiege.
— Der neue Lehrſtuhl für Flug= und
Luftſchiffbau, der an der Techniſchen Hochſchule
Karlsruhe geſchaffen wurde, wird durch Profeſſor
Schütte, den bekannten Konſtrukteur des Schütte=
Lanz=Luftſchiffes, beſetzt werden. Profeſſor Schütte
beabſichtigt, im Sommer=Semeſter ſeine Vorleſungen
und Uebungen über den Bau von Freiballons und
Flugmaſchinen zu beginnen. Er wird ferner eine
Ein=
führung in den Luftſchiffbau geben. Auch die Lanzſche
Luftſchiffwerft wurde der Techniſchen Hochſchule für
alle wiſſenſchaftlichen Zwecke zur Verfügung geſtellt.
sr. Ein intereſſanter Wettbewerb der
franzöſiſchen Regierung für Flugmaſchinen wurde auf
dem Schlußbankett des Pariſer Aero=Salons
angekün=
digt. Die franzöſiſche Regierung hat hierfür neue
Be=
dingungen aufgeſtellt, unter denen ſie Flugmaſchinen
anzukaufen beabſichtigt. Im ganzen ſollen zwanzig
Aeroplane angeſchafft werden, und ſind hierfür nicht
weniger als 1100000 Franks ausgeſetzt worden. Die
Prüfungs=Bedingungen, ſind allerdings nicht ganz
leichte. Die an dem Wettbewerb teilnehmenden
Aero=
plane müſſen mit einer Belaſtung von 300 Kilogramm
einen Flug über 50 Kilometer ausführen und auf
einem Acker landen. Derſelbe Flug muß zweimal
wiederholt werden. Eine weitere Prüfung bezieht ſich ſeiner Fertigſtellung der neue Hauptbahnhof in Leipzig
auf das Demontieren und den Transport der
Appa=
rate, während die Hauptprüfung ſich auf einen
Ge=
ſchwindigkeitswettbewerb ſtützt. Die Flugapparate
meter pro Stunde erreichen. Diejenigen Flugmaſchinen, und Thüringer Bahnhofs erheben wird, iſt als
Kopf=
die alle dieſe Bedingungen erfüllt haben, werden einer ſtation geplant, in welche nicht weniger als 26 Gleiſe
letzten Prüfung unterzogen, die in einem Fluge über der preußiſchen, ſächſiſchen und thüringiſchen Linien
300 Kilometer bei einer Belaſtung von 300 Kilogramm
beſteht. Auch hierdet wird eine Mindeſgeſchwindigkeit
von 60 Kilometer verlangt. Dem Sieger in dieſem
Wettbewerb ſollen 100000 Franks zufallen, außerdem
ſollen bei ihm zehn Apparate in Auftrag gegeben
wer=
den zum Preiſe von je 40000 Franks. Der Zweitbeſte
dieſer Konkurrenz ſoll einen Auftrag von 6 Apparaten
erhalten, der Drittbeſte einen Auftrag von 4
Appara=
ten. Sollte der Fall eintreten, daß die Bedingungen
nur von einem Bewerber erfüllt werden, ſoll ſoll auch
dieſer den geſamten Auftrag erhalten.
* Paris, 5. Nov. In Iſſy les Moulineaux
iſt die Nachricht eingelaufen, daß der geſtern mit ſeinem
Lenkballon „City of Cardiff” in London zur Fahrt
nach Paris aufgeſtiegene Luftſchiffer Willows ohne
Zwiſchenfall in Corbehem (Dep. Pas de Calais)
gelan=
det iſt. Er will die Fahrt nach Paris fortſetzen, ſobald
Waſſerſtoffgas nachgefüllt iſt.
* New=York, 4. Nov. Der Aviatiker Me
Curdy, der morgens von dem Deck der „Kaiſerin
Auguſte Viktoria” nach New=York fliegen wollte, hat
den Flug infolge des herrſchenden Sturmes auf den
24. d. M. verſchoben.
Der Zar in Potsdam.
* Potsdam, Neues Palais, 4. Nov. Der
Kaiſer empfing heute abend 7 Uhr den ruſſiſchen
Staatsſekretär Saſonow und der Kaiſer von
Ruß=
land um 7½ Uhr den Reichskanzler, dem er bei
die=
ſer Audienz die Inſignien des Andreas=Ordens
über=
reichte, und darauf den Staatsſekretär von Kiderlen=
Waéchter. — Bei der Galatafel erſchien Kaiſer
Nikolaus in der Uniform ſeines preußiſchen
Küraſ=
ſier=Regiments, mit dem Bande des Schwarzen
Adler=
ordens, der Kaiſer, in der Uniform des
Petersbur=
ger Leibgrenadier=Regiments Friedrich Wilhelm III.,
mit dem Bande des Andreasordens, die Kaiſerin
trug eine ſchwarze Robe mit reichem Brillantſchmuck
und dem Bande des Kathärinenordens. Während der
Tafel tranken die Souveräne unter Austauſch
freund=
licher Worte einander zu. Mit Rückſicht auf den
fami=
liären Charakter des Beſuches wurden nach einer
Ver=
einbarung der beiden Souveräne feierliche Anreden
bei der Galatafel nicht gehalten. Kaiſer
Nikolaus=
führte bei Tiſch mit der Kaiſerin und dem Kaiſer eine
überaus angeregte Unterhaltung. Der Kaiſer von
Rußland trank dem Reichskanzler zu, der Kaiſer dem
Staatsſekretär Saſonow und dem Baron Fredericksz.
Die Tafelmuſik ſtellte das 1. Garde=Regiment. Beim
Einzuge des Hofes wurde der Parademarſch des
Regi=
ments „Preobraſchenſk” geſpielt. Das Programm
brachte u. a.: „Moska”, ein ruſſiſches Lied von Decker=
Schenk, eine ruſſiſche Romanze von Koßlowa und den
Alexandermarſch. An der Tafel nahmen außer den
ſchon Genannten u. a. noch die Miniſter Dr. Delbrück,
v. Heeringen, die Generäle v. Löwenfeld, v. Bülow,
Oberpräſident v. Conrad teil. Nach der Tafel hielten
die Herrſchaften Cerele im Muſchelſaale. Kaiſer
Ni=
kolaus verlieh dem Oberhofmarſchall Grafen zu
Eulen=
burg die Brillanten zum Andreasorden.
* Station Wildpark, 5. Nov. Der Kaiſer
von Rußland und Kaiſer Wilhelm ſind um
9 Uhr im kaiſerlichen Sonderzug von hier nach
Oranienburg zur Hofjagd im Forſtrevier
Oranien=
burg abgefahren. Das Wetter iſt ſchön.
* Oranienburg, 5. Nov. Der ruſſiſche
und der deutſche Kaiſer verließen den Sonderzug
um 10 Uhr 35 Minuten auf der Station Borgsdorf.
Kaiſer Wilhelm und der Zar wurden vom Publikum
mit Hochrufen empfangen und ſchritten in lebhaftem
Geſpräch mit dem Reichskanzler zu den bereitſtehenden
Jagdwagen, um die Fahrt in das Jagdrevier
anzu=
treten. Im erſten Wagen nahmen die beiden Kaiſer
Platz, im zweiten die Prinzen Eitel Friedrich und
Adalbert und im dritten Baron Fredericksz und der
Reichskanzler. Nachdem die Stände beſetzt worden
waren, begann das Jagen auf Damwild. Das
Früh=
ſtück wurde im Jagdzelt eingenommen. Die Rückfahrt
von Borgsdorf erfolgte um 2 Uhr.
* Neues Palais, 5. Nov. Die beiden Kaiſer
und die Jagdgeſellſchaft ſind mit dem kaiſerlichen
Sonder=
zuge um ¾5 Uhr in der Station Wildpark wieder
einge=
troffen und begaben ſich nach dem Neuen Palais. Kaiſer
Nikolaus begab ſich am ſpäten Nachmittag im
Auto=
mobil nach dem Mauſoleum, um an den
Sarko=
phagen des Kaiſers und der Kaiſerin Friedrich Kränze
niederzulegen. Den Tee nahm Kaiſer Nikolaus bei der
Kaiſerin. Um 8 Uhr fand in der Jaſpisgalerie des Neuen
Palais eine Tafel beim Kaiſerpaar ſtatt, bei welcher
an einzelnen Tiſchen geſpeiſt wurde. An dem Mitteltiſch
nahm Kaiſer Nikolaus, neben ihm die Kaiſerin Platz,
gegenüber der Kaiſer. Rechts von der Kaiſerin ſaßen
Prinz Eitel Friedrich, Prinzeſſin Karl von Hohenzollern,
Prinz Auguſt Wilhelm, Prinz Joachim; links vom Kaiſer
Nikolaus Prinzeſſin Viktoria Luiſe, Prinz Adalbert, die
Gräfin Brockdorff, Prinz Oskar, General Moſſolow, rechts
vom Kaiſer die Prinzeſſin Eitel Friedrich, Botſchafter
von der Oſten=Sacken, links vom Kaiſer die Prinzefſin
Margarete, Baron Fredericksz, Frau von Bethmann=
Hollweg, Staatsſekretär Saſonow, Fürſt Solms=Baruth,
— Dann fand eine Lichtbildervorführung im
Theaterſaal des Neuen Palais ſtatt. Das
Pro=
gramm war folgendes: 1. Danziger Feſttage, 2. Bilder
aus dem Aufenthalt des Kaiſers in Ungarn, 3.
Nordlands=
reiſe des Kaiſers, 4. Chavez’ Flug über die Alpen,
5. Steinhutfabrikation und Kunſttöpferei in Ungarn,
6. Empfang des Kaiſers Nikolaus.
* Wildpark, 5. Nov. Der Kaiſer von
Ruß=
land iſt um 11 Uhr 15 Min. abgereiſt. Der Kaiſer und
die Prinzenſöhne geleiteten ihn zur Bahn. Der Kaiſer
trug die Uniform ſeines Petersburger Grenadier=
Regi=
ments Friedrich Wilhelm III., Kaiſer Nikolaus diejenige
des Alexander=Regiments mit Helm. Der Abſchied der
Souveräne war ſehr herzlich.
* Darmſtadt, 6. Nov. Der ruſſiſche Hofzug mit
dem Kaiſer von Rußland traf vormittags 10 Uhr
20 Min. hier wieder ein. Der Kaiſer fuhr nach
Wolfs=
garten. Der Hofzug fuhr ſodann leer nach Darmſtadt
weiter.
Vermiſchtes.
* Der größte Bahnhof der Welt wird nach
ſein. Gelegentlich der Vorarbeiten für die
Ausführ=
ung des Bahnſteighallennetzes ſind über den Bau einige
Details bekannt geworden. Der Bahnhof, der ſich auf
müſſen dabei eine Mindeſtgeſchwindigkeit von 60 Kilo= dem Terrain des jetzigen Dresdener, Magdeburger
einmünden. Die Faſſade des Rieſenbaues erhält eine
Preite von 30 Mektern, die Lünge der Bahnſteige ſoll
320 Meter betragen. Der Perſonenbahnhof bedeckt
einen Platz von 96000 Quadratmetern. Durch die
Mitte iſt ein 20 Meter breiter Hauptſteig geplant, von
welchem ſich 18 Perſonenſteige abzweigen. Der vom
Perſonenbahnhof getrennte Poſtbahnhof erhält 32 Gleiſe.
Da jedes Gleis 56 Ladelängen hat, können insgeſamt
132 Bahnpoſtwagen für den Brief= und Paketverkehr
zu gleicher Zeit abgefertigt werden. Mit Einſchluß der
Koſten für die Abſtell=, Rangier= und
Werkſtättenbahn=
höfe erfordert das Rieſenwerk einen Aufwand von
rund 130 Millionen Mark, wovon die Stadt Leipzig 17
Millionen Mark und die Kaiſerlich deutſche Reichspoſt
7 Millionen Mark beitragen, den Reſt beſtreitet der
Eiſenbahnfiskus. Die Eröffnung des Bahnhofes iſt
für Oktober 1913 geplant.
* Deutſche Einheits=Kurzſchrift. Die
Kurzſchriftſchule Stolze=Schrey, die rund 70000 Mitglieder
zählt, hielt in Berlin einen Vertretertag ab, der zahlreich
aus allen Teilen Deutſchlands und aus der Schweiz
be=
ſchickt war Zur Frage der Einheits=Kurzſchrift
wurde einſtimmig folgende Entſchließung gefaßt:
Die Schule Stolze=Schrey hält nach wie vor die
Verein=
heitlichung der deutſchen Kurzſchrift für wünſchenswert.
Sie dankt der Vorkonferenz der verbündeten Regierungen
für die ſachgemäße Entſcheidung, die ihr geeignet erſcheint,
die Gefahr eines Rückſchrittes zu beſeitigen und das
Ge=
lingen des Werkes, trotz aller ihm noch in neueſter Zeit
bereiteten Hinderniſſe zu verbürgen. Sie bekundet zugleich
ihrem Vorſtande inſonderheit ihrem unermüdlichen
Vor=
ſitzenden Mar Bäckler, für die tatkräftige und geſchickte
Förderung der Einheitsbeſtrebungen ihre vollſte
Anerken=
nung und Billigung.
— Internationale Induſtrie= und
Ge=
werbeausſtellung in Turin. Die
Weltausſtel=
lung in Brüſſel geht ihrem Ende entgegen und da rückt
das Intereſſe für die nächſtjährige große Internationale
Induſtrie= und Gewerbeausſtellung in Turin immer mehr
in den Vordergrund. Wie uns von orientierter Seite
mit=
geteilt wird, beteiligt ſich erfreulicherweiſe die deutſche
In=
duſtrie an der Turiner Ausſtellung in ſo reichem Maße,
daß für die bisher noch unſchlüſſigen Intereſſnten baldigſte
Entſcheidung dringend erwünſcht iſt. Das bisherige
Er=
gebnis der Anmeldungen iſt um ſo bemerkenswerter, als
die auf beiden Seiten des Po in dem ſchönen Turiner
Stadtpark errichteten Gebäude der Internationalen
Indu=
ſtrie= und Gewerbeausſtellung eine Fläche von 250000
Quadratmeter bedecken, während die geſamten
Baulich=
keiten der Brüſſeler Ausſtellung nur 190000
Quadrat=
meter umfaßten.
C. K. Luftdruckſchwankungen als Urſache
der plötzlichen Todesfälle. Früher war der
Glaube verbreitet, daß der ſogenannte Schlag ſich
haupt=
ſächlich zur Zeit der Aequinoktialſtürme, d. h. im letzten
Drittel der Monate März und September einſtelle. An
der Hand der Todesurſachenſtatiſtik hat nun aber
Rade=
ſtock, wie im Globus mitgeteilt wird, nachgewieſen, daß!
die meiſten derartigen Sterbefälle der Reihe nach in den
Monaten Januar, März und Dezember eintreten, während
ſie in den Monaten September, Auguſt, Oktober, Juni
und Juli am ſeltenſten ſind. Die drei erſtgenannten
Mo=
nate haben zweifellos die meiſten Tage mit raſchen und
ſtarken Luftdruckſchwankungen aufzuweiſen, bei denen ſich
das Fallen des Barometers innerhalb 24 Stunden
um=
mehr als 5 Millimeter feſtſtellen läßt. Dieſe erheblichen
Luftdruckſchwankungen müſſen nun unbedingt mit den
plötzlichen Todesfällen an Herzſchlag, Gehirnſchlag oder
Altersſchwäche in Beziehung gebracht werden. Leidende
mit Herz= oder Gefäßerkrankungen ſind daher in dieſen
Monaten beſonders gefährdet; ſie werden gut tun, ſich bei
ſtarken Barometerſchwankungen möglichſt ruhig zu
ver=
halten, keine körperlichen Anſtrengungen auf ſich zu laden
und überhaupt das Ausgehen nach Möglichkeit zu
ver=
meiden.
C.K. Eine Statiſtik zur
Großſtadt=
hygiene. Die unbebauten Flächen in den Häuſermeeren
der Großſtadt ſind gleichſam die Lungen, die dieſem
ge=
waltigen Organismus friſche und gute Luft zuführen
müſſen. Die Bedeutung dieſer freien Flächen für die
Hygiene der Großſtadt wird nun durch eine Statiſtik
illu=
ſtriert, die Georges Risler in der Revue de Paris
ver=
öffentlicht. Die Ziffern der Tuberkuloſeſterblichkeit werden
hier mit dem Prozentſatz der unbebauten Fläche von
Paris, Berlin und London konfrontiert. Danach beträgt
die Sterblichkeit an Schwindſucht in London bei 14 Proz.
unbebauten Terrains 1,9 Proz., die von Berlin bei
10 Proz. freier Fläche 2,2 Proz., die von Paris bei
4½ Proz. nicht mit Häuſern beſetzten Areals 5,1 Proz.
Man ſieht daraus, daß London, das dreimal ſoviel freie
Fläche beſitzt als Paris, nur ein Drittel ſoviel Verluſte
durch die Tuberkuloſe erleidet. Nicht viel ungünſtiger
liegen die Verhältniſſe in Berlin. Die großen Summen,
die durch die Anlage von Spielplätzen und Gärten
ver=
ſchlungen werden, ſind alſo durch die Verminderung der
Sterblichkeit reichlich aufgehoben. In Paris ſelbſt iſt die
Tuberkuloſeſterblichkeit in den um die Champs Elyſées
gelegenen Stadtteilen wegen der großen hier vorhandenen
unbebauten Fläche ſehr gering, nur 1:1000, während ſie
in den dichteſtbevölkerten und am engſten bebauten
Vier=
teln auf 10½: 1000 ſteigt.
Literariſches.
Das älteſte deutſche Bauernhaus konnte
bis vor kurzer Zeit von Heidewanderern eim
Dorfe Oldendorf in der Lüneburger Heide
bewun=
dert werden. Nun hat das Feuer auch dieſes
Bau=
werk, das zu den älteſten Häuſern Deutſchlands gezählt
wurde, vernichtet. Man hat wenigſtens noch eine
Photo=
graphie von dem ehrwürdigen Bau gerettet und dieſe iſt
im neueſten (5.) Heft der illuſtrierten Zeitſchrift Zur
Guten Stunde (Deutſches Verlagshaus Bong & Ko.,
Berlin W. 57; Preis des Vierzehntagsheftes 40 Pfg.)
re=
produziert. Dasſelbe Heft widmet auch dem nun aus den
Erdbebentrümmern wiedererſtandenen San Franzisko
einen intereſſanten, reichilluſtrierten Aufſatz. Vorzügliche
ſchwarze und farbige Illuſtratinoen ſchmücken das Heft.
Gedichte, Novellen, allerlei Aufſätze über praktiſche und
wiſſenswerte Dinge geben reichen Leſeſtoff. Außerdem ſind
in jeder Nummer der alten beliebten Zeitſchrift die
Fort=
ſetzungen zweier großer Romane „Der Stallbaron” von
Hanna Brandenfels und „Königsliebchen” von Guſtav
Klitſcher enthalten. Zwei beſondere, illuſtrierte Rubriken
„Erfindungen und Entdeckungen” und „Für unſere
Frauen” ſorgen für Belehrung und Anregung auf
wiſſen=
ſchaftlichem und hauswirtſchaftlichem Gebiet.
— Der außerordentliche Lurus, der jetzt alle
Mode=
gebiete beherrſcht, zeigt ſich nirgends ſo markant, als auf
dem Gebiete der Lingerie. Solide, ſchlichte Damenwäſche,
wie ſnſere Größmütter ſie liebten, iſt heute ein ziemlich
überwundener Standpunkt. Die moderne Lingerie bringt
heute aus zartem Nanſonk, aus ſpinnmebdünnem Batißtt
Seite 6.
inkruſtiert mit echten Valenciennes, Iriſh und Clunys und
mit feinſter Handſtickerei und Säumchen verziert, wahre
kleine Kunſtwerke hervor, an denen ſelbſt die neidiſchen
Urahnen ihre Freude haben müßten. Das Reizendſte, was
es im Lingerie=Genre gibt, findet man in dem jetzt
erſchie=
nenen Album La Lingerie Pariſienne Nr. 3,
welches von dem durch ſeine erſtklaſſigen
Damenmodejour=
nale bekannten Mode=Verlag Le Grand Chie in Wien 18,
Witthauergaſſe 17, herausgegeben wird; La Lingerie
Pari=
ſienne iſt in Luxusausführung (mit zirka 700 Modellen)
um 6 Kr. (5 Mk.) zu beziehen und auch im Buchhandel
er=
hältlich. Der Preis der kleinen Ausgabe (350 Modelle)
beträgt 2,50 Kr. (2 Mk.).
— A. Hartlebens Volks=Atlas, enthaltend
86 Karten in 125 Kartenſeiten, nebſt 75 Spezialkarten und
Plänen. Mit Text und alphabetiſchem Namenregiſter.
Fünfte, vollſtändig umgearbeitete und erneuerte Auflage.
Groß=Folio=Format. Das Werk wird komplett in 25
Lie=
ferungen zu 60 Heller (50 Pfg.). In Halbfranz geb. 15 Mk.
(Lieferungen 6—10.) (A. Hartlebens Verlag in Wien und
Leipzig.) In den bisher erſchienenen 10 Lieferungen von
Hartlebens Volks=Atlas, der in bezug auf ſeinen geradezu
ſtäunenswert billigen Preis auch tatſächlich ein ſolcher iſt,
findet ſich ein Kartenmaterial vor, das an Reichhaltigkeit,
Exaktheit in der Ausführung und Ueberſichtlichkeit der
ein=
zelnen Kartenbilder hervorragend daſteht und auch gewiß
jedermann vollauf befriedigt.
— Ludwig Speidel. Eine literariſch=
biographi=
ſche Würdigung von Ludwig Heveſi. Berlin S.W. 11
bei Meyer & Jeſſen. Preis 1 Mk. Mit intimer Kenntnis
wird hier Speidels maſſiger und doch ſo fein gegliederter
Geiſt in allen ſeinen Beziehungen zur Muſik, zur Malerei
ſeiner Zeit, zu ſeiner klugen, ſtillen Frau, zu ſeinen
Freun=
den und zu den ihn ewig um Beiträge quälenden
Redak=
tionen geſchildert. Dieſe Monographie iſt nicht mehr und
nicht weniger als eine in ſich geſchloſſene und abſchließende
Einführung zu den geſammelten Werken Ludwig Speidels.
— Deutſche Rundſchau für Geographie.
Unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner
herausgegeben von Profeſſor Dr. Hugo
Haſſin=
ger. 33. Jahrgang. 1910/11. (A. Hartlebens Verlag
in Wien, jährlich 12 Hefte zu 1,15 Mk.) Heft 1. Jedes
neue Heft der „Deutſchen Rundſchau für Georgraphie‟
bringt eine ſolche Menge intereſſanter geographiſcher
Originalaufſätze von hervorragenden
Fachſchrift=
ſtellern und aktueller Mitteilungen vom ganzen
Erdenrund, daß ſich ihr an Reichtum und
Mannig=
faltigkeit des Inhalts kaum eine andere geographiſche
Zeitſchrift zur Seite ſtellen kann. Nicht nur aber, daß
ſie jeden Zweig der Erdkunde im weiteſten Sinne
pflegt, ſo iſt ſie auch mit zahlreichen vorzüglichen
Illu=
ſtrationen nach photographiſchen Aufnahmen
aus=
geſtattet. Dazu kommen regelmäßige Karten über
neueſte Forſchungsreiſen oder zur Erläuterung
phyſi=
kaliſcher und ſtatiſtiſcher Verhältniſſe als Beilagen,
häufig auch noch überdies im Texte.
— Einen muſikaliſchen Roman „Pianiſten” in dem
Liſzt und der Weimarer Kreis von kundiger Hand
höchſt charakteriſtiſch und ſpannend geſchildert ſind,
bringt die „Neue Muſik=Zeitung” als Novum
für Muſik=Zeitſchriften in Heft 1 des neuen (32.)
Jahr=
gangs. Weiter die Einleitung zu einer großen,
wert=
vollen Studie über die muſikaliſche Ornamentik, die
Dr. Sturm als autoriſierte Ueberſetzung des
berühm=
ten Buches Dannreuthers herausgibt. Dann beginnt
der bedeutende, nun 80jährige Violinmeiſter Edmund
Singer in Stuttgart ſeine intereſſanten, humor= und
geiſtvoll geſchriebenen „Memoiren‟. Ein Aufſatz „Alte
Meiſtergeigen” mit Abbildungen von E. Honold, eine
feſſelnde äſthetiſche Studie „Der Gemütsausdruck in
der Muſik” von Dr. Ottmar Rutz, ein Artikel über
die Reformarbeit auf dem Gebiete des Schulgeſangs
ſeien aus dem Inhalt des reichhaltigen, ſchön
illu=
ſtrierten Heftes genannt. Zahlreiche Berichte,
Anek=
doten (aus den Unterrichtsſtunden Bruckners),
Perſo=
nalien, Beſprechungen ergänzen das ausgezeichnet
ge=
lungene erſte Heft, dem neben einem ſchön
empfunde=
nen Liede von Rücklos ein neues Klavierſtück von
Max Reger als Muſikbeilage beigegeben iſt. Die
„Neue Muſik=Zeitung” deren Preis von 2 Mark im
Quartal ſehr wohlfeil zu nennen iſt, empfiehlt ſich
ſelbſt. Verlag von Karl Grüninger in Stuttaart.
Eine Erklärung der badiſchen Regierung.
* Die Karlsruher Zeitung ſchreibt: Außerbadiſche
Blätter haben in den letzten Tagen in ſenſationellem
Tone Maßnahmen der Regierung in Sachen der Reichs=
und Landespolitik auf außerhalb der Regierung
ſtehende Einflüſſe zurückgeführt. Dieſe Artikel
ent=
ſprechen nicht den Tatſachen. Derartige Einflüſſe haben
nicht ſtattgefunden. Uebrigens ſind auch die tatſächlichen
Vorausſetzungen der Artikel nicht zutreffend. Der
Miniſter des Innern hat ſich nicht gewendet, ſondern
verfolgt lediglich die Politik weiter, welche er von
ſeinem Dienſtantritt an vertreten hat. In Sachen der
Reichsfinanzreform hat die Regierung trotz ſchwerer
Bedenken zugeſtimmt, weil ſie keinen anderen Ausweg
aus der mißlichen Finanzlage des Reiches vor ſich ſah.
Welche Gründe für die badiſche Regierung in Sachen
der Schiffahrtsabgaben maßgebend waren, hat der
Miniſter des Innern ſeinerzeit in der Zweiten Kammer
dargelegt. Nachdem eine Probeabſtimmung im
Bun=
desrat gezeigt hatte, daß ſich keine 14 Stimmen gegen
den Geſetzentwurf ergeben würden, hat die Regierung
geglaubt, im Landesintereſſe zu handeln, wenn ſie das
nicht abzuwendende Geſetz tunlichſt dieſem Intereſſe
gemäß zu geſtalten ſuchte. Völlig unverſtändlich und
verwerflich iſt es aber, wenn ein badiſches Blatt den
Auslaſſungen auswärtiger, mit den badiſchen
Verhält=
niſſen völlig unvertrauter Zeitungen eine ſolche
Be=
deutung beimißt, daß es daraus in Verkennung aller
ſachlichen und perſönlichen Verhältniſſe Schlüſſe gegen
Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin Luiſe zieht,
welcher das badiſche Volk gerade deshalb zu tiefer
Dankbarkeit verpflichtet iſt, weil ſie ſeit ihrem Einzug
in das badiſche Land ihr ganzes Denken und Wirken
in den Dienſt der neuen Heimat geſtellt hat.
Die Krankheit des Krouprinzen von Serbien.
* Belgrad, 5. Nov. Das Befinden des
Kronprinzen hat ſich wieder verſchlimmert. Es
iſt eine beträchtliche Steigerung der Temperatur
ein=
getreten, welche neue Komplikationen befürchten läßt.
Unter dieſen Umſtänden wird auch die Reiſe des Königs
von Serbien nach Rom, die bereits auf den 23.
Novem=
ber angeſetzt war, und auf der ihn der Miniſter des
Aeußern Milowanowitſch begleiten ſollte, wieder in
Frage geſtellt. Die behandelnden Aerzte des
Kron=
prinzen haben beſchloſſen, den Wiener Arzt W. Chwoſtek
abermals nach Belgrad zu berufen.
* Belgrad, 5. Nov. Um 11 Uhr abends wurde
folgender Krankheitsbericht versffentlichte Der
Kronprinz verbrachte den heutigen Tag in gutem ſub==
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 7. November 1910.
jektiven Befinden. Er nahm Nahrung, die er ſelbſt
verlangt hatte, in genügender Menge zu ſich. Die
Temperatur iſt mit leichter Schweißabſonderung bis
mittags auf 37,6 gefallen. Nachmittags ſtieg die
Temperatur und erreichte bis 5 Uhr 39,1. Um 10 Uhr
betrug ſie 38,4. Puls 84, Atmung 22.
* Belgrad, 5. Nov. Die neuerlich
eingetre=
tene Verſchlimmerung im Zuſtande des
Kronprinzen ruft unter der Bevölkerung lebhafte
Teilnahme hervor. Anläßlich der unerwarteten
Wen=
dung tauchten in der Stadt Gerüchte auf, daß das
Be=
ſinden des Kronprinzen weit ernſter wäre, als aus dem
offiziellen Bulletin erſichtlich ſei. Aus
wohlinformier=
ten Kreiſen wird demgegenüber erklärt, daß dieſe
Ge=
rüchte vollkommen grundlos ſeien, da niemand ein
Intereſſe daran haben könne, die Oeffentlichkeit
irrezu=
führen. Uebrigens werde durch die Bulletins ſelbſt der
Verlauf der Krankheit in der genaueſten Weiſe
dar=
gelegt.
Belgrad, 6. Nov. Der Kronprinz ſchlief
nachts mit Unterbrechungen, gegen Morgen ruhiger.
Früh fühlte ſich der Patient etwas ermüdet. Nahrung
verlangte er ſelbſt. Die Unterſuchung zeigte eine leichte
Bronchitis. Temparatur 38.5.
Feſt des Deutſchen Schulvereins.
* In dem Rahmen eines „Heſſiſchen Volksfeſtes”
veranſtaltete der Verein für das Deutſchtum
im Ausland (Allgemeiner Deutſcher Schulverein)
am Samstag abend in ſämtlichen Räumen des
ſtädti=
ſchen Saalbaues ein großes Wohltätigkeitsfeſt, das ſehr
zahlreich beſucht war und zur höchſten Befriedigung
aller Beſucher verlief. Die Räume des Saalbaues
trugen einen einfachen, aber feſtlichen Schmuck aus
Tannengrün und Tannengirlanden; ſehr hübſch
nahmen ſich die von Tannenzweigen eingerahmten
Odenwaldlandſchaften an den Galerielogen aus; den
Hintergrund des Gartenſaales bildete eine
Rieſenland=
ſchaft des Otzberges, und auch in den oberen Räumen
waren Odenwaldanſichten als Dekoration benutzt. Die
ſchönſte Dekoration aber bildete der Flor junger
Damen, der das feſtliche Bild belebte.
Nachdem ſich der Menſchenknäuel in dem
Garde=
roberaume und dem Saal gelöſt hatte, begann die den
erſten Teil des Abends bildende Aufführung des
Stückes „s Millerſch Liesklvunn Mich’lboch”,
eines heiteren Volksſtücks mit Muſik, Geſang und Tanz
in 3 Akten, von Herrn Franz Schwalbach. Es
iſt ein Volksſtück im beſten Sinne des Wortes in der
Mundart des Ulfentales, das vielfach an die
Anzen=
gruberſchen Bauernkomödien erinnert. Die Regie
führte der Verfaſſer des Stückes, Herr
Schwal=
bach, ſelbſt, der auch die Rolle des Mühlbauers ſpielte,
und zwar mit vollendeter Beherrſchung ſeiner
ſchau=
ſpieleriſchen Aufgabe und des Dialektes. Die Titelrolle
ſpielte Frl. Th. Nothnagel friſch, liebenswürdig und
gewandt, den Chriſchd’l, ihren Schatz, Herr Bär mit
einer” einem Künſtler von Beruf nichts nachgebenden
ſchauſpieleriſchen Routine, brillant und mit der Energie
einer geſunden Bauernnatur verkörperte Frau
Archi=
tekt Harres die Bäſ’l Kathrin. Charakteriſtiſche
Bauerngeſtalten waren die Margräit der Frau
Häling, der Lipp und die Dreid’l des Herrn Credel
und des Frl. Kappeſſer und der dumme Pait’I
des Herrn Dr. Rühl. Die übrigen Rollen wurden
geſpielt von den Herren Dr. Handke (Jockl), Prof.
Getroſt (Bürgermeiſter); Dieſtelmann (
Schul=
lehrer), Dr. Köſer (Schröpp’r), Dr. Heinemann
(Polizeidiener), Baurat Wagner (Gander) und
Frl. Math. Stegmeyer (Frau Gander), ſowie Herrn
Reg.=Bauführer Vollert (Hochziglader), die ein
famoſes Enſemble abgaben.
Das in Waldmichelbach im vorigen Jahrhundert
ſpielende Stück fand dank der vortefflichen Aufführung
beifälligſte Aufnahme. Der hübſche und originelle
Volkstanz der Hochzigborſcht und Hochzigmäid im
letz=
ten Akte hatte einen beſonders durchſchlagenden Erfolg
und mußte wiederholt werden. Viellicht ſchlöſſe das
Stück beſſer und wirkungsvoller mit dieſem ab. Der
Verfaſſer und Regiſſeur, Herr Schwalbach, wurde
durch Ueberreichung eines prachtvollen Lorbeerkranzes
geehrt. Das Orcheſter ſtellte die Kapelle des Leibgarde=
Inf.=Regts. unter der Leitung des Herrn
Obermuſik=
meiſters Hauske.
Nach Beendigung der Vorſtellung begann der
Jahrmarkt, und es entwickelte ſich an den von
Damen bedienten Büfetts und den Ständen in den
unteren und oberen Räumen ein lebhaftes Treiben,
wobei es ohne das bei den beſchränkten Räumlichkeiten
des Saalbaues übliche Gedränge nicht abging. Die
zahlreichen jungen Damen und die Frauen in ihren
Odenwälder= und oberheſſiſchen Koſtümen, in vielfachen
Spielarten und Variationen, die dem Feſte ſeinen
eigenartigen Charakter verliehen, kamen jetzt und
ſpäter beim Tanze erſt zu voller Geltung. Sie waren
originell, ſtilvoll und hübſch, ob ſie aber für unſere
jungen Damen beſonders kleidſam ſind, iſt eine andere
Frage. Vielfach hatten ſie ſich deshalb durch Stiliſieren
der Koſtüme, vorteilhaftere Haarfriſuren und
Kopfbe=
deckungen dem moderneren Geſchmack etwas genähert.
Jedenfalls aber war dem Feſte der einheitliche
Charak=
ter eines heſſiſchen Volksfeſtes durch ſie gewahrt
worden.
Der Zudrang zu den Verkaufs= und
Erfriſchungs=
ſtänden aller Art — Stände für Blumen, Poſtkarten,
heſſiſchen Weißwein, Lebkuchen und Tombola, mehrere
Büfetts, Sektſtände, Tee= und Kaffeezimmer und
Bier=
ſtube —, an denen die Damen mit unermüdlicher
Liebenswürdigkeit und Aufopferung ihres Amtes
wal=
teten, war, wie ſchon bemerkt, gewaltig. und der Umſatz
dürfte ihm entſprochen haben. Auch die Aufführungen
in der „Spinnſtube” im oberen Saale wurden ſehr
zahl=
reich beſucht.
Um 12 Uhr begann der Tanz, der mit einer
Polo=
näſe eröffnet wurde, an der ſich gegen 180 Paare
betei=
ligten. Er bildete einen der Jugend erwünſchten
Ab=
ſchluß des ſchön verlaufenen Feſtes.
Darmſtadt, 7. November.
* Vom Hoftheater. Der Spielplan für dieſe Woche
hat inſofern eine Aenderung erfahren, als am
Mitt=
woch, den 9. ds. Mts., nicht „Taifun” ſondern auf
Allerhöchſten Befehl das deutſche Weihnachtsſpiel
„Bonifacius” zur Aufführung kommt. Dieſer.
Vor=
ſtellung werden ſämtliche Höchſten Herrſchaften, auch Ihre
Majeſtät die Zarin, beiwohnen.
Der geſtrigen Aufführung der Saint=Saensſchen
Oper „Samſon und Dalila” wohnten der Kaiſer
von Rußland mit den beiden älteſten Großfürſtinnen=
Töchtern, der Großherzog und die Großherzogin, Prinz
Heinrich von Preußen und die Prinzeſſin Luiſe von
Battenberg bei. Die Aufführung fand vor nahezu aus=
verkauftem Hauſe ſtatt und war von einem bedeutenden
künſtleriſchen Erfolge begleitet.
* Die Großfürſtin Sergius von Rußland iſt am
Samstag von Jagdſchloß Wolfsgarten wieder
ab=
gereiſt.
J. Der Kriegerverein hielt am Samstag abend im
großen Saale der Turngeminde am Woogsplatz ſeine
erſte Winterverſammlung in Geſtalt eines
Familienabends ab, die recht gut beſucht war.
Die Unterhaltung beſtand in einem Lichtbildervortrag
des Kam. Louis Geiſt, Konzert einer Abteilung des
Muſikkorps des Großh. Feldart.=Regts. Nr. 25, ſowie
Tanz. Kam. Louis Geiſt wußte mit der ihm eigenen
großen Geſchicklichkeit in Wort und Bild durch ſeine
Erlebniſſe auf einer Tour durch die Schweiz, das
Engadin und Oberbayern, ſowie einer weiteren Reiſe
nach der Nordſee eine angenehme Unterhaltung zu
be=
reiten. Die Lichtbilder von der Tour durch das
Enga=
din, von Konſtanz ausgehend über den Albula,
Pon=
treſina, Bernina bis Sandeck, von Innsbruck über
den Berner nach Tolbach, Mendel, zurück durch
Ober=
bayern, boten eine mannigfache Abwechſelung von
Landſchaften, Bergen, Höhen, Tälern,
Unterkunfts=
ſtellen uſw., ferner waren nicht minder unterhaltend
die Anſichten der drei bayeriſchen Königsſchlöſſer
Neu=
ſchwanſtein, Lindenhof, Herrenchimſee und die
ver=
ſchiedenen Anſichten von München. Die zweite
Abteil=
ung ſeines Vortrages verſetzte die Zuſchauer nach
dem Seebad Blankenberghe an der Nordſee, wo unter
den ſchwierigſten Verhältniſſen die intereſſanteſten
und pikanteſten Aufnahmen auf die Platte gebracht
worden ſind. Den Schluß ſeines Vortrages bildeten
die Aufnahmen des Einzugs der Kaiſerlich Ruſſiſchen
Herrſchaften in Darmſtadt, ſowie Bildniſſe der
Groß=
herzoglichen Familie. Seine Schlußworte klangen
aus in ein dreifaches Hoch auf die Großherzogliche
Familie. Der Dank des erſten Vorſitzenden,
Haupt=
mann a. D. Waldecker, für den ausgezeichneten
Vortrag wurde mit reichem Beifall aufgenommen. Die
Anweſenden ehrten die Bemühung des Kam. Geiſt
durch Erheben von den Plätzen. Der Tanz bot noch
eine angenehme Unterhaltung bis zum frühen
Morgen.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 5. Nov. Die Nordd. Allg. Ztg. iſt zu der
Feſtſtellung ermächtigt, daß die Mitteilungen des
Univers, nach welcher der Kaiſer mit der Abfaſſung
einer Geſchichte Friedrichs des Großen
be=
ſchäftigt ſei, völlig erfunden iſt.
* Berlin, 5. Nov. Heute mittag wurde im
ſtädti=
ſchen Schlacht= und Viehhof der Ausbruch der Maul=
und Klauenſeuche feſtgeſtellt. Der Markt wurde
geſperrt.
* Berlin, 6. Nov. Geſtern nacht erſchoß der
Arbeiter Schulz, der in der Kösliner Straße im
Kon=
kubinat mit einer gewiſſen Meißner lebte, dieſe und
dann ſich ſelbſt. Das Motiv bildete Eiferſucht.
* Berlin, 6. Nov. Nach Erkundigungen an
zu=
ſtändiger Stelle iſt das bei Lepanto auf Grund
ge=
ratene deutſche Stationsſchiff Loreley” bereits geſtern
wieder freigekommen. Das Schiff iſt unbeſchädigt.
* Berlin, 6. Nov. Der Kronprinz und die
Kronprinzeſſin von Schweden ſind heute
vormittag hier eingetroffen und begaben ſich nach
Potsdam.
* Potsdam, 6. Nov. Der Kronprinz und die
Kronprinzeſſin von Schweden wurden bei
ihrer Ankunft auf der Station Wildpark vom Kaiſer,
der Prinzeſſin Viktoria Luiſe, den Prinzen Adalbert,
Oskar und Joachim empfangen und nach herzlicher
Be=
grüßung nach dem Neuen Palais geleitet.
* An Bord des Reichspoſtdampfers „Prinz Ludwig”
4. Nov. Durch Funkenſpruch über Pola. Heute
vor=
mittag 10 Uhr paſſierte der Dampfer des
Norddeut=
ſchen Lloyd „Prinz Ludwig” bei herrlichem Wetter die
Straße von Meſſina. Der Kronprinz und die
Kronprinzeſſin, die ſich in guter Stimmung
be=
finden, betrachteten Meſſina und Reggio mit großem
Intereſſe.
* Lichtenberg, 5. Nov. Die in Lichtenberg, Stralau
und Boxhagen=Rummelsburg beſtehende „Freie
Jugendorganiſation der öſtlichen
Vor=
orte Berlins” wurde auf Grund des § 2 des
Reichsvereinsgeſetzes vom 19. April 1908 durch den
königlichen Polizeipräſidenten in Lichtenberg
auf=
gelöſt, weil ihr Zweck den Strafgeſetzen
zuwider=
läuft.
* Trebnitz, 5. Nov. Heute mittag wurde das hier
er=
richtete Seydlitzdenkmal enthüllt. Der Feier
wohn=
ten als Vertreter des Kaiſers General der Kavallerie z. D.
Frhr. v. Biſſing, Angehörige der Familie Seydlitz und der
kommandierende General des 6. Armeekorps von
Woyrſch bei.
* Oberurſel, 6. Nov. Auf der von der Frankfurter
Lokalbahn=Aktiengeſellſchaft betriebenen elektriſchen
Bahn=
linie Oberurſel=Hohemark ſtießen heute Vormittag
gegen 9 Uhr bei der Weiche Steinmühle=Motorenfabrik
zwei von entgegengeſetzter Richtung kommende Wagen
zuſammen. Zwei Schaffner und drei Paſſagiere
er=
litten leichte Verletzungen teils durch Beinquetſchungen,
teils durch Glasſplitter. Alle Verletzten konnten ihre
Wohnung aufſuchen. Es herrſchte ſtarker Nebel.
* Karlsruhe, 5. Nov. Die Karlsruher Zeitung
ſchreibt: Die Zeitungsnachricht, daß Baden die Grenzen
gegen Frankreich unter gewiſſen Beſchränkungen für
die Vieheinfuhr geöffnet und dazu die
Zuſtim=
mung des Herrn Reichskanzlers erhalten habe, iſt
rich=
tig. Die Maßnahme kann aber erſt vollzogen werden,
wenn Elſaß=Lothringen, deſſen Gebiet der
Transport durchlaufen muß, zugeſtimmt hat. Da
dieſe Zuſtimmung noch ausſteht, konnte die Nachricht
bisher amtlich nicht veröffentlicht werden.
* Köln, 5. Nov. Infolge des anhaltenden
Regen=
wetters der letzten Tage iſt der Rhein ſeit geſtern
um 1,15 Meter geſtiegen.
* Neutomiſchel, 5. Nov. Nach dem vorläufigen
amtlichen Wahlreſultat wurden bei der
geſtri=
gen Reichstagserſatzwahl im 4. Poſener Wahlkreiſe
(Neutomiſchel=Grätz, Koſten=Schmiegel) im ganzen
22 178 Stimmen abgegeben; davon entfielen auf von
Morawski (Pole) 16476, Schwartzkopff (
Deutſchkonſer=
vativ) 5648 und Sremski (Soz.) 43 Stimmen; zerſplittert
waren 11 Stimmen. Morawski iſt gewählt.
* Wien, 5. Nov. Einer Privatmeldung zufolge
wurden die beiden vermißten Wiener Touriſten
Mittelſchulehrer Derganz und Ingenieur
Himmel=
bauer, auf der Nordwand der Planſpitze tot
auf=
gefunden.
* Prag, 5. Nov. Der geſtern hier verſtorbene
tſche=
chiſche Baurat Wiehl hat ſein ganzes, aus über einer
Million Kronen und bedeutenden Realitäten beſtehendes
Nummer 261.
Verndgen der tſchechiſchen Akademie behuſe
För=
derung naturwiſſenſchaftlicher und techniſcher Forſchungen
hinterlaſſen.
* Paris, 6. Nov. Man glaubt in
Parlaments=
kreiſen, daß die Regierungserklärung, mit
welcher das neue Miniſterium am Dienstag vor die
Kammer treten wird, ſofort zu einer lebhaften
Erörte=
rung Anlaß geben dürfte. Der unabhängige Sozialiſt,
Profeſſor Painleve, kündigt an, daß er eine
Inter=
pellation über die allgemeine Politik der Regierung
ein=
bringen werde. Ferner wird der gemäßigte Republikaner
Leroy Beaulieu über die Bedeutung des Eintritts
Laferres in das neue Kabinett interpellieren. Man hält
es auch für möglich, daß ſich über die Frage des
Streik=
rechts der Angeſtellten der öffentlichen Betriebe ſofort
eine heftige Debatte entſpinnen werde.
* London, 5. Nov. Nach einer Lloydmeldung aus
Tenerifa ſchiffte der Frachtdampfer „Urſula” der=
Hamburg=Südamerikaniſchen
Dampfſchiffahrtsgeſell=
ſchaft dort zwei Matroſen des engliſchen Dampfers
„Kurdiſtan” aus, der auf der Fahrt von Mancheſter
nach Baſſora am 20. Oktober ſechzig Meilen von den
Scillyinſeln untergegangen war. Die beiden
Matroſen waren 26 Stunden nach dem Untergange des
Dampfers völlig erſchöpft von einem engliſchen
Fahr=
zeug aufgefiſcht worden und wurden am 2. November
der „Santa Urſula” übergeben. Der Reſt der Beſatzung
der 2813 Tonnen faſſenden „Kurdiſtan” iſt ertrunken.
* London, 5. Nov. Die Berufung Crippens
gegen das gegen ihn ergangene Todesurteil wurde
ver=
worfen.
* Stockholm, 6. Nov. Die Akademie der
Wiſſen=
ſchaften beſchloß geſtern, den diesjährigen Nobelpreis
für Phyſik dem Profeſſor J. D. van der Waals=
Amſterdam wegen ſeiner Arbeiten über den Zuſtand der
Gaſe und Flüſſigkeiten zu erteilen.
* Madrid, 5. Nov. Das Miniſterium des
Auswärtigen erklärt es für unrichtig, daß es von
Marokko eine Entſchädigung von 105 Millionen
Peſetas verlangte. Es verlangte nur 65 Millionen
Peſetas, die El Mokri zugeſtand, der Maghſen wies
jedoch die Forderung als zu hoch für ſeine Geldmittel
zurück.
* Madrid, 6. Nov. Nach einer amtlichen Mitteilung
herrſcht ſowohl in Barcelona wie in Sabadell
heute Ruhe.
* Liſſabon, 6. Nov. Der Zyklon richtete in der
Provinz Algarve großen Schaden an. Die Zahl
der Opfer iſt nicht bekannt. Mehrere Fiſcherboote
ſcheiterten. Ein größeres Schiff iſt geſunken. Zehn
Mann der Beſatzung ſind ertrunken.
* Athen, 6. Nov. Die Blättermeldung über den
Rücktritt des Oberkommiſſars von Kreta, Zaimis, iſt
unbegründet.
* Konſtantinopel, 5. Nov. Die Pforte richtete an
die perſiſche Regierung eine Note, in der die
perſiſchen Beſchwerden über Uebergriffe der türkiſchen
Truppen in perſiſchen Gebieten widerlegt werden.
Der Botſchafter in Petersburg wurde beauftragt, eine
ähnliche Erklärung der ruſſiſchen Regierung abzugeben.
* Konſtantinopel, 5. Nov. Direktor
Helffe=
rich hatte heute nachmittag eine längere Beratung
mit dem Finanzminiſter. Nach den Erklärungen des
Miniſters=an den Vertreter des Korreſpondenzbureaus
wurde bereits über die Hauptpunkte der
Finanzope=
ration ein Einvernehmen erzielt. Die Anleihe ſoll
elf Millionen Pfund betragen; hiervon ſind ſechs
Millionen für dieſes Jahr, der Reſt für das nächſte
Jahr, der Zinsfuß auf 4 Prozent und der
Emiſſions=
preis ſoll auf 84 feſtgeſetzt ſein. Die Bankengruppe
ge=
währt bis zur Emiſſion der Anleihe je nach Bedürfnis
Vorſchuß gegen 5½prozentige Schatzſcheine. — Morgen
wird die Beratung fortgeſetzt, worauf der Vertrag dem
Miniſterrate unterbreitet wird. Die Unterzeichnung
des Vertrages dürfte zu Anfang nächſter Woche
er=
folgen.
*Havana, 6. Nov. Die Wahlen zur Zweiten
Kammer ergaben bisher folgendes Reſultat: Gewählt
ſind 21 Liberale, 19 Konſervative.
* Buenos=Aires, 5. Nov. Die Kammer begann
die Beratung des Budgets. Der
Finanz=
miniſter empfahl große Beſchränkung der Ausgaben
und den Aufſchub aller nicht unbedingt nötigen
Arbei=
ten, beſonders derjenigen in mehreren Häfen, ſowie die
Verminderung der Zahl der Beamten. Er trat ferner
für die Vorbereitung der Konvertierung verſchiedener
Schulden zu 4 Prozent ein und ſprach ſich gegen die
mißbräuchliche Aufnahme von Anleihen und eine
Aen=
derung des Münzſyſtems aus. Der Miniſter
bezeich=
nete die Ernteausſichten als günſtig.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 7. November 1910.
Seite 7.
H.B. Paris, 6. Nov. Die Unterſuchung über den
Eiſenbahnerausſtand, ſowie die vorgenommenen
Hausſuchungen führten zur Entdeckung wichtiger
Doku=
mente. Unter anderem wurden Briefe beſchlagnahmt, die
von hervorragenden Mitgliedern des
Streikkomi=
tees ſtammen und in denen die Sabotage
befür=
wortet wird. Mehrere in der Provinz verhaftete
Eiſen=
bahner haben eingeſtanden, daß die Sabotage auf Anraten
der Komiteemitglieder verübt worden ſei.
H. B. Paris, 6. Nov. Zu den Vorgängen in
Saba=
dell wird aus Barcelona gemeldet: Nachdem geſtern
früh die Ausſtändigen in Sabadell verſucht hatten, nach
Barcelona zu gelangen, von der Gendarmerie jedoch
zurückgedrängt wurden, erfolgte in den
Mittags=
ſtunden ein zweiter Verſuch, der jedoch mißlang. Außer
dem Vorſitzenden des Arbeiterbundes und dem
Vorſitzen=
den des Metallarbeiterverbandes wurden auch Verhaf=
tungen von Arbeitern im Lauſe des geſtrigen Tages
vor=
genommen. Militär= und Zivilbehörden haben
umfaſ=
ſende Maßnahmen getroffen, um die Unruhen zu
unter=
drücken. Gegen 6 Uhr abends ſammelten ſich über 2000
Arbeiter an, um nochmals zu verſuchen, nach Barcelona
zu gelangen. Auch hier war aber die Polizei raſch zur
Stelle und ſchnitt den Ausſtändigen den Weg ab. Um
9 Uhr abends wurde noch ein erfolgloſer Verſuch
unter=
nommen. Ein abends 11 Uhr aufgegebenes Telegramm
beſagt, daß der Verſuch, nach Barcelona zu gelangen,
auf=
gegeben worden ſei. Alle Straßen ſind militäriſch beſetzt,
das Militär verhindert jede Anſammlung. Das Militär
hat Befehl erhalten, bei etwaigen Ausſchreitungen ſofort
energiſch und mit blanker Waffe vorzugehen.
II. B. Madrid, 6. Nov. An der portugieſiſchen Grenze
wurden geſtern 5 Generale, 17 höhere und mehrere
ſub=
alterne Offiziere verhaftet, die an dem Komplott
gegen die proviſoriſche Regierung beteiligt geweſen ſein
ſollen.
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und Frau
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Darmstadt, den 5. November 1910. (21659
Statt jeder beſonderen Mitteilung.
Allen Freunden und Bekannten die traurige
Nachricht, daß unſere liebe, herzensgute Tochter,
Schweſter, Schwägerin und Tante (21658
Toni Becker
heute nach kurzem ſchweren Leiden, im Alter
von 44 Jahren, ſanft entſchlafen iſt.
Darmſtadt,
Mainz,
7 den 5. Nov. 1910.
Hannover,
Die trauernden Hinterbliebenen:
Ferdinand Becker, Geh. Baurat i. P.,
Luise Becker, geb. Lanz,
Wilhelm Becker, Baurat,
Thekla Becker,
Garl Becker, Regierungsbaumeiſter,
Sophie Becker, geb. Ritsert,
Luise Becker,
Carola Becker.
Die Beerdigung erfolgt vom Sterbehaus,
Heinrichſtr. 130 aus, Dienstag, den 8. d. Mts.,
vormittags 11 Uhr, auf dem Darmſtädter
Friedhof.
Krieger-Verein
Darmſtadt.
Todes=Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen,
unſer langjähriges Mitglied
(21635
Herrn
Dr. med. Hermann Lossen
aus dieſem Leben abzurufen.
Die Beerdigung findet Montag, 7.
No=
vember, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhauſe,
Steinſtraße 23 aus, ſtatt.
Sammlung daſelbſt.
Zur Teilnahme an der Beerdigung
wer=
den die Kameraden von Herden bis Kuſchel,
ſowie der 4. Bezirk erſucht.
Der Vorſtand des Kriegervereins
Darmſtadt.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden unſerer lieben Mutter, Frau
Katharina Dintelmann Wwe.
(21605
ſagen innigſten Dank
die trauernden Hinterbliebenen.
Wixhauſen, 1 5. November 1910.
Arheilgen,½
Tageskalender.
Konzert der Großh Hofmuſik um 7 Uhr im Hoftheater
(Hauptprobe vormittags 10 Uhr).
Vorſtellung um 8½ Uhr im Orpheum.
Monatsverſammlung des Vereins für Vogel= und
Geflügelzucht um 9 Uhr in der „Krone‟
Konzert um 5 Uhr im „Kölniſchen Hof”.
Konzert um ½ 8 Uhr im Bürgerkeller.
Konzert um 8 Uhr im Hotel Heß.
Geflügel= u. Vogel=Ausſtellung in der „Stadt
Pfungſtadt”
1. Darmſtädter Kinematograph (Ecke Rhein= und
Grafenſtraße): Vorſtellungen von 3½—11 Uhr.
Olympia=Kinematograph Ernſt=Ludwigſtr. 23.
Verſteigerungskalender.
Dienstag, 8. November.
Hofreite=Verſteigerung des Heinr. Müller (
Lieb=
frauenſtraße 74) um 10 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Hofreite=Verſteigerung des Chr. Lampe (
Feldberg=
ſtraße 58) um 10 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Laubſtreu=Verſteigerung um 10 Uhr zu
Forſt=
haus Kranichſtein.
Städtiſche Leſe= und Bücherhalle, Louiſenſtr. 20.
Die Leſehalle iſt geöffnet an Wochentagen von
10—2 und von 6—9½ Uhr, Sonntags von 11—1 und
von 5—9 Uhr. Büche rausgabe findet ſtatt an jedem
Wochentage von ½11 bis ½1 Uhr und abends von
6 bis 9½ Uhr.
Beſtellungen
auf das
„Darmſtädter Tagblatt‟
werden in der Expedition, ſowie von allen
Poſtanſtalten entgegengenommen.
Druck und Verkag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Htreeſe;
für den Inſeratenteil: J. Kroſt, ſämtlich in Darmſtadt. —
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.
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Diese edle Fähigkeit zierlicher Frauenhände immer mehr verdrängt! Anfangs war
es die Technik, welche unsere Frauen von den Webstühlen vertrieb, später in schneller
Aufeinanderfolge gönnten neuartige Pflichten und Interessen (Frauenberufe — Sport —
Spiel etc.) der Schaffenden nicht mehr die nötige Muse.
Die wundervollen Produkte unserer deutschen Industrie haben indessen einem grossen
Teil der Bevölkerung die Freude an einer gut gestickten Arbeit erhalten und den Wunsch
aufs neue rege gemacht, sie mit eigener Hand herzustellen.
Das schablonenhafte Fabrizieren von Gebrauchsgegenständen, wie Handtücher —
Kasten — Kissen etc. konnte nicht genügen, einen Stamm treuer Abnehmer zu erhalten;
ein stärkerer Faktor, längst schon in anderen Industriezweigen von einschneidender
Be-
deutung, musste auch hier erfolgreich wirken — — Die Kunst.
Wer je Gelegenheit hatte, die Zeichenateliers der grossen Tapisseriewerkstätten zu
besuchen, erstaunte über den Aufwand an Mühe und Kosten, welche diesem Zweige der
Handarbeitsproduktion gewidmet war.
Künstlerische Entwürfe — Zeichnung und Form — wurden vervielfältigt und
massen-
weise in den Handel gebracht. Mustergrundige Stoffe kamen an den Markt und wandelten
unbeholfene Backfische zu kleinen Künstlerinnen.
Die Materialfabriken standen nicht zurück, und übergreifend auf die allgewaltige
Chemie wurden Farben von unerschütterlicher Festigkeit gefunden.
Das Warenhaus galt auch jetzt wieder als der verständnisvolle Vermittler zwischen
Produzent und Abnehmer. Mundgerechtes Zusammenstellen der verschiedenen Genres und
geschmackvolle Dekorationen taten ihr Uebriges, um das erlahmte Interesse für die
Hand-
arbeitskunst wieder rege zu machen und dauernd zu festigen.
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S. WRenkEin C %
Seite 10,
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 7. November 1910.
Nummer 261
Techniſches.
* Der Durchſchlag im
Königſtuhltunn=
nel zu Heidelberg. Unter den umfangreichen
Vorarbeiten und Arbeiten, die in Ausführung des
Projektes des neuen Heidelberger
Bahn=
hofes zu ſchaffen ſind, war wohl eine der
ſchwierig=
ſten und bedeutendſten die Herſtellung des großen
Königſtuhltunnels, in dem die Württemberger
Linie den Schoß des Gaisberges, des Molkenkur= und
Schloßberges durchſchneidet. Erforderte der Bau
die=
ſes Tunnels doch einen Koſtenaufwand von rund 3½
Millionen Mark. Die Ausführung des Werkes liegt
in den Händen der Frankfurter Firma Holzmann u.
Co., die Bauleitung in Händen der badiſchen
Eiſen=
bahnverwaltung. Für die Bauleitung, die
Unterneh=
merin und die an der Durchführung des ſchwierigen
Werkes beteiligten Arbeiter bedeutete nun der 29.
Oktober inſofern einen großen Tag, als an ihm der
Durchſchlag des Tunnelſtollens, alſo die
Krönung der monatelangen Arbeit im Schoß der
Berge, ſtattfand. Unzählige kleine und große
Alltags=
arbeiten gibt es zu leiſten, bis — im Jahre 1916 — die
ganze, einen Geſamtkoſtenaufwand von rund 40 Mill.
Mark beanſpruchende Bahnhofsanlage als fertig
ange=
ſehen werden kann. Zu der von Bauleitung und
Unter=
nehmerin anberaumten Feierlichkeit hatten ſich u. a.
eingefunden: der Miniſter des Großh. Hauſes und der
auswärtigen Angelegenheiten, Eiſeubahnminiſter Exz.
von Marſchall, der Generaldirektor der
Badi=
ſchen Staatsbahnen, Geh. Rat Roth, mit dem
Vor=
ſtand der Bauabteilung der Generaldirektion, Geh.
Oberbaurat Wasmer, ferner von der Firma
Holz=
mann u. Ko. die Direktoren und Ingenieure. Um halb
11 Uhr verſammelten ſich die Teilnehmer an der Feier
am Karlstor, wo ſie von dem namens der
Bau=
unternehmerin die Honneurs erweiſenden Herrn
Ober=
ingenieur Koch von der Firma Holzmann begrüßt
wurden. Dann folgte die Beſichtigung der den
Arbei=
ten zugrunde liegenden Pläne und Skizzen. Gegen
10¾ Uhr begaben ſich die Verſammelten durch den
ge=
ſchmückten Eingang in den Tunnel. Unter Leitung
des Herrn Oberingenieurs Koch wurde die Sprengung
der Scheidewand vorgenommen. Punkt halb 12 Uhr
mittags ertönte der erſte Schlag; nach 24 Sprengſchüſſen
war der Durchſchlag unter der Molkenkur erfolgt. Die
beiden Bohrlöcher zeigten kaum eine Divergenz; ein
Beweis für die minutiöſe Genauigkeit, mit der die
moderne Technik heute zu arbeiten vermag. Bevor er
die Durchbruchſtelle durchſchritt, richtete der Miniſter
Freiherr von Marſchall eine Anſprache an die
Verſammelten, in der er die Bauleitung und die
Ar=
beiterſchaft zu dem erfolgreich geſchehenen Durchbruch
des Königſtuhltunnels beglückwünſchte. Sei doch der
Tag ein bedeutſamer Zeitpunkt in der Arbeit dieſes
hohen und harten Werkes, das dazu beſtimmt ſei, auf
nahezu zweieinhalb Kilometer Länge dieſen Berg zu
durchbohren, der allgemein bekannt iſt als der Berg
am Ausgang des Neckartales, der das Heidelberger
Schloß trägt, eine der ſchönſten Ruinen der ganzen
Welt! Es ſei hier ein Weg geſchaffen worden, der dazu
beſtimmt iſt, dem Verkehr auf einem wichtigen
Schie=
nenſtrang eine neue Bahn zu eröffnen. Darauf
reich=
ten ſich die Ingenieure der beiden Richtſtollen
brüder=
lich die Hände, und punkt 12 Uhr durchſchritt
Freiherr von Marſchall als erſter die
Durch=
bruchſtelle. Auf der Weſtſeite fand man dann
nach kurzer Wanderung einen aus Schuttwagen
im=
proviſierten, mit Girlanden und Fahnen feſtlich
ge=
ſchmückten „Perſonenzug” vor, der die Teilnehmer nach
einer gleichfalls hochintereſſanten Fahrt durch den
großenteils ſchon fertig ausgebauten Tunnel dem
Weſt=
ausgang zuführte. Eine tauſendköpfige
Menſchen=
menge begrüßte den „heranbrauſenden Eilzug” an dem
Weſtausgange mit nicht endenwollenden Hoch= und
Hurrarufen.
Sport.
sr. Ein neues Schachmatch um die
Welt=
meiſterſchaft wird zwiſchen dem derzeitigen
Welt=
meiſter Dr. Emanuel Lasker und dem franzöſiſchen
Meiſter Janowski am nächſten Dienstag in Berlin im
Turnierſaale des Kerkau=Palaſtes ſeinen Anfang
neh=
men. Die Leitung hat die Berliner Schachgeſellſchaft
übernommen; die Bedingung des Matches iſt die, daß
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Nummer 261.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 7. November 1910.
Seite 11.
Amtliche Nachrichten des Großherzoglichen Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde.
In polizeilicher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 Spitzhund, 1 Foxterrier. 1 däniſche Dogge (zugelaufen).
Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden
Werk=
tag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
Fekanntmachung:
betreffend Gefährdung der Verkehrsſicherheit auf der Straße durch Radfahrer.
Es ſind in letzter Zeit mehrfach Klagen darüber geführt worden, daß die
Ver=
kehrsſicherheit in den Straßen durch das Verhalten der Radfahrer beeinträchtigt
werde. Abgeſehen von dem zu ſchnellen Fahren und dem Fahren ohne Laterne nach
Einbruch der Dunkelheit, ſowie unrichtigem Ausweichen und Ueberholen wurde
oft=
mals bemerkt, daß auf den Fahrrädern größere Gegenſtände mitgeführt werden,
welche entweder dem Fahrer den freien Ausblick benehmen oder ihn nötigen, die eine
Hand ſtändig zum Feſthalten des Gegenſtandes zu verwenden. Wenn auch geübte
Fahrer im allgemeinen ihr Rad mit einer Hand zu lenken vermögen, ſo kann an
ver=
kehrsreichen Punkten im Innern der Stadt auch der geübteſte Fahrer in Lagen kommen,
in welchen er zur Lenkung des Fahrrades beider Hände bedarf. Iſt ihm in ſolchen
Fällen der Gebrauch der einen Hand durch Feſthalten des Gegenſtandes benommen,
ſo iſt ein Unglücksfall oft unvermeidlich, was infolge der oft erheblichen Größe und
Schwere des mitgeführten Gegenſtandes ſowohl für den Radfahrer, als auch für das
Publikum um ſo gefährlicher werden und für den Radfahrer ſtrafrechtliche Verfolgung
wegen fahrläſſiger Körververletzung oder Tötung, ſowie bedeutende zivilrechtliche
Schadenserſatzpflichten zur Folge haben kann.
Wir ſehen uns demgemäß veranlaßt, erneut auf genaues Einhalten der für den
Radfahrverkehr beſtehenden Vorſchriften, insbeſondere auch in der Hinſicht
hinzu=
weiſen, daß jeder Radfahrer die gehörige Vorſicht bei Leitung ſeines Fahrrades
betrachtet. Dieſe würde derjenige außer Acht laſſen, der in verkehrsreichen Straßen
größere Gegenſtände, die den freien Ausblick oder den Gebrauch beider Hände zum
Lenken des Fahrrad verhindern, auf dem Rade mit ſich führt.
Unſere Beamten ſind zu ſcharfer Beaufſichtigung des Radfahrverkehrs und
energiſchem Einſchreiten bei Zuwiderhandlungen angewieſen.
Darmſtadt, den 2. November 1910.
Großherzogliches Polizeiamt.
Dr. Kranzbühler.
(21487so
Die Ergänzungswahl zur Stadtverordneten=Verſammlung.
Am Donnerstag, den 10. November ds. Js., von vormittags 9 Uhr bis
nachmittags 6 Uhr, ohne Unterbrechung, wird die Wahl von 18 Stadtverordneten
der Stadt Darmſtadt vorgenommen. Die Ermittelung des Wahlergebniſſes erfolgt
ſofort nach Schluß der Abſtimmung und wird, wenn nötig, am folgenden Tage
fort=
geſetzt und beendigt.
Nach § 2 des Wahlſtatuts vom 1. Juni 1883 und Beſchluß der Stadtverordneten=
Verſammlung vom 20. Oktober ds. Js. werden 20 Wahlbureaus errichtet. Denſelben
ſind die Wahlberechtigten in alphabetiſcher Ordnung ihrer Familiennamen, wie
folgt, zugeteilt:
I. Wahlbureau:
von Abel bis Bender.
II. Wahlbureau:
von Bendheim bis Bruſt.
III. Wahlbureau:
von Bub bis Dotzert.
IV. Wahlbureau:
von Drach bis Fiſch.
V. Wahlbureau:
von Fiſcher bis Genter.
VI. Wahlbureau:
von Geyer bis Hammer.
VII. Wahlbureau:
von Hanau bis Heyn.
VIII. Wahlbureau:
von Hickler bis Intrau.
Ix. Wahlbureau:
von Joachim bis Klotz.
X. Wahlbureau:
von Klucken bis Kumpf.
XI. Wahlbureau:
von Kuniſch bis Lyß.
XII. Wahlbureau:
von Maar bis Müller, Guſtav.
XIII. Wahlbureau:
von Müller, Heinrich bis Pfarr.
XIV. Wahlbureau:
von Pfeffer bis Rößler.
XV. Wahlbureau:
von Rötelmann bis Schießlinger.
XVI. Wahlbureau:
von Schiffel bis Schuchmann, Johannes.
XVII. Wahlbureau:
von Schuchmann, Karl bis Steffan.
XVIII. Wahlbureau:
von Steger bis Viel.
XIX. Wahlbureau:
von Vierheller bis Welcker.
K. Wahlbureau:
von Weller bis Zwingler.
Die ſämtlichen Wahlbureaus befinden ſich im Erdgeſchoß des Städtiſchen
Saalbaus und zwar:
Wahlbureau I-X im großen Saal,
Wahlbureau XI-XVI im Gartenſaal und
Wahlbureau XVII-KX in den Garderoberäumen.
Die einzelnen Wahlbureaus ſind durch Aufſchriften erkennbar gemacht.
Nach § 1 des erwähnten Statuts bildet die ganze Stadt einen Wahlbezirk.
Es findet Erſatzwahl ſtatt:
a) für folgende 14 im regelmäßigen Wechſel ausſcheidenden Herren auf
die Dauer von 9 Jahren;
7. Lautz, Ludwig, Fabrikant.
8. Müller, Karl, Ortsgerichtsvorſteher,
9. Nodnagel, Ludwig, Geh. Oberſchulrat,
11. Schneider, Heinrich, Landwirt.
1. Bangel, Robert, Finanzamtmann,
2. Bender, Dr. Hugo, Rechtsanwalt,
3. Bormet, Ferdinand, Rechnungsrat,
4. Heyd, Theodor, Dr. ing. Diplom=Ingenieur 10. Rockel, Karl, Privatier.
5. Hüfner, Adam Werkführer.
6. Kolb, Dr. Karl, Sanitätsrat,
b) für folgende, vor beendigter Dienſtzeit ausgeſchiedene Herren:
I. auf die Dauer von 9 Jahren:
1. Egenolf, Konrad, Kaufmann (durch ſeine Wahl zum Bürgermeiſterei=
Beigeordneten),
2. Müller, Karl Philipp, Keltereibeſitzer) durch Tod
ausgeſchieden
3. Reinemer, Karl, Direktor,
II. auf die Dauer von 6 Jahren:
1. Götz, Ludwig, Rechnungsrat (durch Amtsniederlegung ausgeſchieden),
2. Merck, Dr. Karl Emanuel, Fabrikant, ) durch Tod
½ ausgeſchieden
3. Vogt, Ludwig, Architekt,
III. Auf die Dauer von 3 Jahren:
Oſann, Dr., Arthur, Geh. Juſtizrat (durch Tod ausgeſchieden).
Die Amtszeit der zu Wählenden beginnt im Januar 1911.
Die Liſte des höchſtbeſteuerten Dritteils der Wählbaren liegt während der Wahl
auf einem beſonderen Tiſche im Wahllokale offen. Gemäß Art. 11, Abſ. 2 des Geſetzes
vom 13. Juni 1874, betr. die Städteordnung für das Großherzogtum Heſſen, muß die
Hälfte der Stadtverordneten dem höchſtbeſteuerten Dritteil der Wählbaren angehören.
Da von den im Amte verbleibenden 24 Stadtverordneten 23 dem höchſtbeſteuerten
Dritteile der Wählbaren angehören, muß von den neu zu Wählenden keiner dem
höchſt=
beſteuerten Dritteile angehören.
Die Wahlberechtigten werden eingeladen, an dem bezeichneten Tage innerhalb
der angegebenen Zeit ſich in den betreffenden Wahlbureaus perſönlich zur Abſtimmung
einzufinden.
Wer mit Entrichtung der im Juli d. Js. fällig geweſenen beiden erſten
Ge=
meindeſtener=Ziele im Rückſtand iſt, kann zur Abſtimmung nicht zugelaſſen werden.
Zahlung des Steuerrückſtandes nach Freitag, dem 5. November, iſt der
Wahl=
kommiſſion durch Vorzeigen des quittierten Steuerzettels nachzuweiſen.
Darmſtadt, den 3. November 1910.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
(21325dso
Dr. Gläſſing.
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Die Verſteigerung findet vorausſichtlich beſtimmt ſtatt.
Darmſtadt, den 5. November 1910.
Nelle, Pfandmeiſter.
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*27404odo)
Wahl der Beiſitzer zum Kaufmannsgericht
Bei den am 1. und 2. d. Mts. ſtattgehabten Wahlen der Beiſitzer zum Kar”
mannsgericht ſind nachſtehende Perſonen gewählt worden:
A. Aus dem Kreiſe der Handlungsgehilfen:
1. Liſte des Deutſchnationalen Handlungsgehilfenverbandes.
a) Joſeph Kauter mit 262 Stimmen, je) Kurt Gebhardt mit 252 Stimmen,
b) Ludwig Weimar mit 258 Stimmen, 1d) Gerhard Dahmen mit 252 Stimmen.
2. Liſte des Vereins für Handlungs=Kommis von 1858.
a) Hermann Ullrich mit 203 Stimmen, ſe) Albert Theuerjahr mit 200 Stimmen.
) Rudolf Nees mit 201 Stimmen,
3. Liſte des Kaufmänniſchen Vereins Darmſtadt.
a) Wilhelm Schnellbächer mit 153 Stimmen, b) Adolf Steinberg mit 141 Stimmen.
4. Liſte des Verbands deutſcher Handlungsgehilfen.
Karl Scherer mit 53 Stimmen.
Die unter 1 a, b, 2 a, b, 3 a und 4 bezeichneten Perſonen ſind als
Hauptbei=
ſitzer und die unter 1 c, d. 2 c und 3 b bezeichneten Perſonen als Hilfsbeiſitzer gewählt.
B. Aus dem Kreiſe der Kaufleute.
Liſte des Handelsvereins, Detailliſtenvereins, Kaufmänniſchen Vereins und
Kathol. kaufmänniſchen Vereins Conſtantia.
6. Wilhelm Kölb, Kaufmann mit 79 St.
2. Friedrich Becker, Kaufmann m. 81 St. 1 7. Karl Malzi, Weinhändler mit 78 St.
8. Friedrich Klockow, Kaufmann mit 77 St.
mit 81 St. 9. Adolf Kahn, Kaufmann mit 77 St.
1. Auguſt Jakobi, Fabrikant mit 81 St.
. Philipp Stein, Volksbankdirektor
4. Ludwig Fiſcher, Kohlenhändler mit 80 St.10. Joſeph Plaut, Kaufmann mit 74 St.
5. Ludwig Heißner, Fabrikant mit 80 St.
Die unter B 1 bis 6 bezeichneten Perſonen ſind als Hauptbeiſitzer und die unter
B 7 bis 10 bezeichneten Perſonen als Hilfsbeiſitzer gewählt.
Nach § 15 des Kaufmannsgerichts=Geſetzes ſind Beſchwerden gegen die
Rechts=
gültigkeit der Wahlen nur innerhalb eines Monats nach der Wahl zuläſſig und können
bei dem Kreisausſchuß hier vorgebracht werden.
Darmſtadt, den 3. November 1910.
(21600
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
J. V.: Müller.
Spülung des Waſſerrohrnetzes.
Im Laufe der nächſten Woche wird eine Spülung des Waſſerrohrnetzes in den
unten bezeichneten Stadtteilen vorgenommen, welche in der Zeit von 10 Uhr abends
bis 5 Uhr morgens eine zeitweiſe Unterbrechung der Waſſerabgabe, ſowie eine Trübung
des Waſſers mit ſich bringt; die Waſſerabnehmer werden deshalb gebeten, ſich vorher
mit Waſſer zu verſorgen.
Spülplan.
1. In der Nacht von Montag, den 7. zu Dienstag, den 8. November I. Js.
Spülbezirk V.
werden geſpült:
Derſelbe wird umfaßt von der Frankfurter=Straße (Herrngartenſeite),
Odenwald=
bahn, Dieburger= und Alexanderſtraße und enthält Theaterplatz und Muſeum.
Mitgeſpült werden die außerhalb liegenden Straßenteile: Kranichſteiner=Straße,
Hohlerweg, Dieburger=Straße und Ringſtraße (äußere), zwiſchen Dieburger=Straße und
Spülbezirk VIII.
Seiterswieſenweg.
Derſelbe liegt ſüdlich der Heinrichsſtraße bis zur Wilhelminen=, Karls= u. Beſſunger=
Straße und öſtlich der Ludwigshöhſtraße.
Mitgeſpült werden die Straßen der Mathildenhöhe.
2. In der Nacht von Mittwoch, den 9. zu Donnerstag, den 10. November
I. Js. wird geſpült:
Spülbezirk Ix.
Derſelbe liegt weſtlich des Straßenzuges Ludwigshöhſtraße, Beſſunger=, Karls= u.
Wilhelminenſtraße und wird von der Heinrichs= und Eſchollbrucker=Straße begrenzt.
Außerdem findet in der Nacht von Donnerstag, den 10. zu Freitag, den
11. November I. Js., eine Druckrohrſpülung ſtatt.
Darmſtadt, den 25. Oktober 1910.
Städtiſche Waſſerwerksverwaltung.
Rudolph.
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Darmstädter Sprach- und Handelsschule
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Neue Abendkurse. — Anmeldungen baldigst erwünscht.
Kanalbauarbeiten.
Die Erd= und Maurerarbeiten für die
Erbauung eines Hauptſammelkanals im
Nordgebiet, zuſammen etwa 680 m Kanal
im Profil von 2,30/1,96, 1,50/1,95 und
1,40/1,85 m i. L. ſollen verdungen werden.
Arbeitsbeſchreibungen und Bedingungen
liegen bei dem Tiefbauamte, Zimmer Nr. 7,
während der Dienſtſtunden zur Einſicht
offen. Auch werden dort die Angebotſcheine
abgegeben.
Angebote ſind bis
Donnerstag, den 17. November I. Js.,
vormittags 11 Uhr,
bei unterzeichneter Stelle einzureichen.
Darmſtadt, den 3. November 1910.
Tiefbauamt.
Keller.
(21495so
Bekanntmachung.
Donnerstag, den 24. November I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſollen die den Gaſtwirt Emil Häcker
Ehe=
leuten dahier zugeſchriebenen Immobilien:
Flur Nr. qm
V 7592/1000 111 Hofreite
Kahlert=
ſtraße,
V 7594/1000 134 Hofreite daſelbſt,
in unſerem Bureau zwangsweiſe verſteigert
werden.
(K148/10
Darmſtadt, den 21. Oktober 1910.
Großherzogliches Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (D20605,8
Bekauntmnachung.
Zahlungen für das 1. und 2. Ziel der
Gemeindeſteuern für das Rechnungsjahr
1910 werden am 10. lfd. Mts., dem Tag
der Ergänzungswahl zur
Stadtverordneten=
verſammlung, in der Zeit von vormittags
8½ bis nachmittags 5 Uhr ununter
brochen entgegengenommen. (21609om
Darmſtadt, den 3. November 1910.
Die Stadtkaſſe.
Koch.
Bekanntmachung.
Donnerstag, den 17. November I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Kaufmann Karl Henkelmann
Eheleuten dahier zugeſchriebene Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
22 57582/1000 446 Hofreite Emilſtraße
Nr. 25,
in unſerem Bureau zwangsweiſe verſteigert
(K100/10
werden.
Falls andere rechtliche Hinderniſſe nicht
entgegenſtehen, kann Genehmigung der
Ver=
ſteigerung auch dann erfolgen, wenn das
eingelegte Meiſtgebot die Schätzung nicht
erreicht.
Darmſtadt, den 24. Oktober 1910.
Großherzogliches Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (D21109,9
Getragene Herren=
und Damenkleider,
ich Haufe Schuhe, Wäſche. Zahle
die höchſten Preiſe. Poſtk. gen.
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J. Schnitzer, Trödler, Schloßgaſſe 26
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Hachſtraße 26. part.
Das in der Gemarkung Darmſtadt, Flur 27,
Nr. 899/10—92¾/0, an der
Frankfurter=
ſtraße gelegene Grundſtück (früher Link’ſche
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(Nachdrucksverboten.)
I.
Antje Möller
Stieg op de Löller (Leiter).
De Löller bricht
Mit Antje Möller.
Zwei flachshaarige, kleine Mädchen ſangen den
Kinderreim in den ſonnenklaren Maitag hinein. Sie
hatten ſich gegenſeitig die Arme um den Nacken gelegt
und hüpften halb, halb gingen ſie auf ihren
klappern=
den hölzernen „Kloppen” den Landweg hinter der
Dorfſtraße entlang. Dabei trällerten ſie gedankenlos
den Reim, aus Freude an dem Singen und Blühen um
ſie herum, aus Freude an ihren eigenen zwitſchernden
Stimmchen.
An der Wegeskante im Graſe, wo rotweiße
Marien=
blümchen und goldgelbe Butterblumen hinter hohen
Halmen kauerten, ſaß ein junges Mädchen mit hellem
Haar und klugen, braunen Horchaugen. Man konnte
es wohl im erſten Augenblick für ein Stadtfräulein
halten, wenn man das feingeſchnittene Geſichtchen und
die zierliche Figur ſch, aber das einfache dunkelblaue
Druckkleid und das Bündel, das, in ein großes
rot=
baumwollenes Taſchentuch geknotet, neben ihm im Graſe
lag, deutrten darauf hin, daß es ein Dienſtmädchen
war, das heute am Altmaiziehtage (12. Mai) in den
Dienſt zog.
Als ſie die Kinder ſingen hörte, glitt ein Lächeln
über ihr rundes Geſichtchen. Antje Möller! Das war
ſie ja ſelber; gerade ſo hieß ſie.
Antje Möller ſtieg up de Löller!
Das klang faſt wie eine Vorbedeutung. Hatte nicht
heute früh ihr Ohm, der alte Drees Möller, geſagt,
Antje, Antje, Du verſteigſt Dich gar zu hoch. Vordem
warſt Du bloß Kinderdeern bei dem Oſtenfelder
Schul=
meiſter bei zehn Taler Lohn und ne Handvoll
abge=
legtes Zeug. Jetzt kommſt Du als Binnerdeern nach
Rethwiſchhof in Bredwort, kriegſt vierzig Taler und
noch acht Ellen Beiderwand und ein Fach Wolle dazu.
Du kommſt auf einen von den fetten Marſchhöfen, wo
ſie die Kartoffeln in Butter umkehren und wo ſie vor
einem Schweinskopf nicht mehr Reſpekt haben, daß ſie
„Du” zu ihm ſagen. Deern, Deern, komm’ mir
nicht=
zu Fall.
Antje hatte den Alten ausgelacht. Sie konnte ſo hell
lachen, und ihre Zähne ſahen dabei aus wie zwei kleine,
weiße Perlreihen.
Ach, Dreesohm, hatte ſie geſagt, ſo hoch verſteig’ ich
mich nicht, daß ich fallen könnte, und wenn auch — ich
bin ja klein — kleine Leute fallen nicht ſchwer.
Dies alles ging Antte Möller durch den Sinn, als
ſie ihren Namen hörte. Einen Augenblick ſaß ſie ſtill
und ſah den Kindern nach. Ihre Gedanken ſpannen
einen leichten Faden von der Vergangenheit durch die
Gegenwart in die Zukunft hinein, Und als ſie an einem
Eeimten Prnſt angebmnet bereh. ei fe h. bars
ab und ſprang auf.
Sie klopfte ſich die Grashalme von ihrem Kleide
und ſtrich das helle Kraushaar, das ſich hinter den Ohren
hervorgedrängt hatte, zurück. Nun nahm ſie ihr
Bün=
del zur Hand und ſah auf die weiß=ſchwarzen Bilder
nieder, die dem roten Grunde des Taſchentuches
auf=
gedruckt waren.
Das Taſchentuch, es war eins von Dreesohms
neueſten, ähnelte einem Neu=Ruppiner Bilderbogen:
es zeigte in verſchiedenen Medaillons die
Lebensge=
ſchichte einer jungen Königstochter.
Antje wandte das Bündel und lächelte: ja, die
Königstochter bekam ihren Prinzen. Ob Antje wohl
im Stillen einen Vergleich auf ihr eigenes Leben zog?
Ihre Augen blickten ſo ſehnſuchts= und hoffnungsvoll
in die Welt, als warteten ſie ſchier darauf, daß ihnen
das große Glück entgegengeflogen kam, als hielten ſie
es gar nicht für unmöglich, daß an der nächſten
Weg=
biegung ein ſchöner Prinz wartend ſtand.
Jetzt bekam es klein Antje aber mit der Eile, mit
kleinen, aber flinken Schritten eilte ſie vorwärts. Nur
einmal hielt ſie inne, um drei Marienblümchen zu
pflücken. Dieſe ſteckte ſie nicht etwa ins Knopfloch —
nein, ſie aß ſie auf, obgleich ſie würgten und greulich
ſchmeckten. Die Nachbarin daheim in Immſtedt hatte
ihr eingeſchärft, ſie müſſe, wenn ſie in die Marſch käme,
am erſten Tage ſtillſchweigend drei Marienblümchen
eſſen, dann bekäme ſie ſicher nicht das bösartige
Marſch=
fieber, das jeden anfiele, der von der hohen Geeſt hier=
Mäselet
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Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 7. November 1910.
Seite 13.
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her käme. Die Nachbarin war eine kluge, die mußte
es wiſſen.
Das Dorf Bredwort lag ſchon hinter ihr; bald
mußte ſie an Rethwiſchhof gelangen. Dort waren ſchon
die Rethwieſen. Ein leiſer Hauch glitt darüber hin
und ließ die ſchlanken Stile ſich neigen und wiegen.
Durch die Wieſen ging ein Rauſchen und Singen wie
von Tauſenden feiner Geiſterſtimmen. Sie horchte auf
den Geſang und blickte umher.
Es wurde Abend. Die Sonne brannte nicht mehr.
Groß und rotgelb glänzte ſie am weſtlichen Himmel, wie
ein rieſengroßes Goldſtück. Ein Abglanz des goldigen
Schimmers lag auf dem grünen Fennen. In einem
Hauſe ſpiegelte ſich die Abendſonne in ihrem ganzen
Glanze; es ſah aus, als wären die Fenſter aus
glühen=
dem Eiſen, in der Eſſe geſchmiedet. Das war ſicher
Rethwiſchhof.
Wir warm muß es drinnen ſein, dachte Antje,
warm und hell.
Ein wundergutes Gefühl überkam ſie, das ihre
Augen glänzen und ihr Herz höher ſchlagen machte.
Das Haus drüben lockte und winkte wie das
Königs=
ſchloß im Märchen, und ſie beſchleunigte ihre Schritte.
Hoch über ihr in der Luft trillerte eine Lerche. Sie
hätte mit ihr jubeln mögen. Im Graben quakten die
Fröſche und hielten Zwiegeſpräche. Sie ſchienen ſich
zu ſtreiten und wieder einig zu werden. Antje Möller
nickte verſtändnisinnig mit glücklichem Kinderlächeln
in ſich hinein. Sie kletterte um das Hecktor und ging
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Frau B. Dietsch
(133a) 18 Ernst-Ludwigstrasse 18.
die Trifft entlang, wo ſie die Zweige der Silberweiden
ſtreifte, wo die Mücken um verſtaubte Sanddiſteln
ſpielten. Die Ochſen und Kühe, die ſeitwärts graſten,
blickten kauend auf, und manchmal war es ihr, als
wollten die breitſtirnigen Rinder ihr den Weg
ver=
treten; aber dann ſtampften ſie ſchwerfällig weiter.
Jetzt lag das Haus dicht vor ihr, das große,
rot=
ſteinerne Herrenhaus auf hoher, blumenbeſprenkelter
Werfte, daneben der mächtige, wohlgepflegte
Dünger=
haufen und weiter nach hinten die Ställe und
Scheu=
nen. Die Fenſter waren blitzblank, aber jetzt glänzten
ſie dunkel. Der Sonnenſchein, der vorhin über
Reth=
wiſchhof ausgegoſſen lag, war verſchwunden.
Hell blinkte ihr die Meſſingklinke der Haustür
ent=
gegen. Antje ſchritt über den ſchmalen Steg der Graft
(Hofgraben). Sie blickte hinunter: ſtill und dunkel ſah
das Waſſer aus. Wie tief es wohl war? Ein Schauer
überlief das kleine Mädchen, es ſchaute zu den hohen
Silberpappeln empor, die im Abendwinde flüſterten.
Ganz ehrfurchtsvoll wurde ihm zu Mute.
Nein, ſie wagte es nicht, die Meſſingklinke
anzu=
faſſen. Vielleicht war ſie von Gold; man konnte nicht
wiſſen. Lieber wollte ſie ums Haus herumlaufen, bis
ſie eine Hintertür fand; es ſchickte ſich nicht für ein
neu eintretendes Dienſtmädchen, in die feinverzierte
Vordertür einzutreten.
Sie lief ums Haus. Da war ſchon eine Hoftür;
aber aus der Türluke guckte ein großgewachſener Knecht
mit der kurzen Pfeife im Munde und ſah ſchiefmäulig
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und ein wenig ſpöttiſch von oben herab auf die kleine
Antje.
Antje trat die Hitze ins Geſicht. Guten Abend, ſagte
ſie und ging weiter. Sie kam ans Eimerreck, auf dem
die großen grüngeſtrichenen Milchbütten lehnten; da
war auch die Küchentür.
Sie ſtand offen, und Antje trat zaghaft näher. Auf
dem Herde lohte ein helles Torffeuer, und in dem
ſchwarzen Grapen auf dem Dreibein brutzelte die
Abendgrütze für die Leute. Ein großes, breitgebautes
Mädchen war eben dabei, die gewärmte Kälbermilch in
einen Eimer zu gießen.
Guten Abend, ſagte Antje.
Aha! Ein Paar kritiſche Augen muſterten den
Ankömmling.
Du biſt wohl die neue Binnerdeern?
Antje nickte.
Biſt helliſch klein. Von Dir werde ich wohl nicht
viel Hilfe haben. Na, komm’ man rein; die Frau iſt
in der Stube.
Antje reckte ſich und folgte ihr. Daß ſie klein war,
wußte ſie längſt; es war ihr größter Kummer. Aber
es war ihr noch niemals zum Vorwurf gemacht
wor=
den, im Gegenteil, daheim in Immſtedt hatten die Leute
ſie immer ſehr gern gehabt und wenn ſie ſagten: die
Lüttje, ſo hatte das lieb und nett geklungen. Hier
da=
gegen ſchien nur das Große zu gelten, und die
Men=
ſchen waren alle ſo groß, daß ſie ſich ganz unbedeutend
vorkam.
(Fortſetzung folgt.)
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4¾ Griechen v. 1887 . . 46,90
3¾ Italiener Rente . . .
4½ Oeſterr. Silberrente . 96,90
A do. Goldrente . . 98,20
4 do. einheitl. Rente 93,10
3 Portug. unif. Serie I 63,50
3 do. uniſ. Ser. III 66,10
3 do. Spezial. 12,00
5 Numänier v. 1903 . .
4 do. v. 1890 . .
4 do. v. 1905 . . 90,80
4 Roſſen v. 1880 ₰ a. V „ 92.00
InProz.
3f.
4 Ruſſen v. 1902 ₰ 5. ₰ 92,70
4½ do. v. 1905 . . . . 100,20
91,70
3½ Schweden . . .
4 Serbier amort. v. 1895 82,70
4 Türk. Admin. v. 1903 86,20
do. unifiz. v. 1903 92,30
4 Ungar. Goldrente . . 93,30
do. Staatsrente . 91,70
5 Argentinier . . . . . . 101,50
90,50
do.
4½ Chile Gold=Anleihe
5 Chineſ. Staatsanleihe 101,80
do.
4½
. 97,40
4½ Japaner .
5 Innere Mexikaner . . 99,80
67,60
do.
4 Gold=Mexikan. v. 1904
5. Gold=Mexikaner . . .
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
4 Hamb.=Amerika=
Paket=
fahrt .
144,50
4 Nordd. Lloyd . . . . 108,00
4 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 122,00
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
4 Angtol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408
4 Baltimore & Ohio . . 110,25
4 Gotthardbahn . . . .
In Proz.
4 Oeſt.=Ungar. Staatsb. 160½
4 Oeſt. Südbhn. (Lomb.) 228/
4 Pennſylvania R. R. 132,00
Induſtrie=Aktien.
Mainzer Aktienbrauerei . 201,00
Werger=Brauerei
73,50
Bad. Anil.=u. Sodafabrik 498,00
Fabrik Griesheim .
. 277,00
Farbwerk Höchſt . . . . . 536,60
Verein chem. Fabriken
Mannheits.
Lahmeyer .
117,20
Schuckert .
.155,60
Siemens & Halske
.243,50
Adlerfahrradwerke Kleyer 422,00
Bochumer Bb. u. Guß .
Gelſenkirchen .
Harpener .
Phönix, Bergb. u.
Hütten=
betrieb .
. . 241,25
Prioritäts=
Obligationen.
8½ Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 89,30
4 Pfälzer Prt. . . . . . 100,50
do.
92,40
3½
4 Eliſabeth., ſteuerpfl. . 99,50
4 do. ſteuerfrei . 98,00
5 Oeſterr. Staatsbahn. 105,50
do.
93,10
4
do. alte . 81,50
3
5 Oeſterr. Südbahn . . 98,90
do.
do.
20.
Raab=Oedenburger . . 75,30
Ruſſ. Südweſt. . . . 89,75
4 Kronpr. Radolfbahn . 98,30
3).
In Vrot
73,10
2¼0 Livorneſet . .
79,50
4 Miſſouri=Paciſie
4 Bagdadbahn Mk. 408
5 Anatoliſche Eiſenb. . .
5 Tehuantepec . . . . . 101,50
Bank=Aktien.
Berliner Handelsgeſ. 168,40
Darmſtädter Bank 131,00
.256,30
Deutſche Bank .
Deutſche Vereinsbank 126,70
Diskonto=Geſellſchaft . 191,90
162,50
Dresdner Bank.
Mitteldeut. Kreditbk. 121,00
Nationalbk. f. Deutſchl. 129,70
.105,00
Pfälzer Bank .
143,50
Reichsbank .
Rhein. Kredit=Bank 138,90
4 Wiener Bank=Verein 139,70
Pfandbriefe.
4 Frankft. Hypoth.=Bank
S. 16 und 17 100,00
do. S. 19. . . . . 92,00
4 Frkf. Hyp.=Kreditverein
S. 15—19, 21—26 99,40
4 Hamb.=Hypoth.=Bank 100,00
90,50
do.
3½
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bk. 101,40
91,90
do.
3½
Meining. Hyp.=Bank 100,60
do.
90,75
4 Rhein. Hypoth.=Bank
(unk. 1917) 100,00
de. (unk. 1914) 90,60
½
4 Sädd. Bd.=Kr.=Br.=Pf. 100,30
89,
91,90
3½
InProz.
Bt.
Städte=
Obligationen
4 Darmſtadt .
3½ do.
re 101,10
4 Frankfurt.
96,00
3½ do.
4 Gießen
3½ do.
99,60
4 Heidelberg
90,70
3½ do.
100,20
4 Karlsruhe
90,20
3½ do.
4 Magdeburg.
3½ do.
4 Mainz
3½ do.
4 Mannheim
3½ do.
101,10
4 München
80,80
3½ Nauheim
99,80
4 Nürnberg
3½ do.
4 Offenbach.
3½ do.
4 Wiesbaden .
. 101,50
3½ do.
92,10
4 Worms.
3½ do.
4 Liſſaboner v. 1886. „
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche Tlr. 100 161,60
3½ Cöln=Mindner „ 100 134,40
5 Donau=Reg. fl. 100
3 Holl. Komm. * 100
Bf.
3 Madrider Fs. 100
4 Meining. Pr.=
Pfand=
brieſe.
.136,50
4 Oeſterr. 1860er Loſe 175,00
3. Oldenburger .
2½ Raab=Grazer fl. 150
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger
Braunſchweiger Tlr.
Freiburger
Mailänder
do.
Meininger
Oeſterreicher v, 1864
do. v. 1858
Ungar. Staats
fl.
Fs.
Fs.
Fs.
fl.
Venediger
Türkiſche
20 220,25
15 —
45
10
37,30
100
100 443,60
100
Frs, 30
„. 400 179,80
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns . . .
20 Franks=Stücke . . .
Oeſterr. 20=Kronen . . .
Amerikaniſche Noten . .
Engliſche Noten . .
Franzöſiſche Noten . . .
Holländiſche Noten .
Italieniſche Noten .
Oeſterr.=Ungariſche Noten
Ruſſiſche Noten . . . . .
Schweizer Noten . . . .
20,42
16,16
16,90
20,48
81,00
169,35
80,80
85,05
80,85
Reichsbank=Diskonto . . . 5%
Raachsbank=Lombard Zäf. 6%
Nummer 261.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 7. November 1910.
Seite 15.
vonMk. 450 an mit
hohem Rabatt auf
Teilzahlung Vertretung nur erster
Marken:
Leopold Schutter
Ibach,
Telephon 815 Elisabethenstr. 12
Mand, Römhildt, Seiler
etc. etc.
(nur Weltfabrikate). Größtes Pianolager am Platze. 2a
Gebrauchte Instrumente von Mk. 200.− zs (17614a
Mietinstrumente von Mk. 3.— an.
an.
Darmſtädter Hausbeſtzerverein E. Y.
Zu der Proteſtverſammlung gegen die Reichs-Wertzuwachssteuer, die
am Samstag, den 26. November, mittags 1 Uhr, in Berlin ſtattfindet, wird,
wenn möglich, ein Sonderzug ab Frankfurt a. M. am 24. oder 25. November gefahren.
Der Preis für einfache Fahrt nach Berlin wäre II. Klaſſe 14 Mk. 10 Pfg.,
III. Klaſſe 9 Mk. 70 Pf.
Wir bitten und fordern unſere Mitglieder dringend auf, ſich daran zu beteiligen.
Anmeldungen werden ſpäteſtens bis 9. November auf unſerer Geſchäftsſtelle,
Wilhelminenſtraße 19, 1. Stock, entgegengenommen.
(21549so
Der Vorſtand.
Verein für Bogel= und Geſtügelzucht (ält. Verein).
Montag, den 7. November 1910, abends 9 Uhr,
im Vereinslokal Brauerei zur Krone, Schuſtergaſſe 18, I.
Monats=Verſammlung.
NB. Anmeldebogen können mitgebracht werden. Der Vorstand.
Bund der techn. Maustr. Beamten
(Ortsgruppe Darmstadt).
Oeffentliche Versammlung
8
Donnerstag, den 10. November, 8½ Uhr abends,
: „Fürstensaal‟, Grafenstrasse
„Standesfragen deutscher Ingenieure‟
daran anschliessend: Verschmelzung mit dem Techniker-Verband.
Referat des Herrn Regierungsbauführer a. D. Thimm-Berlin.
Freie Diskussion.
Eintritt frei.
Der Ausschuss.
21644od)
Die Mläaverbraneienwamt
Der Vorſtand des Darmſtädter Mietervereins ladet
hier=
durch die Vereinsmitglieder und alle Mieter auf
morgen, Dienstag, den 8. ds. Mts., abends 8½ nach dem
großen Kaiſerſaale
zur öffentlichen Verſammlung ein.
1. Begründung des Wahlprogramms,
2. Der Wahlzettel,
3. Freie Ausſprache.
Mögen die Mieter, — Lehrer= und Beamtenſchaft,
Gewerbe=
treibende, Handwerker und Arbeiter — als Mehrheit der Wähler
durch rege Beteiligung zeigen, daß ihnen die Vertretung ihrer
Intereſſen durch Stadtverordnete am Herzen liegt.
(21650
Jedermann willkommen!
Mittwoch, den 9. November, abends 8½ Uhr,
im Konkordiasaale, Waldstrasse 33
Versammlun
r Zentramsparfel
Tagesordnung:
(21606
Die Stellung der Zentrumspartei zur Stadtverordnetenwahl.
Der Vorstand des Zentrumsvereins.
Weinstube „Loreley
(20662a
Nieder-Ramstädterstrasse 14.
Neuer Besitzer: J. Simon, vorm. Hotel Felsberg.
Nonnenhof Wiesbaden
Kirchgasse 15, Haltestelle der elektrischen Bahn, rote Linie 2.
Altrenommiertes Hotel mit erstklassigem
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empfehlens-
wertes Haus für Passanten und Kurgäste. Zimmer von Mk. 2.50 an. — Bäder im
Hause. — Frühstück garniert. — Lift. — Elektr. Licht. — Zentralheizung. — Portier
(21631)I
am Bahnhof.
Heide’s Erben.
Telephon 485.
Vereinigte Gesellschaft.
Mittwoch, den 9. November 1910, abends 8 Uhr,
D1!
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werden ſorgfältigſt ausgeführt (14366a
Fr. Hartmann, appr. Heilgeh.
Grafenſtr. 20 (Telephon 276).
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verkaufen Liebigſtraße 47, I.
werden von geübtem Kunſt=
P maler in Auftrag geſucht.
Off. u. Mà 8 an die Exp. d. Bl. (*27298so-
Karten zu dem gemeinſchaftlichen Abendeſſen zum Preiſe von Mk. 2.—
werden bis zum 9. ds. Mts., mittags 12 Uhr, durch den Geſellſchaftswirt ausgegeben.
Für Teilnehmer ohne Karten erhöht ſich der Preis des Gedeckes auf Mk. 2.50.
Im Intereſſe geordneten Servierens wird gebeten, die Löſung von Tiſchkarten
(21649
nicht zu verſäumen.
Der Ausschuss.
Hessischer Goethebund.
Zu dem am Dienstag, den 8. November 1910, abends 8 Uhr, im
Festsaale der Turngemeinde (Woogsplatz 5) stattfindenden
Heinrich von Stein-Abend
von Frau Anna Bering aus Locarno
haben die Mitglieder des Goethebundes freien Eintritt.
Karten sind zu haben in der Buchhandlung von Saeng, Kirchstrasse.
(Diese Karten können bei Aufzahlung von 1 Mark gegen Sperrsitzkarten ein-
(21643
getauscht werden.
(Die=Biere
Ger-Unionbrauerei-
Sroßsgerau.
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Süte u. Bekömmlichkeit.
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ausgeſchloſſen. Offerten bittet man
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zureichen. Agenten ſtrengſtens
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verbeten.
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allſt. Dame. Poſtlagernd 90, Jugen=
(27166fso
heim a. d. B.
Seite 16.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 7. November 1910.
Nummer 261.
Verkaufs-
Stellen durch
dieses Pfakat
kenntlich.
Fabrik ant:
August Jacobi
Darmstadt.
2083M
Handel und Verkehr.
H. Frankfurt a. M., 5. Nov. (
Börſen=
wochenbericht.) Die Lage des Geldmarktes bleibt
im ganzen ſtabil, nachdem der Ultimo einen leichten
Verlauf genommen hat. Immerhin können auch hier
Ueberraſchungen eintreten, da die bevorſtehenden
Emiſſionen, wie die türkiſche und die ungariſche, dem
Markte große Geldſummen entnehmen werden. Falls
jedoch auch die Gelderleichterungen in England
an=
dauern, ſo dürften die Operationen ebenfalls mit vollem
Erfolg vor ſich gehen. Die Stimmung an der Börſe
war anfangs der Woche wieder zur Feſtigkeit geneigt
und wendete ſich das Hauptintereſſe dem Bankengebiet
zu. Die Erträgniſſe, insbeſondere bei den
Haupt=
banken, ſollen derart günſtige ſein, daß zum mindeſten
mit vorjährigen Dividendenziffern zu rechnen iſt. Bei
Wochenſchluß machte ſich für Induſtriewerte eine
Er=
nüchterung geltend, ausgehend von den Mitteilungen,
daß u. a. bei Gelſenkirchener nur etwa 9 Prozent zu
er=
warten ſeien, ebenſo bei Schuckert höchſtens die
Divi=
dende wie im Vorjahre ausfallen ſoll. Die Spekulation,
welche die letzten Monate in einem gewiſſen
Hauſſe=
taumel befangen war, iſt jetzt ſtark enttäuſcht, nachdem
ſich die übergroßen Hoffnungen nicht erfüllen. Im
all=
gemeinen bleibt die Situation in unſerer Induſtrie
eine unverändert befriedigende und zum Teil
überbe=
ſchäftigte, und die meiſten Werke ſind im glücklichen
Falle, reguläre Dividenden von den reichlichen
Ge=
winnen abzugeben. Von New=York wird das gleiche
vom Kupfer= und Stahlmarkte berichtet; hingegen neigt
der Londoner Platz zur Mattigkeit für Goldſhares,
nachdem die Nachricht von der völligen
Betriebsein=
ſtellung der Cloverfield=Mine verſtimmte.
Zu den Einzelheiten des Verkehrs übergehend, ſind
Deutſche Renten um Bruchteile billiger. Von den
aus=
ländiſchen Staatsfonds waren Ruſſiſche gefragt auf
Käufe für heimiſche Rechnung. Türken ſowie Oeſterr,=
Ungar. Renten waren gut behauptet, ebenſo ſind
Griechen eher etwas erholt. Transportaktien lagen
ſehr ruhig, nur Lombardiſche (Südbahn) und
Priori=
täten gebeſſert. Am Bankenmarkt erfolgten zunächſt
Kurserhöhungen auf die ſchon oben angeführten
günſti=
gen Dividende=Ausſichten. Das Montangebiet war
ziemlich belebt, aber ſchließlich abgeſchwächt. Am
Kaſſa=
induſtriemarkte erfolgten ſtärkere Realiſationen und
Spekulationsnbgaben, die beſonders bei
Elektrizitäts=
aktien drückten. Ferner gingen Kleyer auf 421½ (exkl.
Dividende), Gummi=Peter auf 338½, Holzverkohlung
auf 249 zurück. Chemiſche Aktien blieben gut behauptet.
Eine größere Preisſteigerung, auf 111¾, hatten
Zell=
ſtoff=Dresden auf ſtärkere Beſchäftigung. Die
Haupt=
verſammlung der Neuen Photogr. Geſellſchaft zu
Steg=
litz beſchloß die Umwandlung der Stammaktien in
Vorzugsaktien gegen Zuzahlung von 30 Prozent. Die
Vorzugsaktien haben vom 1. Januar 1911 Anſpruch
auf 6 Prozent Vorzugsdividende mit
Nachzahlungs=
anſpruch. Bei Auflöſung der Geſellſchaft erhalten die
Vorzugsaktien vorweg 130 Prozent aus der Maſſe,
danach erſt werden die Stammaktien bis zu ihrem
Nennbetrage befriedigt. Der Beſchluß iſt nur gültig,
wenn innerhalb einer vom Aufſichtsrat feſtzuſetzenden
Friſt auf mindeſtens 2½ Millionen Mark Aktien die
Zuzahlung geleiſtet wird. Privatdiskont 4½ Prozent
(in Berlin 4½ Prozent).
Von Loſen notieren: Augsburger 37,
Braun=
ſchweiger 219, Meininger 37,20, Finnländer 319,80,
Pappenheimer 72, Freiburger 59, Ungariſche 385, Genua
220, Türkiſche 179,80, Mailänder 45=Frcs.=L. 140,50,
Mailänder 10=Fres.=L. 32,60, Venediger 42,75, alles in
Reichsmark: Gothaer Prämie I 138,25, Gothaer
Prämie II 115,60, Donau=Regulierung 150, Madrider
76,50, alles in Prozent. Ferner ſchließen: 4proz. Reichs
(bis 1918 unkündbar) 101,90, 3½proz. Reichs 92,55,
3proz. Reichs 83,75, 4proz. Heſſen von 1899 101,30, 4proz.
Heſſen von 1906 101,10, 4proz. Heſſen von 1908/09 101,35,
3½proz. Heſſen 91,05, 3proz. Heſſen 80,30, 4proz.
Darm=
ſtädter 99,90 G., 3½proz. Darmſtädter 91 G., Darmſt.
Bank 131¼, Südd. Eiſ.=Geſ. 122 G., 4proz. Heſſ. Land.=
Hyp.=Pfdbr. (Serie 18—20) 101,40 G., 3½proz. Heſſ.
Land.=Hyp.=Pfdbr. (Serie 9—11) 91,50 G., 4proz. Hes.
Kommunal=Pfdbr. (Serie 10—12) 101,40 G., 3½pros
Heſſ. Kommunal=Pfdbr. (Serie 1—3) 91,90 G., 3½proz.
Heſſ. Kommunal=Pfdbr. (Serie 4) 91,50 G., 4½proz.
Ruſſen 100,20, 4proz. 1880er Ruſſen 91,85, 4proz. 1902er
Ruſſen 92,65, 3¼uproz. Ruſſen 89,75, 3½proz. Ruſſen
84,10, 3proz. Ruſſen 80, 4½proz. Japaner 97,20, 4proz.
Japaner 92,30, 4½proz. 1905er Portugieſ. 86, 3proz.
Portugieſ. (Baira=Baixa) 79,80, 3proz. Portugieſ. I
63,75, 3proz. Portugieſ. III 66,10, Spezial=Portugieſ. 12,
Portugieſ. Eiſ.=Prior. I. Rang 94 G., Portugieſ. Eiſ.=
Prior. II. Rang 75, 4proz. Stadt Liſſabon 80,90,
Balti=
more und Ohio 110½.
„Kann ich Armeen aus der Erde
ſtampfen?”, ſo möchte in der
Weihnachts=
zeit mancher Fabrikant den ungeſtüm
drängenden Abnehmern ſeiner Fabrikate
als Entſchuldigung zurufen. Hat doch
die Beſchränkung der Arbeitszeit
nament=
lich für Arbeiterinnen z. B. die Kakao=
Induſtrie in arge Verlegenheit gebracht.
Beſonders für beſſere Schokoladen=
Kon=
fekte, die ſich nicht durch Aufſtellung
weiterer Maſchinen in beliebig
ver=
mehrter Menge herſtellen laſſen, ſondern
von gründlich geſchulten Arbeiterinnen
überzogen werden müſſen, und die, wie
Reichardt=Konfekte, möglichſt friſch an die
Konſumenten gelangen ſollen, alſo nicht
im Sommer auf Vorrat gearbeitet werden,
iſt vor Weihnachten die tägliche
Nach=
frage oft größer, als die tägliche
Pro=
duktion. Deshalb ergeht hierdurch an
alle Freunde der köſtlichen Reichardt=
Konfitüren die Mahnung, man möge
ſeinen Bedarf möglichſt zeitig beſtellen
und nicht bis zur Weihnachtswoche
warten. Sämtliche Reichardt=Verſand=
und =Verkaufsfilialen ſind angewieſen,
Weihnachts=Beſtellungen auf alle
Reichardtmarken ſchon jetzt
entgegenzu=
nehmen und bei unſerer Fabrik
vor=
merken zu laſſen, damit die Verteilung
der Waren entſprechend geregelt werden
kann. Auch kann man ſich direkt an
unſere Fabrik wenden und adreſſiere
alsdann: Kakao=Compagnie Theodor
Reichardt, Hamburg=Wandsbek; wenn
die Zeit gar zu knapp werden ſollte,
kliefern wir nach Möglichkeit das
Be=
ſſtellte ab Fabrik, von Mk. 6,— an
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[ ← ][ ][ → ] 2. Beilage zum Darmſtädter Tagblatt.
R5 261.
Montag, 7. November.
1910.
Nanter!
Am 10. November iſt die Stadtverordneten=Verſammlung durch Neuwahl von 18 Mitgliedern zu ergänzen. In Eurer Hand liegt die Entſcheidung, wen Ihr
für würdig erachtet, als Eure Vertrauensmänner über die Geſchicke der Stadt zu beſtimmen.
Die Vereinigten Bezirksvereine, die ſeit vielen Jahren die Pflege der ſtädtiſchen Angelegenheiten zu ihrer beſonderen Aufgabe gemacht haben, halten ſich
für befugt, Euch auch diesmal einen Wahlvorſchlag zu unterbreiten, der ohne einſeitige Rückſichtnahme auf die Parteiſtellung oder auf irgend welche private
Intereſſen, lediglich in der Abſicht aufgeſtellt iſt, der Stadtverwaltung Männer zuzuführen, die den Willen und die Fähigkeiten beſitzen, dem Wohle der Stadt in
uneigennütziger und hingebender Weiſe zu dienen.
Alle Klaſſen, alle Stände, alle Parteirichtungen, alle Stadtviertel ſind auf unſerem Wahlvorſchlage vertreten. Wir ſchließen als parteiloſe
Organi=
ſation, die Mitglieder aus allen Schichten der Bevölkerung und Angehörige aller Parteien umfaßt, grundſätzlich keine Partei aus. Maßgebend iſt lediglich die
Perſönlich=
keit der Kandidaten. Wir fragen uns:
elche Kräfte braucht die Stadt?
Für das ausgedehnte Bauweſen ſind Sachverſtändige aller Art aus dem Baufach vonnöten, Architekten, Ingenieure, Bauhandwerker. Die Finanzen
und Steuern der Stadt bedürfen einer umſichtigen, fach= und ſachgemäßen Beurteilung vom Standpunkt einer weiſen Sparſamkeit. Die unabweisbare Notwendigkeit
der Aenderung unſeres Verkehrsweſens, namentlich auch im Hinblick auf den Vorortverkehr und den Anſchluß eines ausgedehnteren Hinterlandes an den direkten
Verkehr mit der Stadt, erfordert Verkehrspolitiker, Kaufleute, Techniker. Das ſtarke Anwachſen der ſtädtiſchen Arbeiterzahl und andere Intereſſen der
minder=
bemittelten Schichten der Bürgerſchaft laſſen eine ſachkundige Vertretung aus deren Reihen als wünſchenswert erſcheinen. Ebenſo macht die Ausdehnung der ſtädtiſchen
Einrichtungen und Betriebe die Zuziehung weiterer Sachverſtändigen nötig.
Auf dieſe Bedürfniſſe der Stadt nimmt unſer Wahlvorſchlag in allererſter Linie Bedacht. Die Auswahl der Kandidaten nach anderen Geſichtspunkten
ſchädigt unbedingt die Intereſſen der Stadt. Wir brauchen Männer mit klarem Blick, vollem Verſtändnis und ſelbſtändiger Mitarbeit. Alles das berechtigt
uns, unſern Wahlvorſchlag als
den einzigen unparteiiſchen Wahlvorſchlaa
0
zu empfehlen.
Zu unſerm lebhaften Bedauern iſt unſer Beſtreben, eine Einigung mit den bürgerlichen Parteien herbeizuführen, an den unerfüllbaren Anſprüchen von
parteipolitiſcher Seite geſcheitert. Die dadurch eingetretene Zerſplitterung ſchadet der guten Sache und wird ohne Zweifel bei den vorliegenden
Parteiverhält=
niſſen verhängnisvoll werden, wenn die Bürgerſchaft ſich nicht ermannt, unſerm Wahlvorſchlag den Vorzug zu geben.
Wir können annehmen, daß die von uns genannten Kandidaten mit den Grundſätzen unſeres öffentlich bekannt gegebenen Wahlprogramms einverſtanden
ſind und daß ſie demzufolge dafür eintreten, daß die Verwaltung der Stadt geführt werde nach den Geſichtspunkten
ſtrengſter Unparteilichkeit, ſozialer Gerechtigkeit und weiſer Sparſamkeit.
Mitbürger! Wähler! Wenn Ihr dieſe Geſichtspunkte für das Wohl der Stadt und damit auch für Euer eigenes als die richtigen anerkennt, dann gebt
am 10. November unſeren Wahlzettel ab, der mit den Namen
Ar. Rolb
beginnt und mit
Werner
endigt.
Mitbürger! Streicht nicht! Aendert nicht! Jede Aenderung kommt gegneriſchen Liſten zugute.
Wer es wahrhaft wohl meint mit unſerer Stadt, wer eine gerechte Zuſammenſetzung der Stadtverordneten=Verſammlung haben will, wer nicht will, daß eine
einzelne Partei, ſei es die ſozialdemokratiſche oder eine andere, das Rathaus beherrſcht, der trete für unſern Wahlvorſchlag ein.
Darum bleibe Keiner zu Hauſe! Auf jede Stimme kommts an!
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Seite 18.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 7. November 1910.
Nummer 261.
Bürgermeiſter=Verſammlung.
In Darmſtadt fand am Donnerstag, den
3. d. M. eine Verſammlung der Bürgermeiſter der
Landgemeinden des Kreiſes Darmſtadt unter dem
Vorſitze des Herrn Provinzial=Direktors Fey ſtatt.
Außer den Bürgermeiſtern der Landgemeinden hatten
ſich Mitglieder des Kreis=Ausſchuſſes, der
Kreis=
ſchulkommiſſion und der Vorſtand des Großh.
Polizei=
amts Darmſtadt, Herr Regierungsrat Dr.
Kranzbühler, eingefunden. Die Bürgermeiſterei
Darmſtadt, welche ebenfalls eingeladen war, konnte
wegen der gleichzeitig ſtattfindenden Sitzung der
Stadtverordnetenverſammlung keinen Vertreter
ent=
ſenden.
Der Vorſitzende, Provinzialdirektor Fey, begrüßte
die Verſammlung und eröffnete ſodann die Beratung
über den erſten Gegenſtand der Tagesordnung:
Zu=
züge in die Gemeinden.
Niederlaſſungs=
verhandlungen. Er bemerkte dazu: Die
Auf=
nahme einer eingehenden Niederlaſſungsverhandlung
bei dem Zuzuge ortsfremder Perſonen ſei für die
Ge=
meinde von größter Wichtigkeit, da ſie durch Zuzug
von Perſonen, deren Vorleben man nicht kennt,
ſchwere Nachteile erleiden kann und da die früheren
Aufenthaltsverhältniſſe im Falle der
Unterſtützungs=
bedürftigkeit zur Begründung von etwaigen
Rück=
erſatzanſprüchen bekannt ſein müſſen. Auch in
polizei=
licher Hinſicht ſei die Aufnahme von
Niederlaſſungs=
verhandlungen oft von beſonderem Intereſſe.
Nament=
lich bei allen ſtädtiſchen Verwaltungen ſind ſolche
Auf=
nahmen und Erkundigungen mit Erfolg eingeführt.
Wenn die Landgemeinden nicht in gleicher Weiſe
vor=
gehen, ſo liege die Gefahr nahe, daß Perſonen, welche
ihr Vorleben zu verbergen haben, in den Landorten
zuziehen und dieſe weſentlich benachteiligen. Das
Kreisamt habe deshalb im Intereſſe der
Geſchäftsver=
einfachung und Geſchäftserleichterung drei Formulare
entworfen, bei deren Benutzung alles feſtgeſtellt
wer=
den kann, was für eine Gemeinde hinſichtlich der
Per=
ſönlichkeit Neuzuziehender wiſſenswert iſt. Die
For=
mularien ſeien in Form von Fragen gehalten, denen
die Antwort nur kurz beigefügt zu werden brauche.
Herr Regierungsaſſeſſor Dr. Pabſt verbreitete
ſich ſodann in längeren Ausführungen über das durch
Reichsgeſetz allen Deutſchen gewährte Recht auf
Frei=
zügigkeit, über die Einwirkungen dieſer
Freizügig=
keit auf die Armenlaſten der Gemeinden und über die
Vorausſetzungen, unter welchen die Gemeinden
zu=
ziehende oder ſchon zugezogene Perſonen aus der
Ge=
meinde abweiſen können, wenn es ſich herausſtellt, daß
dieſe nicht in der Lage ſind, ſich und ihre Familie in
der neuen Gemeinde zu ernähren und deshalb der
Gemeinde vorausſichtlich dauernd zur Laſt fallen. Er
beſprach ſodann das bei ſolchen Abweiſungen
einzu=
ſchlagende Verfahren unter Hinweis auf die für
baye=
riſche Staatsangehörige beſtehenden
Sondervorſchrif=
ten, erwähnte die Nachteile, welche den Gemeinden
durch Verzögerung des Verfahrens oder gar durch
Verſäumnis der kurzen geſetzlichen Friſten erwachſen,
und zeigte, von welchem Vorteil es deshalb für die
Gemeinden iſt, wenn ſie bei dem Zuzug fremder
Per=
ſonen ſofort eingehende Niederlaſſungsverhandlungen
über deren Verhältniſſe aufnähmen.
Der zweite Punkt der Tagesordnung betraf:
Er=
werb und Verluſt des
Unterſtützungs=
wohnſitzes. Erhebung von Anſprüchen
gegen Orts= und Landarmenverbände.
Der Vorſitzende bemerkte dazu, daß dieſer
Gegen=
ſtand der Tagesordnung mit dem oben beſprochenen
in Zuſammenhang ſtehe. Nachdem am 1. April 1909
wichtige Aenderungen des
Unterſtützungswohnſitz=
geſetzes eingetreten ſeien, erſcheine es nötig, bei den
neuen Unterſtützungsfällen die Vorſchriften dieſes
neuen Geſetzes zu beachten und bei Feſtſtellung der
Heimats=, Familien= und Aufenthaltsverhältniſſe die
Vernehmung des Unterſtützten genau an der Hand der
geſetzlichen Vorſchriften zu bewerkſtelligen. Das
Kreisamt habe deshalb ein neues Formular
aus=
gearbeitet, welches in Form der Frageſtellung die
hauptſächlich vorkommenden Fälle berückſichtige. Auch
ſei beabſichtigt, den Bürgermeiſtern noch weitere
For=
mularien, z. B. für die Anmeldung der
Unterſtützungs=
anſprüche, für die Aufforderung von Perſonen, welche
ſich ihrer Unterſtützungspflicht entziehen uſw.,
mitzu=
teilen. Auch dieſe Maßnahme liegt im Intereſſe einer
Vereinfachung des Verfahrens und in einer
Erſpar=
nis von Zeit und Schreibweſen.
Herr Regierungs=Aſſeſſor Dr. Pabſt beſprach im
Anſchluß hieran die wichtigen Aenderungen, welche
das Unterſtützungswohnſitzgeſetz mit dem 1. April 1909
insbeſondere durch Einführung des Geſetzes in
Elſaß=Lothringen, durch Herabſetzung des Alters für
Erwerb des Unterſtützungswohnſitzes von 18 auf 16
Jahre und durch Abkürzung der Friſt zum Erwerb
und Verluſt des Unterſtützungswohnſitzes von 2 auf
1 Jahr erfahren habe, und wies an der Hand von
Beiſpielen namentlich auf die rückwirkende Kraft hin,
welche die beiden letztgenannten Aenderungen nach
der Rechtſprechung der Verwaltungsgerichte haben.
Er beſprach ſodann die Möglichkeit, Eltern, welche ſich
ihrer Unterhaltspflicht gegenüber ihren Kindern
ent=
ziehen, durch Anwendung ſtrafgeſetzlicher Beſtimmun=
Pfleggeldern) nach der Rechtſprechung nicht als ein
Akt der öffentlichen Armenfürſorge angeſehen werde
und die Gemeinden deshalb für ſolche Unterſtützungen
niemals von anderen Armenverbänden Erſatz
ver=
langen könnten, und ging zuletzt auf die
armenrecht=
liche Stellung der Pflegekinder ein, welche aus
be=
nachbarten großen Städten, z. B. aus Frankfurt, in
Gemeinden des Kreiſes Darmſtadt untergebracht
wür=
den und häufig alsbald den betreffenden Gemeinden
zur Laſt fielen. In der ſich anſchließenden
Beſprech=
ung wurde die mißliche Lage, in welche die
Pflege=
eltern und die Gemeinden häufig durch das
Aus=
bleiben der zugeſagten Pflegegelder geraten,
hervor=
gehoben. Es wurde angeregt, daß nähere
Ermittel=
ungen über dieſe mißſtändigen Verhältniſſe angeſtellt
werden ſollen. Auch verſchiedene andere Fälle aus
der Praxis, die aus der Mitte der Verſammlung
vor=
gebracht wurden, wurden eingehend beſprochen.
Bei dem folgenden Punkt der Tagesordnung:
„Gemeinderechnungsweſen” wurden von
einigen Bürgermeiſtern die Koſten beanſtandet, welche
durch Reviſion der Gemeinderechnungen bei der
Ober=
rechnungskammer neuerdings entſtänden, und es wurde
gewünſcht, daß der Kreis dieſe Reviſion in die Hand
nehme und einen Kreisrechnungsreviſor anſtelle. Herr
Provinzialdirektor Fey entgegnete, daß dieſem
Ver=
langen geſetzliche Vorſchriften entgegenſtehen. Nach
dem Geſetz vom 19. März 1910 ſind die Gemeinden,
Kreiſe, Provinzen, Kirchen und Stiftungen verpflichtet,
die Koſten der Rechnungsreviſion durch die
Ober=
rechnungskammer für diejenigen Rechnungen, deren
Reviſion der Oberrechnungskammer durch Geſetz,
Ver=
ordnung oder beſondere Anordnung überwieſen iſt, zu
bezahlen. Die Oberrechnungskammer berechnet dabei
nur die Selbſtkoſten.
Zum Schluſſe verbreitete ſich Herr
Kreisſchul=
inſpektor Profeſſor Kiſſinger über „Heimat=
und Wohlfahrtspflege auf dem Lande‟
Was zunächſt die „Wohlfahrtspflege” anlange, ſo ſei
zu konſtatieren, daß ſeit der letzten
Bürgermeiſterver=
ſammlung im Mai dieſes Jahres ein Schritt ſchon
geſchehen ſei durch Einrichtung der
Wanderhaushalt=
ungsſchule des Kreiſes, die der diesjährige Kreistag
auf Antrag des Herrn Provinzialdirektors beſchloſſen
hat. Die Haushaltungsſchule ſei inzwiſchen
einge=
richtet und der erſte Kurſus in Griesheim am 1.
No=
vember d. J. eröffnet worden. Es hätten ſich bis jetzt
33 Mädchen gemeldet, die Anmeldungen ſeien aber
noch im Gange. Mehr wie 24 Mädchen können an
einem Kurſe nicht Anteil nehmen, ſodaß noch ein
zwei=
ter und eventuell dritter Kurſus dort zuſtande
kom=
men würde. Neben dem vollſtändigen
Haushaltungs=
unterricht, der durch eine geprüfte
Haushaltungs=
lehrerin, Fräulein Meyer aus Roßdorf, erteilt werde,
habe ſich die dortige Krankenſchweſter in
dankens=
werter Weiſe bereit erklärt, den Mädchen an einigen
Stunden auch Unterricht in Krankenpflege und erſter
Hilfe bei Unglücksfällen zu erteilen. Auch die
Für=
ſorge für das körperliche und geiſtige Wohl der
Land=
jugend, insbeſondere der aus der Schule entlaſſenen,
müſſe einen Gegenſtand ernſter Mitarbeit der Herren
Bürgermeiſter bilden. Was die „Heimatpflege”
an=
lange, ſo könne bei dem Unterricht viel für dieſelbe
geſchehen, und geſchehe auch jetzt ſchon, nötig ſei aber,
daß man auf dem Lande überhaupt mehr Sinn für
dieſelbe zeige. Er erinnerte daran, wie man namentlich
gute Erinnerungen an die Voreltern, was Bauwerke,
Gebrauchsgegenſtände uſw. anlange, erhalten ſolle.
Er verwies auf das Vorgehen in Niedernhauſen i. O.
und in anderen Orten. Bei der nun folgenden
Dis=
kuſſion machte Bürgermeiſter Lang von
Pfung=
ſtadt darauf aufmerkſam, daß das dortige Rathaus in
einigen Jahren 300 Jahre ſtehe, es ſolle aus dieſem
Anlaſſe hergerichtet werden, insbeſondre ſolle auch der
Rathausſaal renoviert und mit den alten Möbeln und
dergleichen, die zum Teil noch auf dem
Rathaus=
ſpeicher lagerten, eingerichtet werden. Zurzeit
wür=
den die Urkunden geordnet und habe man ſehr
inter=
eſſante Bücher und Urkunden aus alter Zeit
auf=
gefunden. Der Vorſitzende ermunterte zu ähnlichem
Vorgehen auch in den anderen Gemeinden, wo ſich
dazu Gelegenheit biete. Insbeſondere aber müſſe
auch das geiſtige Leben auf dem Lande gefördert
werden durch Zuſammenſchluß aller derjenigen, die
ſich jetzt ſchon in den Dienſt dieſer Förderung geſtellt
hätten, der Herren Bürgermeiſter, Geiſtlichen, Lehrer
und ſonſtigen Einwohner, die dafür Sinn und Herz
zeigten. Die Liebe zur heſſiſchen Heimat und zum
Landleben in der Landbevölkerung wach zu erhalten
und zu ſtärken, ſei von hervorragender Wichtigkeit:
Die „Wohlfahrtspflege” müſſe auf dem Lande weiter
entwickelt und allerdings anders geſtaltet werden, als
in der Stadt. Auch in der Geſetzgebung müſſe der
Unterſchied zwiſchen Stadt und Land mehr
berückſich=
tigt werden, z. B. auf gewerbepolizeilichem Gebiete,
was auch der Herr Reichskanzler vor einiger Zeit
be=
reits in Ausſicht geſtellt habe. Ein Gegenſatz zwiſchen
Stadt und Land dürfe nicht entſtehen, das müſſe
ver=
hütet werden, man bedürfe auf dem Lande gerade zur
Wohlfahrt= und Kulturarbeit ganz beſonders auch der
Mitwirkung einſichtiger Kreiſe der ſtädtiſchen
Bevöl=
kerung, die ländliche Kultur müſſe jedoch ihr eigenes
Gepräge und die Landbevölkerung ihre Eigenart
be=
halten, es dürfe aber doch der Abſtand gegen die Städte
in vielen Dingen ſich nicht vergrößern, ſondern müſſe
ſich vermindern, und das insbeſondere in Orten, die
in der Nähe von Städten liegen. In ſeinem früheren
Wirkungskreiſe ſei man zu dieſem Zwecke zu einer
Vereinigung für „ländliche Heimatpflege, Wohlfahrt=
und Kunſtpflege” zuſammengetreten. Erhaltung und
Förderung geſunder und kräftiger Eigenart der
Land=
bevölkerung, zweckmäßige Ausgeſtaltung des ländlichen
Wohn= und Feldgebietes, ſowie ländlicher
Einrichtun=
gen in einer den Anſchauungen der Landbevölkerung
und den Anforderungen des Landlebens
entſprechen=
den Weiſe ſind notwendige Vorausſetzungen für die
Weiterentwicklung und das Gedeihen der ländlichen
Verhältniſſe. Das Verſchwinden des Sinnes für
länd=
liche Sitten und Gebräuche, ſowie für geſchmackvolle
Kunſtformen in der Landbevölkerung ſind Schäden, die
ſich auf dem Lande oft genug bemerklich machen.
Im=
mer mehr hat ſich daher die Anſicht Bahn gebrochen,
daß es eine Fülle von Aufgaben hierbei zu
löſen gibt. Auf dieſem Arbeitsgebiete, auf dem es vor
allem gilt, die geiſtigen Güter der Landbevölkerung
zu pflegen und zu fördern, bedürfe es der
gegenſeiti=
gen Anregung und Ausſprache aller derjenigen, welche
Sinn und Herz für die Landbevölkerung haben, ſie
kennen und verſtehen; es bedarf aber vor allem auch
der Mithilfe und Selbſthilfe der Landbevölkerung.
Man wolle keineswegs die Bedeutung des für die
materielle und geiſtige Förderung der
Landbevölker=
ung in Heſſen bereits Geſchehenen verkennen. Man
müſſe es ſich aber angelegen ſein laſſen, alle in dieſer
Hinſicht beſtehenden Beſtrebungen zu unterſtützen und
zu fördern, ſie aber auch zu vereinigen und einen
ge=
meinſamen Mittelpunkt für dieſelben zu ſchaffen
ſtreben. Eine ſolche Vereinigung empfehle ſich wohl
auch im Kreiſe Darmſtadt; ſie ſolle eine Sammelſtelle
für die gemachten Erfahrungen, einen Platz der
An=
regung für eine geſunde, den ländlichen Verhältniſſen
förderliche Entwicklung abgeben. Es iſt deshalb
be=
abſichtigt, mit Unterſtützung der Freunde dieſer Sache
in der Stadt demnächſt unter Mithilfe der Herren
Geiſtlichen, Lehrer und Beamten, ſowie im Verein mit
Angehörigen des Bauernſtandes, des Kaufmanns= und
Gewerbeſtandes, des Handwerker= und Arbeiterſtandes
auf dem Lande eine ſolche Vereinigung auch im
hieſi=
gen Bezirk ins Leben zu rufen.
Bei der Diskuſſion wurde von verſchiedenen
Bürgermeiſtern ein ſolches Vorgehen für durchaus
rätlich bezeichnet und von der Verſammlung allgemein
mit Freuden begrüßt. Die ſechs älteſten Bürgermeiſter
des Landbezirkes ſollen, zuſammen mit dem
Vorſitzen=
den und dem Vorſtande der bereits in Heſſen
beſtehen=
den Vereinigung, das weitere in die Wege leiten.
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gut im Tragen bewähren sollte. Das gilt für alle Artikel,
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solideste Fabrikat führe. Meine Auswahl ist die grösste.
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dann zeigen, dass noch eine grössere Anzahl alter Marken im
Um-
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werden können.
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Mar-
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Wir richten bei dieser Gelegenheit die Bitte an
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