Darmstädter Tagblatt 1910


07. November 1910

[  ][ ]

Abonnementspreis
monatl. 50 Pfg., viertelj. 1.50 Mk., aus=
wärts
nehmen die Poſtämter u. die Agen=
taren
Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl.
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
für Aufnahme von Anzeigen an vorge=
ſchriebenen
Tagenwird nicht übernommen.

173. Jahrgang
verbunden mit Wohnungs=Anzeiger und der Sonntags=Beilage:
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.

Inſerate
werden angenommen in Darmſtadt
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
ſowie von unſeren Agenturen und
den Annoncen=Expeditionen. Bei
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.

Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.

Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

N 261.

Montag, den 7. Novenber.

1910.

Die heutige Nummer hat 20 Seiten.

Kaiſer Wilhelm II. und König Georg V.
(§ Es iſt in der diplomatiſchen Welt längſt kein Ge=
heimnis
, daß das verwandtſchaftliche und an ſich auch
durchaus freundſchaftliche Verhältnis des Kaiſers Wil=
helm
II. zu ſeinem Oheime, dem König Eduard VII. von
England, hin und wieder dadurch eine mehr oder weniger
kurze Trübung erlitt, daß der König der Politik der klei=
nen
Nadelſtiche nicht ganz abgeneigt war. Umſo erfreu=
licher
iſt es, daß zwiſchen dem deutſchen Kaiſer und ſei=
nem
Vetter, Georg V., ein außerordentlich herzliches
Einvernehmen beſteht. Die beiden Souveräne un=
terhalten
einen regelmäßigen eigenhändigen Briefwechſel,
und der Gedankenaustauſch, den ſie pflegen, das Ver=
trauen
, das ſie verbindet, bildet ein nützliches Gegenge=
wicht
für alle Verſuche, die beiden Nationen, deren ge=
krönte
Führer ſie ſind, zu verhetzen. Die Londoner
Wochenſchrift Modern Society, die über die Vorgänge
und Stimmungen bei Hofe gewöhnlich gut unterrichtet iſt,
meldet jetzt, König Georg V. und die Königin Mary wür=
den
in der zweiten Hälfte des nächſten Jahres, nach der
Krönung, die im Juli vor ſich gehen ſoll, dem Berliner
Hofe einen offiziellen Antrittsbeſuch, eine
ſſogenannte Staatsviſite, abſtatten.
Dieſe Meldung hat, wie die N. G. C. von der zuver=
läſſigſten
Seite hört, viel Wahrſcheinlichkeit für ſich. Man
darf in der Tat annehmen, daß das engliſche Königspaar,
wie es neuerer monarchiſcher Sitte entſpricht, die Ober=
häupter
der großen Staaten des europäiſchen Feſtlandes
nach der Krönung beſuchen, und daß eines der erſten Ziele
ſeiner Reiſe Berlin ſein wird. Das Londoner Blatt
iſt aber nicht zutreffend unterrichtet, wenn es hinzufügt,
der Kaiſer habe die Anregung zu ſolchem Beſuche durch
eine Einladung gegeben Es bedarf einer derartigen Ein=
ladung
ſelbſtverſtändlich nicht und es ſteht feſt, daß bisher
über dieſen Gegenſtand Verhandlungen zwiſchen Berlin
und London überhaupt noch nicht ſtattgefunden haben.
Jene Londoner Zeitſchrift erwähnt dann noch, bei der
Krönung des Königs von England werde Deutſchland
durch den deutſchen Kronprinzen vertreten wer=
den
. Auch dies iſt nicht unwahrſcheinlich, aber noch nicht
beſtimmt. Richtig iſt, daß an der Krönungsfeier des
Königs Georg V. kein Souverän teilnehmen wird. Das
beruht auf dem höfiſchen Brauche, daß ein Monarch an
ſeinem Krönungstage niemand den Vortritt überläßt, alſo
keinen anderen Monarchen als Gaſt bei ſich ſehen kann.

Zur Geſchichte des Kulturkampfes.
Bismarck und die Kaiſerin Auguſta.
v. R. An mehr als einer Stelle der Gedanken und
Erinnerungen klagt Fürſt Bismarck über die anti=
miniſterielle
Tätigkeit der KaiſerinAuguſta, die ſich
immer auf der Seite der Gegner ſeiner Politik befand
und deren Abſichten zu durchkreuzen ſuchte. Die meiſten
Schwierigkeiten bereitete die Kaiſerin ihm während des
Kulturkampfes.
Einen ſehr belehrenden Einblick in die Art, wie die
Kaiſerin während des Kulturkampfes Bismarcks wirkliche
und vermeintliche Pläne zu bekämpfen bemüht war, ge=
währen
die ſoeben veröffentlichten, von uns ſchon er=
wähnten
Erinnerungsblätter aus dem Leben des 1876
verſtorbenen Wirklichen Geheimen Rates Otto Wehr=
mann
, der als erſter vortragender Rat des Staatsmini=
ſteriums
das Vertrauen des Kaiſers gewonnen hatte und
der Kaiſerin namentlich als Kurator des ihr unterſtellten
Diakoniſſenhauſes Bethanien nahe getreten war. Auch
nachdem Wehrmann 1872 den Abſchied genommen hatte
blieb die Kaiſerin mit ihm in Berührung Am 30. März
1875 ſprach er ſie im Zimmer und in Gegenwart ihrer
Palaſtdame Gräfin Hacke, und da beſchwerte ſie ſich bitter
zu ihm über Bismarcks Kirchenpolitik: welche nun
auch drohe, die Orden der Krankenpflege und des Unter=
richts
(Barmherzige Schweſtern, Urſulinerinnen u. dergl.)
anzugreifen. Im Abgeordnetenhauſe bereite man für
die nächſte Gelegenheit einen Anſturm gegen die geiſtliche
Krankenpflege vor und im Bundesrate ein Geſetz gegen
die Kloſter=Orden, das der hanfeatiſche Miniſterreſident
Krueger ein Katholikenfeind, fügte die Kaiſerin
hinzu entwerfe und das im Herbſt an den Reichstag
gelangen ſolle. Die Kaiſerin bat Wehrmann, er möge mit
Miquel, dem Führer der Nationalliberalen,

und dem Unterſtaatsſekretär Schuhmann ſprechen, da=
mit
man nicht zu weit gehe. Die Zerrüttung ſo edler,
nützlicher Einrichtungen, ſo ſagte die Kaiſerin werde
keinen Segen bringen, und ſie müſſe doch an die Zukunft
ihres Hauſes denken. Mit den Miniſtern könne ſie dar=
über
nicht ſprechen. Bismarck habe ſie ſeit einem Jahr
nur dreimal bei Feſten geſehen. Camphauſen, der
ſonſt freundlich zu ihr war, laſſe ſich nicht mehr ſehen.
Eulenburg habe ſie zweimal geradezu betrogen, indem
er das Gegenteil tat von dem, was ſie wünſchte. Achen=
bach
und Friedenthal ſeien früher ihre Sekretäre
geweſen in dem Vaterländiſchen Frauenverein und ſie
könne nicht glauben, daß ſie mit einem Male Staats=
männer
geworden ſeien. Wehrmann fährt fort: Sie
ſprach lebhaft zirka dreiviertel Stunden lang und ließ
mir kaum Zeit, einige Bemerkungen dazwiſchen zu
machen.
Nachdem Wehrmann der Bitte der Kaiſerin gemäß
mit Miquel und Schuhmann geſprochen hatte, konnte er
ihr melden, daß ihre Befürchtungen unbegründet ſeien,
da man nicht an die Aufhebung der geiſtlichen Orden und
die Ausdehnung des Vereinsgeſetzes auf die geiſtlichen
Genoſſenſchaften denke. Aber die Kaiſerin blieb bei ihren
Beſorgniſſen und erneuerte ſie zu Wehrmann, als er ſie am
27. April 1875, auch diesmal bei der Gräfin Hacke, wieder=
ſah
. Wehrmann ſchreibt: Die Kaiſerin klagte, daß ſie
ſelbſt von Angelegenheiten, die ihrer Fürſorge angehören
(Kranken=Anſtalten), nichts erfahre. Man ſage, daß alle
Klöſter, auch die für Krankenpflege und Unterricht beſtimm=
ten
, aufgehoben werden ſollten. Sie habe dem Kaiſer
vor der Abreiſe davon geſprochen, was denn aus den
verwundeten Soldaten werden ſolle, wenn im nächſten
Kriege die barmherzigen Schweſtern fehlten. Er habe ge=
antwortet
, daß man dieſe nicht anrühren werde; ſie fürchte
aber, daß Bismarck auch dieſe nicht ſchone, und bat mich,
bei einflußreichen Abgeordneten ein Wort dafür einzu=
legen
.
So ſieht man die willensſtarke Gemahlin Wilhelms I.
hier bei der Arbeit, durch geſchickte Beeinfluſſung des Par=
laments
dem großen Staatsmanne, den ſie einmal iro=
niſch
unſeren allergnädigſten Reichskanzler nannte, ent=
gegenzuarbeiten
.
Deutſches Reich.
Die Reform der Staatsangehörig=
keit
. Die Vorarbeiten für das neue Geſetz über die Er=
werbung
und den Verluſt der Staatsangehörigkeit ſind
nach einer Meldung der Deutſchen Tageszeitung nunmehr
abgeſchloſſen, ſo daß der Entwurf dieſer Tage dem Bun=
desrate
zugehen wird. Das neue Geſetz, deſſen Ausarbei=
tung
ſich nicht ohne Schwierigkeiten vollzogen hat, beſeitigt
vor allen Dingen den unhaltbaren Zuſtand, daß, wer nicht
im Beſitz eines Heimatſcheines iſt oder ſich in eine Kon=
ſulatsmatrikel
eintragen läßt, ſeine Staatsangehörigkeit
ganz von ſelbſt verliert, wofern er ſich zehn Jahre hindurch
ununterbrochen im Auslande aufgehalten hat. Das Geſetz
bahnt ferner für Auslanddeutſche eine erweiterte Anwen=
dung
der Beſtimmungen an, auf Grund deren perſönlicher
Verhältniſſe halber die Zurückſtellung vom Militärdienſte,
ſowie die Verſetzung von Dienſt= und Uebungspflichtigen
in die Erſatzreſerve auf Antrag ſchon jetzt zuläſſig iſt.
Ebenſo bringt es die Möglichkeit der Ableiſtung ihrer
Dienſtpflicht und etwaiger Uebungen bei der nächſten
Kolonialtruppe; nicht zuletzt wird der Transport Dienſt=
williger
in die Heimat neu geregelt. Angehörigen der
Marine wird es in Zukunft frei ſtehen, ihrer Uebungs=
pflicht
auf dem nächſten deutſchen Kriegsſchiffe, das für ſie
erreichbar iſt, nachzukommen.
Bei der Reichstagserſatzwahl im
4. Poſener Wahlkreis für den verſtorbenen
Reichstagsabgeordneten Dr. v. Skarzynski wurden abge=
geben
für v. Morawski (Pole) 15965 Stimmen und für
Schwartzkopf=Roſe (Deutſcher Kompromißkandidat) 5568
Stimmen. Drei Bezirke ſtehen noch aus. 30 Stimmen
ſind zerſplittert. v. Morawski iſt ſomit gewählt.
Zumruſſiſchen Geſandten in München
iſt nunmehr endgültig der Kanzleidirektor im ruſſiſchen
Miniſterium des Aeußern v. Savinsky ernannt worden.
Arbeitsloſenverſicherung. Im Auf=
trage
des preußiſchen Miniſteriums haben die Regierungs=
präſidenten
der Rheinprovinz die Verwaltungen verſchie=
dener
Städte erſucht, mit den beteiligten Kreiſen in Be=
ſprehungen
über die Frage der Arbeitsloſenverſicherung
einzutreten. Es handelt ſich um unverbindliche Beſpre=
chungen
informatoriſcher Natur, deren Ergebnis der Re=

gierung als Material für eine ſpätere Verhandlung der
kommunalen oder ſtaatlichen Arbeitsloſenverſicherung die=
nen
ſoll.
Zur Fleiſchteuerung. Mit Rückſicht auf die
beſtehende Fleiſchteuerung hat die badiſche Regierung im
Einverſtändnis mit dem Reichsamt des Innern den bei=
den
Städten Karlsruhe und Mannheim geſtattet, zweimal
wöchentlich Transporte franzöſiſchen Viehs, natürlich un=
ter
ſtrengſter Einhaltung der ſeuchenpolizeilichen Vor=
ſchriften
, einzuführen. Die Städtiſchen Behörden in
Stettin haben an den Reichskanzler, den Reichstag und
das preußiſche Staatsminiſterium Eingaben gerichtet mit
der Bitte, Maßregeln gegen die Fleiſchnot zu treffen, be=
ſonders
die Einfuhr von Fleiſch und Vieh aus Dänemark
zu geſtatten.
Der Streit der Werften mit ihren
Arbeitern. Man ſteht an der Unterweſer vor dem
Ausbruch neuer Differenzen auf den Werften. In einer
Vertrauensmännerverſammlung der Werft= und Lloyd=
arbeiter
erſtattete der Verſammlungskommiſſar Bericht
über das Ergebnis der Verhandlungen mit den Werften.
Die Meinungen der Werften und ihrer Arbeiter gehen in
der Auffaſſung der getroffenen Abmachungen ſehr weit
auseinander. In der Diskuſſion erklärten ſämtliche Red=
ner
, die Annahme bedeute eine Verſchlechterung der bis=
herigen
Zuſtände. Die Hafenarbeiter würden dieſen Be=
dingungen
unter keinen Umſtänden zuſtimmen. In einer
Reſolution kam zum Ausdruck, daß, wenn die Werften
kein Entgegenkommen zeigen, eine Werftarbeiterverſamm=
lung
über weitere Maßnahmen neue Beſchlüſſe faſſen
werde. Die Lloydarbeitervertrauensleute beſchloſſen ein=
ſtimmig
, den Lloyd nochmals um Verhandlungen anzu=
gehen
. Die Werften verwahren ſich in der Preſſe entſchie=
den
gegen die Berechtigung neuer Konflikte.
Ausland.
Oeſterreich=Ungarn.
Die deutſch=böhmiſchen Ausgleichsver=
handlungen
. Nach der Bohemia beſchloß der deutſche
Volksrat für Böhmen eine Kundgebung, nach der die
Ausgleichsvereinbarungen über die Sprachenfrage für un=
annehmbar
erklärt werden, jedoch die Fortſetzung der
Verhandlungen gefordert wird. Am Freitag abend fand
in Prag eine Verſammlung faſt ſämtlicher deutſcher Land=
tagsabgeordneter
ſtatt. Nach längerer Debatte wurde ein
von dem Abgeordneten Wolf eingebrachter Antrag ange=
nommen
, der beſagt: Die Sprachenvorlage erſcheint in
der vorliegenden Form vollſtändig unannehmbar und es
iſt gar nicht daran zu denken, daß ſie als Beſtandteil des
zu ſchaffenden Ausgleichswerkes angenommen werden
könnte. Die deutſchen Mitglieder der nationalpolitiſchen
Kommiſſion werden deshalb beauftragt, ſofort energiſch
die nötigen Schritte zu unternehmen, damit die Sprachen=
vorlage
in der vorliegenden Form beſeitigt bezw. an den
Referenten=Ausſchuß zurückverwieſen wird.
Frankreich.
Die türkiſche Anleihe. Der Matin ſchreibt:
Falls die franzöſiſche Regierung bis zum Verfalltermin
der von den öſterreichiſchen und deutſchen Banken der
Pforte gewährten Vorſchüſſe der Türkei eine Anleihe be=
willigen
ſollte, ſo iſt es für jetzt eine ausgemachte Sache,
daß dieſe Anleihe nicht zur Rückzahlung dieſer Vorſchüſſe
dienen dürfte. Im Intereſſe der franzöſiſchen Sparer iſt
es wünſchenswert, daß nunmehr auch andere ſich mit
Frankreich in die Laſt der türkiſchen Geldbedürfniſſe teilen.
Wir ſind ferner zu folgender Erklärung ermächtigt: Falls
die Türkei von neuem mit Frankreich in Anleiheverhand=
lungen
einzutreten wünſche, ſo wird bereits jetzt darauf
hingewieſen, daß die kürzlich von der franzöſiſchen Regie=
rung
für die Zulaſſung der türkiſchen Anleihe zur Kotie=
rung
aufgeſtellten Bedingungen das Mindeſtmaß dar=
ſtellen
. Selbſtverſtändlich würden im Falle einer Ver=
ſchlechterung
der türkiſchen Finanzen die von Frankreich
geforderten Bürgſchaften noch beſtimmter und wirkſamer
ſein müſſen.
Das neue Kabinett Briand. In dem Mini=
ſterrate
wurde feſtgeſtellt, daß vollſtändige Uebereinſtim=
mung
zwiſchen den Anſichten des Miniſterpräſidenten und
denen ſeiner Mitarbeiter beſteht. Die in der Kammer
abzugebende Erklärung des Miniſteriums, deren einzelne
Punkte in verſchiedenen Sitzungen des Miniſterrats durch=
beraten
werden ſollen, wird ſich hauptſächlich auf die
Reform des Wahlrechts, der Verwaltung und des Ge=
richtsweſens
beziehen, ferner auf die Verteidigung der
Laienſchule und auf Maßnahmen, die geeignet ſind, den

[ ][  ][ ]

Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 7. November 1910.

Nummer 261.

ununterbrochenen Betrieb in denjenigen öffentlichen
Dienſtzwaigen, die für die Tätigkeit der Nation eine
Lebensfrage bedeuten, zu ſichern und die Intereſſen der
in dieſen Dienſtzweigen beſchäftigten Arbeiter zu ſchützen.
Die von der früheren Regierung bereits eingebrachten
Vorlagen werden beſtehen bleiben oder wieder aufgenom=
men
, beſonders das Beamtengeſetz, die Wahlreform und
die Feſtſtellung der Rechte der Syndikate, ebenſo der Ent=
wurf
über den Arbeitsvertrag und die Möglichkeit, Geſell=
ſchaften
zwiſchen Kapital und Arbeit zu bilden, die der
letzteren einen gerechten Anteil an dem gemeinſam erziel=
ten
Gewinn ſichern. Im Verlaufe des Miniſterrats er=
klärte
Miniſterpräſident Briand weiter, das neue Mini=
ſterium
ſolle kein Miniſterium der Reaktion ſein. Wenn
er wünſche, daß die Regierung Mittel erhalte, Unter=
brechungen
der öffentlichen Dienſte zu verhindern, ſo ſei
es ebenſo ſein Beſtreben, die Rechte der Arbeiter zu
wahren. Man müſſe alſo Maßregeln treffen, durch die
die Beziehungen zwiſchen den Geſellſchaften und ihren
Arbeitern erleichtert werden und vielleicht eine Schieds=
gerichtskommiſſion
ſchaffen. Der Geſetzentwurf über das
Streikrecht werde der Kammer nicht vor Ablauf von vier=
zehn
Tagen zugehen.
Offiziös verlautet, das neue Miniſterium beabſichtige
keineswegs die Freiheit der Syndikate zu verletzen. Aber
es wolle den Arbeitern und Angeſtellten
der öffentlichen Betriebe das Recht entziehen,
ſich behufs Vorbereitung zum Ausſtande gemeinſam zu
verabreden. Man müſſe dieſen Arbeiterkategorien offen
erklären, daß ſie das Koalitionsrecht nicht beſitzen. Viele
Arbeiter und Angeſtellte werden dann wohl auch zögern,
in einen Ausſtand zu treten, falls ihnen der Gebrauch die=
ſer
für die Intereſſen des Landes ſo gefahrvollen Waffe
unterſagt würde. Briand will ein Schiedsgericht ſchaffen,
dem alle Wünſche und Beſchwerden der Arbeiter zu un=
terbreiten
wären. Dadurch würden die Zwiſtigkeiten je=
denfalls
eine Verminderung erfahren.
Holland.
Landesverteidigungs= Vorlage. Das
Schickſal der holländiſchen Regierungsvorlage über 77
Millionen Mark zu Landesverteidigungszwecken macht den
Engländern Sorge. Die holländiſche Kammer hat einen
genauen Bericht über die geplante Verwendung dieſer
Summe eingefordert. Die Daily Mail führt nun aus,
daß die Regierung ihre Pläne geheim zu halten wünſche
und ſelbſt, wenn ſie der Kammer Mitteilungen mache,
den wahren Zweck der neuen Befeſtigungsanlagen doch
verberge.
Spanien.
Die marokkaniſche Frage. Die ſpaniſche Bot=
ſchaft
in Paris hat der Regierung eine Note übermittelt,
in der die Gerüchte, die Verhandlungen zwiſchen El
Mokri und der ſpaniſchen Regierung würden abgebrochen,
dementiert werden. Nach dieſen Gerüchten ſoll El Mokri
eine Entſchädigung von 60 Millionen Franken angeboten
haben, während Spanien 105 Millionen verlange. Wahr
ſei vielmehr, daß der marokkaniſche Unterhändler und die
ſoaniſche Regierung zu einer vollſtändigen freundſchaft=
lichen
Verſtändigung über die Höhe der Entſchädigung
gelangten.
Portugal.
Das Geſetz über die Eheſcheidung, das
am Freitag veröffentlicht wurde, beſteht aus 70 Artikeln in
6 Kapiteln. Eine flüchtige Durchſicht zeigt, daß ziemlich
allen Forderungen Rechnung getragen wird. Viele Kreiſe
bemerken unangenehm, daß die Scheidung auf Ueberein=
kunft
zugelaſſen wird. Die Beſtimmungen über Kinder
und Güter entſprechen den Geſetzen des Auslandes. Be=

achtenswert iſt die Vorſchrift, daß das Geſetz den kon=
ſtituierenden
Kammern vorgelegt werden muß.
Bulgarien.
Bei der Adreßdebatte in der Sobranje
ſprach ſich der Führer der Nationalpartei Geſchow gegen
die unnützerweiſe kriegeriſche Politik gegenüber der Tür=
kei
aus und wies auf die ungünſtige Lage Mazedoniens
hin. Der Führer der Progreſſiſten Dalnew ſtellte eine
korrekte freundſchaftliche Haltung Bulgariens gegenüber
der Türkei feſt und bemerkte, die bulgariſchen Elemente
in der Türkei müßten ſich derſelben Lage erfreuen, wie
die muſelmaniſchen Elemente Bulgariens. Hierzu ſeien
guter Wille und korrekte Beziehungen notwendig. Red=
ner
erklärte, er glaube nicht, daß eine türkiſch=rumäniſche
Entente in der Form einer Konvention beſtehe, doch ſei
eine Annäherung zwiſchen beiden Staaten ſicher. Bul=
garien
müſſe Rumänien und der Türkei gegenüber eine
korrekte Haltung einnehmen.
Südafrika.
Eröffnung des Parlaments der Union.
Im Beiſein des Herzogs und der Herzogin von Con=
naught
, der Prinzeſſin Patricia und von Lord und Lady
Gladſtone fand am Freitag die feierliche Eröffnung des
Parlaments der Südafrikaniſchen Union ſtatt. In ſeiner
Eröffnungsrede gab der Herzog von Connaught dem leb=
haften
Bedauern des Königs Georg Ausdruck, daß ihm
nicht das Vergnügen vergönnt ſei, Südafrika zu beſuchen.
Der König wiſſe ſehr wohl, daß das Land ſchmerzliche
Prüfungen durchgemacht habe und Mißverſtändniſſe und
Streitigkeiten Unglück über das Land brachten; aber alles
ſei in der Vergangenheit begraben und friedlich beigelegt.
Der König ſei überzeugt, daß alle Südafrikaner ehrlich an
der Wohlfahrt dieſes großen und ſchönen Landes mit=
arbeiten
wollen. Er rufe die Gnade Gottes an, daß die
Union für alle Zeiten dauernd zum Segen und zur Wohl=
fahrt
, zum Gedeihen Südafrikas und des britiſchen Rei=
ches
beitragen möge.
China.
Das Parlament. Am Freitag wurde ein kaiſer=
liches
Edikt veröffentlicht, wonach die Eröffnung des
Parlaments, das aus zwei Kammern beſtehen ſoll, in drei
Jahren erfolgen wird.

* Berlin, 5. Nov. Als Gäſte des deutſchen
Kaiſerpaares treffen am 6. November der ſchwediſche
Kronprinz Guſtav Adolf und Kronprinzeſſin Margarete
nebſt Kindern in Potsdam ein. Hier bleibt das Kron=
prinzenpaar
, das von London kommt, bis zum 7. Novem=
ber
und reiſt dann nach Stockholm. Der im Jahre 1882
geborene Kronprinz Guſtav Adolf iſt ſeit 1905 verheiratet
und beſitzt jetzt drei Kinder.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 7. November.
Beſtätigt haben Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
den von dem Fürſten zu Iſenburg und
Büdingen in Birſtein auf die evangeliſche Pfarrſtelle zu
Geinsheim, Dekanat Groß=Gerau, präſentierten Pfarr=
aſſiſtenten
Edwin Marguth zu Oſthofen-Rhein= Dürk=
heim
für dieſe Stelle.
In den Ruheſtand verſetzt haben Se. Königl.
Hoheit der Großherzog den Oberlehrer an dem
Realgymnaſium und der Oberrealſchule in Gießen
Profeſſor Dr. Bernhard Schädel auf ſein Nachſuchen,
unter Anerkennung ſeiner langjährigen Dienſte.
L. Der Provinzialansſchuß verhandelte am Sams=
tag
unter dem Vorſitze des Provinzialdirektors Fey
öffentlich mehrere Sachen: 1. Georg Ludwig Werle I.
von Viernheim hat Beſchwerde geführt, weil ihm durch
Gemeinderatsbeſchluß der ihm zuſtehende Losholz=
genuß
im Werte von 20 bis 22 Mark jährlich vorent=
halten
wird. Die Gemeinde hat eine Sparkaſſenſchuld
des Werle übernommen, auf welche der Losholzwert
aufgerechnet wurde. Der Kreisausſchuß gab dem

Rechtsmittel ſtatt, weil die Aufrechnung geſetzlich nur
zuläſſig ſei, wenn die Gegenforderung der Gemeinde
von dem Schuldner gerichtlich anerkannt oder geeignet
iſt, im Adminiſtrativverfahren beigetrieben zu wer=
den
; vorausgeſetzt, daß eine Befriedigung aus dem
Vermögen des Schuldners nicht möglich iſt. Die Ge=
meinde
verfolgte gegen dieſe Entſcheidung Rekurs,
weil, wie der Beigeordnete Matthes ausführte, nur
13 Mark Sparkaſſeſchuld in Betracht komme, im übri=
gen
es ſich um rückſtändige Staatsſteuer handele, die
zwangsweiſe beigetrieben werde. Der Rekurs der
Gemeinde wurde für begründet erachtet, das an=
gefochtene
Urteil aufgehoben und Werle zur Zahlung
der Koſten, ſowie einer Gebühr von 1 Mark ver=
urteilt
.
2. Der Kaufmann Jakob Schnauber von
König hat um die Erteilung einer Legitimations=
urkunde
als Reiſender zum Aufſuchen von Waren=
beſtellungen
uſw. nachgeſucht, um ſich ſeinen Lebens=
unterhalt
zu verdienen. Der Kreisausſchuß verhielt
ſich ablehnend, weil der Geſuchſteller am 1. Dezember
1909 eine Gefängnisſtrafe von zehn Monaten wegen
Totſchlagsverſuchs verbüßt hat, mithin ſeit der Ver=
büßung
noch keine drei Jahre verſtrichen ſind. Der
dagegen von Schnauber verfolgte Rekurs mußte ver=
worfen
werden, weil es ſich um eine zwingende Vor=
ſchrift
handelt. Schnauber hat die Koſten, ſowie eine
Gebühr von 1 Mark zu entrichten.
3. Wilhelm Bolz von Schönberg ſtrebt ſchon ſeit
dem Jahre 1899 danach, auf der Auerbacher Höhe, zwi=
ſchen
Schönberg und dem Fürſtenlager, eine Wirtſchaft
zu errichten. Später ſuchte er nur um die Erlaubnis
zu einem Hausbau nach, der ihm geſtattet wurde, nach=
dem
er beſtimmt erklärt hatte, daß eine Wirtſchaft nicht
mehr beabſichtigt ſei. In neuerer Zeit kam er von
dieſer Anſicht zurück und bittet um die Erlaubnis, ein
Café auftun zu dürfen. Der Kreisausſchuß wies ihn
ab; der Provinzialausſchuß, welcher am 16. Juni be=
reits
ſich mit der Sache befaßte, beſchloß, vorerſt Er=
mittelungen
über die Tragweite der von Bolz beim
Hausbau abgegebenen Erklärung, ſowie über die ſchon
vorhandenen benachbarten vorübergehenden Betriebe
vorzunehmen. Einige Zeugen beſtätigen, daß es be=
ſonders
Sonntags wünſchenswert ſei, daß man auf
dem ſchön gelegenen verkehrsreichen Punkt Getränke
und Kaffee erhalte. Heute heiße es: Auf in die
Berge. Auch der hieſige Verkehrsverein hat ſich warm
zu. Gunſten des Geſuchs ausgeſprochen. Zur Zeit ver=
kauft
ein Mann aus Schönberg Sonntags im Sommer
in der Nähe Waſſer und Limonade. Einer Erlaubnis
bedarf es nicht, weil er den Betrieb begann, als für
alkoholfreie Getränke noch keine Konzeſſion erforder=
lich
war. Der Vorſitzende ſtellte aus den Akten feſt,
daß Bolz vor Erteilung des Baubeſcheides ausdrücklich
wiederholt verſicherte, daß eine Wirtſchaft nicht betrie=
ben
werden ſolle. Der Vertreter des Kreisamtes
Bensheim, Regierungsrat Löslein, wies auf das nahe
Fürſtenlager hin, wo ausreichend Gelegenheit ſich zu
erfriſchen, geboten ſei. Für das Geſuch läge deshalb
kein Bedürfnis vor; auch beſtänden ernſte Bedenken
wegen der Sitten= und Feuerpolizei. Der Rekurs
wurde als unbegründet verworfen. Bolz hat die
Koſten, ſowie eine Gebühr von 3 Mark zu bezahlen.
4. Der Gemeinderat in Eberſtadt hat die
Aufnahme des Fleiſchbeſchauers Genazino, des Rech=
ners
Schäfer und der Hebammen Haller und Maul in
die Fürſorgekaſſe abgelehnt, welche Entſcheidung der
Kreisausſchuß als irrig aufhob. Die Gemeinde legte
dagegen Rekurs ein, welchen Rechtsanwalt Neuſchäffer
dahin begründete, daß es ſich weder um Gemeinde=
beamte
und =Bedienſtete handle, noch um wandelbare
Bezüge, die auf Grund eines dreijährigen Durchſchnit=
tes
auszumitteln ſeien. Die Bezüge fließen nämlich
nicht aus der Gemeindekaſſe, ſondern werden von Pri=
vaten
bezahlt. Das Erkenntnis ſoll am nächſten Frei=
tag
verkündigt werden.
* Wichtige Entſcheidung. Eine für Päter unehe=
licher
Kinder wichtige Entſcheidung fällte das hieſige
Oberlandesgericht in den letzten Tagen. Der § 361,
Ziffer 10 des R.=St.=G. droht demjenigen eine Haft=
ſtrafe
an, der ſich der Unterhaltspflicht als Ernährer
entzieht, obſchon er in der Lage iſt, diejenigen zu unter=
halten
, zu deren Ernährung er verpflichtet iſt. Es
handelte ſich um die ſehr wichtige Frage, ob dieſe Straf=
beſtimmung
auch auf Väter unehelicher Kinder anzu=
wenden
iſt. Ein hieſiger Schneidergehilfe war zur
Unterhaltung ſeines unehelichen Kindes durch Zahlung

Fritz Reuter.
Zu ſeinem 100. Geburtstag.
Skizze von Walter Behrend.
B. Am 7. November feiert das deutſche Volk den 100.
Geburtstag ſeines größten Humoriſten, des Dialektdich=
ters
Fritz Reuter, deſſen Ruhm und Popularität ſeit lan=
gem
über das Gebiet der plattdeutſchen Zunge hinausge=
drungen
ſind. Nicht nur der Niederdeutſche, beſonders
der Mecklenburger, iſt heute ſtolz auf die überragende Er=
ſcheinung
dieſes Dichters, Deutſchland überhaupt hat ihm
einen Ehrenplatz unter den größten künſtleriſchen Erſchei=
nungen
der Nation eingeräumt. Jeder Deutſche, der die
koſtbaren, unvergänglichen Werke Fritz Reuters geleſen
hat, wird ſich heute dankbar an die Stunden prachtvollſten
Humors erinnern, die ihm dieſer einzigartige Poet ge=
ſchenkt
hat Stunden der Sonne, der hellſten, lachenden
Sonne, der Befreiung von aller=Lebensfinſternis.
Die Niederdeutſchen ſind ein Volk des derbſten, maſ=
ſivſten
Humors. Nur aus ihrer Mitte konnte der Dickens
unſerer Nation, ein Komiker von derart ſiegender, leuch=
tender
Kraft hervorgehen, wie es Fritz Reuter iſt. Er
verfügte über die Linien unwiderſtehlicher Groteske, einer
Karikatur, deren ſcharfer, meiſterhafter Umriß den Fi=
guren
ſeiner Phantaſie nichts von ihrem harmloſen, rei=
nen
, innerlichen Menſchentum nahm. Deshalb ſind ſie
auch im wahrſten Sinne des Wortes volkstümlich gewor=
den
, jene unſterblichen Geſtalten, ſtrahlenden Phyſiog=
nomien
, die in der Sicherheit der Charakteriſtik, in der
Treffſicherheit der breiten, behäbigen Draſtik nicht mehr
überboten werden können: Onkel Bräſig, der ewige In=
ſpektor
, Hanne Nüte, Fritz Triddelfritz, Mamſell Weſt=
phal
und viele andere noch. Plaſtiſch, wie das Leben
ſelbſt, ſtehen ſie dor uns.
Ueber dem Leben Fritz Reuters, des ſonnenfroheſten
aller Humoriſten, haben am Anfang dunkle Sturmwolken
geſchwebt. Schwer hatte der Dichter zu kämpfen, bis er
durchdrang, ein ruhiger Lebensabend ihm winkte. Er
wurde am 7. November 1810 in dem mecklenburgiſchen
Städtchen Stavenhagen, dem ſein unvergeßlicher Vater
als Bürgermeiſter vorſtand, geboren. Früh regte ſich in
ihm der Dichter. Schon als Gymnaſiaſt verſuchte er ſich in
witzigen hochdeutſchen Hexametern.

Nachdem er am 8. Oktober 1830 das Abiturienten=
eramen
mit Not beſtanden hatte, überſiedelte er nach
Roſtock, um auf der dortigen Univerſität Jurisprudenz
zu ſtudieren. Er vernachläſſigte jedoch ſein Studium:
Roſtock wäß für ihn ein Dahlſprung‟ Deshalb zog er
bald nach Jena, was ſein Verhängnis werden ſollte. Er
wurde hier unglücklicherweiſe es war im Jahre 1833
Mitglied einer Burſchenſchaft, die wüſte Exzeſſe verübte,
an denen ſich auch Fritz Reuter beteiligt haben ſoll. Neue
Kataſtrophen ereigneten ſich: in Frankfurt a. M. wurde
ein Sturm auf die Hauptwache verübt, der zur Befreiung
einiger politiſcher Gefangener führte. Unter den Tumul=
tuanten
wurden auch einige Jenenſer Burſchenſchafter ge=
ſehen
und bald ereilte den Dichter das Verhängnis.
Am 31. Oktober 1833 wurde Fritz Reuter verhaftet und
nun von Feſtung zu Feſtung, gleichſam als Hochverräter,
geſchleppt. Im Grunde war er vollkommen unſchuldig.
Trotzdem wurde über ihn die Todesſtrafe verhängt, die
indeſſen wieder in 30jährige Feſtungshaft umgewandelt
wurde. Die Qualen, die er, der Gebrandmarkte, auf den
Feſtungen ausgeſtanden hat, hat er in ſeinem herrlichen
Buch das trotzdem humorvoll erhellt iſt Ut mine
Feſtungstid geſchildert. Acht Jahre blieb der Dema=
goge
Gefangener, dann ſchlug ihm auf Dömitz die Stunde
der Befreiung. Dreißig Jahre war er alt, als er aus
den kalten Mauern des Gefängniſſes entlaſſen wurde
augenſcheinlich ein für alle Zeiten Zerſtörter, ein inner=
lich
Zerrütteter, von der Wekt Verachteter, der nun in den
erſchütternden Ruf ausbricht: Frei! Oewer ok ſplitter=
fadennakt
, un ſo ſüll ik ’rinne in de Welt! Aber es
ſollte anders kommen: Fritz Reuter ſollte zum Ruhm
aufſteigen.
Den Plan, Juriſt zu werden, gab er bald nach ſeiner
Freilaſſung auf. Niedergeſchlagen ſchrieb er: Wat was
ik? Wat wüßt ik? Wat kunn ik? Nicks! Wat hadd
ik mit de Welt tau dauhn? Rein gor nicks. De Welt
was ehren ollen ſchweinen Gang ruhig wider gahn, ahn
dat ik ehr fehlt hadd; üm ehrentwillen kunn ik noch ümmer
furt ſitten un as ik ſo unner den Dannenbuſch ſatt för
meinetwegen ok. Dann raffte ſich Reuter aus ſeiner Ver=
zweiflung
auf. Er beſchloß, Landwirt zu werden. 1842
fand er eine Anſtellung, und zwar auf dem im Amte Sta=
venhagen
gelegenen Gute Demzin. Dort begann er als
Volontär zu wirtſchaften. Bald faßte er auch wieder
neuen Lebensmut, verlobte ſich ſogar in einigen Jahren,

im Mai 1847. Die Auserwählte hieß Luiſe Kuntze, in
der er eine Idealgattin gewann. Von nun ab fingen
wahre Glückszeiten für den Dichter an, indem ſich jetzt
die poetiſche Ader wirklich zu rühren begann. Die
Läuſchen un Rimels, jene köſtlichen Gedichte, entſtanden
unter dem Motto:
Wer’t mag, de mag’t;
Un werkt nich mag,
De mag’t jo woll nich moegen.
Reuter ſuhr fort in der Art dieſer launigen, anekdoti=
ſchen
Gedichte. Er ſchrieb die poetiſche Erzählung De
Reiſ nah Belligen die im Jahre 1855 veröffentlicht
wurde und ſofort vielen Beifall fand. Aber er gab ſich
nicht nur als Humoriſt: auch die Tragödie lag ihm; er
ſchuf das erſchütternde ſoziale Epos aus dem Junkertum
und Tagelöhnerſtande Kein Hüſung Von dieſem ge=
waltigen
Werk, dem bedeutendſten Monument des nieder=
deutſchen
Schrifttums, ſagt der bekannte Reuterforſcher
Karl Th. Gaedertz: Mit ſeinem Herzblut im Intereſſe
der leidenden Menſchheit ſchrieb er das Buch, er hielt es
zeitlebens für ſein beſtes.
Schöpfung auf Schöpfung geht jetzt aus Reuters Hand
hervor. Er ſchreibt Olle Kamellen die humoriſtiſchen
Proſa=Erzählungen, die ſeinen Weltruhm begründeten,
ſchreibt ſeine Hanne Nüte, jene entzückende Vogel= und
Menſchengeſchichte. Die Franzoſentid erſcheint 1859.
Sie ſoll eine luſtige Geſchichte ſein, aber hinter ihrem
goldenen Humor ſpannt ſich die Welthiſtorie auf, die napo=
leoniſche
Zeit. Die Troſtloſigkeit, der Jammer der deut=
ſchen
Zuſtände ſchreit zugleich in dieſem Buch auf. Und
weiterhin ſchreibt der unermüdlich Schaffende die Reiſ'
nah Konſtantinopel und das amüſante Kulturbild aus
dem mecklenburgiſchen Rokoko Dörchläuchting ein
prachtvolles Kabinettſtück.
Am 12. Juli 1874 ſtarb Fritz Reuter zu Eiſenach, wo
er zuletzt ein ruhiges, idylliſches Leben mit ſeiner Gattin
geführt hat. Auf ſeinem Sterbebette erſchien ihm noch
einmal, bevor er verſchied, ſein prachtvoller Onkel Bräſig,
ſeine köſtlichſte Geſtalt, die ihm der Fieberwahn vorſpie=
gelte
. Eine Herzlähmung raffte den ſonnigen, großen
Menſchen hinweg, der nach vielen Qualen einen ehren=
reichen
Lebensabend fand. Das große Gelächter, das er
einſt angeſtimmt hat, wird ſein Echo durch die Jahrhun=
derte
werfen.

[ ][  ][ ]

Nummer 261.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 7. November 1910.

Seite 3.

einer monatlichen Geldrente von 20 Mark verurteilt
worden. Der von der ſtädtiſchen Berufsvormundſchaft
veranlaßten Lohnpfändung entzog er ſich dadurch, daß
er ſeine mit gutem Verdienſt innegehabte Arbeitsſtelle
aufgab und dann nur ſo viel arbeitete, als er für ſich Willy Merck, Stellvertreter des Vorſitzenden; Ober=
gebrauchte
. Auf den gegen ihn ergangenen Straf=
befehl
in Höhe von einer Woche Haft erhob er Ein=
ſpruch
, der zur Folge hatte, daß die Strafe vom Schöf=
Seine bei der Strafkammer eingelegte Berufung wurde
verworfen. Die Verteidigung hatte eingewendet, daß
die Strafbeſtimmung auf Väter unehelicher Kinder
nicht anwendbar ſei, da dieſe nur eine Unterhaltungs=
pflicht
hätten im Gegenſatz zu den Vätern ehelicher
Kinder, denen ausdrücklich die Pflicht der Ernährung
obliege. Sie ſtützte ſich dabei auf eine Entſcheidung des
preußiſchen Kammergerichts, in der es heißt, daß nach
der ganzen Entſtehung des § 361 des Strafgeſetzes dieſe
Strafbeſtimmung für die Pflichtverletzung von Vätern
unehelicher Kinder nicht herangezogen werden könne.
Auch die weiter verfolgte Reviſion beim Oberlandes=
gericht
hatte nicht den gewünſchten Erfolg. Dieſes hat
jetzt im Einklang mit einer Reihe anderer Oberlandes=
gerichte
entſchieden, daß die Strafbeſtimmung des § 361,
Ziffer 10 auch auf Väter unehelicher Kinder anwend=
durch
nach wie vor ein wirkſames Mittel in die Hand
gegeben, ſäumigen Kindesvätern die Erfüllung ihrer
Unterhaltsverpflichtungen zum Bewußtſein zu bringen.
Perſonalnachrichten der Ober=Poſtdirektion
Darmſtadt. Verliehen wurde anläßlich der An=
weſenheit
Seiner Majeſtät des Kaiſers von Rußland
in Friedberg (Heſſen): der St. Annen=Orden 3. Klaſſe
dem Poſtinſpektor Friſch, der St. Stanislaus=Orden
3. Klaſſe dem Telegraphenſekretär Fink, die ſilberne
Medaille zum St. Stanislaus=Orden dem Ober= Leit=
ungsaufſeher
Dahmer, dem Ober=Poſtſchaffner Ruckels=
hauß
, den Poſtſchaffnern Rau, Fiſcher und Henrich.
Beſtanden haben die Poſtſekretärprüfung: der Poſt=
aſſiſtent
Wirth in Mainz; die Poſtaſſiſtentenprüfung:
die Poſtgehilfen Wagner in Höchſt (Odenwald), Stauth
in Mainz, Pſeifer in Gau=Algesheim (Kr. Bingen),
Geßner in Jugenheim (Bergſtr.), Freitag in Nierſtein,
Gröger in Darmſtadt, Geißler in Niederolm und Wahl
in Guntersblum; die Telegraphenaſſiſtentenprüfung:
die Telegraphengehilfen Krämer in Darmſtadt und
Walcker in Mainz. Verſetzt wurden die Telegra=
phenaſſiſtenten
Fauſt von Mainz und Hechler von
Worms nach Bochum und der Ober=Poſtaſſiſtent Gernet
von Berlin nach Mainz. Angenommen ſind als
Telegraphenanwärter: der Wachtmeiſter Günther in
Offenbach (Main), als Poſtagent: der Lehrer a. D.
Weber in Buchſchlag (Kr. Offenbach). Freiwillig
ausgeſchieden iſt die Poſtagentin Herold in Buch=
ſchlag
(Kr. Offenbach). Entlaſſen wurde die Tele=
graphengehilfin
Metzger in Offenbach (Main), krank=
heitshalber
.
Zur Stadtverordneten=Wahl. Die Wahlhand=
lung
dauert von vormittags 9 Uhr bis abends 6 Uhr
ununterbrochen an.
Die Kunſthalle, in der z. Zt. Gemälde uſw. der
jüngeren Baſeler, ſowie der Maler Bader, Kröh und
Weyl ausgeſtellt ſind, iſt geöffnet Sonntags von
104 Uhr, Werktags von 114 Uhr.
Hanſabund. In der letzten Sitzung des geſchäfts=
führenden
Ausſchuſſes der Bezirksgruppe Darmſtadt des
Hanſabundes iſt an Stelle des verſtorbenen Herrn Georg
Engelhard Herr Hans Tölke zum Vertreter der Ange=
ſtellten
im Präſidium der Bezirksgruppe gewählt worden.
Herr H. Ullrich iſt als Vertreter der Darmſtädter Bank=
beamten
in den geſchäftsführenden Ausſchuß gewählt wor=
den
. Weiter wurde beſchloſſen, die ſchon ſeit längerer Zeit
in Ausſicht genommene öffentliche Verſammlung des
Hanſabundes nunmehr an einem Sonntag nachmittag
um hierdurch auch der Landbebölkerung Gelegenheit zum
Beſuche derſelben zu geben, Mitte oder in der zweiten
Hälfte des Januar 1911 ſtattfinden zu laſſen. Der Haupt=
redner
in dieſer Verſammlung wird Herr Schriftſteller
Brandt aus Berlin ſein.
Der Vorſtand des Feſthaus=Vereins Darmſtadt
hielt Freitag abend ſeine zweite Vorſtandsſitzung ab.
Die in der letzten Sitzung gewählten Herren: Profeſſor
Burmeſter, Provinzialdirektor Fey, Geh. Oberfinanz=
rat
Dr. Fuchs, Generalmajor Freiherr von Heyl, Ge=
neralſtaatsanwalt
Dr. Preetorius und Geheimerat Dr.
Weber haben die Wahl in liebenswürdiger Weiſe an=
genommen
. Es konnte u. a. mitgeteilt werden, daß
für den laufenden Winter mehrere muſikaliſche Ver=
anſtaltungen
erſten Ranges zum Beſten des Feſthaus=
fonds
in Ausſicht ſtehen. Ein öffentlicher Aufruf zum
Beitritt zum Verein ſoll in den nächſten Tagen in den! vereins geſchehen.
Z e en geegeaht

hieſigen Tageszeitungen erſcheinen. Im Anſchluß an
dieſe Sitzung fand die konſtituierende Sitzung des Ver=
waltungsbeirats
ſtatt, der zurzeit ſich folgendermaßen
zuſammenſetzt: Geheimerat Römheld, Vorſitzender; Dr.
bibliothekar Dr. Voltz, Schriftführer; Hofſekretär Engel,
Stellvertreter des Schriſtführers; Regierungsrat Ba=
ſtian
, Stadtverordneter Ingenieur Markwort, Stadt=
fengericht
auf zwei Wochen Haft erhöht wurde.f verordneter Dr. Nöllner und Eiſenbahninſpektor a. D.
Scheyrer, Beiſitzer. Allen denjenigen Vereinen, die
einen Jahresbeitrag von 100 Mark zeichnen, ſteht das
Recht zu, ihrerſeits einen Vertreter in den Verwalt=
ungsbeirat
zu ſenden. Zunächſt werden der Muſikver=
ein
und der Richard Wagner=Verein in der Lage ſein,
von dieſem Rechte Gebrauch zu machen.
Heſſiſcher Diakonieverein. Dadurch, daß Herrn
Pfarrer Rehwald=Darmſtadt die evangeliſche Pfarr=
ſtelle
zu Heppenheim übertragen worden iſt, verliert
der Heſſiſche Diakonieverein leider ſeinen Vereinsgeiſt=
lichen
. Dieſer Verluſt iſt umſo bedauerlicher, weil
Herr Pfarrer Rehwald als Vereinsgeiſtlicher zugleich
auch der Geſchäftsführer des Vereins war, und ein
Wechſel in der Leitung ſich für einen noch ſo jungen
Verein recht fühlbar machen wird. Herr Pfarrer Reh=
wald
war in ſeiner ſeitherigen, ſehr ſchwierigen und
bar ſei. Der ſtädtiſchen Berufsvormundſchaft iſt da= arbeitsreichen Stellung nur wenig über ein Jahr tätig;
in dieſer kurzen Zeit hat er aber dem Verein durch
ſeine treue, hingebende Arbeit ſehr wertvolle Dienſte
geleiſtet. Die von ihm geſammelten Erfahrungen wer=
den
dem Verein auch fernerhin zugute kommen; denn
Herr Pfarrer Rehwald hat nicht allein die Zuſicherung
gegeben, die Leitung der Geſchäfte noch einige Zeit von
Heppenheim aus weiter beſorgen zu wollen, ſondern
auch die Abſicht, auch dann noch, wenn für ihn ein Nach=
folger
gefunden worden iſt, dem Verein nach Kräften
zu dienen. Aufgabe des Vereinsvorſtandes wird es
ſein, baldigſt für Herrn Pfarrer Rehwald Erſatz zu
ſchaffen, denn die verſchiedenen Anſtalten des Vereins
und ſeine 77 Schweſtern, von denen 48 im Städtiſchen
Krankenhauſe zu Darmſtadt, 16 im Krankenhauſe in
Hamburg, 3 in der Privatpflege, 6 im Gemeindepflege=
ſeminar
und 4 im Lande tätig ſind, können des einigen=
den
Leiters und Mittelpunktes nicht entbehren.
* Die Freie Studentenſchaft Darmſtadt hielt am
Freitag nachmittag ihre erſte Hauptverſammlung in
dieſem Semeſter ab. Die wichtigſten Punkte der Tages=
ordnung
waren die Neuwahlen der Abgeordneten, die
Ergänzungswahlen für den Ausſchuß der Freien Stu=
dentenſchaft
und ein Referat: Studentiſches Diszipli=
narrecht
Zu Abgeordneten wurden 17 Herren ge=
wählt
und in den Ausſchuß die Herren Stud. Door=
mann
und Botſch. In ſeinem Referate legte Herr
Stud. Moller die Notwendigkeit einer Reform der
Disziplinargeſetzgebung für Studierende dar, ein
Thema, mit dem ſich am heutigen Tage Studentenver=
ſammlungen
an faſt allen Hochſchulen und Univerſi=
täten
beſchäftigten. Es wurde dann eine Reſolution
angenommen und beſchloſſen, das Ergebnis telegraphiſch
nach Berlin zu berichten, wo im Laufe des Abends ſich
ebenfalls eine große Akademikerverſammlung, auf der
verſchiedene Abgeordnete als Redner auftraten, mit
demſelben Thema beſchäftigte.
Die Reſolution hat folgenden Wortlaut: Die
am 4. November 1910 in Darmſtadt gleichzeitig mit den
Kommilitonen in Berlin, Bonn, Breslau, Braun=
ſchweig
. Danzig, Eiſenach, Göttingen, Greifswald, Halle,
Heidelberg, Kiel, Königsberg, Leipzig, Marburg, Mün=
chen
und Stuttgart verſammelten Freiſtüdenten ſind
der Anſicht, daß die Disziplinarvorſchriften für Stu=
dierende
einer grundlegenden Reform bedürfen. Sie
erwarten, daß insbeſondere die Beſtimmungen über
das Studentiſche Vereins= und Verſammlungsrecht
eine Neugeſtaltung nach Maßgabe der allgemeinen
Reichsgeſetzgebung erfahren werden. Die Verſamm=
lung
wünſcht endlich eine im Geiſte einheitliche Regel=
ung
des Studentenrechtes in allen deutſchen Staaten.
* Sonderzug. Samstag, den 26. November, mittags
1 Uhr, wird im Zirkus Buſch in Berlin von dem
Verband Deutſcher Hausbeſitzer (über 160000 Mitglie=
der
) eine Proteſtverſammlung gegen die geplante
Reichswertzuwachsſteuer abgehalten. Den Vorſitz wird
der kürzlich auch vom Staatsſekretär wegen dieſer
Frage empfangene Herr Juſtizrat Dr. Baumert füh=
ren
. Aus vielen deutſchen Städten ſind Sonderzüge
geplant. So ſoll auch ein Sonderzug am 24. oder 25.
November von Frankfurt a. M. fahren, an dem ſich die
Hausbeſitzer von Frankfurt, Mainz, Wiesbaden, Mann=
heim
und Darmſtadt beteiligen wollen. Anmeldungen
zu dem Sonderzug müſſen bis längſtens Mittwoch, den
9. November an die Geſchäftsſtelle des Hausbeſitzer=

C. Proteſtverſammlung. Man ſchreibt uns: Die
hieſige Sektion des Volksvereins für das katholiſche
Deutſchland veranſtaltete am Freitag im Konkordia=
ſaale
eine ſehr ſtark beſuchte Proteſtverſammlung gegen
die Angriffe des römiſchen Bürgermeiſters Nathan
gegen das Papſttum. Nach einleitenden Worten des
Geſchäftsführers Herrn Dr. Kocks warf Herr Dr.
Meffert von der Gladbacher Zentrale einen geſchicht=
lichen
Rückblick auf die Entwickelung des modernen
Italiens, deſſen gegenſätzliche Stellung zum Papſttum
trotz des Garantiengeſetzes die gleiche geblieben ſei.
Redner kritiſierte aufs ſchärfſte die bekannte Rede des
Sindaco Nathan, ſtellte den wahren Sinn des Unfehl=
barkeitsdogmas
feſt und wies an der Hand der Ge=
ſchichte
auf die Verdienſte des Papſttums um die Wiſ=
ſenſchaft
und Kultur hin. Mit der Aufforderung, Papſt
und Kirche die Treue zu bewahren, ſchloß die andert=
halbſtündige
, von ſtürmiſchem Beifall begleitete Rede.
Herr Pfarrer Fink ſprach Worte des Dankes und ver=
las
ein Ergebenheitstelegramm an den Papſt, das ein=
ſtimmige
Annahme fand.
Der Frauenverein des Allg. Evang.=Proteſt.
Miſſionsvereins wird am Dienstag, den 8. November,
bei Frau Oberhofprediger Ehrhardt von morgens 9
bis abends 6 Uhr die Gewinne zu ſeiner Verloſung
ausſtellen, worauf wir Intereſſenten aufmerkſam machen.
Ortsgewerbeverein. Der für kommenden
Freitag angeſagte Vortrag des Herrn Profeſſor Brock=
mann
aus Offenbach über Die Weltausſtellung
zu Brüſſel iſt um einige Tage verſchoben
worden.
**: Die Elizabeth Duncan=Schule wird ihr
neues, für 50 Kinder eingerichtetes Inſtitut auf der
Marienhöhe am 1. Juli 1911 eröffnen.
Ueber die Tätigkeit der Arbeitsnachweisſtelle
im ſtädtiſchen Hauſe Waldſtraße 6 (Telephon 371) werden
für den Monat Oktober folgende Zahlen mitgeteilt:
568 offene Stellen, 1252 Arbeitſuchende, 473 Ver=
mittelungen
, darunter 103 Dienſtboten. Die Zahl der
Vermittelungen iſt im Grunde genommen eine weſentlich
höhere, jedoch iſt der Arbeitsnachweis häufig nicht in
der Lage, die in Wirklichkeit vermittelte Stelle als ſolche
zu buchen. Leider ſenden die Herren Arbeitgeber die
Zuweiſungskarten nicht immer zurück, und beeinträchtigen
dadurch die Kontrolle.
Zahnärztliche Poliklinik für die Volksſchul=
kinder
der Haupt= und Reſidenzſtadt Darmſtadt. Im
Monat Oktober 1910 wurden bebandelt 324 Kinder
(179 Mädchen, 145 Knaben) mit 504 Konſultationen.
Gefüllt wurden 522 Zähne, ausgezogen wurden 148
Zähne (125 Milchzähne, 23 bleibende Zähne). Zahl der
Tage, an denen Sprechſtunden abgehalten wurden: 26.
Adreßbuch. Die Druckbogen Nr. 12 und 13 des
1911er Adreßbuches, enthaltend Einwohnerregiſter .
Poth, Andreas dis Schneider, Georg liegen im Haupt=
meldebureau
, Hügelſtraße Nr. 31/33, Zimmer Nr. 13,
während der Bureauſtunden (8 bis 12 Uhr vormittags
und 2 bis 6 Uhr nachmittags) bis zum 10. November
vormittags zur Einſichtnahme offen.
Geflügel=Ausſtellung. Im Saale der Stadt
Pfungſtadt wurde am Samstag mittag 12 Uhr die
XII. Geflügel= und Vogel=Ausſtellung des
Vereins für Geflügel= und Vogelzucht Ornis eröffnet.
Die Ausſtellung iſt, obwohl als Ausſteller nur Vereins=
mitglieder
zugelaſſen ſind, außerordentlich reich beſchickt
und faſt durchweg mit ganz hervorragendem Material.
Die Tiere, vornehmlich Nutzgeflügel aller Art, ſind in
hübſchen, ſauberen und geſunden Käfigen untergebracht
und das Ganze iſt in durchaus ſachgemäßer Weiſe arran=
giert
und mit Blumen und Blattpflanzen hübſch dekoriert,
ſo daß das Bild, das die Ausſtellung bietet, in jeder Be=
ziehung
abgeſchloſſen und fertig iſt, trotz der umfangreichen
Vorbereitungen, die erforderlich waren. Der Katalog um=
faßt
nicht weniger als 354 Nummern, darunter 164 Hüh=
ner
: Cochin, Brahma, Plymouth=Rocks, Langſhan, Or=
pington
, Wyandottes, Faverolles, La Flèche, Rohde
Island, Kämpfer, Malaien, Jokohama, Sumatra, Phönix,
Paduaner, Holländer, Minorka, Andaluſier, Italiener,
Hamburger, Brackel, Rammelsloher, Zwerghühner, ver=
ſchiedene
Raſſen, Japaneſen, Sebright und Bantam. Faſt
ebenſo reichhaltig ſind die Taubenraſſen ausgeſtellt, beſon=
ders
ſind engliſche Kröpfer und Brieftauben in ganz her=
vorragenden
Exemplaren vertreten. Ferner ſind ausge=
ſtellt
Puten, Gänſe, Enten, Sing= und Ziervögel und
Futterartikel. In üblicher Weiſe iſt mit der Ausſtellung
eine Prämiierung verbunden, ebenſo eine Ver=
loſung
, für die wertvolle Preiſe vorhanden ſind.
Die Gewinner von Gegenſtänden der Darm=
ſtädter
Herbſtpferdemarkt=Lotterie werden hiermit
darauf aufmerkſam gemacht, daß die bis zum 10. No=
vember
, mittags 12 Uhr, nicht abgeforderten Gewinne

Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
* Studentinnen und Kommersfeiern.
In einem Epilog über das Berliner Univerſitäts= Jubi=
läum
, den Profeſſor Hans Delbrück im Novemberheft
der Preußiſchen Jahrbücher veröffentlicht, wendet ſich
der Verfaſſer, der ſonſt grundſätzlich für die Zulaſſung
der Frauen in die Hörſäle der Univerſität eintritt, ent=
ſchieden
gegen die Teilnahme der Studentinnen an
dem großen Kommers. Er findet darin (wir ſind in
dieſem Falle ganz der Anſicht des Herrn Profeſſors)
ein wenig erfreuliches Symptom der
modernen Frauenbildung und ſchreibt dar=
über
wörtlich: Schon die Beteiligung an dem Fackel=
zug
war recht unſchön: der Student zieht beim Fackel=
zug
ſeinen ſchlechteſten Rock an oder kehrt ihn gar um,
um ihn zu ſchonen ein Mädchen, das ſich mit Abſicht
ſchlecht anzieht, vergibt ihrem Geſchlecht etwas, und der
Anblick, der von dem Publikum mit ironiſchem Jubel
aufgenommen wurde, ſoll auch recht abſchreckend ge=
weſen
ſein. Schließlich gibt es dabei auch leicht kleine
Zuſammenſtöße mit dem Janhagel, denen die Tochter
eines guten Hauſes ſich nicht freiwillig ausſetzt. Nun
aber gar die Beteiligung an dem Kommers: mitten
unter den Tiſchen mit Studenten ein Tiſch mit Damen
vor Bierſeideln. Der Kommers gehört wohl zum Stu=
denten
, aber doch wohl nicht zum Studium. Zum Kom=
mers
gehören Biertrinken und Rauchen, und zum
Schluß iſt es unvermeidlich, daß auch manche des Guten
etwas zu viel tun; wer niemals einen Rauſch gehabt,
der iſt kein braver Mann. Schickt es ſich, daß unſere
jungen Damen ſich dazwiſchen bewegen? Es dauerte
auch nicht ſehr lange, ſo ſaßen viele nicht mehr an ihrem
Tiſch, ſondern allenthalben zwiſchen den Herren. Auf
einem Ball ſehr hübſch, aber nicht auf einem Kommers
weder für die Damen, noch für die Herren. Der
Gott, der Eiſen wachſen ließ wurde geſungen, die
herrliche Hymne, aber wo ſoll die getragene Stimmung
herkommen, wenn es von Frauenzimmern geſungen
wird? Das iſt Parodie und muß in Parodie enden.
Ich habe ſchon fragen hören, ob der Damentiſch ſinge:

irgines dum sumus‟. Oder ob, wenn das ſchöne Lied
ſteigt Der Papſt lebt herrlich in der Welt, bunte
Reihe gemacht wird. Der deutſche Studentenkommers
iſt einzig durch ſeine Vereinigung von Ernſt und Aus=
gelaſſenheit
, Studentinnen, die ihn beſuchen, verderben
den Kommers, beläſtigen die Studenten und erniedri=
gen
ſich ſelbſt. Ich hoffe, daß die Studentinnen das
künftig ſelber einſehen, und wenn nicht, daß unſere
Studentenſchaft die Entſchloſſenheit haben wird, den
Unfug nicht wieder zuzulaſſen. Man mag es für den
erfreulichſten Fortſchritt halten, daß den Frauen die
Hörſäle geöffnet ſind, aber auf den Kommers gehören
ſie ſo wenig wie auf die Menſur. Vielleicht wird man
finden, daß ich die kleine Verirrung zu wichtig ge=
nommen
habe. Aber iſt ſchon für den Mann Takt und
Geſchmack ebenſo wichtig wie gelehrtes Wiſſen, ſo iſt
bei der Frau ein Verſtoß gegen Takt und Geſchmack
durch noch ſo viel gelehrtes Wiſſen nicht aufzuwiegen.
Jedes Symptom, das darauf hindeutet, daß das Uni=
verſitätsſtudium
die Frauen in ihrer Weiblichkeit ſchä=
dige
, iſt daher vor die Oeffentlichkeit zu bringen und
zu bekämpfen.
* Spielplan des Großh. Hof= und Natio=
nal
=Theaters Mannheim. Montag, 7. Nov.:
Kyritz=Pyritz‟ Dienstag, B. Nov.: Des Pfarrers
Tochter von Streladorf. Mittwoch, 9. Nov.: Zigeu=
nerliebe‟
Donnerstag, 10. Nov.: Maria Stuart
Freitag, 11. Nov.: Der Muſikant. Samstag, 12. Nov.:
Tannhäuſer. Sonntag, 13. Nov.: Wallenſtein.

Kleines Fenilleton.
Ein Vermögen in Krönungsmän=
teln
. Der engliſche Oberhofmarſchall hat jetzt den
Peers des vereinigten Königreiches und ihren Ge=
mahlinnen
die offizielle Ankündigung zugehen laſſen,
die die hohen Adelsträger Englands feierlich zur Krö=
nung
König Georgs nach London enthietet. Die Mit=
teilung
gibt auch die genaue Vorſchrift der Tracht, die
anzulegen iſt und auf dies Signal hin hat in den gro=
ßen
engliſchen Modehäufern ſofort eine fieberhafte

Tätigkeit eingeſetzt. Denn die Gemahlinnen der Peers
von England erſcheinen alle in den traditionellen, gro=
ßen
roten Krönungsmänteln; nur das koſtbarſte Ma=
terial
an Samt wird dazu vevarbeitet und für Stoff
und Stickerei wird insgeſamt ein Rieſenvermögen auf=
gewendet
werden. Der Samt zu den Roben muß be=
ſonders
ſorgſam hergeſtellt werden, er kommt aus Lyon,
und die großen Seidenwebereien haben bereits die
erſten Aufträge empfangen. Denn das Rot iſt genau
vorgeſchrieben, der Farbton iſt ſelten und der Färbe=
prozeß
erfordert viel Zeit und große Mühe. Wenn
auch Schnitt und Größe der Mäntel durch, die Jahr=
hunderte
alte Tradition feſtſtehen, bietet doch die Sei=
denſtickerei
die Möglichkeit einer individuellen Betätig=
ung
des Geſchmacks und alles weiſt darauf hin, daß bei
der kommenden Krönung König Georgs ſo prunkvolle
Gewänder getragen werden, wie nie zuvor bei einer
engliſchen Königskrönung. Die Stickereien werden
reicher und koſtbarer ſein, und um die gewaltige Ar=
beit
zu bewältigen, haben die großen Modehäuſer be=
ſondere
Arbeitsräume eingerichtet, in denen nur Krö=
nungsmäntel
hergeſtellt werden. Je nach der Art und
dem Reichtum der Stickerei wird für einen ſolchen
leuchtenden, roten Ueberwurf eine Summe von 1200
bis 3000 Mark angelegt.
* Automobil und Hühnerhof. Der Gau=
lois
berichtet über einen offenbar hübſch erdichteten
Prozeß vor einem Gerichtshof der franzöſiſchen
Provinz, in deſſen Verlauf der ſtaunenden Mitwelt ein
eigenartiger Blick in das ſchlaue Gebaren eines länd=
lichen
Hühnerhöflers geöffnet wurde. Der brave
Mann war in der Nähe einer Landſtraße begütert, auf
der ſich ein reger Automobilverkehr entwickelte. Eines
Tages überfuhr ein dahinſauſender Motoriſt eines
ſeiner Preishühner. Der Sportsmann zahlte dem Ge=
ſchädigten
, um Aufſehen zu vermeiden, gern einen
doppelten Preis als Schadenerſatz für die getötete
Henne, um weiteren Scherereien zu entgeben. Dieſer
Vorfall regte den ſchlummernden Unternehmungsgeiſt
des Hühnerzüchters gewaltig an. Er ſchaffte ſich eine
Automobilhupe an und gewöhnte ſeine Hühner bald

[ ][  ][ ]

Seite 4.

E

mſtädter Tagblatt, Montag, den 7. November 1910.

verfallen ſind. Baldige Abholung iſt daher em=
pfehlenswert
.
Stand der Darmſtädter Volksbank, e. G. m. b. H.,
am 31. Oktober 1910. Aktiva. Kaſſa=Konto u. Guthaben
auf Reichsbank=Giro= u. Poſtſcheck=Konto 69815 M. 01 Pf.
Coupons= u. Sorten=Konto 23981 M. 22 Pf. Bankverkehr=
Konto 474937 M. 95 Pf. Effekten=Konto 511004 M. 55 Pf.
Lombard=Konto 400 961 M. 28 Pf. Wechſel= u. Deviſen=
Konto 360819 M. 55 Pf. Konto=Korrent=Konto 2999337 M.
50 Pf. Vorſchuß= u. Vorſchuß=Wechſel=Konto 729969 M.
54 Pf. Haus=Konto und Immobilien=Konto 285331 M.
34 Pf. Mobilien=Kontö 2434 M. Pf. Schrankfächer=
Konto 1 M. Pf. Haus= u. Immobilien= Unterhaltungs=
koſten
=Konto 2690 M. 53 Pf. Verwaltungskoſten=Konto
50136 M. 47 Pf. Paſſiva. Geſchäftsanteil=Konto
1502006 M. 19 Pf. Reſervefonds=Konto I u. II 371150 M.
48 Pf. Delkredere=Konto 50000 M. Pf. Penſions= u.
Unterſtützungsfonds=Konto 154683 M. 08 Pf. Akzeptatio=
nen
= und Aval=Konto 64 585 M. Pf. Sparkaſſen= und
Scheck=Konto 3596489 M. 85 Pf. Zinſen=Konto 169117 M.
27 Pf. Dividende=Konto 3388 M. 07 Pf. Umſchag im
Oktober 1910 5615523 M. 41 Pf. Zahl der Mitglie=
der
1995.
X Durchſchnittspreiſe von den Wochenmärkten
der vergangenen Woche: Butter ½ Kg. 1,30 M., in Par=
tien
1,25 M., Eier 78 Pf., Schmierkäſe ½ Ltr. 18 bis
20 Pf., Handkäſe 610 Pf., Kartoffeln der Zentner
je nach Sorten 3,504 M., Kumpf (10 Liter) 70 Pf.,
Mäuschen Zentner 9 M., ½ Kg. 10 Pf.; Obſt u. dgl.:
Aepfel der Zentner je nach Sorten 710 M., ½ Kg.
715 Pf., Birnen ½ Kg. 1220 Pf., Trauben ½ Kg.
40 Pf., Nüſſe 100 Stück 5060 Pf., Zitronen 10 Pf., Kaſta=
nien
½ Kg. 15 Pf.; Salat, Gemüſe u. dgl.: Kopf=
ſalat
, Endivien 36 Pf., Bündel Radieschen 23 Pf.,
Meerrettich 1230 Pf., Zwiebeln ½ Kg. 8 Pf., Rote=
rüben
½ Kg. 510 Pf., Paradiesäpfel ½ Kg. 3040 Pf.,
Römiſch=Kohl Bündel 2 Pf., Gelberüben ½ Kg. 45 Pf.,
Wirſing 310 Pf., Grünkohl 36 Pf., Blumenkohl 10 bis
50 Pf., Rotkraut 1035 Pf., Weißkraut 10 Pf., Zentner
2,002,20 M., Spinat ½ Kg. 12 Pf., Schwarzwurz‟ Kg.
25 Pf., Kohlrabi 34 Pf.; Geflügel, Wild: Gänſe
½ Kg. 90 Pf., Faſanen 22,50 M., Enten 34 M., Hahnen
u. Hühner 1,502,50 M., Tauben 60 Pf., junge Rebhühner
1,40 M., alte 1 M., Lapins 90 Pf. bis 1 M., Haſen 3,60 M.;
Fiſche ½ Kg.: Hecht, Aal 1,20 M., andere Rheinfiſche 40 Pf.,
Rotzungen 80 Pf., Kabeljau, große Schellfiſche 35 Pf.,
kleine 1820 Pf.; in den Fleiſchſtänden ½ Kg.:
Rindfleiſch 60 Pf., Hackfleiſch 80 Pf., Rindsfett 50 Pf.,
Rindswürſtchen (Stück) 15 Pf.
Offenbach, 5. Nov. Ein gefährlicher Schwind=
ler
hat die hieſige Umgebung zu ſeinem Operations=
feld
erkoren. In einem kleinen Städtchen der Um=
gebung
erſchwindelte er ſich unter allerlei Vorſpiegel=
ungen
die Aufnahme in eine angeſehene Familie, in
der er ſeit September dieſes Jahres verkehrte. Meiſt
kam er im Automobil von größeren Städten, wie
Frankfurt, München, Baden=Baden, an. Er trat unter
dem Namen von Lauer, von Naumann, von Niemayer
und von Willmann auf und behauptete, bei den Daim=
lerwerken
in Stuttgart als Ingenieur angeſtellt zu
ſein. Der Verkehr in der betreffenden Familie führte
zuletzt zur Verlobung mit der Tochter des Hauſes.
Sein Verlöbnis benutzte er dazu, zuerſt ſeiner Braut
1200 Mark zu entlocken und ſpäter, ohne daß jemand
etwas bemerkte, aus dem Kaſſenſchrank der Familie
Wertpapiere in Höhe von 6000 Mark zu ſtehlen. Dieſe
veräußerte er in Frankfurter, Darmſtädter und
Aſchaffenburger Bankhäuſern und ſuchte daraufhin das
Weite. Die Staätsanwaltſchaft Darmſtadt ſucht jetzt
eifrig nach dem Schwindler, der ſich in Geſellſchaft einer
Dame befinden ſoll. Der Gauner iſt etwa 30 Jahre
alt, mittelgroß, hat dunkles Haar und engliſch geſchnit=
tenen
Schnurrbart und trägt lt. Offb. Ztg. einen
Zwicker.
Mainz, 4. Nov. Der am letzten Frei=
tag
in Angriff genommene Bau der militäri=
ſchen
Feldbahn Mombach-Finthen wurde heute
beendet. Die in ſo kurzer Zeit hergeſtellte, ſieben
Kilometer lange Bahnſtrecke wurde durch mehrere
Offiziere des Kriegsminiſteriums einer eingehenden
Beſichtigung unterzogen. Es galt dabei die Erprobung
der übrigen transportablen Feldbahnen für den Ver=
kehr
mit größeren Mannſchafts= und Munitionswagen.
Wie verſichert wird befriedigte das erzielte Reſultat
vollkommen. Der Transport der 2400 Stück Geſchoſſe,
von denen viele rund zwei Zentner wogen, ging glatt
von ſtatten. Auch das in die Erde gelegte, neben dem
Gleiſe hinführende Telephon funktionierte vorzüglich.
Dagegen ſcheinen die an den Wagen angebrachten
Bremſen nicht ganz zuverläſſig zu ſein. Der heutige
Unfall iſt auf das Verſagen einer Bremſe zurückzu=

Nummer 261.

daran, dem brüsken Ton dieſes Inſtruments zu der
täglichen Fütterung zu folgen. Die Dreſſur zeitigte in
kürzeſter Zeit die erwünſchten Reſultate. Statt von
den Hupen herannahender Autos verſcheucht zu wer=
den
, liefen die Hühner, durch den ihnen vertrauten Ton
gelockt, in Schwärmen auf die Landſtraße, wo ſie natür=
lich
immer zahlreicher gerädert und entſprechend
teuer bezahlt wurden. Das Geſchäft erwies ſich mit
dem Anwachſen des Autoverkehrs als ſehr gewinn=
bringend
und wäre auch nicht bald zum Stillſtand ge=
bracht
worden, wenn nicht ein eiferſüchtiger Nachbar
den ſchlauen Spekulanten bei Gericht angezeigt hätte.
* Wie aus einer ſchwarzen Katze eine
weiße wird. Vor einiger Zeit ereignete ſich auf
einem franzöſiſchen Dampfer ein merkwürdiger Vor=
fall
, über den ſich die Gelehrten bereits die Köpfe zer=
brechen
. Eine ſchwarze Katze, die im Kühlraum des
Schiffes, alſo in einer ſtändigen Temperatur von
6 Graden unter Null, vergeſſen worden war und 32
Tage dort eingeſchloſſen blieb, ſpazierte bei ihrer Be=
freiung
am 33. Tage als weiße Katze aus ihrem Ge=
fängnis
. Das Fell, das ehedem ſchwarz und kurz ge=
weſen
, beſtand nach dieſer Kälteperiode aus langen und
feinen weißen Haaren. Die landwirtſchaftliche Ver=
ſuchsſtation
zu Paris hat ſich ſofort der Sache ange=
nommen
, in der Hoffnung, aus den Fellen ſchwarzer
Kaninchen die ſchönſten weißen herſtellen zu können,
sie hundertfach höher bezahlt werden.
** Hundetreue. Ein hübſcher Zug von Hunde=
treue
wird aus Wieberſchweiler in Lothringen berich=
tet
. Dort ſtarb vor drei Wochen ein Veteran, der
penſionierte Hegemeiſter A., der eine kräftige deutſche
ſechsjährige Dogge beſaß. Nach dem Tode des Mannes
veränderte ſich das Weſen des Tieres auffällend; es
wurde traurig und menſchenſcheu. Auf dem Friedhof
verſuchte das Tier die Leiche auszuſcharren, und als
ihm das gewehrt wurde, legte es ſich auf das Grab
und konnte nur mit Mühe wieder heimgebracht werden.
Das Tier verſchmähte darauf jede Nahrung und gind
wenige Tage ſpäter ein.

führen. Am morgigen Tage wird bereits mit dem
Abbruch der Feldbahn begonnen.
Worms, 5. Nov. Der ſeit 18. oder 19. vor. Mts. von
hier verſchwundene 42 Jahre alte Schirmfabrikant Julius
Molz, Inhaber der Firma Molz u. Forbach, wurde
geſtern nachmittag zwiſchen 1 und 2 Uhr im Rheine un=
terhalb
Rhein=Durkheim als Leiche aufgefunden und auf
den dortigen Friedhof gebracht. Die Leiche wurde mit
aller Beſtimmtheit als diejenige des Molz durch den lang=
jährigen
Chauffeur des letzteren, durch einen hieſigen Kri=
minalſchutzmann
, ſowie durch ſonſtige perſönliche Bekannte
des Verſtorbenen anerkannt. Insbeſondere wurde ſchon
durch den Anzug, einen Brilläntring und verſchiedene Vi=
ſiten
= und Geſchäftskarten, die ſich in den Taſchen vorfan=
den
, die Perſönlichkeit feſtgeſtellt. Die Leiche wird dem=
nächſt
hierher gebracht. Geſtern abend kurz nach 7 Uhr
ſtieß an der Ecke der Donnersberger= und Burkardſtraße
ein Motorwagen der elektriſchen Straßenbahn mit
einer Rolle der Speditionsfirma A. Schuch u. Co. zu=
ſammen
. Der Fuhrmann, der mit der leeren Rolle die
Burkardſtraße heruntergefahren kam, hat die Signale der
Straßenbahn infolge des Geraſſels ſeines eigenen Fuhr=
werkes
überhört. Der Motorwagen iſt vorn eingedrückt
und die Laterne iſt zertrümmert. Ein Fahrgaſt, der vorn
ſtand, erlitt Hautabſchürfungen an den Unterſchenkeln. Das
Pferd der Rolle iſt leicht verletzt und die Schere der Rolle
entzwei gebrochen.
Oſthofen, 4. Nov. Durch Entgleiſen einer Ran=
giermaſchine
erlitt der Perſonenzug Oſthofen-Gau=
Odernheim, der fahrplanmäßig 5,23 Uhr in Oſthofen ab=
fahren
ſoll, mehr als anderthalb Stunden Verſpätung.
Es mußte erſt ein Hilfszug von Worms beſtellt werden,
um die Maſchine wieder auf das Gleis zu bringen. Viele
Reiſende von Bechtheim legten die Reiſe zu Fuß zurück.
Andere Reiſende von Dorn=Dürkheim fuhren mit dem
Zuge nach Alsheim und gingen die 5 Kilometer weite
Strecke nach Dorn=Dürkheim.

Aus der Reichshanptſtadt, 5. Nov. Der Prozeß
wegen der Moabiter Unruhen wird am näch=
ſten
Mittwoch beginnen und etwa drei Wochen dauern.
Nach den Ermittelungen der Anklagebehörden wurden
bei den Straßenkämpfen etwa 50 Schutzleute verwun=
det
; von den Tumultuanten wurden etwa 150 verletzt.
Es dürften etwa 400 Perſonen als Zeugen an Gerichts=
ſtelle
erſcheinen. In einem Hotel Unter den Linden
wurden geſtern abend einem Großinduſtriellen aus
Köln Juwelen und Bargeld geſtohlen. Der
Dieb war anſcheinend ein Angehöriger jener Sorte
von internationalen Hoteldieben, welche die Tiſchzeit
benutzen, um ſich unbemerkt in die Hotelzimmer zu
ſchleichen, die Koffer mit einem Meſſer aufzuſchneiden
und ihres Inhalts zu berauben. Der Dieb hat in die=
ſem
Falle das Meſſer unvorſichtigerweiſe in dem Hotel
zurückgelaſſen. Die geſtohlenen Schmuckſachen haben
einen Wert von 6000 Mark. Er hat unter anderem
ferner drei öſterreichiſche Tauſendkronenſcheine und
1215 Hundertkronenſcheine mitgenommen. Durch
einen an ſich geringfügigen Wohnungsbrand
wurden geſtern in der Grenadierſtraße mehrere Per=
ſonen
in ernſte Lebensgefahr gebracht. Das
Feuer entſtand in der im dritten Stockwerk gelegenen
Wohnung eines Kaufmanns. Es führte in kurzer Zeit
eine ſtarke Verqualmung der Räume herbei. Nachdem
die Familienangehörigen ins Freie gelangt waren,
wollte der Kaufmann mit ſeinem dritten Kinde über
die hintere Treppe flüchten; die Verqualmung hinderte
ihn daran. Zum Glück traf die Feuerwehr mit der
großen mechaniſchen Leiter ein, um die beiden gefähr=
deten
Perſonen auf dieſem Wege zu befreien.
Heidelberg, 5. Nov. Zu der Meldung Heidelberger und
anderer ſüddeutſcher Blätter über Danny Gürtler
teilt uns deſſen Sekretär Herr Jakob Jochum mit, daß
Gürtler in der pſychiatriſchen Klinik in Heidelberg unbe=
ſchränkte
Freiheit genieße. Wenn alſo Herr Gürtler am
Montag in der Stadt war, und dort, wie es in ſeinem
Weſen liegt, Anſprachen an das Publikum hielt, ſo kann
von einem Entweichen keine Rede ſein. Ebenſo kann keine
Rede ſein von einer Verhaftung, da ein Arzt der Anſtalt,
der ſich mutmaßlich in ſeiner Nähe aufhielt, ihm riet, er
ſolle in die Anſtalt zurückkehren, wohin ich ihn in der
Droſchke begleitete.
Dresden, 5. Nov. Geſtern nachmittag 5 Uhr geriet
eine Automobildroſchke in der König= Johann=
ſtraße
auf dem durch den Regen ſchlüpfrig gewordenen
Aſphalt ins Rutſchen. Der Chauffeur konnte den
Wagen nicht mehr halten und fuhr auf den Bürger=
ſteig
, der um dieſe Zeit ſtark belebten Straße. Die
Reſtaurateursgattin Mitſcherling und ihr vierjähriges
Töchterchen wurden von dem Automobil erfaßt und
eine Strecke weit geſchleift. Die Frau erlitt einen
ſchweren Schädelbruch und das Kind ebenfalls bedenk=
liche
Verletzungen.
Hamburg, 4. Nov. Sparkaſſenbücher gel=
ten
, wie bekannt, als Urkunden und es dürfen
keine Aenderungen=in und mit ihnen vorgenommen
werden. Eine Manipulation dieſer Art hatte ſich in
unbedachtſamer Weiſe eine Frau mit dem Sparkaſſen=
buche
ihres Mannes zu ſchulden kommen laſſen, und
das brachte ihr eine Anklage wegen Urkundenfälſchung
ein. Die Frau kam mit ihrem Wirtſchaftsgelde nicht
aus und machte daher Schulden. Um dieſe zu decken,
hob ſie öfters kleinere Beträge von dem Sparkaſſen=
buch
ihres Mannes ab. Als dieſer nun das Buch ver=
langte
, um ſelbſt einen Betrag abzuheben, bekam die
Frau Angſt vor unliebſamen Auseinanderſetzungen.
Damit der Mann nichts von den Geldabhebungen be=
merkte
, riß ſie, ohne lange zu überlegen, die letzte
Seite, auf der die Abhebungen verzeichnet waren, aus
dem Buche heraus. Der Mann merkte das nicht, wohl
aber der Sparkaſſenbeamte, dem er das Buch vorzeigte.
Die Folge war die erwähnte Anklage: Die Frau gab
an, es ſei ihr nicht bewußt geweſen, daß ſie mit dem
Herausreißen eines Blattes eine Urkundenfälſchung
begehe, auch habe ſie ſich nicht etwa einen Vermögens=
vorteil
verſchaffen, ſondern nur verhindern wollen, daß
ihr Mann die Geldabhebungen bemerke. Sie hätte
auch die Abſicht gehabt, das fehlende Geld nach und nach
wieder einzuzahlen, da ſie zu große Angſt gehabt habe,
ihr Verhalten ihrem Manne einzugeſtehen. Der Ge=
richtshof
ſah in Uebereinſtimmung mit dem Staatsan=
walt
die Sache milde an und erkannte auf die gerinaſte
zuläſſige Strafe, nämlich einen Tag Gefängnis. Der
Vorſitzende riet nach Verkündigung des Urteils der
weinenden Frau, ſie möchte an den Senat ein Gnaden=
geſuch
richten und um Erlaß der Strafe bitten.
Hamburg, 5. Nov. In Neuergamme bei Bergedorf
wurde bei Bohrungen in einer Tiefe von 200 Metern einei
Erdgasquelle erbohrt, die geſtern abend in Brand
geriet und heute vormittag bei noch ſtundenweit hör=
barem
Geräuſch brennt. Es iſt Gefahr vorhanden.

Schwerin, 4. Nov. Das Großherzogliche Amtsge=
richt
Doberan in Mecklenburg macht den Termin der
Zwangsverſteigeruung des Seebades Hei=
ligendamm
bekannt, die am 11. Januar 1911, vor=
mittags
10 Uhr, an Gerichtsſtelle erfolgen wird. Man
erfährt aus der Ankündigung, daß das Grundſtück über
94 Hektar groß iſt und daß ungefähr 20 Hektar davon
landwirtſchaftlicher Benutzung dienen. Zum Inventar
gehören fünf Pferde und 20 Kühe. Das eigentliche
Seebad beſteht aus dem Kurhaus, dem Badehaus mit
etwa 70, dem großen Logierhauſe mit 82 Zimmern, ſo=
wie
zwölf Villen. Außerdem gehören dazu das ver=
pachtete
Waldreſtaurant und noch andere, den Zwecken
des Seebades dienende Baulichkeiten. Der Erwerber
des Anweſens hat zwei grundbuchlich eingetragene
Verpflichtungen zu erfüllen: einmäl die Remunera=
tion
eines landesherrlich zu beſtellenden Kommiſ=
ſarius
mit jährlich 3000 Mark; dann die Gewährung
freier Verpflegung und Kur an 16 unbemittelte Kranke
während dreier Monate in dem ihm zur Verfügung
geſtellten Hoſpiz.
Brüſſel, 4. Nov. Der deutſche Kaiſer hat aus
Anlaß ſeines Brüſſeler Beſuches dem Bürgermeiſter
von Brüſſel Max 3000 Mark für die Armen der Stadt
überwieſen.
Brüſſel, 5. Nov. Im Stadtviertel Alt=
brüſfel
der Ausſtellung iſt gegen 5 Uhr krüh Feuer=
ausgebrochen
. Drei Häuſer ſind niedergebrannt. Wei=
tere
Gefahr beſteht nicht.
Brüſſel, 5. Nov. Der Brand in Alt=Brüſſel
wird allgemein auf Brandſtiftung zurückgeführt. Es wur=
den
Reſte von Stearinkerzen entdeckt, die auf Stroh ge=
brannt
haben ſollen.
Paris, 5. Nov. Nach den heutigen Morgenblättern
iſt die Eheſcheidung der Baronin Vaug=
han
, verehelichte Madame Durieux, bereits Tatſache.
Ueber die künftigen Pläne der Dame zirkulieren die
widerſprechendſten Gerüchte.
Paris, 5. Nov. Die überaus heftigen Stürme
die geſtern in ganz Frankreich, namentlich an den
Küſten herrſchten, haben mancherlei Unglücksfälle
verurſacht. Auf der Reede von Lorient im Golf von
Morbihan, im Hafen von Tourballe und in der Nähe
von La Seine an der Mittelmeerküſte bei Toulon, gin=
gen
mehrere Bbote unter. Siebzehn Perſonen kamen
dabei ums Leben.
Paris, 5. Nov. In Marſeille herrſcht große Be=
ſorgnis
über das Schickſal des engliſchen
Dampfers Kurdiſtan‟ Das Schiff hat am 14.
Oktober Liverpool verlaſſen und ſollte am 28. in Mar=
ſeille
eintreffen, um von da nach dem perſiſchen Golf
weiterzufahren. In Marſeille ſollte das Schiff eine
größere Anzahl von Paſſagieren, ſowie weitere Ladung
an Bord nehmen. Seit dem 28. Oktober fehlt jede
Nachricht von dem Schiff. Eine Londoner Depeſche be=
ſagte
zuerſt, daß die Kurdiſtan an der marokkaniſchen
Küſte geſcheitert und die Mannſchaft von den Mauren
gefangen genommen worden ſei. Nachforſchungen er=
gaben jedoch die Unrichtigkeit dieſer Meldung. Es iſt=
vielmehr
ſehr wahrſcheinlich, daß die Kurdiſtan wäh=
rend
eines heftigen Sturmes in der Bucht von Biskaya
vor einigen Tagen mit der ganzen Beſatzung unter=
gegangen
ſei.
Calais, 4. Nov. Das Unterſeeboot Ger=
minal
iſt in der hieſigen Reede mit einem Fiſcher=
boot
zuſammengeſtoßen. Die aus 14 Mann
beſtehende Beſatzung des Fiſcherbootes, das unterge=
gangen
iſt, wurde gerettet. Germinal ſcheint keinen
Schaden erlitten zu haben, wird ſich aber zur Unter=
ſuchung
nach dem Trockendock begeben.
Sundsvall, 5. Nov. Die Zerſtörungen der
Telegraphen= und Telephonleitungen während des
Schneeſturmes vor einigen Tagen zeigen einen
bisher unerreichten Umfang. Allein auf einer Linie
ſind 100 Telegraphenſtangen geknickt.
New=York, 4. Nov. In Yolande im Staate Ala=
bama
ſind durch eine Grubenexploſion hundert
Bergleute eingeſchloſſen worden. Viele ſollen tot ſein.
Parlamentariſches.
*X* Der Sonderausſchuß der Zweiten
Kammer für die Beratung der Verwal=
tungsgeſetz
=Reviſion beendete in ſeiner Freitags=
Sitzung die Beratung über die Geſetzentwürfe betr. die
Städteordnung und die Landgemeindeordnung. Den Ge=
genſtand
eingehender Debatte bildeten zwei Eingaben
der Bürgermeiſterei Gießen und des Landesverbandes der
ſtädtiſchen Beamten (Sitz Worms), die eine Anzahl Beden=
ken
gegen verſchiedene Beſtimmungen der beiden Vor=
lagen
erhoben. Die Ausſchußreferenten führten in der
Debatte aus, daß verſchiedene der in den Eingaben vor=
gebrachten
Wünſche bei der Ausſchußberatung bereits er=
füllt
worden ſeien, die Erfüllung anderer aber ſich als
undurchführbar erwieſen habe. Doch ſollen noch mehrere
Artikel im Sinne der Petenten von den Ausſchußreferen=
ten
abgeändert werden. Die Fertigſtellung der Ausſchuß=
berichte
ſoll dann ſo gefördert werden, daß ſie bis Ende
dieſer Woche den Kammermitgliedern zugeſtellt werden
können. Am Donnerstag, den 10. November, ſoll dann
mit der Beratung der Verwaltungsrechtsvflege
begonnen werden.
Zur Stadtverordnetenwahl.
nn. Die von dem Ausſchuß der Vereinigten Bezirks=
vereine
im Schützenhof abgehaltene allgemeine Wähler=
verſammlung
war ſehr ſtark beſucht. Der Vorſitzende,
Herr Stadtverordneter Saeng, gab nochmals einen kur=
zen
Rückblick über die Vorarbeiten des Wahlausſchuſſes
und betonte, daß bei der Auswahl der Kandidaten nicht
der Parteiſtandpunkt, ſondern nur das Intereſſe der Stadt
in den Vordergrund geſtellt wurde. Eine Einigung ſei
dringend nötig, der politiſche Standpunkt dürfe nicht aus=
ſchlaggebend
ſein. Herr Sanitätsrat Dr. Kolb erſtattete
hierauf einen Bericht über die Tätigkeit der ſtädtiſchen
Verwaltung in den letzten Jahren. Redner gedachte in
warmen Dankesworten des verſtorbenen Oberbürgermei=
ſters
Morneweg und einer Reihe verſtorbener und um das
Wohl der Stadt Darmſtadt verdienter Männer, deren An=
denken
ſtets hoch zu halten ſei. Die Stadtverwaltung
ſtehe heute vor einem Finanzproblem, zu deſſen Löſung
Männer mit weitem Blick nötig ſeien. Parteirückſichten
ſeien auszuſchalten. Herr Hillgärtner empfiehlt drin=
gend
Einigkeit in der Kandidatenfrage und plädiert
für die Kandidatur Rockel. Auch Herr Syndikus Engel=
bach
tritt in warmer Weiſe für Herrn Rockel ein. Rech=
nungsrat
Götz mahnt ebenfalls zum Frieden. Der Zettel
der Bezirksvereine befriedige alle Parteien. Herr Dr.
Nöllner tritt mit Entſchiedenheit für die Wiederwahl
Rockels ein. Angeſichts der Ausſichtsloſigkeit einer Ei=
nigung
gehe die nationalliberale Partei ſelbſtändig zur
Wahlurne. Die Herren Rockel, Heppenheimer, Ritſert und
Bruchhäuſer ſeien als Parteikandidaten aufgeſtellt. Die

[ ][  ][ ]

Nummer 261.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 7. November 1910.

Seite 5.

nattonaliberale Pariei hoſfe mit ihrem Vorſchlag auf die
Unterſtützung der geſamten Bürgerſchaft. Nachdem noch
verſchiedene Redner geſprochen, wurde die Verſammlüng
um 1 Uhr geſchloſſen.
Von dem Nationalliberalen Verein wird uns
geſchrieben: Nachdem ſich bisher die Verhandlungen
zwiſchen dem Ausſchuß der Bezirksvereine und
der nationalliberalen Partei zerſchlagen
hatten, iſt es ſchließlich doch gelungen, zu einer Eini=
gung
der bürgerlichen Parteien zu kommen. Mit Rück=
ſicht
darauf, daß eine ſolche Einigung doch als ein er=
ſtrebenswertes
Ziel in der gänzen Bürgerſchaft ange=
ſehen
wird, hat Herr Stadtverordneter Rockel in
einer überaus anzuerkennenden Weiſe das Opfer ge=
bracht
, ſeine Kandidatur aufzugeben, damit
die Einigung ermöglicht werde. Nachdem dieſe Erklä=
rung
des Heren Stadtverordneten Rockel vorlag, be=
ſchloß
die nationalliberale Partei, ihren Angehörigen
zu empfehlen, den Wahlzettel der Bezirks=
vereine
unverändert anzunehmen. Wir
können dieſes Ergebnis im Intereſſe der Einigkeit der
Bürger nur auf das wärmſte begrüßen. Es iſt damit
ein Streit unter den bürgerlichen Elementen vermieden
worden, welcher geeignet wäre, den Gegnern des Bür=
gertums
Erfolge zu verſchaffen. Wiederholt muß aber
darauf hingewieſen werden, daß dieſes Ergebnis nur
durch die opferwillige Handlungsweiſe des Herrn Rockel
ermöglicht wurde. Es kann kein Zweifel darüber ſein,
daß die nationalliberale Partei mit dieſer Entſchließung
ebenfalls ein Opfer gebracht hat, allein höher als dieſes
ſtand ihr bei ihren Entſchließungen die Erwägung,
die Einigung der Bürger zu erreichen, die
ihr ein höheres Ziel war, als der Kampf mit anderen
bürgerlichen Parteien um den einen oder anderen Sitz
in dem Stadtvorſtand. Die nationalliberale Partei
wird, getreu ihrer Zuſage, für den Bezirksver=
einszettel
eintreten und mit aller Energie dafür
wirken, daß dieſer mit möglichſt großer Stimmenzahl
ſiegreich aus der Wahlurne hervorgeht.
* Die Vereinigten Bezirksvereine ver=
öffentlichen
ihren Wahlaufruf und ſchreiben uns dazu:
Wenn wir nach dem Verlauf unſerer Wählerverſammlung
allen Anlaß gehabt hätten, wegen des eigentümlichen Vor=
falles
den Nationalliberalen und Jungliberalen gegenüber
unſeren Zettel zu ändern, ſo haben wir dies doch unter=
laſſen
, indem wir der Anſicht ſind, daß alle einſichtsvollen
Kreiſe der Bevölkerung nach Bekanntgabe der verſchiede=
nen
Wahlvorſchläge den Zettel der Vereinigten Bezirks=
vereine
als den einzig nach unpolitiſchen Geſichtspunkten
aufgeſtellten Wahlvorſchlag anſehen werden.
Der Zentrumsverein veranſtaltet am näch=
ſten
Mittwoch im Konkordiaſaale eine Verſammlung,
worin ſeine Stellung zur Stadtverordnetenwahl beſpro=
chen
werden wird. (S. Anz.)
* Der Mieterverein lädt, nach der heutigen
Anzeige, ſeine Mitglieder, ſowie die ganze Mieterſchaft
auf morgen abend nach dem Kaiſerſaale zur Wähler=
verſammlung
ein, um ſein Wahlprogramm, ſowie den
von ihm ſelbſtändig aufgeſtellten Wahlzettel vor der
Oeffentlichkeit zu beſprechen. Auch iſt jedermann dazu
eingeläden.
* Herr Miniſterial=Reviſor Bruchhäuſer iſt,
wie man uns mitteilt, von der Kandidatur der Stadt=
verordnetenwahl
zurückgetreten.

Luftſchiffahrt.
* Rendsburg, 4. Nov. P VI traf gegen
halb 3 Uhr hier ein und landete auf dem Exerzierplatz.
Nach etwa dreiviertelſtündigem Aufenthalt, während
deſſen ein Paſſagierwechſel vorgenommen wurde, er=
folgte
die Rückkehr nach Kiel. Hier langte das Luft=
ſchiff
gegen 3 Uhr 40 Minuten an und landete, nachdem
es noch eine Fahrt über Stadt und Hafen ausgeführt
hatte, vor der Ballonhalle.
* Kiel, 4. Nov. Nach Eintritt der Dunkelheit
ſtieg P VI um 5 Uhr 10 Minuten zu einem zwei=
ten
Fluge auf; das Luftſchiff manövrierte über
dem großen Sport= und Spielplatz, denn es mehrere
Male umkreiſte, und ging um 5 Uhr 35 Minuten wie=
der
nieder, worauf es in die Halle zurückgebracht
wurde.
* Kiel, 5. Nov. Das Luftſchiff P VI iſt
heute nachmittag 4½ Uhr zu einer Schleifen=
fahrt
über Kiel aufgeſtiegen. Ueberall, wo es
geſichtet wurde, wurde es von der Bevölkerung
jubelnd begrüßt. Bald nach 5 Uhr landete das Luft=
ſchiff
wieder vor der Halle. Die Abfahrt nach Ham=
burg
=Altona iſt auf morgen vormittag 9 Uhr
feſtgeſetzt.
* Kiel, 6. Nov. Das Luftſchiff P VI iſt
heute vormittag 11 Uhr 50 Min. mit acht Paſſagieren
zur Fahrt nach Hamburg=Altona aufgeſtiegen.
* Hamburg, 6. Nov. Das Luftſchiff P VI‟
iſt nach guter Fahrt um 3 Uhr 15 Min. auf der Bahren=
ſelber
Rennbahn unter dem Jubel der Bevölkerung
glatt gelandet. Der Führer wurde durch den
Oberbürgermeiſter von Altona namens der Stadt be=
grüßt
. Morgen unternimmt das Luftſchiff Aufſtiege.
Der neue Lehrſtuhl für Flug= und
Luftſchiffbau, der an der Techniſchen Hochſchule
Karlsruhe geſchaffen wurde, wird durch Profeſſor
Schütte, den bekannten Konſtrukteur des Schütte=
Lanz=Luftſchiffes, beſetzt werden. Profeſſor Schütte
beabſichtigt, im Sommer=Semeſter ſeine Vorleſungen
und Uebungen über den Bau von Freiballons und
Flugmaſchinen zu beginnen. Er wird ferner eine Ein=
führung
in den Luftſchiffbau geben. Auch die Lanzſche
Luftſchiffwerft wurde der Techniſchen Hochſchule für
alle wiſſenſchaftlichen Zwecke zur Verfügung geſtellt.
sr. Ein intereſſanter Wettbewerb der
franzöſiſchen Regierung für Flugmaſchinen wurde auf
dem Schlußbankett des Pariſer Aero=Salons angekün=
digt
. Die franzöſiſche Regierung hat hierfür neue Be=
dingungen
aufgeſtellt, unter denen ſie Flugmaſchinen
anzukaufen beabſichtigt. Im ganzen ſollen zwanzig
Aeroplane angeſchafft werden, und ſind hierfür nicht
weniger als 1100000 Franks ausgeſetzt worden. Die
Prüfungs=Bedingungen, ſind allerdings nicht ganz
leichte. Die an dem Wettbewerb teilnehmenden Aero=
plane
müſſen mit einer Belaſtung von 300 Kilogramm
einen Flug über 50 Kilometer ausführen und auf
einem Acker landen. Derſelbe Flug muß zweimal
wiederholt werden. Eine weitere Prüfung bezieht ſich ſeiner Fertigſtellung der neue Hauptbahnhof in Leipzig
auf das Demontieren und den Transport der Appa=
rate
, während die Hauptprüfung ſich auf einen Ge=
ſchwindigkeitswettbewerb
ſtützt. Die Flugapparate
meter pro Stunde erreichen. Diejenigen Flugmaſchinen, und Thüringer Bahnhofs erheben wird, iſt als Kopf=
die
alle dieſe Bedingungen erfüllt haben, werden einer ſtation geplant, in welche nicht weniger als 26 Gleiſe
letzten Prüfung unterzogen, die in einem Fluge über der preußiſchen, ſächſiſchen und thüringiſchen Linien
300 Kilometer bei einer Belaſtung von 300 Kilogramm

beſteht. Auch hierdet wird eine Mindeſgeſchwindigkeit
von 60 Kilometer verlangt. Dem Sieger in dieſem
Wettbewerb ſollen 100000 Franks zufallen, außerdem
ſollen bei ihm zehn Apparate in Auftrag gegeben wer=
den
zum Preiſe von je 40000 Franks. Der Zweitbeſte
dieſer Konkurrenz ſoll einen Auftrag von 6 Apparaten
erhalten, der Drittbeſte einen Auftrag von 4 Appara=
ten
. Sollte der Fall eintreten, daß die Bedingungen
nur von einem Bewerber erfüllt werden, ſoll ſoll auch
dieſer den geſamten Auftrag erhalten.
* Paris, 5. Nov. In Iſſy les Moulineaux
iſt die Nachricht eingelaufen, daß der geſtern mit ſeinem
Lenkballon City of Cardiff in London zur Fahrt
nach Paris aufgeſtiegene Luftſchiffer Willows ohne
Zwiſchenfall in Corbehem (Dep. Pas de Calais) gelan=
det
iſt. Er will die Fahrt nach Paris fortſetzen, ſobald
Waſſerſtoffgas nachgefüllt iſt.
* New=York, 4. Nov. Der Aviatiker Me
Curdy, der morgens von dem Deck der Kaiſerin
Auguſte Viktoria nach New=York fliegen wollte, hat
den Flug infolge des herrſchenden Sturmes auf den
24. d. M. verſchoben.

Der Zar in Potsdam.
* Potsdam, Neues Palais, 4. Nov. Der
Kaiſer empfing heute abend 7 Uhr den ruſſiſchen
Staatsſekretär Saſonow und der Kaiſer von Ruß=
land
um 7½ Uhr den Reichskanzler, dem er bei die=
ſer
Audienz die Inſignien des Andreas=Ordens über=
reichte
, und darauf den Staatsſekretär von Kiderlen=
Waéchter. Bei der Galatafel erſchien Kaiſer
Nikolaus in der Uniform ſeines preußiſchen Küraſ=
ſier
=Regiments, mit dem Bande des Schwarzen Adler=
ordens
, der Kaiſer, in der Uniform des Petersbur=
ger
Leibgrenadier=Regiments Friedrich Wilhelm III.,
mit dem Bande des Andreasordens, die Kaiſerin
trug eine ſchwarze Robe mit reichem Brillantſchmuck
und dem Bande des Kathärinenordens. Während der
Tafel tranken die Souveräne unter Austauſch freund=
licher
Worte einander zu. Mit Rückſicht auf den fami=
liären
Charakter des Beſuches wurden nach einer Ver=
einbarung
der beiden Souveräne feierliche Anreden
bei der Galatafel nicht gehalten. Kaiſer Nikolaus=
führte
bei Tiſch mit der Kaiſerin und dem Kaiſer eine
überaus angeregte Unterhaltung. Der Kaiſer von
Rußland trank dem Reichskanzler zu, der Kaiſer dem
Staatsſekretär Saſonow und dem Baron Fredericksz.
Die Tafelmuſik ſtellte das 1. Garde=Regiment. Beim
Einzuge des Hofes wurde der Parademarſch des Regi=
ments
Preobraſchenſk geſpielt. Das Programm
brachte u. a.: Moska, ein ruſſiſches Lied von Decker=
Schenk, eine ruſſiſche Romanze von Koßlowa und den
Alexandermarſch. An der Tafel nahmen außer den
ſchon Genannten u. a. noch die Miniſter Dr. Delbrück,
v. Heeringen, die Generäle v. Löwenfeld, v. Bülow,
Oberpräſident v. Conrad teil. Nach der Tafel hielten
die Herrſchaften Cerele im Muſchelſaale. Kaiſer Ni=
kolaus
verlieh dem Oberhofmarſchall Grafen zu Eulen=
burg
die Brillanten zum Andreasorden.
* Station Wildpark, 5. Nov. Der Kaiſer
von Rußland und Kaiſer Wilhelm ſind um
9 Uhr im kaiſerlichen Sonderzug von hier nach
Oranienburg zur Hofjagd im Forſtrevier Oranien=
burg
abgefahren. Das Wetter iſt ſchön.
* Oranienburg, 5. Nov. Der ruſſiſche
und der deutſche Kaiſer verließen den Sonderzug
um 10 Uhr 35 Minuten auf der Station Borgsdorf.
Kaiſer Wilhelm und der Zar wurden vom Publikum
mit Hochrufen empfangen und ſchritten in lebhaftem
Geſpräch mit dem Reichskanzler zu den bereitſtehenden
Jagdwagen, um die Fahrt in das Jagdrevier anzu=
treten
. Im erſten Wagen nahmen die beiden Kaiſer
Platz, im zweiten die Prinzen Eitel Friedrich und
Adalbert und im dritten Baron Fredericksz und der
Reichskanzler. Nachdem die Stände beſetzt worden
waren, begann das Jagen auf Damwild. Das Früh=
ſtück
wurde im Jagdzelt eingenommen. Die Rückfahrt
von Borgsdorf erfolgte um 2 Uhr.
* Neues Palais, 5. Nov. Die beiden Kaiſer
und die Jagdgeſellſchaft ſind mit dem kaiſerlichen Sonder=
zuge
um ¾5 Uhr in der Station Wildpark wieder einge=
troffen
und begaben ſich nach dem Neuen Palais. Kaiſer
Nikolaus begab ſich am ſpäten Nachmittag im Auto=
mobil
nach dem Mauſoleum, um an den Sarko=
phagen
des Kaiſers und der Kaiſerin Friedrich Kränze
niederzulegen. Den Tee nahm Kaiſer Nikolaus bei der
Kaiſerin. Um 8 Uhr fand in der Jaſpisgalerie des Neuen
Palais eine Tafel beim Kaiſerpaar ſtatt, bei welcher
an einzelnen Tiſchen geſpeiſt wurde. An dem Mitteltiſch
nahm Kaiſer Nikolaus, neben ihm die Kaiſerin Platz,
gegenüber der Kaiſer. Rechts von der Kaiſerin ſaßen
Prinz Eitel Friedrich, Prinzeſſin Karl von Hohenzollern,
Prinz Auguſt Wilhelm, Prinz Joachim; links vom Kaiſer
Nikolaus Prinzeſſin Viktoria Luiſe, Prinz Adalbert, die
Gräfin Brockdorff, Prinz Oskar, General Moſſolow, rechts
vom Kaiſer die Prinzeſſin Eitel Friedrich, Botſchafter
von der Oſten=Sacken, links vom Kaiſer die Prinzefſin
Margarete, Baron Fredericksz, Frau von Bethmann=
Hollweg, Staatsſekretär Saſonow, Fürſt Solms=Baruth,
Dann fand eine Lichtbildervorführung im
Theaterſaal des Neuen Palais ſtatt. Das Pro=
gramm
war folgendes: 1. Danziger Feſttage, 2. Bilder
aus dem Aufenthalt des Kaiſers in Ungarn, 3. Nordlands=
reiſe
des Kaiſers, 4. Chavez’ Flug über die Alpen,
5. Steinhutfabrikation und Kunſttöpferei in Ungarn,
6. Empfang des Kaiſers Nikolaus.
* Wildpark, 5. Nov. Der Kaiſer von Ruß=
land
iſt um 11 Uhr 15 Min. abgereiſt. Der Kaiſer und
die Prinzenſöhne geleiteten ihn zur Bahn. Der Kaiſer
trug die Uniform ſeines Petersburger Grenadier= Regi=
ments
Friedrich Wilhelm III., Kaiſer Nikolaus diejenige
des Alexander=Regiments mit Helm. Der Abſchied der
Souveräne war ſehr herzlich.
* Darmſtadt, 6. Nov. Der ruſſiſche Hofzug mit
dem Kaiſer von Rußland traf vormittags 10 Uhr
20 Min. hier wieder ein. Der Kaiſer fuhr nach Wolfs=
garten
. Der Hofzug fuhr ſodann leer nach Darmſtadt
weiter.

Vermiſchtes.
* Der größte Bahnhof der Welt wird nach
ſein. Gelegentlich der Vorarbeiten für die Ausführ=
ung
des Bahnſteighallennetzes ſind über den Bau einige
Details bekannt geworden. Der Bahnhof, der ſich auf
müſſen dabei eine Mindeſtgeſchwindigkeit von 60 Kilo= dem Terrain des jetzigen Dresdener, Magdeburger
einmünden. Die Faſſade des Rieſenbaues erhält eine

Preite von 30 Mektern, die Lünge der Bahnſteige ſoll
320 Meter betragen. Der Perſonenbahnhof bedeckt
einen Platz von 96000 Quadratmetern. Durch die
Mitte iſt ein 20 Meter breiter Hauptſteig geplant, von
welchem ſich 18 Perſonenſteige abzweigen. Der vom
Perſonenbahnhof getrennte Poſtbahnhof erhält 32 Gleiſe.
Da jedes Gleis 56 Ladelängen hat, können insgeſamt
132 Bahnpoſtwagen für den Brief= und Paketverkehr
zu gleicher Zeit abgefertigt werden. Mit Einſchluß der
Koſten für die Abſtell=, Rangier= und Werkſtättenbahn=
höfe
erfordert das Rieſenwerk einen Aufwand von
rund 130 Millionen Mark, wovon die Stadt Leipzig 17
Millionen Mark und die Kaiſerlich deutſche Reichspoſt
7 Millionen Mark beitragen, den Reſt beſtreitet der
Eiſenbahnfiskus. Die Eröffnung des Bahnhofes iſt
für Oktober 1913 geplant.
* Deutſche Einheits=Kurzſchrift. Die
Kurzſchriftſchule Stolze=Schrey, die rund 70000 Mitglieder
zählt, hielt in Berlin einen Vertretertag ab, der zahlreich
aus allen Teilen Deutſchlands und aus der Schweiz be=
ſchickt
war Zur Frage der Einheits=Kurzſchrift
wurde einſtimmig folgende Entſchließung gefaßt:
Die Schule Stolze=Schrey hält nach wie vor die Verein=
heitlichung
der deutſchen Kurzſchrift für wünſchenswert.
Sie dankt der Vorkonferenz der verbündeten Regierungen
für die ſachgemäße Entſcheidung, die ihr geeignet erſcheint,
die Gefahr eines Rückſchrittes zu beſeitigen und das Ge=
lingen
des Werkes, trotz aller ihm noch in neueſter Zeit
bereiteten Hinderniſſe zu verbürgen. Sie bekundet zugleich
ihrem Vorſtande inſonderheit ihrem unermüdlichen Vor=
ſitzenden
Mar Bäckler, für die tatkräftige und geſchickte
Förderung der Einheitsbeſtrebungen ihre vollſte Anerken=
nung
und Billigung.
Internationale Induſtrie= und Ge=
werbeausſtellung
in Turin. Die Weltausſtel=
lung
in Brüſſel geht ihrem Ende entgegen und da rückt
das Intereſſe für die nächſtjährige große Internationale
Induſtrie= und Gewerbeausſtellung in Turin immer mehr
in den Vordergrund. Wie uns von orientierter Seite mit=
geteilt
wird, beteiligt ſich erfreulicherweiſe die deutſche In=
duſtrie
an der Turiner Ausſtellung in ſo reichem Maße,
daß für die bisher noch unſchlüſſigen Intereſſnten baldigſte
Entſcheidung dringend erwünſcht iſt. Das bisherige Er=
gebnis
der Anmeldungen iſt um ſo bemerkenswerter, als
die auf beiden Seiten des Po in dem ſchönen Turiner
Stadtpark errichteten Gebäude der Internationalen Indu=
ſtrie
= und Gewerbeausſtellung eine Fläche von 250000
Quadratmeter bedecken, während die geſamten Baulich=
keiten
der Brüſſeler Ausſtellung nur 190000 Quadrat=
meter
umfaßten.
C. K. Luftdruckſchwankungen als Urſache
der plötzlichen Todesfälle. Früher war der
Glaube verbreitet, daß der ſogenannte Schlag ſich haupt=
ſächlich
zur Zeit der Aequinoktialſtürme, d. h. im letzten
Drittel der Monate März und September einſtelle. An
der Hand der Todesurſachenſtatiſtik hat nun aber Rade=
ſtock
, wie im Globus mitgeteilt wird, nachgewieſen, daß!
die meiſten derartigen Sterbefälle der Reihe nach in den
Monaten Januar, März und Dezember eintreten, während
ſie in den Monaten September, Auguſt, Oktober, Juni
und Juli am ſeltenſten ſind. Die drei erſtgenannten Mo=
nate
haben zweifellos die meiſten Tage mit raſchen und
ſtarken Luftdruckſchwankungen aufzuweiſen, bei denen ſich
das Fallen des Barometers innerhalb 24 Stunden um=
mehr
als 5 Millimeter feſtſtellen läßt. Dieſe erheblichen
Luftdruckſchwankungen müſſen nun unbedingt mit den
plötzlichen Todesfällen an Herzſchlag, Gehirnſchlag oder
Altersſchwäche in Beziehung gebracht werden. Leidende
mit Herz= oder Gefäßerkrankungen ſind daher in dieſen
Monaten beſonders gefährdet; ſie werden gut tun, ſich bei
ſtarken Barometerſchwankungen möglichſt ruhig zu ver=
halten
, keine körperlichen Anſtrengungen auf ſich zu laden
und überhaupt das Ausgehen nach Möglichkeit zu ver=
meiden
.

C.K. Eine Statiſtik zur Großſtadt=
hygiene
. Die unbebauten Flächen in den Häuſermeeren
der Großſtadt ſind gleichſam die Lungen, die dieſem ge=
waltigen
Organismus friſche und gute Luft zuführen
müſſen. Die Bedeutung dieſer freien Flächen für die
Hygiene der Großſtadt wird nun durch eine Statiſtik illu=
ſtriert
, die Georges Risler in der Revue de Paris ver=
öffentlicht
. Die Ziffern der Tuberkuloſeſterblichkeit werden
hier mit dem Prozentſatz der unbebauten Fläche von
Paris, Berlin und London konfrontiert. Danach beträgt
die Sterblichkeit an Schwindſucht in London bei 14 Proz.
unbebauten Terrains 1,9 Proz., die von Berlin bei
10 Proz. freier Fläche 2,2 Proz., die von Paris bei
4½ Proz. nicht mit Häuſern beſetzten Areals 5,1 Proz.
Man ſieht daraus, daß London, das dreimal ſoviel freie
Fläche beſitzt als Paris, nur ein Drittel ſoviel Verluſte
durch die Tuberkuloſe erleidet. Nicht viel ungünſtiger
liegen die Verhältniſſe in Berlin. Die großen Summen,
die durch die Anlage von Spielplätzen und Gärten ver=
ſchlungen
werden, ſind alſo durch die Verminderung der
Sterblichkeit reichlich aufgehoben. In Paris ſelbſt iſt die
Tuberkuloſeſterblichkeit in den um die Champs Elyſées
gelegenen Stadtteilen wegen der großen hier vorhandenen
unbebauten Fläche ſehr gering, nur 1:1000, während ſie
in den dichteſtbevölkerten und am engſten bebauten Vier=
teln
auf 10½: 1000 ſteigt.

Literariſches.
Das älteſte deutſche Bauernhaus konnte
bis vor kurzer Zeit von Heidewanderern eim
Dorfe Oldendorf in der Lüneburger Heide bewun=
dert
werden. Nun hat das Feuer auch dieſes Bau=
werk
, das zu den älteſten Häuſern Deutſchlands gezählt
wurde, vernichtet. Man hat wenigſtens noch eine Photo=
graphie
von dem ehrwürdigen Bau gerettet und dieſe iſt
im neueſten (5.) Heft der illuſtrierten Zeitſchrift Zur
Guten Stunde (Deutſches Verlagshaus Bong & Ko.,
Berlin W. 57; Preis des Vierzehntagsheftes 40 Pfg.) re=
produziert
. Dasſelbe Heft widmet auch dem nun aus den
Erdbebentrümmern wiedererſtandenen San Franzisko
einen intereſſanten, reichilluſtrierten Aufſatz. Vorzügliche
ſchwarze und farbige Illuſtratinoen ſchmücken das Heft.
Gedichte, Novellen, allerlei Aufſätze über praktiſche und
wiſſenswerte Dinge geben reichen Leſeſtoff. Außerdem ſind
in jeder Nummer der alten beliebten Zeitſchrift die Fort=
ſetzungen
zweier großer Romane Der Stallbaron von
Hanna Brandenfels und Königsliebchen von Guſtav
Klitſcher enthalten. Zwei beſondere, illuſtrierte Rubriken
Erfindungen und Entdeckungen und Für unſere
Frauen ſorgen für Belehrung und Anregung auf wiſſen=
ſchaftlichem
und hauswirtſchaftlichem Gebiet.
Der außerordentliche Lurus, der jetzt alle Mode=
gebiete
beherrſcht, zeigt ſich nirgends ſo markant, als auf
dem Gebiete der Lingerie. Solide, ſchlichte Damenwäſche,
wie ſnſere Größmütter ſie liebten, iſt heute ein ziemlich
überwundener Standpunkt. Die moderne Lingerie bringt
heute aus zartem Nanſonk, aus ſpinnmebdünnem Batißtt

[ ][  ][ ]

Seite 6.

inkruſtiert mit echten Valenciennes, Iriſh und Clunys und
mit feinſter Handſtickerei und Säumchen verziert, wahre
kleine Kunſtwerke hervor, an denen ſelbſt die neidiſchen
Urahnen ihre Freude haben müßten. Das Reizendſte, was
es im Lingerie=Genre gibt, findet man in dem jetzt erſchie=
nenen
Album La Lingerie Pariſienne Nr. 3,
welches von dem durch ſeine erſtklaſſigen Damenmodejour=
nale
bekannten Mode=Verlag Le Grand Chie in Wien 18,
Witthauergaſſe 17, herausgegeben wird; La Lingerie Pari=
ſienne
iſt in Luxusausführung (mit zirka 700 Modellen)
um 6 Kr. (5 Mk.) zu beziehen und auch im Buchhandel er=
hältlich
. Der Preis der kleinen Ausgabe (350 Modelle)
beträgt 2,50 Kr. (2 Mk.).
A. Hartlebens Volks=Atlas, enthaltend
86 Karten in 125 Kartenſeiten, nebſt 75 Spezialkarten und
Plänen. Mit Text und alphabetiſchem Namenregiſter.
Fünfte, vollſtändig umgearbeitete und erneuerte Auflage.
Groß=Folio=Format. Das Werk wird komplett in 25 Lie=
ferungen
zu 60 Heller (50 Pfg.). In Halbfranz geb. 15 Mk.
(Lieferungen 610.) (A. Hartlebens Verlag in Wien und
Leipzig.) In den bisher erſchienenen 10 Lieferungen von
Hartlebens Volks=Atlas, der in bezug auf ſeinen geradezu
ſtäunenswert billigen Preis auch tatſächlich ein ſolcher iſt,
findet ſich ein Kartenmaterial vor, das an Reichhaltigkeit,
Exaktheit in der Ausführung und Ueberſichtlichkeit der ein=
zelnen
Kartenbilder hervorragend daſteht und auch gewiß
jedermann vollauf befriedigt.
Ludwig Speidel. Eine literariſch= biographi=
ſche
Würdigung von Ludwig Heveſi. Berlin S.W. 11
bei Meyer & Jeſſen. Preis 1 Mk. Mit intimer Kenntnis
wird hier Speidels maſſiger und doch ſo fein gegliederter
Geiſt in allen ſeinen Beziehungen zur Muſik, zur Malerei
ſeiner Zeit, zu ſeiner klugen, ſtillen Frau, zu ſeinen Freun=
den
und zu den ihn ewig um Beiträge quälenden Redak=
tionen
geſchildert. Dieſe Monographie iſt nicht mehr und
nicht weniger als eine in ſich geſchloſſene und abſchließende
Einführung zu den geſammelten Werken Ludwig Speidels.
Deutſche Rundſchau für Geographie.
Unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner
herausgegeben von Profeſſor Dr. Hugo Haſſin=
ger
. 33. Jahrgang. 1910/11. (A. Hartlebens Verlag
in Wien, jährlich 12 Hefte zu 1,15 Mk.) Heft 1. Jedes
neue Heft der Deutſchen Rundſchau für Georgraphie‟
bringt eine ſolche Menge intereſſanter geographiſcher
Originalaufſätze von hervorragenden Fachſchrift=
ſtellern
und aktueller Mitteilungen vom ganzen
Erdenrund, daß ſich ihr an Reichtum und Mannig=
faltigkeit
des Inhalts kaum eine andere geographiſche
Zeitſchrift zur Seite ſtellen kann. Nicht nur aber, daß
ſie jeden Zweig der Erdkunde im weiteſten Sinne
pflegt, ſo iſt ſie auch mit zahlreichen vorzüglichen Illu=
ſtrationen
nach photographiſchen Aufnahmen aus=
geſtattet
. Dazu kommen regelmäßige Karten über
neueſte Forſchungsreiſen oder zur Erläuterung phyſi=
kaliſcher
und ſtatiſtiſcher Verhältniſſe als Beilagen,
häufig auch noch überdies im Texte.
Einen muſikaliſchen Roman Pianiſten in dem
Liſzt und der Weimarer Kreis von kundiger Hand
höchſt charakteriſtiſch und ſpannend geſchildert ſind,
bringt die Neue Muſik=Zeitung als Novum
für Muſik=Zeitſchriften in Heft 1 des neuen (32.) Jahr=
gangs
. Weiter die Einleitung zu einer großen, wert=
vollen
Studie über die muſikaliſche Ornamentik, die
Dr. Sturm als autoriſierte Ueberſetzung des berühm=
ten
Buches Dannreuthers herausgibt. Dann beginnt
der bedeutende, nun 80jährige Violinmeiſter Edmund
Singer in Stuttgart ſeine intereſſanten, humor= und
geiſtvoll geſchriebenen Memoiren‟. Ein Aufſatz Alte
Meiſtergeigen mit Abbildungen von E. Honold, eine
feſſelnde äſthetiſche Studie Der Gemütsausdruck in
der Muſik von Dr. Ottmar Rutz, ein Artikel über
die Reformarbeit auf dem Gebiete des Schulgeſangs
ſeien aus dem Inhalt des reichhaltigen, ſchön illu=
ſtrierten
Heftes genannt. Zahlreiche Berichte, Anek=
doten
(aus den Unterrichtsſtunden Bruckners), Perſo=
nalien
, Beſprechungen ergänzen das ausgezeichnet ge=
lungene
erſte Heft, dem neben einem ſchön empfunde=
nen
Liede von Rücklos ein neues Klavierſtück von
Max Reger als Muſikbeilage beigegeben iſt. Die
Neue Muſik=Zeitung deren Preis von 2 Mark im
Quartal ſehr wohlfeil zu nennen iſt, empfiehlt ſich
ſelbſt. Verlag von Karl Grüninger in Stuttaart.
Eine Erklärung der badiſchen Regierung.
* Die Karlsruher Zeitung ſchreibt: Außerbadiſche
Blätter haben in den letzten Tagen in ſenſationellem
Tone Maßnahmen der Regierung in Sachen der Reichs=
und Landespolitik auf außerhalb der Regierung
ſtehende Einflüſſe zurückgeführt. Dieſe Artikel ent=
ſprechen
nicht den Tatſachen. Derartige Einflüſſe haben
nicht ſtattgefunden. Uebrigens ſind auch die tatſächlichen
Vorausſetzungen der Artikel nicht zutreffend. Der
Miniſter des Innern hat ſich nicht gewendet, ſondern
verfolgt lediglich die Politik weiter, welche er von
ſeinem Dienſtantritt an vertreten hat. In Sachen der
Reichsfinanzreform hat die Regierung trotz ſchwerer
Bedenken zugeſtimmt, weil ſie keinen anderen Ausweg
aus der mißlichen Finanzlage des Reiches vor ſich ſah.
Welche Gründe für die badiſche Regierung in Sachen
der Schiffahrtsabgaben maßgebend waren, hat der
Miniſter des Innern ſeinerzeit in der Zweiten Kammer
dargelegt. Nachdem eine Probeabſtimmung im Bun=
desrat
gezeigt hatte, daß ſich keine 14 Stimmen gegen
den Geſetzentwurf ergeben würden, hat die Regierung
geglaubt, im Landesintereſſe zu handeln, wenn ſie das
nicht abzuwendende Geſetz tunlichſt dieſem Intereſſe
gemäß zu geſtalten ſuchte. Völlig unverſtändlich und
verwerflich iſt es aber, wenn ein badiſches Blatt den
Auslaſſungen auswärtiger, mit den badiſchen Verhält=
niſſen
völlig unvertrauter Zeitungen eine ſolche Be=
deutung
beimißt, daß es daraus in Verkennung aller
ſachlichen und perſönlichen Verhältniſſe Schlüſſe gegen
Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin Luiſe zieht,
welcher das badiſche Volk gerade deshalb zu tiefer
Dankbarkeit verpflichtet iſt, weil ſie ſeit ihrem Einzug
in das badiſche Land ihr ganzes Denken und Wirken
in den Dienſt der neuen Heimat geſtellt hat.
Die Krankheit des Krouprinzen von Serbien.
* Belgrad, 5. Nov. Das Befinden des
Kronprinzen hat ſich wieder verſchlimmert. Es
iſt eine beträchtliche Steigerung der Temperatur ein=
getreten
, welche neue Komplikationen befürchten läßt.
Unter dieſen Umſtänden wird auch die Reiſe des Königs
von Serbien nach Rom, die bereits auf den 23. Novem=
ber
angeſetzt war, und auf der ihn der Miniſter des
Aeußern Milowanowitſch begleiten ſollte, wieder in
Frage geſtellt. Die behandelnden Aerzte des Kron=
prinzen
haben beſchloſſen, den Wiener Arzt W. Chwoſtek
abermals nach Belgrad zu berufen.
* Belgrad, 5. Nov. Um 11 Uhr abends wurde
folgender Krankheitsbericht versffentlichte Der
Kronprinz verbrachte den heutigen Tag in gutem ſub==

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 7. November 1910.

jektiven Befinden. Er nahm Nahrung, die er ſelbſt
verlangt hatte, in genügender Menge zu ſich. Die
Temperatur iſt mit leichter Schweißabſonderung bis
mittags auf 37,6 gefallen. Nachmittags ſtieg die
Temperatur und erreichte bis 5 Uhr 39,1. Um 10 Uhr
betrug ſie 38,4. Puls 84, Atmung 22.
* Belgrad, 5. Nov. Die neuerlich eingetre=
tene
Verſchlimmerung im Zuſtande des
Kronprinzen ruft unter der Bevölkerung lebhafte
Teilnahme hervor. Anläßlich der unerwarteten Wen=
dung
tauchten in der Stadt Gerüchte auf, daß das Be=
ſinden
des Kronprinzen weit ernſter wäre, als aus dem
offiziellen Bulletin erſichtlich ſei. Aus wohlinformier=
ten
Kreiſen wird demgegenüber erklärt, daß dieſe Ge=
rüchte
vollkommen grundlos ſeien, da niemand ein
Intereſſe daran haben könne, die Oeffentlichkeit irrezu=
führen
. Uebrigens werde durch die Bulletins ſelbſt der
Verlauf der Krankheit in der genaueſten Weiſe dar=
gelegt
.
Belgrad, 6. Nov. Der Kronprinz ſchlief
nachts mit Unterbrechungen, gegen Morgen ruhiger.
Früh fühlte ſich der Patient etwas ermüdet. Nahrung
verlangte er ſelbſt. Die Unterſuchung zeigte eine leichte
Bronchitis. Temparatur 38.5.

Feſt des Deutſchen Schulvereins.
* In dem Rahmen eines Heſſiſchen Volksfeſtes
veranſtaltete der Verein für das Deutſchtum
im Ausland (Allgemeiner Deutſcher Schulverein)
am Samstag abend in ſämtlichen Räumen des ſtädti=
ſchen
Saalbaues ein großes Wohltätigkeitsfeſt, das ſehr
zahlreich beſucht war und zur höchſten Befriedigung
aller Beſucher verlief. Die Räume des Saalbaues
trugen einen einfachen, aber feſtlichen Schmuck aus
Tannengrün und Tannengirlanden; ſehr hübſch
nahmen ſich die von Tannenzweigen eingerahmten
Odenwaldlandſchaften an den Galerielogen aus; den
Hintergrund des Gartenſaales bildete eine Rieſenland=
ſchaft
des Otzberges, und auch in den oberen Räumen
waren Odenwaldanſichten als Dekoration benutzt. Die
ſchönſte Dekoration aber bildete der Flor junger
Damen, der das feſtliche Bild belebte.
Nachdem ſich der Menſchenknäuel in dem Garde=
roberaume
und dem Saal gelöſt hatte, begann die den
erſten Teil des Abends bildende Aufführung des
Stückes s Millerſch Liesklvunn Mich’lboch,
eines heiteren Volksſtücks mit Muſik, Geſang und Tanz
in 3 Akten, von Herrn Franz Schwalbach. Es
iſt ein Volksſtück im beſten Sinne des Wortes in der
Mundart des Ulfentales, das vielfach an die Anzen=
gruberſchen
Bauernkomödien erinnert. Die Regie
führte der Verfaſſer des Stückes, Herr Schwal=
bach
, ſelbſt, der auch die Rolle des Mühlbauers ſpielte,
und zwar mit vollendeter Beherrſchung ſeiner ſchau=
ſpieleriſchen
Aufgabe und des Dialektes. Die Titelrolle
ſpielte Frl. Th. Nothnagel friſch, liebenswürdig und
gewandt, den Chriſchd’l, ihren Schatz, Herr Bär mit
einer einem Künſtler von Beruf nichts nachgebenden
ſchauſpieleriſchen Routine, brillant und mit der Energie
einer geſunden Bauernnatur verkörperte Frau Archi=
tekt
Harres die Bäſ’l Kathrin. Charakteriſtiſche
Bauerngeſtalten waren die Margräit der Frau
Häling, der Lipp und die Dreid’l des Herrn Credel
und des Frl. Kappeſſer und der dumme Pait’I
des Herrn Dr. Rühl. Die übrigen Rollen wurden
geſpielt von den Herren Dr. Handke (Jockl), Prof.
Getroſt (Bürgermeiſter); Dieſtelmann ( Schul=
lehrer
), Dr. Köſer (Schröpp’r), Dr. Heinemann
(Polizeidiener), Baurat Wagner (Gander) und
Frl. Math. Stegmeyer (Frau Gander), ſowie Herrn
Reg.=Bauführer Vollert (Hochziglader), die ein
famoſes Enſemble abgaben.
Das in Waldmichelbach im vorigen Jahrhundert
ſpielende Stück fand dank der vortefflichen Aufführung
beifälligſte Aufnahme. Der hübſche und originelle
Volkstanz der Hochzigborſcht und Hochzigmäid im letz=
ten
Akte hatte einen beſonders durchſchlagenden Erfolg
und mußte wiederholt werden. Viellicht ſchlöſſe das
Stück beſſer und wirkungsvoller mit dieſem ab. Der
Verfaſſer und Regiſſeur, Herr Schwalbach, wurde
durch Ueberreichung eines prachtvollen Lorbeerkranzes
geehrt. Das Orcheſter ſtellte die Kapelle des Leibgarde=
Inf.=Regts. unter der Leitung des Herrn Obermuſik=
meiſters
Hauske.
Nach Beendigung der Vorſtellung begann der
Jahrmarkt, und es entwickelte ſich an den von
Damen bedienten Büfetts und den Ständen in den
unteren und oberen Räumen ein lebhaftes Treiben,
wobei es ohne das bei den beſchränkten Räumlichkeiten
des Saalbaues übliche Gedränge nicht abging. Die
zahlreichen jungen Damen und die Frauen in ihren
Odenwälder= und oberheſſiſchen Koſtümen, in vielfachen
Spielarten und Variationen, die dem Feſte ſeinen
eigenartigen Charakter verliehen, kamen jetzt und
ſpäter beim Tanze erſt zu voller Geltung. Sie waren
originell, ſtilvoll und hübſch, ob ſie aber für unſere
jungen Damen beſonders kleidſam ſind, iſt eine andere
Frage. Vielfach hatten ſie ſich deshalb durch Stiliſieren
der Koſtüme, vorteilhaftere Haarfriſuren und Kopfbe=
deckungen
dem moderneren Geſchmack etwas genähert.
Jedenfalls aber war dem Feſte der einheitliche Charak=
ter
eines heſſiſchen Volksfeſtes durch ſie gewahrt
worden.
Der Zudrang zu den Verkaufs= und Erfriſchungs=
ſtänden
aller Art Stände für Blumen, Poſtkarten,
heſſiſchen Weißwein, Lebkuchen und Tombola, mehrere
Büfetts, Sektſtände, Tee= und Kaffeezimmer und Bier=
ſtube
, an denen die Damen mit unermüdlicher
Liebenswürdigkeit und Aufopferung ihres Amtes wal=
teten
, war, wie ſchon bemerkt, gewaltig. und der Umſatz
dürfte ihm entſprochen haben. Auch die Aufführungen
in der Spinnſtube im oberen Saale wurden ſehr zahl=
reich
beſucht.
Um 12 Uhr begann der Tanz, der mit einer Polo=
näſe
eröffnet wurde, an der ſich gegen 180 Paare betei=
ligten
. Er bildete einen der Jugend erwünſchten Ab=
ſchluß
des ſchön verlaufenen Feſtes.
Darmſtadt, 7. November.
* Vom Hoftheater. Der Spielplan für dieſe Woche
hat inſofern eine Aenderung erfahren, als am Mitt=
woch
, den 9. ds. Mts., nicht Taifun ſondern auf
Allerhöchſten Befehl das deutſche Weihnachtsſpiel
Bonifacius zur Aufführung kommt. Dieſer. Vor=
ſtellung
werden ſämtliche Höchſten Herrſchaften, auch Ihre
Majeſtät die Zarin, beiwohnen.
Der geſtrigen Aufführung der Saint=Saensſchen
Oper Samſon und Dalila wohnten der Kaiſer
von Rußland mit den beiden älteſten Großfürſtinnen=
Töchtern, der Großherzog und die Großherzogin, Prinz
Heinrich von Preußen und die Prinzeſſin Luiſe von
Battenberg bei. Die Aufführung fand vor nahezu aus=

verkauftem Hauſe ſtatt und war von einem bedeutenden
künſtleriſchen Erfolge begleitet.
* Die Großfürſtin Sergius von Rußland iſt am
Samstag von Jagdſchloß Wolfsgarten wieder ab=
gereiſt
.
J. Der Kriegerverein hielt am Samstag abend im
großen Saale der Turngeminde am Woogsplatz ſeine
erſte Winterverſammlung in Geſtalt eines
Familienabends ab, die recht gut beſucht war.
Die Unterhaltung beſtand in einem Lichtbildervortrag
des Kam. Louis Geiſt, Konzert einer Abteilung des
Muſikkorps des Großh. Feldart.=Regts. Nr. 25, ſowie
Tanz. Kam. Louis Geiſt wußte mit der ihm eigenen
großen Geſchicklichkeit in Wort und Bild durch ſeine
Erlebniſſe auf einer Tour durch die Schweiz, das
Engadin und Oberbayern, ſowie einer weiteren Reiſe
nach der Nordſee eine angenehme Unterhaltung zu be=
reiten
. Die Lichtbilder von der Tour durch das Enga=
din
, von Konſtanz ausgehend über den Albula, Pon=
treſina
, Bernina bis Sandeck, von Innsbruck über
den Berner nach Tolbach, Mendel, zurück durch Ober=
bayern
, boten eine mannigfache Abwechſelung von
Landſchaften, Bergen, Höhen, Tälern, Unterkunfts=
ſtellen
uſw., ferner waren nicht minder unterhaltend
die Anſichten der drei bayeriſchen Königsſchlöſſer Neu=
ſchwanſtein
, Lindenhof, Herrenchimſee und die ver=
ſchiedenen
Anſichten von München. Die zweite Abteil=
ung
ſeines Vortrages verſetzte die Zuſchauer nach
dem Seebad Blankenberghe an der Nordſee, wo unter
den ſchwierigſten Verhältniſſen die intereſſanteſten
und pikanteſten Aufnahmen auf die Platte gebracht
worden ſind. Den Schluß ſeines Vortrages bildeten
die Aufnahmen des Einzugs der Kaiſerlich Ruſſiſchen
Herrſchaften in Darmſtadt, ſowie Bildniſſe der Groß=
herzoglichen
Familie. Seine Schlußworte klangen
aus in ein dreifaches Hoch auf die Großherzogliche
Familie. Der Dank des erſten Vorſitzenden, Haupt=
mann
a. D. Waldecker, für den ausgezeichneten
Vortrag wurde mit reichem Beifall aufgenommen. Die
Anweſenden ehrten die Bemühung des Kam. Geiſt
durch Erheben von den Plätzen. Der Tanz bot noch
eine angenehme Unterhaltung bis zum frühen
Morgen.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 5. Nov. Die Nordd. Allg. Ztg. iſt zu der
Feſtſtellung ermächtigt, daß die Mitteilungen des
Univers, nach welcher der Kaiſer mit der Abfaſſung
einer Geſchichte Friedrichs des Großen be=
ſchäftigt
ſei, völlig erfunden iſt.
* Berlin, 5. Nov. Heute mittag wurde im ſtädti=
ſchen
Schlacht= und Viehhof der Ausbruch der Maul=
und Klauenſeuche feſtgeſtellt. Der Markt wurde
geſperrt.
* Berlin, 6. Nov. Geſtern nacht erſchoß der
Arbeiter Schulz, der in der Kösliner Straße im Kon=
kubinat
mit einer gewiſſen Meißner lebte, dieſe und
dann ſich ſelbſt. Das Motiv bildete Eiferſucht.
* Berlin, 6. Nov. Nach Erkundigungen an zu=
ſtändiger
Stelle iſt das bei Lepanto auf Grund ge=
ratene
deutſche Stationsſchiff Loreley bereits geſtern
wieder freigekommen. Das Schiff iſt unbeſchädigt.
* Berlin, 6. Nov. Der Kronprinz und die
Kronprinzeſſin von Schweden ſind heute
vormittag hier eingetroffen und begaben ſich nach
Potsdam.
* Potsdam, 6. Nov. Der Kronprinz und die
Kronprinzeſſin von Schweden wurden bei
ihrer Ankunft auf der Station Wildpark vom Kaiſer,
der Prinzeſſin Viktoria Luiſe, den Prinzen Adalbert,
Oskar und Joachim empfangen und nach herzlicher Be=
grüßung
nach dem Neuen Palais geleitet.
* An Bord des Reichspoſtdampfers Prinz Ludwig
4. Nov. Durch Funkenſpruch über Pola. Heute vor=
mittag
10 Uhr paſſierte der Dampfer des Norddeut=
ſchen
Lloyd Prinz Ludwig bei herrlichem Wetter die
Straße von Meſſina. Der Kronprinz und die
Kronprinzeſſin, die ſich in guter Stimmung be=
finden
, betrachteten Meſſina und Reggio mit großem
Intereſſe.
* Lichtenberg, 5. Nov. Die in Lichtenberg, Stralau
und Boxhagen=Rummelsburg beſtehende Freie
Jugendorganiſation der öſtlichen Vor=
orte
Berlins wurde auf Grund des § 2 des
Reichsvereinsgeſetzes vom 19. April 1908 durch den
königlichen Polizeipräſidenten in Lichtenberg auf=
gelöſt
, weil ihr Zweck den Strafgeſetzen zuwider=
läuft
.
* Trebnitz, 5. Nov. Heute mittag wurde das hier er=
richtete
Seydlitzdenkmal enthüllt. Der Feier wohn=
ten
als Vertreter des Kaiſers General der Kavallerie z. D.
Frhr. v. Biſſing, Angehörige der Familie Seydlitz und der
kommandierende General des 6. Armeekorps von
Woyrſch bei.
* Oberurſel, 6. Nov. Auf der von der Frankfurter
Lokalbahn=Aktiengeſellſchaft betriebenen elektriſchen Bahn=
linie
Oberurſel=Hohemark ſtießen heute Vormittag
gegen 9 Uhr bei der Weiche Steinmühle=Motorenfabrik
zwei von entgegengeſetzter Richtung kommende Wagen
zuſammen. Zwei Schaffner und drei Paſſagiere er=
litten
leichte Verletzungen teils durch Beinquetſchungen,
teils durch Glasſplitter. Alle Verletzten konnten ihre
Wohnung aufſuchen. Es herrſchte ſtarker Nebel.
* Karlsruhe, 5. Nov. Die Karlsruher Zeitung
ſchreibt: Die Zeitungsnachricht, daß Baden die Grenzen
gegen Frankreich unter gewiſſen Beſchränkungen für
die Vieheinfuhr geöffnet und dazu die Zuſtim=
mung
des Herrn Reichskanzlers erhalten habe, iſt rich=
tig
. Die Maßnahme kann aber erſt vollzogen werden,
wenn Elſaß=Lothringen, deſſen Gebiet der
Transport durchlaufen muß, zugeſtimmt hat. Da
dieſe Zuſtimmung noch ausſteht, konnte die Nachricht
bisher amtlich nicht veröffentlicht werden.
* Köln, 5. Nov. Infolge des anhaltenden Regen=
wetters
der letzten Tage iſt der Rhein ſeit geſtern
um 1,15 Meter geſtiegen.
* Neutomiſchel, 5. Nov. Nach dem vorläufigen
amtlichen Wahlreſultat wurden bei der geſtri=
gen
Reichstagserſatzwahl im 4. Poſener Wahlkreiſe
(Neutomiſchel=Grätz, Koſten=Schmiegel) im ganzen
22 178 Stimmen abgegeben; davon entfielen auf von
Morawski (Pole) 16476, Schwartzkopff ( Deutſchkonſer=
vativ
) 5648 und Sremski (Soz.) 43 Stimmen; zerſplittert
waren 11 Stimmen. Morawski iſt gewählt.
* Wien, 5. Nov. Einer Privatmeldung zufolge
wurden die beiden vermißten Wiener Touriſten
Mittelſchulehrer Derganz und Ingenieur Himmel=
bauer
, auf der Nordwand der Planſpitze tot auf=
gefunden
.
* Prag, 5. Nov. Der geſtern hier verſtorbene tſche=
chiſche
Baurat Wiehl hat ſein ganzes, aus über einer
Million Kronen und bedeutenden Realitäten beſtehendes

[ ][  ][ ]

Nummer 261.

Verndgen der tſchechiſchen Akademie behuſe För=
derung
naturwiſſenſchaftlicher und techniſcher Forſchungen
hinterlaſſen.
* Paris, 6. Nov. Man glaubt in Parlaments=
kreiſen
, daß die Regierungserklärung, mit
welcher das neue Miniſterium am Dienstag vor die
Kammer treten wird, ſofort zu einer lebhaften Erörte=
rung
Anlaß geben dürfte. Der unabhängige Sozialiſt,
Profeſſor Painleve, kündigt an, daß er eine Inter=
pellation
über die allgemeine Politik der Regierung ein=
bringen
werde. Ferner wird der gemäßigte Republikaner
Leroy Beaulieu über die Bedeutung des Eintritts
Laferres in das neue Kabinett interpellieren. Man hält
es auch für möglich, daß ſich über die Frage des Streik=
rechts
der Angeſtellten der öffentlichen Betriebe ſofort
eine heftige Debatte entſpinnen werde.
* London, 5. Nov. Nach einer Lloydmeldung aus
Tenerifa ſchiffte der Frachtdampfer Urſula der=
Hamburg=Südamerikaniſchen Dampfſchiffahrtsgeſell=
ſchaft
dort zwei Matroſen des engliſchen Dampfers
Kurdiſtan aus, der auf der Fahrt von Mancheſter
nach Baſſora am 20. Oktober ſechzig Meilen von den
Scillyinſeln untergegangen war. Die beiden
Matroſen waren 26 Stunden nach dem Untergange des
Dampfers völlig erſchöpft von einem engliſchen Fahr=
zeug
aufgefiſcht worden und wurden am 2. November
der Santa Urſula übergeben. Der Reſt der Beſatzung
der 2813 Tonnen faſſenden Kurdiſtan iſt ertrunken.
* London, 5. Nov. Die Berufung Crippens
gegen das gegen ihn ergangene Todesurteil wurde ver=
worfen
.
* Stockholm, 6. Nov. Die Akademie der Wiſſen=
ſchaften
beſchloß geſtern, den diesjährigen Nobelpreis
für Phyſik dem Profeſſor J. D. van der Waals=
Amſterdam wegen ſeiner Arbeiten über den Zuſtand der
Gaſe und Flüſſigkeiten zu erteilen.
* Madrid, 5. Nov. Das Miniſterium des
Auswärtigen erklärt es für unrichtig, daß es von
Marokko eine Entſchädigung von 105 Millionen
Peſetas verlangte. Es verlangte nur 65 Millionen
Peſetas, die El Mokri zugeſtand, der Maghſen wies
jedoch die Forderung als zu hoch für ſeine Geldmittel
zurück.
* Madrid, 6. Nov. Nach einer amtlichen Mitteilung
herrſcht ſowohl in Barcelona wie in Sabadell
heute Ruhe.
* Liſſabon, 6. Nov. Der Zyklon richtete in der
Provinz Algarve großen Schaden an. Die Zahl
der Opfer iſt nicht bekannt. Mehrere Fiſcherboote
ſcheiterten. Ein größeres Schiff iſt geſunken. Zehn
Mann der Beſatzung ſind ertrunken.
* Athen, 6. Nov. Die Blättermeldung über den
Rücktritt des Oberkommiſſars von Kreta, Zaimis, iſt
unbegründet.
* Konſtantinopel, 5. Nov. Die Pforte richtete an
die perſiſche Regierung eine Note, in der die
perſiſchen Beſchwerden über Uebergriffe der türkiſchen
Truppen in perſiſchen Gebieten widerlegt werden.
Der Botſchafter in Petersburg wurde beauftragt, eine
ähnliche Erklärung der ruſſiſchen Regierung abzugeben.
* Konſtantinopel, 5. Nov. Direktor Helffe=
rich
hatte heute nachmittag eine längere Beratung
mit dem Finanzminiſter. Nach den Erklärungen des
Miniſters=an den Vertreter des Korreſpondenzbureaus
wurde bereits über die Hauptpunkte der Finanzope=
ration
ein Einvernehmen erzielt. Die Anleihe ſoll
elf Millionen Pfund betragen; hiervon ſind ſechs
Millionen für dieſes Jahr, der Reſt für das nächſte
Jahr, der Zinsfuß auf 4 Prozent und der Emiſſions=
preis
ſoll auf 84 feſtgeſetzt ſein. Die Bankengruppe ge=
währt
bis zur Emiſſion der Anleihe je nach Bedürfnis
Vorſchuß gegen 5½prozentige Schatzſcheine. Morgen
wird die Beratung fortgeſetzt, worauf der Vertrag dem
Miniſterrate unterbreitet wird. Die Unterzeichnung
des Vertrages dürfte zu Anfang nächſter Woche er=
folgen
.
*Havana, 6. Nov. Die Wahlen zur Zweiten
Kammer ergaben bisher folgendes Reſultat: Gewählt
ſind 21 Liberale, 19 Konſervative.
* Buenos=Aires, 5. Nov. Die Kammer begann
die Beratung des Budgets. Der Finanz=
miniſter
empfahl große Beſchränkung der Ausgaben
und den Aufſchub aller nicht unbedingt nötigen Arbei=
ten
, beſonders derjenigen in mehreren Häfen, ſowie die
Verminderung der Zahl der Beamten. Er trat ferner
für die Vorbereitung der Konvertierung verſchiedener
Schulden zu 4 Prozent ein und ſprach ſich gegen die
mißbräuchliche Aufnahme von Anleihen und eine Aen=
derung
des Münzſyſtems aus. Der Miniſter bezeich=
nete
die Ernteausſichten als günſtig.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 7. November 1910.

Seite 7.

H.B. Paris, 6. Nov. Die Unterſuchung über den
Eiſenbahnerausſtand, ſowie die vorgenommenen
Hausſuchungen führten zur Entdeckung wichtiger Doku=
mente
. Unter anderem wurden Briefe beſchlagnahmt, die
von hervorragenden Mitgliedern des Streikkomi=
tees
ſtammen und in denen die Sabotage befür=
wortet
wird. Mehrere in der Provinz verhaftete Eiſen=
bahner
haben eingeſtanden, daß die Sabotage auf Anraten
der Komiteemitglieder verübt worden ſei.
H. B. Paris, 6. Nov. Zu den Vorgängen in Saba=
dell
wird aus Barcelona gemeldet: Nachdem geſtern
früh die Ausſtändigen in Sabadell verſucht hatten, nach
Barcelona zu gelangen, von der Gendarmerie jedoch
zurückgedrängt wurden, erfolgte in den Mittags=
ſtunden
ein zweiter Verſuch, der jedoch mißlang. Außer
dem Vorſitzenden des Arbeiterbundes und dem Vorſitzen=
den
des Metallarbeiterverbandes wurden auch Verhaf=

tungen von Arbeitern im Lauſe des geſtrigen Tages vor=
genommen
. Militär= und Zivilbehörden haben umfaſ=
ſende
Maßnahmen getroffen, um die Unruhen zu unter=
drücken
. Gegen 6 Uhr abends ſammelten ſich über 2000
Arbeiter an, um nochmals zu verſuchen, nach Barcelona
zu gelangen. Auch hier war aber die Polizei raſch zur
Stelle und ſchnitt den Ausſtändigen den Weg ab. Um
9 Uhr abends wurde noch ein erfolgloſer Verſuch unter=
nommen
. Ein abends 11 Uhr aufgegebenes Telegramm
beſagt, daß der Verſuch, nach Barcelona zu gelangen, auf=
gegeben
worden ſei. Alle Straßen ſind militäriſch beſetzt,
das Militär verhindert jede Anſammlung. Das Militär
hat Befehl erhalten, bei etwaigen Ausſchreitungen ſofort
energiſch und mit blanker Waffe vorzugehen.
II. B. Madrid, 6. Nov. An der portugieſiſchen Grenze
wurden geſtern 5 Generale, 17 höhere und mehrere ſub=
alterne
Offiziere verhaftet, die an dem Komplott
gegen die proviſoriſche Regierung beteiligt geweſen ſein
ſollen.

HoTEL-DARMSTADTRR-HOF
GRossEs

SPEISE-RESTAURANT

(16578a

telier für Kunst und
Grabmalkunst ſB65)

Wilh. Götze, Bildhauer, Vertreter d. Wiesbad. Gesellschaft
Darmstadt, Karlstrasse 94
Ständiges Lager von Grabdenkmälern, ſ.
Modellen und Skizzen in jeder Preislage. 1
Familiennachrichten.

Statt besonderer Anzeige.
Die glückliche Geburt eines
Mädchens
zeigen hocherfreut an
Rechtsanwalt Dr. Walz
und Frau
Wiky, geb. Hallwachs.
Darmstadt, den 5. November 1910. (21659

Statt jeder beſonderen Mitteilung.
Allen Freunden und Bekannten die traurige
Nachricht, daß unſere liebe, herzensgute Tochter,
Schweſter, Schwägerin und Tante (21658
Toni Becker
heute nach kurzem ſchweren Leiden, im Alter
von 44 Jahren, ſanft entſchlafen iſt.
Darmſtadt,
Mainz,
7 den 5. Nov. 1910.
Hannover,
Die trauernden Hinterbliebenen:
Ferdinand Becker, Geh. Baurat i. P.,
Luise Becker, geb. Lanz,
Wilhelm Becker, Baurat,
Thekla Becker,
Garl Becker, Regierungsbaumeiſter,
Sophie Becker, geb. Ritsert,
Luise Becker,
Carola Becker.
Die Beerdigung erfolgt vom Sterbehaus,
Heinrichſtr. 130 aus, Dienstag, den 8. d. Mts.,
vormittags 11 Uhr, auf dem Darmſtädter
Friedhof.

Krieger-Verein
Darmſtadt.

Todes=Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen,
unſer langjähriges Mitglied
(21635
Herrn
Dr. med. Hermann Lossen
aus dieſem Leben abzurufen.
Die Beerdigung findet Montag, 7. No=
vember
, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhauſe,
Steinſtraße 23 aus, ſtatt.
Sammlung daſelbſt.
Zur Teilnahme an der Beerdigung wer=
den
die Kameraden von Herden bis Kuſchel,
ſowie der 4. Bezirk erſucht.
Der Vorſtand des Kriegervereins
Darmſtadt.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden unſerer lieben Mutter, Frau
Katharina Dintelmann Wwe.
(21605
ſagen innigſten Dank
die trauernden Hinterbliebenen.
Wixhauſen, 1 5. November 1910.

Arheilgen,½

Tageskalender.
Konzert der Großh Hofmuſik um 7 Uhr im Hoftheater
(Hauptprobe vormittags 10 Uhr).
Vorſtellung um 8½ Uhr im Orpheum.
Monatsverſammlung des Vereins für Vogel= und
Geflügelzucht um 9 Uhr in der Krone‟
Konzert um 5 Uhr im Kölniſchen Hof.
Konzert um ½ 8 Uhr im Bürgerkeller.
Konzert um 8 Uhr im Hotel Heß.
Geflügel= u. Vogel=Ausſtellung in der Stadt
Pfungſtadt
1. Darmſtädter Kinematograph (Ecke Rhein= und
Grafenſtraße): Vorſtellungen von 3½11 Uhr.
Olympia=Kinematograph Ernſt=Ludwigſtr. 23.
Verſteigerungskalender.
Dienstag, 8. November.
Hofreite=Verſteigerung des Heinr. Müller ( Lieb=
frauenſtraße
74) um 10 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Hofreite=Verſteigerung des Chr. Lampe ( Feldberg=
ſtraße
58) um 10 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Laubſtreu=Verſteigerung um 10 Uhr zu Forſt=
haus
Kranichſtein.
Städtiſche Leſe= und Bücherhalle, Louiſenſtr. 20.
Die Leſehalle iſt geöffnet an Wochentagen von
102 und von 69½ Uhr, Sonntags von 111 und
von 59 Uhr. Büche rausgabe findet ſtatt an jedem
Wochentage von ½11 bis ½1 Uhr und abends von
6 bis 9½ Uhr.
Beſtellungen
auf das
Darmſtädter Tagblatt‟
werden in der Expedition, ſowie von allen
Poſtanſtalten entgegengenommen.

Druck und Verkag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Htreeſe;
für den Inſeratenteil: J. Kroſt, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

Total-Ausverkauf
uss, sind die
wegen gänzlicher Geschäftsaufgabe. Da ich in kürzester Zeit mit dem ganzen Lager vollständig räume
Preise beispiellos bil!
esteilt.
S3
sodass es im Interesse einer jeden Dame liegt, ihren Bedarf für Herbst und Winter, sowie für Weihnachten, bei dieser
ünstigen Gelegenheit zu uocken.
überaus
Die Lager enthalten noch ganz bedeutende Bestände von Herbst- und Winter-Neuheiten.

(21621

Weisser Turm.

ikolaus Lerch

Weisser Turm.

[ ][  ][ ]

2 Markt 2

Stützen u. Stäbchen
Celluloidstützen Dtzd. von 9 Pf. an
Kragenstützen zum Einstecken
Paar 22 Pf.
Taillenstäbchen, schwarz, weiss,
grau Dtzd. 18 Pf.
Taillenfischbein Dtzd. 30 u. 20 Pf.
1 Posten Taillenstäbe
Dutzend pf.
Druckknöpfe . . Dtzd. 18 u. 9 Pf.
Copier-Rädchen St. 28, 25 u. 18 Pf.
Centimetermasse St. 18, 12 u. 6 Pf.
Fingerhüte . Stck. 12, 8, 5 u. 1 Pf.
Rockhenkel
.. . 2 St. 5 Pf.
Paspelkordel . . . . Stück 7 Pf.
Haken u. Augen, schwarz, Pack 3 Pf.
Haken u. Augen, weiss, Pack 7 Pf.
Schweissblätter, Preislage v. 12 Pf.
bis 1.15 Mk.

Alle Zutaten
zur Schneiderei
Tressen und Knöpfe
Besätze
Tülle und Chiffons
in großer Auswahl

Wir unterhalten stets ein
gutassortiertes Lager.

Ein Posten
Schweißblätter
3 Paar

Markt 2
21645)

Mitglied des Rabattsparvereins.

Markt 2

Parfümerie Carl Bley
Wilhelminenstrasse 33
DARMSTADT Wilhelminenstrasse 33

Bitte mein Schaufenster zu beachten!
Ausstellung u. Verkauf echter Schildpattwaren jeglicher Art
passend als Geschenke zum bevorstehenden Weihnachtsfeste
zu bekannt billigen Preisen.
Erzeugnisse der Schildpattwarenfabrik von G. F. Heim Söhne in Ober-Ramstadt bei Darmstadt.

Keine Rabattmarken, 5 pCt. Barabzug, mit Ausnahme der Netto-Artikel.
(21637a

Vertreter: Cajetan Rechenmacher, Darmstadt, Rossdörferstrasse 87, Telephon 517.

(19447a

Antiauttäten
Auswärtiger Sammler kauft nur aus
Privatbeſitz Antiquitäten in Möbel, Por=
zellan
, Gold, Silber, ſowie farb.
Kupferſtiche ꝛc. ꝛc. zu hohen Preiſen.
Off. unt. F. C. M. 3477 an Rudolf
Mosse, Frankfurt a. M.
(21634M
Superfeinsten
Gummischuh-Lack.
Vorzügl. Lack zum Auffriſchen
von abgenutzten Gummiſchuhen.
Per Flaſche mit Gebrauchsanweiſung
35 Pfg. bei

Darmstadt. (21618a
Telephon 200. Schuſtergaſſe 14.

Gute Existenz.
Gutgehendes kleineres Café
umſtändehalber ſofort zu verkaufen. Reinverdienſt ca. Mk. 5000
Anzahlung ca. Mk. 5000.
(*27352
Offerten unter H 23 an die Expedition ds. Bl.

Empfehle 1. Qualität
Hammelfleiſch
(20084a
zu 70 Pfg.
70 Pfg.
Keule mit Beilage .
Hammelbraten ohne Knochen . . 90
. 60
Hammelbraten gerollt .
. 60
Hammelragout
Kalb- und Hammelmetzgerei
Ge Egner, Inh. Falter,
Kirchstrasse.

Klavierſeſſel, Notenſtänder,
Küchenſchrank, Serviertiſch
gut erhalten, billig zu verkaufen (21655
Näheres in der Exped. ds. Bl.

KLAVIER

Zu verk. wegen Aufgabe des Haushalts:
2) faſt neue Chaiſelonguedecke, Kleiderſchr.,
Waſchtiſch, Nachttiſch, ſchöne Weinflaſchen
*27418) Roßdbrferſtraße 44, 1. St. rechts.

zite werd. ungearb. u. ſchit garn, bil.
in u. auß. d. Hauſe, ält. Zutaten werd.
(20912a
verw. Ludwigsplatz 8, III.


See

Trockener heller
Lagerraum
zum Aufbewahren von ausländiſchen Höl=
zern
per ſofort zu mieten geſucht. Off. unt.
(B21624
H 32 an die Exp. ds. Bl.
Vereins-Lokal
zirka 30 Perſonen faſſend, für 2 Samstag=
Abende im Monat geſucht. Möglichſt zen=
trale
Lage. Offerten unter H 7 an die
Expedition ds. Bl. erbeten.
(21611oi

event. Einfamilienhaus, in freier ſchöner
Lage zum 1. April 1911 geſucht. Off. unt.
H 31 an die Exped. ds. Bl.
(21608
(5 erwachſene Per=
Beamtenfamilie ſonen) ſucht zum
1. April k. Js. geräumige 4=Zimmerwoh=
(21613oi
nung in ruhigem Hauſe.
Offerten mit Preisangabe unter H 36
an die Expedition ds. Bl. erwünſcht.

Einzeiner Herr
ſucht zum 1. April n. J., event. fruher,

modern eingerichtete 3 oder 4=Zimmer=
Wohnung mit Bad in ruhiger Lage.
Angebote mit Preis unter H 41 an die
Erpedition ds. Blattes.
(*29407
Me
Von Brautpaar 1a.
evt. ſpäter ſchöne 2= oder kl. 3= Zimmer=
wohnung
geſucht. Gefl. Offerten mit ge=
nauer
Preisangabe unter H 19 an die
(21554soi
Expedition ds. Blattes
Moblertezmmer

von 2 Schülern Nähe der techn. Hochſchule
mit Penſion geſucht.
Offerten mit Preisang. unter F. A. 5000
poſtlagernd Darmſtadt.
(21632)
*27400) Zum 1. Dezember
möbliertes Zimmergesucht.
Offerten mit Preisang, unt. H 44 Exped.

ſucht einfaches Zimmer
Fräulc
per ſofort. Offerten unter

42 an die Exped. d. Bl. erb. (*27406

Tunge engliſche Dame, hier in Stellung,
ſucht per ſofort in ruhiger Familie
gut möbliertes Zimmer mit ganzer oder
teilweiſer Koſt. Offerten unter H 40 an
die Expedition da. Bl.
(*27408

[ ][  ][ ]

1. Beilage zum
gesgl.

Montag, 7. Nobenber.

agblatt.

1910.

Kaufen Sie waschechtes
Stickmaterial bei uns!

(Nachdruck verboten!)

Hahddrbcker.

Diese edle Fähigkeit zierlicher Frauenhände immer mehr verdrängt! Anfangs war
es die Technik, welche unsere Frauen von den Webstühlen vertrieb, später in schneller
Aufeinanderfolge gönnten neuartige Pflichten und Interessen (Frauenberufe Sport
Spiel etc.) der Schaffenden nicht mehr die nötige Muse.
Die wundervollen Produkte unserer deutschen Industrie haben indessen einem grossen
Teil der Bevölkerung die Freude an einer gut gestickten Arbeit erhalten und den Wunsch
aufs neue rege gemacht, sie mit eigener Hand herzustellen.
Das schablonenhafte Fabrizieren von Gebrauchsgegenständen, wie Handtücher
Kasten Kissen etc. konnte nicht genügen, einen Stamm treuer Abnehmer zu erhalten;
ein stärkerer Faktor, längst schon in anderen Industriezweigen von einschneidender Be-
deutung
, musste auch hier erfolgreich wirken Die Kunst.
Wer je Gelegenheit hatte, die Zeichenateliers der grossen Tapisseriewerkstätten zu
besuchen, erstaunte über den Aufwand an Mühe und Kosten, welche diesem Zweige der
Handarbeitsproduktion gewidmet war.
Künstlerische Entwürfe Zeichnung und Form wurden vervielfältigt und massen-
weise
in den Handel gebracht. Mustergrundige Stoffe kamen an den Markt und wandelten
unbeholfene Backfische zu kleinen Künstlerinnen.
Die Materialfabriken standen nicht zurück, und übergreifend auf die allgewaltige
Chemie wurden Farben von unerschütterlicher Festigkeit gefunden.
Das Warenhaus galt auch jetzt wieder als der verständnisvolle Vermittler zwischen
Produzent und Abnehmer. Mundgerechtes Zusammenstellen der verschiedenen Genres und
geschmackvolle Dekorationen taten ihr Uebriges, um das erlahmte Interesse für die Hand-
arbeitskunst
wieder rege zu machen und dauernd zu festigen.
(21646

Kelim-Ausstellung im Fenster Ludwigstrasse und in der I. Etage

6)50
Kelim-Kissen vorgezeichnet . . . 100
2
angelangen mit Ma- 6)50 95
350
20
Kelim-Kissen terial
1275
Kelim-Kissen fertiggestickt 550 75

1950
angefangen mit Ma- C
Kelimdecken terial
950 1.200
Kelim-Serviertischdecken
150
fertig
angefang.
Kelimfussteppiche m. Mater. 67

Stoffe:
Tupfenkongress, Aida-Kongress, Filze etc.
75 050 995 975
Breite ca. 170 cm: 1 3
(Stickvorlagen werden kostenlos verliehen.)

Deckengarnituren
Leinen milieu
Porger. 95
Leinen- Nachttisch-
deckchen
. vorgez. 18 25

Kissenplatte
Sternquadrat‟ . . vorgez. 80

Decke Blumenkorb‟ . . 95

Klammerschürze
75
Wäschesack
Bettwandschoner 125

vorgezeichnet
grau Leinen
mit rotem oder
blauem Besatz.

Delftgarnitur
vorgezeichnet Leinen
mit blauem Besatz

Wandschoner
Brotsack
Lümpentasche
Wäschesack

1.65 Besenvorhang
. 2.75
1.15 Brötchensack
. 65
75 Topflappentasche . . 55
1.75 Wasserleitungsschoner 75

50 brennende Tischlampen im Schaufenster!
Sehenswerte Dekoration im Erker Ludwigstrasse.
00
00

Darmstadt
Ludwigstr. 12.
S. WRenkEin C %

[ ][  ][ ]

Seite 10,

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 7. November 1910.

Nummer 261

Techniſches.
* Der Durchſchlag im Königſtuhltunn=
nel
zu Heidelberg. Unter den umfangreichen
Vorarbeiten und Arbeiten, die in Ausführung des
Projektes des neuen Heidelberger Bahn=
hofes
zu ſchaffen ſind, war wohl eine der ſchwierig=
ſten
und bedeutendſten die Herſtellung des großen
Königſtuhltunnels, in dem die Württemberger
Linie den Schoß des Gaisberges, des Molkenkur= und
Schloßberges durchſchneidet. Erforderte der Bau die=
ſes
Tunnels doch einen Koſtenaufwand von rund 3½
Millionen Mark. Die Ausführung des Werkes liegt
in den Händen der Frankfurter Firma Holzmann u.
Co., die Bauleitung in Händen der badiſchen Eiſen=
bahnverwaltung
. Für die Bauleitung, die Unterneh=
merin
und die an der Durchführung des ſchwierigen
Werkes beteiligten Arbeiter bedeutete nun der 29.
Oktober inſofern einen großen Tag, als an ihm der
Durchſchlag des Tunnelſtollens, alſo die
Krönung der monatelangen Arbeit im Schoß der
Berge, ſtattfand. Unzählige kleine und große Alltags=
arbeiten
gibt es zu leiſten, bis im Jahre 1916 die
ganze, einen Geſamtkoſtenaufwand von rund 40 Mill.
Mark beanſpruchende Bahnhofsanlage als fertig ange=
ſehen
werden kann. Zu der von Bauleitung und Unter=
nehmerin
anberaumten Feierlichkeit hatten ſich u. a.
eingefunden: der Miniſter des Großh. Hauſes und der
auswärtigen Angelegenheiten, Eiſeubahnminiſter Exz.

von Marſchall, der Generaldirektor der Badi=
ſchen
Staatsbahnen, Geh. Rat Roth, mit dem Vor=
ſtand
der Bauabteilung der Generaldirektion, Geh.
Oberbaurat Wasmer, ferner von der Firma Holz=
mann
u. Ko. die Direktoren und Ingenieure. Um halb
11 Uhr verſammelten ſich die Teilnehmer an der Feier
am Karlstor, wo ſie von dem namens der Bau=
unternehmerin
die Honneurs erweiſenden Herrn Ober=
ingenieur
Koch von der Firma Holzmann begrüßt
wurden. Dann folgte die Beſichtigung der den Arbei=
ten
zugrunde liegenden Pläne und Skizzen. Gegen
10¾ Uhr begaben ſich die Verſammelten durch den ge=
ſchmückten
Eingang in den Tunnel. Unter Leitung
des Herrn Oberingenieurs Koch wurde die Sprengung
der Scheidewand vorgenommen. Punkt halb 12 Uhr
mittags ertönte der erſte Schlag; nach 24 Sprengſchüſſen
war der Durchſchlag unter der Molkenkur erfolgt. Die
beiden Bohrlöcher zeigten kaum eine Divergenz; ein
Beweis für die minutiöſe Genauigkeit, mit der die
moderne Technik heute zu arbeiten vermag. Bevor er
die Durchbruchſtelle durchſchritt, richtete der Miniſter
Freiherr von Marſchall eine Anſprache an die
Verſammelten, in der er die Bauleitung und die Ar=
beiterſchaft
zu dem erfolgreich geſchehenen Durchbruch
des Königſtuhltunnels beglückwünſchte. Sei doch der
Tag ein bedeutſamer Zeitpunkt in der Arbeit dieſes
hohen und harten Werkes, das dazu beſtimmt ſei, auf
nahezu zweieinhalb Kilometer Länge dieſen Berg zu
durchbohren, der allgemein bekannt iſt als der Berg

am Ausgang des Neckartales, der das Heidelberger
Schloß trägt, eine der ſchönſten Ruinen der ganzen
Welt! Es ſei hier ein Weg geſchaffen worden, der dazu
beſtimmt iſt, dem Verkehr auf einem wichtigen Schie=
nenſtrang
eine neue Bahn zu eröffnen. Darauf reich=
ten
ſich die Ingenieure der beiden Richtſtollen brüder=
lich
die Hände, und punkt 12 Uhr durchſchritt
Freiherr von Marſchall als erſter die Durch=
bruchſtelle
. Auf der Weſtſeite fand man dann
nach kurzer Wanderung einen aus Schuttwagen im=
proviſierten
, mit Girlanden und Fahnen feſtlich ge=
ſchmückten
Perſonenzug vor, der die Teilnehmer nach
einer gleichfalls hochintereſſanten Fahrt durch den
großenteils ſchon fertig ausgebauten Tunnel dem Weſt=
ausgang
zuführte. Eine tauſendköpfige Menſchen=
menge
begrüßte den heranbrauſenden Eilzug an dem
Weſtausgange mit nicht endenwollenden Hoch= und
Hurrarufen.
Sport.
sr. Ein neues Schachmatch um die Welt=
meiſterſchaft
wird zwiſchen dem derzeitigen Welt=
meiſter
Dr. Emanuel Lasker und dem franzöſiſchen
Meiſter Janowski am nächſten Dienstag in Berlin im
Turnierſaale des Kerkau=Palaſtes ſeinen Anfang neh=
men
. Die Leitung hat die Berliner Schachgeſellſchaft
übernommen; die Bedingung des Matches iſt die, daß
derjenige Sieger bleibt, der zuerſt acht Partien gewinnt.

(Mehr als 30 Sorten)

Docch

in der täglichen
Mblddf
4

Neben den meiſtbe=
gehrten
Sorten von
Schutzmarke
Kreuzstern

wie Reis, Tapioka=Julienne, Grünkern, Riebele, Erbs gibt es
noch eine Reihe anderer, ebenſo vorzüglicher Suppen, z. B. Rumford,
Reis=Julienne, Hausmacher, Tapioka, Sternchen, Gerſten (Graupen)
uſw. Bitte, machen Sie auch damit einen Verſuch!
(K21473,36

Zur Beseitigung von
Gesichtz-u. Körperhaaren
Damenbart
ist tatsäch-
lich
das
beste Mittel
der Welt
Subito‟
weil es die
Haare
sofort
schmerzlos
entfernt
radikal mit Wurzel
so dass ein Wiederwachsen
dieser Haare ausgeschlossen
ist. Keine Hautreizung und
besser alsElektrolyse. ½2101. 38
Garantie absol. unschädl.
sicherer Erfolg. Preis 3.50.
Preisgekrönt gold. Hledaflie, VieleDankschr.
Versand diskret geg. Nachn.
od. Voreinsnd. (auchBriefm.)
Friedrich Tillmann
Elisabethenstraße 21. (19630a
Spezial-Kieller
fürkänstliche Haararbeiten
stets Eingang von Neuheiten.
ürnst-Ludwigstr. 22,
Ernst Köhler, Entresöl.
Telephon 1682.
(21120a
Wichtig für alle Bründer!
Sichern Sie ſich das Vorbenutzungsrecht.
Bei Einſend. von Skizzen Erläut. koſtenl.
Auskunft Patentanw. G. Hoffer, Verviers,
Aachen, Poſt. Habe ſtets Intereſſenten
f. g. Patente. Diskr. zugeſichert. (21630M
Werſchiedene Winter=Jacketts billig zu
verkaufen Parkusſtr. 10, I. (*27423

On cherche encore quelques messieurs
et dames pour faire partie d’un Cercle
de conversation francaise.
(*27381oi
Stadresser au bureau du journal.
donnedes legons
Magemalsene Lapoter) de Frangais:
grammaire, traduction, conversation et va
aussi les aprés midi se promener avec les
enfants on jeunes filles.
(*27383
Off. unt. H 34 an die Exp. ds. Bl.
in allen Fächern er=
Nachhilfeſtunden teile für Schüler und
Schülerinnen jüngerer Jahrgänge. Offert.
unt. F 39 an die Expedition. (21047a
der Ober=Realſchule erteilt
Primaner Nachhilfeunterricht. Off.
unt. & 66 an die Exp. ds. Bl. (*27082dso

Gebildeter Franzoſe od. Franzöſin
geſucht zur Erlernung der franzöſiſchen
Konverſation. Näheres in der Expedition
dieſes Blattes.
(B21434
für Nachhilfeſtun=
Unterprimaner den geſucht. Off.
unter H 38 an die Exped. ds. Bl. (*27395
Nach beſonders leicht faßlicher
und bewährter Methode
erteilt Dame aus beſten Kreiſen Klavier=
unterricht
. Anfragen J. M. J. A. poſt=
lagernd
, Poſtamt III.
(*26936dodo

rI.
Blliard 3
Unterricht im Billard=Spiel erteilt im
Billard=Saal des Hotel Heß auf neuem
Neuhuſens Billard
(*27394
Lud. Haubl
Marqneur aus München.

Ethel Malzkaffee

wird an Wohlgeſchmack und kaffeeähnlichem
Aroma von keinem Fabrikat erreicht.
Ethel Malzkaffeefabrik, Schiltigheim i. Elſ.

18093H)

OfferiereHepfel

folgende Sorten,
Goldparmäne, Ztr. zu . . . 9. Mk.,
ſchwarze Mahläpfel Ztr. zu . . 9. Mk.,
gr. rheiniſche Bohnäpfel, Ztr. zu 8. Mk.,
Schafnaſen Ztr. zu .
. . 6.50 Mk.
Auserleſene Ware. Proben einzuſehen
(*27420
Wienersstrasse 48.

Meuken-Siu

Telephon 1294 Nieder-Ramstädterstrasse 57 Telephon 1294
Fabrikation f. Fleisch- u. Wurstwaren
Spezialität: Hausm. geräucherte Würſte. ff. Aufſchnitt, per Pfd. 80 Pfg. bis 1.60 Mk.
Prima Hamburger Rauchfleiſch, Schweinsroulade, Sardellen=, Trüffelwurſt ꝛc. (21161a

M. Schorlemmer
Marktpassage.
Schürzen
Taschentücher
(21351a
Wäsche-Anfertigung.
Faretencnvernnker
Die durch das am 1. Oktober 1910 in Kraft getretene Geſetz vorgeſchriebenen
Vermaldre und Bachter
ſind zu haben in der
L. C. Wittich’ſchen Hofbuchdruckerei
Rheinſtraße 23
Darmſtadt.
Telephon Nr. 1

Auswärtige, leiſtungsfähige
Grossbrauerei
mit prima hellem u. dunklem Bier, ſucht mit
Wirten und Flaſchenbierhändlern unter
äußerſt günſtigen Bedingungen in Geſchäfts=
verbindung
zu treten. Wirtslokale werden
gemietet. Offerten unter H 46 an die
(21656oim
Expedition ds. Bl.

fein gehackt, liefert
Brennholz, billigſt (*27392om
M. Schlander, Heinheimerſtraße 96.
Karte genügt.

Worzellan=Ofen billig abzugeben
*27239sid) E. Bender,, Hügelſtr. 9.

Bau- u. Hypothekengelder
an erſter und zweiter Stelle zu günſtigen
Bedingungen auszuleihen. Offert. unter
G 83 an die Exp. d. Bl. erb. (*27171fsom
ehrbarem Handwerker 120
Wer leihl Mark gegen pünktl. monat=
liche
Rückzahlung? Offerten unter H 33
an die Expedition ds. Bl. erbeten. (*22382

Frinu Speisenartertein
Waggons fortwährend eintreffend,
per Zentner 3.50 Mk. frei Keller.
Prompte Bedienung. Vorausbestellg. erwünscht
bei
Karlſtraße 631
Ph. Germann,
Telephon 1299
und bei
(B21623
Brandgaſſe 5,
Döderlein, Pallaswieſenſtr. 41.

Winter=Kartoffeln
. 4 Mark
Induſtrie, Zentner . .
P. Engel. (*27418omf
Sensfelderhof, Poſt Wixhauſen.

Guterhaltene Bettstelle
mit Matratze und zwei Keilkiſſen, ſowie ein
Kleiderſtänder umzugshalber preiswert zu
(21652
verkaufen
Liebfrauenſtraße 101, 1. Stock.

Zu kaufen gesucht:
gebrauchter, aber noch gut erhaltener
Schreibtiſch, möglichſt Diplomat. Off.
m. Preisang. an die Exped. d. Bl. erb.
(*27320so
unter U 13.

9.

genannt Die Brumbelheck
iſt ſoeben auf der Platte erſchienen und
für jedes Grammophon paſſend.
Nur zu haben bei
(*27425
Valentin Bund, Gram.-Spez.-Geschäft
Lauteſchlägerſtraße 13, part.

Die naturreinen

empfehlen hervorrag. Aerzte

bei Blutarmut, Bleichsucht.
Nervosität (Prof. Forel, Prof.
Eulenburg, Prof. Jordy, Dr. Gilbert,
Dr. Keferstein)
bei Herzkrankheiten, Rheu-
matismus
u. Gicht (Dr. Matzen,
Dr. Stoll-Nauheim, Dr. Kühne)
bei Magen-, Darm-, Leber-
und Nierenleiden (Prof. Bunge,
Prof. Winternitz)
bei allen akuten fieberhaften
Krankheiten (Dr. Järschky,
Prof. Bleuler, Dr. Albu, Dr.
(5059
Schilling.)
Verlangen Sie Sorten- und
Preisliste und aufklärende
Literatur von
Johannes Horn
Alexanderstrasse 4, I.
(Proben) auch Sendungen frei Haus.

[ ][  ][ ]

Nummer 261.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 7. November 1910.

Seite 11.

Amtliche Nachrichten des Großherzoglichen Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde.
In polizeilicher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Spitzhund, 1 Foxterrier. 1 däniſche Dogge (zugelaufen).
Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werk=
tag
, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.

Fekanntmachung:
betreffend Gefährdung der Verkehrsſicherheit auf der Straße durch Radfahrer.
Es ſind in letzter Zeit mehrfach Klagen darüber geführt worden, daß die Ver=
kehrsſicherheit
in den Straßen durch das Verhalten der Radfahrer beeinträchtigt
werde. Abgeſehen von dem zu ſchnellen Fahren und dem Fahren ohne Laterne nach
Einbruch der Dunkelheit, ſowie unrichtigem Ausweichen und Ueberholen wurde oft=
mals
bemerkt, daß auf den Fahrrädern größere Gegenſtände mitgeführt werden,
welche entweder dem Fahrer den freien Ausblick benehmen oder ihn nötigen, die eine
Hand ſtändig zum Feſthalten des Gegenſtandes zu verwenden. Wenn auch geübte
Fahrer im allgemeinen ihr Rad mit einer Hand zu lenken vermögen, ſo kann an ver=
kehrsreichen
Punkten im Innern der Stadt auch der geübteſte Fahrer in Lagen kommen,
in welchen er zur Lenkung des Fahrrades beider Hände bedarf. Iſt ihm in ſolchen
Fällen der Gebrauch der einen Hand durch Feſthalten des Gegenſtandes benommen,
ſo iſt ein Unglücksfall oft unvermeidlich, was infolge der oft erheblichen Größe und
Schwere des mitgeführten Gegenſtandes ſowohl für den Radfahrer, als auch für das
Publikum um ſo gefährlicher werden und für den Radfahrer ſtrafrechtliche Verfolgung
wegen fahrläſſiger Körververletzung oder Tötung, ſowie bedeutende zivilrechtliche
Schadenserſatzpflichten zur Folge haben kann.
Wir ſehen uns demgemäß veranlaßt, erneut auf genaues Einhalten der für den
Radfahrverkehr beſtehenden Vorſchriften, insbeſondere auch in der Hinſicht hinzu=
weiſen
, daß jeder Radfahrer die gehörige Vorſicht bei Leitung ſeines Fahrrades
betrachtet. Dieſe würde derjenige außer Acht laſſen, der in verkehrsreichen Straßen
größere Gegenſtände, die den freien Ausblick oder den Gebrauch beider Hände zum
Lenken des Fahrrad verhindern, auf dem Rade mit ſich führt.
Unſere Beamten ſind zu ſcharfer Beaufſichtigung des Radfahrverkehrs und
energiſchem Einſchreiten bei Zuwiderhandlungen angewieſen.
Darmſtadt, den 2. November 1910.

Großherzogliches Polizeiamt.
Dr. Kranzbühler.

(21487so

Die Ergänzungswahl zur Stadtverordneten=Verſammlung.
Am Donnerstag, den 10. November ds. Js., von vormittags 9 Uhr bis
nachmittags 6 Uhr, ohne Unterbrechung, wird die Wahl von 18 Stadtverordneten
der Stadt Darmſtadt vorgenommen. Die Ermittelung des Wahlergebniſſes erfolgt
ſofort nach Schluß der Abſtimmung und wird, wenn nötig, am folgenden Tage fort=
geſetzt
und beendigt.
Nach § 2 des Wahlſtatuts vom 1. Juni 1883 und Beſchluß der Stadtverordneten=
Verſammlung vom 20. Oktober ds. Js. werden 20 Wahlbureaus errichtet. Denſelben
ſind die Wahlberechtigten in alphabetiſcher Ordnung ihrer Familiennamen, wie
folgt, zugeteilt:

I. Wahlbureau:
von Abel bis Bender.
II. Wahlbureau:
von Bendheim bis Bruſt.
III. Wahlbureau:
von Bub bis Dotzert.
IV. Wahlbureau:
von Drach bis Fiſch.
V. Wahlbureau:
von Fiſcher bis Genter.
VI. Wahlbureau:
von Geyer bis Hammer.
VII. Wahlbureau:
von Hanau bis Heyn.
VIII. Wahlbureau:
von Hickler bis Intrau.
Ix. Wahlbureau:
von Joachim bis Klotz.
X. Wahlbureau:
von Klucken bis Kumpf.

XI. Wahlbureau:
von Kuniſch bis Lyß.
XII. Wahlbureau:
von Maar bis Müller, Guſtav.
XIII. Wahlbureau:
von Müller, Heinrich bis Pfarr.
XIV. Wahlbureau:
von Pfeffer bis Rößler.
XV. Wahlbureau:
von Rötelmann bis Schießlinger.
XVI. Wahlbureau:
von Schiffel bis Schuchmann, Johannes.
XVII. Wahlbureau:
von Schuchmann, Karl bis Steffan.
XVIII. Wahlbureau:
von Steger bis Viel.
XIX. Wahlbureau:
von Vierheller bis Welcker.
K. Wahlbureau:
von Weller bis Zwingler.

Die ſämtlichen Wahlbureaus befinden ſich im Erdgeſchoß des Städtiſchen
Saalbaus und zwar:
Wahlbureau I-X im großen Saal,
Wahlbureau XI-XVI im Gartenſaal und
Wahlbureau XVII-KX in den Garderoberäumen.
Die einzelnen Wahlbureaus ſind durch Aufſchriften erkennbar gemacht.
Nach § 1 des erwähnten Statuts bildet die ganze Stadt einen Wahlbezirk.
Es findet Erſatzwahl ſtatt:
a) für folgende 14 im regelmäßigen Wechſel ausſcheidenden Herren auf
die Dauer von 9 Jahren;

7. Lautz, Ludwig, Fabrikant.
8. Müller, Karl, Ortsgerichtsvorſteher,
9. Nodnagel, Ludwig, Geh. Oberſchulrat,
11. Schneider, Heinrich, Landwirt.

1. Bangel, Robert, Finanzamtmann,
2. Bender, Dr. Hugo, Rechtsanwalt,
3. Bormet, Ferdinand, Rechnungsrat,
4. Heyd, Theodor, Dr. ing. Diplom=Ingenieur 10. Rockel, Karl, Privatier.
5. Hüfner, Adam Werkführer.
6. Kolb, Dr. Karl, Sanitätsrat,
b) für folgende, vor beendigter Dienſtzeit ausgeſchiedene Herren:
I. auf die Dauer von 9 Jahren:
1. Egenolf, Konrad, Kaufmann (durch ſeine Wahl zum Bürgermeiſterei=
Beigeordneten),
2. Müller, Karl Philipp, Keltereibeſitzer) durch Tod
ausgeſchieden
3. Reinemer, Karl, Direktor,
II. auf die Dauer von 6 Jahren:
1. Götz, Ludwig, Rechnungsrat (durch Amtsniederlegung ausgeſchieden),
2. Merck, Dr. Karl Emanuel, Fabrikant, ) durch Tod
½ ausgeſchieden
3. Vogt, Ludwig, Architekt,
III. Auf die Dauer von 3 Jahren:
Oſann, Dr., Arthur, Geh. Juſtizrat (durch Tod ausgeſchieden).
Die Amtszeit der zu Wählenden beginnt im Januar 1911.
Die Liſte des höchſtbeſteuerten Dritteils der Wählbaren liegt während der Wahl
auf einem beſonderen Tiſche im Wahllokale offen. Gemäß Art. 11, Abſ. 2 des Geſetzes
vom 13. Juni 1874, betr. die Städteordnung für das Großherzogtum Heſſen, muß die
Hälfte der Stadtverordneten dem höchſtbeſteuerten Dritteil der Wählbaren angehören.
Da von den im Amte verbleibenden 24 Stadtverordneten 23 dem höchſtbeſteuerten
Dritteile der Wählbaren angehören, muß von den neu zu Wählenden keiner dem höchſt=
beſteuerten
Dritteile angehören.
Die Wahlberechtigten werden eingeladen, an dem bezeichneten Tage innerhalb
der angegebenen Zeit ſich in den betreffenden Wahlbureaus perſönlich zur Abſtimmung
einzufinden.
Wer mit Entrichtung der im Juli d. Js. fällig geweſenen beiden erſten Ge=
meindeſtener
=Ziele im Rückſtand iſt, kann zur Abſtimmung nicht zugelaſſen werden.
Zahlung des Steuerrückſtandes nach Freitag, dem 5. November, iſt der Wahl=
kommiſſion
durch Vorzeigen des quittierten Steuerzettels nachzuweiſen.
Darmſtadt, den 3. November 1910.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
(21325dso
Dr. Gläſſing.

Verſteigerungs-Anzeige.
Freitag, den 11. November, nachmittags 3 Uhr,
verſteigere ich im Pfandlokal, Ludwigshöhſtraße 4, meiſtbietend gegen gleich bare
Zahlung:
1 Sofa, 1 Vertiko, 1 Schränkchen, 1 Teppich, 1 Schreibſekretär, 1 Diwan,
(216400f
1 Weißzeugſchrank und 1 Tiſch.
Die Verſteigerung findet vorausſichtlich beſtimmt ſtatt.
Darmſtadt, den 5. November 1910.
Nelle, Pfandmeiſter.

ſchw. Zibet)
tl. Kapolmatr., neu aufgearb., rot Drell,
Pelzgarnitur preisw. 31
16 Mk., Chaiſelongue 20 Mk.
Vikteriastrasse 26. verkaufen Georgenſtraße 1, 1. Stock. (*27401
*27404odo)

Wahl der Beiſitzer zum Kaufmannsgericht
Bei den am 1. und 2. d. Mts. ſtattgehabten Wahlen der Beiſitzer zum Kar
mannsgericht ſind nachſtehende Perſonen gewählt worden:
A. Aus dem Kreiſe der Handlungsgehilfen:
1. Liſte des Deutſchnationalen Handlungsgehilfenverbandes.
a) Joſeph Kauter mit 262 Stimmen, je) Kurt Gebhardt mit 252 Stimmen,
b) Ludwig Weimar mit 258 Stimmen, 1d) Gerhard Dahmen mit 252 Stimmen.
2. Liſte des Vereins für Handlungs=Kommis von 1858.
a) Hermann Ullrich mit 203 Stimmen, ſe) Albert Theuerjahr mit 200 Stimmen.
) Rudolf Nees mit 201 Stimmen,
3. Liſte des Kaufmänniſchen Vereins Darmſtadt.
a) Wilhelm Schnellbächer mit 153 Stimmen, b) Adolf Steinberg mit 141 Stimmen.
4. Liſte des Verbands deutſcher Handlungsgehilfen.
Karl Scherer mit 53 Stimmen.
Die unter 1 a, b, 2 a, b, 3 a und 4 bezeichneten Perſonen ſind als Hauptbei=
ſitzer
und die unter 1 c, d. 2 c und 3 b bezeichneten Perſonen als Hilfsbeiſitzer gewählt.
B. Aus dem Kreiſe der Kaufleute.
Liſte des Handelsvereins, Detailliſtenvereins, Kaufmänniſchen Vereins und
Kathol. kaufmänniſchen Vereins Conſtantia.

6. Wilhelm Kölb, Kaufmann mit 79 St.
2. Friedrich Becker, Kaufmann m. 81 St. 1 7. Karl Malzi, Weinhändler mit 78 St.
8. Friedrich Klockow, Kaufmann mit 77 St.
mit 81 St. 9. Adolf Kahn, Kaufmann mit 77 St.

1. Auguſt Jakobi, Fabrikant mit 81 St.
. Philipp Stein, Volksbankdirektor
4. Ludwig Fiſcher, Kohlenhändler mit 80 St.10. Joſeph Plaut, Kaufmann mit 74 St.
5. Ludwig Heißner, Fabrikant mit 80 St.
Die unter B 1 bis 6 bezeichneten Perſonen ſind als Hauptbeiſitzer und die unter
B 7 bis 10 bezeichneten Perſonen als Hilfsbeiſitzer gewählt.
Nach § 15 des Kaufmannsgerichts=Geſetzes ſind Beſchwerden gegen die Rechts=
gültigkeit
der Wahlen nur innerhalb eines Monats nach der Wahl zuläſſig und können
bei dem Kreisausſchuß hier vorgebracht werden.
Darmſtadt, den 3. November 1910.
(21600
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
J. V.: Müller.

Spülung des Waſſerrohrnetzes.
Im Laufe der nächſten Woche wird eine Spülung des Waſſerrohrnetzes in den
unten bezeichneten Stadtteilen vorgenommen, welche in der Zeit von 10 Uhr abends
bis 5 Uhr morgens eine zeitweiſe Unterbrechung der Waſſerabgabe, ſowie eine Trübung
des Waſſers mit ſich bringt; die Waſſerabnehmer werden deshalb gebeten, ſich vorher
mit Waſſer zu verſorgen.
Spülplan.
1. In der Nacht von Montag, den 7. zu Dienstag, den 8. November I. Js.
Spülbezirk V.
werden geſpült:
Derſelbe wird umfaßt von der Frankfurter=Straße (Herrngartenſeite), Odenwald=
bahn
, Dieburger= und Alexanderſtraße und enthält Theaterplatz und Muſeum.
Mitgeſpült werden die außerhalb liegenden Straßenteile: Kranichſteiner=Straße,
Hohlerweg, Dieburger=Straße und Ringſtraße (äußere), zwiſchen Dieburger=Straße und
Spülbezirk VIII.
Seiterswieſenweg.
Derſelbe liegt ſüdlich der Heinrichsſtraße bis zur Wilhelminen=, Karls= u. Beſſunger=
Straße und öſtlich der Ludwigshöhſtraße.
Mitgeſpült werden die Straßen der Mathildenhöhe.
2. In der Nacht von Mittwoch, den 9. zu Donnerstag, den 10. November
I. Js. wird geſpült:
Spülbezirk Ix.
Derſelbe liegt weſtlich des Straßenzuges Ludwigshöhſtraße, Beſſunger=, Karls= u.
Wilhelminenſtraße und wird von der Heinrichs= und Eſchollbrucker=Straße begrenzt.
Außerdem findet in der Nacht von Donnerstag, den 10. zu Freitag, den
11. November I. Js., eine Druckrohrſpülung ſtatt.
Darmſtadt, den 25. Oktober 1910.

Städtiſche Waſſerwerksverwaltung.
Rudolph.

(21461so

Darmstädter Sprach- und Handelsschule
Leiter:
Emil Held
Hieron. Schneider
10 Luisenstrasse 10.
Gründl. Unterricht in allen kaufmännischen Fächern, Stenographie,
Maschinenschreiben, fremden Sprachen. (20601a
Neue Abendkurse. Anmeldungen baldigst erwünscht.

Kanalbauarbeiten.
Die Erd= und Maurerarbeiten für die
Erbauung eines Hauptſammelkanals im
Nordgebiet, zuſammen etwa 680 m Kanal
im Profil von 2,30/1,96, 1,50/1,95 und
1,40/1,85 m i. L. ſollen verdungen werden.
Arbeitsbeſchreibungen und Bedingungen
liegen bei dem Tiefbauamte, Zimmer Nr. 7,
während der Dienſtſtunden zur Einſicht
offen. Auch werden dort die Angebotſcheine
abgegeben.
Angebote ſind bis
Donnerstag, den 17. November I. Js.,
vormittags 11 Uhr,
bei unterzeichneter Stelle einzureichen.
Darmſtadt, den 3. November 1910.
Tiefbauamt.
Keller.
(21495so

Bekanntmachung.
Donnerstag, den 24. November I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſollen die den Gaſtwirt Emil Häcker Ehe=
leuten
dahier zugeſchriebenen Immobilien:
Flur Nr. qm
V 7592/1000 111 Hofreite Kahlert=
ſtraße
,
V 7594/1000 134 Hofreite daſelbſt,
in unſerem Bureau zwangsweiſe verſteigert
werden.
(K148/10
Darmſtadt, den 21. Oktober 1910.
Großherzogliches Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (D20605,8

Bekauntmnachung.
Zahlungen für das 1. und 2. Ziel der
Gemeindeſteuern für das Rechnungsjahr
1910 werden am 10. lfd. Mts., dem Tag
der Ergänzungswahl zur Stadtverordneten=
verſammlung
, in der Zeit von vormittags
8½ bis nachmittags 5 Uhr ununter
brochen entgegengenommen. (21609om
Darmſtadt, den 3. November 1910.
Die Stadtkaſſe.
Koch.

Bekanntmachung.
Donnerstag, den 17. November I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Kaufmann Karl Henkelmann
Eheleuten dahier zugeſchriebene Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
22 57582/1000 446 Hofreite Emilſtraße
Nr. 25,
in unſerem Bureau zwangsweiſe verſteigert
(K100/10
werden.
Falls andere rechtliche Hinderniſſe nicht
entgegenſtehen, kann Genehmigung der Ver=
ſteigerung
auch dann erfolgen, wenn das
eingelegte Meiſtgebot die Schätzung nicht
erreicht.
Darmſtadt, den 24. Oktober 1910.
Großherzogliches Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (D21109,9

Getragene Herren=
und Damenkleider,
ich Haufe Schuhe, Wäſche. Zahle
die höchſten Preiſe. Poſtk. gen.
(21388a
J. Schnitzer, Trödler, Schloßgaſſe 26

Leuer Jackett=Anzug billig zu verkaufen
N *27384)
Hachſtraße 26. part.

Das in der Gemarkung Darmſtadt, Flur 27,
Nr. 899/1092¾/0, an der Frankfurter=
ſtraße
gelegene Grundſtück (früher Link’ſche
Seilerei) mit einer Flächengröße von 40 ar
nebſt dem daraufſtehenden Gebäude zur
Flächengröße von 72 qm, ſoll am
Donnerstag, den 10. November,
nachmittags 3 Uhr,
meiſtbietend an Ort und Stelle auf unbe=
ſtimmte
Zeit verpachtet werden. Es kann
auch eine Verpachtung des Gebäudes ohne
das anſchließende Gelände ſtattfinden.
Die näheren Bedingungen liegen bei
der Bm. 58 in Darmſtadt (Feldbergſtraße)
zur Einſicht offen.
(21642
Betriebs=Inſpektion 1.

gut erhaltene ältere
Zu verkaufen
eiſerne
(*27385oi
Gefen Gervinusſtraße 61, 1. St.
Konzert=Zither
nur prima Inſtrument, zu kaufen
geſucht. Off. mit Preisangabe unt.
H 3 an die Exp. d. Bl. erb. (21612of

Ein braunes Tuchkostüm
ein ſchwarz=weißer Mantel u. einige Bluſen,
alles gut erhalten, preiswert zu verkaufen
Näheres in der Expedition. (21491so

(Winter=
Guterhaltene Herrenkleiderüberzieh.,
Anzüge) und einige Damenkleider billig
zu verkaufen. Näheres Expedition. (*27402
Ausgekämmte Haare
werden zu höchſtem Preiſe angekauft
Mühlſtraße 58. 3. St. (21134a

[ ][  ][ ]

Neue Kostüme für Herbst u. Winter
25
Neué Maltel lur Herbst u. Willter

Die Firma HERMANN BMRGER ist als Spezialhaus für Damenmäntel und Kostüme und infolge der Selbstfabrikation der meisten von ihr geführten
Artikel, sowie durch direkten Bar-Einkauf in den grössten Fabriken in der Lage, alle Waren zu sehr billigen Preisen verkaufen zu können. Die
Firma legt besonderen Wert auf ausserordentliche Solidität ihrer Artikel und trägt bezüglich der Auswahl allen Geschmacksrichtungen Rechnung.

Ein Diwan, ein Sofa billg abzugeden
20584a)
Menger, Bleichſtraße 1.
Unreiner Teint
Wo mediziniſche Mittel jahrelang ver=
ſagten
, hat
Obermeyers Herba=Seife
geholfen.
Dies bezeugt G. Borgel in Pan Baſſes
Pyrenses indem er ſchreibt:
Die mir geſandten Probeſtücke Ihrer
berühmten Herba=Seife, welche ich gegen
meinen unreinen Geſichtsteint anwendete,
hat ſich zu meinem beſten Erfolg bewährt.
Die bis jetzt ſeit 2 Jahren genommenen med.
Mittel erzeugten keinen Rückgang. Ich bin
froh, daß ich Ihre berühmte Herba=Seife
in Anſpruch genommen habe.
Obermeyers Herba=Seife zu haben i. allen
Apoth., Drog., Parfüm. à Stck. 50 Pfg.,
30% ſtärker. Präp. Mk. 1.
(19083ff

Mark

und Mark

Nummer 261.

Hoflieferant
Ecke Marktpassage

Extra-Angebot:
Besonders vorteilhaft!

3 Serien
Damen-Jaghemden
aus la els. Renforcé mit echt. Madeira-Passe
oder reicher schweizer Stickerei-Garnitur mit
Banddurchzug.
n3.25, 2.75. 2.25

2 Serien
elegante, moderne, rumpfgestickte
Damen-laghemden
aus bestem els. Renforcé und Wäsche-Batist

Chem. Reinigung

aller Garderoben.
Tibet-Boas, Teppiche ctc.
Gardinen-Wascherei
Färberei
aller Gewebe spez. seid. Kleider.
K. Mack
Telefon 708. (20921a) Schulstr. 13.

Wer iſt Caſſa=Abnehmer für unſere
beiden (1 kl. u. 1 größ.)
(C13469,34
Kassenschränke?
Offerten unter H 257 an die Exp. ds. Bl.

Junge Ferkel (abgewöhnh) zu verkaufen
a *27167fso)
Kaſtanien=Allee 71.

Gebr. Wartensleben
Telefon Nr. 8 Ober-Ramstadt Telefon Nr. 8
Moderne Herrenschneiderei
Solide Stoffe
Mässige Preise

Verlangen Sie Muster und Besuch

(11094a

Kilt!
Alle Einzelteile für
Puppen.
Spezialität: Anferti=
gung
von Puppen=
Perücken
(B20554
V. Dörsam
Beſſungerſtraße 37.

(220h

Antie Mölker.
Roman von K. v. d. Eider.
(Nachdrucksverboten.)
I.
Antje Möller
Stieg op de Löller (Leiter).
De Löller bricht
Mit Antje Möller.
Zwei flachshaarige, kleine Mädchen ſangen den
Kinderreim in den ſonnenklaren Maitag hinein. Sie
hatten ſich gegenſeitig die Arme um den Nacken gelegt
und hüpften halb, halb gingen ſie auf ihren klappern=
den
hölzernen Kloppen den Landweg hinter der
Dorfſtraße entlang. Dabei trällerten ſie gedankenlos
den Reim, aus Freude an dem Singen und Blühen um
ſie herum, aus Freude an ihren eigenen zwitſchernden
Stimmchen.
An der Wegeskante im Graſe, wo rotweiße Marien=
blümchen
und goldgelbe Butterblumen hinter hohen
Halmen kauerten, ſaß ein junges Mädchen mit hellem
Haar und klugen, braunen Horchaugen. Man konnte
es wohl im erſten Augenblick für ein Stadtfräulein
halten, wenn man das feingeſchnittene Geſichtchen und
die zierliche Figur ſch, aber das einfache dunkelblaue
Druckkleid und das Bündel, das, in ein großes rot=
baumwollenes
Taſchentuch geknotet, neben ihm im Graſe
lag, deutrten darauf hin, daß es ein Dienſtmädchen

war, das heute am Altmaiziehtage (12. Mai) in den
Dienſt zog.
Als ſie die Kinder ſingen hörte, glitt ein Lächeln
über ihr rundes Geſichtchen. Antje Möller! Das war
ſie ja ſelber; gerade ſo hieß ſie.
Antje Möller ſtieg up de Löller!
Das klang faſt wie eine Vorbedeutung. Hatte nicht
heute früh ihr Ohm, der alte Drees Möller, geſagt,
Antje, Antje, Du verſteigſt Dich gar zu hoch. Vordem
warſt Du bloß Kinderdeern bei dem Oſtenfelder Schul=
meiſter
bei zehn Taler Lohn und ne Handvoll abge=
legtes
Zeug. Jetzt kommſt Du als Binnerdeern nach
Rethwiſchhof in Bredwort, kriegſt vierzig Taler und
noch acht Ellen Beiderwand und ein Fach Wolle dazu.
Du kommſt auf einen von den fetten Marſchhöfen, wo
ſie die Kartoffeln in Butter umkehren und wo ſie vor
einem Schweinskopf nicht mehr Reſpekt haben, daß ſie
Du zu ihm ſagen. Deern, Deern, komm’ mir nicht=
zu
Fall.
Antje hatte den Alten ausgelacht. Sie konnte ſo hell
lachen, und ihre Zähne ſahen dabei aus wie zwei kleine,
weiße Perlreihen.
Ach, Dreesohm, hatte ſie geſagt, ſo hoch verſteig’ ich
mich nicht, daß ich fallen könnte, und wenn auch ich
bin ja klein kleine Leute fallen nicht ſchwer.
Dies alles ging Antte Möller durch den Sinn, als
ſie ihren Namen hörte. Einen Augenblick ſaß ſie ſtill
und ſah den Kindern nach. Ihre Gedanken ſpannen
einen leichten Faden von der Vergangenheit durch die
Gegenwart in die Zukunft hinein, Und als ſie an einem

Eeimten Prnſt angebmnet bereh. ei fe h. bars
ab und ſprang auf.
Sie klopfte ſich die Grashalme von ihrem Kleide
und ſtrich das helle Kraushaar, das ſich hinter den Ohren
hervorgedrängt hatte, zurück. Nun nahm ſie ihr Bün=
del
zur Hand und ſah auf die weiß=ſchwarzen Bilder
nieder, die dem roten Grunde des Taſchentuches auf=
gedruckt
waren.
Das Taſchentuch, es war eins von Dreesohms
neueſten, ähnelte einem Neu=Ruppiner Bilderbogen:
es zeigte in verſchiedenen Medaillons die Lebensge=
ſchichte
einer jungen Königstochter.
Antje wandte das Bündel und lächelte: ja, die
Königstochter bekam ihren Prinzen. Ob Antje wohl
im Stillen einen Vergleich auf ihr eigenes Leben zog?
Ihre Augen blickten ſo ſehnſuchts= und hoffnungsvoll
in die Welt, als warteten ſie ſchier darauf, daß ihnen
das große Glück entgegengeflogen kam, als hielten ſie
es gar nicht für unmöglich, daß an der nächſten Weg=
biegung
ein ſchöner Prinz wartend ſtand.
Jetzt bekam es klein Antje aber mit der Eile, mit
kleinen, aber flinken Schritten eilte ſie vorwärts. Nur
einmal hielt ſie inne, um drei Marienblümchen zu
pflücken. Dieſe ſteckte ſie nicht etwa ins Knopfloch
nein, ſie ſie auf, obgleich ſie würgten und greulich
ſchmeckten. Die Nachbarin daheim in Immſtedt hatte
ihr eingeſchärft, ſie müſſe, wenn ſie in die Marſch käme,
am erſten Tage ſtillſchweigend drei Marienblümchen
eſſen, dann bekäme ſie ſicher nicht das bösartige Marſch=
fieber
, das jeden anfiele, der von der hohen Geeſt hier=

[ ][  ][ ]

Mäselet
aagee

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 7. November 1910.

Seite 13.

wegen Gesche
bis 27. Dezember.

Männerschürzen, Frauen- und Kinder-
schürzen
, Arbeiterblusen, Schriftsetzer-
kittel
, Metzger- u. Malerkittel, Hemden
für Sport u. täglichen Gebrauch, weiss
und farbig, Unterbeinkleider, Unter-
jacken
in Baumwolle, Halb- und Rein-
wolle
, Normal- und Reformhemden für
Männer, Frauen u. Kinder, Gestrickte
Jagdwesten, Hals- und Umhängetücher,
Herrnkragen, Manscheiten, Schlipse,
Socken, Strümpfe, Faust- und Finger-
Handschuhe, Salbandschuhe, Nacht-
jacken
für Frauen, Turntrikots, Leib-
binden
, Hosenträger, Unterröcke, Kor-
setten
, Untertaillen, Korsettschoner.

Blaue Kleider
Gummiwäsche
Näh- u. Häckelgarn
Watten
Kurzwaren
Zwirn, Schnur, Knöpfe
Stickereien
Erstlings-
Ausstattungen
Graues Leinen
Schechter, Stoff.

Vorhangcrépe, Bett- und Schürzenstoffe,
Damast, Bettdrelle, Barchend, Tisch-
tücher
, Handtücher, Servietten, Leinen
und Malbleinen, Baumwolltuch, Stroh-
säcke
, Tischdecken, Bett-Teppiche,
Kuh- u. Pferdedecken, Bettücher, fertige
Bezüge, Bettdecken, Futter, Zanella,
Cretonne, Madapolam, Oxford, Biber,
Kattune, Druckzeug, Bettkattune=
Schürzen- und Kleiderkattune, Lustre,
Gardinenstoffe, Roleauxköper, Kleider-
satin
, Unterrockstoffe u. Hosenzeng-Reste.

Marktstr.

S. AUtenf

Marktstr.

Herren- und Knaben-
Garderoben
Manufakturwaren
Möbel aller Art
alles auf
(21285a
bequeme Teilzahlung!
. Teicker
Möbelwaren=Kredithaus
Kranichsteinerstrasse 35

Moht
1
iſt als Volksheilmittel längſt bekannt, in=
dem
er das Blut reinigt und neue friſche
Säfte bildet. Trotz bedeutendem Aufſchlag
verkaufe denſelben in garant. reiner Quali=
tät
zu 1 Mk. pro ½ kg ohne Glas (18123a
G. Both, Dieburgerſtr. 9.

(21139a

Kur für Lamen!
Die beſte Haarpflege
iſt bekanntlich die
Amerkanische
Kopfwäsche
für Damen gegen Haar=
ausfall
und Schuppen=
bildung
, wenn dieſelbe
fachgemäß gehandhabt
wird. Die Kopfwäſche
kann zu jeder Jahres=
zeit
u. jeder Temperatur
vorgenommen werden,
da Erkältung ausgeſchloſſen, Kopfſchmerz
unmöglich iſt.
Mein Verfahren
Trockne mit Luft
vermittelſt meiner neuen
Central=Trocken-Anlage
iſt allgemein als beſtens anerkannt u. beliebt
Preis Mark 1.25 inkl. Friſur.
Damen=Friſieren 75 Pfg. (17871a
Kinder=Kopfwäſche 75 Pfg.
Spezialität: Pixavon-Waschungen.
Fr. Tillmann
Elisabethenstrasse 21.
NB. Anfertigung aller moderner
Haararbeiten zu billigſten Preiſen.

Real
für Zigarrengeſchäft, 270 cm auf 220 cm,
(19156a
zu verkaufen
Grafenſtraße 23½, im Laden.

Überall

zu haben

Dr. Dralles
Malame.

Schönheits-Mittel ersten Ranges.
Fettfrei!

Brüssel
1910
Grand
Prix

Olyeerin
Malattine-Hautcréme und Honig- Gelee.
Von wunderbarer Wirkung gegen spröde und auf-
gesprungene
Haut. Hilft sofort und macht die
Haut sammetweich.
Unentbehrlich auf Gebirgs- und Seereisen.
In Veilchen: Tube 60 Pfennig und 1. Mark.
Malattine-Seife mit Glyeerin und Honig.
Die mildeste Toiletteseife
Malattine-Puder mit Glyeerin und Honig.
Unübertroffen für den täglichen Gebrauch.
Unsichtbar.
Malattine-Rasierseife m. Glyverin u. Honig
Beste Rasierseife für Rasierapparate.

Dekdtiercn

aller Damen-
und
Herren-Stoffe

her käme. Die Nachbarin war eine kluge, die mußte
es wiſſen.
Das Dorf Bredwort lag ſchon hinter ihr; bald
mußte ſie an Rethwiſchhof gelangen. Dort waren ſchon
die Rethwieſen. Ein leiſer Hauch glitt darüber hin
und ließ die ſchlanken Stile ſich neigen und wiegen.
Durch die Wieſen ging ein Rauſchen und Singen wie
von Tauſenden feiner Geiſterſtimmen. Sie horchte auf
den Geſang und blickte umher.
Es wurde Abend. Die Sonne brannte nicht mehr.
Groß und rotgelb glänzte ſie am weſtlichen Himmel, wie
ein rieſengroßes Goldſtück. Ein Abglanz des goldigen
Schimmers lag auf dem grünen Fennen. In einem
Hauſe ſpiegelte ſich die Abendſonne in ihrem ganzen
Glanze; es ſah aus, als wären die Fenſter aus glühen=
dem
Eiſen, in der Eſſe geſchmiedet. Das war ſicher
Rethwiſchhof.
Wir warm muß es drinnen ſein, dachte Antje,
warm und hell.
Ein wundergutes Gefühl überkam ſie, das ihre
Augen glänzen und ihr Herz höher ſchlagen machte.
Das Haus drüben lockte und winkte wie das Königs=
ſchloß
im Märchen, und ſie beſchleunigte ihre Schritte.
Hoch über ihr in der Luft trillerte eine Lerche. Sie
hätte mit ihr jubeln mögen. Im Graben quakten die
Fröſche und hielten Zwiegeſpräche. Sie ſchienen ſich
zu ſtreiten und wieder einig zu werden. Antje Möller
nickte verſtändnisinnig mit glücklichem Kinderlächeln
in ſich hinein. Sie kletterte um das Hecktor und ging

(C21180,36
Frau B. Dietsch
(133a) 18 Ernst-Ludwigstrasse 18.
die Trifft entlang, wo ſie die Zweige der Silberweiden
ſtreifte, wo die Mücken um verſtaubte Sanddiſteln
ſpielten. Die Ochſen und Kühe, die ſeitwärts graſten,
blickten kauend auf, und manchmal war es ihr, als
wollten die breitſtirnigen Rinder ihr den Weg ver=
treten
; aber dann ſtampften ſie ſchwerfällig weiter.
Jetzt lag das Haus dicht vor ihr, das große, rot=
ſteinerne
Herrenhaus auf hoher, blumenbeſprenkelter
Werfte, daneben der mächtige, wohlgepflegte Dünger=
haufen
und weiter nach hinten die Ställe und Scheu=
nen
. Die Fenſter waren blitzblank, aber jetzt glänzten
ſie dunkel. Der Sonnenſchein, der vorhin über Reth=
wiſchhof
ausgegoſſen lag, war verſchwunden.
Hell blinkte ihr die Meſſingklinke der Haustür ent=
gegen
. Antje ſchritt über den ſchmalen Steg der Graft
(Hofgraben). Sie blickte hinunter: ſtill und dunkel ſah
das Waſſer aus. Wie tief es wohl war? Ein Schauer
überlief das kleine Mädchen, es ſchaute zu den hohen
Silberpappeln empor, die im Abendwinde flüſterten.
Ganz ehrfurchtsvoll wurde ihm zu Mute.
Nein, ſie wagte es nicht, die Meſſingklinke anzu=
faſſen
. Vielleicht war ſie von Gold; man konnte nicht
wiſſen. Lieber wollte ſie ums Haus herumlaufen, bis
ſie eine Hintertür fand; es ſchickte ſich nicht für ein
neu eintretendes Dienſtmädchen, in die feinverzierte
Vordertür einzutreten.
Sie lief ums Haus. Da war ſchon eine Hoftür;
aber aus der Türluke guckte ein großgewachſener Knecht
mit der kurzen Pfeife im Munde und ſah ſchiefmäulig

11
Wer dort?
hier V. Schatz, Kleine Bachgaſſe 1.
Ich komme ſofort und zahle Ihnen für
getragene Kleider, Schuhe, Wäſche, Zahn=
gebiſſe
, alte Federbetten ſtets die höchſten
Preiſe. Telephon Nr. 1924. Poſtkarte genügt.
Jagdzimmer-Dekoration
beſtehend in antiken Waffen, Rehgehörnen,
Hirſchgeweihen, ſowie prachtvolle, reich ge=
ſchnitzte
Eichenholz=Möbel ſehr, preiswert zu
verkaufen. Adreſſe in der Expedition ds.
Bl. zu erfragen.
(21138t
Mati
per Gramm Mk. 3.40 zahlt (*27184fomf
A. Kurtz, Pädagogſtraße 2.
Sehr gut erhaltener Smoking für
ſchlancke Figur abzugeben. Anzuſehen
vormittags bis 11 Uhr.
(*27151fo
Näheres in der Expedition ds. Blattes.
Schöne Damen
tragen echten Schildpatt=Haarſchmuck.
Beliebter Geſchenk=Artikel (Fabrikpreis).
Muſter und Anfragen unter H 1 an
die Expedition ds. Bl.
(*27253so
Tappenkiiin
Puppenperücken, Köpfe, Bälge, Arme,
Hände uſw. bei billigſter Berechnung.
Maaikeien
ſowie alle Haararbeiten, ſorgfältige, fach=
gemäße
Ausführung (21286a
D. Sehwik
Alexanderstrasse 17.

Isereron.

Sonnenfalten-,
Hoch- und Flachplisso
Gaufrieren, Auszacken

und ein wenig ſpöttiſch von oben herab auf die kleine
Antje.
Antje trat die Hitze ins Geſicht. Guten Abend, ſagte
ſie und ging weiter. Sie kam ans Eimerreck, auf dem
die großen grüngeſtrichenen Milchbütten lehnten; da
war auch die Küchentür.
Sie ſtand offen, und Antje trat zaghaft näher. Auf
dem Herde lohte ein helles Torffeuer, und in dem
ſchwarzen Grapen auf dem Dreibein brutzelte die
Abendgrütze für die Leute. Ein großes, breitgebautes
Mädchen war eben dabei, die gewärmte Kälbermilch in
einen Eimer zu gießen.
Guten Abend, ſagte Antje.
Aha! Ein Paar kritiſche Augen muſterten den
Ankömmling.
Du biſt wohl die neue Binnerdeern?
Antje nickte.
Biſt helliſch klein. Von Dir werde ich wohl nicht
viel Hilfe haben. Na, komm’ man rein; die Frau iſt
in der Stube.
Antje reckte ſich und folgte ihr. Daß ſie klein war,
wußte ſie längſt; es war ihr größter Kummer. Aber
es war ihr noch niemals zum Vorwurf gemacht wor=
den
, im Gegenteil, daheim in Immſtedt hatten die Leute
ſie immer ſehr gern gehabt und wenn ſie ſagten: die
Lüttje, ſo hatte das lieb und nett geklungen. Hier da=
gegen
ſchien nur das Große zu gelten, und die Men=
ſchen
waren alle ſo groß, daß ſie ſich ganz unbedeutend
vorkam.
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Eliſabethenſtr. 36 1 Roßdörferſtraße 12
ar mstaut.
Wenckſtraße 32
Liebigſtraße 4
Arheilgen . Eberstadt. Pfungstadt.

Seite 14.


Setet it. ret Zct
ff. u. H 9 a. d. Exped. ds. Bl. (*27299soi
zum Friſieren werden an=
Damen genommen (*27360som
Näheres Ruthsſtraße 3, 1. Stock r.
durchaus perf. in
Büglerin, feiner Herren= u.
Damenwäſche, ſucht für nachmittags Be=
ſchäftigung
in und außer dem Hauſe
*27279soi) Lichtenbergſtr. 25, III. rechts.
*27427) Reinl. Frau ſ. Laufd. 11½ St.
auch aushilfsw., Teichhausſtr. 2½, 2 Tr. r
*27422) Frau ſucht Laufſtelle nachmittags
2 St. Dieburgerſtr. 42, Seitenb. 1. St.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 7, November 1910.

ſucht Laufdienſt
Junge ſaubere Frau Heinheimerſtr. 82,
Hinterhaus 2. Stock links.
(*27416
*27415) Mehr. Alleinmädch., d. koch. u.
nicht koch. k., ſuch. ſof. u. 15. Nov. Stelle
Eliſabeth Frank, gewerbsmäßige Stellen=
vermittlerin
, Saalbauſtraße 33.
*27391) Beſſ. Mädchen ſ. Stellung z. ſelbſt.
Führung eines Haush. bei einz. Herrn.
Offerten unter H 35 an die Expedition.
27405) Fräulein ſucht tagsüber Stellung
in gutem Hauſe, gleich welch. Art. auch zur
Erledigung ſchriftl. Arbeiten. Offerten unter
H 43 an die Expedition ds. Bl.

*27407s0) Saub. anſt. Mädch., ſ. Laufd.
O. morg. bis nach d. Spülen Mollerſtr. 29, pt.

*27411so) Junger, verh. Mann empfiehlt
ſich in ſeiner freien Zeit zum Einkaſſieren von
Quittungen, Teilzahlungen uſw. Offerten
unter H 39 an die Expedition erbeten.
*27426) Ein properer 12 Jahre alter
Junge wünſcht nach der Schulzeit Aus=
läuferſtelle
Obergaſſe 18, I.

e

Hieſ. altrenammiert. Detailgeſchäft
ſucht Damen, die gegen hohe Proviſion den
Verkauf von Bekleidungsartikel in Bekannten=
kreiſen
übernehmen. Gefl. Offerten unter
G 28 an die Expd. Kein Riſiko! (21213a

*26939so) Jüng. Arbeiterin für Damen=
ſchneiderei
geſucht.
Zu erfragen in der Expedition d. Bl.

Reinliche junge Mädchen
für leichte Arbeit per ſofort geſucht
Wehner & Fahr
Schokoladenfabrik. (21552so

Mädchen
für leichte Handarbeit geſucht. (21614omf
Filetwarenfabrik,
Liebigſtraße 25.

*27248soim) Mädchen können das Weiß=
zeugnähen
erlernen; daſelbſt wird auch
Weißzeug und Flickarbeit angenommen.
Näheres Ruthsſtraße 9, 1. St.

27251so) Auf ſofort ein Mädchen ge=
ſucht
Waldſtraße 55.

Eain älteres Mädchen
welches bürgerlich kochen kann, und gute
Zeugniſſe beſitzt, ſofort geſucht (21502a
Röth, Eliſabethenſtraße 22.
*27410) Ein Mädchen, das kochen kann,
zu 2 Leuten geſucht Susanna Röse, ge=
werbsmäßige
Stellenverm., Karlſtrr. 53, pt.

nfolge der schlechten Ernte sind die
Preise aller Weine bedeutend ge-
stiegen
. Auf Grund grosser
rechtzeitiger Einkäufe offerſeren wir
(21651
noch sehr preiswürdig:
WVolsser Tischwem
per Flaſche mit Glas
Oppchhoimer
per Flaſche mit Glas
Nackenhoter
per Flaſche mit Glas
Pf.
Rotel Tschwein
naturrein Flaſche mit Glas .

naturreiner Rotwein Flaſche mit Glas
IBhle, dirckt import. Bordeauxwein,
naturrein Flaſche mit Glas.

Schaue & Fungtase

Kirchſtraße 10:: Telephon 1363
Beſſungerſtraße 86 1 Magdalenenſtr. 23

*27389) Aelt., unabh. Mädchen od. Frau
tagsüber geſucht. Nur ſolche mit guten
Zeugniſſen wollen ſich melden bei Möller,
Mühlſtraße 11.

2162oim) Bei gutem Lohn ordentliches,
ſauberes
Mädchen
für leichte Arbeit geſucht. Näh. Expedition.

*27429) Tüchtiges Mädchen, welches etwas
kochen kann und Hausarbeit verſteht, von
kleiner Familie per 15. November geſucht.
Vorzuſtellen von 2 Uhr ab Eliſabethen=
ſtraße
10, Hof, 1. Tr.

*27334s0) Junger Möbelſchreiner ſof. ge=
ſucht
, der auch im Polieren bewandert iſt
Große Kaplaneigaſſe 14, A. Hieronymus.

Nummer 261.
In ein bieſiges Kohengeſchäftwird zum
alsbaldigen Eintritt ein
(21588so
nenite
Kaufmann
gert
geſucht. Stenotypiſt bevorzugt. Offerten
unter H 27 an die Expedition ds. Bl.
Inhasso zu vergeben
für Darmſtadt von großer deutſcher Ge=
ſellſchaft
. Reflektanten ſind verpflichtet,
neue Verſicherungs=Abſchlüſſe zu erwerben.
Offerten unter D. L. 1838 befördert
Daube & Co., Frankfurt a. M. (21143D
Zeichner! (21455so
Ein tüchtiger jüngerer Maſchinenzeichner
wird zum baldigſten Antritt geſucht. Die
Einſtellung geſchieht auf Privatdienſtvertrag.
Bewerbungsgeſuche ſind mit Zeugnisab=
ſchriften
und Angabe der Beſoldungsan=
ſprüche
, Ausbildung und Alter einzureichen.
Städt. Elektrizitätswerksverwaltung Darmſtadt.
Meyer.

Chauffeur

(21633
TM

Wer Luſt hat, Automobilführer zu werden,
um nach Ausbildung angenehme, gutbezahlte
Stellung zu erlangen, verlange Proſpekt vom.
Automobilwerk Hugo Maye
Halle a. S., Merſeburgerſtr. 95a.

nach München tüchtige, ſelb=
Geſucht ſtändige
(21629M

Hohteare
für große Waagen, tüchtige Kupferſchmiede
für Treib= u. Rohrarbeiten, ſowie mehrere
Merallichtener.
Offerten mit Zeugnisabſchriften unter
M. B. 7184 an Rudolf Mosse,
München.

*27408) Junger zweiter Hausburſche
geſucht
G. J. Hess Nachfolger,
Neckarſtraße 18.

Tüchtigen Wirt
für Wirtſchaft in lebhaftem Stadtteil per
ſofort geſucht. Angebote unter H 45 an
die Exped. ds. Blattes.
(21653oim

Tüchtige Wirtsleute
per ſofort als Zäpfer geſucht. Anerb. u.
H 5 an die Expedition d. Bl. (B21503

Wichtig für Damen
die unter Haarausfall und Schuppenbildung
zu leiden haben, ſind die Erfolge, die bei
Gebrauch von Brenneſſel=Waſſer mit
Birkenzuſatz erzielt werden. Allein echt
bei: Gg. Frank, Eliſabethenſtraße 9,
Telephon 886. Spezialgeſchäft für Damen,
Shampooing nach engl. Syſtem, elektriſche
Haartrocken=Anlage. Anfertigung eleganter
Haararbeiten, Haarfärben und Haarbleichen
in jeder gewünſchten Nüance. (7866a

Fürberer Tebr. Rover, Pranktarr uert Darmstauf
Darmstadt: Ernst-Ludwigstrasse 12 Rheinstrasse 23.

u. Färberei Hugo Luckner
(Inh. Gebr. Röver), Leipzig
chemische Waschanstalten
ca. 1000 Angestellte, (15553a

Kurſe vom 5. November 1910.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

Bf. Staatspapiere.
4 Dſche. Reichsſchatzanw.
3½ Deutſche Reichsanl. .
do.
3
4 Preuß. Schatzanweiſg.
3½ do. Conſols . . . .
5 do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 100,90
do.
3½
5o.
* Bayr. Eiſenbahnanl. .
do.
8½
do.
3
4 Hamburger Staatsanl.
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 100,40
do.
½

In Proz.
99,80
82,60
63,80
99.80
92,60
83,70
93,50
100,90
91,40
82,00
101,25
91,10
80,20
92,70

do.
Sächſiſche Rente . . . 82,90
4 Württembergerv. 1907 101,50
do.
3½
5 Bulgaren=Tabak=Anl.
4¾ Griechen v. 1887 . . 46,90
3¾ Italiener Rente . . .
4½ Oeſterr. Silberrente . 96,90
A do. Goldrente . . 98,20
4 do. einheitl. Rente 93,10
3 Portug. unif. Serie I 63,50
3 do. uniſ. Ser. III 66,10
3 do. Spezial. 12,00
5 Numänier v. 1903 . .
4 do. v. 1890 . .
4 do. v. 1905 . . 90,80
4 Roſſen v. 1880 a. V 92.00

InProz.
3f.
4 Ruſſen v. 1902 5. 92,70
4½ do. v. 1905 . . . . 100,20
91,70
3½ Schweden . . .
4 Serbier amort. v. 1895 82,70
4 Türk. Admin. v. 1903 86,20
do. unifiz. v. 1903 92,30
4 Ungar. Goldrente . . 93,30
do. Staatsrente . 91,70
5 Argentinier . . . . . . 101,50
90,50
do.
4½ Chile Gold=Anleihe
5 Chineſ. Staatsanleihe 101,80
do.
4½
. 97,40
4½ Japaner .
5 Innere Mexikaner . . 99,80
67,60
do.
4 Gold=Mexikan. v. 1904
5. Gold=Mexikaner . . .
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
4 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
.
144,50
4 Nordd. Lloyd . . . . 108,00
4 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 122,00
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
4 Angtol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408
4 Baltimore & Ohio . . 110,25
4 Gotthardbahn . . . .

In Proz.
4 Oeſt.=Ungar. Staatsb. 160½
4 Oeſt. Südbhn. (Lomb.) 228/
4 Pennſylvania R. R. 132,00
Induſtrie=Aktien.
Mainzer Aktienbrauerei . 201,00
Werger=Brauerei
73,50
Bad. Anil.=u. Sodafabrik 498,00
Fabrik Griesheim .
. 277,00
Farbwerk Höchſt . . . . . 536,60
Verein chem. Fabriken
Mannheits.
Lahmeyer .
117,20
Schuckert .
.155,60
Siemens & Halske
.243,50
Adlerfahrradwerke Kleyer 422,00
Bochumer Bb. u. Guß .
Gelſenkirchen .
Harpener .
Phönix, Bergb. u. Hütten=
betrieb
.
. . 241,25
Prioritäts=
Obligationen.
8½ Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 89,30
4 Pfälzer Prt. . . . . . 100,50
do.
92,40
3½
4 Eliſabeth., ſteuerpfl. . 99,50
4 do. ſteuerfrei . 98,00
5 Oeſterr. Staatsbahn. 105,50
do.
93,10
4
do. alte . 81,50
3
5 Oeſterr. Südbahn . . 98,90
do.
do.
20.
Raab=Oedenburger . . 75,30
Ruſſ. Südweſt. . . . 89,75
4 Kronpr. Radolfbahn . 98,30

3).

In Vrot
73,10

2¼0 Livorneſet . .
79,50
4 Miſſouri=Paciſie
4 Bagdadbahn Mk. 408
5 Anatoliſche Eiſenb. . .
5 Tehuantepec . . . . . 101,50
Bank=Aktien.
Berliner Handelsgeſ. 168,40
Darmſtädter Bank 131,00
.256,30
Deutſche Bank .
Deutſche Vereinsbank 126,70
Diskonto=Geſellſchaft . 191,90
162,50
Dresdner Bank.
Mitteldeut. Kreditbk. 121,00
Nationalbk. f. Deutſchl. 129,70
.105,00
Pfälzer Bank .
143,50
Reichsbank .
Rhein. Kredit=Bank 138,90
4 Wiener Bank=Verein 139,70
Pfandbriefe.
4 Frankft. Hypoth.=Bank
S. 16 und 17 100,00
do. S. 19. . . . . 92,00
4 Frkf. Hyp.=Kreditverein
S. 1519, 2126 99,40
4 Hamb.=Hypoth.=Bank 100,00
90,50
do.
3½
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bk. 101,40
91,90
do.
3½
Meining. Hyp.=Bank 100,60
do.
90,75
4 Rhein. Hypoth.=Bank
(unk. 1917) 100,00
de. (unk. 1914) 90,60
½
4 Sädd. Bd.=Kr.=Br.=Pf. 100,30
89,
91,90
3½

InProz.
Bt.
Städte=
Obligationen
4 Darmſtadt .
3½ do.
re 101,10
4 Frankfurt.
96,00
3½ do.
4 Gießen
3½ do.
99,60
4 Heidelberg
90,70
3½ do.
100,20
4 Karlsruhe
90,20
3½ do.
4 Magdeburg.
3½ do.
4 Mainz
3½ do.
4 Mannheim
3½ do.
101,10
4 München
80,80
3½ Nauheim
99,80
4 Nürnberg
3½ do.
4 Offenbach.
3½ do.
4 Wiesbaden .
. 101,50
3½ do.
92,10
4 Worms.
3½ do.
4 Liſſaboner v. 1886.
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche Tlr. 100 161,60
3½ Cöln=Mindner 100 134,40
5 Donau=Reg. fl. 100
3 Holl. Komm. * 100

Bf.
3 Madrider Fs. 100
4 Meining. Pr.= Pfand=
brieſe
.
.136,50
4 Oeſterr. 1860er Loſe 175,00
3. Oldenburger .
2½ Raab=Grazer fl. 150

Unverzinsliche
Anlehensloſe.

Augsburger
Braunſchweiger Tlr.
Freiburger
Mailänder
do.
Meininger
Oeſterreicher v, 1864
do. v. 1858
Ungar. Staats

fl.
Fs.
Fs.
Fs.
fl.

Venediger
Türkiſche

20 220,25
15
45
10
37,30
100
100 443,60
100

Frs, 30
. 400 179,80

Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns . . .
20 Franks=Stücke . . .
Oeſterr. 20=Kronen . . .
Amerikaniſche Noten . .
Engliſche Noten . .
Franzöſiſche Noten . . .
Holländiſche Noten .
Italieniſche Noten .
Oeſterr.=Ungariſche Noten
Ruſſiſche Noten . . . . .
Schweizer Noten . . . .

20,42
16,16
16,90
20,48
81,00
169,35
80,80
85,05
80,85

Reichsbank=Diskonto . . . 5%
Raachsbank=Lombard Zäf. 6%

[ ][  ][ ]

Nummer 261.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 7. November 1910.

Seite 15.

von
Mk. 450 an mit
hohem Rabatt auf
Teilzahlung Vertretung nur erster
Marken:
Leopold Schutter
Ibach,
Telephon 815 Elisabethenstr. 12
Mand, Römhildt, Seiler
etc. etc.
(nur Weltfabrikate). Größtes Pianolager am Platze. 2a
Gebrauchte Instrumente von Mk. 200. zs (17614a
Mietinstrumente von Mk. 3. an.
an.

Darmſtädter Hausbeſtzerverein E. Y.
Zu der Proteſtverſammlung gegen die Reichs-Wertzuwachssteuer, die
am Samstag, den 26. November, mittags 1 Uhr, in Berlin ſtattfindet, wird,
wenn möglich, ein Sonderzug ab Frankfurt a. M. am 24. oder 25. November gefahren.
Der Preis für einfache Fahrt nach Berlin wäre II. Klaſſe 14 Mk. 10 Pfg.,
III. Klaſſe 9 Mk. 70 Pf.
Wir bitten und fordern unſere Mitglieder dringend auf, ſich daran zu beteiligen.
Anmeldungen werden ſpäteſtens bis 9. November auf unſerer Geſchäftsſtelle,
Wilhelminenſtraße 19, 1. Stock, entgegengenommen.
(21549so
Der Vorſtand.

Verein für Bogel= und Geſtügelzucht (ält. Verein).
Montag, den 7. November 1910, abends 9 Uhr,
im Vereinslokal Brauerei zur Krone, Schuſtergaſſe 18, I.
Monats=Verſammlung.
NB. Anmeldebogen können mitgebracht werden. Der Vorstand.

Bund der techn. Maustr. Beamten
(Ortsgruppe Darmstadt).
Oeffentliche Versammlung
8
Donnerstag, den 10. November, 8½ Uhr abends,
: Fürstensaal‟, Grafenstrasse
Standesfragen deutscher Ingenieure‟
daran anschliessend: Verschmelzung mit dem Techniker-Verband.
Referat des Herrn Regierungsbauführer a. D. Thimm-Berlin.
Freie Diskussion.
Eintritt frei.
Der Ausschuss.
21644od)

Die Mläaverbraneienwamt
Der Vorſtand des Darmſtädter Mietervereins ladet hier=
durch
die Vereinsmitglieder und alle Mieter auf
morgen, Dienstag, den 8. ds. Mts., abends 8½ nach dem
großen Kaiſerſaale
zur öffentlichen Verſammlung ein.
1. Begründung des Wahlprogramms,
2. Der Wahlzettel,
3. Freie Ausſprache.
Mögen die Mieter, Lehrer= und Beamtenſchaft, Gewerbe=
treibende
, Handwerker und Arbeiter als Mehrheit der Wähler
durch rege Beteiligung zeigen, daß ihnen die Vertretung ihrer
Intereſſen durch Stadtverordnete am Herzen liegt.
(21650
Jedermann willkommen!

Mittwoch, den 9. November, abends 8½ Uhr,
im Konkordiasaale, Waldstrasse 33
Versammlun
r Zentramsparfel
Tagesordnung:
(21606
Die Stellung der Zentrumspartei zur Stadtverordnetenwahl.
Der Vorstand des Zentrumsvereins.
Weinstube Loreley
(20662a
Nieder-Ramstädterstrasse 14.
Neuer Besitzer: J. Simon, vorm. Hotel Felsberg.

Nonnenhof Wiesbaden

Kirchgasse 15, Haltestelle der elektrischen Bahn, rote Linie 2.
Altrenommiertes Hotel mit erstklassigem
Wein- und Bier-Restaurant Café Spielsäle.
1906 feuersicher erbaut, 1910 vollständig renoviert. Bequemes und empfehlens-
wertes
Haus für Passanten und Kurgäste. Zimmer von Mk. 2.50 an. Bäder im
Hause. Frühstück garniert. Lift. Elektr. Licht. Zentralheizung. Portier
(21631)I
am Bahnhof.
Heide’s Erben.
Telephon 485.

Vereinigte Gesellschaft.
Mittwoch, den 9. November 1910, abends 8 Uhr,
D1!

fühneraugen
und Nageloperationen
werden ſorgfältigſt ausgeführt (14366a
Fr. Hartmann, appr. Heilgeh.
Grafenſtr. 20 (Telephon 276).

Daſt noch neue Pelzjacke, 1 neue Näh=
maſchine
, 1 Blumenſtänder billig zu
(*27390
verkaufen Liebigſtraße 47, I.

werden von geübtem Kunſt=
P maler in Auftrag geſucht.
Off. u. 8 an die Exp. d. Bl. (*27298so-

Karten zu dem gemeinſchaftlichen Abendeſſen zum Preiſe von Mk. 2.
werden bis zum 9. ds. Mts., mittags 12 Uhr, durch den Geſellſchaftswirt ausgegeben.
Für Teilnehmer ohne Karten erhöht ſich der Preis des Gedeckes auf Mk. 2.50.
Im Intereſſe geordneten Servierens wird gebeten, die Löſung von Tiſchkarten
(21649
nicht zu verſäumen.
Der Ausschuss.

Hessischer Goethebund.
Zu dem am Dienstag, den 8. November 1910, abends 8 Uhr, im
Festsaale der Turngemeinde (Woogsplatz 5) stattfindenden
Heinrich von Stein-Abend
von Frau Anna Bering aus Locarno
haben die Mitglieder des Goethebundes freien Eintritt.
Karten sind zu haben in der Buchhandlung von Saeng, Kirchstrasse.
(Diese Karten können bei Aufzahlung von 1 Mark gegen Sperrsitzkarten ein-
(21643
getauscht werden.

(Die=Biere
Ger-Unionbrauerei-
Sroßsgerau.
Sins von. unübertroffener
Süte u. Bekömmlichkeit.

(21115a)

einrestaurant
. Pon

F

Viktoriastrasse 75. (*21247
Strassenbahn-Haltestelle, Pallaswiesenstr.

Jeden Dienstag
Spanischen Wein
(17205a
Glas 15 Pfg.
Taſſe Kaffee 10 Pfg.
Hansa-Schenke, Rheinstr. 47

hr gut erhaltene Zivilbeamten=Uniform
(Fin.=Min.) billig abzugeben. Schriftl.
Anfragen unter H 47 a. d. Exped. (*27424oi

Aufpolieren von Möbel
ſow. Reparaturen von Schreiner= u. Glaſer=
arbeiten
werden gut und billig ausgeführt
21415a) Heinrich Flamm, Stiftſtraße 59.

Aufarbeiten v. Polstermöbel
und Betten, ſowie Neulieferung derſelben
u. Tapezieren bei billigſter Berechnung
*27414) W. Hein, Tapezier, Kaupſtr. 25, I.

Hüte werden chic garniert
u. umgearbeitet, ſowie Hüte u. ſämtl. Neu=
heiten
der Saiſon halte ich in ſchöner Aus=
wahl
ſtets am Lager
(20205a
Johanna Wenz, Modes, Kirchſtr. 8, I.

Verloren ſchw. Perſianerpelz,
gegen Belohnung abzugeben
(*27419
Soderſtraße 101, 1. Stock.

nfanse Preärie. 8. Uhr

Oarnzen

389

snl Montag, 7. Nor.:
und folgende Tage das
NEUE
exquisite Variété-Programm:
Gastspiel
Nordische Grazien in ihren
Barfuss-Tanz-Idyilen
Otto
Röhr Hero
Die musikalischen Wunderkinder
Geschu
sColberg
Jacksterzelly
der Urkomische,
sowie die übrigen glänzenden
I. November-Debuts.

Vorverkauf wie bekannt!
(21654)

e enee etct.

Maſchinenzeichnungen!
Ausziehen bleifertiger, beſ. Dampfmaſch.,
Dampfturb., Keſſel, Krane, prompt. (21584so
Off. A 2 M Frkft.M., hptſtl. erb.

Zuter eigner Iufanterie=Rock für Unter=
offizier
oder Sergeant billig (*27428
Mollerſtraße 41, 1, Stock.

Aufrichtiger Antrag.6
Einem tüchtigen Fräulein von
2030 Jahren wird Gelegenheit ge=
boten
, ſich mit einem ſtrebſamen,
vermögenden Bäcker mit gutem Ge=
ſchäft
zu verheiraten. Beſſ. Dienſt=
mädchen
mit etwas Erſparnis nicht
ausgeſchloſſen. Offerten bittet man
unter 6 59 in der Expedition ein=
zureichen
. Agenten ſtrengſtens
(21335a
verbeten.
Sassssstet
Damen, beſſ. Stärde, f. diskr. Aufn. bei
allſt. Dame. Poſtlagernd 90, Jugen=
(27166fso
heim a. d. B.

[ ][  ][ ]

Seite 16.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 7. November 1910.

Nummer 261.

Verkaufs-
Stellen durch
dieses Pfakat
kenntlich.

Fabrik ant:
August Jacobi
Darmstadt.

2083M

Handel und Verkehr.
H. Frankfurt a. M., 5. Nov. ( Börſen=
wochenbericht
.) Die Lage des Geldmarktes bleibt
im ganzen ſtabil, nachdem der Ultimo einen leichten
Verlauf genommen hat. Immerhin können auch hier
Ueberraſchungen eintreten, da die bevorſtehenden
Emiſſionen, wie die türkiſche und die ungariſche, dem
Markte große Geldſummen entnehmen werden. Falls
jedoch auch die Gelderleichterungen in England an=
dauern
, ſo dürften die Operationen ebenfalls mit vollem
Erfolg vor ſich gehen. Die Stimmung an der Börſe
war anfangs der Woche wieder zur Feſtigkeit geneigt
und wendete ſich das Hauptintereſſe dem Bankengebiet
zu. Die Erträgniſſe, insbeſondere bei den Haupt=
banken
, ſollen derart günſtige ſein, daß zum mindeſten
mit vorjährigen Dividendenziffern zu rechnen iſt. Bei
Wochenſchluß machte ſich für Induſtriewerte eine Er=
nüchterung
geltend, ausgehend von den Mitteilungen,
daß u. a. bei Gelſenkirchener nur etwa 9 Prozent zu er=
warten
ſeien, ebenſo bei Schuckert höchſtens die Divi=
dende
wie im Vorjahre ausfallen ſoll. Die Spekulation,
welche die letzten Monate in einem gewiſſen Hauſſe=
taumel
befangen war, iſt jetzt ſtark enttäuſcht, nachdem

ſich die übergroßen Hoffnungen nicht erfüllen. Im all=
gemeinen
bleibt die Situation in unſerer Induſtrie
eine unverändert befriedigende und zum Teil überbe=
ſchäftigte
, und die meiſten Werke ſind im glücklichen
Falle, reguläre Dividenden von den reichlichen Ge=
winnen
abzugeben. Von New=York wird das gleiche
vom Kupfer= und Stahlmarkte berichtet; hingegen neigt
der Londoner Platz zur Mattigkeit für Goldſhares,
nachdem die Nachricht von der völligen Betriebsein=
ſtellung
der Cloverfield=Mine verſtimmte.
Zu den Einzelheiten des Verkehrs übergehend, ſind
Deutſche Renten um Bruchteile billiger. Von den aus=
ländiſchen
Staatsfonds waren Ruſſiſche gefragt auf
Käufe für heimiſche Rechnung. Türken ſowie Oeſterr,=
Ungar. Renten waren gut behauptet, ebenſo ſind
Griechen eher etwas erholt. Transportaktien lagen
ſehr ruhig, nur Lombardiſche (Südbahn) und Priori=
täten
gebeſſert. Am Bankenmarkt erfolgten zunächſt
Kurserhöhungen auf die ſchon oben angeführten günſti=
gen
Dividende=Ausſichten. Das Montangebiet war
ziemlich belebt, aber ſchließlich abgeſchwächt. Am Kaſſa=
induſtriemarkte
erfolgten ſtärkere Realiſationen und
Spekulationsnbgaben, die beſonders bei Elektrizitäts=
aktien
drückten. Ferner gingen Kleyer auf 421½ (exkl.
Dividende), Gummi=Peter auf 338½, Holzverkohlung
auf 249 zurück. Chemiſche Aktien blieben gut behauptet.
Eine größere Preisſteigerung, auf 111¾, hatten Zell=
ſtoff
=Dresden auf ſtärkere Beſchäftigung. Die Haupt=
verſammlung
der Neuen Photogr. Geſellſchaft zu Steg=
litz
beſchloß die Umwandlung der Stammaktien in
Vorzugsaktien gegen Zuzahlung von 30 Prozent. Die
Vorzugsaktien haben vom 1. Januar 1911 Anſpruch
auf 6 Prozent Vorzugsdividende mit Nachzahlungs=
anſpruch
. Bei Auflöſung der Geſellſchaft erhalten die
Vorzugsaktien vorweg 130 Prozent aus der Maſſe,

danach erſt werden die Stammaktien bis zu ihrem
Nennbetrage befriedigt. Der Beſchluß iſt nur gültig,
wenn innerhalb einer vom Aufſichtsrat feſtzuſetzenden
Friſt auf mindeſtens 2½ Millionen Mark Aktien die
Zuzahlung geleiſtet wird. Privatdiskont 4½ Prozent
(in Berlin 4½ Prozent).
Von Loſen notieren: Augsburger 37, Braun=
ſchweiger
219, Meininger 37,20, Finnländer 319,80,
Pappenheimer 72, Freiburger 59, Ungariſche 385, Genua
220, Türkiſche 179,80, Mailänder 45=Frcs.=L. 140,50,
Mailänder 10=Fres.=L. 32,60, Venediger 42,75, alles in
Reichsmark: Gothaer Prämie I 138,25, Gothaer
Prämie II 115,60, Donau=Regulierung 150, Madrider
76,50, alles in Prozent. Ferner ſchließen: 4proz. Reichs
(bis 1918 unkündbar) 101,90, 3½proz. Reichs 92,55,
3proz. Reichs 83,75, 4proz. Heſſen von 1899 101,30, 4proz.
Heſſen von 1906 101,10, 4proz. Heſſen von 1908/09 101,35,
3½proz. Heſſen 91,05, 3proz. Heſſen 80,30, 4proz. Darm=
ſtädter
99,90 G., 3½proz. Darmſtädter 91 G., Darmſt.
Bank 131¼, Südd. Eiſ.=Geſ. 122 G., 4proz. Heſſ. Land.=
Hyp.=Pfdbr. (Serie 1820) 101,40 G., 3½proz. Heſſ.
Land.=Hyp.=Pfdbr. (Serie 911) 91,50 G., 4proz. Hes.
Kommunal=Pfdbr. (Serie 1012) 101,40 G., 3½pros
Heſſ. Kommunal=Pfdbr. (Serie 13) 91,90 G., 3½proz.
Heſſ. Kommunal=Pfdbr. (Serie 4) 91,50 G., 4½proz.
Ruſſen 100,20, 4proz. 1880er Ruſſen 91,85, 4proz. 1902er
Ruſſen 92,65, 3¼uproz. Ruſſen 89,75, 3½proz. Ruſſen
84,10, 3proz. Ruſſen 80, 4½proz. Japaner 97,20, 4proz.
Japaner 92,30, 4½proz. 1905er Portugieſ. 86, 3proz.
Portugieſ. (Baira=Baixa) 79,80, 3proz. Portugieſ. I
63,75, 3proz. Portugieſ. III 66,10, Spezial=Portugieſ. 12,
Portugieſ. Eiſ.=Prior. I. Rang 94 G., Portugieſ. Eiſ.=
Prior. II. Rang 75, 4proz. Stadt Liſſabon 80,90, Balti=
more
und Ohio 110½.

Kann ich Armeen aus der Erde
ſtampfen?, ſo möchte in der Weihnachts=
zeit
mancher Fabrikant den ungeſtüm
drängenden Abnehmern ſeiner Fabrikate
als Entſchuldigung zurufen. Hat doch
die Beſchränkung der Arbeitszeit nament=
lich
für Arbeiterinnen z. B. die Kakao=
Induſtrie in arge Verlegenheit gebracht.
Beſonders für beſſere Schokoladen= Kon=
fekte
, die ſich nicht durch Aufſtellung
weiterer Maſchinen in beliebig ver=
mehrter
Menge herſtellen laſſen, ſondern
von gründlich geſchulten Arbeiterinnen
überzogen werden müſſen, und die, wie
Reichardt=Konfekte, möglichſt friſch an die
Konſumenten gelangen ſollen, alſo nicht
im Sommer auf Vorrat gearbeitet werden,
iſt vor Weihnachten die tägliche Nach=
frage
oft größer, als die tägliche Pro=
duktion
. Deshalb ergeht hierdurch an
alle Freunde der köſtlichen Reichardt=
Konfitüren die Mahnung, man möge
ſeinen Bedarf möglichſt zeitig beſtellen
und nicht bis zur Weihnachtswoche
warten. Sämtliche Reichardt=Verſand=
und =Verkaufsfilialen ſind angewieſen,
Weihnachts=Beſtellungen auf alle
Reichardtmarken ſchon jetzt entgegenzu=
nehmen
und bei unſerer Fabrik vor=
merken
zu laſſen, damit die Verteilung
der Waren entſprechend geregelt werden
kann. Auch kann man ſich direkt an
unſere Fabrik wenden und adreſſiere
alsdann: Kakao=Compagnie Theodor
Reichardt, Hamburg=Wandsbek; wenn
die Zeit gar zu knapp werden ſollte,
kliefern wir nach Möglichkeit das Be=
ſſtellte
ab Fabrik, von Mk. 6, an paket=
portofrei
. Bahnkiſten (mindeſtens
30 Pfd. Inhalt) fracht= und kiſtenfrei
mit 10% Rabatt. Preisliſten franko ab
Wandsbek, oder in ſämtlichen Filialen, in:
Darmſtadt: Schützenſtraße 1, Ecke
Ludwigsplatz. Fernſprecher 1627.

Rak20
Konfekt
Schekelade.

(C21628,36

Junge ärztlich gepräfte Massense
franz. ſprech., empf. ſich d. geehrt. Herrſchaft.
Off. unt. H 21 an die Exp. d. Bl. (*27393

367a

Schilder
Emaille u. Porzellan liefert ſchnell und
ligſt LoKapfenberger, Eliſabethenſtr. 39.

Maſchinenſtricken
Strümpfe, Beinlängen, Anſtricken,
Sweater ꝛe. wird raſch und gut beſorgt
20799a) Marie Frank, Karlſtr. 31, Htb. I.

werden ſchit u. bill. garniert,
Hüte alte Sachen verwendbar, bei
N. Krick, Kaupſtraße 34, pt. (*21104dso

Von den Frauen des Orients
wo Schonheit höchste Tugend, wird
. 777) Eau de Cologne‟ bei Bad
und Toilette stets gem bevorzugt, weil
von exquisiter Feinheit und wunderbar
erfrischender Wirkung auf Teint und
Haut. Lieblich diskretes Aromal
Grosste Hygiene! Absolute
Reinheit garantiert!

gegründet

weil teils aus letzter Saison, teils einzelne Grössen

Mädchen-Kleider
Mädchen-Jacken
Mädchen-Paletots
Backfisch-Mäntel
Backfisch-Kostüme

Ecke Schulstrasse

Ludwigsplatz

[ ][  ][ ]

2. Beilage zum Darmſtädter Tagblatt.

R5 261.

Montag, 7. November.

1910.

Nanter!

Am 10. November iſt die Stadtverordneten=Verſammlung durch Neuwahl von 18 Mitgliedern zu ergänzen. In Eurer Hand liegt die Entſcheidung, wen Ihr
für würdig erachtet, als Eure Vertrauensmänner über die Geſchicke der Stadt zu beſtimmen.
Die Vereinigten Bezirksvereine, die ſeit vielen Jahren die Pflege der ſtädtiſchen Angelegenheiten zu ihrer beſonderen Aufgabe gemacht haben, halten ſich
für befugt, Euch auch diesmal einen Wahlvorſchlag zu unterbreiten, der ohne einſeitige Rückſichtnahme auf die Parteiſtellung oder auf irgend welche private
Intereſſen, lediglich in der Abſicht aufgeſtellt iſt, der Stadtverwaltung Männer zuzuführen, die den Willen und die Fähigkeiten beſitzen, dem Wohle der Stadt in
uneigennütziger und hingebender Weiſe zu dienen.
Alle Klaſſen, alle Stände, alle Parteirichtungen, alle Stadtviertel ſind auf unſerem Wahlvorſchlage vertreten. Wir ſchließen als parteiloſe Organi=
ſation
, die Mitglieder aus allen Schichten der Bevölkerung und Angehörige aller Parteien umfaßt, grundſätzlich keine Partei aus. Maßgebend iſt lediglich die Perſönlich=
keit
der Kandidaten. Wir fragen uns:

elche Kräfte braucht die Stadt?

Für das ausgedehnte Bauweſen ſind Sachverſtändige aller Art aus dem Baufach vonnöten, Architekten, Ingenieure, Bauhandwerker. Die Finanzen
und Steuern der Stadt bedürfen einer umſichtigen, fach= und ſachgemäßen Beurteilung vom Standpunkt einer weiſen Sparſamkeit. Die unabweisbare Notwendigkeit
der Aenderung unſeres Verkehrsweſens, namentlich auch im Hinblick auf den Vorortverkehr und den Anſchluß eines ausgedehnteren Hinterlandes an den direkten
Verkehr mit der Stadt, erfordert Verkehrspolitiker, Kaufleute, Techniker. Das ſtarke Anwachſen der ſtädtiſchen Arbeiterzahl und andere Intereſſen der minder=
bemittelten
Schichten der Bürgerſchaft laſſen eine ſachkundige Vertretung aus deren Reihen als wünſchenswert erſcheinen. Ebenſo macht die Ausdehnung der ſtädtiſchen
Einrichtungen und Betriebe die Zuziehung weiterer Sachverſtändigen nötig.
Auf dieſe Bedürfniſſe der Stadt nimmt unſer Wahlvorſchlag in allererſter Linie Bedacht. Die Auswahl der Kandidaten nach anderen Geſichtspunkten
ſchädigt unbedingt die Intereſſen der Stadt. Wir brauchen Männer mit klarem Blick, vollem Verſtändnis und ſelbſtändiger Mitarbeit. Alles das berechtigt
uns, unſern Wahlvorſchlag als
den einzigen unparteiiſchen Wahlvorſchlaa
0
zu empfehlen.
Zu unſerm lebhaften Bedauern iſt unſer Beſtreben, eine Einigung mit den bürgerlichen Parteien herbeizuführen, an den unerfüllbaren Anſprüchen von
parteipolitiſcher Seite geſcheitert. Die dadurch eingetretene Zerſplitterung ſchadet der guten Sache und wird ohne Zweifel bei den vorliegenden Parteiverhält=
niſſen
verhängnisvoll werden, wenn die Bürgerſchaft ſich nicht ermannt, unſerm Wahlvorſchlag den Vorzug zu geben.
Wir können annehmen, daß die von uns genannten Kandidaten mit den Grundſätzen unſeres öffentlich bekannt gegebenen Wahlprogramms einverſtanden
ſind und daß ſie demzufolge dafür eintreten, daß die Verwaltung der Stadt geführt werde nach den Geſichtspunkten
ſtrengſter Unparteilichkeit, ſozialer Gerechtigkeit und weiſer Sparſamkeit.
Mitbürger! Wähler! Wenn Ihr dieſe Geſichtspunkte für das Wohl der Stadt und damit auch für Euer eigenes als die richtigen anerkennt, dann gebt
am 10. November unſeren Wahlzettel ab, der mit den Namen

Ar. Rolb

beginnt und mit

Werner

endigt.

Mitbürger! Streicht nicht! Aendert nicht! Jede Aenderung kommt gegneriſchen Liſten zugute.
Wer es wahrhaft wohl meint mit unſerer Stadt, wer eine gerechte Zuſammenſetzung der Stadtverordneten=Verſammlung haben will, wer nicht will, daß eine
einzelne Partei, ſei es die ſozialdemokratiſche oder eine andere, das Rathaus beherrſcht, der trete für unſern Wahlvorſchlag ein.
Darum bleibe Keiner zu Hauſe! Auf jede Stimme kommts an!

21607)

Der Wahlausſchuß der vereinigten Bezirksvereine.

Chinu - 166 neuer Ernte, als: Mr. 1 eurabt. Handlens 1 ½ Pfd. ½. Pfd. 1) Pfd.-Kart. M. 4. 2. 1. Mr. 2 kmt. Haudeng 1 1 Pfd. ½ Pfg. ½ Pfd.-Kart, M. 3. 1.50 ,75 Mald 1ee neuer Ernte, als Nr. 3 fst. Darj. Pekoe m. Blüten ¼ Pfd. ½ Pfd. 1 Pfd.-Kart. M. 3.30 1.65 85 ſr. 4 Moeline braue keine 1/ Pfd. 11 Pfd. I. ½ Pfd.-Pak. M. 2.70 1.35 70 ſr. 6 f. Eil. brauge Jeice ½ Pfd. ½ Pfd. 1 Pfd.-Pal. M. 2.80 1.40 .75 ſr. 7 1. Gal. Laloe Houelanf 11 Pfd. ½ Pfd. ¼/ Pfd.-Pak. M. 2. 1.1060 von befreundeter Bombay-Firma direkt bezoger n, empfehlen Gebrüder Vierheller Darmstadt. Telefon 200.

Ia Süserahmnbutter
in ½1 Pfunden hat noch einige Zentner ab=
(21158idso
zugeben zum Tagespreis
Molkerei Ohmtal in Schweinsberg
bei Kirchhain.

nereit Mlige fallen die gerahmte Mle,
Kunstblätter, Steinzeichnungen, Oelgemälde, Ein-
rahmungen
jeder Art in grosser Auswahl bei (*27421
Junläuns Hergt, Ernst Ludwigstrasse 8.
Zuſchneide=Unterricht
nach leicht faßl., bewährter Methode in deutſch., franz., engl. Faſſons,
ſowie gründliche Ausbildung in der Damenſchneiderei.
Während der Dauer des Unterrichts kann jede Lernende für ſich ein Probekleid
anfertigen.
Frau Jachtmann, Damenschneiderin,
Schulſtraße 1, II.
227387)

Lime
Veber meine bewährte Methode erhalten Sie kostenlos Austeunt in meinen
Sprechstunden von 11 bis 1 Uhr vormittags und 6 bis 8 Uhr abends. Sonntags
nur von 11 bis 1 Uhr. Zahlreiche Anerkennungen. Institut für Stotterer,
Direktion M. Schmeling, Frankfurt a. M., Egenolffstrasse 19, 1. Etage.
Von früheſter Jugend an litt ich an ſtarkem Stottern,
welches mich ſtets mutlos machte und mir in meinem
Danksagelng. Verufsleben ſehr hinderlich war. Nach 5 Std. Unterricht
im Inſt. f. Stotterer v. M. Schmeling, Egenolffſtraße 19, bin ich zu meiner größten
Zufriedenheit von dem Stottern ſowohl, als von dem großen Angſtgefühl vor dem
Sprechen volſt. befreit und kann ich dieſes Inſtitut jed. Stott. aufs beſte empfehlen.
(216275l
Oskar Geißler, Frankfurt g. M., Taunusſtraße 25.
Vom 6ten Jahre an ſtarker Stotterer, machte ich, obwohl 40 J. alt,
im Schmeling ſchen Inſtitut für Stotterer einen Kurſus durch, wo=
Dank.
ſelbſt ich in 10 Stunden von dem läſtigen Uebel vollſtändig befreit
wurde, gleichfalls mein 13jähr. Sohn, der ebenfalls daran litt. Zur mündlichen Aus=
kunft
gerne bereit Joſ. Kilb, Scheidswaldſtraße 29, Frankfurt a. M.

9. 2.
Viele Jahre litt ich an einer naſſen
Banderſiechte, verſuchte vieles, aber
alles unſonſt bis ich 1904 in der
Zeitung von Ihrer Rino=Salde las.
Ich kauſte mir 2 Doſen und die
Riechte iſt ſeitdem verſchwunden.
Ich ſage Ihnen meinen beſten Dank
ſo ſpät, weil ich erſt wiſſen wolle,
ob der Erſolg ein dauernder iſt, was
ich jezt nach 2 Jahren wohl annehmen
iaft
Em. Marx.
Görlitz, den 14,2. gs.
Dieſe Rino=Salbe wird mit Erfolg
gegen Leintelden. Flechten und Haut=
leiden
angewandt und iſt in Doſen à
Mk. 1.15 und Mk. 2. 25 inden Apotheken
vorätig; aber nur echt in Original=
packuig
weißsegrünerot und Firma
Schubert 6e So, Weinböhla= dresden.
Fälſchungen weiſe man zurüg.

Puppenperücken
klinik, Beſſungerſtraße 37.

in der
Puppen-
(B20608

Hammetrleisch
prima, per Pfund 60 Pfg. (Kochfleiſch)
per Pfund
prima Braten 70 Pfennig
Spezialität geh. Kalbskoteletts
à Stück 20 Pfg. bei (21127a
Louis Hein
Hofmehger
Schuſtergaſſe 190
Telephon 278.
Winterkartolein
für den Winterbedarf empfehle frei Keller:
Böhm. Goldgelbe per Ztr. 4.50 Mk.,
Magnum bonum, Induſtrie p. Ztr. 4 Mk.,
Prof. Woltmann per Str. 3.,50 Mk. in
(21079a
handverleſener Ware
Schwarz, Hofmeierei, Tel. 184.

Bitte rufen Sie Telephon

oder per Postkarte!

Ich komne ſofort und bezahle ähnen
wegen dringendem Warenbedarf d. höchſt.
und reellſten Preiſe für getr. Kleider,
Schuhe, Stiefel, Wäſche, Federbetten,
Zahngebiſſe uſw.
(2014oa
J. Wallach, Schloßgaſſe 10.

Gute, alte
Hellebarde
ſowie eine Lanze, zuſammen für 30 Mark
zu verkaufen.
(21324t
Näheres in der Expedition ds. Blattes. ovaler u. 1 viereckiger Tiſch billig zu
verkaufen Erbacherſtr. 11, part. (*27388 Herren- u. Knaben=
Garderobe
Uniformen Amtstrachten
Sport-Bekleidung jeder Art
liefert ff. Maß=Geſchäft kreditfähigen
Beamten u. Bürgern. Zahlung nach
Uebereinkunft. (21626fl
Keine Abzahlungs-Preise!
Solide und reelle Bedienung.
Off. u. S. 9830 an Haaſenſtein &
Vogler, A.=G., Frankfurt a. M. [ ][  ][ ]

Seite 18.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 7. November 1910.

Nummer 261.

Bürgermeiſter=Verſammlung.
In Darmſtadt fand am Donnerstag, den
3. d. M. eine Verſammlung der Bürgermeiſter der
Landgemeinden des Kreiſes Darmſtadt unter dem
Vorſitze des Herrn Provinzial=Direktors Fey ſtatt.
Außer den Bürgermeiſtern der Landgemeinden hatten
ſich Mitglieder des Kreis=Ausſchuſſes, der Kreis=
ſchulkommiſſion
und der Vorſtand des Großh. Polizei=
amts
Darmſtadt, Herr Regierungsrat Dr.
Kranzbühler, eingefunden. Die Bürgermeiſterei
Darmſtadt, welche ebenfalls eingeladen war, konnte
wegen der gleichzeitig ſtattfindenden Sitzung der
Stadtverordnetenverſammlung keinen Vertreter ent=
ſenden
.
Der Vorſitzende, Provinzialdirektor Fey, begrüßte
die Verſammlung und eröffnete ſodann die Beratung
über den erſten Gegenſtand der Tagesordnung: Zu=
züge
in die Gemeinden. Niederlaſſungs=
verhandlungen
. Er bemerkte dazu: Die Auf=
nahme
einer eingehenden Niederlaſſungsverhandlung
bei dem Zuzuge ortsfremder Perſonen ſei für die Ge=
meinde
von größter Wichtigkeit, da ſie durch Zuzug
von Perſonen, deren Vorleben man nicht kennt,
ſchwere Nachteile erleiden kann und da die früheren
Aufenthaltsverhältniſſe im Falle der Unterſtützungs=
bedürftigkeit
zur Begründung von etwaigen Rück=
erſatzanſprüchen
bekannt ſein müſſen. Auch in polizei=
licher
Hinſicht ſei die Aufnahme von Niederlaſſungs=
verhandlungen
oft von beſonderem Intereſſe. Nament=
lich
bei allen ſtädtiſchen Verwaltungen ſind ſolche Auf=
nahmen
und Erkundigungen mit Erfolg eingeführt.
Wenn die Landgemeinden nicht in gleicher Weiſe vor=
gehen
, ſo liege die Gefahr nahe, daß Perſonen, welche
ihr Vorleben zu verbergen haben, in den Landorten
zuziehen und dieſe weſentlich benachteiligen. Das
Kreisamt habe deshalb im Intereſſe der Geſchäftsver=
einfachung
und Geſchäftserleichterung drei Formulare
entworfen, bei deren Benutzung alles feſtgeſtellt wer=
den
kann, was für eine Gemeinde hinſichtlich der Per=
ſönlichkeit
Neuzuziehender wiſſenswert iſt. Die For=
mularien
ſeien in Form von Fragen gehalten, denen
die Antwort nur kurz beigefügt zu werden brauche.
Herr Regierungsaſſeſſor Dr. Pabſt verbreitete
ſich ſodann in längeren Ausführungen über das durch
Reichsgeſetz allen Deutſchen gewährte Recht auf Frei=
zügigkeit
, über die Einwirkungen dieſer Freizügig=
keit
auf die Armenlaſten der Gemeinden und über die
Vorausſetzungen, unter welchen die Gemeinden zu=
ziehende
oder ſchon zugezogene Perſonen aus der Ge=
meinde
abweiſen können, wenn es ſich herausſtellt, daß
dieſe nicht in der Lage ſind, ſich und ihre Familie in
der neuen Gemeinde zu ernähren und deshalb der
Gemeinde vorausſichtlich dauernd zur Laſt fallen. Er
beſprach ſodann das bei ſolchen Abweiſungen einzu=
ſchlagende
Verfahren unter Hinweis auf die für baye=
riſche
Staatsangehörige beſtehenden Sondervorſchrif=
ten
, erwähnte die Nachteile, welche den Gemeinden
durch Verzögerung des Verfahrens oder gar durch
Verſäumnis der kurzen geſetzlichen Friſten erwachſen,
und zeigte, von welchem Vorteil es deshalb für die
Gemeinden iſt, wenn ſie bei dem Zuzug fremder Per=
ſonen
ſofort eingehende Niederlaſſungsverhandlungen
über deren Verhältniſſe aufnähmen.
Der zweite Punkt der Tagesordnung betraf: Er=
werb
und Verluſt des Unterſtützungs=
wohnſitzes
. Erhebung von Anſprüchen
gegen Orts= und Landarmenverbände.
Der Vorſitzende bemerkte dazu, daß dieſer Gegen=
ſtand
der Tagesordnung mit dem oben beſprochenen
in Zuſammenhang ſtehe. Nachdem am 1. April 1909
wichtige Aenderungen des Unterſtützungswohnſitz=
geſetzes
eingetreten ſeien, erſcheine es nötig, bei den
neuen Unterſtützungsfällen die Vorſchriften dieſes
neuen Geſetzes zu beachten und bei Feſtſtellung der
Heimats=, Familien= und Aufenthaltsverhältniſſe die
Vernehmung des Unterſtützten genau an der Hand der
geſetzlichen Vorſchriften zu bewerkſtelligen. Das
Kreisamt habe deshalb ein neues Formular aus=
gearbeitet
, welches in Form der Frageſtellung die
hauptſächlich vorkommenden Fälle berückſichtige. Auch
ſei beabſichtigt, den Bürgermeiſtern noch weitere For=
mularien
, z. B. für die Anmeldung der Unterſtützungs=
anſprüche
, für die Aufforderung von Perſonen, welche
ſich ihrer Unterſtützungspflicht entziehen uſw., mitzu=
teilen
. Auch dieſe Maßnahme liegt im Intereſſe einer

Vereinfachung des Verfahrens und in einer Erſpar=
nis
von Zeit und Schreibweſen.
Herr Regierungs=Aſſeſſor Dr. Pabſt beſprach im
Anſchluß hieran die wichtigen Aenderungen, welche
das Unterſtützungswohnſitzgeſetz mit dem 1. April 1909
insbeſondere durch Einführung des Geſetzes in
Elſaß=Lothringen, durch Herabſetzung des Alters für
Erwerb des Unterſtützungswohnſitzes von 18 auf 16
Jahre und durch Abkürzung der Friſt zum Erwerb
und Verluſt des Unterſtützungswohnſitzes von 2 auf
1 Jahr erfahren habe, und wies an der Hand von
Beiſpielen namentlich auf die rückwirkende Kraft hin,
welche die beiden letztgenannten Aenderungen nach
der Rechtſprechung der Verwaltungsgerichte haben.
Er beſprach ſodann die Möglichkeit, Eltern, welche ſich
ihrer Unterhaltspflicht gegenüber ihren Kindern ent=
ziehen
, durch Anwendung ſtrafgeſetzlicher Beſtimmun=

Pfleggeldern) nach der Rechtſprechung nicht als ein
Akt der öffentlichen Armenfürſorge angeſehen werde
und die Gemeinden deshalb für ſolche Unterſtützungen
niemals von anderen Armenverbänden Erſatz ver=
langen
könnten, und ging zuletzt auf die armenrecht=
liche
Stellung der Pflegekinder ein, welche aus be=
nachbarten
großen Städten, z. B. aus Frankfurt, in
Gemeinden des Kreiſes Darmſtadt untergebracht wür=
den
und häufig alsbald den betreffenden Gemeinden
zur Laſt fielen. In der ſich anſchließenden Beſprech=
ung
wurde die mißliche Lage, in welche die Pflege=
eltern
und die Gemeinden häufig durch das Aus=
bleiben
der zugeſagten Pflegegelder geraten, hervor=
gehoben
. Es wurde angeregt, daß nähere Ermittel=
ungen
über dieſe mißſtändigen Verhältniſſe angeſtellt
werden ſollen. Auch verſchiedene andere Fälle aus
der Praxis, die aus der Mitte der Verſammlung vor=
gebracht
wurden, wurden eingehend beſprochen.
Bei dem folgenden Punkt der Tagesordnung:
Gemeinderechnungsweſen wurden von
einigen Bürgermeiſtern die Koſten beanſtandet, welche
durch Reviſion der Gemeinderechnungen bei der Ober=
rechnungskammer
neuerdings entſtänden, und es wurde
gewünſcht, daß der Kreis dieſe Reviſion in die Hand
nehme und einen Kreisrechnungsreviſor anſtelle. Herr
Provinzialdirektor Fey entgegnete, daß dieſem Ver=
langen
geſetzliche Vorſchriften entgegenſtehen. Nach
dem Geſetz vom 19. März 1910 ſind die Gemeinden,
Kreiſe, Provinzen, Kirchen und Stiftungen verpflichtet,
die Koſten der Rechnungsreviſion durch die Ober=
rechnungskammer
für diejenigen Rechnungen, deren
Reviſion der Oberrechnungskammer durch Geſetz, Ver=
ordnung
oder beſondere Anordnung überwieſen iſt, zu
bezahlen. Die Oberrechnungskammer berechnet dabei
nur die Selbſtkoſten.
Zum Schluſſe verbreitete ſich Herr Kreisſchul=
inſpektor
Profeſſor Kiſſinger über Heimat=
und Wohlfahrtspflege auf dem Lande‟
Was zunächſt die Wohlfahrtspflege anlange, ſo ſei
zu konſtatieren, daß ſeit der letzten Bürgermeiſterver=
ſammlung
im Mai dieſes Jahres ein Schritt ſchon
geſchehen ſei durch Einrichtung der Wanderhaushalt=
ungsſchule
des Kreiſes, die der diesjährige Kreistag
auf Antrag des Herrn Provinzialdirektors beſchloſſen
hat. Die Haushaltungsſchule ſei inzwiſchen einge=
richtet
und der erſte Kurſus in Griesheim am 1. No=
vember
d. J. eröffnet worden. Es hätten ſich bis jetzt
33 Mädchen gemeldet, die Anmeldungen ſeien aber
noch im Gange. Mehr wie 24 Mädchen können an
einem Kurſe nicht Anteil nehmen, ſodaß noch ein zwei=
ter
und eventuell dritter Kurſus dort zuſtande kom=
men
würde. Neben dem vollſtändigen Haushaltungs=
unterricht
, der durch eine geprüfte Haushaltungs=
lehrerin
, Fräulein Meyer aus Roßdorf, erteilt werde,
habe ſich die dortige Krankenſchweſter in dankens=
werter
Weiſe bereit erklärt, den Mädchen an einigen
Stunden auch Unterricht in Krankenpflege und erſter
Hilfe bei Unglücksfällen zu erteilen. Auch die Für=
ſorge
für das körperliche und geiſtige Wohl der Land=
jugend
, insbeſondere der aus der Schule entlaſſenen,
müſſe einen Gegenſtand ernſter Mitarbeit der Herren
Bürgermeiſter bilden. Was die Heimatpflege an=
lange
, ſo könne bei dem Unterricht viel für dieſelbe
geſchehen, und geſchehe auch jetzt ſchon, nötig ſei aber,
daß man auf dem Lande überhaupt mehr Sinn für
dieſelbe zeige. Er erinnerte daran, wie man namentlich
gute Erinnerungen an die Voreltern, was Bauwerke,
Gebrauchsgegenſtände uſw. anlange, erhalten ſolle.

Er verwies auf das Vorgehen in Niedernhauſen i. O.
und in anderen Orten. Bei der nun folgenden Dis=
kuſſion
machte Bürgermeiſter Lang von Pfung=
ſtadt
darauf aufmerkſam, daß das dortige Rathaus in
einigen Jahren 300 Jahre ſtehe, es ſolle aus dieſem
Anlaſſe hergerichtet werden, insbeſondre ſolle auch der
Rathausſaal renoviert und mit den alten Möbeln und
dergleichen, die zum Teil noch auf dem Rathaus=
ſpeicher
lagerten, eingerichtet werden. Zurzeit wür=
den
die Urkunden geordnet und habe man ſehr inter=
eſſante
Bücher und Urkunden aus alter Zeit auf=
gefunden
. Der Vorſitzende ermunterte zu ähnlichem
Vorgehen auch in den anderen Gemeinden, wo ſich
dazu Gelegenheit biete. Insbeſondere aber müſſe
auch das geiſtige Leben auf dem Lande gefördert
werden durch Zuſammenſchluß aller derjenigen, die
ſich jetzt ſchon in den Dienſt dieſer Förderung geſtellt
hätten, der Herren Bürgermeiſter, Geiſtlichen, Lehrer
und ſonſtigen Einwohner, die dafür Sinn und Herz
zeigten. Die Liebe zur heſſiſchen Heimat und zum
Landleben in der Landbevölkerung wach zu erhalten
und zu ſtärken, ſei von hervorragender Wichtigkeit:
Die Wohlfahrtspflege müſſe auf dem Lande weiter
entwickelt und allerdings anders geſtaltet werden, als
in der Stadt. Auch in der Geſetzgebung müſſe der
Unterſchied zwiſchen Stadt und Land mehr berückſich=
tigt
werden, z. B. auf gewerbepolizeilichem Gebiete,
was auch der Herr Reichskanzler vor einiger Zeit be=
reits
in Ausſicht geſtellt habe. Ein Gegenſatz zwiſchen
Stadt und Land dürfe nicht entſtehen, das müſſe ver=
hütet
werden, man bedürfe auf dem Lande gerade zur
Wohlfahrt= und Kulturarbeit ganz beſonders auch der
Mitwirkung einſichtiger Kreiſe der ſtädtiſchen Bevöl=
kerung
, die ländliche Kultur müſſe jedoch ihr eigenes
Gepräge und die Landbevölkerung ihre Eigenart be=
halten
, es dürfe aber doch der Abſtand gegen die Städte
in vielen Dingen ſich nicht vergrößern, ſondern müſſe
ſich vermindern, und das insbeſondere in Orten, die
in der Nähe von Städten liegen. In ſeinem früheren
Wirkungskreiſe ſei man zu dieſem Zwecke zu einer
Vereinigung für ländliche Heimatpflege, Wohlfahrt=
und Kunſtpflege zuſammengetreten. Erhaltung und
Förderung geſunder und kräftiger Eigenart der Land=
bevölkerung
, zweckmäßige Ausgeſtaltung des ländlichen
Wohn= und Feldgebietes, ſowie ländlicher Einrichtun=
gen
in einer den Anſchauungen der Landbevölkerung
und den Anforderungen des Landlebens entſprechen=
den
Weiſe ſind notwendige Vorausſetzungen für die
Weiterentwicklung und das Gedeihen der ländlichen
Verhältniſſe. Das Verſchwinden des Sinnes für länd=
liche
Sitten und Gebräuche, ſowie für geſchmackvolle
Kunſtformen in der Landbevölkerung ſind Schäden, die
ſich auf dem Lande oft genug bemerklich machen. Im=
mer
mehr hat ſich daher die Anſicht Bahn gebrochen,
daß es eine Fülle von Aufgaben hierbei zu
löſen gibt. Auf dieſem Arbeitsgebiete, auf dem es vor
allem gilt, die geiſtigen Güter der Landbevölkerung
zu pflegen und zu fördern, bedürfe es der gegenſeiti=
gen
Anregung und Ausſprache aller derjenigen, welche
Sinn und Herz für die Landbevölkerung haben, ſie
kennen und verſtehen; es bedarf aber vor allem auch
der Mithilfe und Selbſthilfe der Landbevölkerung.
Man wolle keineswegs die Bedeutung des für die
materielle und geiſtige Förderung der Landbevölker=
ung
in Heſſen bereits Geſchehenen verkennen. Man
müſſe es ſich aber angelegen ſein laſſen, alle in dieſer
Hinſicht beſtehenden Beſtrebungen zu unterſtützen und
zu fördern, ſie aber auch zu vereinigen und einen ge=
meinſamen
Mittelpunkt für dieſelben zu ſchaffen
ſtreben. Eine ſolche Vereinigung empfehle ſich wohl
auch im Kreiſe Darmſtadt; ſie ſolle eine Sammelſtelle
für die gemachten Erfahrungen, einen Platz der An=
regung
für eine geſunde, den ländlichen Verhältniſſen
förderliche Entwicklung abgeben. Es iſt deshalb be=
abſichtigt
, mit Unterſtützung der Freunde dieſer Sache
in der Stadt demnächſt unter Mithilfe der Herren
Geiſtlichen, Lehrer und Beamten, ſowie im Verein mit
Angehörigen des Bauernſtandes, des Kaufmanns= und
Gewerbeſtandes, des Handwerker= und Arbeiterſtandes
auf dem Lande eine ſolche Vereinigung auch im hieſi=
gen
Bezirk ins Leben zu rufen.
Bei der Diskuſſion wurde von verſchiedenen
Bürgermeiſtern ein ſolches Vorgehen für durchaus
rätlich bezeichnet und von der Verſammlung allgemein
mit Freuden begrüßt. Die ſechs älteſten Bürgermeiſter
des Landbezirkes ſollen, zuſammen mit dem Vorſitzen=
den
und dem Vorſtande der bereits in Heſſen beſtehen=
den
Vereinigung, das weitere in die Wege leiten.

von Arnim’sches Eisenwerk

Marienhütte‟
Gross=Auheim
bei Hanau a. M.
liefert
gusseiserne
Fenster

nach ca. 8000 verschiedenen vorhandenen Modellen, sowie nach Angabe, in allen Dimen-
sionen
. Ferner sämtliche Bauguss= und Kanalisations=Artikel. Kataloge kosten los.

Pärlderz,3
Pflege die Zähne.
Rbläe
Ein angenehmer Mund erhält erſt durch geſunde, weiße und
reinliche Zähne ſeine volle Schönheit, Friſche und Anziehungskraft,
und hat ſich die nun ſeit 45 Jahren eingeführte unübertroffene
ſanitätsbehördlich geprüfte Zahnpaſta (Odontine), der mehrfach
preisgekrönten Kgl. Bayer. Hofparfümeriefabrik C. D. Wunderlich,
Nürnberg, am meiſten Eingang verſchafft, da ſie die Zähne
glänzend weiß macht, jeden üblen Atem und Tabaksgeruch entfernt,
den Mund angenehm erfriſcht à 50 u. 60 Pfg. (ovale Glasdoſe) bei:
Hoflieferant Ecke
A. Walchner Nach. vorm. L. Scharmallll, Eliſabethen= u. Luiſenſtr.

Aokur berer
OSehbelch
Cnemische waschanstaft

In unübertroffener schnellster und sorgfältigster Ausführung reinigen wir
Pelze, Felle, Ballkleider, Gardinen und Spitzen.
Winter-Garderobe (21135a
für Damen und Herren reinigen wir in konkurrenzlos kürzester Zeit.
Läden: Rheinstr. 12½, Karlstr. 115, Nieder-Ramstädterstr. 16.
Fabrik durch bedeutenden Neubau vergrössert.
Damenbinden
Damenhüte
billigſt, im Wattengeſchäft von
werden ſchick garniert, altes Material beſtens C. Federlin. Schuchardſtr. 10, 1. St. (123a
verwendet Bleichſtraße 39, 1. St. (*27283som Wadeeinrichtung, Holzofen mit Wanne
(*27256so
Küte w. ſchön u. billig garniert, Altes verw. . billig abzugeben
Müllerſtraße 16.
Eliſabethenſtraße 49, Hth.
19328a)

[ ][  ][ ]

Nummer 261.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 7. Novemher 1910.

Seite 19.

Betten=Spezial=Geschäft.
ollkoſeh
Prämiiert
Darmstadt 1876
mit der
Preis-Medaille.
Wir empfehlen unser Lageria:

Schlafzimmer-Einrichtungen,
Bettstellen in Holz und Eisen, Patent-Spiralmatratzen,
Rosshaar=, Woll- und Seegrasmatratzen,
Deckbetten, Kissen etc. etc.
Wir sind in der Fertigstellung sämtlicher Matratzen und Bettbezüge deshalb ganz besonders leistungs-
fähig
, da wir mit der Bettwarenbranche auch wirklich vertraut sind und jedem Wunsche Rechnung zu
tragen imstande sind.
(176a
Nothnagel & Weiler

Marktplatz Nr. 4.

Das Haus
Ecke Wilhelminenſtraße und Heinrichſtr.
iſt per ſofort vollſtändig neu hergerichtet,
mit Zentralheizung verſehen, zu vermieten.
Das Haus enthält 14 ſchöne Wohnräume
nebſt allem Zubehör und Garten. Näheres
nur durch die Firma Joſeph Trier,
Darmſtadt, Wilhelminenſtr. 25. (9462os

Parcusstr. 1, Beletage,
5=Zimmerwohnung mit allem Zubehör per
ſofort zu vermieten. Zu erfragen bei
Bodenheimer, Rheinſtr. 26, Bur. (13285t

Wienersstrasse 65, I. St.
eine 4=Zimmerwohnung zu verm. (15135ods
*27236fso) Müllerſtr. 15 e. 4=Zimmerw.
u. eine 2=Zimmerw. zu verm. Zu erfr. Ar=
heilgerſtr
. 19, Stb. Arheilgerſtr. 19 eine
kleine 2=Zimmerwohnung zu vermieten.

Nieder-Ramstädterstr. 31
1 ſchöne 3=Zimmerwohnung im Hinterbau
ſofort zu vermieten. Näheres bei Bäcker
Wenner.
(17853t

22

3=Zimmer=Wohnung wegzugshalber per
(19258t
ſofort zu vermieten.
19639t) Mathildenplatz 11, Hinterbau,
3=Zimmerwohnung zu vermieten. Zu erfr.
daſelbſt, Vorderhaus 1. Stock.
9
3 Zimmer, Küche und
Wohnung, Dachraum ( Blumen=
thalſtraße
42, parterre) zum 15. Nov.,
bezw. 1. Dez., für 300 Mk. zu verm. Näh.
bei Bahnmeiſterei 57, Rheinſtr. 49. (21220a
21249a) Rhönring 123, I., ſch. 3=Zim.=
Wohn. m. Koch= und Leuchtgas u. ſämtl.
Zubeh. verſetzungsh. ſof. zu v. Näh. part.

20757omds) Lauteſchlägerſtraße 11,
eine ſchöne 2=Zimmerwohnung im Vorder=
haus
zu verm. Einzuſ. von 1 bis 3 Uhr.
19250oms) Gardiſtenſtraße 20 eine Zwei=
Zimmerwohnung ſofort zu vermieten.
20211t) Mathildenplatz 5, Hinterhaus
eine 2=Zimmerwohnung zu vermieten.
21430t) 2=Zimmerwohnung zu vermieten.
Näheres Heinheimerſtraße 15, parterre.
21350a) Wendelſtadtſtraße 51, Seitenb.,
2 Zimmer, Küche nebſt Zubehör zu verm.
Führmannstrasse 14
kl. 2=Zim.=Wohn., der Neuzeit entſpr., ſof.
(21578a
beziehbar. Näh. im Laden.

62 62
Kaupstrasse 22
ein Zimmer mit Küche, daſelbſt ein helles,
ſeparates Zimmer (unmöbl.), ſof. (20606oms

3 Zimmer

99) ſchöne Wohnung,
Große Bachgaſſe 22 geräumige Küche
mit Waſſer, per ſof. beziehb. Näh. bei Chr.
Schmidt, Soderſtr. 10 (Kapellplatz). (21438a


21579a) Aliceſtraße 2 helle trockene, froſt=
freie
Souterrainräume zu vermieten.

te eee
19516oms) Roßdörferſtraße 47, 2. St.
freundlich möbliert. Zimmer in ruhigem
Hauſe zu vermieten.

eenetente et en
Zimmer zu vermieten.
20758oms) Hoffmannſtraße 4, parterre,
ſchön möbl. Wohn= und Schlafzimmer mit
oder ohne Penſion ſofort.
21119oms) Eliſabethenſtraße 26 ein
möbl. Zimmer ſofort zu verm. (Alb. Roussel.)
*26951mso) Schützenſtraße 7, II., fein
möbliert. Zimmer an beſſeren Herrn z. verm.
21287a) Bleichſtraße 45, I.; ſchön möbl.
Zim. m. od. ohne Penſ. an 1 auch 2 Herren.
20210t) Friedrichſtr. 16, II., gr. eleg.
behagl. Zimmer in ruh. akkurat. Haush.
17066t) Friedrichſtraße 22, part., fein
möbl. Wohn= und Schlafzimmer, evtl. auch
einzeln, ſofort zu vermieten.
20031t) Wienersſtraße 57, ein gut
möbl. Zimmer, mit oder ohne Penſion.
B20015t) Heidelbergerſtraße 29, Koſt
und Wohnung, Mk. 10 pro Woche.
ſchön möbliertes
Moosbergstr. 52 Zimmer m. Kaffe
per Woche 4 Mark.
(B20267t
20429t) Waldſtr. 2 möbliertes Zimmer.
20947t) Wienersſtr. 40, II., 2m. Z., 15 u. 18 M.
21190t) Waldſtr. 32 einf. möbl. Zimmer.
21192t) Alexanderſtr. 4, 2. St., ein gut
möbl. Zimmer mit Gas und Porzellanofen
ſofort billig zu vermieten.
21380t) Grafenſtr. 26, 2. St., kl. möbl. Z.
21416a) Schloßgartenſtraße 21, Phil.
Kreh, ſchön möbliertes Zimmer im 1. Stock,
gegenüber vom Herrngarten, ſepar. Eingang,
ſofort zu vermieten.
*27150fso) Lagerhausſtr. 4, part., ſepar.
Zimmer, Preis 16 Mk., u. 2. Stock 3 möbl.
Zimmer mit Gas, per Woche oder Monat.
*27289so) Schuchardſtraße 15, III., ein
möbl. Zimmer per ſofort zu vermieten.
*27252so) Kl., ſchön möbl. Zimmer, ſof.
zu vermieten. Näheres Mühlſtr. 76, II.
*27269som) Bleichſtr. 38, I., Nähe Bahn=
hof
, fein möbl. Wohn= u. Schlafzimmer zu vm.
*27309so) Bleichſtraße 17, Hth. 1. St.,
ſchön möbl. Zimmer zu vermieten.
*27308so) Lauteſchlägerſtraße 20, ſep.
m. Zimmer, per Woche 3 Mk. zu verm.
*27266so) Beckſtraße 74, II., ein fein
möbliertes Zimmer in beſſerem Hauſe
zu vermieten.
*27360som) Karlſtr. 25, 2. Stock rechts,
helles möbl. Zimmer zu vermieten.
*27314so) Karlſtraße 32, II., möbl.
Zimmer zu vermieten.
*27399omf) Waldſtr. 7 einf. möbl. Zim.
21638t) Zeughausſtr. 7 ein möbl. Zim=
mer
mit Penſ. ſof. zu vermieten. Zu er=
fragen
im Metzgerladen.
*27396) Pfründnerhausſtr. 20, 1. St.,
gut möbliertes Zimmer zu vermieten.
21619a) Viktoriaplatz 6, III., möbl. Z.
*27386) Gartenſtraße 18, part., 2 gut
möbl. Zimmer ſofort zu vermieten.

19523ms) Eliſabethenſtraße 4, II.,
gut möbliertes Wohn= und Schlaf=
zimmer
zu vermieten. Gas=
beleuchtung
, Badeeinrichtung.

M
Zimmer für 12 Mark zu vermieten,

Für altes Eisen, alte Metalle,
Papierabfälle aller Art, Geschäfts=
papiere
, Bücher und Akten
unter Garantie des Einſtampfens zahle
(126a
Rets die höchſten Preiſe.
Lippmann May,
Teleph. 157. Kl. Ochſengaſſe 14.
Aufträge werden jederzeit prompt erledigt.

Schädelechte Rehſtangen
ſtarke Sechſer
ſowie Hirſchgeweihe
zu verkaufen. Näh. Expd. (21301c

Walfiſch=Fett,
Krebs=Fett,
altbewährte
Schuh- u. Leder-
Konservierungsfette
in Doſen à 10, 20 und 30 Pfg.
Büffelhaut=Fett
à 25 und 50 Pfg.
bei
(21616a
Gebrüder Vierheiller
Darmſtadt.

Anziehende
Frauen
sind meist gut an-
gezogene
Frauen.
Wermodern und preis-
wertgekleidetseinwill
,
der benütze z. schnei-
dern
die vorzüglichen
Favorit-Schnitte.
Bei Hunderttausen-
den
im Gebräuch!
Anleitung durch das
Grosse Favorit-Moden-
Album (nur 70 Pf. fr.) u.
Jugend-Moden-Album (60 Pf. fr.)
von der Verkaufsstelle der Firma
oder wo nicht am Platze direkt
von der Internationalen Schnitt-
manufaktur
, Dresden-N. 8.
Arthur Sittig. Louisenplatz 4.

Mlfe

nedarfareikel, Heust. lstaten
m. Empfehl. viel. Aerzte u. Prof. gratis u. fr.
H. Unger, Gummtwarchfabrik
WBerlin NW. Friedrichstrasse 91/22.!

gebrauchter, faſt neuer Petroleumofen,
11 gebrauchter Petroleumherd, 1 gebr.
Gasherd, 1 Papierabreißgeſtell, 1 neues
elektr. Bügeleiſen werden billig abgegeben
Wendelſtadtſtraße 8, 1. Stock.
27379)

zu
Schöner Föx verkaufen
Nieder=Ramſtädterſtr 51, 1. St. (*27398

Tädben

Einige Paare Tauben
(Blauelstern, Rotsch.
usw.) 09 u. 10er Brut
billig zu verk. (21279
Maulbeerallee 7.

Der Milltar-
Wohnungsanzeiger
Herbſt 1910
iſt erſchienen und für 30 Pfg.
in der Expedition des Tag=
blattes
zu haben. (20565t

hausverkau

Das Baldner’ſche Anweſen, Friedrich=
ſtraße
36, gegenüber d. Darmſtädter Bank,
wird wegen Alters und Krankheit der Be=
ſitzerin
dem Verkauf ausgeſetzt und kann
nach Wunſch übernommen werden.
Dasſelbe beſtehr aus einem 3½ſtöckigen
6=Zimmerhaus mit 3 ſtöckig. Seitenbau,
Einfahrt, großem Hof und Garten, und
eignet ſich auch zu jedem größeren Geſchäfts=
betrieb
. Der Geſamtflächengehalt des Be=
ſitzes
beträgt über 700 qm. Der ſehr billige
Verkaufspreis beträgt Mk. 80 000.
Ernſten Reflektanten erteilt weiteren Auf=
ſchluß
Rechtsanwalt Dr. jur. Hugo Bender,
Kaſinoſtraße 8, ſowie das Immobilien=
Geſchäft des Bankbeamten Sebastian Eckler,
Rheinſtraße 9, Telephon 243.
(19628a
Hausverkauf
Das 2½ſtöckige, auch zum Allein=
bewohnen
geeignete Wohnhaus Witt=
mannſtraße
22 mit Garten wird zu ſehr
günſtigen Bedingungen dem Verkauf
ausgeſetzt.
Weiteren Aufſchluß erteilt nur Sebastian
Eckler, Rheinſtr. 9, Telephon 243. (19627a

Geſchäftshaus=Verkauf.
Wegen vorgerücktem Alter der Beſitzer
biete deren Haus mit Kolonialwaren=,
Delikateſſen= und Drogengeſchäft zum Ver=
kauf
an. Geſchäft beſteht ſeit 40 Jahren faſt
ohne Konkurrenz, ausgezeichnete Nachbar=
ſchaft
. Zur Erwerbung 1012 Mille er=
forderlich
, ſonſt gute Zahlungsbedingungen.
Für fleißigen jungen Kaufmann großartige
Exiſtenz. Geſchäft wird übergeben wie es
zurzeit beſteht, infolgedeſſen keinerlei Neben=
unkoſten
für Neuanſchaffung. Uebernahme
nach Vereinbarung. Nähere Auskunft wird
im Immobiliengeſchäft Hch. Castritius,
Kahlertſtraße 38, 1. Stock, koſtenlos erteilt.
Sprechſtunde von ½23 Uhr.
Telephon 1382.
(19632a

Eimammmenhaus
herrſchaftlich eingerichtet, 12 Zimmer, Glas=
veranda
, offene Veranda, viel Nebenraum,
Stallung, Remiſe und Burſchenzimmer, in
feinſter Lage zwiſchen Heinrich= und Anna=
ſtraße
, iſt wegen längerer Abweſenheit des
Beſitzers ſofort preiswert zu verkaufen.
Nähere Auskunft, auch wegen Beſichtigung,
erteilt das Immobilienbureau von Julins
Kahn, Schulſtr. 15, Telephon 135. (13100a
Das große Geſchäftshaus
Kirchſtraße 17 u. 19
mit neuzeitlich eingerichteten großen
Läden und modernen Wohnungen
wird unter günſtigen Bedingungen
dem Verkaufe ausgeſetzt. (20559a
Nähere Auskunft erteilt nur das
Immobilienbureau von Julius Kahn,
Schulſtraße 15, Telephon 135.

wer

hat Haus in Wiesbaden
billig zu verkaufen? Ausführl.
Off. u. H 6 a. d. Exp. (21488soi

zum Alleinbewohnen, 12 Zim.,
Haus Stallung, großer Garten, in
erſter feinſter Lage, zu verkaufen. Off. unt.
C 88 an die Exp. ds. Bl.
(20145a

Lettes 6=Z.=Häuschen b. Traiſa,
ſowie 6=Z.=Häuschen b. Arheilgen z. verk. d.
Fr. Hoth, Immobilienbüro
Martinſtraße 101. (B22657

S99s

Bergstrassel:
Anweſen, direkt am Bahn=
hof
gelegen, mit Dampf=
und Waſſerkraft, ca. 15
Morgen Gelände, zu jedem
Betrieb geeignet, iſt zu
verkaufen.
(21561a
Gefl. Anfragen unter H18
an die Exped. d. Bl.

Käufe, Verkäufe und
Teilhaber
aller Branchen beſchaffe ich raſch und ver=
ſchwiegen
unter kulanten Bedingungen
B. Baer,
Darmstadt, Agenturgeschäft.
Telephan 1145. (17626a

(Ein leichter Federhandwagen und eine
faſt neue Waſchmaſchine bill. zu verk.
Näh. Lauteſchlägerſtr. 7, 2. St. l. (*27412oi

ebrauchtes Damenfahrrad zu kaufen
geſucht. Offerten mit Preis unter
H 37 an die Exvedition ds. Bl. (*27397

[ ][  ]

1

Kunstblätter
Mein großes Lager in Kunstblättern jeder Art, wie Landschaft,
Architektur, Genre, Musik, Jagd, Sport, patriotische, klassische
und religiöse Bilder, habe durch Einkauf zahlreicher Novitäten
vergrößert und empfehle dasselbe bei Bedarf zur gefl. Besichtigung
Eingerahmte Bilder
Größte Auswahl von geschmackvoll eingerahmten Bildern in
allen Preislagen und jeder Größe. Stets aparte Neuheiten.
Anfertigung von Rahmen jeden Stils und zu Zimmereinrich-
tungen
passend
Kunstgewerbl. Gegenstände
Imitation antiker Reliefs, Figuren etc. in künstlerischer Aus-
führung
. Photographie-, Porträt- und Gemälderahmen.
Neuvergoldung und Anfertigung
von Rahmen, Spiegel, Konsolen, Möbel, Wappen u. Schriften etc.
Bleichen alter Stiche, Restaurieren von Oelgemälden, Neubelegen
alter Spiegelgläser
(21636a

An- und Verkauf von Antiquitäten.

Sperialitite Tatres-Anfertigangen aueh
Geschäftsbucher: besonderen Vorschriften.
:: Billigst!

Niederlage von EDLER & KRIScHIE, HANNOVER.
Briefordner :: Schnellhefter :: Bürobedarf.
Alleinverkauf für Darmstadt in Bremer Börsen-Tinten:
1. Buchtinte, 2. Kopiertinte, 3. Buch- und Kopiertinte.

Arnold Rode, Ernst-Ludwigstrasse 18, Tel. 1507.

Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 7. November 1910.

Nummer 261.


Seigenhaus Lauard Olz, Ludwigstrasse 18.

(21639.

finden Sie bei mir in ausgeprägtem Masse. Bei diesen für
die Haltbarkeit der Kleidungsstücke so notwendigen und
wichtigen Bestandteilen, lege ich den Hauptwert auf Soli-
dität
, Haltbarbeit und tausche jedes Stück, gleichviel was
es sei, gegen neue Ware um, das sich nicht unbedingt als
gut im Tragen bewähren sollte. Das gilt für alle Artikel,
sogar für Armblätter, 25 Pfg. Paar, da ich stets nur das
solideste Fabrikat führe. Meine Auswahl ist die grösste.
Meine Preise sind nie teurer als die mit enormen Un-
kosten
arbeitenden sogenannten billigen Geschäfte. Ich
halte auch jedes Untergebot, das versucht werden sollte.
Meine Bedienung wird trotzdem stets die reellste bleiben.

Der vorläufige Schlusstermin, bis zu welchem die alten Marken
noch eingelöst werden, ist der 1. Dezember 1910. Sollte es sich
dann zeigen, dass noch eine grössere Anzahl alter Marken im Um-
lauf
ist, so werden wir dafür sorgen, dass auch diese noch eingelöst
werden können.
Es hat deshalb Niemand zu
befürchten, dass seine Mar-
ken
nicht eingelöst werden.
Wir richten bei dieser Gelegenheit die Bitte an
unsere Kundschaft, bei allen Einkäufen die Mitglieder des
Rabatt-Spar-Vereins zu berücksichtigen,
sich niemals den Rabatt in bar geben
zu lassen, sondern stets schwarz-weisse
Marken zu verlangen.
Der Vorstand.
20638a)
Gerchtfiesteſe Vortehrobüre, Fraekeluengesat.

HERMANN SONNTHIAL-
Elisabethenstraße 28
Fernsprecher 975
HOF-KUNSTHANDLUNG, VERGOLDEREI
: SPEZIAL-EINRAHMUNGSGESCHAFT::

Kabar Spar Verein
Rechtsfühiger
Darmstaur
:: Verein ..

Eingernhme liter detentitr, urhcten,
Familien-, Photographie- u. Postkartenrahmen ingrosser Aus-
wahl
, sow. Einrahmungen bekommen Sie äuss. billig bei
Frz. Langheinz, Karlstr. 41, Tel. 1747.
Bitte um Baachtung meinar Austollune n. Praise Karlutr. 53. (B905ai
Etagen-Geschäft W. Lanz
Ludwigsplatz 8½, Ecke der Schul- und Schützenstrasse.
Beste und billigste Bezugsquelle
(21604
für moderne
Damen-Kleiderstoffe und
Damen-Confection.

Zur Aufklärung!
In Folge verschiedener Anfragen erklären wir nochmals
ausdrücklich:
ihre Gültigkeit verlieren nur die alten Marken

welche die Bezeich-
nung
25 Pfg. in der
Mitte haben

und den Aufdruck
hiben: gültig bis
31. Xll. O9.

fätes Hartenbnidt

Der Ofen der Zukunft,
weif billigste Feuerung der Gegenwart, ist der
Küppersbusch-Dauerbrenner

.Küppersbusch S. Söhne, A.-G., GelsenleirchenI.

Braunkohlen-
Briketts
Lroh Neutsche Reichrstente geuchtm.
Garantiefürtadellosen Brand
and venge Gerteltngtat

Feriern Sioden
Honergrapeint
mit Gutachten.

rung Gureh jede Elsenha

(C17201,35

Ernst-Ludwigstrasse 19
nach Umbau

(14538a

großer, moderner Laden
H
Gang= und Winterſeite 27 Meter Tiefe, 126 qm Flächenraum mit drei großen
Schaufenſtern, Zentralheizung, Gas, elektr. Licht, eventl. mit Wohnung, per
15. November zu vermieten. Nähere Auskunft durch das Immobilienbüro
von Julius Kahn, Schulstrasse Nr. 15, Telephon Nr. 135, ſowie durch
die Firma Herz Hachenburger Sohn, Rheinstrass10, Teleph. Nr. 339.