Darmstädter Tagblatt 1910


29. September 1910

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Abonnementspreis
monatl. 50 Pfg., viertelj. 1.50 Mk., aus=
wärts
nehmen die Poſtämter u. die Agen=
tnren
Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl.
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
für Aufnahme von Anzeigen an vorge=
ſchriebenen
Tagenwirdnicht übernommen.

173. Jahrgang
verbunden mit Wohnungs=Anzeiger und der Sonntags=Beilage:

Inſerate
werden angenommen in Darmſtadt,
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
ſowie von unſeren Agenturen und
den Annonen=Expeditionen. Bei
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.

Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

31 2g.

Donnerstag, den 29. September.

1910.

Die heutige Nummer hat 26 Seiten.

Das neue Stellenvermittelungsgeſetz.
Mit dem 1. Oktober tritt das Stellenvermittlungs=
geſetz
in Wirkſamkeit, durch das die private Stellenver=
mittlung
und die zahlreichen Schäden, die ſich während der
letzten Jahre in der privaten Stellenvermittlung gezeigt
haben, beſeitigt werden ſollen. Das Geſetz dürfte aber
mit der Zeit auch eine weſentliche Einſchränkung der pri=
vaten
Stellenvermittlung herbeiführen.
Die Stellenvermittler müſſen fernerhin um die Er=
laubnis
zur Betreibung ihres Gewerbes einkommen; dieſe
Erlaubnis muß aber verſagt werden, wenn Tatſachen vor=
liegen
, die auf eine Unzuverläſſigkeit des Stellenvermitt=
lers
hinweiſen. Von noch größerer Wichtigkeit iſt eine an=
dere
Beſtimmung, wonach die Erlaubnis zu verſagen iſt,
wenn für einen Ort oder für einen einheitlichen wirtſchaft=
lichen
Bezirk gemeinnützige Arbeitsnachweiſe in ausrei=
chendem
Umfange beſtehen. Dieſe Beſtimmung dürfte eine
bedeutende Zurückdrängung der privaten Stellenvermittler
zur Folge haben, zumal dadurch die weitere Gründung
von gemeinnützigen Arbeitsnachweiſen angeregt werden
dürfte. Eine Beſtimmung, die beſonders der Ausbeutung
der Arbeitsloſen entgegentreten ſoll, ſetzt feſt, daß ein
Stellenvermittler gewiſſe Nebenbetriebe, wie Schankwirt=
ſchaft
, Kleinhandel mit geiſtigen Getränken, gewerbsmäßige
Vermietung von Schlafſtellen, Kleinhandel mit Nahrungs=
mitteln
uſw., nicht betreiben darf; auch zu Anpreiſungen
für das eigene oder irgend ein fremdes Gewerbe darf ein
Stellenvermittler ſeinen Gewerbebetrieb nicht benützen.
Die Gebühren der Stellenvermittler werden von den Lan=
deszentralbehörden
oder den von ihnen bezeichneten Be=
hörden
nach Anhören des Trägers des öffentlichen Ar=
beitsnachweiſes
, von Vertretern der Stellenvermittler, der
Arbeitgeber und Arbeitnehmer feſtgeſetzt. Ein Schutz für
die Arbeitsloſen beſteht auch darin, daß die Stellenver=
mittler
an den Gegenſtänden der Stellenloſen kein Zurück=
haltungs
= oder PPfandrecht mehr haben. Wird einem
Stellenvermittler die Erlaubnis zum Betriebe ſeines Ge=
werbebetriebes
entzogen, ſo gilt dies für das ganze Reich,
die Ueberſchreitung der feſtgeſetzten Taxen gilt als Grund
zur Zurückziehung der Erlaubnis. Einzelne Beſtimmungen
können auch auf nicht gewerbsmäßig betriebene Stellen=
nachweiſe
angewendet werden.
*
Für das Großherzogtum Heſſen ſind die Be=
ſtimmungen
über den Vollzug des Geſetzes im Re=
gierungsblatt
veröffentlicht worden. Danach beſchließt
über die Erteilung oder Verweigerung der Erlaubnis zum
Betrieb des Gewerbes eines Stellenvermittlers der
Kreisausſchuß. Die Feſtſetzung der Gebühren der
gewerbsmäßigen Stellenvermittler, mit Ausnahme der Ge=
bühren
der Stellenvermittler für Bühnenangehörige, für
die beſondere Vorſchriften beſtehen, erfolgt durch das
Kreisamt, in deſſen Bezirk der Gewerbebetrieb ſeinen
Sitz hat. Die zuſtändige Polizeibehörde iſt die Bürger=
meiſterei
oder die an deren Stelle beſonders eingerichtete
ſtaatliche Polizeiverwaltung. Für die Unterſagung eines
vor dem 1. Oktober 1900 begonnenen Gewerbebetriebs und
für die Entziehung einer nach § 2 des Stellenvermittler=
geſetzes
erteilten Erlaubnis iſt der Provinzialaus=
ſchuß
zuſtändig. Das hierbei zu beobachtende Verfahren
richtet ſich nach den betreffenden Vorſchriften der Vollzugs=
verordnung
zur Gewerbeordnung. Die Fortſetzung eines
ohne Erlaubnis begonnenen Gewerbebetriebs kann nach
Maßgabe der Beſtimmungen der Vollzugsverordnung zur
Gewerbeordnung verhindert werden. Für die Unterſagung
des Betriebs einer nicht gewerbsmäßigen Stellenvermitt=
lung
iſt der Provinzialausſchuß zuſtändig.
Die übrigen Beſtimmungen beziehen ſich auf die Füh=
rung
eines Geſchäftsbuches, die Bekanntmachung der
Stellenvermittelung, Beſchäftigung von Hilfsperſonal, Er=
laubniserteilung
das Wort Konzeſſion ſcheint aus
dem neuen Geſetz ausgemerzt zu ſein , Rechte und
Pflichten der Stellenvermittler, den Geſchäftsbetrieb und
die Kontrolle durch die Polizeibehörde.

Eine Ergänzung des Strafgeſetzbuches
ſordern die Hamburger Nachrichten im Hinblick auf die
Beſchimpfungen des ruſſiſchen Kaiſers durch die Sozial=
demokraten
, die geeignet ſind, uns in den Augen des Aus=
landes
herabzuſetzen und den deutſchen Namen zu ſchän=

den. Denn Beſchimpfungen fallen bekanntlich auf den
zurück, der ſie gebraucht. Der Artikel gibt zugleich Ant=
wort
auf die mehrfach aufgeworfene Frage, ob denn ſo
etwas ungeſtraft bei uns geſchehen könne, und ob der
Mißbrauch der Preßfreiheit überhaupt ſtraflos ſei. Das
genannte Blatt ſchreibt:
Wir haben zwar einen Paragraphen (103), der be=
ſtimmt
, daß, wer ſich gegen den Landesherrn oder den Re=
genten
eines nicht zum Deutſchen Reiche gehörenden Staa=
tes
einer Beleidigung ſchuldig macht, mit Gefängnis von
einer Woche bis zu zwei Jahren oder mit Feſtungshaft von
gleicher Dauer beſtraft wird; aber abgeſehen davon, daß
die Strafandrohung dieſes Paragraphen nicht genügt, um
abſchreckend zu wirken, wird ſeine Anwendung auch noch
davon abhängig gemacht, daß in dem betreffenden Staate
dem Deutſchen Reiche die Gegenſeitigkeit verbürgt ſei und
daß die betreffende fremde Regierung Strafantrag ſtelle.
Dieſe Beſtimmungen bilden erfahrungsgemäß ein ſo ſtar=
kes
Hindernis der Beſtrafung von Beleidigungen ſelbſt
ſchwerſter Art gegen auswärtige Staatsoberhäupter, daß
der Paragraph praktiſch ſo gut wie wertlos iſt. Wir ſind
nun der Anſicht, daß eine Verſchärfung und eine ſolche
Abänderung dieſes Paragraphen, die ſeine Anwendung
weſentlich erleichterte, nicht nur ein dringendes Gebot, ſon=
dern
auch eine Ehren= und Anſtandspflicht des Deutſchen
Reiches iſt. Bisher ſind weder Regierung noch Volk ver=
antwortlich
zu machen für die den deutſchen Namen ſchän=
denden
, jedem menſchlichen und politiſchen Empfinden
Hohn ſprechenden Erzeſſe, welche die deutſche Sozialdemo=
kratie
und ihre Zuhälter im bürgerlichen Lager gegen den
als Gaſt auf deutſchem Boden weilenden ruſſiſchen Zaren
ungbläſſig begehen, denn es fehlt eben zurzeit leider an
den erforderlichen geſetzlichen Mitteln, ihnen mit Erfolg
entgegentreten zu können. Aber andererſeits würde ſich
Deutſchland ſchweren Mißdeutungen ausſetzen, wenn es
nach den jetzt gemachten ſchmerzlichen Erfahrungen unter=
ließe
, genügende Vorſorge gegen die Wiederholung derar=
tiger
Nichtswürdigkeiten zu treffen. Wir raten deshalb
ernſtlichſt zu einer entſprechenden Ergänzung des deutſchen
Strafgeſetzbuches, aber gleichzeitig auch dazu, damit nicht
bis zur Geſamterledigung des neuen Vorentwurfes zu
warten, ſondern die erforderliche Novelle ſofort in Angriff
zu nehmen. Einerſeits iſt die Sache ſo dringend als mög=
lich
, und andererſeits läßt ſich der Zeitpunkt kaum ab=
ſehen
, wo das neue Strafgeſetzbuch in Kraft tritt. Unſeres
Erachtens verträgt die Sache keinen Aufſchub, wenn nicht
unberechenbarer Schaden für das Deutſche Reich entſtehen
ſoll. Die aus Rußland herüberdringenden Preßſtimmen
laſſen keinen Zweifel darüber, welche verhängnisvolle Wir=
kung
durch die fortgeſetzten ſchnöden Herabwürdigungen
des ruſſiſchen Staatsoberhauptes nicht nur durch die deutſche
Sozialdemotratie, ſondern auch durch die linksliberale und
demokratiſche Preſſe, ſowie durch die bekannten Witzt=
Blätter hervorgerufen wird. Wenn irgendwo die Mög=
lichkeit
beſteht, daß das Deutſche Reich die Koſten der
Fenſterſcheiben zu zahlen hat, die durch ſeine Preſſe und
ſo fügen wir hinzu durch unverſchämte Reſolutionen,
auf deutſchem Boden von deutſchen Staatsangehörigen
und unter den Augen von deutſchen Behörden gegen aus=
wärtige
Staatsoberhäupter gefaßt, eingeſchlagen werden,
ſo iſt das hier der Fall. Wir meinen, es liegt eine Staats=
notwendigkeit
erſten Ranges vor, daß dieſem Treiben ſo
ſchnell wie möglich ein Ende gemacht wird.
Deutſches Reich.
Der Zuſammentritt des Reichstags.
Wie verlautet, hegt man in Regierungskreiſen den Wunſch,
den Reichstag erſt nach dem Bußtage (16. November) zu=
ſammentreten
zu ſehen, um den jetzt tagenden Ausſchüſſen
Gelegenheit zu geben, ihre Arbeiten zu fördern. Die Re=
gierung
legt auf die beſchleunigte Verabſchiedung des Ar=
beitskammergeſetzes
und des Wertzuwachsſteuergeſetzes
keinen großen Wert, zumal letzteres nach den Erfahrungen
des letzten Jahres nicht ſehr große Erträgniſſe erwarten
läßt. Von den übrigen Vorlagen ſei nur die Novelle zum
Strafgeſetzbuch reif für die Plenarberatung. Der neue
Reichsetat dürfte auch erſt in den erſten Dezembertagen
dem Reichstage vorgelegt werden können. Das Plenum
habe alſo kaum genügend Stoff für drei Wochen, wenn
einige Tage auch durch die Beratungen von Anträgen und
Interpellationen ausgefüllt werden könnten. Die Anbe=
raumung
der nächſten Reichstagsſitzung nach dem 8. No=
vember
bleibe dem Reichstagspräſidenten vorbehalten, der
vorläufig noch keine Dispoſitionen getroffen habe. Wir
haben vor einiger Zeit ſchon darauf aufmerkſam gemacht,
daß die Regierung den Zuſammentritt des Reichstags
offenbar hinausſchieben möchte und in dieſem Sinne ver=
ſucht
, Stimmung machen zu laſſen.
Aus dem neuen Militäretat. Dem wie=
derholt
, namentlich nach den jedesmaligen Herbſtübungen,
hervorgetretenen Wunſche, die Uebungsmunition der
Truppen weſentlich zu erhöhen, damit ſich die Friedens=
gefechte
kriegsmäßiger geſtalten können, wird, wie die
N. G. C. erfährt, nunmehr ſeitens der Heeresverwaltung
entſprochen werden. Schon für den kommenden Etat iſt
eine gewiſſe Erhöhung der Patronenzahl vorgeſehen, der

wahrſcheinlich weitere Erhöhungen folgen werden. Beſon=
ders
reichlich ſollen die Maſchinengewehrtruppen mit Mu=
nition
verſehen werden, bei denen ja auch ſtets ein ſehr
großer Verbrauch eintritt. Immerhin iſt jede Munitions=
vermehrung
recht koſtſpielig und daraus erklärt ſich wohl
auch das ganz allmähliche Vorſchreiten des Kriegsmini=
ſteriums
.
Fabrik und Handwerk. In den Handwer=
kerkreiſen
mehren ſich die Stimmen, die zurzeit von einem
Eingreifen der Geſetzgebung in der Frage Fabrik und
Handwerk nichts wiſſen wollen. Nichtsdeſtoweniger wird
das Reichsamt des Innern die ſchon längſt geplante Kon=
ferenz
zur Erörterung der Frage noch in dieſem Winter
abhalten. Es wird ſich dann herausſtellen, inwieweit eine
reichsgeſetzliche Regelung der Frage von den Intereſſenten
noch gewünſcht wird und überhaupt an ſich auch erforder=
lich
iſt. Auf der von der Reichsverwaltung beabſichtigten
Konferenz ſollen auch die Frage der Heranziehung der
Induſtrie zu den Koſten der Lehrlingsausbildung durch
das Handwerk und die Beſtrebungen auf Aenderung des
§ 100g der Gewerbeordnung beſprochen werden.
Ausland.
Oeſterreich=Ungarn.
Die ungariſche Anleihe. Man ſchreibt uns:
Aus Peſt kommt die Meldung, daß der Abſchluß der un=
gariſchen
Anleihe unter Beteiligung von Berliner Banken
bevorſtehe. Dieſe Nachricht dürfte den Tatſachen entſpre=
chen
. Wenn gleichzeitig der Betrag der Anleihe auf 400
Millionen Kronen beziffert wird, ſo hat man darunter die
Geſamtſumme zu verſtehen, die Ungarn gegenwärtig auf=
nehmen
will. Der Betrag aber, an dem die Berliner Ban=
ken
ſich beteiligen werden, bleibt wohl erheblich hinter der
angegebenen Geſamtſumme zurück; es dürfte ſich für die
Berliner Banken bloß um die Beteiligung an 235 Millio=
nen
Kronen Schatzſcheinen handeln, die erneut ausgegeben
werden ſollen.
Frankreich.
Biſchofskonferenz. In Lyon findet gegen=
wärtig
eine vertrauliche Beratung der Biſchöfe von
Langres, Grenoble, Dijon, St. Claude und Autun ſtatt.
Gegenſtand der Beratung iſt das päpſtliche Dekret über
das Alter für die erſte Kommunion. Es heißt, daß bei
dieſer Erörterung Meinungsverſchiedenheiten betreffend
die ſofortige und uneingeſchränkte Anwendung der
päpſtlichen Weiſung zutage getreten ſeien.
Fahnenflucht. Den Blättern zufolge haben
ſich in der letzten Zeit in den fünf franzöſiſchen Kriegs=
häfen
die Fälle von Fahnenflucht bedenklich gehäuft,
ſo daß die Seebehörden ſich veranlaßt geſehen haben,
die Aufmerkſamkeit des Kriegsminiſter hierauf hinzu=
lenken
. Das Marinekriegsgericht von Toulon hat ſeit
kurzer Zeit faſt täglich Deſerteure abzuurteilen. Nach
der Ausſage eines Angeklagten ſcheint die Verleitung
zur Deſertion von einer fremden Agentur auszugehen
England.
Neue Schiffsbauten. Lord Charles Beresford
hat einen offenen Brief an den Premierminiſter Asquith
gerichtet, worin er erklärt, die Sicherheit des Reiches er=
heiſche
ſofortige Vorkehrungen für den Bau von ſieben
weiteren Dreadnoughts außer den für das nächſte Jahr
vorgeſehenen fünf Dreadnoughts. Beresford zählt die
Anzahl der dem Dreibund in den Jahren 1913 und 1914
zur Verfügung ſtehenden Dreadnoughts auf zum Beweis,
daß England ſonſt in eine äußerſt gefährliche Lage gerate.
Zur Deckung der hierfür erforderlichen Ausgaben verlangt
er die ſofortige Emiſſion einer großen Anleihe. Er be=
hauptet
ferner, die geringe Ueberlegenheit, die England an
Schlachtſchiffen habe, werde noch dadurch erheblich beein=
trächtigt
, indem es an Mannſchaften, Vorräten, Docks,
Kreuzern und Torpedobooten fehle, während die deutſche
Kriegsmarine mit all dem verſehen ſei. Die Regierung
müſſe außerdem mit der Notwendigkeit rechnen, eine ſtarke
Flotte im Mittelmeer zu halten, da im Jahre 1915 Oeſter=
reich
=Ungarn und Italien acht Dreadnoughts verwen=
dungsbereit
haben würden.
Türkei.
Die Anleihe. Das Regierungsblatt Tanin repro=
duziert
die Nachricht des Daily Telegraph, daß die Bot=
ſchafter
Deutſchlands und Oeſterreich=Ungarns die Pforte
wiſſen ließen, falls die türkiſchen Verhandlungen über die
Anleihe unüberwindlicher Schwierigkeit begegneten, ſo
wäre eine Anleihe von 100 Millionen Francs in ihren
Ländern leicht zu plazieren. Tanin ſagt zu dieſer Mel=
dung
: Wir können nichts Formelles nach dieſer Richtung

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 29. September 1910.

Nummer 228.

veröffentlichen; doch dürfen wir verſichern, daß die Türkei
keinerlei Schwierigkeit findet, ihren Geldbedarf auch ohne
den franzöſiſchen Markt zu decken. Die Türkei vermag die
Anleihe jederzeit unterzubringen unter voller Wahrung
ihrer Würde, ihrer Rechte und Intereſſen. Dieſe Note
des Tanin ſpiegelt, wie der Frankfurter Zeitung gemeldet
wird, die Auffaſſung des Miniſterrats wider, welcher darin
einmütig war, jede Transaktion zurückzuweiſen, welche
den ſo formulierten Bedingungen nicht entſpricht. Tatſäch=
lich
nahm der Miniſterrat auch von anderen wichtigen An=
erbieten
Kenntnis.
Amerika.
Der politiſche Kampf in den Vereinig=
ten
Staaten. Nach heftigem Wortgefecht im republi=
kaniſchen
Staatskonvent wurde Rooſevelt mit 122 Stim=
men
Mehrheit zum zeitweiligen Vorſitzenden des Kon=
vents
gewählt. Rooſevelt verurteilte in einer Rede das
korrupte Bündnis zwiſchen der Geſchäftswelt und der Po=
litik
. Vor der Abſtimmung hatte Kolonel Gruber, der
Hauptredner der alten Garde, heftige Angriffe gegen
Rooſevelt gerichtet und erklärt, durch deſſen Reden ſei die
Handelswelt von einer Panik ergriffen. Als ſchließlich die
Anhänger Rooſevelts die Stimme des Redners durch
Schreien zu übertönen verſuchten, legte ſich Rooſevelt ins
Mittel und verlangte, daß Gruber angehört werde.

* Zur Fleiſchnot. Eine bemerkenswerte Aus=
laſſung
hat das bayeriſche Miniſterium des
Königlichen Hauſes und des Aeußern an die
Handelskammern und den bayeriſchen Induſtriellenver=
band
gerichtet. Sie lautet: Die ſeit Jahren ſteigenden
Vieh= und Fleiſchpreiſe geben Veranlaſſung, alle Mittel
zu ergreifen, die eine Beſſerung der Verhältniſſe herbeizu=
führen
vermögen. Hierzu gehört u. a. auch die weit=
gehendſte
Einführung der Kaninchenzucht unter der
Arbeiterbevölkerung. Durch ſachgemäßen Betrieb der Ka=
ninchenzucht
könnten alljährlich große Mengen eines im
Nährwert und bei richtiger Zubereitung den übrigen
Fleiſchgattungen nicht nachſtehenden Fleiſches im eigenen
Haushalt billig erzeugt werden. Die Induſtriekreiſe
könnten ohne große Koſten durch Beihilfen beim Bezug
von Schlachtkaninchenraſſen, unter Ausſchluß der Sport=
raſſen
, durch Anlage billiger Kaninchenſtälle und durch
Bereitſtellung von Grundſtücken zum Anbau des notwen=
digen
Futters ihren ſonſtigen Wohlfahrtseinrichtungen
eine neue Einrichtung von großer volkswirtſchaftlicher und
ſozialpolitiſcher Bedeutung angliedern. Der drohenden
Steigerung des Milchpreiſes könnte ferner durch Begün=
ſtigung
der Ziegenhaltung unter der Arbeiterbevöl=
kerung
begegnet werden. Auch hier könnte durch Beihilfen
bei der Beſchaffung von Milchziegen, durch Anlage von
Stallungen, namentlich beim Bau von Arbeiterwohnhäu=
ſern
, durch Aufſtellung von Zuchtböcken und durch Ab=
laſſung
von Grundſtücken für den Futterbau zum leichteren
Bezug und zur Verbilligung eines der wichtigſten Nah=
rngsmittel
durch die Induſtrie beigetragen werden.
Das iſt ganz ſchön, nur iſt es den in großen Städten
zur Miete wohnenden Arbeitern weder möglich, Kaninchen
zu züchten, noch Ziegen zu halten. Uebrigens leiden nicht
nur die Arbeiter, ſondern auch die Handwerker und der
geſamte Mittelſtand unter der Fleiſchteuerung.
* London, 28. Sept. Die Bergleute im
Süden von Wales ſtimmten heute über die Frage
des Generalſtreiks als Ausdruck der Sympathie für
die Ausſtändigen in den Cambriankohlengruben ab.
So weit die Ergebniſſe bekannt ſind, ſprach ſich die
große Mehrheit gegen den Generalſtreik aus, aber für
Unterſtützung der Ausſtändigen durch Geld.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 29. September.
Entlaſſen wurden die Lehrerin an der Volks=
ſchule
zu Darmſtadt Hedwig Müller auf ihr Nach=
ſuchen
, der Gefangenaufſeher am Provinzialarreſthaus
in Darmſtadt Emil Jakob Schleppy auf ſein Nach=
ſuchen
und der Schreibgehilfe bei dem Amtsgericht
Offenbach Johannes Schmitt auf ſein Nachſuchen.
In den Ruheſtand verſetzt wurde der Bahn=
wärter
in der Heſſiſch=Preußiſchen Eiſenbahngemeinſchaft

Franz Kilian zu Mannheim mit Wirkung vom
1. Januar 1911 an.
Ernannt wurde der Gefangenaufſeher an der
Zellenſtrafanſtalt Butzbach Otto Bellmann zum
Gefangenaufſeher am Provinzialarreſthaus in Darmſtadt.
* Beſuch des Zarenpaares. Neueren Meldungen zu=
folge
würde das Zarenpaar den anfangs beabſichtigten
Beſuch des Jagdſchloſſes Wolfsgarten in dieſem Jahre
nicht mehr ausführen und direkt nach Beendigung der
Badekur der Zarin nach Darmſtadt überſiedeln.
Als Termin hierfür ſei der 15. Oktober vorgeſehen
Wir nehmen von dieſer Meldung lediglich Kenntnis
Die endgültigen Dispoſitionen hängen von dem Ver=
lauf
der Badekur der Zarin und deren Befinden ab.
Amerikaniſches Konſulat. Der zum amerika=
niſchen
Generalkonſul in Frankfurt a. M. ernannte Frank
D. Hill, dem das Reichsexequatur verliehen wurde, iſt
zur Ausübung konſulariſcher Verrichtungen im Groß=
herzogtum
zugelaſſen worden. Sein Amtsbezirk umfaßt
das Großherzogtum mit Ausnahme der Kreiſe Alzey,
Bensheim, Worms, Heppenheim und Erbach.
L. Die geſtrige Schwurgerichtsverhandlung betraf den
25 Jahre alten, noch unbeſtraften Kaufmann Karl Sand
von Offenbach, der wegen ſchwerer Urkundenfälſchung,
ſowie wegen Betrugsverſuchs angeklagt iſt. Der Angeklagte
war im Februar d. J. ſtellenlos und brauchte Geld. Er
ſandte einen ſeinem Bruder gehörigen Anzug, der zu
10 Mark geſchätzt wurde, in das ſtädtiſche Pfandhaus in
Offenbach, welches ihm darauf 7 Mark lieh. Den Pfand=
ſchein
verwertete er in der Weiſe, daß er ihn gegen ein
Darlehen von 6 Mark dem Chauffeur Schott verſetzte. Dem
Anzug folgte bald auch eine Uhrkette, deren Wert zu 3 Mark
angenommen wurde; er erhielt dafür 2,30 Mark. Eines
Tages hatte er Ausſicht, eine Stelle zu bekommen; um ſich
vorzuſtellen, bedurfte er des Anzugs. Um ſich dieſen zu
verſchaffen, fälſchte er den zweiten Schein, indem er aus
2,30 12,30 und aus 3 13 machte; dann legte er ihn dem
Schott vor, bemerkte, daß der neue Schein wertvoller ſei,
als der auf den Anzug ausgeſtellte, und bat, erſteren gegen
letzteren zum Pfand zu nehmen. Die bei der Verhandlung
anweſende Tante des Chauffeurs hielt den Schein gegen
das Licht und ſagte, der ſei ja mit zweierlei Tinte ge=
ſchrieben
. Sand bemerkte ihr, das wäre noch ſchöner,
wenn die mit zweierlei Tinte ſchrieben. Er erzählte
außerdem, ſein Bruder mache Examen und brauche des=
halb
den Anzug. Schott, der dem Bruder keine Schwierig=
keiten
machen wollte, ſah ſich den neuen Schein nicht genau
an, ſondern nahm ihn im guten Glauben und gab den
andern heraus. In der Pfandleihanſtalt hörte er bald,
daß er geprellt ſei. Wiederholte Verſuche, ſein Geld zu
bekommen, waren erfolglos. Der Angeklagte iſt im weſent=
lichen
geſtändig. Die Geſchworenen ſprachen ihn im Sinne
der Anklage unter Zubilligung mildernder Umſtände ſchul=
dig
, worauf das Gericht auf die geſetzliche Mindeſtſtrafe
von 3 Monaten Gefängnis erkannte.
G. Reichsgerichts=Entſcheidungen. Der Arbeiter
Huhn iſt Beſitzer eines grün angeſtrichenen Nachens, mit
dem er jeden Sonntag in Begleitung zweier Freunde auf
dem Rhein ſpazieren fuhr. Dieſe regelmäßigen Spazier=
fahrten
erregten aber den Verdacht des Wilderns, zumal
man öfters Schüſſe fallen hörte und an einer von dem H.
und ſeinen Begleitern beliebten Landungsſtelle am Ufer
Schlingen und ein geſchoſſener Haſe gefunden wurde.
Sonntag, den 16. Januar 1910 forderte der Polizeidiener
Schmidt ſeinen Stiefſohn Weber auf, einmal auf die ſon=
derbaren
Schiffer aufzupaſſen; er ſchlich ſich ans Ufer und
bemerkte nun, wie Huhn mit ſeinen Genoſſen nach Jäger=
art
das Ufergelände abpirſchte. Weber rief ſeinen Stief=
vater
herbei; dieſer ſchnitt den Wilderern den Weg zum
Ufer ab und Weber ſtellte ſie. Sie wurden zur Bürger=
meiſterei
geſchafft und dort viſitiert; man fand bei Huhn
5 leere abgeſchoſſene Patronenhülſen und ſpäter auch das
Gewehr. Nun beſtritten ſie, auf Wild geſchoſſen zu haben.
Huhn habe Raubvögel zum Ausſtopfen ſchießen wollen.
Auf Grund dieſer Recherchen hatten ſich die
drei Freunde am 11. Juni ds. Js. vor der Strafkam=
mer
zu Darmſtadt wegen Jagdvergehens zu verant=
worten
. Die Strafkammer hielt die Angeklagten des ver=
botenen
Jagens für überführt. Bei den Angeklagten Huhn
und Hübner hielt die Strafkammer gewerbsmäßiges Jagd=
vergehen
als vorliegend und verurteilte jeden der beiden
zu 4 Monaten Gefängnis. Den Angeklagten Schmidt je=
doch
hielt ſie nur des einfachen Jagdvergehens für über=
führt
, weshalb er mit 1 Monat Gefängnis davonkam. Ge=
gen
dieſes Urteil legten die beiden erſten Angeklagten
Reviſion beim Reichsgericht ein und rügten unzu=

reichende Begründung der Gewerbsmäßigkeit. Der hohe
Senat kann jedoch keinen Rechtsirrtum im Urteil finden
und erkannte deshalb auf koſtenpflichtige Verwerfung
der Reviſion.
Die Meßbude als Kampfmittel gegen die Schund=
literatur
. Man ſchreibt uns: Auf einen neuen Weg
der Bekämpfung der Schundliteratur hat. zuerſt der
Dürerbund weitere Kreiſe aufmerkſam gemacht, indem
er durch praktiſche Verſuche eingetreten iſt für den
Verkauf guter Bücher und Bilder auf Meſſen und
Märkten. In Leipzig, Dresden, Hamburg, Köthen uſw.
hat man, wenn auch nicht überall mit befriedigendem
finanziellen, ſo doch mit erfreulichem idealen Erfolg
ſich an die Arbeit gemacht. Dem Dürerbund ſind andere
Vereine gefolgt. Jetzt hat auch der Heſſiſche
Volksſchriftenverein, der ausdrücklich zum
Kampf gegen die Schundliteratur gegründet iſt, und dem
eine Reihe der angeſehenſten Perſönlichkeiten, u. a.
auch der Provinzialdirektor von Starkenburg, Geh. Rat
Fey, und Prälat Flöring angehören, den Verſuch mit
einer Bude auf der diesjährigen Darmſtädter
Herbſtmeſſe gemacht. Die Stadt Darmſtadt hat in
Anerkennung der gemeinnützigen Beſtrebungen des
Vereins einen Platz billig zur Verfügung geſtellt und
ſo iſt nun in der Nähe des Volksbades an der Landgraf=
Georg=Straße zwiſchen der Mühlſtraße und der Stadt=
mädchenſchule
I eine Bude mit einer reichen Auswahl
billiger Bücher und Bilder errichtet worden. Auf ſie
ſei hiermit ausdrücklich hingewieſen und das neue
Unternehmen dem Intereſſe aller Volksfreunde
empfohlen.
m. Die beiden neuen Schulhäuſer auf dem alten
Gaswerk ſind in ihrem Rohbau ſeit einiger Zeit fertig.
Die Schieferbedachungen ſind bis auf den Laufgang
um die Turnhalle hergeſtellt. Die Maurer ſind eben
damit beſchäftigt, das ſchwere Baugerüſt abzutragen, es
wird ſofort von den Weißbindern durch ein leichteres
erſetzt, damit der äußere Bewurf noch vor Winter fertig=
geſtellt
werden kann. Im Inneren der Gebäude haben
ſchon die meiſten Säle ihren Verputz erhalten. Auch
ſind die Monteure daran, die Gasleitung anzubringen.
In dem oberſten Stockwerke der höheren Mädchenſchule
werden eben die Fenſterrahmen nebſt Fenſter ange=
ſchlagen
. Im neuen Oberrealſchulgebäude wird mit aller
Macht gearbeitet, um bis Frühjahr vorerſt 8 Schulſäle
fertigzuſtellen, die wegen Ueberfüllung der Knaben=
mittelſchule
I in der Friedrichſtraße zur Aufnahme von
8 Mittelſchulklaſſen beſtimmt ſind.
In der Kinderpflegerinnenſchule des Heſſiſchen
Diakonievereins Eichbergſtraße 26 fand Montag und
Dienstag nachmittags die Entlaſſungsprüfung der
8 Schülerinnen ſtatt, welche dieſen Herbſt ihren
1½jährigen Kurſus beendigt haben und die Anſtalt ver=
laſſen
. Bei den erſchienenen Gäſten erregte beſonderes
Intereſſe die Ausſtellung der Fröbelarbeiten und prak=
tiſchen
Handarbeiten, welche von den abgehenden jungen
Mädchen angefertigt und ausgelegt waren. Es iſt von
jenen gewünſcht worden, die Beſichtigung auch einem
größeren Kreis zu ermöglichen. So werden die Sachen
Donnerstag ausgeſtellt bleiben, und es wird zur Be=
ſichtigung
zwiſchen 912½ Uhr und 26 Uhr freundlichſt
eingeladen. Die Leiterin, Fräulein E. Klenner, iſt gern
bereit, die Sachen zu zeigen.
Der Familienabend des hieſigen Lokalverbandes
vom Allgemeinen Deutſchen Chorſänger=Verband am kom=
menden
Samstag abend verſpricht nicht allein vergnügte,
frohe Stunden, ſondern auch hohen künſtleriſchen Genuß.
Haben doch viele hervorragende Künſtler und Künſtlerin=
nen
des Hoftheaters und aus der Stadt ihre freundliche
Mitwirkung zugeſagt. Erwähnt ſeien nur: Frau de
Leeuwe=Bauer, Frl. Grünberg, Frau Ritter, die Herren
Hoff, Speiſer, Jordan, Jahn, Holler, Schnelting und der
geſamte Herrenchor des Hoftheaters. Die Tombola birgt
annähernd 500 wertvolle Gegenſtände, die zurzeit bei Herrn
Braun, Alexanderſtraße (Deutſches Haus), zur Beſichtigung
aufgeſtellt ſind. Ein Tanz wird den viel Amüſement ver=
ſprechenden
Abend beſchließen, zu dem auch Freunde und
Abonnenten des Hoftheaters Zutritt haben, die ſich beim
Kaſſierer des Verbandes, Herrn Ludwig Indorf, Hofchor=
ſänger
hier, mit Eintrittskarten verſehen.
Die September=Verſammlung des Vereins für
Geflügel= und Vogelzucht Ornis wurde durch den
erſten Vorſitzenden, Herrn Schömer, mit Bekanntgabe
zahlreicher Einläufe eröffnet. Von dieſen ſind hervor=
zuheben
die Einladungsſchreiben der Vereine Ober=
Ramſtadt und Weinheim a. d. B. zum Beſuche und zur
Beſchickung ihrer Ausſtellungen. Vor Eintritt in die
Tagesordnung wurde gemeinſchaftliche Beſichtigung

Was der Gentleman in dieſem
Winter trägt.
Die Londoner Modegenies, die alljährlich in
ſtiller Arbeit die Geſetze für die Herrentracht der kom=
menden
Winterſaiſon feſtſtellen, haben ihre Arbeit voll=
endet
: der Gentleman braucht nicht länger zu zweifeln,
wie er ſich fortan kleiden muß, um ſeine Stellung als
eleganter Kavalier zu behaupten. Freilich, die Freunde
der Farben, die alljährlich über die troſtloſe Ein=
tönigkeit
der Herrenkleidung ſeufzen, werden die unan=
fechtbare
Entſcheidung der höchſten Herrenmode=Inſtanz
nur mit ſchmerzlicher Reſignation vernehmen. Denn
die Anſätze zu lichterer Farbengebung, die in den letz=
ten
Sommern hin und wieder auftauchten, ſind erbar=
mungslos
getilgt; der Gentleman des Winters 1910
kleidet ſich ausſchließlich in ernſte, dunkle, zurück=
haltende
Farben. Die einzige beſcheidene Zufluchts=
ſtätte
für koloriſtiſch empfängliche Gemüter bleibt das
Taſchentuch, im übrigen aber iſt alles trüb und
dunkel, ſelbſt die Herrſchaft der farbig verzierten, mit
graziöſen, bunten Stickereien geſchmückten Socke iſt ver=
ſchwunden
. Und wer ſelbſt von dieſen Socken nicht
laſſen will, hat nicht mehr die Möglichkeit, ihre pikanten
Farbenharmonien zum Klingen zu bringen, denn ſchwer
und unerbittlich legt ſich im kommenden Winter die
Gamaſche über die Feſſeln.
Die Mode verlangt vom Gentleman, daß, wenn
immer er niedrige Schuhe anlegt, die wärmende
Gamaſche das Fußgelenk ſchützend umhülle. Die
Bevorzugung des Grau bei der Wahl der Anzugsfarbe
iſt überwunden. Braun, das iſt die Farbe des Win=
ters
1910; Braun und die neue Verfügung, nach der
der Rock auf der Rückſeite keinen Schlitz mehr haben
darf, darin gipfeln die Vorſchriften. Der Rock zeigt
eine loſe läſſige Form, wird weniger in der Taille ge=
arbeitet
als bisher, folgt aber immer noch den Linien
des Körpers; der Kragen iſt leicht gerollt, die Seiten=
taſchen
werden ohne Klappen gearbeitet und die
Taſchentuchtaſche hat ſich wieder ihren altgewohnten
Platz an der äußeren linken Bruſtſeite zurückerobert.
Die Weſten des Jackettanzuges ſind tiefer ausge=
ſchnitten
, die Entfernung vom Kragenknopf bis zum
erſten Weſtenknopf muß 6 bis 7 Zoll betragen. Bei der

Straßenkleidung werden die Beinkleider umge=
krempelt
getragen.
Der dunkelblaue Frack gewinnt immer mehr
Anhänger, er iſt in der Abendbeleuchtung von dem
ſchwarzen Frack kaum zu unterſcheiden. Die bunte
Frackweſte gilt fortan als ein ſicheres Wahrzeichen
kulturfremder Geſchmackloſigkeit. Seidene Weſten ſind
in England zum Frack eigentlich überhaupt nie getragen
worden, da aber einige Outſiders vom Kontinent in
dieſer Hinſicht peinliche Faux=Pas begangen haben, läßt
die neue Mode darüber keinen Zweifel, daß der echte
Gentleman zum Frack nur eine weiße Piqué= oder eine
ſchwarze Samtweſte trägt. Die Weſte der kommenden
Saiſon zeigt vier Knöpfe ſtatt drei, dazu gerollten Um=
ſchlag
; die langen Zwickel am unteren Ende, mit denen
vielfach Mißbrauch getrieben wurde, ſind ſtark ver=
kürzt
, und der Ausſchnitt läuft in einen geometriſch
genauen ſpitzen Winkel aus. Der individuellen Be=
wegungsfreiheit
trägt die Anerkennung einer neuen
Zuſammenſtellung Rechnung, die bisher nicht als offi=
ziell
einwandfrei galt: man trägt einen kurzen, ſchwar=
zen
Rock mit ſchwarzer Weſte und dazu den Zylinder.
Aber die dunkelgeſtreiften Beinkleider, die früher zum
kurzen ſchwarzen Rock angelegt wurden, bleiben künf=
tig
ausſchließlich für den Gehrock reſerviert. Man trägt
zum kurzen ſchwarzen Rock graue Cheviothoſen. Unter
allen Umſtänden aber iſt es verpönt, daß der Rock oder
der Gehrock eingefaßt ſind.
Unentbehrlich für den Gentleman iſt im kommenden
Winter bei der Abendtoilette der Stock. Am meiſten
bevorzugt ſind Malaccaſtöcke mit einem Griff aus
Rhinozeroshorn ſie koſten 60 bis 120 Mark , aber
daneben paſſieren auch Stöcke aus Schlangenholz. Be=
dingung
iſt, daß die eiſerne Zwinge verſchwindet und
durch eine Hornzwinge erſetzt iſt. Eine andere Nenheit
iſt die lange Zigarettenſpitze. Man trägt dieſe Spitzen,
die ausſchließlich aus gelbem Bernſtein gearbeitet ſind
und eine Länge von nicht weniger als 8 bis 9 Zoll
haben, mit einem ſchmalen blauen oder mauvefarbenen
Emailband verziert, das diskret und unaufdringlich in
Gold gefaßt ſein darf. Krawattennadeln er=
fordern
beſondere Sicherheit des Geſchmackes und wer=
den
nur noch ausnahmsweiſe getragen. Sie müſſen
dann aber einfach und koſtbar ſein. Das Vornehmſte
bleibt die ſchwarze Perle, daneben aber können noch

kleine, ringförmige Arrangements aus Diamanten,
Smaragden und Rubinen gelten. Vorausſetzung bleibt,
daß die Edelſteine nicht in Gold, ſondern in dem mild=
ſchimmernden
Platin gefaßt ſind. Die Farben, die
bei dem korrekt gekleideten Kavalier für die Kra=
watte
in Betracht kommen, ſind in dieſem Winter
beſchränkt und laſſen perſönlichen Varianten nur ge=
ringen
Spielraum. Der Gentleman wählt ſchwarz zur
Baſis ſeiner Krawattenfarbe, bevorzugt bei manchen
Gelegenheiten Schwarz und Weiß, bleibt im übrigen
aber an eine dunkelblaue Grundfarbe gebunden, die
am beſten durch einfache weiße Punkte belebt wird.
Für die Farbenphantaſie bleibt, wie geſagt, das
Taſchentuch das einzige freie Feld. Die beliebteſten
Farben ſind violett, flohfarben, ein ins Immergrün
ſpielendes Blau. Der elegante Straßenſchuh des kom=
menden
Winters zeigt eine Kappe aus grauem Glacé
oder ſchwarze Lackkappe. Die Gamaſche, die eine
große Rolle ſpielt, hebt ſich in ihrer mausgrauen oder
dunkleren eiſengrauen Färbung pikant von der Fuß=
bekleidung
und dem Beinkleid ab; ihr Material be=
ſchränkt
ſich nicht mehr auf Stoff, man kann auch Glacé=
leder
wählen. Die Wäſchefrage wird von der Mode
genau geregelt. Der elegant gekleidete junge Mann
trägt am Tage Hemden aus weichem weißen Batiſt
oder weißer Seide mit umgeſchlagenen Manſchetten.
Am Abend herrſcht ausſchließlich das weiße Piguéhemd,
das nur ein diskret geſtreiftes Muſter zeigen darf. Ge=
tüpfelte
Muſter und Phantaſieblumen ſind unſtatthaft.
Aber die Mode beſchränkt ſich nicht nur auf die äußere
Erſcheinung auf der Straße und im Salon, ſie dringt
auch indiskret in das Schlafgemach des Gentleman. Die
Piyamas, für die der neue Name Schlummeranzug‟
erfunden worden iſt, ſind ſchlicht und einfach aus weißer
Seide gearbeitet und zeigen nur einen violetten
Streifen an der Naht des Beinkleides und am Kragen
der Jacke. Wer ſich mit einfacheren Schlummeranzügen
begnügt, wählt ein leichtes, dünnes Manilagewebe,
einen zarten, weißen Flanell, der dieſelben violetten
Farbenüancen zeigt, wie die Seidenpiyamas. Sogar die
Haartracht iſt reguliert; man trägt den Scheitel auf
der linken Seite, das Haar wird einfach dem natürlichen
Wuchſe folgend ſeitwärts gekämmt. Der knappe, ſorg=
ſam
geſtutzte Schnurrbart gewinnt immer mehr An=
hänger
.

[ ][  ][ ]

des weit und breit als Muſteranſtalt bekannten Ge=
flügelhofes
Roſenhof in Seeheim a. d. B. für Sonn=
tag
, den 2. Oktober, beſchloſſen. Näheres wird durch
Annonce bekannt gegeben. Die Beratung der Aus=
ſtellungsbeſtimmungen
, insbeſondere Feſtſetzung des
Standgeldes und der zu vergebenden Ehren= und Geld=
preiſe
, ging glatt von ſtatten. Die Ausſtellung 1910
verſpricht an Nummernzahl und Ausſtellungsmaterial,
ſoweit bis jetzt feſtgeſtellt werden konnte, alle vorher=
gehenden
zu übertreffen. Ehrenpreiſe ſind bereits in
größerer Zahl geſtiftet. Ferner beſchloß man, die dies=
jährige
Verloſung mit zahlreichen Gewinnen auszu=
ſtatten
. Nach Erledigung dieſes Punktes erhielt Herr
Waldſchmidt, welcher aus ſeiner bekannten Spezial=
zucht
blauer Andaluſier=Hühner einen ſchönen Stamm
(1,4) diesjährige Tiere zur Schau ſtellte, das
Wort zur Schilderung dieſer Raſſe. Herr Debus hatte
ein Modell eines Tauben=Brutkaſtens vorgezeigt.
Eine mit zahlreichen Gewinnen (Hahnen und Tauben)
ausgeſtattete Verloſung bildete den Schluß der bis
Mitternacht währenden Verſammlung.
X Straßenſperrungen. Das Großh. Polizeiamt
läßt auf die öffentliche Bekanntmachung im Darmſtädter
Tagblatt vom 28. d. Mts., wonach wegen Vornahme
von Straßenarbeiten für den zweigleiſigen Ausbau der
elektriſchen Straßenbahn die Wendelſtadtſtraße zwiſchen
der Bismarck= und Landwehrſtraße und die Liebig=
ſtraße
zwiſchen der Landwehr= und Aliceſtraße
vom 3. Oktober I. Js. an, dem Fortgang der Arbeiten
entſprechend, bis auf weiteres für den Fuhrwerks= und
Radfahrverkehr ſtreckenweiſe geſperrt werden, nochmals
beſonders hinweiſen. Da durch dieſe Abſperrungen
größere Verkehrsſtörungen nicht zu vermeiden ſind, dürfte
es ſich empfehlen, daß die in Frage kommenden An=
wohner
und insbeſondere Geſchäftsleute ihre Beſtellungen
und Lieferungen, ſoweit ſie Fuhrwerksverkehr erfordern,
tunlichſt ſo einrichten, daß ſie in den Zeiten, in denen
Abſperrungen nicht ſtattfinden und die von der örtlichen
Bauleitung der ſtädtiſchen Straßenbahn zu erfragen ſind,
erledigt werden.
Die Oberbayern im Orpheum. Samstag, den 1. Ok=
tober
, gelangt als Eröffnungsvorſtellung die dreiaktige
Bauernpoſſe mit Geſang und Tanz Im Herbſtmanö=
ver
(Der Vize=Kooperator) von Julius Beck und Karl
Frey zur Aufführung. Für Sonntag nachmittag 4 Uhr iſt
als erſte Volksvorſtellung bei ermäßigten Preiſen die ur=
wüchſige
Bauern=Komödie ’s Muſikanten=Dirndl
vorgeſehen. (Siehe Anzeige.)
Münchener Oktoberfeſt. Der große Zuſpruch, den
die ſeit Jahren im Kölniſchen Hof ſtattfindenden
Münchener Bierfeſte ſtets gefunden, haben den Beſitzer,
Herrn J. A. Huth, veranlaßt, in dieſem Jahre ſchon vom
1. Oktober ab eine gleiche Feſtlichkeit zu veranſtalten. Zum
Ausſchank kommt ein vorzüglicher bayeriſcher Stoff; Herrn
Huth iſt es gelungen, das von ſeinen früheren Gaſtſpielen
bekannte und beliebte Stranddamen=Orcheſter Otto Jaedicke
wieder zu gewinnen.
Offenbach, 28. Sept. Eine geſtern abend ſtattgehabte,
ſehr zahlreich beſuchte Vertrauensmänner=Verſammlung
des Vereins zur Wahrung ſtädtiſcher Intereſſen beſchloß
nahezu einſtimmig, für die bevorſtehenden Stadtver=
ordnetenwahlen
wieder eine gemeinſame bür=
gerliche
Kandidatenliſte der Bürgerſchaft in
Vorſchlag zu bringen. Auf dieſer Liſte wird die Zen=
trumspartei
mit 5, die übrigen bürgerlichen Parteien
mit 11 Namen vertreten ſein.
Aus Rheinheſſen, 27. Sept. Gegen das große
Projekt der elektriſchen Ueberlandzentrale
für die Provinz Rheinheſſen, dem ſich 120 Gemeinden
angeſchloſſen haben, machen ſich in letzter Zeit mehrfach
Bedenken hinſichtlich der Rentabilität des geplanten
Unternehmens bemerkbar. Die Tatſache, daß ſich die
Verhandlungen mit dem weitaus größten Abnehmer,
der Stadt Worms, zerſchlagen haben, gibt den kleineren
Gemeinden zu denken. Man befürchtet, daß das Be=
dürfnis
an Licht und Kraft in den angemeldeten Land=
gemeinden
bedeutend überſchätzt wird und daß demzu=
folge
die jährlichen Einnahmen für Strom in keinem
Verhältnis ſtehen zu den Summen, die der Rentabilität
des Werkes zugrunde gelegt werden. Die eingehendſte
Prüfung der zwiſchen der Baufirma und den ange=
meldeten
Gemeinden abgeſchloſſenen Verträge durch die

Großh. Staatsregierung wird dringend gewünſcht.

Gonſenheim, 28. Sept. Geſtern vormittag erlebten
verſchiedene Leute eine böſe Ueberraſchung, als ſie in
22 verendete Hühner, die totgebiſſen waren; beim 1 Gefunden wurden bei dieſer Tätigkeit drei ſchöne =
Landwirt Klein waren zwei Hühner auf gleiche Weiſe birnen und ein Baedeker, ſowie einige Papiere, die
ums Leben gekommen, und bei F. C. Becker ein Huhn ſich als in Ordnung erwieſen. Waffen oder dergleichen
und vier Kücken. Man ſchaffte einen Polizeihund zur gefährliche Dinge trug der Fremde nicht bei ſich, der
Stelle, der ſofort die Spur aufnahm und bis zu einem
Hof zur Hütte eines Wolfshundes verfolgte. ſchrieb auf dem Revier in ruſſiſcher Sprache eine Ein=
zum
Wolfshund. Es ſtellte ſich dann auch heraus, daß Frankfurt, ob freiwillig oder unfreiwillig mag dahin=
der
Wolfshund in der Nacht frei im Ort herumgelaufen 1 geſtellt bleiben, verlaſſen.
war. Sein Eigentümer hat jetzt für den Schaden auf=
zukommen
.
Gäſte beherbergen kann. Es iſt deshalb vom Höhenklub gierung und Hausminiſterium in Berlin auf Anfrage
ſchuhhalle anzuſchließen.

Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 27. Sept. Die bürgerliche
Fraktion der Berliner Stadtverordnetenver=
ſammlung
beſchloß in ihrer heute abgehaltenen Sitzung
einſtimmig, in einem Dringlichkeitsantrag den Magiſtrat
über die Frage des Tempelhoferfeldes zu inter=
pellieren
. In der Fraktionsſitzung der alten Linken kam es
zu heftigen Auseinanderſetzungen mit Haberland, der an
die Spitze der Tempelhoferfeld=Aktiengeſellſchaft für Boden=
verwertung
getreten iſt. Die Debatte wurde damit, daß
Haberland ſeinen Austritt aus der Fraktion erklärte, be=
endet
. Die weitere Folge dürfte ſein, daß Herr Haberland
ſein Mandat niederlegt. Kommerzienrat Bolle, der
Begründer der großen Bolleſchen Milchwirtſchaft, iſt heute
geſtorben. Der Leutnant v. Lieres, der ſich nach
einem Attentat auf ſeine frühere Geliebte ſelbſt zu erſchie=
ßen
verſuchte und der ſchon einmal totgeſagt wurde, iſt
heute tatſächlich geſtorben. Der Inhaber der Pelz=
warenkonfektionsfirma
Paul Leibowitz in der Tauben=
ſtraße
iſt ſeit einigen Tagen flüchtig. Geſchäftsräume,
Inventar und die noch vorhandenen Warenbeſtände ſind
verſiegelt. Die von dem Flüchtigen hinterlaſſene Schulden=
laſt
beläuft ſich auf 100000 Mark.
Kronberg, 28. Sept. Das (Prinzenpaar Fried=
rich
Karl von Heſſen und die Kronprinzeſſin
von Griechenland mit ihrem älteſten Sohne, dem
Prinzen Georg, ſind nach Friedberg gefahren, um
der ruſſiſchen Kaiſerfamilie einen Beſuch abzuſtatten und
einer Einladung zur Frühſtückstafel Folge zu leiſten.
Frankfurt, 28. Sept. Als am Montag der Zar im
Zoologiſchen Garten weilte, fiel dem Publikum,
unter dem ſich raſch die Nachricht von der Ankunft des
Zaren verbreitet hatte, das Benehmen eines Herrn
auf, der allem Anſchein nach Ausländer war. Man be=
nachrichtigte
die in der Nähe weilenden Kriminal=
beamten
und dieſe behielten den Unbekannten im
Auge. Der Fremde drängte ſich weit vor und ſchien
die Abſicht zu haben, ſich in einem Pavillon dem Zaren
zu nähern. Der Unbekannte wurde gebeten, ſich etwas
zurückhaltender zu benehmen. Nun brauſte der Fremde
auf, und man konnte ſofort erkennen, daß man zum
mindeſten einen ſtark nervöſen Mann vor ſich habe,
wenn nicht ſogar einen Geiſteskranken. Es mußte be=
fürchtet
werden, daß er eines unbedachtſamen Schrittes
fähig ſei. Da mehrmaliges höfliches Zureden auf
fruchtloſen Boden fiel, ſo ließ man hinter ihm zwei
Beamte hergehen. Auf ſpäter erfolgtes Befragen er=
klärte
der Fremde, er ſei ruſſiſcher Offizier und wünſche
unter allen Umſtänden den Zaren in einer perſönlichen
Angelegenheit zu ſprechen. Alle ſeine Aeußerungen tat
er in einem ruſſiſch=franzöſiſchen Kauderwelſch. Den
Kriminalkommiſſar Dr. Neuber redete er fortgeſetzt mit
Prüſſe an. Seitens der Beamten wurde er darauf
hingewieſen, daß er unmöglich den Zaren hier im
Garten ſprechen könne, da der Zar das Inſtitut inkog=
nito
beſucht habe. Ein höherer Polizeibeamter bedeu=
tete
dem Fremden, daß er eine Bittſchrift ruhig der
Polizei einhändigen möge, die für die Weiterbeforde=
rung
garantiere und eventuell ſogar eine Quittung
ausſtelle. Aber der Unbekannte wurde immer gröber

und dreiſter. Man ließ ihn ſich dem Ausgang nähern
und nahm ihn dann auf das 7. Polizeirevier mit, wo
ihre Höfe kamen. Im Gaſthaus zum Löwen lagen man ihn filzte, d. h. man ſuchte ſeine Taſchen ab.
ſich als ruſſiſcher Offizier Iwanoff bezeichnete. Er
Von allen drei Höfen, wo Hühner totgebiſſen worden gabe an das Generalkonſulat in Moskau, die man ab=
waren
, führte der Polizeihund ohne Zögern die Leute ſchickte. Iwanoff wurde entlaſſen. Geſtern hat er
Kaſſel, 28. Sept. Das Schloß Wilhelmsthal
wird nicht verkauft werden. Schloß Wilhelmsthal ge=
(*) Hoherodskopf, 27. Sept. Wie ſehr ſich der hört wie Wilhelmshöhe und andere Schlöſſer in Kur=
Fremdenverkehr im Vogelsberg ſeit den heſſen zu den reſervaten Gütern und kann gar nicht
letzten Jahren gehoben hat, ſieht man daraus, daß das verkauft werden wenigſtens nicht ſo ohne weiteres
Klubhaus faſt immer voll beſetzt iſt und oft nicht alle ſeitens des Hausminiſteriums. Obendrein laſſen Re=
geplant
, das Klubhaus durch einen geräumigen An= 1 noch beſonders erklären, daß ſie gar nicht daran denken
bau zu erweitern und zugleich eine heizbare Schnee= und gedacht haben, das höchſt wertvolle Schloß Wil=
helmsthal
zu veräußern; es ſei ihnen von einem Kauf=
gebot
von privater Seite nichts bekannt geworden.
Auch würden die Unterhaltungskoſten des Schloſſes
mit Park viel zu hoch angegeben. Es waltet in dieſer
Beziehung große Sparſamkeit, wenn auch auf die Pflege
der Gebäude und des Parks aus naheliegenden Grün=
den
viel Gewicht gelegt werden muß.
Mannheim, 28. Sept. Ein ſchweres Automobil=
unglück
ereignete ſich geſtern abend in der Nähe der
Arbeiterkolonie der Süddeutſchen Juteinduſtrie in
Sandhofen. Ein Automobil, das ſich auf einer Probe=
fahrt
befand, kam in ſehr raſchem Tempo die Käfer=
thalerſtraße
entlang gefahren und fuhr in einen
Trupp von Arbeitern. Das 4½ Jahre alte Kind der
Arbeiterin Heinz wurde getötet, die Mutter, die über
die Straße lief, um das Kind zu retten, wurde ſchwer
verletzt. Einem fünfjährigen Mädchen wurden beide
Beine abgefahren. Einer der Inſaſſen erlitt, wie man
der Volksſtimme mitteilt, als das Auto gegen eine
Telegraphenſtange fuhr, ebenfalls ſchwere Verletz=
ungen
.
Straßburg i. E., 28. Sept. Zum Gedächtnis
für die bei der Belagerung von Straßburg im Jahre
1870 Gefallenen wurde heute, am 40. Jahrestage der
Uebergabe, im Münſter lediglich eine liturgiſche
Feier begangen. Eine Predigt, auf die man viel=
fach
gerechnet hatte, wurde nicht gehalten. Im ſchwarz
verhangenen Chor war ein Katafalk aufgeſtellt, der
aber nicht mit einem Bahrtuche in franzöſiſchen Far=
ben
bedeckt war. Der Beſuch der kirchlichen Feier war
nicht ſo ſtark, wie zu erwarten geweſen wäre. Für die
Gläubigen des evangeliſchen Bekenntniſſes fand ein
Gedächtnisgottesdienſt heute abend in der Nikolai=
kirche
ſtatt. In der Synagoge wird, laut Beſchluß der
Synagoge=Kommiſſion, ein Gedächtnisgottesdienſt
nicht ſtattfinden.
Baden=Baden, 27. Sept. Der Stadtrat beſchloß, dem
Grafen Zeppelin das Ehrenbürgerrecht der
Stadt Baden=Baden zu verleihen.
Düſſeldorf. 28. Sept. In Ratingen kam es im
Zuſammenhang mit einer Lohnbewegung zu einem
blutigen Kampfe zwiſchen einheimiſchen und
italieniſchen Arbeitern. Das Meſſer ſpielte eine
große Rolle. Zwei der Beteiligten wurden tödlich, eine
ganze Anzahl mehr oder weniger ſchwer verletzt. Die
Polizei mußte mit der blanken Waffe einſchreiten und
zahlreiche Verhaftungen vornehmen, bis die Ruhe
wieder hergeſtellt werden konnte.
Hamburg, 26. Sept. Seit geſtern abend ſtreiken,
wie ſchon mitgeteilt, in allen Hamburger Kaffeehäuſern
die Kellner aus folgendem Grunde: Sie haben ohne
jede Veranlaſſung dem Hamburger Cafetierverein
einen Revers vorgelegt, in dem ſie ihn zwingen wollten,
ihr Perſonal in Zukunft nur von dem Stellennachweis
des ſozialdemokratiſchen Gehilfenvereins zu beziehen.
Dies wurde von allen Cafetiers abgelehnt, und ſo haben
die Kellner Sonntag abend, als das Geſchäft am leb=
hafteſten
war, plötzlich die Arbeit niedergelegt. In=
zwiſchen
hat ſich der Hamburger Cafetierverein an die
Verbandszentrale in Berlin gewandt. Daraufhin ſind
heute Verbandspräſident Polt und der Generalſekretär
Sommer mit arbeitswilligen Kellnern in Hamburg
eingetroffen. Auf dem Bahnhof befanden ſich mehrere

Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
* Frankfurt, 27. Sept. Die Abſicht der Schul=
behörden
, auch im Winter mittelſt der Kurzſtunde
den Nachmittagsunterricht verſuchsweiſe zu beſeitigen
und dafür den Vormittagsunterricht bis 1½
oder 2 Uhr dauern zu laſſen, führte in der heutigen
Stadtverordnetenſitzung zu langen Erörter=
ungen
. Ein Antrag, den Schluß des Vormittagsunter=
richts
auf ſpäteſtens 1 Uhr feſtzuſetzen, ging an den
Schulausſchuß; daneben wurde der Magiſtrat erſucht,
an maßgebender Stelle auf eine Verminderung der
Unterrichtsſtunden an den höheren Schulen hinzu=
wirken
.
* Richard Strauß' Roſenkavalier wird,
wie verlautet, nach der Dresdener Uraufführung im
Dezember, Mitte oder Ende Februar am Berliner
königlichen Opernhauſe in Szene gehen.

Kleines Feuilleton.
* Ein tragikomiſches Geſchichtchen wird
dem Berl. Lokalanzeiger aus Peſt berichtet: Ging da
geſtern nachmittag bei ſchönem Wetter ein Staats=
beamter
höherer Rangklaſſe ſpazieren. Er lernte auf
dem Spaziergange eine Dame kennen, und man ſou=
pierte
gemeinſam. Als der Herr wieder allein war,
bemerkte er, daß ihm ſowohl Brieftaſche wie auch gol=
dene
Uhr und Kette fehlten. Der Beſtohlene ging in
ſeiner Verzweiflung ſofort zur Polizei, nannte dort
ſeinen Namen und ſeine Wohnung und machte die An=
zeige
wegen Diebſtahls gegen ſeine Begleiterin, die
er genau beſchrieb. Die Kriminalbeamten hatten Glück:
Schon nach kaum einer Stunde hatten ſie die ſchöne
Roſa in einem Café ausgeforſcht, als ſie gerade mit
ein paar Freundinnen die Beute teilen wollte. Sie
wurde verhaftet und in den Arreſt der Oberſtadthaupt=
mannſchaft
gebracht. Dort geſtand ſie unter Tränen
den Diebſtahl ein und gab auch ihre Veute vollzählig
wieder her. Aber noch während des Verhöres erkrankte
ſie plötzlich unter choleraverdächtigen Symptomen.
Furcht und Entſetzen packte die Polizeibeamten, und
unverzüglich wurden alle Perſonen, die mit der ſchönen
Roſa in Berührung gekommen waren, gründlich des=
infiziert
, ebenſo die Räumlichkeiten der Polizeizentrale,
in denen die Verhaftete geweilt hatte. Aber auch der
beſtohlene Staatsbeamte und ſeine Wohnung mußten
ſofort desinfiziert werden und ſogkam der Tragi=.

komödie zweiter Teil: Es iſt abends nach 10 Uhr. Ein
mächtiger grüner Wagen mit einer ausgehängten roten
Fahne bleibt vor der Wohnung des Staatsbeamten
ſtehen. Fünf Sanitätsmänner in Uniform kommen
herauf und klopfen energiſch an die Haustür. Die
Frau des Hauſes der unglückliche Staatsbeamte iſt
nämlich verheiratet öffnet die Tür. Herr T. hat,
ſo wird ihr bedeutet, wie er ſelber bei der Polizei an=
gegeben
hat, einige Stunden in der Geſellſchaft des
unter choleraverdächtigen Symptomen erkrankten Fräu=
leins
Roſa N. zugebracht. Wir ſind daher vom Polizei=
hauptmann
beauftragt, die Herrſchaften, Dienſtboten
und die ganze Wohnung gründlich zu desinfizieren!
Außerdem darf fünf Tage lang niemand die Wohnung
verlaſſen! Die Frau ruft nun ihren Gatten heraus.
Er muß alles beſtätigen. . . . Die Frau hat am anderen
Morgen die Scheidungsklage eingereicht. Bei der
ſchönen Roſa aber ſcheint es ſich, wie jetzt aus dem
Epidemiehoſpital verlautet, überhaupt nicht um Cho=
lera
zu handeln.
* Reinfall. Ein Automobil fährt in raſendem
Tempo durch eine Kurve einer Chauſſee. Plötzlich ſieht
der Chauffeur einen Mann mit einem Gewehr und
einem Hund, der ziemlich heruntergekommen ausſieht.
Der Hund läuft auf die Mitte der Chauſſee und rührt
ſich nicht vom Fleck, ſoviel der Chauffeur auch tutet
und hupt. Der Wagen geht über den Hund weg und
der Hund rührt ſich erſt recht nicht. Das Automobil
hält an, einer der Inſaſſen ſteigt aus und fragt den
Mann: Iſt das Ihr Hund? denn er iſt vorſichtig,
ſeit er einem Bauern einmal eines andern Kalb be=
zahlt
hat. Der Mann: Jawohl! Sie ſind der
Eigentümer? Ja. Es ſieht faſt aus, als hätten
wir den Hund totgefahren; koſtbares Tier?
Nein. Sind Sie mit 20 Mk. zufrieden? Ja.
Der Mann ſteckt das Geld ein und der andere ſagt
höflich: Tut mir leid, daß wir ſo Ihre Jagd unter=
brochen
haben. Jagd? Ich wollte nur in den Wald
gehen, um den Hund totzuſchießen. (Luſtige Blätter.)
* I mog nöt! Aus Aſchaffenburg wird der
Neuen Bayeriſchen Landeszeitung folgende Geſchichte
erzählt: Ein militäriſches Kommando hatte zukünftige
Marsjünger aus Altbayern geholt, um ſie in eine pfäl=
ziſche
Garniſon zu bringen. In Aſchaffenburg wurde
Raſt gemacht und die angehenden Soldaten wurden
danach in eine der dortigen Jägerkaſerne gegenüber
gelegene Wirtſchaft geführt, bis es Zeit war, zur Er=
reichung
des weſtwärts fahrenden Militärzuges zum

Bahnhof zu marſchieren. Ein Gefreiter erteilt hierzu
das Kommando; die Leute ſpringen auf und ſtellen ſich
gehorſam in Reih und Glied, bis auf einen Mann, der
ruhig am Tiſch ſitzen bleibt. Na, dalli, dalli! wird’s
bald? erkundigt ſich der Mann mit den Knöpfen bei
dem Seßhaften. I mog nöt! entgegnete dieſer mit
Seelenruhe. Und ich befehle Ihnen, anzutreten!
ſchnauzte ihn der Gefreite im Vollgefühle ſeiner mili=
täriſchen
Würde an, aber ohne jeden Erfolg. Fortge=
ſetzter
grober Ungehorſam ſo meldete der ſchwerge=
kränkte
Unteroffiziers=Stellvertreter dem Feldwebel,
der ſofort mit der Rekrutenliſte vor dem Störriſchen er=
ſcheint
. Dieſer aber bleibt ruhig hinter ſeinem Maß=
kruge
. Haben Sie nicht gehört? Sie ſollen antreten!
I mog nöt! Heftiges Augenrollen und Schnurr=
bartſträuben
beim Feldwebel, entſetzte oder lächelnde
Geſichter bei den Rekruten, je nachdem. Wie heißen
Sie? Johann Kikelhahn. Feldwebel (für ſich):
Hm, der Kerl ſteht ja gar nicht in der Liſte! (Dann
laut zu Kikelhahn): Was ſind Sie in Ihrem Zivil=
beruf
? Königlich bayeriſcher Bahnſekretär! Feld=
webel
(höflicher): Warum haben Sie denn das nicht
gleich geſagt? Kikelhahn: Es hat mich ja niemand
danach gefragt! Feldwebel (zum Gefreiten): Sie
Rindvieh!
* 30000 Mark in Hoffmannstropfen
vertrunken. Ein Verfahren wegen Trunkſucht
ſchwebt zurzeit gegen die Witwe L. in Halberſtadt vor
dem dortigen Amtsgericht. Die Trunkſüchtige, die ganz
allein in einem Stübchen hauſt, hat es fertig gebracht,
im Verlaufe von mehreren Jahren ein Vermögen von
30000 Mark in Alkohol umzuſetzen, und zwar hat ſie
das Leib und Seele zerrüttende Gift regelmäßig in
Form von Hoffmannstropfen zu ſich genommen. Da
es ausſichtslos erſcheint, die Frau von ihrer krank=
haften
Neigung abzubringen, wird jetzt ihre Unter=
bringung
in einer Trinker=Rettungsanſtalt in Erwä=
gung
gezogen.
* Doppelſinnig. Vor kurzem kommt Herzog
Adrian unangemeldet in das Naturhiſtoriſche Muſeum
und wendet ſich ſofort an den Portier mit der Frage,
in welchem Saale die neu erworbenen koſtbaren Tiere,
die er beſichtigen will. aufgeſtellt ſind. Der Portier er=
kennt
den hohen Beſucher und bittet Se. Hoheit um die
Erlaubnis, den Intendanten und die Beamten ver=
ſtändigen
zu dürfen. Nein, nein, ſagt der Herzog
leutſelig, laſſen Sie das nur, ich werde die Viecher
ſchon allein finden.

[ ][  ][ ]

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 29. September 1910.

Nummer 228.

Seite 4.

hundert Streikende. Es kam zu wüſten Exzeſſen.
Ein großes Polizeiaufgebot mußte die Arbeitswilligen
in ihre Quartiere geleiten. Mit dem Abendzuge um
11 Uhr trafen abermals Kellner aus Berlin ein. Die
Streikenden zogen durch die Straßen und demonſtrier=
ten
vor den Kaffeehäuſern. Der Streik iſt als voll=
ſtändig
geſcheitert zu betrachten. Die Hamburger
Kaffeehausbeſitzer verfügen über mehr als reichliches
Perſonal. Die Kaffeehausbeſitzer haben ſich in einer
heute zuſammengetretenen Verſammlung verpflichtet,
keinen der ſtreikenden Kellner wieder einzuſtellen. Als
geſtern abend gegen 11 Uhr der zweite Transport von
etwa 30 Arbeitswilligen aus Berlin eintraf, wieder=
holten
ſich die tumultuariſchen Exzeſſe auf dem Bahn=
hof
vom Nachmittag in verſtärktem Maße, ſo daß ein
großes Polizeiaufgebot erforderlich war, um die
arbeitswilligen Kellner in Droſchken nach dem Hotel
Holſtentor zu bringen. Zahlreiche Streikende beſtiegen
Droſchken und Automobile und verfolgten den Wagen=
zug
, auf die wehrloſen Kellner in den Wagen ein=
ſchlagend
.
Wien, 27. Sept. Wie der Neuen Freien Preſſe aus
Borszczow gemeldet wird, wurden auf der Fahrt nach
Skala drei ruſſiſche Anarchiſten nach heftiger
Gegenwehr von Gendarmen feſtgenommen. In ihrem
Beſitz wurde eine große Menge Waffen und Munition
ſowie eine große Anzahl anarchiſtiſcher Broſchüren ge=
funden
. Die Verhafteten betrieben aus der Bukowina
einen bedeutenden Waffenſchmuggel nach Rußland.
Paris, 28. Sept. Auf dem neuen Panzerſchiffe
Léon Gambetta wurde eine große Anzahl von
Schrauben zum Verſchluß der Geſchützluken ent=
wendet
. Infolge eines dem Schiffskommandanten
zugegangenen Drohbriefes glaubt man, daß es ſich um
Sabotage handelt.
Paris, 28. Sept. Das Kriegsgericht von
Rennes verurteilte den Soldaten Beau, welcher ein
Geſchützverſchlußſtück auf dem Fort von Nacquerville
bei Cherbourg entwendet und verſteckt hatte, zu zehn
Jahren Kerker. Man hatte anfangs geglaubt, daß
es ſich um Spionage handelt, doch ergab die Verhand=
lung
, daß Bean der anarchiſtiſchen Partei angehört und
Sabotage verübt hat.
Petersburg, 27. Sept. Als auf dem hieſigen Güter=
bahnhof
ein Waggon Schweine ausgeladen werden ſollte,
machten die Bahnbeamten eine grauſige Entdeckung. Eine
Zeitlang ſuchten ſie vergebens nach dem den Transport
begleitenden Händler oder Schlächter. Nachdem die grun=
zenden
Tiere aus dem engen Waggon gelaſſen waren, ent=
deckte
ein Schaffner in der einen Ecke blutige Knochenüber=
reſte
. Auch Ueberbleibſel menſchlicher Kleidung wurden ge=
funden
, und hald war es zur Gewißheit geworden, daß der
Händler Saffronow während der Fahrt von den
Schweinen lebendigen Leibes aufgefreſſen
worden iſt. Eine Unterſuchung hat ergeben, daß Saffronow
in Begleitung ſeines Sohnes die Tiere zur Bahn brachte.
Da er die Fahrkarte ſparen wollte, ſtieg er heimlich in
den Waggon, den er nicht wieder lebend verlaſſen ſollte.
Unterwegs haben die Schaffner zwar wiederholt ängſt=
liches
Schreien, untermiſcht mit dumpfem Grunzen, gehört.
Sie glaubten jedoch, daß dies von den eng zuſammen=
gepferchten
Tieren ſtamme. Nicht ausgeſchloſſen iſt es,
daß auch der Sohn des Händlers auf dieſelbe gräßliche
Weiſe ums Leben gekommen iſt. Denn die vorgefundenen
Kleiderüberreſte ergaben keinen beſtimmten Anhalt, ob ſie
nur von Saffronow oder auch von ſeinem Sohne ſtammen.
Eine Unterſuchung der Knochenüberreſte muß dies erſt
lehren. (Beſonders glaubhaft klingt dieſe Meldung nicht.)
C.K. New=York, 27. Sept. Endlich haben die New=
Yorker ſeine erhabene Hoheit Hadſchi Mohammed Joh=
mafai
Kiram, den Sultan von Sulu, einer kleinen
Inſelgruppe der Philippinen, perſönlich kennen gelernt.
Denn ehe der Sultan amerikaniſchen Boden betrat, war
er als Titelheld der populärſten amerikaniſchen Operette
Der Sultan von Sulu allen Kindern Onkel Sams ver=
traut
. Aber noch ein anderer Umſtand hat ihm in Amerika
Berühmtheit verſchafft; als Rooſevelts berühmte Tochter
als Prinzeß Alice vor fünf Jahren die Philippinen be=
ſuchte
, ſoll ihr der Sultan von Sulu einen Heiratsantrag
gemacht haben. Damals gab der braune Herr an ſeinem
Hofe ein großes Feſt und beim Empfange zog er einen
koſtbaren Ring, der mehr als 60000 Mark wert iſt, von ſei=
nem
Fürſtenfinger und überreichte ihn Alice Rooſevelt.
Taft veranlaßte ſie, das Geſchenk nicht abzuweiſen, und die
amerikaniſchen Blätter widmeten dieſer denkwürdigen
Ehrung der Präſidententochter lange Spalten. Der Sultan
reiſt mit großem Gefolge und hat im Aſtor=Hotel Woh=
nung
genommen. Er ſpricht kein Wort Engliſch, aber bis
jetzt gefallen ihm die New=Yorker ganz gut.

Kongreſſe und Verbandstage.
23. Generalverſammlung des Evangeli=
ſchen
Bundes.
Chemnitz, 26. Sept. Der erſte Arbeitstag der
Generalverſammlung brachte am Vormittag Sitzungen
des Zentral= und Geſamtvorſtandes, in
denen der Jahresbericht entgegengenommen und be=
ſprochen
wurde, unter allgemeiner lebhafter Billigung
der vom Präſidium ſo erfolgreich geleiteten Abwehr=
bewegung
gegen die Enzyklika zu Ehren des Karl Bor=
romäus
. Mancherlei klärende Auseinanderſetzungen
knüpften ſich daran und zeigten die große Einmütigkeit
aller maßgebenden Inſtanzen, mit der der Bund in
ſein neues Arbeitsjahr eintritt. Für die nächſte Ge=
neralverſammlung
wurde als Ort der Tagung Er=
furt
in Ausſicht genommen, wo vor jetzt 24 Jahren
die Gründung des Bundes erfolgte. Gleichzeitig mit
dem Geſamtvorſtande tagten vormittags die akademi=
ſchen
Ortsgruppen und der evangeliſche Hauptverein
für Anſiedler und Auswanderer in Witzenhauſen.
Erſtere berieten wichtige Organiſations= und Werbe=
fragen
und wählten zum ſtändigen Vorort Halle a. S.
Letzterer, zu dem als Vertreter des deutſch= evan=
geliſchen
Kirchenausſchuſſes Generalſuper=
intendent
D. Kaftan ſich geſellte, beſprach unter Leit=
ung
ſeines Geſchäftsführers Paſtor Griſebach wichtige
Fragen grundſätzlicher und geſchäftlicher Natur. Der
Verein, der in einmütigem Zuſammenarbeiten evange=
liſcher
und nationaler Kreiſe ſehr ſegensreich wirkt
und in allen Ländern Vertrauensmänner unterhält,
bedarf dringend größerer finanzieller Mittel. Die ſeel=
ſorgeriſche
Bedienung auf der Fahrt ſoll beſſer ausge=
ſtaltet
werden; in Ausſicht ſtehen Schiffsgottesdienſte
auf Dampfern mit längerer Fahrt. Die Fürſorge für
geſcheiterte Exiſtenzen wurde beſprochen und dringend
vor planloſer Abſchiebung ins Ausland gewarnt, um
des deutſchen Namens willen.
Nachmittags fand dann im großen Saale die erſte
Mitglieder=Verſammlung ſtatt, in der nach
einleitenden Worten D. Wächtlers der geſchäftsführende
Vorſitzende des Bundes, Reichstagsabgeordneter Lig.
Everling, das Wort nahm: Zur Zeitlage
und Jahresarbeit, Aus der Menge der Wider=

ſacher unſeres Glaubens, ſo ſagte er, erhoben vor allem
zwei Gegner auſweckenden Streitruf. Gegen zwei
Fronten mußte unſer Bund um der Wahrheit und der
Freiheit willen kämpfen. Da war der deutſche Ge=
lehrte
, der in Wort und Schrift rief: Jeſus hat nie ge=
lebt
; und da war der römiſche Prieſter, der in ſeiner
Vorromäus=Enzyklika mit unverſöhnlichem Haß ver=
kündete
: die Helden und Fürſten der Reformation ſind
Bauchanbeter und Kreuzesfeinde. Beide haben wider
Willen den Proteſtantismus einig gemacht. Wir ſind
gerüſtet. Das Zentrum ſtreitet über ſeinen Charak=
ter
! Wie begreiflich! Dieſe konfeſſionelle Kampfpar=
tei
iſt politiſch grundſatzlos, nur kirchenpolitiſch hat ſie
feſte Preiſe. Nicht Trier, nicht Köln, Rom heißt die
Richtung! Und Rom fühlt ſich nur dort frei, wo es
herrſcht, hält nur dann Frieden, wenn es den Sieg er=
rungen
hat. Der deutſche Proteſtantismus wird nur
dann zur Abwehr die Kraft behalten, wenn er zu ſei=
nem
inneren Aufbau die evangeliſche Innerlichkeit
und Einigkeit ſich ſtets neu erringt. Und das iſt un=
ſeres
Bundes tiefſte und wertvollſte Arbeit. Drängt
uns zur wachſamen Abwehr der Zwang der Zeit, ſo
treibt uns zum Aufbau der Drang des Herzens. Der
Jahresbericht kündet von viel gemeinſamer Ar=
beit
, die unſere Bundesleitung in verſtändnisvollem
Zuſammenwirken mit den Hauptvereinen und Zweig=
vereinen
geleiſtet hat. Hingewieſen ſei auf die zahl=
reichen
Verſammlungen, die in dieſem Jahre das
zweite Tanſend erreicht haben. Unſer Monatsblatt
hat eine Auflage von 325000 erreicht, die deutſch= prote=
ſtantiſche
Bücherſchau 80000, die Bundesblätter der
Hauptvereine haben jetzt mit obigen Zeitſchriften eine
Geſamtauflage von 701 500, ſodaß mehr als ſieben Mil=
lionen
Blätter, eine bedeutſames Mittel zur Erzieh=
ung
, ins proteſtantiſche Volk jährlich hineingehen.
Eine große Verwaltungsarbeit, die an den dreihundert
Arbeitstagen des Jahres anähernd 300000 Sendungen
ausgehen läßt, nimmt unſere zwanzig techniſchen und
wiſſenſchaftlichen Angeſtellten und Beamten an der
Zentralſtelle reichlich in Anſpruch. Nimmt man hinzu,
daß für evangeliſche Zwecke, Wohlfahrtsbeſtrebungen
aller Art, Krankenpflege und Seelſorge in der Dia=
ſpora
rund 300000 Mark verausgabt werden, ſo be=
kommt
man einen flüchtigen Eindruck von den Leiſt=
ungen
unſeres Bundes. Auch die Zahl der Vereine
und Mitglieder iſt wieder gewachſen. Vom April 1909
bis April 1910 hat die Zahl der Vereine um 222 zuge=
nommen
und die Mitglieder ſtiegen von 381 535 auf
400 593. Seit Juni 1910 ſetzt aber ein bedeutendes
Wachstum ein, das noch nicht zahlenmäßig feſtgeſtellt
werden konnte. Doch ſind ſchon rund 100 neue Ver=
eine
und mehr als 30000 neue Mitglieder ſeit Juni
bekannt geworden, ſodaß jetzt in 2778 Vereinen 430000
Mitglieder geſammelt ſind und die erſte halbe Million
das erreichbare Ziel für den kommenden Winter iſt!
Noch nie iſt unſer Bund ſeit ſeinem Beſtehen ſo wirk=
ungsvoll
in die Erſcheinung getreten, noch nie iſt ſeine
Notwendigkeit und die Kraft ſeiner Abwehr ſo aner=
kannt
worden, wie im letzten Jahre.
Danach nahm Geh. Kirchenrat D. Meyer=
Zwickau das Wort: Zur Förderung der
evangeliſchen Bewegung in Oeſterreich.
Redner gab einen Bericht über die Bewegung. Die
Bewegung ſchreite ſtetig vorwärts. Die Zahl der
Uebertretenden bleibe immer gegen 5000. Sie greife
jetzt auch an die gebildeten Elemente des Volkes.
Eine größere Anzahl gottesdienſtlicher Kirchenſtätten
ſei geweiht oder begründet worden. In der Bukowina
wurde in drei Orten der Grundſtein zu Kirchen gelegt;
ebenſo in Bosnien in Schulzberg und Brod. An 40
Stipendien wurden an evangeliſche Theologen ge=
geben
. Seit Anfang der Bewegung ſei die Zahl der
in Wien ſtudierenden evangeliſchen Theologen geſtie=
gen
von 6 auf 60.
Eine gewaltige Zuhörermenge aus allen Schichten
der Chemnitzer Bevölkerung fand ſich abends zur
erſten Volksverſammlung ein. Die erſte
Rede hielt Gymnaſialdirektor Erythropel=
Hameln über das Thema: Mehr Ehrfurcht vor
der Religion. Die zweite Rede des Abends hielt Pro=
feſſor
D. Hunzinger=Erlangen über den an=
deren
Teil der Bundesloſung: Mehr Vertrauen zu
den Lebenskräften der Reformation!.

* Lugano, 27. Sept. Die Internationale
Vereinigung für geſetzlichen Arbeiterſchutz
nahm in der heutigen Vollverſammlung die Anträge
der Kommiſſion für Regelung der Heimarbeit durch
Organiſation der Arbeit, Tarifverträge und Maßnah=
men
gegen wucheriſche Ausbeutung an. Insbeſondere
werden die Lohnämter mit der Befugnis der Feſtſetz=
ung
von Mindeſtlöhnen und die Ausdehnung der Ta=
rifverträge
als das wirkſamſte Mittel bezeichnet zur
Beſſerung des Elends in der Heimarbeit. Morgen
werden die Beratungen fortgeſetzt.

Verkehrsausſchuß der Bergſtraße.
Die Verſammlung am 26. September, abends 8 Uhr
in Heppenheim (Halber Mond) war recht zahlreich beſucht.
Der Vorſitzende eröffnete die Verſammlung, indem er zu=
nächſt
dem Bedauern über das Hinſcheiden eines ſo ver=
dienſtvollen
Mitgliedes des Ausſchuſſes wie des Herrn
Bürgermeiſter Hoehn=Heppenheim, Ausdruck gab, deſſen An=
denken
von der Verſammlung durch Erheben von den
Sitzen geehrt wurde. Der Vorſitzende gab ſodann bekannt,
daß an Mitteln nur noch rund 1500 Mark für das nächſte
Jahr verfügbar blieben. Man trat dann in die Behand=
lung
der Frage des Panoramas der Bergſtraße, das als
wichtiges und ſicher hervorragendes Propaganda=Mittel
für die geſamte Bergſtraße allſeitig anerkannt und begrüßt
wurde. Längere Meinungsaustauſche fanden dabei über
die Art der Ausführung eines ſolchen ſPanoramas ſtatt, wo=
bei
der rein künſtleriſche und der rein praktiſche Geſichts=
punkt
ihren Ausgleich ſuchten und auch fanden. Es wurde
beſchloſſen, um jedem Ort der Bergſtraße gerecht werden
zu können, daß jeder derſelben einen Bevollmächtigten
beſtellt, der im Verein mit dem ausführenden Künſtler für
eine dem Ganzen wie dem Einzelnen gerecht werdende Be=
handlung
der von ihm vertretenen Ortſchaft der Bergſtraße
Sorge trägt, ſodaß jede Gemeinde für ſich zu ſorgen hat
und damit jede Möglichkeit des Anſcheins einer Partei=
lichkeit
vermieden wird.
Man beſchäftigte ſich alsdann mit den Eiſenbahn=
ſchmerzen
der Bergſtraße, für die, wie aus dem im Prin=
zip
ziemlich ablehnenden Schreiben der Eiſenbahndirektion
Mainz hervorgeht, bei dieſer nur geringes Mitgefühl zu
herrſchen ſcheint. Immerhin ſind doch mehrere recht drin=
gende
Wünſche trotzdem erfüllt und der Winterfahrplan
demgemäß geändert worden, ſodaß die Eingaben des Aus=
ſchuſſes
doch nicht ſo ganz ohne Erfolg geblieben ſind. Es
muß aber und ſoll in der Sache energiſch weiter gearbeitet
werden und beſonders ſoll die Direktion auf verſchiedene
grundlegende Irrtümer ihrer ablehnenden Erwiderung

durch vorzulegendes tatſächliches Material aufmerkſam ge=
macht
werden und wenn nötig, die Angelegenheit bis in
die höchſten Inſtanzen getrieben werden, denn es wurde
allſeitig anerkannt, daß bei der Hintanſetzung der ört=
lichen
Intereſſen der Bergſtraße gegenüber denen durchrei=
ſender
Sommerfriſchler, die ihr Geld nach der Schweiz und
Italien bringen wollen, die Bevölkerung der Bergſtraße
auch Schutz ihrer nationalen Arbeit beanſpruchen kann
und es bedauerlich iſt, daß ſie um dieſe bei den hierzu
mit berufenen Behörden ſtändig kämpfen muß. Ueber die
Ausſtellung für Reiſe und Verkehr in Berlin 1911 berichtete
dann Herr Stemmer, beſonders bezüglich des zu errich=
tenden
Dioramas der Bergſtraße, das einer der Haupt=
anziehungspunkte
des heſſiſchen Teiles der Ausſtellung
werden dürfte, er berichtete von den Verhandlungen mit
dem Finanzminiſterium und dem von ihm nunmehr be=
willigten
Zuſchuß aus der Staatskaſſe. Beim Entwurf
des Dioramas ſollen dieſelben Bevollmächtigten der Ge=
meinden
mitraten, wie beim Panorama, das auch gewiſſer=
maßen
die Grundlage für das geplante Rundgemälde wer=
den
ſoll.
Hierauf folgte der im Augenblick brennendſte Punkt,
nämlich die elektriſche Bahn an der Bergſtraße‟ Auch
hier berichtete Herr Stemmer noch näher über die im übri=
gen
ja bekannte Wirkung der durch den Verkehrsausſchuß
in Umlauf geſetzten Flugſchrift. Es iſt in Darmſtadt be=
ſchloſſene
Sache, binnen kurzem eine große Volksver=
ſammlung
als Demonſtration für die unverzügliche Inan=
griffnahme
dieſes Projektes abzuhalten. Herr Stemmer
berichtete ſogar, daß ſchon in einigen Tagen wichtige Be=
ſchlüſſe
der Darmſtädter Behörden in dieſer Sache bekannt
werden ſollen, was gegenüber der bisher ſtets in nebelhafter
Ferne gerückten Ausſichten ja ſchon ein Vorteil wäre.
Die hierauf zur Beratung und Beſchlußfaſſung ge=
ſtellte
Satzung des Verkehrsausſchuſſes wurde nach der
Faſſung, die der engere Ausſchuß beſchloſſen hatte, ohne
Debatte angenommen. Der Beitritt für ein Einzel=
mitglied
beträgt ja nur 3 Mk. Jetzt fehlt nur noch eine
richtige Grundlage für die Beteiligung der Gemeinden,
Vereine, beſonders intereſſierte Privatperſonen, wie
größere Grundbeſitzer, Bauunternehmer uſw., denn
bisher mußte der Verkehrsausſchuß um ſeine Exiſtenz=
mittel
gewiſſermaßen bei dieſen ſtändig betteln gehen.
Da für die nächſte Hauptverſammlung, die gegen
Mitte Oktober ſtattfinden ſoll, Auerbach an der Reihe
wäre, ſo wurde beſchloſſen, dieſe in Auerbach an einem
noch zu beſtimmenden Tage möglichſt Mittwochs oder
Samstags zu früher Stunde, z. B. 4 Uhr nachmittags,
abzuhalten. Näheres hierüber wird noch bekannt ges
geben. Gegen Schluß kam der Redner nochmals auf
die Kaſſenverhältniſſe zurück und richtete dringende Er=
mahnungen
wegen Zahlung der Beiträge überhaupt,
aber auch wegen Erhöhung dieſer an die in Betracht
kommenden Gemeinden und Vereine.
Bald nach 10 Uhr ſchloß der Vorſitzende die Ver=
ſammlung
unter Dank für die Beteiligung und das
gezeigte rege Intereſſe.

Neue Streikkrawalle in Berlin.
* Berlin 27. Sept. In Moabit herrſchte bis
nachmittags 5 Uhr durchweg Ruhe. Von 5 Uhr ab ver=
ſammelten
ſich von allen Revieren her die abkömm=
lichen
Schutzleute im Hauptquartier auf dem Kohlen=
platz
, unterwegs vielfach von Burſchen; Weibern und
Kindern mit Hohnrufen begrüßt. Gegen abend hatte
eine etwa 3000 Perſonen zählende Menge ſich
in der Beußel= und Sickingenſtraße angeſammelt. Wie=
derholte
Zerſtreuungsverſuche der Polizei hatten nur
zeitweiligen Erfolg. Auch hundert Berittene nahmen
in langer Reihe Aufſtellung. Schlag 7 Uhr brach die=
Menge in fruchtbares Pfeifen und Johlen aus, Pfui=
rufe
und Schimpfworte erſchollen. Die Beamten zu
Fuß und 15 Berittene zogen blank, trieben die Menge
mit ſcharfen Hieben auseinander, verfolgten ſie bis in
die Nebenſtraßen hinein und ſperrten die Beußelſtraße
ab. Trotzdem ſammelten ſich gegen 7½ Uhr ſchon wie=
der
neue Maſſen an.
Um die zehnte Abendſtunde durchzogen kleine
Trupps, hauptſächlich Janhagel, Rowdys und halb=
wüchſige
Burſchen, ganz Moabit, ſingend und johlend,
ſodaß die Polizei an verſchiedenen Stellen vom Char=
lottenburger
Gebiet bis hinunter nach der Gotzkowski=
und Zwingliſtraße von der blanken Waffe Ge=
brauch
machte. An der Ecke der Gotzkowski= und der
Zwingliſtraße wurde, während die Polizei von der
blanken Waffe Gebrauch machte, um einen Trupp von
etwa 500 Perſonen zu zerſtreuen, aus den Häuſern mit
Flaſchen, Preßkohlen und Scherben auf die Polizei
geworfen. Hier machten die Beamten von der
Browningpiſtole Gebrauch und ſchoſſen nach=
den
Fenſtern, aus denen Wurfgeſchoſſe gekommen
waren. Es wurde ein größeres Polizeiaufgebot hin=
zugezogen
. Berittene Schutzleute zerſtreuten den
Trupp nach allen Windrichtungen. Auch hierbei gab
es verſchiedene verletzte Perſonen; auch verſchiedene
Siſtierungen wurden vorgenommen. Um halb 10 Uhr
kam Polizeipräſident v. Jagow, im Automobil durch
die Menge fahrend, um ſich nach dem Stand der Sache
zu erkundigen.
Das Publikum ſtand in den Häuſern; wenn die
Polizei anrückte, waren die Häuſer verſchloſſen, ſo=
bald
die Beamten aber aus dem Schußbereich waren,
wurden die Türen wieder geöffnet und füllten ſich die
Straßen von neuem wieder mit Menſchen, dier
Schmährufe auf die Beamten ausſtießen und dieſe mit
Steinwürfen verfolgten. Gegen 1 Uhr wurde plötzlich
die Roſtockerſtraße durch hellen Feuerſchein er=
leuchtet
. Das Geſindel hatte, nachdem ſich die Polizei
zurückgezogen hatte, Holz aus den Häuſern heraus=
getragen
, dieſes mit Petroleum begoſſen und dann an=
gezündet
, ſodaß die Straße hell erleuchtet wurde. Die
Feuerwehr wurde benachrichtigt, die unter dem ſicheren
Schutze der Polizei das Feuer auf der Straße aus=
öſchen
konnte. Während des Ablöſchens wurden aus
verſchiedenen Fenſtern in der Roſtockerſtraße Wurf=
geſchoſſe
auf die Beamten und die Feuerwehr ges
ſchleudert.
Je ſpäter, deſto heftiger und häufiger wurden die
Zuſammenſtöße mit der Menge. In der
Waldſtraße wurde aus den Fenſtern auf die Polizei=
mannſchaften
mit Nachtgeſchirren und Blumentöpfen
geworfen. Das Kommando unter einem Polizeileut=
nant
drang in das Haus ein, um die Werfer feſtzu=
tellen
. In der Wohnung, die ſie betraten, wurde den
Mannſchaften von einer Frau eine brennende
Petroleumlampe entgegen geworfeng
die jedoch verlöſchte. Die Perſonen wurden feſtgeſtellt;
ſie werden ſich vor dem Gericht zu verantworten habenz
Zu heftigen Zuſammenſtößen kam es an der Ecke der
Wald= und Turmſtraße. Hier wurde aus der
Menge auf die Polizeimannſchaften ges
ſchoſſen und Steine auf ſie geſchleudert. Die Pos
lizei machte hier von der blanken Waffe Gebrauch und

[ ][  ][ ]

Nummer 228.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 29. September 1910.

Seiteg5.

nahm verſchiedene Siſtierungen vor. In der Beußel=
ſtraße
fielen beim Zurückdrängen des Janhagels noch=
mals
drei Schüſſe aus der Menge, ohne daß es mög=
lich
geweſen wäre, die Täter zu ermitteln. An der
Zwingliſtraße kam es noch zu einem zweiten Zuſam=
menſtoß
, wobei aus dem Publikum auf die Polizei=
mannſchaften
geſchoſſen wurde. Verſchiedene Verhaft=
ungen
wurden vorgenommen und die Perſonen nach
dem Revier, ſpäter nach dem Polizeipräſidium ge=
ſchafft
.
Insgeſamt ſind etwa neunzig Perſonen
verletzt worden, davon dreizehn ſchwer. Zwei der
Verletzten haben im Krankenhauſe Moabit Aufnahme
gefunden. Von der Schutzmannſchaft ſind bis=
her
, wie bekannt geworden iſt, zwei verletzt worden,
der eine durch Steinwürfe am Kopf, der andere durch
einen Sturz auf das Pflaſter. Gegen 12 Uhr ließen
die Anſammlungen etwas nach, als die Menge ſah,
daß es mit der Rückſichtnahme der Schutzleute ein Ende
hatte. Verſchiedene Läden ſind auch heute abend
wieder demoliert worden. Auf dem Kohlenplatz
in der Sickingenſtraße waren ein Leutnant, drei Wacht=
meiſter
und 58 Mann konſigniert und während der
Nacht werden dort zehn Mann zur Bewachung des
Platzes und der Gebäude bleiben. Der Polizeipräſi=
dent
von Jagow iſt mehrfach am Schauplatz der Er=
eigniſſe
geweſen.
* Berlin, 28. Sept. Zu den Krawallen in
Moabit werden noch folgende Einzelheiten ge=
meldet
: Planmäßig wurden heute abend in der zwölf=
ten
Stunde in der Roſtocker=, von der Wiclef= bis
zur Turmſtraße, von dem Janhagel und Streikenden
ſämtliche Laternen demoliert und ein
furchtbares Steinbombardement auf die vor
der Roſtocker= und Wielefſtraße ſtehenden Beamten
eröffnet. Die Polizei ſchritt zur Räumung der Ro=
ſtockerſtraße
. Die Straße war vollſtändig in Dunkel
gehüllt. Es wurden die Beamten nun von einem
Hagel Scherben, Kohlen und Steinen, die zum Teil
von dem Moſaikpflaſter mit in die Wohnungen ge=
nommen
worden waren, begrüßt und Revolver=
ſchüſſe
aus den Fenſtern der vollſtändig dunklen
Häuſer auf die die Waldſtraße durchziehenden Beam=
ten
abgefeuert, worauf das Kommando dazu überging,
ebenfalls die Schüſſe nach den Fenſtern zu beant=
worten
. Auf jedes Fenſter, woraus ein Schuß oder
ein Wurfgeſchoß auf die Beamten kam, richteten ſich
die Piſtolen der Beamten und ein heftiges Feuer
wurde eröffnet.
* Berlin, 28. Sept. Im Polizeipräſi=
dium
fanden heute vormittag unter dem Vorſitz des
Polizeipräſidenten v. Jagow eingehende Konfe=
renzen
ſtatt, zu denen die Abteilungs=Kommiſſare
der Schutzmannſchaft zugezogen waren. Es werden
Maßnahmen beraten, durch die eine Wiederholung der
Szenen der vergangenen Nacht verhindert werden
ſoll. Das Ergebnis der Konferenzen dürfte wahr=
ſcheinlich
eine öffentliche Warnung ſein. In den
Straßen, in denen ſich in der Nacht die mehrſtündige
Revolverſchlacht zwiſchen der Schutzmannſchaft und
den Exzedenten abſpielte, war die Situation in den
heutigen Morgenſtunden ebenſo ruhig wie am geſtri=
gen
Vormittag. Die nach dem Lagerplatz der Firma
Kupfer u. Ko. führenden Straßen, insbeſondere die
Sickingenſtraße, ſind durch Schutzmannsketten geſperrt,
die niemand paſſieren laſſen. Die Zahl der Ver=
hafteten
iſt verhältnismäßig gering, denn die Po=
lizei
hat ſich in der letzten Nacht meiſt darauf be=
ſchränkt
, die Straßen zu ſäubern, und hat nur ſolche
Perſonen feſtgenommen, die bei den Steinwürfen be=
troffen
wurden. Es ſind im ganzen 6 Perſonen, die
auf dem Polizeipräſidium eingeliefert wurden und
wegen Landfriedensbruch dem Gericht übergeben wer=
den
. Wie mitgeteilt wird, zeigt die Polizeibehörde
ein lebhaftes Intereſſe an der Feſtſtellung der
Namen der bei dem Krawall Verletzten, die bisher
in der Unfall=Station in der Erasmusſtraße verbun=
den
worden ſind. Da die Aerzte der Station, unter
Berufung auf den § 300 (Wahrung der ärztlichen Be=
rufsgeheimniſſe
), die Angabe dieſer Namen verweiger=
ten
, erſchienen heute früh Kriminalbeamte auf der
Station und beſchlagnahmten unter Vorlage einer
Verfügung der Oberſtaatsanwaltſchaft die Bücher der
Station. Der Proteſt der Stationsleitung gegen die=
ſes
Vorgehen, durch welches das ärztliche Berufs=
geheimnis
verletzt und die Aerzte der Station unter
Umſtänden ſtrafbar werden können, blieb fruchtlos.
Auf der Unfallſtation in der Huttenſtraße ſind ins=
geſamt
24 Perſonen verbunden worden.
* Berlin, 28. Sept. Nach Nachrichten in den
Mittagsblättern wurden namentlich in der Roſtocker=
ſtraße
überall Beweiſe gefunden, daß aus den Haus=
fluren
und Fenſtern Revolverſchüſſe gegen
die Polizei abgefeuert, namentlich durch die Spal=
ten
heruntergelaſſener Jalouſien, worauf die Polizei
mit Revolverſchüſſen erwiderte. Eine genaue Feſt=

ſtellung der Zahl der Verletzten war bisher nicht mög=
lich
. Kriminalbeamte beſchlagnahmten heute das Kran=
kenjournal
der Unfallſtation, um die Namen der Ver= Das gewaltige Werk der Durchbohrung des Lötſchber=
der
Erhebung der Anklage wegen Aufruhrs, auf den
ſchwere Zuchthausſtrafe geſetzt iſt, bereits eingeleitet.
Angriffe und Widerſetzlichkeiten meiſt nicht
von dem ſogenannten Janhagel, wie am Abend vor=
her
, ſondern von beſſeren Arbeitern aus.

Luftſchiffahrt.
* Metz, 27. Sept. Ueber das heutige Fern=
Trier aufgeſtiegen war, paſſierte in glatter Fahrt um
4 Uhr 27 Minuten Palzen, um 4 Uhr 50 Minuten
Sierck, um 5 Uhr 10 Minuten Diedenhofen und wurde
in Metz um 5 Uhr 45 Minuten geſichtet, erreichte eine
Höhe von etwa 500 Metern und landete glatt auf
dem Flugfelde um 6 Uhr 8 Minuten. Das Publikum
durchbrach die Abſperrungskette und empfing den Flie=
ger
mit toſendem Beifall. An Bord befand ſich auch
ein rumäniſcher Leutnant als Paſſagier. Thelen, wel=
cher
mit Leutnant von Moßner aufgeſtiegen war, lan=
dete
in Grevenmacher kurz vor 5 Uhr, ſtieg aber bald
wieder auf und kehrte nach dem Flugplatz in Trier zu=
rück
. Engelhardt ſtieg zweimal auf, kehrte aber jedes=
mal
nach einigen Minuten wieder zurück.
* München, 28. Sept. Geſtern unternahm
P VI zwei Aufſtiege hintereinander. Heute ſoll
er mit Paſſagieren die Zugſpitze überfliegen. Die
Fahrt wird über den Starnberger= und den Staffel=
ſee
, das Loiſachtal entlang nach Garmiſch und dem
Eibſee gehen. Von dort aus ſoll die Ueberfliegung
verſucht werden.
* München, 28. Sept. Das Luftſchiff P 6"
iſt heute nachmittag 12 Uhr 45 Min. zu einer Fahrt nach
Garmiſch-Eibſee-Zugſpitze aufgeſtiegen.
* München, 28. Sept. Das Luftſchif P VI‟
das um 12,45 Uhr aufſtieg, erreichte gegen 2½ Uhr Gar=
miſch
=Partenkirchen, und fuhr dann nach dem Eibſee weiter.
Von dort kehrte es nach München zurück, wo es um ½6
Uhr glatt landete.
* Wien, 28. Sept. Graf Zeppelin ſandte an den
Bürgermeiſter Neumayer ein Schreiben, worin er mitteilt,
daß ein Bruch an einer Maſchine der das Aluminium lie=
fernden
Fabrik den Erſatzbau für die beiden letzten zerſtör=
ten
Luftſchiffe derart verzögert, daß er den Flug nach
Wien im Jahre 1910 kaum mehr ausführen kann.
sr. Der Diſtanzflug von St. Louis nach
New=York, der mit Preiſen von 400000 Mark do=
tiert
iſt, wird am 24. November ſeinen Anfang neh=
men
. Die Geſamtſtrecke, die in ſechs Etappen zurück=
zulegen
iſt, beträgt 1650 Kilometer; ſie führt von St.
Louis nach Cintimati (500 Kilometer), von Cintimati
nach Columbus (200 Kilometer), von Columbus nach
Cleveland (304 Kilometer), von Cleveland nach Haris=
burg
(396 Kilometer), von Harisburg nach Phila=
delphia
(150 Kilometer), von Philadelphia nach New=
York (100 Kilometer). Jede Etappe muß innerhalb von
48 Stunden zurückgelegt werden, dagegen ſteht es den
Aviatikern frei, beliebig viel Zwiſchenlandungen aus=
zuführen
.
Die Cholera.
* Rom, 27. Sept. In den letzten 24 Stunden ſind
in der Stadt Neapel fünf neue Cholerafälle
und drei Todesfälle an Cholera feſtgeſtellt worden.
Aus der Provinz Neapel werden drei neue Cholera=
fälle
und ein Todesfall gemeldet. In Apulien iſt ein
Todesfall vorgekommen. Das ſtädtiſche Geſundheits=
amt
von Rom erklärt, daß in der Stadt kein neuer
Cholerafall und auch kein choleraverdächtiger Fall vor=
liegt
. Von den drei Erkrankten am vorhergehenden
Tage wurde einer geheilt, zwei befinden ſich auf dem
Wege der Beſſerung.
* Berlin, 28. Sept. Der Reichsanzeiger meldet:
Nachdem die Cholera in Neapel feſtgeſtellt iſt, ſind
die aus dem Hafen von Neapel nach deutſchen Häfen kom=
menden
Schiffe und ihre Inſaſſen bis auf weiteres vor
der Zulaſſung zum freien Verkehr ärztlich zu unterſuchen.
* Paris, 28. Sept. Infolge der beunruhigenden
Nachrichten über die Cholera in Neapel hat Mi=
niſterpräſident
Briand an die Präfekten ein Rund=
ſchreiben
gerichtet, in welchem er ihnen die ſtrengſte
Durchführung der angeordneten Verhütungsmaß=
nahmen
aufträgt. Wenn jeder ſeine Pflicht tut, ſo
ſchließt das Rundſchreiben, dann werden wir ohne
Furcht die Ereigniſſe abwarten können.

Vermiſchtes.
Vom Bau’des Lötſchbergtunmels.
letzten feſtzuſtellen. Gerichtliche Unterſuchung iſt gegen ges, an dem nun bereits ſeit Jahren eifrig gearbeitet
die feſtgeſtellten Beteiligten am Tumult zum Zwecke wird, nähert ſich der Vollendung; im kommenden Früh=
jahr
bereits wird der Durchſtich vollendet ſein. Die
Chronik des Baues hat viel düſtere Geſchichten zu ver=
* Berlin, 28. Sept. Nach dem amtlichen Bericht zeichnen; gleich bei der Arbeit an den erſten 2 Meilen
über die geſtrigen Vorgänge in Moabit gingen die fielen 25 Menſchenleben mit einem Schlage dem trotzi=
gen
Berge zum Opfer. Seitdem haben ſich noch manche
tragiſche Unfälle zugetragen. Aufeder Seite von Brig
wurde bald nach Inangriffnahme der Arbeiten durch
eine Lawine ein ſchweres Unglückrangerichtet, bei dem
zwölf Arbeiter ihren Tod fanden. Ein Kalkulations=
fehler
der Ingenieure und der Geologen, ſo führt die
Daily Mail aus, rief eine andere Kataſtrophe hervor:
wettfliegen Trier-Metz iſt folgendes zu be= 1 Bei den Bohrarbeiten wurde man plötzlich von den
richten: Jeannin, welcher um 3 Uhr 50 Minuten in toſenden Waſſern des Kanderfluſſes überraſcht, der
unterirdiſch durch einen Teil des Gebirgsmaſſivs
fließt, durch den der Tunnel gebohrt wird. Man hatte
die Lage dieſes Flußarmes nicht richtig berechnet. Dieſe
beiden ſchweren Unglücksſälle, die Ueberſchwemmung
an der Seite des Kanderſtegs und die Lawine auf der
Briger Seite, ließen bei den italieniſchen Arbeitern
abergläubiſche Befürchtungen entſtehen; die Leute wei=
gerten
ſich, an dem Werke fortzuarbeiten, das offenbar
vom Unglück verfolgt werde, und eine Zeit lang ſchien
es ſogar, als müßten die Arbeiten ruhen, weil nicht
genug Leute gefunden werden konnten, die bereit
waren, im Lötſchbergtunnel ihr Leben zu wagen. Heute
werden gegen 4000 Italiener beſchäftigt. Nach ſeiner
Vollendung wird der Tunnel eine Länge von 9¼ eng=
liſchen
Meilen haben, genau drei Meilen weniger, als
der Simplontunnel, der bekanntlich der größte der
Welt iſt. Die Koſten des großen Werkes werden auf
vierzig Millionen Mark geſchätzt, die ausſchließlich aus
Schweizer Kapital gedeckt werden. Dazu treten noch
die Bahnlinien von Bern, die neu gebaut werden, um
den Anſchluß an den Tunnel herzuſtellen und die ihrer=
ſeits
weitere dreißig Millionen verſchlingen. Nach der
Eröffnung des Tunnels wird der Bahnverkehr von
Frankreich und von der Schweiz nach Mailand eine
Zeiterſparnis von vier bis fünf Stunden erfahren.

Literariſches.
Deutſcher Camera=Almanach. Jahr=
buch
für die Photographie unſerer Zeit. 6. Band (für
das Jahr 1910). Begründet von Fritz Loeſcher, fort=
geführt
von Otto Ewel. Ein Großoktavband von etwa
300 Seiten mit 130 Reproduktionen hervorragender
Aufnahmen des letzten Jahres. Preis in Bütten= Um=
ſchlag
4 Mark, in Leinenband 5 Mark. Verlag von
Guſtav Schmidt in Berlin W. 10. Zum ſechſten Male
erſcheint dieſes Jahrbuch für die Photographie unſerer
Zeit auf dem Büchermarkt als eine der wichtigſten und
gehaltvollſten Publikationen, die ſich dem Freunde der
Photographie darbieten. Der Camera=Almanach gibt
ein mit ſachkundiger Hand geformtes Bild vom Stande
der photographiſchen Beſtrebungen und Ergebniſſe des
Jahres. Beſonders ſpiegelt ſich hier das ernſthafte
photographiſche Schaffen der künſtleriſchen Kräfte des
In= und Auslandes wider. Einen ſehr umfaſſenden
Rückblick auf die Fortſchritte und Ereigniſſe des
Jahres bietet in gewohnter Sachlichkeit und Sorgfalt
Paul Hanneke, der bewährte Herausgeber der Photo=
graphiſchen
Mitteilungen‟ Das Studium dieſes Jahr=
buches
vermag weſentlich dazu beizutragen, die Leiſtun=
gen
des einzelnen zu fördern, das Niveau der Photo=
graphie
zu heben.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Metz, 28. Sept. Bei dem Außenfort Chesny=Süd
bei Peltre kletterte ein Melker auf das Feſtungsge=
lände
; er wurde vom Poſten verhaftet und
machte einen Fluchtverſuch. Als er auf die Haltrufe
des Poſtens nicht ſtand, wurde er von dieſem er=
ſchoſſen
.
* Paris, 28. Sept. Miniſterpräſident Briand,
der die Abſicht hatte, das Fürſtenpaar Radolin vor
ſeiner Abreiſe aus Paris noch zu begrüßen, beauf=
tragte
infolge des Trauerfalles in ſeiner Familie den
Kabinettsdirektor im Miniſterium des Innern, Tiſſier,
hiermit. Fürſt Radolin iſt heute nachmittag nach
Berlin abgereiſt. Auf dem Bahnhofe hatten ſich Mi=
niſter
Pichon und=Tiſſier, ſowie das Perſonal der deut=
ſchen
Botſchaft eingefunden.
* London, 28. Sept. Das Polizeigericht in Fareham
ſprach ſich für die Ueberweiſung des Leutnants Helm
an das Geſchworenengericht aus. Bis zur Schaffung der
Bürgſchaft von 1000 Pfund ſeitens des Leutnants Helm,
und je 500 Pfund ſeitens zweier britiſcher Untertanen ſoll
Helm im Gefängnis von Wincheſter verbleiben.

Kurſe vom 28. September 1910.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

Staatspapiere.
Dſche. Reichsſchatzanw.
Deutſche Reichsanl.
do.
Preuß. Schatzanweiſg.
do. Conſols . . .
do. do.
ſad. Staatsanleihe .
do.
do.
Bayr. Eiſenbahnanl. .
do.
do.
Hamburger Staatsanl. 101,80
eſſ. Staatsanleihe . . 101,30
do.
do.
Sächſiſche Rente . . . 82,70
Württemberger v. 1907 101,90
do.
Bulgaren=Tabak=Anl. 100,80
Griechen v. 1887 . . 47,20
Italiener Rente . .
Oeſterr. Silberrente .
do. Goldrente .
do. einheitl. Rente 93,40
Portug. unif. Serie I 67,10
do. unif. Ser. III 69,10
do. Spezial. 12,10
Rumänier v. 1903 . . 101,90
do. v. 1890 . .
do. v. 1905 . .
Ruſſen v. 1880 .

In Proz.
99,80
91,90
42,00
99.80
100,00
91,90
101,30
93,40
101,50
91,40
91,10
80,10
92,60
97,10
98,40

92.10

InProz.
Zf.
4 Ruſſen v. 1902 . F. 92,75
.100,20
4½ do. v. 1905.
91,60
3½ Schweden . .
4 Serbier amort. v. 1895 83,50
4 Türk. Admin. v. 1903 86,25
4 do. unifiz. v. 1903 94,00
4 Ungar. Goldrente . . 94,20
4 do. Staatsrente . 91,50
5 Argentinier . . . . . . 101,00
91,00
do.
4
4½ Chile Gold=Anleihe . 94,00
5 Chineſ. Staatsanleihe 102,20
99,25
do.
4½
4½ Japaner . . . . . . . 97,50
5 Innere Mexikaner . . 99,60
3
do.
4 Gold=Mexikan. v. 1904 95,70
5 Gold=Mexikaner . . .

Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
4 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
. . .
.143,50
4 Nordd. Lloyd . . . . 109,10
4 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 122,00
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
4 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 117,00
Baltimore & Ohio . . 106,50
4 Gotthardbahn .

InProz.
3f.
4 Oeſt.=Ungar. Staatsb. 1629)
4 Oeſt. Südbhn. (Lomb.) 22,75
4 Pennſylvania R. R. 129,00
Induſtrie=Aktien.
Mainzer Aktienbrauerei . 205,00
Werger=Brauerei
. 73,00
Bad. Anil.= u. Sodafabrik 491,75
Fabrik Griesheim.
262,50
Farbwerk Höchſt .
.538,00
Verein chem. Fabriken
Mannheim.
.344,00
Lahmeyer .
117,50
Schuckert.
.163,75
Siemens & Halske . . . 255,00
Adlerfahrradwerke Kleyer 442,00
Bochumer Bb. u. Guß . . 234,25
Gelſenkirchen .
. .219,75
Harpener .
. . . 193,00
Phönix, Bergb. u. Hütten=
betrieb
.
. . 248,75
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 90,00
4 Pfälzer Prt.
100,00
do.
91,30
3½
4 Eliſabeth., ſteuerpfl. . 99,20
do. ſteuerfrei .
5 Oeſterr. Staatsbahn. 105,20
do.
97,40
do. alte .
5 Oeſterr. Südbahn . . 99,30
do.
do.
57,70
3 Raab=Oedenburger . . 75,00
4 Ruſſ. Südweſt. . . . . 90,40
4 Kronpr. Rudolfbahn 98,00

In Proz.
Bt.
. 75,00
2//10 Livorneſer . . .
4 Miſſouri=Pacific .
4 Bagdadbahn Mk. 408
5 Anatoliſche Eiſenb. . .
. . 101,80
5 Tehuantepec

4

Bank=Aktien.
erliner Handelsge
armſtädter Bank .
eutſche Bank . .
eutſche Vereinsbank
iskonto=Geſellſchaft
resdner Bank
kitteldeut. Kreditbk.
ationalbk. f. Deutſchl.
älzer Bank
eichsbank
hein. Kredit=Bank
iener Bank=Verein

166,10
131,20
257,75
127,00
189,60
161,90
120 25
125,40
105,25
143,50
139,00
140,25

Pfandbriefe.

4 Frankft. Hypoth.=Bank
S. 16 und 17 100,20
do. S. 19. . . . . 92,00
4 Frkf. Hyp.=Kreditverein
S. 1519, 2126 99,50
4 Hamb.=Hypoth.=Bank 100,50
do.
90,50
3½
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bk. 101,60
92,30
do.
3½,
4 Meining. Hyp.=Bank 101,00
do.
91,00
3½
4 Rhein. Hypoth.=Bank
(unk. 1917) 100,00
do. (unk. 1914) 90,70
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 100,30
,
3½
92,30

Inßeyz. *8f.
Bf.
Städte=
Obligationen
4 Darmſtadt . Sa.
91,50
3½ do.
4 Frankfurt . gr. 100,90
3½ do.
4 Gießen
3½ do.
4 Heidelberg
100,20
3½ do.
91,30
4 Karlsruhe
-
3½ do.
4 Magdeburg.
-
3½ do.
4 Mainz
3½ do.
4 Mannheim
3½ do.
4 München
101,10
3½ Nauheim
90,80
1 Nürnberg.
99,60
3½ do.
4 Offenbach.
3½ do.
4 Wiesbaden.
3½ do.
4 Worms.
99,60
3½ do.
4 Liſſaboner v. 1886
Verzinsliche
Anlehensloſe.
3½ Cöln=Mindner 100 135,00
5 Donau=Reg. fl. 10
3 Holl. Komm. 100 103.80 Reichsbank=Lombard Zäk. 6%

In Pro;
3 Madrider Fs. 100 77,75
4 Meining. Pr.= Pfand=
briefe
.
. . . 136,00
4 Oeſterr. 1860er Loſe 174,70
3 Oldenburger
95,00 2½ Raab=Grazer fl. 150
100,20 Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger
fl. 7 36,30
Braunſchweiger Tlr. 20 212,00
Freiburger Fs. 15
Mailänder Fs. 45
do.
Fs. 10 30,50
Meininger
ſl. 7
Oeſterreicher v. 1864 100 550,00
do. v. 1858 100 445,00
100,00 Ungar. Staats 100 385,50
Venediger
Frs. 30
Türkiſche
400 180,80
Gold, Silber und
Banknoten.
99,70 Engl. Sovereigns . .
20,39
20 Franks=Stücke
16,17
100,00 1 Oeſterr. 20=Kronen . .
16,95
Amerikaniſche Noten .
4,19
Engliſche Noten . . . . 20,42
Franzöſiſche Noten . . . . 80,95
Holländiſche Noten . . . . 169,05
Italieniſche Noten . . . 80,75
Oeſterr.=Ungariſche Noten 85,00
Ruſſiſche Noten . . .
4 Badiſche Tlr. 100 163,25 Schweizer Noten . . . . . 80,80
bat ielante

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 29. September 1910.

Nummer 228.

Pola, B. Sept. An Bord des Llondampfers
Baron Gautſch wurde ein Zahnarzt Dr. Kopp aus
Weimar wegen Photographierens im Kriegshafen auf
Veranlaſſung höherer Marinebeamten verhaftet.
Breslau, 28. Sept. Eine aus 30 Mann beſtehende
Räuberbande vollführte an der ruſſiſchen Grenze
einen Raubzug, bei dem drei Wächter, der Gemeinde=
vorſteher
und zwei Bauern durch Revolverſchüſſe ge=
tötet
wurden. Als Militär die Verfolgung aufnahm,
war die Bande ſpurlos verſchwunden.
London, 28. Sept. In einem Steinbruch in
Greeneville in Kanada wurden große Mengen Pech=
blende
, aus dem Radium gewonnen wird, ge=
kunden
.

Kraſt und Energie wieder erlangt!
Unna, 16. März 1910. Nachdem ich nach Verbrauch
von 3 Paketen Bioſon wieder zu Kräften gekommen bin,
fühle ich mich gedrungen, Ihnen meinen beſten Dank
abzuſtatten. An Blinddarm=Entzündungerkrankt, mußte
ich mich einer Operation unterziehen, an deren Folgen
ich ſehr matt und abgeſpannt war. Ich machte einen
Verſuch mit Bioſon und merkte, nachdem ich einigemal
davon getrunken hatte, ſofort Beſſerung im Appetit mein
Körpergewicht nahm zu und Kraft und Energie ſtellten
ſich wieder ein. Ich genoß es nach der Gebrauchs=
anweiſung
mit etwas Kakao vermiſcht und kann kon=
ſtatieren
, daß ich in Bezug auf Geſchmack und Bekömm=
lichkeit
durchaus zufrieden bin. Mit der Wirkung des
Bioſon ſehr zufrieden, werde ich es in meinem Be=
kanntenkreiſe
bei vorkommenden Fällen warm empfehlen.
Hochachtungsvoll! Frau Friedr. Traue. Unterſchrift
beglaubigt: Otto Eylardi, Notar. Bioſon iſt das
beſte und billigſte Kräftigungsmittel. Paket 3 Mk. in
Apotheken, Drogerien. Verlangen Sie von dem Bioſon=
werk
Frankfurt a. M. eine Gratisprobe und die Bro=
ſchüren
. Befragen Sie Ihren Hausarzt. (188410

lausendfach bewährte
Nahrung bei:
Brechdurchfall,
Diarrhöe,
Kindermehl.
Krankenkost. Darmkatarrh, etc.

Jogurt-Zaros
eine erfriſchende, leicht bekömmliche, darm=
reinigende
Milchdelikateſſe
(18767a
per Glas 30 Pfg.
Anton Braunwarth
Telefon 971.
Marktpaſſage.

Hohenlohe
Hafermehl
ist die einzig richtige
Kindernahrung, wo
Muttermilch fehlt. Es verhütet Erbrechen
und Durchfall und hat sich bei englischer
Krankheit vorzüglich bewährt.

HOTEL-DARMSTADTER-HOF
GRosshs

SPEISE-RESTAURANT

(16578a

Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Verlauf der Witterung ſeit geſtern früh: Ein
flacher, über der Nordſee geſtern lagernder Randwirbel
iſt zur Oſtſee gezogen und hat am Abend ſtrichweiſe
ganz unbedeutenden Regen gebracht. Im Rücken des
abziehenden Tiefs bildete ſich wieder hoher Druck und.
in der Nacht infolge Ausſtrahlung Nebel. Es iſt keine
Aenderung in Ausſicht.
Ausſichten in Heſſen für Donnerstag, 29. Sept.:
Heiter, nur ſtrichweiſe Nebel, mild.

Heute nachmittag 5 Uhr entschlief sanft nach langen, schweren, mit
grösster Geduld getragenen Leiden meine geliebte Tochter, unsere treue Schwester
(B18814
und Schwägerin
die Stiftsdame
11
Fraulemn Elsbet von Leszczwiska.
Jda von Leszczyfiska, geb. von Winterfeld,
Margret Bickel, geb. von Leszczyfiska,
Hildegard von Leszczyfiska, geb. Wüsten,
Bickel, Generalmajor z. D.
Blankenburg i. H.
Biebrich a. Rh.
Darmstadt, den 27. September 1910.
Geissensee 2.
Die Beisetzung findet am Freitag, den 30. September, nachmittags 3 Uhr, von der Kapelle des
Darmstädter Friedhofs aus, statt.

Statt jeder beſonderen Anzeige.
Heute nacht 2½ Uhr verſchied plötzlich,
unerwartet, unſere innigſtgeliebte Mutter, Groß=
mutter
, Schweſter, Schwägerin und Tante
Frau
Karoline Haas Wwe.
geb. Kaufmann
im Alter von 62 Jahren.
Darmſtadt (Friedrichſtraße 23, I), Frank=
furt
a. M., Gießen, 28. September 1910.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Bertha Franken, geb. Haas,
Clara Bär, geb. Haas,
Jenny Wetterhahn, geb. Haas,
Helene Schorſch, geb. Haas,
Adolf Haas,
Julius Haas,
Jenny Haas, geb. Strauß,
Iſaae Franken,
Liebmann Bär,
Louis Wetterhahn,
Moritz Schorſch.
(18816
Die Beerdigung findet Freitag, den 30. Sept.,
vormittags 10½ Uhr, vom Portale des israeli=
tiſchen
Friedhofes aus, ſtatt.

ee
Hoftheater, Anfang 7 Uhr (Ab. B): Das Nachtlager
in Granada.
Konzert um 8 Uhr im Hotel Heß.
Konzert um 8 Uhr im Perkeo.
Ausſtellung des Deutſchen Künſtlerbundes (geöffnet
von 10 Uhr ab).
Gemälde=Ausſtellung im Haus Chriſtianſen auf
der Mathildenhöhe (geöffnet von 106 Uhr).
1. Darmſtädter Kinematograph (Ecke Rhein= und
Grafenſtraße): Vorſtellungen von 311 Uhr.
Verſteigerungskalender.
Freitag, 30. September.
Mobiliar= ꝛc. Verſteigerung um 9 Uhr in der
Ludwigshalle‟.
Maurergeräte= ꝛc. Verſteigerung um 9 Uhr ( Zu=
ſammenkunft
Ecke Roßdörfer= und Heidenreichſtraße).
Großh. Hofbibliothek, geöffnet Montag bis Freitag
von 91 Uhr und nachmittags von 35 Uhr, Samstag
von 91 Uhr.

Krieger-Verein
Darmſtadt.

Todes=Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen,
unſer langjähriges Mitglied
(18811
Herrn
Wilhelm Kretzmähr
Hauptmann a. D.
aus dieſem Leben abzurufen.
Die Beerdigung findet Donnerstag, den
29. September, nachmittags 4 Uhr, vom Portal
des Beſſunger Friedhofs aus, ſtatt.
Sammlung am Friedhof.
Zur Teilnahme an der Beerdigung wer=
den
die Kameraden von Schwarz bis Zöller,
ſowie der 5. Bezirk erſucht.
Der Vorſtand des Kriegervereins
Darmſtadt.

Beſtellungen

auf das

Darmſtädter Tagblatt‟
werden in der Expedition, ſowie von allen
Poſtanſtalten entgegengenommen.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: i. V. Dr. Olto
Waldaeſtel; für den Inſeratenteil: J. Kroſt, ſämtlich in
Darmſtadt. Für den redaktionellen Teil beſtimmte
Mitteilungen ſind an die Redaktion des Tagblatts zu
adreſſieren. Etwaige Honorarforderungen ſind beizu=
fügen
; nachträgliche werden nicht berückſichtigt. Un=
verlangte
Manuſkripte werden nicht zurückgeſandt.

Hessenbräu-Flaschenbiere
sind hochfeine Qualitätsbiere.

(257a

[ ][  ][ ]

Donnerstag friſch

ist es, dass.
durch eigeneAnfertigung
grosse Vorteile erzielt werden.

Nummer 228.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 29. September 1910.

Dotter-Madutzer Dotistohen

Kissen

gefüllt Mk. 2.80, 3.50, 4,50,
5.25. 6.75, 7.50 usw.

Deckbetten

gefüllt M. 8.50, 10.25, 12.50
15.50, 19.-, 22.50 usw.

iteilig Mk. 18.50,
Wollmatratzen
Bettfedern
21.75, 23.50
ein- und drei-
Seegrasmatratzen teilig
Mk. 12.50. 14., 15.50, 17.
Daunen
roter Jacquard-
Kapokmatratzen drell
per Pfd. Mk. 2.80, 4.25, 5.50,

Mk. 7., 9.50, 12..
Eisenbettstellen 15., 18.-, 21,50,

Mk. 38., 42.50, 45.-, 48.

per Pfd. .80. 1.. 1.25,
1.75, 2.50, 3.50, 4.50 usw.

6.50, 7.50, 8.50

Holzbettstellen Mk. 11.80, 14.50, 18.,
21.-, 25.-, 28.
Kinderbettstellen in riesiger Auswahl.

25.-, 30. usw.

Cabliau

mittel
,
Pfund

En

Feinſte

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Bozener Mäntel, Anzüge
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Hessischer Hof
Wihelminenstr. 1, I.

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Wilhelminenplatz 10, 1. Stock.
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Mathematik
durch akadem. gebild. Lehrer. Vorbereit. für
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Matur.=). Repet. für Hochſchüler. Verſicher=
ungsmathem
. Sorgfält. ſchnelle Förderg.
Mäß. Honor. Wittmannſtr. 30, I. (B17703
erteilt zu mäſigem Honorar

Oberlehrer Privatunterricht in Latein
und Griechiſch. Offerten unter V 75 an
(*23767mdf
die Expedition’ ds. Bl.

Ferien-Nachhilfe
wird Schülern höherer Schulen gründlich
gegen mäßiges Honorar erteilt. Gefl. Off.
unter W 6 an die Exp. ds. Bl. (*23949

erteilt bei mäß. Hon Nach=
Oberlehrer hilfe in Franz. u. Engliſch
u. übern. Ueberwachung der häusl. Arbeiten.
Off. unt. V 95 an die Exp. d. Bl. (*23891
erteilt Primaner
Nachhilfeſtunden mit gut. Zeugniſſen
Offerten u. V 93 an die Exped. (*23865dso

oder anderer Her füir
Lehrer Ueberwachung d. häusl.
Arbeiten für einen intel. Quartaner des
Realgym. geſucht. Offerten mit Preis
unter V 94 befördert die Exped. (*23874

ereſtbin (enen
Nachhilfe Weber, Rückertſtraße 8.

Gründl. Unterricht
im Zuſchneiden u. Kleidermachen erteilt
E. Greb, vorm. Frau Lieser, geb. Lind, Ernſt=
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1. Beilage
zum Darmſtädter Tagblatt.

2 228.

Donnerstag, 29. September.

1910.

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Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 29. September 1910.

Nummer 228.

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Eine größere Freude konnteſt Du mir zum Ab=
ſchiede
nicht machen, kleine Helene, ich danke Dir innig,
ich revanchiere mich auch bald.
Und nach vorſichtiger Umſchau küßte er ſie. Ein
letzter Kuß der Dankbarkeit und Sehnſucht.
Aus dem ſchützenden Buchenwald traten ſie in die
Anlagen, die jetzt von promenierenden Badegäſten be=
lebt
waren.
Reichtum und Eleganz rauſchte an ihnen vorüber,
Neugierde folgte ihnen. Darin hatte Helene recht ge=
habt
, es war Hans Haſſingens vornehme, ſchlanke Er=
ſcheinung
, die auffiel, junge Herren ſind in kleinen
Badeorten ſeltene und begehrte Artikel.
Junge Mädchen im Tennisdreß reckten witternd die
Köpfe, muſterten mit kritiſch abſchätzendem Blick Helenens
Kindergeſtalt. Sie taxierten auf Bruder und Schweſter
und ſchöpften Hoffnung auf einen Tennisgefährten. Aber
die Hoffnung ſollte trügen, ſie ſahen den blonden, vor=
nehmen
Offizier in Zivil nicht wieder.
Wären ſie ihm auf ſeinem Weg zum Bahnhof gefolgt,
ſie hätten ihren Irrtum in bezug auf das Geſchwiſter=
paar
eingeſehen.
So ſehr Helene Falk ſich auch bemühte, tapfer und
ruhig zu ſein, ihr totenblaſſes Geſicht und ihre ſchmerz=
erfüllten
Augen verrieten die ganze Schwere des Abſchieds
von dem Manne, der vor ihrem Coupé ſtand, der zurück=
bleiben
und ſie allein in ein Leben hineinfahren laſſen
würde, vor dem ihr graute. Vor dem Bahnhof
hatte er ihr noch ein paar dunkelrote Roſen gekauft, die
trug ſie an der Bruſt, und ein paar ſchwere Tränen, denen
ſie beim Einſteigen nicht wehren gekonnt, lagen als heiße

Tautropfen auf ihren ſamtweichen Blättern. Sie ſprachen
noch äußerlich ruhig, daß ſie ſich oft ſchreiben wollten, und
daß ſie ſich ja beſtimmt auf Eſpachs Hochzeit wiederſehen
würden. Der Zwang, den eine ältere Coupégenoſſin,
deren ſpitze Naſe faſt die Fenſterſcheibe durchſtach, ihnen
auferlegte, half ihnen über die letzten Minuten hinweg.
Wieder tönte das kurze, ſcharf akzentuierte Abfahrt!,
wie ein Schwertſtreich drang es ſchneidend durch Helenens
warmes, junges Herz.
Sie verlor die mühſam bewahrte Haltung.
Hans, lieber Hans, vergiß mich nicht! ſchluchzte
ſie auf.
Er konnte nur mit dem Kopf ſchütteln, ſie noch einmal
feſt, innig und ehrlich anblicken, auch er fühlte, daß es
ihm heiß in die Augen ſtieg und eine unſichtbare Hand
ihm die Kehle zuſammenpreßte. Ein paar Schritte ging
er noch neben dem ſich langſam in Bewegung ſetzenden
Zuge her.
Helene hatte ihr Taſchentuch an den Mund gepreßt,
biß hinein, um nicht aufzuſchreiben, aber ihre Augen
ſchrien all den Jammer aus, der ihre ganze Geſtalt
ſchüttelte.
Dann noch ein Hutſchwenken, ein wehendes Taſchen=
tuch
.
Einer langen, dunklen Schlange gleich rollte der Zug
mit der kleinen Helene in den ſinkenden Abend hinein.
VII.
Es war ein halbes Jahr ſpäter. Ueber Wiesbaden,
die vielgeprieſene Taunusſtadt, ſenkte ſich die fahle Däm=
merung
eines ſcheidenden, unfreundlichen Märztages. Es

regnete nicht, aber die Luſt war von feinem erkältenden
Waſſerſtaub erfüllt, und das breite Trottoir der Wilhelm=
ſtraße
glänzte ſchlüpfrig.
Um die hier und da ſchon entzündeten Laternen bil=
deten
ſich regenbogenfarbige Lichtkreiſe. Vereinzelt tauchte
ein ängſtlich geöffneter Regenſchirm auf, der Nachmittags=
korſo
war weniger beſucht als ſonſt.
Es war der ſchlechteſte Monat und das ungünſtigſte
Wetter für ſolche, die in Wiesbaden Geneſung, nicht nur
Vergnügen ſuchten.
Ein Herr ging langſam, einen Stock als Stütze be=
nutzend
, die Wilhelmſtraße entlang. Groß, ſchlank und
blond.
Ein anderer kam ihm entgegen. Ein ebenfalls ſehr
großer Menſch mit einem hageren, über dem dunklen Pelz=
kragen
ſeines Mantels leuchtend blaſſen Geſicht und ner=
vöſen
, tiefliegenden Augen.
Sichtlich überraſcht, machte er vor dem ſchlanken Blon=
den
Halt.
Donnerwetter, Haſſingen, Sie hier? ſagte er lebhaft.
Was machen Sie denn für Geſchichten? Er ſchüttelte ihm
die Hand und ſah auf den derben Krückſtock, den der An=
dere
erſt hatte in die Linke nehmen müſſen. Am Stocke?
Ich denke, ich ſehe nicht recht. Als ich mein Kommando
kriegte, im Oktober, waren Sie doch kreuzfidel, die Knie=
geſchichte
anſcheinend ganz ausgeheilt. Kam ſie denn wie=
der
oder haben Sie ſich im Manöver bloß Rheumatismus
geholt? Ich kann Ihnen ſagen, meinen Knacks habe ich
auch weg. Pfui Teufel, waren das in dieſem Jahre
Biwaks, gaben 90 Prozent Gichtbrüchige, behaupte ich.
(Fortſetzung folat.)

[ ][  ][ ]

Seite 16,

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 29, September 1910.

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[ ][  ][ ]

Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt.

(6 102.

Dannerslag, 20. Seplenber.

1910.

Bekanntmachung.
Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß der Plan der Erweiterung
des Bahnhofs Griesheim der Darmſtädter Dampfſtraßenbahn in der Zeit von Sams=
tag
, den 1. bis Montag, den 10. Oktober einſchließlich, auf der Großh. Bürgermeiſterei
Griesheim zu jedermanns Einſicht offen liegt.
Landespolizeilicher Prüfungstermin wird auf
Montag, den 17. Oktober, nachmittags 3¾ Uhr,
auf Großh. Bürgermeiſterei Griesheim anberaumt..
(18828
Einwendungen gegen den Plan ſind im Prüfungstermin vorzubringen.
Darmſtadt, den 28. September 1910.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
Bekanntmachung.
Es wird hiermit zur Kenntnis der Intereſſenten gebracht, daß die Kreisſtraße von
Nieder=Ramſtadt bis zur Abzweigung in die neue Kreisſtraße bei den Schachenmühlen
behufs der Kanalanlage am Lohberg von heute ab auf ca. 8 Tage für Fuhrwerke,

Automobile und Motorräder geſperrt iſt.
Darmſtadt, den 24. September 1910.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.

(18647id

Bekanntmachung.
Wir bringen nachſtehend zur Kenntnis der Beteiligten:
1. das Stellenvermittlergeſetz vom 2. Juni 1910 (Reichsgeſetzblatt 1910, Nr. 34,
Seite 860 ff.),
2. die Bekanntmachung, den Vollzug des Stellenvermittlergeſetzes vom
2. Juni 1910 betreffend, vom 2. September 1910 (Regierungsblatt 1910, Nr. 17,
Seite 179 ff.),
3. den gemäß § 5 des Reichsgeſetzes und Artikel II der heſſiſchen Vollzugs=
bekanntmachung
feſtgeſetzten Gebührentarif für gewerbsmäßige Stellen=
vermittler
im Kreiſe Darmſtadt.
Wir fügen an daß das Reichsgeſetz, die Vollzugsbekanntmachung und der
Gebührentarif am 1. Oktober 1910 in Kraft treten.
Darmſtadt, den 28. September 1910.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
(18829fsi
Stellenvermittlergeſetz.
Vom 2. Juni 1910.
Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutſcher Kaiſer, König von Preußen ꝛc.
verordnen im Namen des Reichs, nach erfolgter Zuſtimmung des Bundesrats und des
Reichstags, was folgt:
§ 1.
Stellenvermittler im Sinne dieſes Geſetzes iſt, wer gewerbsmäßig
1. die Vermittlung eines Vertrags über eine Stelle betreibt,
2. Gelegenheit zur Erlangung einer Stelle nachweiſt und ſich zu dieſem Zwecke
mit Arbeitgebern oder Arbeitnehmern in beſondere Beziehungen ſetzt.
§ 2.
Wer das Gewerbe eines Stellenvermittlers betreiben will, bedarf dazu einer Er=
laubnis
der von der Landeszentralbehörde bezeichneten Behörde.
Die Erlaubnis iſt zu verſagen, wenn
1. Tatſachen vorliegen, welche die Unzuverläſſigkeit des Nachſuchenden in bezug
auf den beabſichtigten Gewerbebetrieb oder auf ſeine perſönlichen Verhält=
niſe
dartun,
2. ein Bedürfnis nach Stellenvermittlern nicht vorliegt. Ein Bedürfnis iſt ins=
beſondere
nicht anzuerkennen, ſoweit für den Ort oder den wirtſchaftlichen Be=
zirk
ein öffentlicher gemeinnütziger Arbeitsnachweis in ausreichendem Um=
fang
beſtebl.
Bei der Erteilung der Erlaubnis ſind die Berufe zu bezeichnen, in denen die
Vermittlung von Stellen ſtattfinden darf.
§ 3.
Wer das Gewerbe eines Stellenvermittlers betreibt, darf Gaſtwirtſchaft, Schank=
wirtſchaft
, Kleinhandel mit geiſtigen Getränken, gewerbsmäßige Vermietung von Wohn=
oder
Schlafſtellen, Handel mit Kleidungs: Gebrauchs=, Genuß= oder Verzehrungs=
gegenſtänden
oder mit Lotterieloſen, das Barbier= oder Friſeurgewerbe, das Geſchäft
eines Geldwechslers, Pfandleihers oder Pfandvermittlers weder ſelbſt noch durch andere
betreiben.
Der Stellenvermittler darf mit anderen Gewerbetreibenden der im Abſ. 1 be=
zeichneten
Art nicht ſo in Geſchäftsverbindung treten, daß er ſich für die Ausübung
ſeiner Tätigkeit von ihnen Vergütungen irgendwelcher Art gewähren oder verſprechen
läßt. Dieſe Vorſchrift gilt nicht, wenn die Tätigkeit des Stellenvermittlers für den
eigenen Betrieb des Gewerbetreibenden in Anſpruch genommen wird.
Wer das Gewerbe eines Stellenvermittlers betreibt, darf dieſe Tätigkeit nicht zu
Anpreiſungen für andere, eigene oder fremde Gewerbebetriebe benutzen.
Der Stellenvermittler darf den Stellenſuchenden nicht verpflichten oder anhalten,
aus ſeinem oder einem von ihm bezeichneten Gewerbebetrieb oder Handelsgeſchäfte
Waren zu entnehmen.
Der Stellenvermittler darf zu dem Arbeitgeber in keinem Dienſt= oder Ab=
hängigkeitsverhältniſſe
ſtehen.
§ 4.
Verträge, durch die ſich ein Arbeitnehmer oder Arbeitgeber verpflichtet oder ver=
pflichtet
hat, ſich auch in ſpäteren Fällen der Mitwirkung eines beſtimmten gewerbs=
mäßigen
Stellenvermittlers zu bedienen, ſind nichtig.
§ 5.
Für die den Stellenvermittlern zukommenden Gebühren werden von der Landes=
zentralbehörde
oder den von ihr bezeichneten Behörden nach Anhören des Trägers des
öffentlichen Arbeitsnachweiſes, von Vertretern der Stellenvermittler, der Arbeitgeber
und Arbeitnehmer Taren feſtgeſetzt.
Eine Gebühr darf nur erhoben werden, wenn der Vertrag infolge der Tätigkeit
des Vermittlers zuſtande kommt. Haben beide Teile dieſe Tätigkeit in Anſpruch ge=
nommen
, ſo iſt die Gebühr von dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer je zur Hälfte
zu zahlen; eine entgegenſtehende Vereinbarung zu Ungunſten des Arbeitnehmers iſt nichtig.
Neben den Gebühren dürfen Vergütungen anderer Art nicht erhoben werden.
Die Erſtatung barer Auslagen darf nur inſoweit gefordert werden, als ſie auf Ver=
langen
und nach Vereinbarung mit dem Auftraggeber verwendet und als notwendige
hinreichend nachgewieſen ſind.
Die Stellenvermittler ſind verpflichtet, dem Stellenſuchenden vor Abſchluß des
Vermittlungsgeſchäfts die für ihn zur Anwendung kommende Taxe mitzuteilen. Die
Tare iſt in den Geſchäftsräumen an einer in die Augen fallenden Stelle anzuſchlagen.
Die Vorſchriften des Abſ. 2 gelten nicht für die Herausgabe von Stelln= und
Vakanzenliſten.
§ 6.
Die Stellenvermittler dürfen Dienſtbücher (Geſindebücher), Arbeitsbücher, Zeug=
niſſe
, Ausweispapiere und ſonſtige Gegenſtände, die aus Anlaß der Stellenvermittlung
in ihren Beſitz gelangt ſind, gegen den Willen des Eigentümers nicht zurückbehalten,
insbeſondere an ſolchen Gegenſtänden ein Zurückbehaltungs= oder Pfandrecht nicht
ausüben.
Stellenvermittler welche für weibliche Perſonen Stellen im Ausland vermitteln,
haben der für ihren Gewerbebetrieb zuſtändigen Polizeibehörde ein Verzeichnis der
Namen dieſer Perſonen und der ihnen vermittelten Stellen nach näherer Anordnung
regelmäßig vorzulegen.
§ 8.
Die Landeszentralbehörde kann weitere Beſtimmungen über den Umfang der
Beſugniſſe und Verpflichtungen ſowie über den Geſchäftsbetrieb der Stellenvermitter

erlaſſen.

§ 9.

Die Erlaubnis zum Gewerbebetriebe des Stellenvermittlers iſt zurückzunehmen,
wenn ſich aus Handlungen oder Unterlaſſungen des Stellenvermittlers deſſen Unzu=
verläſſigkeit
in bezug auf den Gewerbebetrieb oder ſeine perſönlichen Verhältniſſe ergibt.
Unter der gleichen Vorausſetzung iſt der Gewerbebetrieb Stellenvermittlern, die
ihn vor dem 1. Oktober 1900 begonnen haben, zu unterſagen. Die Unterſagung wirkt
wirkt für das ganze Gebiet des Reichs.

Die Unzuverläſigkeit iſt ſtets anzunehmen, wenn der Stellenvermitler wiederholt
beſtraft iſt, weil er die feſtgeſetzte Gebührentaxe überſchritten oder ſich außer den tag=
mäßigen
Gebühren Vergütungen anderer Art von dem Arbeitnehmer oder dem Arbeit=
geber
hat gewähren oder verſprechen laſſen, oder weil er dem Verbote der § 3, § 12
Abſ. 1 Ziffer 5 zuwider gehandelt hat. Der Träger des öffentlichen Arbeitsnachweiſes
iſt berechtigt, ſelbſtändig Antrag auf Entziehung der Erlaubnis zu ſtellen.
§ 10.
Der Beſcheid, durch den die Erlaubnis verſagt oder zurückgenommen oder der
Gewerbebetrieb unterſagt wird, kann im Wege des Verwaltungsſtreitverfahrens an=
gefochten
werden; wo ein ſolches nicht beſteht, gelten die §§ 20, 21 der Gewerbeordnung.
§ 11.
Ein Abdruck dieſes Geſetzes muß auf jedem deutſchen Kauffahrteiſchiff im Volks=
logis
zur jederzeitigen Einſicht der Schiffsleute vorhanden ſein.
§ 12.
Mit Geldſtrafe bis zu ſechshundert Mark oder mit Haft wird beſtraft ein Stellen=
vermittler
, der
1. den Gewerbebetrieh ohne die vorgeſchriebene Erlaubnis unternimmt oder
fortſetzt,
2. einen nach § 3 Abſ. 1 ihm verbotenen Gewerbebetrieb unternimmt oder fortſetzt,
oder der ſich von Gewerbetreibenden der dort bezeichneten Art für die Aus=
übung
ſeiner Tätigkeit verbotene Vergütungen irgendwelcher Art gewähren
oder verſprechen läßt,
3. ſeine Tätigkeit zu Anpreiſungen für eigene oder fremde Gewerbebetriebe benutzt,
oder den Stellenſuchenden verpflichtet oder anhält, aus ſeinem oder einem von
ihm bezeichneten Gewerbebetrieb oder Handelsgeſchäfte Waren zu entnehmen,
4. die amtlich feſtgeſetzte Taxe überſchreitet, oder ſich außer den tarmäßigen
Gebühren Vergütungen anderer Art von dem Arbeitnehmer oder dem Arbeit
geber gewähren oder verſprechen läßt (§ 5 Abſ. 1 bis 3),
5. es unternimmt, einen Arbeitnehmer zum Bruche eines eingegangenen Arbeits=
vertrags
zu verleiten.
Die gleiche Strafe trifft Gewerbetreibende der im § 3 Abſ. 1 bezeichneten Art, die
es unternehmen, einen Stellenvermittler durch Gewährung oder Verſprechung von Ver=
gütungen
irgendwelcher Art zu einer den Intereſſen des Arbeitnehmers widerſtreitenden
Ausübung der Vermittlertätigkeit zu beſtimmen.
War der Täter wegen der im Abſ. 1, 2 bezeichneten Zuwiderhandlungen rechts=
kräftig
verurteilt worden und begeht er innerhalb fünf Jahren wiederum eine ſolche
Zuwiderhandlung, ſo wird er mit Geldſtrafe von einhundert bis ſechshundert Mark oder
mit Haft beſtraft.
§ 13.
Mit Geldſtrafe bis zu einhundertfünfzig Mark oder mit Haft wird beſtraft:
1. ein Stellenvermittler, der den Vorſchriften des § 5 Abſ. 4, der §§ 6, 7 oder
den im § 8 bezeichneten Beſtimmungen zuwiderhandelt,
2. ein Stellenvermittler oder ein Gewerbetreibender der im § 3 Abſ. 1 bezeichneten
Art, der im Inland den von einer zuſtändigen Behörde erlaſſenen Beſtimmungen
zur Verhinderung des vorzeitigen Betretens einlaufender Schiffe und des
Anbordbringens von geiſtigen Getränken zuwiderhandelt,
3. ein Kapitän, der im Inland den Beſtimmungen einer zuſtändigen Behörde,
im Ausland den Anordnungen eines Seemannsamts zuwider Stellen=
vermittler
oder Gewerbetreibende der im § 3 Abſ. 1 bezeichneten Art an Bord
läßt oder an Bord duldet,
4. ein Kapitän, der es unterläßt, dafür zu ſorgen, daß ein Abdruck dieſes Geſetzes
im Volkslogis zugänglich iſt (§ 11).
In den Fällen des Abſ. 1 Nr. 3, 4 ſind im Ausland für die Feſtſetzung der
Strafe und für das weitere Verfahren die Vorſchriften der §§ 5, 122 bis 125 der
Seemannsordnung anzuwenden.
§ 14.
Auf den Gewerbebetrieb des Stellenvermittlers finden die Vorſchriften der
Gewerbeordnung inſowbeit Anwendung, als nicht in dieſem Geſetze beſondere Be=
ſtimmungen
getroffen ſind.
§ 15.
Die Landeszentralbehörde kann beſtimmen, inwieweit die Vorſchriften der §§ 3,
5 auf nicht gewerbsmäßig betriebene Stellen= oder Arbeitsnachweiſe anzuwenden ſind,
und weitere Beſtimmungen über den Umfang der Befugniſſe und Verpflichtungen, ſowie
über den Betrieb dieſer Nachweiſe erlaſſen.
§ 16.
Mit Geldſtrafe bis zu einhundertfünfzig Mark oder mit Haft werden Leiter oder
Angeſtellte eines nicht gewerbsmäßigen Stellen= oder Arbeitsnachweiſes beſtraft, welche
den auf Grund des § 15 getroffenen Beſtimmungen zuwiderhandeln.
§ 17.
Sind innerhalb zweier Jahre wiederholt Leiter oder Angeſtellte eines nicht
gewerbsmäßigen Stellen= oder Arbeitsnachweiſes wegen Uebertretung nach § 16 rechts=
kräftig
verurteilt, ſo können die Landeszentralbehörde oder die von ihr bezeichneten
Behörden den Betrieb unterſagen. § 10 gilt entſprechend.
§ 18.
Wer den Betrieb nach der Unterſagung fortſetzt oder ohne Erlaubnis der unter=
ſagenden
Behörde wieder aufnimmt, wird mit Geldſtrafe bis zu ſechshundert Mark
oder mit Haft beſtraft.
§ 19.
Dieſes Geſetz tritt am 1. Oktober 1910 in Kraft. Gleichzeitig treten außer Kraft:
das Geſetz, betreffend die Stellenvermittlung für Schiffsleute, vom 2. Juni
1902 (Reichs=Geſetzb. S. 215),
die auf die Geſindevermieter und Stellenvermittler bezüglichen Vorſchriften der
§§ 34, 38, 53, 75a, § 148 Ziffer 8, § 149 Ziffer 7a der Gewerbeordnung.
Urkundlich unter Unſerer Höchſteigenhändigen Unterſchrift und beigedrucktem
Kaiſerlichen Inſiegel.
Gegeben Neues Palais, den 2. Juni 1910.
Im Allerhöchſten Auftrage Seiner Majeſtät des Kaiſers und Königs:
Wilhelm, Kronprinz.
(L. 8.)
Delbrück.
Bekanntmachung,
den Vollzug des Stellenvermittlergeſetzes vom 2. Juni 1910 betreffend.
Vom 2. Sepiember 1910.=
Zum Vollzug des Stellenvermittlergeſetzes vom 2. Juni 1910 (R.=G.=Bl. S. 860)
haben wir folgendes beſtimmt:
Ueber die Erteilung oder Verweigerung der Erlaubnis zum Betrieb des Gewerbes
eines Stellenvermittlers beſchließt der Kreisausſchuß.
Für das Verfahren gelten die Vorſchriften des § 54 Abſ. 1 der Vollzugsverord=
nung
zur Gewerbeordnung vom 22. September 1900 (Reg.=Bl. S. 845 ff.).
II.
Die Feſtſetzung der Gebühren der gewerbsmäßigen Stellenvermittler, mit Aus=
nahme
der Gebühren der Stellenvermittler für Bühnenangehörige, erfolgt durch das
Kreisamt, in deſſen Bezirk der Gewerbebetrieb ſeinen Sitz hat.
III.
Zuſtändige Polizeibehörde iſt die Bürgermeiſterei oder die an deren Stelle
beſonders eingerichtete ſtaatliche Polizeiverwaltung.
I.
Für die Unterſagung eines vor dem 1. Oktober 1900 begonnenen Gewerbebetriebs
und für die Entziehung einer nach § 2 des Stellenvermittlergeſetzes erteilten Erlaubnis
iſt der Provinzialausſchuß zuſtändig. Das hierbei zu beobachtende Verfahren richtet
ſich nach den Vorſchriften des § 67 der Vollzugsverordnung zur Gewerbeordnung.
Die Fortſetzung eines ohne Erlaubnis begonnenen Gewerbebetriebs kann nach
Maßgabe der §§ 6 und 7 der Vollzugsverordnung zur Gewerbeordnung verhindert werden.
V.
Für die Unterſagung des Betriebs einer nicht gewerbsmäßigen Stellenvermittlung
iſt der Provinzialausſchuß zuſtändig. Ziffer IV Abſ. 1 Satz 2 findet ſinngemäß
Anwendung.
VI.
Vorſtehende Beſtimmungen treten am 1. Oktober 1910 in Kraft.
Darmſtadt, den 2. September 1910.
Großherzogliches Miniſterium des Innern.
In Vertretung: Dr. Weber.
Pfeiffer.

[ ][  ][ ]

Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt. Dannerstag, den 29. September, 1916,
Nummer 102.
Kenngeichens (Iiſr,) erhallen. Die Anbeingung, worher. geprägter Verſchliußſtüce iſt
nicht ſtatthaft. Ein=Löſen der Sicherung und inſonderheit ein Abnehmen des Metall=
Gebührentauff
verſchluſſes darf ohne Hinterlaſſung vonsSpuren der Gewalt nicht möglich ſein.
für gewerbsmäßige Stellenvermittler im Kreiſe Darmſtadt,
4. Das Kennzeichen beſteht in einem großenskateiniſchen Buchſtaben, der die
gültig vom 1. Oktober 1910 ab,
feſtgeſetzt nach Anhörung des Trägers des öffentlichen Arbeitsnachweiſes, der VertreterlDirektivbehörde, einem kleinem latriniſchen=Buchſtaben, gder das Hauptamt bezeichnet,
und einer Nummer in arabiſchen=Ziffern.
der Stellenvermittler, der=Arbeitgeber und Arbeitnehmer:
5. Jedes Behältnis muß eine nichtrabwiſchbare, licht==undewaſſerbeſtändige Be=
zeichnung
des Raumgehalts ſowie eine Angabeederjenigen Stärke nach=Gewichtsprozenten
Gewerbliche und landwirtſchaftliche Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter,
aufweiſen, welche das Alkoholometergin, dem vollſtändig vergällten Brauntwein bei
(ſoweit nicht unter II und III gehörig):
1) bei Monatslohn bis 15 Mk. und freier Station oder bei Monatslohn bis 60 Mk. 2 Mk.15 Grad Wärmennach Celfius anzeigt:daneben darfsauch noch die Alkoholſtärke in
über 6070 Mk. 3 Mk.Raumprozenten angegeben werden. Die Bezeichnung des Raumgehalts ſowie die An=
über 1525
2)
7085 Mk. 4 Mk. gabe der Stärke kann auch= auf Etiketten erfolgen, die mit Klebſtoff auf den Behältniſſen
2540
3)
befeſtigt werden. Einer amtlichen=Eichung der Behältniſſe bedarf es nicht. Abweich=

4)

40 Mk.

II.

85

5 Mk.

2. Mk.=
3 Mk.
4 Mk.
5 Mk.
. . 0,20 Mk

Perſonal im Hanshalt:
1) bei Monatslohn bis 15 Mk. und freier Station
von über 15 Mk. 25 Mk. und freier Station . .
2)
40
, 25
3)
40
4)
5) Aushilfsperſonal (Servier=, Lauf=, Putz=, Koch=, Waſchfrauen, Näherinnen,
Büglerinnen uſw.) für jeden Vermittlungsfall . . . . . . . . .
III.
Perſonal im Gaſtwirtsgewerbe:
7 Mk.
1) Oberkellner, Küchenchefs und Hotelportiers
5
2) Köche und Köchinnen .

3) Kellner .
4) Büffetiers, Büffetdamen=und Zäpfer . . .
5) Hoteldiener
5
6) Kellnerinnen
7) Hausburſchen und ſonſtiges männliches Perſonal . . . .
.. ..
8) Sonſtiges weibliches Perſonal
.0.20
,,,,,,,
9) Aushilfen . . . .
IV.
Krankenwärter und Ammen:
5 Mk.
1) Krankenwärter a) für 1 Monat und länger .
, 2
b1 für 14 Tage bis zu 1 Monat
1
c) für kürzere Zeit als 14 Tage
. 15
2) Ammen .
Haben beide Teile die Tätigkeit des Stellenvermittlers in Anſpruch genommen,
ſo iſt die Gebühr je zur Hälſte von dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer zu
zahlen; eine entgegenſtehende Vereinbarung zu Ungunſten des Arbeitnehmers iſt nichtig. Richtigkeit des Inhalts der Behältniſſe.
Eine Gebühr darf nur erhoben werden, wenn der Vertrag infolge der Tätigkeit
des Vermittlers zuſtande kommt.
Darmſtadt, den 28. September 1910.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.

Bekanntmachung.
Da vom 1 Oktober d. Js. an der zum Kleinhandel beſtimmte vollſtändig
vergällte Branntwein nur noch in Behältniſſen, die einen beſtimmten
Raumgehalt haben und mit beſonderen Verſchlüſſen verſehen ſind, feilgehalten
Seite 91 f. veröffentlichte Bekanntmachung des Herrn Reichskanzlers vom 18. März 1910,
die das Abfüllen derartigen Branntweins zum Vertrieb im Kleinhandel betrifft, zur
öffentlichen Kenntnis.
Darmſtadt, den 27. September 1910.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
Die gemäß § 15 Abſ. 3 der Branntweinſteuer=Befreiungsordnung von mir er=
laſſenen
Beſtimmungen über Art und Anbringung des Verſchluſſes an Behältniſſen
des zum Kleinhandel beſtimmten vollſtändig vergällten Branntweins werden nachſtehend
bekannt gegeben.
Berlin, den 18. März 1910.
Der Reichskanzler.
In Vertretung: Wermuth.
Beſtimmungen
über Art und Anbringung des Verſchluſſes an Behältniſſen des zum Kleinhandel
beſtimmten vollſtändig vergällten Branntweins.
1. Vollſtändig vergällter Branntwein darf im Kleinhandel nur in Behältniſſen
von 50, 20, 10, 5 und einem Liter Raumgehalt feilgehalten werden, die verſchloſſen und
mit einer Angabe des Alkoholgehalts verſehen ſind (§ 109 des Branntweinſteuergeſetzes).
2. Die zum Kleinhandel mit vollſtändig vergälltem Branntwein beſtimmten
Behältniſſe müſſen ſo beſchaffen ſein, daß nach Anlegung der vorgeſchriebenen Sicherung
(Ziffer 3) Branntwein nur durch eine Spuren der Gewalt hinterlaſſende Beſchädigung
entnommen werden kann. Dieſen Anforderungen genügen am beſten Behältniſſe aus
Metall, Glas, Ton oder ähnlichen Stoffen. Behältniſſe mit einem Raumgehalte von
20, 10, 5 oder einem Liter dürfen nur eine Oeffnung, ſolche mit einem Raumgehalte
von 50 Liter dürfen höchſtens zwei Oeffnungen haben. Die Oeffnungen müſen dicht
verſchließbar und ſo eingerichtet ſein, daß gegen unbefugtes Einwirken auf den Inhalt
eine beſondere Sicherung angelegt werden kann.
3. Als Sicherung ſind zuläſig Draht Schnüre, Bänder uſw. aus Metall, Ge=
ſpinſten
, Pappe oder anderen haltbaren Stoffen, deren Enden durch einen Metall=
verſchluß
zuſammengehalten werden, an Behältniſſen aus Holz auch Bleche, Scheiben
oder dergleichen, die aber nicht aufzunageln, ſondern aufzupreſſen ſind. Beim Anbringen
müſſen die Metalverſchlüſ, Bleche uſw. eine Prägung des vom Hauptamt beſtimmten

ungen von der Raumgehaltsangabe ſind zuläſſig:
bis zu einem Liter=für=Behältniſſe von 50 Liter=Raumgehalt,
20
* 6,50

10 7
0,40
5
0,25 5
einem
0,07
Abweichende Angaben hinſichtlich der Stärke des vollſtändig vergällten Brannt=
weins
ſind zuläſſig bei Behältniſſen aus Holz bis zul3 Hundertteilen, bei Behältniſſen
aus anderen Stoffen bis zu 1,6 Hundertteilen. Die wirkliche Stärke darf niemals
hinter der in § 15 Abſ. 4 der Branntweinſteuer=Befreiungsordnung vorgeſchriebenen
Mindeſtgrenze zurückbleiben.
6. Wer Behältniſſe der angegebenen Art mit vollſtändig vergälltem Branntwein
für den Kleinhandel befüllt, iſt verpflichtet, die Behältniſſe im Anſchluß an die Be=
füllung
unter Anbringung der vorgeſchriebenen Sicherungen (Ziffer 3) zu verſchließen
und mit einer Bezeichnung des Raumgehalts und Angabe der Stärke des Brannt=
weins
(Ziffer 5) zu verſehen.
7. Wer Behältniſſe nach Ziffer 6 befüllen und verſchließen will, hat dies vorher
dem Hauptamt und der Ortspolizeibehörde ſchriftlich anzumelden und dabei den Raum
anzugeben, in dem die Behältniſſe befüllt und die Sicherungen angebracht werden ſollen
8. Das Hauptamt trägt die Anmeldung in ein Verzeichnis ein, erteilt über ſie
eine Beſcheinigung und beſtimmt das Kennzeichen (Ziffer 4), das an den Verſchlüſſen
(Ziffer 3) anzubringen iſt.
9. Das Befüllen der Behältniſſe darf nicht in dem Raume vorgenommen werden,
in dem der Branntwein feilgehalten wird.
10. Die Sicherungen ſind anzubringen, bevor die Behältniſſe in den zum Feil=
halten
beſtimmten Raum geſchafft werden.
Wer ausweislich des Kennzeichens die Sicherung angebracht hat, haftet für die
11. Sicherungen, die von Beamten aus Anlaß der Nachprüfung abgenommen
werden, ſind durch amtliche Verſchlüſſe zu erſetzen, wenn derienige, bei dem nachgeprüſt
wird, keine Einrichtungen beſitzt, um neue Sicherungen anzulegen.
12. Die Steueraufſicht regelt der § 28 der Branntweinſteuer=Befreiungsordnung.
13. Zuwiderhandlungen werden nach den Vorſchriften im ſiebenten Abſchnitt des
Branntweinſteuergeſetzes beſtraft.
14. Werden die Fehlergrenzen (Ziffer 5)zabſichtlich ausgenutzt, um den Abnehmer
des vollſtändig vergällten Branntweins zu täuſchen, ſo kann die Direktiobehörde dem
Schuldigen die Befugnis entziehen, Behältniſſe mit vollſtändig vergälltem Branntwein
mit der vorgeſchriebenen Sicherung zu verſehen.
15. Die vorſtehenden Beſtimmungen treten am 1. Oktober 1910 mit der Maß=
werden
darf, ſo bringen wir die im Zentralblatt für das Deutſche Reich 1910, Nr. 14, gabe in Geltung, daß die zum Feilhalten vollſtändig vergällten Branntweins vor dem
1. Oktober 1909 im Gebrauche geweſenen Behältniſſe bis zum 30. September 1912 auch
dann weiter benutzt werden dürfen, wenn ſie der Beſtimmung über den Raumgehalt
(Ziffer 1) nicht entſprechen, vorausgeſetzt, daß ſie durch Anbringung der in Ziffer 3
vorgeſehenen Sicherungen verſchloſſen werden können (§ 150 des Branntweinſteuer=
geſetzes
, § 15 Abſ. 3 der Branntweinſteuer=Befreiungsordnung).

Für den am 3. Mai 1910 verſtorbenen Direktor der Landesirrenanſtalt in Heppen=
heim
, Geh. Medizinalrat Dr. Ludwig ſoll vor dem Hauptgebäude der Anſtalt in
Heppenheim
ein Gedenkſtein
errichtet werden.
Geh. Medizinalrat Dr. Ludwig hat nicht nur bei Pflege und Heilung geiſtig
Erkrankter Hervorragendes in Wiſſenſchaft und Praxis geleiſtet, ſondern hat ſich auch
auf dem Gebiete ſozialer Fürſorge als ein treuer, unermüdlicher Helfer der Wieder=
geneſenen
hervorgetan.
Die Errichtung eines Denkſteins an der Stätte ſeiner langjährigen Wirkſamkeit
als äußeres Zeichen dauernder Erinnerung iſt daher ein Akt der Dankbarkeit.
Das unterzeichnete Komitee geſtattet ſich, die zahlreichen Freunde und Bekannten
des Verſtorbenen um Spenden für einen Denkſtein=Fonds zu erſuchen. Man bittet
ſolche an den Rechner der Provinzialkaſſe in Darmſtadt, Neckarſtraße, ſehr gefälligſt
einzuſenden.
(18832
Darmſtadt, den 11. September 1910.
Das Komitee.
Provinzial=Direktor Fey, Darmſtadt,
Geheimerat Dr. Weber, Darmſtadt,
Schriftführer.
Vorſitzender.
Provinzialdirektor Geheimerat Dr. Breidert=Mainz. Profeſſor Dr. Dannemann=
Gießen. Profeſſor Dr. Garten=Gießen. Sanitätsrat Dr. Habicht=Darmſtadt, Vor=
ſitzender
des ärztlichen Landesvereins. Kreisrat von Hahn=Heppenheim. Geheime
Ohermedizinalrat Dr. Hauſer=Darmſtadt. Oberſtaatsanwalt von Heſſert=Darmſtadt.
Bürgermeiſter Höhn=Heppenheim. Medizinalrat Dr. Meyer=Philippshoſpital bei
Godbelau. Geheime Obermedizinalrat Dr. Neidhart=Darmſtadt. Direktor Dr. Of=
wald
=Alzey. Generalſtaatsanwalt Dr. Praetorius=Darmſtadt. Oberarzt Dr. Röm=
helde
Heppenheim. Profeſſor Dr. Strahl, Rektor der Landesuniverſität Giehen.
Direktor Profeſſor Dr. Sommer=Gießen. Provinzialdirektor Dr. Uſinger=Gießen.

Amtliche Nachrichten des Großherzoglichen Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde.
In polizeilicher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Spitzhund, 2 Pinſcher. 1 Foxterrier, 1 Dachshund (zugelaufen).
Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werk=
tag
, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.

Verſteigerungs=Anzeige.
Freitag, den 30. September I. J., vormittags 9 Uhr,
verſteigere ich in der Ludwigshalle, Obergaſſe, wegen Auflöſung eines Haushaltes im
Auftrage des Vormundes, Herrn Juſtizrat Dr. Jäger, hier, folgende Gegenſtände:
1 Büfett (klein), hierzu paſſend 1 Ausziehtiſch und 8 Stühle in Naturnußbaum
und 1 Büfett (klein) in nußb. poliert, 1 Glasſchrank, 1 Chaiſelonque, 1 Sofa,
1 Nähtiſch, 1 Damenſchreibtiſch (nußb. pol.), verſch. Seſſel, Stühle und Hocker,
1 Bauerntiſch, 2 Paneelbretter, 2 Teppiche, 1 große Matte, 1 Pfeilerſchränkchen,
verſchiedene kleinere Tiſche, darunter 1 Salontiſch (nußb. pol), 1 ſpan. Wand=
1 Weißzeugſchränkchen, 1 eintür. Kleiderſchrank, verſch. Spiegel und 1 großer
Trumeauſpiegel, 1 Kommode, 1 Waſchtiſch, 1 Nachttiſch mit Marmorplatte,
1 Spieltiſch, 1 Hausapotheke, 1 Petroleumofen, 1 Gasherd, 1 Regulator,
1 Stahlſtich, groß: Die Amazonenſchlacht nach Rubens 1 Prachtwerk: Die
deutſche Bühne in Wort und Bild von Eckſtein, verſchiedene Vorhänge und
andere Haushaltungsgegenſtände, 1 vollſt. Bett, 1 eiſ. Bettſtelle mit dreiteil.
Matratze 1 Bettſtelle mit Rahmen, ſodann 1 Partie Kleider, Weiß=
zeug
, Bett= u. Tiſchwäſche, 1 Küchenſchrank und Küchenmöbel, Ge=
ſchirr
und Porzellan und ſonſtiger Hausrat u. a. m.
Die Verſteigerung findet an den Meiſtbietenden gegen bare Zahlung ſtatt.
Darmſtadt, den 27. September 1910.
(18617id
Ernst Wolff, Amtsgerichtstaxator,
Mühlſtraße 62, am Kapellplatz.

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Freitag, den 30. September und nötigenfalls Dienstag, den
4. Oktober 1910, jedesmal vormittags 9 Uhr anfangend,
verſteigere ich an Ort und Stelle (Zuſammenkunft der Steigerer Ecke Roßdörfer=
und Heidenreichſtraße) auf freiwilligen Antrag wegen Aufgabe des Geſchäfts öffent=
lich
gegen gleich bare Zahlung:
cg. 800 Maurerdiele, 300 Gerüſtſtangen, Bauhütten, 1 fahrbaren Ver=
ſetzkran
, 1 Schwenkkran mit Maſchine und Kaſten, 1 Laufkran für Bau=
gerüſte
, 1 Hebemaſchine, Transportgeleiſe mit Drehſcheibe, Platt= und
Muldenkippwagen, verſchiedene Einſpännerwagen, ca. 3000 Klammern,
Differenzialflaſchenzüge, Flaſchenſeile, eiſ. Rollen, eine große Partie Dannen=
ſcheitholz
und anderes Brennholz, Back=, Tuff= und Sandſteine, Zement=
kunſtſteine
, verſchiedene Maurerhandwagen, eiſ. Träger, Geländer, eiſ. Pumpen,
eiſ. verſchiebbare Gerüſtböcke, eiſ. Speispfannen, eine große Anzahl eiſ. Ge=
wölbebogen
, Kreuzhacken, Pickel, Hebel, Kanalketten, Eimer, Zuber, Ton= und
eiſ. Röhren für Kanäle, Fenſter und Türen, altes Eiſen und eine große Partie
verſchiedene Werkzeuge.
Die Verſteigerung findet beſtimmt ſtatt und kommen am erſten Tage zu=
nächſt
die in Fettdruck aufgeführten Gegenſtände zum Ausgebot.
(18755md
Darmſtadt, den 27. September 1910.
Kapp, Gerichtsvollzieher
zu Darmſtadt, Friedrichſtraße 24, I.

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[ ][  ][ ]

Nummer 228.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 29. September 1910.

Seite 13.

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Telephon Nr. 129.

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506
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Bekanntmachung.
Beim Einnehmen von Vorräten in die
Keller kommt es öfters vor, daß die daſelbſt
befindlichen Haupt=Abſperrhähne der Waſſer=
leitung
, ſowie die Waſſermeſſer unzugäng=
lich
werden.
Wir machen daher die verehrlichen
Intereſſenten darauf aufmerkſam, daß
Haupt=Abſperrhahn und Waſſermeſſer ſtets
zugänglich bleiben müſſen und bitten,
beim Einnehmen von Vorräten hierfür
beſorgt zu ſein.
Darmſtadt, 21. September 1916.
Städtiſche Waſſerwerksverwaltung
Rudolph. (18310dod

Bekanntmachung.
Nachſtehender Gerichtsbeſchluß wird hier=
durch
zur öffentlichen Kenntnis gebracht:
Ueber den Nachlaß des Lehrers Johannes
Peter Hartleb in Darmſtadt, geſtorben am
25. März 1910 dahier, wird heute, am
26. September 1910, vormittags 11¼ Uhr,
das Konkursverfahren eröffnet, da der Nach=
laß
überſchuldet iſt und der Nachlaßverwalter
Antrag auf Konkurseröffnung geſtellt hat.
Der Kaufmann Karl Dechert zu
Darmſtadt wird zum Konkursverwalter er=
nannt
.
Konkursforderungen ſind bis zum
15. Oktober 1910 bei dem Gerichte an=
zumelden
.
Es wird zur Beſchlußfaſſung über die
Beibehaltung des ernannten oder die Wahl
eines anderen Verwalters, ſowie über die
Beſtellung eines Gläubigerausſchuſſes und
eintretenden Falles über die in § 132 der
Konkursordnung bezeichneten Gegenſtände
und zur Prüfung der angemeldeten Forde=
rungen
auf:
Freitag, den 21. Oktober 1910,
vormittags 10 Uhr,
vor dem unterzeichneten Gericht, Neues
Gerichtsgebäude am Mathildenplatz, eine
Treppe, Zimmer 201, Termin anberaumt.
Allen Perſonen, welche eine zur Kon=
kursmaſſe
gehörige Sache in Beſitz haben
oder zur Konkursmaſſe etwas ſchuldig ſind,
wird aufgegeben, nichts an den Gemein=
ſchuldner
zu verabfolgen oder zu leiſten,
auch die Verpflichtung auferlegt, von dem
Beſitze der Sache und von den Forderungen,
für welche ſie aus der Sache abgeſonderte
Befriedigung in Anſpruch nehmen, dem
Konkursverwalter bis zum 15. Oktober
1910 Anzeige zu machen. (18790
Darmſtadt, den 26. September 1910.
Der Gerichtsſchreiber
Großherzoglichen Amtsgerichts I.

Bekanntmachung.
In unſer Handelsregiſter A wurde heute
eingetragen:
Die Firma H. Gernsheimer Söhne in
Eberſtadt iſt in
Odenwälder Tuchverſandhaus,
H. Gernsheimer Söhne‟
(18833
geändert.
Darmſtadt, den 24. September 1910.
Großherzogliches Amtsgericht II.

Bekanntmachung.
Nachſtehender Gerichtsbeſchluß wird hier=
mit
zur öffentlichen Kenntnis gebracht:
Nachdem der Schlußtermin abgehalten
und die Schlußverteilung vollzogen worden
iſt, wurde das Konkursverfahren über das
Vermögen des Kaufmanns Jonas Leh=
(18791
mann hier aufgehoben.
Darmſtadt, den 26. September 1910.
Der Gerichtsſchreiber
Großherzoglichen Amtsgerichts I.

a Masthammelfleisch (Brust)
per Pfund 60 Pfg.
Spezialität:
gehackte Kalbskoteletts
à Stück 20 Pfg. (13332a
Louis Hein, Hofmetzger
tergasse 19 Telephon 278.

Große Sendung
trockener Zwetschen
10 Pfd. 1.40 u. 1.50 Mk.,
bei Zentnerabnahme billiger. (18848
Bernhard Held,
Obſtmaſſenverkauf, Karlſtraße 24.

Staatlich konzeſſionierte und beaufſichtigte
Hessische Handels-Lehranstalt
Einzige Anſtalt am Platze, die unter der Leitung eines ſtaatlich geprüften
Handelslehrers ſteht.
Rheinstrasse 1, I.
DARMSTADT am Ernst-Ludwigsplatz.
Zweck: Die Anſtalt bezweckt, nicht mehr ſchulpflichtigen jungen Leuten durch methodi=
ſchen
, für die Praxis bearbeiteten kaufmänniſchen Unterricht die Möglichkeit zu
geben, eine ſelbſtändige Stellung in einem Kontor zu bekleiden.
Art des Unterrichts: Derſelbe wird vornehmlich erteilt durch Ausarbeitung mehrerer,
dem wirklichen Geſchäftsleben nachgebildeter Geſchäftsgänge. Am Schluß der
Kurſe finden Prüfungen ſtatt.
Zur gefl. Beachtung: Schulmäßiger Klaſſenunterricht in kleinen= Klaſſen bei
individueller Behandlung; auf Wunſch auch Einzelkurſe.
Lehrfächer: Je nach Wahl des Kurſus: Deutſche Sprache, einfache und doppelte
(italien. und amerik.) Buchführung, kaufm. Rechnen einſchl. Kontokorrentlehre,
Handelskorreſpondenz und Kontorpraxis, Wechſel= und Scheckkunde, Bank= und
Börſenkunde, Handelsbetriebslehre, Handelsgeographie, Kalligraphie, Stenographie
und Maſchinenſchreiben (6 Maſchinen); außerdem auf Wunſch: Franz. und engl.
Handelskorreſpondenz. Neu aufgenommen: Unterricht auf der Rechenmaſchine
(2 Maſchinen).
Dauer des Unterrichts: a) Für erwachſene Herren und Damen, je nach Wahl des
Kurſus, 36 Monate; b) für ältere Schüler und Schülerinnen mit entſprechenden
Vorkenntniſſen 6 Monate; c) für junge Leute im fortbildungsſchulpflichtigen
Alter 612 Monate, alles bei vollem Tagesunterricht. (Abendunterricht nur privat).
Es werden nur Schüler und Schülerinnen aufgenommen, welche die nötigen
Vorkenntniſſe durch ein befriedigendes Abgangszeugnis von einer Pflichtſchule
nachzuweiſen vermögen. Die Anſtalt vermittelt fleißigen Schülern koſtenlos den
Eintritt in kaufmänniſche Stellungen.
Das Winter=Semeſter beginnt Dienstag, den 4. Oktober, vorm. 8 Uhr.
Proſpekte ſind in der Anſtalt, Rheinſtraße 1, I. erhältlich.
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[ ][  ][ ]

Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 29, September 1910.

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Samstag
Freitag
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Nummer 228,

Mess-Sonntag
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17)
Sie ſetzten ſich auf eine Bank, neben der ein
ſilberklares Bächlein ſprudelnd und plätſchernd zu Tale
hüpfte.
Vom Kurplatz herauf klangen durch die Stille
rauſchende Muſikweiſen. Der Torgauer Marſch leitete
das Nachmittagskonzert ein.
Haſt Du Luſt, dort unten eine Taſſe Schokolade zu
trinken, Kind?
Sie hatte den Hut abgenommen und ihr Köpfchen
an ſeine Schulter gelehnt. Ohne ſich zu rühren, ſagte
ſie-leiſe:
Nein. Was ſollen mir die vielen Menſchen? Ich
will nur Dich, und ich will Dich ganz allein.
Kleine Egoiſtin!
Ich habe Dich nur noch zwei Stunden! entſchuldigte
ſie ſich. Dann habe ich gar keinen Teil mehr an Dir,
Du wirſt hier und dort ſein, das und jenes erleben,
und ich werde nichts mehr davon wiſſen alle vom
Regiment betrachten es als ganz ſelbſtverſtändlich, daß
Du zu ihnen gehörſt, ſie laden Dich ein, und Du mußt
mit den jungen Mädchen muſizieren und tanzen, und
ich muß beiſeite ſtehen und werde nichts tun können,
auch wenn Du mich vergißt
Ich werde Dich nie vergeſſen, Kind.
Unten im Kurpark ſpielte die Kapelle jetzt weicheund
träumeriſch einen Walzer von Strauß.

Antſich äbſiſen ie Sonenſenſten, de durch=
das
grüne Land ihr Pähchen vergoldet haten, die
Sonne war im Niedergehen ſchon hinter die hohen, das
Tal einſchließenden Waldberge getreten, ein kühlerer
Lufthauch ſtrich durch den dämmernden Wald.
Die Abſchiedsſtunde nahte.
Wir müſſen zum Bahnhof, Liebling.
Sie erhoben ſich, wobei ſie vermieden, ſich anzuſehen.
Ohne Widerrede ſchlüpfte Helene in das kurze
Jäckchen, das Haſſingen ihr hinhielt, er hatte es die
ganze Zeit über getragen, er kannte den jähen Tempe=
raturwechſel
in den Harzer Tälern, für die gegen
Abend eine dünne Batiſtbluſe nicht genug Wärme=
ſpenderin
war.
Nun laß Dir noch einen Kuß geben, liebe, kleine
Helene! ſagte Haſſingen weich, aber ohne Sentimentali=
tät
. Man kann nicht wiſſen, ob wir unterwegs ganz
ungeſtört ſind, wir müſſen jetzt den direkten Weg zum
Bahnhof durch das Bad nehmen.
Sie hing an ſeinem Halſe. Sie weinte nicht, der
Schmerz in ihr war ſo groß, daß alles in ihrem Körper
zu erſtarren ſchien.
Er küßte ihr totenblaſſes Geſichtchen, die erloſchenen
Augen, die zitternden Lippen wieder und immer
wieder.
Nimm’s nicht ſo ſchwer, mein Liebling, ſei tapfer, es
iſt ganz ſicher, daß nur zu den Mutigen das Glück
kommt, und wir wollen’s doch zwingen, bei uns einzu=
kehren
, nicht wahr? Alſo immer den Kopf oben be=
halten
, zuverſichtlich ſein!
So redete er zwiſchen ſeinen Liebkoſungen und

fühlte ſich ſelber feſt und zuverſichtlich werden und voll
Hoffnung auf ein fernes Glück.
Endlich mahnte der ſchmetternde Marſch, die letzte
Nummer des Kurkonzerts, ſie zum eiligen Aufbruch.
Sie mußten raſch gehen, um den Bahnhof zur rechten
Zeit zu erreichen.
Unterwegs fiel Helene erſt ein, daß ſie ihrem Haus
ja zum Abſchied eine Freude zugedacht hatte.
Sie griff haſtig in ihre dem Rock aufgeſetzte Taſche
und zog ein weißes Kuvert heraus.
Ohne ihr raſches Gehen zu unterbrechen, reichte ſie
es ihm hin. Er nahm es aufleuchtenden Blickes.
Liebling, Dein Bild?.
Sie nickte ſtumm und ihre Augen irrten mit einem
troſtloſen, wehen Ausdruck über ſein freudiges Geſicht,
das ſie nur vor ihrem inneren Auge mit ſich nehmen
durfte. Er hatte ſich ſeit ſeiner Leutnantszeit noch nicht
photographieren laſſen, er hatte auch dazu kein Geld.
Sie ſelbſt hatte ſich photographieren laſſen im
Zenith ihres Glückes, angetan mit dem weißen, duftigen
Kleidchen, das er ſo ſehr an ihr geliebt, in einer
Stellung, die charakteriſtiſch für ſie war, ſitzend und
leicht vornüber gebeugt, daß ihre ſchrägſtehenden,
ſchwärmeriſchen und zärtlichen Augen ein wenig von
unten herauf unter der lockeren Haartolle über der
Stirn den Beſchauer anblickten, ſo daß, vereint mit dem
träumeriſch ſeligen Lächeln des kindlichen Mundes, der
ganze Reiz ihres mädchenhaft ſcheuen und anſchmiegen=
den
Weſens von dem kleinen, ſchmalen Bildchen aus=
ſtrömte
. Der junge Offizier war entzückt.

[ ][  ][ ]

2. Beilage zum Darmſtädter Tagblatt.

N5 228.

Donnerstag, 29. September.

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[ ][  ][ ]

Seite 18.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 29. September 1910.

Nummer 228.


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[ ][  ][ ]

Nummer 228.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 29. September 1910.

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Nummer 228.

Seite 26.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 29. September 1910.

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Sport.
sr. Die Strecke für die Prinz Heinrich=
Fahrt 1911 wurde auf einer in London abgehaltenen
Sitzung zwiſchen Vertretern des Kaiſerlichen Auto=
mobilklubs
und des Royal Automobilelubs in Gegen=
wart
des Prinzen Heinrich feſtgelegt. Die deutſche
Strecke führt, wie früher ſchon gemeldet, von Homburg
vor der Höhe über die Etappenſtationen Düſſeldorf,
Minden (Porta Weſtfalica) und Hannover nach Bre=
merhaven
. Dort werden die Automobile nach Sout=
hampton
verladen. Während in Deutſchland nur drei
Etappen vorgeſehen ſind, wird England während acht
Fahrtagen durchquert werden. Die Strecke geht von
Southampton über Leamington, Harrogate bei New=
caſtle
vorbei nach Edinburg. Von dort geht es an der
Weſtküſte entlang nach Shrewsbury über Eheltenham
nach London. Auf der Fahrt nach Edinburg wird vor=
ausſichtlich
ein Camping (Uebernachten im Zeltlager)
eingeſchaltet werden. In Edinburg iſt dann Ruhetag
vorgeſehen. Die in England zurückzulegende Tages=
ſtrecke
beträgt 240 Kilometer. Der Termin der Fahrt
ſteht noch nicht genau feſt, doch iſt es ſicher, daß die
Fahrt erſt im Iuli ihren Anfang nehmen wird, da die
Krönung des Königs von England, die man zunächſt
abwarten will, erſt in der zweiten Hälfte des Juni er=
folgt
. Wie gleichfalls ſchon mitgeteilt, wird jede Schnel=
ligkeitsprüfung
bei der nächſtjährigen Prinz Heinrich=
Fahrt ausgeſchaltet ſein, da die Konkurrenz mehr den
Charakter einer Geſellſchaftsfahrt tragen ſoll. Gewertet
wird lediglich die Zuverläſſigkeit des vom Kaiſerlichen
und Royal Automobil=Klub geſtellten Teams
von je 50 Wagen, und zwar ſollen unfreiwillige Aufent=
halte
in der Weiſe gewertet werden, daß für jede fünf
angefangenen Minuten ein Strafpunkt gegeben wird.
Außer dem Prinz Heinrich=Wanderpreis ſteht noch der
vom König von England für die deutſchen Teilnehmer
geſtiftete Ehrenpreis zur Verfügung. Man rechnet
noch darauf, daß auch von deutſcher Seite, eventuell vom
Kaiſer, ein weiterer Preis für die engliſche Mannſchaft
gegeben werden wird.
Englands erfolgreichſter Rennſtall=
beſitzer
Mr. Fair ie hat bis jetzt durch 10 Siege
451300 Mark gewonnen, eine Summe, die um mehr
als 100000 Mark hinter den diesjährigen Gewinnen
des Königl. Hauptgeſtüts Graditz zurückſteht. Der
Hauptteil, und zwar 265700 Mark, entfällt auf den
Derbyſieger Lemberg, der unter den erfolgreichſten
Pferden gleichfalls an der Spitze ſteht. Den zweiten
Platz unter den erfolgreichen Rennſtallbeſitzern nimmt
Lord Derby mit 393500 Mark vor Lord Roſebery mit
259740 Mark und Mr. W. Aſter mit 217080 Mark ein.

Vermiſchtes.
nge. Woher ſtammt die Bezeichnung Reſtaurant2
Es gibt wenige Worte, die eine ſo große Verbreitung ge=
funden
haben wie das Wort Reſtaurant. In den meiſten
Kulturſprachen nennt ſich jede Speiſewirtſchaft, welchen
Ranges ſie auch ſei, ein Reſtaurant, und das Wort hat in
London einen ebenſo gemeinverſtändlichen Klang, wie in

Madrid, in Berlin, Wien, Konſtantinopel, New=York oder
Buenos Aires. Der Sinn des Wortes ſcheint ſo klar zu
ſein, als bedürfe er keiner Erläuterung. Denn man weiß,
daß das franzöſiſche Zeitwort reſtaurer das ja auch in
die deutſche Sprache übergegangenen iſt, ſoviel ſagen will
wie wiederauffriſchen, in einen früheren Zuſtand zurück=
verſetzen
Und die Aufgabe jeder Gaſtwirtſchaft iſt es ja,
den Beſucher durch Verabreichung von Speiſe und Trank
zu erfriſchen, ihm gleichſam zu erſetzen, was er an körper=
lichen
Kräften aus irgend welcher Urſache, ſei es durch
Hunger oder Ermüdung eingebüßt hat. Aber ganz ſo ein=
fach
verhält ſich die Sache denn doch nicht. Wenn man
dem Urſprunge des Wortes Reſtaurant in ſeiner Heimat,
in Frankreich, nachgeht, ſo gelangt man zu der Entdeckung,
daß dort anfangs unter einem Reſtaurant nicht der Wirt=
ſchaftsbetrieb
und der Raum verſtanden wurden, wo ge=
gen
Geld und gute Worte fertig zubereitete Nahrungsmittel
zu haben ſind, ſondern daß ein Reſtaurant ehemals ein
Mahl bedeutete, und zwar ein Mahl von ganz beſonderer
Art und Zuſammenſetzung. Eine gelehrte franzöſiſche Zeit=
ſchrift
erinnert neuerdings an dieſe vergeſſene Tatſache und
ſtellt feſt, daß im 17. Jahrhundert ein Reſtaurant ein leich=
tes
, aber kräftigendes Mahl war, das hauptſächlich aus einer
klaren Suppe, friſchen Eiern und etwas Geflügel beſtand.
Wöchnerinnen, Kranke und ſchwache Perſonen waren es,
denen die Aerzte hauptſächlich ein Reſtaurant verordneten.
So erzählt man, daß der Herzog von Richelieu, der allmäch=
tige
Miniſter Ludwigs XIII., eines Tages das Haus der
ſchönen Madame de Flammarens, der er einen Beſuch ge=
macht
hatte, verließ und deren Mutter begegnete. Sie
forderte ihn auf, noch einen Augenblick bei ihr zu verweilen,
doch der Herzog lehnte die Einladung ab, weil ihn zu Hauſe
ein Reſtaurant erwarte, deſſen er ſeiner angegriffenen Ge=
ſundheit
wegen um dieſe Tagesſtunde bedürfe. Aber die
alte Madame de Flammarens erwiderte ihm, ſie könnte
ihm ſelbſt ein vortreffliches Reſtaurant anbieten, da ein
ſolches täglich für ſie bereit ſtehe. Nun trat der Herzog bei
ihr ein, ließ ſich ihr Reſtaurant auftiſchen und verſicherte,
niemals ein beſſeres und ſchmackhafteres genoſſen zu haben.
Noch im 18. Jahrhundert war es einer beſtimmten Anzahl
von Speiſewirten in Paris nicht erlaubt, ihren Gäſten
etwas anderes als Reſtaurants zu verabreichen, nämlich
Fleiſchbrühe, Reis= und Nudelſuppen, friſche Eier, Makka=
roni
, Geflügel und eingemachtes Obſt. Erſt allmählich ent=
ſtand
der Sprachgebrauch, dieſe Gattung von Speiſewirt=
ſchaften
kurzerhand Reſtaurants zu nennen, und ſpäter
übertrug ſich das Wort ohne Unterſchied auf die Speiſe=
häuſer
jeglicher Art.
Aus dem Haushaltbuch Napoleons III. Als nach
der Niederlage von Sedan Kaiſerin Eugenie Paris flucht=
artig
verlaſſen mußte, wurde die Regierung der nationalen
Verteidigung Herr über das kaiſerliche Archiv; ſie übergab
damals einer beſonderen Kommiſſion die Fülle wichtiger
Dokumente, die im Archiv vorgefunden wurden, und erteilte
den Auftrag, die Schriftſtücke zu ordnen und die weſent=
lichen
zu veröffentlichen. Soterſchien damals der Brief=
wechſel
der kaiſerlichen Familie der ungeheueres Aufſehen
erregte und der Gegenſtand heißer polemiſcher Kämpfe
wurde. Die Publikation verſchwand dann, und heute be=
wahren
nur noch wenige Sammler als glückliche Beſitzer
ein Exemplar dieſer gewichtigen Veröffentlichung. Ein
Mitarbeiter des Giornale d’Italia, der Gelegenheit gehabt
hat, bei einem Bibliophilen das ſeltene Werk einzufehen,
hat aus ihm einige intereſſante Einzelheiten zuſammenge=
ſtellt
, die ſichtauf die finanzielle Seite des napoleoniſchen
Haushaltes beziehen. Napoleon bezog eine Zivilliſie von
30 Millionen Franken, von denen er jedoch auch die Renten
an die Mitglieder ſeines Hauſes ausbezahlte, die mit der
Zeit von 100000 Franken auf 1310975 Franken anwuchſen.
Die Zahl der Schmarotzer, die unter allerlei Vorwänden
von der kaiſerlichen Schatulle zehrten, wuchs von Jahr zu
Jahr; allein die Zeitungen und Journaliſten figurieren in

dem Haushaltbuch Napoleons III. mit Jahresſummen, die
durchſchnittlich 300 000 Franken erreichen. Auch die Schwie=
germutter
des Kaiſers, die Gräfin von Montijo, pflegte
der kaiſerlichen Schatulle des öfteren kräftige Aderlaſſe zu=
zufügen
. Allein in einem Jahre wurde ihr durch die Ver=
mittelung
von Rothſchild dreimal eine Million Franken
ausgezahlt. Unter den Ausgaben nehmen die Aufwendun=
gen
für Brautausſtattungen und Mitgiften, die Napoleon
ſich angelegen ſein ließ, großen Raum ein. Für die Her=
zogin
von Mouchy hat er z. B. 1 738062 Franken ausgege=
ben
. Intereſſant ſind die Angaben über die Koſten, die die
Geburt des Prinzen Lulu der kaiſerlichen Schatulle auf=
erlegte
. Die Ankunft des kleinen Erdenbürgers verſchlang
genau 898000 Franken. Für diamantbeſetzte Medaillons
wurden 25000 Franken ausgegeben, die Aerzte bezogen
62000 Franken, die Hebamme 6000 Franken, die Ausſtat=
tung
des Babys koſtete 100000 Franken, die Gratifikationen
an die Dienerſchaft der Kaiſerin verſchlangen 11000 Fran=
ken
, die Gratisvorſtellungen für das Volk 44000, und die
Geſchenke an die Eltern der Kinder, die am gleichen Tage,
am 16. März, geboren wurden, 50000 Franken. Alle Dich=
ter
und Gelegenheitspoeten, die den freudigen Anlaß be=
nutzt
hatten, um Verſe zu ſchmieden und Kantaten zu er=
ſinnen
, die Angehörigen des Heeres, die Schüler erhielten
Medaillen, deren Herſtellung 85000 Franken koſtete. Die
Ausfertigung der Diplome an die Eltern der PPatenkinder
des Kaiſerpaares erforderte 20000 Franken, die Tauffeſt=
lichkeiten
figurieren in der Ausgabenliſte mit 172000 Fran=
ken
, dazu treten noch 160000 Franken für Geſchenke an die
Beamten und Diener des kaiſerlichen Haushaltes. Schließ=
lich
wurden auch einer Reihe von Wohltätigkeitsanſtalten
namhafte Stiftungen überwieſen, deren Höhe in die Hun=
derttauſende
geht.
** Polyglotte Monarchen. Der Herrſcherberuf
zwingt die Fürſten, in ihrer Jugend dem Studium
fremder Sprachen beſonderen Fleiß zuzuwenden, und
faſt alle Monarchen Europas ſprechen fließend eine
Reihe von fremden Sprachen. An der Spitze der
polyglotten Monarchen, ſo weiß eine franzöſiſche Wo=
chenſchrift
zu erzählen, ſteht der greiſe Kaiſer Franz
Joſef. In keinem europäiſchen Reiche ſind ſo viele
Volksſtämme zu einem Staate vereinigt, wie in Oeſter=
reich
=Ungarn. Die erſte Pflicht des Herrſchers iſt, die
Sprache ſeiner Landeskinder ſich zu eigen zu machen.
In der Tat ſpricht Kaiſer Franz Joſef heute zwölf
Sprachen: Deutſch, Franzöſiſch, Ungariſch, Tſchechiſch,
Polniſch, Serbiſch, Kroatiſch, Rutheniſch, Dalmatiniſch,
Rumäniſch, Italieniſch und ſogar ein wenig Hebräiſch.
So könnte der Kaiſer, der gewiß auch noch über latei=
niſche
und engliſche Sprachkenntniſſe verfügt, unter den
Philologen einer Akademie einen=Ehrenplatz einneh=
men
. Ihm folgt Kaiſer Wilhelm, der ſechs Sprachen
vollkommen beherrſcht. Der Kaiſer ſpricht außer dem
Deutſchen fließend Engliſch, Franzöſiſch, Lateiniſch,
Polniſch und vor allem Ruſſiſch. Der Zar verfügt neben
dem Ruſſiſchen übek eine vollkommene Kenntnis der
deutſchen und der franzöſiſchen Sprache und beherrſcht
auch eine Reihe ſlawiſcher Dialekte. König Viktor
Emanuel dagegen ſpricht in Wirklichkeit faſt nur Ita=
lieniſch
, obgleich er ſeit langem Deutſch und Franzö=
ſiſch
ſtudiert. Auch der König von Spanien bedient
ſich faſt nur ſeiner Heimatſprache, wenn ersauch Eng=
liſch
und Franzöſiſch beherrſcht. Dagegen beſitzt Zar
Ferdinand von Bulgarien ausgedehnte Sprachkennt=
niſſe
, die ihn faſt an die Seite des deutſchen Kaiſers
ſtellen, denn neben der Sprache ſeines Landes bedient
er ſich fließend des Franzöſiſchen, des Engliſchen, des
Deutſchen und des Ruſſiſchen. Darin ſteht er dem ver=
ſtorbenen
König Eduard gleich, der ein reines Pariſer
Franzöſiſch ebenſo gut ſprach wie Engliſch und der zu=
dem
des Deutſchen, Spaniſchen und Ruſſiſchen mäch=
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1 Pfund Fadennudeln . . . . . 95 5 Pfund neue grosse Linsen . . . . . . 95 4 Pfund prima geschälte Erbsen . . . . 95 Enorm billig! 5 Pfund prima Phönix-Mehl . 95 3 Pfund ungarische Bohnen,
1 Pfund gemahlenen Grünkern. 95 3 Pfund Linsen,
2 Pfund ungarische Bohnen . 95 cr. ½ Pfund prima Lachs
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Zwetschen, Kirschwasser, Pfeffermünz,
Bergamotte, Vanille, Cacao, Bonecamp‟ 95 ½ Pfund gebrannten Kaffee,
½ Pfund Gacao,
1 Tüte Drops . . . . . . 95 9 Pakete Friedrichsdorfer Zwieback . 95 6. Pakete Puddingpulver
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7 Pakete Seifenpuler,
1 Paket Seifensand,
1 Paket Henkels Bleichsoda,
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Kännchen und Tablett . .
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Zuckerschale, Tablett . . . . .
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Löffel, Salz- und Pfefferstreuer, Tablett 95
1 Butterservice, bestehend aus: Butterdose,
Salz- und Pfefferstreuer, Tablett
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1 Schreibzeug . .
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1 Karton Korrespondenzkarten
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elegant gebunden . . . . . . . . . . 85
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1 Paket Kerzen .
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1 Tischläufer m. Material, Canevas, m. Besatz,
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1 Küchen-Ueberhandtuch, gezeichn., m. Haterial 95
1 Sofakissen mit rotem Volant, zum Sticken, 6
. . 95
mit Material . . .
1 Küchen-Wandschoner mit Besatz, gestickt,
. 35
Canevas . . . . . . . .
1 Zimmer-Wandschoner, Schriftzeichn., Canevas 95
1 Klammerschürze m. Besatz, gestickt, Canevas 95
1 Nachttischdecke, gezeichnet, mit Material, g
.35
Canevas . .
1 Parade-Zimmer-Ueberhandtuch, doppelter
Hohlsaum, gezeichnet, mit Material . . . 35
1 Parade-Ueberhandtuch, mit Hohlsaum und
Durchbruch . . . . . . . . . . . . 38
1 Bettdeckenhalter zum Sticken mit Stange . 95
1 Serviertischdecke, gezeichnet, weil Leinen Yb
.. . . . 35
mit Hohlsaum, mit Material
1 Zimmer-Wandschoner, gezeichnet, Hohlsaum,
38
mit Matcrial
1 Wäschesack mit Besatz, gestickt . . . . . 95
2 Nachttisehdecken, gezeichnet, ringeherum m.
.. . . 38
breiter Spitze
1 Kissenplatte, imitiert Gobelin . . . . . . 95
1 Sofakissen mit Volant, gefüllt . . . . . . 95

Goraien. &.
Häuieroton
. 95
3½ Mtr. Läuferstoff.
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2 Messingstangen mit Haken und Ringen . .55
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Bettvorlage, 50X100 cm groß, Perser imit. . 95
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.95
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1½ Mtr. lang . . . . . . . jeder Rest 55

[ ][  ][ ]

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zum Gebrauch 95 ½ Dtzd. Linontaschentücher 95 ½ Dtzd. Batist-Taschentücher mit hand-
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Namen . . . . . 95 ½ Dtzd. Seiden-Batisttücher mit bunter Kante 95 1 Autoshawl . . . . . . . . . . . . 95 1 Posten Knaben- und Mädchen-Mützen Stück 95 Einmaliges Angebot!
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weiss, reine Wolle,
1 Paar Damen-Strumpfhalter . . 95 2 Paar Damenhandschuhe, Ringwood . . 95 Laumwollstorfe 2½ Meter Blusenstoff, aparte Muster . . 95 2½ Meter Nachtjackenbiber . . . 95 2½ Meter Biber für Unterröcke . . . . 95 3 Meter Kleiderbiber für Kinderkleid. . . 95 3 1¼ Meter Schürzenstoff, Leinen-Appretur 95 2½ Meter Hemdenbiber . . . . . . . . 95 5 Meter Handtuchgebild . . . . . . . . 95 3½ Meter Hemdentuch, griffige Ware 95 1 Meter Bettdamast, 130 cm . . . . 95 2 Meter weisser Piqué . . . . . . . . 95 Herren=wäsche 3 Stehkragen (garant. 4 fach) mit klein. Ecken
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verzinkt, 40X28 cm gross 95 1 Küchenhandtuchhalter, 55 cm lang, mit
Delfteinlage und 4 Haken . 95 1 Küchenhandtuchhalter, 68 cm lang,
mit 4 Porzellanschildern 95 1 Holzlöffelgarnitur, mit Wellholz, auf
Gestell . . 95 1 Putzschrank mit 3 Schubfächern . . 65 1 Wichskasten,
3 Bürsten, 2 Dosen Primalin. 95 1 Hackbrett, 1 Hackmesser,
1 Sieb, 1 Reibeisen. 95 1 Blechzeugrahmen für die Küche mit
9 Haken . 95 Korbwaren 1 grosser Papierkorb, verschied. Facons . 95 1 Besteckkorb, 3-teilig, 30X20 gross . . 95 1 Staubtuchkorb, mod. Facon . . 95 1 Bürstenkorb, 2-teilig . . . . 95 1 Nähkorb mit Deckel, ca. 28 cm gross 95 1 Spankorb mit Brandmalerei
4 Dutzend amerik. Klammern
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Pakete Waschpulver . . . . . 95 1 runder Waschkorb . . . 95 1 Ofenbürste mit Stiel
1 Auftragbürste, 1 Schmutzbürste,
2 Dosen Ofenwichse . 95 1 Staubbesen,
1 Schrubber, 2 Stiele,
1 Abseifbürste 95 1 Teppichhandfeger,
1 Handbesen
. 95 1 Kleiderbürste,
1 Haarbürste,
1 Taschenspiegel 95

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Lackierte
Blechwaren

1 Ofenschirm mit Golddekor . 95 1 engl. Kohlenkasten mit Golddekor 95 1 Schirmständer, ca. 50 cm hoch,
Zylinderform . . . . . . . 95 1 grosser Briefkasten mit Schrift. . . 95

1 grosser Obstteller, dekor., mit Schrift,
30 cm Durchmesser,
95
3 Obstteller, dekor. . .
3 Kompottschüsseln, dekor., 25, 23, 18 cm 95
1 Eierservice, dekor., bestehend aus 1 Brot-
teller
, 6 Eierbecher, 1 Salzstreuer, zus. 95
6 Obstteller mit durchbrochenem Rand,
dekor.. . . . . . . . . . . . . . 95

Petroleumkanne, 4 Ltr. mit Schrift . . 95

1 Topflappenkasten, 1 Zwiebelkasten . . 95

1 Sand-Seife-Soda-Gestell, dekoriert,
mit Schrift . . . . . . . . . .

1 grosser Zwiebelkasten mit Schrift . . . 95

1 Tischschaufel mit Besen, dekoriert . . 95

1 Kaffee- und 1 Zuckerdose, Kirschendekor.95

1 Gestell mit 3 grossen Dosen für Kaffee,
95
Zucker und Cichorie . . . .

Satz Milchkannen (6 Stück), dekor.
zusammen

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1 Kaffeeservice, dekor., 5teil. . .

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dekor. . . . .

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Emailie

1 Kochtopf mit Deckel, 22 cm . . . . . 95

1 Wassereimer, 28 cm

1 Spülwanne, 38 cm

95

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1 runder Brotkasten mit Schrift,
32 cm Durchmesser . . .

1 Gestell mit 6 Gewürztonnen

95

1 Spülbürstenblech mit 5 Bürsten .

1 Topflappenkasten mit 3 Topflappen

1 Kinder-Kaffeeservice, 7teil.

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6 Dessertteller mit Goldrand, 20 cm Durch-
. 95
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1 grosse Waschschüssel, dekor. .

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95 1 Salatseiher, 26 cm . . . . . . . . . 95 1 Zwiebelkasten mit Schrift . . . . . . 953 3 Stück Küchenschüsseln, 30, 24, 20 cm . 95 eiserne Pfanne, 30 cm Durchmesser . 95 . 1 Küchenbrett,
1 Wetzstahl,
2 grosse Küchenmesser 95 1 Waschbrett (Zinkeinlage),
1 Waschbürste,
1 Paket Henkels Bleichsoda,
1 Paket Waschblau . . . 95 1 Besteckkorb,
6 Esslöffel,
6 Essgabeln . . . . . . . . 95

1 Bambustisch
1 Palme mit Kübel

1 groser Kohlenfülle, Iacktert
95
-

1 Kohlenkasten
1 Kohlenschaufel . . . .95 1 Küchenwaage . . . . . . . . . . 953 1 Wäschetrockner,
0 Wäscheklammern . . .95 1 grosses Trangierbesteck
2 95 6 Esslöffel oder
Britannia .
6 Essgabeln 95 1 Karton mit 3 Essbestecken . . . 95 4 verschiedene grosse Küchenmesser . 95

1 Suppenschüssel, 24 cm

95

1 Petlöſtelblech

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1 Kindergarnitur
Teller, Schüssel und Becher, dek.

1 grosse Kaffeekanne, 3 Liter . . . . . . 95
1 Milchträger, 3 Liter . . . . . . . . . 95

1 Kaffeeservice, weiss, 5teil. mit Tablett .

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1 Buntform, ca. 26 cm . . . . . . . . 95

1 Wasserkanne, 2 Iiter

95

1 Puddingform mit Deckel, ca. 17 cm . . 95

1 Sturmlaterne . . . . . . . . . . . 95

1 Küchenlampe mit Messingblende
12 Zylinder i. Karton verpackt . .

1 Küchenlampe mit Spiegelblende . . . 95

1 Blumenkübel, ca. 20 cm Durchmesser,
ganz neue Dekor . . . . . .

1 Satz Schüsseln (6 Stück), weiss .

95

1 grosse Suppenterrine, dekor., rund oder
oval . . . . . . . . . . . . . . 95

4 Milchtöpfe, Karomuster

95

1 Wärmflasche, oval, 28 cm . . . . . 95 1 Waschtopf, verzinkt, ca. 30 cm Durchm.,
mit Deckel . . . . . . . 95 1 runde Spülwanne, verzinkt
, 95 1 Zinkeimer
1 Stück Seife, 1 Putztuch,
1 Paket Seifenpulver 95

1 Bierservice mit 6 Gläser

1 Glasschale, 23 cm
6 Glasteller . . . .

1 Springform, 28 cm, mit Patentverschluss 95

12 grosse, tiefe Teller,
1 Gemüseschüssel . .

3 tiefe und 3 flache Teller,
3 Dessertteller, alles Zwiebelmuster,
3 Esslöffel . . . . . . . . . .

4 Kaffeetassen mit Untertasse, Karo-
muster
,
4 Kaffeelöffel . . . . . . . . . . zus.

1 grosser Nachttopf,
1 Paket Kerzen, 1 Leuchter

1 Holzkaffeemühle mit vermessingtem
Trichter . . . . . . .

6 Likörgläser, hoch, mod. Form
1 Tablett .

6 Bierbecher, Passform,
1 Tablett .

Kahmsereige, Stell,
6 Kaffeelöffel

Blechwaren

1 Universal-Suppensieb, 22 cm, mit
3 verschiedenen Böden . . . .

1 Kaffeekanne, 1 Michkanne,
1 Zuckerdose mit Deckel,
1 Tablett, Karomuster

1 Gewürzetagere,
6 Gewürztonnen .
blas
1 Likörservice, 7teil., mit Tablett

2 Gasstrümpfe
3 Gaszylinder mit Steinpel

1 Staubtuchkasten in Starkastenform

1 Buntform, 22 cm . . . . . . . . . . 95 .
1 ovale Waschschüssel mit Seifenbecken . 95

1 Satz Milchtöpfe (3 Stück)

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Toilette-Eimer

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