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173. Jahrgang
verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage:
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Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
N 217.
Freitag, den 16. September.
1910.
Die heutige Nummer hat 16 Seiten.
Arbeiterſtudienreiſen und Deutſchbewußtſein.
Ueber die Studienreiſen, die ſchutzzöllneriſche und
freihändleriſche Arbeiter Englands nach Deutſchland
unter=
nommen haben, ſind eingehende Berichte veröffentlicht
worden. Profeſſor G. Brodnitz=Halle mißt in der Sozialen
Praxis weder dem ſchutzzöllneriſchen noch dem
freihänd=
leriſchen Bericht einen erheblichen Wert bei. Ganz anders
beurteilt er den Nutzen, den die Arbeiter von ihrer Reiſe
für ſich ſelbſt und ihre Arbeitsgenoſſen gewonnen haben.
In dieſer Beziehung iſt es zweifellos, daß die Arbeiter=
Reiſenden eine Fülle von Eindrücken und neuen Gedanken
in die Heimat mitnahmen. Die deutſche Organiſation der
Arbeitsnachweiſe, die Fürſorge für Arbeits= und
Obdach=
loſe, der geordnete Verkehr, die Reinheit der Straßen, das
Fehlen bettelnder Kinder und Betrunkener uſw. haben bei
den Engländern viel Lob und Anerkennung gefunden.
Prof. Brodnitz ſolgert deshalb mit Recht, daß ſolche
Ar=
beiterſtudienreiſen geeignet ſeien, unmittelbar und
mittel=
bar zu einer richtigeren Einſchätzung der realen Faktoren
des Wirtſchaftslebens zu führen, und empfiehlt die
Ermög=
lichung deutſcher Arbeiterſtudienreiſen, damit auf dem
Wege des Anſchauungsunterrichtes das ſoziale und
wirt=
ſchaftliche Verſtändnis gefördert werde. Im Anſchluß an
dieſe Ausführungen macht die Soziale Praxis darauf
auf=
merkſam, daß es ſchon jetzt an Arbeiterſtudienreiſen in
Deutſchland nicht fehlt; aber ſie pflichtet der Anregung des
Prof. Brodnitz inſofern bei, als ſie es für wünſchenswert
hält, daß unſere Arbeiter „noch weit mehr die Naſe in die
Welt hinausſteckten, um ein beſſeres Augenmaß für die
Beurteilung der Verhältniſſe daheim und im Auslande
zu gewinnen”. Sei doch ſchon mancher, dem es zu Hauſe
gar nicht mehr gefallen wollte, von ſeinen
Aus=
landswanderungen als guter Deutſcher
zurückgekehrt.
So zutreffend die Beobachtung der Sozialen Praxis
iſt, ſo bedauerlich erſcheint es, wenn auch von dieſen guten
Deutſchen nur zu viele durch die ſozialdemokratiſche
Agi=
tation ſich davon abſchrecken laſſen, ihre Einſicht zu
be=
zeugen.
Die Fleiſchfrage.
* Die Norod. Allg. Ztg. enthält ausführliche
Mittei=
lungen über die Unterredung, die der preußiſche
Landwirtſchaftsminiſter am 13. September mit
der Deputation des Deutſchen
Fleiſcherver=
bandes gehabt hat.
In der über zwei Stunden währenden Unterredung
wurden hauptſächlich die Vorſchläge beſprochen, die der
Vorſtand des Verbandes in einer von ihm überreichten
Denkſchrift zur Beſeitigung der augenblicklichen
Fleiſchteuerung gemacht hat. In ſeiner Erwiderung
ver=
wies der Miniſter darauf, daß ſchon durch Erlaß an die
preußiſchen Landwirtſchaftskammern vom 27. Juli unter
Bezugnahme auf die Ergebniſſe der Viehzählung vom 1.
Dezember 1909 eingehend die Maßnahmen empfohlen
wurden, die die weitere Hebung der
inländi=
ſchen Vieherzeugung und eine größere Stetigkeit
in der Beſchickung der Viehmärkte herbeizuführen bezweer:
ten; es wurde dabei beſonders die Notwendigkeit betont,
die Fleiſchverſorgung auch fernerhin nach Möglichkeit
un=
abhängig vom Auslande zu geſtalten und deshalb unter
allen Umſtänden auf ſolche Maßregeln zu verzichten, die
der gegenwärtigen Fleiſchteuerung vorausſichtlich nicht
we=
ſentlich abhelfen, wohl aber die inländiſche Vieherzeugung
gefährden und herabmindern würden. Aus dieſem
Grunde glaubte der Miniſter die weitere
Erleichte=
rung der Einfuhr von Nutz= und Schlachtvieh auch
deshalb nicht in Ausſicht ſtellen zu können, weil der
Viehbeſtand ſowohl, wie die Höhe der Viehpreiſe in den
für die Einfuhr in Betracht kommenden Ländern eine
erhebliche Vermehrung der Einfuhr nicht erhoffen laſſen.
Von der zollfreien Einfuhr von Futtermitteln, die zudem
mit Rückſicht auf die Reichsfinanzen kaum ausführbar
er=
ſcheine, ſei eine Beſſerung um ſo waniger zu erhoffen, weil
Futtermangel gegenwärtig nicht vorhanden ſei, im
Gegen=
teil, der reichliche Futtervorrat zum Teil eine ſchwächere
Beſchickung der Rindviehmärkte herbeigeführt habe. Die
Herabſetzung der Viehtarife auf die Hälfte der
geltenden Sätze, bei welcher die Bahnen ohne erhebliche
Zubuße nicht mehr befördern könnten, würden den Preis
für ein Kilogramm Fleiſch nur um etwa einen Pfennig
verbilligen. Die Prüfung der Frage, ob eine Herabſetzung
der Schlachthofsgebühren zu erreichen und eine
Verbilli=
gung der Fleiſchbeſchau zu ermöglichen ſei, wurde ſeitens
des Miniſters bereitwilligſt zugeſagt, dabei aber der
Befürchtung Ausdruck gegeben, daß auch
dieſe Maßnahmen, wie die Aufhebung der
Schlachtſteuer in verſchiedenen Städten
be=
weiſe, eine Minderung der Fleiſchpreiſe
kaumzur Folgeshaben werde.
Im Laufe der Unterredung wurde verſchiedentlich
hervorgehoben, daß der reichliche Vorrat an ſchlachtfähigen
Schweinen und auch die Zunahme der Zufuhr von Ochſen
und Rindern auf den meiſten Märkten ſchon für die nächſte
Zeit einen Rückgang der Viehpreiſe erwarten laſſe. Wenn
auch die Preiſe für Kälber und Rinder den Höchſtſtand
von 1906 an manchen Orten überſchritten hätten, ſo ſei doch
ein weſentlicher Vorteil gegenüber dem Jahre 1906 darin
zu erblicken, daß Mangel an Schweinen nicht
vorhanden und der Preis für dieſelben auch in
mäßi=
gen Grenzen geblieben ſei. Ueber 50 Prozent des
Fleiſch=
bedarfs in Deutſchland, und zwar gerade der Konſum
der ärmeren Bevölkerung, werde durch Schweinefleiſch
ge=
dect es ſei deshalb auch nicht gerechtſerigt, von einer
Fleiſchnot und davon zu reden, daß die Fleiſchverſorgung
der arbeitenden Bevölkerung zur Zeit in Frage geſtellt ſei.
Das ergebe ſich auch aus der Tatſache, daß der
Fleiſchkon=
ſum auf den Kopf der Bevölkerung nicht zurückgegangen
iſt, ſondern gegen die Vorjahre noch eine Steigerung
er=
fahren hat.
Der Miniſter erklärte ſchließlich, daß er eventuell
wei=
tere Maßnahmen ins Auge faſſen werde; er könne aber
auch für dieſen Fall in erſter Linie nur eine Erleichterung
der Fleiſcheinfuhr, die übrigens ſchon jetzt keineswegs
un=
bedeutend ſei, in Ausſicht ſtellen.
Deutſches Reich.
— Die Einnahme des Reiches an Zöllen
beläuft ſich im Monat Auguſt 1910 auf 49019083 Mark
gegen 67852909 Mark im Juli 1910. In der Zeit vom
1. April bis Ende Auguſt 1910 hat die Einnahme 257 440 249
Mark betragen gegen 290 233033 Mark in dem
entprechen=
den Zeitraum des Vorjahres. Die Einnahme hat ſich alſo
im laufenden Jahre um faſt 33 Millionen Mark
vermin=
dert. Zum Teil erklärt ſich dies aus der ſtarken
Vorein=
fuhr an Kaffee und Tabak, welche in den Sommermonaten
des Jahres 1909 ſtattgefunden hat.
— Die Rede des Fürſten Radolin. In
eini=
gen Blättern werden die angeblichen Aeußerungen des
Fürſten Radolin über die Art ſeiner Verabſchiedung mit
unfreundlichen Bemerkungen gegen die leitenden Stellen
in Berlin begleitet. Fürſt Radolin ſelbſt hat ſich beeilt,
in einem Telegramm an die Poſt zu erklären, daß er eines
an ihn ergangenen Schreibens mit keinem Worte
Erwäh=
nung getan habe. Damit fallen die Kommentare, die
ver=
ſchiedene Zeitungen an die dem Fürſten Radolin in den
Mund gelegten Angaben über den Inhalt eines ſolchen
Schreibens geknüpft haben, in ſich zuſammen. Fürſt
Ra=
dolin ſollte nach dieſen Blättermeldungen auf dem
Ab=
ſchiedsfeſtmahl der deutſchen Kolonie in Paris in ſeiner
Rede auch auf einen Brief des Reichskanzlers angeſpielt
haben, worin dieſer ihm geſchrieben habe: Bei ſeinem
hohen Alter und bei ſeiner Krankheit ſei es eine
Grauſam=
keit, ihm den verantwortungsvollen Pariſer
Botſchafter=
poſten fernerhin zu überlaſſen, und es wäre wohl gut, wenn
er aus ſeinem Amte ſcheiden würde.
— Ein Geſetzentwurf zur Aenderung des
preußiſchen Eiſenbahngeſetzes vom Jahre
1838 iſt in Vorbereitung. Er bezweckt die Regelung einer
Materie, mit der ſich der preußiſche Landtag ſchon ſeit
Jahren befaßt hat. Nach dem geltenden Eiſenbahngeſetz
ſteht dem Miniſterium der öffentlichen Arbeiten als
Nach=
folger des Handelsminiſters auf dieſem Gebiet die
Staats=
aufſicht über die geſamten Eiſenbahnen und die
Entſchei=
dung bei Meinungsverſchiedenheiten zwiſchen den
Eiſen=
bahnen und den Anliegern zu. Infolge des Ueberganges
der früheren Privatbahnen an den Staat iſt alſo der
Mi=
niſter der öffentlichen Arbeiten auch die entſcheidende
In=
ſtanz bei Streitigkeiten der Eiſenbahnbehörde und der
An=
lieger. Hieraus haben ſich mehrfach Schwierigkeiten
erge=
ben, beſonders bei Neubauten von Eiſenbahnen auf einem
Gelände, das ſich im Beſitz des Fiskus befand, und bei der
Umänderung beſtehender Eiſenbahnanlagen. Der Landtag
hat daher eine Neuregelung der Rechtsverhältniſſe zwiſchen
der Verwaltung der Staatseiſenbahnen und den Beſitzern
der benachbarten Grundſtücke ſowie der beteiligten
Kom=
munalverbände gewünſcht. In der kommenden Vorlage
ſoll daher das landespolizeiliche Prüfungsverfahren durch
Beſtimmungen über die Planauslegung und die Einſpruch=
Erhebung ähnlich wie im Enteignungsgeſetz und dem
Waſſerſtraßengeſetz geregelt werden.
— In der oſtfrieſiſchen Spionageaffäre
iſt eine ſenſationelle Wendung eingetreten. Wie die
Oſt=
frieſiſche Zeitung von unterrichteter Stelle erfährt, ſind
einige Deutſche verhaftet worden, die mit den nunmehr
dingfeſt gemachten Engländern in ſtändiger Beziehung
ge=
ſtanden haben ſollen. Demnach würde ſich die
Spionage=
angelegenheit zu einer regelrechten Landesverratsſache
aus=
wachſen. Der ganze Vorfall hat zur Folge gehabt, daß
Borkum, Helgoland und Wangeroogskünftig teilweiſe ab=
geſperrt werden. Ferner ſind die
Ueberwachungsvorſchrif=
ten bedeutend verſchärft worden.
Ausland.
England.
Die Vorbereitungen für die Krönung
Georgs V. im Juni nächſten Jahres ſind bereits im
vollen Gange und, ſoweit ſich bis jetzt beurteilen läßt, wird
die Feſtlichkeit eines der glänzendſten und prächtigſten
Bilder werden, die Großbritannien bis jetzt geſehen hat.
Ein Vertreter der Pall Mall Gazette iſt in der Lage,
au=
toritativ zu verkünden, daß die Feier vor allem anderen
ein großartiger Feſtzug des engliſchen Weltreiches werden
würde, in dem jede Dominion und Kolonie
Großbritan=
niens vertreten ſein wird. Sämtliche kolonialen Premiers
werden Einladungen erhalten und, ähnlich wie bei der
Krönung König Eduards, werden Truppen aus allen
Teilen der Welt, die der engliſchen Herrſchaft unterſtehen,
nach London gebracht werden. Juni und Anfang Juli
werden voll von Feſtlichkeiten ſein und wie ſtark der
Fremdenzufluß ſein wird, kann daraus beurteilt werden,
daß die großen Hotels tatſächlich ſchon jetzt Beſtellungen
von Amerikanern und Koloniebewohnern erhalten. Aller
Wahrſcheinlichkeit nach wird ein Zeitraum von zehn bis
vierzehn Tagen zwiſchen der Krönung zu Weſtminſter und
der Inveſtitur des Prinzen von Wales in Carnavon
lie=
gen, genaue Daten ſind jedoch bis jetzt noch nicht feſtgeſetzt.
Portugal.
Alarmnachrichten. Immer betonen neuerdings
engliſche Berichterſtatter, auch keineswegs
ſenſationslüſter=
ner Blätter, die Unſicherheit der Verhältniſſe in Portugal
und verſichern, der junge König werde ſich kaum lange
mehr zu halten vermögen. Dabei verlautet einerſeits vom
Ueberhandnehmen der republikaniſchen Strömung, und
an=
dererſeits wird in kurzen Zwiſchenräumen der Name des
Prätendenten Dom Miguel in die Erörterung gezogen.
So weiß der Berichterſtatter der Daily News jetzt zu
melden, es werde behauptet, daß abermals Verhandlungen
wegen der Rückkehr Dom Miguels von Braganza
gepflo=
gen würden. Bekanntlich hatte der Vater des heutigen
Prätendenten 1832, nachdem er ſich des Throns
bemäch=
tigt und einen zweijährigen unglücklichen Bürgerkrieg
ge=
führt, auf alle ſeine Anſprüche verzichten und das Land
räumen müſſen. Er hatte dann freilich im Auslande
ſei=
nen Verzicht zurückgenommen und war dafür vom
Par=
lamente mit ſeinen Nachkommen in aller Form von der
Thronfolge ausgeſchloſſen und für alle Zeiten unter
An=
drohung der Todesſtrafe verbannt worden. Sein auch
ſchon den 60er Jahren naher Sohn hat im Mai dann die
Erlaubnis zur Rückkehr nachgeſucht und verſprochen, die
heutige Verfaſſung und Dynaſtie anzuerkennen und weder
Apanage noch ſonſtige Vorrechte zu beanſpruchen, ſondern
ſich mit der Stellung eines einfachen Privatmannes zu
begnügen. Wie es ſcheint, wurde dieſe Rückkehr zur Zeit
hauptſächlich von den Klerikalen und einer Anzahl
beſon=
ders mächtiger und reicher Mitglieder des portugieſiſchen
Adels begünſtigt. Die Königsfamilie ſoll bereit geweſen
ſein, das Geſuch des verbannten Herzogs von Braganza
— deſſen Sohn ſich vor nicht langer Zeit mit einer
ameri=
kaniſchen Erbin vermählt hat — zu genehmigen, allein die
progreſſiſtiſche Regierung wollte von ſeiner Rückkehr nichts
hören. Inzwiſchen iſt jedoch, wie der Berichterſtatter der
Daily News verſichert, auch im Schoße dieſer Partei ein
Umſchwung der Stimmung eingetreten, ſo daß neuerdings
ihr Organ, der Correio da Noite, in einem langen Artikel
Dom Miguel verherrlicht und als wünſchenswerten
Herr=
ſcher empfiehlt. Aehnlich hatten ſich die Klerikalen ſchon
vor drei Monaten geäußert, als ſie den Prätendenten als
Ratgeber für den jungen König vorſchlugen, zu deſſen
Gunſten Dom Manuel ſchlimmſtenfalls ja abdanken könnte.
Für den Fall des Ablebens des jungen Königs und ſeines
kinderloſen Oheims, des Herzogs von Oporto, ſtände der
Erbfolge Dom Miguels formell nur die oben erwähnte
förmliche Ausſchließung und Verbannung durch das
Par=
lament von 1832 im Wege.
Bulgarien.
Demiſſion des Kabinetts. Der
Miniſter=
präſident Malinow überreichte dem König die Demiſſion
des Kabinetts. In eingeweihten Kreiſen werden als
Ur=
ſache der unerwartet gekommenen Demiſſion die in letzter
Zeit aufgetauchten Meinungsverſchiedenheiten zwiſchen
der Krone und dem Kabinett über die Regelung der
tür=
kiſch=bulgariſchen Streitfragen angenommen. Der König
hat ſich die Entſcheidung über die Demiſſion bis nach ſeiner
Rückkehr von den Manövern vorbehalten, zu denen er ab=
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 16. September 1910.
Nummer 217.
gereiſt iſt und aus denen er nach zwei Tagen zurückkehren
dürfte.
Montenegro.
Das Miniſterium Tomanowitſch hat ſeine
Entlaſſung genommen. Der König beauftragte
Tomano=
witſch mit der Bildung eines neuen Kabinetts. Dieſes
Kabinett ſetzt ſich zuſammen wie folgt: Krieg: General
Djurowitſch; Inneres: der Präſident des Staatsrats
Dſchukanowitſch; Finanzen: der Präſident des
Rechnungs=
hofes Yergowitſch. Tomanowitſch behält das Präſidium
des Miniſteriums des Aeußern. Wukowitſch erhält das
Portefeuille der Juſtiz und des Unterrichts.
Türkei.
National=Verſammlung der
otto=
maniſchen Griechen. Die elf Delegierten der
Nationalverſammlung der ottomaniſchen Griechen, die
vor der Eröffnung der Verſammlung verhaftet wurden,
ſind bis auf einen wieder freigelaſſen worden, nachdem ſie
eine Erklärung unterzeichnet hatten, daß ſie ſich an der
Verſammlung nicht beteiligen würden. Die Verſammlung
wurde in Anweſenheit von 60 Delegierten eröffnet und
für beſchlußfähig erklärt. In ſeiner Eröffnungsrede
be=
tonte der Patriarch, daß die Griechen die Wiederherſtellung
der Verfaſſung freudig aufgenommen hätten, daß jedoch die
Ereigniſſe, die die Gleichheit und Freiheit, ſowie die
Privi=
legien des Patriarchats verletzten, ihre Hoffnungen
ge=
täuſcht hätten. Nach kurzer Debatte wurde ein Antrag
des Patriarchen angenommen, nach dem die Arbeiten bis
zum 23. ds. Mts. vertagt werden. Inzwiſchen ſoll der
Patriarch bei der Regierung auf die Beſeitigung der
Hin=
derniſſe für die Anerkennung der Geſetzmäßigkeit der
Ver=
ſammlung hinarbeiten. Beim Verlaſſen der Sitzung
wur=
den 9 Delegierte verhaftet. Der Patriarch verlangte ſofort
durch einen Abgeſandten vom Kultusminiſter ihre
Frei=
laſſung und erklärte, falls die Freilaſſung nicht erfolge, das
Patriarchat ſchließen und der Regierung die
Verantwor=
tung zu überlaſſen. Der Kultusminiſter erwiderte, ſo lange
das Patriarchat nicht auf die Abhaltung der Verſammlung
verzichte, könne er die Maßnahmen nicht wiederrufen. —
Es verlautet, daß noch weitere Verhaftungen
bevor=
ſtehen.
* Preußens reichſte Städte. Nach den
neue=
ſten Ergebniſſen der Einkommen= und Ergänzungsſteuer=
Veranlagung iſt die Frage, welche Städte in Preußen die
reichſten ſind, im ſtatiſtiſchen Landesamte jetzt einer
Bear=
beitung unterzogen worden, die demnächſt veröffentlicht
wird. Wir erfahren daraus: Während in Berlin auf je
10000 Einwohner nur 8,4 Millionäre entfallen, beträgt die
Ziffer bei Bonn 15,3, bei Charlottenburg 17,8, bei
Frankfurt a. M. 17,9 und bei Wiesbaden 20,7.
Die uralte, ſchon von den Römern bevorzugte Badeſtadt
iſt alſo diejenige Stadt Preußens, die verhältnismäßig
die meiſten Millionäre beherbergt. Es ſind ihrer nach der
letzten Zählung nicht weniger als 232 gegenüber 142 vor
zehn Jahren. Düſſeldorf hat, obwohl es die doppelte
Anzahl Einwohner beſitzt wie Wiesbaden, nur 196
Millio=
näre. Scheidet man aber die Millionäre in zwei Klaſſen,
in Mark= und Talermillionäre, ſo verblaßt der Ruhm
Wiesbadens. Unter ſeinen 232 Millionären ſind nur 78
Talermillionäre, während in Düſſeldorf auf 196
Millio=
näre 94 Talermillionäre, in Charlottenburg auf 381
Millio=
näre 247, in Frankfurt auf 584 Millionäre 154
Taler=
millionäre und in Berlin auf 1453 Millionäre 645
Taler=
millionäre kommen. Zehnfache Talermillionäre beſitzt
Preußen nach den letzten Feſtſtellungen 31.
* Wien, 14. Sept. Der Stadtrat beſchloß, für
die Ausſchmückung der Straßen und des Rathauſes aus
Anlaß der Ankunft des deutſchen Kaiſers
0000 Kronen zu bewilligen.
* Grandvilliers, 14. Sept. Nach Beendigung
des heutigen Manövers fand ein militäriſches
Früh=
ſtück ſtatt, bei dem Präſident Falliéres einen Toaſt
ausbrachte und ausführte, die Anweſenheit der
fremdlän=
diſchen Offiziere bereite ihm große Freude. Die Aufnahme,
die ihnen die franzöſiſchen Kameraden bereitet hätten, hätte
ihnen bewieſen, daß die Waffenbrüderſchaft eine rührende
Tatſache ſei, welche gegenſeitige Achtung zwiſchen den
Sol=
daten der verſchiedenen Länder hervorrufe, die den gleichen
Begriff von Pflicht und Verehrung der Fahne hätten.
Präſident Falliéres toaſtete ſchließlich auf die Souveräne,
Staatsoberhäupter, Regierungen und Nationen, die hier
vertreten ſind, insbeſondere auf alle fremden Offiziere.
Der Präſident beglückwünſchte ſodann die franzöſiſchen
Truppen, deren Eifer nicht vermindert ſei und die, wie
die geſamte Armee, ein Gegenſtand der Fürſorge der
öffent=
lichen Gewalten und der Nation ſeien.
* Brüſſel, 15. Sept. Der König und die
Königin ſind heute früh zum Beſuch des holländiſchen
Hofes nach Amſterdam abgereiſt.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 16. September.
— Empfänge. Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog empfingen am Mittwoch den Generalmajor
v. Randow, Kommandant von Darmſtadt, den
Ober=
ſtabsarzt Dr. Rampoldt, Regimentsarzt des Infanterie=
Regiments Nr. 135, den Oberleutnant v. Wienskowski
vom 2. Großh. Heſſ. Feld=Artillerie=Regiment Nr. 61, den
Profeſſor Mendelsſohn, den Vorſtand des
Gartenbau=
vereins, beſtehend aus dem Poſtdirektor a. D. Fuldner
und dem Rentner Becker, die Frau L. Ramſpeck, den
Profeſſor Dr. Alles, Schulinſpektor in Friedberg; zum
Vortrag den Staatsminiſter Ewald, den Finanzminiſter
Braun, den Oberjägermeiſter Frhrn. van der Hoop, den
Vorſtand des Kabinetts Geheimerat Römheld, den
Direktor der Kabinettsbibliothek Hauptmann a. D. Zobel.
Se. Königl. Hoheit der Großherzog empfingen
ferner in beſonderer Audienz den Kaiſerlich Ruſſiſchen
Miniſterreſidenten Baron v. Knorring.
— Verliehen wurde das Ehrenzeichen für Mitglieder
freiwilliger Feuerwehren durch Entſchließung Sr. Königl.
Hoheit des Großherzogs dem Heinrich Fleiſcher
zu Gau=Algesheim.
— Ernannt haben Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Wörrſtadt
Dr. Otto Stallmann zum Oberamtsrichter bei dieſem
Gericht.
Ernennungen und Beförderungen in der
Heſſiſch=Preußiſchen Eiſenbahngemeinſchaft (1. Auguſt
bis 1. September 1910): Zum Eiſenbahn=Oberſekretär der
kommiſſariſche Eiſenbahnſekretär Werber zu Mainz;
zu Eiſenbahnaſſiſtenten die kommiſſariſchen
Eiſenbahn=
aſſiſtenten Stichbenoth zu Bensheim und Bauer
zu Biſchofsheim; zum Bahnhofsvorſteher der
Bahnhofs=
verwalter Ritter zu Nieder=Olm; zu Eiſenbahn=
Unter=
aſſiſtenten die Weichenſteller Bitſch zu Mainz und
Hochgeſand zu Nieder=Saulheim; zu Weichenſtellern
der Bahnwärter Wießer zu Monsheim und der
Aus=
helfer Strauch zu Darmſtadt; zum techniſchen
Bureau=
aſpiranten 1. Klaſſe Mietzel zu Monsheim; zum
techniſchen Eiſenbahnſekretär der techniſche Praktikant
Waſſem zu Ober=Lahnſtein.
* Militärdienſtnachrichten. Hupe, Oberlt. im
5. Großh. Heſſ. Inf.=Regt. Nr. 168, vom 22. September
bis 30. Oktober 1910 zur Dienſtleiſtung bei der Inf.=
Schießſchule kommandtert. Paſchen, Rittm. und
Komp.=Chef im Großh. Heſſ. Train=Bat. Nr. 18, zum
Stabe des Garde=Train=Bats., Hoegner, Rittm. und
Adjutant der 4. Train=Direktion, als Komp.=Chef in das
Großh. Heſſ. Train=Bat. Nr. 18 verſetzt.
** Vor dem Oberkriegsgericht des 18.
Armee=
korps, das geſtern hier weilte, wurde in der
Beruf=
ungsinſtanz gegen den vom Kriegsgericht der 25.
Di=
viſion wegen Ungehorſams und Achtungsverletzung,
ſowie tätlichen Angriffs auf einen Vorgeſetzten vor
verſammelter Mannſchaft zu 2 Jahren 8 Monaten
Gefängnis verurteilten Dragoner Haaf aus Dalau
in=Baden, vom Dragoner=Regiment Nr. 23, verhandelt.
Wie ſchon früher berichtet worden iſt, betraf die
An=
klage einen Auftritt, der ſich im Hofe der hieſigen
Ka=
ſerne beim Pferdeputzen abgeſpielt hat. Haaf, der als
ein eigentümlicher, wenig umgänglicher und zur
Wi=
derſetzlichkeit geneigter Menſch gilt, hatte den
dienſt=
aufſichtsführenden Beamten durch läſſiges Putzen
Ver=
anlaſſung zur Rüge gegeben, war deſſen Befehl nur
zögernd und unter Gemurmel nachgekommen, und die
Sache endete damit, daß Haafs Putzkartätſche nach dem
einige Schritte davon abgewendet ſtehenden Sergeanten
flog, ohne ihn zu treffen. Gegenüber der Verſicherung
des Angeklagten, letzteres ſei unabſichtlich, zufällig
geſchehen, hatte das Kriegsgericht ihn des abſichtlichen
Wurfes für ſchuldig erklärt. Das Berufungsgericht
ließ ſich heute nochmals an Ort und Stelle den Verlauf
des Falles veranſchaulichen; es kam zwar in anbetracht
des Charakters und der damaligen Erregung H.s zur
Ueberzeugung, daß nicht nur ein Verſehen vorliege,
hielt aber doch die Abſicht, zu treffen, nicht für
genü=
gend erwieſen. Der Angeklagte wurde deshalb nur
wegen Achtungsverletzung und Ungehorſams vor
ver=
ſammelter Mannſchaft zu 1 Jahr 3 Monaten
Ge=
fängnis verurteilt.
(*) Vom Manöver, 14. Sept. Sehr intereſſant
ge=
ſtaltete ſich am Mittwoch der zweite Tag des
Diviſions=
manövers der preußiſchen Diviſion. Namentlich gilt
dies von der aus Grünberg anrückenden und bei
Mer=
lau angreifenden roten Armee. Sie hatte öſtlich von
Grünberg im Biwak gelegen; es war naß und kalt.
Bei Nacht und Nebel marſchierten die Regimenter
über Lehnheim gegen Station Mücke vor. Hier war
der blaue Gegner gemeldet, der ſeine Biwaks bei
Ober=Ohmen und Ruppertenrod verlaſſen und ſich im
Burgwald öſtlich Mücke eingeniſtet hatte. Gegen 11
Uhr war der Aufmarſch beendet und von beiden
Sei=
ten erfolgten die Angriffe. Die Roten überſchritten
ſchließlich die oberheſſiſche Grenze und den
Seemen=
bach und vertrieben den Gegner (80er und 81er) in
den Burgwald. Um 1¼ Uhr wurde der Kampf
abge=
brochen und die Truppen rückten in die Quartiere um
Grünberg, Ettingshauſen, Ruppertenrod, Mücke,
Reis=
kirchen und Lumda. Donnerstag iſt Ruhetag und
Freitag geht es gegen Hungen und Berſtadt in die
ſchöne Wetterau. Der Diviſionsſtab kommt nach
Hun=
gen, das Proviantamt iſt in Berſtadt und Nidda. Bei
Hungen und Bellersheim ſind für Freitag große
Bi=
waks wahrſcheinlich. In den Proviantämtern und
den Korpsbäckereien zu Grünberg und Lauterbach
herrſcht rege Tätigkeit, um die Truppen vom
Diens=
tag ab mit Brot, eiſernen Portionen uſw. zu verſehen.
In Grünberg werden täglich 2600 Dreipfünder
ge=
backen. Am Donnerstag tritt in Grünberg auch die
Feldſchlächterei in Tätigkeit. Vorzüglich aufgehoben
ſind die heſſiſchen Soldaten im Fulder Land und der
Rhön, die ja als beſonders gaſtfreundlich gilt. Es
gibt hier Orte, die ſchon lange keine Soldaten geſehen
haben. Am Mittwoch begann hier der „Krieg”
inner=
halb der Diviſion. Führer der 49. Brigade (rote
Par=
tei, 115er, 116er und 168er) war Oberſt von Etzel; ſie
rückte aus Fulda weſtwärts. Die 50. Brigade (blaue
Partei, 117er und 118er) verließ unter dem Oberbefehl
des Generalmajors Grumbkow Herbſtein, und an der
Kreisgrenze Lauterbach=Fulda erfolgte der
Zuſam=
menſtoß. Abends bezogen die 115er und 1. und 3.
Ba=
taillon der 116er bei Weidenau=Hauswurz Biwak, die
168er kamen ins Quartier in Freienſteinau=
Ober=
moos. Von der 50. Brigade bezog das Regiment 117
bei Altenſchlirf und Nösberts Biwak, die 118er kamen
ins Quartier nach Ilbeshauſen=Herbſtein, die
Fuß=
artillerie kam nach Rixfeld. Donnerstag und
Frei=
tag iſt wieder Biwak, nur die berittenen Truppen
er=
halten enge Quartiere.
— Ihre goldene Hochzeit feiern am Sonntag, den
18. ds. Mts. Herr Rentner Georg Friedrich
Dingel=
dey und Frau Pauline, geb. Müller. Herr Dingeldey
entſtammt einer hier alteingeſeſſenen Kaufmanns= und
Pfarrersfamilie; ſeine Frau iſt die Schweſter unſeres
Ortsgerichtsvorſtehers, der einzige Sohn wirkt als
Joſef Kainz und König Ludwig II.
von Bayern.
In dem an Ruhm und Erfolgen rekchen Leben des
jetzt ſchwer erkrankten Joſef Kainz iſt die Freundſchaft,
die König Ludwig II. von Bayern ihm entgegenbrachte,
vielleicht die merkwürdigſte Epiſode.
König Ludwig II. war auf den erſt 23jährigen
Künſtler am 30. April 1881 aufmerkſam geworden, als
Joſef Kainz in einer der vom Könige ſo beliebten
Einzelvorſtellungen die Rolle des „Didier” in Viktor
Hugos Drama „Marion de Lorme” verkörperte. Das
leidenſchaftliche Spiel des jugendlichen Anfängers, der
Wohllaut ſeiner Stimme verſetzten den König in ein
wahres Entzücken, und als Zeichen ſeiner
Anerkenn=
ung ließ=er ihm einen koſtbaren Saphirring überreichen.
Kainz dankte dem Könige dafür in einem
überſchwäng=
lichen Schreiben und der König verſicherte ihn durch
einen=am 11. Mai 1881 mit eigener Hand geſchriebenen
Briefe ſeiner aufrichtigen, herzlichen Wünſche und
ſeiner freundſchaftlichen Geſinnung. Der Brief ſchloß
mit den Worten: „Fahren Sie ſo fort in Ihrem ſo
ſchweren, aber ſchönen und ehrenvollen Beruf, wie Sie
herrlich begonnen haben.” Am 4. und am 10. Mat
mußte Kainz wiederum den „Didier” vor dem Könige
ſpielen und beide Male erhielt er von ihm ein neues
wertvolles Geſchenk. Und dann lud der König ihn, im
Juni, durch ſeinen Günſtling, den Marſtall=Fourier
Heſſelſchwerdt, nach dem Schloſſe Linderhof ein und
empfing ihn in der magiſch erleuchteten Grotte mit
be=
zaubernder Liebenswürdigkeit. Zwei Wochen
verbrach=
ten der König und der Schauſpieler hier fern vom
Ge=
triebe der großen Welt. Sie unternahmen
gemein=
ſchaftliche Ausflüge in die Umgegend, und nachdem der
König die prüfende Zurückhaltung, die ihm Fremden
gegenüber eigen war, abgelegt hatte, behandelte er ihn
wie ſeinen beſten Freund, nannte ihn „Du” und
for=
derte, ſelbſt auf ſolche Art angeredet zu werden. Sarah
Hutzler, die erſte Frau von Joſef Kainz, hat, gewiß
nach ſeinen eigenen Angaben, alle Einzelheiten dieſes
Beiſammenſeins aufgezeichnet und veröffentlicht, und
nichts iſt in ihrer Darſtellung bezeichnender für den
Grad der Zuneigung des Königs zu Kainz als
folgen=
der kleiner, von ihr berichteter Zug. Der König ſchritt
eines Tages mit Kainz in der Nähe von Linderhof
einen Gebirgsweg entlang, nannte ihm die Namen der
Berge und machte ihn auf dies und jenes Merkwürdige
aufmerkſam. Plötzlich bückte er ſich, um für Kainz eine
Erdbeere zu pflücken. „Ich ſehe ſchlecht”, ſagte er, „aber
dieſe Erdbeere lachte doch gar zu hell hervor, um
über=
ſehenszu werden!” Und als der Weg ſteil abwärts
führte und Kainz zu nahe am Abhange ging, zog ihn
der König mit den Worten zurück: „Bitte, es ſieht zu
ängſtlich aus!” Um längere Zeit ohne Zwang der
Eti=
ette und des Zeremoniells mit dem neuen Freunde
zubringen zu können, plante der König eine Reiſe nach
Spanien. Es gelang indeſſen dem Miniſterialrat von
Bürkel, dem Hofſekretär des Königs, ihm dieſen Plan
auszureden, da die Jahreszeit zu weit vorgeſchritten
ſei und in Spanien ein anſteckendes Fieber herrſche.
Dafür entſchloß der König ſich zu einer Fahrt an den
Vierwaldſtätterſee, und am 22. Juni forderte er ſeinen
„geliebten Bruder und teuren Didier” mit „tauſend
herzlichen Grüßen” zur Mitfahrt auf. Der König
unterſchrieb den Brief: „Ludwig (Saverny)”. In ſeinem
Freundſchaftsverhältniſſe zu Kainz=Didier hatte er
nämlich für ſich die Rolle des Marquis de Saverny aus
„Marion de Lorme” gewählt. Der König ließ von der
Münchener Polizeidirektion auch zwei Päſſe ausſtellen,
von denen der eine, der die genaue körperliche
Be=
ſchreibung des Königs enthielt, auf den Marquis de
Saverny, der andere mit der Beſchreibung von Joſef
Kainz auf ſeinen Begleiter Didier lautete.
Das Ziel der an Zwiſchenfällen aller Art nicht
mangelnden Reiſe war das Grand Hotel Axenſtein
über Brunnen. Es verſtimmte den König, daß ſein
Inkognito nicht bewahrt blieb und er ſich, mitten in
der Reiſezeit, nicht vor der Neugier der Einheimiſchen
und Fremden ſchützen konnte. Bald ſiedelte er daher
mit Kainz und ſeinem übrigen Gefolge, das nur aus
untergeordneten Beamten der Hofverwaltung und des
Marſtalls beſtand, nach der am Mythenſtein belegenen
Villa Gutenberg über, die ihm von deren Eigentümer
bereitwillig zur Verfügung geſtellt war. Zwei Landauer
und ein Dampfer waren zu jeder Stunde des Tages
da, den König, der ſich gewöhnlich nur von Kainz und
Heſſelſchwerdt begleiten ließ, nach irgend einem Punkte
der an Naturſchönheiten ſo reichen Umgebung zu
füh=
ren. Und in mancher warmen und ſternenhellen Nacht
fuhr er mit ihnen, den poetiſchen Zauber des
Land=
ſchaftsbildes in vollen Zügen genießend, ſtundenlang
auf dem See. Dabei ließ er ſich von Kainz
vordekla=
mieren; andere Male mußte an beſtimmten Stellen
des Seegeſtades das Poſthorn geblaſen werden, deſſen
Klänge das Echo, hundertfältig abgeſtuft, zum
könig=
lichen Dampfer herübertrug. „O, es war ein holder
Märchenzauber — ſo ſchreibt Profeſſor Dr. C. Beyer
in einer Charakterſtudie Ludwigs II. — den des
baye=
riſchen Königs Idealismus über den nächtlichen
Waſ=
ſerſpiegel dahinwehen ließ!” Am häufigſten war, am
Tage und bei Nacht, der Rütli das Ziel der Ausflüge
des Königs. Im Rütli=Wirtshaus hatte er ſich gleich
beim erſten Beſuche ins Fremdenbuch als „Marquis
de Saverny” eingetragen. Darunter lieſt man von der
Hand von Joſef Kainz: „Joſef Didier am 28. Juni
1881.‟
Gegen Ende des Aufenthalts am
Vierwaldſtätter=
ſee erſuhren die freundſchaftlichen Gefühle des Königs
für Joſef Kainz eine Trübung, hauptſächlich wohl
da=
durch, daß der junge Schauſpieler ſich hin und wieder
zu Unvorſichtigkeiten hinreißen ließ, die den vom
Be=
wußtſein ſeiner fürſtlichen Würde tief durchdrungenen
König mehr und mehr verſtimmten. Der Vorfall, der
den vollſtändigen Bruch entſchied, entbehrt nicht einer
gewiſſen Situationskomik. Am 11. Juli abends fuhr
der König mit Joſef Kainz, wie ſo oft, auf dem See.
Er ſprach die Erwartung aus, daß Kainz, gleichſam zum
harmoniſchen Abſchluſſe des Tages, auf dem Rütli die
Melchthal=Szene aus Schillers „Wilhelm Tell”
vor=
tragen würde, und Kainz verſprach dies gern und
er=
freut. Aber erſt um zwei Uhr nachts langte der
Damp=
fer am Rütli an, und als der König nun auf der
Bun=
deswieſe ſeine Aufforderung erneuerte, antwortete
Kainz, er ſei zu müde, um jetzt noch zu deklamieren.
In innerſter Seele gekränkt, wandte der König ſich von
ihm ab und beſtieg mit ſeinem getreuen Heſſelſchwerdt
den Dampfer. Aſchwanden, der Rütli=Wirt, ſagte zu
ihm: „Herr Marquis, Didier fehlt noch!” Aber der
König erwiderte: „Laſſen Sie ihn ausruhen, fahren wir
ohne ihn ab!” Um vier Uhr morgens konnte ſich Kainz
endlich mit einem kleinen Boote nach Brunnen
über=
ſetzen laſſen und von dort die Villa Gutenberg
auf=
ſuchen. Aber am Nachmittage verließ der König ohne
ihn die Villa zur Rückreiſe. Kainz ſah den König dann
zwar noch in Luzern und wurde von ihm empfangen,
als wäre alles wieder wie vordem. Der König ließ
ſich ſogar mit ihm photographieren — die Bilder, ein
intereſſantes kulturgeſchichtliches Dokument, ſind
ſchwer=
lich je in den Handel gelangt. Auch ſchrieb der König
nach ſeiner Heimkehr noch mehrere Briefe an ſeinen
jungen Freund und ſchlug den früheren herzlichen Ton
an, berichtete darin, daß er einer Hütte am
Vierwald=
ſtätterſee zum Andenken an die gemeinſam verlebten
unvergeßlichen Tage den Namen „Kainzens=Hütte”
ge=
geben hätte, und ſchloß mit den „herzinnigſten
Grü=
ßen‟ Doch hat, nach unſerer Kenntnis, Joſef Kainz
den König nie wieder geſprochen.
Zum letzten Male ſchrieb Ludwig II. vom
Schwei=
er Haus bei Hohenſchwangau am 31. Juli 1881 an Joſef
Kainz, kündete ihm eine Sendung Champagner an
ſund ſchloß: „Hoffentlich gedenkt Didier zuweilen ſeines
Saverny! Seien Sie herzlichſt gegrüßt und geſegnet
von allen Geiſtern des Guten! Das wünſcht von
gan=
zem Herzen Ihr freundſchaftlich geſinnter Ludwig!”
L. V. I.
Nummer 217.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 16. September 1910.
Seite 3.
Profeſſor am hieſigen Realgymnaſium. Dem
Jubel=
paar unſeren Glückwunſch!
Die Bergwerke, Salinen und Hütten des
Großherzogtums weiſen für das Jahr 1909 folgende
Ziffern auf: I. Bergwerke: Produktionswert 3 468 988 M.
mit 1841 mittlerer Arbeiterzahl, II. Salinen 573837 M.
mit 164 mittlerer Arbeiterzahl, III. Hüttenwerke
1138 487 M. mit 55 mittlerer Arbeiterzahl, IV.
Ver=
arbeitung des Roheiſens 7 809 438 M. mit 2135 mittlerer
Arbeiterzahl, Summe 13011750 M. Produktionswert
mit 4195 mittlere Arbeiterzahl.
— Der Fechtklub Cheruskia hielt ſein 9. Stiftungsfeſt
in engerem Rahmen in ſeinem Fechtlokal,
Alexander=
ſtraße 5, Gartenſaal, ab. Dem Feſte war ebendaſelbſt ein
internes Wettfechten vorausgegangen, das aufs neue den
Beweis erbrachte, wie ſehr der Klub unter der vorzüglichen
Leitung ſeines Fechtmeiſters, Herrn Kaiſer, Gutes zu
er=
reichen mit Erfolg beſtrebt iſt. Die Reſultate der
ſpannen=
den Kämpfe waren: Florett: 1. Hans Befort 18,
2. Karl Dillemuth 16, 3. Karl Ruppel 15 Punkte.
Deut=
ſcher Säbel: 1. Karl Dillemuth 21, 2. Willi Knierim 17,
3. Philipp Caſtritius 12 Punkte. Mit welchem Eifer auch
in der Zöglingsabteilung des Klubs dem Sport gehuldigt
wird, zeigte die vorzügliche Leiſtung des Zöglings Ruppel,
der ſich, erſt wenige Wochen fechtend, den 3. Preis im
Florett zu erobern wußte.
* Der Kirchengeſangverein für die Stadtkirche
heginnt am Dienstag, den 20. September, abends
8 Uhr, im Gemeindehaus, Kiesſtraße 17, ſeine
Wintertätigkeit. Er tritt nunmehr in das 37. Jahr
ſeines Beſtehens ein als der älteſte der hieſigen und der
heſſiſchen Kirchengeſangvereine überhaupt. Auch in
dieſem Jahre ſetzt ſich der Verein neben der möglichſt
häufigen Mitwirkung im Gottesdienſt der Stadtkirche
die Einſtudierung intereſſanter kirchlicher Tonwerke zum
Ziel. So iſt für die Adventszeit Bachs Kantate „Du
Hirte Iſraels” zur Aufführung vorgeſehen. Bei dieſer
Tätigkeit bedarf der Verein der tatkräftigen
Unter=
ſtützung ſangeskundiger Damen und Herren, ſowie der
finanziellen Unterſtützung durch den Beitritt inaktiver
Mitglieder. Es ſei daher auf das heutige Inſerat noch
beſonders hingewieſen.
— Der Oberheſſenverein feiert den Geburtstag
Ihrer Königl. Hoheit der Großherzogin am Samstag,
den 17. September, im Schützenhof. (Näh. ſ. Anzeige.)
* Wohltätigkeitskonzert. Auf das morgen abend
im „Feierabend” ſtattfindende Konzert zum Beſten des
Evangeliſchen Arbeiter= und Handwerkervereins ſei
noch=
mals hingewieſen. Näheres iſt aus der heutigen Anzeige
zu erſehen.
D Vereinigte Ortskrankenkaſſe Darmſtadt. Der
Mitglie derſtand betrug am 10. September l. J.
männ=
lich 9511, weiblich 5988, zuſ. 15 499, in Prozenten 61,36,
38,64; am 3. September I. J. männlich 9507, weiblich 5974,
zuſ. 15481, in Prozenten 61,42, 38,58. Der
Kranken=
ſtand betrug am 10. September I. J. männlich 413, weiblich
273, in Prozenten 4,23, 4,55; am 3. September I. J.
männ=
lich 427, weiblich 295, in Prozenten 4,49, 4,94. An
Krankengeld wurde gezahlt in der Woche vom
5. Sept. bis 10. Sept. I. J. 4870,70 Mk., in der Woche
vom 29. Auguſt bis 3. September I. J. 5035,13 Mk.
An Wöchnerinnen waren vorhanden am 10. September
I. J. — 18, am 3. September I. J. — 22; Sterbefälle
kamen vor in der Woche vom 5. Sept. bis 10. Sept.
I. J. — 2; vom 29. Auguſt bis 3. September I. J. — 2.
— Die 115er Kapelle gab kürzlich unter Leitung
des Obermuſikmeiſters Hauske ein Konzert in
Fulda, worüber die Fuldaer Zeitung u. a. ſchreibt:
Das muſterhaft zuſammengeſtellte Programm trug
jeder Geſchmacksrichtung Rechnung, bot eine Fülle
muſikaliſcher Genüſſe und wurde in einer Weiſe zur
AAusführung gebracht, die an Glanz und Reinheit des
Klanges, an flotter und ſauberer Ueberwindung tech=
Iniſcher Schwierigkeiten nichts zu wünſchen übrig ließ.
Herr Obermuſikmeiſter Hauske weiß die Schönheiten
einer jeden Kompoſition zu finden und zu vollſter
Gel=
tung zu bringen. Ein Beweis für ſeine Tüchtigkeit iſt
die Präziſion und Klarheit ſeiner Auffaſſung, die
ſcharfe Hervorhebung der rhythmiſchen Gegenſätze und
die ſorgfältige Abſchattierung der Tonſtärke. Das
Publikum wußte das geſchmackvolle Programm und
ſeine vortreffliche Ausführung zu ſchätzen und dankte
mit reichem Beifall, der mehrere Zugaben zur Folge
hatte.”
Großherzogliches Hoftheater.
Mittwoch, 14. September.
„Renaiſſance‟
W-l. Das hübſche Luſtſpiel „Renaiſſance‟
von Schönthan und Koppel=Ellfeld, das ſeit ſechs
Jahren nicht mehr gegeben worden iſt, wirkte bei ſei=
Ener heutigen Wiederaufführung faſt wie eine Novität
Dund hat außerordentlich gefallen; die
Wiedereinſtudier=
ung hat ſich alſo gelohnt. Wir gehen in der Annahme
wohl nicht fehl, daß das Stück Frl. Prevoſt zuliebe
wiedereinſtudiert worden iſt, da ihr die ſchöne Rolle
des Vittorino, mit der das Stück ſteht und fällt,
be=
ſonders zuſagt und ihr zu einem Erfolge verhalf, der
bei einer neu engagierten, dem Publikum noch nicht
bekannten Künſtlerin von nicht zu unterſchätzendem
Werte iſt. Sowohl in der Verkörperung des herzigen,
friſchen und unverdorbenen Jungen, als auch in der
Darſtellung, bei der es in erſter Linie auf den
künſt=
leriſchen Takt und darauf ankommt, ob der
kindlich=
herzliche Ton richtig getroffen wird, bewährte ſich
Frl. Prevoſt als eine bevorzugte Vertreterin dieſer
Rolle, die ſeit Frl. Eichelsheim keine wieder ſo hübſch
geſpielt hat. Eine ſchöne und milde Marcheſa ſtellte
Frl. Oſter dar. Mit echtem Temperament und
künſtleriſcher Begeiſterung, wie es die Rolle erfordert,
ſpielte Herr Baumeiſter den Maler Silvio. Der
ſympathiſchen Geſtalt des alten Paters, des väterlichen
Freundes Vittorinos, verlieh Herr Wagner eine
lebenswahre und prächtige Verkörperung. Den
ko=
miſchen Gehalt der Rolle des vertrockneten
Bücher=
wurms Magiſter Severino erſchöpfte Herr Holler
in Mimik und Darſtellung, was namentlich von der
amüſanten Szene mit Coletta gilt, in deren
Darſtel=
lung Frl. Reick ſich einer deutlicheren Ausſprache
hätte befleißigen müſſen. Frl. Grünbergs Mirra
vermied unſchöne Uebertreibungen, ohne doch der
temperamentvollen Charakteriſtik des energiſchen
Mo=
dells etwas ſchuldig zu bleiben. Die kleine Rolle der
Iſotta ſpielte Frau Scherbarth.
Kleines Feuilleton.
Unter dem Halbmond. Eine amüſante
Schilderung der Abenteuer, die die beiden von
Deutſch=
land an die Türkei verkauften Schlachtſchiffe bei ihrem
Zm Mandver verunglülct. In den Mandvern der
25. heſſiſchen Diviſion bei Hauswurz ſtürzte ein
Leib=
gardedragoner im Nebel haushoch ab; Mann und
Pferd wurden getötet.
— Dieburg, 15. Sept. Nach den bereits
eingelau=
fenen Anmeldungen zur Tierſchau am 24.
Septem=
ber dieſes Jahres zu ſchließen, ſcheint die Beſchickung
derſelben eine außerordentlich reichliche zu werden.
Vorausſichtlich dürften ausgeſtellt werden: 50 Pferde,
150 Stück Rindvieh, 60 Schweine und 150 Ziegen. Bis
jetzt ſind für die Tierabteilung, mit Ausnahme für
Pferde, noch wenig Ehrenpreiſe geſtiftet; es läge im
Intereſſe der Ausſteller, wenn ſeitens
Landwirtſchaft=
licher Vereine, Sparkaſſen und Private noch
Preisſtift=
tungen, in ähnlich reichem Maße, wie dies in
Seligen=
ſtadt der Fall war, erfolgen würden.
Offenbach, 15. Sept. Der Kunſtmaler Max Fällmer
verſetzte ſich ſelbſt aus eigener Machtvollkommenheit in
den Adelsſtand und fand auch als „Herr v.
Fäll=
mer” Aufnahme in der Heil= und Pflegeanſtalt in
Wiesloch bei Heidelberg. Das Adelsprädikat wurde
ihm jedoch plötzlich unbequem, und er verſuchte, wieder
in den bürgerlichen Stand herabzuſteigen. Da aber
ſeine ganzen Papiere vor ſeinem Namen das
Wört=
chen „von” trugen und er mithin keinen richtigen
Aus=
weis über ſeinen wirklichen Namen hatte, ſo ſtellte er
ſich ſelbſt einen Entlaſſungsſchein aus der Anſtalt aus
und fälſchte ſowohl den Stempel als die Namen der
beiden Aerzte. Auf Grund dieſes Scheines ſuchte er
dann Aufnahme in dem hieſigen Krankenhauſe, wo
die Verſchiedenartigkeit der Namen in den Papieren
jedoch auffiel und zu ſeiner Verhaftung wegen
Ur=
kundenfälſchung führte. (Offb. Ztg.)
Mainz, 15. Sept. Ein neues Bild vom
Großherzog hat der Maler Oskar Meyer=Elbing in
Wiesbaden angefertigt und hier in der Buch= und
Kunſt=
handlung v. Zabern ausgeſtellt. Es zeigt den Großherzog
im Frack mit dem Ludewigs= und dem Philipps=Orden
und wirkt überaus lebensfriſch auf den Beſchauer.
Mainz, 15. Sept. Am Sonntag, den 18. September,
beginnt die neue Saiſon des Stadttheaters. Bis
zur Fertigſtellung des Theaterumbaues iſt in der
Stadt=
halle nach dem Muſter des Münchener Künſtlertheaters
eine Interimsbühne errichtet, auf der Schau= und
Luſt=
ſpiele, ſowie Operetten zur Aufführung gelangen. Durch
Anbringung eleganter Beleuchtungskörper, ſowie reicher
Pflanzen= und Teppichdekorationen iſt der Aufenthalt in
der Stadthalle äußerſt angenehm geſtaltet. Als
Eröff=
nungsvorſtellung geht Shakeſpeares Luſtſpiel „Was Ihr
wollt” mit der Muſik nach Schuberts Roſamunde, von
Kruſe bearbeitet, in Szene. Die ſzeniſche Leitung hat
Direktor Hofrat Behrend, die muſikaliſche Leitung
Kapell=
meiſter Grau.
B. Bingen, 14. Sept. Die 23jährige Tochter eines
hieſigen Bürgers, welche zur Zeit bei ihren
Verwand=
ten in Münſter am Stein weilte, wird ſeit Freitag von
dort vermißt. Alle Nachforſchungen nach derſelben
blieben bis jetzt erfolglos.
(*) Büdingen, 14. Sept. Eine außerordentlich
reich=
liche Obſternte ſteht in unſerem Kreiſe bevor. Die
Bäume an den Kreisſtraßen hängen ſo voller Obſt, daß
ſie geſtützt und aufgebunden werden mußten. Ende
dieſes Monats wird das Obſt an den Straßen verkauft.
Es handelt ſich insgeſamt um etwa 1450 Zentner; in
erſter Linie Aepfel. Die Goldparmänen haben ſich
wieder am beſten bewährt; faſt die Hälfte der 1450
Zentner entfällt auf dieſe Apfelſorte.
(*) Lauterbach, 14. Sept. Beim Abſuchen des
Ma=
növergeländes fanden Schulkinder bei Sickels
einen Rahmen mit Patronen. Sie ſteckten ein
Feuer an und warfen die Patronen hinein. Bei der
Exploſion wurde ein achtjähriges Mädchen am Kopfe
ſchwer verletzt.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 14. Sept. Inwieweit
der im Haag verhaftete Graf de la Ramé an den
Schwindeleien Margolins beteiligt iſt, bedarf noch
näherer Unterſuchung. Nach ſeiner Abreiſe aus
Ber=
lin hatte der Graf Margolin telegraphiſch um Geld
ge=
beten, und auch 30000 Mark erhalten. Später
ver=
langte er dringend noch mehr, Margolin ſandte aber
jetzt nichts mehr. Graf de la Ramé iſt ſeit mehr als
zwei Jahren Mitglied der berüchtigten Falſch=
Uebertritt in türkiſche Dienſte zu beſtehen hatten, gibt
der Konſtantinopeler Korreſpondent des Corriere della
Sera. Die beiden Panzer waren, wie berichtet, ſofort
umgetauft worden, die „Weißenburg” empfing den
Namen „Turgud Reiß” den vor drei Jahrhunderten jedermann weiß, daß beide Schiffe bei der Uebernahme
ein berühmter türkiſcher Seeräuber, der zugleich
Ad=
ſchiff erhielt einen Piratennamen, es wurde „Haireddin
Barbaroſſa” getauft. Admiral Koch hatte die beiden
Schiffe bis zu den Dardanellen gebracht, wo ſie von der
Türkei übernommen wurden. Um 7 Uhr abends war
die Uebergabe vollendet, die deutſchen Offiziere und
Mannſchaften verließen die Panzer; als letzte
Vor=
ſichtsmaßregel wurden noch einmal die Vorrichtungen
für drahtloſe Telegraphie geprüft, die ausgezeichnet
ſunktionierten. Das war beſonders wichtig, weil die
beiden Schiffe auf der Fahrt nach Konſtantinopel die
Nacht über drahtloſe Verbindung halten wollten. Sie
ſollten mittags um 12 Uhr gegenüber dem Dolma=
Bagſcheh=Palaſt ankern, wo die beiden neuen
Schlacht=
ſchiffe der türkiſchen Marine mit großer Feierlichkeit
bewillkommnet werden ſollten. Da die Reiſe von den
Dardanellen bis nach Konſtantinopel nur gegen zehn
Stunden erfordert, war die Abfahrt auf Mitternacht
feſtgeſetzt. Als der Morgen kam, hatte die „Haireddin
Barbaroſſa” das Marmara=Meer glücklich erreicht, aber
in majeſtätiſcher Einſamkeit: vom „Turgud Reiß” war
nirgends eine Spur zu erblicken. Der Kommandant
wußte, mit welcher Spannung ganz Konſtantinopel die
beiden Schiffe erwartete, er wollte nicht allein kommen
und kehrte alſo um, um im Marmara=Meer nach dem
verſchollenen Schweſterſchiff zu ſuchen. Doch alles war
umſonſt, die „Turgud Reiß” war und blieb ſpurlos
verſchwunden. Schweren Herzens ſuhr man ſchließlich
nach Konſtantinopel zurück und warf ſo ſtolz als
mög=
lich Anker, wobei das Schloß des Sultans mit
donnern=
dem Salut begrüßt wurde. Was der Sultan dachte, als
er ſtatt der gekauften zwei Schiffe nur eines ankommen
ſah, weiß niemand zu verraten. Als die Dunkelheit
kam, ſah man jedenfalls die „Barbaroſſa” wieder Anker
lichten und in Begleitung einiger Torpedoboote von
neuem ins Marmara=Meer ſteuern, das mit
Schein=
werfern abgeſucht wurde. Aber alle Mühe war
erfolg=
los: die ganze Nacht hindurch wurde die Suche
fortge=
ſetzt, man war ſchließlich überzeugt, daß eine Kataſtrophe
eingetreten ſei. Als die Morgenſonne aufging, tauchte
das verſchollene Schiff plötzlich vor San Stefano,
einige 15 Kilometer von Stambul entfernt, auf. Es
ſpiekerbande, als deren Gheſs die beiden Brüder
Schwabe, zwei Engländer, den Hauptſtädten Europas
bekannt ſind. Die Bande konſtituierte ſich im Jahre
1907 in Venedig und trat von dort aus eine Weltreiſe
über Indien, Japan und Amerika an. Auf dieſer
Weltreiſe wurde la Ramé von ſeinen Kollegen in
Ja=
pan ſitzen gelaſſen — und erſt einige Monate ſpäter
erhielt er von den Schwabes die Mittel zur
Heim=
reiſe. Im Oktober 1908 traf ſich dann die zehnköpfige
Bande, unter der ſich auch der bekannte Falſchſpieler
König, ſowie der ungariſche echte Graf Feſtetits
be=
fanden, in Paris, wurde aber dort auf Anzeige eines
Opfers verhaftet und nach kurzem Verhör aus
Frank=
reich ausgewieſen. In der Affäre des Pſeudografen
iſt wiederum eine Wendung inſofern eingetreten,
als die Gattin des Grafen, die erſt geſtern abend aus
dem Haag in Berlin eingetroffen war, geſtern abend
bereits heimlich verſchwand. Sie fürchtete, auf
Ver=
anlaſſung ihrer nächſten Verwandten zwangsweiſe in
eine Anſtalt überführt zu werden. — Eine
Poli=
zeihundeprüfung vor der Kaiſerin fand
Dienstag nachmittag auf dem Bornſtedter Felde bei
Potsdam ſtatt. Außer der Kaiſerin waren dazu
er=
ſchienen: die Kronprinzeſſin, Prinz und Prinzeſſin
Auguſt Wilhelm und Prinzeſſin Viktoria Luiſe. Die
Vorführungen und Prüfungen der Potsdamer
Poli=
zeihunde, unter der perſönlichen Leitung des
Polizei=
präſidenten von Starck, verliefen tadellos.
Frankfurt, 15. Sept. Wie die Volksſtimme meldet,
ſtand am letzten Sonntag, am Tage der internationalen
Kundgebung der Sozialdemokratie, am
Hanauer Bahnhof ein Extrazug unter Dampf und das
Ulanen=Regiment war feldmarſchmäßig zum Ausrücken
be=
reit. Das gleiche war beim 3. Fuß=Artillerie=Regiment
in Mainz der Fall. Die Frankfurter Garniſon iſt im
Manöver.
München, 14. Sept. In Pückersreuth in der
Ober=
pfalz iſt der im Bau begriffene Kirchturm der
neuen katholiſchen Kirche während einer Arbeitspauſe
eingeſtürzt. Das Kirchendach und die Dächer
eini=
ger Nachbarhäuſer wurden eingeſchlagen. Verletzt iſt
niemand.
München, 15. Sept. Wie verlautet, ſteht jetzt feſt,
daß der Kunſtexperte Beckert, der mit dem
Guts=
beſitzer Doneinalo alias Joſé de Elordeny den Juwelier
Koch aus Frankfurt a. M. um 142000 Mark betrog,
tat=
ſächlich identiſch iſt mit dem in Pforzheim geborenen
Edelſteinhändler Beckert, der in San Franzisko die
amerikaniſche Staatsangehörigkeit erwarb. Der
Po=
lizei fielen mehrere Briefe in die Hände, aus denen
hervorgeht, daß die beiden Gauner, die dem
Frankfur=
ter Juwelier die Juwelen ablockten, Mitglieder einer
weitverzweigten internationalen Schwindlerbande ſind,
die aus zwölf Perſonen beſteht.
Reinhardsbrunn, 15. Sept. Geſtern abend ſtarb
hier der 5 Monate alte Sohn Moritz des Fürſtenpaares
von Teck, das zum Beſuch des Herzogs von Koburg=
Gotha hier weilt.
Leipzig, 15. Sept. Auf dem Manöverfelde bei
Annaberg wurde der Regimentsadjutant des Infanterie=
Regiments Nr. 113, Oberleutnant Grimm, von einem
Geſchützüberfahren. Der Oberleutnant Franz von
demſelben Truppenteil ſtürzte mit dem Pferde und wurde
von einem Hufſchlag getroffen. Ein Reſerviſt des 181.
Re=
giments iſt infolge eines Blutſturzes geſtorben.
Eberswalde, 14. Sept. Bei einem
Zuſammen=
ſtoß zwiſchen einem Forſtvolontär und drei
Wild=
dieben im Forſt des Gutes Buchholz ſchoß der
Forſt=
volontär, nachdem bereits ein auf ihn abgegebener
Schuß fehlgegangen war, und traf einen Wilddieb
ſchwer; ein anderer wurde leichter verletzt. Es gelang
jedoch nicht, die Wilddiebe zu verhaften.
Rotterdam, 14. Sept. Beim Einlaufen in den
Ha=
fen von Scheveningen ſcheiterte geſtern nacht eine
Urker Fiſcherbarke auf der Scheveninger Mole und
wurde zertrümmert. Vier Fiſcher ertranken.
Paris, 15. Sept. Die vielgenannte Mazelle,
die Geliebte des hingerichteten Apachen Liaboeuf, iſt
bei einem Raufhandel im Hallenquartier erdolcht
worden.
Paris, 15. Sept. Der Gutsbeſitzer Baron Balarro
aus Verſailles kam geſtern auf ſeltſame Weiſe
ums Leben. Er hatte auf ſeinem Jagdgrund, um
ſich gegen Wilddiebe zu ſchützen, mit Schrot geladene
Exploſionspfannen gelegt. Geſtern abend iſt Baron
war Zeit, denn 36 Stunden waren inzwiſchen
ver=
ſtrichen. Offiziell erklärte man dann den Zwiſchenfall
damit, daß die „Turgud Reiß” in den Dardanellen
ge=
blieben ſei, um Kohlenvorräte aufzunehmen. Aber
noch Kohlenvorräte für drei Tage an Bord hatten und
miral war, getragen hatte; auch das zweite Schlacht= daß auf jeden Fall die „Barbaroſſa” dann nicht allein
abgefahren wäre.
Durch irgend eine Indiskretion iſt dann auch der
wirkliche Sachverhalt ans Licht gekommen. Die
türki=
ſchen Offiziere hatten die Schiffe kaum in Händen, als
ſie ſofort an den Telegraphieapparaten zu arbeiten
begannen. Zehn Minuten ſpäter waren dieſe
zer=
brochen. Ein deutſcher Offizier, der vor der Abfahrt
der Schiffe um Mitternacht noch einmal an Bord kam,
hatte die Zerſtörung ſofort feſtgeſtellt und vorgeſchlagen,
ohne Zeitverluſt die Reparaturen vorzunehmen. Aber
die Türken meinten, es ſei ſchon ſpät und es ginge
auch ohne drahtloſe Telegraphie. Die „Barbaroſſa” kam
auch glücklich durch; aber die „Turgud Reiß” die
an=
ſcheinend gehofft hatte, ſich durch Funkſprüche ſozuſagen
von der „Barbaroſſa” ſchleppen zu laſſen, verlor in der
Dunkelheit den Kurs und kreuzte 36 Stunden lang im
Marmara=Meer umher, ohne die Einfahrt in den
Bosporus finden zu können. Aber nun hatte ſie das
Glück, zwar ſpät, aber doch richtig geführt einzulaufen,
und würdevoll ließ ſie vor dem Sultanspalaſt die
Anker in die Tiefe raſſeln. . .
* Taubſtumme als Schillerdarſteller.
Anläßlich des Taubſtummenkongreſſes fand in Wien im
Thaliatheater des Arbeiterheims in Ottakring eine
eigen=
artige Produktion ſtatt. Taubſtumme führten vor einem
taubſtummen Publikum Schillers „Fiesko” auf. Der
Spiel=
leiter hat da eine ungewöhnliche Leiſtung vollbracht. Er
hat ſeit dem Monat Juni raſtlos geprobt und auch die
Dichtung für ſeinen Zweck bearbeitet. Der Schillerſche
Text, ſelbſtverſtändlich gekürzt, und jeder Satz, des
Bei=
werks entkleidet und auf den ſachlichen Inhalt reduziert,
wurde in der Geberdenſprache der Taubſtummen
wieder=
gegeben. Der pantomimiſche Teil war überaus reich
nuan=
ciert, beweglich und in den Affektſzenen von wirkungsvoller
Eindringlichkeit. Die taubſtummen Zuſchauer folgten
ver=
ſtändnisvoll und mit außerordentlicher Spannung den
Vorgängen auf der Bühne und begleiteten das Spiel
fort=
während mit lebhaften Kritiken und Kommentaren, die
natürlich, da ſie in der Geberdenſprache zum Ausdruck
kamen, durchaus nicht ſtörten. Ein ſo intimer Rapport
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 16. September 1910₰
Nummer 217.
Balarro in der Nähe einer ſolchen Pfanne tödlich
ver=
letzt aufgefunden worden. Anfangs glaubte man, daß
es ſich um ein Verbrechen handele, doch ſtellte man bald
feſt, daß B. durch eine Exploſionspfanne getötet
wor=
den war. Man vermutet, daß der Baron geſtrauchelt
iſt und dabei die Pfanne zur Exploſion gebracht hat.
Madrid, 15. Sept. Aus Las Palmas wird
ge=
meldet: Als geſtern abend der bekannte Schriftſteller
Macias Caſſanova durch eine Straße ging,
be=
rührte er mit der Hand einen Leitungspfoſten der
elektriſchen Straßenbahn. Ohne ein Worr
hervorbringen zu können, fiel er tot zu Boden. Sein
Körper war völlig verkohlt. Der tragiſche Tod
Caſſa=
novas hat in Las Palmas großes Bedauern
hervor=
gerufen.
New=York, 15. Sept. A. Rothbart, der
Vertre=
ter der Rothbartgeſellſchaft in Frankfurt a. M., hat
eingeſtanden, die Mercantile National=Bank um eine
große Geldſumme betrogen zu haben. Es heißt, daß
es ſich um mehr als 100000 Dollars handelt.
New=York, 15. Sept. In der Dugger=Mine im
Staate Indiana ereignete ſich eine
Grubenexplo=
ſion, durch die eine Perſon getötet und ſechs
Per=
ſonen verletzt wurden.
Sitzung der Großh. Handelskammer Darmſtadt
vom 12. September 1910.
Das Großh. Miniſterium des Innern hat die heſſiſchen
Handelskammern um eine Aeußerung zu der
Veröffent=
lichung des preußiſchen Miniſters für Handel und Gewerbe
bezüglich der geplanten, teilweiſe recht weitgehenden
Ab=
änderungen der Beſtimmungen über die
Kon=
kurrenzklauſel erſucht. Nachdem in der
Kommiſ=
ſion für Geſetz=, Steuer= und Zollweſen der Handelskammer
dieſe Angelegenheit vorberaten worden war, hat eine
ge=
meinſame Beſprechung der heſſiſchen Handelskammern
ſtatt=
gefunden. Die gelegentlich dieſer Konferenz gefaßten
Be=
ſchlüſſe wurden von der Handelskammer nochmals
durch=
geſprochen und gutgeheißen. Neben der Stellungnahme
zu den einzelnen Vorſchlägen des preußiſchen Miniſters
wurde beſchloſſen, es möchten die geltenden Beſtimmungen
dahin ergänzt werden, daß als Regel die Geltung der
Konkurrenzklauſel auf ein Jahr beſchränkt werde, jedoch
möchte eine vertragsmäßige Ausdehnung ihrer Geltung
über dieſe Zeit hinaus geſtattet werden, unter der
Voraus=
ſetzung, daß der Unternehmer dem Angeſtellten für die
Dauer der Geltung eine Entſchädigung zu zahlen habe. Es
würden hier in Betracht kommen im erſten Jahr ein
Viertel, im zweiten Jahr ein Drittel und im dritten Jahr
der volle Betrag der letzten Gehaltsbezüge. Durch eine
ſolche Regelung würde einerſeits den Intereſſen der
Unter=
nehmer, ſowohl Induſtriellen, wie Groß= und
Kleinhänd=
lern, Rechnung getragen, andererſeits den Wünſchen der
Angeſtellten, die auf eine generelle Beſchränkung der
Klauſel ausgehen, in weitgehendem Maße
entgegen=
gekommen werden. Die Anwendung der Klauſel auf
län=
gere Zeit würde ſich nur auf Fälle beſchränken, in denen
dieſe abſolut notwendig iſt. Hauptſächlich wurde noch
betont, die Beſtimmungen der Konkurrenzklauſel möchten
auf ſolche kaufmänniſche Angeſtellten Anwendung finden,
welche einen Jahresgehalt von 1500 bis 6000 Mark
be=
ziehen.
Infolge der gegenwärtigen Fleiſchteuerung hat
die Handelskammer Mainz als Vorort des Heſſiſchen
Handelskammertags, gleichzeitig im Namen der übrigen
heſſiſchen Handelskammern, eine Eingabe an das heſſiſche
Staatsminiſterium gerichtet, in welcher ſie unter
Dar=
legung der Verhältniſſe betont, es ſei notwendig, daß zur
Beſeitigung des beſtehenden Teuerungszuſtandes, wenn
auch nur vorübergehend, Erleichterungen für die Einfuhr
von Schlachtvieh und ausländiſchem Fleiſch und
Fleiſch=
waren in Erwägung gezogen würden. Im Anſchluß hieran
wurde von der Handelskammer Darmſtadt ein Schreiben
des Deutſchen Handelstags in derſelben Angelegenheit
be=
ſprochen und beſchloſſen, auch der Deutſche Handelstag
möchte wirkungsvolle Schritte zum Zwecke der Bekämpfung
der gegenwärtigen Fleiſchteuerung unternehmen. In
einem Schreiben an den Deutſchen Handelstag ſoll noch
dem Wunſche Ausdruck verliehen werden, er möchte neben
den bereits von ihm beratenen Maßnahmen ſeine
Aufmerk=
ſamkeit noch der Frage zuwenden, ob es nicht möglich ſei,
Deutſchland mit bedeutend billigerem Zuchtvieh, als dies
gegenwärtig der Fall ſei, zu verſorgen. Die
Zuchtvieh=
preiſe ſtünden gegenwärtig in Deutſchland außerordentlich
hoch, ſo daß unter gleichzeitiger Einwirkung der hohen
zwiſchen Darſtellern und Zuſchauern, die ihre
Empfin=
dungen unmittelbar bekunden, iſt allerdings nur bei einem
derartigen Publikum möglich. Man darf die
Veranſtal=
tung ſicher als einen Triumph der modernen
Taubſtummen=
pädagogik betrachten.
* Gegen die Klatſchſucht der Frauen hat
Bürgermeiſter Keßler von Hattersheim ſoeben folgenden
kräftigen Erlaß veröffentlicht: „Die Klagen wegen
Belei=
digungen und Verleumdungen nehmen in letzter Zeit unter
einem gewiſſen Teile der Einwohnerſchaft einen
bedenk=
lichen Umfang an. Die Folgen ſind bittere Feindſchaften,
ſchwere Opfer an Koſtenzahlungen, Verdienſtverluſte uſw.
Die Urſachen ſind in der Regel ſtets dieſelben. Während
die Männer tagsüber auswärts ſchwer arbeiten,
verſchwen=
den die Frauen die Zeit zum Klatſchen und zu Zänkereien;
die Haushaltung aber leidet Not. Dem müde
heimkehren=
den Manne wird das Tageserlebnis falſch dargeſtellt und
nun muß der Mann die verärgerte Frau ſchützen, indem er
zur Polizei, zum Schiedsgericht oder zum Rechtsanwalt
läuſt. Das iſt des Mannes Familienleben, in welchem er
vergeblich wahre Häuslichkeit ſuchte! Alle Belehrungen,
die Frau möge in ihrem Haushalt bleiben, dort tätig ſein
und die Klatſchweiber aus dem Hauſe jagen, dem Manne
aber und den Kindern ein gemütliches Heim verſchaffen,
ſind bei ſolchen Leuten vergebens. Armutsatteſte werden
deshalb in ſolchen heraufbeſchworenen Klageſachen in
Zu=
kunft nur in ganz beſonderen Fällen noch erteilt. Die
Polizeibeamten ſind angewieſen, ſolche prozeß= und
ſtreit=
ſüchtigen Perſonen hier namhaft zu machen, um ſolche in
einer Liſte zu vermerken und Hausbeſitzer und Mieter vor
ſolchen Leuten zu warnen. Die von den Streitſtiftern
ge=
wöhnlich noch verlangt werdenden „Führungszeugniſſe‟
werden dann demgemäß eingerichtet werden.”
* Eine ſonderbare Verſteigerung. Nach
einer Bekanntmachung der kgl. Güterſtation München
Hauptbahnhof werden Samstag, den 17. d. M.,
vormit=
tags 10 Uhr, in der Güterannahmeſtelle an der
Arnulf=
ſtraße am ſogenannten Differenzplatz 220 Stück
ein=
zelne rechte Stiefel verſchiedener Größen und
Sorten öffentlich an den Meiſtbietenden gegen
Bar=
zahlung verſteigert. Die Sendung iſt unbeſtellbar, da
ſowohl Abſender als Empfänger die Annahme
ver=
weigern; wie es kommt, daß ſie ausgerechnet aus 220
Stück rechten Stiefeln beſteht, iſt nicht näher feſtgeſtellt
worden.
Viehzölle auch dieſe Tatſache ſehr viel zu einer Minderung
der Viehzucht beigetragen habe.
Nach einer Mitteilung des Großh. Miniſteriums des
Innern wird der Handelsſachverſtändige bei
dem Kaiſerlichen Generalkonſulat in
Chi=
cago, Herr Dr. Quandt, am 3. Oktober d. J., nachmittags
5 Uhr, der hieſigen Handelskammer einen Beſuch abſtatten,
um dieſer perſönlich Mitteilung über die wirtſchaftliche
Erſchließung und Entwickelung der pazifiſchen Küſte der
Vereinigten Staaten von Amerika und deren Bedeutung
für den deutſchen Ausfuhrhandel zu machen. Die für den
Handel mit Amerika in Betracht kommenden Intereſſenten
werden auf den Beſuch des Herrn Dr. Quandt aufmerkſam
gemacht und aufgefordert, an dieſer Beſprechung
teilzu=
nehmen.
Der bisher bei dem Kaiſerl. Generalkonſulat in
St. Petersburg tätige Handelsſachverſtändige
Dr. Müller iſt in gleicher Eigenſchaft dem
Kaiſerl. Konſulat in Bukareſt zugeteilt
wor=
den. Seine Tätigkeit ſoll ſich außer auf Rumänien auch
auf Bulgarien, Serbien, Griechenland und Montenegro
erſtrecken. Dieſe Länder ſoll er vorzugsweiſe bereiſen,
ihre wirtſchaftlichen und kommerziellen Verhältniſſe
ſtudieren und über das Ergebnis berichten.
Die Handelskammer hat ſich für die Zulaſſung
eines zollfreien Veredelungsverkehrs mit
ausländiſchem Antimonoxid zur Herſtellung
von Antimonſalzen mit einem Gehalt von Antimonoxid
von 45 und 65 vom Hundert ausgeſprochen.
Dem Kaiſerl. Patentamt wurde auf eine
ent=
ſprechende Anfrage mitgeteilt, daß das Wort „
Mai=
zena”nicht als ein Freizeichen zu gelten habe,
ſondern als ein Produkt der National=Starch=Cie. in
Chicago gelte.
Weiter iſt dem Kaiſerl. Patentamt auf eine
ent=
ſprechende Anfrage hin ein Gutachten des Inhalts
er=
teilt worden, es möchte das Wort „
Bergmanns=
ſeife” nicht unter Schutz geſtellt werden. Die
Intereſſenten unſeres Bezirks legen Wert darauf, daß
dieſes Wort, ſowie die Bezeichnungen „
Grubenarbeiter=
ſeife” „Bauernſeife” und „Bergmannfrauenſeife” als
Freizeichen dem Verkehr erhalten bleiben.
Dem Deutſchen Handelstag wurde mitgeteilt, es ſei
bereits ſeit längerer Zeit durch das Vorgehen der
Zentrale für Spiritusverwertung, den
vollſtändig vergällten Spiritus nur direkt dem
Klein=
handel in verſchloſſenen Literflaſchen zu überlaſſen, der
Zwiſchenhandel in dieſem Artikel
vollſtän=
dig ausgeſchaltet. Die Beſtimmungen des § 109
des Branntweinſteuergeſetzes, welcher beſagt, daß
voll=
ſtändig vergällter Branntwein im Kleinhandel nur in
Behältniſſen von 50, 20, 10, 5 und 1 Liter Raumgehalt
feilgehalten werden darf, die verſchloſſen und mit einer
Angabe des Alkoholgehalts verſehen ſind, würden
ſicherlich auch noch den Kleinhandel weiter ſtark
ſchä=
digen. Die Handelskammer erklärte ſich daher bereit,
das Vorgehen der Handelskammer zu Konſtanz zwecks
Außerkraftſetzung des § 109 des
Brannt=
weinſteuergeſetzes zu unterſtützen.
Ermittelungen, welche auf Anregung der
Handels=
kammer zu Koblenz angeſtellt worden ſind, haben
er=
geben, daß auch im Handelskammerbezirk
Eſſig=
eſſenzflaſchen im Verkehr ſind, welche unter
täuſchend ähnlichem Größenumfang, wie die Flaſchen
von 250 Gramm, tatſächlich weniger Eſſigeſſenz
ent=
halten. Auch im Handelskammerbezirk beſteht die
Be=
fürchtung, daß durch den Verkauf derartiger Flaſchen
ſeitens unreeller Händler als handelsüblicher Flaſchen
von 250 Gramm der reelle Handel geſchädigt werde.
Die Handelskammer vertritt deshalb die Anſicht, es
möchte auf den Flaſchenſchildern oder dem Glas ſelbſt
der Inhalt der Flaſchen nach Gramm gekennzeichnet
werden.
Vom Reichsamt des Innern ſind die für das
italieniſche Zollſtreitverfahren
maßgeben=
den Vorſchriften und die dabei zu beobachtenden
Förm=
lichkeiten in einem Merkblatt zuſammengeſtellt
wor=
den. Die Handelskammer hat den Intereſſenten bereits
Gelegenheit gegeben, ſich mit dieſen Vorſchriften
ver=
traut zu machen, und wird dieſelben etwaigen weiteren
Intereſſenten gerne zur Verfügung ſtellen.
Gemeinſam mit der Handelskammer Hanau und
einer Anzahl weiterer Handelskammern iſt an den
Deutſchen Handelstag ein Schreiben zwecks
Siche=
rung des deutſchen Zigarrenexports nach
Schweden gerichtet worden. Der Deutſche
Handels=
tag ſoll in dieſer Angelegenheit die erforderlichen
Schritte beim Reichsamt des Innern unternehmen.
Die Handelskammer erklärte ſich dem Deutſchen
Handelstag gegenüber bereit, einer Anregung der
Handelskammer zu Leipzig entſprechend, zu
beantra=
gen, es möchte § 2a des Geſetzes über das
Poſt=
weſen des Deutſchen Reiches folgende Ergänzung
er=
halten: „Im Urſprungsorte iſt die Beförderung von
geſchloſſenen Briefen durch Boten, die im Dienſte
einer Privatbeförderungsanſtalt ſtehen, erlaubt, wenn
es ſich um die Ueberbringung einzelner Briefe eines
Auftraggebers, nicht um Verteilung von
Maſſenauf=
lieferungen handelt, und die Briefe nicht
eingeſam=
melt, ſondern den Boten unmittelbar zur Beſtellung
übergeben werden.‟ Es ſoll hierdurch vermieden
wer=
den, daß der Beförderung von Briefen
durch Boten, welche ſich in vielen Fällen als ſehr
nützlich erwieſen hat, Schwierigkeiten bereitet werden.
Die Handelskammer hat ſich der
Eiſenbahndirek=
tion Mainz gegenüber dahin ausgeſprochen, daß ſie es
für durchaus angebracht erachte, daß
Pantoffel=
hölzer (Holzſohlen) in das Verzeichnis der
bedeckt zu befördernden Güter der
Spe=
zialtarife für Wagenladungsgüter
auf=
genommen würden.
Ebenſo wurde der der Eiſenbahndirektion
gegen=
über geſtellte Antrag, es möchten gebrauchte
leere Mineralwaſſerflaſchen unter die
bedeckt zu befördernden Güter
aufgenom=
men werden, unterſtützt.
An die Eiſenbahndirektion Kattowitz wurde ein
Gutachten des Inhalts gerichtet, es möchte
Glyze=
rinwaſſer künftighin in Keſſelwagen
be=
fördert werden. Die Glyzerinwaſſer ſeien ein den
Unterlaugen gleichwertiges Produkt und unterſchieden
ſich nur dadurch von der Unterlauge, daß ſie aus den
Oelen vor dem Verſeifungsprozeß gewonnen würden,
und keine Salzlöſung enthielten. Es ſei deshalb nicht
einzuſehen, warum ſeither eine verſchiedenartige
Tari=
fierung der beiden Produkte ſtattgefunden habe.
Die Mitglieder des Deutſchen Handelstags ſind
aufgefordert worden, über Mängel zu berichten, die
ſich aus dem Umſtand ergeben, daß die deutſchen
Eiſenbahnen nicht noch weiter, als es bisher
geſchehen iſt, vereinheitlicht worden ſind.
Bei=
ſpielsweiſe könne es ſich um Verſchiedenheiten in den
Frachtſätzen und Abfertigungsgebühren, um
Schwie=
rigkeiten und Verzögerungen an den Grenzen der
Eiſenbahnverwaltungen und um Nachteile durch Leit=
ung des Verkehrs auf Umwegen handeln. Die
Handelskammer iſt gerne bereit, alle diejenigen
An=
regungen entgegenzunehmen, welche ſich auf dieſe
wich=
tige Angelegenheit beziehen.
Kongreſſe und Verbandstage.
* Danzig, 14. Sept. In der dritten Abteilung
des Deutſchen Juriſtentages wurde die
De=
batte über die Todesſtrafe, die geſtern
be=
gonnen hatte, fortgeſetzt, und ſodann zur Abſtimmung
geſchritten, die ſich bei der großen Anzahl von Anträgen
ſehr kompliziert geſtaltete. Zunächſt wurde der
prinzi=
piell gegen die Todesſtrafe gerichtete Antrag des
Juſtiz=
rats Friedmann=Glogau mit 50 gegen 24
Stim=
men abgelehnt. Abgelehnt wurde auch gegen
wenige Stimmen der Antrag des Oberſtaatsanwalts
v. Prittwitz, der die Todesſtrafe beibehalten will über
den Rahmen des Vorentwurfs hinaus. Am heutigen
dritten Beratungstage griff in der
Plenarver=
ſammlung Profeſſor Liepmann, als es ſich darum
handelte, den Bericht entgegenzunehmen, nochmals
ſeinen Antrag auf, die geſamten Beſchlüſſe der
Abtei=
lung im Plenum zu erörtern. Es ſeien ſchwere innere
Stimmungen, die ihn zu dem Antrage beſtimmt hätten,
das Problem der Todesſtrafe. Dieſe Frage ſei in den
Referaten und Gutachten nicht ſo vorbereitet worden,
wie ſie es verdient hätte. Es wurde als ausſichtslos
bezeichnet, dieſen Gegenſtand zur Beſchlußfaſſung zu
bringen, weil die deutſchen Regierungen ja doch einem
Entwurfe, der auf die Todesſtrafe verzichte, ihre
Zu=
ſtimmung nicht geben würden. Der Deutſche Juriſtentag
habe aber nie nach dem geſchielt, was Machthaber zu
einer beſtimmten Frage ſagen würden. Das Gefühl:
der Deutſche Juriſtentag ſagt ſeine Meinung aus
innerer Ueberzeugung und nicht aus
Opportunitäts=
gründen, hat ihm einen erneuten Rückhalt in der
öffent=
lichen Meinung und bei den maßgebenden Faktoren
gegeben. Die Frage habe nicht nur fachjuriſtiſchen
Wert, ſie iſt eine allgemeine Menſchheitsfrage, und wenn
über eine ſolche Frage eine Verſammlung wie der
Juriſtentag nicht eine Meinung äußerte, dann wäre das
zu bedauern, ob man nun Gegner oder Anhänger der
Todesſtrafe iſt. Bei der Abſtimmung wird der
Antrag Liepmann mit 80 gegen 70 Stimmen
wiederum abgelehnt. Hierauf referierte
Senats=
präſident Olshauſen über die Beſchlüſſe der Abteilung,
die hinſichtlich der Todesſtrafe lauten: Die
Einſchrän=
kung der Todesſtrafe iſt nicht über das geltende Recht
hinaus auszudehnen. Bei mildernden Umſtänden iſt
dem Richter allgemein ein nach dem ordentlichen
Straf=
rahmen abgeſtuftes Strafmilderungsrecht einzuräumen.
Der Vollzug der Todesſtrafe iſt für das Reichsgebiet
einheitlich zu regeln. Mit der Todesſtrafe ſoll der
Verluſt der bürgerlichen Ehrenrechte von Rechts wegen
verbunden ſein.
Heer und Flotte.
Die Felduniform.
* Die Vorſchriften für die Felduniform der
Mann=
ſchaften, wie ſie im Kaiſermanöver von allen
Waffen=
gattungen getragen worden ſind, finden ſich in einem
dritten Anhang zum zweiten Teil der
Bekleidungs=
ordnung niedergelegt, die jetzt erſchienen iſt. Die
Vor=
ſchrift gilt für die preußiſchen Truppenteile
und für die unter preußiſcher Verwaltung ſtehenden
Kontingente, mit Ausnahme der großherzoglich
mecklenburgiſchen und der heſſiſchen Truppen, für
die beſondere Beſtimmungen beſtehen. Bayern,
Sach=
ſen und Württemberg haben eigene
Bekleidungsord=
nungen; es iſt aber ſelbſtverſtändlich, daß die
Felduni=
form für das ganze Reichsheer einheitlich geregelt iſt,
und in den einzelnen vorerwähnten Kontingenten nur
geringe Abweichungen, beſonders in den Abzeichen,
vorgeſehen ſind. In der neuen Vorſchrift iſt auch die
Uniform und die Ausrüſtung der Unteroffiziere
be=
zeichnet, die beim Eintritt oder während der
Mobil=
machung mit einer Offizierſtelle beliehen und zu
Offi=
zierſtellvertretern beſtimmt werden. Die Metallteile
an den Bekleidungs= und Ausrüſtungsſtücken, ſowie
letztere ſelbſt, und das Schuhzeug werden im Felde
nicht blank geputzt; dagegen wird das weiße Lederzeug,
wie es von den Grenadieren und den berittenen
Trup=
pen getragen wird, für den Feldgebrauch geſchwärzt.
Der Waffenrock mit Klappkragen iſt für
Infanterie, Pioniere, Verkehrstruppen, Artillerie und
Train feldgrau, für Jäger, Schützen und
Maſchi=
nengewehrabteilungen aber von graugrünem Tuch.
Einen Waffenrock mit Stehkragen haben
Küraſſiere und Dragoner von feldgrauem, Jäger zu
Pferde und Stabsordonnanzen von graugrünem Tuch,
Huſaren tragen feldgraue Attila mit Stehkragen und
feldgrauem Perlſchnurbeſatz, Ulanen eine feldgraue
Ulanka mit Schulterklappen, ſo daß die Epauletts für
die Felduniform der Ulanen fortfallen. Alle
Schulter=
klappen — ausgenommen bei den Jägern zu Pferde
und Stabsordonnanzen, ſowie bei der mit dem Großen
Hauptquartier ausrückenden Leibgendarmerie — ſind
zum Abnehmen eingerichtet und dienen im Felde
zu=
gleich für den Mantel. Zum Waffenrock mit
Klapp=
kragen iſt ein Halstuch von grauem Baumwollſtoff
neu eingeführt, das in einen einfachen Knoten
ver=
ſchlungen wird; für den Waffenrock mit Stehkragen iſt
die Halsbinde beibehalten, aber nicht nach Art der
alten Schnallbinden, ſondern nach Art der neueren,
ſo=
genannten Zugbinden. Tuch= und Reithoſen ’ſind für
Jäger, Schützen, Maſchinengewehr=Abteilungen,
Stabs=
ordonnanzen und für Jäger zu Pferde von
graugrü=
nem, für alle übrigen Truppenteile von feldgrauem
Tuch. Eine beſondere Stiefelhoſe iſt nur für die
Ma=
ſchinengewehrabteilungen vorgeſehen; ſie iſt aus
grau=
grünem Tuch und unterſcheidet ſich von der Tuchhoſe
beſonders durch ein ſtark eingearbeitetes Knie, ſowie
durch eine Bindevorrichtung an jedem Beinende. Litzen
und Abzeichen auf den Schulterklappen, wie
Namens=
züge mit und ohne Krone, ſowie Nummern werden wie
bisher getragen; alle Knöpfe ſind matt mit Krone. Die
verſchiedenfarbigen Vorſtöße gewähren namentlich bei
der Kavallerie eine genügende Unterſcheidung der
Re=
gimenter, bei denen ſich außerdem Waffenrock, Attila
und Ulanka noch in beſonderem Maße hervorheben.
Die neue Felduniform ſoll zunächſt jedesmal beim
Kaiſermanöver getragen werden; ſie hat diesmal die
Aufklärung und Erkundung weſentlich erſchwert.
Luftſchiffahrt.
Die Luftſchiffahrt bei den franzöſiſchen
Manövern.
* Für das große Publikum hatte bei den
diesjäh=
rigen franzöſiſchen Manövern natürlich nur die Frage
Intereſſe, welche Rolle die Luftſchiffahrt bei den
Manövern ſpielen werde. Sehr groß war freilich dieſe
am erſten Tage nicht. Die Lenkballons wagten nicht
aufzuſteigen, weil der Wind ungünſtig war. Der be=
Nummer 217₰
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 16. September=1910.
Seite 5.
rühmteſte Flieger Latham, der trotz ſeines engliſchen
Namens Franzoſe iſt und als Sappeur der Reſerve
ein=
gezogen war, machte am Vormittag zwei gelungene
Verſuchsflüge, aber als er zum dritten Male
aufge=
ſtiegen war, um eine beſtimmte Aufgabe auszuführen,
wurde er von einem plötzlichen Windſtoße unſanft
zurückgejagt, ſo daß ein Flügel ſeiner Maſchine bei der
Berührung des Bodens zerbrach. Die Reparatur wird
zwei Tage in Anſpruch nehmen. Vier andere
Flug=
maſchinen unternahmen dagegen wirklich einen
Kund=
ſchafterdienſt. Sie ſtiegen auf 500 Meter Höhe, um
durch kein Geſchoß erreicht zu werden, aber von dort
aus konnten ſie die Truppen der beiden Armeen, trotz
der weithin ſichtbaren weißen Armbinden der einen
derſelben, nicht mehr unterſcheiden, obſchon das Wetter
ſo klar wie möglich war. Mit einer Automobilkanone
wurde verſucht, auf die Flugmaſchine des Leutnants
Bellanger zu zielen, aber es war unmöglich. Hätte es
ſich um einen Lenkballon gehandelt, ſo hätte nach der
Ausſage der Offiziere derſelbe mit einer Sicherheit von
50 Prozent getroffen werden können. Der Flug
Bellangers hätte vielleicht nützlich ſein können, wenn
er einen Beobachter mit ſich geführt hätte und wenn
das Los der Schlacht nicht ſchon vor ſeiner Rückkehr
entſchieden geweſen wäre. Die übrigen Flüge wurden
überhaupt erſt nach Beendigung der Operationen
unter=
nommen, und vielleicht werden die Beobachtungen, die
dabei gemacht wurden, am nächſten Tage von Nutzen
ſein. Jedenfalls iſt noch keine Spur vorhanden, daß
die Aviatik die Bedingungen des modernen Krieges
weſentlich verändern werde.
— Das internationale Flugmeeting
von Bordeaux verlief auch am dritten Tag
außer=
ordentlich ſpannend. Um den Frühpreis bewarben ſich
gleichzeitig fünf Konkurrenten, von denen Audemars
(Demoiſelle) den Preis gewann, indem er als Erſter
10 Kilometer in 8 Minuten 31,4 Sekunden abſolvierte.
Den Geſchwindigkeitspreis des Tages gewann Morane
(Blériot), der zehn Kilometer in 6 Minuten 54,1 Sek.
durchflog. Der beſte Dauerflug wurde von Bielovucci
(Voiſin) mit 125 Kilometer erzielt, während Thomas
(Antoinette) mit 262 Kilometer die beſte
Geſamtflug=
leiſtung des Tages aufzuweiſen hatte. Zweiter wurde
Kuller (Antoinette) mit 230 Kilometer, Dritter
Bielo=
vucci (Voiſin) mit 217 Kilometer. Ein Höhenmatch
zwiſchen den beiden Blériot=Piloten Morane und Tyck
gewann erſterer, indem er innerhalb 22 Minuten eine
Höhe von 1480 Meter erreichte.
sr. Das internationale Flugmeeting
von Mailand, das in der Zeit vom 25. September
bis 3. Oktober unter Ausſchreibung von Preiſen in
Höhe von 300000 Lire abgehalten wird, hat bis jetzt
42 Meldungen erhalten. Die Eindecker und Zweidecker
ſind ziemlich gleichmäßig vertreten. Für den Flug über
den Simplon liegen nunmehr acht feſte Anmeldungen
vor, und zwar von Latham (Antoinette), Wiencziers
(Antoinette), Chavez (Blériot), Aubrun (Blériot),
Cattaneo (Blériot), Pariſot (H. Farman) und
Wey=
mann (Voiſin).
Der Brand des „L 2 VI‟.
* Die Vernichtung des „L 2 Vl” iſt die dritte
ſchwere Kataſtrophe, von denen die Zeppelinluftſchiffe
in dieſem Jahre betroffen worden ſind. Am 25. April
zerſchellte das Militärluftſchiff „2 II” am Webersberg
Bbei Weilburg, am 28. Juni wurde „L 2 VII‟, nachdem
Der kaum in Düſſeldorf ſtationiert war, im Teutoburger
Wald zerſtört, und jetzt ging „L 2 VI” zugrunde, der
auch erſt vor wenigen Wochen in Baden=Oos in Dienſt
geſtellt war. „L 2 VI” hatte an 18 Tagen 34 Fahrten
ausgeführt und ſich ſehr bewährt. Die Geſamtſtrecke,
die das Luftſchiff dabei zurücklegte, beträgt 3100
Kilo=
meter. Mehr als 300 Paſſagiere wurden befördert.
Wie verlautet, war „L 2 VI‟, deſſen Wert 600000 Mark
betrug, bei zwölf deutſchen Geſellſchaften für 480000
Mark verſichert.
* Karlsruhe, 14. Sept. Die Karlsruher Zeitung
meldet: Sofort nach Bekanntwerden des Unglücks,
dem das Luftſchiff „L 2 VI” zum Opfer gefallen iſt,
richtete der Miniſter des großherzoglichen Hauſes
und der auswärtigen Angelegenheiten, Frhr. v.
Mar=
ſchall, folgendes Telegrämm an die Deusſche
Luftſchiff=
fahrts=Aktiengeſellſchaft in Baden=Oos: „Namens der
großherzoglichen Regierung ſpreche ich der Deutſchen
Luftſchiffbau=Aktiengeſellſchaft an dem ſchweren Unglück,
das ſie neuerdings durch die Zerſtörung des Luftſchiffes
„L 2 VI‟ betroffen hat, das wir Badener in den letzten
Wochen ſo oft freudig begrüßt haben, aufrichtige
Teil=
nahme aus. Miniſter v. Marſchall.”
H.B. Baden=Baden, 15. Sept. Die Urſache
der Kataſtrophe iſt jetzt einwandfrei feſtgeſtellt.
Während der Reinigung der Gondeln mit Benzin hat
ein Monteur verſehentlich einen Motor angekurbelt,
worauf plötzlich das Benzin aufflammte, das die
Mon=
teure in Eimern in den Gondeln ſtehen hatten, um
dieſe auszuwaſchen. Sofort wurde Alarm geſchlagen
und die in der Halle befindlichen Mannſchaften der
Luft=
ſchiffbau=Geſellſchaft und die im Luftſchiffdienſt
er=
fahrenen Leute der Delag, an deren Spitze Marine=
Oberleutnant der Reſerve Wagner, machten ſich an das
Löſchen. Sie ſchraubten ſofort die zahlreichen in der
Halle zu dieſem Zweck angebrachten Schläuche an die
Hydranten und ſetzten die ganze Gondel unter Waſſer.
Unter den in der Halle beſindlichen Tagelöhnern
ent=
ſtand, als ſie den Feueralarm hörten, eine Panik, und lera=Baracken des Virchow=Krankenhauſes gebracht.
ſie rannten ſofort laut ſchreiend ins Freie. Binnen
wenigen Minuten war das Feuer gelöſcht und nur dem geſtern in das Krankenhaus zu Lindenburg
ein=
einer der Eimer mit Benzin brannte noch. Dieſen
gabeein Monteur aus der Gondel heraus einem anderen
Monteur, der ſich damit abwandte, um den Eimer aus
der immerhin gefährlichen Nähe des Luftſchiffes zu
bringen. Aus dieſem Eimer ſchlug nun, im Moment,
als der Monteur ſich damit abwandte, anſcheinend
in=
folge der Bewegung, eine große Flamme heraus und
züngelte ſofort an der äußeren Hülle empor. Im Nu
ſtand dieſer Teil des Luftſchiffes bis oben in Flammen.
Das Feuer griff ſo ſchnell um ſich, daß Oberleutnant
Wagner den Befehl geben mußte, daß alle Mannſchaften
in der Halle dieſe zu verlaſſen hätten. In wenigen
Sekunden war die Halle geräumt. Innerhalb
2½ Minuten waren ſämtliche Ballonetts verbrannt und
das Gerippe zu Boden geſtürzt und völlig zertrümmert.
Nach einer weiteren Minute war die Halle zwar noch
total verqualmt, aber es war keine Gefahr mehr
vor=
handen und die Leute drangen nun wieder ein. Eine
Anzahl Angeſtellter, man ſpricht neuerdings von zehn,
hatte Brandwunden erlitten. Die Verletzungen der
Leute ſind jedoch ſehr leicht. Drei befinden ſich im
Spital, haben jedoch noch nicht einmal offene
Brand=
wunden, ſondern nur Rötungen der Haut, ſo daß ſie
bald wieder arbeitsfähig ſind. Das Bild, das ſich den
Augen jetzt bietet, iſt folgendes: Die Spitze des Luft=aſiatiſche Cholera=
ſchiffes liegt nach den kleineren Eingängen, die für das
Perſonal beſtimmt ſind, der hintere Teil nach dem
großen Tor. Die Galerien, auf denen man zu dem
Luftſchiff gelangen konnte, waren unverſehrt und ſind
nicht einmal durch Rauch geſchwärzt. Ueberhaupt iſt
die Halle ausgezeichnet intakt geblieben, ſo daß die
Arbeit von höchſtens einem halben Tage genügen
dürfte, um Dach und Fenſter wieder in Ordnung zu
bringen. Das Luftſchiff ſelbſt iſt vollkommen
ver=
brannt. In Baden=Baden iſt das Mitgefühl für den
Grafen Zeppelin allgemein, der nun abermals von
einem ſo ſchweren Unglück betroffen wurde. Direktor
Colsmann, der augenblicklich nicht anweſend iſt, wird
heute erwartet.
H.B. Oos, 15. Sept. Graf Zeppelin erhielt
die Nachricht von der Vernichtung des Luftſchiffes auf
der Inſel Mainau, gerade in dem Moment, als er ſich
in einer Audienz bei der Großherzogin befand. Er
wurde durch die Trauerkunde tief erſchüttert.
Direk=
tor Colsmann und Oberingenieur Dürr begaben ſich
gleich nach Erhalt der Nachricht nach Baden=Baden,
wo ſie um 12 Uhr nachts eintrafen und ſofort zu
einer Beſprechung mit den dortigen Herren
zuſammen=
traten. Heute in aller Frühe beſichtigten beide Herren
das Wrack des Luftſchiffes und es wurde folgendes
feſtgeſtellt: Die Kataſtrophe iſt lediglich infolge des
unbegreiflichen Leichtſinns des Monteurs
herbei=
geführt worden, der den Motor ankurbelte in dem
Moment, als ſich offenes Benzin in der Gondel
be=
fand.
* Baden=Oos, 15. Sept. Von gut informierter
Seite wird uns zur Kataſtrophe des „L 2 VI‟ das
folgende gemeldet: „L 2 Vl” ſtieg am Vormittag um
11,17 Uhr mit 12 Fahrgäſten zur Fahrt nach Heilbronn
auf, mußte aber nach kurzer Zeit zurückkehren, weil an der
hinteren Gondel ein Motordefekt eingetreten war. Das
Luftſchiff landete glatt vor der Halle, worauf die
Fahr=
gäſte dasſelbe verließen. Die Monteure machten ſich ſofort
an die Reparatur des Motordefekts, auch wurde die
hin=
tere Gondel mit Benzin gereinigt, das ſich in einem offenen
Behälter mit Putzwolle befand. Bei Anlaufen der
Mo=
toren ſchlug eine Stichflamme heraus und ſetzte die mit
Benzin getränkte hintere Gondel und den Behälter in
Brand. Der Brand war beinahe gelöſcht, als ein Arbeiter
herbeiſprang und den brennenden Benzinbehälter in die
Höhe hob, um ihn aus der Gondel zu werfen. Hierbei fing
das Luftſchiff Feuer und war in wenigen Minuten
ver=
nichtet.
Heute nachmittag traten die Behörden und Direktor
Colsmann zur Unterſuchung des Falles zuſammen, welch
letztere aber noch nicht abgeſchloſſen iſt, da die Hauptzeugen,
die Monteure im Krankenhaus liegen. Oberbürgermeiſter
Fieſer=Baden=Baden hat an den Grafen Zeppelin ein
Teil=
nahme=Telegramm gerichtet.
Wie wir weiter hören, wird das in Friedrichshafen
der Fertigſtellung entgegengehende Luftſchiff „
Deutſch=
land” zunächſt nach Baden=Baden übergeführt werden.
Sport.
* Der Große Preis von Karlshorſt, das
Hauptereignis der Berliner Hindernis=Herbſt=
Kam=
pagne, hat trotz des auf 40000 Mark erhöhten Preiſes
mit 34 Unterſchriften nur einen recht mäßigen
Nen=
nungsſchluß zu verzeichnen gehabt. Im allgemeinen
iſt es auch immer wieder dieſelbe alte Garde, die am
Start erſcheinen wird, da außer Calvello und dem
neu importierten Paul Heſton u. a. Hans, Sileſia,
Forefather, Electrieity II., Florham und Stormy
Ocean engagiert wurden. In Paris wurden außer
dem in deutſchem Beſitz befindlichen Heron noch fünf
weitere Pferde genannt, die aber ſämtlich einer
mäßi=
gen Klaſſe angehören.
— Der Hammonia=Preis in Hamburg,
das neu geſchaffene 100000 Mark=Rennen, wird ſeiner
Beſtimmung, ein Pendant zum Wiener Auſtria=Preis
zu ſchaffen, im erſten Jahre ſeines Beſtehens nicht
entſprechen. Da die zweijährigen Pferde um die
Jetzt=
zeit den älteren über eine Diſtanz von 1400 Metern
nur ſchwer gewachſen ſind, ſo wird vorausſichtlich kein
Vertreter des jüngſten Jahrganges in dem großen
Rennen am Sonntag auf der Borſteler Bahn am Start
erſcheinen. Dagegen gelten unſere ſchnellſten älteren
Pferde, wie Abendluft, Tattling, Force majeure,
Lit=
toral, Werra II., Signorina, Tauſendſchön und
Fer=
vor, zu denen ſich noch die aus Oeſterreich
herüber=
gekommene Halt des Fürſten Hohenlohe=Oehringen
geſellt, als ſichere Teilnehmer, ſodaß auf alle Fälle ein
ſpannendes Rennen in Ausſicht ſteht.
Die Cholera.
* Berlin, 15. Sept. In das Auguſta Viktoria=
Krankenhaus in Schöneberg wurden heute früh zwei
Perſonen als choleraverdächtig eingeliefert.
Es handelt ſich um den 39 Jahre alten, aus Wien
ge=
bürtigen Ingenieur Guſtav Meyersberg aus der
Barbaroſſaſtraße und um ſeine Wirtſchafterin.
Ob=
wohl zurzeit nur Choleraverdacht beſteht, wurden
doch von den Sanitätsbehörden und der Polizei
ſo=
fort die entſprechenden Vorſichtsmaßregeln ergriffen.
M. war erſt vor etwa 5 Tagen aus dem Orient, wo
er geſchäftlich zu tun hatte, zurückgekehrt. — Ferner
erkrankte in der vergangenen Nacht der 24jährige
Kellner Jakob Ulſius in der Sebaſtianſtraße unter
choleraverdächtigen Erſcheinungen. Er wurde ſofort
unter den nötigen Vorſichtsmaßregeln nach den Cho=
* Köln, 15. Sept. Der Choleraverdacht bei
gelieferten Schiffer Dominick hat ſich vorläufig nicht
beſtätigt.
* Plauen i. V., 15. Sept. Entgegen den
Mel=
dungen auswärtiger Blätter wird von zuſtändiger
Seite erklärt, daß der Fleiſchermeiſter Hofmann nicht
an Cholera erkrankt iſt, auch iſt noch nicht feſtgeſtellt,
ob Hofmann, der ſeit einigen Tagen im Krankenhauſe
weilt, an Unterleibstyphus oder Nierenerkrankung
leidet.
H. B. Danzig, 15. Sept. Die im hieſigen königlichen
Medizinalamt nach der mikroſkopiſchen Unterſuchung
ausgeführte bakteriologiſche Nachprüfung von
Darm=
teilen des in Marienburg verſtorbenen 44jährigen
Ar=
beiters Auguſt Fiſcher und des verſtorbenen 2jährigen
Knaben Paul Dombrowski, die heute vormittag
be=
endet wurde, hat Cholera beſtätigt, ſodaß dieſe
Feſt=
ſtellung im ganzen nunmehr bei drei=Perſonen gemacht
worden iſt. Heute vormittag gingen beim
Medizinal=
amt 15 weitere Unterſuchungsfälle ein und zwar
ſo=
wohl von Erkrankten als auch von
Anſteckungsverdäch=
tigen.
H. B. Galatz, 15. Sept. Die bakteriologiſche
Unter=
ſuchung der Leiche eines hier verſtorbenen Angeſtellten
der italieniſchen Schiffahrts=Agentur Bria ergab
H. B. Peſt, 15. Sept. Durch bakteriologiſche
Unter=
ſuchung wurde bei 15 von 29 erkrankten Perſonen
aſiatiſche Cholera feſtgeſtellt.
H. B. Mohacs, 15. Sept. Geſtern haben ſich hier
wieder zwei neue Todesfälle unter=Cholera=
Er=
ſcheinungen ereignet.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 15. Sept. Der Reichsanzeiger meldet:
An=
läßlich der diesjährigen Großen Berliner
Kunſt=
ausſtellung wurde die große goldene Medaille für
Kunſt dem Direktor der ungariſchen Meiſterſchule für
Ma=
lerei in Peſt, Profeſſor Gyula von Benozur, die goldene
Medaille für Kunſt dem Graphiker M. A. J. Bauer in
Amſterdem, dem Maler Paul v. Szinyei=Merſe in Peſt, dem
Bildhauer Reinhold Felderhoff in Charlottenburg, dem
Architekten Julius Habicht in Halenſee und dem Maler
Profeſſor Julius Bergmann in Karlsruhe verliehen.
* Königſtein, 15. Sept. Die Großherzogin
von Baden iſt heute nachmittag nach 14tägigem
Aufenthalt bei ihrer Mutter, der Großherzogin=Witwe
von Luxemburg, nach Karlsruhe zurückgereiſt.
Hamburg, 15. Sept. Senator Schemmann iſt
heute früh geſtorben.
** Hamburg, 15. Sept. Bei dem Einſturz eines
Neubaues in der Bartholomäusſtraße wurden ſieben
Perſonen verſchüttet. Bis halb 3 Uhr nachmittags
wurden zwei ſchwer verletzt geborgen. Einzelheiten
fehlen.
* Hamburg, 15. Sept. Bei dem Einſturz des
Neu=
baues in der Bartholomäusſtraße wurden ſieben
Arbei=
ter verletzt, davon drei ſchwer.
* Kiel, 15. Sept. Der Begründer der Kieler Zeitung,
Dr. Ahlmann, iſt heute vormittag im Alter von 93 Jahren
geſtorben.
* Kreuzburg (Oberſchleſien), 15. Sept. Der Kaiſer
hat auf ſeiner Reiſe nach Ungarn um 2,22 Uhr nachmittags
Kreuzburg paſſiert.
* Wien, 15. Sept. Die Direktion der Südbahn teilt
mit: Infolge Scheiterns der geſtrigen Verhandlungen hat
heute nacht zwiſchen 12 und 1 Uhr die paſſive Reſiſtenz auf
allen öſterreichiſchen Linien begonnen. Die Züge haben
bedeutende Verſpätungen. Der Perſonen= und
Schnell=
zugsverkehr iſt bereits in Mitleidenſchaft gezogen. Die
Sta=
tionen Matzleinsdorf, Marburg, Innsbruck, Kufſtein, Trieſt
und=Laibach leiden an großem Platzmangel.
* Amſterdam, 15. Sept. Das belgiſche
Königs=
paar, die Königin Wilhelmina und Prinz Heinrich der
Niederlande ſind hier eingetroffen; ſie wurden von der
Volksmenge begeiſtert begrüßt.
* Grandvilliers, 15. Sept. Der Leiter der großen
Manöver, General Michel, gab den ausländiſchen Offizieren
ein Frühſtück zu 60 Gedecken.
* Charleroi, 15. Sept. Geſtern nachmittag iſt die im
Bau begriffene Ausſtellungshalle
zuſammen=
gebrochen. Ein Arbeiter wurde von den einſtürzenden
Trümmern erſchlagen; drei Arbeiter wurden verletzt.
* Petersburg, 15. Sept. Die bakteriologiſche
Unter=
ſuchung der vorgeſtern unter Peſtwerdacht
einge=
lieferten Kranken ergab, daß es keine Peſteiſt.
H. B. Dresden, 15. Sept. Unterhalb von Dresden
wurde heute die Leiche der ſeit acht Monaten
ver=
mißten 19jährigen Emma Kunert aus Dresden an=das
Ufer getrieben. Hände und Füße der Leiche waren mit
Stricken zuſammengebunden. Ob Mord oder
Selbſt=
mord vorliegt, iſt noch nicht ermittelt.
H.B. Allenſtein, 15. Sept. Der größte Teil des
Dorfes Sabiellen iſt geſtern durch eine große
Feuers=
brunſt zerſtört worden. Vierzig Gebäude, große
Erntevorräte und viel Vieh ſind den Flammen zum
Opfer gefallen. Die Abgebrannten, von denen faſt
niemand verſichert war, ſind vollſtändig ruiniert.
— Zürich, 15. Sept. Durch die
Aufmerkſam=
keit eines Bahnwärters wurde ein
Sonder=
zug, mit 175 deutſchen Aerzten beſetzt, vor der
Ent=
gleiſung bewahrt. Ein Felsſturz hatte beim
Simplon=
tunnel fünf Minuten vorher eine Schiene verbogen.
Der Bahnwärter brachte den Zug rechtzeitig zum
Stehen.
H. B. Brüſſel, 15. Sept. Im=Hafen von Antwerpen
brennt ſeit heute Nacht das Transportſchiff
„Helene” das aus Buenos Aires gekommen war und
eine große Getreideladung an Bord hatte. Der
Scha=
den läßt ſich noch nicht ermeſſen, da das Feuer noch nicht
gelöſcht iſt.
H.B. Madrid, 15. Sept. Der Zivilgouverneur von
Murcia telegraphiert über die Erdſturzkataſtrophe
von Abanilla aus Konſtantinopel, daß dieſelbe viel
ſchlim=
mer iſt, als man anfänglich geglaubt hatte. Es ſind ſieben
Häuſer eingeſtürzt und fünfzehn in der Umgebung mußten
geräumt werden. 4 Leichen befinden ſich unter den
Trüm=
mern. Die Erde ſinkt fortwährend nach, ſo daß die
Rettungsarbeiten ganz unmöglich ſind. Eine 28 Jahre
alte Frau wurde, nachdem ſie etwa 10 Stunden in den
Trümmern eingeſchloſſen geweſen war, mit ihrem zwei
Jahre alten Kinde gerettet. Die Frau hatte ſchreckliche
Stunden durchgemacht. Ihr achtjähriges Kind, das nur
zwei Meter von ihr entfernt war, iſt verhungert, da es ihr
unmöglich war, dem Kinde zu Hilfe zu kommen.
— Petersburg, 15. Sept. In Charbin ſtach der
Rittmeiſter Fevre den Rittmeiſter Amtulajeff
nie=
der, der ihn in der Trunkenheit beleidigt hatte.
— Winnipeg, 15. Sept. Der Gräfin von Arnim
wurden im hieſigen Hotel Royal=Alexandria
Schmuck=
gegenſtände im Werte von mehreren tauſend Pfund
Sterling geſtohlen.
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Herzbeklemmungen haben nachgelaſſen und iſt auch
bezügl. der Diabetes ein Stillſtand zu verzeichnen.
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leidet, bekommt das Waſſer ſehr gut. Ein
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Hiermit die traurige Mitteilung, daß es
Gott dem Allmächtigen gefallen hat, meinen
lieben Gatten, unſeren Vater, Großvater, Bru=
(B17905
der, Schwager und Onkel
Herrn
Peter Wenz
Privatier
heute vormittag nach langem ſchweren Leiden,
im Alter von 79 Jahren, zu ſich abzurufen.
Um ſtille Teilnahme bitten
die trauernden Hinterbliebenen:
Marie Wenz Wwe., geb. Erker,
Joh. Wenz, Handelsgärtner,
Marie Vogel, geb. Wenz.
Darmſtadt, den 15. September 1910.
Die Beerdigung findet Sonntag, den 18.
Sep=
tember, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhauſe,
Beſſungerſtraße 43 aus, auf dem Beſſunger
Friedhofe ſtatt.
Nachruf.
Heute verschied nach längerem Leiden
Herr Wilhelm Venuleth
der Gründer unseres Werkes und Mitbegründer unserer Gesellschaft.
In dem Verstorbenen, bis vor wenigen Jahren Mitglied der Direktion, betrauern wir einen geschätzten
Berater und Freund, der durch seine reichen Erfahrungen und Kenntnisse sich die grössten Verdienste um unsere
Gesellschaft erworben hat.
Sein Andenken wird uns stets in dankbarer Erinnerung bleiben.
Darmstadt, den 15. September 1910.
(17921
Aufsichtsrat und Vorstand
der Aktien-Maschinenbau-Anstalt
vormals Venuleth & Ellenbergen
Son dir achartehiande eniht eite Feilage dir der
heutigen Stadtauflage dieſes Blattes beigefügt iſt.
Durch die ſtattliche Reihe vorzüglicher Romane, die „Die
Gartenlaube” aus der Feder erſter Autoren
veröffent=
licht, iſt ſie ſeit Jahrzehnten das beliebteſte deutſche
Familienblatt geworden. Ein bedeutungsvoller Roman
beginnt auch jetzt wieder in der „Gartenlaube”: „
Liebes=
tod” von Rudolph Stratz. Von dieſem feſſelnden
Roman berichtet die genannte Beilage, und wer jetzt die
beigegebene Beſtellkarte benutzt, kommt zum Beginn
(17886D
dieſes Romanes gerade zurecht.
Geſchäftliches.
Weltausſtellung Brüſſel 1910. Einen
großen Erfolg errang wiederum die Fabrik
landwirt=
ſchaftlicher Maſchinen Ph. Mayfarth & Co. Frankfurt a. M.
Ihr wurde im Wettbewerbe aller Induſtrieſtagten: dr
Welt der große Preis (Grand Prix) zuerkannt für die
ausgeſtellte Kollektion, insbeſondere für die hydrauliſche
Wein= und Obſtweinkelter mit Oberdruck und zwei aus=
(17917
fahrbaren Preßbieten aus Eichenholz.
Tageslalender.
Hoftheater, Anfang 7 Uhr (Ab. A): „Des Meeres
und der Liebe Wellen”.
Konzert um 8 Uhr im Hotel Heß.
Konzert um 8 Uhr im „Perkeo.”
Ausſtellung des Deutſchen Künſtlerbundes (geöffnet
v. 10 Uhr abſ. — Sonntags v. 1 Uhr ab Eintritt 50 Pfg.
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Grafenſtraße): Vorſtellungen von 3—11 Uhr.
Verſteigerungskalender.
Samstag, 17. September.
Mobiliar= ꝛc. Verſteigerung um 3 Uhr
Ludwigs=
höhſtraße 4.
Druc und Berlage z. 6. Pitichſche Solbuctunckert.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: i. V. Dr. Otto
Waldaeſtel; für den Inſeratenteil: Ji. Kroſt, ſämtlich in
Darmſtadt. — Für den redaktionellen Teil beſtimmte
Mitteilungen ſind an die „Redaktion des Tagblatts” zu
adreſſieren. Etwaige Honorarforderungen ſind
beizu=
fügen; nachträgliche werden nicht berückſichtigt.
Un=
verlangte Manuſkripte werden nicht zurückgeſandt.
Statt besonderer Anzeige.
Heute früh entschlief sanft nach langem Leiden mein innig geliebter
Gatte, unser treuer Vater, Schwiegervater, Grossvater, Bruder, Onkel und
(17922
Schwager
V Inemr-Vendfeth
im 72. Lebensjahre.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Ina Venuleth.
Darmstadt, den 15. September 1910.
Die Beisetzung findet Montag, den 19. September, nachmittags 4 Uhr, vom Trauerhause,
Wendelstadtstrasse 23 aus, statt.
Nummer 217.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 16. September 1910.
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daß eine elektriſche Bahnverbindung mit den=Orten der Bergſtraße baldigſt, und zwar unbedingt vor
Eröff=
nung des neuen Hauptbahnhofes hergeſtellt wird.
Sie richten deshalb an die Großherzogliche Bürgermeiſterei und Stadtverordneten=Verſammlung
das dringende Erſuchen, die Vorarbeiten nunmehr baldigſt zu beginnen und die Ausführung des für unſere
wirtſchaftliche Entwickelung ſo nötigen Projektes möglichſt zu beſchleunigen. Denn die ſeitherige, Darmſtadt
ſo ſehr ſchädigende Bahnpolitik zwingt gebieteriſch, das einzige bis jetzt noch verbliebene wirtſchaftlich gute
Hinterland an die Stadt heranzuziehen.
(17907
Sie erwarten daher, daß die immer wiederkehrenden Vertröſtungen auf die „kommenden
Ent=
ſcheidungen in den nächſten Monaten” endlich aufhören und der handel= und gewerbetreibenden Bürger”
ſchaft die beſtimmte Zuſage gegeben wird, daß es den maßgebenden Kreiſen ernſt iſt mit dem Bahnprojekt.
Denn die geſamte Darmſtädter Geſchäftswelt hat das größte
Intereſſe an der Verbindung mit der Bergſtraße, in deren Orten
mit die kaufkräftigſte Bevölkerung der ganzen Umgebung Darmſtadts
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Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 16. September 1910.
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Auf Hiebespfaden.
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(Nachdruck verboten.)
An dem lärmenden Gezwitſcher der Spatzen im
einzigen grünen Baum des kleinen Hofes aber merkte
Haſſingen doch, daß ein ſchöner Tag draußen war.
Ganz flüchtig durchzuckte ihn der Gedanke, daß ein
Regentag ihm beinahe erwünſchter geweſen wäre, —
ſo ein nüchterner grauer Tag überdämpft meiſt
über=
ſchäumende Gefühle.
Aber der Frühling, die Sonne! Dieſes Blühen und
Duften überall. Ihm wurde heiß, wenn er an den
ſonnendurchleuchteten Buchenwald dachte, an Helenens
ſcheue, zärtliche Mädchenaugen.
Er nahm die Karte wieder auf.
Ich freue mich ſo, das klang ſo rührend kindlich, ſo
ſehnſüchtig.
Nun, er würde nicht ſo grauſam ſein, ſie vergebens
warten zu laſſen, es wäre unritterlich gehandelt.
Freilich, die Folgen kamen auf ihr junges Haupt;
er lehnte innerlich jede Verantwortung für ſein eigenes
Tun ab, das der Wunſch dieſes Mädchens in Bahnen
lenkte, die er andernfalls nicht zu betreten gewagt hätte.
Er war es jedenfalls nicht, der das Rad ihres
Schick=
ſals inssRollen gebracht hatte. Damit verjagte er ſeine
letzten Bedenken.
Als am Nachmittag pünktlich zur verabredeten
Stunde Leutnant=Eſpach kam, um ihn abzuholen, fand
er in d beienchnunglitig, wie nur ein junger
Leutnant ſein kann, der im Begriff ſteht, auf ein kleines
Abenteuer auszugehen.
Er hatte lachende Augen, und ſeine Stimme klang
viel friſcher als geſtern.
Wehe Ihnen, Eſpach, wenn Sie mich im Glanz
Ihrer Uniform bei Helene ausſtechen — dann gibt’s
ewige Feindſchaft zwiſchen uns.
Dabei muſterte er im Spiegel über dem
Schreib=
tiſch noch einmal ſeine ſchlanke, hohe Geſtalt im
dunkel=
grauen Zivilanzug, ſein ſchmales, hübſches Geſicht über
dem lächerlich hohen, blendendweißen Stehkragen, von
dem kecken, grünlichen Filzhut leicht beſchattet.
Eſpach klopfte ihm auf die Schulter.
Sind ja auch in Zivil ein famoſer Kerl, Haſſingen,
und wenn man erſt mal ſo verliebt iſt, wie Ihre Kleine
zu ſein ſcheint — dann tun ja Kleider nichts mehr zur
Sache.
Er ſtülpte die Mütze auf den ſchwarzen,
wohl=
friſierten Kopf.
Nu kann’s wohl losgehen.
Vorher gab’s noch einen Abſchied von Bella, die
heut', da ſie als ſtörend zum Daheimbleiben verurteilt
wurde, natürlich ſchweifwedelnd zur Stelle war.
Als ſie die böſe Abſicht ihres Herrn merkte, ſtieß
ſie heulende Klagetöne aus, aber es nutzte ihr nichts.
Die Tür ſchlug zu, die Glocke draußen bimmelte,
ſie war allein.
Die beiden Offiziere umfing in wenigen Minuten
das lauſchige, grün=goldige Dämmer des
Buchen=
waldes.
Beider Augen ſpähten aufmerkſam durch das junge,
grüne Laub, und ſie lächelten, als der Schall von
Mäd=
chenſtimmen und Gelächter von unten herauf klang.
Die Grotte, an der ſie nun vorüberſchritten, war
leer; ſie bogen aufs Geradewohl links ab, und im
näch=
ſten Moment drückte Haſſingens Arm ſich feſter auf den
des Gefährten. Ihnen entgegen kamen langſamen
Ganges die beiden Freundinnen. In duftige, weiße
Kleider gehüllt, gleichfarbige große Mullhüte über den
friſchen, jungen Geſichtern, ſchienen ſie wie eine
Ver=
körperung des Frühlings, der um ſie her grünte und
blühte. Die unberührte Friſche der allererſten Jugend
ſtrömte von ihnen aus und verlieh ihnen einen
unbe=
ſchreiblichen Reiz. Haſſingens ſtark ausgeprägtes
Schönheitsgefühl war vollauf befriedigt.
Eſpach urteilte noch kühler und kritiſcher. Die
überſchlanke Braunhaarige miſt den ſeltſam ſchräg‟
ſtehenden Augen war nicht ſein Geſchmack, aber die
große Blonde ſchien ihm doch eines näheren Studiums
wert. Sie ſah ihn mit ihren hellen, rötlich
bewimper=
ten Augen ſo ruhig und aufmerkſam mit einer kleinen
Beimiſchung von Amüſement an, als wolle ſie ſagen:
Sieh da, der ſoll wohl für mich ſein. Nun da bin ich
doch neugierig, ob er mir gefallen wird.
Ihm gefiel vor allem beim erſten Eindruck ihre
ſtraffe, ſelbſtbewußte Haltung, ihr ſicheres Auftreten.
Seite 10₰
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 16, September 1910.
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Während Haſſingen ihn den jungen Damen
vor=
ſtellte, fand Eſpach es unbegreiflich, wie man neben
Lisbeth die andere beachten konnte.
Helene errötete heftig, als Haſſingen ihr die Hand
reichte, aber Lisbeth hielt den Moment für angebracht,
ihren und der Freundin Namen zu nennen, uund zeigte
ſich nur etwas befangen bei der Selbſtverſtändlichkeit,
mit der Eſpach ſie ſofort in Beſchlag nahm. Aber das
verflüchtigte ſich raſch.
Sie ging bald lebhaft plaudernd mit ihm weiter,
während das andere Pärchen langſamer nachfolgte.
Ueber ihnen wölbte ſich das zarte, junge
Buchen=
laub wie ein grün=goldenes Dach, aus dem zuweilen
ein Sonnenpfeil niederzuckte und vor den Füßen der
Dahinſchreitenden auf= und abtanzte. Im Dickicht zur
Seite und über ihnen klang ein Gewirr unklarer.
Tierſtimmen, ein Singen, Zwitſchern, Zirpen und
Summen, ein Wiſpern und Raunen, all die Laute der
frühlingsberauſchten, keimenden, vom Liebesleben der
Natur erregten Erde.
Auch Haſſingens ruhiges Blut, das er bei jeder
Gelegenheit zu betonen pflegte, begann raſcher und
„heißer durch ſeine Adern zu fließen, als er neben dem
jungen Mädchen herſchritt, mit dem ſeine Phantaſie
ſich in öden Krankheitstagen mehr als gut war
beſchäf=
tigt hatte.
Sie erſchien ihm heut’ ſehr reizend in dem duſtigen,
weißen Kleidchen, aus deſſen herzförmigem Ausſchnitt
ihr Hals ein wenig mager, aber von der glatten, roſigen
Haut geſunder Jugend überſpannt, im Nacken ven
goldbraunen Härchen umkrauſt, hervorſtieg.
Welch” bezaubernde Kindlichkeit und Anmtt ſie
umfloß!
Er dachte an ihre Karte mit dem rührenden: Ich
freu’ mich ſol, und eine große Zärtlichkeit miſchte ſich
in die Erregung ſeines Blutes und ſprach aus ſeiner
Stimme, als er ſagte:
Ich danke Ihnen auch für den Morgengruß,
Fräu=
lein Helene.
Oh! Sie wurde glühendrot und wich ſeinem Blicke
aus. Ich — es war ein Scherz —
Er half ihrer Verlegenheit, die ſie vergeblich nach
einer Entſchuldigung für ihr Tun ſuchen ließ.
Ich dachte, es wäre Ihr Ernſt, daß Sie ſich auf heut’
freuten.
Sein vorwurfsvoller Ton veranlaßte ſie, ihm raſch
ihr heißes Geſichtchen zuzuwenden.
Seine Augen, den ihren begegnend, hielten ſie
ge=
bannt. Ein merkliches Zittern überlief ſie.
Haben Sie ſich gefreut, Fräulein Helene? Ja oder
nein?
Jal hauchte das Mädchen.
Nun ſah ſie ihm freiwillig voll ins Geſicht, und
dabei breitete ſich plötzlich wieder jene faſt überirdiſche
Seligkeit über ihre Züge, die ihm am Tage vorher ein
faſt unbehagliches Empfinden bereitet hatte. Heut’
durchrann ihn ein Rieſeln des Glücks.
Wie geblendet den Blick ſenkend, ſagte er mit
be=
deckter Stimme:
Wir haben ja beide lange genug auf dieſe Freude
warten müſſen, nicht wahr? Deshalb dürfen wir ſie uns
jetzt auch ohne Scheu eingeſtehen. Es iſt nur ſehr traurig,
daß die Gelegenheit, uns zu ſprechen, eine ſo beſchränkte iſt.
Sehr traurig! wiederholte ſie; dann, nach einer
klei=
nen Pauſe, ſetzte ſie hinzu:
Aber es iſt doch ſchön, daß wir uns wenigſtens kennen
gelernt haben. Der Zufall ſpielt doch oft wunderbar.
Ja, beſonders wenn man ihm zu Hilfe kommt! lachte
der junge Offizier mit ſchalkhaft blitzenden Augen. Denken
Sie vielleicht, ich habe mich aus Geſundheitsrückſichten mit
meinem ſchlimmen Knie in die ſchattige, kühle Grotte
ge=
ſetzt. Mir ſagte eine innere Stimme, daß Sie vom
Ten=
nisplatz aus eine Exkurſion in die Anlagen hinauf
unter=
nehmen würden und daß Sie zu dieſem Zweck an meinem
Wachtpoſten vorbei mußten.
Ihr machte es ſichtlich große Freude, daß er ihr ſeinen
Feldzugsplan von geſtern verraten, obgleich ſie als
Ant=
wort nur ein kurzes, verlegenes Auflachen hatte.
Soeben traten ſie aus dem ſchattigen Laubengang auf
einen freien Felſenvorſprung, der einen weiten Blick in
die ſonnenüberſtrahlte Ebene geſtattete. Grünende Felder,
ſo weit das Auge reichte, nur zuweilen von dem ſatten
Gelb blühenden Rapſes unterbrochen. Die letzten
Aus=
läufer des Städtchens lagen in rotbedachten Häuschen zu
ihren Füßen; ein Eiſenbahnzug ſchlängelte ſich ſoeben
zwi=
ſchen den blühenden Vorgärten hindurch und verhüllte ſie
mit weißen Rauchwolken.
Die Augen des jungen Mädchens ruhten lächelnd auf
den dahinrollenden Wagen.
Du, Lisbeth! rief ſie zu der Freundin hinüber, die
eben im Begriff ſtand, ſich mit Leutnant Eſpach auf die
eine der zum Genießen der Ausſicht hier aufgeſtellten Bänke
zu ſetzen, dort unten geht wieder einmal ein Zug ohne
uns in die Welt hinaus.
(Fortſetzung folgt.)
Nummer 217.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 16. September 1910,
Seite 11.
Amtliche Nachrichten des Großherzoglichen Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde.
In polizeilicher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 3 Pinſcher, 1 Jagdhund.
Die Hunde lönnen von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden
Werk=
tag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
Bekanntmachung.
Im Intereſſe des ungehinderten Fußgängerverkehrs auf den Fußſteigen iſt
das Befahren der Fußſteige mit Fuhrwerken jeder Art (auch Handwagen) bei
Strafe verboten. Ausgenommen von dieſem Verbote iſt, ſoweit hierdurch der
Fuß=
gängerverkehr nicht gehindert wird, die Beförderung von Kindern in Kinderwagen und
von Kranken in Krankenwagen (Fahrſtühlen), jedenfalls dürfen niemals 2
Kinder=
oder Krankenwagen gleichzeitig nebeneinander auf dem Fußſteig aufgeſtellt oder
fortbewegt werden.
Die Schutzmannſchaft iſt zur Ueberwachung angewieſen und wird namentlich
gegen das die Fußgänger in hohem Grade gefährdende Abwärtsfahren der Kinder
mit Sportwagen u. dergl. auf den Fußſteigen ſteiler Straßen einſchreiten.
Darmſtadt, den 12. September 1910.
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Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Dr. Kranzbühler.
Lieferungsvergebung.
Die Anlieferung nachverzeichneter Gegenſtände für die Zeit vom 1. November 1910
bis dahin 1911 ſoll auf dem Wege öffentlichen Angebots vergeben werden:
1. 15000 Kilo Weizenkleien und Schalen.
2.
300 Zentner Stroh.
Hafer.
20
600
600 Meter Baumwollflanell.
100
weiß Baumwolltuch.
100
Schürzenzeug.
Köper, Oxford.
100
100
Kittelzeug.
Druckzeug.
10. 100
Kleiderſtoff.
11. 150
24. 1800 Kilo Petroleum.
25. 800 „ Seife.
26. Backwaren.
27. Fleiſch= und Wurſtwaren.
28. 150 Liter Salatöl.
29. 1200 Kilo Kochſalz.
30. 500
weiße Bohnen.
1. 300 Liter Speiſeeſſig.
32. 500 Kilo Erbſen.
133. 500
Gerſte.
134. 650
Kaffee.
137. 400
38. 1000
139. 250
140. 400
41. 250
136. 400 Kilo Haferflocken.
Linſen.
Mehl.
Nudeln.
Reis.
Sago.
Gries.
Speiſekartoffeln.
1 Stück Moleskin (Lederzeug).
135. 10000. Eier.
13. 300 Meter Sarſenet.
Wolletuch.
14. 150
15. 500
verſchied. Leinen.
Matratzendrell.
16. 100
Gummiſtoff.
17. 40
18. 100 Kilo Roßhaare.
19. 50 Meter Molton zu Betteinlagen. 142. 500
20. 20 Dutzend Taſchentücher.
43. 6000 Liter Bier in Flaſchen und
21. 30 Kilo Strickwolle.
Fäßchen.
22. 200 Meter Putzlumpen.
44. 350 Kilo Zwetſchenmus.
23. 100 Kilo Sohlleder.
Die Lieferungsbedingungen und Muſter ſind auf dem Geſchäftszimmer des
Großh. Rechners und Oekonomen in der Anſtalt am 20. und 21. ds. Mts. in den
üblichen Geſchäftsſtunden einzuſehen, außerdem können erſtere nach auswärts gegen
Erſtattung der Schreibgebühr geſandt werden.
Schriftliche Angebote mit der Aufſchrift „Lieferungsvergebung” ſind
bis zum 6. Oktober, vormittags 11 Uhr,
entweder mit der Poſt einzuſenden oder in den im Beamtenhauſe der Anſtalt
auf=
gehängten Briefkaſten einzulegen.
Die einzureichenden Muſter müſſen getrennt von den Angeboten verpackt und
ntſprechend bezeichnet ſein.
(17869
Eröffnungstermin 7. Oktober, vormittags 11 Uhr,
Zuſchlagsfriſt: 20 Tage.
Aliceſtift bei Darmſtadt, am 13. September 1910.
Großherzogliche Anſtalts=Verwaltung.
Die Anfuhr von reinem Grund
nach dem Gelände zwiſchen Stirnweg und
neuem Bahnhof, ſowie von Bauſchntt in
den Dornheimer Weg unterhalb der
Mit=
telſchneiſe, kann von unterzeichnetem Amte
bis auf Weiteres geſtattet werden. (17884
Erlaubnisſcheine ſind bei dieſem
einzu=
holen.
Städtiſches Tiefbauamt.
Bekanntmachung.
Freitag, den 23. September 1910,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die dem Hermann Geyer II. in
Eber=
ſtadt in der Gemarkung Beſſungen
zuge=
ſchriebene Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
I 225 230 Hofreite Sandſtraße
(Sandbergſtr. 45),
in unſerem Geſchäftszimmer,
Wittmann=
ſtraße 1, zwangsweiſe verſteigert werden.
Die Genehmigung der Verſteigerung
wird auch dann erfolgen, falls ein der
Schätzung entſprechendes Gebot nicht
ein=
gelegt wird und andere rechtliche
Hinder=
niſſe nicht entgegenſtehen.
Darmſtadt, den 31. Auguſt 1910.
Großherzogl. Ortsgericht Darmſtadt II.
(Beſſungen.)
Frantz. (D16992,5
Bekanntmachung.
Freitag, den 23. September I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Bierbrauereibeſitzer Georg
Friedrich Diehl Eheleuten dahier
zuge=
ſchriebene Liegenſchaft:
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35 149//10 212
HofreitehintermBan=
gert, jetzt
Heinhei=
merſtraße Nr. 77,
in unſerem Bureau zwangsweiſe verſteigert
(K52/10
werden.
Falls andere rechtliche Hinderniſſe nicht
entgegenſtehen, kann Genehmigung der
Ver=
ſteigerung auch dann erfolgen, wenn das
eingelegte Meiſtgebot die Schätzung nicht
erreicht.
Darmſtadt, den 29. Auguſt 1910.
Großherzogliches Ortsgericht Darmſtadt I
Müller. (D16991,5
Montag, den 19. September,
vormittags 11 Uhr,
werden etwa 80 cbm alte
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Nummer 217.
Seite 12.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 16. September 1910.
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Nähen, ſucht Stelle zu Kinder od. in kleinen
Haushalt. Näheres Langegaſſe 8.
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auch halbe Tage oder ſtundenweiſe, Mädchen,
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bis zum 1. Okt. Stellg., derſelbe geht
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Offert. unt. I14 an die Exped. (*22636fs
mit einjähriger Vor=
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Beſchäf=
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T18 an die Exp. ds. Bl. (*22658fs
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Aſpirant, z. Zt. Einj.=Freiw., ſucht zum
1. Okt. Stellung auf einem Bureau eines
Rechtsanwalts, Gerichtsvollziehers ꝛc. Off.
unter T 23 an die Exp. ds. Bl.
verh., ſucht Vertrauensſt.,
Sol. Manll Lageriſt, Bureaudiener
dgl. per 1. Oktober. — Offerten unter T 3
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an die Expedition ds. Bl.
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und Krankenpfleger, 1,56m gr., mit guten
Zeugniſſen, ſucht Stelle. Offerten unter
P 21 an die Exp. ds. Bl.
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31 Jahre alt, ſucht Stellung. Offert. unt.
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nachmittags von 2—5 Uhr für Hausarb.
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*2632) Ein braves Kindermädchen für
tagsüber geſucht
*22632) Wendelſtadtſtraße 15, 2. Stock.
*22050) Auf 1. Okiober ſuche ein
zuver=
läſſiges, nicht zu junges Mädchen
Frau Koch, Emilſtraße 28.
(250) Suche Rbchinen, daus u.
Mlein=
mädchen, ſowie 1 Kochlehrfräulein ſof und
1. Oktober Frau Weißmantel,
Arbeits=
nachweis, Eliſabethenſtraße 37.
*2680) Suche Jungfer, Köchinnen,
Haus=
mädchen in Herrſchaftshäuſer, Mädchen, w.
kochen, zu zwei Perſonen, 30 Mk. monatlich,
Alleinmädchen in gut. Privat= u.
Geſchäfts=
häuſer, beſſeres Kindermädchen, Küchen= u.
Spülmädch. f. ſof. u. 1. Okt. Frau Dingeldein,
Stellenbureau, Schützenſtraße 10½, Tel. 531.
*22660) Mädchen, die kochen können und
and. Mädch. erhalten die beſt. Stell., hoh. Lohn
Stellenbureau Röſe, Karlſtraße 53.
*22608fs) Jüngere, geprüſte Pflegerin
(kath. bevorz.), zu einer Dame ſofort geſucht.
Offerten mit Zeugniſſen unter T 7 an
die Expedition dieſes Blattes erbeten.
17913) Saub., beſ., nicht zu junges ev.
Mädchen
findet per ſofort gegen Koſt (ohne ſonſtige
Vergütg.) leichte Stelle in kl. Familie
bei voll. Familienanſchluß. Vorzuſtellen
nachmittags. — Zu erfragen in der
Expedition dieſes Blattes.
Gesucht
Haushälterin mit beſten Empfehlungen,
gerfekt in feinbürgerlicher Küche und
be=
fähigt, den Hausſtand eines älteren Herrn
ſelbſtänd. zu leiten. Für den gleich. Haush.
gewandtes, ordentliches Hausmädchen.
Zu melden bei Frau Else Zahn,
Bis=
marckſtraße 72.
(*22673fs
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 16. September 1910.
Seite 13.
ist Trumpf
Trinkt Bims, wo Plakate
Vertr. an allen Plätzen gesucht
Anton Heinen, Pforzheim.
Buchalter
bilanzſicher, für amerikan. Buchführung in
Nachmittags= oder Abendſtunden ſofort
ge=
ſucht. Offerten mit Gehaltsanſprüchen pro
Stunde u. Zeitangabe unter § 45 an die
Expedition erbeten.
(17713mdf
*22607fs) Junger, ſtellenloſer Mann,
aus achtbarer Familie mit ſchöner
Hand=
ſchrift, aushilfsweiſe für ein hieſiges Büro
geſucht. Offert. m. Zeugn., Angabe d. Alters u.
Gehaltsanſpr. unt. T 6 an die Expedition.
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Patent=
amtl. angemeld. Off. erb. Poſtlagerkarte 21,
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17723a) Tücht. Schneidergehilfe ſofort
dauernd geſucht. Karlſtraße 29.
Zimmerleute, auch
einige Schreiner
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Kaſernen=
bauten in Hanau. Näheres an der
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Darmstadt.
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Nummer 217
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 16. September 1910.
Das Weinmuſenm in Speyer.
*⁎* Eines der originellſten Muſeen, die wohl unſer
an Muſeen reiches Deutſchland beſitzt, iſt das
Wein=
muſeum der alten Reichsſtadt Speyer, das dem
hiſto=
riſchen Muſeum der Pfalz angegliedert iſt und in dem
prächtigen Neubau Gabriel von Seidls mit
Unter=
kunft gefunden hat. Zum erſtenmal iſt hier an den
Ufern des rebenreichen Rheines eine reiche Sammlung
zuſammengebracht, die in ſinnfälliger Form die
Ge=
ſchichte des edlen Weinbaues und ſeine Bedeutung für
die Kultur darſtellt. Daß gerade in der Pfalz ein
ſolcher Verſuch unternommen wurde, iſt darin
begrün=
det, daß wir hier auf einem Boden ſtehen, der ſeit den
Römerzeiten für die Geſchichte des Weinbaues wichtig
war und noch heute das umfangreichſte Weinbaugebiet
des Deutſchen Reiches iſt. Das Weingelände der
Rhein=
pfalz iſt nicht nur größer als das des Moſelgebietes
und des Rheingaues, ſondern es hat auch häufig die
edelſten und koſtbarſten unter den deutſchen Weinen
hervorgebracht.
Dr. Friedrich Baſſermann=Jordan, der in Ueber
Land und Meer dem Speyerer Weinmuſeum einen
an=
regenden Artikel widmet, führt zum Beweiſe für die
hohe Qualität der Pfälzer Weine die Preiſe an, die
bei den diesjährigen Weinverſteigerungen für die
teuerſten Weine des Jahrganges 1908 gezahlt wurden:
in Rheinheſſen pro 1200 Liter 5360 Mk., an der Moſel
pro Fuder, gleich ca. 1000 Liter, 6400 Mk., im Rheingau
pro 1200 Liter 8800 Mk., in der Rheinpfalz pro 1000
Liter 10 400 Mk. Die Rheinpfalz hatte alſo 1908 den
beſtbezahlten Wein geliefert. Das Muſeum in Speyer,
das am 22. Mai 1910 durch den Prinzen Rupprecht von
Bayern feierlich eröffnet wurde, iſt im weſentlichen ein
Werk des um den Pfälzer Weinbau hockverdienten
Re=
gierungspräſidenten von Neuffer und des
Ehrenkon=
ſervators am Hiſtoriſchen Muſeum der Pfalz,
Regier=
ungsrat Berthold. In den heimlichen, kellerartigen
Gewölben, die dem Weinmuſeum eingeräumt ſind, ſteigt
mit der behaglichen Erinnerung an manch ſchöne, beim
Wein verbrachte Stunde jene altehrwürdige Kultur
vor uns herauf, die ſo eng mit dem Anbau der
Reben=
pflanze verknüpft iſt. Ruhig läßt der Rhein ſeine
grünen Wellen vorbeiſtrömen, in denen ſich der
pracht=
volle Chor des Speyerer Domes ſpiegelt, und
gegen=
über in den Grüften des herrlichen Baues ruhen die
Kaiſer und Könige aus Deutſchlands großer Zeit. So
iſt die rechte Stimmung geſchaffen, um ſich in die
Be=
trachtung der mannigfachen, von Freude und Rauſch
der Vergangenheit kündenden Geräte zu vertiefen.
Baluchige griechiſche Amphoren bilden den
Vor=
klang in den Stadien der Verehrung, die der ſchönen
Bacchusgabe ſtets gebracht worden ſind. Eine reiche
Kollektion römiſcher Weingeräte folgt. Die Römer, die
ja, wenn auch nicht den Weinſtock, ſo doch die
Wein=
kultur nach dem linken Rheinufer brachten, haben hier
die Grundlage des noch heute blühenden Anbaues
ge=
legt. Winzergeräte aus der Römerzeit ſind dem
pfälzi=
ſchen Boden wieder entſtiegen, bronzene Weinfilter,
römiſche Faßkannen aus Glas, die auch ſchon die Form
eines Holzfaſſes haben, und Glasgefäße zum Gebrauch
bei der Tafel, Krüge und Becher aus römiſcher Terra
sigillata, endlich Tongefäße aller Art von der rieſigen
Amphora und dem dickvauchigen Dolium bis zum
win=
zigen Zierfäßchen und den eleganten geſchwärzten
Weinbechern aus der Zeit des Kaiſers Probus, auf
denen kurz und treffend der koſtbare Inhalt mit dem
Wort „Leben” angegeben wird, oder eine verführeriſche
Inſchrift die Bitte ausſpricht: „Gib mir Wein”.
Aller=
lei Münzen erinnern auch ſonſt an den um den
Wein=
bau beſonders verdienten Kaiſer Probus (276—282).
Das originellſte Stück der Römerſammlung bildet
eine gläſerne Amphora aus der Zeit Konſtantins, die noch
heute zu drei Vierteln mit altem römiſchem Wein gefüllt
iſt. Das mehr als anderthalb Jahrtauſende alte Getränk,
das in einem Steinſarkophag bei Speyer gefunden wurde,
leuchtet in einer unbeſchreiblich ſchönen Patina ähnlich
römiſchen Goldbarren. Die chemiſche Analyſe hat
erwie=
ſen, daß die Flüſſigkeit, die ſiö Lurch eine verharzte
Oel=
ſchicht konſerviert hat, tatſächlich eus Wein beſteht. Aus
dem Mittelalter ſind Gefäße aller Art erhalten,
merowin=
giſche und fränkiſche Weingläſer, Tongefäße der
romani=
ſchen und gotiſchen Zeit, große Mengen faſſende Behälter
aus Meſſing, Zink und Glas. Mit dem 1. Jahrhundert
treten dann die Holzgeräte, die ſich aus noch älterer Zeit
kaum erhalten haben, in prächtigen Stücken auf. Vor allem
die Holzkeltern, die von ſpäterer Umarbeitung völlig
frei=
gebliebenen großen Spindelpreſſen, ſind in der Speyerer
Sammlung ſchon heute ſo reich vertreten, wie ſie wohl kein
anderes Muſeum je zuſammenbringen wird. Eine
beſon=
dere Rolle ſpielen die Holzfäſſer und die Küfergeräte, die
in ihren vielgeſtaltigen Verzierungen und Aufſchriften von
der unendlichen Weinliebe jenes „grobianiſchen”
Zeit=
alters erzählen, und Zeugen einer beachtenswerten, heute
völlig untergegangenen Volkskunſt ſind. Die Faßböden und
die Faßriegel, die Hobel und die Riſſer, ſie zeigen alle
Schnitzereien, Wappen, Namenszüge, auch Bilder von
Weinheiligen und von bekannten Perſönlichkeiten. Auf
einer Serie von Faßböden aus dem Anfang des 19.
Jahr=
hunderts ſind ſogar die Bildniſſe Napoleons I. und ſeiner
verbündeten Gegner zu ſehen. Die Prunkſtücke der
Samm=
lung ſind zwei Rieſenfäſſer aus dem Beſitze des um die
Entfaltung unſerer klaſſiſchen Literatur ſo hochverdienten,
mit Goethe und Schiller befreundeten Fürſtprimas von
Dalbera, des Großherzogs von Frankfurt. Eine Fülle von
Gegenſtänden, die von Weinbau, Weinbereitung und
Weinhandel erzählen. laſſen ahnen, welche Rolle der
Rehen=
faſt im Leben der Altvorderen ſpielte. Da locken alte
Wirtshausſchilder noch heute mit ihren Sprüchen, die ſo
gemütvoll einen Labetrunk verhießen, da wird die Poeſie
alter Weinkeller hervorgezaubert durch die wunderlich
geformten Kellerleuchter, die Laternen, Heber,
Probier=
geräte uſw. An den Wänden der Säle geben alte
Kupfer=
ſtiche und ſonſtige Anſichten ein Bild von den
Hauptwein=
orten der Vergangenheit, und von der Weisheit der
Wein=
kenner und Weintrinker kündet eine Bibliothek der
wich=
tigſten hiſtoriſchen Weinliteratur.
So erzählt dies ganze, einzigartige Muſeum von den
Herrlichkeiten des Weines, in dem ſo viele Denker und
Dichter Wahrheit, Weisheit und den Sinn des Lebens
ge=
funden haben.
Vermiſchtes.
* Ein Blick in die Pariſer Unterwelt. Mit
wach=
ſender Sorge ſehen zahlreiche Pariſer in die Zukunft,
ſo oft eine neue Linie der Untergrundbahn dem
Ver=
kehr übergeben wird. Was ſoll nur daraus werden,
wenn die Unterhöhlung des Grund und Bodens,
wor=
auf ſie bisher in ſicherer Ruhe lebten, von Jahr zu
Jahr weiter um ſich greift, wenn immer neue
Tun=
nels und Kanäle ſich den ſchon vorhandenen
hinzu=
geſellen und die Fundamente der Hauptſtadt nach und
nach in eine wurmſtichige Diele verwandeln? Steht
nicht zu befürchten, daß eines ſchönen Tages ganze
Stadtviertel in dem Rieſenabgrunde verſchwinden,
der ſich unter der Schaufel der Erdarbeiter langſam,
aber ſicher zu bilden droht? Die ängſtlichen Sorgen
dieſer armen Leute werden keineswegs beruhigt,
viel=
mehr erheblich geſteigert werden, wenn ſie den
Be=
richt zu leſen bekommen, den ein Ingenieur der
Nord=
ſüdbahn über die Arbeiten an der neuen Linie Porte
de Verſailles-Notre Dame de Lorette veröffentlicht.
Man erfährt daraus, daß die Phantaſie der Baumeiſter
ſich diesmal nicht damit begnügte, einfache
Maulwurfs=
gänge, in denen die Züge verkehren, wie bei den
übri=
gen Linien der Untergrundbahn, anzulegen, ſondern
ihren Wirkungskreis erweiterte und den erſten
Schritt zur Schöpfung einer regelrechten
unter=
irdiſchen Stadt verſucht hat. Man höre und
ſtaune! Unter der Place du Havre öffnet ſich eine
rie=
ſige gewölbte Halle, die ſich nach ihrer Vollendung mit
glänzenden Kaufläden ſchmücken wird und worin die
erſten Pariſer Geſchäftshäuſer ihre Waren zur Schau
zu ſtellen und ſtändige Ausſtellungen zu veranſtalten
gedenken. Daneben befinden ſich ſelbſtverſtändlich alle
übrigen Bahnhofseinrichtungen. Fahrkartenſchalter,
Zeitungsverkaufsſtände, Buchhandlungen,
Tabak=
bureaus uſw. Da die Halle gleichzeitig eine Paſſage
für Fußgänger bildet, die ſich der ewigen Drohung des
Ueberfahrenwerdens durch Automobile und andere
Fahrzeuge entziehen möchten, ſo wird es in dieſem
Rieſenkeller vorausſichtlich auch ein buntes Leben,
einen lebhaften Verkehr, eine durcheinander wogende
Menſchenmenge, Reklamegeſchrei und blendendes
Licht=
meer geben. Kurz, im großen ganzen das nämliche
Bild des Großſtadtbetriebes, wie es ſich ein Stockwerk
höher an der Oberfläche der Straße abſpielt. Welch
phantaſtiſches Zauberſpiel: ein Paris über dem
an=
deren! Und doch wiederum kein leerer Traum, da
ſeine Verwirklichung in ziemlich naher Ausſicht ſteht!
Aber wer ſagt uns, daß es dabei ſein Bewenden haben
wird? Hat man erſt einmal hiermit angefangen, dann
gibt es auch kein Halt, kein Zurück mehr. Ein anderer
Ingenieur wird kommen, dem dieſe unterirdiſche
Mi=
niaturausgabe Pariſer Lebens nicht mehr genügt, der
um einen ſolchen Platz herum Straßen mit
Gaſt=
häuſern, Theatern, Vergnügungsſtätten anlegen wird!
Der Gedanke läßt ſich kaum ausdenken, ſo
ſinnver=
wirrend erſcheint er. Vielleicht dürften in gar nicht
illzu ferner Zeit die Aeroplane trotz ihrer
Unſicher=
heit und Gebrechlichkeit die letzte Zuflucht derjenigen
verden, die ſich über die endloſen Buddelarbeiten und
die dadurch verurſachte Baufälligkeit des Pariſer
Bo=
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ein. Die Proben finden Dienstag, abends 8 Uhr, im Gemeindehauſe, Kiesſtraße 17,
ſtatt. Jahresbeitrag 3 Mk. Auch der Beitritt von nichtaktiven (unterſtützenden)
Mitgliedern, denen bei den Aufführungen reſervierte Plätze zuſtehen, iſt im Intereſſe
der dem Verein geſtellten Aufgaben ſehr erwünſcht; Jahresbeitrag mindeſtens 2 Mk.
(17866
Nähere Auskunft erteilt
Der Vorſtand:
Lehrer Borngäſſer. Frau Landgerichtsrat Cellarius. Pfarrer D. Diehl. Frau Geh.
Medizinalrat Dr. Draudt. Prälat D. Flöring. Profeſſor G. Heil. K. Heinzerling.
Oberpoſtſekretär Pabſt. Geh. Oberkonſiſtorialrat D. Peterſen. Geh. Hofrat Dr. Städel.
Reallehrer Stephan. Pfarrer Velte. Pfarrer Vogel. A. Waitz.
agte: Ihrer Gewohnheit
gemäss trinken Sie ruhig
Ihre Flasche Hessenbräu
jeden Tag, denn dieses
Bier ist bekannt als ein
wohlbekömmliches Stär.
kungs= u. Nahrungsmittel.
(7912
Sonntag, den 18. September, abends 8 Uhr,
im „Feierabend” Stiftſtraße Nr. 47,
zum Beſten der Unterſtützungskaſſe des
Evan=
geliſchen Arbeiter= und Handwerker=Vereins.
Mitwirkende: Fräulein Luiſe Sturmfels (Sopran) und Fräulein Wilhelmine
Weinmann (Klavier), die Herren Stadtorganiſt Borngäſſer (Klavier), Kapellmeiſter
Landwich (Cello), Opernſänger Scheuermann (Tenor), Pfarrer Vogel (Vortrag) und der
Gemiſchte Chor des Evang. Arbeiter= und Handwerker=Vereins (Dir. Lehrer A. Schäfer).
Eintritt: Sperrſitz 2 Mk., 1. Platz 1 Mk., nichtnumerierter Platz 50 Pfg.
Vorverkauf der Karten bei Herrn Friſeur Reeg, Stiftſtraße 44½ und Hausverwalter
Friedrich, Stiftſtraße 47. (17918) Kaſſenöffnung am Sonntag 7 Uhr abends.
„Gesangverein Liederzweig‟
Protektorin: Ihre Königl. Hoheit Großherzogin Eleonore
Sonntag, den 18. September:
Spaziergang nach Messel
Einkehr bei Gastwirt Heberer; daselbst
gemütliches Zusammensein mit TANZ
Abmarsch: präzis 2 Uhr von Ecke Dieburger- u. Taunusstr.
Um zahlreiche Beteiligung ersucht
Der Vorstand.
Alexanderstrasse 12 u. 14
Vom 15. bis 30. September, allabendlich 8 Uhr
das grosse Variété- und
Glückste
Theater-Programm der
(17910a
Samstag, den 17. September, abends 8 Uhr:
Geburtstagsfeier Ihrer Königl. Hoheit
im Schützenhof
mit Konzert, Gesang etc., Vorträge u. Tanz
wozu wir unſere Mitglieder, ſowie Freunde und Gönner des Vereins einladen
Eintritt frei!
(17883)
Der Vorſtand.
Smär htee
eenre re he e e re ere e e re he e e e e e ehe
Hotel-Restaurant Dritannia
empfiehlt
und höher
Diners zu 1.50 Mk. von 12 bis 3 Uhr
:: im Abonnement Vorzugspreise :
zu mässigen
Fertige Abendplatten Preisen:
Moderne Räume und Säle für Gesellschaften und Hochzeiten
Rudolf Reuter, Hoflieferant.
Se n eeeeeneeee he eetr
Restaurant Brauerei Fay
23 Alexanderstrasse 23
Bier vom Fass Vorzügliche Küche Mässige Preise
Carl Gröltz, Inhaber.
120a)
estauration
empfiehlt guten Mittagstisch in verschiedenen
Preislagen, sowie reichhaltige Speisenkarte.
Kleine Abendplatten für Theaterbesucher.
Pilsener — Münchener — hiesiges Bier.
Neuzeitliche Räume. — Aufmerksame Bedienung.
Reparaturen aller Syſteme werden unter langjähriger fachmänniſcher
Leitung prompt und gewiſſenhaft ausgeführt. Stets Gelegenheitskäufe in neuen
und gebrauchten Autos und Zubehörteilen.
(16129a
Auto-Schäfer, Garage Grafenstrasse 22.
garanf. rein
Aluminiun.
Hausfrauen ſichert Euch dieſen idealen Kochtopf, er erſpart Euch viel Aerger
und Verdruß, da kein Anbrennen und Ueberkochen mehr vorkommt. Schmackhafteſte
Zubereitung der Speiſen; denkbar größte Erſparnis an Gas und Brennmaterial,
macht ſich daher in kurzer Zeit ſelbſt bezahlt. Näheres durch Krüger,
Moos=
bergſtraße 63.
(16696a