Abonnementspreis
monatr. 50 Pfg., viertelj. 1.50 Mk.,
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turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl.
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ſchriebenen Tagenwirdnicht übernommen.
2.95 I.
173. Jahrgang
verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Inſerate
werden angenommen in Darmſtadt
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
N 184.
Die heutige Nummer hat 14 Seiten.
1870 und heute.
In franzöſiſcher Beurteilung.
* Aus Berlin geht der Braunſchw. Landesztg. der
Inhalt eines intereſſanten Interviews zu, das ein
Deut=
ſcher mit einem hohen aktiven franzöſiſchen
Militär hatte. Der zur Pariſer Diplomatie gute
Be=
ziehungen unterhaltende Offizer äußerte ſich über die
au=
genblicklich in ſeinem Heimatlande herrſchende allgemeine
Stimmung in längerer Unterredung folgendermaßen:
Die Wiederkehr jener bedeutungsvollen Tage, da vor
nunmehr vierzig Jahren ſich das franzöſiſche Volk in einem
Taumel von Siegeszuverſicht in einen unglücklichen Krieg
ſtürzte, hat vielen franzöſiſchen und deutſchen Blättern
Gelegenheit gegeben, mit Erinnerungen aus jener
ereignis=
reichen Zeit an die Oeffentlichkeit zu treten. Man hätte
auf franzöſiſcher Seite die Ausgrabung derartiger „
Remi=
niſzenzen” beſſer unterlaſſen.
Dienstag, den 9. Auguſt.
1910.
Die Reiſe des deutſchen Kronprinzen nach Aſten.
*⁎* Welche Bedeutung der Entwickelung der Dinge
im fernen Oſten an unſeren leitenden Stellen beigemeſſen
wird, beweiſt die geplante Entſendung des
Kron=
prinzen Wilhelm nach China, Japan und
Indien. In der offiziöſen Mitteilung iſt ausdrücklich
von einer Studien= und Informationsreiſe
die Rede, es ſoll alſo keine Vergnügungsfahrt ſein, ſie ſoll
auch nicht den Zweck einer Erholungsreiſe erfüllen, auf der
nur nebenher Länder und Leute kennen gelernt werden,
vielmehr wird dem Kronprinzen die Aufgabe geſtellt, ſich
über die Verhältniſſe und Zuſtände in jenem Weltteil, der
vorausſichtlich in nächſter Zukunft im Vordergrunde der
internationalen Politik ſtehen wird, zu informieren.
Die ausgedehnteſten Reiſen hat als Thronfolger
jeden=
falls der verſtorbene König Eduard gemacht, der ſich in
ſeiner langen Kronprinzenzeit an jedem Hofe Europas
und Aſiens umſah, insbeſondere auch dem indiſchen
Vize=
königreich, dem wichtigſten Beſtandteil des britiſchen
Welt=
reichs, Beſuche machte und dabei Verbindungen anknüpfte,
die für England oft von großem Werte waren. Der jetzige
König Georg V. unternahm alsbald nach dem
Regierungs=
antritt ſeines Vaters gleichfalls eine große Studienreiſe in
die Kolonien, nachdem er ſchon vorher aller Herren Länder
kennen gelernt hatte. In friſcher Erinnerung iſt es noch,
daß König Albert von Belgien als Thronfolger eine
In=
formationsreiſe nach dem Kongoſtaat abſolvierte, deren
Ergebniſſe als Baſis der dort einzuführenden Reformen
dienen ſollten. Unſer jetziger Kaiſer hatte bis zur
Ueber=
nahme der Regierung verhältnismäßig wenig von der
Welt geſehen, und es war daher kein Wunder, daß er das
Verlangen trug, ſich überall perſönlich einzuführen und
wenigſtens mit den maßgebenden Männern Europas in
Fühlung zu treten.
Der Kronprinz machte nach ſeiner
Großjährig=
keitserklärung den erſten Beſuch im April 1901 ſeinem
kaiſerlichen Paten in Wien, wo er einige Tage weilte.
Eine äußerſt liebenswürdige Aufnahme fand er im Januar
1903 am Zarenhofe, und bald darauf trat er mit ſeinem
Bruder Eitel Friedrich eine Reiſe nach dem Orient an,
beſuchte Aegypten, Athen, Konſtantinopel und kehrte auf
der Heimfahrt in Italien ein, wo gerade Kaiſer Wilhelm
anweſend war und mit den beiden Prinzen auch im
Va=
tikan vorſprach. Später unternahm der Kronprinz noch
Reiſen nach England, Dänemark uſw., und im vorigen
Jahre brachte er dem König von Rumänien zu deſſen 70.
Geburtstage perſönlich ſeine und des Kaiſers Glückwünſche
dar.
Unſere Landsleute in Oſtaſien werden die Nachricht
von der bevorſtehenden Reiſe des Kronprinzen mit ganz
beſonderer Befriedigung aufgenommen haben und mit
Recht eine Stärkung der deutſchen Intereſſen davon
er=
warten, daß die Flagge des deutſchen Kronprinzen in
je=
nen Gewäſſern ſich zu einer Zeit zeigt, wo unſere
Handels=
beziehungen mit dem fernen Oſten auf eine neue Baſis
geſtellt werden ſollen Der Kronprinz wird ſicherlich nicht
allein von einem militäriſchen Gefolge, ſondern auch von
einem Stabe auserleſener Beamten begleitet ſein, die ihm
auf allen in Betracht kommenden Gebieten als
Sachver=
ſtändige und Berater zur Seite ſtehen und die Garantie
gewähren, daß der Zweck der Reiſe nach Möglichkeit
er=
füllt wird. In erſter Linie haben unſere Handelskreiſe
Veranlaſſung, der Fahrt des deutſchen Kronprinzen nach
Oſtaſien und Indien mit den beſten Erwartungen
ent=
gegenzuſehen.
Die Lage hat ſich zu ſehr gegen früher verändert, und
ich meine, daß das franzöſiſche Heer und auch das Volk
nie wieder unter ähnlichen Umſtänden in einen Krieg
ziehen wird wie damals, wo alle Welt, von der Kaiſerin
an (des Kaiſers Name wurde vermieden) bis herab zum
Zeitungsjungen, der ausrufend durch die Straßen der
Stadt lief, ſich in einem Zuſtand der Selbſttäuſchung
befand, der etwas direkt Krankhaftes an
ſichhatte. Sie lag damals ſchon gewitterſchwül in der
Luft. Heute zeigt ſich uns die Situation ganz verändert.
Wir wiſſen jetzt, daß man durch einen heraufbeſchworenen
Feldzug die Schäden eines verfahrenen Shſtems wohl
überdecken, aber nicht ausheilen kann. Ich ſage es offen
heraus, daß die Kriegsluſt in Frankreich nicht
ſo groß iſt, wie man annimmt, und auf keinen
Fall iſt ſie zurzeit ſo mächtig, daß ſie eines Tages wie
ein überſchäumendes Meer die friedliebenden Machthaber
fortſpülen könnte. Wir haben gelernt und wir wollen vor
der Hand Frieden, wie es auch unſere Regierung betont.
Auch das ſtetige Zurückgehen der Bevölkerungsziffer
un=
ſeres Landes iſt auf die Heißſporne nicht ohne Einfluß
ge=
blieben. Dazu kommen die Klagen aus dem Schoße der
Armee ſelbſt, daß der Erſatz immer mangelhafter werde.
Das alles ſetzt den überſchwenglichen Zukunftsplänen
ei=
nen Dämpfer auf.
So iſt es denn auch kein Wunder, daß wir es uns
un=
ter dieſen Umſtänden angelegen ſein laſſen, die für Frankreich
günſtigen Bündniſſe beſonders zu pflegen, um auf dieſe
Weiſe einen Ausgleich für den Kräfteverluſt zu erzielen.
In Deutſchland hat man oft von einem „In die Arme
werfen” Frankreichs geſprochen und daran anknüpfend
ge=
ſagt, daß unſer Nationalſtolz im Sinken
be=
griffen ſei. Das trifft nicht zu. Wir leben im Zeitalter
der Koalitionen, und wenn ein Volk von ſechzig Millionen
einem Dreibund angehört, ſo kann uns niemand verargen,
daß wir mit einigen vierzig Millionen Allierte ſuchen.
An hervorragender diplomatiſcher Stelle wurde mir
unlängſt geſagt, daß man ſeinerzeit zu dem ruſſiſchen
Bündnis nur ungern gegriſſen hat, weil die
Anſchauungs=
gegenſatze zwiſchen beiden Ländern doch gar zu
offenkun=
dig waren. Es war eben nur ein Zwekbertrag, und bis
heute noch iſt man der Anſicht, daß uns dieſe Entente,
ba=
ſiert auf Geld und Bajonette, viele Vorteile verſchafft habe.
In den Kreiſen der Armee allerdings würde man jetzt eine
Verſtändigung mit Italien oder dem tſchechiſchen Teil
Oeſterreichs lieber ſehen, aber nicht, um dadurch
Deutſch=
land zum Kriege zu drängen, ſondern nur, um unſer
eigenes Anſehen gegenüber dem allmächtig anſchwellenden
Germanentum zu ſtützen.
Wenn jetzt ein Krieg mit Ihrem Lande vor der Tür
ſtände, würde Paris ein anderes Bild zeigen, als damals
in den Julitagen von 1870. Zwar würden auch heute
Hunderttauſende begeiſtert die Boulevards entlang ziehen
in feſt geſchloſſener Maſſe, aber nicht mehr in törichtem
ſelbſtüberhebendem Geſchrei ſich Luft machen und die
heim=
liche Sorge niederbrillend, ſondern unter dem Eindruck
des ſchweren Ernſtes der Stunde würde man
daherſchrei=
ten, eine geſchloſſene Phalanx patriotiſcher Männer.
Glau=
ben Sie mir, Frankreich iſt vorſichtig und rug geworden,
und aus dieſem Grunde auch ein gefährlicherer Gegner,
als vor vierzig Jahren. Und darum auch ſuchen wir den
kommenden Krieg nicht in den Kreiſen der Armee; ſollte
es aber einſt zur Entſcheidung drängen, dann werden wir
innerlich beſſer vorbereitet zum Schlachtfelde marſchieren,
als es damals der Fall war. Und fragen Sie mich, wie
das franzöſiſche Heer über die deutſchen Kameraden denkt,
ſo kann ich Ihnen nur ſagen: Mit größter Bewunderung
ſieht es der regen Friedensarbeit drüben zu. und auch mit
ein klein wenig Neid über die Zentrale, die alles
mili=
täriſche Weſen bei Ihnen leitet und die — zu unſerem
größten Schaden — bei uns fehlt!
Bevölkerungsbewegung und Auswanderung.
D Die ausführlichen Ergebniſſe der
Bevölke=
rungsbewegung im Jahre 1908 und
über=
ſeeiſchen Auswanderung 1909 werden im Bande
227 zur Statiſtik des Deutſchen Reiches mitgeteilt.
1. Bevölkerungs=Bewegung.
Im Jahre 1908 wurden im ganzen 500 620 Ehen
ge=
ſchloſſen (1907: 503 964), die Zahl der Geborenen
be=
trug 2076 660 (1907: 2060 973), darunter 61608
Totgebo=
rene, geſtorben ſind einſchließlich der Totgeborenen
1 197098 (1907: 1178349). Im Verhältniſſe zur
Geſamt=
bevölkerung iſt gegenüber dem Vorjahre die
Eheſchlie=
ßungsziffer von 8,12 auf 7,95 v. T., die Geburtenziffer von
33,20 auf 32,97 v. T. gefallen, die Sterblichkeitsziffer von
18,98 auf 19,01 v. T. geſtiegen.
Das Alter der Heiratenden war bei den
Männern in 71,7 v. H. der Fälle unter 30 Jahren, darunter
25 bis 30 Jahre 42,1 v. H., bei den weiblichen Perſonen
in 57,9 v. H. der Fälle unter 25 Jahren. 433 497 ledige
Männer ſchloſſen die Ehe mit ledigen Frauen, 11789
Wit=
wer mit Witwen und 783 geſchiedene Männer mit
geſchie=
denen Frauen. In 453 420 Fällen wurde die Ehe zwiſchen
Perſonen gleichen Religionsbekenntniſſes
ge=
ſchloſſen, und zwar waren beide Eheleute in 296 447 Fällen
evangeliſch, in 152025 Fällen katholiſch und in 3907 Fällen
iſraelitiſch. Miſchehen wurden 47380 oder 9,5 v. H.
eingegangen, davon 44579 zwiſchen Evangeliſchen und
Katholiken.
Von den 2076660 Geborenen des Jahres 1908 waren
2015052 oder 97,03 v. H. Lebendgeborene und
61608 oder 2,97 v. H. Totgeborene.
Mehrlings=
geburten waren unter den Geburten 26 579 oder 13,0 v. T.,
und zwar 26 314 Zwillingsgeburten, 261
Drillingsgebur=
ten und 4 Vierlingsgeburten. Im ganzen kamen bei den
Mehrlingsgeburten 53 427 Kinder — 27409
Kna=
ben und 26 018 Mädchen — zur Welt.
Die Zahl der Sterbefälle einſchließlich der
Tot=
geborenen betrug 1197098 oder 19,0 v. T. der
Geſamt=
bevölkerung. Im erſten Lebensjahre ſtarben (
ausſchließ=
lich der Totgeborenen) 359022 Kinder, und zwar 200 260
Knaben, 158 761 Mädchen und 1 Kind unbeſtimmbaren
Ge=
ſchlechts, darunter 308 680 ehelicher, 50 342 unehelicher
Ge=
burt.
Im Jahre 1908 begingen im Deutſchen Reiche 10659
männliche und 3106 weibliche, zuſammen 13765 Perſonen
Selbſtmord. Auf 100000 Einwohner des betreff.
Ge=
ſchlechts entfallen danach 34,3 männliche und 9,7 weibliche
Perſonen, die durch Selbſtmord endeten; bei beiden
Ge=
ſchlechtern zuſammen ſtellt ſich die Ziffer auf 21,9, im
Vor=
jahre waren es 20,6.
2. Ueberſeeiſche Auswanderung 1909.
Die Zahl der im Jahre 1909 über deutſche Häfen
Aus=
gewanderten ſtelt ſich auf 257 952, und zwar 239 637
Fremde und 18 315 Deutſche. Im Vorjahr waren es 106 499
Fremde und 16722 Deutſche. Die erhebliche Zunahme
der Auswanderung zeigt ſich danach hauptſächlich
bei den Fremden. Neben den 18315 über deutſche Häfen
ausgewanderten Deutſchen gingen über fremde Häfen
6606, darunter über Antwerpen 1952, über Rotterdam und
Amſterdam 4536.
Die Geſamtzahl der deutſchen
Auswan=
derer betrug alſo im Jahre 1909: 24921 (1908: 19883).
An dieſer Geſamtzahl der deutſchen Auswanderer ſind
als Auswanderungsgebiete beteiligt: Brandenburg mit
i Berlin (mit über 2000). Bayern, Hannover, Königreich
Sachſen, Poſen, Weſtfalen und Rheinland (mit je über
1000). Ihrem Berufe nach entfallen von den deutſchen
Auswanderern 5770 auf die Landwirtſchaft, 7628 auf
Berg=
bau und Induſtrie, 3129 auf Handel und Verkehrsgewerbe
einſchließlich Gaſt= und Schankwirtſchaft.
Unter den über deutſche Häfen ausgewanderten
fremden Auswanderern befanden ſich 89 718 Ruſſen,
83 220 Oeſterreicher und 61 641 Ungarn. Von den deutſchen
Auswanderern gingen 19 930, von den fremden 215 625
nach den Vereinigten Staaten von Amerika.
Die überſeeiſche Einwanderung über die
Häfen Bremen und Hamburg umfaßte im Jahre 1909
127618 Perſonen, darunter 89 90) von Nordamerika, 84)
von Südamerika, 981 von Weſtindien und Mexiko, 4402
von Afrika (einſchließlich 746 Mann deutſche Truppen),
1374 von Oſtaſien (einſchließlich 295 Mann deutſche
Trup=
pen) und 616 von Auſtralien.
Deutſches Reich.
— Die Kaiſerjacht „Hohenzollern” erhielt
Befehl, am 23. Auguſt nach Danzig zu fahren, um dort
am 27. den Kaiſer an Bord zu nehmen. Die Hochſeeflotte
trifft am 26. Auguſt in den Danziger Gewäſſern ein und
geht dort vorausſichtlich bis zum 28. Auguſt vor Anker. Sie
ſchifft ein aus Offizieren und Mannſchaften beſtehendes
Landungskorps mit Maſchinengeſchützen aus, das an der
Kaiſerparade bei Danzig teilnehmen wird.
— Die Einweihung der Kaiſerpfalz in
Poſen iſt als politiſcher Akt anzuſehen. Der Kaiſer, den
der Reichskanzler begleitet, wird eine Rede halten, deren
Entwurf ſorgfältig vorbereitet iſt.
— Ueber die Geſtaltung neuer Heeres=
und Flottenforderungen erfährt die Rheiniſch=
Weſtfäliſche Zeitung, wie ſie behauptet, „von beſonderer.
gut unterrichteter Seite‟:
Schon heute kann auf das beſtimmteſte geſagt werden,
daß das kommende Jahr außer einer Vermehrung der
Ver=
kehrstruppen — und auch hier nur in beſchränkterem
Maße — keinerlei größere
Nachbewilligun=
gen fordern wird. Die Laſten, die der Ablauf des
Quin=
quennats und die mit ihm verbundenen als abſolut
not=
wendig erkannten Verſtärkungen unſerer Landmacht mit
ſich bringen, ſollen vielmehr ſo verteilt werden, daß vor
dem Jahre 1913/14 kaum an die Neuformation gedacht
werden kann. Das Reichsſchatzamt und der Reichskanzler
ſtehen in größter Einigkeit auf dem Standpunkt, daß nicht
eher in die Heeresergänzung eingetreten werden könne,
ehe nicht eine völlig einwandfreie Deckung
des Mehrbedarfs gewährleiſtet iſt. Auf der linken
Seite des Parlaments würde man ſonſt zu ſehr geneigt
ſein, aus den militäriſchen Mehrforderungen auf eine
ſpä=
ter nachfolgende neue „Finanzreform” zu ſchließen
und dieſen Umſtand agitatoriſch auszubeuten. Da aber
vorläufig noch keine völlige Klarheit über den Ertrag der
letzthin bewilligten Steuern herrſcht, dürfte für das nächſte
Jahr der geſamte Staatshaushalt mit allergrößter
Pein=
lichkeit und Knappheit aufgeſtellt und auch für das
Land=
heer nur eine Verſtärkung der Verkehrstruppen vorgeſehen
werden. Alle anderen Waffen gehen leer aus. Da der
Reichshaushaltsplan wieder mit 80 Pfg.
Matrikularbei=
trägen balanciert werden muß, ſind auch ſeinerzeit ſchon
die verſchiedenen Reſſorts von vornherein angewieſen
worden, ihre erſten Aufſtellungen ſo knapp wie möglich zu
faſſen, damit Abſtriche von der Zentralſtelle möglichtt
ver=
mieden werden. Auch die Nachricht, daß Herr v. Tirpitz
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 9. Auguſt 1910.
Nummer 184,
mit neuen umfangreichen Wünſchen für die Marine vor der
Tür ſtände, iſt in Anbetracht der Finanzfrage als durchaus
unzutreffend zu bezeichnen.
— Zu den Geſetzentwürfen, die für die
Vor=
lage an den Reichstag in der nächſten Seſſion in Frage
kommen, gehört auch der Entwurf eines neuen
See=
unfallgeſetzes. Ein im vorigen Jahre
veröffent=
lichter Vorentwurf iſt der Kritik der Intereſſenten
unter=
breitet worden. Das eingegangene Material wird
gegen=
wärtig im Reichsamt des Innern geſichtet.
— Ein Plus in den Reichsfinanzen und
zwar in der Höhe von 90 Mill. Mark, ſoll der vom
Reichs=
ſchatzamt jetzt fertiggeſtellte Reichsfinanzabſchluß für das
Jahr 1909 ergeben. In dieſem Betrage ſind enthalten
30 Mill. Mark, die infolge der anderweitigen Regelung
der Branntweinſteuer freigeworden ſind. Die
Bundes=
ſtaaten haben auf dieſe Summe zugunſten des Reiches
ver=
zichtet.
— Die an die Türkei verkauften
deut=
ſchen Kriegsſchiffe der „Brandenburg”=Klaſſe
(„Kurfürſt Friedrich Wilhelm” und „Weißenburg”)
wer=
den nach den Herbſtmanövern durch die Linienſchiffe
„Schleſien” und „Wittelsbach” der „Wittelsbach”=Klaſſe
er=
ſetzt werden. Für dieſe treten die neuen Dreadnoughts
„Rheinland” und „Poſen” in den Verband der
Hochſee=
flotte. Die engliſchen Blätter können ſich noch immer
nicht über dieſen Verkauf beruhigen. Sie folgern alles
mögliche aus dem Verkauf. Der Londoner Vertreter des
Pariſer Echo meint, die Reorganiſation der türkiſchen
Marine vollziehe ſich heute unter Leitung des engliſchen
Admirals Williams. Sei es da nicht überraſchend, daß
Verträge abgeſchloſſen werden, die ſo ungünſtig für
Eng=
land ſind? Das laſſe erkennen, wie wenig Kredit
Eng=
land in Konſtantinopel beſitzt, wenn es ſich darum handelt,
den deutſchen Einfluß zu durchkreuzen. Das engliſche
Ka=
binett erſcheine heute ebenſo ohnmächtig in der Türkei,
wie zur Zeit Abdul Hamids.
— Der Verband der Deutſchen
Kriegs=
veteranen (Sitz Leipzig) hielt in Saarbrücken ſeinen
16. Verbandstag ab. Auf der Tagesordnung ſtand als
wichtigſter Punkt die Wiederannäherung des Verbandes
Deutſcher Kriegsveteranen an den Deutſchen Kriegerbund.
Nach längerer Debatte wurde eine Reſolution
ange=
nommen zwecks Wiederannäherung an den Deutſchen
Kriegerbund eine Kommiſſion zu wählen, unter der
Hin=
zufügung, daß die heutige Generalverſammlung ſich im
Prinzip für die Angliederung ausſpreche.
— Die Bewegung unter den
Kanzlei=
beamten der vom Reichsamt des Innern
reſſortierenden Aemter hat ſich verſchärft.
Tau=
ſende von wichtigen Schriftſtücken liegen infolge der
Wei=
gerung der Kanzleibeamten, für das ſchlechte
Ueberſtun=
dengeld, das man ihnen bietet, zu arbeiten, unerledigt da.
In erſter Linie werden von dieſer Lohnbewegung das
Pa=
tentamt und das Reichsverſicherungsamt betroffen. Das
Patentamt iſt inſofern am ſchlimmſten daran, als ſämtliche
Kanzleibeamten ſich weigern, Ueberſtunden zu machen.
Ausland.
Oeſterreich=Ungarn.
Tſchechiſche Blätter bringen die Nachricht, daß das
jungtſchechiſche Exekutivkomitee an die jungtſchechiſchen
Blätter und die Lokalorganiſationen der Partei ein
Rund=
ſchreiben verſendet, mit welchem dieſelben aufgefordert
werden, alle Vorbereitungen zu treffen, da mit der
Wahr=
ſcheinlichkeit einer Auflöſung des
öſterreichi=
ſchen Abgeordnetenhauſes gerechnet werden
müſſe. Wie es heißt, iſt Freiherr v. Bienerth
entſchloſ=
ſen, nicht viel Federleſens zu machen, ſondern die Slawiſche
Union vor die Entſcheidung zu ſtellen, entweder die
Ob=
ſtruktion ſofort aufzugeben oder aber ſich auf einen neuen
Wahlkampf gefaßt zu machen. Der Miniſterpräſident trägt
ſich angeblich mit der Abſicht, nach dem Vorbilde ſeines
ungariſchen Kollegen bei den Neuwahlen auf eine
vollſtän=
dige Zertrümmerung der arbeitsunwilligen Parteien hin=
Burg und Schloß Friedberg.
(Zum bevorſtehenden Beſuch des Zaren
paares.)
Ein beſonderes Kapitel in der Geſchichte der Stat
Friedberg beanſpruchen Burg und Schloß. Mit Be
wunderung hält der Fremde an dem großen Tor u
dem aus rotem Sandſtein gemeißelten Doppeladle
Raſt. Die Neugier treibt zum Betreten des Burghofes
Doch halt, zuvor einen Blick in den Burggraben. He
wie ſchaut es da drinnen ſo wunderbar ſchön verwil
dert aus. Ueppiges Gras wuchert am Fuß ſteinalt
Akazien. Ausgedehnte Holunderbüſche verſperre
diskret den Blick auf den Boden. Rechts in dem Gre
ben tragen ſchwerbehangene Obſtbäume ernterei
qualitätvolle Früchte. Sorglos konnte bislang jede
unter der Brücke zum Haupttor dahinwandeln. Jetz
ſoll das geändert werden. Eiſerne Tore werden der
Weg nach der einen Seite hin verſperren. Mit Achtun
vor dem Datum des Steintors (1611) wandern
w=
hinein in den vielgegliederten Burghof, in dem
ſi=
ein ſeltenes Gemiſch architektoniſcher Herrlichkeite
bietet. Eine wahre Schatzkammer für einen ideal ver
anlagten Baumeiſter, eine Studienkammer für Natur
freunde und Anhänger der guten alten Zeit, ein ſchlich
tes und einfaches und doch wirkungs= und machtvolle
Milieu. Auch hier wieder ermangelt es uns nicht ar
einem Gefühl der Behaglichkeit.
Die Umgebung atmet Ruhe und Frieden. De
Volksdichter Mueller hat ſich fürwahr kein ſchlechte
Plätzchen ausgeſucht, von dem er auf hohem Poſtamen
würdevoll in das reizende Fleckchen Erde hineinſiel
Zur Linken von alten Kaſtanien beſchattet das zu
Schloß gehörige Wachgebäude, juſt in dem Stil de
früheren Frankfurter Hauptwache gefeſtigt. Drinne
wird momentan fleißig gepinſelt und geſtrichen, den
das Haus wird Bewohner erhalten. Das Lehrer
zuarbeiten und im Zeichen einer reinen Wirtſchafts= und
Staatspolitik eine ſtarke Mehrheit zu ſchaffen.
Spanien und der Vatikan.
Wie aus Rom gemeldet wird, iſt es noch zu keinem
vollſtändigen Abbruche der Beziehungen
zwiſchen Spanien und dem Vatikan
gekom=
men, wenn auch der ſpaniſche Botſchafter am heiligen
Stuhle, Ojeda, bereits nach Madrid abgereiſt iſt. Er wird
nämlich bis auf weiteres durch den Botſchaftsrat Marquis
de Gonzalez vertreten. Die mittelbare Urſache der
Ab=
reiſe des Botſchaſters iſt darin zu ſuchen, daß Canalejas
im Senate eine Vorlage einbrachte, nach der die Bildung
neuer geiſtlicher Orden bis zur Reviſion des
Vereins=
geſetzes vom Jahre 1887 verboten werden ſoll. Daraufhin
richtete der Vatikan an das ſpaniſche Kabinett eine in
energiſchem Tone gehaltene Proteſtnote mit der
An=
drohung, die Verhandlungen abzubrechen, wenn Canalejas
nicht dieſen Geſetzentwurf zurückziehen ſollte. Nun bekam
Botſchafter Ojeda den Befehl, ſofort Rom zu verlaſſen
und nach Madrid zu kommen, um dort perſönlich Bericht
zu erſtatten und gegebenenfalls neue Weiſungen
entgegen=
zunehmen. In den Kreiſen der römiſchen Kurie bürdet
man alle Verantwortung für die ſcharfe Zuſpitzung der
Beziehungen zu Madrid der ſpaniſchen Regierung auf und
behauptet, daß ſich die vatikaniſche Diplomatie in den
Ver=
handlungen über die Reviſion des Konkordates
vollkom=
men korrekt benommen, daß es aber allen Anſchein habe,
als richte ſich die Politik des Canalejas direkt gegen die
katholiſche Kirche.
Die Regierung hat in dem Kampf, den ſie gegen die
klerikalen Mächte des In= und des Auslandes zu führen
hat, einen erſten Sieg davongetragen, indem die
Klerika=
len, wie gemeldet, auf die geplante große Kundgebung in
San Sebaſtian verzichtet haben, für die ſie noch Tags
vor=
her umfaſſende und keineswegs friedliche Vereinbarungen
trafen. Herr Canalejas erklärte von vornherein, daß die
Regierung den Aufmarſch zu Lande und die Auffahrt zur
See, die geplant waren, nicht dulden würde. Wie ſchon
vorige Woche, als für den Sonntag ein Aufzug der
Kleri=
kalen in dem von Lohnſtreitigkeiten bewegten Bilbao
ge=
plant war, wo die Ausführung des Planes ſicherlich zu
blutigen Schlägereien gefährt hätte, haben ſich nun die
Klerikalen den miniſteriellen Anordnungen und
Vorkeh=
rungen gefügt. Dieſe waren ebenfalls umfaſſend und
lie=
ßen erkennen, daß die Zügel der Gewalt in ſeſten Händen
ſind. Ein Unterſchied in dem Verhalten des Miniſteriums
Maura=Lacierva im vorigen Jahre liegt darin, daß Herr
Canalejas erklärt, überall ſonſt im Land dürften die
Kleri=
kalen Umzüge veranſtalten, ſoviel ſie wollten, und daß er
dieſe Aeußerung auch wahr gemacht hat: wogegen Herr
Maura und ſein Miniſter des Innern, Lacierva, beim
Ausbruch der Unruhen die Verfaſſungsbürgſchaften außer
Kraft ſetzten und die Preſſe bis in den einfachſten
Nach=
richtendienſt hinein knebelten. Wenn Herr Canalejas
ſei=
nen Kampf weiter in der Weiſe führt, daß er der Freiheit
nur ſolche Schranken ſetzt, welche die Ruhe und Sicherheit
wirklich erheiſchen, wird er der Zuſtimmung aller
gemä=
ßigt=liberalen Elemente zu ſeiner Politik ſicher bleiben.
Portugal.
Liſſaboner Blätter melden, der König von Italien
habe den König von Portugal amtlich zu der
feier=
lichen Einweihung des Standbildes Viktor Emanuels III.
nach Rom eingeladen. Die Einweihung ſoll
bekannt=
lich mit der Halbhundertjahrfeier des Königreichs Italien
1911 zuſammenfallen. Viktor Emanuel war der
Urgroß=
vater des Königs Manuel; ſeine Tochter, die noch lebende
Königin=Witwe Maria Pia, Prinzeſſin von Savoyen, hatte
1862 König Ludwig von Portugal geheiratet. Man kann
geſpannt ſein, ob der katholiſche König von Portugal die
Reiſe nach Rom unternehmen wird.
Perſien.
Aus Teheran, 8. Auguſt, meldet das Bureau
Reu=
ter: Die Regierungstruppen ließen gegen die
ſeminar mit gutsähnlichem Gehöft ſchließt ſich an. Es
folgen niedliche Privathäuschen, dann der Garten eines
Pfarrhauſes, die zurückliegenden Teile einer Lackfabrik
und ein Waſſerturm, der natürlich glatte Blendſteine
an den Faſſaden hat, aber doch ein Bindeglied in dem
Bauten=Konglomerat darſtellt. Zur Rechten vom
Tor=
eingang ein allerliebſtes Holztreppchen, das zu einer
giebeligen Beamtenwohnung führt, die in gleicher Höhe
wie das Tor gelegen und ebenſo alt iſt. Einige Schritte
zurück, gen Oſten zu, die Wohnung des
Seminardirek=
tors. Dann das figurenreiche Schloßtor, an dem nun
weiße Schilder haften, auf denen in drei Sprachen
kundgetan wird, daß das Betreten des Schloßhofes
verboten iſt.
Es würde geſchmacklos ſein, wollte man achtlos an
dem Zierbrunnen vor dem Schloßtor vorübergehen, der
wieder intakt iſt. Das kühle Naß umſpült eine
recken=
hafte Siegfriedsgeſtalt, zu deren Füßen ein fauchender
Drache lagert. Auch die um das Jahr 1800 erſtandene
Kirche, die in ihren Formen etwas Schwerfälliges hat.
verdient volle Beachtung. Charakteriſtiſcher Schmuck
ziert die Front. Das Innere gleicht einem
Konzert=
ſaal. Seit Großherzog Ludwig IV Tode iſt das ſtolze
Bauwerk, das der heſſiſchen Spätrenaiſſance voll
an=
gehört, ſo ziemlich unbewohnt geblieben. Vor mehreren
Jahren hat einmal der jetzige Großherzog für kurze
Dauer Aufenthalt darin genommen. Später geſtattete
der Regent einem engliſchen Geiſtlichen, man ſpricht
von einem Grafen, ſich hier in Ruhe ſeinen Studien
zu widmen. Von da an lag der Bau verlaſſen da.
Heuer wird er zu neuen Ehren kommen und die
Fried=
berger hoffen, daß es nicht dabei bleiben wird, ſondern
daß Zar und Großherzog ſich hier noch öfters zum
Segen der Stadt mit ihren Familien ein Stelldichein
geben.
Ueberall in den Räumen, die zum Schloß gehören,
herrſcht jetzt Leben und Treiben. Das Schloß iſt von
Weißbindergerüſten umgeben. Die große Remiſe
Fidais Geſchütze auffahren und gaben Schnellfeuer ab. Um
10½ Uhr abends war der Straßenkampf zu Ende und die
Fidais ſtreckten die Waffen. Sie wurden mit den Führern
Sattar Khan und Baghir Khan gefangen genommen,
Sattar Khan iſt verwundet. Die erlittenen Verluſte ſind
noch nicht bekannt.
* Fleiſchpreisſteigerungen in vierzig
Städten. Die Deutſche Fleiſcherzeitung bringt folgende
unerfreuliche Mitteilung: „Durch Innungsbeſchlüſſe ſind
bisher die Fleiſchpreiſe in über 40 Städten heraufgeſetzt
worden. Weitere Preisſteigerungen ſtehen unmittelbar
bevor, da die Viehpreiſe ſo enorm hohe ſind, daß ohne
Er=
höhung mit Schaden gearbeitet wird. In Nürnberg iſt
vom Magiſtrat offiziell anerkannt worden, daß die
Preis=
erhöhung gerechtfertigt iſt, und auch ſonſt haben
Unter=
ſuchungen ergeben, daß die Fleiſchpreiſe nur zögernd den
enorm ſteigenden Viehpreiſen in die Höhe gefolgt ſind.
Eine gewiſſe Rolle ſpielen, wie ſoeben der Vorſtand der
Hannoverſchen Fleiſcher=Innung konſtatiert hat, bei der
Teuerung auch die Viehverwertungsgenoſſenſchaften. Dieſe
ſind weit entfernt, durch Ausſchaltung des
Zwiſchenhan=
dels die Preiſe herabzudrücken, ſondern ſuchen ſie auf
mög=
lichſter Höhe zu halten, um den Gewinn der Landwirte zu
vermehren. Es iſt gar keine Frage, daß, wenn nicht
durch=
greifende Maßregeln ſeitens der Reichsregierung ergriffen
werden, eine Fleiſchkalamität eintreten wird, gegen welche
die des Jahres 1906 geringfügig zu nennen iſt. In den
Fleiſcherkreiſen iſt man jetzt einmütig der Anſicht, daß nur
noch eine gänzlich veränderte Zollpolitik und eine Oeffnung
der Grenzen für Schlachtvieh Hilfe bringen kann.‟ Die
Hoffnungen auf Herabſetzung der Fleiſchpreiſe, die man an
die Aufhebung des Oktrois geknüpſt hatte, haben ſich alſo,
wie vorausgeſagt, nicht erfüllt.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 9. Auguſt.
* Vom Hofe. Die Großherzoglichen
Herr=
ſchaften beſuchten am Sonntag vormittag den
Got=
tesdienſt in Egelsbach. — Geſtern begab ſich S. K. Hoh.
der Großherzog nachmittags 4 Uhr 20 Minuten
im Auto nach Romrod auf die Jagd. — Während der
Dauer des Zarenbeſuches in Friedberg
wer=
den vorausſichtlich auch Prinz und Prinzeſſin
Hein=
rich von Preußen, das Prinzenpaar
An=
dreas von Griechenland, ſowie Prinzeſſin
Ludwig von Battenberg nebſt Kindern zu Beſuch in
Friedberg eintreffen.
— Keine Audienzen. Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog werden am Mittwoch, den 10. d. Mts., weder
Audienzen erteilen, noch Meldungen und Vorträge
ent=
gegennehmen.
— Verſetzungen in den Ruheſtand. Se. Königl.
Hoheit der Großherzog haben den Fachlehrer für
Obſt= und Gemüſebau an der Wein= und Obſtbauſchule
Karl Pfeiffer zu Oppenheim bis zur Wiederherſtellung
ſeiner Geſundheit in den Ruheſtand verſetzt; desgleichen
die Lehrerin an der höheren Bürgerſchule zu Bensheim
Eleonore Petri auf ihr Nachſuchen unter Anerkennung
ihrer treuen Dienſte.
— Eine berechtigte Mahnung. Die Großh.
Han=
delskammer Darmſtadt warnt die bezirkseingeſeſſenen
Vertreter von Handel und Induſtrie, über
Produk=
tionsverhältniſſe an dritte Perſonen nähere Aufſchlüſſe
zu geben, ehe ſie ſich über die betreffenden anfragenden
Perſönlichkeiten mit der Handelskammer ins
Beneh=
men geſetzt haben, da die Kammer aus zuverläſſiger
Quelle Kenntnis davon erlangt hat, daß Verſuche
auswärtiger Staaten im Gange ſind, in die
Produktionsverhältniſſe verſchiedener Induſtrien von
Deutſchland einzudringen.
Neu hergeſtellte Fernſprechanſchlüſſe und
Aende=
rungen bei beſtehenden Sprechſtellen. a) Neu=
An=
ſchlüſſe: 1948: Büttner, Emil, Fuhrunternehmer,
Neue Ireneſtr. 61; 550: Deka, Darmſtädter Exhauſtoren,
Kleinmotoren= und Apparatefabrik, G. m. b. H.,
Frank=
furterſtr. 26; 1954: Gaulé, K. u. M., Penſion,
Heinrich=
ſtraße 62; 1950: Gerheim, Karl, Leutnant, Herdweg 67;
1834: Gravenhorſt, Alfred. Aſſekuranz, Emilſtr. 21;
1955: Hillgärtner, Gg., Schloſſermeiſter,
Liebfrauen=
ſtraße 50; 1949: Hörr, Peter, Konfektionsgeſchäft.
Gra=
fenſtr. 23½; 1960: Kobelt, Wirkl. Geh. Ober=Poſtrat,
Martinſtr. 97,II; 1932: Lagrange, Anton,
Damenſchnei=
der, Ludwigſtr. 16; 1945: Langheld, Dr., Oberſtabsarzt,
Regimentsarzt im Feld=Art.=Regt. Nr. 25,
Wilhelm=
ſtraße 30; 1946: Lotz, H., Reſtaurant, Heinheimerſtr. 53;
1952: Mahr u. Markwort, Neubau=Bureau „von
Al=
ensleben” Steinberg. 1957: Meſſenger Boys (Rote
Radler), Alexanderſtr. 7: 888: Pfarr, Geh. Baurat,
Profeſſor an der Techniſchen Hochſchule, Eichbergſtr. 8;
1953: Schäfer, Leonh., Architekt, Seitersweg 11; 2596:
wird geſäubert, der Generalsbau, in dem ehedem die
Generäle und Adjutanten tafelten, wird hergeſtellt,
das hierzu querſtehende, früher Finanzzwecken
die=
nende Haus wird bis unters Dach gefegt. Im alten
Kreisamt mußten einige Familien ziehen, weil das
Bauwerk direkt an die Laubgänge des Schloßhofs
ſtößt und die Räume gebraucht werden, denn die 115
Zimmer des Schloſſes reichen bei weitem nicht aus,
um auch dem Hofſtaat und dem Bedienungsperſonal
Unterkunft zu gewähren. Selbſt in der Stadt mußten
Zimmer und Wohnungen reſerviert werden. Dicht bei
dem ehemaligen Kreisamt iſt in ſchlichtem
Fachwerks=
bau die Gendarmerie ſtationiert, über deren Türen
das hiſtoriſche Wappen derer von Riedeſel angebracht
iſt. In der nächſten Umgebung ſteht dann die
Fünf=
häuſergaſſe — ein kleines Dorf für ſich — die
Schiller=
ſchule und der kühn aus der Landſchaft emporragende,
1893 renovierte, graue Adolfsturm, den ein mit
Fried=
berg in Fehde gelegener, gefangener Ritter erbaut
haben ſoll, um ſich loszukaufen. Wuchtige Steintreppen
führen zu dem Turm, von dem aus man eine
ent=
zückende Fernſicht in die geſegneten Landſtriche der
Wetterau genießt und die Höhen des Vogelsberges
überſchauen kann. Drunten zu Füßen bietet ſich die
wildromantiſche Szenerie des Burgwalls und des
Schloßparks dar. Binnen kurzem wird der Zutritt
zu alle dem verſperrt ſein.
Der Zar und ſein Gefolge ſollen ſchon am 23.
Auguſt eintreffen. Die Bedientenſchaft wird bereits
am 20. Auguſt erwartet. Außer dem Beherrſcher aller
Reußen werden, wie verlautet, auch das
Großherzogs=
paar, Prinz Heinrich von Preußen, Großfürſtin
Ser=
gius und Prinzeſſin Battenberg das Schloß zu
ſechs=
wöchigem Aufenthalt beziehen. Außer heſſiſcher
Poli=
zei wird zu dem Sicherheitsdienſt eine Kompagnie des
in Butzbach garniſonierenden Infanterie=Regiments
her=
angezogen werden.
Nummer 184.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 9. Auguſt 1910.
Selte 3.
Ppilipp=Anlage 18; 1951: Berein
Ehhmitt, Reſtauration, Inh. Maria Franz, Landgraf
unger Mädchen (National=Bureau), Heinrichſtr. 66;
i7: Wolff, Ernſt, Kaufmann, Amtsgerichtstaxator und
Monkursverwalter, Mühlſtr. 62; 1944: Wünſche, Emil,
5aarſchmuck und Toiletteartikel, Groſſo,
Wendelſtadt=
taße 28.
b) Aenderungen: (280): Louis Boettinger,
Eſſchollbrückerſtr. 1, jetzt Friedrichſtr. 15; 1721: Ludwig
zendl, jetzt Otto. Prinz zu Schaumburg=Lippe, Haus
kaagenburg, Dieburgerſtr. 241; 1212: J. Chr. Gewin,
ureau, Ludwigſtr. 13, jetzt Darmſtr. 41; 704: Friedr.
Haartter Nachf., Schulſtr. 7, jetzt Schulſtr. 6; 1611: Karl
Heim, Woogsplatz 13, jetzt Inſelſtr. 29; 314: Heinrich
Filsdorf, Mühlſtr. 64½, jetzt Eliſabethenſtr. 2; 1718:
Silhelm Kleinſchmidt, Mathildenſtr. 41, jetzt
Erlen=
berg 6; 719: Hermann Küchles Nachf., Wienersſtr. 61,
rtzt Karlſtr. 115,II; 1466: Friedrich Müller,
Wilhel=
reinenſtr. 23, jetzt Wilhelminenplatz 2: 1857: Joſeph
Pothis, übertragen an Eva Schönlein, Privatin, Mar=
Atinſtr. 97; 1796: Heinrich Roßmann, jetzt 2597; 1846:
von Schroeder, Eliſabethenſtr. 51, jetzt Heinrichſtr. 46, I;
833: Otto Stier, jetzt Georg Stier, vorm. Otto Stier;
it: J. Trautwein, Nieder=Ramſtädterſtr. 11, jetzt
Schwanenſtr. 77; 1269: Georg Viél, Hügelſtr. 9, jetz:
Rheinſtr. 12¾; 1691: Gebrüder Wartensleben,
Mühl=
ſtraße 26, jetzt Liebfrauenſtr. 74; 296: Wilhelm Wedler
Dieburgerſtr. 74, jetzt Hohlerweg 34; 1427: L. v.
Wer=
er, Artillerieſtr. 8, jetzt Eſchollbrückerſtr. 10.
c) Abgebrochene Sprechſtellen: 1823:
Guſtav Dramſch; 1797: Otto Frohnhäuſer; 1039: Hans
Görgen; 298: Hebbinghaus; 910: Georg Hellmuth: 1118:
Vhilipp Höhl; 1710: Th. Kleinſchmidt II.; 1330: Ludwig
Krapp; 1817: Löwen=Drogerie; (185): Ott, Konditorei=
Café auf der Künſtlerkolonie; 705: Max Renn; 923;
Schiedsgericht für Arbeiterverſicherung; 816: Dr.
Wag=
ner, Stabsarzt.
O Ueberſee=Briefſendungen. Nach den
Wahr=
nehmungen der Grenz=Ausgangs=Poſtanſtalten rechnet
das Publikum bei der Auflieferung von Briefſendungen
nach überſeeiſchen Orten faſt nur mit den letzten
Ver=
ſendungsgelegenheiten, die auf Grund des Beihefts zum
Amtsblatte des Reichs=Poſtamts durch die Zeitungen
bekanntgegeben werden, während über das Beſtehen von
Vorverſanden kaum etwas bekannt iſt. Da die letzten
Beförderungsgelegenheiten infolge von Störungen im
Gange der Eiſenbahnzüge nicht ſelten in den Hafenorten
den Anſchluß an die abgehenden Dampfer verfehlen,
empfiehlt es ſich dringend, die Briefſendungen möglichſt
Zeitig aufzuliefern, damit ſie mit den Vorverſanden
Be=
förderung erhalten, die auch bei Verſpätungen der
Eiſen=
bahnzüge die Schiffe in den Abgangshäfen rechtzeitig
und ſicher erreichen.
* Priv. Schützengeſellſchaft. Das am Sonntag
ſſtattgefündene Ekertbecher=Schießen nahm bei
reger Beteiligung einen ſehr ſchönen Verlauf. Nach
Schluß des Schießens überreichte der 1. Schützenmeiſter,
Herr G. Schmitt II., nachdem er des Stifters
ehren=
voll gedacht und ſeinem Gedenken ein ſtilles Glas
geweiht, den Becher. In ſeiner Anſprache hob er
her=
vor, daß der Stifter, Ehrenmitglied Ekert, Vater des
Beigeordneten Ekert, ein ſeiner Zeit außerordentlich
verdienſtvolles Mitglied der Geſellſchaft, zu ſeinem
dauernden Angedenken ein Kapital der Geſellſchaft
überwies, aus deſſen Zinſen jährlich die Koſten für
ſeine Stiftung beſtritten werden. Nach der
Beſtim=
mung des Stifters ſei dieſelbe abwechſelnd einmal in
einem Jahre auf dem Jagdſtand, das nächſte Jahr bei
dem Ritterſchießen herauszuſchießen. Dieſes Jahr
ge=
ſchah es bei dem Jagdſtandſchießen. Nachdem Herr
Schützenmeiſter Schmitt nochmals der ſchönen,
nach=
ahmungswerten Stiftung gedacht, überreichte er den
Becher mit Worten der Anerkennung und zur
Nach=
eiferung dem Gewinner Herrn K. Volz. Eine von
dem Vorſtandsmitglied Mauer geſtiftete Ehrenſcheibe
errang Herr Lorch. Gleichzeitig machte Herr Schützen=
meiſter Schmitt darauf anfmerkſam, daß das
altherge=
brachte Ritterſchießen zu Ehren unſeres Protektors
und Oberſchützenherrn, Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs
am 25. Auguſt auf den Jagdſtänden ſtattfinden, wird,
wobei er gleichzeitig darauf hinwies, daß dieſes Jahr
drei wertvolle Ritterbecher und verſchiedene
Ehren=
ſcheiben zum Ausſchießen kommen werden. Eine
noch=
malige Einladung wird durch die hieſigen Zeitungen
erfolgen.
— Zirkus Schumann kommt! Am Mittwoch, den
10. Auguſt trifft der Zirkus Schumann mit 150
Pfer=
den und 200 Perſonen mittels Extrazug hier ein und wird
auf dem Marienplatz unwiderruflich nur 6 Tage hier
bleiben, da er durch anderweitige Engagements gebunden
iſt. Es iſt bekanntlich das größte, älteſte und vornehmſte
Unternehmen dieſer Art. Die Eröffnungs=
Vor=
ſtellung beginnt am Mittwoch, den 10. Auguſt, abends
8¼ Uhr auf dem Marienplatze. (Siehe Anzeige.)
* Geſellſchaft „Reichsadler” Man ſchreibt uns: Der
am verfloſſenen Sonntag von der Geſellſchaft „
Reichs=
adler” veranſtaltete Ausflug nach Nieder=Ramſtadt iſt
wie=
der in der gewohnten Weiſe ausgeführt worden.
Zahl=
reich verſammelten ſich die Mitglieder und Freunde der
Geſellſchaft um 3 Uhr am Friedhof, von wo aus man mit
Muſik durch den Wald nach Nieder=Ramſtadt zog. In
dem Gaſthof zum Schützenhof dortſelbſt kehrte die fröhliche
Geſellſchaft ein, wo man ſich mit Tanz vergnügte. Gar
bald jedoch mahnte die Zeit zum Aufbruche und um 8 Uhr
zog nun die fröhliche Geſellſchaft von Nieder=Ramſtadt
mit Lampions und unter Muſikklängen durch den Wald
der Heimat wieder zu. Ein Tänzchen im Vereinslokale
beſchloß die Feier.
— Der Geſangverein „Sängerluſt” veranſtaltete
am Sonntage ſein Sommerfeſt in den dicht beſetzten
Räumen und Garten des Heiligen Kreuzberges. Das
Programm enthielt Konzertſtücke, vorgetragen von der
Trainkapelle, ſowie mehrere Chöre, worunter der Chor
mit Orcheſterbegleitung: Hymne „Lobpreiſet laut” von
Ernſt, Herzog zu Sachſen, unter Leitung des
vortreff=
lichen Dirigenten Muſikdirektors Bartke, ganz
be=
ſonders zur Wirkung kam. Ein für die Kinder
arran=
gierter Erntefeſtzug, wobei jedes mit einem
Erntegegen=
ſtand beſchenkt wurde, erfreute Juna und Alt. Abends
fand das Konzert bei italieniſcher Nacht weiter ſtatt und
während des Feſtes wurde von der Gelegenheit zum
Tanzen reichlich Gebrauch gemacht.
— Saalbau. Wie bekannt, findet heute im Städtiſchen
Saalbau eine Wiederholung des am vorigen Dienstag
durch die ungünſtige Witterung ſehr beeinträchtigten
Patriotiſchen Konzerts ſtatt. Die geſamte Kavelle des
Großh. Heſſ. Art.=Regts. Nr. 61 unter Herrn Webers
Leitung bringt ein ſorgfältig zuſammengeſtelltes
Pro=
gramm zur Aufführung. Dadurch, daß die meiſten
Zu=
hörer im Gartenſaal Zuflucht ſuchen mußten, konnte das
Saroſche Tongemälde nicht wirkungsvoll zur Aufführung
gelangen, weshalb eine Wiederholung heute beſtimmt
ſtattfindet. Die Spielleute des Inf.=Regts. Nr. 81
(Frankfurt) wirken dabei mit.
— Ludwigshöhe. Der letzte Streichmuſik=
Abend der geſamten Kapelle des Großh. Heſſ. Art.=
Regts. Nr. 61 am vergangenen Mittwoch abend hat
allgemein ſo gut gefallen, daß eine Wiederholung
des=
ſelben, vielfachen Wünſchen entſprechend, morgen
Mitt=
woch, den 10. Auguſt, im Anſchluß an das übliche
Kur=
konzert in Ausſicht genommen iſt. Das Konzert iſt als
ein Wiener Konzert=Abend gedacht. Im Saale findet
Réunion ſtatt.
— Schützenhof. Für das heutige Konzert der
Kapelle des Leibg.=Regts, ſind u. a. im Programm
ver=
treten die Ouvertüre zu „Mignon”, Fantaſie aus
Tann=
häuſer” Humoreske aus Offenbachs „Orpheus”, Konzert
für Klarinette uſw. (Siehe Anzeige.)
§ Unfall. Ein Dienſtmädchen fuhr Sonntag
nach=
mittag ½7 Uhr mit der elektriſchen Straßenbahn die
Dieburgerſtraße herab „bis zur Stiftſtraße, woſelbſt es
ausſteigen wollte. Der Schaffner hatte das Signal zum
Halten gegeben. Bevor jedoch der Wagen ſtillſtand,
ſprang das Mädchen von der hinteren Plattform, mit der
rechten Hand am rechten Griff ſich haltend, rückwärts ab.
Hierdurch kam es zu Fall und zog ſich Verletzungen zu.=
Man muß deshalb wiederholt warnen, von einem in der
Fahrt noch befindlichen Motorwagen abzuſpringen. Auch
muß man wiederholt darauf aufmerkſam machen,
daß=
beim Verlaſſen des Motorwagens ſtets mit der linken
Hand am linken Griff ſich zu halten und vorwärts
abzuſteigen iſt. Hätte das Mädchen dies beobachtet, ſo
wäre es nicht zu Fall gekommen.
§ Feſtgenommen. Am Sonntag vormittag iſt ein
Mädchen aus Eberſtadt wegen Betrug feſtgenommen
worden.
Nieder=Ramſtadt, 8. Aug. Am Samstag war hier
Gemeinderatswahl; es waren drei
Gemeinde=
räte zu wählen. Von 416 Wahlberechtigten ſtimmten
337 ab. Es wurden gewählt: Wilh. Pfaff (192
Stim=
men), Johannes Emig I. (157 Stimmen) und Peter
Plößer (115 Stimmen). Die drei Gewählten ſind
Mitglieder des Bürgervereins. Die Sozialdemokraten
ſind unterlegen.
n. Lichtenberg i. O., 8. Aug. Heute morgen wurde
ein erſt abends vorher hier eingetroffener Kurgaſt, der
penſionierte Werkführer Georg Fiſcher aus Mainz, der
ſich einige Wochen zur Erholung aufzuhalten
beabſich=
tigte, im Abort entſeelt aufgefunden. Anſcheinend hatte
er ſich unwohl gefühlt und war, ohne daß man es gleich
bemerkte, einem Schlaganfall erlegen.
Worms, 8. Aug. Das Gewitter, das am
Sams=
tag über Worms zog, hat in der Umgegend mit
gro=
ßer Heftigkeit getobt. In Mettenheim wurden ganze
Fluren unter Waſſer geſetzt, ſodaß das auf den Aeckern
noch lagernde Getreide verloren ſein wird: auch der
Scha=
den in den Weinbergen, an Rüben und Kartoffeln dürfte
bedeutend ſein. — In Eich ſchlug der Blitz in die Scheune
des Joh. Krebiehl, die nebſt Stallung abbrannte.
Durch den Blitz wurde ein Rind verletzt; es mußte
abge=
ſchlachtet werden; das andere Vieh wurde betäubt. In
den Feldern wurden faſt alle Gräben wieder mit Waſſer
gefüllt und an den bereits abgemähten Halmfrüchten
gro=
ßer Schaden angerichtet. Gegen 5 Uhr nachmittags ſchlug
der Blitz in das Wohnhaus des Landwirtes Rud. Eib,
ſchädigte Decke und Mauerwerk und nahm dann ſeinen
Weg in das Anweſen des Wirtes Volz, ebenfalls in einem
Anbau an Decke und Wänden Schaden anrichtend; jedoch
entſtand kein Brand. — In Ibersheim ſchlug der Blitz
in eine Anzahl Kornhaufen, die vollſtändig
ab=
brannten. In einem Kornhaufen hatten einige
Land=
wirte vor dem ſtrömenden Regen Schutz geſucht. Nach
einiger Zeit machten ſich die Landwirte auf den Heimweg.
Kaum hatten ſie den Kornhaufen verlaſſen, als der Blitz
in dieſen einſchlug und ihn in Brand ſetzte. Hätten
die Landwirte mit der Heimfahrt nur noch wenige
Mi=
nuten gezögert, ſo wäre es um ihr Leben geſchehen
ge=
weſen. — In Oſthofen ſchlug der Blitz in die
elek=
triſche Leitung des Stationshauſes. Durch die
herausgehende Sicherung wurde der Blitz zum Glück
wie=
der abgeleitet, ſodaß kein Schaden entſtand. — In
Gimbsheim ſchlug der Blitz in das Anweſen des
Gaſtwirtes Huber, zertrümmerte ein Fenſter und ſetzte
die Gardinen, ſowie verſchiedenes Hausmöbel in Brand.
Um Haaresbreite wäre auch das kleine Kind vom Blitze
er=
ſchlagen worden Die Mutter hatte das Kind kaum aus
dem Bettchen genommen, als der Blitz einſchlug und
ne=
ben den anderen Sachen auch das Bettchen in Brand
ſetzte. — In Hofheim i. R. ſchlug der Blitz in die
Kirche, ohne jedoch zu zünden. — In Lampertheim
wurde der 16jährige Ehret aus Hüttenfeld,
als er vom Felde heimfuhr, vom Blitz
ge=
troffen und getötet. Man fand ihn auf ſeinem
mit zwei Kühen beſpannten Wagen tot auf; die Kühe
waren ruhig weitergefahren. — In Bensheim ſchlug
Wie man ſein Glück macht.
C „Den Seinen gibt’s der Herr im Schlafe” ein
großer Teil der Erfindungen, die ihrem Beſitzer ein
Vermögen eintrugen, ſind nicht die Frucht langjähriger
Arbeit, ſie ſind das Ergebnis eines glücklichen
Ein=
falles, einer Zufälligkeit, die irgend ein lebendiger Geiſt
ſofort in ihrer praktiſchen Verwendbarkeit erkannte
und in die Tat umſetzte. Erſt kürzlich erfuhr man von
einem neuen Schwimmgürtel aus einem
indi=
ſchen Baumwollſtoff, der Kapok genannt wird und eine
verblüffende Schwimmfähigkeit hat. Der Kapok war
ſchon lange bekannt, aber der glückliche Gedanke, dieſen
merkwürdigen Stoff zu Schwimmgürteln und
Rett=
ungsgürteln zu verarbeiten, erſtand aus einem
eigen=
artigen Zufall. Vor einiger Zeit ſandte ein
Kauſ=
mann ein Klavier über See. Das Schiff ſcheiterte.
Man war nicht wenig erſtaunt, als man am nächſten
Tage auf der Meeresoberfläche eine rieſige Kiſte
ſchwim=
men ſah. Die Kiſte wurde gelandet, man öffnete ſie,
und fand darin ein Klavier, in Kapok verpackt. Der
Kaufmann hatte die ſonſt üblichen Holzſpäne durch
Kapokfaſern erſetzt, ohne ſich etwas Beſonderes dabei
zu denken. Aber die Schwimmfähigkeit dieſer
indi=
ſchen Baumwolle war entdeckt, und die Ausnutzung
dieſer Eigenſchaft nur noch eine Frage des
Unterneh=
mungsgeiſtes.
Eine franzöſiſche Zeitſchrift erzählt eine Reihe
ähn=
licher Fälle, in denen ein flüchtig auftauchender, doch
ſofort tatkräftig ergriffener Gedanke dem Erfinder
ohne Mühe ein Vermögen eingetragen hat. Der Mann
zum Beiſpiel, der zum erſten Male auf den Einfall
kam, einen kleinen Radiergummi unmittelbar am
Bleiſtift anzubringen, hat mit der Idee genau 320000
Mark verdient. Und ein anderer, der ſich darüber
ärgerte, wie durch den Tabakrauch die Decke ſeines
(Zimmers gebräunt wurde und auf die Idee kam, einen
Rauchverzehrer zu konſtruieren, wurde in kurzer Zeit
mehrfacher Millionär. Länger mußte der Mann
war=
ten, der die Rollſchuhe erfand. Es war ein
leiden=
ſchaftlicher Schlittſchuhläufer; er ſann auf ein Mittel,
auch im Sommer laufen zu können, und verfiel
ſchließ=
lich darauf, ſtatt der Schlittſchuhe kleine Rollen unter
den Füßen zu befeſtigen. Sein Gedanke wurde auch
patentiert, aber Jahrzehnte lang belächelte man den
Einfall, und kein Menſch bekümmerte ſich um die
Er=
findung. Nur auf dem Varieté ſah man bisweilen
Rollſchuhläufer. Kurz vor dem Erlöſchen des Patents
brach ſich aber plötzlich die Mode Bahn; der Erfinder
verkaufte ſeinen Gedanken für 400000 Mark. — Nicht
weniger intereſſant iſt die Geſchichte des
Holz=
papiers. Ein Dr. Hill hörte, wie die
Papierfabri=
kanten darüber jammerten, daß man Mühe habe,
ge=
nügend Lumpen zuſammenzubringen, daß geeignete
Faſern ſchwer aufzutreiben ſeien und daß die
Herſtel=
lung von Papier ſo teuer ſei. Er hatte beobachtet, wie
die Weſpen ihr Neſt bauen. Eines Tages erſchien er
beim Pavierfabrikanten. zeiate ihm ein Weſpenneſt und
meinte: „Warum folgen Sie nicht auch dem Beiſpiel
der Weſpen, die bei Beginn ihres Neſtbaues Holz
zer=
faſern und daraus einen Brei machen?‟ Dieſer
Ein=
fall machte erſt die Herſtellung des Papieres möglich,
auf dem heute dieſe Zeilen gedruckt ſind. Einem
Zu=
fall verdanken auch die Konfetti ihre Entſtehung, jene
bunten, luſtig wirbelnden Papierblättchen, von denen
in Europa in der Faſchingszeit Millionen und
Aber=
millionen verbraucht werden. Die „Erfindung” ward
in Paris gemacht. In einer Buchdruckerei war man
mit der Herſtellung eines Almanachs beſchäftigt, der
durchlöchert werden mußte, um eine Schnur zum
Auf=
hängen des Büchleins durch die Blätter zu ziehen. Die
kleinen runden Papierſtückchen, die dabei abfielen,
flat=
terten in der Werkſtatt umher; im Scherz packte einer
der Arbeiter eine Handvoll dieſer Abfälle, ſchleuderte
ſie auf ſeinen Kollegen, der antwortete mit derſelben
Münze, und bald war eine luſtige Konfettiſchlacht im
Gange. Der Druckereibeſitzer ſah zu; ihm kam eine
Erleuchtung, und er erfand die Konfetti. Heute
fabri=
ziert er Tag für Tag einige Tonnen dieſer
Papier=
ſchnitzel, die ihm längſt ein Vermögen eingebracht
haben.
Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
* Frankfurter Theater=Spielplan
Opernhaus. Dienstag, 9. Aug.: „Manon”
Mitt=
woch, 10. Aug.: „Triſtan und Iſolde‟. Donnerstag,
11. Aug.: „Aiba” Freitag, 12. Aug.: „Die Zauberflöte‟.
Samstag, 13. Aug.: „Der Graf von Luxemburg”.
Sonn=
tag, 14. Aug.: „Madame Butterfly” Montag, 15. Aug.:
„Die geſchiedene Frau‟ Dienstag, 16. Aug.: „Der
Troubadour”. Mittwoch, 17. Aug.: „Die Meiſterſinger
von Nürnberg”
In der Aufführung von Meyerbeers „Hugenotten
am Sonntag abſolvierte Fräulein Martha
Hof=
acker (vom Stadttheater in Königsberg, früher in
Darmſtadt) das erſte der drei angekündigten Gaſtſpiele
auf Engagement in der Partie der Margarete von
Valois. Sie wurde von ſeiten des ſehr gut beſuchten
Hauſes freundlich aufgenommen.
* Eine preisgekrönte Berliner
Stu=
dentin. Die erſte Dame, die für die Löſung einer
Preisaufgabe an der Berliner Univerſität den
könig=
lichen Preis erhielt, Fräulein ſtud. phil. Elsbeth
Schwenke, die Tochter des erſten Direktors der
königlichen Bibliothek zu Berlin, Geheimrats
Pro=
feſſor Dr. Panl Schwenke, ſtudiert ſeit Michaelis 1908,
ſeit zuerſt die Damen zur Immatrikulation zugelaſſen
waren, an der Univerſität Geſchichte. Ihre Preisarbeit
behandelte die hiſtoriſche Aufgabe für den königlichen
Preis der philoſophiſchen Fakultät: „Die Politik
Fried=
richs des Großen gegenüber dem Adel ſoll auf dem
Hintergrunde der überlieferten Geſellſchaftsordnung
dargeſtellt und nach ihren Motiven erläutert werden.”
Die Fakultät gab über die Arbeit folgendes Urteil ab:
„Obwohl der ſozialgeſchichtliche Hintergrund nur
ober=
flächlich angedeutet iſt und die Darſtellung einen ge=
wiſſen Mangel an Kraft und Fülle zeigt, kann die
Löſung der Aufgabe doch ſowohl in der
Zuſammen=
ſtellung und Anordnung der Tatſachen, ſowie in der
Beurteilung der Motive als wohlgelungen bezeichnes
werden. Die Fakultät ſpricht danach auch ihr den
vollen Preis zu.”
* Der regenreiche Auguſt. Die
außer=
ordentliche Unbeſtändigkeik, die die Witterung trotz
ihres höchſommerlichen Charakters ſeit Beginn dieſes
Monats aufweiſt, äußert ſich in manchen Landesteilen
durch ungewöhnlich große Niederſchlagsmengen.
Be=
ſonders das mittlere Norddeutſchland iſt von
gewalti=
gen Wolkenbrüchen heimgeſucht worden. In Berlin
ſind während der erſten drei Tage des Monats nicht
weniger als 102 Millimeter Regen gefallen; weitere
wolkenbruchartige Gewittergüſſe am 4 Auguſt haben
dieſe Regenmenge abermals beträchtlich vermehrt.
Ab=
geſehen von dem großen Wolkenbruch, der am 14.
April 1902 zu Berlin in wenigen
Stun=
den die rieſenhafte Menge von 166
Milli=
metern Regen lieferte, ſind faſt auf den Tag 50
Jahre vergangen, ſeit innerhalb ganz kurzer Zeit in
Berlin ſo große Waſſermaſſen niedergegangen ſind.
Damals, am 30. und 31. Juli 1860, fielen während
eines 42ſtündigen Landregens 108,8 Millimeter Regen.
Der Auguſt iſt in der Reichshauptſtadt jetzt ſchon
regen=
reicher, als der naſſe Mai 1908; fährt er ſo fort, ſo wird
er womöglich dem Juli 1907 gleichkommen, der 230
MMillimeter Regen lieferte. Uebrigens erſtreckt ſich die
Regenzone über einen großen Teil des Gebietes
zwi=
ſchen der mittleren Elbe und Oder; weit ſüdlich und
ſüdöſtlich von Berlin, zum Beiſpiel im Spreewald, ſind,
gleich große Waſſermaſſen niedergegangen. Das mäßig
tiefe Minimum, das die Urſache der Regenfälle
bil=
dete, befand ſich auch Donnerstag noch zwiſchen Elbe
und Oder es hatte in Süd= Weſt= und
Mitteldeutſch=
land gleichfalls heftige Gewitterregen mit Hagelſchlag
zur Folge. So fielen zu Koburg 35, zu Görlitz 22 Mm.
Regen. Die mit elektriſchen Entladungen verbundenen
Regengüſſe dürften ſich namentlich im Oſten noch
mehr=
fach wiederholen, worauf allmählich Aufheiterung und
neue Erwärmung einſetzen wird.
* Badener, nicht Badenſer. Anläßlich
der Budgetbewilligung der badiſchen Sozialdemokratie
wird in der deutſchen Preſſe, ſelbſt in badiſchen
Blät=
tern, wieder vielfach die latiniſierte Form
Badenſer=
angewendet, die erſt ſeit dem 19. Jahrhundert und
vor=
wiegend in Norddeutſchland im Gebrauch iſt. Die
Ein=
wohner des Badener Landes heißen Badener. Sie
ſelbſt nennen ſich in faſt allen Landesteilen, namentlich
auf dem Schwarzwald und im Oberland Badiſche. Die
Markgräfler werden zum Beiſpiel auch von ihren
Nach=
barn als Altbadiſche bezeichnet. Baden iſt nicht Plural
des Volksnamens, wie Sachſen, Preußen, Heſſen,
ſon=
dern bedeutet zu den Bädern. Die Form Badener iſt
amtlich, in der Verfaſſungsurkunde gebraucht und ſollte
ndlich auch von der Preſſe einheitlich übernommen
werden.
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 9. Auguſt 1910.
Nummer 184.
ein Blitz im Hauſe der Firma Bacharach und Jacobi ein,
glücklicherweiſe ohne zu zünden. — In Mannheim
wurde in der Nähe des Käfertaler Waldes die Frau des
Landwirts Gieſer vom Blitz erſchlagen.
Gießen, 6. Aug. Die Stadtverordneten beſchloſſen
in nichtöffentlicher Sitzung, das ehemalige Liebig=
Laboratorium an der Liebigſtraße dem Verein deutſcher
Chemiker zur Errichtung einer Liebig=
Gedächt=
nishalle für 60000 Mark käuflich zu überlaſſen
unter der Bedingung, daß der Kauf bis 1. Sept. d. J.
perfekt wird. Iſt dies bis dahin nicht der Fall, ſo ſoll das
Gebäude an den Verein Heſſiſcher Zahnärzte überlaſſen
werden zum Zwecke der Errichtung einer Klinik
für Zahnheilkunde und Mundpflege, die der
Verein betreiben will. Die Stadt verpflichtet ſich, hierzu
eine Beihilfe zu leiſten, wofür in dem Inſtitut die
Volksſchüler koſtenlos behandelt werden. Nachdem der
Staat es abgelehnt hat, ein derartiges Inſtitut an der
Landesuniverſität einzurichten, hält es die ſtädtiſche
Verwaltung für ihre Pflicht, hier einzuſpringen, um
die Abwanderung zahlreicher Studenten der
Zahnheil=
kunde zu verhindern. Das zahnärztliche Inſtitut ſoll
mit dem Beginn des Winterſemeſters eröffnet werden.
Friedberg, 6. Aug. Nach der Neuen Friedb. Zta.
hat das Größh. Miniſterium des Innern den Rekurs
der Stadt Bad Nauheim gegen die Entſcheidung des
Provinzialausſchuſſes in Sachen Einleiten der
Ab=
wäſſer in die Uſa als unbegründet koſtenpflichtig
ab=
gewieſen. In dem Urteil heißt es: „Wenn nun
lauch die Stadt Friedberg in dem vorliegenden
Rechts=
ſtreit obgeſiegt hat, ſo iſt doch keineswegs zu verkennen,
daß auch ſie für die derzeitige Verunreinigung der Uſa
in demſelben Maße verantwortlich gemacht werden
muß, wie die Stadt Bad Nauheim, da feſtgeſtellt
wor=
den iſt, daß eine große Anzahl Friedberger Einwohner
die Abwäſſer ihrer Hofreiten in vollſtändig ungeklärtem
Zuſtande der Uſa zuführen. Es wäre daher nach wie
vor das Beſte, wenn beide Städte eine gemeinſame
Kläranlage errichten und deren Abwäſſer der Wetter
zuleiten wollten.”
(*) Ehringshauſen, 7. Aug. Ein 115er
Muske=
tier hatte ſeine Station überfahren und ſprang mit
Gepäck aus dem fahrenden Zuge; er kam mit leichten
Verletzungen davon.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 8. Aug. Das altberühmte,
mit einem farbigen Moſaikfries von A. v. Werner
ge=
ſchmückte Pringsheimſche Haus in der
Wilhelm=
ſtraße 67, das gegenüber dem alten Palaſt der
ver=
ſtorbenen Prinzen Georg und Alexander von Preußen
anfangs der ſiebziger Jahre von Ende u. Böckmann
in italieniſcher Renaiſſance erbaut wurde, iſt, wie die
Volksztg. erfährt, an die Paläſtinabank verkauft
wor=
den. Das bisher dem Profeſſor Dr. Alfred
Prings=
heim=München, dem Gatten von Hedwig Dohm, und
deren Tochter, der Frau Rittergutsbeſitzer v.
Rohr=
ſcheidt=Rehfelde (Mark) gehörige Haus ſtand in ſeinen
oberen Stockwerken ſeit Jahren leer; es wohnte dort
nur die Dienerſchaft. Das Grundſtück beſitzt nicht viel
Hinterland; groß iſt aber im Hinblick auf die Zeit
ſeiner Erbauung die Pracht ſeiner äußeren und
inne=
ren Architektur. Seine Faſſade wurde jahrelang als
Sehenswürdigkeit angeſtaunt. Die neuen Beſitzer
wollen den Fries entfernen, ein Stockwerk aufſetzen
und Bureauräume an die Stelle der Säle treten laſſen.
— Auf Einladung des Kaiſers wird am 2. September
Lord Roberts mit mehreren anderen engliſchen
Offizieren in Berlin eintreffen. — Ein
orkanarti=
ger Sturm, der in der Nacht zum Sonntag einſetzte
und während des ganzen Sonntags anhielt, hat
zahl=
reichen Schaden und Unfälle, beſonders auf dem Waſſer,
zur Folge gehabt. Der Beginn der Flugwoche in
Jo=
hannistal wurde durch ihn vereitelt. — Der
Sommer=
feldzug der Berliner Heilsarmee, der am
Samstag mit einer großen Verſammlung in der
Ton=
halle ſeinen Anfang nahm, fand am Sonntag
nach=
mittag ſeine Fortſetzung in einer Heerſchau auf dem
Tempelhofer Felde. — Ein entſetzlicher
Un=
glücksfall hat ſich Freitag nachmittag in dem Hauſe
Kleine Markusſtraße 4 zugetragen. Bei der dort
woh=
nenden Witwe Berger weilte ſeit einigen Tagen deren
Nichte, die 7jährige Irma Wittwer, Am Oſtbahnhof 6
wohnhaft. Als ſich die Kleine geſtern nachmittag gegen
½5 Uhr nach dem Hof hinabbegeben wollte, beugte ſie
ſich im vierten Stockwerk zu weit über das
Treppen=
geländer, verlor das Gleichgewicht und ſtürzte
kopf=
über in die Tiefe. Das Mädchen fiel durch den
Licht=
hof in den Keller. Es wurde zunächſt nach der
Unfall=
ſtation und von dort, ohne das Bewußtſein wieder=
erlangt zu haben, nach dem Krankenhauſe
Friedrichs=
hain gebracht, wo es hoffnungslos darniederliegt.
Frankfurt, 6. Aug. Beim Verladen von
Farb=
hölzern, die für die Firma Fleſch junior in Frankfurt
beſtimmt ſind, fand man im hieſigen Hafen zwei
an=
ſcheinend giftige, fremdartige Schlangen, die
dem Zoologiſchen Garten überwieſen wurden.
Straßburg, 6. Aug. In einer Hinterhauswohnung
Pflanzbad Nr. 20 wurde heute abend kurz nach 7 Uhr
die etwa 37 Jahre alte verheiratete, aber zuletzt
ge=
trennt von ihrem Mann lebende Helene Blies von
einem gewiſſen Auguſt Klein, einem 34jährigen
Tag=
ner, nach einem voraufgegangenen Streit, dem
Eifer=
ſucht zugrunde lag, durch mehrere Meſſerſtiche
getötet. Die Getötete, die erſt heute nachmittag aus
dem Gefängnis entlaſſen worden wär, wo ſie eine
Haftſtrafe zu verbüßen hatte, war zum Zweck der
Ver=
ſöhnung mit ihrem Manne und der Kinder in der
ge=
nannten Wohnung zuſammengetroffen. Aug. Klein,
mit dem ſie vor ihrer Verhaftung ein Verhältnis hatte,
begab ſich gleichfalls in die Wohnung, um die
Verſöhn=
ung zu hintertreiben. Nach einem kurzen Wortwechſel
mit dem Ehemann gelang es ihm, in die Wohnung
einzudringen und der Blies ſieben bis acht Meſſerſtiche
zu verſetzen, die ihren ſofortigen Tod zur Folge hatten.
Klein flüchtete, wurde aber bald in einer nahegelegenen
Wirtſchaft verhaftet.
Köln, 7. Aug. Geſtern nachmittag 5 Uhr 45 Min.
iſt Prinz Eitel Friedrich von Preußen mit
ſeiner Gemahlin auf dem hieſigen Hauptbahnhofe
ein=
getroffen. Die Herrſchaften machten einen kurzen
Spaziergang um den Dom und fuhren 6 Uhr 35 Min.
nach Brüſſel weiter.
Köln, 7. Aug. Die Haarſchwundepidemie
im rheiniſchen Induſtriegebiet, worüber berichtet ward,
nimmt immer größeren Umfang an. Die Regierung
hat angeordnet, daß alle Schulkinder in den
betreffen=
den Orten zu unterſuchen ſind. Es wurde neuerdings
feſtgeſtellt, daß allein in Schwerte 600 Kinder
er=
krankt ſind. Mehrere auswärtige Bakteriologen
ſind anweſend, um die Krankheit auf ihren Urſprung
zu prüfen. Sie neigen der Anſicht zu, daß es ſich um
eine aus Schottland eingeſchleppte
Krank=
heit handele, deren Erreger ein Pilz iſt, der am Schaft
des Haares ſeinen Sitz hat, die Wurzel aber nicht
an=
greift. Das iſt eine beruhigende Erklärung für die
beſorgten Eltern, da für die ausgefallenen Haare
wie=
der neue wachſen müſſen. Bemerkenswert iſt, daß die
Hautkrankheit nur bei Kindern, nicht bei Erwachſenen
auftritt.
Bergzabern, 6. Aug. Heute mittag zwiſchen 1 und
halb 3 Uhr ging über die hieſige Gegend ein ſchweres
Unwetter nieder. Im Gebirge fiel ein
Wolken=
bruch, deſſen Fluten in Bergzabern Hochwaſſer
verurſachten. Der untere Stadtteil hatte ſehr darunter
zu leiden. Gärten und Felder wurden verflößt. Das
Waſſer ſtand ſtellenweiſe ½ bis ¾ Meter hoch und
drang in die Häuſer ein. Das Unwetter war von
hef=
tigen Blitzſchlägen begleitet, die zum Teil als kalte
Schläge weniger Schaden anrichteten.
Halle a. S., 8. Aug. Heute morgen wurde in einem
Kartoffelacker der Ammendorfer Flur der galiziſche
Arbeiter Bojka mit durchſchnittener Kehle tot
auf=
gefunden. Bei der Leiche lag das leere
Porte=
monnaie. Als der Tat dringend verdächtig wurde der
Arbeiter Opitz aus Radebeul verhaftet. Es handelt ſich
wahrſcheinlich um einen Raubmord. Dem Mörder
dürfte aber nur wenig Geld in die Hände gefallen
ſein, da der Ermordete ſeinen Lohn kurz vorher einem
Kaufmanne zur Abſendung übergeben hatte.
Gneſen, 8. Aug. Wie wir ſeinerzeit berichtet haben,
hatten drei Oberprimaner aus dem Amtszimmer
des Direktors die für die Reifeprüfung beſtimmten
Themata entwendet. Sie wurden zu je zwei Wochen
Gefängnis verurteilt. Nunmehr ſind die drei jungen
Leute bedingungsweiſe begnadigt worden.
Neuſtadt a. d. W., 8. Aug. In Alexanderruh bei
Neuſtadt a. d. W. wurde in einem Strohſchober der
Händler Adam Laugner erſchoſſen aufgefun
den Eine goldene Taſchenuhr, ſowie 500 Mark
Bar=
geld, die der Tote bei ſich gehabt hatte, fehlten. Die
mutmaßlichen Raubmörder wurden mit Hilfe eines
Gneſener Polizeihundes in dem Müllersſohn Lautner
aus Michalowo und dem Landwirtsſohn Stanislaus
Szesniak ermittelt und verhaftet.
Samter i. P., 8. Aug. Geſtern nachmittag iſt das
zum Lichtenberger Fideikommiß gehörige Herrenhaus,
Eigentum des Herzogs Alfred von Sachſen=Koburg=
Gotha, niedergebrannt.
Iſchl, 7. Aug. Das Herzogspaar von
Cum=
berland traf mit den Prinzen Georg Wilhelm und
Ernſt Auguſt, dem Großherzogspaar von Mecklenburg=
Schwerin, der Prinzeſſin Maximilian von Baden und
Olga mittags aus Gmunden zum Beſuche der
kaiſer=
lichen Familie hier ein und nahmen am
Familien=
diner teil. Nachmittags kehrte das Herzogspaar von
Cumberland nach Gmunden zurück. Die übrigen
Fürſt=
lichkeiten wohnten der Theatervorſtellung bei.
Paris, 7. Aug. Innerhalb weniger Tage wird der
dritte Brand einer Zeitungsredaktion
ge=
meldet. Nach dem Matin und Figaro iſt der Radical
an die Reihe gekommen. In ſeinen Redaktionsräumen,
Rue Montmartre 142, brach geſtern in der
Mittags=
ſtunde auf bisher unaufgeklärte Art Feuer aus. Die
Flammen fanden reiche Nahrung, und in kurzer Zeit
ſtanden die inneren Räumlichkeiten in Brand. Der
bald erſcheinenden Feuerwehr gelang es zwar, ein
Umſichgreifen des Feuers zu verhindern, doch konnte
dieſes bisher noch nicht gelöſcht werden. Das geſamte
Archiv des Radical iſt ein Opfer der Flammen
ge=
worden.
Paris, 7. Aug. Paſſanten der Rue des petits champs
wurden geſtern vormittag Zeugen eines
nerven=
erſchütternden Vorfalls. Laut ſchreiend
er=
ſchien im Fenſter des fünften Stockwerks ein Mann,
der ſich auf die Straße herabſtürzte. Doch am Geſims
des vierten Stockwerkes blieb der Lebensüberdrüſſige
zwiſchen Himmel und Erde hängen. Rufe des
Ent=
ſetzens entrangen ſich den auf der Straße Weilenden.
Einige von ihnen verſuchten, eine Leiter
herbeizu=
ſchaffen. Doch ihr Mühen war vergebens. Das
Ge=
ſims gab unter den ſich krampfenden Händen des
Todeskandidaten nach und dieſer ſtürzte in die Tiefe,
vor den Füßen der Straßenpaſſanten mit
zerſchmetter=
ten Gliedern liegen bleibend. Man holte die Polizei
und drang in die Wohnung des Selbſtmörders. Hier
fand man deſſen Frau im Bett tot vor. Der Schmerz
um ihr Hinſcheiden hat ihren Mann in den Tod
ge=
trieben.
Lyon, 8. Aug. Auf der Straße Grenoble-Lyon
fand bei dem Dorfe Bron ein Zuſammenſtoß
zwi=
ſchen der elektriſchen Straßenbahn und
einem mit fünf Perſonen beſetzten Automobil ſtatt,
welch letzteres zertrümmert wurde. Von den Inſaſſen
des Autos wurden drei ſchwer verletzt.
London, 7. Aug. Der König von Spanien,
der mit der Königin auf dem Landſitze Osborn Cottage
auf der Inſel Wight zum Beſuch verweilt, begab ſich
geſtern nachmittag an Bord von Sir Thomas Liptons
neueſter zu Wettfahrten beſtimmter Segeljacht:
Shamrock” in Begleitung der Prinzen Maurice
und Leopold von Battenberg. Die Jacht ſegelte gleich
danach mit dem Königlichen Gaſte nach Calſhot zu den
(Wettfahrten des Königlichen Südjachtklubs. Später
traf die Meldung ein, daß die „Shamrock” ihre Maſten
verloren habe. Die Nachricht erregte große Beſorgnis,
da man fürchtete, daß dem König ein Unglück
zuge=
ſtoßen ſein könnte. Weitere Meldungen erklärten
je=
doch, daß bei einer ſteifen Briſe der Topmaſt der
„Shamrock” weggeriſſen worden war, worauf ſie die
Wettfahrt aufgab. Niemand wurde verletzt, und es
beſtand keine Gefahr für irgend jemand an Bord. Sir
Thomas Liptons Dampfjacht „Erin” kam ſchnell an
ihre Seite und begleitete die „Shamrock” nach Cowes
zurück. König Alfons ging ſofort ans Land und kehrte
zu Fuß nach Osborn Cottage zurück.
Winnipeg, 6. Aug. Nach den neueſten Meldungen
von der Stätte des Eiſenbahnunglücks bei
Re=
gina wurde von den in der Begleitung der beiden
Miniſter befindlichen Perſonen niemand ernſtlich
ver=
letzt. Der Premierminiſter hat ebenfalls nur
unge=
fährliche Quetſchungen erlitten und wird die Reiſe
nicht unterbrechen.
Militäriſche Gedenkfeiern.
* Weißenburg, 7. Aug. Zur Feier der
40jährigen Wiederkehr des Tages von
Weißen=
burg hatten ſich geſtern vormittag gegen 10 Uhr anf
dem Marktplatze von Weißenburg etwa 150 Veteranen
und Angehörige von Kriegervereinen verſammelt und
begaben ſich von dort aus unter Vorantritt der
Muſik=
kapelle des Infanterieregiments Markgraf Karl (7.
Brandenburgiſches) Nr. 60 nach dem Bayern=Denkmal,
wo ſie die Ankunft des Feldmarſchalls Grafen v.
Häſeler erwarteten. Derſelbe erſchien in Uniform
zu Pferde. Nach dem Vortrag des Niederländiſchen
Dankgebetes eröffnete Major Saltzgeber die Feier und
begrüßte im Namen des elſaß=lothringiſchen Krieger=
Kleines Fenilleton.
* Das Automobil als
Inſektenvertil=
ger. Das ſo vielgeſcholtene Automobil hat, nach der
Daily Mail wenigſtens, einen ſichtbaren Nutzen der
Bevölkerung gebracht: die ſtetige Zunahme des
Auto=
mobilverkehrs hat in der Eity Londons eine
bemer=
kenswerte Abnahme der Bremſen und Fliegen nach ſich
gezogen. Eingehende Unterſuchungen dieſer
unver=
kennbar vorhandenen Erſcheinung haben ergeben, daß
die Menge der verſchiedenſten Gaſe, die den
Motor=
wagen entſtrömen, inſofern eine Desinfektion der Luft
herbeiführen, als zahlloſe Inſekten dadurch getötet
werden. Vor allem beſitzt das Creoſot, das ſich
haupt=
ſächlich in den Gaſen der Automobile befindet, dieſe
luftreinigende Wirkung. Dieſe Gasmengen ſollen aber
nicht nur die ſchädlichen Inſekten vernichten, oder in
Stadtteile treiben, wo wenig Automobilverkehr iſt,
und die Bedingungen zu ihrem Fortkommen günſtiger
ſind, ſondern auch zahlloſe Krankheitskeime, die ſich vor
allem in den dichtbevölkerten Stadtteilen in der Luft
und am Boden anſammeln. Es werde dadurch
gewiſ=
iſermaßen ein Gegengewicht gegen die Gefahren
geſchaf=
fen, die der aufgewirbelte Staub für die Paſſanten mit
ſich bringt, wodurch freilich die große Schädlichkeit
dieſes Stanbes für die Lungen und die Augen
keines=
wegs beſeitigt iſt.
* Die ſchenkenden Genfer. Der
bevor=
ſtehende Beſuch des Präſidenten Falliéres — der erſte
eines Oberhauptes der benachbarten Republik auf
Schweizer Gebiet — verurſacht in Genf keine geringe
Erregung. Man will Falliéres auf das würdigſte
empfangen und ihm verſchiedene Geſchenke zur
Er=
innerung überreichen. So haben die Schokoladen=
Fabrikanten eine Nachbildung des Elyſeepalaſtes aus
Schokolade herſtellen laſſen; ein darin eingelaſſenes
Muſikwerk ſpielt die Marſeillaiſe. Ein Bauer hat dem
„Führer der franzöſiſchen Republik” geſchrieben, dieſer
möge ihn beſuchen und ſeinen Wein probieren. Ein
anderer hat ſich neue Bienenſtöcke angeſchafft, um
Fal=
liéres 300 Kilogramm Honig als Geſchenk überreichen
zu können. Die Spitzenfabrikanten laſſen für die Frau
des Präſidenten eine koſtbare Mantille weben, und
Genfs Uhrenfabrikanten fertigen eine Blumenuhr an.
Das Getriebe beſteht aus Holz, Zeiger und
Ziffer=
blätter, ſowie das Gehäuſe aus lebenden Blumen.
* Ein nettes Geſchichtchen weiß der
Volks=
freund aus der Gemeinde Neuburgweier (Amt
Ettlin=
gen) zu erzählen, nämlich von einem Gemeindebock,
der wegen Altersſchwäche von der Gemeinde verkauft
und dann als „junge” Kraft wieder angekauft worden
war. Das genannte Blatt ſchreibt darüber u. a.: Der
hohe Rat der Dorfgemeinde Neuburgweier beſchloß
einſtimmig, den Bock zu verkaufen und eine jüngere
„Kraft” zu engagieren. Das Tier wurde um den
Ramſchpreis von 9 Mark losgeſchlagen, und der
be=
treffende Käufer verkaufte ihn ſofort weiter um den
Preis von 12 Mark nach Daxlanden. Der neue
Be=
ſitzer in der Karlsruher Vorſtadtgemeinde war aber
ein „ganz Schlauer” er ſtutzte den Bock großartig her,
wuſch ihn mal gründlich und friſierte ihn tadellos und
bot ihn dann in der Zeitung aus. Und da gerade die
Gemeinde Neuburgweier einen neuen Gemeindebock
brauchte, traf ſich das vorzüglich. Der Bock hatte ein
junges, ſchneidiges Aeußere und war um den Preis
von 45 Mark halb geſchenkt. Die Gemeinde ſchlug
ein und hat nun ihren alten Bock wieder und noch
36 Mark daraufgezahlt.
* Verbrenne zu Hauſe! Eine engliſche
Geſellſchaft will den trauernden Hinterbliebenen
Ver=
ſtorbener die „Wohltat” erweiſen, daß ſie die
Einäſche=
rung des geliebten Toten gleich im Hauſe vornehmen
laſſen können. Sie bietet transportable kleine
Krema=
torien zum Kauf oder zur Miete an, die nicht viel
grö=
ßer, nur niedriger und länger ſind, als ein
gewöhn=
licher Gasherd. Sie brauchen höchſtens 1 Stunde lang
vorgeheizt zu ſein, dann nimmt ein ſtählerner Behälter
die Bahre auf, und in wenigen Sekunden iſt der
Ver=
brennungsprozeß vollzogen. Die Geſellſchaft empfiehlt
die Apparate in ihren Zirkularen zur feſten
Anſchaf=
fung, iſt aber auch bereit, ſie bei Bedarf auf
telephoni=
ſche oder telegraphiſche Beſtellung jeweils leihweiſe
ins Haus zu ſchicken, natürlich mit allem erforderlichen
Perſonal. Die Anſchaffung des Apparates ſoll
vorläu=
fig noch rund 2000 Mark koſten. Gutſituierte Leute
können ſich alſo jetzt außer Automobil, Pianola und
im Hauſe halten!
* Ein wandernder Kirchturm. Aus
Amerika iſt oft die Nachricht gekommen, daß Häuſe
von einem Orte zum anderen verſetzt werden. Mei
handelt es ſich aber mehr um eine Hundehüt
als um Häuſer. Nunmehr wird jedoch in Bocholt
eine wirkliche und noch dazu mittelalterliche Kirche
verſetzt. Die Arbeit wird von zwei amerikaniſchen In
genieuren mit nur acht Arbeitern ausgeführt. Neuc
Grundmauern für den Kirchturm ſind etwa 30 Fu
von ſeinem alten Standpunkt entfernt gelegt worden
und der Turm, der aus dem 14. Jahrhundert ſtamn
und 2700 Tonnen wiegt, rutſcht allmählich auf eine
geſchickt konſtruierten Unterlage vorwärts. Acht Fuß
des Weges ſind bereits zurückgelegt. Es wird erwarte
daß der Kirchturm Ende dieſer Woche ſeinen neuen
Standpunkt erreicht. Große Menſchenmengen verfolgen
zu jeder Zeit mit lebhaftem Intereſfe das ſeltſame
Er=
eignis.
* Geſchäft und Religion. Der in Würz
burg erſcheinende Armenſeelenbote veröffentlichte in
dieſen Tagen folgende Abonnementseinladung: „Ir
weiteren machen wir unſere geehrten Abonnenten dar
auf aufmerkſam, daß wir vom dritten Jahrgang ar
jährlich 72 heilige Meſſen für die Anliegen der
Abon=
nenten und zum Troſte der armen Seelen leſen laſſen
werden, ferner, wer den Abonnementspreis im vorau
einſendet, wird in den „Sühnungsverein der verlaſſe
nen Seelen im Fegefeuer” aufgenommen, in welcher
jede Woche über 4000 heilige Meſſen geleſen werden.”
* Das verſengte Glückslos. Jeder iſ.
ſeines Glückes Schmied, nur nicht der Dorfſchmied in
Reneſſe auf der ſeeländiſchen Inſel Schouwen. Sein
Brüſſeler Ausſtellungslos Nummer 18353 kam mit den
Haupttreffer von 200000 Francs heraus. Leider hatte
der Mann die Glücksnummer in ſo leichtfertige Nähe
ſeiner brennenden Pfeife gebracht, daß die erſten zwe
Ziffern verſengt und unleſerlich geworden ſind. Der
Beſitzer des großen Loſes ſetzt augenblicklich Himmel
und Erde in Bewegung, um ſein Geld zu erhalten. Es
iſt jedoch fraglich, ob ihm das gelingen wird.
Nummer 184.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 9. Auguſt 1910.
Seiter5.
landesverbandes die Veteranen. In ſeiner Rede dankte
er dem Kaiſer, daß er den Grafen Häſeler mit ſeiner
Vertretung betraut und durch die Gewährung billigerer
Fahrpreiſe den Veteranen die Teilnahme an der Feier
ermöglicht habe. Ferner gedachte der Redner dankend
des Statthalters, der durch die Bewilligung einer
jähr=
lichen Lotterie den Kriegerlandesverband unterſtütze.
Nachdem Hauptmann Niedermaier=Landau die Schlacht
von Weißenburg geſchildert und die Teilnahme der
Bayern an ihr im beſonderen gewürdigt hatte, folgte
die Niederlegung der Kränze; zunächſt eines ſolchen
ſeitens des Majors der Landwehr, Juſtizrat
Schwei=
gert=Frankenthal im Namen des bayeriſchen
Vete=
ranen= und Kriegerbundes und der pfälziſchen
Kampf=
genoſſenſchaft, eines ſolchen durch den Oberſt Stobbe
im Namen des 60. Infanterie=Regiments, das in
Weißenburg liegt, und eines dritten durch den
Direk=
tor Pierling von dem Veteranen= und
Feldſoldaten=
verein der Stadt München.
Trotz des andauernden ſtrömenden Regens hatte
ſich zur Nachmittagsfeier eine bei weitem
größere Anzahl der Teilnehmer eingefunden, die am
Hagenauer Tor Aufſtellung nahm, hier den Grafen
v. Häſeler erwartend. Nachdem der Feldmarſchall die
Front der Verſammelten abgeritten, ſetzte ſich unter
ſeiner Führung der Zug zum Armeedenkmal nach dem
Geisberg in Bewegung. Hier wiederholte Major a. D.
Saltzgeber ſeine Rede vom Vormittag und brachte ein
Hoch auf den Kaiſer aus. Hauptmann der Landwehr
Hennenhofer=Weißenburg ſprach über die Erſtürmung
Weißenburgs und des Geisberges und ſchloß mit einem
Hoch auf die Armee, worauf die Verſammelten das
Lied „Deutſchland, Deutſchland über alles!” ſangen.
Dann erbat Graf v. Häſeler das Wort und entledigte
ſich eines Auftrages des Kaiſers, deſſen Gruß er der
Verſammlung übermittelte. Auf ſeine Aufforderung
ſang die Verſammlung noch einmal das eben geſungene
Lied. Hierauf legten dieſelben wie bei der Feier am
Vormittag auch Kränze am Armeedenkmal nieder und
außerdem der Kriegerverein Suz unterm Wald. Nach
einem Beſuch des Geisbergſchlößchens begaben ſich die
Feſtteilnehmer zum franzöſiſchen Armeedenkmal, wo
Major Saltzgeber ebenfalls einen Kranz niederlegte.
* Saarbrücken, 8. Aug. Unter ſehr zahlreicher
Beteiligung der Bevölkerung der Saargegend wurde in
Anweſenheit der zu ihrem 16. Verbandstage hier
weilen=
den Veteranen die 40jährige Gedächtnisfeier der Schlacht
bei Spichern ſeſtlich begangen. Der Kaiſer hatte
mit ſeiner Vertretung den kommandierenden General
von Plötz beauftragt. Am Samstag fand ein Feſtkommers
ſtatt, am Sonntag vormittag ein Feſtzug, an dem etwa
1400 Perſonen mit 100 Fahnen und 14 Muſikkorps
teil=
nahmen. Am Fuße der Spicherer Höhe wurde dann eine
würdige ernſte Gedächtnisfeier abgehalten, an der 2000
Veteranen und alte Krieger aus den Jahren 1870/71 und
eine insgeſamt auf 50000 Perſonen geſchätzte
Menſchen=
menge teilnahmen. Die Feſtrede hielt hier Bürgermeiſter
Dr. Mangold, das Kaiſerhoch brachte Exzellenz von Plötz
aus. Am Sonntag abend war große Beleuchtung,
ver=
bunden mit impoſantem Feuerwerk.
* Saarbrücken, 8. Aug. Auf ein von der
Gene=
ralverſammlung Deutſcher Kriegsveteranen an den
Kai=
ſer gerichtetes Huldigungstelegramm iſt
fol=
gende Antwort eingelaufen: An die
Generalverſamm=
lung des Verbandes Deutſcher Kriegsveteranen. Schloß
Wilhelmshöhe, 8. Auguſt. Seine Majeſtät der Kaiſer und
König haben die Meldung von der ſeitens der
Generalver=
ſammlung in Ausſicht genommenen Angliederung des
Verbandes Deutſcher Kriegsveteranen an den Deutſchen
Kriegerbund gern entgegengenommen und Allerhöchſt ſich
gefreut, daß die Einmütigkeit der deutſchen Krieger bei der
40. Gedenkfeier der ruhmreichen Schlacht bei Spichern in
erhebender Weiſe zum Ausdruck gebracht worden iſt. Seine
Majeſtät laſſen allen Beteiligten für das erneute Gelübde
der Treue beſtens danken. Auf Allerhöchſten Befehl der
Geheime Kabinettsrat v. Valentini.
Das Kaiſerpaar
iſt mit Gefolge am Samstag abend um 9,35 Uhr in
Kaf=
ſel eingetroffen und hat ſich nach dem Schloß
Wil=
helmshöhe begeben.
In Hannover hatte die Kaiſerin am Samstag
Frau General Emmich und Frau Oberpräſident von
Wentzel empfangen. Späterhin beſuchte die Kaiſerin das
Henriettenſtift, die evangeliſch=lutheriſche Diakoniſſen=
Anſtalt, wo ſie von der Prinzeſſin von Sachſen=Meiningen
empfangen wurde, und das Anna=Stift, Pflege= und
Heil=
anſtalt für bildungsfähige Krüppel, das aus Anlaß der
ſilbernen Hochzeit des Kaiſerpaares erweitert worden iſt.
Konſiſtorialpräſident Heinichen empfing hier die hohe
Frau. Die Abreiſe des Kaiſerpaares nach Wilhelmshöhe
erfolgte nachmittags um 6,15 Uhr im Sonderzug unter
den herzlichſten Kundgebungen des Publikums.
Luftſchiffahrt.
* Metz, 8. Aug. Das Luftſchiff „P I” iſt
heute früh um 7 Uhr in öſtlicher Richtung
davon=
gefahren. Um 9,40 Uhr wurde das Luftſchiff über
SSaarbrücken geſichtet und nahm dann ſeinen Weg
über Völklingen und Klein=Roſſeln nach Metz zurück,
wo es um 11½ Uhr glatt vor der Halle landete.
sr. Ueberlandflug Frankfurt=Mainz=
Mannheim. Als Termin für den
Zuverläſſigkeits=
preis iſt der 16. Auguſt, und zwar die Stunde von 11
bis 12 Uhr vormittags, feſtgeſetzt. An dieſem Tage
iſt der Kaiſer in Mainz zur Truppenſchau. Die
Be=
ſſtimmung über den Zeitpunkt der übrigen Flüge iſt
dahin geändert, daß Aufſtieg und Landung von 5 Uhr
früh bis 10 Uhr abends erfolgen können. Die Strecke
für die Flüge von Frankfurt nach Mainz iſt
frei=
geſtellt, eine Landung auf der Rennbahn alſo nicht
mehr Bedingung. Dadurch wird man in Wiesbaden
von den Fliegern nur wenig zu ſehen bekommen. Bis
Freitag mittag hatten folgende Piloten feſt gemeldet:
Oberlt. v. Kitner (Garde=Kür.=Regt.), v. Mumm und
Jeannin. Feſt in Ausſicht ſtehen die Meldungen von
Lindpaintner und von Gorriſſen.
* Nancy, 7. Aug. Aus Mourmelon ſind drei
Militär=Aeroplane hier angekommen. Die
Führer der drei Aeroplane hatten eine militäriſche
Aufgabe erhalten, indem ſie während des Fluges eine
beſtimmte Zahl von Beobachtungen anſtellen mußten.
Die Militärbehörde iſt von den guten Ergebniſſen ſehr
befriedigt.
sr. Die Internationale Aeroplan=
Rundfahrt durch Frankreich wurde am
Sonn=
tag mit beſtem Erfolge mit der erſten Etappe von
PParis nach Troyes über 135 Kilometer eröffnet. Das
windſtille, ſchöne Wetter war dem Unternehmen ſehr
günſtig. Es ſtarteten vormittags in Paris acht
Avia=
tiker, während der neunte ſich nachmittags auf die
Flugreiſe machte. Den ſchnellſten Flug des erſten
Tages erzielte Leblane mit der ausgezeichneten Zeit
von 1 Stunde 33 Minuten. Das Klaſſement der
näch=
ſten war: 2. Aubrun, 1:39; 3. Lindpaintner=
München, 2117; 4. Mamet, 5. Legagneux, 6. Weymann.
— Man ſieht alſo, daß Ueberlandflüge ſelbſt in größtem
Umfange veranſtaltet werden können und daß ihr
Ver=
bot in Deutſchland ein Zeichen überflüſſiger Nervoſität
bildet. Sofern man an maßgebenden Stellen die
Ab=
ſicht hat, daß die deutſchen Aviatiker mit den
franzöſi=
ſchen wie überhaupt mit den ausländiſchen Aviatikern
konkurrieren ſollen, wird man hoffentlich bald
wieder zu einer Aufhebung des jüngſten Verbotes
ſchreiten.
Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
— In der Breiten Allee, zwiſchen der Main=
Neckar=Bahn und dem Stirnweg, und namentlich auf
dem nördlichen Fußweg der Allee, hängt das Laub der
Bäume derart herunter, daß die Spaziergänger
fort=
während dem Gezweig und Geſtrüpp der Bäume
aus=
weichen müſſen. Mit aufgeſpanntem Regen= oder
Sonnenſchirm iſt in der Allee zwiſchen den Bäumen
überhaupt nicht zu gehen. Schleunige Beſeitigung
die=
ſes Mißſtandes iſt geboten.
B.
Vermiſchtes.
* „Rein Leinen.” § 4 des Geſetzes gegen den
unlauteren Wettbewerb ſchließt die Gefahr in ſich, daß
die von den deutſchen Herrenwäſchefabrikanten ſeit einem
halben Jahrhundert gebräuchlichen Bezeichnungen, wie
„Leinen”, „rein Leinen” uſw., mit denen keineswegs
ge=
ſagt werden ſoll, daß ein Kragen in allen ſeinen Teilen
aus Leinen hergeſtellt iſt, ſondern daß nur ein Teil, etwa
die äußere Decke, rein Leinen iſt, als unter dieſen
Para=
graphen fallend angeſehen werden und demzufolge bei
irr=
tümlicher Auffaſſung der Kundſchaft mit Erfolg gegen ſie
geklagt werden kann. Wie die Fachzeitſchrift „Die Textil=
Woche” berichtet, haben die deutſchen Wäſchefabrikanten
daher einer Anregung des Vereins Berliner
Wäſchefabri=
kanten folgend beſchloſſen, an ſämtliche zirka 15000
Wäſche=
handlungen Deutſchlands ein Zirkular zu verſenden, in
dem koſtenlos jedem Zwiſchenhändler, Groſſiſten wie
De=
tailliſten eine Anzahl Plakate angeboten wird, mit dem
Anſuchen, dieſe in ihrem Geſchäftslokal an auffälliger
Stelle zum Aushang zu bringen. Auf dieſem Plakat iſt
deutlich angegeben, was unter den Bezeichnungen „4fach”,
„öfach”, „Leinen”, „rein Leinen” zu verſtehen iſt. Da man
von den alten Bezeichnungen nicht abgehen will, hofft man
durch dieſen Aushang die Konſumenten mit den in der
Wäſchebranche üblichen Bezeichnungen vertraut zu machen
und es zu verhindern, daß die Bezeichnungen in ihrem
Wortſinn beim Laien den Anſchein eines „beſonders
gün=
ſtigen Angebots” erwecken. Uebrigens haben bereits viele
Detailliſten, aus Beſorgnis, ohne ihr Verſchulden mit dem
§ 4 des Geſetzes über den unlauteren Wettbewerb in
Be=
rührung zu kommen, die Forderung an ihre Lieferanten
geſtellt, ihre Stempelung zu ändern und ſtatt der bisher
üblichen z. B. „Decke Leinen” oder „Außenſeite Leinen”
zu ſtempeln.
Literariſches.
— Der brennende Buſch. Roman von Clarice
Tartufari. Deutſch von Katharina Brenning. Preis
4 Mark, geb. 5 Mark. Berlin, Verlag Dr. Wedekind & Ko.,
G. m. b. H. Hier, in dem Roman der italieniſchen
Dich=
terin, wird das Lied vom Untergang geſungen. Hier
un=
terliegt das Schwache böſen Zufällen, an denen das Leben
ja nicht arm iſt, und den Tritten der Tücke. Die Heldin
der Erzählung iſt ein Weib von holder und ſehnſüchtiger
Seele, eine Frauengeſtalt, wie geſchaffen, im Gehege einer
edlen Familie, von Gattenliebe behütet und erwärmt, zu
blühen und Frucht zu tragen. Und auch etwas wie eine
Lehre ſteigt aus dieſem Buch, ſofern eine deutlich erweckte
Willensrichtung eine Lehre iſt. Dieſer Wille aber, der da
wachgerüttelt wird, gilt einer neuen, wehrhaften, ſtark in
ſich ruhenden Weiblichkeit, die ſich nicht widerſtandslos
von den feindlichen Händen, die ſie im Kampf um
Selbſt=
erhaltung wehrend umdrängen, überwältigen läßt.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Hagen (Weſtfalen), 8. Aug. Geſtern ſtarb hier der
frühere Reichstagsabgeordnete und Herausgeber der
Weſt=
deutſchen Volkszeitung, Fusangel.
* Katlsbad, 8. Aug. Kaiſer Franz Joſef
ge=
nehmigte die Errichtung eines Denkmals, das
anläßlich des 80. Geburtstages von einem Komitee
reichs=
deutſcher Kurgäſte der vier böhmiſchen Bäder in Karlsbad
errichtet werden ſoll. Prof. Eugen Börmel=Berlin, der
von dem Komitee beauftragt war, einen plaſtiſchen
Ent=
wurf des Denkmals herzuſtellen, vollendete dieſen. Das
Modell ſtellt Kaiſer Franz Joſef in ganzer Figur in
Generalsuniform dar. Die Statue ſoll in Bronze
ausge=
führt werden.
* Baku, 8. Aug. Auf den Naphthawerken der
Moskau=Kaukaſiſchen Geſellſchaft iſt ein
Spring=
quell zutage getreten, der täglich 350000 Pud Naphtha
auswirft.
* Konſtantinopel, 8. Aug. Die Blätter ſprechen
ihre Befriedigung aus über den Ankauf der
bei=
den deutſchen Panzerſchiffe, wodurch die
Ueberlegenheit der Türkei über Griechenland auf dem
Meere geſichert werde.
* Teheran, 8. Aug. Bei den geſtrigen Kämpfen
wurden auf ſeiten der Regierungstruppen etwa 12
Per=
ſonen getötet oder verletzt, ſeitens der Fidais etwa 36;
300 Fidais wurden gefangen genommen.
H. B. Berlin, 8. Aug. Heute morgen 3 Uhr wurde
der Poſten am Pulverhaus des Potsdamer Garde=
Feldartillerie=Regiments zwiſchen Nedlitz und Fahrland
von drei Perſonen, die ſich ihm näherten, beſchoſſen.
Die Kugel traf den Poſten am Unterarm. Darauf
ergrif=
fen die Angreifer die Flucht.
— Berlin, 8. Aug. Das B. T. meldet, aus
Straßburg: Die Tochter des früheren
Reichstags=
abgeordneten Juſtizrat Riff geriet geſtern unter
eine Lokomotive und wurde ſofort getötet.
— Hannover, 8. Aug. Generalleutnant Wilhelm
Spitz, der Bruder des in der vorigen Woche
verſtor=
benen Vorſitzenden des -Deutſchen Kriegerbundes, iſt
geſtern nachmittag auf einem Spaziergange an einem
Schlaganfall im Alter von 74 Jahren geſtorben.
— Pankow, 8. Aug. Heute früh
verunglück=
ten in den Pankower Waſſerwerken der 24jährige
Pumpenwärter Kummer, der in einen tiefen Brunnen
geſtiegen war, und der Maſchinenmeiſter Thierbach, der
ihn retten wollte, infolge giftiger Gaſe. Beide Leichen
wurden geborgen.
— Innsbruck, 8. Aug. Bei militäriſchen Uebungen
ſind vom Monte Baldo zwei Meldereiter
abge=
ſtürzt. Einer wurde ſchwer, einer leicht verletzt.
— Im Brennergebiet iſt ein Bahnangeſtellter
beim Edelweißſuchen abgeſtürzt und ſchwer verletzt
worden. — Bei Mauthen in Kärnten ſtürzte ein
Soldat ab. Seine Leiche wurde geborgen.
H. B. Rom, 8. Aug. Wie aus dem Vatikan gemeldet
wird, ſollen die Verhandlungen mit der
ſpa=
niſchen Regierung in den nächſten Tagen
wie=
der aufgenommen werden.
II. B. London, 8. Aug. Aus Ottawa wird gemeldet:
In Cochrane brannten 19 Geſchäftshäuſer ab. Der
Brandſchaden beträgt 600000 Mark. Aus Cobalt wurden
ſchleunigſt Zelte geſandt, um die Obdachloſen
aufzu=
nehmen.
Briefkaſten.
St. Es macht in der von Ihnen berührten
Ange=
legenheit keinen Unterſchied, ob Sie aus dem
links=
oder aus dem rechtsrheiniſchen Bayern ſtammen. Das
Recht der Teilnahme an den Gemeindewahlen iſt im
Großherzogtum Heſſen an den Beſitz des
Unter=
ſtützungswohnſitzes geknüpft und da das
Kö=
nigreich Bayern ſich bei der Gründung des Deutſchen
Reiches ſeine eigene Heimatsgeſetzgebung als
Reſervat=
recht vorbehalten hat und an dem
Unterſtützungswohn=
ſitzgeſetz nicht teilnimmt, ſo ſind die Bayern nach der
dermaligen Geſetzgebung allerdings von der
Teil=
nahme an den Heſſiſchen Gemeindewahlen
ausgeſchloſ=
ſen. Man hat dies ſchon oft als eine von dem
Geſetz=
geber gar nicht gewollte Unſtimmigkeit empfunden und
ſoll, wenn wir uns recht erinnern, bei der Reform der
Verwaltungsgeſetze dem auch Rechnung getragen
wer=
den. Sie haben übrigens das Recht, wenn Sie in
Heſ=
ſen wohnen, jederzeit Ihre Aufnahme in den heſſiſchen
Staatsverband zu beantragen und damit das
Ge=
meindewahlrecht zu erwerben. Der Antrag darüber iſt
bei der dortigen Bürgermeiſterei zu ſtellen; die
Auf=
nahmeurkunde wird vom Kreisamt koſtenfrei erteilt.
„Kufeke” enthält keine Milch und iſt daher ein
vorzügliches Nährmittel für Kinder, die nur
vorüber=
gehend oder überhaupt keine Milch vertragen können;
daher bietet „Kufeke” eine hervorragende Nahrung bei
Brechdurchfall, Darmkatarrh, Diarrhöe ꝛc., wo Milch und
Milch enthaltende Nahrungsmittel zu meiden ſind. (15601M
In6 strumente aller Art
Geigen — Mandolinen — Guitarren
Blech-, Holz- u. Schlaginstrumente
Mund- und Ziehharmonikas
Ocarinas etc. — Saiten
Fiano u.S
Karmonium
Lager
Kauf - Miete
Eigenes
Reparatur-
Ntelier
f. alle Instrum
Georg Thie
Nachfolg
Darmstadt
Elisab.-St. 12.
Geſchäftliches.
Die Firma F. Soennecken=Vonn bringt eine
hübſche und praktiſche Neuerung auf den Markt, die ſich
ſicher bald zahlreiche Freunde erwerben wird; ein ſog.
„Ringbuch” d. i. ein Notizbuch oder auch Taſchen=
Kontobuch, Merkbuch, Kommiſſionsbuch oder dergl.,
deſſen techniſche Einrichtung eine vielſeitige
Verwendbar=
keit zuläßt. Der Papierinhalt iſt nicht gebunden, ſondern
blattweiſe oder im ganzen auswechſelbar. Und zwar
kann das Auswechſeln durch einen einfachen Handgriff
erfolgen, da die das Papier haltenden Ringe ſich durch
leichtes Schieben eines Stahlriegelchens ſelbſttätig öffnen
und ſchließen. Der Deckel des in handlichem Format
gefertigten „Ringbuches” iſt aus dauerhaftem Leder
ge=
fertigt, der Mechanismus faſt unverwüſtlich. — Auch in
Füllfederhalternhat die Firma Soennecken wieder
zübſche und praktiſche Neuerungen herausgebracht, ſo
daß nun wohl für jede Hand eine Goldfüllfeder geſchaffen
iſt. Die Füllfeder 535 (Mk. 6,—) iſt außerordentlich
praktiſch, zuverläſſig und preiswert.
(15587
Unſer heutiges Blatt enthält eine Beilage, betreffend:
„Zirkus Schumann kommt”.
(15640
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 9. Auguſt 1910.
Nummer 184.
Todes-Anzeige.
Verwandten, Freunden und Bekannten die
traurige Nachricht, daß am Samstag abend
10 Uhr unſere liebe, gute Schweſter, Schwäge=
(15607
rin und Tante
Frau Elise Keil
geborene Matthes
Privatin
nach kurzen, ſchweren Leiden ſanft
ent=
ſchlafen iſt.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
J. Matthes.
Darmſtadt, den 8. Auguſt 1910.
Die Beerdigung findet Dienstag, den 9. Aug.,
nachmittags 5 Uhr, vom Sterbehauſe,
Hein=
richſtraße 72 aus, ſtatt. Einſegnung eine
Viertelſtunde vorher.
Amtlicher Weterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Verlauf der Witterung ſeit geſtern früh: Die
Wetter=
lage iſt wenig verändert. Der öſtliche Hauptwirbel zieht
nur langſam ab, während ein geſtern über der Nordſee
Todes-Anzeige.
Geſtern Abend entſchlief nach längerem,
mit Geduld ertragenem Leiden, unſer guter
(15605
Onkel
Jakob Ochs
im vollendeten 69. Lebensjahre.
Darmſtadt, den 7. Auguſt 1910.
Familie W. Hohlfeld,
Oberwaldhaus.
Die Beerdigung findet Dienstag Nachmittag
3 Uhr, vom Portal des Darmſtädter
Fried=
hofes aus, ſtatt.
lagernder Randwirbel ſüdwärts rückt. Unter der
Herr=
ſchaft eines weſtlichen Hochdruckgebietes iſt in Süd= und
Mitteldeutſchland heiteres Wetter eingetreten, morgens
herrſcht vielenorts Nebel. Beim Vorüberzug des
nörd=
lichen Randwirbels werden vorübergehend einzelne
Strich=
regen vorkommen.
Ausſichten in Heſſen für Dienstag, 9. Auguſt:
Zeitweiſe wolkig, meiſt trocken, nur vereinzelt leichte
Strichregen, mäßig warm, Morgennebel.
Tageskalender.
Konzert um ½ 7 Uhr im Reſtaurant Schmitt (Bahnhof).
Konzert um 8 Uhr im Saalbau.
Konzert um 8 Uhr im „Schützenhof”.
Konzert um 8 Uhr im Hotel Heß.
Konzert um 8 Uhr im „Perkeo.”
Ausſtellung des Deutſchen Künſtlerbundes (geöffnet
von 10—7 Uhr).
1. Darmſtädter Kinematograph (Ecke Rhein= und
Grafenſtraße): Vorſtellungen von 3—11 Uhr.
Verſteigerungskalender.
Mittwoch, 10. Auguſt.
Hofreite=Verſteigerung des Lud. Graulich (
Guten=
bergſtraße 52) um 10 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Hofreite=Verſteigerung des Heinr. Müller (
Lieb=
frauenſtraße) um 10 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Hofreite=Verſteigerung des Hch. Gaigals (Grüner
Weg 17) um 10 Uhr auf dem Ortsgericht II.
Hofreite=Verſteigerung des Adolf Theiß (
Beſ=
ſungerſtraße 88) um 11 Uhr auf dem Ortsgericht II.
Mobiliar= ꝛc. Verſteigerung um 10 Uhr
Runde=
turmſtraße 16.
Mobiliar= ꝛc. Verſteigerung um 3 Uhr in der
„Ludwigshalle‟.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil: J. Kroſt, ſämtlich in Darmſtadt. —
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.
Heosenbrauf laselenbiere
sind hochfeine Qualitätsbiere.
(257a
(15
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22 unt. J 24 a. d. Exp. d. Bl. (*19202oi
Kurſe vom 8. Auguſt 1910.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.
Bf. Staatspapiere. In Proz.
4 Dſche. Reichsſchatzanw. 100,40
3½ Deutſche Reichsanl. . 23,10
24,00
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg. 100,30
3½ do. Conſols . . . . 93,10
84,10
B do. do.
A Bad. Staatsanleihe . . 101,60
93,80
do.
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanl. . 101,60
92,00
do.
do.
4 Hamburger Staatsanl. 101,30
ſ4 Heſſ. Staatsanleihe . . 101,40
do.
91,40
do.
80,90
8 Sächſiſche Renre . . . 83,60
4 Württemberger v. 1907 102,10
do.
92,70
5 Bulgaren=Tabak=Anl.
¾ Griechen v. 1887 . . 48,20
8¾ Italiener Rente . . .
4½ Oeſterr. Silberrente . 97,50
do. Goldrente .
do. einheitl. Rente 93,80
Portug. unif. Serie I 68,30
do. unif. Ser. III 67,70
do. Spezial. 11,70
Rumänier v. 1903 . . 102,00
do. v. 1890 . . 95,40
do. v. 1905 . .
Ruſſen v. 1880 ₰ . . .
98,80
90,50
91,75
Zf.
4 Ruſſen v. 1902 . . . .
4½ do. v. 1905 .
3½ Schweden . .
4 Serbier amort. v. 1895
Türk. Admin. v. 1903
4 do. unifiz. v. 1903
4 Ungar. Goldrente .
4 do. Staatsrente
5 Argentinier ..
do.
4½ Chile Gold=Anleihe
5 Chineſ. Staatsanleihe:
do.
4½ Japaner . .
5 Innere Mexikaner .
do,
4 Gold=Merikan. v. 1904
5 Gold=Mexikaner
InProz.
92,50
93,30
84,60
87,30
94,70
94,60
91,30
101,80
91,10
93,10
105,60
97,40
95,00
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
4 Hamb.=Amerika=
Paket=
ſahrt .
.143,50
4 Nordd. Lloyd . . . . 110,50
4 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 121,00
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
4 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 403 119,00
4 Baltimore & Ohio . . 108,60
4 Gotthardbahn . . . .
InProz.
4. Oeſt.=Ungar. Staatsb. 160%
4 Oeſt. Südbhn. (Lomb.) 21,70
4 Pennſylvania R. R. 129,50
Induſtrie=Aktien.
Mainzer Aktienbrauerei . 205,50
Werger=Brauerei
Bad. Anil.= u. Sodafabrik 476,25
Fabrik Griesheim . . . . 260,25
Farbwerk Höchſt
Verein chem. Fabriken
324,00
Mannheim .
Lahmeyer ..
119,10
Schuckert .
.164,80
Siemens &e Halske . . . 248½
Adlerfahrradwerke Kleyer 425,75
Bochumer Bb. u. Guß . . 237,49
Gelſenkirchen .
.212,75
Harpener . .
.201,00
Phönix, Bergb. u.
Hütten=
betrieb .
. . 230,00
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 89,80
4 Pfälzer Prt. . . . . . 100,30
92,00
do.
3½
4 Eliſabeth., ſteuerpfl. .
4 do. ſteuerfrei .
5 Oeſterr. Staatsbahn. 105,60
do.
4
97,80
do. alte .
3
5 Oeſterr. Südbahn . . 89,50
do.
4
.
2/10
2 Raab=Oedenburger . . 74,40
-
4 Ruſſ. Südweſt..
4 Kronpr. Rudolfbahn . —
In Proz.
75,90
2¾10 Livorneſer .
Miſſouri=Pacific
4 Bagdadbahn Mk. 408 86,90
Anatoliſche Eiſenb. . .
102,10
5 Tehuantepec . . .
Bank=Aktien.
4 Berliner Handelsgeſ. 168,40
Darmſtädter Bank . . 130,70
253,00
Deutſche Bank
Deutſche Vereinsbank 127,75
Diskonto=Geſellſchaft 187,25
159,00
Dresdner Bank .
Mitteldeut. Kreditbk. 119,40
Nationalbk. f. Deutſchl. 123,50
101,30
Pfälzer Bank .
143,00
Reichsbank .
Rhein. Kredit=Bank 139,00
Wiener Bank=Verein 137,60
Pfandbriefe.
4 Frankft. Hypoth.=Bank
S. 16 und 17 100,20
3½ do. S. 19. . . . . 92,30
4 Frkf. Hyp.=Kreditverein
S. 15—19, 21—26 99,60
4 Hamb.=Hypoth.=Bank 100,50
(30,50
do.
3½
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bk. 101,60
92,60
do.
3½
Meining. Hyp.=Bank 101,00
do.
3½
91,00
4 Rhein. Hypoth.=Bank
(unk. 1917) 100,20
do. (unk. 1914) 91,00
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 100,40
do,
3½
92,30
InP:zz.
Städte=
Obligationen
. 100,30
Darmſtadt .
91,50
3½ do.
. 100,90
Frankfurt .
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Nummer 184,
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 9. Auguſt 1910.
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Erzählung von Horſt Bodemer.
(Nachdruck verboten.)
Boſemb war bei ſeinen Pferden im Stall und gab
dem Burſchen Anweiſungen; dann ſchritt er ſchweren
Schrittes die Treppe hinauf. Und als er die
Korridor=
tür aufſchloß, knarrte die ſteile Stiege.
Herr Graf!
Ich will doch lieber gleich jetzt noch ein paar Worte
mit Ihnen reden!
Zu freundlich!
Und nun ſtanden ſie ſich im Zimmer gegenüber.
Ich komme eben von Riſſen, hab’ ihm alles geſagt!
Mit einem Aufſchrei taumelte Boſemb an die Wand.
Herr Graf, mein Zutrauen haben Sie mißbraucht!
Das habe ich — und Gott weiß, wie bitterſchwer
mir das geworden iſt! — Doch der andere war Riſſen,
kein ſo ſchwerblütiger Menſch wie Sie, aber ein
an=
ſtändiger, zuverläſſiger, ſonſt hätte er nicht Ihr Freund
ſein dürfen. Ein Menſchenleben ſtand auf dem Spiele.
Da hieß es, mit feſter Hand zugreifen, und daß ich
Riſſen richtig eingeſchätzt habe, dafür liefere ich gleich
den Beweis. Er läßt Sie grüßen, bittet, noch heute
um ſeine Verſetzung, ſeine Frau wird von dem allen
nichts erfahren — vorläufig! — Boſemb. Welcken
hielt ihm die Hand hin, jetzt appelliere ich an den
Offizier, ſeien Sie tapfer, tragen Sie den Kopf hoch,
damit nicht geklatſcht und getratſcht wird, ſchon aus
Rückſicht auf Riſſens. Und wenn böſe Stunden
kom=
men, dann wiſſen Sie ja, wo Ihr Rittmeiſter wohnt.
Sie bring’ ich über die böſe Zeit, denn ich kenne Sie!
Die Zähne biß Boſemb zuſammen und ergriff die
Hand ſeines Schwadronschefs.
So habe ich alſo zu danken, — es fällt mir ſchwer,
Herr Graf!
Adien — auf Wiederſehen, heute abend bei mir!
Leiſe zog Welcken die Tür ins Schloß. Boſemb
taumelte auf den nächſten Stuhl, die Füße verſagten
den Dienſt.
,
Jupp betrat auf den Zehenſpitzen ſein
Ankleide=
zimmer, nebenan war Aſta wieder eingeſchlafen, er
nahm ſich ſelbſt die erſte Garnitur aus dem Schrank . . .
So — und nun den Kragen zu, den ſchwarzen
Lap=
pen, der die Halsbinde markiert, hübſch rausgezogen,
denn der Herr Oberſt liebt den weißen Rand da oben
nicht zu ſehen. Und die geborene Reichsgräfin wird
heute ſehr ungehalten auf den Leutnant Riſſen werden,
der um die Mittagszeit eine lange Unterredung unter
vier Augen erbittet. — Wahrhaftig, die Ulanka ſitzt
tadel=
los, — hm, eigentlich ſchade um ſie, denn ſie wird bald
ausgedient haben, aber einem hübſchen Kerl, und das
bin ich doch, wird auch der grüne Attila der rheiniſchen
Huſaren mit den ſilbernen Schnüren ganz gut ſtehen!
— Und nun die Tſchapka aufs rechte Ohr gedrückt, ſ—o,
bald thront die Pelzmütze auf dem edlen Haupt, bei
ſolcher Hitze übrigens ein zweifelhaftes Vergnügen,
den Säbel umgeſchnallt, die Handſchuhe genommen.. ..
J-upp!
Ja, Liebes!
Was machſt Du denn da?
Muß ſofort zum Oberſten!
Ach komm’ doch erſt mal her!
Da wären wir alſo!
Leg’ die Tſchapka auf den Nachttiſch und ſetz‟ Dich
zu mir, ich will Dir ganz leiſe was ins=Ohr ſagen?
Na, was gibt’s?
Ihre Arme ſchlingt ſie um ſeinen Hals, zieht ihn
herab . .
Du — wahrhaftig?
Ich täuſche mich ganz ſicher nicht!
Kleines Mütterchen! Er drückt einen Kuß auf ihren
Mund. Nun muß ich aber ſchleunigſt zu unſerem
All=
gewaltigen! Bleib’ liegen, Geliebtes, bis ich
wieder=
komme, eine Stunde kann vergehen!
Noch einmal nickt er ihr freundlich zu, dann eilt er
hinaus.
Drüben bei Boſemb ſtehen die Fenſter offen, er
will hinaufſehen, aber das Waſſer ſchießt ihm in die
Augen, er muß den Kopf ſenken. Ich hatt’ einen
Kame=
raden . . . als wär’s ein Stück von mir! — Alter Eſel!,
mit dem Zeigefinger und Daumen ſeiner behandſchuhten
Rechten fährt er ſich in die naſſen Augenwinkel. Bin
doch ein rheiniſcher Jung, ein grader Kerl — und
an=
gehender Herr Papa! — Alſo Adieu, rote Grenzkoſaken!
Um ſeinen Mund legt ſich der energiſche Zug, der
ſeinem Vater eigen iſt. Sein Kinn ſcheint breiter zu
werden, er wirft den Kopf in den Nacken und geht feſten
Schrittes auf das Haus ſeines Kommandeurs zu. Der
Poſten tritt ans Schilderhaus und präſentiert. Ein
feſter Blick des jungen Offiziers, zwei Finger fahren
ſchnell an die Tſchapka, die Haustür ſchließt ſich hinter
dem Leutnant Joſeph Matthias Riſſen, — dem lieben,
braven Jupp.
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im Apportieren, ſehr preiswert zu verkaufen.
Näh. Kirchſtraße 18, Laden. (15530soi
5866D)
J. Bett &
Königl. Preuss. Lotterie-Einnahme
von Heinrich Hilsdorf (14979a
ist von Karlstrasse 3 nach Elisabethenstr. 2 (Stadt Pfungstadt) verlegt.
Gleichzeitig habe ich ein Tabak-, Cigarren- u. Cigaretten-
Geschäft damit verbunden, welches ich meinen Geschäftsfreunden bestens
empfehle.
Hch. Hilsdorf.
wie:
Porzellan, Steinqut, Glas, Emaille, Eisenwaren, Holz.
1
11
waren, Lackierwaren und dergleichen
I
11
ferner
Luxuswaren, Nickel-, Kupfer-,Messing-, Bronze-, Stahl-, Aluminiumwaren
beziehe ich in so grossen Mengen, dass ich in der-Lage bin, zu
unver-
gleichlich billigen Preisen zu verkaufen. Minderwertige Fabrikate, die nur
den Schein der Billigkeit für sich haben, finden bei mir keine Aufnahme.
Ich verkaufe während des ganzen Jahres zu den billigsten Preisen und
finden deshalb bei mir keine Extraverkäufe statt.
22
(15589
DARMSTADT
Ludwigstrasse 10
Ludwigstrasse 10
Grösstes Geschäft in dieser Branche am Platze.
Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt.
(3 85.
Dienstag, 9. Auguſt.
1910.
Bekanntmachung.
Wir bringen hierdurch zur allgemeinen Kenntnis, daß am
8.
Auguſt l. Js. von 70 vorm. bis 110 nachts
9.
70 abends
11. 12.
Schießen mit ſcharfer Munition auf dem Schießplatz bei Meſſel abgehalten wird.
Schußrichtung vom Steinhügel, 1 km nördlich Meſſel in nord=nordweſtlicher
Richtung gegen die Wieſen am Rutſchbach.
Das gefährdete Gelände:
im Norden: Egelsbacher Feldweg und Waldpfad ausſchließlich
im Weſten: Dammweg-Brunnersweg ausſchließlich
„ Süden: Forſthaus-Steinacker-Steinhügel ausſchließlich
„ Oſten: Alter Offenthaler Weg und deſſen Verlängerung über Milcheswieſe-
Sau=
wieſe-Schreibertswieſe-Geishecke einſchließlich
wird während des Schießens durch Poſten, Wegeſchranken und Warnungstafeln
ab=
geſperrt.
Augaffe
nung Kreisamt Darmſtadt 25. IX. 1909, Kreisamt Offenbach a. M. 20. IX. 1909).
Darmſtadt, den 27. Juni 1910.
(12935a
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
Bekanntmachung.
Wir bringen hierdurch zur allgemeinen Kenntnis, daß ſeitens des
Großherzog=
lichen Proviantamts Darmſtadt der Ankauf von magazinmäßigem Roggen, Heu
und Roggenlangſtroh, Flegeldruſch und gut gebundenes, von den kurzen Halmteilen
befreites Maſchinenſtroh, zu den jeweiligen Tagespreiſen fortgeſetzt wird. Alle Naturalien
müſſen vollkommen trocken und geſund ſein.
Gezahlt werden die jeweiligen Tagespreiſe.
Darmſtadt, den 8. Auguſt 1910.
(15622
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
. V.; von Werner.
Amtliche Nachrichten des Großherzoglichen Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde.
In polizeilicher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 2 Pinſcher, 1 Foxterrier,
Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden
Werk=
tag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
Bekanntmachung.
Die Abgabe der Steuererklärungen für das Steuerjahr 1911 betreffend.
Nach Art. 20 des Geſetzes, die allgemeine Einkommenſteuer betr., vom 12. Auguſt
1899 erfolgt die Heranziehung zu dieſer Steuer auf Grund einer Erklärung, welche jeder
Steuerpflichtige, der ein ſteuerbares Jahreseinkommen von 2600 Mk. oder mehr beſitzt,
über die Jahresbeträge ſeiner Einkommensbezüge, ſowie der etwa zum Abzug
geeig=
neten Laſten bei der hierzu berufenen Veranlagungskommiſſion ſchriftlich abzugeben hat.
Von der Verpflichtung zur Abgabe dieſer Einkommenſteuererklärung iſt nach
Art. 21 des genannten Geſetzes, inſofern nicht im einzelnen Fall beſondere Aufforderung
der Veranlagungskommiſſion ergeht, derjenige Steuerpflichtige entbunden, welcher im
unmittelbar vorausgegangenen Steuerjahr bereits zur Einkommenſteuer I. Abteilung
(Einkommen von 2600 Mark und mehr) veranlagt war, auch inzwiſchen ſeinen
Wohn=
ſitz nicht gewechſelt und keine Einkommensverbeſſerung erfahren hat, welche ſeine
Ver=
ſetzung in eine höhere Klaſſe bedingt.
Gemäß Art. 2 Abſ. 3, Art. 15 und 21 Abſ. 1 des Einkommenſteuergeſetzes ſind
die Vorſtände der nach Art. 2 dieſes Geſetzes der Einkommenſteuer unterworfenen
Ge=
ſellſchaften uſw. verpflichtet, über deren Einkommen alljährlich vollſtändigen Aufſchluß
zu erteilen.
Nach Art. 19 des Geſetzes, die Vermögensſteuer betr., vom 12. Auguſt 1899,
hat jeder von der Kommiſſion für die Einkommenſteuer I Abteilung zu veranlagende,
ein jährliches Einkommen von 2000 Mark und mehr beſitzende Betriebsunternehmer
(Perſonen, die Land= und Forſtwirtſchaft oder ein Gewerbe betreiben), der zum erſten
Male mit Anlage= und Betriebskapital zur Vermögensſteuer veranlagt wird, eine
ſchrift=
liche Erklärung über das im land= und forſtwirtſchaftlichen oder gewerblichen
Unter=
nehmen verwendete Anlage= und Betriebskapital und die es belaſtenden Schulden
abzugeben.
Ferner iſt nach Art. 25 desſelben Geſetzes jeder, deſſen ſonſtiges Vermögen
(Kapitalvermögen uſw.) nach Abzug der darauf laſtenden Schulden einen Wert
von 3000 Mark und mehr hat, bei ſeiner erſtmaligen Veranlagung zur
Vermögens=
ſteuer zur Abgabe einer ſchriftlichen Erklärung über dieſes Vermögen verpflichtet.
Nach Art. 14 des Geſetzes, die Kapitalrentenſteuer betr., vom 10. Juli 1895
er=
folgt die Heranziehung zu dieſer Steuer auf Grund einer Erklärung, welche jeder nach
den einſchlägigen Beſtimmungen Pflichtige über den Jahresbetrag ſeiner Zinſen, ſowie
der etwa zum Abzug geeigneten Laſten bei der hierzu berufenen
Veranlagungskommil=
ſion ſchriftlich abzugeben hat.
Von der Verpflichtung zur Abgabe einer Kapitalrentenſteuererklärung iſt nach
Art. 15 des Geſetzes, inſofern nicht im einzelnen Fall beſondere Aufforderung der
Ver=
anlagungskommiſſion ergeht, derjenige Pflichtige entbunden, welcher im unmittelbar
vorausgegangenen Steuerjahr bereits zur Kapitalrentenſteuer zugezogen war, auch
in=
zwiſchen ſeinen Wohnſitz nicht gewechſelt und keine den Betrag von 100 Mark jährlich
erreichende Einkommensverbeſſerung aus Kapitalzinſen erlangt hat.
Nach Art. 22 des Einkommenſteuergeſetzes, Art. 32 des Vermögensſteuergeſetzes,
ſowie Art. 16 des Kapitalrentenſteuergeſetzes ſind die Steuererklärungen abzugeben:
1. für Minderjährige, Abweſende ſowie für Perſonen, die aus anderen Gründen
unter Vormundſchaft oder Pflegſchaft geſtellt ſind, von deren geſetzlichen
Vertretern;
2. für moraliſche Perſonen (Gemeinden, Körperſchaften, Stiftungen, Anſtalten),
ferner für Geſellſchaften, Genoſſenſchaften und ſonſtige juriſtiſche Perſonen,
Gantmaſſen, Erbmaſſen, ſoweit eine Steuerpflicht hier überhaupt in Betracht
kommt, von den beſtellten Vorſtänden oder Verwaltern:
3. in allen anderen Fällen von dem Steuerpflichtigen ſelbſt und zwar hinſichtlich
des geſamten eigenen, wie des Einkommens, Vermögens und des
Zinſen=
bezugs ſeiner nicht ſelbſtändig beſteuerten Angehörigen ſoweit ſie nach Art. 5
des Einkommenſteuergeſetzes, Art. 10 des Vermögensſteuergeſetzes und Art. 4
des Kapitalrentenſteuergeſetzes bei der Beſteuerung mit ihm als eine Perſon
anzuſehen ſind.
Denjenigen Steuerpflichtigen, die Einkommen aus Aktien ſolcher Geſellſchaften
zu beziehen haben, welche als ſolche zur heſſiſchen Einkommenſteuer gezogen ſind, wird
bekannt gegeben, daß die Einkommensbezüge aus Aktien der nachverzeichneten
Geſell=
ſchaften nicht mit dem vollen Betrag, mit welchem ſie als Einkommen unter I, Ord.=
Nr. 9 der abzugebenden Steuererklärung zu verzeichnen ſind, ſondern nur mit den
nachverzeichneten Prozentſätzen zu berechnenden Beträgen unter II, Ord.=Nr. 1 der
geſetzlichen Abzüge in Anſatz zu kommen haben:
Prozent
Aktienbrauerei Cluß zu Heilbronn . .
Aktiengeſellſchaft f. Glasinduſtrie, vormals Friedrich Siemens zu Dresden
Allgemeine Deutſche Kleinbahngeſellſchaft, Aktiengeſellſchaft zu Berlin
Allgemeine Elektrizitätsgeſellſchaft in Berlin
Allgemeine Elſäſſiſche Bankgeſellſchaft in Mainz .
Bank für Handel und Induſtrie in Darmſtadt
Binding’ſche Brauereigeſellſchaft zu Frankfurt a. M.
Bonner Bergwerks= und Hüttenverein „Zementfabrik zu Oberkaſſel bei
Vonn: in Budenheim
Brauerei Stern, Aktiengeſellſchaft in Frankfurt=Oberrad .
Buderus’ſche Eiſenwerke in Wetzlar .
Chemiſche Fabrik Gernsheim=Heubruch.
Chemiſche Kabrik Griesheim=Elektron zu Frankfurt a. M. . .
Chemiſche Werke vormals H. & E. Albert Aktiengeſellſchaft zu Kaſtel=
Amöneburg
Dampfſchiffahrtsgeſellſchaft für den Nieder= und Mittelrhein zu Düſſeldorf
Diskontogeſellſchaft zu Berlin . .
,
Filter= und brautechniſche Maſchinenfabrik vormals L. A. Enzinger, Worms
Frankfurter Vorort=Terraingeſellſchaft
Harpener Bergbauaktiengeſellſchaft in Guſtavsburg . . .
Heddernheimer Kupferwerke, Aktiengeſelſchaft in Guſtavsburg
Hofbierbrauerei Schöfferhof und Frankfurter Bürgerbrauerei zu Mainz
Hofbrauhaus Hanau, vormals G. Ph. Nicolay, Aktiengeſellſchaft zu Hanau
Hutſtoffwerke Aktiengeſellſchaft vormals C. F. Donner in Frankfurt a. M.
Kempffſche Brauerei, Aktiengeſellſchaft, Frankfurt a. M.
Landgräfl. Heſſiſche konzeſſionierte Landesbank, Aktiengeſellſchaft zu
Homburg v. d. H. .
Mitteldeutſche Kreditbank . .
Nackenheimer Metallkapſel= und Kellereimaſchinenfabrik Aktiengeſellſchaft
Delfabrik Groß=Gerau=Bremen. . .
Pfälziſche Bank Ludwigshafen
Portland=Zementwerke Heidelberg und Mannheim, Aktiengeſellſchaft zu
Weiſenau
Preußiſch=Rheiniſche Dampfſchiffahrtsgeſellſchaft Köln zu Mainz
Rheiniſche Portland=Zementwerke Köln in Budenheim
Rhein= und Seeſchiffahrtsgeſellſchaft zu Köln . .
Scheidhauer und Gießing zu Duisburg=Wanheimerort
0,29
1,1
0,9
0,08
3,2
15,2
2,17
11,08
1,69
27,0
91,34
11,43
35,96
16,5
0,97
78,84
90,0
0,23
28,0
14,3
3,16
26,73
1,26
5,27
3,2
75,0
39,46
6,85
28,6
155
11,5
22,3
13,7
Meamt
Schramm’ſche Lack= und Farbenfabriken vormals Chriſtoph Schramm zu
Offenbach=Bürgel
95,74
Stahl und Nölke, Aktiengeſellſchaft für Zündwarenfabrikation in Koſtheim 21,63
Stellawerk Aktiengeſellſchaft vormals Wiliſch & Co. in Homberg a. Rh. 2.g.
Süddeutſche Bank in Mannheim ..
10,91
Süddeutſche Eiſenbahngeſellſchaft . . . .
9,2
Süddeutſche Immobiliengeſellſchaft zu Mainz . . .
52,0
Tietz, Leonhard in Köln
11,1
Verein chemiſcher Fabriken zu Mannheim . . . .
14,3
Verein für chemiſche Induſtrie zu Mainz=Mombach
36,3
Vereinigte Kunſtſeidefabriken in Kelſterbach
36,83
Vereinigte Maſchinenfabrik Augsburg und Maſchinenbaugeſellſchaft
Nürnberg, Aktiengeſellſchaft Filiale Guſtavsburg
23,6
Vereinigte Strohſtoffabriken in Dresden
37,64
Vereinigte Ultramarinfabriken vormals Leverkus, Zeltner & Konſ. in Köln ½ 8,78
Zimmer, Georg, Karl, chemiſche Fabriken G. m. b. H. in Kaſtel=Amöneburg „ 50,0
Zuckerfabrik Frankenthal
. . . 1,8
Zu dieſen Erklärungen ſind die von Großh. Miniſterium der Finanzen
feſtge=
ſetzten und von der Bürgermeiſterei des Wohnorts zu beziehenden Formulare zu
ver=
wenden; ſie ſind je nach der Wahl des Verpflichteten offen oder verſchloſſen ſpäteſtens
bis zum 1. Oktober ds. Js. unmittelbar bei dem Finanzamt oder bei der Weitergabe
an das Finanzamt verpflichteten Bürgermeiſterei des Wohnorts abzuliefern, ohne daß
der Pflichtige deshalb eine beſondere Aufforderung abzuwarten hätte.
Die Einſendung der Erklärungen durch die Poſt iſt zuläſſig, geſchieht aber auf
Gefahr des Abſenders; es iſt deshalb zweckmäßig, die Abſendung mittelſt
Einſchreibe=
briefs zu bewirken.
Unter Bezugnahme auf die obigen Mitteilungen richten wir an die hiernach
zur Abgabe von Steuererklärungen Verpflichteten hiermit die Aufforderung, ihre
Erklärungen unfehlbar bei Meidung der geſetzlichen Nachteile und der etwa
verwirkten Strafen bis zu den angebenen Terminen an die Bürgermeiſtereien
oder unmittelbar an uns gelangen laſſen.
Den Steuerpflichtigen, welche hiernach zur Abgabe einer Steuererklärung nicht
verpflichtet, ſind, bleibt die Abgabe der freiwilligen Steuererklärungen unbenommen.
Die Großh. Finanzämter ſind im übrigen bereit, über etwaige Zweifel hinſichtlich
der abzugebenden Erklärungen jederzeit ſchriftlich oder an den bekannten Amtstagen
mündlich Auskunft zu erteilen.
(15611a
Bekanntgegeben am 8. Auguſt 1910.
Die Vorſitzenden der Veranlagungskommiſſionen für die Finanzämter:
Darmſtadt I.
Langen.
Darmſtadt II.
Stroh.
von Diemar.
Greiner.
Verſteigerungs-Anzeige.
Mittwoch, den 10. Auguſt 1910, vormittags 10 Uhr,
werden im Pfandlokale Rundeturmſtraße 16 (Reſtauration „Zur Roſenhöhe”)
ver=
ſchiedene Möbel, darunter:
Spiegelſchränke, Kleiderſchränke, 1 Bücherſchrank, 1 Sekretär, Spiegel, 1 Büfett,
Diwans, 1 Schreibtiſch, Schreibpulte, 1 Nähmaſchine: ferner 1 Hobelbank,
1 Ladenſchrank, 1 Käfig mit Papagei, 1 Fleiſchhackmaſchine, 1 Blitzmaſchine,
1 Pianino, Betten, Geſchäftsbücher, Kunſtblätter, Anſichtspoſtkarten, 1 Büfett
mit Preſſion, 1 Gläſergeſtell. 8 Eiskühler, eine Partie Bier= und
Wein=
gläſer, 1 Gläſerregal, 12 Wirtstiſche mit Tiſchdecken, 57 Rohrſtühle,
5 Kleidergeſtelle, 1 großer Spiegel, Meſſer, Löffel, Gabeln, Kaffeelöffel,
5 Lüſter, 1 Eisſchrank, 1 Kaſſenſchrank, 1 Fahrrad, 1 Ladenkaſſe,
Bau=
materialien, 3 Bauhütten, 1 Wagen, Pferde, 1 Jagdwagen, 1 Coupee, 1
Lan=
dauer, 1 zwölfſitzges Break, 1 Halbverdeck und Pferdegeſchirr
(15626
durch den Unterzeichneten zwangsweiſe verſteigert.
Die Verſteigerung der fett gedruckten Sachen findet ſicher ſtatt.
Berbert, Großh. Gerichtsvollzieher.
Georgenſtraße 11, I.
Verſteigerungs-Anzeige.
Mittwoch, den 10. Auguſt 1910, nachmittags 3 Uhr,
verſteigere ich im Verſteigerungslokale „Zur Ludwigshalle‟, Obergaſſe,
zwangs=
weiſe gegen Barzahlung:
Mehrere Mille Zigarren, 1 Break, 1 vier= und 1 zweirädr. Wagen, 1
Näh=
maſchine, 1 Kaſſenſchrank, 1 Warenſchrank 50 ko Malzkaffee, 1 photogr.
Ap=
parat, 1 Akkordeon, verſchied. Geſchäftsbücher, 1 Fahrrad, 1 Hühnerſtall mit
5 Hühnern, 1 Hund 1 Eisſchrank, 1 Spiegelſchrank, 1 Diwan, 1 Vertiko,
1 Plüſchgarnitur, 1 Trumeau mit Spiegel, 1 Sofa, 1 Waſchtiſch und
verſchie=
dene andere Hausmobilien.
Die Verſteigerung der in Fettdruck aufgeführten Gegenſtände
findet vorausſichtlich beſtimmt ſtatt.
Darmſtadt, den 8. Auguſt 1910.
(15631
Kapp. Grofh. Gerichtsvollieher
Friedrichſtraße 24, I.
Hafer=Verſteigerung.
Donnerstag, 11. I. Mts.,
nachmit=
tags 3½ Uhr, wird die Haferernte von
etwa 5 Morgen des ſtädtiſchen
Grundbe=
ſitzes an der Gräfenhäuſer Straße losweiſe
an Ort und Stelle öffentlich meiſtbietend
verſteigert. Zuſammenkunft auf der
Grä=
fenhäuſer Straße an der
Darmbach=
brücke.
Hieran anſchließend gelangt um 5 Uhr
die Haſerernte von dem ſtädtiſchen
Grund=
ſtück an der Nieder=Ramſtädter Straße,
zunächſt der Villa Treuenau (N.=R. Str. 160)
zirka 1 Morgen gleichfalls an Ort und
Stelle zum Ausgebot. Zuſammenkunft da=
(15617imd
ſelbſt.
Darmſtadt, den 8. Auguſt 1910.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
J. V.: Jaeger.
mit Käſig billig
1 Papagen zu verkaufen
15630imd) Hoffmannſtraße 21, parterre.
Ein faſt neuer Sportwagen zu verkaufen
Soderſtraße 44, I.
(*19269id
Bergehng von Luſteigarbheien.
Die Ausführung von ca. 500 qm
Asphalt=
fußſteigbelag in der Riedlingerſtraße ſoll
verdungen werden.
Arbeitsbeſchreibungen und Bedingungen
liegen bei dem unterzeichneten Amte
Zim=
mer Nr. 7, während der Dienſtſtunden zur
Einſicht offen. Auch werden dort die
An=
gebotſcheine abgegeben.
Angebote ſind bis
Samstag, den 13. Auguſt I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
bei unterzeichneter Stelle einzureichen.
Eine Verſendung der Angebotſcheine
und Bedingungen nach auswärts findet
nicht ſtatt.
Darmſtadt, den 6. Auguſt 1910.
Tiefbauamt.
(15541oi
Keller.
5d Büſten (70 cm h.), Großherzog (v. Prof.
Habich) u. Kaiſer Wilhelm I. zu verk.
Anzuſ. 11—1 Uhr Schietzhausſtr. 130. (B15623
2 ſchöne Fahnen zu verkaufen (*19271
Brandgaſſe 6.
Seite 12.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 9. Augnſt 1910.
Nummer 184e
(200 Personen
Unwiderruſlich nur 6 Tage
150 Pferie
Dous Scalankt
Marienplatz
DANTIGSTADT
Marienplatz
grösstes, ältestes und vornehmstes Unternehmen der Gegenwart
11U
Eröffnungs-Vorstellung:
Mittwoch, den 10. August, abends 8½ Uhr.
(15612P
Die Ausführung von Kanalbauten für
die Gartenvorſtadt am Hohlen Weg
ſoll verdungen werden.
Arbeitsbeſchreibungen und Bedingungen
liegen bei dem Tiefbauamt, Zimmer Nr. 7,
während der Dienſtſtunden zur Einſicht
offen. Auch werden dort die Angebotſcheine
abgegeben.
Angebote ſind bis
Mittwoch, den 17. Auguſt I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
bei unterzeichneter Stelle einzureichen.
Darmſtadt, den 5. Auguſt 1910.
Tiefbauamt.
(15544oi
Keller.
Beranntmachung.
Am Dienstag, den 9. Auguſt,
nach=
mittags 2 Uhr, ſollen auf hieſigem
Eil=
güterſchuppen
10 Körbe Zwetſchen und
14 Kiſtchen Trauben
an den Meiſtbietenden öffentlich verſteigert
(15638
werden.
Eilgüter=Abfertiguug Heſſ. Ludwigsbahn.
In unſer Handelsregiſter 4 wurden fol=
Sgende Einträge vollzogen:
Am 18. Juli 1910.
Hinſichtlich der Firma:
H. C. Kunze, Darmſtadt.
Die offene Handelsgeſellſchaft iſt mit
Wirkung vom 1. September 1907 aufgelöſt
und Geſchäft ſamt Firma auf den
ſeit=
herigen Geſellſchafter Leopold Kunze als
Einzelkaufmann übergegangen. Der
Buch=
druckereibeſitzer=Wilhelm Strübing in
Darm=
ſtadt iſt als perſönlich haftender
Geſell=
ſchafter eingetreten.
Die neue offene Handelsgeſellſchaft hat
am 1. September 1907 begonnen.
Am 5. Auguſt 1910.
Aenderung hinſichtlich der Firma:
Peter Pfadler, Darmſtadt.
Geſchäft ſamt Firma iſt auf Uhrmacher
Und Goldarbeiter Emil Kehmptzow in
Darm=
ſtadt übergegangen.
Die Firma iſt geändert in:
Peter Pfadler Nachf. Emil
Kehmptzow.
Aenderung hinſichtlich der Firma:
M. Löb, Darmſtadt.
Mit Wirkung vom 1. Auguſt 1910 iſt
der Kaufmann Julius Oppenheimer in
Darmſtadt in das Geſchäft als perſönlich
haftender Geſellſchafter eingetreten.
Die offene Handelsgeſellſchaft hat
be=
gonnen am 1. Auguſt 1910. Die Firma iſt
geändert in:
M. Löb & Co.
Die Prokura der Ehefrau des Inhabers,
Berta, geb. Löb, iſt erloſchen.
Hinſichtlich der Firma:
Ludwig Damm, Darmſtadt.
Geſchäft ſamt Firma iſt auf Kaufmann
Adolf Schneider in Darmſtadt
überge=
gangen.
(15582
Der Uebergang der in dem Betriebe
des=Geſchäftsbegründeten Forderungen und
Verbindlichkeiten iſt bei dem Erwerbe des
Geſchäfts durch Adolf Schneider
ausge=
ſchloſſen.
Kaufmann Adolf Schneider Ehefrau,
Betty, geb. Dietrich, in Darmſtadt, iſt zur
Prokuriſtin beſtellt.
Gelöſcht die Firma:
Bruno Burghardt, Darmſtadt.
Darmſtadt, den 5. Auguſt 1910.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.
Spiegelschrank, einfür.
Diplomatenſchreibtiſch, 1 Kleiderſchrank,
Chaiſelongue, Trumeauſpiegel, Auszieh= u.
Stegtiſch, Flurgarderobe, 2 Paar Gardinen
und Vitragen, alles nen, ſpottbillig abzugeb.
Gartenſtr. 20, parterre.
*19299)
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E(*19273
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Frische
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mit allerersten
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in Verbindung und sind durch grosse direkte Bezüge in die Lage
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unserer werten Kundschaft liefern zu können. Der Versand
beginnt am 11. August und dürfte es sich empfehlen, bereits
jetzt schon
gütige Vorausbestellungen
uns aufgeben zu wollen, da erfahrungsgemäss diesersten
Zu-
führen stets die schönsten und billigsten sind.
Gütige Vorausbestellungen finden der Reihe des
Eingangs nach ihre Erledigung.
Prompter Versand nach allen Stadtteilen u. auswärts
Herls lahdad
Telephon 116
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Echarpe) letzten Samstag auf dem Weg
ivom Bahnhof durch Bleichſtraße
Alexander=
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10 Mark Belohnung abzugeben Prinz
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Geeeeo‟
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bürger=
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Ge=
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Wog, am 8. Anguſt 1910.
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Dr. Hof, Roßdörferſtraße 19,
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Dr. Mayer, Neckarſtraße 10,
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Dasllnweſen des Schreinermſtr. Schaaf
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ete eh
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in größ u. kl. Beträgen zu 4 pCt. jederzeit
bei rentablen Objekten. Gen. Selbſtoffert.
unter J 60 an die Exp. ds. Bl. (*19306