Darmstädter Tagblatt 1910


22. Juli 1910

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173. Jahrgang
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Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

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kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.

169.

par
Freitag, den 22. Juli.

1910.

Die heutige Nummer hat 12 Seiten.

Die politiſche Abteilung des Auswärtigen
Amtes.
Man ſchreibt der N. G. C. von geſchätzter Seite:
Die in aller Stille vollzogene Veränderung in der
Zuſammenſetzung der Politiſchen Abteilung des Auswär=
tigen
Amtes iſt jetzt durch die Ernennung des bisherigen
Geſandten in Sofia, Frhrn. v. Romberg zum Vortra=
genden
Rat abgeſchloſſen worden. Während früher jüngere
Herren aus der Konſular=Karriere in die Politiſche Ab=
teilung
berufen zu werden pflegten, da andere nicht ge=
wünſcht
wurden und auch wohl wenig geneigt waren, in
eihr zu arbeiten, ſind in letzter Zeit ausſchließlich alt=
gediente
Diplomaten in ihr Vortragende Räte
geworden. Die beiden allerletzten Ernennungen betrafen
ſogar ſolche Diplomaten, die bereits in der Hierarchie
ziemlich hoch hinaufgerückt und ſelbſtändige Miſſionschefs
waren. Gerade die Tatſache, daß dieſe ihre ſo viel be=
gehrten
Geſandtſchaften (es handelte ſich in beiden Fällen
um europäiſche Poſten, die den exotiſchen bei weitem vor=
egezogen
werden) und ihre Selbſtändigkeit aufgaben, um wie=
der
zu einem Teil des Räderwerks in der großen Maſchine
der Wilhelmſtraße zu werden, beweiſt, wie außerordentlich
die Bedeutung und der Wert der Politiſchen Abtei=
lung
in den Augen der Berufsdiplomaten ſelbſt geſtiegen
ſind. Früher hätte ſich ſchwerlich ein Geſandter gefunden,
der Vortragender Rat zu werden ambitioniert hätte.
Es iſt von gar nicht hoch genug zu bewertender Bedeu=
tung
, daß die Politiſche Abteilung jetzt wie der Große
Generalſtab nur aus den beſten und befähigtſten Köpfen
beſteht. Nur ſo kann ſie gegenüber den Botſchaftern und
anderen Miſſionschefs die Autorität haben, die ſie bei der
heute durch die telegraphiſche Befehlsübermittelung be=
dingten
Zentraliſierung der Diplomatie unbedingt haben
muß, wenn alles glatt gehen und keine Reibung entſtehen
ſoll, die immer von einem unnützen Kräfteverbrauch beglei=
tet
zu ſein pflegt.
Zwei Reformen ſind nun noch nötig, um zur
Vollkommenheit zu gelangen. Zunächſt muß die Zahl
der etatsmäßigen Beamten der Politiſchen
Abteilung (9 gegen 28 im Londoner Foreign Office!)
endlich erhöht werden, damit das erſtklaſſige Beam=
tenmaterial
nicht überanſtrengt wird, was jetzt im höchſten
Maße, beſonders durch die Forderung ſtändiger Präſenz
im Bureau, der Fall iſt. Und dann muß den einzelnen
Herren geſtattet werden (was ſich anderwärts ſehr
gut bewährt hat) 12 oder 18 Monate mit Kollegen,
die ſich auf Auslandspoſten befinden, zu
tauſchen, da ſehr oft Privatverhältniſſe das erfordern
und dann nicht jedesmal ein amtliches Revirement, das
noch dazu viel Geld koſtet, erforderlich wird.
Fragt man aber, woher wir die Koſten dafür nehmen
ſollen, ohne den Etat zu belaſten, ſo braucht man ſich nur
irgend ein amerikaniſches Budget der auswärtigen An=
gelegenheiten
anzuſehen, um die Löſung des Rätſels, wie
man Gelder für neue Beamtenſtellen flüſſig macht, in der
Hand zu haben. Man führe einfach endlich auch in Deutſch=
land
Konſularfakturen ein, die alle anderen Kulturſtaaten
längſt haben, und man wird mehr Gelder für das Aus=
wärtige
Amt flüſſig machen, als zurzeit nötig iſt.
Türkei und Dreibund.
** Die bevorſtehende Zuſammenkunft des Großweſirs
Hakki=Paſcha mit dem öſterreichiſch=ungariſchen Miniſter
des Aeußern Grafen Aehrenthal ſoll nach Konſtantinopeler
Meldungen mit der Vorbereitung einer Annäherung der
Türkei an den Dreibund zuſammenhängen. Wenn auch
die Tribuna glaubt, dieſe Meldung beſtätigen zu können,
ſo ſtehen wir letzterer doch ſehr ſkeptiſch gegenüber. Von
ſoundſoviel Staaten iſt ſchon behauptet worden, daß ſie
dem Dreibunde naheſtehen, aber nur hinſichtlich Numä=
niens
iſt die Möglichkeit nicht ausgeſchloſſen, wenngleich
auch darüber keine beſtimmten authentiſchen Nachrichten
vorliegen. Selbſt von Spanien wurde ſeitens des jetzigen
Unterrichtsminiſters Grafen Romanones im Jahre 1904
behauptet, daß es von 1890 bis 1895 dem Dreibund ange=
hört
habe, aber dieſe Mitteilung wurde dann dahin einge=
ſchränkt
, von einer Zugehörigkeit zum Dreibund hätte keine
Rede ſein können, wohl aber habe es mehrere Jahre hin=
durch
eine Anlehnung Spaniens an den Dreibund gegeben.
Indeſſensauch in dieſer Form war die Meldung nicht rich=

tig, vielmehr ſoll es lediglich Tatſache geweſen ſein, daß
zwiſchen Spanien und Italien in jener Zeit ein Geheim=
vertrag
beſtanden habe zur Wahrung des durch die Feſt=
ſetzung
Frankreichs in Tunis gefährdeten Gleichgewichts
im Mittelmeere. Das italieniſche Kabinett hatte natürlich
den beiden Alliierten von der Exiſtenz dieſes Geheimver=
trags
vertraulich Kenntnis gegeben, aber mit einer noch ſo
loſen Zugehörigkeit Spaniens zum Dreibunde hatte dies
alles nichts zu tun.
Gegen einen ſolchen Anſchluß wurde damals in den
Erörterungen der Preſſe die verſchiedene Stellung, die Spa=
nien
im Rate der Mächte im Vergleich zu den Dreibund=
ſtaaten
einnimmt, ins Feld geführt. Ganz dieſelben
Gründe könnten auch gegen die Anlehnung der Türkei an
die Tripelallianz vorgebracht werden. Wir wollen nicht
verkennen, welch hohen Wert die Zugehörigkeit einer ſtarken
Macht am Balkan zum Dreibunde für dieſen haben würde,
aber als eine ſolche Macht kann die Türkei heute noch nicht
gelten, und der Dreibund würde ohne Zweifel an Bedeu=
tung
einbüßen, wenn er die Wechſelfälle, denen das Os=
manenreich
noch immer ausgeſetzt iſt, wenn er deſſen un=
ſichere
innere Zuſtände und deſſen ſchwieriges Verhält=
nis
zu einzelnen Ländern mit in den Kauf nehmen wollte.
Er iſt bisher dank ſeiner Politik der Zurückhaltung und
dank den guten Beziehungen, welche ſeine Teilnehmer mit
allen Staaten pflegen, ein Hort der Stetigkeit geweſen, er
würde aber an Einfluß verlieren, ſobald ſich ihm ein Staat
anſchlöſſe, der dieſe Stetigkeit in ſeiner Politik vermiſſen
läßt und der, wie die Türkei, noch vor der Löſung ſo ſchwie=
riger
Probleme ſteht, die ſie mit anderen Mächten in Kon=
flikt
bringen können. Bei aller Freundſchaft, die insbeſon=
dere
das Deutſche Reich für die Türkei empfindet, müßten
wir doch ein Bündnis ablehnen, das uns moraliſche Pflich=
ten
auferlegt, deren Tragweite ſich in dieſem Falle ſchwer
überſehen laſſen würde.
Wir glauben deshalb auch nicht, daß die Zuſammen=
kunft
in Marienbad ſolchen Zwecken dienen ſoll. Dort wer=
den
zwiſchen beiden Staatsmännern die ſchwebenden poli=
tiſchen
Fragen, insbeſondere die Konſequenzen der Kreta=
frage
, erörtert werden, vielleicht aber bemüht ſich Hakki=
Paſcha auch perſönlich um die von dem neuen Regime ins
Programm aufgenommene Aufhebung der Kapitulationen.
In dieſer Hinſicht werden die Dreibundſtaaten gewiß der
Türkei nach Möglichkeit entgegenkommen, nachdem Oeſter=
reich
=Ungarn ſchon in ſeiner Verſtändigung mit der Pforte
über die bosniſche Angelegenheit eine entſprechende Ver=
pflichtung
eingegangen war. Darauf dürfte alſo alles hin=
auslaufen
, was der Dreibund mit der Marienbader Mini=
ſterbegegnung
zu tun hat.
Römiſcher und britiſcher Imperialismus.
** König Georg V. iſt dem Namen nach Herr über
ein Reich, das 11½ Millionen engliſche Quadratmeilen mit
410 Millionen Einwohnern umfaßt, während die Geſamt=
bevölkerung
des römiſchen Reiches zur Zeit Trajans wohl
kaum 100 Millionen auf einem Gebiete betrug, das an
Ausdehnung weit hinter dem zurückſtand, über welchem
jetzt die britiſche Flagge gebieteriſch weht. Aber wie ſtolz
auch jene gewaltigen Zahlen die Bruſt eines Engländers
mit dem imperialiſtiſchen Gedanken des größeren Britan=
niens
anſchwellen laſſen mögen: ein beklemmendes Gefühl
banger Sorge wird ihn doch beſchleichen, wenn er ſie ge=
nauer
prüft und mit den Lehren der Geſchichte in Zuſam= genden Vorſchlag:
menhang bringt, wie es Lord Cromer in ſeiner kürz=
lich
veröffentlichten leſenswerten Schrift Aneient and
modern imperialism tut.
Von den 410 Millionen britiſcher Untertanen leben
nur 44 Millionen in dem Vereinigten Königreiche,
kaniſchen Raſſen an, auf kaum 12½ Milionen belaufen ſich
die außerhalb des Mutterlandes Wohnenden europäiſcher
Abſtammung. Der frühere engliſche Statthalter in Aegyp=
ten
erklärt, die Kolonien mit Selbſtverwaltung laſſe er bei
ſeinen Betrachtungen deshalb aus dem Spiel, weil, ſoweit 1 Bild vergegenwärtigt uns die Zeit der tiefſten Erniedri=
ſie
in Frage kämen, die britiſche imperialiſtiſche Politik für
die Zukunft ſchon ſicheren Boden unter den Füßen habe.
Mit dieſer optimiſtiſchen Auffaſſung, die nur von Selbſt=
täuſchung
eingegeben ſein kann, wird Lord Cromer ganz
gewiß bei Vielen im eigenen Lande und in den tatſächlich
ſchon unabhängigen Teilen des britiſchen Reiches mehr
oder minder ſtarkes Kopfſchütteln hervorrufen. Er hätte
die Warnung beherzigen ſollen, die Lord Salisbury im Büſte in König Ludwigs Ehrentempel an der Donau an=
Jahre 1902 an die Adreſſe der übereifrigen und allzu ver=
trauensſeligen
Imperialiſten richtete, indem er bemerkte,
der Verſuch, die verſchiedenen Teile des Reiches in eine
gegenſeitige Unterordnung und Abhängigkeit hineinzu=
zwingen
, für die ſie noch nicht reif ſeien, berge die ſchwer=
ſten
Gefahren in ſich. Dadurch könnte leicht eine Reaktion
zugunſten des alten loſen Zuſammenhanges hervorgerufen

werden. Wenn wir geduldig und behutſam zu Werke
gehen, haben wir noch eine ungeheure Miſſion zu erfüllen;
überſtürzen wir uns aber, dann mag uns das Gegenteil
einer ſolchen Miſſion beſchieden ſein, dann könnten leicht
diejenigen Kräfte, die zur Verwirklichung des erhabenen
Gedankens eines zukünftigen Reiches nötig ſind, ausein=
anderbrechen
.
Lord Cromer meint, von einem Ende des britiſchen
Reiches zum anderen gebe es kein Denkmal von größerer
politiſcher Bedeutung als das, welches Lord Northhrok
in Lakno zu Ehren des Heldenmutes derjenigen Sepoys
erichtet habe, die der britiſchen Sache auch unter der ſtärk=
ſten
Verſuchung zum Abfall treu geblieben ſeien. Andere
Hilfstruppen Großbritanniens hätten auf Schlachtfeldern
ebenfalls glänzende Proben der Zuverläſſigkeit abgelegt;
aber werde ſich die Vergangenheit in der Zukunft wieder=
holen
? Werde die ſtandhafte Loyalität, auf die die Herr=
ſcher
wie die Beherrſchten mit gleichem Stolze zurückblicken
dürften, den auseinanderſtrebenden Kräften widerſtehen
können, die nicht allein in Indien, ſondern auch in Eng=
land
mit einer Unbedachtſamkeit bei der Arbeit wären, als
ob man das alte Wort: Bedenke das Ende! ſchon ganz
vergeſſen hätte? Das ſei eine der bedenklichſten imperia=
liſtiſchen
Fragen, über die er ſich kein Prophezeien an=
maßen
wolle.
Man kann es dem engliſchen Staatsmann nachfühlen,
daß ihm mit der Lehre des römiſchen Reiches vor Augen
bei dem Gedanken an das Schickſal, das für das hritiſche
im dunkeln Schoße der Zukunft verborgen liegt, etwas
ſchwül zumute wird, beſonders im Hinblick auf die Unab=
hängigkeitsbeſtrebungen
in Indien, dem Eckſtein der briti=
ſchen
Weltmachtſtellung. Wie, wenn einſt das Wort Wel=
lingtons
zur Wahrheit würde: Wenn wir Indien ver=
lieren
, werden wir es durch das Parlament verlieren!
Lord Cromer bemerkt, es wäre gut für England und noch
beſſer für Indien, wenn man ſich von vornherein klar dar=
über
werde, daß Großbritannien, wie freigebig es auch
mit ſeinen Zugeſtändniſſen zu einer Selbſtverwaltung ſein
möge, unerſchütterlich entſchloſſen ſei, am Beſitz Indiens
feſtzuhalten. Die Aufrechterhaltung der britiſchen Ober=
herrſchaft
müßte die Grundbedingung der indiſchen Refor=
men
bilden. Freilich: Nationen erlebten einen Auf= und
Niedergang. Es wäre möglich, daß England ſich in ſehr
ferner zukünftiger Zeit veranlaßt ſehen könnte, die Fackel
des Fortſchritts und der Ziviliſation denen zu überlaſſen,
die es ſelbſt ziviliſiert habe; aber ehe nicht die menſchliche
Natur ſich vollſtändig ändere, und ehe nicht die Leiden=
ſchaften
der Raſſe und Religion von der Oberfläche der
Erde verſchwänden, würde es ſo gut wie ſicher mit dem
Erlöſchen der Fackel gleichbedeutend ſein, wollte man ſie
aus den Händen geben.
Lord Cromer hätte hinzufügen können: Gleichbedeu=
tend
auch mit dem Ende der imperialiſtiſchen Herrlichkeit
des britiſchen Reiches, die ohne den Glanz Indiens voll=
ſtändig
verblaſſen müßte.
Deutſches Reich.
Die aus Petersburger Kreiſen gemeldeten Gerüchte
über eine bevorſtehende Zuſammenkunft Kaiſer
Wilhelms mit dem Zaren dürften, wie die
Neue Politiſche Korreſpondenz ſchreibt, keine Beſtäti=
gung
finden. Nach dem, was über die Reiſepläne des
Kaiſers Nikolaus bekannt geworden iſt, wird die ruſſiſche
Kaiſerfamilie ſich vorausſichtlich bereits wieder in Ruß=
land
befinden, bevor Kaiſer Wilhelm von der Nordland=
fahrt
in die Oſtſeegewäſſer zurückkehrt.
Die Münchener Neueſten Nachrichten machen fol=
Heute vor hundert Jahren iſt die Königin Luiſe
von Preußen geſtorben. Es hat kaum eine zweite deutſche
Frau gelebt, die ſich ſolcher Volkstümlichkeit erfreute, wie
die Gemahlin des Königs Friedrich Wilhelm des Dritten.
Ihr Andenken wird in allen deutſchen Landen gefeiert.
Pietätvolle Legenden haben es tief ins Herz des Volkes
310 Millionen gehören aſiatiſchen und 48 Millionen afri= eingegraben. Aber auch vor dem Urteil der Geſchichte kann
es beſtehen als das einer echt deutſchen Frau und Mutter.
Das Gedächtnis der Königin Luiſe wird fortleben,
ſolange ſich Deutſche daran erinnern, daß ſie unter ihrem
Herzen den erſten Kaiſer des neuen Reiches getragen. Ihr
gung und des gewaltigſten Aufſchwunges Deutſchlands.
Es ſollte darum auch dort nicht fehlen, wo die Beſten deut=
ſcher
Männer und Frauen zu dauerndem Gedächtnis auf=
geſtelt
ſinde in der Walhalla. An Se. 1. Hoheit den
Prinz=Regenten von Bayern ſei an dieſem
Tage, an dem das deutſche Voll ſeiner Königin duſſe ge=
denkt
, die herzliche Bitte gerichtet, die Aufſtellung ihrer
zuordnen. Prinz Luitpold würde ſich dadurch den Dank
aller Deutſchen verdienen und ein neues Band zwiſchen
Nord und Süd flechten, an dem ſpätere Generationen ihre
Freude hätten.
Landwirtſchaftsminiſter Frhr. v. Schorlemer
und Finanzminiſter Dr. Lentze trafen in=Oſtrowo=mit

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Nummer 169,

Seite 2.

dem Oberpräſidenten der Provinz Poſen, v. Waldow.
und dem Präſidenten der Königlichen Anſiedelungskom=
miſſion
, Gramſch, zuſammen. Sie wurden auf dem
Bahnhof von mehreren Landräten empfangen und fuhren
dann nach Raſchkow zur Beſichtigung der dortigen An=
ſiedelungsgebiete
. Später begaben ſich die Miniſter nach
Pleſchen.
Wie der Großdechant und fürſterzbiſchöfliche Vikar
der Grafſchaft Glatz der Schleſ. Volkszeitung auf An=
fragen
mitteilt, wird die Borromäus=Enzyklika
im amtlichen Organe des Dekanats und Vikariatamtes der
Grafſchaft Glatz für den Klerus des preußiſchen Anteils
der Erzdiözeſe Prag nicht veröffentlicht werden,
Ausland.
Die Peſter Korreſpondenz meldet: Der Banus von
Kroatien, Dr. Nikolaus v. Tomaſitſch, hat dem Miniſter=
präſidenten
Graf Khuen=Hedervary ſein Abſchiedsge=
ſuch
überreicht. Im Verlaufe der mit der kroatiſch= ſerbi=
ſchen
Vereinigung geführten Verhandlungen haben die
Kroaten ihre bisherigen Forderungen aufgegeben, jedoch
daran feſtgehalten, daß der Sektionschef für Juſtizweſen
von ſeiner Stelle entfernt werde. Der Banus hielt dem=
gegenüber
an ſeinem Standpunkte feſt, daß er dieſer For=
derung
nicht willfahren könne, und hat aus dem Gegen=
ſatz
die Folgerungen für ſeine Perſon gezogen. Miniſter=
präſident
Graf Khuen=Hedervary wird nach Been=
digung
der Adreßdebatte nach Iſchl reiſen, um dem Mon=
archen
die Entlaſſung des Banus zu unterbreiten.
Der aus Petersburg eingetroffene franzöſiſche Bot=
ſchafter
Louis wird während des Urlaubs des Miniſters
Pichon und des Direktors für politiſche Angelegenheiten
Bapſt mit der Leitung des Miniſteriums betraut werden.
Das Gerücht, daß Louis den ſeit längerer Zeit geplanten
Poſten eines Generalſekretärs des Miniſteriums des Aeu=
ßern
erhalten werde, wird vom Echo de Paris als verfrüht
bezeichnet.
Nach einer kurzen Polemik in der ſpaniſchen Kam=
mer
zwiſchen Maura und dem Republikaner Azcarate
ſprach Moret über das religiöſe Problem, das gegen=
wärtig
der ſpringende Punkt der ganzen Politik ſei. Von
ihm hänge das Schickſal der liberalen Partei und des
liberalen Regimes ab. Sodann entwickelte der Miniſter=
präſident
Canalejas ſein Programm. Er ſei entſchloſſen,
ſcharf links und nur mit der liberalen Mehrheit zu regie=
ren
, die Hoheit des Staates gegenüber der Kirche zu ver=
treten
, die Neutralität der öffentlichen Schulen durch Geſetz
zu ſichern und die Verhandlungen mit der Kurie nicht ins
Unendliche verſchleppen zu laſſen. In Marokko verfolgt
Canalejas lediglich die Sicherung des militäriſchen Pre=
ſtiges
. Er ſchloß mit einem Appell an die Liberalen zur
ſchleunigen Durchführung ſeines Programms. Hierauf
wurde die Thronrede bei namentlicher Abſtimmung
mit 183 Stimmen aller anweſenden Liberalen gegen 81
Stimmen der Konſervativen, Karliſten und Republikaner
angenommen.
Der Londoner Korreſpondent des Siecle berichtet:
Die öffentliche Meinung Englands meſſe der Angelegen=
heit
des indiſchen Revolutionärs Savarkas große
Bedeutung bei. Die Engländer haben ſich ihm gegen=
über
folgendermaßen geäußert: Wenn Savarkas an Frank=
reich
ausgeliefert werden ſollte, ſo würden in ganz Indien
Sympathiekundgebungen für Frankreich und feindſelige
Demonſtrationen gegen England ſtattfinden. Nichts wäre
für die Entente cordiale ſchädlicher als ein derartiges Vor=
kommnis
. Der Korreſpondent meint, daß die franzöſiſche
Regierung ſchwerlich die Auslieferung Savarkas durchſetzen
werde. Das Foreign Office ſteht nämlich auf dem Stand=
punkt
, daß der franzöſiſche Gendarm das Völkerrecht ver=
letzt
habe und nicht die polizeilichen Agenten. Eng=
land
ſchulde deshalb keinerlei Genug=
tuung
. Selbſt ein Vorſchlag, die Angelegenheit einem
Schiedsgericht zu unterbreiten, würde von England abge=
lehnt
werden.

Streifzüge durch die Brüſſeler
Weltausſtellung.
Von Paul Lindenberg.
(Nachdruck verboten.)
IX. (Schluß.)
Einzelnes von der deutſchen Abteilung. Das Kunſt=
gewerbe
. Ein Vergleich mit anderen Nationen. Mo=
derne
deutſche Beſtrebungen. Die Raumkunſt. Erwar=
tungen
des praktiſchen Erfolges. Die Ausſtellung für
Erziehung und Unterricht. Unſere Kraft und unſere
Zukunft. Einzelgruppen. Die Induſtriehalle.
Maſchinenbau und Ingenieurweſen. Die Eiſenbahnhalle.
Deutſchland auf friedlichem Eroberungszuge.
Dem Kunſtgewerbe iſt in der deutſchen Abteilung
der Vorrang eingeräumt, gewiſſermaßen die Repräſen=
tationsſtellung
. Eine doppelte Aufgabe ward ihm zuteil,
es ſollte eine Anzahl von Gemächern ergänzend ſchmücken
und daneben für ſich ſelbſtändig beſtehen, losgelöſt alſo
von der feingeſtimmten Umgebung. So gut im großen
und ganzen die Ergebniſſe ſind, merkt man vielfach im ein=
zelnen
die Abſicht, nichts Beſonderes, ſondern Geſondertes
zu leiſten. Die moderne Richtung tritt alleinherrſchend
auf, altdeutſch iſt verpönt, ebenſo die aus Italien und
Frankreich übernommenen Stilarten. Das gibt natürlich
dieſer reichbeſchickten deutſchen Gruppe ihre eigenartige
Note, hebt ſie hervor, ruft Beifall und Widerſpruch wach.
Gerade auf dem kunſtgewerblichen Gebiete arbeiten Eng=
land
, Frankreich, Belgien traditionell in vornehmer Weiſe
weiter, beſchreiten keine neuen Bahnen, tüfteln nicht nach
neuen Effekten; bloß in ſeiner Dekorativen Kunſt macht
Frankreich eine Ausnahme, zeigt aber nur verwilderte
Formen, die um ſo unharmoniſcher wirken, als man in ſie
franzöſiſchen Schick hineinlegen wollte, ein greuliches Zwit=
terding
entſtand dadurch.
Bei dem in Brüſſel vertretenen deutſchen Kunſtgewerbe
liegt die Sache anders. Man drückt ſich deutlich aus. Der

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 22. Juli 1910.

Nach dem Daily Telegraph hat im engliſchen Flot=
tenmanöver
nicht die rote, ſondern die blaue Flotte in
dem Scheinkriege zur See geſiegt und eine Landung an der
engliſchen Weſtküſte bewerkſtelligt. Es war die Aufgabe
der roten Flotte, den Feind, der die rote Küſte unſicher
machte, aufzuſuchen und zu vernichten. Die beſtand aus
drei Diviſionen und hatte als Baſis für ihre Operationen
Berehaven erkoren. Für Manöverzwecke galten ihre ſämt=
lichen
24 bis 30 Schlachtſchiffe als Dreadnoughts außer=
dem
verfügte Admiral May über Flottillen von Unterſee=
und Torpedobooten. Die blaue Flotte zählte nur fünfzehn
Dreadnoughts‟. Die Transportſchiffe, von welchen aus
eine Armee an der roten Küſte gelandet werden ſollte,
wurden durch Kohlendampfer markiert. Die Baſis der
blauen Flotte, die ſich aus der Mittelländiſchen und Atlan=
tiſchen
Flotte zuſammenſetzte und unter dem Beſehle des
Admirals Poe ſtand, war in Oban. Sie zählte außer den
bereits erwähnten 15 Dreadnoughts 8 Panzer und 6 ge=
ſchützte
Kreuzer, ſowie eine Anzahl von Zerſtörern. Sonn=
tag
nacht verließ die ganze blaue Flotte ſamt den Trans=
ports
Oban und gelangte glücklich durch die Linien der
roten Unterſee= und Torpedoboote in die offene See. Es
war ihre Abſicht, an der roten Weſtküſte die Landung von
Truppen zu unternehmen. Rote Kreuzer waren der blauen
Flotte dicht auf den Ferſen. Auf der Höhe der Lizzards
nahm die blaue Flotte Fühlung mit der zweiten Abteilung
der roten Flotte unter dem Befehle Admiral Milnes. Es
gelang den Blauen jedoch, die Roten über ihre Abſichten zu
täuſchen, ſo daß die letzteren einen falſchen Kurs einſchlu=
gen
, während die erſteren bald darauf auf die erſte rote
Abteilung unter Admiral May ſtießen. Es entwickelte ſich
nun eine Seeſchlacht, die über eine Stunde währte und
mit dem Siege der blauen Flotte geendet haben ſoll.
Zur Beaufſichtigung der Eiſenbahnen Finn=
lands
hat die ruſſiſche Regierung einen Inſpektor er=
nannt
. Seine Dienſtanweiſung räumt ihm ſo weit=
gehende
Befugniſſe ein, daß er mit den ſinnländiſchen
Eiſenbahnbehörden in ernſte Streitigkeiten geraten dürfte.
Durch die militäriſchen Pläne Rußlands in Finnland und
durch den in zwei Jahren, nach Fertigſtellung der Brücke
über die Newa, beginnenden Verkehr mit ruſſiſchem Wa=
genmaterial
auf den finnländiſchen Bahnen erhalten dieſe
für Rußland eine große Bedeutung, und deshalb ſorgt nun
die ruſſiſche Regierung für die nötige Aufſicht. Der In=
ſpektor
hat in erſter Linie darauf zu ſehen, daß die normal=
ſpurigen
Eiſenbahnen, und zwar nicht bloß die Staats=,
ſondern auch die Privatbahnen, die vorhanden ſind oder in
Zukunft gebaut werden, imſtande ſind, einen ungehinder=
ten
Verkehr mit dem rollenden ruſſiſchen Material zu ge=
ſtatten
. Ferner ſoll der Inſpektor darüber wachen, daß
die von der Eiſenbahnverwaltung ausgearbeiteten Bau=
pläne
den vom ruſſiſchen Verkehrsminiſter feſtgeſtellten
techniſchen Forderungen entſprechen. Mindeſtens zweimal
im Jahre hat der Inſpektor Beſichtigungsreiſen auf den
finniſchen Bahnen auszuführen, um zu ſehen, in welchem
Zuſtande ſich die Bahnen befinden. In dringenden Fällen
muß ihm koſtenfrei ein Sonderzug oder eine Lokomotive
zur Verfügung geſtellt werden, und im übrigen kann er
koſtenfrei in Finnland ſo viel reiſen, wie er will. Beſon=
ders
bemerkenswert iſt auch die Beſtimmung, daß der In=
ſpektor
an den Sitzungen der Staatsbahnverwaltung mit
Stimmrecht teilnehmen kann.
nge. Zum 50. Geburtstag der Erbprin=
zeſſin
von Sachſen=Meiningen. Des deut=
ſchen
Kaiſers älteſte Schweſter, die Erbprinzeſſin= Char=
lotte
von Sachſen=Meiningen, vollendet am nächſten
Sonntag ihr 50. Lebensjahr. Sie wurde am 24. Juli
1860 im Neuen Palais bei Potsdam als das zweite
Kind des nachmaligen Kaiſers Friedrich III., damali=
gen
Prinzen Friedrich Wilhelm von Preußen, aus deſ=
ſen
zwei Jahre vorher mit der britiſchen Prinzeß Royal
Viktoria geſchloſſenen Ehe geboren und erhielt in der
Taufe die Namen Viktoria Eliſabeth Auguſte Charlotte,
nach ihren beiden Großmüttern, der Königin Viktoria
von England und der Prinzeſſin von Preußen (ſpäteren

Kaiſerin Auguſta), und der regierenden Königin Eliſa=
beth
von Preußen, ſowie der regierenden Kaiſerin=
Witwe von Rußland, ihren Großtanten. Am 18. Fe= 1878, alſo mit 17 Jahren, wurde ſie in der Ber=
liner
Schloßkapelle dem Erbprinzen Bernhard von
Sachſen=Meiningen vermählt. Es war eine
Doppeltrauung; gleichzeitig trat der jetzige Großherzog
Auguſt von Oldenburg mit der Prinzeſſin Eliſabeth=
von
Preußen, Tochter des Prinzen Friedrich Karl, vor
den Altar. Dem Ehebunde entſproß nur eine Tochter,
die am 12. Mai 1879 zu Potsdam geborene Prinzeſſin
Feodora, die ſeit dem 24. September 1898 die Gemahlin
des Prinzen Heinrich XXX. Reuß jüngere Linie, Oberſt=
leutnants
beim Stabe des 92. Infanterie=Regiments
in Braunſchweig, iſt. Die Erbprinzeſſin iſt Chef des
Grenadier=Regiments König Friedrich III. (2. Schleſi=
ſchen
) Nr. 11 in Breslau, wo ſie eine Reihe von Jahren
lebte, während ihr Gemahl als kommandierender Ge=
neral
an der Spitze des VI. Armeekorps ſtand. Gegen=
wärtig
hat der Erbprinz als Generaloberſt die Würde
eines Inſpekteurs der Armee=Inſpektion inne, und
der ſtändige Wohnſitz des erbprinzlichen Paares iſt
Meiningen; den Winter verbringt es aber regelmäßig
in einer vor mehreren Jahren an der franzöſiſchen
Riviera, in Cannes, erworbenen Villa. Die Erbprin=
zeſſin
Charlotte war in ihrer Jugend eine auffallen5
ſchöne und iſt noch jetzt eine ſehr anmutige Erſcheinung.
Außerordentlich regen und klugen Geiſtes, hat ſie ſtets
gern mit Künſtlern und Schriftſtellern Umgang gehal=,
ten. Franz von Lenbach gehörte zu den Freunden ihres
Hauſes, und zu deſſen Intimen zählen u. a. auch Ernſta
Schweninger und Paul Lindau. An höfiſche Vorurteile
hat ſich die Schweſter Wilhelms II. nie gekehrt, mit
der Freifrau von Heldburg zum Beiſpiel, der morgang=
tiſchen
Gemahlin ihres Schwiegervaters, deren Exi=
ſtenz
von einigen großen deutſchen Höfen gefliſſentlich
überſehen wird, verbindet ſie herzliche Freundſchaft.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 22. Juli.
Ihre Königl. Hoheiten der Großherzog und
die Großherzogin haben nach vierwöchigem Aufenthalt
in dem engliſchen Seebade Filey in Yorkſhire mit ihren
beiden Söhnen, dem Erbgroßherzog Georg und dem
Prinzen Ludwig, die Rückreiſe angetreten und befinden
ſich augenblicklich, wie ſchon gemeldet, zu mehrtägigem
Beſuch des nahe verwandten engliſchen Königshauſes in
London. Am 22. d. Mts. wird ſich das Großherzogliche
Paar, wie der N. G. C. mitgeteilt wird, von London
zu einer Beſichtigung der Weltausſtellung
nach Brüſſel begeben und dann in die Heimat zurück=
kehren
, um, wie alljährlich, in dem Jagdſchloß Wolfs=
garten
Sommeraufenthalt zu nehmen.
Ernennungen. Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
haben den Regierungsbaumeiſter Emil
Moeller aus Offenbach a. M. zum Eiſenbahn= Bau=
inſpektor
in der Heſſiſch=Preußiſchen Eiſenbahngemein=
ſchaft
ernannt. Ernannt wurde Karl Orth in Hungen
zum Gefangenwärter am Haftlokal in Hungen mit
Wirkung vom 1. September 1910.
* Ordensverleihungen. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben den nachbenannten Bedienſteten
der Firma Johann André zu Offenbach, nämlich: 1. dem
Dionyſius Gerhäuſer zu Offenbach a. M. das Band=
des
Verdienſtordens Philipps des Großmütigen zu dem
ihm bereits verliehenen Allgemeinen Ehrenzeichen mit
der Inſchrift Für treue Arbeit: 2. dem Robert Link
und 3. dem Philipp Schmidt III., beide zu Offen=
bach
a. M., das Allgemeine Ehrenzeichen mit der In=
ſchrift
Für treue Arbeit zum 12. Juli 1910 verliehen.
* Der Zar in Friedberg? Man telegraphiert dem
Frkft. G.=A. aus Friedberg, 21. Juli: Wie beſtimmt
erlautet, ſoll anfangs des nächſten Monats der ruſſiſche
Zar nebſt Familie mit ſeinem geſamten Hofſtaat im
hieſigen Schloß eintreffen. Das Gerücht ſcheint umſo=
mehr
begründet zu ſein, als ſchon längere Zeit Repa=
raturarbeiten
, jetzt ſogar in beſchleunigtem Maße, vor=
genommen
werden. Auch ſonſtige Neueinrichtungen
werden in aller Eile hergeſtellt, insbeſondere im Gar=
ten
ſind mehrere auswärtige Gärtner mit Herſtellung
von Neuanlagen beſchäftigt.
Daß das Zarenpaar im Laufe dieſes Jahres vor=
usſichtlich
nach Dar mſtadt kommt, ſofern
nicht wichtige Hinderungsgründe irgend welcher Art
eintreten, iſt uns bekannt. Jedoch wird nach unſeren
Informationen das Zarenpaar nicht in Friedberg,
ſondern in Wolfsgarten Wohnung nehmen. D. Red.
* Finanzminiſter Braun Exz. hat geſtern eine
mehrwöchige Erholungsreiſe angetreten.

wüſte Zauber vom Jugendſtil iſt vorüber, Ruhe und Faß=
lichkeit
treten mehr und mehr hervor, nur wo man ganz
Originelles zu geben beſtrebt war, begegnet man einer
Eckig= und Klobigkeit, die über deutſche Derbheit und Kraft
doch weit hinausgeht und mit den Geſetzen der Zweck=
mäßigkeit
in arge Konflikte gerät. Das zeigt ſich nament=
lich
in einzelnen Zimmereinrichtungen, deren geſuchte Ein=
fachheit
ſich in Geſchmackloſigkeit verläuft. Warum mit
einem Male alles verbannen, was Generationen erwünſcht
geweſen? So unmündig iſt das deutſche Volk nicht, um
nicht längſt ſeinem Sinn für das Schöne und Zweckmäßige
Ausdruck verliehen zu haben, und das deutſche Kunſt=
gewerbe
datiert ſeinen glänzenden Aufſchwung aus einer
Zeit, in der an die jetzigen Gewalthaber, die uns ihren
Geſchmack oder noch mehr ihre Arbeiten aufdrängen wol=
len
, noch gar nicht zu denken war. Daß man nicht auf
alles Frühere mit Spott und Verachtung herabzuſchauen
braucht, wie es leider vielgenannte Rufer im Streite tun,
daß ſich ſehr gut ein ergänzendes Nebeneinander erzielen
läßt, beweiſen die Ausſtellungen der Berliner Königlichen
Porzellanmanufaktur, ſowie der Manufakturen in Meißen
und Nymphenburg. Auch in dieſe Inſtitute ſind ja von
modernem Geiſt erfüllte Kräfte eingedrungen, aber ſie fan=
den
hier längſt vorgezeichnete klare Grenzen, in die ſie ihre
Ideen hineinarbeiten mußten. Das läutert und beugt
Verſtößen vor, die in der Sucht nach Neuem und Apartem
unvermeidlich ſind.
Uebrigens kann bei dieſer Brüſſeler Ausſtellung unſer
modernes Kunſtgewerbe die Probe aufs Exempel beſtehen.
Hier hat es mit dem breiten und weiten Ausland zu tun.
Ob letzteres Verſtändnis und damit Kaufluſt für die neue=
ſten
deutſchen kunſtgewerblichen Beſtrebungen hat, wird
ſich ja im Laufe der Monde ergeben. Das iſt ungemein
wichtig für die Zukunft, denn ſelbſtverſtändlich iſt auch
unſer Kunſtgewerbe, das mit Hunderten Millionen Mark
jährlich rechnet, ganz erheblich auf das Ausland angewie=
ſen
, um ſo mehr, als man in der Heimat noch gar nicht
recht Miene macht, die neuen Apoſtel als die alleinſelig=

machenden zu betrachten. Das hindert nicht, das wirklich
Gute auch freudig anzuerkennen, und dies Gute zeigt ſich
namentlich in beſtimmten wohnlichen Räumen, die ver=
ſchiedenen
Zwecken dienen und auch verſchiedene pekuniäre
Mittel berückſichtigen; iſt doch u. a. ein marmorſchimmern=
des
Luxusbad vorhanden, das die Kleinigkeit von 30000
Mark koſtet. Veſtibül und Empfangsſaal ſind fein durch=
dacht
, von gefälliger Würde, vornehme Gediegenheit iſt in
dem Kleinen Rathausſaale aus Karlsruhe ausgeprägt, das
Bremer Trauzimmer mutet ſtimmungsvoll und behaglic
an. Als Räume eines Kunſtfreundes bezeichnete man
mit vorſichtiger Wahl des Ausdrucks eine kleine Samm=
lung
von Gemälden und Skulpturen, die mit wenigen
Ausnahmen die neuere Richtung der deutſchen Kunſt ver=
treten
. In dieſer Beziehung war die Ausleſe eine recht
glückliche, nicht nur, was die Kunſtwerke anbetraf, ſondern
auch bezüglich der Berückſichtigung der verſchiedenen Kunſt=
zentren
. Sehr wirkſam und mannigfaltig tritt die Aus=
ſtellung
von Edelmetallen in die Erſcheinung, nicht minder
jene für Keramik, die warme Beachtung verdient und
ſindet.
Einheitlich, mit liebevoller Berückſichtigung ſcheinbar
unbedeutender Momente, iſt die Ausſtellung für
Erziehung und Unterricht durchgeführt, deren
Raum man ſeltſamerweiſe den Titel Kultushalle amtlich
aufgeprägt hat. Aber das Wort tut nichts zur Sache, hier
ſpricht die Tat. Eine Tat fürwahr, die vor allem dem
preußiſchen Kultusminiſterium zu danken iſt, das in über=
ſichtlichſter
Weiſe unſer Volks=, Mittel= und höheres Schul=
weſen
zur Anſchauung brachte und damit Gelegenheit zum
Studium der hundertfachen Glieder desſelben bot. Nun
heißt es ja in der betreffenden Einleitung des amtlichen
Kataloges ſehr richtig, daß ſich lebendige Wirkungen nicht
ausſtellen laſſen und daß man nicht zur Anſchauung brin=
gen
kann, wie die Schule durch das geſamte Kulturleben
der Nation und ſeiner Bedürfniſſe beſtimmt und beeinflußt
wird und wie ſie andererſeits auf das nationale Geiſtes=
leben
zurückwirkt. Aber die Wege zu dieſen Wirkungen

[ ][  ][ ]

Nummer 169.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 22. Juli 1910.

Seite 3.

Groß=
ni

ahn=Bau

L. Die Ferienſtrafkammer verhandelte geſtern gegen den
18 Jahre alten Gutsbeſitzersſohn Friedrich Georg Gamer
vom Roßbacherhof in Erbach wegen gefährlicher Körper=
Averletzung. Der Angeklagte war als Aufſeher beſtellt und
Lhatte am 4. Juni d. J. beim Kartoffelhacken Grund, mit
em 18 Jahre alten Arbeiter Ignaz Janik unzufrieden zu
ſein. Als dieſer ihm ungebührliche Antworten gab, ſprang
er auf ihn zu, um ihn vom Feld wegzuſtoßen. Janik
machte jedoch rechtzeitig einen Seitenſprung, Gamer ſank
ins Knie und wurde von ihm völligs zu Boden gedrückt.
Dann ſprang der Arbeiter zurück, erhielt aber in demſelben
Augenblick von dem Aufſeher einen furchtbaren Hieb mit
dem ſcharfen Teil einer Hacke auf den Kopf. Seiner vor=
züglichen
Schädelbildung hat er es zu verdanken, daß er
Fnicht ſofort eine Leiche war. Nach Ausſage des behan=
Delnden Arztes Dr. Bergſträßer iſt die Kopfwunde inzwi=
ſchen
geheilt, der linke Arm iſt noch nicht gebrauchsfähig,
gauch beſteht die Möglichkeit, daß ſich ſpäter, wie dies bei
ſolchen Kopfverletzungen vorkommt, epileptiſche Anfälle bei
Fanik einſtellen. Die Staatsbehörde beantragte 9 Monate
Gefängnis, unter welche der Verteidiger Rechtsanwalt Dr.
Oſann herabzugehen bat. Das Gericht erachtete die bean=
tragte
Strafe jedoch für entſprechend, ſprach 9 Monate
Gefängnis aus, brachte jedoch 6 Wochen Unterſuchungs=
haft
davon in Abzug. Der Verurteilte trat die Strafe an.
Der 20 Jahre alte ſtellenloſe Kaufmann Adolf Ganſt
wohnte hier bei einem Zimmermann und ſtahl am 17. Juli
. J. dieſem aus einer Schatulle, die er mit einem falſchen
Schlüſſel geöffnet hatte, ein Zehnmarkſtück. Er wurde zu
* Monaten Gefängnis verurteilt. Der Steinmetz
Heinrich Mink II. von Eberſtadt wurde wegen Sittlich=
heitsverbrechens
zu 1 Jahr 3 Monaten Zuchthaus
unter Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf
5 Jahre verurteilt.
Von der Techniſchen Hochſchule. Der Diplom=
Ingenieur Rudolf Eſch aus Duisburg hat ſich am
20. d. Mts. an der hieſigen Techniſchen Hochſchule der
mündlichen Doktor=Ingenieur=Prüfung unterzogen und
Hieſelbe gut beſtanden.
Das Programm für das Studienjahr 1910/1911
iſt ſoeben im Druck erſchienen. Im Winterſemeſter
beginnen die Einſchreibungen am 17. Oktober, die Vor=
eſungen
und Uebungen am 20. Oktober 1910. Im
Sommerſemeſter beginnen die Einſchreibungen am
20. April, die Vorleſungen und Uebungen am 25. April 1911.
* Mobiliar=Feuerverſicherung. Die neueſte Nr. 898
Der Mitteilungen der Zentralſtelle für die Landes=
ſſtatiſtik
bringt die Geſchäftsergebniſſe der im Großher=
zogtum
Heſſen zugelaſſenen Mobiliar= Feuerver=
icherungsgeſellſchaften
pro 1909. Es ſind
12 Geſellſchaften, davon 5 nichtdeutſche. Am Ende des
Jahres 1909 beſtanden 249 447 Verſicherungspolicen mit
1965 Millionen Mark Verſicherungsſumme. Brandent=
ſchädigung
wurde im Jahr 1909 in 4148 Fällen be=
Zahlt, und zwar in der Höhe von 968 823 Mk. In den
getzten 25 Jahren hat ſich die Verſicherungsſumme ver=
Soppelt. Sie erreicht jetzt faſt die Höhe der Brandver=
ſicherungsſumme
der Gebäude, die ſich Ende 1909 auf
2101 Millionen Mark belief.
nn. Brückenbauübungen am Woog. Unter Leitung
Des Hauptmanns v. Kropf und des Leutnants
b. Bomhardt finden auf dem hinteren Teil des
Großen Woogs hochintereſſante Brückenbauübungen
ſtatt. Mit dem primitivſten Material ſchlagen die
Pioniermannſchaften des 115. Regiments in kürzeſter
Zeit Lauf= oder Stegbrücken, ſowie Marſchbrücken für
leichte Kavallerie nach der Anleitung von Pionierunter=
offizieren
. Beſonders intereſſant iſt die Art der Zu=
ſammenſetzung
der einzelnen Brückenjoche und deren
Transport zur Verwendungsſtelle, ſowie die Herſtellung
won Tragkörpern an Stelle der Pontons aus Leinwand=
ſſäcken
mit Schilf gefüllt. Eine große Anzahl von Zu=
ſſchauern
wohnt den Uebungen bei. Demnächſt iſt ein
ggrößerer Brückenſchlag nach der Inſel geplant. Das
Brückenbaumaterial wird von der Firma P. Wagner ge=
ſſtellt
. Auch die Mannſchaften der beiden Dragoner=
Regimenter Nr. 23 und 24 halten zur Zeit unter Leitung
eines Hauptmanns und eines Pionierunteroffiziers vom
20. Pionierbataillon Pontonübungen mit Faltbooten
und Nachen auf dem Großen Woog ab, an die ſich
geſtern ein intereſſantes Wettrudern der geſamten Mann=
ſchaft
anſchloß.
Großer Preis von Darmſtadt. Das Programm
für das Sonntag, den 31. Juli, auf der Radrennbahn=
an
der Heidelbergerſtraße ſtattfindende Große Rad=
und Motor=Rennen enthält außer dem bereits
gemeldeten Fahren um den Großen Preis von Darm=
ſtadt
ein Eröffnungsfahren 1000 Meter, 3 Preiſe:
Mk. 50, 30, 20, ein Malfahren 1500 Meter, 3 Preiſe:
Mk. 60, 40, 25, ein Prämien=Fahren 3000 Meter,
3 Preiſe: Mk. 30, 20, 10, dem Erſten jeder Runde Mk. 5,
ein Punktefahren. 2500 Meter, 3 Preiſe: Mk. 40, 25, 15,
ein Handicap 1500 Meter, 3 Preiſe: Mk. 25, 15, 10,
ein Tandemfahren 2000 Meter, 3 Preiſe: Mk. 60, 40, 20,

ein Verfolgungsfahren, dem ſiegenden Paar Mk. 80, ein
Motorrennen 5000 Meter, 3 Preiſe: Mk. 25, 15, 10.
V.V. Die Wetterkarte und der Wetterbericht der
heſſiſchen Wetterdienſtſtelle werden von jetzt ab auch am
Verkehrsbureau aushängen.
Das Orthſche Männerquartett Darmſtadt
hält ſein Sommerfeſt mit Tanz am Sonntag, den
24. Juli, in der Beſſunger Turnhalle ab. Für Unter=
haltung
iſt beſtens geſorgt. (Siehe Inſerat.)
* Der Katholikenverein veranſtaltet am Sonntag
ſein Sommerfeſt. (Näheres ſiehe Anzeige.)
Auerbach, 21. Juli. Der Verkehrsaus=
ſchuß
der Bergſtraße ſchreibt uns: Der in der
letzten Sitzung des V.=A. d. B. in Seeheim am
28. Juni beſtimmte Engere Ausſchuß beſtehend
aus je einem Vertreter der dem V.=A. d. B. ange=
ſchloſſenen
Gemeinden und Vereine hielt am Dienstag
unter dem Vorſitze des Herrn Rentner Sieben ſeine
erſte Sitzung in Weinheim ab. Es waren die Herren
des Engeren Ausſchuſſes faſt vollſtändig erſchienen. Der
Vorſitzende berichtete von ſeinen Erfahrungen und
Eindrücken der von ihm beſuchten Arbeitsausſchuß= und
Hauptverſammlung des dem V.=A. d. B. naheſtehenden
Rheiniſchen Verkehrsverein in Königswinter am
7. Juli, ſowie des Verbandes Heſſiſcher Verkehrsvereine
in Mainz am 4. Juli und in Worms am 17. Juli.
Ueberall habe er den Eindruck gewonnen, daß die Ar=
beit
der Verkehrsvereine eine erſprießliche wäre und
als durchaus ernſt angeſehen werden müſſe. Unter
anderem berichtete Herr Sieben auch, daß der Bund
deutſcher Verkehrsvereine ſeinen großen Bundestag im
nächſten Jahre in Worms habe und ein Tag der
Bergſtraße als Ausflug gewidmet werden ſolle. Herr
Sieben ſchilderte ferner den ausgezeichneten Erfolg,
den die in dieſem Frühjahre ſtattgehabte großzügige
Annoncen=Propaganda für die Bergſtraße gehabt habe.
Wenn auch in erſter Linie die Gaſthofbeſitzer den Vor=
teil
davon haben, ſo iſt es aber doch bekannt, daß 80 bis
85 Prozent der Einnahmen der Hotels wieder an Bäcker,
Metzger und andere Geſchäftsleute übergehen. Hieraus
ergibt ſich der Vorteil, den ein reger Fremdenverkehr
für die geſamte Geſchäftswelt der Gegend bringen muß.
Es wurde dann in die Tagesordnung eingetreten. Ein
gedruckter Satzungsentwurf lag vor, der vom Vor=
ſitzenden
nach dem Muſter anderer großer Verkehrs=
vereine
für unſere Verhältniſſe umgearbeitet war. Der
Entwurf gelangte mit geringen Aenderungen zur An=
nahme
. Jedenfalls im Oktober wird der Entwurf der
Hauptverſammlung zur Genehmigung vorgelegt wer=
den
. Durch die Satzung wird der V.=A. d. B. eine feſt=
organiſierte
Körperſchaft, was er bisher eigentlich nicht
war. Zur Beratung der Eiſenbahnwünſche wurde eine
Kommiſſion ernannt, beſtehend aus je einem Vertreter
aus Jugenheim. Auerbach. Bensheim, Heppenheim,
Weinheim. Hoffen wir, daß es dieſen Herren gelingt,
eine Verbeſſerung der Eiſenbahnverbindungen zu er=
reichen
, vor allem die Unzuträglichkeiten, die der
Sommerfahrplan gebracht hat, wieder zur Aufhebung
zu bringen. Eine lange Zeit nahm die Beratung über
die Beteiligung an der internationalen Ausſtellung für
Reiſe und Verkehr in Berlin 1911 in Anſpruch. Herr
Stadtverordneter Stemmer=Darmſtadt berichtete
über die Verhandlungen, die er in dieſer Sache mit
dem Großh. Miniſterium in Darmſtadt gepflogen hat.
Die Verhandlungen ſind noch nicht abgeſchloſſen, jedoch
iſt folgendes projektiert: Die Regierung errichtet in
Verbindung mit der Kurdirektion Nauheim, der Großh.
Domänenverwaltung (Weine) und der Großh. Kera=
miſchen
Manufaktur einen eigenen Pavillon in der
Ausſtellung. Es kommt eine Nauheimer Prunkbade=
zelle
nebſt Vorraum und keramiſchem Eingangstor zur
Ausſtellung, und zwar an ganz hervorragender Stelle
im Ausſtellungsgebäude, mit einem erheblichen Koſten=
aufwand
. Um dieſen Pavillon herum entſtehen einzelne
Abteilungen, durch Stellwände getrennt, welche einzel=
nen
Orten des Großherzogtums überlaſſen werden, um
durch Dioramen ihre landſchaftlichen Schönheiten und
Städtebilder zeigen zu können. Der Gedanke iſt groß=
zügig
, und es unterliegt gar keinem Zweifel, daß dieſe
geſchloſſene Ausſtellung Heſſens der Clou der Aus=
ſtellung
werden wird. So hat denn auch der Engere
Ausſchuß des V.=A. d. B. in richtiger Erkenntnis der
außerordentlichen Beseutung dieſer Gelegenheit, die
Bergſtraße in großzügiger Weiſe bekannt zu machen,
benutzt und durch Zeichnung der notwendigen Summe
eine Beteiligung geſichert. Ein ſprachenkundiger Auf=
ſeher
wird die Verteilung und Abgabe der Führer und
Proſpekte an das Publikum überwachen. Es iſt nun
Sache der einzelnen lokalen Vereine reſp. Gemeinde=
verwaltungen
, für Beſchaffung entſprechender Führer
und Proſpektmaterials Sorge zu tragen.
Offenbach, 21. Juli. Im Bauausſchuß wurde geſtern
beſchloſſen, die Stelle eines Tiefbauinſpek=
tors
zu ſchaffen und dieſem Beamten die Ober=
ufſicht
über das geſamte Tiefbauweſen einſchließlich

des Kanalbaues zu übertragen. Ferner wurde die
Aſſiſtentenſtelle beim Schlacht= und Viehhof in eine
Sekretärſtelle umgewandelt, für die der bisherige, Aſſi=
ſtent
Betz vorgeſehen iſt. Dem Sekretär ſoll diesAuſ=
ſicht
im Schlachthof übertragen werden. Beide Maß=
nahmen
ſind eine Folge der Vorgänge im Kanalbauamt
und im Schlachthof, die in letzter Zeit ſo viel von ſich
reden machten.
Mülheim, 21. Juli. Hier ſind, nachdem bei der
letzten Gemeinderatswahl nur Sozialdemokraten ge=
wählt
wurden, ſämtliche fünfzehn Gemeinde=
ratsmitglieder
Sozialdemokraten.
Mainz=Mombach, 20. Juli. Die Mombacher
Bohnenernte, die bedeutendſte weithin am ganzen
Rheinſtrome, iſt zurzeit in vollem Gange. Tagtäglich
gehen hier 300 bis 400 Zentner grüne Bohnen mit der
Bahn nach allen Teilen Deutſchlands ab. An einem
der letzten Tage gelangten zirka 600 Zentner Bohnen
zum Verſand, abgeſehen von den großen Mengen, die
täglich im Kleinverkauf und auf den Wochenmärkten
der Nachbarſtädte abgeſetzt werden. Der Preis, der
anfänglich ſich eine Zeitlang auf 30 Pfg. und höher
hielt, iſt raſch auf 9 bis 10 Mark pro Zentner herabge=
gangen
. An dem raſchen Preisſturz trägt die enorm
reiche Ernte an Buſchbohnen die Schuld, die bei der
ſeuchtwarmen Witterung der letzten Tage die denkbar
beſten Vorbedingungen zur raſcheſten Entwicklung
haben. Das Angebot iſt infolgedeſſen hier auch ganz
enorm. Demgegenüber prophezeit man jedoch bald ein
rapides Steigen der Bohnenpreiſe, da die zweite Ernte,
die der zum Einmachen beſonders beliebten Stangen=
bohnen
, diesmal ſehr ſchlecht ausfällt. Während näm=
lich
die Buſchbohnen durchweg auf hochgelegenen,
trockenen Lagen angepflanzt werden, ſind die mit
Stangenbohnen bepflanzten Felder ausnahmslos iin
den tieferen Strichen am Rheindamm zu ſuchen, die
unter der Ueberſchwemmung ſehr ſchwer gelitten haben.
Den Hausfrauen wäre daher dringend zu raten, ſchon
jetzt den Bedarf an Einmachbohnen zu decken, wenn
anders ſie nicht ungewöhnlich hohe Preiſe ſpäter be=
zahlen
wollen. Dabei rühmt man den Buſchbohnen
bei ihrer diesjährigen raſchen Entwicklung eine ſehr
gute Qualität nach. Da im Ried wie auch hier die
Krauternte ohnedies infolge der Ueberſchwemmung ſehr
ſchlecht ausfallen dürfte, ſo ſollte man die gegenwärtige
reiche Ernte an Buſchbohnen nicht ungenützt vorüber=
gehen
laſſen.
Mainz, 20. Juli. In der Hauptverſammlung des
Vereins Altſtadt ſprach Stadtv. Kaiſer über den Plan
der Erbauung einer elektriſchen Schnellbahn von
Kaſtel nach Erbenheim, die nach der Eröffnung
der neuen Rennbahn beſonders wichtig und für den
Mainzer Handel notwendig ſei. Die Stadt habe ſich
mit der Frankfurter Geſellſchaft, die die Schnellbahn
Frankfurt=Wiesbaden baut, in Verbindung geſetzt, und
dieſe ſei bereit, die Strecke Erbenheim=Mainz zu
bauen. Die Verſammlung nahm eine Entſchließung
an, durch die die Bürgermeiſterei und die Straßen=
bahndeputation
erſucht werden, die Erbauung der Bahn
energiſch zu fördern.
Mainz, 21. Juli. Als heute morgen gegen 4 Uhr
der in Zivil befindliche Schutzmann Margolf von
der hieſigen Gewerbepolizei auf der Landſtraße nach
Hechtsheim zu ging, um dort Milchproben zu entneh=
men
, wurde ihm vom Feſtungsglacis aus Halt zuge=
rufen
. Da der Schutzmann an einen Ueberfall glaubte,
eilte er weiter, worauf ein ſcharfer Schuß auf ihn ab=
gegeben
wurde. Die Kugel ſauſte am rechten Ohr ſei=
nes
Kopfes vorbei. Gleichzeitig ſtürzte mit aufge=
pflanztem
Bajonett eine zwei Mann ſtarke Feſt=
ungspatrouille
auf ihn zu und erklärte ihn für
zverhaftet. Obwohl der Schutzmann ſeine polizei=
lichen
Papiere und einen vom Gouverneur ausgeſtell=
zten
Schein, der ihm das jederzeitige Betreten des
Feſtungsgeländes erlaubt, vorzeigte, wurde er zur
Wache transportiert. Der anweſende Unteroffizier
ſchenkte den Angaben und den Papieren keine= Beacht=
ung
, ebenſo ein ſpäter eingetroffener Hauptmann. Erſt
als ein herbeigeholter uniformierter Schutzmann=die
Identität Margolfs beſtätigte, wurde dieſer entlaſſen.
Der Ueberfall trug ſich nicht auf dem Feſtungsgelände,
ſondern auf der freien Landſtraße zu. Angeblich wollen
die Wachtpoſten kurz vor dem Vorfall mit Steinen be=
worfen
worden ſein, und zwar ſei der Schutzmann der
Täter geweſen. Genaueres wird die Unterſuchung er=
geben
. (Frkf. Ztg.)
Erbes=Büdesheim, 20. Juli. Geſtern nach der Feier=
abendſtunde
kehrte ein Gefährt des Bürgermeiſters
Römer mit den Arbeitern vom Felde heim, und es ſchei=
nen
die jungen, feurigen Pferde irgendwie geſcheut
zu haben. Sie raſten die Ortsſtraße herein und konnten
von ihrem Führer kaum mehr beherrſcht werden. Mitten
auf der Straße ſtand ein kleines Kind und wäre wohl über=
fahren
worden, wenn nicht eine von der Arbeit heimkehrende
Frau es weggeriſſen hätte. Leider wurde aber dieſe Frau

kann man zeigen, die Richtung der gegenwärtigen Entwick=
lung
des Schulweſens und die daraus entſpringenden
Fortſchritte.
Das iſt hier in umfaſſendſtem Maße geſchehen, in vor=
bildlicher
Weiſe, allgemeine Bewunderung erweckend. Klar
tritt das Beſtreben zutage, den Schüler möglichſt frühzeitig
für das praktiſche Leben zu erziehen, die Schule in Füh=
lung
mit dem Leben zu bringen, wie es der Kaiſer mehr=
fach
gefordert. Den Naturwiſſenſchaften, der Geographie
mit beſonderer Berückſichtigung der Heimatkunde, der
Phyſik, dem Zeichenunterricht ward ſtets ernſtere Beob=
achtung
zuteil. Damit Hand in Hand ging aufmerkſamſte
hygieniſche Fürſorge man denke an die Waldſchulen,
Schulbäder, Augenpflege uſw. und die Berückſichtigung
geſunder ſportlicher Uebungen. Ergänzend leiſteten vor=
treffliche
Dienſte die Handfertigkeits= und Fortbildungs=
ſchulen
, ferner die Hilfsſchulen, die ſich als ſehr nützlich
erwieſen, zu denen ſich die Anſtalten für blinde und taub=
ſtumme
Kinder geſellen. Auf das umfaſſendſte wird uns
das Mädchenſchulweſen erläutert, die Ausbildung für die
Univerſität, wie für praktiſche Berufe und nicht zuletzt für
jenen der Hausfrau. Nicht trockene Tabellen, Pläne,
Photographien führen uns all das vor Augen, ſondern fix
und fertig eingerichtete Schulräume, phyſikaliſche Kabinette,
Einzelausſtellungen aller Art, Arbeiten, Modelle, Einrich=
tungen
für anormale Kinder, das Zimmer eines Schul=
arztes
, Schulküchen uſw. In hellem Licht zeigt uns dieſe
Abteilung Deutſchlands junge Kraft, ſie erklärt viele un=
ſerer
Erfolge nah und fern, ſie gewährt uns Vertrauen
in eine verheißungsvolle Zukunft!
Dieſer Gruppe angegliedert und ſie gewiſſermaßen er=
gänzend
finden wir Optik und Feinmechanik,
Chirurgiemechanik und Buchgewerbe wie
Photographie. Das Buchgewerbe beſonders iſt in
glänzender Weiſe vertreten, entſprechend ſeiner Bedeutung
für unſer ganzes kulturelles Leben. Wie wichtig es auch
in wirtſchaftlicher=Beziehung iſt, geht aus den 135 Mil=

lionen Mark hervor, die ſeine Ausfuhr im Jahre 1908 be=
trug
. Auf hoher Stufe zeigen ſich Buchkunſt und Farben=
druck
, ſie brauchen den internationalen Wettkampf nicht zu
ſcheuen, ja dürften vielfach ſiegend aus demſelben hervor=
gehen
.
Langhin erſtreckt ſich die Induſtriehalle, mit der
der Berliner Architekt Otto Walter ein Meiſterſtück gelie=
fert
hat; jede Verwirrung iſt vermieden, die Seitenſchiffe
wurden als kleinere Säle ausgebildet, die Sondergruppen
geſchickt in die Erſcheinung bringen, der vielfache Inhalt
kommt überall zu guter Geltung, man irrt nicht planlos
umher, wie es ſonſt meiſt der Fall. Daß dieſe Gruppe
kein abgeſchloſſenes Bild unſerer Induſtrie gewährt,
braucht nicht betont zu werden. Bei der Ausſtellungs=
müdigkeit
vieler erſter deutſcher Firmen mußte man mit
weſentlichen Lücken rechnen, auf ſehr bekannte Namen ver=
zichten
, manch Wichtiges ganz vermiſſen. Aber der allge=
meine
Ueberblick iſt doch ein recht inſtruktiver und läßt
mannigfache Schlüſſe auf Deutſchlands induſtriellen Anteil
am Welthandel zu.
Beherrſchend tritt der deutſche Maſchinenbau
in der ihm beſtimmten gewaltigen Halle in die Erſchei=
nung
. Hier möchte ich den Deutſchen ſehen, der nicht ſtolz
auf ſein Vaterland iſt, das auf dieſem Gebiet ſo bahn=
brechend
vorangeht, planmäßig arbeitend, Erſola auf Er=
folg
erxingend, dank der gründlichen wiſſenſchaftlichen
Ausbildung unſerer Ingenieure, der guten Schulung der
mittleren und unteren Techniker, der Tüchtigkeit unſerer
Arbeiterſchaft. Jeder Tag faſt ſtellt unſerer Maſchinen=
induſtrie
neue Aufgaben, jeder Tag findet ſie bei der ge=
ſchickten
Löſung derſelben, mit Hilfe der Elektrotechnik
Märchenhaftes leiſtend, von ſtaunenswerter Genauigkeit
und techniſcher Vollendung. Dazu geſellt ſich ſtets die Vor=
ſorge
für Schutzvorrichtungen für die betreffenden Arbeiter
und eine möglichſt gefällige äußere Form auch hier kann
man von künſtleriſchen Beſtrebungen ſprechen! Und dann
ſieht man dieſe eiſernen Rieſen und Zwerge bei ihrer nim=

mermüden Tätigkeit, die die menſchliche mehr und mehr
ausſchaltet, dafür an die Intelligenz der einzelnen Arbeiter
immer höhere Anforderungen ſtellend, man beobachtet ihre
Kraft und Geſchicklichkeit und empfindet tiefen Reſpekt vor
jenen, die dieſe Räder zuſammenſtellten, dieſe Seile und
Bänder verknüpften, dieſe Kolben und Stangen einfügten
und dem weſenloſen Ganzen das Arbeite für die Menſch=
heit
! aufprägten.
Die benachbarte Halle für Ingenieurweſen er=
gänzt
wiederum jene der Maſchinen und wird durch letz=
tere
ergänzt. Hier ſprechen Modelle und Zeichnungen eine
ſehr beredte Sprache. In die Geheimniſſe des Waſſer=
baues
dringen wir ein mit der Schaffung von Talſperren,
die Verbeſſerungen des Verkehrsweſens werden uns vor=
geführt
und die Kühnheit, dabei Sicherheit der neueſten
Brücken= wie Hochbauten uns vergegenwärtigt. Den hohen
Stand unſeres Eiſenbahnweſens lernen die fremden Be=
ſucher
in der Eiſenbahnhalle kennen und ſchätzen,
und zwar daß nicht bloß für die wohlhabenden Reiſenden
gut geſorgt wird, ſondern auch für die weniger bemittelten
und armen. Der von der preußiſchen Eiſenbahnverwaltung
hier ausgeſtellte Wagen 4. Klaſſe erweckt den lebhaften
Neid franzöſiſcher und italieniſcher Touriſten, die ſeine ſau=
beren
und bequemen Einrichtungen mit den erbärmlichen
ihrer Waggons der 3. und ſelbſt 2. Klaſſe vergleichen kön=
nen
. Sehr lehrreich ſind die Sicherheitsvorkehrungen,
wichtig die Vervollkommnungen der Lokomotiven, ebenſo
die der Bremſen und die ſonſtigen Verbeſſerungen in ver=
kehrstechniſcher
Beziehung.
Der Kriegsgott iſt nirgends hier unter der deutſchen
Flagge vertreten. Durch Friedenswerke wollen wir neue
Eroberungen machen, wollen uns Freunde gewinnen, un=
ſerem
Handel und Wandel immer weitere Wege bahnen.
Und es wird uns gelingen! Brüſſel dürfte eine wichtige
Etappe auf dieſem friedlichen Eroberungszug bilden!

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Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 22. Juli 1910.

Nummer 169.

der Berliner Saalbeſitzer hat am Sonntag, nach der
ſzenen geführt. Es war vorauszuſehen, daß ein ge=
wiſſes
Publikum ſich dem Verbot nicht ohne weiteres
fügen würde. Auf vielen Tanzböden wurden daher
die ſchon angeſchlagenen Plakate, wonach nicht bloß
der Apachentanz, ſondern auch das Chaſſieren durch
den ganzen Saal verboten iſt, zunächſt nicht beachtet.
Wo die Saalwirte ihr Hausrecht mit aller Energie
kam, wurde die Polizei herbeigerufen, die in einem
großen Lokal den Tanzſaal ſogar zeitweiſe ſperrte, bis
Lokalen genügte die Hauspolizei in Hemdsärmeln, um
die Störenfriede an die friſche Luft zu befördern. Sei=
tens
der Polizei findet das Vorgehen der Saalwirte
Tanzboden jetzt die weiteſtgehende Unterſtützung. Man
glaubt daher, daß es nicht nötig ſein wird, auch noch
polizeilicherſeits ein ausdrückliches Verbot zu erlaſſen.
So wird der Berliner Tanzkrieg hoffentlich ein ſchnel=
les
Ende finden.
Frankfurt, 21. Juli. Im Juni verurteilte das
Schwurgericht zu Darmſtadt den Bureauvorſteher ſehen, weil irredentiſtiſche Kundgebungen beſürchtet
Willi Emmermann wegen Beihilfe zum betrüge=
riſchen
Bankrott zu einem Jahre Gefängnis. Als das
Verfahren gegen Emmermann anhängig wurde, der bei
einem Juſtizrat in Offenbach a. M. in Dienſten ſtand,
brachte die hieſige Volksſtimme einen Artikel, in dem
behauptet wurde, der Bureauvorſteher ſei in Kuppelei=
prozeſſe
verwickelt geweſen. Emmermann fühlte ſich
durch die Notiz erheblich in ſeiner Ehre gekränkt und
beſchritt gegen den verantwortlichen Redakteur Wil=
helm
Zander den Weg der Privatbeleidigungsklage.
Als kürzlich Termin in der Sache anſtand, lehnte der
Beklagte den Vorſitzenden, Amtsgerichtsrat Rückert,
wegen Beſorgnis der Befangenheit ab. Dieſes Ab=
lehnungsgeſuch
wurde, wie in neuer Verhandlung vor
dem Schöffengericht vom Vorſitzenden mitgeteilt ward,
abſchlägig beſchieden. Zander weigerte ſich nun, ſich
auf die Anklage zu äußern und einen Vergleich ein=
zugehen
. Da der Beklagte den Wahrheitsbeweis an=
treten
will und hierzu die Herbeiſchaffung von Akten
notwendig iſt, mußte das Gericht abermals Vertagung
eintreten laſſen.
Wiesbaden, 20. Juli. Heute nachmittag explo=
dierte
beim Kaffeekochen ein Spirituskocher in einer
Manſarde der Adelheidſtraße. Das 25 Jahre alte
Monatsmädchen Luiſe Renneiſen geriet in Brand und
erlitt dabei ſo ſchwere Verletzungen, daß es nach einigen
Stunden im Krankenhauſe verſtarb.
Bingerbrück, 20. Juli. In der vorletzten Nacht
wurde auf einen hier um 11,26 Uhr nachts abgegange=
nen
Zug auf der Strecke zwiſchen Trechtingshauſen
und Niederheimbach geſchoſſen. Eine der Kugeln
ging dem Steueraufſeher Keller aus Bacharach, der ſich
im Zuge befand, ſcharf am Kopfe vorbei und zer=
trümmerte
dann eine Scheibe in dem Abteil. Zwei
Polizeibeamte in Niederheimbach wurden hiervon ver=
ſtändigt
und machten ſich ſofort auf den Weg, um die
Uebeltäter womöglich noch zu erwiſchen. Sie trafen
auch am Bahngleiſe zwei junge, dort lagernde Leute,
die ohne weiteres nach den Beamten ſchoſſen. Es wur=
den
dann noch Gendarmen zugezogen, ſowie Bahnper=
ſonal
, worauf die Burſchen umſtellt und ſchließlich auch
feſtgenommen wurden. Beide, zwei junge Menſchen im
Alter von 15 und 17 Jahren, ein Lehrling aus Halle
und ein Kellner aus Nordhauſen, hatten ſcharfgeladene
Revolver, je 30 Patronen und ein großes Paket mit
Schauerromanen bei ſich. Sie wurden nach dem St.
Goarer Gefängnis geſchafft.
Köln, 21. Juli. Die Kölniſche Zeitung meldet aus
Düſſeldorf: Bei einer Wagenfahrt, die ein 74jähriger In=
trennte
ſich das Gefährt plötzlich in zwei Teile, wobei alle
drei Inſaſſen zu Boden ſtürzten. Der Invalide wurde ſo
ſchwer verletzt, daß er bald darauf ſtarb; die Kinder erlit=
ten
weniger ſchwere Verletzungen.
Weimar, 21. Juli. Vor dem ſtädtiſchen Kranken=
hauſe
geriet geſtern ein Arbeiter mit ſeiner Geliebten
in Streit, weil ſie das Verhältnis mit ihm löſen
wollte. Der Gereizte zog einen Revolver aus der

Taſche und feuerte vier Schüſſe auf ſeine Geliebte ab=
Voſſ. Ztg., in zahlreichen Tanzlokalen zu Sturm= Auch ein hinzueilender Kutſcher erhielt einen Schuß in
die Bruſt.
Zoppot, 21. Juli. Hier verhaftete die Polizei
drei elegant gekleidete junge Erpreſſer in der
Wohnung einer älteren Dame, die am Sonntag aus
Breslau als Kurgaſt eintraf. Die Burſchen, anſcheinend
Mitglieder einer inſternationglen Erpreſſerbande,
nahmen der Dame in den letzten Jahren unter fortges
durchſetzten und es dabei zu größeren Ruheſtörungen1 ſetzten Todesdrohungen 12000 Mark ab. Die Burſchen
waren der Dame von Breslau aus gefolgt.
Wien, 20. Juli. In einem Keller der Möbelfabrik=
die
Gemüter ſich wieder beruhigt hatten. In anderen 1 Müller im Bezirke Margareten brach heute nachmittag
ein Brand aus, welcher die ganze Fabrik bedrohte,
Es gelang, den Brand einzudämmen. Der Schaden
wird auf 150000 bis 200000 Kronen geſchätzt. Bei den
gegen die überhandnehmende Ausgelaſſenheit auf dem Rettungsarbeiten erhielten zahlreiche Feuerwehr=
männer
Brandwunden, andere wurden infolge Gass
vergiftung ohnmächtig.
Trient, 21. Juli. Die neue Eiſenbahnlinie
Trient=Tezze=Venedig, welche 47 Kilometer kür=
zer
iſt als die Linie Trient=Verona=Venedig, iſt heute eröff=
net
worden. Von einer beſonderen Feier hatte man abge=
wurden
.
Paris, 21. Juli. Der 66jährige Senator des
Ardoche=Departements, Prodau, der als Kandidat
für den Generalrat ſeinen Wahlbezirk bereiſte, wurde
in der Nähe von Vals bei einem Automobilunfall ge=
tötet
; ſeine vier Reiſegefährten erlitten ſchwere Ver=
letzungen
.
Madrid, 21. Juli. Nach einer dem Miniſterium des
Aeußeren aus Caſablanca zugegangenen Meldung
wurde bei einer Rauferei zwiſchen franzöſiſchen
und ſpaniſchen Soldaten ein ſpaniſcher Korporal ge=
tötet
.
Hammerfeſt, 20. Juli. Heute morgen traf der auf
der Nordlandfahrt begriffene Touriſtendampfer
Oceana der Hamburg=Amerika=Linie hier ein.
Kapitän Schwamberger berichtet, daß die Oceana am
letzten Sonntag in der Adventsbai bei Spitzbergen mit
dem Prinzen Heinrich und dem Grafen Zeppe=
lin
an Bord des Dampfers Phönix zuſammenge=
troffen
iſt. Der Expeditionsdampfer Mainz, der
durch Eis aufgehalten wurde, folgte ſpäter. Alle Teil=
nehmer
der Expedition waren wohlbehalten. Die Reiſe
der Oceana iſt durchweg bei dem herrlichſten Wetter
verlaufen. Am 15. Juli wurde, was noch keinem
Expeditionsdampfer gelungen iſt, die faſt immer vön
Nebel und Eis umſchloſſene, durch beſonders großartige
Gletſcherbildungen ausgezeichnete Inſel Jan Mayen
in einer Seemeile Abſtand geſichtet. Bei Spitzbergen
wurden gewaltige Mengen Polareis angetroffen, die
den Reiſenden einen großartigen Anblick boten.
Tarnopol, 21. Inli. Hier fand ein Duell zwiſchen
einem Honved=Rittmeiſter und einem Reſerveoffizier
aus Graz ſtatt. Der Rittmeiſter fiel. Die Urſache des
Duells war die Schweſter des Rittmeiſters, eine junge,
der Ariſtokratie angehörende Dame. Nach dem Zwei=
kampf
führte die junge Dame den Leutnant in ihrem
Automobil davon. Auf der Fahrt ſoll ſie ſich ver=
giftet
haben.
Kiſchinew, 20. Juli. Durch Regengüſſe während
der letzten Nacht wurde die Stadt überſchwemmt,
In den niedrig gelegenen Stadtteilen mußten die Ein=
wohner
durch die Fenſter flüchten. Der Bahnhof bil=
det
den Mittelpunkt der überſchwemmten Gegend. Der
Straßenverkehr iſt gehemmt, die Brücken ſind übeg
flutet. Mehrere Häuſer ſind eingeſtürzt.
New=York, 20. Juli. Wie aus Winnipeg ge=
meldet
wird, ſind die Minenorte Jaffray, Threeforks
und Bayneßlake durch Waldbrände zerſtört.
New=York, 21. Juli. Der Präſident der
Chicago=Indianavolis= und Louisville= Eiſenbahngeſell=
valide
aus Burſcheid in Begleitung zweier Kinder machte, ſchaft iſt von einem Einbrecher, der in ſein Haus ein=
drang
, erſchoſſen worden.

Kongreſſe und Verbandstage.
18. Bundestag Deutſcher Gaſtwirte.
Sh. Stuttgart, 20. Juli. Der Bund Deutſcher=
Gaſtwirte mit dem Sitze in Leipzig trat heute im Feſt=
ſaale
der Liederhalle unter zahlreicher Beteiligung

bei der Relung des Kindes von der Deichel des Wagens
beiſeite geſtoßen und von dem einen Pferde niedergetreten.
Schwer verletzt wurde die Verunglückte auf einer
Leiter nach Hauſe getragen und alsbald nach dem Kreis=
krankenhaus
in Alzey gebracht, wo der Arzt doppelſeitigen
Rippenbruch feſtſtellte.
B. Bingen, 20. Juli. Die große Bagger=
maſchine
, die unweit von Rüdesheim gegen Ende
des vergangenen Monats geſunken war und bei dem
ſtändigen Hochwaſſer ſeit dieſer Zeit nur mit großer
Mühe und Anſtrengung nach und nach gehoben werden
konnte, iſt jetzt bei dem fallenden Waſſer endlich über
Waſſer gekommen und zur gänzlichen Herſtellung in
den Binger Hafen geſchleppt worden.
Gießen, 20. Juli. Zum Rektor der Landes=
univerſität
für die Zeit vom 1. Oktober 1910 bis
1. Oktober 1911 wurde der Profeſſor für römiſches und
deutſches Recht Dr. Johannes Biermann gewählt.
Profeſſor Biermann iſt geboren am 11. Juni 1863 zu
Berlin, beſuchte das Wilhelmsgymnaſium in ſeiner
Vaterſtadt und ſtudierte Rechtswiſſenſchaft in Tübingen
und Berlin, wo er 1885 promovierte. 1890 wurde er
zum Gerichtsaſſeſſor ernannt, und habilitierte ſich ein
Jahr darauf in Berlin für römiſches Recht. 1893 er=
hielt
er den Profeſſortitel und 1895 wurde er a. v. Pro=
feſſor
, das Jahr darauf folgte er einem Rufe als
o. Profeſſor für römiſches, deutſches bürgerliches und
Zivilprozeßrecht nach Gießen. B. veröffentlichte 1891:
Traditio ficta‟ 1896: Polizei und Privatrecht in
Preußen 1898: Kommentar zum Sachenrecht des
Bürgerlichen Geſetzbuchs (2. Auflage 1903), 1901:
Widerſpruch und Vormerkung nach deutſchem Grund=
buchrecht‟

Bad Nauheim, 20. Juli. Geſtern mittag wurde vor
einer zahlreichen Menſchenmenge das nach den Plänen
von Profeſſor Jobſt=Darmſtadt an den neuen
Kolonnaden aus Muſchelkalk errichtete Beneke=
Denkmal enthüllt. Die Feier fand in Anweſenheit
der ſtaatlichen und ſtädtiſchen Behörden, von Vertretern
des heſſiſchen Miniſteriums und der mediziniſchen
Fakultät der Univerſität Marburg ſtatt, wo Profeſſor
Beneke als Lehrer tätig war. Nach einem Choral der
Kurkapelle hielt Prof. Dr. Groedel die Feſtrede. Der
Redner übergab im Nämen des Komitees für Errich=
tung
eines Beneke=Denkmals das Denkmal der Stadt
Bad Nauheim. Darauf ſprachen noch Geheimrat Dr.
Eſer für die Kurverwaltung, Bürgermeiſter Dr.
Kayſer für die Stadt, deren Ehrenbürger der Ge=
feierte
ſchon viele Jahre iſt, und Dr. Schedel im
Namen des Aerztevereins. Es folgten dann noch Ver=
treter
der Univerſität Marburg mit kurzen Anſprachen,
darunter Proſeſſor Beneke, ein Sohn des Gefeierten.
Ein zweiter Sohn, Major Beneke, dankte für die
Familie allen, die am Zuſtandekommen der ſeinem
verewigten Vater gewordenen Ehrung, mitgewirkt
haben. Das Denkmal, eine künſtleriſche Schöpfung
von vornehmer Wirkung, iſt ein Brunnen, der aus 20
Oeffnungen einem Baſſin Waſſer zuführt. Der Haupt=
teil
zeigt das Bildnis des Gefeierten und trägt folgende
Inſchrift: F. W. Beneke, Profeſſor in Marburg, Arzt
in Bad Nauheim 185782. Begründer der Bäder=
Behandlung Herzkranker und Begründer der Kinder=
heilſtätten
an der See. Das Ganze wird von der
Göttin der Geſundheit als Abſchluß gekrönt, die der
Heilung ſuchenden Menſchheit in einer Schale die heil=
kräftigen
Waſſer darreicht.

Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 20. Juli. Auf der Heim=
fahrt
nach Amerika ſind geſtern etwa 180 Mitglieder
des Schwäbiſchen Sängerbundes aus
Brooklyn hier angekommen, um einige Tage in Ber=
lin
zu verweilen. Heute veranſtaltet die Leitung des
Berliner Sängerbundes, die die Begrüßung auf dem
Bahnhof unternommen hatte, ein großes Gartenfeſt zu
Ehren der Brooklyner Sänger bei Kroll. Geſtern
wurde in der Nähe der Deutſchen Bank ein ähnlicher
Verſuch gemacht, einem Lehrling Geld abzu=
ſchwindeln
, wie ihn kürzlich der Schwindler vom
Hauptpoſt=Scheckamt vollführte. Der Lehrling fiel je=
doch
diesmal auf die Verſuchung nicht herein. Das
Verbot des Apachentanzes durch den Verein

Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
nge. Hohenfinow. Als der Reichskanzler von
Bethmann Hollweg ſich zu kurzer Somnkerraſt
auf ſeinem Beſitz Hohenfinow zwiſchen Eberswalde und
Freienwalde a. O. zurückzog, wurde in vielen Zeitun=
gen
dieſer Aufenthalt als ein buen retiro unter mär=
kiſchen
Kiefern charakteriſiert. Die Kiefer gilt nun
einmal als typiſcher Baum der Mark, und es gibt viele
Leute, die ſich eine märkiſche Landſchaft ohne Kiefern
nicht denken können. Von dem hochgelegenen Hohen=
finow
aus aber ſieht man zufällig Kiefernwälder nur
in weiter Ferne, der Baum, der dieſem ſchmucken
märkiſchen Dorfe mit dem ſtattlichen Bethmannſchen
Schloß und einer faſt domartigen Kirche einen ganz
eigenen Reiz verleiht, iſt die Linde. Hohenfinow
hat Lindenalleen von ganz ſeltener Pracht und Lücken=
loſigkeit
, und es verdankt dieſen Schmuck, in dem es
vollkommen eingebettet liegt, dem aus Frankreich ſtam=
menden
Herrn von Vernezobre, der ſich im achtzehnten
Jahrhundert mit einem großen Vermögen in der
Mark anſäſſig machte und nicht nur Hohenfinow er=
warb
, ſondern ſich auch in Berlin das jetzt dem Prinzen
Friedrich Heinrich gehörende Palais in der Wilhelm=
ſtraße
erbaute. Auch im Park des jetzigen Reichskanz=
lers
dominieren die aus Vernezobreſcher Zeit ſtammen=
den
Linden und Laubwald. Die jüngeren Tannenbe=
ſtände
ſcheinen hauptſächlich als Schutz für die zahl=
reichen
Faſanen angepflanzt zu ſein, Kiefern ſieht man
in der näheren Umgebung des Dorfes gar nicht. Wohl
aber ſind alle Straßen und Wege mit ſorgfältig ge=
pflegten
Obſtbäumen, Kirſchen, Wallnüſſen und Pflau=
men
, eingefaßt, die der Großvater des Reichskanzlerß
pflanzen ließ. Die Süßkirſchenallee an der von Nieder=
finow
nach Hohenfinow führenden Chauſſee iſt jetzt, zur
Zeit der Reife, geradezu eine Sehenswürdigkeit, und
die erheblichen Pachten, die der Reichskanzler aus
ſeinen Obſtalleen zieht, könnten die vielen Gutsbeſitzer,
die den Obſtbau als unergiebig über die Achſel anſehen,
davon überzeugen, wie lohnend er ſein kann, wenn die
Anpflanzungen mit Sachkenntnis gepflegt werden.
* Ein Denkmal für den Grafen Zeppe=
lin
. In der Heimat ſeines Geſchlechts, bei dem kleinen,
in der letzten Zeit oft genannten Dorfe Zeppelin
bei Bützow in Mecklenburg, das der Familie den
Namen gegeben haben dürfte, iſt ſoeben ein originelles
Denkmal für den Grafen aufgeſtellt worden. Die 24
Bauern des Dorfes haben es im Zeppeliner Holz, mit=
ten
im Walde, auf einer ausgerodeten Stelle errichtet.
In der Mitte erhebt ſich ein großer Granitfindling, der
über drei Meter hoch iſt. Hinten wird er von einer
Reihe von 24 kleineren Findlingen umgeben, die in der

Art einer Rundbank angeordnet ſind und auf einem
Erdwall aufgerichtet ſtehen. Es hat nämlich jeder der
24 Hauswirte des Dorfes einen Stein herbeigeſchaffr,
und deshalb die Nummer ſeiner Hufe auf ihm einhauen
laſſen. Der große Findling in der Mitte trägt auf einer
Bronzeplatte die Inſchrift: Dem Grafen Ferdinand
v. Zeppelin an der Urſprungsſtätte ſeines Geſchlechts.
12861910. Im Jahre 1286 nämlich tritt die Familie
zuerſt in mecklenburgiſchen Urkunden auf.
Hundstage. Von dem Eintritt der Sonne
in das Kalenderzeichen des Löwen, am 23. Juli,
bis zu ihrem Eintritt in das Zeichen der Jungfrau,
am 23. Auguſt, rechnet man die Zeit der Hundstage.
Heute iſt der Begriff Hundstage zur Bedeutungsloſig=
keit
herabgeſunken, und kein Menſch denkt mehr daran,
den Beginn der Periode auf irgend eine Weiſe zu
feiern. Einſt, im grauen Altertum, iſt dies anders
geweſen, damals hat man die Hundstage in Aegypten
durch große Freudenfeſte ausgezeichnet. Bei den Grie=
chen
und Römern, die den Begriff Hundstage von den
Aegyptern übernommen und uns hinterlaſſen haben,
iſt die urſprüngliche Feier in Verfall geraten und
ſchließlich ganz abgekommen. Tatſächlich hatte eine
ſolche Feier auch nur in Aegypten Sinn, ja ſie hätte
dort noch heute denſelben Wert wie früher. Ihre Ent=
ſtehung
verdanken die Hundstage dem hellſten aller
Fixſterne, dem Sirius, ägyptiſch Sopdet, der unter dem
reinen, tiefdunklen Nachthimmel des Aegypterlandes
noch weit auffallender glänzt als bei uns, umſomehr,
als er dort nicht nur tief im Süden zu ſehen iſt, ſondern
hoch über das Firmament zieht. Wenn dieſes ſchöne
Geſtirn am Jahresanfange, im Juli, vor Sonnenauf=
gang
, in der kurzen ägyptiſchen Morgendämmerung
zuerſt ſichtbar wurde, begann auch die Nilſchwelle, von
der die Fruchtbarkeit des Landes ausſchließlich abhing
und noch heute abhängt.

Kleines Feuilleton.
* Das Ende der Bleiſtifte. Wenn die Blei=
ſtifte
wirklich, wie man es nach ihrem Namen glauben
ſollte, in ihrer Seele aus Blei beſtünden, ſo würde
man ſich um ihre Zukunft nicht zu ſorgen brauchen,
aber auch der Graphit, aus dem ihr Inneres hergeſtellt
wird, iſt noch immer reichlich genug vorhanden. Wenn
trotzdem ſorgenvolle Stimmen ſich erheben, die von
einer Bedrohung der Bleiſtiftinduſtrie ſprechen, ſo
denken ſie dabei lediglich an den Beſtandteil, der viel=
leicht
nicht notwendig zu dem Begriff eines Bleiſtiftes
gehört, aber bisher noch nicht mit ihm verbunden ge=
weſen
iſt, nämlich das Holz. Seit langem gibt es frei=
lich
ſchon Bleiſtiſte, an denen überhauvt kein Holz iſt,

namentlich die elegante Gruppe der Crayons, aber das
große Heer dieſer nützlichen Soldaten iſt doch immer
noch mit einer hölzernen Hülle ausgeſtattet, und zwar
ſtammt dieſe von einer roten Zedernart aus Amerika.
Es hat aber jetzt den Anſchein, als ob die Holzbeſtände,
die bisher zu dieſem Zweck verwandt worden ſind, ent=
weder
einer Erſchöpfung entgegengehen oder zu einer
anderen, beſſeren Verwendung beſtimmt werden ſollen.
Jedenfalls will man namentlich in den Vereinigten
Staaten, wo ſich infolge der rückſichtsloſen Waldver=
wüſtung
, insbeſondere durch die Papierfabrikation, eine
faſt ängſtliche Sorge um die Erhalkung der noch vor=
handenen
Wälder eingeſtellt hat, dieſe roten Zedern
nicht länger für das Holz der Bleiſtifte hergeben. Zu=
nächſt
hat es eine ſolche Verteuerung erfahren, daß die
Fabrikanten einen weiteren Zwang gar nicht abwarten
werden, ehe ſie nach einem Erſatz ſuchen. Es iſt ja wohl
auch nicht zu rechtfertigen, daß ein Bleiſtift notwendig
einen Rock aus rotem Zedernholz haben muß, und ſo.
werden wir dieſen alten Vertrauten vielleicht bald in
einer anderen Verkleidung erſcheinen ſehen.
Der Schatz im Acker. Die Bewohner des
kleinen Städtchens Laurel in Delaware ſind aus ihrer
friedlichen Ruhe aufgeſchreckt: Asbury Hammond, einer
ihrer ärmſten Mitbürger, der ſich redlich plagen mußte,
um ſein kärgliches Brot zu erwerben, iſt über Nacht
zum reichen Manne geworden. Hammond beſitzt einige
kleine Felder, die er mit eigener Hand bewirtſchaftet.
Vor einigen Tagen, als er mit Schaufel und Hacke
draußen an der Arbeit war, ſtieß er beim Graben auf
eine Art Backſteingewölbe. Mit der Hacke öffnete er
das morſche Mauerwerk und fuhr zunächſt in aber=
gläubiſchem
Schrecken zurück: denn vor ihm lag ein
grinſendes Skelett. Dann aber, als der erſte Anfall
von Furcht überwunden war, ſah er am Kopfe des Ge=
rippes
einen Lederbeutel liegen und an den Füßen
einen zweiten Sack. In dem einen fand er einen Hau=
fen
von ſpaniſchen und amerikaniſchen alten Gold= und
Silbermünzen, und auch der zweite Beutel war mit
Geld gefüllt. Die jüngſte Münze in dem Haufen ſtammt
aus dem Jahre 1821. Er trug einen Beutel zur Bank
und erhielt für den Inhalt rund 75000 Mark. Als er
wenige Tage ſpäter auch den zweiten verkaufte, der
ihm über 60000 Mark einbrachte, war ſein Geheimnis
bereits bekannt, und von allen Seiten ſtrömten die
Nachbarn und Freunde herbei, um die unheimliche
Schatzkammer zu beſichtigen. Seitdem iſt mit der Be=
völkerung
von Laurel eine ſeltſame Vexänderung vor=
gegangen
: von morgens früh bis ſpät in die Nacht ſieht
man überall die Männchen und Weiblein mit wildem
Eifer in ihren Feldern und Gärten graben, und über
Nacht ſind die Faulſten die Fleißigſten geworden.

[ ][  ][ ]

Nummer 169.

Seite 5.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 22. Juli 1910

zu ſeinem 18. Bundestag zuſammen. Der Vorſitzende
der Tagung, Kämpf=Leipzig, begrüßte in ſeiner Er=
öffnungsrede
u. a. den Präſidenten des Deutſchen
Gaſtwirte=Verbandes, Ringel=Berlin. Präſident Rin=
gel
überbrachte die Grüße ſeines Verbandes. Ange=
ſichts
der letzten Finanzreform erſcheine es angebracht,
einen allgemeinen deutſchen Gaſtwirtekongreß nach
Berlin einzuberufen, damit einmal in voller Oeffent=
lichkeit
demonſtriert werde, wie es dem deutſchen Gaſt=
wirteſtand
eigentlich gehe. Hierauf erſtattete der Vor=
ſitzende
Kämpf den Geſchäftsbericht. Der Kaſſen=
bericht
ſchließt in Einnahme und Ausgabe mit 32313
Mark ab. Nach Erledigung dieſer geſchäftlichen An=
gelegenheiten
wurde in die Tagesordnung eingetreten.
Zunächſt beſchäftigte man ſich mit den Steuern der
Brauſtenervorlage und der Finanzreform. Referent
hierüber war Jacob=Erfurt. Nach längerer Debatte
wurde folgende Reſolution Bräuning= Wies=
baden
angenommen: Der Vorſtand des Bundes Deut=
ſcher
Gaſtwirte möge ſich mit dem Reichsverbande in
Verbindung ſetzen, um die Reichswertzuwachsſteuer
mit allen Mitteln zu bekämpfen. Falls trotzdem mit
der Annahme der Steuer durch den Reichstag gerech=
net
werden muß, ſoll alles getan werden, um wenig=
ſtens
eine Doppelbeſteuerung neben der Konzeſſions=
ſteuer
zu verhindern und dafür zu ſorgen, daß jeder
Wertzuwachs, der auf der eigenen Arbeit der Gaſt=
wirte
beruht, von der Beſteuerung frei bleibt. Eine
große Reihe von Anträgen beſchäftigte ſich mit der be=
abſichtigten
Neugeſtaltung des § 33 der Gewerbeord=
nung
und der Bekämpfung der Animier=
kneipen
. In den Anträgen wird mehrſach die Kon=
zeſſionierung
des Flaſchenbierhandels verlangt. Präſi=
dent
Ringel gab die Erklärung ab, daß der Reichsver=
band
allen in der Frage zutage getretenen Wünſchen
Rechnung tragen werde durch ihre Einfügung in eine
an den Reichstag zu ſendende Petition. In dieſer Pe=
tition
wird u. a. zum Ausdruck gebracht, daß die Kellne=
rinnenfrage
in Süddeutſchland einer geſonder=
ten
Regelung bedürfe, da hier vielfach ehrbare
ſſunge Mädchen Kellnerinnen ſeien, ſodaß
die Verhältniſſe mit denen in Norddeutſchland nicht
zu verwechſeln ſeien. Ferner wird das Augenmerk
auf die Ausſchanks in den Warenhäuſern ge=
lenkt
, die keiner Kontrolle unterliegen hinſichtlich der
Förderung von Unzucht und Völlerei und vielfach
Rendezvousplätze für Schulmädchen geworden ſeien.
Auch gegen die Automaten=Reſtaurants wendet ſich die
Petition, die allen Reichstagsabgeordneten überſandt
werden ſoll. Darauf beſchäftigte ſich der Bundestag
mit der Frage der Arbeitsvermittelung im
Gaſtwirtsgewerbe und nahm hierzu folgende Reſolu=
tion
an: Der Bund wolle mit dem Reichsverbande
für die Einführung des paritätiſchen Arbeitsnach=
weiſes
im ganzen Reiche nach Möglichkeit eintreten
und aufklärend wirken. Der Referent, Bräuning=
Wiesbaden, hatte darauf hingewieſen, daß die privaten
Stellenvermittler=Bureaus, die von Leuten mit un=
möglichem
Charakter und unmöglichen moraliſchen
Qualitäten geleitet werden, die Arbeitnehmer nur
ausſaugten. Allerdings müßte bei den paritätiſchen
Arbeitsnachweiſen darauf geſehen werden, daß ſie nicht
zu Tummelplätzen politiſcher Leidenſchaften gemacht
würden. Damit war die Tagesordnung für heute er=
ledigt
. An die Beratungen, die norgen fortgeſetzt
werden, ſchloß ſich ein Feſtmahl.

Die Irrenanſtalt Waldhof.
C Gießen, 21. Juli. An der noch im Bau be=
griffenen
ſtaatlichen Irrenanſtalt Wald=
hof
bei Gießen iſt man ſchon ſeit längerer Zeit mit dem
inneren Ausbau und den Inſtallationsarbeiten der
Waſſerleitungs=, Kanaliſations= und Heizungsröhren=
leitungen
beſchäftigt. Von welch außerordentlichem
Umfange dieſe Arbeiten ſind, geht allein daraus her=
vor
, daß zurzeit die Anlieferung und Montage von
nahezu 5000 Meter Rohr und zirka 900 Meter Abſtell=
ventile
für die Kalt= und Warmwaſſerleitungen aus=
geſchrieben
iſt, ferner die Inſtallation der Entwäſſer=
ungsanlagen
und Badeeinrichtungen, beſtehend aus
100 Spülkloſetts, 22 Spültiſchen, 90 Schmutzwaſſeraus=
güſſen
, 28 gußeiſernen Badewannen mit Miſchbatte=
rien
, 100 Fayence=Waſchtiſchen uſw. einſchließlich aller
Rohrleitungen. Die Anſtalt bezieht ihr Waſſer aus
dem hieſigen ſtädtiſchen Waſſerwerk, das mit Rückſicht
auf den Anſchluß der Irrenanſtalt und der neuen Uni=
verſitätsinſtitute
erweitert werden mußte.
Das Gebiet der neuen Irrenanſtalt liegt zwiſchen
der Licher Straße und dem alten Schiffenberger Weg.
Es umfaßt ungefähr 23 Hektar, von denen der größte
Teil vor dem Walde liegt und zur Beſchäftigung der
Kranken im Freien als Gartenland oder als Feld be=
nutzt
werden ſoll. Die Anſtaltsgebäude ſind ſo grup=
piert
, daß die Krankenhäuſer in den Wald hinein ver=
legt
wurden, während die Wohn=, Verwaltungs= und
Wirtſchaftsgebäude vor dem Walde in nächſter Nähe
der Licher Straße errichtet worden ſind, ſodaß deren
Zugänge nicht durch das Gebiet der eigentlichen An=
ſtalt
führen. Zu den Wohn= und Verwaltungsgebäu=
den
gehören die Direktor= und Oberarztwohnung,
der Haupteingang mit dem Pförtnerhaus, das Ver=
waltungsgebände
, die Aufnahmegebäude der Männer=
und Frauenabteilung, die Wirtſchäftsgebäude mit den
Koch= und Waſchküchen, dem Keſſelhaus und dem über
40 Meter hohen Schornſtein. Von den im Keſſelhaus
vorgeſehenen 4 Hochdruckdampfkeſſeln wird der Dampf
in unterirdiſchen Kanälen den einzelnen Gebäuden zu=
geführt
, um zur Heizung, zum Kochen und Waſchen
benutzt zu werden. Von den eigentlichen Kranken=
gebäuden
liegt nur das Landhaus für ruhige
Frauen vor dem Walde.
Zur Behandlung der verſchiedenſten Arten von Ner=
ven
= und Geiſteskranken ſind, getrennt für die Män=
ner
= und Frauenabteilung, je ein Gebäude für Wache=
bedürftige
für Pflegebedürftige für Unruhige‟
und je zwei Gebäude für ruhige Penſionäre vorhan=
den
. Zur Aufnahme von geiſteskranken Verbrechern
und von tobſüchtigen und gewalttätigen Kranken dient
das ſogenannte feſte Haus auch ein Leichenhaus
iſt für die Anſtalt errichtet worden. Die Neubauten,
die ohne Ausnahme die allereinfachſten Formen auf=
weiſen
, ſind geſchickt gruppiert und geben ein außer=
ordentlich
maleriſches Bild ab, in das auch die vor dem
Walde gelegene Kapelle im Stile einer oberheſſiſchen
Dorfkirche vortrefflich hineinpaßt. Das ganze An=
ſtaltsgebäude
iſt nach dem Felde zu mit einer Hecke
umpflanzt, die einen Durchblick auf die im Garten ar=
beitenden
Kranken nicht mehr geſtatten ſoll. Die Pläne
für die geſamten Anſtaltsgebäude ſind von dem Groß=
herzoglichen
Bauinſpektor Schön entworfen worden,
der auch die Ausführungsarbeiten leitet.

Luftſchiffahrt.
* Elberfeld, 20. Juli. Am Schluſſe eines heute
von der Rheiniſch=weſtfäliſchen Motorluftſchiffahrts=
Geſellſchaft veröffentlichten ausführlichen Berichtes
über die Ballonkataſtrophe bei Leichlin=
gen
heißt es: Nach dem Befund und nach den Er=
wägungen
unſerer techniſchen Kommiſſion und anderer
zugezogener Fachleute iſt anzunehmen, daß die Hülle
durch inneren Ueberdruck geplatzt iſt. Es iſt nicht aus=
geſchloſſen
, daß ſich der Manometerſchlauch verhängt
hatte und dadurch ein richtiges Anzeigen des Ueber=
drucks
am Manometer verhindert wurde. Dies konnte
jedoch die Kataſtrophe allein nicht herbeiführen, ſon=
dern
es mußte eine Verkettung mit anderen mechani=
ſchen
Urſachen vorliegen, die ſich aber nicht feſtſtellen
laſſen. Die Möglichkeit einer äußeren Verletzung des
Ballons durch Blitz, Exploſion, Abfliegen eines Ma=
ſchinenteiles
oder ähnlicher Urſachen kommt nicht in
Betracht.

Sport.
Pfr. Rennen zu Hoppegarten. Der Schluß=
tag
des Hoppegartener Juli=Meeting, und bis zum
September auch der letzte Renntag auf der Bahn des
Unionklubs, verlief am Mittwoch ziemlich ruhig. Die
Hauptkonkurrenz bildete das Maria=Rennen, das mit
einer großen Ueberraſchung endete. Der heißfavori=
ſierte
Saraſate vermochte ſein hohes Gewicht nicht in
Front zu tragen, nachdem er ſchon den ganzen Weg über
eine bedrohliche Rolle geſpielt hatte. Regina
Caſtra gewann ſehr ſicher gegen die beim toten Rennen
endenden Stör und Cola Vienzi, der mehrere Längen
am Start verloren hatte. Vorher waren die Farben
des Herrn von Schmieder ſchon durch Pilgramsberg
zu einem überlegenen Siege geſteuert worden. Durch
das Fernbleiben Stradellas erſchien die Situation im
Hoffnungspreis für Zweijährige ziemlich offen. San=
dal
landete das Rennen leicht gegen Old Girl und die
zum Schluß noch aufrückende Hesperide. Im Preis
von Friedrichshagen war Danilo II. ſiegreich, trotz=
dem
er ſchlecht vom Start gekommen war und erſt in
der Diſtanz freie Fahrt fand. Das Havel=Rennen,
eine Verkaufskonkurrenz, gewann Jor überlegen für
den Weinbergſchen Stall; der Hengſt ging bei der Auk=
tion
für 8000 Mark in den Beſitz des Freiherrn S. A.
von Oppenheim über.
sch. Das Meiſterſchafts=Schach= Tur=
nier
in Hamburg wurde mit der zweiten Partie
fortgeſetzt. Es ſiegten Tartakower über Marſhall,
Schlechter über Yates, Speyer über John und Spiel=
mann
über Dr. Tarraſch. Remis wurden die Partien
Teichmann=Köhnlein, Duran=Leonhard, Alechin=Jakob,
Salve=Fleiſchmann und Niemzowitſch=Chotimirski.
Auch die Hängepartie der erſten Runde zwiſchen den
beiden Deutſchen Jakob und Köhnlein blieb remis.
sr. Rund durch Frankreich. Die 9. Etappe
der franzöſiſchen Radfernfahrt, von Perpignan nach
Luchon, über 289 Kilometer, brachte den Teilnehmern
große Schwierigkeiten, da beträchtliche Steigungen zu
überwinden waren. Im ganzen ſtarteten noch 62 Fah=
rer
, von denen nach der erſten Steigung nur noch 17 die
Spitzengruppe bildeten. Schließlich blieben nur noch
Lapize, Georget, Faber und Crupelandt übrig, von
denen Lapize im Gebirgspaß von Aſpet auch dieſe= Geg=
ner
abſchüttelte und nach 10 Stunden 33 Minuten als
Erſter in Luchon eintraf. Zweiter wurde Georget vor
Faber, Crupelandt, Blaiſe, Paulmier und Garrigou.
Im Klaſſement ſteht Fr. Faber mit 36 Punkten noch an
der Spitze von Lapize mit 49 und Vanhouwärt mit 60
Punkten.
Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
Einſender bittet die zuſtändige Stelle, durch
Augenſchein von dem Betragen der Mannſchaften an
den Fenſtern der Infanteriekaſerne beim Paſſieren
weiblicher Perſonen Kenntnis zu nehmen.
E.

Immerhin iſt die Zahl ſeiner Mitglieder, wie auch
die Höhe der ihm zufließenden Beträge gegenüber der
Bedeutung ſeiner Arbeitsaufgaben und gegenüber den
60 Millionen Reichsdeutſcher noch mehr als beſcheiden.
Wir können im Intereſſe der Ausbreitung und Er=
haltung
deutſcher Sprache und Kultur, nicht minder
aber auch deutſchen Handels und Gewerbefleißes auf
der ganzen Erde nur wünſchen, daß dem in faſt 30 jäh=
riger
Arbeit bewährten Verein die Mitarbeiterſchaft
und Förderung des deutſchen Volkes in noch weit höhe=
rem
Maße als bisher zuteil werde.

Arbeiterbewegungen.
* Paris, 21. Juli. Wie mehrere Blätter berich=
ten
, faßten die dem Syndikat des Gard=Departements
angehörigen Arbeiter in einer in der Arbeiterbörſe zu
Alais abgehaltenen Verſammlung den Beſchluß, die
Mitgliederbeiträge zu erhöhen, um dafür Revolver
zu kaufen.
* Paris, 21. Juli. Der Kriegsminiſter
hat dem 5. Genie=Regiment den Befehl erteilt,iſich für
den Fall eines Eiſenbahner=Ausſtandes
marſchbereit zu halten. Die in Verſailles lie=
gende
Abteilung des Regiments wurde bereits mit der
Ueberwachung der verſchiedenen Eiſenbahnſtrecken des
Seine=et=Oiſe=Departements betraut. Die hieſigen Be=
dienſteten
und Arbeiter der verſtaatlichten Weſtbahnen
hielten eine Verſammlung ab, um zur Ausſtandsfrage
Stellung zu nehmen. Ein Vertreter des Syndikats
forderte die Eiſenbahner auf, keinerlei Ungeduld zu
zeigen und ruhig das Signal des Streikausſchuſſes ab=
zuwarten
. Das wichtigſte ſei, daß alle gleichzeitig in
den Ausſtand treten. Zum Schluſſe wurde eine Re=
ſolution
angenommen, die heftige Drohungen gegen
die ſchwankenden Elemente ſowie die Aufforderung
an das Streikkomitee enthält, den Geſamtausſtand ſo=
bald
als möglich zu proklamieren. Das Geſamtaus=
ſtandskomitee
des Allgemeinen Arbeiterverbandes hat
für heute abend eine Sitzung einberufen, um über die
zim Hinblick auf einen Generalſtreik der Eiſenbahner
zu treffenden Maßnahmen zu beraten
* Madrid, 20. Juli. Nach Mitteilungen aus
offiziellen Kreiſen, in denen eine gewiſſe Unruhe
geherrſcht, zeigt die Situation Neigung zur Beſſerung.
Ueberall herrſcht Ruhe, ſelbſt in Bilbao, worder= Aus=
ſtand
der Bergarbeiter einensfriedlichen
Verlauf nimmt.
H.B. London, 21. Juli. Der Streik der
Angeſtellten der Nordoſtbahn= Geſell=
ſchaft
hat ſich ruhig ausgedehnt. Gegenwärtig
ſtreiken 25000 Mann. Einer der Führer der Bewegung
hat geſtern erklärt, daß der Streik das Reſultat einer
Uebereinkunft ſei, die ſeit mehreren Jahren ſchon zwi=
ſchen
den Mitgliedern der Amalgamated=Society der
Angeſtellten der Eiſenbahnen beſteht. Der geſamte
Handel hat unter dem Streik ſchwer zu leiden. Die
Kohlengruben haben nahezu ſämtlich die Arbeit ein=
geſtellt
, da ihre Kohlen nicht mehr befördert werden
können. Die Dockarbeiter ſind ohne Beſchäftigung. Die
Durchführung des Eiſenbahndienſtes geſtaltet ſich ſehr
ſchwierig. Nur noch einige große Expreßzüge können
verkehren, aber auch bei dieſen machen ſich Schwierig=
keiten
bemerkbar, die vorausſehen laſſen, daß morgen
ſchon der geſamte Verkehr eingeſtellt werden muß. Alle
Bahnhöfe im nordöſtlichen und nordweſtlichen England
ſind vollſtändig leer. Die Fiſcher im Hafen von Tyne
haben ihren Betrieb ebenfalls eingeſtellt, da=ihre Ware
nicht mehr befördert werden kann. In Sunderland
ſind die Lokomotivführer und Heizer ebenfalls in den
Streik getreten.
* Newcaſtle on Tyne, 21. Juli. Wegenades
Eiſenbahner=Ausſtandes ſtellten eine Anzahl
Eiſen= und Stahlwerke in Middlesboroſugh den
Betrieb ein, da es an Feuerungsmaterialkfehlt. Ueber
5000 Arbeiter ſind dadurch beſchäftigungslos und durch=
ziehen
die Straßen. Die Kohlenverſchiffungen am Tyne=
Dock haben vollſtändigtaufgehört. Es gelang der Eiſen=
bahn
=Verwaltung, eine Anzahl Züge abzulaſſen; trotzdem
liegen hunderte von Gallonen Milch und anderer leicht=
zverderbliche
Waren unabgeliefert da.

Vermiſchtes.
* Der Jahresbericht des Vereins für das
Deutſchtum im Ausland (Allg. Deutſcher Schul=
verein
) E. V. über das Jahr 1909 iſt uns in Form eines
ſtattlichen und handlichen Heftes zugegangen. Er bringt
als Einleitung eine umfaſſende und überſichtliche Dar=
ſtellung
der gegenwärtigen Lage des Auslanddeutſch=
tums
nach geographiſchen Gebieten geordnet und gibt
ſodann ausführlich Rechenſchaft über die vom Verein
im Jahre 1909 geleiſtete Unterſtützungsarbeit, ſowie
über die innere Entwicklung des Vereins im Berichts=
jahre
. In der Unterſtützungsarbeit bildete auch im
verfloſſenen Jahre Oeſterreich den Hauptgegenſtand
ſeiner Fürſorge; nach dorthin floſſen nicht weniger als
58,2 Prozent aller ſeiner Unterſtützungen. Der Verein
hegt die Hoffnung, daß er in Zukunft durch die Mil=
lionen
der Roſeggerſpende, die vom Wiener Schulver=
ein
ausſchließlich für Cisleithanien verwandt werden,
nach dieſer Seite hin etwas entlaſtet werden wird, um
an anderen bedrohten Punkten ſich deſto energiſcher für
die Erhaltung deutſchen Sprach= und Kulturbeſitzes
einſetzen zu können. Insbeſondere bedarf das aufſtre=
bende
Deutſchtum in Galizien und Ungarn geſteigerter
Fürſorge. Für die Sudetenländer brachte der Verein
im Berichtsjahre insgeſamt 57342 Mark auf, für Gali=
zien
9605 Mark. Beſonders erfolgreich iſt die Hilfs=
arbeit
des Vereins in Tirol, das im letzten Jahre mit
13 378 Mark bedacht wurde. Der Bericht ſagt hierzu:
Alle unſere dem Abwehrzweck gegen die Irredenta
dienenden zahlreichen Schöpfungen und Einrichtungen
auf dem Nonsberg, im Etſchtal, zwiſchen Meran
und Salurn, im Faſchatal, in Luſern und im Ferſental
haben ſich bewährt; keine unſerer Stellungen brauchte
aufgegeben zu werden, im Gegenteil ſind wieder er=
freuliche
Fortſchritte zu verzeichnen. Im übrigen
Europa unterſtützte der Verein deutſche Schulen in
Italien, Rußland, Rumänien, Bulgarien und Bos=
nien
. In Südamerika wurden nicht weniger wie 68,
in Südafrika fünf deutſche Schulen unterſtützt. Der
Verein gab für dieſe Gebiete 20612 Mark aus. Die
Gründung eines deutſchen Theaters für Südamerika
wurde vom Verein mit lebhaftem Anteil verfolgt und
gefördert. Eine von ihm für die Opfer der Brandkata=
ſtraphe
von Valdivia eingeleitete Sammlung ergab
über 7000 Mark, die der dortigen deutſchen Schule zu=
gewieſen
werden. Für Stipendien an Auslanddeutſche
auf reichsdeutſchen Hochſchulen, einen Zweig ſeiner
nationalen Arbeit, den der Verein als beſonders wich=
ig
und zukunftsreich betrachtet, konnten leider nur
3303 Mark verausgabt werden. Der Verein hofft, daß
ihm für einen geplanten beſonderen Stivendienfonds
das wachſende Verſtändnis des deutſchen Volkes grö=
ßere
Mittel gewähren wird.

Dynamit=Attentat ſtreikender Arbeiter.
* Paris, 20. Juli. Heute nacht wurde in Ville=
juif
bei Paris in einer Ziegelfabrik durch die Ex=
ploſion
einer Dynamitpatrone beträchtlicher Scha=
den
angerichtet. Die Polizei glaubt, daß es ſich um
einen von ausſtändigen Arbeitern verübten
Zerſtörungsakt handelt.
* Paris, 21. Juli. Nach Mitternacht ereignete ſich
in dem Vororte Villejuif eine ſchwere Dynamit= Ex=
ploſion
. Die Brikettfabrik von Leblanc wurde in die
Luft geſprengt. Die Maſchinenräume bilden nur
noch einen rieſigen Trümmerhaufen. Die Nachbargebäude,
ebenſo auch die Wagen=Remiſen wurden gleichfalls ſtark be=
ſchädigt
; nur das Verwaltungsgebäude der Fabrik wurde
weniger in Mitleidenſchaft gezogen, lediglich der Hauptein=
gang
hat einige Beſchädigungen aufzuweiſen. Sämtliche
Fenſterſcheiben der noch ſtehengebliebenen Häuſer in der
Umgegend ſind zertrümmert. Man führt die Exploſion
auf ſtreikende Arbeiter zurück. In einer Unter=
redung
erklärte der Fabrikbeſitzer, daß ſeine Fabrik die ein=
zige
in der Umgebung war, in der ſich ſämtliche Arbeiter
dem Ausſtande nicht angeſchloſſen hatten. Die Streikenden
hätten bereits ſeit mehreren Tagen die Arbeitswilligen auf
das gröblichſte beläſtigt. Die Dynamit=Patrone war
unter die Maſchine gelegt worden, und das ganze Attentat
war ſo vorbereitet worden, daß der ganze Gebäudekomplex
in die Luft geſprengt werden ſollte. Nur dem Umſtande,
daß die Patrone vorzeitig während der Nacht explodierte,
iſt es zu verdanken, daß Menſchenverluſte nicht zu verzeich=
nen
ſind. Auf Anordnung der Regierung ſind zwei Kom=
pagnien
Kolonialtruppen zur Bewachung der Fabrik einge=
troffen
. Eine energiſche Unterſuchung iſt eingeleitet, auch
will die Regierung gegen gewalttätige Streikende mit aller
Schärfe des Geſetzes vorgehen. (B. N. N.)

Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau)
* Berlin, 21. Juli. Als vermutliche Atten=
täter
zu dem Lichtenrader Attentat wurden
heute mittag der Beſitzer Albert Rademeier und deſſen
Bruder, der Kaufmann Louis Rademeier, feſtgenom=
men
. Der gegen Beide beſtehende Verdacht iſt begründet
darauf, daß ſich Albert R. in der kritiſchen Zeit in Geld=
verlegenheit
befand er brauchte Geld, um für den Schwie=
gerſohndeſſen
Wechſelverbindlichkeitenzulöſen. Dererſte Bettel=
brief
vom 30. Juni paßt zeitlich in dieſen Rahmen hinein.
Albert R. iſt eine der wenigen Perſonen, die überhaupt
mit der Sache in Zuſammenhang gebracht werden konn=
ten
. Seit vielen Jahren der Nachbar von Kraatz, kennt er
die genauen Verhältniſſe und Gepflogenheiten der=Eltern,

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Nummer 169.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 22. Juli 1910.

ſowie des Oito Kraße er ſelbſt iſtnicht der Schreiber des
Briefes, ſondern ſein Bruder. Beide wurden heute mittag
durch den Kriminalkommiſſar Vonberg feſtgenommen.
* Berlin, 21. Juli, Ueber die Ermordungeines
Deutſchen bei Haiffa liegen folgende Nachrichten
vor: Auf einem Weinberg der 8 Kilometer ſüdlich von
Haiffa gelegenen deutſchen Anſiedelung Neuharthof wurde
ein Einwohner des Dorfes Tirſch erſchoſſen aufgefunden.
Der Staatsanwalt von Haiffa erſuchte den dortigen deut=
ſchen
Vizekonſul, an der Inaugenſcheinnahme der Leiche
teilzunehmen. Der Konſul begab ſich mit einem Dragoman
und einem angeſehenen Mitglied der deutſchen Kolonie,
dem Württemberger Fritz Unger, der als Sachverſtändiger
dienen ſollte, nach Neuharthof. Dort trafen ſie zuſammen
mit dem Staatsanwalt, einem Gerichtsarzt und zwei Gen=
darmen
, von etwa 150 Männern und Frauen aus dem be=
nachbarten
Tirſch mit Geſchrei und dem Rufe empfangen,
die Deutſchen hätten den Mann getötet. Während der
Konſul ſich zur Leiche begab, fielen mehrere Tirioten über
den beim Wagen zurückgebliebenen Unger her, ſchlugen ihn
hinterrücks zu Boden und ſchoſſen ihn unter den Augen
des Konſuls und der türkiſchen Gerichtsbehörden mit ſieben
Kugeln tot. Die Tirioten ergriffen ſämtlich die Flucht, die
Namen einiger Täter konnten jedoch feſtgeſtellt werden.
Der Konſul verlangte von den türkiſchen Behörden die ſo=
fortige
Verfolgung und die Beſtrafung der Täter, ſowie die
Entſendung von Soldaten zum Schutz des einſamen Neu=
harthofes
. Zwölf Soldaten wurden im Laufe des Tages
dorthin gelegt; von Beirut iſt der türkiſche Stationär mit
einer Kompagnie nach Haiffa abgegangen. Der Wali von
Beirut trifft die umfaſſendſten Maßregeln, um die Mörder
zur Rechenſchaft zu ziehen, und wird ſich, wenn es not=
wendig
ſein ſollte, ſelbſt nach Haiffa begeben. Der deutſche
Geſchäftsträger in Konſtantinopel begab ſich geſtern zu
dem Miniſter des Aeußern und erſuchte um die Beſtrafung
der Schuldigen und um Schutz für die deutſchen Koloniſten.
Der Miniſter verſprach, die nötigen Maßregeln ſofort zu
veranlaſſen.
* Berlin, 21. Juli. Der Lokalanzeiger meldet aus
New=York: Im Kolonialpark erſchoß ſich der
ſehr wohlhabende Londoner Geiſtliche Hall. Das
Motiv der Tat iſt unbekannt.
* München, 21. Juli. Die Abgeordneten=
Kammer bewilligte ſechs Millionen Mark als erſte
Rate zum Bau eines Walchenſee=Kraftwerkes für die
Elektriſierung der Eiſenbahnen und Abgabe elektriſcher
Kraft an Private.
*Offenburg, 21. Juli. Wegen Erpreſſungsverſuchen
gegenüber der Familie Krupp in Eſſen wurde der
57jährige mehrfach vorbeſtrafte Franz Goretzki aus
Neu=Strelitz zu zwei Jahren und ſechs Monaten Ge=
fängnis
, ſowie fünf Jahren Ehrverluſt verurteilt.
* Düſſeldorf, 21. Juli. Der frühere nationalliberale
Reichstags= und Landtagsabegordneter Geh. Juſtizrat
Witte iſt heute, 81 Jahre alt, geſtorben.
* Wien, 21. Juli. Nach einer Blättermeldung iſt der
Dramaturg des Wiener Deutſchen Volkstheaters, Dr. Ri=
chard
Fellner, geſtern in Gleichenberg geſtorben.
* Haag, 21. Juli. Die Internationale
Bechſelrechtskonferenz beendete ihre Sektions=
arbeiten
. Die Schlußſitzung ſindet am Montag ſtatt.
Die Konferenz führte zur Einigung über einen ein=
heitlichen
Geſetzentwurf, nach welchem das Wechſelrecht
der einzelnen Staaten geregelt werden ſoll.
* Paris, 21. Juli. Aus Fez wird vom 18. Juli
gemeldet: Die Stämme der Umgebung von Taza ſand=
ten
an Muley Hafid eine Abordnung, die ihn um
Waffen bat, damit der Marſch der Franzoſen auf Taza
aufgehalten werden könne. Muley Hafid erwiderte, er
werde die Angelegenheit in Ordnung bringen. Die
Bittſteller wurden zurückgeſandt.
* Dijon, 21. Juli. Der Oberſt und eine Delegation
des 27. Infanterie=Regiments legten am Denkmal des
pommerſchen Infanterie=Regimentes zum Gedächtnis der
im Jahre 1871 gefallenen Angehörigen des Regiments
einen Kranz nieder.
* Liſſabon, 21. Juli. Nach einem amtlichen
Telegramm aus Macao ſind die portugieſiſchen Trup=
pen
nünmehr Herren der Inſel Colowan;
ſie haben 16 Perſonen aus der Gefangenſchaft befreit
und 44 Piraten gefangen genommen. Es werden hun=
dert
Europäer als Garniſon dort zurückgelaſſen
werden.
London, 21. Juli. Vor dem St. Jamespalaſt und
an verſchiedenen Punkten der City wurde der Oeffent=
lichkeit
unter dem üblichen Zeremoniell bekannt gege=
ben
, daß die Krönung des Königs und der
Königin im Juni 1911 ſtattfindet.
* Bukareſt, 21. Juli. Das Befinden der Königin
ſoll ſich ſoweit gebeſſert haben, daß die Königin gedenkt,
demnächſt auf kurze Zeit ihren Lieblingsaufenthalt
Neuwied zu beſuchen.
* Konſtantinopel, 21. Juli. Wie die Zeitung Tanin
beſtätigt, wurde im Lazarett Kavak am Bosporus ein
tödlich verlaufener Cholerafall feſtgeſtellt.
* Sidi=Pel=Abbes, 21. Juli. Ein Bataillon der
Fremdenlegion hat den Befehl erhalten, ſich mit
der Eiſenbahn nach Udſchda zu begeben.
* Rio de Janeiro, 21. Juli. Der neue Hafen von
Rio de Janeiro iſt geſtern vom Präſidenten Dr. Kil=
Pecanha in Gegenwart der Miniſter, von Vertretern
des Handels, Induſtrie und einer großen Menſchenmenge
feierlich eingeweiht worden. Die Länge des Kais wird
3400 Meter betragen, von denen 2700 Meter bereits fertig=
geſtellt
worden ſind.

H.B. Berlin, 21. Juli. Der ehemalige Marine=
Kriegsgerichtsrat Rechtsanwalt Max Staats
aus Berlin iſt heute morgen wegen Untreue zu einem
Jahre Gefängnis verurteilt worden.
Berlin, 21. Juli. In der vergangenen Nacht
wurde in das Manufakturwaren=Geſchäft Katzke in der
Stralauer Allee eingebrochen und Garderoben und
Wäſcheſtücke im Werte von ungefähr 4000 Mark geſtohlen.
Von den Dieben fehlt jede Spur. Vor dem Kriegsgericht
der Berliner Kommandantur begann ein neuer Prozeß
gegen den Grafen Pfeil wegen Mißhandlung, Mißbrauch
der Dienſtgewalt, Bedrohung und Beleidigung.
H. Mannheim, 21. Juli. Die Beſorgniſſe wegen
Mandatsaufgabe Baſſermanns, die aus den
Artikeln der Kölniſchen Zeitung herausklingen, be=
zeichnet
der Mannheimer Generalanzeiger, dem Herr
Baſſermann ſehr nahe ſteht, als überflüſſige Beunruhig=
ungen
, und gibt den Rechtsnationalliberalen und
konſervativen Kreiſen neue Hoffnung. Er beſtätigt,
daß Rücktrittsabſichten bis jetzt noch nicht vorliegen.
Dieſen Darlegunßen dürfte etwas mehr Gewicht bei=
gelegt
werden als den Gegenbehauptungen, da ſie aus
zuverläſſiger Quelle ſtammen.
H. B. Straßburg, 21. Juli. Von zuſtändiger Seite
verlautet über die Hauptgeſichtspunkte der elſaß=
lothringiſchen
Verfaſſungsreform folgen=
des
: Die Stellung Elſaß=Lothringens zum Reiche bleibt
dieſelbe wie bisher. Es wird den Namen Reichslande

weiter führen und im Bundesrat keine Stimme in
Reichsangelegenheiten erhalten. Der Bundesrat einigte
ſich dahin, den Reichslanden drei Konſultativſtimmen
zu verleihen, die aber nur für Landesangelegenheiten
Geltung haben. Der Kaiſer wird fernerhin die Regie=
rung
als Delegator des Reiches ausüben und ſich durch
einen von ihm ernannten Statthalter vertreten laſſen.
Der Landtag beſteht aus zwei Kammern. In der erſten
Kammer wird die Hälfte der Mitglieder vom Kaiſer
ernannt werden, die zweite Hälfte wird aus Vertretern
der großen Städte, der Univerſität, Religion und Kon=
feſſion
, der Handels= und Handwerkskammern beſtehen.
Vorgeſehen ſind 24 Sitze. Für die zweite Kammer des
Landtages iſt das allgemeine, geheime, direkte Wahl=
recht
mit Altersmehrſtimmen beabſichtigt. Wahlberech=
tigt
iſt jeder in Elſaß=Lothringen ſeit drei Jahren an=
ſäſſige
25jährige Mann mit einer Stimme. Vom 35.
Jahre ab erhält jeder Wähler zwei, vom 45. Jahre ab
drei Stimmen.
H. B. Wien, 21. Juli. Kaiſer Wilhelm trifft am
20. September in Wien ein, wo er vorausſichtlich zwei
Tage lang bleiben wird. In der Zeit vom 17. bis 19. Sep=
tember
wird der Monarch bei dem Erzherzog Friedrich der
Jagd obliegen. In die Zeit des Wiener Aufenthalts Kai=
ſer
Wilhelms fällt die Feier ſeines 25jährigen Jubiläums
als Inhaber des 7. Huſaren=Regiments. Eine Deputation
des Regiments wird Kaiſer Wilhelm in Schönbrunn einen
Ehrenſäbel überreichen.

Weiter.
Ausſichten in Heſſen für Freitag, den 22. Juli:
Regenfälle, kühl, böiger Wind.

Geſchäftliches.
Gotha. Das bekannte General=Debit Carl Heintze
teilt uns mit, daß die Loſe à 1 Mk. der 54. Gothaer=
Held=Lotterie des Rennvereins für Mitteldeutſch=
land
Ziehung am 26. und 27. dieſes Monats bei=
räumen
. Die ſelten große Gewinn=Ausſicht 10000 Mk.,
15000 Mk. Prämie, alſo ev. 25000 Mk. im günſtigſten
Fall zu gewinnen, iſt verlockend, ſich am Spiel zu be=
teiligen
.
(14606

(Statt jeder beſonderen Anzeige.)
Todes-Anzeige.
Heute vormittag 9 Uhr entſchlief ſanft
unſere liebe Schwägerin, Tante u. Großtante
Fräulein Luise Freu
im 82. Lebensjahre.
(14614
Darmſtadt u. Lauterbach, am 21. Juli 1910.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Frau Forstinspektor Frey Witwe.
Die Beerdigung findet Samstag, den 23. Juli,
nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des Darm=
ſtädter
Friedhofes aus, ſtatt.

Todes=Anzeige.
Dem Herrn über Leben und Tod hat es
gefallen, meinen teuren Gatten, unſeren lieben
(14593
Vater
Herrn
Heinrich Völder V.
Sattlermeiſter
heute Nacht plötzlich infolge eines Herzſchlags
zu ſich in die ewige Heimat zu rufen.
Um ſtille Teilnahme bitten
die frauernden Hinterbliebenen.
Arheilgen, den 20. Juli 1910.
Die Beerdigung findet ſtatt: Freitag, den
22. Juli, nachmittags um 5 Uhr.

Todes-Anzeige.
Heute Vormittag verſchied nach kurzem
Krankenlager unſere liebe Mutter, Schwieger=
mutter
, Schweſter und Großmutter (14639
Frau Luise Baur
geb. Siebert
im 82. Lebensjahre.
Darmſtadt, den 21. Juli 1910.
Dr. Ludwig Baur,
Direktor der Oberrealſchule in Heppenheim.
Toni Baur, geb. Lauteſchläger
und Kinder.
Dr. med. Guſtav Baur in Bad Ems.
Marie Baur, geb. Lans
und Kind.
Dr. Guſtav Siebert,
Geh. Oberrechnungsrat in Darmſtadt.
Elsbeth Gottwerth in Darmſtadt.
Die Einſegnung findet ſtatt am Samstag, den
23. ds. Mts., nachmittags 5½ Uhr, im Hauſe
Dieburgerſtraße 5, und die Feuerbeſtattung in
Offenbach.
Blumenſpenden ſind nicht Sinne der
Entſchlafenen.

Todes-Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Anzeige.)
Unſere heißgeliebte teuere Mutter, Groß=
mutter
, Schweſter, Tante, Nichte und Couſine
Frau Emilie Scheich
geb. Hansse
Witwe des Großh. Heſſ. Oberleutnants
iſt heute nachmittag 4 Uhr nach mehrwöchigem
Krankenlager im 72. Lebensjahre entſchlafen.
Darmſtadt, den 20. Juli 1910.
Die tieftrauernden Hinterbliebenen.
Die Beerdigung findet Samstag, den 23. Juli,
nachmittags 3 Uhr, vom Portale des Darm=
ſtädter
Friedhofes aus, ſtatt. (14611

Bankſagung.
Für die liebevolle Teilnahme beim Heim=
gang
meiner innigſtgeliebten einzigen Tochter
Frieda Etz
ſpreche ich hierdurch meinen Dank aus. Ganz be=
ſonders
danke ich den Schweſtern der Stadt=
gemeinde
, welche mir unermüdlich zur Seite
ſtanden.
(*17908
Im Namen der Hinterbliebenen
der tieftrauernde Vater:
Friedrich Etz.

(Statt jeder besonderen Anzeige.)
Gestern Abend entschlief sanft nach längerem Leiden unsere liebe Tante
und Grosstante
(14610

Fräulein Ottilie Wagner

im 75. Lebensjahre.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Frau Helene Wetz, geb. Wagner.
Darmstadt, Rossdörferstrasse 77, 21. Juli 1910.
Die Einsegnung findet am Samstag, den 23. Juli, nachmittags 3¾/ Uhr, im Elisabethenstift
statt, die Beerdigung eine halbe Stunde später auf dem Darmstädter Friedhof.

[ ][  ][ ]

Nummer 169.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 22. Juli 1910.

Seite 7.

Statt jeder besonderen Anzeige.
Heute morgen 6¾/ Uhr entschlief sanft nach langem, mit grosser Geduld
ertragenem, schwerem Leiden, unsere inniggeliebte gute Mutter, Schwieger-
mutter
, Grossmutter, Schwester, Schwägerin und Tante
(14605
Tlau v we. Ladaid Enseis
Helene, geb. Schmit
im 75. Lebensjahre, Um stille Teilnahme bitten:
Frau Adolf Reuter, Helene, geb. Engels,
Otto Engels,
Remscheid u. Darmstadt, Frau Adolf Spies, Hedwig, geb. Engels,
den 20. Juli 1910. Adolf Reuter,
Adolf Spies,
und 4 Enkel.
Die Beerdigung findet statt: Freitag, den 22. Juli, nachmittags 4 Uhr, vom Sterbehause,
Scharffstrasse 3, aus.

Geiteshienſt bei der kararliſchen Reiglonegeneinde.
Haupt=Synagoge (Friedrichſtraße 2).
Freitag, den 22. Juli 1910.
Vorabendgottesdienſt 7 Uhr 30 Min.
Samstag, den 23. Juli 1910.
Morgengottesdienſt 8 Uhr 30 Min. Sabbatausgang
9 Uhr 20 Min.
Gottesdienſt in der Synagoge der israelitiſchen Religions=
geſellſchaft
.
Samstag, den 23. Juli.
Vorabend 7 Uhr 30 Min. Morgens 7 Uhr 30 Min.
Nachmittags 5 Uhr Min. Sabbatausgang 9 Uhr
15 Min.
Wochengottesdienſt von Sonntag, den 24. Juli, an:
Morgens 6 Uhr Min. Nachmittags 7 Uhr 15 Min.
NB. Sonntag, den 24. Juli: Faſttag des 17. Tamus.

Tageskalender.
Konzert um 8 Uhr im Hotel Heß.
Konzert um 8 Uhr im Perkeo.
Ausſtellung des Deutſchen Künſtlerbunoes (geöffnet
von 107 Uhr).
1. Darmſtädter Kinematograph (Ecke Rhein= und
Grafenſtraße): Vorſtellungen von 311 Uhr.
Hochzeitsturm. Turmzimmer und Ausſtellungs=
räume
, täglich geöffnet von 912 und 36 Uhr.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerek.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: .i. V.: Max Streeſe; für’den übrigen
redaktionellen Teil= und Letzte Nachrichten: Max Ktreeſe;
für den Anzeigenteil:; Zi. Kroſt, ſämtlich in Darmſtadt.
Für dend redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungensſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werdenenicht!
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Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 22. Juli 1910.

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Der kleine Karl aber ſaß draußen vor der Tür
rund freute ſich über die bunten Falter, die zwiſchen den
Glühenden Zweigen auf= und abgaukelten. Da tönte
on der Elbe ein tiefer, grollender Ton. Die Eider
gglitt eben mit der Flut bei Blankeneſe vorbei.
Schiff, Schiff! rief der Kleine und lief in die Küche,
uum Guſchi herauszuholen.
Doch die hatte keine Zeit und ſchickte ihn wieder
Hinaus.
Am Nachmittag kam Henning Breckwoldt mit dem
grünen Dampfer von Hamburg herunter, nahm ſeine
Seekiſte auf den Rücken und ſtieg den Süllberg hinauf.
Noch bevor er die niedrige Gartenpforte erreicht hatte,
wwurde er von dem kleinen Karl geſichtet.
Mann, Mann! rief der, und lief in die Küche, wo
Guſchi gerade am Plättbrett ſtand.
Sie trat auf die Diele und ſah Henning hereinkom=
men
. Ohne die Kiſte hätte ſie ihn nicht wiedererkannt,
ſo ſehr hatte er ſich verändert.
Guſchi! rief er überraſcht und ſtellte die Kiſte hin.
Aber ſie lehnte ſich ſcheu gegen die Wand und ver=
hüllte
ihr Geſicht in der Schürze.
Der kleine Karl ſchaute den fremden Mann mit
großen, furchtſamen Augen an.
Ich kann nichts dafür! ſchluchzte ſie auf. Deine
Mutter iſt krank!
Da aber öffnete ſie die Stubentür und Frau Breck=
woldt
erſchien friſch und geſund auf der Schwelle.
Henning, mein Junge! rief ſie und breitete die

üne aus. if hu el wieder dit 30 bir alſund
als wie ein Fiſch!
Und ſie drückte den großen, bärtigen Mann an
ihre Bruſt und küßte ihn auf beide Wangen,
Ich hab’ mich nur verſtellt! lächelte ſie froh. Weil
Guſchi fortlaufen wollte. Und wenn Du was mit ihr
zu ſprechen haſt, ich geh’ ſolange in die Küche. Komm,
mein Karli.
Und der Junge ſtreckte ſofort beide Arme nach
ihr aus.
Guſchi! ſprach Henning ſtockend und faßte ſie bei
der Hand. Ich hab’ die ganze Zeit an Dich gedacht! Ich
hab’ Dich noch immer ſo lieb, wie damals. Mutter hat
mir alles geſchrieben wie Du ihr an die Hand gegangen
biſt. Bleib’ man da, Du brauchſt nicht fortzulaufen.
Ich geh’ jetzt auf Schule!
Nein! ſtieß ſie heraus und entriß ihm die Hand.
Ich geh’! Noch heut’! Ich hab’ an einem kleinen
Karl genug!
Henning ſtand, wie vom Blitz getroffen. Guſchi
ſchlug ſich ein Tuch um die Schultern und wollte hinaus.
Aber die Mutter, die hinter der Küchentür gehorcht
hatte, kam ihm zu Hilfe.
Dumme Deern! ſchalt ſie und vertrat ihr den Weg.
Biſt Du denn ganz närriſch, er will Dich doch heiraten!
Ja! atmete Henning erlöſt auf. Das will ich auch!
Guſchi fuhr zuſammen und zog das Tuch feſter um
die Schultern. Sie wagte ihn nicht anzuſehen und
ſchüttelte langſam den Kopf.
Doch! rief er mutiger und faßte wieder ihre Hand.
Ich hab’ mein Wort immer gehalten!
Da ſank ſie hilflos an ſeine Bruſt und barg das
glühende Geſicht an ſeiner Schulter. Henning ſchloß
bie Arme um ſie und fühlte, wie ſie am ganzen Leibe
zitterte.

Guſchi! flüſterte er zärtlich und nahm ihr das Tuch
ab. Was vorbei iſt, wollen wir vergeſſen.
Dann führte er ſie in die Stube.
Guſchi fiel kraftlos auf den Stuhl und wagte noch
immer nicht, die Augen aufzuſchlagen.
Deern! rief Frau Breckwoldt lächelnd. Was machſt
Du für ein Geſicht. Jetzt iſt doch alles wieder gut.
Komm’ Karli, gib Henning die Hand.
Komm’ mal her, mein Junge! lockte der ihn und
öffnete die ſchwere Seekiſte. Ich hab' Dir was mit=
gebracht
.
Da kam der kleine Karl ganz treuherzig heran,
reichte dem fremden Manne das Händchen und hatte
keine Furcht mehr.
Sieh’ ſo, mein Karli! lachte Henning, gab ihm ein
Spielzeug und nahm ihn auf den Arm. Jetzt bin ich
Dein Vater.
Doch das machte keinen Eindruck auf ihn.
Guſchi jedoch hob ihre Augen, und die dicken, ſchwe=
ren
Tropfen rannen ihr über die Wangen.
Aber Guſchi, mahnte Frau Breckwoldt und ſtrich
ihr über die blonden Flechten. Was heulſt Du denn?
Du haſt doch wahrhaftig keinen Grund dazu!
Ach, ſtöhnte ſie auf, ließ den Kopf auf den Tiſch
ſinken und ſchluchzte herzzerbrechend. Ich hab’ gedacht,
er wird mich ſchlagen. Verdient hab’ ich’s um ihn
tauſendfach.
So eine Deern! So eine Deern . . . meinte die
Alte kopfſchüttelnd und mußte ſich auf die Seekiſte
ſetzen. Geh’ lieber in die Küche und mach' Kaffee.
Da erhob ſie ſich denn langſam.
Ich helf Dir, ſprach Henning ernſt, legte den Arm
um ſie und begleitete ſie in die Küche. Draußen küßte
er ihr die Tränen ab,

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Frau Breckwoldt aber deckte den Tiſch, und der
kleine Karl ſaß mitten auf dem Sofa und ſtaunte mit
ſeinen braunen, verwunderten Aeuglein auf das
glitzernde Spielzeug.
Zu derſelben Stunde ſchritt Jaſper Dunt über den
Friedhof und ſuchte ein Grab mit der Inſchrift: Ewe Fock.
Und er fand es auch, nahm die Mütze ab und ſprach ein
ſtilles Gebet. Denn hier lag ſeine Liebe begraben.
Als er den Friedhof verließ, war er ein ganz einſamer
Mann. Nur eins band ihn noch an das Leben: das Wort,
das er ſeinem ſterbenden Bruder gegeben hatte, für ſeine
unmündigen Kinder zu ſorgen.
Die Schwägerin empfing ihn daheim mit leuchtenden
Augen. Als ſie aber in ſein Geſicht geblickt hatte, wußte
ſie, daß er für ſie verloren war.
Und ſie ging in ihre Kammer und weinte bitterlich.
Henning Breckwoldt ſetzte ſich zehn Wochen auf die
Schulbank und ließ ſich in die Geheimniſſe der Navigation
einweihen. Dann beſtand er ſeine Prüfung.
Jaſper Dunt, der mit der Eider auf der regelmäßi=
gen
Frachtlinie der Reederei Geſterling u. Co. lief, nahm
ihn ſofort als zweiten Steuermann mit. Alle drei Wochen
war er auf vier Tage zu Hauſe und führte ganz in der
Stille Guſchi heim. Mit ſeinem alten Freunde Jürgen
vertrug er ſich längſt wieder, und auch Frau Karoline
Heggbloom ſuchte ſich mit den neuen Verhältniſſen auszu=
ſöhnen
. Sie mußte ſich aber erſt ſehr klein machen, und
aufrichtig Beſſerung geloben, ehe ſie von Frau Breckwoldt
eine Einladung zum Kaffee erhielt.
Um dieſe Zeit kam Frau Dora mit Kurt Egloff aus
Capri zurück, es war ihnen da zu warm geworden. Sie
nahm für ihre neunzimmerige Villa zwei Dienſtboten, ſo
großartig war ſie ſchon geworden. Einen harten Strauß
aber hatte ſie noch mit ihrem Schwager auszufechten, weil
er ſich heftig ſträubte, Kurt Egloff als Mitinhaber anzu=

ſehen. Doch ſie machte ihm den Standpunkt klar, und er
gab klein bei.
Kurt Egloff fuhr nun jede Woche zweimal nach Ham=
burg
, widmete ſich ein paar Minuten ſeiner neuen Stellung
und entwarf zuweilen ein neues Muſter. Außerdem lebte
er einen guten Tag und hatte ſich ſchon ein recht ſtattliches
Schmerbäuchlein angeſchafft. Doch das ſtörte ihn weiter
nicht. Von der Kunſt war er gänzlich abgekommen. Der
Atelierplunder wurde aus dem großen Zimmer mit Nord=
licht
auf den Boden entfernt, und die grünen, gepreßten
Plüſchmöbel rückten wieder auf ihre alten angeſtammten
Ehrenplätze.
Und nun traf die Nachricht ein, daß die Dame in
Weiß die noch immer in Berlin hing, mit der goldenen
Medaille für Kunſt prämiiert worden ſei.
Auf Frau Dora machte das nicht den geringſten Ein=
druck
, zumal ihr Wunſch nicht in Erfüllung gehen wollte.
Jaſper Dunt fuhr mit der Eider alle drei Wochen
einmal elbaufwärts und elbabwärts und ſparte für ſeine
kleinen Nichten. Selten tat er den Mund auf. Wenn er
aber ſprach, dann ſprach er mit Henning Breckwoldt, denn
der war ſeine rechte Hand.
Und wieder blühten die Kirſchen.
Frau Doras Wunſch war noch immer nicht in Er=
füllung
gegangen. Sie ließ endlich die ſchöne Hoffnung
fahren und ſah ſich nach einem Erſatz um. Und ſo kam
ſie auf den kleinen Karl. Jetzt wollte ſie ihn doch noch
adoptieren.
Na ja, ſtimmte Kurt Egloff phlegmatiſch zu. Wir
können’s ja einmal verſuchen.
Und ſo erſchienen denn die beiden am nächſten Tage
bei dem kleinen Häuschen am Süllberge, über das die bei=
den
mächtigen Kirſchbäume wieder ihre weißen Blüten=
wolken
gebreitet hatten.
Das iſt er ja, rief Frau Dora und wies auf den klei=
nen
Karl, der in der Haustür ſtand und eben die erſten
Hoſen bekommen hatte. Komm her, mein Karlichen, ich
gebe Dir Kuchen!

Doch der kleine Karl traute dem Landfrieden nicht,
ſteckte die Hände in die Taſchen, kniff trotzig den Mund
ein und ſchüttelte den braunen Lockenkopf.
Und da trat Henning Breckwoldt aus dem Hauſe und
muſterte die beiden.
Wir kommen wegen Karli! erklärte Frau Dora über
den Zaun hinüber. Iſt Guſchi nicht da? Wir möchten ihn
gern adoptieren.
Das glaube ich ſchon! wies ſie Henning kurz ab. Der
Junge iſt mein! Gehen Sie nur ein Haus weiter!
Komm! meinte Kurt Egloff und reichte ſeiner Frau
den Arm, indem er ſich zum Gehen wandte. Von Leuten,
die anonyme Briefe ſchreiben, kann man keine Höflichkeiten
erwarten.
Aber Kurt! rief Frau Dora und blieb ſtehen. Den
Brief habe ich doch geſchrieben!
Er brauſte nicht auf, er entrüſtete ſich nicht, nicht ein=
mal
ſeine gute Laune litt unter dieſem rührenden Ge=
ſtändnis
.
So? ſprach er nur verblüfft und ſah ſie an, ohne ihren
Arm loszulaſſen. So groß alſo war Deine Liebe?
Ja! erwiderte ſie verſchämt. Und es braucht ja nicht
gerade der kleine Karl zu ſein. Es gibt noch andere Kin=
der
, die man annehmen kann. Morgen machen wir eine
Annonce im Fremdenblatt.
Er nickte ſchweigend, und langſam ſchritten ſie den
ſteilen Weg hinunter.
Oben aber auf dem Süllberg ſtand der kleine Karl in
der Gartenpforte, die Hände in den Taſchen und die Augen
auf der Elbe, und die beiden Kirſchbäume ſtreuten ihm
unermüdlich zierliche, weiße Blütenblätter über die brau=
nen
Locken.
Ende.

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[ ][  ][ ]

Nummer 169.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 22. Juli 1910.

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In polizeilicher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 4 Pinſcher, 1 Foxterrier, 2 Boxer.
Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werk=
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100 Zentner Koks für die Gemeindeſchulen, das Rathaus und Kleinkinderſchule ſoll
im Submiſſionswege vergeben werden. Die Kohlen ſind frei in die Aufbewahrungs=
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der Schulhäuſer auf dem Schießberg und der Darmſtädter Straße, ſowie des Rat=
hauſes
und Kleinkinderſchule zu verbringen.
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Montag, den 25. Juli 1910, nachmittags 5 Uhr,
bei der unterzeichneten Stelle einzureichen. Bemerkt wird, daß die Anlieferung zur
Hälfte ſogleich und der Reſt im Monat Dezember zu erfolgen hat.
Ober=Ramſtadt, den 20. Juli 1910.
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Das Gemeinde= und Kirchenſtener= Nach=
trags
=Hebregiſter Nr. 52 der Gemeinde
Darmſtadt für 1909 liegt vom 22. I. Mts.
an acht Tage lang auf dem Bureau der
Stadtkaſſe, Grafenſtraße 28, zur Einſicht auf.
Beſchwerden gegen die Beitragspflicht
oder gegen das angenommene Beitrags=
verhältnis
müſſen binnen der erſten vier
Wochen nach Ablauf der Offenlegungsfriſt
(ſchriftlich oder mündlich) bei Großherzog=
lichem
Kreisamt vorgebracht werden. Später
vorgebrachte Beſchwerden finden keine Be=
rückſichtigung
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Darmſtadt, den 19. Juli 1910.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
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Schlußverzeichnis, zur Beſchlußfaſſung über
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hörung
der Gläubiger über die Höhe der
Auslagen und der Vergütung an die Mit=
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des Gläubigerausſchuſſes und zur
Prüfung nachträglich angemeldeter Forde=
rungen
Termin auf:
Montag, den 8. Auguſt 1910,
nachmittags 4 Uhr,
vor Großh. Amtsgericht I Darmſtadt, Neues
Gerichtsgebäude am Mathildenplatz, eine
Treppe hoch, Zimmer Nr. 219, anberaumt
worden.
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Darmſtadt, den 16. Juli 1910.
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Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 22. Juli 1910.

Nummer 169.

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