Darmstädter Tagblatt 1910


20. Mai 1910

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173. Jahrgang
verbunden mit Wohnungs=Anzeiger und der Sonntags=Beilage: Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Inſerate
werden angenommen in Darmſtadt,
ſowie von unſeren Agenturen und
den Annoncen=Expeditionen. Bei
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.

115.

Die heutige Nummer hat 16 Seiten.
Die Entlaſtung des Reichsgerichts.
Kn. Die allgemeine Parole, Sparſamkeit, hat auch
vor unſerem höchſten deutſchen Gerichtshofe nicht Halt
gemacht. Von den verſchiedenen Wegen, die zu einer
Erleichterung der übermäßig angewachſenen Arbeitslaſt
führen ſollten, hat man den kürzeſten und billigſten
gewählt.
Es waren hauptſächlich drei Wege, auf denen man
eine Entlaſtung erſtrebte: entweder die Beibehaltung
des bisherigen Modus und eine bloße Vergrößerung
des Beamtenapparates, oder eine Erleichterung des
ordentlichen Geſchäftsganges durch Aenderungen im
Syſtem, durch Einführung einer Vorprüfungsinſtanz
nach ausländiſchem Vorbild, oder eine Beſchränkung der
ſachlichen Zuſtändigkeit unter Wahrung der bisherigen
ſachlichen und perſönlichen Geſchäftseinrichtung.
Das am 6. Mai 1910 vom Reichstage verabſchiedete
Geſetz entſchied ſich für die letztere Möglichkeit und ſetzte
die Reviſionsſumme von 2500 Mark auf 4000
Mark herauf. Nicht konnte man ſich dagegen zu einer
Verengerung des Geſchäftskreiſes durch Einführung
des ſogen. Difformitätsprinzips entſchließen, wonach
allen in den Vorinſtanzen übereinſtimmend ent=
ſchiedenen
Prozeſſen das weitere Rechtsmittel der
Reviſion an das Reichsgericht verſagt bleiben ſollte.
Einen Gerichtshof für die oberen Zehntauſend‟
hat Landrichter Mumm im Berliner Tageblatt das
Reichsgericht in ſeiner neuen Kompetenzbeſchränkung
genannt, weil nur um die Werte der reicheren Klaſſen
dort geſtritten werder während manche Prozeßarten,
ihres gemeinhin geringen Wertes halber, ſtändig von
dem oberſten Gerichte fernbleiben müßten.
Doch will die Novelle vom 6. Mai keineswegs ſo
einſchneidend in ihren Wirkungen erſcheinen, wie ſich
dies auf den erſten Blick darſtellt. Ein Gerichtshof
für die oberen Zehntauſend war, wenn man ſo will,
das Reichsgericht auch bereits in ſeiner bisherigen
Zuſtändigkeit: auch Leute, die um 2500 Mark ſtreiten,
ſind nicht die Unbegütertſten! Gewiſſe Kategorien von
Prozeſſen, z. B. des Handwerkerrechts, Geſinderechts
uſw., ſind bisher dem Reichsgericht ebenſogut fernge=
blieben
, vermöge ihres regelmäßig geringen Streit=
wertes
, wie dies auch in Zukunft geſchehen wird.
Und es dürfte kein Nachteil ſein, wenn ſich das Ge=
richt
niederer Ordnung, in ſtetem Konnex mit den
ſpezielleren Fragen der kleineren Wirtſchaftskreiſe, eine
eigene Praxis bildet, die darum nicht unpraktiſcher ſein
wird, als die des Reichsgerichts, das ſich jahraus, jahr=
ein
mit der Ueberzahl aller möglichen Rechts= und Tat=
fragen
unſeres geſamten Wirtſchaftslebens zu befaſſen
hat. Auf rechtlichem Gebiete aber wird ſowohl bei
dieſen Arten kleinerer Prozeſſe, wie auch bei denen,
deren Wert nicht von der Art der Rechtslage abhängig
iſt (wie erbrechtliche Fragen), auch das Gericht niederer
Ordnung ſtets die reichsgerichtliche Indikatur zur
Richtſchnur nehmen und auch bei minder wertvollen
Streitobjekten die Rechtsſicherheit und =einheit vollauf
verbürgen.
Das neue Entlaſtungsgeſetz kann ſomit füglich,
wenngleich es, wie jede einſeitige Sparſamkeitsmaß=
regel
, auch ein Opfer auf der anderen Seite erheiſchte,
doch gegenüber der erſtrebten Aufgabe, ohne große
Opfer eine Geſchäftserleichterung des Reichsgerichts
herbeizuführen, als gelungen bezeichnet werden;
keinesfalls birgt es erhebliche Eingriffe in unſer Rechts=
leben
.
Deutſchland und Perſten.
O Die Köln. Ztg. wendet ſich in einem längeren
Artikel gegen die Aeußerungen der ruſſiſchen und eng=
liſchen
Preſſe über die perſiſche Frage, insbeſondere
gegen die Nowoje Wremja, die erſichtlich wiederum
Deutſchland als einen internationalen Störenfried
hinzuſtellen wünſche. Dazu bediene ſich das Blatt durch=
weg
falſcher Behauptungen. Falſch ſei, daß die Deutſche
Bank Perſien eine Anleihe zu ſehr ſchweren Beding=
ungen
angeboten habe. Die Deutſche Bank habe in Per=
ſien
überhaupt keine Anleiheverhandlungen geführt. Zwei=
tens
ſollen deutſche Finanzleute eine Konzeſſion zu einer
Verbindung Perſiens mit der Bagdadbahn nachgeſucht ha=
ben
. Auch das ſei falſch. Drittens ſei eine deutſche Kon=

Freitag, den 20. Mai.

1910.

zeſſion auf dem Urmia=See nachgeſucht worden. Auch
dieſe Konzeſſion ſei nur ein Phantaſiegebilde.
Auch in Perſien habe ſich die deutſche Politik
in der Verfolgung der wirtſchaftlichen Intereſſen Deutſch=
lands
niemals auch nur um einen Schritt von dem Boden
des vertragsmäßigen Rechts entfernt. Man habe keinen
Anlaß, in dem beſprochenen Artikel Anſichten amtlicher
Kreiſe zu ſehen. Dazu widerſpreche er in allen Einzelheiten
viel zu ſehr den Tatſachen, die der ruſſiſchen Regierung
amtlich bekannt ſeien.
Von unterrichteter Seite wird uns zu dieſer Angele=
genheit
geſchrieben: Zwiſchen Deutſchland, Groß=
britannien
und Rußland ſchweben in bezug auf
Perſien ſeit geraumer Zeit diplomatiſche Verhand=
lungen
. Ueber ihren Stand im gegenwärtigen Augenblick
der Oeffentlichkeit Mitteilung zu machen, wird an zuſtän=
diger
Stelle nicht für zweckmäßig gehalten. Es kann jedoch
feſtgeſtellt werden, daß die lautgewordene Annahme, als
ob dieſe Verhandlungen eine Zuſpitzung erfahren hätten,
durchaus unzutreffend iſt. Ebenſo unzutreffend iſt die Mel=
dung
eines ausländiſchen Blattes von einem Geheim=
vertrage
, der zwiſchen Deutſchland und der Türkei hin=
ſichtlich
Perſiens abgeſchloſſen ſei: ein ſolcherVertrag beſteht
nicht. Auch die weitere Behauptung ausländiſcher Blätter,
daß Deutſchland neuerdings in Perſien politiſche
Ziele verfolge, entſpricht nicht den Tatſachen. Völlig im
Einklange mit den früher abgegebenen Erklärungen ver=
folgt
Deutſchland in Perſien nach wie vor nur wirt=
ſchaftliche
Zwecke. Ausländiſche Klagen über deutſche
Machtbeſtrebungen in Perſien entbehren alſo jedes ſtich=
haltigen
Grundes.
Neue Unruhen in China?
* Meldungen aus verſchiedenen Gegenden Chinas be=
richten
von einem ſtarken Wiederaufleben des Fremden=
haſſes
, der ſich vorläufig allerdings nur auf Ausbrüche
gegen als fremdenfreundlich bekannte Beamte beſchränkt.
Die revolutionären Bewegungen in den Pro=
vinzen
Kiangſu, Chekiang und Hunan haben die Zentral=
regierung
in Peking ſehr beunruhigt, und die von dieſer
dabei an den Tag gelegte Schwäche und Unentſchloſſenheit
haben wiederum die revolutionären Elemente im ganzen
Reiche ermutigt. Die Vertreter der fremden Mächte haben
Rat und Hilfe angeboten, aber der Hof in Peking traut
ihnen nicht. Ueberall mehren ſich die Symptome einer tie=
fen
Gärung im Volke, das jenen falſchen Propheten, die
ſeine Not und ſeine Leiden den fremden Teufeln zur Laſt
legen, nur zu gern Glauben ſchenkt. Es hat ganz den An=
ſchein
, als ob die Behörden das gern geſchehen ließen, um
die Volkswut, die zum Teil durch ihre eigene ſchlechte Ver=
waltung
erregt iſt, abzulenken. In Kiangſu hat man das
Gerücht verbreitet, die fremden Mächte würden mit China
verfahren, wie Japan es mit Korea getan habe. In
Yunan wird durch die Geſellſchaft der roten Lampe die
Revolution ganz offen vorbereitet. In Chekiang haben die
Volksmaſſen Schulen zerſtört, weil ſie glauben, daß deren
allgemeine Einführung zu der ſchweren Beſteuerung Ver=
anlaſſung
gegeben hat. In Hupeh ſieht man infolge ſchlech=
ten
Wetters einer Hungersnot entgegen, die die vorhan=
denen
Zündſtoffe unzweifelhaft zur Exploſion bringen
würde.
Dem New=York Herald wird aus Peking gekabelt,
daß die Konſularbehörden in Nanking dem diplomatiſchen
Korps in der chineſiſchen Hauptſtadt Mitteilung von
drohenden Aufſtänden im Tale des Jangſekiang gemacht
haben. Der Ausbruch einer groß organiſierten anti=
dynaſtiſchen
und gegen die Ausländer ge=
richteten
Chineſ enbewegung ſtände bevor. Die
gut bewaffneten Aufſtändiſchen ſchneiden ſich zum Zeichen
ihrer gegen die Mandſchus gerichteten Ziele die Zöpfe ab.
Unter ähnlichen Anzeichen wie im Jahre 1900 ſollen die
Borer eine große Bewegung mit Umſturz der beſtehen=
den
Regierungsverhältniſſe vorbereiten. Die europäiſchen
Konſuln ſind beim Vizekönig von Nanking vorſtellig ge=
worden
. Die Geſandten ihrerſeits haben in Peking die
Regierung auf die drohende Gefahr aufmerkſam gemacht
und ſie zur Ergreifung energiſcher Maßnahmen aufge=
fordert
.
Deuſches Reich.
* Aus dem Wahlkreis Friedberg= =
dingen
wird uns geſchrieben: Der Wahlkampf iſt auf
der ganzen Linie entbrannt, an vielen Orten haben ſchon
vor und nach den Pfingſttagen Wahlverſammlungen ſtatt=
gefunden
. Ueberall zeigen die Wähler lebhaftes Intereſſe

für die Wahl, ſodaß man auf eine ſehr ſtarke Wahlbetei=
ligung
gefaßt ſein darf. Am rührigſten war bisher der
Bund der Landwirte, der ſchon 15 Verſammlungen abhielt
und am Sonntag vor der Wahl, alſo am 12. Juni, allein
60 Verſammlungen plant. Sämtliche heſſiſchen Landtags=
abgeordneten
des Bundes haben ihre Mitarbeit zugeſagt.
Die Nationalliberalen und Volkspartei hielten bis jetzt
nur wenige Verſammlungen ab mit dem beſten Erfolg, ſo
in Friedberg und Bad Nauheim. Erſt jetzt ſoll die Haupt=
agitation
beginnen, eine Anzahl Redner iſt gewonnen.
Die Sozialdemokraten haben ihren Schwerpunkt im ſüd=
lichen
Teil des Wahlkreiſes um Vilbel, Groß=Karben, dann
auch in Rödgen, Obermörlen. Bad Nauheim wird in=
folge
der Hochſaiſon zirka 600 Wähler mehr ſtellen, da dies
meiſt Hotelperſonal iſt, ſo dürfen die Sozialdemokraten auf
erheblichen Stimmenzuwachs rechnen. Man glaubt allge=
mein
, daß ſie wieder in die Stichwahl kommen.
Der Arbeitsausſchuß der Rheinſchiffahrts=
intereſſenten
tritt mit einer neuen Denkſchrift über
die Schiffahrtsabgaben hervor, die nach der Mei=
nung
ihrer Verfaſſer ein allgemeines Intereſſe beanſpruchen
darf, weil ſie der erſte und einzige Verſuch ſei, den Stand
der Schiffahrtsabgabenfrage im Zuſammenhange wenig=
ſtens
für den Rhein darzuſtellen und zu kritiſieren. Die
intereſſanteſten Teile der Denkſchrift ſollen die ſein, in
denen die künftig aufzuwendenden Baukoſten für die Rhein=
waſſerſtraße
mit den von der preußiſchen Regierung berech=
neten
Erträgen der Schiffahrtsabgaben verglichen werden
und wo dargetan iſt, daß die 7 Millionen Schiffahrts=
abgaben
, die der Rhein im Jahre 1920 angeblich aufbringt,
längſt noch nicht einmal ausreichen, um die 86 Millionen
Mark Baukoſten zu verzinſen und zu tilgen, die die preu=
ßiſchen
Denkſchriften früher angenommen haben. Dieſe
Baukoſtenſumme enthält aber längſt nicht alle Pläne, die
für den Rheinſtrom ſchon heute vorliegen.
Zu der Erklärung des Bundes der Indu=
ſtriellen
bezüglich der preußiſchen Wahlrechts=
vorlage
wird aus induſtriellen Kreiſen geſchrieben: Die
Erklärung des Hanſabundes zur Wahlrechtsvorlage habe
in weiten gewerblichen Kreiſen Widerſpruch erregt. Wie
bereits mitgeteilt worden ſei, haben der Zentralverband
dentſcher Induſtrieller, die bei weitem größte und ſtärkſte
Organiſation der Indüſtrie, und auch, was beſonders be=
deutſam
ſei, die niederrheiniſch=weſtfäliſche Gruppe des
Hanſabundes, die größte Gruppe dieſes Bundes, ſich ent=
ſchieden
auf den Boden geſtellt, daß die Wahlrechtsvorlage
nach den Beſchlüſſen des Herrenhauſes erledigt werden
müſſe, weil dieſe Beſchlüſſe den gewerblichen Kreiſen die
Möglichkeit wiedergebe, eigene Vertreter ins Parlament zu
entſenden. Es liege auf der Hand, daß die gewerblichen
Kreiſe in der Wahlrechtsfrage ſich nicht auf doktrinäre Er=
wägungen
ſtützen, ſondern auf den Boden praktiſcher Tat=
ſachen
ſtellen ſollen. Auch die Weſtfäliſchen Politiſchen
Nachrichten, das Organ der Nationalliberalen Partei für
Weſtfalen, wenden ſich mit großem Nachdruck gegen den
Hanſabund und den Bund der Induſtriellen und meinen,
die ganze Induſtrie müſſe es freudig begrüßen, daß ihr
durch den Antrag Schorlemer die Möglichkeit, Vertreter
der gewerblichen Kreiſe und Männer des praktiſchen Le=
bens
ins Abgeordnetenhaus zu ſenden, wiedergegeben ſei.
Das ſei etwas außerordentlich Wichtiges und Tatſäch=
liches
, was man jetzt erreichen könne, alles andere ſei, wie
die Dinge liegen, nicht zu erreichen.
Durch die Begründung des Staatsbahn=
wagenverbandes
iſt bekanntlich eine vollkommen
freie Benutzung der Wagen erreicht worden, wodurch eine
erhebliche Einſchränkung der unnötigen Leerläufe und des
Rangierdienſtes bewirkt worden iſt. Nach den bisherigen
Ergebniſſen rechnet man als Erfolg der Begründung des
Staatsbahnwagenverbandes mit einer jährlichen Erſpar=
nis
für die preußiſche Eiſenbahnverwaltung von etwa
3 Millionen Mark, für die ſächſiſche von 1½ Millionen, für
Bayern von faſt 1 Million und für Baden von 725000 Mk.
Die Geſamterſparnis der Eiſenbahnverwaltungen
in Deutſchland beläuft ſich alſo auf mehr als 6 Millionen
Mark. Eine Vorausſetzung für ſolche günſtigen finanziellen
Ergebniſſe iſt naturgemäß ein ausreichender Wagenpark
aller zum Verband gehörigen Verwaltungen. Und wäh=
rend
Preußen dieſe Vorausſetzung bereits erfüllt, iſt den
übrigen Verwaltungen zur Ergänzung ihres Wagenparkes
eine dreijährige Friſt eingeräumt. Um den Anforderungen
auch in Zeiten ſehr ſtarken Verkehrs genügen zu können,
enthält das Uebereinkommen eine Beſtimmung, daß die
Wagenparks alljäbrlich vermehrt werden müſſen; auch in
Zeiten eines vorübergehenden Verkehrsrückganges ſollsmit

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 20. Mai 1910.

Nummer 1115.

dieſer Vermehrung nicht aufgehört werden. So wird im
laufenden Sommer eine Verſtärkung um 4 v. H. des vor=
handenen
Beſtandes vorgenommen.
Es beſtätigt ſich, daß der preußiſche Kriegsminiſter
eine neue umfangreiche Unterſuchung über die Urſache
der Kataſtrophe des Zeppelin=Ballons bei
Weilburg angeordnet hat und daß die in Betracht kom=
menden
Perſonen, namentlich diejenigen, die die Fahrt
mitgemacht haben, zur umgehenden Erſtattung eines ein=
gehenden
Berichtes aufgefordert worden ſind.
Ausland.
Die türkiſche Kammer verwarf einen Antrag
auf Beantwortung der von den politiſchen Verſammlungen
in Kreta eingetroffenen Depeſchen. Einige Abgeordnete
verlangten, zur Beruhigung der patriotiſchen Erregung
des Volkes ſolle die Flotte nach Kreta und die Armee
an die Südgrenze des Reiches entſandt werden. Die Füh=
rer
der Jungtürken ſprachen ſich gegen den Antrag aus.
Die Kammer müſſe die Regierungsaktion abwarten, wenn
ſie dem Kabinett vertraue.
Wie dem Neuen Wiener Tagblatt aus Bulgarien
telegraphiert wird, haben die Miniſter dem König angera=
ten
, die derzeitigen Zuſtände auf der Inſel Kreta und
den Aufſtand in Albanien dazu zu benutzen, um mit
Griechenland eine Entente einzugehen, und auch
auf die Großmächte wie auch auf die Türkei eine Preſſion
zugunſten der Bulgaren in Mazedonien auszuüben. Der
König ſei aber entſchloſſen, an ſeiner bisherigen fried=
lichen
Politik unter allen Umſtänden feſtzuhalten.
Die ruſſiſche Duma verwarf nach fünftägiger De=
batte
mit 151 Stimmen der Rechten und des Zentrums
gegen 100 Stimmen die Interpellation über eine angebliche
Verletzung der Grundgeſetze durch die im September
vorigen Jahres veröffentlichten Beſtimmungen über die
Handhabung des Artikels 96 der Grundgeſetze.
Der Senat der Vereinigten Staaten nahm mit 40
gegen 23 Stimmen einen Abänderungsantrag zum Eiſen=
bahngeſetz
an, nach dem bei Klagen, die bei den Handels=
gerichten
anhängig gemacht werden, dem Attorney= Ge=
neral
die Wahrnehmung der Intereſſen des Staates über=
tragen
wird, dagegen die Interſtate Commerce Commiſ=
ſion
und die Verfrachter zu Prozeßparteien gemacht
werden.
* Die Taufe des Erbgroßherzogs von
Mecklenburg=Schwerin findet am 7. Juni ſtatt.
Zur Teilnahme an der feierlichen Handlung treffen als
Vertreter des Herzogspaares von Cumberland, das ſeit
dem 7. April am Hofe ſeines Schwiegerſohnes, des Groß=
herzogs
von Mecklenburg, weilt und am 21. Mai Schwerin
wieder verlaſſen wird, Prinz Maximilian von Baden und
ſeine Gemahlin Marie Luiſe zu Braunſchweig und Lüne=
burg
, die älteſte Tochter des Herzogspaares, in der hieſigen
Reſidenz ein. Dieſe mecklenburgiſche Hofnotiz ſchließt alle
Erörterungen, die über ein mögliches Zuſammentreffen des
Kaiſers mit dem Herzog von Cumberland entſtanden ſind.
* Der Deutſche Schulverein in Oeſter=
reich
, der erſte und älteſte deutſche Schutzverein in Oeſter=
reich
, der mit ſeinen 140000 Mitgliedern, 1800 Ortsgruppen
und 1 Million Kronen Jahreseinkommen die größte natio=
nale
Vereinigung der Deutſchen in Oeſterreich darſtellt, be=
ging
das Feſt ſeines 30jährigen Beſtandes in erhebender
Weiſe. Gegenwärtig erhält der Deutſche Schulverein 32
eigene Schulen und mehr als 80 eigene Kindergärten. In
rund 100 Gemeinden an der über 3000 Kilometer langen
Sprachengrenze iſt der Deutſche Schulverein den bedräng=
ten
Volksgenoſſen helfend an die Seite getreten. Ueber 14
Millionen hat er zur Förderung ſeiner Ziele ausgegeben.
Von 1904 bis 1909 ſind ſeine Einnahmen von rund 435000
Kronen auf rund 940000 Kronen geſtiegen, nicht mitge=
rechnet
die durch Roſegger angeregte 2 Millionen=Spende,
die in elf Monaten voll eingezeichnet war und die heute
auf 2350000 Kronen angewachſen iſt.
* Die Güter der Obrenovitſch. Aus Belgrad
wird gemeldet: Exkönigin Natalie erteilte einem fran=
zöſiſchen
Konſortium Vollmacht, ſämtliche Güter der Obre=
novitſch
um eine Million Franken ſtatt der ſeinerzeit gefor=
derten
3½ Millionen dem ſerbiſchen Staat zu überlaſſen.
Der Nachlaß beſteht aus ſieben Häuſern, einem Hotel, zwei

Landgütern von 8000 Hektar und einer wertvollen natio=
nalen
Antiquitätenſammlung. Der Abſchluß des Kaufver=
trages
ſteht bevor. Es verlautet, die Königin wolle die
Antiquitätenſammlung der ſerbiſchen Regierung als Ge=
ſchenk
überlaſſen.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 20. Mai.
Ordensverleihungen. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben dem Bürgermeiſter, Ortsgerichts=
vorſteher
und Standesbeamten Peter Schultheiß V.
zu Lumda, im Kreis Gießen, das Allgemeine Ehren=
zeichen
mit der Inſchrift Für langjährige treue Dienſte‟
am Bande des Verdienſtordens Philipps des Groß=
mütigen
verliehen.
Uebertragen wurde dem Lehrer Wilhelm Joſt
zu Bodenrod, Kreis Friedberg, die zweite Lehrerſtelle
an der Gemeindeſchule zu Staden, in demſelben Kreiſe;
dem Lehrer Friedrich Römer zu Hattenrod, Kreis
Gießen, eine Lehrerſtelle an der Gemeindeſchule zu
Großen=Linden, in demſelben Kreiſe.
*Das Großh. Regierungsblatt, Beilage Nr. 16,
enthält: 1. Ueberſicht der von Großh. Miniſterium des
Innern für das Rechnungsjahr 1910 zur Erhebung ge=
nehmigten
Umlagen zur Beſtreitung der Kommunal=
bedürfniſſe
in den zum Finanzämtsbezirk Bingen ge=
hörigen
Landgemeinden des Kreiſes Bingen. 2. Ueber=
ſicht
der für das Rechnungsjahr 1910 zur Beſtreitung
der Kommunalbedürfniſſe der Gemeinden des Kreiſes
Alsfeld genehmigten Umlagen. 3. Ueberſicht der von
Großh. Miniſterium des Innern für das Rechnungsjahr
1910 genehmigten Umlagen zur Beſtreitung der Kom=
munalbedürfniſſe
in den Landgemeinden des Kreiſes
Alzey (Finanzamtsbezirk Alzey). 4. Dienſtnachrichten.
* Militärdienſtnachrichten. Schnelle, Rech=
nungsrat
, Garn.=Verwalt.=Direktor in Allenſtein, nach
Darmſtadt, Gießen, Garn.=Verwalt.=Inſpektor in
Frankfurt a. M., als Kontrolleführer nach Mainz verſetzt.
Major Mackenſen von Aſtfeld vom Stab des
Leib=Dragoner=Regiments Nr. 24 iſt als Kommandeur
des Weſtfäliſchen Ulanen=Regiments Nr. 5 nach Düſſel=
dorf
verſetzt. Major von Mackenſen gehörte dem
Dragoner=Regiment Nr. 24 ſeit 1896 an.
* Großherzogliches Staatsſchuldbuch. Es wird
darauf hingewieſen, daß Staatsſchuldbuch=Forderungen
durch bare Einzahlungen ohne vorgängigen Ankauf von
Staatsſchuldverſchreibungen erworben werden können.
Die Einzahler werden mit dem Eintrag im Staats=
ſchuldbuch
Buchgläubiger und ſind der Verloſungskon=
trolle
ſowie der Sorge für die Aufbewahrung von
Obligationen enthoben. Selbſtverſtändlich iſt auch die
Einlieferung von Stücken zur Umwandlung in Buch=
forderungen
nach wie vor möglich. Nähere Auskunft
werden die Bankfirmen des Großherzogtums zu er=
teilen
bereit ſein; ſie iſt auch durch Vermittelung der
Landeshypothekenbank oder direkt von dem Staats=
ſchuldbuchbureau
in Darmſtadt erhältlich; außerhalb
Darmſtadts auch durch die Großh. Bezirkskaſſen ſowie
durch ſämtliche Reichsbankanſtalten.
L. Die Strafkammer verhandelte geſtern gegen den
bereits wegen Diebſtahls beſtraften 24 Jahre alten
Chauffeur und Schloſſer Friedrich Onimus von
Frankfurt, der anfangs April hier am Rhönring in
dem Vorgarten einer Wirtſchaft ein Fahrrad im Wert
von 220 Mark, welches kurz zuvor ein Gaſt hingeſtellt
hatte, wegnahm und damit eine Tour über Frankfurt
nach Mainz machte. Hier wurde er feſtgenommen. Er
iſt geſtändig und wurde zu 1 Jahr 3 Monaten Ge=
fängnis
verurteilt; vier Wochen ſind durch die
Unterſuchungshaft verbüßt. Der 49 Jahre alte,
wegen Diebſtahls wiederholt beſtrafte, Ph. Becker IV.
von Pfungſtadt kam mit zwei Hunden in Ober= Ram=
ſtadt
in eine Wirtſchaft. Er gab ſie für ſein Eigentum
aus, lobte ſie und verkaufte ſchließlich den einen
für 1 Mark, den anderen für 80 Pfg. Die Eigentümer
kamen ihm auf die Spur und konnten ihre Lieblinge
wieder auslöſen. Becker, der wegen Diebſtahls ange=
klagt
iſt, behauptet, die Tiere ſeien ihm ohne ſein Zu=
tun
nachgelaufen. Wegen des einen Hundes ſteht jedoch
feſt, daß er ihn an ſich lockte; in dieſem Falle liegt alſo
Diebſtahl, in dem anderen Unterſchlagung vor. Er
wurde zu 5 Monaten 2 Wochen Gefängnis
verurteilt; 1 Monat 2 Wochen ſind durch die Unterſuch=
ungshaft
verbüßt. Er trat die Strafe an.
*X* Kriegsgericht der 25. Diviſion. Der aus
Wieſeck ſtammende ehemalige Briefträger Heinrich
Löwenſtein hat ſich in dieſer Eigenſchaft Veruntreu=
ungen
und Fälſchungen zuſchulden kommen laſſen, wes=
halb
er vom Schwurgericht ſeinerzeit zu einem Jahre
neun Monaten Gefängnis verurteilt worden iſt. Er
gehört noch als Unteroffizier der Landwehr zweiten
Aufgebots an. Das Kriegsgericht zog deshalb in der

geſtrigen Verhandlung in Betracht, ob er durch jeue
entehrende Verurteilung den Unteroffiziersgrad ver=
wirkt
habe, und erkannte demgemäß auf Degra
dation. Der Musketier Karl Weber vom In=
Regt. Nr. 118 wurde in die geringſte geſetzliche Strafe
von 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Die ganze
Sachlage kam dabei in Betracht, insbeſondere der Um=
ſtand
, daß Weber überhaupt nicht dienſttauglich iſt. Er
hätte ſich im Herbſt vor. Js. bei einem Infanterie=
Regiment ſeiner Heimat, der bayeriſchen Pfalz, als
vorher dazu ausgerufen, ſtellen müſſen, trieb ſich ſtatt
deſſen im Auslande ſowie dann in Deutſchland herum
bis er aufgegriffen und in das jetzige Regiment einge
ſtellt wurde. Weiter handelt es ſich um die vom
Gerichtsherrn verfolgte Berufung gegen den Gardiſten
Heinrich Schilling vom Leib=Garde=Regt. Nr. 115
12. Komp., der vom Standgericht wegen Achtungsver=
letzung
in einem Falle mit 14 Tagen ſtrengem Arreſt
verurteilt worden war. Während des Gewehrreinigens
in der Mannſchaftsſtube hatte der aufſichtführende G
freite den Angeklagten zum Aufleſen eines Zigarren=
ſtummels
angewieſen, worauf dieſer eine ungehörige
Antwort hatte. Als er dann dem Befehl eines Unter=
offiziers
folgte, erging er ſich in einigen beleidigenden
Reden gegen den Gefreiten. Das Kriegsgericht nahm
zwei Fälle an und ſprach 16 Tage ſtrengen
Arreſt aus.
* Benutzung amtlich geprüfter ärztlicher Thermometer
in den öffentlichen Krankenanſtalten. Durch die mit Be=
ginn
des neuen Jahres zur vollen Wirkſamkeit gelangten
neuen Prüfungsvorſchriften für Thermometer vom
April 1909 ſind die Gebühren für die Prüfung ärztlicher=
Thermometer auf 50 Pfg. für das Stück feſtgeſetzt. Hier=
durch
ſind die weſentlichſten Bedenken gegen den Erlaß
von Anordnungen über den ausſchließlichen Gebrauch
amtlich geprüfter Thermometer in öffentlichen Kranken=
anſtalten
durch die beamteten Aerzte und Hebammen weg=
gefallen
. Das Miniſterium des Innern hat angeordnet,
daß in allen öffentlichen Krankenanſtalten nur amtlich ge=
prüfte
ärztliche Thermometer zur Anwendung kommen.
Die regelmäßigen Gartenkonzerte im Städtiſchen
Saalbau haben geſtern begonnen. Die Stadt hat den
Kapellen des Leibgarde=Infanterie=Regiments Nr. 115
(Leitung Herr Hauske) und des Artillerie=Regiments
Nr. 61 (Leitung Herr Weber) den Garten überlaſſen,
damit ſie an allen Dienstagen und Donnerstagen des
kommenden Sommers mit vollzähliger Kapelle dort
konzertieren. Dienstags ſpielt die Kapelle des
Artillerie=Regiments Nr. 61 (Weber), Donners=
tags
die Kapelle des Leibgarde=Infanterie=Regts. Ny
115 (Hauske). Die Konzerte finden bei jeder Witter=
ung
im Garten oder Saal ſtatt. Um einen billigeren
Beſuch der Konzerte zu ermöglichen, werden, wie ſeit=
her
, Dutzendkarten ausgegeben. Dieſe Dutzendkarten
haben für die Dienstags= und die Donnerstags= Kon=
zerte
Gültigkeit. Da beiden Kapellen ein guter Ruf
vorausgeht, bleibt nur zu wünſchen, daß ſich der Saal=
bau
=Garten wie in früheren Jahren eines zahlreichen
Beſuches ſeitens des hieſigen Publikums erfreuen möge,
Hierzu wird uns noch geſchrieben: Die Dienstags=
Konzerte erfahren in dieſer Saiſon inſofern eine Aen=
derung
, als dieſe an allen Dienstagen von der voll=
zähligen
Kapelle des Großh. Heſſiſchen Artillerie=Regts.
Nr. 61 ausgeführt werden. Da dieſe Neuerung vielen
lang gehegten Wünſchen entſpricht, dürfte ſie in weiten
Kreiſen mit Freude begrüßt werden. Herr Weber, der
ſich mit ſeinem Orcheſter des beſten Rufes erfreut, wird
auf dieſe Konzerte ganz beſondere Sorgfalt verwenden
und bemüht ſein, ſich auch die Gunſt des=Saalbau=
Publikums zu erringen ſuchen. Das erſte Abonnes
ments=Konzert findet Dienstag, den 24. Mai, ſtatt. Für=
die
tanzluſtige Jugend iſt Réunion im Gartenſaale.
Der Garten wird an dieſem Abend feſtlich beleuchtet.
(Siehe auch die Anzeige.)
Neu hergeſtellte Fernſprechanſchlüſſe und Aende=
rungen
bei beſtehenden Sprechſtellen: a) Neu= An=
ſchlüſſe
: 1886 Karl Benjamin, Direktor der Deutſchen
Vereinsbank, Filiale Darmſtadt, Rheinſtr. 46; (350)
Joſ. Deutſch, Privatwohnung, Schulſtr. 12; 1930 von
Etzel, Oberſt, Martinſtr. 72; 1923 Fabrik Elektriſcher
Apparate, Inh. L. Doll und K. Benz, Frankfurter
Straße 36; 1936 Foix J. u. Söhne, Spaniſche Weinhalle,
Mathildenplatz 8; 1905 Dr. Adolf Hüffell, Frauenarzt,
Hügelſtr. 37 I.;= 336 Paul Klingenberg, Steinfabrik,
Eliſabethenſtr. 74; 574 Ludwig Freiherr von Knorrinig,
Kaiſ. Ruſſ. Miniſterreſident, Wilhelmſtr. 28; 1926 Kur=
haus
Trautheim, Hotel=Reſtaurant, Nieder=Ramſtadt;
1921 Albert Lebach, Architekt für Innen=Dekoration,
Klappacherſtr. 42; 1570 W. Leſchhorn, Spezialgeſchäft
photogr. Artikel, Rheinſtr. 14; 1919 Gottlieb Lorz, Hof
kürſchnermeiſter, Eliſabethenſtr. 14; 1922 von Moßner
Leutnant, Am Breitwieſenberg 11; (185) A. L. Ott, Kon=
ditorei
=Café, Ausſtellungsgebäude auf der Künſtler=

Blühendes Land.
Blühendes Land überall. Draußen im freien
Felde, wo die werdenden Saaten ihr grünes Seiden=
kleid
im Stolz der Jugend tragen, in ſtillen Gärten
hinter üppigen Hecken, an ſanft ſteigenden Hängen,
wölbt ſich Kuppel an Kuppel. Silberweiß wie friſch=
gefallener
Firnenſchnee im Morgenſonnenlicht, mit
roſigem Hauch übergoſſen wie eines ſehnenden jungen
Weibes Wangen.
Ein leiſer, lauer Wind ſaugt zarten Duft aus ihren
Blütenkelchen und trägt ihn übers Land. Darinnen
aber ruht verwahrt ein heiliger Klang, gleich einem
gottſuchenden Harfenton. Und weſſen Seele er trifft,
dem legt er ſeines Körpers wilde Kraft zu Füßen. Denn
jäh erſchauert deſſen Seele bei dieſem Klang und wächſt
erweckt hinaus über ihres Körpers Grenzen auf den
Schwingen der Sehnſucht.
Blühendes Land, du ſingſt ein Lied urewiger, hei=
liger
Melodie. Ein Lied der Blüten, die der Reife
Frucht erſehnen. Du ſingſt ein Lied, das überall das
All durchbebt, ein Lied der Sehnſucht, das droben bei
den Sternen wohnt und ſeine Heimſtätte aufgeſchlagen
hat tief in den Seelen der Menſchen. Und wenn du den
Menſchen erklingſt, dann legſt du ihnen ein Korn gött=
licher
Kraft und einen Schimmer göttlichen Glanzes in
die Bruſt. Du trägſt ſie empor auf ſilbernen Wolken
hoch über den Kerker ihres leiblichen Ichs und zeigſt
ihnen dort, wie tief ihre Seelen im Ewigen wurzeln.
Denn die Sehnſucht ſchlägt euch goldene Brücken zu den
ſonnigen Gefilden der Gottheit. Drum wandert über
die Brücken der Sehnſucht nach jenen gottbegnadeten
Inſeln, auf daß euch in himmliſcher Freude erzitternd
die Seele klinge.
Doch diejenigen, die ihren Weg vollenden, ohne im
Drang der Sehnſucht zu ſtreben, ſind nicht mehr denn
ein Baum, dem die Kraft erſtarb, Blüten zu treiben.
Sie ſind reif, daß ſich die Axt an ihre Wurzel lege.
Walter Georgi.

Von Lehrern und Schülern der deutſchen
Volksſchulen.
** Der Deutſche Lehrertag, der in den Pfingſttagen
unter großer Beteiligung in Straßburg i. E. abgehalten
wurde, fand in dieſem Jahre mit ſeinen Verhandlungen
ein beſonderes Intereſſe. Welch mächtigen Faktor im Leben
des Volkes die öffentlichen Schulen darſtellen,
mögen einige Daten zeigen, die wir K. Knabes Schrift
über das deutſche Unterrichtsweſen der Ge=
genwart
entnehmen.
In allen europäiſchen Staaten betragen die Koſten für
den Volksſchulunterricht etwa 1700 Millionen Mark, und
von dieſem Betrage fällt auf Deutſchland faſt ein
Drittel. Die Geſamtheit ſeiner Volksſchüler betrug
im Jahre 1906 etwa 9¾ Millionen, von denen 6½ Mil=
lionen
etwa auf Preußen kamen, das 37761 Schulen mit
115902 Klaſſen zählte, und zwar hatte im Durchſchnitt jede
Schule in den Städten 8,87, auf dem Lande 2,22 Klaſſen
und die Durchſchnittsfrequenz der Klaſſen betrug auf dem
Lande 53, in den Städten 54 Schüler. Von den 2306 265
Schulkindern in den Städten wurden 1669 286 in getrenn=
ten
Knaben= und Mädchen= und 636 979 in gemiſchten Schu=
len
unterrichtet, während auf dem Lande die entſprechenden
Zahlen 561 537 und 3 296 596 waren. Von den 7517 Volks=
ſchulen
in Bayern im Schuljahre 1904/05 waren nur 510
Knaben= und 526 Mädchen= die übrigen 6481 gemiſchte
Schulen. Der Klaſſendurchſchnitt betrua 58½ Schüler, alſo
etwa 5 mehr als in Preußen und in Württemberg war er
ſogar noch etwas größer, nämlich 60,13. Die Geſamtzahl
der württembergiſchen Schulkinder betrug am 1. Januar
1907 650½ Tauſend, während Sachſen 1904 rund ¾ Mil=
lionen
Schulkinder hatte, von denen 47 Prozent in ge=
miſchten
Klaſſen unterrichtet wurden. Sehr günſtig war
der Klaſſendurchſchnitt in Baden mit 37,47 Schülern. Stan=
den
hier 1582 getrennten 5728 gemiſchte Klaſſen gegenüber,
ſodaß das Verhältnis etwa 114 war, ſo herrſchte im heſ=
ſiſchen
Volksſchulweſen im Jahre 1902 faſt völlige Koe=

dukation: von 983 Schulen waren nur 28 nach den Ge=
ſchlechtern
völlig getrennt.
Die 9¾ Millionen Schulkinder wurden von 166
Lehrkräften unterrichtet, von denen 138203 männ=
lich
, 29384 weiblich waren; d. h. das Zahlenverhältnis
der Lehrer zu den Lehrerinnen iſt etwa 511. Doch ſind die
Unterſchiede in den verſchiedenen Teilen des Deutſchen
Reiches außerordentlich groß. Während zum Bei=
ſpiel
auf 100 Lehrkräfte in Sachſen nur 5, in meh=
reren
thüringiſchen Ländchen noch weniger, in den
beiden mecklenburgiſchen Großherzogtümern 8 und 9
in Württemberg 11, in Oldenburg 10, in Heſſen 13 Leh=
rerinnen
kommen, hat Lübeck unter 100 Lehrkräften 46,
Hamburg 38 und Elſaß=Lothringen 45 Lehrerinnen. Die
geringſte Zahl an Lehrkräften hatte Schaumburg mit 93.
die größte natürlich Preußen mit 102 764. Hier entfielen
auf eine Lehrkraft 60 Schulkinder. Dieſe Zahl wurde
übertroffen von Sachſen mit 61, Baden mit 64, Sachſen=
Altenburg mit 66, Schwarzburg=Sondershauſen mit 61,
Schwarzburg=Rudolſtadt mit 63, Reuß ältere und jüngere
Linie mit 70 bezw. 64. Lippe=Detmold mit 75 und Schaum=
burg
=Lippe mit gar 85 Schulkindern. Am günſtigſten wa=
ren
die Verhältniſſe in Hamburg und Lübeck, wo auf eine
Lehrkraft 35 bezw. 33 Schulkinder kamen.
Die Aufwendungen für die öffentlichen Volks=
ſchulen
beliefen ſich in Deutſchland auf etwa 524
Millionen Mark, von denen 151½ aus Staatsmit=
teln
aufgebracht wurden. Die Koſten der ſtaatlichen Schul=
aufſicht
und des Lehrerbildungsweſens ſind in dieſer
Summe nicht enthalten. Die höchſten Geſamtkoſten für
den einzelnen Schüler tragen die Hanſeſtädte Lübeck, Bre=
men
und Hamburg mit 75.79 und 88 Mark. die gerinaſten
Schaumburg=Lippe mit 35 Mark, während der Durchſchnitt
54 Mark beträgt. Während, wie bemerkt. Deutſchland von
den Geſamtkoſten des euroväiſchen Volksſchulunterrichts
beinahe ein Drittel trägt, fällt auf Rußland nur 1 Zwan=
zigſtel
, auf Großbritannien mehr als 1 Viertel, auf Frank=
reich
etwa 1 Achtel.

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in

Nummer 115.

Darmſtädter Tagblätt, Freitäg, den 20. Mai 1910.

Seite 3.

olonie; 202 Karl Pareus, Bismarckſtr. 65; 1924 Viktor
schatz, Trödler, Kleine Bachgaſſe 1; 205 Friedrich
schmitt, Ochſen= und Schweinemetzgerei, Arheilger
straße 6; 397 Aug. Schwab jun., Permanente Ausſtell=
ug
moderner Wohnungseinrichtungen, Rheinſtr. 39;
929 Freiherr v. Stetten, Major und Kommandeur des
Train=Bataillons Nr. 18, Wilhelmſtr. 14; 1359 Amalie
Jalckenberg, Wilhelmſtr. 9; 1925 Aug. Weyns, Kunſt=
egenſtände
aus Geſteinen, Soderſtr. 41.
b) Aenderungen bei beſtehenden Sprechſtellen:
820 Theodor Göhler, Ahaſtr. 24, jetzt 231, Heidelberger
Straße 36; 231 Derſelbe, Filiale, Ahaſtr. 24; 882 Anton
iſſerich, Luiſenſtr. 6, jetzt Nieder=Ramſtädter Straße 13;
255 Dr. Bruno Italiener, Waldſtr. 16, jetzt Grafen=
traße
23½; 1490 David Neu, Friedrichſtr. 16, jetzt 15;
769 Julie Rütgers, übertragen an Dr. med. Karl
Emden, Militärarzt, Beckſtr. 68; 917 Sektion II der
eſſ.=Naſſ. Baugewerks=Berufsgenoſſenſchaft, Laute=
chlägerſtr
. 27, jetzt Rheinſtr. 47; 1458 Ernſt Strah,
Lilhelminenſtr. 21, jetzt Heidelberger Straße 7.
ic) Abgebrochene Sprechſtellen: 1186 Jakob
Züttel; 1765 Graffweg u. Co.; 1626 Palais=Reſtaurant;
26 Ramon Peris; 1477 Dr. Uſinger; 687 J. Walther.
Evangeliſcher Bund. Die 21. Landesver=
ſammlung
des Heſſiſchen Hauptvereins wird Sonntag,
den 10. und Montag, den 11. Juli in Mainz ſtattfinden.
In mehreren Sitzungen haben die Vertreter des Hauptver=
eins
, des Zweigvereins Mainz, der dem Bund angeſchloſſe=
nen
und der übrigen evangeliſchen Vereine, ſowie der Kir=
chenvorſtände
der Stadt und der Vororte die nötigen Vor=
arbeiten
erledigt. In der Sitzung vom 17. ds. Mts., der
auch der Hauptvereinsvorſitzende, Herr Pfarrer D. Waitz
aus Darmſtadt, anwohnte, wurde die Feſtordnung feſt=
geſetzt
. Ein großer Feſtausſchuß wird ſoeben gebildet.
Die Kirchengeſangvereine der Stadt und der Vororte ha=
ben
ſich zu einem Geſamtchor vereinigt. Namhafte heſſiſche
und auswärtige Redner ſind gebeten und zum Teil ſchon
gewonnen. Die Tagung verſpricht eine machtvolle Kund=
gebung
des Proteſtantismus zu werden.
n. Die Schreinerbewegung. Mit dem jetzt in be=
friedigender
Weiſe beigelegten Ausſtand ſind die auf
Feſtſtellung eines Lohntarifs u. a. gerichteten Beſtreb=
ungen
für den allergrößten Teil des hieſigen Gewerbes
erfolgreich geweſen. Sämtliche dem Arbeitgeber=
ſchützverband
am Platze angehörenden Betriebe in der
Geſamtzahl von 49 mit rund 440 Arbeitern haben den
einſchlägigen Vertrag angenommen, obwohl der Streif
nur auf wenige erſtreckt war. Es erübrigen jetzt noch
die außerhalb des Verbandes ſtehenden 37 Meiſter, bei
denen insgeſamt etwa 120 Mann beſchäftigt ſind.
* Submiſſionsblüten. Bei der Ausſchreibung zur
Erbauung des Empfangsgebäudes auf
dem neuen, Bahnhof in Darmſtadt waren
folgende Angebote eingelaufen: Möller=Frankfurt a. M.
156913,10 Mark, Moeſer u. Dechert=Darmſtadt 131 796,70
Mark, Gans, May u. Wagner=Darmſtadt 129010 Mark,
Rhein.=Elſäſſ. Baugeſellſchaft=Metz 128 641,50 Mark.
A.=G. für Hoch= u. Tiefbau=Frankfurt a. M. 121 426,25
Mark, Ambroſius u. Sohn=Frankfurt a. M. 120 761,95
Mark, Hauswald=Mainz 117458,80 Mark, Müller u.
Schwarz=Darmſtadt 114549,80 Mark, Zehrlaut=Mainz
112639,05 Mark, Enrich=Frankfurt a. M. 112339,50 Mk.,
Schmidt=Worms 106 162,50 Mark, Hinkel=Darmſtadt
105 328,70 Mark, Winn u. Co.=Gießen 101 827,20 Mark.
Fiſcher=Guſtavsburg 88367 Mark. Der Unterſchied
zwiſchen dem höchſten und dem niedrigſten Angebot be=
trägt
demnach nur die Kleinigkeit von 68546 Mark.
Die Walderholungsſtätten werden am 23. d.
Mts. eröffnet. Die Aufnahme der Pfleglinge findet
nachmittags von 5 Uhr ab auf dem Bureau der Ver=
einigten
Ortskrankenkaſſe, Blumenthalſtraße 7, ſtatt.
Das Pflegegeld für Nichtverſicherte beträgt 1 Mk.
50 Pfg. pro Tag.
Radrennen. Für das am nächſten Sonntag,
den 22. Mai, ſtattfindende Dauerrennen mit Motor=
führung
um die Ehrengabe Sr. Königl. Hoheit des
Großherzogs auf der Radrennbahn an der Heidel=
bergerſtraße
, ſind 3 bedeutende Steher ausgewählt
worden. Es ſind dies der hier rühmlich bekannte Alt=
meiſter
Georg Dreſcher, Mainz., der ziemlich älteſte
Rennfahrer der Welt, Chr. Rode, Hamburg, zwei=
maliger
Sieger des Kaiſerpreiſes und der Meiſterſchaft
von Deutſchland über die kurze und lange Strecke, Joh.
Hohe, Nied, der rühmlich bekannte Straßenfahrer.
Alle 3 Fahrer haben ſehr ſchnellen Motor als Führung
und gibt es ſicher ſchwere Kämpfe um den erſten Platz,
den Gewinn des goldnen Pokals des Landesfürſten.
A Im ſtädtiſchen Krankenhauſe ſind während des
Monats April d. J. 611 Kranke verpflegt wordem,
332 männlichen und 279 weiblichen Geſchlechts, mit ins=
geſamt
8500 Pflegetagen. Es ergibt ſich hiernach für den

genannten Mungt eine durchſchuitliche Tagesbelegung
mit 283 Kranken, gegen 306 Kranke im April vor. Js. 1 Arbeiterverein begeht am Sonntag, den 19.
Fleiſchbeſchauamts ſind während des Monats April
im hieſigen Schlachthaus geſchlachtet worden: 174 bandes evangeliſcher Arbeitervereine, und dieſer ver
Ochſen, 4 Bullen, 316 Kühe, 3 Jungrinder, 1091 Kälber,
2297 Schweine, 186 Schafe, 13 Ziegen und 15 Pferde.
Beanſtandet wurden: 112 Ochſen, 3 Bullen, 197 Kühe,
2 Jungrinder, 19 Kälber, 683 Schweine, 34 Schafe und
3 Pferde. Minderwertig wurde erklärt das Fleiſch
von: ¼ Ochſen, 9½‟ Kühen, 2 Kälbern u. 10¾ Schweinen.
Bedingt tauglich war das Fleiſch von: ¾ Ochſen,
1 Bullen, ¾ Kühen und 1¾ Schweinen. Untaug=
lich
waren: 1 Ochſe, 4 Kühe, 1798 Organe, 237½ kg Fett
und 74 kg Fleiſch von 1052 Tieren. Auf Trichinen
unterſucht wurden: 2297 im Schlachthaus geſchlachtete und
2 von Privaten geſchlachtete Schweine, ſowie 6027¼ kg
für hieſige Metzger eingeführtes friſches Fleiſch von 323
Schweinen.
Roheit. Man ſchreibt uns: Ein recht gemeiner
Akt von Tierquälerei iſt an einem kleinen Hündchen ver=
übt
worden, das am 1. Feiertag im Rhönring ge=
ſtohlen
wurde. Nach 3 Tagen fand der Eigentümer
im Hauſe Alexanderſtraße Nr. 15 ſeinen Hund wieder,
in einem Zuſtand, der jeder Beſchreibung ſpottet.
Schwanz und Ohren waren dem armen Tiere vom
Stumpf abgeſchlagen.
§ Feſtgenommen. Ein 22 Jahre alter Hausburſche
aus Traiſa iſt wegen Einbruchsdiebſtahl hier feſtgenom=
men
worden.
Eberſtadt, 18. Mai. Intereſſenten ſeien auf die
Dr. Büchner hierſelbſt aufmerkſam gemacht. (Siehe
Anzeige.)
Tagen des 11., 12. und 13. Juni dieſes Jahres wird
hier der 15. Starkenburger Provinzial=
Feuerwehr im Verein mit dem Feſtkomitee iſt mit den
umfangreichen Vorbereitungen dazu ſchon ſeit längerer daß die Höhe der Summe, um die Sckerl ſeine Gläubiger
Zeit beſchäftigt. Das nach eingehenden Beratungen ent=
worfene
Feſtprogramm wurde ſämtlichen dem Provin= 1 geſchädigt hat, ſich auf etwa 130000 Mark beläuft. Er hat
denen viele ihre Beteiligung an dem Feſte bereits an=
folgende
Veranſtaltungen vor: Am Samstag, den 11.
Juni, Delegiertenverſammlung im Bergſträßer Hof
gen Geſangvereine. Am Sonntag, vormittags 11 Uhr, wenigſtens ſcheint dies aus einem Briefe hervorzugehen,
findet eine Uebung der hieſigen Feuerwehr ſtatt, und=
nachmittags
halb 3 Uhr Feſtzug durch verſchiedene Stra= 9. Dezember vorigen Jahres, dem die Proſtituierte Arn=
ßen
nach dem Feſtplatze, daſelbſt Begrüßungschor der= holz zum Opfer fiel, wird durch einen weiblichen Unter=
vereinigten
Geſangvereine, Feſtrede und Militärkon=
ſern
. Für das Nachfeſt am Montag nachmittag ſind zur Leiche der Arnholz gehörte. Am 5. Dezember vorigen
turneriſche Vorführungen, Konzert und Volksbeluſtig=
ungen
vorgeſehen. Die Muſik wird von der Kapelle
des Großh. Artillerie=Regiments Nr. 61 ausgeführt 1 worden. Der oder die Mörder ſind bis jetzt noch nicht ent=
unter
perſönlicher Leitung ihres Kapellmeiſters Weber. deckt worden.
Der ſchön gelegene und geräumige Feſtplatz befindet ſich
am Eingange zum Griesheimer Wald, in nächſter Nähe gang zur Stadt von Braunſchweig her, bildet mit ſei=
des
Dorfes und der Halteſtelle Hotel Waldfriede der 1 nen vier gewaltigen Zwingertürmen eines der groß=
Dampfſtraßenbahn. Der Platz iſt vollſtändig beſchattet artigſten Denkmäler mittelalterlicher Stadtbefeſtig
und mit Gras bewachſen und wird daher den Beſuchern ung. Es iſt neben dem Kaiſerhaus und dem Rathaus
einen recht angenehmen Aufenthalt gewähren. Für Goslars Hauptſehenswürdigkeit und als maleriſche=
die
Bewirtung und Unterhaltung der zahlreich zu er= Architekturbild von Künſtlern ſehr oft dargeſtellt wor=
wartenden
Feſtbeſucher iſt in weitgehendſter Weiſe ge=
pathie
für die wackeren und ſtets hilfsbereiten Männer 1 eines dieſer Türme zum Ort der Handlung einer ſei=
der
Feuerwehr und wird ihnen einen freundlichen und 1 ner jüngſten Novellen (Das Kind von Goslar) ge=
würdigen
Empfang bereiten. Möge ſich das Feſt eines Gewitters gegen 10 Uhr plötzlich Feueralarm er=
regen
Beſuchs zu erfreuen haben!
* Aus dem Kreiſe Beusheim, 18. Mai. Die Kreis= I Turm habe ein Blitzſchlag gezündet, hegte man die
ſtraße zwiſchen Auerbach und Zwingenberg ernſtliche Beſorgnis, daß das mächtige ſpitze Runddach
wird in ihrer ganzen Länge neu geſteint und durch des koſtbaren Baudenkmals gefährdet ſein könnte. Als
eine Dampfwalze eingewalzt. Die Arbeit beginnt im die Feuerwehren anrückten, ſchlugen auch die Flam=
über
Hähnlein-Fehlheim-Bensheim und umgekehrt fand das Feuer in dem allerdings mächtigen Dach=
geleitet
. In Reichenbach wurde ein junger Mann gebälk nur ſpärliche Nahrung, ſodaß es der Feuerweh
von einem Pferde erſchlagen. Sehr zahlreich bei dem ſtrömenden Gewitterregen bald gelang, des
ſind die Nachtigallen in dieſem Jahre an der Feuers Herr zu werden, ehe es großen Umfang an=
Bergſtraße. Faſt überall läßt dieſer Vogel ſeine herr= genommen hatte. Derſelbe Turm war ſchon vor drei
lichen Geſänge erſchallen.
n. Groß=Umſtadt, 19. Mai. Die in dem Dorndieler hatte der Blitz aber nicht gezündet, ſondern nur das
Raubmordfall ſeitens der Behörde entwickelte! Dach beſchädigt und aus dem Turm einige Steine her=
Tätigkeit iſt eine ebenſo eifrige wie umfangreiche. Un= ausgeſchlagen.
zweifelhaft kam der Täter von auswärts, weshalb
irgend welcher Verdacht auf einen Ortseinwohner, wie herzogin Marie von Mecklenburg=Schwe
ſolche Vermutungen ſchon laut geworden ſind, völlig
grundlos erſcheint.

Mainz, 18. Mal. Der hieſige Epangeliſch.
Schlachtungen. Nach dem Monatsberichte des Juni, ſeine 16jährige Stiftungsfeier mit Fahnenweihe.
Der Verein iſt Mitglied des Mittelrheiniſchen Ver=
bindet
mit der Stiftungsfeier des Mainzer Vereins die
Feier ſeines 19. Verbandsfeſtes. Die Vorbereitungen
der Feier, welche nach einem Feſtgottesdienſt in der
Chriſtuskirche im evangeliſchen Vereinshauſe und im
großen Saale der Stadthalle gehalten wird, ſind bereits
erledigt.
Mainz, 18. Mai. Der Gemeindeeinnehmer Junker
aus Koſtheim wurde heute abend wegen bedeutender
Unterſchlagungen verhaftet.
Alzey, 18. Mai. Die lang gewünſchte, lang erſehnte
Ueberdachung des Bahnſteigs iſt dieſer Tage
aus Kreuznach eingetroffen, und gegenwärtig iſt man
damit beſchäftigt, wenigſtens an der rechten Seite des
Bahnhofsgebäudes, dieſe aufzubauen.
Lich, 19. Mai. Die Hochzeit der Prinzeſſin
Dorothea zu Solms=Hohenſolms=Lich mit dem
Prinzen Hermann zu Stolberg=Wernigerode=Gedern,
Herr auf Radenz in der Provinz. Poſen, findet im
hieſigen Schloſſe am 24. Mai ſtatt. Die Hochzeitsfeier=
lichkeiten
werden am 23. Mai durch einen Polterabend
eingeleitet.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 18. Mai. Der zweite
Pfingſtfeiertag brachte die bisher überhaupt dageweſene
größte Verkehrsziffer im Berliner Stadt= und
Vorortbetriebe. Während am zweiten Pfingſtfeiertage
Gemäldeausſtellung von H. Schlegel und des vorigen Jahres, dem bis dahin ſtärkſten Verkehrstage,
1690000 Perſonen in den Zügen der Stadt=, Ring= und
Vorortbahnen befördert wurden, wuchs dieſe Zahl am
Eberſtadt, 19. Mai. Man ſchreibt uns: In den diesjährigen Pfingſtmontag auf 1916000. Der Chef der
Berliner Kriminalpolizei hat dem Miniſter des Innern
eine Denkſchrift überreicht, in der Reformen bei der
Feuerwehrtag abgehalten. Unſere Freiwillige Kriminalpolizei vorgeſchlagen werden. Zur
Flucht des Architekten Sckerl verlautet noch,
zialverband angeſchloſſenen Wehren zugeſtellt, von etwa 115000 Mark bares Geld mit ſich genommen, und
zwar ſind dies die Gelder, die ihm am Tage der Flucht auf
gemeldet haben. Das Programm ſieht unter anderem ſeine Hypotheken ausgezahlt wurden. Für die übrigen
Schuldbeträge iſt in dem Vermögen, das der Flüchtige zu=
rückgelaſſen
hat und in Hypotheken uſw. Deckung vorhan=
und abends Feſtkommers unter Mitwirkung der hieſi= den. Sckerl iſt anſcheinend nach dem Ausland geflüchtet:
den er ſeiner Frau geſchrieben hat. Der Mord von
ſchenkel in Erinnerung gebracht, der geſtern in der Spre
zert. Abends ſind Feſtbälle in zwei hieſigen Gaſthäu= gefunden wurde. Die Leichenſchau ergab, daß das Glied
Jahres waren mehrere zerſtückelte Körperteile in der
Nähe des geſtrigen Fundortes aus der Spree gezogen
Goslar, 17. Mai. Das Breite Toor, der Ein
ſorgt. Unſere Einwohnerſchaft hegt eine herzliche Sym=1 den. Adolf Wilbrandt hat die ſchloßartige Wohnung
macht. Als am Pfingſtſamstag während eines heftigen
tönte und ſich die Kunde verbreitete, im Rißlingſcher
nächſten Monat und wird längere Zeit in Anſpruch 1 men ſchon zur Turmſpitze heraus. Da der als Scheuer
nehmen. Der Fuhrwerksverkehr wird in dieſer Zeit eines Oekonomen dienende Turm vollſtändig leer war,
Jahren einmal vom Blitz getroffen worden. Damals
Oldenburg, 17. Mai. Als am Samstag Groß
rin mit ihrem En kel, dem 12jährigen Erbgroßher=
zog
Nikolaus von Oldenburg, in Rabenſteinfeld eine

Großherzogliches Hoftheater.
Mittwoch, den 18. Mai.
Der Barbier von Sevilla‟
W-l. Vor anſcheinend ausverkauftem Hauſe fand
heute in dem Rahmen einer Schüler= und Volksvor=
ſtellung
eine Wiederaufführung von Roſſinis Oper
Der Barbier von Sevilla ſtatt. Die Vor=
ſtellung
hatte offenbar durch das Gaſtſpiel des Frl.
Birgit Engell vom Hoftheater in Wiesbaden als
Roſine erhöhte Anziehungskraft erhalten. Wir ſtellen
es uns als das Ideal des Komponiſten vor, daß ſich in
dieſer auch muſikaliſch beſonders liebevoll behandelten
und bevorzugten Mädchengeſtalt die Grazie und der
Humor ſeiner Muſit verkörpern und konzentrieren.
Dieſem Ideal entſprachen von den Künſtlerinnen, die
hier gaſtiert haben, etwa Franziska Wedekind und
Sigrid Arnoldſon. Ihnen reihte ſich nun Frl. Birgit
Engell aus Wiesbaden an, die, wie jene, alle äußeren
Vorzüge und Reize beſitzt, die zur Verkörperung dieſes
graziöſen Kindes der Roſſiniſchen Muſe nötig ſind und
zwar noch mit dem einen Vorzuge, daß ſie den Typus
der dunkeläugigen Spanierin raſſiger darſtellt. In
ihrer Auffaſſung und Darſtellung tritt im Gegenſatz zu
der Ausgelaſſenheit und Durchtriebenheit anderer
Repräſentantinnen dieſer Rolle mehr ein Zug vor=
nehmer
Reſerve in den Vordergrund, dafür aber läßt
ſie an ihrem ſehr beweglichen, ausdrucks= und nuancen=
reichen
Mienenſpiel die völlige innere Anteilnahme, das
ſeeliſche Durchleben aller Vorgänge erkennen, wodurch
ſich ihre Darſtellung in dem Spiegel einer liebenswür=
digen
Perſönlichkeit außerordentlich intereſſant geſtaltet.
Ihre Koloratur iſt ſchlechthin vollendet und ihre meiſter=
hafte
Geſangstechnik, die ſich auch in dem als Zugabe
geſungenen Walzerlied Leſtaſi von Arditi und in der
Behandlung der Kopftöne in glänzender Weiſe be=
tätigte
, feierte große Triumphe. Dagegen iſt die tiefere
Lage der Stimme weniger reich ansgeſtattet. Die
fliebenswürdige Künſtlerin mußte vielfachen Hervor=
ufen
des begeiſterten Vublikums Folge leiſten.

In der Beſetzung der übrigen Partien war keine
Veränderung eingetreten. Den Figaro ſang wie=
der
Herr Weber, den Almaviva Herr Hacker, den
Bartolo Herr Hoff und den Baſilio Herr Stephani.

Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
A. K. Vom Kometen Halley. Nachdem der
18. und 19. Mai verſtrichen ſind, haben wir wenigſtens
die Ausſicht, das berühmte Geſtirn nach einigen Tagen
aus größerer Entfernung erfolgreicher als bisher be=
obachten
zu können. Man wende daher an den Aben=
den
vom 2 2. Mai an ſeine Aufmerkſamkeit auf den
Weſthimmel, an dem man den Kometen, in ſeinem

nerchiſtreſlet wird beobachten können. Einer Verech=
diejenige
der Sterne erſter Größe übertreffen; am 2.
Juni dieſe noch erreichen, am 6. Juni auf 1.5., am 11.
auf 2.0 und am 29. Juni auf 3.0 herabſinken. Der Ko=
met
Halley bleibt infolgedeſſen längere Zeit für das
unbewaffnete Auge ſichtbar.
* Der Hiſtorien= und Genremaler Pro=
feſſor
Franz Skarbina iſt, wie ſchon gemeldet,
am Mittwoch in Berlin geſtorben. Franz Skarbina
war am 24. Februar 1849 zu Berlin geboren, er beſuchte
dort die Kunſtakademie und hatte ſeit 1871 ein eigenes
Atelier. Von Einfluß auf ſeine künſtleriſche Entwick=
lung
waren Reiſen nach Belgien, Holland, Frankreich,
England und beſonders ein einjähriger Aufenthalt in
Paris. 1880 wurde er Lehrer des anatomiſchen Zeich=
nens
an der Berliner Akademie, 1888 Profeſſor, 1892
Mitglied der kgl. Akademie der Künſte, 1893 legte er
ſein Lehramt nieder. Von 1872 bis 1878 trat er mit
Genrebildern aus dem modernen Leben an die Oeffent=
lichkeit
, wie: Vor dem Hotel, Strategiſche Studien, An=
trittsviſite
, Kartenſpielende Spießbürger. Seit 1878 bis
etwa 1882 wählte er vielfach Motive aus der Zeit des
Empire und Rokoko, hierher gehören: Annäherungsver=
ſuche
, Seelenaustauſch, Ueberredungskünſte und Intime

Cauſerie, zwei Aquarelle, von denen das letztere in der
Berliner Nationalgalerie hängt. Aus den 80er und
dem Anfange der 90er Jahre ſtammen Bilder mit
Motiven aus Helgoland und Belgien: Mittags 12 Uhr
in Oſtende, Fiſchauktion in Blankenberghe, Nach dem
Heringsfang, Belgiſches Kabarett (Dresdener Galerie)
Ferner ſind zu nennen: Blick auf Paris vom Mont=
martre
, Küchenhof eines bretoniſchen Hotels, Hof einer
Ferme in der Picardie (Münchener Pinakothek), Motive
aus Alt=Hamburg für die dortige Kunſthalle, Berliner
Weihnachtsmarkt und Alt=Berlin; Ein Blick ause
Kaiſers Fenſter, ein Aquarell, das Wilhelm I. in ſeinem
letzten Lebensjahr erwarb, Die alte Wieſe in Karlsbad
mit dem Gewoge der Kurgäſte, Der Poſthof in Karls=
bad
(Magdeburger Muſeum), Glückliche Stunden.
Spitzenklöpplerinnen in Brügge (Berliner National=
galerie
), Allerſeelentag, Abend im Dorfe ( National=
galerie
). Skarbina ſchloß ſich vorübergehend dem
Naturalismus und dem Impreſſionismus an und
wurde als Oel= und Aquarellmaler gleich geſchätzt.
* Paris, 18. Mai. Die berühmte Sängerin
Pauline Biardot iſt im 89. Lebensjahre geſtor=
ben
. Michelle Pauline Viardot=Garcia, die Tochter
des Opernſängers und Geſangslehrers Manuel Garei=
des
Aelteren, war in Paris geboren. Sie lebte mi
ihren Eltern bis 1828 in England, den Vereinigten
Staaten und Mexiko. 1839 betrat ſie in London die
Bühne der Italieniſchen Oper, 1840 ſang ſie mit gro=
ßem
Erfolg an der Pariſer Italieniſchen Oper. Nun
begannen ihre Kunſtreiſen durch Europa, die ihr außer=
ordentliche
Erfolge brachten. Später zog ſie ſich von
der Bühne zurück und war nach 1862 Geſangslehrerin
in Baden=Baden. Seit 1871 lebte ſie meiſt in Pari=
als
Geſangs= und Klavierlehrerin, wie auch als Kom=
poniſtin
tätig. Ihrer 1840 geſchloſſenen Ehe mit dem
Kunſtſchriftſteller Viardot entſtammten vier Kinder;
zwei ihrer Töchter, ſind als Konzertſängerinnen, eine
iſt als Komponiſtin bekannt geworden, ihr Sohn Paul
hat ſich als Violiniſt einen Namen gemacht.

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 20. Mai 1910.

Nummer 115.

Anderſahrt auf dem Schweriner Se unternehmen
wollte, kenterte das Boot beim Beſteigen und die
Großherzogin fiel vom Steg in das tiefe Waſſer. Der
noch auf dem Steg befindliche Erbgroßherzog ließ ſich
nachgleiten und es gelang ihm, die Großherzogin wie=
der
an den Steg heranzuziehen, ſodaß ſie ſich feſthalten
konnte. Der Erbgroßherzog kletterte alsdann zurück
und zog die Großherzogin bis an eine Stelle, wo ſie
einen Stützpunkt für die Füße fand. Der junge Prinz
war außerſtande, die Großherzogin allein heraufzu=
ziehen
; er lief nun zu dem fünf Minuten entfernten
Palais, holte Leute herbei, mit deren Hilfe es gelang,
die Großherzogin aus ihrer Lage zu befreien. Der
Großherzog von Mecklenburg=Schwerin hat dem Erb=
großherzog
von Oldenburg, der jetzt 12 Jahre alt iſt,
die mecklenburgiſche Rettungsmedaille ver=
liehen
.
Kiel, 19. Mai. Die hieſige Strafkammer verur=
teilte
wegen öffentlichen Aufruhrs, Widerſtandes gegen die
Staatsgewalt und tätlichen Angriffes bezw. Beleidigung
zwei Arbeiter zu 1 Jahr 3 Monaten, einen zu 1 Jahr
4 Monaten und zwei zu 10 Monaten Gefängnis. Die An=
geklagten
hatten an der Zuſammenrottung teilgenommen,
die am 15. Februar in Neumünſter ſtattfand und bei der
verſchiedene Polizeibeamte durch Werfen mit Flaſchen,
Eiſenſtücken uſw. verletzt wurden.
Fünfkirchen (Ungarn), 18. Mai. In der Szaß=
varer
Kohlengrube ereignete ſich heute eine Explo=
ſion
ſchlagender Wetter. Vier Arbeiter wur=
den
getötet, 17 Arbeiter und ein Aufſeher befinden ſich
noch in der Grube.
Rom, 19. Mai. Geſtern früh fand die ſtandesamt=
liche
Trauung der Frau Nora v. Siemens mit
dem General Fecia di Coſſato ſtatt; letzterer hatte, un=
längſt
die Ehre der Dame mit der Waffe gegen den
Abgeordneten Chieſa verteidigt.
Paris, 19. Mai. Einigen Blättern zufolge wurden
an zwanzig Perſonen, Bedienſtete der Schlafwagenge=
ſellſchaft
, Lieferanten und Gaſtwirte, verhaftet, die
beſchuldigt ſind, zum Schaden dieſer Geſellſchaft bedeu=
tende
Diebſtähle und Unterſchlagungen
verübt zu haben. Die Verhaftung mehrerer Hehler,
die von den Schlafwagenbedienſteten geſtohlene Schmuck=
gegenſtände
angekauft haben, ſteht unmittelbar bevor.
Paris, 19. Mai. Wie aus Toulouſe gemeldet
wird, hat ein heftiges, ſeit 48 Stunden andauerndes Un=
wetter
in mehreren Departements Südfrankreichs großen
Schaden angerichtet. In Arras und Lille wurden mehrere
Perſonen vom Blitz getroffen und zwei derſelben getötet.
Petersburg, 19. Mai. In der vorigen Nacht iſt in dem
Narva=Stadtteile ein Brand ausgebrochen, der
über 20 von Arbeitern bewohnte Häuſer einäſcherte. 500
Menſchen ſind obdachlos.
Havanna, 18. Mai. In Pinar del Rio explodierte
in der Kaſerne der Landpolizei Dynamit. 100 Per=
ſonen
ſollen getötet und 50 verletzt worden ſein.

Parlamentariſches.
*X* Darmſtadt, 19. Mai. Der Finanzaus=
ſchuß
der Zweiten Kammer beſchäftigte ſich heute
in Abweſenheit der Regierung noch einmal mit der Frage
der Gewerbeſteuer in der Regierungsvorlage über
die Gemeindeumlagenreform. Es wurde beſon=
ders
das Schreiben des Miniſteriums vom 31. Dezember
1909 beſprochen, in welchem die Regierung zu den Be=
ſchlüſſen
der Handelskammern Stellung genommen hatte.
In dieſem Schreiben erklärt das Miniſterium, es verkenne
nicht, daß nach dem Tarif des Entwurfs bei Berechnung
der Gewerbeſteuer ſich Beträge ergeben würden, die die
Gewerbeſteuer als eine progreſſive Ertragsſteuer erſcheinen
ließen. Die Regierung habe deshalb, wenn man den allzu
ſtark erhöhenden Einfluß des Ertrages beſeitigen wolle,
eine andere Skala in Ausſicht genommen. Dieſe veränderte
Skala würde ſich wie folgt ſtellen: Berechnet ſich der Ertrag
des Gewerbebetriebs im abgelaufenen Geſchäftsjahr auf
mehr als 5 Prozent des rauhen Wertes, ſo iſt bei einem
Mehrertrag von weniger als 500 Mark das Einfache des
Mehrertrages, bei einem Zuſchlag von 5001000 Mark das
Zweifache des Mehrertrages, bei 10001500 Mark das
Dreifache, bei 15002000 Mark das Vierfache, bei 2000 bis
2500 Mark das Fünffache, bei 25003000 Mark das Sechs=
fache
, bei 30004000 Mark das Siebenfache, bei 4000 bis
6000 Mark das Achtfache, bei 600010 000 Mark das Neun=
fache
und bei mehr als 10000 Mark das Zehnfache des
Mehrertrags zu rechnen. Durch dieſe Skala würde erreicht
werden, daß die großen Betriebe weniger ſtark mehrbelaſtet
werden, als nach dem Regierungsentwurf, aber ſtärker
mehrbelaſtet als nach dem Vorſchlag der Handelskammern.
Die Betriebe mit Mehrerträgniſſen bis zu 3000 Mark wür=
den
gegenüber dem Regierungsentwurf ebenfalls noch
etwas entlaſtet werden. Ueber dieſen Regierungsentwurf
wurde heute im Ausſchuß eingehend diskutiert und es
konnte konſtatiert werden, daß eine gewiſſe Geneigtheit
im Ausſchuß vorhanden iſt, dieſen neuen Sätzen zuzuſtim=
men
. Abg. Molthan wünſchte deshalb auch gleich die
Vornahme der Abſtimmung, während die Abgg. Dr.
Oſann und Reinhart die Abſtimmung bis zum näch=
ſten
Dienstag vertagt wiſſen wollten, da den Mitgliedern

Kleines Feuilleton.
C. K. Modernſter Parlamentarismus im
dunkelſten Afrika. In der ethnographiſchen Abtei=
lung
des Britiſchen Muſeums in London hat E. Torday
eine reichhaltige Sammlung von Handwerksgerät und von
primitiven Kunſtwerken ausgeſtellt, die der Gelehrte von
ſeiner Forſchungsreiſe durch das mittlere Kongogebiet mit
heimgebracht hat. Der Forſcher hat die Ausſtellung mit ei=
nigen
intereſſanten Bemerkungen begleitet; während ſeiner
Fahrt durch den dunklen Weltteil war er eine Zeit lang der
Gaſt des Buſchongoſtammes im Herzen des Kongogebietes.
Dies merkwürdige Volk, das den fremden Reiſenden mit
der größten Gaſtlichkeit aufnahm, zeigt eine überraſchend
hohe Ziviliſation. Der Staat wird parlamentariſch re=
giert
. Sie haben ein regelrechtes Zweikammerſyſtem: eine
Art Herrenhaus, das ſich aus 6 Männern und 2 Frauen
königlichen Geblütes zuſammenſetzt, und ein Abgeordneten=
haus
, dem 120 Männer und 30 Frauen angehören. Wenn
der Stamm in den Krieg ziehen will, iſt dazu die Zuſtim=
mung
einer der Frauen des Herrenhauſes notwendig. Die
Zuſtimmung iſt erteilt, wenn eine der Frauen des Herren=
hauſes
eine um ihren Hals geſchlungene Bogenſehne vom
Nacken löſt und ſie dem General übergibt. Jeder Mann
bei den Buſchongos beſitzt nur eine Frau und ſie iſt kei=
neswegs
ſeine Sklavin. Seine Pflicht iſt es, zu jagen, die
ihre, daheim die Nahrung zu bereiten; wenn einer der
beiden Gatten ſeine Pflichten vernachläſſigt, ſo gilt der
Ehevertrag als gebrochen und der benachteiligte Gatte iſt
frei. Eine Statue des Nationalhelden dieſes Volkes, des
großen Häuptlings Shamba, habe ich im Muſeum aus=
geſtellt
. Der große Herrſcher lebte um 1600, er gilt in
dem Volke noch heute als ein Weiſer und viele ſeiner Aus=

des Ausſchuſes doch Gelegenheit zu genauerer Nachpri=
fung
der jetzt erſt von der Regierung gegebenen Zahlen
geboten werden müſſe. Bei der großen Wichtigkeit dieſes
ganzen Tarifs ſei doch eine gründliche Erwägung und er=
neute
Prüfung der von den Handelskammern gemachten
Einwendungen dringend erforderlich. Der Ausſchuß ent=
ſchied
ſich in letzterem Sinne und wird am nächſten Diens=
tag
über die neue Skala die Entſcheidung treffen.

Kongreſſe und Verbandstage
Weltkonferenz der Jungfrauenvereine.
* Berlin, 19. Mai. Heute mittag wurde hier die
vierte Weltkonferenz der Jungfrauenver=
eine
in Gegenwart der Kaiſerin durch Frau Kul=
tusminiſter
v. Trott zu Solz feierlich eröffnet. Auf
der Konferenz ſind 22 Länder mit 850 Delegierten ver=
treten
. Die Kaiſerin wurde von dem Vorſitzenden der
Jungfrauenvereine Deutſchlands, Burkhard, empfangen;
ſie ließ ſich eine Anzahl Mitglieder des Weltbundvor=
ſtandes
vorſtellen. Staatsſekretär Dr. Delbrück be=
grüßte
die Verſammlung im Auftrage des Reichskanz=
lers
und namens der Reichsregierung. Miniſteriall=
direktor
von CChappuis hieß die Teilnehmer namens des
Kultusminiſters und der königlich=preußiſchen Staats=
regierung
willkommen. Sodann nahm die Verſamm=
lung
die Berichte des Weltbundvorſtandes entgegen.
Schon vorher hatte Oberhofprediger Dryander die
Grüße und Wünſche des evangeliſch=kirchlichen Aus=
ſchuſſes
und des evangeliſchen Oberkirchenrates über=
bracht
.
Hauptverſammlung deutſcher Chemiker.
* München, 19. Mai. Heute wurde hier die
Hauptverſammlung deutſcher Chemiker
durch Geheimrat Duisberg=Elberfeld eröffnet. Nach der
Abſendung eines Huldigungstelegrammes an den Kaiſer
und an den Prinzregenten von Bayern begrüßte Prinz
Ludwig von Bayern die Verſammlung, wobei er auf
die Verdienſte Liebigs, bei dem er ſelbſt Chemie gehört
hatte, und auf die Verdienſte von deſſen Nachfolger, Ge=
heimrat
Bayer, hinwies. Sodann ergriff Geheimrat
Duisberg das Wort und feierte gleichfalls die Ver=
dienſte
Bayers; er teilte mit, daß er eine Adolf vom
Bayer=Plakette geſtiftet habe, die dem Preisträger der
Duisberg=Stiftung verliehen werden ſolle, und daß er zeichnet werden, an der ſich etwa 80 Teilnehmer mit 19
die im vorigen Jahre ins Leben gerufene Duisberg=
Stiftung zur Förderung der Fortſchritte auf pharma=
zeutiſch
=chemiſchem und farbenchemiſchem Gebiete um
10000 Mark, auf 30000 Mark, erhöhte. Darauf dankte
Geheimrat von Bayer in herzlichen Worten und be=
grüßte
die Verſammlung namens der Ortsgruppe
München.
Der Verein für das Deutſchtum im Anslande.
* Der Verein für das Deutſchtum im Auslande,
geſchloſſene Sitzung ab. Darüber meldet ein Privat=
telegramm
: In der Delegiertenverſammlung wurde der Fahrt noch lange eine angenehme Erinnerung bleiben
Jahresbericht entgegengenommen und die Jahresrech=
nung
für 1909 ſowie der Voranſchlag für das Jahr 1910
genehmigt. Mit Befriedigung konnte ein großer Auf= Toür beteiligten.
ſchwung der Vereinstätigkeit in der Berichtsperiode feſt=
geſtellt
werden. An neuen Mitgliedern traten im Jahre
1909: 4186 ein. Dementſprechend ſtiegen auch die Bei=
träge
, die Unterſtützungen und das Vereinsvermögen‟
zur Steigerung der Werbetätigkeit eine Vermehrungf gang zwiſchen der Erde und Sonne iſt am Donnerstag
der Frauengruppen beſchloſſen. Nach Erledigung einer
Reihe interner und vertraulicher Geſchäftsangelegen=
heiten
wurde der bisherige Hauptvorſtand wiederge= ſpürt. Alle Meldungen, mit Ausnahme einer ſolchen
wählt und als Ort der nächſten Tagung im Jahre 1911 von der Sternwarte in Williamsburg (Wisconſin), ſtim=
Koblenz feſtgeſetzt.
XIV. Internationaler Preſſekongreß.
* Trieſt, 18. Mai. Die Teilnehmer des 14. In=
ternationalen
Preſſekongreſſes wurden der Sternwarte ſchwebte ſeit dem Nachmittage in einer
heute vormittag im Gebäude des Oeſterreichiſchen Lloyd
vom Statthalter, Prinzen Hohenlohe, dem Landes=
Derſchatta und dem Bürgermeiſter Valerio begrüßt. Stunde vor Mitternacht Profeſſor Berſon und Dr.
bei dem die Obengenannten Begrüßungsreden hielten.
Rizzi feierte die Preſſe, die eine vornehme Aufgabe auf mit Inſtrumenten für luftelektriſche Meſſungen, Staub=
ziviliſatoriſchem
und fortſchrittlichem Gebiete erfülle.
Bürgermeiſter Valerio begrüßte die Gäſte im Namen wurden aber keine Reſultate verzeichnet. Auf dem
der Stadt Trieſt, Statthalter Prinz zu Hohenlohe im
Namen der geſamten Regierung. Der Präſident Sin= Potsdam waren die Beobachtungen etwaiger mit
freundſchaft der Stadt Trieſt. Er führte aus, die Auf=
gabe
des Kongreſſes ſei es, die Preſſeſolidariſch der Phänome durch Wolken ſtark behindert. Es konn=
zu
machen in bezug auf Ehre, Gerechtigkeit, guten Glau=
ben
und internationale Freundſchaft. Durch ſeine Or= ungen bemerkt werden, namentlich ließen ſich auch wäh=
die
Liebe zum eigenen Vaterlande und die Verteidigung
der eigenen politiſchen und philoſophiſchen Ideen nicht
den Haß gegeneinander und die Ungerechtigkeit eines
wilden Egoismus zur Folge haben dürften. Der Zu=
ſammenſtoß
der Intereſſen müſſe vermenſchlicht und die Wolkenlücken ſichtbar; auf der Scheibe wurden mehrere
Beruhigung zwiſchen den einzelnen und den Nationen

ſprüche gehen von Mund zu Mund und ſind im Volke zu
Sprichwörtern geworden.
* Eine engliſche Trauerbriefmarke. Die
Briefmarkenſammler haben Glück. Am 10. Mai, alſo we=
nige
Tage vor dem Tode König Eduards, gelangte in
England eine neue Freimarke zur Ausgabe, die den Kopf
des verſtorbenen Monarchen aufweiſt, aber in ſchwarz=
grauer
Farbe gehalten iſt. Die Marke hat einen Wert von
7 Pens, und da ſie zufälliger Weiſe in dunklem Ton ge=
halten
iſt, ſo wird ſie offiziell als die Trauermarke bezeich=
net
und natürlich in ganz kurzer Zeit einen hohen Samm=
lerwert
erhalten, beſonders, da ſchon jetzt Vorkehrungen
getroffen werden, um die neuen Briefmarken mit dem
Kopfe Georgs V. in allernächſter Zeit in Zirkulation zu
bringen.
* Ein indiſcher Fürſt in Berlin. Der
Maharadſcha von Nabha, ein Vaſallenfürſt des indi=
ſchen
Reiches, der gleichfalls Thronfolger des Maha=
radſcha
von Kaſchmir iſt, hält ſich zurzeit in Berlin auſ.
Der Maharadſcha, einer der reichſten Fürſten Indiens,
deſſen Vermögen ſich auf Hunderte von Millionen be=
läuft
, hat Berlin aufgeſucht, um hier einen bedeutenden
Spezialiſten zu befragen. Er befindet ſich zum erſten
Male in Europa, iſt vor wenigen Tagen in Brindiſi
gelandet und hat ſich über Wien nach Berlin begeben.
Hier wohnt er mit ſeinem aus acht Herren beſtehenden
Gefolge im Hotel Adlon. Bei ſeinen Spaziergängen
Unter den Linden erregt er und ſeine braunen Beglei=
ter
, die zum größten Teil den Turban tragen, natür=
lich
allgemeines Intereſſe.
* Beim Krämer. Hundekuchen führen Sie
wohl nicht in dieſem elenden Neſt? O doch, Herr!
Wollen Sie ſie in einer Tüte oder gleich hier eſſen?

gefördert werden. Heute abend fand ein Empfang
beim Statthalter und Feſtvorſtellung im Teatro
Verdi ſtatt.

Luftſchiffahrt.
* Darmſtadt, 18. Mai. Herr Euler hat heute
abend einen ſchönen Flug mit einer neuen Maſchine in
einer Höhe von 250 Metern bis weit aus dem Platz
heraus gemacht. Ferner führte er einen Gleitflug
aus mit abgeſtelltem Motor aus einer Höhe von 100
Metern. Etwa 100 Offiziere wohnten dieſen Flügen
bei.
* Die Ballon=Weitfahrt des Berliner
Vereinsfür Luftſchiffahrt, die Dienstag nach=
mittag
infolge der ungünſtigen Witterung hatte abge=
ſagt
werden müſſen, nahm Mittwoch früh von dem Sport=
platz
des Vereins bei Schmargendorf=Berlin ihren An=
fang
. Von den 13 gemeldeten Ballons fehlten der Bal=
lon
Magdeburg (Führer Dr. Everth) und Ballon
Hewald (Führer v. Iring). Die übrigen ſtiegen in
der Zeit von ¾9 bis ½11 Uhr auf und ſchlugen weſt=
liche
Richtung ein, entſchwanden jedoch bald den
Blicken der Zuſchauer in den Wolken. Es herrſchte eine
lebhaftere Luftſtrömung, ſo daß die Ballons voraus=
ſichtlich
noch am Abend die franzöſiſche Grenze erreichen
oder überſchritten haben dürften.
* Paris, 18. Mai. Der Miniſter der öffentlichen
Arbeiten Millerand eröffnete heute die 1. Luftſchiff=
fahrts
=Konferenz. Millerand wies auf die=
Notwendigkeit hin, für die Luftſchiffe ein Reglement
aufzuſtellen. Die Teilnehmer an der Konferenz wür=
den
zahlreiche einander entgegenſtehende Forderungen
auszugleichen haben und bei der gegenwärtigen Regel=
ung
auch der Zukunft, die noch manche Ueberraſchung
auf dem Gebiete der Luftſchiffahrt bringen werde, Rech=
nung
tragen müſſen. Auf der Konferenz ſind insgeſamt
18 Staaten vertreten. Die Konferenz ernannte Rénault
zum Präſidenten und Dr. Kriege (Deutſchland) zum
Vizepräſidenten.

Sport.
Die Pfingſtwanderfahrt des Gaues=9
des Deutſchen Radfahrerbundes nach dem
Lahntal darf als eine wohlgelungene Veranſtaltung be=
Damen beteiligten. Von der Waſſerſcheide des Taunus
bis ins Laubustal gab es aufgeweichte Straßen und in
Rod a. d. Weil mußte wegen Gewitter längere Raſt ge=
macht
werden. Der vom R.=V. Limburg am Pfingſtſonn=
tag
veranſtaltete Kommers war recht gut beſucht und ver=
lief
in recht gemütlicher Stimmung. Die Rückfahrt am
Pfingſtmontag durch das Aartal, der Beſuch der alten
Burg Hohlenfels und die Schlußfeier in der Adolfshöhe‟
zu Wiesbaden waren vom herrlichſten Wetter begünſtigt,
der gegenwärtig in Regensburg tagt, hielt eine die Verpflegung war überall vorzüglich, desgleichen die
Nachtquartiere in Limburg, ſo daß den Teilnehmern dieſe
wird. Beſondere Anerkennung wurde den Damen zuteil,
welche ſich in mutiger und ausdauernder Weiſe an der
LDer Durchgang des Halleyſchen Kometen.
* Nach den bisher vorliegenden Meldungen hat der
Halleyſche Komet den Erdenbewohnern eine ſchwere
Im Verlauf der Debatte über den Jahresbericht wurde Enttäuſchung bereitet; denn von ihm und ſeinem Durch=
früh
nichts bemerkt worden, ebenſvwenig hat man von
irgend welchen Folgen dieſes Durchgangs etwas ver=
men
darin überein, daß nichts zu ſehen geweſen iſt.
In Berlin hatte ſich eine gewaltige Menſchenmenge
zu der Treptower Sternwarte gedrängt, um die
etwaigen nächtlichen Vorgänge zu beobachten. Ueber
Höhe von etwa 500 Metern ein kleiner Feſſelballon, der
die Luftelektrizität aufnahm. Von der Ballonhalle des
hauptmann von Iſtrien, Rizzi, dem Lloydpräſidenten Berliner Vereins für Luftſchiffahrt ſtiegen eine halbe
Heute mittag verſammelten ſie ſich zu einem Bankett, Weidert mit dem Ballon Groß und Profeſſor Sührig
und Profeſſor Lüdening mit dem Ballon Hildebrandt
zählungen und photographiſche Aufnahmen auf. Es
aſtro=phyſikaliſchen Obſervatorium zu
ger erwiderte mit Worten des Dankes für die Gaſt= dem Durchgange des Halleyſchen Kometen
zwiſchen der Erde und der Sonne in Verbindung ſtehen=
ten
keinerlei außexgewöhnliche aſtronomiſche Erſchein=
ganiſation
ſei der heilige Gedanke durchgedrungen, daß rend der Nacht durch die zeitweiſe vorhandenen Wol=
kenlücken
keine Sternſchnuppen wahrnehmen. Während
der Zeit des Vorüberganges des Kometen vor der Son=
nenſcheibe
, der der Berechnung nach von 4½ bis 5½ Uhr
morgens erfolgen ſollte, war die Sonne mehrfach durch
große Sonnenfleckengruppen und Fackeln beobachtet;
von dem Kometen war nichts ſichtbar. Laut einer am
Donnerstag früh 5½ Uhr auf der Königſtuhlwarte
bei Heidelberg eingezogenen authentiſchen Aus=
kunft
ſind während der Nacht keinerlei elektri=
ſche
oder Lichterſcheinungen beobachtet worden,
die mit dem Paſſieren der Erde durch den Kometen=
ſchweif
in Zuſammenhang ſtehen könnten; auch konnte
weder mit dem großen Refraktor, noch mit dem kleine=
ren
Teleſkop von dem Durchgang des Kometenkernes
vor der Sonnenſcheibe in der fraglichen Zeit von 4½
bis 5½ Uhr die mindeſte Spur wahrgenommen
werden. Auch die aus den verſchiedenen Teilen
des Reiches und vom Auslande vorliegenden
Meldungen beſtätigen vollauf die Vorausſage der ſach=
kundigen
Perſönlichkeiten, daß der Durchgang der Erde
durch den Schweif des Halleyſchen Kometen zu keinerlei
nennenswerten Erſcheinungen Anlaß gebe. Das Er=
gebnis
der Beobachtungen iſt allenthalben ein nega=
tives
geweſen. Telegraphenſtörungen ſind, wie amt=
licherſeits
mitgeteilt wird, nicht eingetreten.
In Wien war, um den Kometen zu beobachten,
Donnerstag nacht die halbe Stadt auf den Beinen.
Alle wichtigen Höhenpunkte der Umgebung der Stadt
waren von dichten Menſchenmengen beſetzt. Auch mehrere
Luftballons ſind behufs meteorologiſcher Beobachtungen
aufgeſtiegen. Leider war die Witterung derart ungün=
ſtig
, daß der Komet morgens ½3 Uhr nur ganz ſchwach
gezeichnet geſichtet werden konnte. Im Haupt= Tele=
graphenamt
waren gegen alle elektromagnetiſchen Stör=
ungen
Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden. Es
ſind aber keinerlei Störungen aufgetreten. In Paris
feierte man das Erſcheinen des Halleyſchen Kometen,
indem man die Nacht in den Kabaretts und den Nacht=
Reſtaurants zubrachte. Speziell auf dem Montmartre
war das Leben ein ſehr reges, Alle Reſtaurants blieben

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Seite 5

Nummer 115.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 20. Mai 1910.

bis zum Morgengrauen geöffnet. Nachts ging jedoch
ein furchtbares Gewitter nieder und der verdeckte Him=
mel
verhinderte eine Beobachtung des Kometen. Meh=
rere
Aſtronomen hatten ſich auf dem Eiffelturm einge=
funden
, indeſſen konnten ſie wegen des verdeckten Him=
mels
keine Beobachtungen machen. Andere Aſtronomen
hatten ſich auf der Sternwarte eingefunden, konnten
jedoch ebenfalls keine Beobachtungen vornehmen. Der
Schweizer Luftſchiffer=Klub hatte in Lauſanne einen
Aufſtieg zur Beobachtung des Kometen organiſiert. Um
Mitternacht ſtiegen zwei Aſtronomen der Genfer Stern=
warte
auf, um Beobachtungen anzuſtellen. Zahlreiche
Touriſten waren abends aufgebrochen, um von den
benachbarten Bergen das Erſcheinen des Kometen zu
beobachten.
Aus New=York wird der Frkf. Ztg. gemeldet:
Ein großer Teil der Bevölkerung Amerikas, beſonders
der Städte, blieb die ganze Nacht auf. Die hieſigen
öffentlichen Plätze und Brücken im Zentralpark waren
mit Tauſenden beſetzt, die bald nach Mitternacht lang=
ſam
auseinandergingen. Ein Chemiker in New=Jerſey
ließ insgeheim einen Ballon mit chemiſchen Präparaten
aufſteigen, die in ziemlicher Höhe explodierten und
einen Feuerregen herabfallen ließen, ſodaß auf. Meilen
in der Nachbarſchaft die Bevölkerung von Schrecken ge=
packt
wurde und den Weltuntergang für bevorſtehend
hielt. Die Bergleute in Pennſylvanien ſeierten, zogen
vielfach ihre ganzen Depoſiten aus den Sparbanken
und inſzenierten Orgien. Auch die Eiſenarbeiter ver=
weigerten
die Arbeit, ſodaß manche Etabliſſements ge=
ſchloſſen
werden mußten. Die Neger im Süden
ſind ſchon ſeit mehreren Tagen wie beſeſſen. Die dor=
tigen
Baumwollfabriken mußten geſchloſſen werden, da
die Arbeitskräfte wegblieben. Die Neger verblieben
dieſe Nacht größtenteils in den Kirchen. Die wiſſen=
ſchaftlichen
Beobachtungen ſcheinen nur geringe Aus=
beute
zu ergeben. Ein Nordlicht wurde in Visconſin
beobachtet. Amerikaniſche Aſtronomen, die nach Hono=
lulu
fuhren, um den Durchgang des Kometen vor der
Sonne zu beobachten, hatten keine Reſultate. Die Ob=
ſervatorien
im Weſten verzeichnen Sonnenflecke, be=
ſonders
St. Louis, wo dreißig Flecke beobachtet wurden,
davon einer mit 200000 Kilometern Durchmeſſer; die
anderen ſahen nur zwei oder drei größere Flecke.
* Hamburg, 19. Mai. Der geſtern nacht 12
Uhr zur Beobachtung des Kometen in Berlin auf=
geſtiegene
Ballon Groß iſt heute vormittag bei
Orth in der Nähe von Glückſtadt gelandet; die wiſſen=
ſchaftliche
Ausbeute ſoll recht ergiebig ſein.

Literariſches.
Chemie des täglichen und wirtſchaftlichen
Lebens. Von Prof. Dr. P. Mellmann, Direktor der
Königſtädtiſchen Oberrealſchule in Berlin. Zweite neube=
arbeitete
und erweiterte Auflage. Mit vielen Abbildungen.
Preis gebunden M. 2.75. Verlag der Modernen kauf män=
niſchen
Bibliothek (vorm. Dr. jur. Ludw. Huberti) G. m. b. H.,
Leipzig=R. Selten iſt uns ein ſo intereſſant und popuiär
geſchriebenes Buch wie das vorliegende in die Hand ge=
kommen
. Es wird ſich bald in allen Kreiſen der Bevöl=
kerung
zahlreiche Freunde verſchaffen, weil es jedem, ſelbſt
dem Fachmann, eine große Fülle des Intereſſanteſten und
Wiſſenswerteſten bringt. Die ausführliche Inhaltsan=
gabe
, die das Auffinden des Geſuchten erleichtert, dürfte
nicht wenig zu ſeinem praktiſchen Gebrauch beitragen.

Der Thronwechſel in England.
* London, 19. Mai. Verſchiedene Blätter be=
grüßen
in Leitartikeln die Ankunft Kaiſer Wil=
helms
. Daily Telegraph ſchreibt: Ritterlich=
keit
wurde mit Ritterlichkeit vergolten, als der Kaiſer
vor nahezu 10 Jahren bei einer ebenſo ernſten Ver=
anlaſſung
zu uns kam. Aufrichtige Anerkennung ſeiner
unvergeſſen gebliebenen Ritterlichkeit und verwandt=
ſchaftlichen
Gefühle bringen wir ihm auch jetzt wieder
aus vollem Herzen entgegen. Seit jener Zeit hat ſich in
bezug auf die Monarchen wie auch ſonſt in der Welt
vieles geändert, aber Kaiſer Wilhelm iſt im Verlaufe
dieſer Zeit nur als noch eine ſtärkere Perſönlichkett
hervorgetreten. Und wie er der Welt durch den Glanz
ſeiner jüngeren Jahre imponierte, ſo imponiert er ihr
jetzt noch mehr durch die Kraft ſeiner Selbſtbeherrſchung.
Seine Anweſenheit unter uns bedeutet mit den edelſten
Tribut, der dem Andenken König Eduards als Frie=
densſtifter
gezollt wird. Standard ſchreibt: Die
Ankunft des Kaiſers wird in dem engliſchen Volk die
Erinnerung an den rührenden Beſuch am Sterbebette
der Königin Viktoria neu beleben. Der Kaiſer wird in
England allgemein geachtet als Monarch, der ſeinen
hohen Beruf im großen Stil übt. Ebenſo hochſinnig in
der Oppoſition wie loyal in der Freundſchaft, iſt unſere
aufrichtige Hoffnung, daß ſeine Bemühungen um die
Herſtellung herzlicher Beziehungen zwiſchen zwei
großen Mlächten, die keinen Anlaß zum Streit und
manche Gründe für ein gutes Einvernehmen haben, von
Erfolg gekrönt ſein werden. In dem Artikel der
Daily Mail heißt es: Das britiſche Volk werde
dem Kaiſer Dank wiſſen für den ritterlichen Eifer,
ſeinem erlauchten Verwandten den Zoll von Anhäng=
lichkeit
und Hochachtung darzubringen. Der Kaiſer ſei
eins mit dem engliſchen Volk in jener Brüderlichklit
des Schmerzes, die in der Stunde des Todes alle
Gegenſätze auslöſcht.
* Sheerneß, 18. Mai. Die Jacht Hohen=
zollern
mit dem Kaiſer an Bord iſt in Be=
gleitung
des Kreuzers Königsberg und des Depe=
ſchenbootes
Sleipner kurz nach 6 Uhr abends hier
eingetroffen.
* London, 18. Mai. Auf Wunſch des deut=
ſchen
Kaiſers wurde bei der Ankunft der Hohen=
zollern
in Sheerneß kein Salut gefeuert. Die
deutſchen Kriegsſchiffe haben die Flaggen halbſtocks
geſetzt. Nachdem die Kaiſerjacht Hohenzollern am
Fort Viktoria vor Anker gegangen war, begab ſich Sir
Charles Drury, der Chef des Nordſeegeſchwaders, an
Bord der Jacht, um die Befehle des Kaiſers entgegen=
zunehmen
. Die Hohenzollern hat mit dem Fort
Viktoria direkte telegraphiſche und telephoniſche Ver=
bindung
.
* London, 18. Mai. Prinz Heinrich von
Preußen iſt heute abend hier eingetroffen; er begab
ſich nach dem Marlboroughouſe, wo er Wohnung nimmt.
* London, 18. Mai. Der Großherzog von
Heſſen, Prinz Max von Baden, Prinz Philipp und
Leopold von Sachſen=Koburg und Gotha, Prinz Carol
von Rumänien, der Kronprinz von Serbien, der Groß=
herzog
von Mecklenburg=Strelitz, ſowie der Kronprinz
von Schweden und Prinz Fuſhimi von Japan ſin=
heute
hier eingetroffen. Im Laufe des Nachmittags
ſind ferner eingetroffen: der König von Portugal, der
König der Belgier, Prinz Rupprecht von Bayern,
Prinz Heinrich der Niederlande, Miniſter Pichon, ſo=
wie
die franzöſiſche, ruſſiſche und türkiſche Abordnung.

* London 18. Mai. Königin Mary,Prinz
Heinrich von Preußen und der Großherzog
von Heſſen begaben ſich heute abend bald nach
10 Uhr nach der Weſtminſter Halle und verweilten in
ſtillem Gebet vor dem Sarge; ſpäter erſchien auch der
König von Portngal in der Weſtminſter Halle.
* London, 19. Mai. Kaiſer Wilhelm ging.
um 10 Uhr 25 Minuten in Port Viktoria an Land, um
im Sonderzuge nach London zu fahren.
* London, 19. Mai. Zum Empfange des
deutſchen Kaiſers waren auf dem Bahnhof an=
weſend
: König Georg, der Herzog von Cornwall, Prinz
Heinrich von Preußen, der Großherzog von Heſſen,
der Herzog von Connaught, Prinz Arthur von Con=
taught
, Prinz Chriſtian von Schleswig=Holſtein, Prinz
Franz von Teck, der Herzog von Argyll, der frühere
Botſchafter in Berlin, Sir Frank Lascelles, und das
Perſonal der kaiſerlichen Botſchaft.

Die perſiſche Frage.
* Petersburg, 19. Mai. Ein offiziöſer Ar=
tikel
der Roſſija beſchäftigt ſich mit der Frage der
perſiſchen Anleihen und führt aus: Rußland
und England hätten niemals die Kontrolle perſiſcher
Anleihen bei anderen Staaten beanſprucht; überhaupt habe
Perſien mit den beiden Staaten nur über ein kleines Dar=
lehen
verhandelt; zu deſſen Bedingungen habe auch die
Einſetzung einer Kommiſſion zur Beaufſichtigung der Ver=
wendung
des Darlehens gehört, wobei die Teilnahme der
Vertreter Rußlands nicht ins Auge gefaßt geweſen ſei, da
Perſien gegen ruſſiſche und engliſche Banken bedeutende
Schuldverpflichtungen eingegangen ſei. Es ſtehe beiden
Mächten unbeſtreitbar das Recht zu, darauf zu beſtehen,
daß Einnahmepoſten, durch welche dieſe Schulden ſicher=
geſtellt
worden ſeien, nicht als Garantien für neue Ver=
pflichtungen
dienen und daß die von dieſen Banken der
perſiſchen Regierung zu verſchiedenen Zeiten erteilten klei=
nen
Darlehen vorher in gebührender Weiſe formuliert und
ſichergeſtellt werden. Ebenſowenig ſei die Rede davon ge=
weſen
, die Handelsintereſſen des Dreibundes oder über=
haupt
irgend eines Staates zu beengen. Das engliſch= ruſ=
ſiſche
Abkommen von 1907 ſtelle klar das Prinzip glei=
cher
Rechte für Handel und Induſtrie aller
Völker in Perſien feſt, und die Handlungsweiſe
Rußlands wie Englands habe niemals in Widerſpruch
mit dieſen Prinzipien geſtanden.
Beide Staaten, beſonders Rußland, das gegen hun=
dert
Millionen für Perſien aufgewandt habe, hätten ein
unbezweifelbares Recht auf die politiſche Vorherr=
ſchaft
in Perſien und ebenſo das Recht, zu fordern, daß
ihre ſtrategiſchen Intereſſen in den ihren Grenzen benach=
barten
Rayons vollkommen geſichert werden. Dieſe An=
ſicht
teile offenbar die deutſche Regierung, wenig=
ſtens
berechtige zu dieſer Annahme die vom Reichskanzler
im Jahre 1909 im Reichstage abgegebene Erklärung, nach
welcher die deutſchen Intereſſen in Perſien ausſchließlich
wirtſchaftlicher Natur ſeien Demzufolge habe Deutſchland
ſchwerlich einen Grund, in dem Umſtande, daß die beiden
Mächte das Recht des Eiſenbahnbaues und einige andere
Konzeſſionen von gleichfalls politiſcher und ſtrategiſcher Be=
deutung
für ſich beanſpruchen, eine Verletzung der deutſchen
Rechte zu erblicken. Wenn Deutſchland geneigt ſei. Ruß=
lands
Vorrechte in Perſien und ſeine volle Bereitwilligkeit
anzuerkennen, den deutſchen Wünſchen hinſichtlich der Han=
delsintereſſen
entgegenzukommen, dann ſei ein zweifellos
günſtiger Boden für eine beide Teile vollkommen befrie=
digende
Verſtändigung über die perſiſchen Angelegenheiten
vorhanden.

Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 19. Mai. Das Militärwochenblatt
meldet: Oberſt Prinz Albert von Schleswig=
Holſtein=Sonderburg=Glücksburg, Kom=
mandeur
der 21. Kavallerie=Brigade, wurde zum Ge=
neralmajor
befördert.
* Berlin, 19. Mai. Die Beſſerung in dem Befinden
Robert Kochs hat ſehr erfreuliche Fortſchritte gemacht,
ſo daß der berühmte Gelehrte demnächſt eine Erholungs=
reiſe
antreten kann, und nach ſeiner Rückkehr die Hoffnung
beſteht, daß er ſeine Arbeit im vollen Umfange wieder
aufnehmen kann.
* Petersburg, 19. Mai. Eine Reviſion des künſtleri=
ſchen
Reſſorts hat ungeheure Mißbräuche feſtgeſtellt.
Aus vielen Muſeen der Stadt, aus der Kaiſerlichen Ere=
mitage
und aus der Akademie der Künſte ſind ſehr wert=
volle
Gemälde von Rubens, Rembrandt und anderen alten
Meiſtern geſtohlen und durch wertloſe Kopien erſetzt
worden.
* Havanna, 19. Mai. Die Dynamit= Explo=
ſion
in der Kaſerne der Landpolizei in Pinar del
Rio ereignete ſich, während die Arbeiter damit beſchäf=
tigt
waren, Dynamit in die Kaſerne hineinzuſchaffen.
Die Regierung hatte dieſe Maßnahme angeordnet,
weil ſie in Anbetracht der letzten Arbeiterunruhen in
den in der Stadt vorhandenen Dynamitmengen eine
Gefahr für die öffentliche Sicherheit erblickte. Es er=
folgten
zwei Exploſionen; im ganzen ſind 3000 Pfund
Dynamit explodiert. Man nimmt an, daß das Un=
glück
dadurch vergnlaßt wurde, daß ein Arbeiter eine
Kiſte mit Dynamit zur Erde fallen ließ. Es wird be=
ſtätigt
, daß hundert Perſonen umgekommen ſind,
ebenſo viele ſollen verletzt ſein. Die Mehrzahl der
Getöteten gehört der Landpolizei an, doch ſollen auch
ganze Familien von Polizeioffizieren und viele Ein=
wohner
der Stadt durch umherfliegende Trümmer von
Mauerwerk getötet worden ſein.

Schun

Weltberühmt ſind die Solinger Stahlwaren, des=
halb
wendet ſich mancher Käufer, dem es um echte
Solinger Schneidewaren zu tun iſt, an den dortigen
Fabrikanten. Hierbei wird auf das Inſerat in der
heutigen Nummer der Firma Fritz Hammesfahr,
Foche=Solingen, aufmerkſam gemacht.
(10475Mf

Todes-Anzeige.
Allen Verwandten, Freunden und Be=
kannten
die traurige Mitteilung, daß es Gott
dem Allmächtigen gefallen hat, meinen lieben
Gatten, unſeren treubeſorgten Vater, Sohn,
Schwiegerſohn, Schwager und Onkel
Junus Beilster
nach ſchwerem Leiden zu ſich zu rufen. (10478
Die trauernden Hinterbliebenen:
Eliſabeth Leißler, geb. Vogel,
Kath. Vogel Wwe., geb. Seip,
Familie Georg Vogel, Schneidermeiſter,
Anna Müller Wwe., Nieder=Ramſtadt.
Darmſtadt, den 19. Mai 1910.
Die Beerdigung findet ſtatt: Samstag, den
21. Mai, nachmittags 4 Uhr, vom Portale des
Friedhofes aus.

Bankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
an dem uns betroffenen ſchweren Verluſt ſagen
wir hiermit herzlichſten Dank
(10501
Charlotte Hess Wwe.
und Kinder.

Bankſagung.

Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
beim Hinſcheiden meines lieben Mannes, meines
Vaters, Bruders, Schwagers und Onkels (10512
Heinrich Jakob Weber
Privatier
ſagen wir Allen herzlichen Dank.
Im Namen der Hinterbliebenen:
Margarethe Weber, geb. Schneider.
Ludwig Weber.

Gottesdienſt bei der israelitiſchen Religionsgemeinde.
Hauptſynagoge (Friedrichſtraße 2).
Freitag, den 20. Mai 1910.
Vorabendgottesdienſt 7 Uhr 30 Min.
Samstag, den 21. Mai 1910.
Morgengottesdienſt 8 Uhr 30 Min. Sabbat=
ausgang
9 Uhr 10 Min.

Gottesdienſt in der Synagoge der israelitiſchen Religions=
geſellſchaft
.
Samstag, den 21. Mai.
Vorabend 7 Uhr 30 Min. Morgens 7 Uhr 30 Min.
Nachmittags 5 Uhr: Min. Sabbatausgang 9 Uhr
10 Min.
Wochengottesdienſt von Sonntag, den 22. Mai an:
Morgens 6 Uhr Min. Nachmittags 7sUhr Min.
Abends 9 Uhr 10 Min.
NB. Montag, den 23. Mai:
Taanis scheni.

Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Verlauf der Witterung ſeit geſtern früh: Ueber Nord=
oſteuropa
herrſcht fortgeſetzt hoher Druck, ſodaß das
heitere und trockene Wetter andauert. Die heutigen
Morgentemperaturen liegen bereits bei 20 Von dem
weſtlichen Tiefdruckgebiet dringen jetzt kleine Randwirbel
nach Deutſchland vor und bringen ſtärkere Gewitter=
neigung
.
Ausſichten in Heſſen für Freitag, den 20. Mai:
Zeitweiſe wolkig und vielerorts Gewitter, anhaltend
warm.

Tageskalender.
Hoftheater, Anfang 6 Uhr (C). Tannhäuſer
Gaſtſpiel von Otto Reutter um 8 Uhr im Orpheum.
Ausſtellung des Deutſchen Künſtlerbundes (geöffnet
von 107 Uhr).
Konzert um 7 Uhr im Ausſtellungsgebäude Roſenhof.
Konzert um 8 Uhr im Hotel Heß und im Bürgerkeller.
Konzert um 8 Uhr im Perkeo
3. internationales Lawn=Tennis=Turnier auf
dem Sportplatz am Böllenfalltor (Schlittſchuhklub=
Sportverein).
1. Darmſtädter Kinematograph (Ecke Rhein= und
Grafenſtraße): Vorſtellungen von 311 Uhr.
Olympia=Kinematograph Ernſt=Ludwigſtr. 23.
Verſteigerungskalender.
Samstag,e 21. Mai.
Dünger=Verſteigerungzumf9 Uhrsaufedem Pferde=
marktplatz
.
Gemälde=Ausſtellung’im Darmſtädter Hof zu
Eberſtadt; geöffnet von 812 und 26 Uhr.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei=
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſez
für den Inſeratenteil: J. Kroſt, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nichs
zurückgeſandt.

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Kurſe vom 19. Mai 1910.

Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

8f. Staatspapiere.
4 Dſche. Reichsſchatzanw.
3½ Deutſche Reichsanl.
do.
3
4 Preuß. Schatzanweiſg.
3½ do. Conſols . . .
8 do. do.
A Bad. Staatsanleihe . .
do.
3½
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanl. .
do.
3½
do.
4 Hamburger Staatsanl.

n Proz.
100,50
(3,00
24,60
100,75
93,10
84,40
101,70
93,80

4 Heſſ. Staatsanleihe

do.
3½
do.
3 5 Sächſiſche Renre
4 Württemberger v. 1907
do.
3½,
5 Bulgaren=Tabak=Anl.
¾ Griechen v. 1887
3¾/ Italiener Rente . . .
4½ Oeſterr. Silberrente

101,70
93,00
83,40
101,90
101,40
91,80
81,50
83,60
101,90
93,60
101,30

4
14
3.
3
3
(65
4

do. Goldrente.
do, einheitl. Rente
Portug. unif. Serie I
do. unif. Ser. III
do. Spezial
Rumänier v. 1903 . .
do. v. 1890 .
do. v. 1905 . .
Ruſſen v. 1880 . . . .

104,90
98,10
99,30
99,40

68,00
13,50
102,30
94,60
91,00
92,50

InProz.
Zf.
4 Ruſſen v. 1902 . . . . 93,10
. 100,50
do. v. 1905 .
92,40
3½ Schweden . .
4 Serbier amort. v. 1895 85,70
4 Türk. Admin. v. 1903 88,70
do. unifiz. v. 1903 94,80
4 Ungar. Goldrente . . 95,60
4 do. Staatsrente . 92,60
5 Argentinier .
do.
4½ Chile Gold=Anleihe . 93,20
5 Chineſ. Staatsanleihe 102,70
100,00
do.
4½ Japaner . . . . . . . 98,00
5 Innere Mexikaner . . 100,70
69,30
do.
4 Gold=Mexikan. v. 1904 97,10
5 Gold=Mexikaner . . . 107,70

.101,90
91,30

Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
4 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
.
. .143,70
4 Nordd. Lloyd . . . 112,50
4 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 122,80

Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
4 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 123,80
4 Baltimore & Ohio . . 111,50
4 Gotthardbahn . . .

InProz.
3f.
4 Oeſt.=Ungar. Staatsb. 162,50
4 Oeſt. Südbhn. (Lomb.) 20,40
4 Pennſylvania R. R. 123,80
Induſtrie=Aktien.
Mainzer Aktienbrauerei . 197,60
Werger=Brauerei
82,00
Bad. Anil.=u. Sodafabrik 478,00
Fabrik Griesheim . . . . 263,80
Farbwerk Höchſt . . . . . 489,00
Verein chem. Fabriken
Mannheim .
.322,00
Lahmeyer .
118,20
Schuckert
. . . 164,20
Siemens &e Halske . . . 246,00
Adlerfahrradwerke Kleyer 417,50
Bochumer Bb. u. Guß . . 234,00
Gelſenkirchen .
. .206,40
Harpener .
. . 196,00
Phönix, Bergb. u. Hütten=
betrieb
.
. .222,00
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ.. .
4 Pfälzer Prt..
. 101,60
do.
3½

Eliſabeth., ſteuerpfl. . 99,80
do. ſteuerfrei .
Oeſterr. Staatsbahn. 106,30

do.
do. alte . 82,70
5 Oeſterr. Südbahn . . 101,60
do.
ge
do.
2
3 Raab=Oedenburger . . 75,80
4 Ruſſ. Südweſt. . . . 90,60
4 Kronpr. Rudolfbahn .

98,50
83,40
58,30

In Proz.
Jf.
75,90
4! Livorneſer.
98,50
4 Miſſouri=Pacific
4 Bagdadbahn Mk. 408
5 Anatoliſche Eiſenb..
5 Tehuantepec

Bank=Aktien.
Berliner Handelsgeſ.
Darmſtädter Bank

Deutſche Bank
Deutſche Vereinsbank
Diskonto=Geſellſchaft
Dresdner Bank
Mitteldeut. Kreditbk.
Nationalbk. f. Deutſchl
Pfälzer Bank .
Reichsbank.
Rhein. Kredit=Bank
Wiener Bank=Verein

174,75
132,00
251,50
128,10
188,20
58,80
119,90
123,10
101,20
145,50
139,00
137,50

Pfandbriefe.
4 Frankft. Hypoth.=Bank
S. 16 und 17
3½ do. S. 19.
4 Frkf. Hyp.=Kreditverein
S. 1519, 2126
4 Hamb.=Hypoth.=Bank
do.
3½
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bk.
do.
3½
4 Meining. Hyp.=Bank
do.
4 Rhein. Hypoth.=Bank
(unk. 1917)
do. (unk. 1914)
3½
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf.
do,
3½.

100,30
92,50

99,60
100,50
91,00
101,60
92,50
101,00
91,10

100,20
91,60
100,40
92.60

Sf.

InProz.

Städte=
Obligationen
4 Darmſtadt
3½ do.
4 Frankfurt .
3½ do.
4 Gießen
3½ do.
4 Heidelberg
3½ do.
4 Karlsruhe
3½ do.
4 Magdeburg. . . .
3½ do.
4 Mainz
3½ do.
4 Mannheim
3½ do.
4 München .
3½ Nauheim
4 Nürnberg.
3½ do.
4 Offenbach .
3½ do.
4 Wiesbaden .
3½ do.
4 Worms . . .
3½ do.
4 Liſſaboner v. 1886.

91,50
100,90
95,00

91,40
100,50
91,60

100,30
101,10

92,00
100,50

94,80
100,50

100,20

Verzinsliche
Anlehenslofe.
4 Badiſche Tlr. 100 161,40
3½ Cöln=Mindner 100 137,60
5 Donau=Reg. fl. 100
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Nummer 115.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 20. Mat 1910.

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Riffe der Liebe.
Ein Blankeneſer Roman
von Ewald Gerhard Seeliger.
(Nachdruck verboten.)
II.
Pünktlich mit dem Sechs=Uhr=Dampfer traf
Henning in Altona ein, nahm ſeine Seekiſte auf die
Schulter und ging an Bord. Der Laubfroſch war
trotz ſeines eigenartigen Anſtrichs nicht viel ſauberer
als die anderen neun Fiſchdampfer, die neben ihm
lagen. Henning meldete ſich beim Steuermann, einem
älteren, bedächtigen Hamburger, der ihm die Koje an=
wies
. Nachdem die Kiſte verſtaut war, ſetzte ſich
Henning an Deck zu den anderen Leuten, ſchmauchte
Friedlich ſeine Pfeife und hörte zu, wie ſie ſich darüber
aufhielten, daß es noch heute, am heiligen Sonntag, in
See gehen ſollte. Einſchließlich des Maſchinenperſonals
war die ganze Beſatzung zwölf Köpfe ſtark.
Um ein Uhr, mit der Ebbe, ſollte der Dampfer los=
werfen
, zehn Minuten vorher erſchien Dirk Teſenfiz,
Der Kapitän, an Bord. Mit ſeinen überlangen, dünnen
Storchbeinen kam er über die Laufplanke gejachert und
segann ſofort von ſeinem ausgezeichneten Mundwert
ausgiebig Gebrauch zu machen. Er fluchte, ſchalt,
Höhnte, drohte, faſt ohne Atem zu ſchöpfen, und gab ſich
redlich Mühe, ſeine innerliche, angeborene Gutmütig=
Jeit möglichſt wenig zu verraten.

Henning hatte ſchon unter vielen Kapitänen ge=
dient
, unter kurzen und langen, groben und feinen,
tüchtigen und untüchtigen, aber ein Dirk Teſenfiz war
nicht darunter geweſen. Zuerſt legte er ſich hart mit
dem Steuermann an, mit dem er ſich noch immer nicht
vertragen konnte, obgleich ſie ſchon mehrere Reiſen zu=
ſammen
gemacht hatten. Der aber kannte ihn genau,
ließ ſich nicht aus ſeiner Ruhe bringen und blieb ihm
nichts ſchuldig. Da hielt ſich der Kapitän wieder an die
anderen Leute und jagte ſie von einer Arbeit an die
andere, von achtern nach vorn, von vorn nach achtern,
daß ſie nach drei Minuten nicht mehr ein noch aus
wußten. Nur Henning ließ ſich nichts anfechten, regte
ſeine Hände nicht ſchneller, als er gewohnt war, und
fiel dem Kapitän ſofort unangenehm auf.
Haſt wohl Angſt, daß Du über Bord fällſt, mein
Jung! ſchrie er ihn wütend an, als Henning nicht
ſchnell genug das Hecktau klar warf. Du biſt wohl gar
aus Blankeneſe? Die Kerls taugen alle nichts, hat
mir ſchon meine Großmutter geſagt. Na, wart', wenn
wir erſt in See ſind! Da will ich Dir ſchon die Back=
bordraſſen
ſteifholen, Du gottsverdammigter Faulpelz!
Henning tat, als wäre er taub, und Dirk Tenſenfiz
konnte ſich vor der Hand nicht weiter mit ihm beſchäf=
tigen
, weil er: Volle Kraft voraus! kommandieren
mußte. Denn das Schiff war inzwiſchen von den
Pfählen frei gekommen.
Aber aus der Maſchine meldete ſich weder Stimme
noch Antwort. Dirk Teſenfiz ſtürzte grimmig hinunter.

ſich die
Kolbenſtangen keinen Millimeter. Ein fürchterliches
Donnerwetter hagelte auf das Haupt des unglücklichen
Maſchiniſten. Die anderen Leute ſtanden an Deck und
grinſten. Eben ſetzte die Ebbe ein und zog den
Dampfer langſam in die Fahrrinne. Voraus und
achtern dröhnten die Warnungsſignale der Sonntags=
dampfer
, die mit Paſſagieren bepackt waren. Ein
kleiner, grüner Dampfer ſchoß hart am Heck vorbei
und ſchrammte es, der Steuermann fluchte über das
Verkehrshindernis. Dirk Teſenfiz tobte noch immer
im Maſchinenraum und ſuchte, den Schaden zu ent=
decken
. Der Maſchiniſt fand ihn endlich; die Schieber=
ſtange
war geknickt und mußte ausgewechſelt werden.
Aber im Handumdrehen war die Reparatur nicht zu
bewerkſtelligen. Denn die Reſerveteile mußten erſt
von Land geholt werden. Und das war Sonntags nach=
mittags
keine leichte Aufgabe.
Dem Kapitän fiel plötzlich ein, daß der Dampfer
ſchon im Fahrwaſſer trieb, hetzte die Treppe hinauf und
gab Notſignale. Aber er mußte lange an der Flöten=
leine
ziehen, ehe ſich ein Schleppdampfer bequemte, den
Laubfroſch wieder an die Pfähle zu bugſieren. Der
Maſchiniſt und ein Mann begaben ſich an Land, um
eine neue Schieberſtange aufzuſtöbern. Auch Dirk
Teſenſiz verſchwand, weil er Durſt nach friſchem Elb=
ſchloßbier
verſpürte.
Wenn das man gut abläuft! meinte der Koch, der
abergläubiſch war. Die anderen lachten ihn aus.

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Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 20. Mai 1910

Nummer 115.

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Henning aber ärgerte ſich über die Verzögerung und
dachte an Guſchi. Ob ſie wohl ſo lange auf der Brücke
warten würde?
Endlich nach vier Stunden kam der Maſchiniſt zurück,
auch der Kapitän fand ſich wieder ein und der Schaden
wurde repariert. Die Maſchine ſprang an, daß das eiſerne
Deck bebte, vorwärts, rückwärts, wie ihr die Steuerung
vorſchrieb, und Dirk Teſenfiz ſetzte ſein Mundwerk wieder
in Bewegung. Es lief nun noch ſchneller, denn er hatte
es geölt. Der Laubfroſch ſchoß mit der letzten Kraft der
Ebbe den Strom hinunter und überholte alle Fahrzeuge,
die mitliefen. Dirk Teſenfiz wollte das Verſäumte ein=
bringen
, fuhr trotz des ſtarken Verkehrs volle Kraft und
wich nicht einen Zehntel Strich vom Kurſe ab. Mochten
ihm die andern ausweichen, die hatten mehr Zeit!
Er wußte, was er dem Schiff zutrauen konnte, kannte
das Fahrwaſſer genau und hatte die Augen überall. Noch
viel weniger aber ließ er den Mund ruhen und zankte ſich
ſchon bei Nienſtedten wieder mit dem Steuermann herum.
Henning lag längſt vorn bei der Back auf der Lauer.
Als er Baurs Parkmauer in Sicht hatte, hielt er den Atem
an. Eilig ſchob ſich das Strandhotel heran, das Schiffer=
haus
mit ſeiner betürmten Veranda, Jaſper Dunts Ewer,
der breite Strand voller Menſchen. Und dann kam die
Dampfſchiffbrücke, an der die Cranzer Barkaſſe feſtgemacht
hatte.
Henning ſchaute ſich faſt die Augen aus dem Kopfe,
ſchwenkte die Mütze und ſchrie, ſo laut er konnte. Aber
Buſchi war nicht da. Nur eine halbe Stunde hatte ſie
gewartet. Schon auf der Brücke hatte ſie die Aufmerkſam=
keit
einiger kaufmänniſcher Jünglinge aus Hamburg er=
regt
, die hier draußen ihrem Sonntagsbummel oblagen.
Sie ſtiegen ihr auch nach und machten ihre Gloſſen. Das
ſchmeichelte ihrer Eitelkeit, und die war nicht ſo gering.
Trotzdem drehte ſie ſich nur zweimal um und ging ſittſam
nach Hauſe.
Noch hoffte Henning, ſie auf der S
rgbrücke, wo

die grünen Dampfer anlegten, oder auf der Falkentaler
Brücke, wo der Bergungsdampfer des Tauchers Flint
ſtand, zu finden, doch vergeblich. Er ſuchte ſofort hundert
Entſchuldigungen für ihr Fernbleiben und tröſtete ſich.
Zum Süllberg hinauf ſah er nicht. Dort ſtand ſeine
Mutter unter den blühenden Kirſchbäumen und ließ ihr
Taſchentuch flattern.
Unterdeſſen glitt der Laubfroſch unaufhaltſam weiter
in den Abend hinein. Bis Schulau half ihm noch die
Ebbe, dann wühlte er ſich zehn Minuten lang durch das
Stauwaſſer und noch vor der Lühe mußte er ſchon gegen
die Flut angehen. Kurz nach Sonnenuntergang wurde
das Wetter unſichtig. Henning hatte Wache und mußte
auf die Back zum Ausguck. Der Steuermann wollte zu
Anker gehen, aber Dirk Teſenfiz lachte ihn aus und hatte
auch jetzt das große Wort, wie immer, weit voraus. Und
er behielt recht, nach wenigen Minuten klarte ſich das
Wetter wieder auf und gab die Ausſicht frei. Die Lampen
wurden angeſteckt.
Dampfer voraus! meldete Henning nach der Brücke.
Hab’ ich ſchon vor einer halben Stunde geſeh’n! brüllte
Dirk Teſenfiz herunter.
Aus dem Dunkel des ſteigenden Abends ſchälte ſich ein
großer, grauer Tankdampfer heraus, der eben ſeine Poſi=
tionslaternen
beiſetzte. Maſchine und Brücke hatte er ganz
weit achtern. Am vorderen Maſt kam das Topplicht hoch.
Schnell ſchob er ſich näher und Henning konnte deutlich
ſehen, daß er beide Anker wegen des unſichtigen Wetters
frei zum Fall hängen hatte. Eben blinken in der Ferne
die beiden Leitfeuer von Twielenfleth auf. Und jetzt hielt
Dirk Teſenfiz wieder einmal die Stunde für gekommen,
eines ſeiner Bravourſtückchen auszuüben.
Hart Backbord das Ruder! kommandierte er.
Du biſt wohl verrückt! entfuhr es dem Steuermann.
Aber er bekam nur eine grobe Antwort und das Kom=
mando
wurde ausgeführt. Der Kapitän wollte, entgegen
allen Vorſchriften, um den Weg abzukürzen, vor dem Bug

des aufkommenden Tankdampfers nach der hannöverſchen
Seite hinüberflitzen.
Zur Sicherung gab er zwei Töne mit der Flöte. Aber
diesmal verrechnete er ſich bös. Der große Tankdampfer
war ſchneller und ſchnitt den kleinen Laubfroſch zwiſchen
Back und Brücke auf Steuerbordſeite glatt entzwei, als
wäre er von Pappe. Henning fühlte unter ſeinen Füßen
das Deck ſchwinden und griff nach oben. Da packte er
etwas Feſtes, und ſofort enterte er auf. Es war der frei=
hängende
Anker des Laubfroſch=Mörders.
Ich bin fein raus! dachte er blitzſchnell, dann hörte er
noch durch Tumult, Knirſchen und Geſchrei Dirk Teſenfiz!
Stimme.
Alle Mann über Bord!
Darauf ſackte der Laubfroſch auch mit ſeinem Hin=
erteil
weg, und alles, was ſchwamm, trieb nach achtern.
Vom Tankdampfer warf man ſofort alle verfügbaren Ret=
tungsringe
und Leuchtbojen über Bord. Dirk Teſenfiz, der
fluchend in der Elbe herumpaddelte, ergriff mit ſeinen
überlangen Armen die erſte Schwimmgelegenheit, ver=
brannte
ſich an ihrer weißen, leuchtenden Flamme beide
Handflächen und hatte nun noch einen Grund mehr, auf
den Kapitän zu ſchimpfen, der ihn über den Haufen geſeilt
hatte. Der aber verſtand kein Deutſch, denn er war Ame=
rikaner
, und ließ ein Boot klar machen. Dirk Teſenfiz
ſchwang ſich zuerſt hinein und fiſchte alle ſeine Leute ein=
zeln
auf. Der Steuermann war der letzte.
Hab ich’s nicht gleich geſagt! knurrte der triumphie
rend und ſchüttelte das kalte Waſſer von ſich.
Halt’ Dein Maul und zähl’ nach, ob einer fehlt! brüllte
Dirk Teſenfiz.
Da kam es denn heraus, daß Henning Breckwoldt aus
Blankeneſe fehlte.
Alle ſchrien gleichzeitig den Namen in die Nacht
hinein. Aber Henning hörte es nicht, er war mit dem
Dampfer, der langſam vorauslief, ſchon zu weit von der
Inglücksſtätte entfernt.
(Fortſetzung folgt.)

ſehr bu

[ ][  ][ ]

Nummer 115.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 20. Mai 1910.

Seite 11.

Bauarbeiten.
Die bei Erbauung einer höheren Knaben=
und Mädchenſchule nebſt Turnhallen auf
dem alten Gaswerksplatze vorkommenden
Schloſſerarbeiten (Geländer), ſowie die Lino=
leumlieferung
(400 qm Inleid= und 640 qm
Korklinoleum) und das Liefern und Ver=
legen
der Plattenfußböden (4200 qm) ſollen
vergeben werden.
Arbeitsbeſchreibungen und Bedingungen
liegen bei dem unterzeichneten Amte
Grafenſtraße Nr. 30, Zimmer Nr. 9
während der Dienſtſtunden offen, woſelbſt
auch die Angebotsſcheine abgegeben werden.
Angebote ſind bis
Dienstag, den 31. Mai 1910,
vormittags 10 Uhr,
bei unterzeichneter Stelle einzureichen.
Darmſtadt, am 18. Mai 1910.
Stadtbauamt.
Buxbaum.
(10434df
Bekanntmachung.

Freitag, den 17. Juni I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die der Eva Diefenbach dahier zuge=
ſchriebene
Liegenſchaft:

Flur Nr. qm
II 710//10 5867/10 Hofreite Kies=

ſtraße 18
II 713½0 367
Holzplatz daſelbſt
in unſerem Bureau zwangsweiſe verſteigert
werden.
(K29/10
Darmſtadt, den 3. Mai 1910.

Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller.
(L9628,68
Bekanntmachung.
Freitag, den 3. Juni I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſollen die zum Nachlaß der Martin Fuchs
Eheleuten dahier zugehörigen Grundſtücke:
Flur Nr. qm
20
20 1837 Acker am Grohberg,
20
21
744 Acker daſelbſt,

20
1287 Acker daſelbſt,
1875 Acker im tiefen See,
zwecks Auseinanderſetzung in unſerem Bureau
Darmſtadt, den 19. April 1910.
Großherzogliches Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller.
(L8704,67

Amtliche Nachrichten des Großherzoglichen Pollzeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde.
In polizeilicher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Schulzengaſſe Nr. 3 be=
finden
ſich: 1 Bernhardiner, 3 Pinſcher, 3 Dachshunde.
Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 1. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werk=
tag
, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
Bekanntmachung,
die Dauer des Geſindedienſtverhältniſſes betreffend.
Nach den Beſtimmungen der Artikel 6 und 7 des Geſetzes, die Geſindeordnung
betreffend, vom 28. April 1877, in der Faſſung vom 3. Auguſt 1899 und des Ortsſtatuts
für die Stadt Darmſtadt vom 12. Februar 1900 gelten ſämtliche Dienſtbotenverträge,
für welche nicht ausdrücklich eine beſtimmte Dienſtdauer vereinbarr oder aus den Um=
ſtänden
zweifellos zu entnehmen iſt, als auf die Dauer eines Kalendervierteljahrs
abgeſchloſſen.
Wird ein ſolcher Dienſtvertrag nicht vier Wochen vor dem Ablauf des
Kalendervierteljahres aufgekündigt, ſo iſt er ſtillſchweigend auf ein weiteres
Kalendervierteljahr als ernent anzuſehen.
Es ergibt ſich hieraus, daß in der Stadt Darmſtadt Dienſtbotenverträge nur
auf den 1. Januar, 1. April, 1. Juli und 1. Oktober aufgekündigt werden können,
und daß die Kündigung ſpäteſtens vier Wochen vor dem jeweiligen Termin er=
folgt
ſein muß, es ſei denn, daß ausdrücklich etwas anderes zwiſchen den Parteien
vereinbart oder mit Sicherheit aus den obwaltenden Umſtänden zu entnehmen iſt.
Dies gilt auch dann, wenn der Lohn nach Monaten bemeſſen iſt, da der
von monatlicher Lohnzahlung handelnde Abſatz 4 des Art. 6 der Geſindeordnung mit
den übrigen Beſtimmungen des Art. 6 durch das erwähnte Ortsſtatut außer Kraft
geſetzt iſt.
Ebenſo macht es keinen Unterſchied, ob ein Dienſtverhältnis am Anfang
oder erſt im Laufe eines Kalendervierteljahrs eingegangen worden iſt, da ein
im Laufe des Kalendervierteljahres eingegangenes Dienſtverhältnis zunächſt bis zum
Ende des Kalendervierteljahres und dann in der oben bezeichneten Weiſe von Viertel=
jahr
zu Vierteljahr weiterläuft.
Das Kalendervierteljahr beginnt mit dem erſten Werktag eines Vierteljahres und
endigt mit dem Beginn des folgenden Kalendervierteljahres (Ortsſtatut vom 12. Februar
1900, Abſatz 2).
(10382df
Darmſtadt, den 17. Mai 1910.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Dr. Kranzbühler.

Fleisch=Verdingung.
Am 1. Juni 1910, vormittags 10 Uhr,
werden im Geſchäftszimmer der Garniſonverwaltung der Bedarf an Fleiſch= und
Wurſtwaren für die Garniſon Babenhauſen vom 1. Juli bis 31. Dezember 1910
verdungen.
Die Bedingungen liegen daſelbſt zur Einſicht offen und können zu 20 Pfg. das
Stück bezogen werden.
Schriftliche und verſiegelte Angebote mit der Aufſchrift Angebot auf Fleiſchliefe=
zwangsweiſe
verſteigert werden. (K145/091rung ſind vor dem Termin portofrei im Geſchäftszimmer abzugeben.
(10276if
Garniſonverwaltung Babenhauſen (Heſſen).

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Nummer 115.

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Seite 14.

Sport.
sr. Das Automobilrennen auf die
Ries, das der Steiermärkiſche Automobil=Klub ver=
anſtaltete
, gewann in der Klaſſe der Wagen ohne Be=
ſchränkung
Heim auf einem Vierzylinder= Benz=
wagen
in 4 Minuten 24,2 Sekunden für die 6 Kilo=
meter
lange Bergſtrecke, die bis zu 1,6 Prozent Steig=
ung
aufweiſt. Der vorjährige Rekord, der von Seidel
(Mercedes) mit 4:48,3 aufgeſtellt wurde, iſt demnach um
24,1 Sekunden verbeſſert worden. Auch der zweite
dieſer Klaſſe, der Mercedes=Wagen Wetzkas, unterbot
moch den vorjährigen Rekord, indem er die Strecke in
4:39,1 zurücklegte. Dritter wurde Schütz=Fiat in
4:50 und Vierter Seidel (Mercedes) in 5 Minuten. In
der Klaſſe für Fahrzeuge mit einem Zylinderinhalt bis
zu acht Litern ſiegte Nikodem auf einem öſterreichi=
ſchen
Daimler=Wagen mit 4:42,4. In den übrigen ſie=
ben
Klaſſen waren ſtets Fahrzeuge der Firma Puch
ſiegreich. Der vom Steiermärkiſchen Automobil=Klub
ausgeſetzte Wanderpreis fiel an Heim=Benz, der die
abſolut beſte Zeit erzielte.
Lt. Das Internationale Lawn= Ten=
nis
=Turnier in Brüſſel, bei dem neben den
belgiſchen Meiſterſchaften internatiopale Matches ent=
ſſchieden
werden, wird eine ſelten ſtarke Beteiligung
erfahren und die beſten Spieler aller Länder vereinen.
Für Deutſchland wird O. Froitzheim=Straßburg,
der erſt vor kurzem die Meiſterſchaft von Preußen ge=
wann
, und O. Kreuzer=Frankfurt a. M. konkur=
rieren
, für Auſtralien S. N. Duſt, Poldewin und A.
F. Wilding, für England S. T. Dixon und T. M. Ma=
verogorddato
, für Frankreich W. Decugis und M.
Germot, für Oeſterreich C. v. Weſſely und R. Kinzel
und für Belgien W. Lemaire und P. de Bormann.
Rr. Die Europa=Meiſterſchaft für
Flieger kam in Roubaix zum Austrag. Sie=
ger
blieb der Franzoſe Friol, der im Endlauf Elle=
gaard
mit einer halben Länge ſchlug. Dritter wurde
Morette, gegen den der Deutſche Bader im Zwiſchen=
lauf
unterlegen war. Das 50=Kilometer=Rennen ge=
wann
Bardonneau in 37115,3 vor Plateau und Ma=
nera
. Comes landete den Großen Preis von Breſt
gegen Devoiſſoux und Lemaſſon, während Germain
im 25=Kilometer=Rennen gegen Simar und Combes
ſiegreich blieb. In Bayonne gewann Schilling
überraſchenderweiſe das Internationale Hauptfahren
vor Pouchois, Fournous und Henry Mayer, der mit
Pouchvis als Partner das Tandemrennen gegen
Schilling=Elcheverry und Coca=Carrere ſiegreich be=
ſſtritt
. Den Großen Preis von Angouleme ſicherte
ſich Dupre mit 4 Punkten gegen Delage (5) und Mar=
tin
(8).

* Städtiſche Leſe= und Bücherhalle. (Neue Zugänge.)
In der Leſehalle liegt neu auf: Der Bürgerbote‟.
Bücherhalle: Achleitner, Jägerſtreik, a. 9./2. Algen=
ſſtaedt
, Unſere Art, a. 18./2. Andres, Die Einführung
des konſtitutionellen Syſtems im Großherzogtum Heſſen.
H. 506. Banſe, Der arabiſche Orient, Bd. 11 C. 201,
Bd. 3, Ca. 166. Bernſtein, Zur Geſchichte und Theorie
des Sozialismus, F. 73. Bock, Unter den Kannibalen
auf Borneo, Ca. 819. Brennecke, Unter Taunusbuchen,
b. 247. Cronau, Drei Jahrhunderte Deutſchen Lebens
lin Amerika, Bf. 09. Diefenbach, Die Scholle, d. 108.
Eckener, Luftſchiff und Luftverkehr, Ev. 59. Ehrenberg,
Das Haus Pariſh in Hamburg, F. 38/2. Eichrodt, Leben
und Liebe, Ad. 822. Encke, Der Hausgarten, Eo. 88.
Ewers, Mit meinen Augen, C. 268. Falckenberg, Dok=
tor
Eiſenbart, Ad. 653. Falke, Mit dem Leben, Ad. 652.
Freud, Ueber den Traum, Ph. 197. Freund, Sklaven
der Gewohnheit, f. 130. Gino, Balkan=Bilder, Ce. 207.
(Grimmelshauſen, Der ſeltſame Springinsfeld, Ad. 1121.
Grothe, Wanderungen in Perſien, Ca. 165. Gurlitt, Der
Verkehr mit ſeinen Kindern, Pa. 273. Gutzeit, Die
Bakterien, Db. 114. Hallenſtein, Der falſche und der
echte Hampelmann, Ad. 901. Handels=Akademie, 1909,
Eh. 116. Hauptmann, Griſelda, Ad. 506. Heer, Ferien
an der Adria, Cd. 148. Herrenkirchen, Meine Erlebniſſe
während des Feldzuges gegen die Hereros, C. 189.
Heveſi, Acht Jahre Sezeſſion, Kg. 75. Heyſe, Mythen
fund Myſterien, Ad. 828. Hirn, Tirols Erhebung im
Jahre 1809, Bd. 027. Hohmann, Eine Mittelmeerreiſe,
Ce. 206. Hohmann, Eine Nordlands=Fahrt, Ce. 211.
Hohrath, Das Meer des Lebens, h. 239. Holzamer, Im
Wandern und Werden, K. 117. Jäger, Die gemeinſame
Wurzel der Kunſt, Moral und Wiſſenſchaft, P. 141.
Jenſen, Metamorphoſen, i. 100. Jenſen, König Friedrich,
101/13. Jenſen, Nach Sonnenuntergang, i. 102.
Jeremias, Moſes und Hammurabi, R. 70/3. JJung=
Deutſchland, in Heimat und Fremde, J. 596. Kaboth,
Der Wanderer aus dem Forſthauſe, k. 118. KKoelſch,
Von Pflanzen zwiſchen Dorf und Trift. Kriegelſtein, je

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 20. Mai 1910.

Nummer 115.

Aus dem Lande der Verdammnis, k. 117. Lindau,
Wintertage, I. 124. Miethe, Unter der Sonne Ober=
ägyptens
, Ef. 183. Moritz, Der Sturmpogel, J. 593.
Naumann, Ausſtellungsbriefe, E. 30. Neubürger, Aus
der alten Reichsſtadt Frankfurt, Kc. 178. Neubürger,
Edle Menſchen und Taten, L. 68. Niebergall, Was iſt
uns heute die Bibel, R. 370. Niemann, Das Nordland=
buch
, Ce. 212. Norrmann, Vom Malſtock zur Haube,
n. 53. Oertzen, Auf Schwarzwaldwegen, Ad. 734.
Ortenberg, Aus dem Tagebuch eines Arztes, C. 191.
Prentiß, Himmelan, J. 493. =Prentiß, Die Perle der
Familie, J. 594. Ratzenhofer, Soziologie, F. 68.
Rechinger, Streifzüge in Deutſch=Neu=Guinea und auf
den Salomons=Inſeln, Db. 118. Regensberg, 1870/71,
Bd. 11, Bd. 273. Rühlmann, Politiſche Bildung, F. 72.
Rüttgers, Ueber die literariſche Erziehung, Pa. 582.
Ruths, Heerestragödie und Völkerverſöhnung, r. 208.
Säuter, ausgewählte Gedichte, Ad. 823. =Scharfſchütz,
Auf dem Kriegszug nach China, J. 591. Scheyerer, Ge=
ſchichte
der Revolution in Baden 1848/49, Bd. 449.
Schippel, Grundzüge der Handelspolitik, Fp. 88.
Schmidt, Aus dem Tagebuch eines Säuglings, ſ. 459.
Schneider, Landſchaftliche Gartengeſtaltung, Ev. 86.
Schnitzer, Käthe und ich, ſ. 455. Schulenberg, Die
Chronik der Stadt Söderburg, ſ. 457. Schupp, Johann
Balthaſer, herausgeg. v. Th. Biſchoff, Lſ. 126. Schulte,
Meine Kriegserlebniſſe in den Feldzügen 1864 und 66,
Bd. 448. *Schulz, Natur=Urkunden, Heft 23, Db.
116/23. Schwabe, Bleib’ jung, meine Seele, ſ. 456.
Schwartz, Zehn Monate Kriegskorreſpondent beim Heere
Kuropatkins, Bf. 185. Seibold, Die Radierung, K. 118.
Sigel, Denkwürdigkeiten des Generals Franz Sigel,
Bd. 446. Skowronnek, Das Verlobungsſchiff, ſ. 397.
SSperl, Handbüchlein der Papierfaltekunſt, Kſ. 84.
Spring, Fritz Martens erſte Seereiſe, J. 554. Steub,
Lyriſche Reiſen, Cd. 158. =Unruh, Leben mit Tieren,
Dz. 158. Viebig, Das Kreuz im Venn, v. 114. Völkers,
Brocke und Krimmele, Ad. 906. Volbehr, Die Zukunft
der deutſchen Muſeen, K. 111. Vormeng, Dr. Fritz, v.
131. Wagner, Richard, Briefe an eine Putzmacherin,
herausgeg. v. D. Spitzer, Lw.=63. Wilbrandt, 1 Am
Strome der Zeit, w. 157. Willich, Aus Schleiermachers
Hauſe, Lſ. 120. Windelband, Die Philoſophie im Deut=
ſchen
Geiſtesleben des XIX. Jahrhunderts, Ph. 198.
Winterfeld, Der alte Knaſt, w. 75/4. Wölfflin,
Renaiſſance und Barock, Kg. 72. *Wolzogen, Aus
Schnurrpfeifers Lügenſack, w. 134. Zell, Unterſcheidet
das Tier Mann und Frau, Dz. 159. Die mit * be=
zeichneten
Werke ſind auch für die Jugend geeignet.
Ferner machen wir darauf aufmerkſam, daß die Werke
in den nächſten 14 Tagen in der Leſehalle ausgeſtellt
und vom 30. Mai ab verleihbar ſind.

Weit kräftiger als ſeine Geſchwiſter.
Offenbach a. Main, Friedhofſtr. 19, 26. Juni 1908.
Ich bin Mutter von 5 Kindern, wovon die 4 erſten infolge
ihres zarten Knochenbaues hinter ihren Altersgenoſſen zurückge=
blieben
ſind. Da nun auch mein jüngſtes Kind Alma im Alter
von 7 Monaten zu wünſchen übrig ließ, ſo fürchtete ich Aehnliches
und entſchloß mich, um auf alle Fälle vorzubeugen, der Kleinen Scotts
Lebertran=Emulſion zu geben. Nachdem ich mich durch eine Probe
überzeugt hatte, daß das Kind das Präparat gern nahm und es
auch gut vertrug, habe ich hintereinander mehrere Flaſchen ver=
braucht
undbin mit dem ſich ſofort zeigenden Erfolge durchaus
zufrieden. Das vorher zarte und teilnahmloſe Kind wurde
kräftiger, lebhafter, bekam Appetit und konnte alles, was ihm
gereicht wurde, gut vertragen u. verdauen. Mit 11 Monaten fing
es ſchon an Gehverſuche zu machen, und es iſt in jeder Beziehung
ein ganz anderes, weiter vorgeſchritteneres Kind als ſeine Geſchwiſter
in den gleichen Lebensmonaten geweſen ſind.
(gez.) Marie Spörl.
Iſt es nicht für jede Mutter eine
große Beruhigung, in Scotts Emulſion
jederzeit ein Kräftigungsmittel bei der
Hand zu haben, auf deſſen tadelloſe
Zuſammenſetzung aus den allerbeſten
Materialien und deren anerkannt be=
währte
Verarbeitung im Scettſchen Ver=
fahren
man ſich unbedingt verlaſſen
kann? Ein Verſuch wird dies in über=
Nur echt mit dieſer zeugendſter Weiſe beſtätigen, wobei nur
Marke-demFiſcher darauf zu achten iſt, daß beim Einkauf
dem Garantien
zeichen des Scotte auch die echte Scotts Emulſion ver=
ſchen
Verfahrens! abfolgt wird.
(10474M
Scotts Emulſion wird von uns ausſchließlich im großen verkauf:
und zwar nie loſe nach. Gewicht oder Maß, ſondern nur in verſiegelte:
Originalflaſchen in Karton mit unſerer Schutzmarke (Fiſcher mit dem Dorſch).
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Beſtandteile: Feinſter Medizinal=Lebertran 150,0, prima Glyzerit
50,0, unterphosvhorigſaurer Kalk 4,3, unterphosphorigſaueres Natron 2,5,
pulv. Tragant 3,0, feinſter arab Gummi pulv. 2,0, deſtill. Waſſer 12),0, Ul=
kohol
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2 Tropfen.

Gewinnansing
der
222. Königlich Prenßiſchen Klaſſenlotterie.
5. Klaſſe. 9. Ziehungstag. 18. Mai 1910.
(Nachdruck verboten.)
(Ohne Gewähr. A. St.=A. f. Z.)
In der Vormittags=Ziehung wurden Gewinne
über 240 Mk. gezogen:
1 Gewinn zu 70000 Mk. 158528
3 Gewinne zu 5000 Mk. 53462 181816 263979
38 Gewinne zu 3000 Mk. 22928 27621 33797 36464
61275 55821 66306 75673 496307 101404 129035 140034
151179 161065 169184 176193 177263 178169 179433
188840 191916 201493 215974 § 218617 237730 241579
246710 260144 2613932643995265603 . 266703 271116
279755 F 280144 282719 292005 302293
59 Gewinne zu 1000 Mk. 1304 3598 5367 8439
21009 à 22264 23150 32510 36579 51098 57544 57546
59171 62436 76397 79179* 79476 82981 86218 86448
88258 91693 96089 100089 100244 100568 101818
106727 126014 131766 163540 168441 178589 180577
181461 184986 187055 188318 190376 195791 201101
205267 211958 222488 225009 237432 237473 242621
246685 254234 254651. 255667 260545 268896 269822
275417 275813 285996 290718
122 Gewinne zu 500 Mk. 957 2555 4854 9475 11929
12030 16462 17390 19231 19277 24785 25420 26423
27146 28862 29871 37088 37245 38312 38478 38708
40238 42105 42911 43479 49146 60413 61559 63929
73217 74942 77101 78879 80614 83402 83408
85099 85932 88732 88785 91410 96343 96653 98025
99128 100604 102522 104779 110993 113357 116395
118372 119919 125636 126042 129974 132245 132941.
133945 141443 141737 142251 146073 146389 147162
148001 148179 148758 150777 154529 154837 164844
167208 169458 170074 170586 170678 172046 174391
175358 178329 178893 182651 182884 183333 203375
205891 207976 210835 18476 220835 221376 225593
226671 228347 237480 238909 241925 242828 242893
260830 251834 264413 267874 270690 271372 273623
276234 277519 278413 279183 280267 280565 284164
286357 2289767 293593 293344 296502 297711 302141
303159
In der Nachmittags=Ziehung wurden Gewinne über
240 Mk. gezogen:
2 Gewinne zu 15000 Mk. 53203 197894
3"Gewinne zu 10000 Mk. 58429 159433 290916
4 Gewinne zu 5000 Mk. 139369 162843 190887
264745
67 Gewinne zu 3000 Mk. 7900 10469 11584 140006
21257 24871 32874 48357 48633 51455 52007 60984
64218 69634 70409 70451. 80389 83433 86091 89091
96003 96509 117431. 125619 129757 130598 143212
144231 153887 159268 162416 168413 173978 174059
185239 187399 189165 191553 195481 197549 201265
204082 205114 206410 224496 229238 253134 254073
261375 264351. 268937 271893 276562 286401 289039
290953 295870
82 Gewinne zu 1000 Mk. 2273 4108 11449 20201
24693 25898 26306 26837 27171. 29880 39821 41154
47603 60829 51958 67096 69499 75657 75696 78633
81069 81306 84766 86873 89366 92999 94493 97496
98089 F 98233 99889 101487 103952 105560 109879
123970 130554 131587 143344 149030 149144 149290
151839 159474 159879 161705 163822 164995 173401
183513 183676 190750 193485 200624 213652 220238
222454 228953 232338 239394 242151 242180 244159
245335 246205 254218 260315 264036 265527 265537
267654 277438 283823 269915 291377. 293084 293965
296046 297103 297609 301274 303379
105 Gewinne zu 500 Mk. 7567 8749 13623 19243
22333 24057 27268 31510 35803 37780 47326 52474
54666 55479 62024 94646 69260 74510 80436 82204
84472 87847 88327 90022 92806 93373 94479 95248
98518 102941 105592 106515 116801 118469 124679
126944 129134 131170 132601 132835 133584 134556
138704 138920 147708 151198 151354 161432 154919
154967 158165 160919 161062 166393 169079 169396
170257 172793 175350 178279 181334 185256 185680
186623 187180 195556 196070 196826 201595 202390
208481 208980 213219 217245 218874 222327 225884
228292 232993 233738 237450 240342 242131 243843
247758 252642 259357 261880 261936 263517 265790
267771 271608 274960 275501 278241 279874 282599
284903 290226 291979 293475 295505 297806 303240
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[ ][  ][ ]

Nummer 115.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 20. Mat 1910.

Seite 15.

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darin, in den Taten der Menschen
das Gute gegen das Böse siegen
zu lassen. Er verwandte seine, im
Laufe 40-jähr. Studien gesammel-
ten
Erfahrungen, gepaart mit
feinem Scharfsinn, dazu, um gegen
die fürchterlichsten aller Laster zu
kämpfen. So sehen wir ihn, sich
selbst immer an die Stelle der
Bedrängten setzend und oft da-
runter
leidend, stets bemüht, die
Handlungen niederer Charaktere
zu ergründen, nur damit es ihm
gelinge, den Bedrückten zu ihrem
Recht, der Wahrheit zum Sieg
(*12424
zu verhelfen.
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morgige Inserat!

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Variété-Programm.

Preise der Fläre nie bekamt.
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einige Kunden zur Abnahme ſtets friſcher
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Großherzogliches Hoftheater.
Freitag, den 20. Mai 1910.
176. Abonnements=Vorſtellung.
Abonnement C 44.
Gaſtdarſtellung des Königl. Württemb=
Kammerſängers Herrn Oskar Bolz.
Tannhäuſer.
Große romantiſche Oper in 3 Akten
von Richard Wagner.
Muſikal. Leit.: Hofkapellm. Hofrat de Haan.
Szeniſche Leitung: Oberregiſſeur Valdek.
Perſonen:
Hermann, Landgraf von
Hr. Stephani
Thüringen .
Tannhäuſer,
Wolfram von Eſchin=
* Hr. Weber
bach,
Walther v. d. Vogel=
3 Hr. Hans Hacker
weide,
3 Hr. Hoff
Biterolf,
Heinrich der Schreiber, ſ. Hr. de Leeuwe
Reimar von Zweter, S Hr. Riechmann
Eliſabeth, Nichte des
. Frl. Geyersbach
Landgrafen
Fr. Mornu
Venus
. Frl. Zeiller
Ein junger Hirte
Frl. Meyer
Erſter
Zweiter Page des Frl. Birkholz
Dritter Landgrafen Fr. Müller
Frl. Faeller
Vierter

Die drei Grazien

Frl. Wogatzky
Frl. Pfau
Frl. Croneberg

* Tannhäuſer . . . Herr Kammerſänger

Oskar Bolz.
Nach dem 1. und 2. Akte findet je eine
längere Pauſe ſtatt.
Preiſe der Plätze:
Proſzeniumsloge 6 Mk., Fremdenloge 6 Mk.,
Balkonloge 5 Mk., 1. Rang 4.50 Mk., 2. Rang
(1. bis 6. Reihe) 2.50 Mk., (7. und 8. Reihe)
2. Mk., Sperrſitz (1. bis 13. Reihe) 4. Mk.),
(14. bis 20. Reihe) 3.20 Mk., Parterre (1. bis
5. Reihe) 2.70 Mk., (6. bis 8. Reihe) 2.20 Mk.,
1. Galerie 1.20 Mk., 2. Galerie 60 Pfg.
Anfang 6 Uhr. Ende 10¼ Uhr.
Kartenverkauf von 11 bis 1 Uhr und von
5 Uhr an.
Vorverkauf
von 11 bis 1 Uhr für die Vorſtellungen:
Sonntag, 22. Mai. Außer Abonnement.
Schüler= und Volks=Vorſtellung zu ermäß.
Preiſen: Die Zauberflöte. An=
fang
6½ Uhr. (Vergl. beſondere Anzeige.)
Montag, 23. Mai. Außer Abonnement.
Feſt=Vorſtellung: Prolog. Hierauf:
Götz von Berlichingen. Kleine
Preiſe. Anfang 6½ Uhr. (Vergl. beſon=
dere
Anzeige.)
Dienstag, 24. Mai. Außer Abonnement.
Feſt=Vorſtellung. In neuer Inſzenierung:
Der Freiſchütz. Kleine Preiſe. An=
fang
7 Uhr. (Vergl. beſondere Anzeige.)

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