Darmstädter Tagblatt 1910


19. Februar 1910

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173. Jahrgang
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Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 30 Seiten.

Die wirtſchaftliche Verſtändigung mit Kanada.

** Wenn auch lange nicht von der Bedeutung wie
das kürzlich abgeſchloſſene Uebereinkommen mit den Ver=
einigten
Staaten, iſt die proviſoriſche Verſtändigung mit
Kanada doch wichtig genug, um mit Befriedigung aufge=
nommen
zu werden, zumal die Vereinbarung eines defini=
tiven
Handelsvertrages in ziemlich ſicherer Ausſicht ſteht.
Damit hat der Zollkrieg, in welchem ſich Deutſchland
ſeit zwölf Jahren mit dem britiſchen Dominium in Nord=
amerika
befindet, ſein Ende erreicht, und unſere In=
duſtrien
werden das freudig begrüßen, denn ihr Export
nach Kanada hat unter dem Drucke der Handelsbeſchrän=
ung
doch mehr oder weniger Einbuße erlitten.
Ueber die Entſtehung des Zollkonfliktes mit Kanada
ei kurz bemerkt, daß Ende Juni 1897 die britiſche Regie=
ung
den aus dem Jahre 1865 ſtammenden deutſchen Meiſt=
zegünſtigungsvertrag
, weil dieſer Deutſchland die Meiſt=
egünſtigung
auch in den engliſchen Kolonien garantierte,
ündigte. Inzwiſchen hatte Kanada den britiſchen Waren
inen Vorzugszoll zugebilligt, der zuerſt 12½, ſpäter 25
ind ſchließlich 33½ Prozent betrug. Infolgedeſſen wurde
kanada von dem Genuſſe der Meiſtbegünſtigung, welche
Deutſchland dem britiſchen Reiche und deſſen Kolonien
eitdem proviſoriſch zugeſtand, ausdrücklich ausgeſchloſſen
nd auf kanadiſche Waren der deutſche Generaltarif zur
lnwendung gebracht. Die Regierung Kanadas belegte zu=
ächſt
die deutſche Einfuhr mit den Maximalzöllen und
ihrte vom 1. Oktober 1903 ab auch noch Zuſchlagszölle für
eutſche Waren ein. Dem Bundesrat war die Befugnis
teilt worden, in gleicher Weiſe an der kanadiſchen Ein=
ihr
Vergeltung zu üben, aber er hat von einer ſolchen
kaßregel abgeſehen, trotzdem durch das Vorgehen Kana=
as
die deutſche Ausfuhr empfindlich getroffen wurde.
etztere hatte im Jahre 1903 einen Wert von 35,8 Mil=
onen
gehabt, fiel im Jahre 1904 auf 23,2 Millionen Mark
rd hat auch jetzt ihre frühere Höhe bei weitem nicht wie=
er
erreicht. Sie betrug im Jahre 1907 29,6 Millionen
id ſank unter der allgemeinen Depreſſion des Jahres
08 in dieſem auf 20,3 Millionen Mark. Die Einfuhr
is Kanada hat ſich ſeit 1903 wenig verändert, ſie belief
h damals auf 9,7 Millionen und bewertete ſich im Jahre
07 auf 9,8 Millionen, um in dem anormalen Jahre
08 auf 7,1 Millionen Mark zu ſinken.
Die Verhandlungen der deutſchen Regie=
ing
wegen einer Verſtändigung mit Kanada
tieren ſchon mehrere Jahre zurück. Im März 1906 er=
irte
der kanadiſche Miniſterpräſident im Parlament, der
plomatiſche Vertreter Deutſchlands habe Vorſchläge we=
n
Beſeitigung der Handelsbeſchränkungen gemacht, und
* Regierung werde bei der Aufſtellung des neuen Zoll=
eifs
dieſe Vorſchläge in Betracht ziehen. In letzter Zeit
das Thema der deutſch=kanadiſchen Verſtändigung beſon=
es
lebhaft erörtert worden, ſeitdem ſich in Berlin ein
irtſchaftsverein konſtituiert hat, der die Förderung
s Handelsverkehrs zwiſchen beiden Ländern bezweckt.
rſere induſtriellen Kreiſe ſchenken heute dem kanadiſchen
ſatzgebiet, das ungeheuer entwickelungsfähig iſt, große
achtung, aber ſie konnten einen ausſichtsreichen Konkur=
rzkampf
erſt nach dem Fallen der Feſſeln führen, die der
Ukrieg dem Verkehr angelegt hatte. Jetzt endlich iſt die
hn frei, denn der uns gewährte Mitteltarif bedeutet
s äußerſte Zugeſtändnis, das Kanada einem fremden
nde geben kann, weil es die niedrigen Zölle nur den bri=
hen
Waren gegenüber anwendet, die ſomit freilich auch
iter begünſtigt werden. Aber der Vorteil für uns liegt
in, daß wir mit jedem anderen Staate, außer England,
Kanada konkurrieren können, und das wiegt die be=
änkte
Meiſtbegünſtigung, die wir Kanada jetzt zuge=
en
, völlig auf. Hoffen wir, daß ſich alle Hoffnungen,
ſich an die wirtſchaftliche Verſtändigung auch mit dieſem
rde knüpfen, in jeder Beziehung erfüllen!

Eröffnung des Parlaments und die politiſche
Lage in England.

* Sowohl Ober= wie Unterhaus ſind räumlich ſo ſehr
pränkt, daß nur für einen Teil der Mitglieder Sitz=
genheit
vorhanden iſt. Nach dem alten guten Grund=
Wer zuerſt kommt, mahlt zuerſt, hatten ſich in
eren Jahren einzelne Mitglieder zur Eröffnung oft
r bereits vor Mitternacht vor dem Parlament einge=
en
, um einen Platz zu belegen. Ein derartiger Eifer

machte ſich diesmal nicht bemerkbar. Das erſte Mitglied,
Colonel Carlile, konſervativer Vertreter für St. Albans,
erſchien erſt um 7.45 morgens. Am Vormittage wurde
dann gemäß alter Sitte die Unterſuchung der Gewölbe
mit all den altertümlichen Formalitäten vorgenommen.
Die Sitte datiert von Guy Fawkes Pulververſchwörung
an, der bei Eröffnung das Parlament in die Luft ſprengen
wollte und große Mengen Pulver in den Gewölben des
Hauſes aufgeſpeichert hatte. Seit dieſer Zeit wird aus
reiner Sentimentalität der Tradition bei jeder Eröffnung
treu und brav nach Pulvertonnen geſucht. Jede Ecke der
weitläufigen Keller des Parlaments wird ſorgfältig unter=
ſucht
und durchſtöbert nach Verſchwörern gegen König und
Konſtitution.
Um 2 Uhr nachmittags verſammelten ſich die Com=
mons
. Der Sergeant=at=Arms ſchritt würdevoll zur Tür,
die er ſicher verſperrte, zu dem einzigen Zwecke, damit der
Gentleman=Uſher des Black=Rod dreimal daran klopfen
und Einlaß fordern konnte, der ihm ſofort gewährt wurde.
Er verkündete ſeine Botſchaft und forderte die Commons
auf, im Hauſe der Lords zu erſcheinen, um die Vorleſung
der königlichen Zuſtimmung zur Wahl eines Sprechers an=
zuhören
. Nach Beendigung ſeines Auftrages ſpazierte
Black=Rod ſeierlich wieder ins Oberhaus zurück. Mr. As=
quith
und Mr. Balfour, die Führer der beiden Parteien,
erhoben ſich und, gefolgt von einer Anzahl Mitglieder des
Unterhauſes, begaben ſie ſich nach dem anderen Platze‟,
denn im parlamentariſchen Dialekt iſt dies im Unterhauſe
die einzige Bezeichnung für die Zweite Kammer, der Name
Unterhaus ſowohl als auch der Lords iſt verpönt. Etwa
10 Minuten ſpäter kehrten ſie zurück und die Wahl des
Sprechers wurde vorgenommen. Das älteſte Mitglied des
Hauſes, Mr. Thomas Burt, erhob ſich und ſchlug in einer
leicht humoriſtiſch gefärbten Rede den alten Sprecher Mr.
J. W. Lowther zur Wiederwahl vor. Nachdem er von
Mr. Chaplin ſekundiert worden war, wurde der Sprecher
einſtimmig erwählt, mit der ihm zukommenden Perücke
und Tracht bekleidet und von Mr. Burt und Chaplin auf
ſeinen Platz geführt. Es war ſelbſtverſtändlich, daß auch
dieſes zweite liberale Unterhaus den unter Balfours Re=
gierung
1905 zum erſtenmal auf den Stuhl des Sprechers
erhobenen konſervativen Abgeordneten, James William
Lowther, heute wieder einmütig zu ſeinem oberſten Be=
amte
wählte. Mr. Lowther iſt einer der beſten Sprecher,
die das Unterhaus je gehabt hat. Selbſt die heftigſte Par=
teileidenſchaft
macht vor ihm Halt, und man kann ohne
Uebertreibung ſagen, daß ſein Wort im Unterhaus Geſetz
iſt. Er vereinigt mit ſkrupulöſeſter Unparteilichkeit gleich
viel Feſtigkeit wie Takt, und die Vereinigung dieſer drei
Eigenſchaften iſt es, was einen großen Speaker macht. Der
Speaker hat neben einer freien Amtswohnung ein Jahres=
gehalt
von 5000 Pfund Sterling. In ſeinem Wahlkreis
wird nie ein Gegenkandidat aufgeſtellt, und wenn er ſein
Amt niederlegt, erhält er die Pairswürde. In den letz=
ten
hundert Jahren hat das engliſche Unterhaus nur neun
Speakers gehabt. Nach einigen weiteren Reden der Par=
teiführer
Mr. Asquith, Mr. Balfour und Mr. Henderſon,
die gleichfalls den Sprecher bekomplimentierten, wurde
das Haus vertagt. Die Sitzung hatte genau eine
Stunde und vier Minuten gedauert.
Das war die formelle Eröffnung. Die eigentliche
Eröffnung findet jedoch erſt am Montag ſtatt, wenn
die Thronrede des Königs verleſen wird. Die Zeremonie
an dieſem Tage iſt ſo ſchwierig, daß eine Probe am Diens=
tag
morgen vorgenommen wurde. Die Pferde und Men=
ſchen
marſchierten aus den königlichen Ställen heraus bis
zum Buckingham=Palaſt, machten eine Pauſe und ſchritten
dann in feierlicher Prozeſſion nach Weſtminſter. Am Vik=
toriaturm
des Oberhauſes wurde wieder Halt gemacht, da
hier am Montag der König ausſteigen wird. Dann wurde
der ganze Weg in umgekehrter Richtung wiederholt. Im
ganzen waren ſechs Wagen vertreten, darunter als erſter
die Staatskutſche, in der der König und die Königin fah=
ren
werden und die von acht falben Pferden gezogen wird.
Es wird noch eine Generalprobe ſtattfinden, an der auch
die begleitende Kavallerieeskorte teilnimmt.
Der wachſende Peſſimismus, mit dem Politiker die
Lage beurteilen, findet durch die letzten Meldungen neue
Nahrung. Die Situation der Regierung ſcheint
ſchwieriger geworden zu ſein. Miniſterpräſident As=
quith
hat dem König einen Beſuch abgeſtattet, um über
das Ergebnis der Beratungen mit den Mitgliedern des
neuen Kabinetts zu berichten. Hierauf fand ein Mini=
ſterrat
ſtatt. Der Führer der Arbeiterpartei,
Barnes, hat erklärt, Asquith habe von dem König die er=
wartete
Garantie für eine Einſchränkung des Vetorechts
der Lords nicht erlangen können. Für die Arbeiterpartei

ſei es unannehmbar, daß die Verhandlungen des Budgets
denen über das Vetorecht der Lords vorangehen ſollen.
Wenn es ſchon zu einer allgemeinen Trennung der Par=
teien
kommen ſolle, ſo fügte Barnes hinzu, ſo geſchehe es
am zweckmäßigſten ſo bald als möglich. Wie weiter ge=
meldet
wird, wurden die Verhandlungen zwiſchen den An=
hängern
Redmonds und der Regierung am Donnerstag
den ganzen Nachmittag eifrig fortgeſetzt. Nach denſelben
erklärte Redmond, daß mit der Regierung kein Ueber=
einkommen
erzielt worden ſei. Dieſes Ergebnis hat
die durch die Mitteilungen Barnes hervorgerufene Auf=
regung
noch mehr geſteigert.
Der Londoner Korreſpondent von Freemans Jour=
nal
erklärt, daß, wenn die Bedingungen der Nationaliſten
und der Arbeiterpartei von der Regierung nicht angenom=
men
werden, dieſe innerhalb zweier Monate die allgemeine
Neuwahl erzwingen würden. Auch John Dillon
äußerte ſich einem Korreſpondenten gegenüber in einem
Briefe dahin, daß die Neuwahl vielleicht in wenigen
Wochen erzwungen werden dürfte.

Arbeitsſchiedsgericht in Dänemark.

* Um den Frieden in der Arbeitswelt beſſer als bis=
her
zu ſchirmen, legte die däniſche Regierung dem
Folkething einen neuen Geſetzesvorſchlag vor, wel=
cher
erſtens ein ſtändiges Arbeitsſchiedsgericht
einführt, auf deſſen Vorſchlag der Miniſter des Innern
für die Dauer von je zwei Jahren einen Einigungsmann
(Forligsmand) ernennen ſoll. In Uneinigkeits= oder
Vertragskündigungsfällen zwiſchen Arbeitsleitern und Ar=
beitern
ſoll dieſer neue Amtmann die betreffenden Ver=
hältniſſe
unterſuchen, nötigenfalls durch Zeugenabhörun=
gen
, und danach verſuchen, die Streitfragen auf friedlichem
Wege auszugleichen. Auf jedem Stand ſeines Wirkens
hat er das Recht, ſeine Bemühungen und deren Ergebniſſe
zu veröffentlichen. Bei bereits eingetretenen Arbeitsein=
ſtellungen
kann er ſeine Einigungsvorſchläge einem aus
unparteiiſchen Männern beſtehenden Schiedsgerichte unter=
breiten
. Dieſe neue Inſtitution ſoll zwar die Streitenden
nicht zwingen können, den Frieden zu ſchließen, aber durch
die Veröffentlichung der geführten Verhandlungen und der
daraus hervorgegangenen, von dem unabhängigen Be=
amten
und den unparteiiſchen Mitgliedern des Schiedsge=
richts
anempfohlenen Einigungsvorſchlägen hofft man,
die Volksſtimmung für deren Annahme ſo allgemein zu ge=
winnen
, daß es für jede Partei, wenn auch nicht geradezu
unmöglich, ſo doch ſehr gefährlich werden möchte, ſich ihr
zu widerſetzen. Man rechnet hier alſo mit der Macht der
öffentlichen Meinung. So ganz glatt wird die Durchfüh=
rung
dieſer Geſetzesnovelle jedoch nicht gehen. Die Ar=
beitgeber
wenigſtens finden die Vorlage durchaus nicht
befriedigend.

Deutſches Reich.

Es beſteht die Abſicht, im Reichstage die zur
zweiten Beratung des Etats des Reichsamtes des Innern
geſtellten Reſolutionen, die ſehr zahlreich ſind, bei der Be=
ratung
dieſes Etats vorläufig zurückzuſtellen, um dieſen
Etat bis zum 26. Februar fertigſtellen zu können. Für den
Reſt der zweiten Etatsberatung ſtehen alsdann noch 11 bis
12 Sitzungen zur Verfügung, in der dritten Märzwoche ſoll
die dritte Etatsleſung zur Erledigung kommen. Die
Oſterferien werden vom 19. März bis 5. April wäh=
ren
. Falls dem Reichstage noch bis Anfang März Vor=
lagen
zugehen, ſollen ſie, abgeſehen von der Reichsverſiche=
rungsordnung
, noch in erſter Leſung beraten und Kommiſ=
ſionen
überwieſen werden. Die Stimmung geht dahin,
die Vertagung möglichſt frühzeitig, vielleicht ſchon vor
Himmelfahrt, eintreten zu laſſen.
Der Bundesrat hat der Vorlage betreffend die
Verlängerung des deutſch=ſchwediſchen Handelsvertrages
und dem internationalen Abkommen über den Verkehr mit
Kraftfahrzeugen die Zuſtimmung erteilt.
Das Turiner Blatt Momento meldet, der Be=
ſuch
des deutſchen Reichskanzlers in Rom
ſei für den Monat März anberaumt, und zwar vor der
Begegnung des deutſchen Kaiſers mit dem Könige von
Italien in Venedig. Der Reichskanzler werde als Gaſt
des Fürſten Bülow in deſſen römiſcher Villa abſteigen.
Auch werde der Kanzler dem Papſte einen Beſuch abſtatten.
Der Mailänder Corriere meint, daß der Beſuch des deut=
ſchen
Reichskanzlers in Rom, obgleich er nur als ein Höf=
lichkeitsakt
bezeichnet werde, für Deutſchland wegen der
Erneuerung des Dreibundes von großer Wichtigkeit ſein
könnte.
Gegenwärtig tagt im Konferenzſaale des Haupt=
bahnhofes
Frankfurt a. M. eine engliſch=deutſche

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Eiſenbahn=Konferenz, die ſich mit der Beratung
über die Beſchleunigung des Verkehrs zwiſchen beiden
Ländern, beſonders der Durchgangszüge, befaßt. An der
Konferenz beteiligen ſich Delegierte von England, Holland,
Preußen und Süddeutſchland.
Die Wahlrechtskommiſſion des preu=
ßiſchen
Abgeordnetenhauſes lehnte die Vor=
annahme
der Paragraphen 6 und 7 betr. normale Bildung
von Wahlabteilungen und den nationalliberalen Antrag
zu § 6, in den Gemeinden, die mehrere Stimmbezirke um=
faſſen
, eine Drittelung in der Gemeinde vorzunehmen, ge=
gen
die 8 Stimmen der Nationalliberalen und Freikon=
ſervativen
ab. Die Beratung der Paragraphen 8 bis 10
nahm einen negativen Verlauf. Es wurden zunächſt alle
zu dieſen Paragraphen von den Konſervativen, der natio=
nalliberalen
und der freikonſervativen Seite geſtellten An=
träge
regelmäßig gegen die Stimmen lediglich der Antrag=
ſteller
abgelehnt. Das Zentrum, die Linksliberalen
und die Polen erklärten von vornherein jede geſetzgeberiſche
Löſung des Gedankens, andere Momente als die Beſitz=
und Steuerleiſtung für das Aufrücken in die höheren Ab=
teilungen
heranzuziehen, für unmöglich, daher ſtimmten ſie
mit 11 Stimmen gegen jeden Vorſchlag. Die Konſerva=
tiven
wollten lediglich eine kleine Anzahl ehrenamtlicher
Perſonen in höhere Wahlabteilungen aufrücken laſſen, die
Nationalliberalen die Mitglieder von ſtaatlichen und kom=
munalen
, ſowie beruflichen öffentlich rechtlichen Vertre=
tungskörpern
, ſowie Perſonen, die 12 Jahre ſelbſtändig ei=
nen
Beruf ausgeübt oder ſich in einem öffentlichen oder
Privatdienſt befunden hätten. Die Freikonſervativen
ſtimmten den erſteren nationalliberalen Anträgen mit der
Einſchränkung bei, daß nur Mitglieder höherer kommuna=
ler
Vertretungen einbezogen werden ſollten; ſie beantrag=
ten
außerdem, daß von der dritten in die zweite Klaſſe
aufrücken ſollen Perſonen, die bei einem Einkommen von
1800 Mark und mehr 10 Jahre ſelbſtändig Gewerbe oder
Landwirtſchaft betrieben haben. Die nächſte Sitzung ſoll
Dienstag, 22. Februar, ſein. Die Berliner Stadt=
verordnetenverſammlung
hat den Antrag
Caſſel einſtimmig angenommen, den Magiſtrat zu erſuchen,
in einer an das Abgeordnetenhaus zu richtenden Petition
für eine entſprechende Aenderung der Wahlrechtsvorlage
einzutreten.
Die Freikonſervative Korreſpondenz ſchreibt zum
Toleranzantrag des Zentrums parteioffiziös:
Die Reichspartei hegt den dringenden Wunſch, daß
die Angehörigen aller Religionsgemeinſchaften miteinan=
der
in konfeſſionellem Frieden leben und in gemeinſamer
Arbeit an der Löſung der großen ſozialen Aufgaben zu=
ſammenwirken
. Die Reichspartei lehnt jede Beſchränkung
der religiöſen Freiheit ab, die nicht durch die Rückſicht auf
den konfeſſionellen Frieden und die Wahrung allgemeiner
ſtaatlicher Intereſſen geboten iſt. Da das Zentrum ſelbſt
der Anſicht iſt, daß etwa in einzelnen Bundesſtaaten be=
ſtehende
unberechtigte Beſchränkungen der religiöſen Frei=
heit
nur im Wege der Landesgeſetzgebung aufgehoben
werden können, muß dieſer die Regelung der Angelegenheit
überlaſſen werden, zumal in den letzten Jahren von den
in Frage kommenden Staaten auf dem Wege der Geſetz=
gebung
weſentliche Erleichterungen ſtattgefunden haben.
Die Reichspartei hält es auch für bedenklich, gerade auf
dem religiöſen Gebiete dem Reichskanzler die Initiative

zuzuweiſen. Aus dieſen Gründen ſieht ſich die große
Mehrheit der Reichspartei genötigt, gegen den Toleranz=
antrag
des Zentrums zu ſtimmen.
Der bayeriſchen Kammer der Abge=
ordneten
iſt als Nachtrag zum außerordentlichen Bud=
get
für das Jahr 1910 und 1911 der Vertrag des Staates
mit dem fürſtlichen Hauſe Thurn und Taxis auf Ablöſung
der Portofreiheit des letzteren zugegangen. Danach ver=
zichtet
Fürſt Albert von Thurn und Taxis für
ſich und ſeine Rechtsnachfolger auf alle ehemaligen Porto=
freiheiten
und erhält dafür als Gegenleiſtung vom baye=
riſchen
Staate eine einmalige Entſchädigung im Betrage
von 400000 Mark.

Ansland.

Kaiſer Franz Joſef genehmigte die Verfaſ=
ſungsentwürfe
für Bosnien und die Herzegowina,
und zwar das Landesſtatut, die Wahlordnung, die Ge=
ſchäftsordnung
des Landtags, das Vereins= und Verſamm=
lungsgeſetz
und das Geſetz über die Bezirksräte.
Bei der Beratung des Budgets für die Kolonial=
armee
in der franzöſiſchen Kammer wies der Berichterſtat=
ter
Meſſimy auf die Nachteile der in der Sahara befolgten
Politik hin. Man ſolle fruchtbare Punkte und nicht wüſte
Ländereien in Beſitz nehmen. Zu der Vernichtung
der Kolonne Fiegenſchuh im Wadailande äußerte
ſich Meſſimy, daß es dem Kapitän verboten war, dieſes
Gebiet zu beſetzen und er durch ſein Vorgehen gegen ſeine
Inſtruktion gehandelt habe. Im weiteren Verlaufe der
Sitzung ſprach Meſſimy (Soz.=Rad.) über die Expedition,
die zwar heldenhaft, aber von zweifelhaftem Erfolg und
gegen ein wüſtes Land gerichtet geweſen ſei. Er wies auf
das Beiſpiel der Engländer hin, die nur ſolche Kolonien
zu erringen ſtreben, die ertragreich wären. Etienne (Rep.)
rechtfertigte derartige Züge nach dem Süden mit der Not=
wendigkeit
, die Sicherheit Algeriens zu ſchützen und for=
derte
die Kammer auf, den Verteidigern Senegals und
Algeriens ihre Anerkennung zu zollen. Sie hätten bewie=
ſen
, daß Frankreich innerhalb der letzten 25 Jahre nichts
von ſeiner Kriegstüchtigkeit eingebüßt habe. Kolonial=
miniſter
Trouillot, Etienne und Meſſimy ſtimmen überein
in dem Grundſatz, zwar nicht unnötigerweiſe Vorſtöße
zu unternehmen, aber doch auch nicht zurückzuweichen.
Eben dieſe Politik verfolge auch er mit der Forderung des
Kredits für die Sicherheit des Landes, in deſſen Inneres
man nicht weiter vorrücken werde, als bis nach Abecher.
Die Kammer nahm alsdann die einfache Tagesordnung
an und vertagte ſich.
Am Donnerstag nachmittag fand in Paris die Kon=
ſtituierung
der Marokkogeſellſchaft für öf=
fentliche
Arbeiten mit einem Kapital von 2 Mil=
lionen
Franken ſtatt; hiervon entfallen 50 Prozent auf
die Franzoſen, 30 Prozent auf die Deutſchen, 20 Prozent
an andere Nationalitäten, wobei die Engländer und Spa=
nier
ihrer beſonderen Stellung entſprechend berückſichtigt
werden. Der Verwaltungsrat der Geſellſchaft, zu deſſen
Präſident der ehemalige Miniſter und Leiter des Crédit
Foncier Algerie, Lebon, und zu deſſen Vizepräſident Dr.
Lauter von der Frankfurter Firma Philipp Holzmann
u. Co. gewählt wurden, beſteht aus 12 Mitgliedern, ſechs
Franzoſen, 4 Deutſchen, 1 Engländer und 1 Spanier. Die
Firma, die ſich die Prüfung und Ausführung aller öffent=
lichen
Arbeiten in Marokko, insbeſondere Hafen= und Ei=

ſenbahnbauten, zur Aufgabe gemacht hat, iſt als eine rei
private Vereinigung der in Marokko hauptſächlich intere
ſierten Firmen zu betrachten. Die Adjudikationsbeſtimmur
gen der Algecirasakte werden durch die Geſellſchaftsgrür
dung ſelbſtverſtändlich nach keiner Richtung beeinträchtig
Der ſpaniſche Miniſterrat trat am Donnerstagz
einer Sitzung zuſammen. Er beſchloß, in den nächſte
Tagen ein Dekret zu veröffentlichen, durch welches d
Cortes für aufgelöſt erklärt werden. Die Neuwahlen ſolle
in der zweiten Hälfte des April ſtattfinden.
Die bulgariſche Regierung brachte in der So=
branje
einen Geſetzentwurf ein, durch den zur Erinn=
rung
an die Unabhängigkeitserklärung Bulgariens de
neue Orden vom heiligen Cyrillus und Methodius geſti
tet wird. Dieſer Orden wird unter den bulgariſchen de
erſten Rang einnehmen, eine einzige Ritterklaſſe beſitze
und fremden chriſtlichen Souveränen und Prinzen, bulge
riſchen und ausländiſchen Staatsmännern, die Bulgarie
große Dienſte erwieſen haben, ſowie Bulgaren und Aus
ländern, die um die Menſchheit ſich verdient gemacht haber
verliehen werden. Die Zahl der Ritter ſoll 15 betragen
Die griechiſche Kammer wählte den ehemalige
Miniſter und Kammerpräſidenten General Tſamados m
109 von 112 abgegebenen Stimmen zum Präſidenter
Tſamados betonte in ſeinen Dankesworten die Bedeutun
der außerordentlichen Seſſion, die berufen ſei, das Reforn
werk fortzuſetzen, wozu die Mitarbeit Aller erforderlie
ſei.
Die Meldung eines Berliner Blattes über eine an
geblich feindſelige Stimmung der Flotte gegen di
Landarmee wird von der Agence d’Athenes aus
drücklich als unrichtig und völlig unbegründet bezeichnen
Es empfehle ſich, ähnlichen alarmierenden ſenſationeller
Gerüchten mit Mißtrauen zu begegnen. Das von andere
Seite ausgeſprengte Gerücht, daß die Flotte daran denke
den Pyräus zu bombardieren, ſei einfach lächerlich.
Die ſerbiſche Skupſchtina nahm den Geſetzentwur
betreffend einen außerordentlichen Kredit von 300000
Francs für vertrauliche Zwecke des Miniſteriums des
Auswärtigen einſtimmig an.

,
Stadt und Land.

Darmſtadt, 19. Februar.
Ordensverleihung. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben durch Allerhöchſte Entſchließung
dem Wachtmeiſter Friedrich Kauker im Großherzog=
lichen
Gendarmeriekorps die Krone zum Silbernen
Kreuz des Verdienſtordens Philipps des Großmütigen
verliehen.
L. Die Strafkammer verhandelte geſtern gegen den
37 Jahre alten Fuhrmann Johann Röder von
Frankfurt wegen fahrtäſiger Gefährdung eines Eiſen=
bahntransports
. Der Angeklagte befand ſich am=
13. Dezember v. J. von hier auf dem Heimwege und
paſſierte abends kurz nach 10 Uhr den Uebergang der
Nebenbahn Sprendlingen-Ober=Roden in der Nähe
der Station Sprendlingen. Trotz des hier herrſchenden
lebhaften Verkehrs iſt keine Schranke angebracht,
nicht einmal eine Laterne iſt vorhanden, um nachts das
Herannahen eines Zuges anzuzeigen. Der Angeklagte
ſaß auf dem Wagen, der insbeſondere auch durch die
Schellen an dem Pferdegeſchirr ein ſtarkes Getöſe ver=
urſachte
. Da der Fuhrmann außerdem die Ohren gegen
die Kälte verwahrt hatte, überhörte er das Signal der
Dampfglocke des mit 15 Kilometer Geſchwindigkeit die
Stunde heranfahrenden Perſonenzuges. Auch ſah er
die hellbeleuchteten Fenſter desſelben nicht, weil er, aus

Zu Mantua in Banden . . .

Zum 100. Todestage Andreas Hofers
(20. Februar).
Von Dr. H. Wendt.
Die Tage, in denen wir ſtehen, wecken die Erinner=
ung
an das ſchwermütige, traurige Volkslied: Zu
Mantua in Banden das in ſo ſchlichten und ergrei=
fenden
Worten den letzten Akt einer großen Tragödie
ſchildert: am 20. Februar 1810 wurde der Frei=
heitskämpfer
von Tirol, der Sandwirt von Paſſeier
Andreas Hofer, fern von der Heimat auf italieni=
ſchem
Boden erſchoſſen. Das war das düſtere Finale
dieſer nationalen Erhebung, in der ſich das tapfere
Bergvolk durch ſo glänzende Waffentaten ausgezeichnet
hatte, und das blutige Ringen hatte ein Ende.
Das nördliche wie das ſüdliche Tirol waren bereits
unterworfen worden, und in beiden Teilen des Landes
war eine Militärregierung eingeſetzt worden, aber An=
dreas
Hofer wollte noch immer nicht an der guten Sache
verzweifeln. Anſtatt ſein Heil in der Flucht auf öſter=
reichiſches
Gebiet zu ſuchen, ſandte er ſeine Frau mit
den fünf Kindern nach dem Schneeberg und ſtieg ſelbſt
von Prantach aus mit dem Schreiber Sweth und zwei
anderen Genoſſen zur Pfandler Mahderhütte hinauf.
Das war zu Ende des Jahres 1809.
Im Gegenſatz zu den meiſten franzöſiſchen Generä=
len
, die in dem unterworfenen Lande mit allzu grau=
ſamer
Strenge ihres Amtes walteten, war der Ober=
befehlshaber
im ſüdlichen Tirol, der Graf Baraguay
dHilliers ein milder, ja nachſichtiger Herr, der auch
ſeinen Feinden die Achtung nicht verſagte und gern ein
Auge zudrückte. Aber er ſah wohl ein, daß nicht eher
Ruhe herrſchen würde, bis der Sandwirt aus dem Land
entfernt wäre, und da Hofer ſich auf ſeine Aufforderung
hin nicht ſtellte, ſetzte er einen Preis von 1500 Gulden
auf die Angabe ſeines Verſtecks.
Es war ein furchtbares Leben, das der Flüchtling
in dieſer ſtrengen Winterszeit hoch oben in den Bergen
führte. Die elende Hütte, in der er mit ſeinen Ge=
fährten
Unterſchlupf gefunden hatte, bot kaum den not=
dürftigſten
Schutz gegen alle Unbilden der Witterung.
aus etwas Heu und Stroh beſtand ihre Lagerſtätte, und
ein Viehtrog mußte als = und Schreibtiſch dienen
Nach vier Wochen kam auch Hofers Frau mit ihrem
Sohn Johann; ſie war vor den Franzoſen geflüchtet,
die ſie in ihrem Verſteck hatten aufſuchen wollen, ſie
aber wegen der herabgehenden Schneemaſſen nicht er=
reichen
konnten.
Nun erkannte Hofer allmählich die Gefahr, die ihm
drohte, gab den Mahnungen ſeiner Freunde nach und
traf Vorkehrungen zur Flucht. Aber es war ſchon zu
ſpät. Ein gewiſſer Franz Raffl aus Schenna, der
Beſitzer eines Viertelhofes in Prantach, hatte von ſei=
mer
hößer gelegenen Alpenhütte aus verdächtigen Rauch
kufſteigen ſehen, und ſo den Schlupfwinkel des Geſuch=

ten entdeckt. Trotzdem er dem früheren Oberkomman=
danten
durch Handſchlag Stillſchweigen angelobt hatte,
brach der böſe Burſche, der ſich den Preis von 1500
Gulden verdienen und dadurch ſeine mißlichen Ver=
hältniſſe
aufbeſſern wollte, ſein eidliches Wort und ver=
riet
den Aufenthalt Hofers.
Damit war das Schickſal des Freiheitshelden be=
ſiegelt
. Am 27. Januar wurden 600 Mann unter einem
Kapitän mit Raffl als Wegweiſer ins Paſſeier geſchickt,
um die Flüchtlinge gefangen zu nehmen. Es war an
einem Sonntag. Nur Hofer mit Weib und Kind, und
der Schreiber Sweth befanden ſich in der Pfandler
Hütte. Faſt unbemerkt kamen die Feinde heran es
war in aller Frühe um 4 Uhr und beſetzten den
Ausgang. Nachdem man den armen Schreiber, der zu=
erſt
ins Freie getreten war, ſogleich geknebelt hatte,
kam auch Andreas Hofer mit ſeiner Frau hinzu. Sie
ſind gekommen, mich gefangen zu nehmen, ſagte er
ruhig und gefaßt; mit mir tun Sie, was Sie wollen,
denn ich bin ſchuldig; für mein Weib, mein Kind und
dieſen jungen Menſchen (Sweth) bitte ich aber um
Gnade, denn ſie ſind wahrhaft unſchuldig. Aber man
achtete wenig auf ſeine Worte. Der rohe Haufe fiel in
blinder Wut über ihn her, man band ihm die Hände auf
dem Rücken zuſammen und warf einen Riemen um
ſeinen Hals. Auch ſein Weib und ſein Sohn wurden
gebunden und abgeführt. Unten an der Talſohle wurde
der Zug von einer anderen Abteilung Soldaten er=
wartet
, die die Zwiſchenzeit benutzt hatten, um das
Haus des Sandwirts auszuplündern und zu ver=
wüſten
.
In Bozen wurden die Gefangenen von dem Ober=
befehlshaber
Baraguay d’Hilliers mit aller Schonung
und Rückſicht behandelt; ja, Hofers Frau und Sohn
erhielten ſogar die Freiheit. Aber zu weiteren Zuge=
ſtändniſſen
ließ ſich der General nicht bewegen; er wies
alle Vorſtellungen und Fürbitten mit der Bemerkung
zurück, daß er für die Rettung des Sandwirts ſein
Möglichſtes getan habe. Unter ſtarker Bewachung
wurden Hofer und Sweth in einer Kutſche nach Italien
abgeführt; am 5. Februar kamen ſie in Mantua an und
wurden in einem Kerker gefangen geſetzt.
Und noch einmal winkte dem Freiheitshelden die
Rettung. Die Bewohner von Mantua ſollen ſich bereit
erklärt haben, 5000 Scudi für die Befreiung Hofers zu
zahlen, und der Feſtungskommandant General Biſſon
beſuchte ihn zu wiederholten Malen und wollte ihn zum
Uebertritt in franzöſiſche Dienſte gewinnen. Mit einer
Silbe, mit einem kurzen Ja hätte Hofer ſich das
Leben und eine neue Zukunft erkaufen können, aber er
blieb unerſchütterlich. Ich war, ich bin und bleibe
meinem Hauſe Oeſterreich und Kaiſer Franz I.
treu. Das waren ſeine Worte, von denen er nicht ab=
ging
.
Ahnte er, welches Schickſal ihm bevorſtand? Wenn
er während ſeiner Haft in Mantua ſich ſo ruhig und
entſchloſſen zeigte, ſo mochte er wohl noch nicht alle

Hoffnung auf Freiheit und Erlöſung aufgegeben haben
im feſten Vertrauen auf die Gunſt ſeines Kaiſer=
hauſes
. Doch nach ſeinem zweiten Verhör wurde er
mutlos und äußerte zu ſeinem Mitgefangenen Sweth:
Cajetan, ich ſehe, daß ich ſehr bald werde ſterben
müſſen.
In der Tat ſchien Napoleon an der Beſeitigung
Hofers, der der Nerv und die Seele des Tiroler Auf=
ſtandes
geweſen war, ſehr viel gelegen zu ſein, denn
gleich nach der Ankunft der Gefangenen wurde das
Kriegsgericht eingeſetzt, und aus Mailand wurde das
Todesurteil binnen 24 Stunden verkündet, obwohl die
Stimmen des Gerichts geteilt waren und zwei ſich ſo=
gar
für gänzliche Losſprechung erklärt haben ſollen.
Jedenfalls ſteht feſt, daß es, im vorhinein auf eine Ver=
urteilung
abgeſehen und die Abſtimmung nicht frei
war. Das ganze Verfahren iſt nur dadurch zu erklä=
ren
, daß der franzöſiſche Kaiſer in Hofer eben eine
große Gefahr ſah und durch ſchnelle Vollſtreckung des
Urteils jedem Einſpruch von öſterreichiſcher Seite zu=
vorkommen
wollte.
So ging denn Andreas Hofer ſeinen letzten Gang=
Ade, meine ſchnöde Welt, ſo leicht kommt mir das
Sterben vor, daß mir nicht die Augen naß werden,
heißt es in dem kurzen Vermächtnis, das er wenige
Stunden vor ſeinem Tode niedergeſchrieben hat. Um
11 Uhr vormittags wurde der Generalmarſch geſchlagen,
und die Führer der Vollſtreckungsabteilung traten in
ſein Gefängnis. In den Kaſematten lagen mehrere
Landsleute, und als ihr Held vorüberſchritt, fielen alle
auf die Knie und weinten laut. Auf einer breiten Ba=
ſtion
machte der Zug Halt, und während die Soldaten
ein offenes Viereck bildeten, mußte Hofer mit 12 Grena=
dieren
und ihrem Korporal vortreten. Er ließ ſich
weder die Augen verbinden, noch kniete er nieder.
Stehend wie im Kampfe wollte er ſterben, und ſelbſt gab
er das Kommando mit den Worten: Gebt Feuer! Die
Grenadiere trafen ſchlecht, auf die erſten ſechs Schüſſe
ſank er nur in die Knie und auf eine Hand, auch die
ſechs folgenden töteten ihn noch nicht; da trat der Kor=
poral
zu ihm und ſetzte die Mündung ſeines Gewehrs
vor ſeine Stirn, und der dreizehnte Schuß machte dem
teuren Leben ein Ende. So ſchildert Joſeph Egger,
der Geſchichtsſchreiber Tirols, die letzten Augenblicke
des großen Freiheitskämpfers.
Als ſich die Kunde von dem Tod des Hofer ver=
breitete
, trauerte nicht nur ſein Bergvolk ganz
Deutſchland trauerte um den Gefallenen. Für Tau=
ſende
und Abertauſende, die unter dem Joch der Fremd=
herrſchaft
ſchmachteten, wurde er der Märtyrer der
Freiheit und Vaterlandsliebe. Und ſo hat ihn die Ge=
ſchichte
bewahrt, und ſo bewahrt ihn das todestraurige
Volkslied: Zu Mantua in Banden . . .

[ ][  ][ ]

Angſt vor den häufig auf der Straße verkehrenden
Autbmobilen, nur geradeaus ſpähte. Er ranute mit
der Lokomotive zuſammen, dabei wurde ihm ein Pferd
im Werte von 2100 Mart getötet; die Lokomotive erlitt
nur geringen Schaden. Das Gericht ſprach ihn ſchuldig
und verurteilte ihn unter Berückſichtigung aller Um=
ſtände
nur zu einer Geldſtrafe von 60 Mark.
Der Schreiner K. von Neu=Iſenburg wurde nachts
um 2 Uhr von dem Kaufmann M. in deſſen Laden ab=
gefaßt
. M. hatte von ſeiner Frau gehört, daß es
abends verſäumt worden war, einen größeren Geldbe=
trag
aus dem Geſchäft in die Privatwohnung mitzu=
nehmen
. Aus Angſt vor Dieben begab er ſich trotz der
ſpäten Stunde in das Geſchäft. Auf Befragen, was er
da zu ſchaffen habe, erklärte K., er habe nicht ſtehlen
wollen; in ſeinen Taſchen fand man ein Päckchen mit
Stearinkerzen, in der Hand hielt er einen Kreiſel;
Nachſchlüſſel und ſonſtiges Werkzeug führte er nicht bei
ſich, nicht einmal Streichhölzer. Er erzählt zur Erklä=
rung
ſeiner Handlungsweiſe eine merkwürdige Ge=
ſchichte
. Eine Frankfurter Firma habe von ihm Aus=
kunft
über die Vermögensverhältniſſe des M. verlangt
und um genaue Angaben gebeten. Um dieſe geben zu
können, habe K. der Einſicht in die Geſchäftsbücher des
M. bedurft. In der kritiſchen Nacht habe ſich ihm die
Gelegenheit geboten, in den Laden zu gelangen, indem
eine Türe, die von der Wohnung ſeines Schwagers
nach dem Laden führte, offen ſtand. Aus den Büchern
habe er nichts erſehen, den Laden aber nicht wieder ver=
laſſen
können, weil die Türe wieder verſchloſſen wor=
den
ſei. Er weigert ſich, die Frankfurter Firma zu
nennen, andererſeits ſteht feſt, daß ein Säckchen mit
270 Mark Silber ſich unverſehrt in der Kaſſe befand.
K. wurde wegen Diebſtahls, ſowie weiter angezeigt, daß
er im Jahre vorher dem M. Holz entwendet habe. Was
letzteres betrifft, behauptet er, wenn er einmal etwas
Holz an ſich genommen habe, ſei dieſes aus ſeiner Werk=
ſtätte
wieder erſetzt worden. Das Gericht ſprach den
Angeklagten wegen Diebſtahls der Stearinkerzen und
des Holzes für ſchuldig und verurteilte ihn zu 4 Mo=
naten
Gefängnis.
O In der nichtöffentlichen Sitzung der Stadtver=
ordneten
=Verſammlung am Donnerstag wurden in=
5czug auf eine Reorganiſation der Oktroi
verwaltung, die aus Anlaß der Aufhebung eines
Teiles des Oktrois vom 1. April 1910 ab notwendig
reworden iſt, folgende Maßnahmen der Bürger=
neiſterei
gutgeheißen: 1. Von den 23 Aufſichts=
oſten
werden demnächſt nur 9 beſetzt, 14 fallen
peg. 2. Für die 23 Aufſichtspoſten und die zugehöri=
En Dienſtleiſtungen in der Oktroiverwaltung waren
isher als Aufſeher angeſtellt 18 und proviſoriſch an=
enommen
21, zuſammen 39 Mann. 3. Von letzteren
verden am 1. April d. J. 10 penſioniert, 7 finden
nerhalb der ſtädtiſchen Verwaltung anderweite Be=
häftigung
und 22 ſollen weiter als Oktroiaufſeher
erwendet werden. 4. Für die verbleibenden 9 Auf=
chtspoſten
ſind wechſelweiſe 15 Aufſeher erforderlich,
re übrigen 7 ſollen zu verſtärktem Patrouillendienſt
nd zur Aushilfeleiſtung im Aufſichtsdienſt an Hilfs=
ehebſtellen
herangezogen werden. 5. Von 15 Erheb=
ellen
ſollen am 1. April d. J. 1 (Bleichſtraße) ein=
ehen
, 7 (Heidelberger=, Beſſunger=, Eliſabethen=,
hein=, Lagerhaus=, Pallaswieſen= und Erbacherſtraße)
eſtehen bleiben und 7 (Eſchollbrücker=, Frank=
rter
=, Kranichſteiner=, Dieburger=, Roßdörfer=, Nie=
r
=Ramſtädter= und Klappacherſtraße) zu Hilfs=
Eine
rhebſtellen herabgeſetzt werden.
ehebſtelle (Beſſungerſtraße) iſt mit Aufſehern beſetzt.
Von 14 Erhebern bleiben 6 als angeſtellte Er=
ber
im Dienſt, 3 werden penſioniert und
zeiden aus, 4 (3 davon im Aufſeherverhältnis)
rden penſioniert und als Hilfserheber
eiter beſchäftigt. 1 Erheber iſt inzwiſchen
das Gaswerk verſetzt worden, ohne Erſatz. Weiter
irden in dieſer Sitzung gutgeheißen die Verſetzung
* Feldſchützen Stier in den Ruheſtand vom 1. April
J. ab und die Beſtellung des Herrn Apothekers Lud=
g
Wernher (Inhabers der Beſſunger Drogerie)
m Stationserheber für die Pfennigſparkaſſe. In=
ug
auf die vorliegenden Geſuche um Erteilung der
laubnis zum Betriebe von Schankwirtſchaften wurde
Bedürfnisfrage für Mathildenplatz 8, Pankratius=
iße
48 und Viktoriaplatz 12 bejaht.
Von der Süddeutſchen Eiſenbahngeſellſchaft. Die
fechtungsklage der Minoritätsgruppe der Aktionäre ge=
die
Beſchlüſſe der letzten Generalverſammlung wurde.
ern durch Vergleich erledigt.
Wohltätigkeitskonzert. Das am Freitag,
n 25. Februar, abends 6 Uhr, in der Jo=
nneskirche
ſtattfindende Wohltätigkeits=
nzert
wird ſowohl durch die mitwirkenden So=
ten
wie durch einzelne Teile des Programms von

beſonderem Intereſſe ſein. Herr Hofkonzert=
meiſter
Schmidt hat ſich in der kurzen Zeit ſeiner
hieſigen Wirkſamkeit die hohe Einſchätzung aller kunſt=
verſtändigen
Kreiſe erworben, und nicht minder ſeine
Gattin, die Konzertſängerin Frau Schmidt=
Illing, deren Geſang in einem der jüngſten Muſik=
vereinskonzerte
noch in beſter Erinnerung ſteht. In
dem Konzert werden die Genannten ſowohl einzeln
wie zuſammen mitwirken. Unter anderem wird auch
ein Gedicht unſeres frühverſtorbenen Gottfried
Schwab: Die Erde rüſtet ihr Sterbekleid, in einer
erſtmalig zu Gehör kommenden Vertonung Konzert=
meiſter
Schmidts von Frau Schmidt geſungen und von
ihrem Gatten auf der Orgel begleitet werden. Die
Orgelſoloſtücke (von F. Mendelsſohn und M. Reger),
ſowie die Begleitung der Violine auf der Orgel hat
der als trefflicher Organiſt der Stadtkirche bekannte
Herr W. Borngäſſer übernommen. Der etwa 60
Mitglieder ſtarke Kirchenchor der Johannes=
gemeinde
unter Leitung des Herrn Hofmuſikers
Adam wird Stücke von Bortiuansky und Reger
ſingen. Karten ſind im Gemeindehauſe der Johannes=
gemeinde
, in der Thiesſchen Muſikalienhandlung und
im Verkehrsbureau zu haben
Deutſchvölkiſcher Turnverein Jahn in Darm=
ſtadt
(Deutſcher Turnerbund). Man ſchreibt uns: Im
Gartenſale des Schützenhofes hielt der Verein ſeine
erſte Jahresverſammlung ab. Eröffnet wurden die
Beratungen mit einem umfaſſenden Bericht des erſten
Vorſitzenden, Herrn Dr. W. Mahr, über die Gründ=
ung
, den Ausbau und die Tätigkeit des Vereins wäh=
rend
ſeines 14jährigen Beſtehens. Es iſt daraus zu
entnehmen, daß die Entwickelung einen erfreulichen
Fortſchritt genommen hat und daß die neben und mit
der Turnerei beſonders gepflegten deutſchvölkiſchen
Anſchauungen und Ziele dem Verein ein beſonderes
Gepräge verleihen. Die Bemühungen, im Sinne des
Turnvaters und unentwegten Vorkämpfers für deut=
ſches
Volkstum, Friedrich Ludwig Jahn, auch den Tur=
ner
zu einem treuen deutſchen Staatsbürger heranzu=
bilden
, verdienen vollſte Anerkennung und Würdigung.
Alle Schwierigkeiten, in die der Verein durch die Kün=
digung
der Turnhalle ſeitens der Großherzoglich heſſi=
ſchen
Behörde, welche Vereinen und ſonſtigen Ver=
bindungen
die Benutzung der ſtaatlichen Turnhallen
nicht mehr geſtattet, im vergangenen Herbſte geriet
haben durch die mit Unterſtützung des Deutſchen Tur=
nerbundes
und hieſiger deutſchvölkiſcher Kreiſe ermög=
lichte
Anſchaffung eigener Turn geräte
und Verlegung des Turnbetriebes in den großen Saal
des Schützenhofes ein völlig befriedigendes Ende ge=
funden
. Mit echt turneriſchem Friſch, Fromm, Froh,
Frei geht der deutſchvölkiſche Turnverein Jahn nun=
mehr
an die Weiterarbeit, eingedenk der goldenen
Worte Jahns, daß dem Deutſchen nur durch den Deut=
ſchen
geholfen werden kann und daß die Leibes=
übungen
ein Mittel ſind zu einer vollkommenen Volks=
bildung
. Aus den Berichten des erſten Turnwarts
Herrn R. Weinert, geht hervor, daß der Verein im
Scheiding (September) 1908 mit 46 Mitgliedern, da=
von
2 Zöglinge, gegründet worden iſt und am 31. Jul=
monds
(Dezember) vorigen Jahres einen Mitglieder=
beſtand
von 84 erreicht hatte, davon 32 ausübende
Turner und 16 Zöglinge. An 106 Abenden turnten
2748 Turner, alſo durchſchnittlich 26, d. i. 54 vom Hun=
dert
der ausübenden Turner und Zöglinge. Es wur=
den
21 Tageswanderungen in den Odenwald, Speſſart
und nach Rheinheſſen unternommen. Beſondere öffent=
liche
turneriſche Uebungen und Vorführungen veran=
ſtaltete
der Verein mit einem deutſchen Fünfkamp=
und dem Fackelſchwingen bei dem Sommer= Sonnen=
wendfeſt
der deutſchvölkiſchen Vereine von Darmſtadt
am 19. Brachmonds (Juni) vorigen Jahres auf dem
Roßberg bei Roßdorf. Die am Schluſſe der Berat=
ungen
vorgenommenen Wahlen zum Turnrate er=
gaben
die einſtimmige Wiederwahl der bisherigen
Amtsverwalter.
Petrusgemeinde. Auf den nächſten Sonntag,
den 20. Februar, ſtattfindenden zweiten Gemeinde
abend der Petrusgemeinde, der zugleich der
letzte dieſes Winters ſein wird, ſei noch einmal auf=
merkſam
gemacht. Herr Pfarrer Werner aus Frank=
furt
a. M., ein hochgeſchätzter Redner, wird über
eigene Erlebniſſe aus ſeiner Reiſe im Morgenlande
berichten gewiß ein intereſſantes Thema. Wieder
wird der Abend eine reiche Abwechſelung an muſikali=
ſchen
Darbietungen geben. (Näheres ſiehe Anz.)
Uubeſtellbare Poſtſendungen. Wie wir erfah=
ren
, lagern bei der Ober=Poſtdirektion in Darmſtadt
folgende Sendungen, deren Abſender vielleicht zu un=
ſeren
Leſern zählen, als unbeſtellbar: Poſtanweiſung
über 5 Mark vom 9. Juni 1909 aus Offenbach (Main)
an Gallmano in Frankfurt (Main). Poſtanweiſung

über 4,28 Mark vom 5. Juni 1908 aus Offenbach
(Main) nach Brüſſel, Empfänger unbekannt. Poſt=
anweiſung
über 3 Mark vom 31. März 1909 aus
Pfungſtadt nach Hamburg, Empfänger unbekannt. Poſt=
anweiſung
über 30 Mark vom 14. April 1909 aus
Darmſtadt nach Grunewald (Bez. Berlin), Empfänger
unbekannt. Einſchreibbrief vom 2. Juni 1909 aus
Offenbach (Main) an Philipp Rauch in Ginsheim
Einſchreibbrief vom 29. Mai 1909 aus Sprendlinger
(Kreis Offenbach) an Fräulein Eliſabeth Edel, Adr
Georg Groh, ohne Beſtimmungsort. Einſchreibbrief
vom 31. Januar 1909 aus Darmſtadt an L. Peretz in
Petersburg. Einſchreibbrief vom 10. Juli 1909 aus
Darmſtadt an Max Gottſchild in Köben (Bez. Bres=
lau
). Gewöhnlicher Brief, Inhalt 5 Mark, vom 17
Juli 1909, Bahnpoſt Zug 12 Trier=Bullay, an Fräu=
lein
Marie Schwartz in Darmſtadt, poſtlagernd. Pa=
ket
vom 23. Inni 1909 aus Gernsheim an Martin
Häber in Gernsheim, poſtlagernd. Paket vom 5. Mai
1909 aus Hähnlein an Auguſt Merz in Gernsheim
poſtlagernd. Die zur Empfangnahme der Gegenſtände
Berechtigten müſſen ſich binnen 4 Wochen bei der
Ober=Poſtdirektion melden, widrigenfalls die Poſt=
anweiſungsbeträge
und die in den Sendungen enthal=
tenen
oder durch Verſteigerung des Inhalts erlöſten
Geldbeträge der Poſtunterſtützungskaſſe überwieſen,
die Briefe aber vernichtet werden.
Zur Aufklärung. In Nr. 40 unſeres Blattes
veröffentlichten wir eine Warnung, die gegen einen
mit Bleiſtiften handelnden Schwindler gerichtet war.
Es war klar, daß ſich dieſe Warnung auf einen ein
zelnen, ganz beſtimmten Fall bezog. Trotzdem teilt
uns der Verein ſelbſtändiger Händler, Schauſteller und
deren Berufsgenoſſen Freundſchaft mit, daß
durch den fraglichen Artikel ſich der reelle Händlerſtand
ſchwer geſchädigt ſieht, indem das Publikum, nach=
dem
es dieſen Artikel geleſen, auf lange Zeit jedem
Händler, und wenn er noch ſo reell iſt, die Türe
weiſt. Durch die jeweiligen Kreisausſchuß= Verhand=
lungen
dürfte es überall genügend bekannt ſein, unter
welchen ſchweren Bedingungen der Händler ſeinen Ge=
werbeſchein
erhält, und ſich eines nur guten Leu=
mundes
erfreuen muß, um ſeinen Beruf ausüben zu
können. Der Verein ſelbſt erkenne an und bekämpfe
es mit allen Mitteln, daß unlautere Elemente dem
Publikum ihre Waren zu unverſchämten Preiſen auf=
ſchwindeln
; aber jeder reelle Händler, der heute
mit Abgaben dermaßen überlaſtet iſt, daß er nicht weiß,
wo er alles aufbringen ſoll, könne doch nicht unter die=
ſen
Elementen leiden.
Wenn es in der Erklärung des genannten Vereins
weiter heißt, daß infolge der Warnung das Publikum
kurz entſchloſſen jedem Händler als Schwindler die
Türe weiſe, ſo iſt dies ebenſo unbegreiflich wie be=
dauerlich
, denn die reellen Händler konnten durch
die Warnung vor einem einzelnen Schwindler un=
möglich
betroffen werden.
Das Feſt der ſilbernen Hochzeit feiern am 22.
Februar Herr Chriſtoph Speer, Hofchorſänger nebſt
Gattin geb. Sauer.
Allgemeiner Verein für deutſchen Gruß, Wohltätig=
keitsverein
zum Beſten der deutſchen Reichswaiſenhäuſer.
Eine neue Ortsgruppe, zum Beſten der ſtädtiſchen Waiſen=
häuſer
, wurde gegründet in Bremen
Das Meiſingerſche Tanzlehr=Inſtitut hält ſein dies=
jähriges
karnevaliſtiſches Tanzkränzchen in Arheilgen im
Saal Zum Löwen am Sonntag, den 20. Februar, ab.
(Siehe Anzeige in heutiger Nummer.)
Orpheum. Das geſamte neue Programm, welches
künſtleriſch noch höher einzuſchätzen iſt als die verfloſſenen
Spielpläne, kommt am morgigen Sonntag in beiden Vor=
ſtellungen
ungekürzt zur Darſtellung. Heute Samstag fin=
det
wieder Familienabend ſtatt, wozu ſich die vornehmen
Darbietungen des neuen Künſtlerenſembles vorzüglich
eignen. (Siehe Anzeige.
Das Kaiſerpanorama zeigt die hochintereſſante
Serie der Nordſeebäder Helgoland, Wyk auf Föhr
Wittdün, Weſterland=Sylt uſw. nur noch einſchließlich
morgen, Sonntag.
Vogelsberger Höhen=Klub. Wie aus dem In=
ſeratenteil
erſichtlich, führt eine Wanderung am 20.
Februar auf den Feldberg im Taunus. Für Freunde
des Winterſportes dürfte dieſe Wanderung beſonders
intereſſant ſein.

Ludwigshöhe. Eine ganze Anzahl gehaltvoller
und intereſſanter Werke älterer, neuerer und moder=
ner
Tonmeiſter wird Herr Hauske mit dem Muſik=
korps
des Leibgarde=Regiments den muſikliebenden
Beſuchern des nächſten Sonntagskonzertes darbieten.
Beſonders hervorgehoben ſeien: Mehuls Jagdouver=
ture
Fragmente aus Puccinis Madame Butter=
fly
, berühmte Szene aus Kreutzers. Nachtlager in
Granada für Bariton und begleitendes Violinſplo;

Goeben in Darmſtadt.

Zu dem Aufſatz Goeben in Spanien in
Donnerstags=Nummer ſei bemerkt, daß es noch
andere Darſtellung über Goebens Erlebniſſe in
rmſtadt auf ſeinem Rückmarſch in ſeine Heimat
Dieſe findet ſich in dem Werke General von
ben im Feldzuge 1866 gegen Hannover und die
deutſchen Staaten und meine Erlebniſſe in dieſem
dzuge als Generalſtabsoffizier in der Diviſion
ben von Eduard von Jena, Generalleutnant z. D.,
lin 1904.
Sie ſei, zumal ſie im übrigen für uns Darmſtädter
reſſant genug iſt, im Zuſammenhang wörtlich
ergegeben.
21. Juli 1866. Unſer Diviſionsſtab traf gegen
Ir in Darmſtadt ein und nahm im Hotel zur Wein=
* be Quartier. Während des Diners in dem guten
* I fragte der ſehr anſpruchsloſe General von
Ogen, in Veranlaſſung der Klagen ſeiner Umgebung,
* der ſervierte Sekt ſehr warm ſei, den Wirt, warum
* Champagner nicht auf Eis ſtünde? Der Wirt er=
m
rte: Eis ſei in dem Hotel keines vorhanden, nur
* Bürgermeiſter habe einen Eiskeller. Nun, ſo
lIr Sie Eis kommen, ſagte Coeben. Kurze Zeit
deuf meldete der Wirt, der Bürgermeiſter weigere
ſif Sis zu liefern. Darauf Goeben: Sagen Sie dem
Wrermeiſter, ſollte der Mann meiner Forderung
n ſofort entſprechen, ſo würde er ſogleich 100 Mann
Guartierung erhalten.
Benige Minuten ſpäter ſtand der Sekt auf Eis.
eneral von Goeben, von Natur leidenſchaftlich,
velerg durch ſeinen ſtarken Willen ſtets den Ausbruch
dee Zeidenſchaft. Im vorliegenden Falle mochte er
m fühlen, daß er die an und für ſich unbedeutende
Wlegenheit ruhiger hätte erledigen müſſen. Es
vet laßte dies ihn, der nur in vertrauten Kreiſen
mrilſam war, an die Tiſchgeſellſchaft ſich wendend,
zut rchſtehender Mitteilung:
Meine Herren! Sie hörten ſoeben, wie ich mit
* Bürgermeiſter verkehrte. Vor vielen Jahren

hatte ich ſchon einmal Veranlaſſung, mich an einen
hieſigen Bürgermeiſter zu wenden. Es war nach
Beendigung der Karliſtenkriege, an denen ich, wie
bekannt, teilnahm. Ich wurde als Kriegsgefangener
in Barcelona ausgewechſelt, befand mich ohne alle
Mittel, wurde ans Spanien verwieſen, erhielt einen
Zwangspaß durch Frankreich, woſelbſt ich von Etappe
zu Etappe für mein weiteres Fortkommen einige
Sous erhielt. Ich traf krank, elend und abgeriſſen
in Darmſtadt ein und nicht mehr imſtande, mich
weiterzuſchleppen. Den hieſigen Bürgermeiſter bat
ich, mir für die Nacht ein Unterkommen zu ge=
währen
. Im Stadtgefängnis erhielt ich dasſelbe,
traf dort mit einem Bettler, dem ein Arm fehlte, zu=
ſammen
und teilte mit ihm aus derſelben Schüſſel
das Abendeſſen. Sie ſehen, meine Herren, wie
wechſelvoll das menſchliche Leben ſich geſtalten kann.
Wie man ſieht, weichen beide Darſtellungen ſtark
voneinander ab. Welche mag nun die richtige ſein?
Br.

Theater im Saalbau.

Otto Borngräbers erotiſches Myſterium Die
erſten Menſchen das mit ſo ſenſationeller Reklame
angekündigt wurde, iſt nun am Donnerstag und Freitag
hier aufgeführt worden. Das ſeltſame Stück errang einen
wenn auch nicht durchſchlagenden, ſo doch immerhin ſtarken
Erfolg, der mehr bedeutete als ein ſog. Achtungserfolg
Aber es war nicht zu verkennen, daß der Beifall in erſter
Linie den Darſtellern galt. An dem Stück ſelbſt, das mit
Myſterium übrigens recht treffend bezeichnet wird, feſſelt
die Schönheit der rhythmiſchen Sprache, die tobenden Lei=
denſchaften
, die in ſchwüler Sinnlichkeit entfeſſelt werden
in unſeren Urvorderen, und die Kühnheit, mit der der
Dichter der modernen Menſchheit durch Jahrtauſende alte
Tradition geheiligte Anſchauungen über Recht und Sitte,
über die Grundlagen unſerer Religion über den Haufen
wirft, wie er Blutſchande und Brudermord dichteriſch ver=
herrlicht
. Den Inhalt des Stückes können wir beim größ
ten Teil unſerer Leſer als bekannt vorausſetzen. Es beruht
in der Motivierung des erſten Brudermordes mit eroti=

ſchen Leidenſchaftsausbrüchen, mit Eiferſucht Kajins gegen
Chabel, den die Mutter, das Weib, lieber hatte.
Zweifellos tritt uns in dem Stück eine ſtarke urwüch=
ſige
und leidenſchaftliche Dichternatur entgegen. Die
Schönheit und Wucht der Sprache und der dramatiſche Auf=
bau
in eiſerner Konſequenz der Charakterentwickelung, die=
ſes
hart ans Groteske ſtreifende Fortfluten der Leiden=
ſchaften
, ohne die künſtleriſchen Grenzen zu verletzen, das
alles iſt meiſterhaft. Ein anderes freilich iſt die Frage
ob die Dramatiſierung des genannten Motives in dieſer
Form vom künſtleriſchen Standpunkt gerechtfertigt ſcheint,
ob das den Aufgaben des Theaters als eines der bedeut=
ſamſten
Faktoren zur Erziehung und Veredelung des Vol=
kes
entſpricht, ob die Tendenz des Stückes es iſt eine
Tendenz nicht verwirrend und vergiftend wirken kann
auf Herz und Gemüt vieler Tauſend Unreifer, die vom
Theaterbeſuch nicht ferngehalten werden können und ſollen
Das kann füglich nicht verneint werden. Um ſo größer iſt
dieſe Gefahr, wenn die Darſtellung nicht ſo hervorragende
Kräfte findet, wie es hier der Fall war, namentlich in den
ſchwierigſten und gewaltigſten Rollen des Kajin und der
Chawa.
Den Kajin gab Herr Alexander Rottmann,
Kgl. bayeriſcher Hofſchauſpieler, aus Berlin in einer
Weiſe, die ſchlechterdings nicht übertroffen werden kann.
So die Klippen umſchiffen und die Delikateſſe wahren in
einer Rolle, wie dieſe, kann nur wahre, große Künſtler=
ſchaft
. Dazu kommt, daß den Künſtler ſeine Erſcheinung
und ſein Organ geradezu prädeſtiniert für den Kajin. Dic
Chawa der k. k. Hofſchauſpielerin Klara Rabiton
war ebenfalls eine Kabinettsleiſtung feiner Charakteriſie=
rungskunſt
. Sie hatte ihre Rolle auf einen naiven Ton
geſtimmt, wußte aber auch in den Szenen der Leidenſchaft
zu packen und zu feſſeln. Den Adahm gab Herr Bern=
hard
Wenkhaus vom Stadttheater Königsberg und
den Chabel Herr Bernhard Aldor vom Schillertheater
Berlin. Auch ſie wurden ihren Aufgaben gerecht,
wenn auch nicht mit gleicher Vollendung wie ihre Partner.
Außerordentlich ſtörend und die Stimmung beeinfluſ=
ſend
waren die miſerablen techniſchen Verhältniſſe der
Ste
Bühne des Saalbaues.

[ ][  ][ ]

als Neuheit Ach könnt’ ich die Welt dir ſchenken, ame=
rikaniſches
Lied von Haydn=Clarendon, u. a. m. (Siehe
Anz.)
Schützenhof. Morgen Sonntag konzertiert die Ka=
pelle
des Großh. Heſſ. Art.=Regts. Nr. 61 unter Herrn
Webers Leitung im Schützenhof. Das Konzert ſoll den
Charakter eines volkstümlichen Abends tragen, wobei nur
die populärſten Opern= und Operettenmelodien zu Gehör
kommen ſollen. (Siehe Anzeige.)
n. Unermittelte Tat. Zwei junge Mädchen, die
am Abend des 4. Januar d. J. um 6 Uhr gerade an
der Freitreppe der Oberrealſchule in der Kapellſtraße
vorbeigingen, wurden durch einen in nicht großer Ent=
ſernung
abgegebenen Schuß heftig erſchreckt und ein
Schrotkorn verletzte das eine derſelben leicht am Ring=
finger
. In der Aufregung beobachteten ſie nur ſo viel,
daß dieſer Schuß aus der Richtung der Kapelle kam.
Eine Perſon erkannten ſie nicht und auch die bis jetzt
gepflogenen polizeilichen Ermittelungen hatten nach
dieſer Richtung keinen Erfolg. Vielleicht vermögen
ſich noch Zeugen des Auftritts, der zum mindeſten eine
grobe Fahrläſſigkeit darſtellt, im Intereſſe des Schutzes
der Allgemeinheit vor ſolchem Unfug zu melden.
Goddelau, 17. Febr. 57 Jahre lang in der
Irrenanſtalt zugebracht hat ein in den letzten Tagen
in der Landesirrenanſtalt Philippshoſpital im Alter von
79 Jahren verſtorbener Mann, der als 22jähriger Soldat
im Jahre 1853 als geiſteskrank in die Anſtalt eingeliefert
wurde, um ſie bis zum Tode nicht wieder zu verlaſſen.
Mainz, 18. Febr. Den hieſigen Regimentern wurden
fünf argentiniſche Offiziere überwieſen, und
zwar: Oberleutnant Rodriguez dem 1. Naſſ. Inf.=Regt.
Nr. 87, Oberleutnant Correa dem 2. Naſſ. Inf.=Regt. Nr. 88,
Oberleutnant Gernez dem 1. Naſſ Art.=Regt. Nr. 27 und
die Oberleutnants Peixeto und Ruzo dem 2. Naſſ. Art.=
Regt. Nr. 63. Weil er Soldat werden wollte
und ſein Vater damit nicht einverſtanden war, überredete
der Taglöhner Alexander Artz in Worms ſeinen Freund,
den Taglöhner Valentin Bickermann, den Namen ſei=
nes
Vaters unter der Einwilligung zu fälſchen, indem er
ihm verſicherte, ſein Vater ſei damit einverſtanden, könne
aber nicht ſchreiben. Wegen Urkundenfälſchung hatten ſich
die beiden zu verantworten. Bickermann wurde freige=
ſprochen
, während Artz einen Tag Gefängnis erhielt.
Mainz, 18. Febr. Vor einigen Tagen kam mittags
ein junger Mann auf dem Hauptpoſtamte an den Aus=
gabeſchalter
und verlangte die Poſtſachen für eine hieſige
Weinhandlung. Unter den ihm abgelieferten Sachen be=
and
ſich auch ein eingeſchriebener Brief und der junge
Mann quittierte mit dem Namen des Weinhändlers. Der
Brief enthält einen Scheck über 200 Mark von einer baye=
riſchen
Volksbank. Damit ging er in eine Wirtſchaft auf
der Großen Bleiche, wo er ein Mittageſſen beſtellte und
ſeine Zeche mit dem Scheck bezahlte. Der Wirt zahlte auch
den Betrag heraus. Erſt als der Wirt den Scheck weiter=
gab
, kam der Schwindel heraus, ohne daß es bis jetzt
gelungen iſt, den Gauner zu ermitteln.
Nierſtein, 17. Febr. Recht gehäſſige Formen
nimmt in hieſiger Gemeinde der Wahlkampf in der
bevorſtehenden Bürgermeiſterwahl an. Von beiden
Seiten, die ſich an die Kandidaturen der Herren Bei=
geordneter
Ludwig Reinhardt und Weingutsbeſitzer Gg.
Schmitt I. anlehnen, wurden bereits Prozeſſe wegen
grober Beleidigungen der beiden Kandidaten am Ge=
richt
anhängig gemacht, und weitere Prozeſſe ſtehen in
Ausſicht.
Gießen, 18. Febr. Als teilweiſer Erſatz für das am
1. April in Fortfall kommende Oktroi auf Lebensmittel
wurde eine Erhöhung der ſeither 10 Pfg. pro Hektoliter
betragenden örtlichen Bierſteuer auf 65 Pfg. beſchloſſen,
wodurch eine Erhöhung der Bierausſchankpreiſe nicht ein=
treten
wird. Von dem 43000 Mark betragenden Ausfall
werden hierdurch rund 20000 Mark gedeckt. Weiter wird
das Oktroi auf Wildbret und Brennholz aufgehoben, da
hierdurch eine Vereinfachung des Oktroidienſtes möglich
iſt, die das ſeitherige Erträgnis dieſer beiden Poſitionen
weſentlich überſteigt. Aus der Erwägung heraus, daß er=
fahrungsgemäß
die Aufhebung des Fleiſchoktrois doch nicht
zu einem Abſchlag der Fleiſchpreiſe führt, wurde ferner
eine mäßige Erhöhung der Schlachtgebühren ſchon für das
nächſte Rechnungsjahr beſchloſſen. Im nächſten Jahre
müßte die Erhöhung mit Rückſicht auf den Schlachthof=
erweiterungsbau
doch erfolgen und hätte dann ſicher eine
Preiserhöhung im Gefolge.
Alsfeld, 18. Febr. Heute fand im Weinhaus hier die
Ueberlieferung des neugeordneten ſtädtiſchen Ar=
chivs
ſtatt. Bürgermeiſter Dr. Völſing begrüßte die
Erſchienenen, die Mitglieder des Gemeinderats, Kreisrat
Hölzinger, Bezirksurkundenpfleger Oberlehrer Decker und

den Vorſtand des Geſchichtsvereins. Pfarrer Dr. Becker
gab ſodann einen Ueberblick über die Beſtände des Archivs,
wohl eines der größten Stadtarchive in Heſſen. In fünf=
jähriger
Arbeit ſind die Beſtände geſichert, geſichtet, geord=
net
und verzeichnet worden. Das Urkundenarchiv zählt
über 550 Stücke, darunter 112 Stücke des 14. Jahrhunderts
von 1327 an und 215 des 15. Jahrhunderts. Ferner wer=
den
über 2350 Bände gezählt, Rechnungen, Rats= und Ge=
richtsprotokolle
, Währſchaftsbücher uſw. Das Aktenarchiv,
in genauem Anſchluß an die Regiſtraturordnung für die
Bürgermeiſtereien geordnet, enthält die Beſtände bis etwa
1830 und umfaßt in 205 Mappen etwa 6080 000 Akten=
ſtücke
. Bürgermeiſter Dr. Völſing ſprach Dr. Becker den
Dank der Stadt für ſeine Arbeit aus. Sodann wurde eine
Beſichtigung des Archivs begonnen. Beſonderes Intereſſe
erregte eine Ausſtellung wertvoller Archivalien. U. a. wa=
ren
Urkunden ſämtlicher heſſiſchen Landesfürſten von
Landgraf Heinrich I. 1327 bis Großherzog Ludwig II. zu
ſehen, ferner ein Rollenblatt des Alsfelder Paſſionsſpiels,
Erinnerungen an den Alsfelder Reformator Tileman
Schnabel, die älteſte Stadtrechnung von 1384 u. a. (D. Ztg.)
Aus dem Vogelsberg, 18. Febr. Als erſte Früh=
lingsboten
haben ſich die Stare eingeſtellt. Das iſt
verhaltnismäßig ſpät, da nicht ſelten der Star ſchon im
Januar ſich zeigt. Wenn kürzlich ſchon der Rückſtrich von
Kranichen gemeldet wurde, ſo iſt anzunehmen, daß eine
Verwechſelung zwiſchen Kranichen und Schneegänſen ſtatt=
gefunden
, da im Volksmund beide Bezeichnungen ver=
tauſcht
werden. Ueberhaupt ſtehen die Avantgarden des
Lenzes noch zurück, da wir doch ſchon dem Ende des Fe=
bruars
entgegengehen. Noch ertönt kein Spitz die Schar
der Meiſe.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 17. Febr. Der faſt völlige
Eismangel dieſes Winters wird für das deutſche
Braugewerbe vermutlich verhängnisvolle Folgen
haben, und zwar vor allem für die mittleren und klei=
nen
Brauereien, deren Betrieb keine Eismaſchinen be=
ſitzt
. Dem Mangel muß durch Bezug von ausländiſchem
Eis, namentlich aus Norwegen, abgeholfen werden.
Der Preis ſtellt ſich aber alsdann ſo hoch, daß manche
Brauereien, zumal in dieſer für das Gewerbe ſchon
durch die Steuererhöhungen und den Konſumrückgang
ſo äußerſt kritiſchen Zeit, die Koſten kaum erſchwingen
können. Um dem hierdurch hervorgerufenen Notſtand,
ſo weit eben möglich, abzuhelfen, müßte wenigſtens die
Bahnfracht auf Eis von den Seehäfen ermäßigt wer=
den
. Der Bund der mittleren und kleinen Brauereien
iſt deswegen beim Miniſterium der öffentlichen Arbei=
en
vorſtellig geworden. Er beantragt, daß die Fracht,
die jetzt nach dem Ausnahmetarif V für Wegebauſtoffe
berechnet wird, um ein Drittel ermäßigt werden möge.
Nach langwierigen Ermittelungen iſt es der Polizei
nunmehr gelungen, die Aufſehen erregende E in=
bruchsaffäre
im Weinhauſe Rheingold‟
zur Klärung zu bringen. Unter dem dringenden Ver=
dacht
, die 23000 Mark aus dem Geldſchrank entwendet
zu haben, wurde geſtern abend der Geſchäftsführer F.
Krieger verhaftet. Der drohende Prozeß um die
Millionen des Exſultans Abdul Hamid zwiſchen
der türkiſchen Regierung und der Deutſchen Reichsbank
wird vermieden werden. Die Klage iſt überflüſſig ge=
worden
, da ſich der ominiöſe Stempel gefunden hat.
Frankfurt, 18. Febr. Der Afrikareiſende
Joſef Menges iſt geſtern nach kurzem Kranken=
lager
in ſeiner Villa in Buchſchlag geſtorben. Joſef
Menges nahm unter den vielen Reiſenden, die für
Hagenbeck tätig waren und von ihm in fremde Welt=
teile
geſchickt wurden, den erſten Platz ein. Menges
verband ſich im Jahre 1876 mit Hagenbeck, nachdem er
bereits eine große erfolgreiche Reiſezeit hinter ſich
hatte. Die junge heſſiſche Villenkolonie Buchſchlag ver=
liert
in dem ſo plötzlich Verſtorbenen ihren begütertſten
Mitbewohner, der ſich für die kommunalen Aufgaben
der neuen Niederlaſſung eifrig intereſſierte, mehrere
Aemter bekleidete und eben im Begriffe ſtand, eine
neue große Villa zu ſeinem Privatzweck zu bauen.
Wiesbaden, 17. Febr. Der langjährige Inſpektor
der ſtädtiſchen Kurverwaltung, Ferdinand Mäurer,
iſt heute nachmittag geſtorben.
Braunſchweig, 17. Febr. Nach einem beim herzog=
lichen
Staatsminiſterium eingegangenen Telegramm
ſind der Herzog=Regent und die Herzogin Jo=
hann
Albrecht, von Bangkok kommend, in Belawan
auf Sumatra eingetroffen. Die Fahrt ging glück=
lich
von ſtatten. Es befindet ſich alles wohl.
Marienberg (Weſterwald), 17. Febr. In dem
Steinbruch der Firma Weſterwaldbruch wurden durch

einſtürzendes Geſtein vier Arbeiter ver=
ſchüttet
und konnten erſt nach zweiſtündiger Ar=
beit
von den Steinmaſſen befreit werden. Zwei von
ihnen ſtarben alsbald nach ihrer Einlieferung ins
Krankenhaus infolge der erlittenen ſchweren Verletz=
ungen
; die beiden anderen kamen mit leichteren Ver=
letzungen
davon.
Neumünſter, 18. Febr. Aus Anlaß der heutigen
Sitzung der Stadt=Kollegien, in der die ſozialde=
mokratiſche
Interpellation wegen der Stra=
ßenunruhen
am Sonntag zur Verhandlung ſteht, wer=
den
, wie die Kieler N. Nachr. erfahren, erneut große
Menſchenanſammlungen vor dem Rathauſe befürchtet.
Die Polizei macht bekannt, daß die Exekutivbeamten
mit Armee=Revolvern ausgerüſtet ſind und
warnt die Einwohnerſchaft unter Hinweis auf das
Strafgeſetzbuch vor der Beteiligung an Straßenan=
ſammlungen
. Den Gaſtwirten wurde mitgeteilt, daß
am Sonntag keine Tanzluſtbarkeiten ſtattfinden dürf=
ten
, falls ſich heute abend irgend welche Ruheſtörungen
ereignen ſollten.
Wien, 18. Febr. Eine der wichtigſten Fragen der
Unterſuchung gegen Hofrichter, die der
Giftbeſchaffung, wurde nunmehr, wie offiziell behauptet
wird, vollſtändig geklärt. Angeblich wurde im Vor=
jahre
, als der Konflikt mit Serbien unvermeidlich
ſchien, den Offizieren der in Bosnien und der Herze=
gowina
zuſammengezogenen Regimenter Zyankali mit
der Weiſung des Kriegsminiſteriums zugeſchickt, dieſes
im Falle des Ausbruchs des Konflikts an die ins Feld
ziehenden Offiziere zu verteilen, damit dieſe, falls ſie
in Gefangenſchaft geraten, es im Notfalle zu Selbſt=
mordzwecken
benutzen könnten. So wurde auch an die
13. Gebirgs=Brigade, der Hofrichter zugeteilt war, ein
beſtimmtes Quantum Gift geſandt. Es ſoll ſich jetzt
herausgeſtellt haben, daß Hofrichter, der mit der Ver=
teilung
des Giftes betraut war, nicht das ganze Quan=
tum
verteilt hat, ſondern einen Teil zurückbehielt. Die
bisherige Unterſuchung ſoll weiter ergeben haben, daß
der Gattin Hofrichters indirekt die Schuld an dem Ver=
brechen
zufällt. Nach übereinſtimmenden Zeugenaus=
ſagen
ſoll ſie ſehr ehrgeizig ſein und es nicht überwin=
den
haben können, zeitlebens ſimple Offiziersfrau zu
bleiben. Dies dürfte von ausſchlaggebender Bedeut=
ung
ſein.
New=York, 17. Febr. Miß Agnes Elkins, die
ſchöne Nichte des Senators Stephen Elkins von Wis=
conſin
und die Couſine von Miß Catherine Elkins,
die anläßlich ihrer angeblichen Verlobung mit dem
Herzog der Abruzzen viel von ſich reden machte, ver=
ſuchte
ſich geſtern in einem Hotel in Kingſton J. M.
zu erſchießen. Miß Agnes Elkins ſchoß ſich eine
Kugel in die linke Seite, die das Herz ſtreifte; doch
erklärten die Aerzte, daß trotz der ſchweren Verwund=
ung
Hoffnung auf Wiedergeneſung vorhanden iſt. Auf
dem Toilettentiſch fand man wenige Zeilen: Ich habe
das Leben ſatt, da ich weder eine Heimat noch Freunde
habe. Miß Elkins iſt 25 Jahre alt. Ihr Vater ſtarb
vor mehreren Jahren. Als im vorigen Jahre auch
ihre Mutter verſchied, ging Miß Agnes Elkins im
Anguſt in New=York zur Bühne. Hier trat ſie unter
dem Namen Leslie Ceeil auf und errang durch ihre
Schönheit und ihr eindrucksvolles Spiel manchen Er=
folg
. Man prophezeite Miß Elkins allgemein eine
große Zukunft.
New=York, 18. Febr. Ein chileniſcher Schleppdamp=
fer
brachte die Nachricht, daß der Kreuzer Miniſtro
Centeno am Dienstag 88 Paſſagiere und Leute der
Beſatzung des geſtrandeten britiſchen
Dampfers Lim a in der Huambin=Paſſage der
Magelhaensſtraße gerettet habe. 205 Paſſagiere waren
vorher von dem Dampfer Hatumet gerettet worden.
Die Zurückgebliebenen hatte der Dampfer nicht mehr
aufnehmen können. Die zuletzt Geretteten waren 12
Tage bitterſter Kälte ausgeſetzt geweſen und daher auf
den Tod erſchöpft.

Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach=
ſtehenden
Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.


Gudrun Hildebrandts Tanzdich=
tungen
, die heute und morgen ſtattfinden, bringen
u. a. Das Mädchen aus der Fömde mit der
Muſik von Mendelsſohn und zwei ihrer berühmteſten
Nummern Die Roſen aus dem Süden und der Tanz
der Weine Ueber den Walzer ſchreibt die Neckar=
Zeitung Roſen aus dem Süden, dieſe Grazie, dieſe
Beweglichkeit und Elaſtizität des ſchönen Körpers, dieſe
Natürlichkeit und Anmut, dieſe Impulſivität und dieſes
froh ſprudelnde und mouſſierende Temperament! Ach,

Ans Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.

* Am Mittwoch nachmittag iſt bei Lepke in Berlin die
Verſteigerung des Nachlaſſes von Adalbert
Matkowsky beendet worden. Die 593 Stücke, die der
Katalog aufführte darunter Prachtwerke mittelalter=
licher
Holzſchneidekunſt, koſtbare Majoliken und Gobe=
lins
, ſind alle verkauft. Der Geſamterlös
der Verſteigerung beträgt rund 177000 Mark.
* Hermann Heiberg, der bekannte ſchleswig=
holſteiniſche
Schriftſteller, iſt, wie gemeldet, am 16. ds.
Mts. geſtorben. Er würde am 17. November ds. Js.
ſeinen 70. Geburtstag haben feiern können. 1840 in
Schleswig geboren, zuerſt dort und in Berlin Verlags=
buchhändler
, u. a. geſchäftlich tätig als Leiter der Nord=
deutſchen
Allgemeinen Zeitung, ſowie ſpäter als
Direktor der Spenerſchen Zeitung, widmeie er ſich
vom Jahre 1880 an, nachdem er inzwiſchen noch Direk=
tor
der Preußiſchen Bankanſtalt geweſen wär, aus=
ſchließlich
der literariſchen Tätigkeit.
Unter der ſehr
großen Anzahl der von ihm veröffentlichten Romane
und Novellen ſind nicht alle gleichwertig geweſen. Denn
wenn er auch auf der einen Seite in ſeiner dichteriſchen
Darſtellung ſich durch eine gewiſſe regliſtiſche Kraft in
Sprache und Kompoſition auszeichnete, ſo wurde für
ihn die Leichtigkeit des Schaffens doch auch zu einer
Gefahr. Unter der Schnelligkeit ſeiner ſchriftſtelleriſchen
Arbeit hat manchmal die künſtleriſche Durchbildung
des Stoffes etwas gelitten. Gleichwohl ſind manche
einer Arbeiten jahrelang eine bevorzugte Lektüre des
deutſchen Leſepublikums geweſen. Wir nennen u. a.,
abgeſehen von ſeinem Erſtlingswerk, den liebenswür=
digen
Plaudereien mit der Herzogin von Seeland‟,
vor allem die Romane Die goldene Schlange, Aus=
getobt
, Apotheker Heinrich (ſein beſtes Werk!). Der
Januskopf, die mit mehreren anderen alle in den acht=
ziger
Jahren veröffentlicht worden ſind. Auch in den
neunziger Jahren erſchien er faſt Jahr um Jahr auf
dem Büchermarkt mit einem Roman ſowie mit zahl=
reichen
Novellen. Seine Geſammelten Werke er=
ſchienen
bereits 18941896 in achtzehn Bänden.
C.K. 200000 Mark für Pearys Meteor=
ſteine
. Die Meteorſteine, die Peary von ſeiner letz=
ten
Polarfahrt mitgebracht hat, ſind von der Witwe

ſeines Mäcens, von Mrs. Jeſup, angekauft und dem
amerikaniſchen Muſeum für Naturgeſchichte als Ge=
ſchenk
überwieſen worden. Mrs. Jeſup hat für die drei
Steine nicht weniger als 200000 Mark gezahlt. Es ſind
die größten Meteoriten aus Eiſenerz, die je gefunden
wurden. Auf ſeinen Reiſen war Peary überraſcht, bei
den Eskimos eiſerne Geräte und Waffen zu finden,
und er fragte, woher ſeine arktiſchen Freunde dies
Metall erlangt hätten. Die Antwort lautete ſtets der
Eiſenberg aber nur die älteſten Männer des Stammes
kannten die Stelle, und ſie waren nicht zu bewegen, das
Geheimnis zu verraten. Als Peary auf ſeinen ſpäteren
Reiſen das Vertrauen der Eskimos erworben hatte,
zeigte man ihm ſchließlich den rätſelhaften Eiſenberg
Es waren drei gewaltige Meteoriten, die mehr als
90 Prozent reines Eiſen enthielten. Der größte wurde
von den Eingeborenen die Zehn genannt und wog
mehrere Tons. Die beiden anderen hießen Weib und
Unter großen Schwierigkeiten gelang es
Hund.
Peary ſchließlich, die koſtbaren Meteoriten der Eskimos
heimlich an Bord zu ſchaffen und ſo nach New=York zu
bringen.

Kleines Feuilleton.

* Das erſte Verbot im Luftraum. Dem
Friedensrichter Morris H. Kammelohr in dem Städt=
chen
Cedar Crove (New=Jerſey) gebührt der Ruhm,
die Warnung Unbefugtes Betreten des Grundſtücks
iſt verboten! als erſter auf den Luftraum übertragen
zu haben. In Cedar Crove hat, ſo leſen wir in der
Voſſiſchen Zeitung ein junger Luftbefahrer einen
Monoplan gebaut und Flugverſuche auf freiem Gelände
in der Nähe des Hauſes des Friedensrichters angekün=
digt
. Dieſer ließ daraufhin an der Spitze der Fahnen=
ſtange
vor ſeinem Hauſe folgendes Verbot in Rieſen=
lettern
anbringen: Allen Aviatikern hiermit zur War=
nung
: Das Fliegen über dieſem Hauſe iſt bei Gefäng=
nisſtrafe
verboten. Bei Anbruch der Dunkelheit wird
die Warnungstafel durch Laternen beleuchtet. Man
iſt geſpannt darauf, welche Folgen die Mißachtung der
Warnung haben wird, denn der junge Luſtbef hrer hat
geäußert, es werde ihm ein beſonderes Vergnügen ſein,
das Haus des Friedensrichters zu überfliegen.

* Verſprechen auf der Bühne. Den
Münch. N. Nachr. wird geſchrieben: Faſt jede Bühne
hat ihren Verſprecher oder ihre Verſprecherin. Die
vortreffliche Tragödin eines ſüddeutſchen Hoftheaters
hatte vielfach unter der Neigung zu leiden, ſich in der
Hitze zu verſprechen. Als ſie einmal das Gretchen im
Fauſt zu ſpielen hatte, tönte zum Entſetzen des Spiel=
leiters
und zum Ergötzen der Kollegenſchaft von ihren
Lippen: Nach ihm nur geh’ ich zum Fenſter hinaus,
und als Jungfrau von Orleans wünſchte ſie ſich in der
Szene mit ihren Schweſtern vor der Kathedrale von
Reims ſtatt und eine Hirtin will ich wieder werden
eine Jungfrau will ich wieder werden‟. Ein Dar=
ſteller
der gleichen Hofbühne, der zu ſagen hatte: Es
iſt nicht meine Taktik . . . bemerkte allen Ernſtes: Es
iſt nicht meine Tiktak Von Wilhelm Schneider iſ
ein beſonders komiſcher Fall erinnerlich. Er ſprach in
Wallenſtein ſtatt von des Heuchlers Tücke von des
Tücklers Heuche‟ Im Publikum ſchien man dieſer
lapsus linguae übrigens nicht bemerkt zu haben. E:
iſt dies bezeichnend, und alle Bühnenkünſtler wiſſer
davon zu erzählen, daß Verſprechungen, auch di
komiſchſten, vom Publikum zumeiſt überhört werden
wenn der Sprecher durch ſie ſich nur ſelbſt nicht aus de
Faſſung bringen läßt.
* Ein altbabyloniſches Liebesbrief
chen teilt der berühmte Aſſyriologe Profeſſor Friedrie
Delitzſch von der Berliner Univerſität in ſeiner neueſter
ſoeben bei der Deutſchen Verlagsanſtalt in Stuttgar
erſcheinenden Schrift Handel und Wandel in Babr
lonien mit. Der Brief findet ſich auf einem au
Sippar ſtammenden, allerliebſt geſchriebenen Täfelche
und trägt die Adreſſe: An meine Bibi Gimil=Mardut.
Der Wortlaut dieſes ehrwürdigen Schriftſtückes, da
uns doch ſo jung und lebensfriſch berührt, weil es un
eben vergegenwärtigt, daß die Menſchen vor 300
Jahren ebenſo geliebt haben, wie heute, lautet w
folgt: Samas und Marduk mögen Dich um meine
willen ewig leben laſſen! Wie geht es Dir? Schreil
mir doch! Ich bin nach Babylon gegangen, habe Di.
aber nicht gefunden. Ich war ſehr enttäuſcht. Benac
richtige mich, daß Du kommſt und ich iich freue. J
Marcheſchwan (etwa November) ſollſt Du komre
Mögeſt Du um meinetwillen ewig leben! Die Fra

[ ][  ][ ]

die Sprache iſt zu plump und zu arm, um dieſe Lebens=
freude
, dieſes wunderbare Spiel der ſchönen Glieder zu
ſchildern! Die Muſik wird von der Kapelle des Leib=
garderegiments
unter Leitung ihres Obermuſikmeiſters
Hauske ausgeführt. (Siehe Anzeige.)
Dr. Ludwig Ganghofer wird bei ſeinem
einzigen am 4. März hier im Feſtſaale der Turngemeinde
ſtattfindenden Vortragsabend dies Programm zu Gehör
bringen: Vorwort; Flori,Der Michel und ſe n Todfeind‟;
Taveri; Drei Wilddiebe‟. Ganghofer, der ſoeben
ſeine erſte große Vortragsreiſe durch Deutſchland abſol=
viert
, wird allerwärts als ein hervorragender Interpret
ſeiner Dichtungen gerühmt, der mit dem Reiz ſeines
großen klangvollen Organs, mit der Plaſtik ſeiner ſpar=
ſamen
, aber geſchickt gewählten Geſten, ja ſelbſt durch
den Ausdruck ſeines geiſtvollen Blondkopfes den Eindruck
des geſprochenen Wortes außerordentlich zu vertiefen
vermag. Hält man dies mit der wirkungsvollen Vor=
tragsfolge
zuſammen, die u. a. auch einen neuen Ab=
ſchnitt
aus den ſoeben erſcheinenden und ſchon ſo vielfach
nachgedruckten Lebenserinnerungen Ganghofers bringt,
ſo darf man auf einen ſelten genußreichen Abend hoffen.
Die wenigen noch vorhandenen Eintrittskarten werden
im Verkehrsbureau abgegeben.

Parlamentariſches.

*X* Der Finanzausſchuß der Zweiten
Kammer hielt geſtern vormittag gemeinſam mit der
Regierung Beratungen ab, in der die Vorſchläge der
Erſten Kammer recht eingehend erörtert wurden.
Weiter wurde mitgeteilt, daß der preußiſche
Finanzminiſter ſich bereit erklärt habe, den Mit=
gliedern
der Zweiten Kammer freie Fahrt vom Wohn=
ort
nach Darmſtadt während des ganzen Jahres zu ge=
währen
gegen eine Averſionalſumme von 14000 Mark

Straßenkrawall in Frankfurt a. M.

* Frankfurt, 18. Febr. Die Vorgänge am letz=
ten
Sonntage haben geſtern neue Straßenkra=
walle
nach ſich gezogen, wobei Säbel und Revolver
eiue große Rolle ſpielten und deshalb leider nicht ohne
Brutvergießen verlaufen ſind. Die Veranlaſſung zu
den Menſchenanſammlungen bildeten fünf ſozial=
demeo
kratiſche
Proteſtverſammlungen
gegen das Vorgehen der Polizei am letzten Sonntag,
nach deren Schluß die durch die Reden erregten Ge=
müter
geſchloſſen der Zeil zuſtrömten. Die Polizei=
verwaltung
hatte umfaſſende Maßnahmen zur Siche=
rung
des Polizeipräſidiums getroffen. Auf der ganzen
Zeil waren verſtärkte Poſtenketten aufgeſtellt. Um
Reibereien möglichſt zu vermeiden, war ſeitens der
Polizeileitung der Befehl ergangen, den Zug unbehin=
dert
vom Gewerkſchaftshauſe aus durch die Aller=
heiligenſtraße
und die Zeil nach dem Schillerplatz zu
paſſieren zu laſſen, dagegen jedes Vordringen in der
Richtung des Polizeipräſidiums zu verwehren. Als die
radauluſtige Menge die erſte Poſtenkette der Schutzleute
auf der Zeil erreichte, wandte ſie ſich gegen dieſe,
worauf ein Kriminalſchutzmann den Haupträdelsführer
feſtnahm. In dieſem Augenblick fielen aus der Menge ca
10 bis 12 Revolverſchüſſe; gleichzeitig erhielt
der Kriminalbeamte, der den Siſtierten gefaßt hielt,
einen Wurf Pfeffer ins Geſicht, wodurch ihm auf einem
Auge zeitweiſe die Sehkraft genommen wurde. Im
ſelben Augenblicke ertönte der Ruf eines Kameraden
an ſein Ohr: Ich bin geſtochen worden! Darauf riß
der Beamte ſeinen Dienſtrevolver hervor und gab zwei
Schüſſe auf die anſtürmende Menge ab, von denen
einer in die Lunge eines Angreifers drang, dieſen
ödlich verletzend. Die zweite Kugel war einem
anderen Tumultuanten in das Bein gedrungen. Erſt
etzt, als die durch die Menge bedrohten Beamten die
Notpfeife ertönen ließen, bekam die vor dem Polizei=
präſidium
aufgeſtellte Schutzmannſchaft Order, mit
der blanken Waffe einzuſchreiten. Es kam
dann zu einem harten Kampfe, wobei acht bis
rehn Zivilperſonen durch Säbelhiebe teilweiſe recht be=
deutende
Verletzungen erlitten und dem Krankenhaue
zugeführt werden mußten. Entſetzt ſtob das die Zeil
zufällig in dieſer Zeit paſſierende Publikum nach allen
Richtungen davon, Damen fielen zu Boden, rafften ſich
vieder auf, um weiter zu flüchten, und wohl ein jeder
var froh, wenn er dem Gemetzel glücklich entrinnen
konnte. Doch nicht allzu leicht ſollte die Polizei der
Situation Herr werden. Immer von neuem zeigten
ich erbitterte Elemente, um ſich gegen die Polizei zu
venden und bis in die Nacht knallten Schüſſe in der
Zeil und den angrenzenden Straßen; Siſtierungen
vurden nur etwa ein Dutzend vorgenommen, da die
Polizei hauptſächlich auf die Abwehr von Uebergriffen
jedacht war.
Von anderer Seite wird den Frankf. Nachrichten
roch geſchrieben: Im Gewerkſchaftshaus fanden zwei

Verſammlungen ſtatt, da der Hauptſaal ſchon lange
vor Beginn der Reden beſetzt war. In der einen Ver=
ſammlung
ſprach Redakteur Dr. Quarck und in der
anderen der Buchbinder Eberhardt. Nach Schluß der
Verſammlungen, die polizeilich nicht überwacht waren,
ſtürmten die Teilnehmer durch die Allerheiligenſtraße
und Klingerſtraße der Zeil zu. Vor dem Polizeipräſi=
dium
, wo nur wenige Schutzleute patrouillierten, ſam=
melte
ſich eine immer größer werdende Menſchenmenge
an, unter der ſich viele Rowdies und provokatoriſche
Elemente befanden, die nicht an den Verſammlungen
teilgenommen hatten. Bald ertönten Pfuirufe, und die
Schutzleute wurden Bluthunde genannt. Trotz dieſer
Beleidigungen verhielten ſich die Beamten ſtill, da aus=
drücklich
befohlen worden war, ſich möglichſt reſerviert
zu verhalten. Als die Schmährufe ſich vermehrten und
an der Konſtablerwache plötzlich Schüſſe fielen und eine
Menge ſingend daherzog, ſchritt die Polizei unter dem
Kommando des Polizeiinſpektors v. d. Oſten ein. Die
erſten Schüſſe, die abgegeben wurden, waren von
Perſonen aus der Maſſe abgefeuert worden. Nach
der einen Verſion fielen etwa 20, nach der anderen nur
10 Schüſſe. Der Kriminalſchutzmann Strott, der tätlich
angegriffen wurde, gab in der Not zwei Schüſſe aus
einer Browning=Piſtole auf den Angreifer ab. Dieſer,
ein junger Menſch, hatte den Beamten mit einem Stock=
degen
verfolgt. Strott rief mehrmals, daß er zurück=
gehen
möge, es werde ſonſt etwas paſſieren. Der Zu=
dringling
folgte den Worten nicht. Der Kriminalſchutz=
mann
bekam nun von anderer Seite Pfeffer in die
Augen geſtreut und wäre nun niedergeſchlagen worden,
wenn er nicht zur Piſtole gegriffen und zweimal auf
den Angreifer geſchoſſen hätte, der anſcheinend verletzt
wurde und entkam. Wohl über 2000 Perſonen befanden
ſich inzwiſchen auf dem Wege zur Hauptwache. In der
Nähe der Haſengaſſe führte der Schrei er Michael
Anton Herkert unter Hohnrufen auf die Polizei einen
Trupp an. Er wurde von zwei uniſormierten Ve=
amten
, die zu ihrem Schutz blank gezogen hatten, ver=
haftet
und nach dem Präſidium zu transportiert. Hin=
ter
den Beamten war eine rieſige Menſchenmenge her,
die drohte, tätlich zu werden, um den Verhafteten
zu befreien.
Der Transport war auf der Höhe des Orpheums
angelangt, als der Schutzmann Kaminski den Ausruf
tat: Entweder bin ich geſchoſſen oder geſtochen! Er
griff nach ſeiner Schulter und konnte ſich nach dem
Präſidium begeben, wo feſtgeſtellt wurde, daß er einen
Stich in die Lunge erhalten hatte. Nachdem das Feuer
aus der Menge ſtärker eingeſetzt hatte, wurde eine
größere Anzahl Schutzleute beordert, die blank zog und
die Menge zu zerſtreuen ſuchte. De Beamten wurden
in ihrem Vorgchen von der Kriminalp lizei und ei er
berittenen Abteilung unterſtützt. Welch einen ſchweren
Standpunkt die Polizei hatte, mag aus der Tatſache
hervorgehen, daß die Menge dem nach dem Präſidium
eilenden Sanitätsperſonal den Zutritt verwehren
wollte.
Die Rettungswachen, die ſofort zur Stelle
waren, ließen neben den verwundeten Beamten noch
mehreren anderen Perſonen ihre Hilfe angedeihen.
Ein von auswärts zugereiſter Mann namens Martin
Scheindel aus Mechelsdorf bei Nürnberg wurde mit
einem ſchweren Lungenſchuß vom Präſidium ins Heilig=
geiſthoſpital
gebracht; ein Paſſant, dem ein Tiefſchuß
aus einem Browning den einen Oberſchenkel und die
Wade des anderen Beines durchbohrt hatte, wurde zu=
nächſt
in eine Wirtſchaft der Börneſtraße getragen, hier
verbunden und dann in ſeine Wohnung im Wollgraben
transportiert; einige Leute, darunter ein aus Hanau
zugereiſter Mann, haten Säbeliebe am Kopf und den
Armen erhalten. Um Mitternacht wurde dann noch
ein krimineller Verwundeter ins Polizeigefängnis ein=
geliefert
. Dieſer, der Packer Johann Bauer aus der
Papageigaſſe, hatte am Droſchkenhalteplatz in der Aller=
heiligenſtraße
zwiſchen zwei Wagen auf einen unifor
mierten Schutzmann einen Revolverſchuß abgegeben,
der aber ſein Ziel verfehlte, war dann in einen Hof
in der Albusgaſſe geflohen, hatte dort abermals auf
die nacheilenden Beamten gefeuert und war ſchließlich,
nach einer Hetzjagd auf dem Boden des Hauſes von
Poliziſten niedergeſchlagen worden.
Noch nach Mitternacht wurde von Demonſtranten
in der Fahrgaſſe ſcharf geſchoſſen. Die Polizei ordnete
an, daß ſämtliche elektriſche Bogenlampen in der Alt=
ſtadt
und auf der Zeil noch brennen ſollten.
H.B. Frankfurt, 18. Febr. Nach dem Ueber=
blick
, den man heute über die blutigen Exzeſſe von
heute nacht gewinnt, wurden von den Rettungswachen
insgeſamt 45 Fälle von Verletzungen ſchwerer und
leichter Art behandelt. Außerdem wurden etwa 20
Schutzleute verletzt. Die ſozialdemokratiſche Partei
hat heute früh auf dem Polizeipräſidium für Sonntag
nachmittag 3 Uhr die Genehmigung zu einem Demon=

ſtrationszuge nachgeſucht, was aber ſofprt abge=
lehnt
wurde.

Sport.

sr. Bei der Berliner Ringkampfkonkurrenz
im Etabliſſement Buggenhagen wurde am letzten Abend
der Kampf um die Leichtgewichtsmeiſterſchaft von Deutſch=
land
zum Abſchluß gebracht. Den erſten Preis vor
1500 Mark erhielt Hein=Berlin mit 11 Siegen und
0 Niederlagen, nachdem er im Entſcheidungskampfe den
Münchener Saurer nach einer Geſamtzeit von 2 Stunden
47 Minuten geworfen hatte. Dem Münchener fiel mit
7 Siegen und 1 Niederlage der zweite Preis in Höhe
von 1000 Mark zu, während der Franzoſe Gambier mit
9 Siegen und 2 Niederlagen den dritten Preis von
500 Mark zugeſprochen erhielt. Die Ringkämpfe werden
nunmehr mit der Schwergewichtskonkurrenz fortgeſetzt, an
der u. a. die drei Preisträger, ſowie Schneider=Sachſen
und der Neger Illa teilnehmen werden.
sr. Zum internationalen Bennett=Rennen
der Lüfte, das in dieſem Jahre in Amerika ausge=
tragen
wird, ergab der Meldeſchluß bisher zwölf Unter=
fchriften
von fünf verſchiedenen Nationen, und zwar
meldeten Deutſchland, Frankreich und die Vereinigten
Staaten je drei Ballons, die Schweiz zwei Ballons und
Dänemark einen Ballon. Es iſt jedoch möglich, daß
England, Belgien, Spanien, Italien oder eine andere
der dem Internationalen Verbande angehörenden 15
Nationen noch vor Meldeſchluß briefliche Meldungen an
den Amerikaniſchen Aero=Klub geſandt hat, die Gültigkeit
beſitzen, aber erſt in einigen Tagen veröffentlicht werden
können. Das Rennen wird vorausſichtlich am 18. Ok=
tober
zur Zeit des Vollmonds beginnen. Der Startort
iſt noch nicht definitiv feſtgeſetzt, wird aber gegen Ende
des Monats bekannt gegeben werden. Der Bennett=
Pokal für Freiballons iſt bisher viermal umſtritten
worden und zweimal von den Vereinigten Staaten
ſowie je einmal von Deutſchland und der Schweiz ge=
wonnen
worden. Im letzten Jahre ſiegte der Vertreter
Amerikas, das nunmehr den Pokal zu verteidigen und
das Rennen zu organiſieren hat.

Erdbeben.

Seismiſche Station Darmſtadt=
Jugenheim, 18. Febr. Heute früh wurde ein mit=
telſtarkes
Erdbeben aufgezeichnet. Es begann
6 Uhr 13 Minuten 19 Sekunden und dauerte kaum
20 Minuten. Die Herdentfernung ergibt ſich zu 2000
Kilometer. Die Lage des Herdes von Darmſtadt aus
iſt Süd=Oſt. Eine ſeismiſche Triangulation führt zu
einer Stelle im Mittelmeer, ſüdweſtlich von Griechen=
land
, nördlich der großen Syrte (etwa 35 Grad nörd=
licher
Breite und 20 Grad öſtlich Greenwich). Dort
befindet ſich eine ſtarke Senkung des Meeresbodens mit
einer Tiefe von mehr wie 4000 Meter, die den Ausgang
eines Seebebens wahrſcheinlich macht.
* Straßburg, 18. Febr. Nach den Aufzeich=
nungen
der Apparate der Kaiſerlichen Hauptſtation für
Erdbebenforſchung hat im nördlichen Kleinaſien ein
ziemlich heftiges Erdbeben ſtattgefunden. Die
Regiſtrierungen begannen heute früh 6 Uhr 13 Min.
18 Sek.; die zweiten Vorläufer ſetzten 3½ Minuten
ſpäter ein. Wahrſcheinlich handelt es ſich um ein epi=
zentrales
Erdbeben in einer Entfernung von 1900 Kilo=
metern
.
* Heidelberg, 18. Febr. Heute früh 6 Uhr 12
Min. verzeichnete der Seismograph auf dem Königs=
ſtuhl
ein mittelſtarkes Fernbeben, deſſen Maxi=
mum
um 6 Uhr 19 Min. eintrat.
* Hohenheim, 18. Febr. Die Inſtrumente
der Erdbebenwarte zeigten heute früh um 6 Uhr 13
Min. ein mittelſtarkes Fern=Erdbeben an; der
Herd dürfte ungefähr 1800 Kilometer, alſo wohl noch in
Europa, liegen.
Hamburg, 18. Febr. Die Hauptſtation
für Erdbebenforſchung beobachtete früh 6 Uhr
13 Minuten 46 Sekunden den Beginn der Aufzeichnung
eines mittelſtarken Bebens aus 2300 Kilometer
Entfernung.
Wien, 18. Febr., vorm. Die Erdbeben=
warte
der k. k. Zentralanſtalt für Meteorologie be=
obachtete
heute früh 6 Uhr 12 Minuten 23 Sekunden
ein ſtarkes Erdbeben. Herdentfernung 1600 Kilometer.

Sturmnachrichten.

* London, 17. Febr. In ganz England herrſchte
heute ſtarker Südweſtſturm, durch welchen zahl=
reiche
Schiffe beſchädigt und mehrere Häuſer abgedeckt
wurden. In Irland wurden eine Maſchine und zwei
Wagen eines Zuges aus dem Gleiſe geworfen.
H. B. London, 18. Febr. Die Stürme der letz=
ten
Nacht haben in England mit ungeheuerer Heftigkeit

es Gimil=Marduk kann, wie Profeſſor Delitzſch er=
äuternd
bemerkt, dieſe in Babylon vergeblich geſuclte
nd dennoch ſo zärtlich behandelte Vibi nicht geweſen
ein es ſcheint ein anderes Verhältnis zwiſhen den
eiden Liebenden beſtanden zu haben, deſſen Auh len
ber nicht zu den ſtreng philologiſchen Aufgaben
ehört‟
* Das Orcheſter der Aerzte. Die franzö=
ſche
Hauptſtadt wird ſich binnen kurzem rühmen
önnen, ein ungewöhnliches Orcheſter zu beſitzen, in
m alle Mitwirkenden approbierte Aerzte und Dok=
oren
der Heilwiſſenſchaft ſind. Die Pariſer Aerzte=
chaft
zählt gegen 150 Mediziner, die leidenſchaftliche
Nuſikliebhaber ſind drei der begeiſtertſten dieſer Ama=
urmuſiker
, Prof. Richelot, Dr. Robert=Simon und Dr.
Raoul Blondel, der auch als begabter Komponiſt be=
annt
iſt, haben den Plan gefaßt, ein erſtklaſſiges Or=
eſter
zu organiſieren, an dem nur Aerzte mitwirken
Illen. Der Direktor des Opernorcheſters Buſſer hat
nter den 150 muſikaliſchen Medizinern 70 ausgenäh t,
ie das neue Aerzte=Orcheſter bilden werden. Es wi d
us 24 Violinen beſtehen, 10 Violen, 12 Cellos, 6 Flöten,
inem Baß und einem Kontrabaß, 2 Hoboen, 2 Klari=
etten
, einem Horn, einem engliſchen Horn, einer
Keihe weiterer Blechbläſer, Trommeln und Pauken,
urz, aus allen Inſtrumenten, die zu einem voll=
ommenen
Orcheſter gehören. Die Verwaltung des
rcheſters liegt in den Händen eines Komitees, an
eſſen Spitze der erſte Geiger, Prof. Richelot, ſteht und
em außerdem die Doktoren Blondel, Vaucaire, Le
Ireton und Deſtonches angehören. Die muſikaliſche
Leitung führt Kapellmeiſter Buſſer, ger mi: den Proben
ehr zufrieden iſt. Bereits im April ſoll das Aerzte=
Orcheſter in einem großen Konzert zum erſten Male
or die Oeffentlichkeit treten, deſſen Erträgniſſe den
rediziniſchen Wohltätigkeitsanſtalten zufließen ſollen.
* Höhniſches Lachen vor Gericht iſt ſtraf=
ar
! Vor dem Berliner Kaufmannsgericht trat eine Frau

als Zeugin in einem Prozeß gegen ihren Mann auf. Sie
fiel dem Kläger bei ſeinen Ausführungen wiederholt in
die Rede und wurde natürlich verwarnt. Auf dieſe Ver=
warnung
hatte ſie nur ein ironiſches Lächeln. Der Ge
richtshof erblickte hierin eine Ungebühr vor Gericht und
nahm ſie ſogleich in eine Strafe von 10 Mark.

Die neue Orgel der St. Eliſabethenkirche.

Nachdem am Donnerstag vormittag die offi=
zielle
Abnahme=Prüfung der neuen Orgel in St.
Eliſabeth ſtattgefunden hatte, nahm Herr Dom=
kapellmeiſter
Vogt aus Mainz Gelegenheit, dieſelbe
am Nachmittag von ½4½6 Uhr einem gewählten Zu=
hörerkreis
in ihrer vollen Klangſchönheit vorzuführen.
Man konnte dabei die Wahrnehmung machen, daß die
techniſchen Verbeſſerungen, welche man in unſerer Zeit
auch im Orgelbau anwendet, dem ausgeſprochen kirch=
lichen
Charakter des Inſtrumentes durchaus nichts
nehmen, denſelben vielmehr noch klarer hervortreten
laſſen; dies zeigte ſich beſonders in der Weiſe, wie die
Melodie O Haupt voll Blut und Wunden von der
edel intonierten Zungenſtimme hervorgehoben, vor
einem ſehr milden Baß geſtützt und von weichen,
klagenden Tönen umſpielt wurde, eine weihevolle An=
dachtsſtimmung
bei allen Zuhörern hervorrufend.
Waren es hier die zarten Flötenklänge, welche die
Choralmelodie umrankten, ohne ſie zu verhüllen, ſo
war es die Schlichtheit des Vortrags bei der G-moll=
Fuge und der Doriſchen Toccata von Bach, die den
Werken älterer Tonkunſt überhaupt angemeſſen iſt
und die deshalb eine ſo überwältigende Wirkung er=
zielen
. Die Variationen von Heſſe (in A-dur) gaben
dann Gelegenheit, in beſonderen, wohlabgewogenen
Klangverbindungen die verborgenen Schönheiten,
welche das neue Orgelwerk in ſo reichem Maße in ſich
birgt, kennen zu lernen; dasſelbe iſt von verſchiedenen
modernen, ganz in kirchlicher Stimmung gehaltenen

Kompoſitionen von Guilmant u. a. zu ſagen, bei denen
zartſchwebende Harfenklänge der vox eoelestis, einer
der ſchönſten Stimmen des neuen Werkes, in lang=
ſamem
Anwachſen des gehaltenen Akkordes näher zu
kommen ſcheinen. Aus der Zahl der wohlgelungenen
Soloſtimmen müſſen außer den bereits erwähnten,
ganz beſonders prachtvollen Zungenſtimmen, die dem
vollen Werke einen feſtlichen Glanz verleihen, die ver=
ſchiedenen
Flöten= und gedeckten Stimmen genannt
werden, beſonders die im Schwellkaſten ſtehenden Re=
giſter
des zweiten Manuals, unter dieſen auch die
Waldflöte 2, Prineipalflöte, Salicional und das nach
Art der alten Meiſter ohne Strich intonierte, mild und
edel intonierte Prineipal. Von unvergleichlicher Wirk=
ung
infolge der Aufſtellung im Schwellwerk ſind auch
die beiden zarten Pedalregiſter, ſowie Trompete und
die weiche, dem Orcheſterinſtrument ſehr nahe kom=
mende
Klarinette, von edler Klangfarbe. Tuba 8 und
Poſaune 16 geben dem Pedal die nötige Kraft. Unter
den Labialſtimmen des Hauptwerkes ſei noch die mit
der Viola di Gamba, in Verbindung mit anderen Re=
giſtern
dem Engliſchhorn ähnliche, charakteriſtiſche,
ſchöne Klangfarbe hervorgehoben.
Seit im Jahre 1892 die erſte moderne Orgel mit
Röhrenpneumatik und einem ſehr ausgiebig wirken=
den
Schwellwerk in unſerer Stadt Aufſtellung fand,
ſind ihr eine Reihe anderer Neu= oder Umbauten ge=
folgt
, darunter auch eine elektropneumatiſche, von
denen jede ihre beſonderen Vorzüge hat. Die neue,
von der Firma Voit und Söhne in Karlsruhe= Dur=
lach
mit 37 klingenden Stimmen erbaute Orgel der
t. Eliſabethenkirche darf mit ihrer ſehr zweckmäßigen
Anlage des Spieltiſches und geſchickten Dispoſition
einen hervorragenden Platz unter denſelben beanſpru=
chen
, und hat wohl bei allen Muſikverſtändigen Anklang
gefunden.
Möge ſie darum zum Segen der Gemeinde im
Dienſte des Höchſten ihre erhabene und machtvolle
Stimme von nun an erſchallen laſſen!

[ ][  ][ ]

gewütet. So wehte der Sturm bei Peterborough in
der Grafſchaft Northampton einen mit zwei Pferden
beſpannten Holzfrachtwagen von einer Brücke in den
Fluß. Kutſcher und Pferde ertranken. In der iriſchen
Stadt Londonderry, nordweſtlich von Belfaſt, wurde
eine für die Ackerbau=Ausſtellung beſtimmte Halle von
600 Fuß Länge vollkommen zerſtört. In Irland wur=
den
ferner eine Lokomotive und drei Wagen ins Meer
geſchleudert. Aus verſchiedenen Orten werden tödliche
Verunglückungen infolge des Sturmes gemeldet.
H.B. London, 18. Febr. Die Nachrichten über die
Verheerungen, welche der Sturm in einem Teile
Englands angerichtet hat, lauten immer ernſter. In
vielen Orten ſind Mauern eingeſtürzt, Dächer abgedeckt,
Bäume entwurzelt und ſonſtiger Schaden angerichtet
worden.
H. B. New=York, 18. Febr. Die Mittel= und
Weſtſtaaten Amerikas ſind geſtern von einem
ſchweren Blizzard heimgeſucht worden, der 24 Stun=
den
andauerte. Der Sturm begann im Südweſten des
Staates Texas und zog ſich den ganzen Miſſiſſippi ent=
lang
bis zum Staate Ohio.

Deutſcher Reichstag.

* Berlin, 18. Febr. In namentlicher Abſtimmung
wird zunächſt über den ſozialdemokratiſchen Zu=
ſatzantrag
zum
Toleranzantrag des Zentrums
abgeſtimmt. Derſelbe wird mit 233 gegen 89 Stimmen ab=
gelehnt
. Es folgt die Abſtimmung über den Toleranz=
antrag
des Zentrums ſelbſt, deſſen Ablehnung ebenfalls,
und zwar mit 160 gegen 150 Stimmen erfolgt.
Auf der Tagesordnung ſteht die
ſozialdemokratiſche Interpellation
betreffend die vom Reichskanzler am 10. Februar im Ab=
geordnetenhauſe
gemachten Ausführungen, die das Wahl=
recht
herabzuſetzen und zu bedrohen geeignet ſeien. Staats=
ſekretär
Dr. Delbrück teilt mit, daß der Reichskanzler
bereit ſei, die Interpellation morgen zu beantworten.
Es folgt die
zweite Leſung des Etats des Reichsamts
des Innern
und zwar bei dem Titel Gehalt des Staatsſekretärs und
der zu dieſem Etat geſtellten Reſolutionen, bisher 38 An=
träge
. Abg. Mayer=Kaufbeuren (Zentr.): In dieſem
Jahre ſtehen wirtſchaftspolitiſche Fragen infolge der Stel=
lung
Deutſchlands zum Weltmarkte für uns im Vorder=
grund
. Wir müſſen dahin wirken, daß unſere Export
fähigkeit und das Abſatzgebiet erweitert wird; unſere In=
duſtrie
muß unabhängig gemacht werden vom Auslande.
In Bezug auf Baumwolle, Kaffee, Petroleum und Eiſen
ſind wir immer noch auf das Ausland angewieſen. In
der letzten Zeit iſt der Verkauf von Rohſtoffen und Halb=
zeug
zu Schleuderpreiſen zu beobachten geweſen, wodurch
die inländiſche Produktion erſchwert und verteuert, die
ausländiſche Konkurrenz dagegen geſtärkt wird. Wir
wünſchen zur Beſeitigung dieſes Uebelſtandes die ſtärkere
Heranziehung von Handelsſachverſtändigen. Bei großen
deutſchen Betrieben, wie der Auergeſellſchaft und der
Dresdener Bank, ſind Konkurrenzmanöver mit Kapitals=
erhöhungen
, die an ungeſunde amerikaniſche Verhältniſſe
erinnern, zu bemerken. Wir beantragen deshalb in der
Reſolution die Vorlegung eines Geſetzes zur Errichtung
eines Reichskartellamtes. Erfreulich ſind die Maßnahmen
des Rheiniſch=Weſtfäliſchen Kohlenſyndikats zur Herab=
ſetzung
der Kohlenpreiſe. Wir wünſchen Auskunft über
die Reſultate der Konferenz, die ſtattgefunden hat, um den
reinen Walzwerken die Produktion und den Abſatz ihrer
Waren zu erleichtern. Das Verhalten der Standard Oil
Company erfordert energiſche Maßnahmen. Denkt die
Regierung nicht daran, die kleinen und mittleren Mühler
konkurrenzfähig zu erhalten, wenn auch durch andere Mit=
tel
als durch die Mühlenumſatzſteuer? Der Hanſabund
mag an ſich berechtigt ſein, das Zentrum wird wiſſen,
welche Wirtſchaftspolitik es zu verfolgen hat, gleichgültig
ob mit dem Hanſabund, oder gegen ihn. (Lebhafter
Beifall.)
Staatsſekretär Dr. Delbrück: Auf die angeſchnitte
nen Einzelfragen komme ich im Laufe der Debatte zurück.
Ich werde zunächſt die allgemeinen Aufgaben meines Reſ
forts und die Ziele der Politik beſprechen, die ich zu ver
treten habe. Der Staatsſekretär gibt ſodann einen hiſto
riſchen Rückblick über die Entwickelung unſeres volks= und
wirtſchaftlichen Lebens ſeit der Gründung des Deutſchen
Reiches und ſagt dann weiter: Die Entwickelung un=
ſerer
Induſtrien und die der internationalen und natio=
nalen
Verkehrsverhältniſſe laſſen kein Gebiet unſeres wirt
ſchaftlichen Lebens unberührt. Als erſte Konſequenz die=
ſer
Entwickelung erſchien die Sozialdemokratie; die
Kämpfe zwiſchen Arbeitgebern und Arbeitnehmern ſind
noch nicht beendet und unſere Aufgaben auf dieſem Ge=
biete
ſind noch nicht gelöſt. Die Induſtriealiſierung ver=
urſachte
zunächſt die Arbeiternot in der Landwirtſchaft
Dieſe Schwierigkeiten vermehrten die Entwickelung des
einheimiſchen und internationalen Eiſenbahnweſens und
die Fortſchritte des internationalen Schiffahrtsverkehrs.
Letztere verſchoben die Preisbildung landwirtſchaftlicher
Produkte derart, daß viele Landwirte an den Rand des
Verderbens kamen. (Sehr richtig! rechts.) Im ſelber
Augenblick wollte man von der Natural= zur Geldwirt=
ſchaft
übergehen und dazu war das kaufmänniſche Rüſtzeug
der Landwirtſchaft noch nicht fertig. So wurde nament=
lich
der ſelbſtändige Mittelſtand betroffen, an deſſen Er
haltung jedem Staat und jedem ernſten Politiker ſehr viel
gelegen ſein muß. (Bravo! rechts.) Deshalb hat die Mit
telſtandspolitik uns bisher ernſthaft beſchäftigt, ſie wird
uns noch manche ſchwierige und ſchwer lösbare Aufgabe
bieten, weil wir hier nichts neues zu entwickeln haben,
ſondern Zuſtände erhalten ſollen, die von allen Seiten
angegriffen werden. Neben dieſen Fragen haben un=
ſere
wachſende Induſtrie und die ſozialpolitiſchen Bedürf=
niſſe
uns beſtimmte Richtlinien für die Sozial= und Han=
delspolitik
gegeben. Obenan ſteht die Sozialpolitik, die
den Idealismus des ganzen Volkes beherrſcht. Ein ſozia=
liſtiſcher
Zug geht durch unſer ganzes Leben. Jeder will
ſeine Ideale hierin konzentrieren und dabei kann niemand
dieſer Politik eine andere Richtung geben, als ſie heute
ſchon hat. Was wir auf dieſem Gebiete haben oder dem
nächſt ſchaffen wollen, geht weit über das hinaus, was
andere Länder zu leiſten imſtande waren. (Lebhaftes Sehr
richtig!) Nur eine große Aufgabe iſt damit nicht gelöſt
worden. Es iſt nicht gelungen, die tiefe Kluft zu über
brücken, die der wirtſchaftliche Kampf geriſſen hat, und die
das deutſche Volk zu ſeinem Schaden in zwei Teile teilt
Wir müſſen uns bei allen neuen ſozialpolitiſchen Proble=
men
bewußt ſein, daß unſere Handlungen und Entſchlüſſe
geleitet werden müſſen von der Tendenz, zuſammenzufüh=
ren
und nicht zu trennen. (Lebhaftes Sehr richtig!) verſöh
nend, nicht erzürnend. (Erneuter Beifall.) Am ſchwierig=
ſſten
zu löſen ſind die Aufgaben für den Mittelſtand; für die
Landwirtſchaft iſt in erſter Linie von den Bundesſtaaten

geſorgt worden. Auch Induſtrie und Handel haben gewal=
tige
Werte geſchaffen und ſich eines gewiſſen Glanzes in
ihrer Entwickelung zu erfreuen. Das Reich muß darüber
wachen, daß dieſe ſtolze Entwickelung keinen Schaden er=
leidet
. Ich werde die Wege meines Amtsvorgängers weiter
wandeln. Ich kann das nur, wenn von allen Seiten über=
all
da die Hilfe mir nicht verſagt wird, wo wir uns zu
Neuerungen entſchloſſen haben. Wir halten dieſe für not=
wendig
, um unſerer innerpolitiſchen Entwickelung die Ste=
tigkeit
zu geben, die uns den Weg zu neuen Taten offen
hält ohne materielle und induſtrielle Werte zu zerſtören
die wir verpflichtet ſind, dem Volke zu erhalten, ſo lange ſie
am Leben zu erhalten ſind. (Lebh. Bravo.) Abg.
Pauli (konſ.): Die Regierungen werden auch die Wage
finden, um dem Mittelſtand zu helfen. In Bezug auf
die Sozialpolitik dürfen wir auf die erzielten Erfolge ſtolz
ſein. Die Tarifverträge ſind zu begrüßen. Die Arbeits=
nachweiſe
werden nicht paritätiſch gehandhabt. Das Wohl=
ergehen
der Handwerker bedeutet das Wohlergehen des
Mittelſtandes und danach muß man dieſe Frage behan=
deln
. Abg. Fiſcher (Soz.): Die heutige Rede des
Staatsſekretärs beweiſt, daß er die gleichen Pläne hat,
wie der Reichskanzler. Auf die Wünſche der Arbeiter wird
kein Wert gelegt. Die Gewerkſchaften werden vielfach, trotz
unzweifelhaften Verdienſtes von den Gewerbe=Inſpektoren
gefliſſentlich mißachtet.
Nach weiteren Ausführungen des Abg. Linz (Rp.),
der ſich gegen die Ausführungen des Vorredners wendet,
wird die Weiterberatung auf morgen 11 Uhr vertagt.
Vorher: Sozialdemokratiſche Interpellation betr. die
Rede des Reichskanzlers über das Reichstagswahlrecht.
Schluß 7. Uhr.
* Berlin, 18. Febr. Bei der heute fortgeſetzten
Beratung des Marine=Etats in der Bud=
getkommiſſion
verlas der Regierungsvertreter
das Ergebnis der Unterſuchung anläßlich der von ſo=
zialdemokratiſcher
Seite erhobenen Beſchuldigungen;
es ſeien wertvolle Artilleriematerialien in die Waſſer=
löcher
verſenkt worden, um ſpäter wieder herausgeholt
zu werden und im Intereſſe der Defraudanten verwer=
tet
zu werden. Auf den Vorwurf eines ſozialdemokra=
tiſchen
Redners, daß der Bericht des Danziger Ober=
werft
=Direktors aus einer nervöſen Stimmung her=
aus
geſchrieben worden ſei, betonte der Staatsſekretär
des Reichsmarineamts, Admiral von Schimmelmann
habe die Verpflichtung, ſeine Untergebenen in Schutz
zu nehmen gegen Beſchuldigungen, die ſich als unbe=
gründet
erwieſen hätten. Der Oberwerft=Direktor ſei
nicht nervös, doch ſei es nicht verwunderlich, wenn die
Beamtenſchaft der Marine unruhig würde durch die
beſtändigen Angriffe, die unberechtigt ſeien, da durch
den Werftprozeß nur Unregelmäßigkeiten auf dem Alt=
eiſenhof
in Kiel feſtgeſtellt wurden. Schließlich war
man faſt einſtimmig der Anſicht, daß die Regierung in
der Danziger Angelegenheit tat, was ſie konnte und
damit der Fall erledigt ſein müßte. Die Kommiſſion
vertagte ſich bis Dienstag.

Frankreich und Marokko.

* Paris, 18. Febr. Eine offiziöſe Mitteilung be=
ſtätigt
, daß das Miniſterium des Aeußern angeſichts der
Haltung Muley Hafids eine ganze Reihe von
Maßnahmen ins Auge gefaßt hat, welche gegebenen=
falls
in allmählich fortſchreitender Weiſe ergriffen werden
ſollen. Zunächſt wird Muley Hafid aufgefordert werden,
eine Antwort betreffs des jüngſt von El Mokri unterzeich=
neten
franzöſiſch=marokkaniſchen Abkommens zu erteilen.
Dieſe Aufforderung wird erſt in einigen Tagen nach Fez
gelangen und ſo wird man über die Geſinnung des Sul=
tans
erſt in ungefähr zwei Wochen im Klaren ſein. Wenn
Muley Hafid dann noch Schweigen beobachten oder er=
klären
ſollte, daß er das Abkommen ablehne, würde man
zu gewiſſen Zwangsmaßregeln ſchreiten, u. a., wie ſchon
gemeldet, die Beſchlagnahme der Zollerträgniſſe vorneh=
men
und gleichzeitig die franzöſiſche Kolonie in Fez in
Sicherheit bringen. Selbſtverſtändlich werden die fremden
Mächte von den beſchloſſenen Maßnahmen noch vor deren
Ausführung verſtändigt werden, aber es ſcheint ſehr mög=
lich
, daß die Zuſtimmung Muley Hafids in kurzem erfolgt
und es dann überflüſſig wird, zu Repreſſalien zu greifen.

Vermiſchtes.

O. K. Ueber die Wiederbevölkerung des
Odenwaldes mit Nachtigallen hat Pfarrer
Schuſter in Gonſenheim bei Mainz im vergangenen
Jahre im Touriſt bemerkenswerte Vorſchläge gemacht,
die wohl wert ſind, vor Beginn der Brutzeit in den Kreiſen
unſerer Bevölkerung ſo rechtzeitig bekannt gemacht zu wer=
den
, daß ſie von Freunden des Heimatlandes und ihrer
Vogelwelt erfolgreich beachtet werden können. Pfarrer
Schuſter und ſein Bruder haben ſich die Aufgabe geſtellt,
den Odenwald allmählich wieder mit Nachtigallen zu beſie=
deln
. Sie ſind dabei auf einen ganz beſtimmten Plan ge=
kommen
, der ſich mit einiger Zähigkeit im Laufe der Jahre
auch durchführen läßt. Die Sache muß freilich praktiſch
betrieben werden, ſonſt hat ſie keinen Zweck und Wert.
Vögel vom Händler zu beziehen und an Ort und Stelle
freizulaſſen, koſtet zu viel Geld und verſpricht wenig Er=
folg
, da der Vogel nur dort gerne bleibt, wo er heran=
gewachſen
iſt. Die Brüder Schuſter wollen darum Nach=
tigalleneier
von verwandten Vögeln im Odenwald aus=
brüten
laſſen. Die von verwandten Vögeln aufgezogenen
Nachtigallenjungen kommen im nächſten Jahre ſicher dahin
zurück. Die Nachtigalleneier in friſchem, gutem Zuſtande
werden die Brüder im Frühjahre haben. Es müßten nun
etwa von Forſtleuten oder geeigneten Männern des Oden=
waldklubs
im Odenwald ſelbſt Rotkehlchenneſter aufge
ſucht werden; denn die Rotkehlchen kommen von den Erd=
ſängerarten
am erſten in Betracht als Pflegeeltern der
Nachtigallen. Vielleicht dürften ferner auch das Haus= und
Gartenrotſchwänzchen, obwohl dieſe beiden ſchon Höhen=
brüter
ſind, dafür geeignet ſein. Wer ſich alſo in unſerem
Odenwald an dieſem Unternehmen durch Mitarbeit betei=
ligen
will, wer alſo in friſchbelegte Rotkehlchenneſter des
Odenwaldreviers friſche, ihm gelieferte Nachtigalleneier
einſetzen will, der möge ſich an Pfarrer Schuſter in Gon=
ſenheim
bei Mainz rechtzeitig wenden, der dann das Wei=
tere
beſorgen wird. Dieſer Plan verdient entſchieden Be
achtung, denn er iſt ſicher, wenn richtig ausgeführt, von Er=
folg
gekrönt, außerdem auch einfacher und großzügiger als
frühere Anſiedelungsverſuche. Auf dieſe Weiſe kann unſer
ſchönes Berggebiet wieder mit dem edelſten Sänger beſie
delt werden. Der Zentralausſchuß des Odenwaldklubs
gibt ſich der Hoffnung hin, daß die im Lande verbreiteten
Ortsgruppen dieſer Angelegenheit ihre Aufmerkſamkeit zu=
wenden
und gewiß geeignete Männer in ihren Reihen
haben, die im Mai und Juni ſich Nachtigalleneier von den
Brüdern Schuſter in Gonſenheim kommen laſſen und im
Herbſte über den Erfolg berichten. Wie herrlich wäre es
doch, wenn droben auf Lichtenberg, Otzberg, Breuberg, an
der Bergſtraße und im Neckartale wieder die Nachtigallen
ſchlügen!

Jugendfürſorge. Zu dem ſchon gemel=
deten
Kurſus für Freunde der ſchulentlaſſenen männ=
lichen
Jugend, der vom 17. bis 21. April in Frankfurt
ſtattfinden ſoll, ſind inzwiſchen ſchon viele Meldungen
eingegangen. Der Kursbeitrag iſt auf nur 3 Mark feſt=
geſetzt
. Volle Verpflegung einſchließlich Quartier kann
ſchon von 1,50 Mark für den Tag nachgewieſen wer=
den
. Als Referenten haben neben Profeſſor Dr. Wur=
ſter
in Tübingen und Pfarrer Dr. Buſch in Frankfurt
nunmehr u. a. zugeſagt: Profeſſor Dr. A. Voigt in
Frankfurt (Berufswahl und Jugendwohl), Sundikus
Engelbach in Darmſtadt (Bedeutung von Handwerks=
kammern
und gewerblichen Organiſationen), Lic. Zur=
hellen
in Frankfurt, früher Seelſcheid (Begründung
und Einrichtung der ländlichen Jugendpflege‟), Lehrer
Eidmann (Führung durch das Odenwaldmuſeum),
D. Dr. Diehl, beide in Darmſtadt (Heimatpflege im
Dienſt der Jugendpflege‟). Das endgültige Programm
wird in Kürze veröffentlicht.
Schützt deutſche Ortsnamen! Man
wird es keinem Deutſchen verargen, wenn er in fremd=
ſprachlicher
Unterhaltung von Capetonn, New Vork,
Milano redet und London und Edinburgh engliſch aus=
ſpricht
; in deutſch geführter Unterhaltung haben wir
aber zum mindeſten das Recht, das fremde Spracheigen=
tum
dem Geiſte unſerer Sprache anzupaſſen; de
reden wir von Neuyork und Kapſtadt, da huldi=
gen
wir mit Mailand dem ſchöpferiſch tätigen
Sprachgeiſte unſerer Vorfahren, da ſprechen wir Lon=
don
und Edinburg ſo aus, als ob es deutſche Worte
wären. Handelt es ſich aber um Orte, in denen unſere
Mutterſprache jahrhundertelang geherrſcht hat, und
denen jetzt Gewalthaber den deutſchen Namen rauben
wollen, ſo iſt es unſere Pflicht, dies wertvolle Stüc
unſerer Mutterſprache zu ſchützen. Jetzt, wo die Mad=
jaren
planmäßig alle deutſchen Ortsnamen Ungarns
unterdrücken wollen, muß jeder Deutſche, dem ſeine
Sprache lieb iſt. dieſe Namen ſchützen. Schriftſteller,
Lehrer, Wanderer und Kaufleute müſſen in Wort und
Schrift die über 600 Jahre alten deutſchen Ortsbezeich=
nungen
bevorzugen, wie zum Beiſpiel: Hermann=
ſtadt
, Klauſenburg, Schäßburg und Kron=
ſtadt
, Preßburg, Oedenburg, Raab und
Gran Leutſchau und Kaſchau, Ofenpeſt
und Stuhlweißenburg. Oder wollen wir wirk=
lich
durch ſtumpfe Gleichgültigkeit mit dazu beitragen,
daß die vielen deutſchen Ortsnamen Ungarns unter=
gehen
, die ſo beſcheiden und doch ſo anſchaulich von der
größten deutſchen Tat des Mittelalters, der Beſiedel=
ung
des Oſtens, erzählen? Wir wollen uns nicht ein=
miſchen
in die politiſchen Kämpfe dieſes Landes, aber
dieſe Ortsnamen ſind unſer Eigentum, unſer deutſches
Sprachgut, und das wollen wir uns nicht rauben laſſen.
Auch in der Weſtſchweiz gilt es, alten Beſitz zu ver=
teidigen
. Wenn ſchweizeriſche Behörden amtlich öfter
von Iferten reden, wollen auch wir dieſe Stätte der
Wirkſamkeit des großen deutſchen Erziehers Peſtalozzi
deutſch bezeichnen, und Neuenburg, das früher zu
Preußen gehörte, in dem ein Fünftel der Bevölkerung
Deutſche ſind, und das auch in Ableitungen wie
Neuenburger See‟, Neuenburgiſche Verfaſſung ledt,
muß jeder Deutſche dem Neuchätel vorziehen. Unter
allen Umſtänden müſſen wir aber deutſchen Orten deut=
ſche
Namen geben; und ſo gibt es für uns nur Biel
und Murten, nicht aber Bienne und Morat.
ſich genauer über dieſe Frage unterrichten will, laſſe
ſich von Dr. Lindſtröm in Hannover koſtenlos das Ver=
zeichnis
deutſcher Ortsnamen in Oeſterreich ſenden und
von Th. Schröters Verlag in Leipzig für 40 Pfg. das
deutſche Ortsnamenbüchlein für die Weſtſchweiz.
Sprachecke des Allgemeinen Deutſchen Sprachvereins.

Literariſches.

Die Wenderoths Roman von M. Her=
bert
(J. P. Bachem, Verlagsbuchhandlung, Köln a. Rh.;
broſch. 4.50 Mk., geb. 6 Mk.). In der Fülle der modernen
und hypermodernen Literaturerzeugniſſe iſt der Roman
Die Wenderoths wie ein Kind einer anderen, ſchönen
Welt, trotzdem er uns ein Stück Heimatleben, echtes,
inniges, warmes und reines Heimatleben gibt. Das
kommt davon, wenn wir mit dem Myſtiſchen und Ge=
ſuchten
der großen Mehrheit der modernen Romane,
vornehmlich ausländiſcher Dichter, überfüttert werden.
Da wird einem das Eigene fremd. Es iſt wie eine Er=
holung
, wieder einmal ein Buch zu leſen, das in
Schlichtheit und Innigkeit der Erzählung an die beſten
Werke unſerer guten Volksſchriftſteller vergangener
Epochen erinnert. Auch die Sprache, wenngleich ſie hier
und dort mehr als notwendig der flüſſigen Schönheit
entbehrt, iſt ſchlicht, einfach und wahr; kernig und ge=
haltvoll
, wie die Charaktere, die uns in dem Buche ent=
gegentreten
: der trefflich gezeichnete Wenderoth,
ein hünenhafter Heſſe von echtem Schrot und Korn, den
nur vorübergehend des Lebens Kümmerniſſe unterkrie=
gen
konnten, der aber in ſeiner alles beſiegenden Liehe
zur heimatlichen Scholle wieder geſundet. Sein lieh=
liches
Töchterlein, eine Heſſenblume, wie ſie ſchöner
und reiner nicht geſchildert werden kann, der arme
Aſſeſſor Dülker, und ſchließlich auch der verknöcherte
Juſtizrat, wie charakteriſtiſch ſind ſie alle gezeichnet in
kleinen prägnanten Strichen. Fürwahr, ein guter
Roman, wie ihn das Volk verſteht, das Unverdorben=
heit
und reine Herzensempfindungen ſich gewahrt hat.
Dabei iſt das Ganze eine charaktervolle ſcharfe Verur=
teilung
menſchlicher Schwächen, ein Loblied auf treue
Pflichterfüllung, auf Heimatliebe und Gaſtfreundſchaft,
auf das herrliche Wort Schillers: Was du ererbt von
deinen Vätern, erwirb es, um es zu beſitzen‟ Dem Buch
iſt im Heſſenlande eine weite Verbreitung wohl zu
wünſchen.
Die letzten Hefte der Kunſtzeitſchrift Mei=
ſter
der Farbe bringen wieder eine Reihe farbi=
ger
Reproduktionen moderner Gemälde von außer=
ordentlicher
Schönheit (monatlich ein Heft mit 6 Bil=
dern
zum Abonnementspreiſe von 2 Mark; Verlag
von E. A. Seemann, Leipzig). K. E. Schmidt zeigt
ſich wieder als Meiſter in der Schilderung des Pariſer
Künſtlertums. Eine ganz wundervolle Serie von Bil=
dern
in= und ausländiſcher Künſtler präſentiert ſich
dem Betrachter: blühende Landſchaften, delikate Bild=
niſſe
von Anmut und Charakter, erfreuende Genre=
ſzenen
ſeinſter Kunſt. Die Auswahl iſt ganz erſicht=
lich
mit vornehmſtem Geſchmack getroffen. Unter den
Landſchaften ragen ein farbenprächtiges Worpsweder
Stimmungsbild von Sophie Wencke, ein kraftvolles
Seeſtück von O. H. Engel und eine ſtille Naturſtudie
von Guſtav Kampmann hervor. Das vlämiſche Inte=
rieur
von M. A. Stremel und der Markttag von F. van
Leemputten zeugen von bemerkenswerter Künſtler=
ſchaft
. Einen köſtlichen Schluß bildet die kecke Impro=
viſation
Die ſieben Schwaben von Ernſt Würten=
berger
. Damit ſtehen die Meiſter der Farbe wieder
am Ende eines Jahrganges, und der Herausgeber darf
abermals auf ein gutes Stück geleiſteter Kulturarbeit
zurückblicken.

[ ][  ][ ]

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 18. Febr. In der geſtrigen Sitzung des
Bundesrates wurden noch angenommen der Ent=
wurf
der Ergänzung des Beſoldungsgeſetzes und die
Vorlagen betr. die Prägung von 40 Millionen Drei=
mark
= und Einmarkſtücken und fünf Millionen Zehn=
pfennigſtücken
, ferner die Vorlage betreffend die Aen=
derung
der Zuckerſteuerausführungsbeſtimmungen.
* Berlin, 18. Febr. Der Magiſtrat beſchloß,
unter Beitritt zu dem geſtern gefaßten Beſchluß der
Stadtverordnetenverſammlung, eine Petition auszu=
arbeiten
, in der vom Standpunkte der Berliner Ver=
hältniſſe
die Abänderung der Wahlrechtsvorlage
beim Landtage beantragt wird.
* Dortmund, 18. Febr. Das Schöffengericht
Hamm verurteilte am 7. Dezember 1909 den Redak=
teur
des Simpliziſſimus in München, Franz
Kaſpar Gulbrauſſon, wegen Beleidigung der Zechenver=
waltung
Radbod zu ſechs Monaten Gefängnis.
Gulbranſſon legte dagegen Berufung ein. Das Land=
gericht
Dortmund hob heute das vorinſtanzliche Urteil
auf und erkannte auf 1500 Mark Geldſtrafe.
* Wien, 18. Febr. Der Bürgermeiſter Lueger
hat ſich einer zweiten Operation unterzogen. Nach
ſeinem Erwachen aus der Narkoſe mußten Morphium=
einſpritzungen
und Sauerſtoffinhalationen vorgenom=
men
werden. Der Kranke ſteht unter ſtändiger ärzt=
licher
Bewachung.
* Paris, 17. Febr. Infolge des neuen Hoch=
waſſers
iſt in die Kellerräume, namentlich in der
Rue de Lille, abermals Waſſer eingedrungen. In dem
Kellergeſchoß der deutſchen Botſchaft ſteht das Waſſer
an 20 Zentimeter hoch. Nach Anſicht der zuſtändigen
Behörden dürfte das Hochwaſſer der Seine jetzt ſeinen
Maximalſtand erreichen.
* Paris, 18. Febr. Das Automobil des Avia=
tikers
Lebaudy ſtieß geſtern mit einem Automobil=
omnibus
zuſammen und ſtürzte um. Lebaudy wurde
aus dem Wagen herausgeſchleudert und brach mehrere
Rippen. Sein Begleiter wurde durch Glasſplitter er=
heblich
verletzt.
* London, 18. Febr. Ueber Nacht iſt die Flut in
Glasgow ſo hoch geſtiegen, wie ſeit zehn Jahren
nicht. Der Stand iſt vier Fuß über Normal. An dem
oberen Elude wurde bedeutender Schaden angerichtet.
Die Eiſenbahnen ſtehen an einigen Stellen unter
Waſſer.
* Petersburg, 18. Febr. Die Abordnung fran=
zöſiſcher
Parlamentarier iſt hier einge=
troffen
.
* Konſtantinopel, 18. Febr. Der Jeni Gazetta
zufolge wurden die türkiſchen Botſchafter von
Wien, Paris und Petersburg, und der türkiſche Ge=
ſandte
von Sofia hierher berufen.
* Kauea, 18. Febr. Die Blätter beſprechen in ruhi=
gem
Tone die Note der Schutzmächte. Es macht
ſich kein Anzeichen der Erregung bemerkbar.
H.B. Rom, 18. Febr. Wie aus Korfu depeſchiert
wird, erwartet man dort am 24. März den deutſchen
Kaiſer zu einem einwöchentlichen Aufenthalt. Es
verlautet, daß Präſident Rooſevelt den Kaiſer in Korfu
beſuchen werde.

Brieſtaſten.

P. F. in G. In den Städten, die der Städteordnung
vom 13. Juni 1874 unterſtehen, hat nach Artikel 55 der
Bürgermeiſter die Handhabung der Lokalpolizei zu
beſorgen, ſoweit ſie nicht beſonderen Großherzoglichen
Beamten übertragen iſt. Die Uebertragung der Lokal=
polizei
an Großh. Beamte iſt in Darmſtadt, Gießen und
Bad=Nauheim erfolgt. In den übrigen Städten iſt
teilweiſe eine Trennung der Lokalpolizei von dem
Amte des Bürgermeiſters auf Grund Beſchluſſes der
Stadtverordnetenverſammlung geſchehen und die Poli=
zeiverwaltung
einem beſonderen ſtädtiſchen Beamten
übertragen worden, ſo zum Beiſpiel in Mainz und
Worms. In den Landgemeinden ſteht die Handhab=
ung
der Lokalpolizei grundſätzlich dem Bürgermeiſter
zu. Indes iſt auch die Uebertragung derſelben an einen
beſonderen Großh. Beamten zuläſſig; ſo zum Beiſpiel
im Bezirk Arnsburg. (Landgemeinde=Ordnung vom
15. Juni 1874, Artikel 53.)
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meine liebe Frau, unſere gute ſorgende Mutter,
Schwiegermutter und Großmutter
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Frau Eva Ranzow
geb. Hoffmann
nach langem, mit Geduld ertragenem Leiden
heute früh im 58. Lebensjahre zu ſich zu rufen,
verſehen mit den hl. Sterbeſakramenten.
Die tieſtrauernden Hinterbliebenen:
Auguſt Ranzow
Willy Aug. Ranzow
und
Marie Ranzow, geb. Müller Kind
Emma Ott, geb. Ranzow
Hans Ott
Friedrich Ranzow
Minna Gebhardt, geb. Ranzowl und
Ferdinand Gebhardt
Kind
Ernſt Ranzow
Georg Ranzow
und
Joſefine Ranzow, geb. Sproß ) Kind
Adam Ranzow
Marie Ranzow
Frieda und Auguſte Ranzow.
Darmſtadt, München, Offenbach und Straß=
burg
, den 18. Februar 1910.
Die Beerdigung findet ſtatt: Montag, den
21. Februar, nachmittags 3 Uhr, vom Sterbe=
hauſe
, Liebfrauenſtr. 111 aus.
Einſegnung ¼ Stunde vorher.
Kondolenzbeſuche dankend verbeten.

Dankſagung.
Für die überaus vielen Beweiſe herzlicher Teil=
nahme
an dem Verluſt unſerer lieben guten Mutter,
Großmutter, Schwiegermutter und Tante
Frau
Elise Waqner Witwe
geb. Henkel
(3846
ſagen wir innigſten Dank.
Darmſtadt, 17. Februar 1910.
Die trauernden Hinterbliebenen.

Statt jeder beſonderen Mitteilung.
Verwandten, Freunden und Bekannten die
traurige Nachricht, daß Donnerstag Nach=
mittag
2½ Uhr meine gute Frau, unſere gute
Mutter, Großmutter, Schwiegermutter, Schweſter
und Tante
Katharine Moeser
geb. Hechler
nach langem ſchweren Leiden im 71. Lebens=
jahre
ſanft dem Herrn entſchlafen iſt. (3882
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Karl Moeser, Zugführer i. P.
Darmſtadt, Mainz, Höchſt, Sindlingen,
den 18. Februar 1910.
Die Beerdigung findet ſtatt: Samstag, Nach=
mittag
3 Uhr, vom Sterbehauſe, Gervinusſtr. 42,
aus.

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Verlauf der Witterung ſeit Donnerstag früh: Das
weſtliche Tiefdruckgebiet hat ſich oſtwärts ausgedehnt
und auf ſeiner Vorderſeite ſehr milde Südwinde nach
Mitteldeutſchland geführt. Die Morgentemperaturen
liegen in den niederen Teilen des Landes bis 6 in
600 m noch bei 1 Wärme, ſodaß auch die Mittelgebirge
Tauwetter haben. Unter der Herrſchaft des niederen
Druckes dauert die ſüdliche Luftſtrömung an.
Ausſichten in Heſſen für Samstag, den 19. Febr.:
Trüb und regneriſch, ſtarker Süd, ſehr mild, auch im
Gebirge.
Infolge ſtarker Schneeſchmelze tritt in den kommen=
den
Tagen wieder Steigen der Flüſſe ein; Hochwaſſer=
gefahr
.

Tageskalender.

Samstag, 19. Februar.
Vorſtellung um 8 Uhr im Orpheum.
Gaſtſpiel der Tänzerin Gudrun Hildebrandt um 8 Uhr
in der Turnhalle am Woogsplatz.
Hauptverſammlung des Bezirksvereins Mathilden=
höhviertel
um 8½ Uhr im Mathildenhöhſaal.
Hauptverſammlung des Bezirksvereins Johannes=
viertel
um 8½ Uhr im Frankfurter Hof.
Maskenball des Geſangvereins Frohſinn um 8.11 Uhr
im Schützenhof
Konzert um 4 Uhr auf der Ludwigshöhe.
Konzert um 5 Uhr im Kölniſchen Hof
Konzert um 8 Uhr im Reſtaurant Metropol.
Sonntag, 20. Februar.
Großh. Hoftheater, Anfang ½7 Uhr: Undine‟
Vorſtellung um 4 und 8 Uhr im Orpheum.
Gaſtſpiel der Tänzerin Gudrun Hildebrandt um 8 Uhr
in der Turnhalle am Woogsplatz.
Hauptprobe zum Konzert des Muſikvereins um
10 Uhr im Saalbau.
Aufführung des Schauſpiels Andreas Hofer um
4 Uhr im Geſellenhaus (Kathol. Geſellenverein).
Vortrag von Dr. Nöllner um 8 Uhr im Feierabend
(Evang. Arbeiter= und Handwerkerverein).
Vortrag von Prediger Dirkſen um 4½ Uhr Neckarſtr. 22.
Gemeindeabend der Petrusgemeinde um 8 Uhr im
Gemeindehaus.
Generalverſammlung des Spar= und Vorſchuß=
vereins
der kathol. Gemeinde um 5 Uhr im Vorſaal
des Katholikenvereins.
Konzert um 4 Uhr auf der Ludwigshöhe.
Konzert um 4 Uhr im Reſtaurant Kratſch.
Konzert um 4 Uhr im Kölniſchen Hof
Konzert im Reſtaurant Kilian. Stadt Nürnberg.
Konzert um 4 und 8 Uhr im Reſtaurant Metropol.
Konzert um 8 Uhr im Schützenhof.
Ausflug des VogelsbergerHöhenklubs nach Cronberg;
Abfahrt um 7.30 Uhr.
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Grafenſtraße): Vorſtellungen von 4½11 Uhr.
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Verſteigerungskalender.

Montag, 21. Februar.
Schwellen=Verſteigerung um 9 Uhr auf Bahnhof
Darmſtadt am Uebergang der Pallaswieſenſtraße.
Nutzholz=Verſteigerung um 9 Uhr in der Turn=
halle
am Woogsplatz.
Brennholz=Verſteigerung um 9 Uhr im Rathaus
zu Pfungſtadt.
Stamm= u. Nutzholz=Verſteigerung um 9½ Uhr
im Eberſtädter Gemeindewald; Zuſammenkunft auf
dem Väckerweg am Eingang des Waldes.
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von 111 Uhr.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldacßel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil: F. Kroſt, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.


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36)

Dorret ſchmiegte ſich zärtlich an die Freundin.
Du Arme, flüſterte ſie bewegt. Was mußt Du
eiden. Aber ſie wußte wohl nicht, was ſie tat, Deine
Hroßmutter, Undine?
Sie iſt eine Diebin, entgegnete die junge Frau
ſart. Ich ſchaudere, wenn ich denke, es wäre ihr ge=
ungen
, mir den Brief zu entreißen und ihn zu ver=
richten
. Gott ſei Dank, in wenigen Stunden wird
ſer Graf hier ſein, und ich werde dann aus ſeinem
igenen Munde hören, was er auf die fürchterliche An=
lage
zu ſagen hat.
Und wenn ſeine Antwort Dich nicht befriedigt?
Dann werden ſich unſere Wege für immer ſcheiden.
Ein tiefes, beklemmendes Schweigen lag plötzlich
wiſchen den beiden Frauen.
Die gnädige Gräfin Lidwina läßt Fräulein Dorret
itten, zu ihr zu kommen, meldete eine Dienerin.
Einen Augenblick ſahen ſich Undine und Dorret er=
hreckt
in die Augen.
Geh, Liebling, flüſterte Undine, ſie hat Dich immer
keb gehabt. Vielleicht will ſie Abſchied von Dir
ehmen.
Willſt Du nicht mitkommen, Undine?
Finſter ſchüttelte die junge Frau das Haupt.
Nein, ich kann es noch nicht. Nicht in Groll will
H an ihr Lager treten, von dem ſie ſich vielleicht nie
jeder erhebt. Geh, Liebling, und komm’ gut heim=

Sie küßte die Freundin voll ungeſtümer Zärtlichkeit.
Dann ſtand Dorret in dem dämmerigen Kranken=
zimmer
der alten Gräfin und ſtarrte auf das ſeltſam
veränderte Geſicht der alten Frau, die halb aufgerichtet
in ihrem Bett ſaß und ihre lichtloſen Augen auf Dor=
ret
geheftet hielt.
Am Fußende des Bettes ſaß die kleine Lorl und
zog mit Eifer bunte Wollfäden durch Stramin.
Du, Dorret, rief ſie lächelnd, die blonden Locken
ſchüttelnd. Grootmuder ſterbt.
Sei ſtill, Lorl, gebot Dorret erſchreckt, haſtig ihre
Hand auf des Kindes Lippen legend.
Laß doch, wehrte ſich Lorl energiſch. Grootmuder
ſagt es doch ſelber. Sie ſterbt, wie Papa und wird
eingebuddelt.
Ein zitterndes Lächeln irrte über das Geſicht der
Greiſin mit den ſeltſam verzerten Zügen.
Schilt ſie nicht, Dorret. Lorl hat Recht. Ich habe
es ſelbſt geſagt. Geh’ jetzt, Lorl, mein Kind, geh’ zu
Undine.
Lorl nickte Dorret ſchalkhaft lächelnd zu.
Jetzt will ſie gewiß ſterben, flüſterte ſie geheimnis=
voll
. Tut das weh?
Dorret ſchob die kleine Schwätzerin zur Tür hinaus.
Komm’ hierher, Dorret, ganz nahe zu mir.
Gräfin Lidwina, deren Sprache durch den erlitte=
nen
Schlaganfall kaum verſtändlich war, taſtete mit der
einen, nicht gelähmten Hand über Dorrets Blondkopf,
der ſich tief zu ihr herniederbeugte, und fragte mühſam:
Willſt Du Undine einen Dienſt erweiſen?
Ihr wißt, Frau Gräfin, daß ich Undine über alles
liebe.

Könnteſt Du etwas für ſie tun? Ich meine, etwas
Großes?
Wenn es in meiner Macht ſteht, gewiß.
So höre, Dorret. Erſt leg’ mir noch einmal die
Kiſſen zurecht, meine Kraft iſt bald zu Ende. So iſt es
gut. Zuerſt mußt Du verſprechen, über das, was ich
Dir jetzt ſage, zu ſchweigen. Kannſt Du das?
Ich verſpreche es, Frau Gräfin.
Die Züge der Kranken verfinſterten ſich.
Dein Großvater war meines Sohnes Feind ich
weiß nicht, ob ich Dir trauen kann, aber mir bleibt
keine Wahl, und Du biſt die einzige, der ich vielleicht
vertrauen kann.
Dorret ſenkte den Kopf.
Die ſtolze Frau, die ſie immer gefürchtet, mißachtete
ſie. Was würde ſie wohl ſagen, wenn ſie wüßte, daß
ſie Timms Braut war?
Dorret fröſtelte.
Graf Reimar wird heute zurück erwartet, begann
die Gräfin mit ſchwerer Zunge, ich habe aber durch
einen Zufall, oder beſſer geſagt, durch eine Unvorſich=
tigkeit
von Gräfin Fridruns Dienerin erfahren, daß
auch Gräfin Fridrun noch heute hier eintrifft.
Dorret ſchrie leiſe auf.
Sie kommt mit dem Grafen zurück?
Gräfin Lidwina ſchüttelte ihr graues Haupt.
Nein, er ahnt wohl nichts von ihrer Rückkehr. Sie
kommt auf Umwegen übers Watt, heimlich. Niemand
ſoll ihre Rückkehr ahnen. Nur ihre Lisberte hat Fri=
druns
Befehle, die ich durch ein fürſtliches Geſchenſ
von ihr erforſchte. Lisberte hat heimlich einen Schlitten
in die Stadt beſtellen müſſen, der Fridrun hierher

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führen ſoll. Nun weißt Du ja ſelbſt, daß Undine unter
allen Umſtänden den Grafen ſprechen muß, ehe Fridrun
heimkehrt. Wie ich Fridrun kenne, wird ſie das zu
verhindern wiſſen. Sie wird Undine das wichtige Do=
kument
, das Ebbo Klas Undine anvertraute, und das
er zurückgeben muß, wenn es Fridrun verlangt, ent=
reißen
, und ſie wird, wie ich vermute, nicht eher ruhen,
als bis ſie gegen Undine und ihren Mann den Schlag
geführt hat, zu dem ihre Rachſucht ſie treibt. Daß ſie
heimlich zurückkehrt, iſt mir ein Beweis, daß ſie Schlim=
mes
im Schilde führt. Sie haßt Undine, und nur, um
ſie zu vernichten und ſich an dem Grafen Reimar zu
rächen, iſt ſie heimgekehrt. Ihre Rückkehr für heute
muß um jeden Preis verhindert werden, Dorret.
Wie könnte ich das, gnädigſte Gräfin?
Die Kranke ſtöhnte ſchmerzhaft auf. Das Sprechen
wurde ihr ſo ſchwer, und ihre Kraft verſagte, aber ſie
mußte zu Ende kommen.
Du mußt in die Stadt, Dorret, aber niemand darf
es wiſſen.
Es gibt keinen Weg, Frau Gräfin. Alles iſt ver=
ſchneit
.
Ich weiß, Du biſt eine vortreffliche Skiläuferin.
Willſt Du es wagen?
Was ſoll ich tun, gnädigſte Gräfin?
Zuerſt gehſt Du zu Ebbo Klas, teilſt ihm die An=
kunft
der Gräfin Fridrun mit und bitteſt ihn in meinem
Namen, die Gräfin für alle Fälle in der Stadt bis
morgen früh feſtzuhalten und ſie dann nach hier zu be=
gleiten
.
Und dann?
Dorret ſah geſpannt in das verfallene Geſicht der

Kranken, deren leere Augen ſich feſt in ihr Antlitz
bohrten.
Dann eilſt Du auf Deinen Schneeſchuhen übers
Watt. Wenn Du Dich dazu hälſt, kannſt Du, ehe es
dunkel wird, auf dem Weg ſein und verſuchen, die
Gräfin, die im Schlitten nach der Stadt fährt, zu
treffen. Du teilft ihr mitzhdaß hier der Tud vür der
Tür ſteht, hörſt Du, der Tod! Noch heute Nacht würde
er anklopfen. Fridrun iſt furchtſam ſie ſieht nicht,
wie ich, in dem Senſenmann einen Freund ſie wird
aus Furcht zögern, die Reiſe in der Nacht fortzuſetzen,
und Ebbo Klas mag dann das übrige tun, ſie in der
Stadt zu halten. Du kennſt den Weg, den ſie von
Hoyer nehmen muß. Sei gut und klug.
Dorret küßte ſtumm die Hand der alten Fran.
So eile Dich, gebot die Gräfin ungeduldig, zeige,
daß Du wirklich im Stande biſt, für Undine etwas zu
wagen. Ich habe ihr weh getan, ich habe ik den
Glauben an mich genommen, ich weiß es. Es iſt der
letzte Liebesdienſt, den ich ihr erweiſen kann, wenn
unſer Vorhaben gelingt. Geh, Dorret. Wir werden
uns nicht wiederſehen.
Ihr dürft nicht ſterben, Frau Gräfin, bat Dorret
mit zitternder Stimme, jetzt dürft Ihr nicht ſterben.
Der Gevatter Tod fragt mich nach unſeren Wün=
ſchen
, Kind. Mir kommt er recht. Du aber ſollſt ge=
ſegnet
ſein in meiner letzten Stunde.
Die zitternde Hand ſtrich über den blonden Schei=
tel
, dann trat die Pflegerin in das Krankenzimmer.
Einen Augenblick ſtand Dorret noch unſchlüſſig.
Die Greiſin aber hob faſt drohend die Hand und deu=
tete
ſtumm auf die Tür.

Da flog Dorret förmlich hinaus und in fliegender
Haſt die Dorfſtraße entlang, der Wiedingharde zu.
Die Sonne war faſt untergegangen, und graue
Wolken zogen am Himmel auf.
Der Großvater ſchlief noch, und der Ohm war, wie
die alte Tjalda berichtete, übers Watt nach Hoyer
hinüber.
Einen Augenblick ſtutzte Dorret. Wenn er ſie traf,
würde ihre Miſſion ſcheitern. Doch gleich darauf trat
ſie lächelnd zu der alten Dienerin und ſagte:
Ich will dem Oheim entgegen.
Nimm Dich in acht, mahnte Tjalda. Es liegt Schnee
in der Luft, und der Wind geht ſcharf.
Der Weg iſt kurz, ich habe ihn hundertmal ge=
macht
. Leb’ wohl, Tjalda, und grüße den Grootpader.
Sie ſtülpte ihre weiße, gehäkelte Eismütze über das
blonde Haar und ſchlüpfte in die dicke, weiße Strigk=
jacke
mit dem hohen Kragen, den ſie bis über die klei=
nen
, roſigen Ohren zog. Die langen Schneeſchuhe an
den Füßen, flog ſie eine kleine Weile ſpäter dem Städt=
chen
zu.
Dorrets Herz klopfte. Sie dachte an Timm, und
wenn es ihr gelänge, die Gräfin fern zu halten, es
doch vielleicht eine Möglichkeit gäbe, daß Undine noch
glücklich würde. Sie wußte ſelbſt nicht, wie ſie ſich
dieſes Glück denken ſollte. Sie fühlte nur, daß ihr
Groll und Haß gegen den Grafen Reimar immer mehr
ſchwand er war ihres Timms Bruder und daß
ſie nichts ſehnlicher und nichts heißer wünſchte, als daß.
Undine ſo glücklich würde, wie ſie ſelbſt. Fridrun aber,
das fühlte ſie, würde Undinés Glück vernichten.
G. 7
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Bekanntmachung.

Betreffend: Die Erhebung des Stempels für Fahrräder pro 1910.
Unter Hinweis auf die nachſtehend abgedruckten §§ 3, 1527 der Verordnung
vom 6. Mai 1907, den Radfahrverkehr betreffend, ſowie unter Hinweis auf die gleich=
falls
abgedruckten, im Falle einer Verſäumnis platzgreifenden Strafbeſtimmungen wird
hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die Erhebung des Stempels für Fahr=
räder
für das Rechnungsjahr 1910, ſowie das Aufkleben und die vorſchriftsmäßige
Entwertung desſelben
von heute ab bis 31. März 1910 an jedem Wochentage,
vormittags von 9 bis 12 Uhr,
rei Großh. Kreisamt Darmſtadt, Neckarſtraße Nr. 3, im Erdgeſchoß, Zimmer Nr. 9,
ſtattfindet.
Wir fordern daher alle Beſitzer von Fahrrädern, die dieſelben auf öffentlichen
Wegen und Plätzen benutzen, auf, die Stempelabgabe während der obenerwähnten
Zeit zu entrichten oder, ſofern die Vorausſetzungen hierzu vorliegen, während derſelben
Zeit (ſ. § 19 Abſ. 2 der Verordnung) Antrag auf Befreiung von der Abgabe zu ſtellen.
Anſprüche auf Befreiung ſind:
1. für die Stadt Darmſtadt bei dem zuſtändigen Polizei=Revier,
2. für den Landkreis Darmſtadt bei der betreffenden Großherzoglichen Bürger=
meiſterei

vorzubringen.
Darmſtadt, den 15. Februar 1910.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. E.: von Starck.
(4534a

Verordnung, den Radfahrverkehr betreffend.

Vom 6. Mai 1907, §§ 3, 1527 der Verordnung.
C. Der Radfahrer.
a) Ausweis über die Perſon des Radfahrers.
§ 3. Wenn ein Fahrrad auf öffentlichen Wegen und Plätzen benutzt werden ſoll,
hat der Beſitzer hiervon dem für ſeinen Wohnort zuſtändigen Kreisamt ſchriftlich oder
mündlich Anzeige zu erſtatten und die in Nr. 58 des Tarifs zum Urkundenſtempelgeſetz
in der Faſſung der Bekanntmachung vom 28. März 1907 vorgeſchriebene Stempelab=
gabe
für die Radfahrkarte zu entrichten.
Das Kreisamt erteilt dem Anmeldenden eine auf den Namen des Radfahrers
lautende Radfahrkarte, die nach anliegendem Muſter ausgeſtellt wird.
Der Radfahrer hat die Radfahrkarte bei ſich zu führen und auf Verlangen dem
zuſtändigen Beamten vorzuzeigen.
Für Perſonen unter 14 Jahren erfolgt die Ausſtellung auf Antrag des Vaters,
Vormundes oder ſonſtigen Gewalthabers.
Die Radfahrkarte gilt für den Umfang des Deutſchen Reichs.
Radfahrer, die ihren gewöhnlichen Aufenthalt außerhalb des Deutſchen Reiches
haben, haben einen anderweiten genügenden Ausweis über ihre Perſon bei ſich zu
führen und auf Verlangen dem zuſtändigen Beamten vorzuzeigen.
E. Vorſchriften über die Stempelabgabe.
§ 15. Die Stempelabgabe für die Jahreskarte (§ 3, Abſ. 1), gültig vom 1. April
bis 31. März des folgenden Jahres, beträgt 5 Mark. Entſteht die Abgabepflicht in
der Zeit zwiſchen 1. Oktober und 31. März des folgenden Jahres, ſo iſt für dieſen
Zeitraum nur die Hälfte dieſes Betrages zu entrichten.
§ 16. Das Kreisamt trägt die Anmeldungen unter fortlaufenden Nummern in
ein Verzeichnis ein, erhebt die in § 15 erwähnte Abgabe und erteilt den Anmeldenden
1. eine Radfahrkarte (§ 3).
2. eine Nummerplatte, die der Nummer des Verzeichniſſes entſpricht.
§ 17. Auf der Rückſeite der Radfahrkarte ſind Stempelmarken im Betrage der
entrichteten Abgabe durch das Kreisamt aufzukleben und zu entwerten.
Bei den von der Stempelabgabe befreiten Perſonen (§ 23) erhalten die Rad=
fahrkarten
auf der Rückſeite den Vermerk Stempelfrei bis 31. März 19.. .".
§ 18. Die Nummerplatte trägt auf beiden Seiten auf weißem Grund in 6 cm
hoher lateiniſcher Schrift den Anfangsbuchſtaben der Behörde, die die Radfahrkarte
ausgeſtellt hat (für das Kreisamt Dieburg Di) und dahinter in 5 cm hohen Ziffern
die Nummer der Radfahrkarte (§ 16). Die Nummern werden, je nachdem ſie von
einer Behörde der Provinz Starkenburg, Oberheſſen oder Rheinheſſen zugeteilt
worden ſind, in roter, blauer oder grüner Farbe aufgetragen. Bei den für den Land=
bezirk
eines Kreiſes ausgegebenen Nummerplatten iſt der betreffende Buchſtabe in
der Farbe der Nummer, bei den Nummerplatten für den Stadtbezirk eines Kreiſes
dagegen in ſchwarzer Farbe ausgeführt.
Das Fahrrad muß beim Befahren öffentlicher Wege und Plätze mit der Num=
nerplatte
verſehen ſein. Letztere, deren Inſchrift ſtets in lesbarem Zuſtande erhalten
verden muß, iſt in der Richtung der Längsaxe des Fahrrades und nach vorn gerichtet
derart zu befeſtigen, daß die Inſchrift von beiden Seiten gut ſichtbar iſt. Die Nummer=
slatte
wird von der Behörde beſchafft und den Beſitzern von abgabepflichtigen Fahr=
rädern
unentgeltlich geliefert. Wer von der Stempelabgabe befreit iſt, hat die Koſten
per Rummerplatte zu erſetzen.
Beſitzer von ſolchen Fahrrädern, die mit Nummerplatten verſehen ſind, dürfen
ur Kontrollierung der Abgabe nicht angehalten werden.
§ 19. Die Abgabe iſt von einer und derſelben Perſon, auch bei einem Wechſel des
Fahrrads, innerhalb desſelben Jahres (1. April bis 31 März) ſtets nur einmal, und
war erſtmalig bei der Anmeldung des Fahrrads und ſodann alljährlich im Monat
Närz für das darauffolgende Rechnungsjahr unter Vorlage der Radfahrkarte bei dem
kreisamt zu entrichten.
Innerhalb der gleichen Friſten haben die Perſonen, die gemäß § 23 Befreiung
on der Abgabepflicht in Anſpruch nehmen, bei dem Kreisamt entſprechenden An=
rag
zu ſtellen.
§ 20. Wer den Beſitz eines anmeldepflichtigen Fahrrades im Laufe eines Jahres
ufgibt oder verliert, hat dies dem Kreisamt ſeines Wohn= oder Aufenthaltsortes
ängſtens binnen einer Woche unter Vorzeigung der Karte und Rückgabe der Num=
rerplatte
anzuzeigen.
Wer, ohne den Beſitz aufzugeben, das Fahrrad auf öffentlichen Wegen und
slätzen nicht mehr benutzen will, kann ſich durch Abmelden des Rades unter Rück=
abe
der Nummerplatte von der weiteren Abgabepflicht befreien.
Die Abmeldung iſt in das nach § 16 zu führende Verzeichnis einzutragen und
em Abmeldenden auf Verlangen auf der ihm erteilten Karte zu beſcheinigen.
§ 21. Verlegt der Beſitzer eines anmeldepflichtigen Fahrrades ſeinen Wohn=
der
Aufenthaltsort in einen anderen Kreis, ſo iſt das Rad bei dem Kreisamt, das
je Radfahrkarte ausgeſtellt hat, abzumelden und bei dem für den neuen Wohn= oder
ufenthaltsort zuſtändigen Kreisamt unter Vorlage der Radfahrkarte anzumelden;

das letztere erteilt eine neue Nummerplate und zieht die bisher geführte Rummer=
platte
behufs Rückgabe an das zuſtändige Kreisamt ein.
§ 22. Es iſt verboten, Nummerplatten eigenmächtig anzufertigen, die Inſchrift
von Nummerplatten eigenmächtig zu ändern und ſolche Nummerplatten zu führen,
die nicht von der zuſtändigen Behörde erteilt ſind.
Der Beſitzer eines mit Nummerplatte verſehenen Fahrrades darf dieſes an
andere Perſonen zur Benutzung auf öffentlichen Wegen und Plätzen nur vorüber=,
gehend überlaſſen.
F. Ausnahmen.
§ 23. Von der Stempelabgabe ſind befreit:
1. Militärperſonen und ſonſtige Perſonen, die in Dienſten des Reiches oder eines
Bundesſtaates einer Provinz, eines Kreiſes oder einer Gemeinde ſtehen und
Fahrräder überwiegend zur Erledigung der ihnen obliegenden Dienſt=
geſchäfte
benutzen;
2. Perſonen, die das Fahrrad überwiegend als Beförderungsmittel zur Ar=
beitsſtelle
oder zur Ausübung ihres Berufes oder Gewerbes benutzen, ſofern
ihr Einkommen den Betrag von jährlich 1500 Mk. nicht erreicht;
3. Schüler, die das Fahrrad überwiegend als Beförderungsmittel zum Be=
ſuche
der in einer anderen Gemeinde oder mindeſtens 2½ Kilometer von der
Wohnung entfernt gelegenen Schule benutzen;
4. Perſonen, die ſich zum Kurgebrauch oder weniger als 30 Tage lang im Groß=
herzogtum
aufhalten;
5. Perſonen, die ein Fahrrad, für das die Stempelabgabe bereits entrichtet iſt,
vorübergehend benützen (§ 22 Abſ. 2).
§ 24. Wird auf Grund des § 23 eine Befreiung von der Stempelabgabe in An=
ſpruch
genommen, ſo iſt vorzulegen:
1. in den Fällen der Ziffer 1 eine Beſcheinigung der vorgeſetzten Dienſtbehörde
dahingehend, daß das Fahrrad überwiegend zu dienſtlichen Zwecken ver=
wendet
wird;
2,. in den Fällen der Ziffer 2 der letzte Steuerzettel und eine Beſcheinigung der
Bürgermeiſterei oder Polizeibehörde über das Vorliegen der weiteren Voraus=
ſetzung
. Bei Bedienſteten genügt hinſichtlich des letzten Punktes eine Be=
ſcheinigung
des Arbeitgebers, die jedoch durch die Bürgermeiſterei oder Polizei=
behörde
beſtätigt ſein muß;
3. in den Fällen der Ziffer 3 eine Beſcheinigung der Bürgermeiſterei oder der
Polizeibehörde oder des Klaſſenlehrers.
Ueber den Anſpruch entſcheidet, vorbehaltlich der Beſchwerde an das Miniſte=
rium
des Innern, das Kreisamt, bei dem die Stempelabgabe zu entrichten ſein würde.
Die Steuerbehörden ſind verpflichtet, den Kreisämtern auf Verlangen jede zur
Entſcheidung erforderliche Auskunft zu geben.
§ 25. Eine Verpflichtung zum Führen einer Nummerplatte und zum
Mitführen einer Radfahrkarte beſteht nicht für die in § 23 Ziffer 1 genannten
Perſonen, wenn:
1. dieſe bei Benutzung des Rades Uniform, Amtskleidung oder ein Amtsabzeichen
tragen, oder
2. das Rad als zu Dienſtzwecken beſtimmt von der vorgeſetzten Behörde kenntlich
gemacht iſt.
§ 26. Ob und inwieweit Ausnahmen von den in Gemäßheit des § 13 ergangenen
Vorſchriften für den dienſtlichen Radfahrverkehr der Beamten der Poſt= und Tele=
graphenverwaltung
und anderer öffentlicher Verwaltungen, ſowie der Gendarmen
zuzulaſſen ſind, beſtimmt das Miniſterium des Innern.
G. Strafbeſtimmungen.
§ 27. Zuwiderhandlungen gegen die Vorſchriften über die Entrichtung der
Stempelabgabe werden nach dem Geſetz vom 12. Auguſt 1899 über den Urkunden=
ſtempel
in der Faſſung der Bekanntmachung vom 28. März 1907, Zuwiderhand=
lungen
gegen die übrigen Vorſchriften dieſer Verordnung und gegen die darin vor=
behaltenen
allgemeinen oder beſonderen polizeilichen Anordnungen (§ 13) in Gemäß=
heit
des § 366 Nr. 10 des Reichsſtrafgeſetzbuches mit Geldſtrafe bis zu 60 Mark oder
mit Haft bis zu 14 Tagen beſtraft.
Urkundenſtempelgeſetz.
Artikel 31, Abſ. 1. Die im Art. 14 Nr. 2 bezeichneten Perſonen haben, wenn ſie
den Vorſchriften bezüglich der Verpflichtung zur Entrichtung des Stempels zuwider=
handeln
, unbeſchadet ihrer Haftpflicht für den fehlenden Stempel (Art 14), eine Geld=
ſtrafe
verwirkt, welche dem vierfachen Betrage des hinterzogenen Stempels gleich=
Jede zuwiderhandelnde Perſon
kommt, mindeſtens aber drei Mark beträgt.
trifft die ganze Strafe. Auf Beamte findet dieſe Vorſchrift keine Anwendung.
Abſ. 3. Die Verhängung der Strafe erfolgt nach Maßgabe der Vorſchriften des
Geſetzes, die Einführung des Verwaltungsſtrafbeſcheids bei Zuwiderhandlungen
gegen die Vorſchriften über die Erhebung öffentlicher Abgaben und Gefälle betreffend,
vom 20. September 1800.
Abſ. 4. Wenn ſich aus den Umſtänden ergibt, daß eine Stempelhinterziehung
nicht hat verübt werden können oder nicht beabſichtigt worden iſt, ſo tritt ſtatt der
vorgedachten Geldſtrafe eine Ordnungsſtrafe bis zu zweihundert Mark ein.
Art. 33. Wer es, den beſtehenden Beſtimmungen zuwider, unterläßt, die nach
den Tarifnummern 10, 34, 40, 47, 48, 51, 58, 86 erforderlichen Erlaubnisſcheine und
Karten zu löſen, verfällt in die im Artikel 31 Abſ. 1 beſtimmte Strafe. Die Vorſchrif=
ten
des Artikel 31 Abſ. 3, 4 finden entſprechende Anwendung.
Die hinterzogene Stempelabgabe iſt von demjenigen nachzuentrichten der im
Falle der Löſung des Erlaubnisſcheines oder der Karte zur Zahlung des Stempels
verpflichtet geweſen wäre. Die Einziehung der Abgabe erfolgt nach Maßgabe der
Vorſchriften des Artikel 26.
Unterſteht die Perſon, die nach Abſ. 2 die Stempelabgabe nachzuentrichten hat,
wegen Minderjährigkeit oder wegen ihres geiſtigen oder körperlichen Zuſtandes der
Beaufſichtigung, ſo haftet für die Entrichtung der Stempelabgabe auch derjenige, wel=
cher
kraft Geſetzes zur Führung der Aufſicht verpflichtet iſt. Die Haftbarkeit, tritt
nicht ein, wenn der Aufſichtspflichtige nachweiſt, daß er ſeiner Pflicht genügt hat oder
daß die Stempelhinterziehung auch bei gehöriger Aufſichtsführung erfolgt ſein würde.
Die Beſtimmung des Abſ. 2 Satz 2 findet Anwendung.
Darmſtadt, 15. Februar 1910.
Betreffend: wie oben.
P4
Das Großherzogliche Kreisamt Darmſtadt
an die Großherzoglichen Bürgermeiſtereien des Kreiſes.
Vorſtehende Bekanntmachung empfehlen wir Ihnen wiederholt in geeignet
erſcheinender Weiſe zur Kenntnis der Intereſſenten Ihrer Gemeinde zu bringen.
J. E.: von Starck.
(3749a

Anliche Nachrihen des Groſherzopichen Poſtgeinie Daraſtadt.

Gefundene und verlorene Sachen.
Gefunden: 1 Wechſel über 522 Mk. 1 goldener Ring mit rot= u. blauſchimmern=
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Stein. 1 Wechſel über 10 Mk. 1 gelbes Stoffhandtäſchchen mit Inhalt. 2braune
amen=Pelze. 1 Kinder=Leiterwagen. 1 Zehnmarkſtück. 2 Roſenkränze. 1 Zehnmark=
ſick
. 1 Portemonnaie mit Inhalt. 1 rotes Portemonnaie mit Inhalt. 1 Regenſchirm
hne Griff. 1 großes Stück altes Gußrohr. 1 franzöſiſches Wörterbuch. 1 Kundenbuch,
17 den Namen Höhr lautend. 1 Paar dunkelgelbe Kinder=Handſchuhe. 1 mittelgroßer
chlüſſel. 1 braunes Portemonnaie mit 33 Pfennigen Inhalt. 1 Taſchenmeſſer mit
erlmuttſtiel. 1 brauner Damen=Pelz mit Kopf und Schwänzchen. 1 größ. Schlüſſel.
einzelner grauwollener Damen=Handſchuh. 1 rotledernes Etui mit Zeichenutenſilien.
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kuff mit weißem Taſchentuch. 1 Brille mit Futteral. 1 halbſeidener Damen=Schirm.
Hundemarke mit der Nr. 850.
Verloren: 1 ſilbernes Ketten=Armband mit Anhänger. 1 ſchwarzer Samtgürtel.
große Granatbroſche mit echten Rubinen in Gold gefaßt. 1 grünledernes Porte=
Innaie mit etwa 5 Mk. Inhalt und 2 Schlüſſeln. 1 länglichſchmales braunes Damen=
örtemonnaie
mit etwa 15 Mk. Inhalt. 1 kleines ſchwarzes Portemonnaie mit etwa
Pfennigen Inhalt. 1 Militärpaß, auf den Namen Franz Burkle lautend. 1 Vorder=
ſtell
von einem vierrädigen Handwagen. 1 grünes Portemonnaie mit über 20 Mk.
rhalt. 1 goldene Broſche in Form eines Eichenzweiges. 2 Damen=Schirme mit
xtur= und braunem Griff. 1 ſchwarzes Portemonnaie mit 1,77 Mk. Inhalt. 1 ſilb.
xhänger (länglich=rund), 1 blau= und weißgeſtreifte Reformſchürze. 1 Damen=Regen=

ſchirm (im Gymnaſium abhanden gekommen). 1 gelbes lilageſtreiftes Balltuch. 1 ſeid
Regenſchirm mit ovalem violettblauem Griff. 1 Dienſtbuch, auf den Namen Marie
Weber lautend. 1 ſchwarzes Portemonnaie mit 12 Mk. Inhalt. 1 ſchwarzer Damen=
Gummigürtel. 1 Damen=Goldgürtel.
Paar braunwollene Damen=Handſchuhe.
1 mattgoldenes Ketten=Armband. 8 Schlüſſel an einem Ring. 1 goldene Broſche in
Form einer Schleife. 1 kleines ſchwarzes Portemonnaie mit 4060 Pfennigen Inhalt.
1 goldene Broſche (3 Kleeblätter darſtellend). 1 Damen=Regenſchirm. 1 Regenſchirm
mit gebogenem braunem Griff. 1 Kinder=Regenſchirm mit braunem Naturſtock. 1 gold.
Zwicker. 1 mattgoldenes Medaillon mit 2 Herren=Photographien. 1 brauner Kinder=
Pelz mit braunem Seidenfutter. 1 großes goldenes viereckiges Medaillon mit 1 Herren=
und Damen=Photographie. 1 goldene Broſche mit Moſaikeinlage. 1 Stück grauer Woll=
und 1 Stück grauer Futterſtoff. 1 Viſitenkartentäſchchen mit Studenten= Legitimations=
karte
, auf den Namen Wetzel lautend. 1 ſilberner Ring mit Hirſchzahn und Eichenlaub=
Verzierung. 1 Portemonnaie mit 1,60 Mk. Inhalt, 1 Schlüſſel und 1 Uhrſchlüſſel.
1 Zehnmarkſtück (Kaiſer Friedrich). 1 ſilberne Broſche mit Türkiſen und Perlen beſetzt.
1 Kuvert mit einem Käſtchen und 65 Mk. Inhalt.
Entlaufen: 1 große ſchwarze Katze (vor 2 Monaten, dem Wiederbringer 20 Mk.
Belohnung). 1 grauer Seidenſpitz. 1 rotbrauner Hahn.
Das Fundbureau Großherzoglichen Polizeiamts
(3868
iſt geöffnet an allen Werktagen von 812 Uhr vormittags und 26 Uhr nachmittags=
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde.
In polizeilicher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Schulzengaſſe Nr. 3 be=
finden
ſich: 1 Spitzhund, 2 Pinſcher.
Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 1. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werk=
tag
, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.

[ ][  ][ ]

Sonntagsruhe in den Apotheken.
Am Sonntag, den 20. Februar, ſind nachmittags in der Zeit von 1 bis 9 Uhr
abends die beiden nachfolgenden Apotheken geöffnet:
Einhorn=Apotheke, Kirchſtraße, und
Beſſunger Apotheke, Karlſtraße.
Alle übrigen Apotheken ſind von 1 Uhr ab geſchloſſen.

Bekanntmachung.

Indem wir die nachſtehende Polizeiverordnung veröffentlichen, empfehlen
wir allen Grundſtücksbeſitzern, die mit der Erfüllung der in den §§ 1 und 3 dieſer
Polizeiverordnung feſtgeſetzten Verpflichtungen eine andere Perſon beauftragt haben oder
dies zu tun beabſichtigen, die beauftragte Perſon, Geſellſchaft oder Anſtalt alsbald ge=
mäß
§ 8 namhaft zu machen. Zur Entgegennahme ſolcher mündlicher oder ſchrift=
licher
Erklärungen iſt außer uns auch das zuſtändige Polizeirevier befugt. Im
Intereſſe der Grundbeſitzer liegt es, ſelbſt dafür zu ſorgen, daß möglichſt gleichzeitig mit
dieſen Erklärungen auch die Bereiterklärungen der verantwortlichen Vertreter eingehen
Darmſtadt, den 16. Februar 1910.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Dr. Kranzbühler.

Polizeiverordnung,

die Reinigung der Straßen betreffend.
Auf Grund des Artikel 56 Abſ. 2 Ziffer 1 des Geſetzes, die Städteordnung für
das Großherzogtum Heſſen betreffend, vom 13. Juni 1874, wird nach Anhörung der
Stadtverordnetenverſammlung der Haupt= und Reſidenzſtadt Darmſtadt mit Geneh=
migung
des Großherzoglichen Miniſteriums des Innern vom 9. Dezember 1503 zu
Nr. M. d. J. 20529 die nachſtehende Polizeiverordnung erlaſſen:
Die allgemeine Reinigung der Straßen liegt den Beſitzern (unmittelbaren und
mittelbaren §§ 854 ff. B. G. B. ) der angrenzenden Grundſtücke ob, ſoweit nicht
die ſtädtiſche Reinigungsanſtalt gemäß den Beſtimmungen des Statuts vom 14. Sep=
tember
1886 betreffend: Die Reinigung der Straßen und öffentlichen Plätze in der
Haupt= und Reſidenzſtadt Darmſtadt die Reinigung übernommen hat. Die Pflicht
zur Reinigung erſtreckt ſich nur auf den Teil der Straße, der an dem Grundſtücke des
Verpflichteten herzieht, und nicht über die Mitte der Straße hinaus. Sind mehrere
Beſitzer vorhanden, ſo trifft jeden die volle Verantwortlichkeit; ein Mieter oder Pächter
iſt jedoch nur dann als Beſitzer im Sinne dieſer Verordnung anzuſehen, wenn er allein
das betreffende Grundſtück benutzt.
Iſt eine Geſellſchaft, Gewerkſchaft, Genoſſenſchaft, Stiftung, ein Verein oder eine
Anſtalt oder eine ſonſtige juriſtiſche Perſon Beſitzer des Grundſtücks, ſo liegt die Ver=
pflichtung
zur Reinigung den Mitgliedern des Vorſtands ob; bei Grundſtücken, die ſich
im Beſitze oder in der Verwaltung einer ſtaatlichen oder kommunalen Behörde befinden,
trifft die Verpflichtung den Vorſtand dieſer Behörde. Der Inhaber einer Dienſt=
wohnung
ſteht einem Mieter gleich.
Auf die Abfuhr des Hauskehrichts finden die Beſtimmungen der Abſ. 1 und 2
entſprechende Anwendung. Die Kehrichtgefäße ſind von den Grundſtücksbeſitzern zur
Abholung des Kehrichts durch die Straßenreinigungsanſtalt bereit zu halten, ſie dürfen
aber nicht auf der Straße aufgeſtellt werden.
§ 2.
Jede Verunreinigung der Straßen, insbeſondere auch durch Fuhrleute beim
Fahren von Bauſchutt, Dung, Sand, Lehm, Erde und anderem loſen Material iſt
verboten.
Jede Zuwiderhandlung bedingt, abgeſehen von der verwirkten Strafe, die Ver=
pflichtung
zur ſofortigen Reinigung der Straße.
§ 3.
Den Grundſtücksbeſitzern liegen außerdem bezüglich der Reinigung der Fußſteige
von Eis und Schnee folgende Verpflichtungen ob:
1. Die Fußſteige, gleichviel ob befeſtigt oder nicht, ſind in ihrer ganzen Breite bis
zum Rande der Fahrbahn, und Fußſteige von größerer Breite auf mindeſtens
3 Meter in der meiſtbegangenen Fläche ſtets von Schnee und Eis freizuhalten.
Der über Nacht gefallene Schnee iſt bis ſpäteſtens 8 Uhr morgens abzuräumen.
Iſt wegen andauernden ſtarken Schneefalls die völlige Freihaltung nicht
möglich, ſo muß die Abräumung in der Zeit von 8 Uhr morgens bis 8 Uhr
abends mindeſtens alle drei Stunden erfolgen. Der von den Fußſteigen ab=
geräumte
Schnee iſt auf der Fahrbahn tunlichſt nahe dem Rande derſelben zu
lagern, wobei Straßenrinnen, Straßenbahngleiſe, ſowie Hydranten und, falls
anderweit Platz vorhanden iſt, Straßenecken, Straßenausgänge und Haus=
eingänge
freizuhalten ſind.
Das Lagern von Schnee, welcher von Hofreiten abgeräumt wurde, iſt auf
den Straßen und Plätzen unterſagt.
2. Sofern auf den Fußſteigen Glatteis oder infolge andauernden Schneefalls,
Froſteinwirkung oder aus anderen Urſachen eine gefährlich zu begehende Schnee=
decke
oder Schnee= und Eisbuckel ſich gebildet haben, oder die Fußſteige ſonſtwie
ſchwer zu begehen ſind, müſſen dieſe in einer Breite von 1,50 Meter mit Sand,
Kies, Sägeſpänen oder ſonſt geeignetem Streumaterial ausgiebig beſtreut werden.
Das Aufſtreuen iſt zu wiederholen, ſobald auf den Fußſteigen wieder glatte Stellen
entſtanden ſind. Dieſe Verpflichtung erſtreckt ſich auf die Zeit von morgens
7½ Uhr bis abends 8 Uhr.
Das Aufſtreuen von Abfällen oder ſonſt ungeeignetem Streumaterial iſt
verboten.
§ 4.
Beſchädigungen der Straße bei der Reinigung ſind ſorgfältig zu vermeiden, ins=
beſondere
iſt es verboten, bei Reinigung der Fußſteige ſcharfe Gerate, wie Beile, Pickel,
Stoßeiſen und dergleichen zur Entfernung des Schnees oder Eiſes zu verwenden.
5.
Bei Froſtwetter iſt das Ausſchütten von Flüſſigkeiten in die Straßenrinnen
unterſagt.
§ 6
Bei Froſtwetter iſt das Schleifenziehen auf den Fußſteigen verboten.
Das Schneeballwerfen mit naſſem oder verunreinigtem Schnee iſt verboten.
§ 8.
Der Beſitzer eines Grundſtücks kann mit der Erfüllung der in den §§ 1 und 3
feſtgeſetzten Verpflichtungen eine andere Perſon, wie z. B. einen Hausverwalter oder
eine Geſellſchaft oder Anſtalt, die ſich die Reinigung von Straßen zur Aufgabe geſtellt
hat, beauftragen. Die Beauftragten, bei Geſellſchaften oder Anſtalten deren Vorſtands=
mitglieder
, ſind für die Einhaltung der Vorſchriften ausſchließlich verantwortlich, wenn
die beauftragte Perſon, Geſellſchaft oder Anſtalt dem Polizeiamte als verantwortliche
Vertreter durch den Grundſtücksbeſitzer ausdrücklich namhaft gemacht worden ſind, dieſe
zur Uebernahme der Verpflichtung ſich bereit erklärt haben und das Polizeiamt binnen
einer Friſt von 14 Tagen nach erfolgter Namhaftmachung Einſpruch gegen die Ver=
tretung
nicht erhoben hat.
Mehrere Beſitzer eines Grundſtücks können nach Maßgabe der Vorſchriften des
Abſatz 1 die Erfüllung der Verpflichtungen auf einen von ihnen übertragen.
§ 9.
Zuwiderhandlungen gegen dieſe Verordnung werden auf Grund des § 366 Poſ. 10
des Reichsſtrafgeſetzbuchs mit Geldſtrafe bis zu 60 Mark oder mit Haft bis zu
14 Tagen beſtraft.
§ 10.
Dieſe Verordnung tritt mit dem Tag der Veröffentlichung in Kraft.
Mit dem gleichen Tage wird das Polizeireglement vom 8. November 1856 auf=
gehoben
.
Darmſtadt, den 9. Januar 1909.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
(3827so
Dr. Kranzbühler.

Bekanntmachung
die Dauer des Geſindedienſtverhältniſſes betreffend.

Nach den Beſtimmungen der Artikel 6 und 7 des Geſetzes, die Geſindeordnung
betreffend, vom 28. April 1877, in der Faſſung vom 3. Auguſt 1899 und des Ortsſtatuts
für die Stadt Darmſtadt vom 12. Februar 1900 gelten ſämtliche Dienſtbotenverträge,
für welche nicht ausdrücklich eine beſtimmte Dienſtdauer vereinbart oder aus den Um=
ſtänden
zweifellos zu entnehmen iſt, als auf die Dauer eines Kalendervierteljahres
abgeſchloſſen.
Wird ein ſolcher Dienſtvertrag nicht vier Wochen vor dem Ablauf des
Kalendervierteljahres aufgekündigt, ſo iſt er ſtillſchweigend auf ein weiteres
Kalendervierteljahr als erneut anzuſehen.
Es ergibt ſich hieraus, daß in der Stadt Darmſtadt Dienſtbotenverträge nur
auf den 1. Januar, 1. April, 1. Juli und 1. Oktober aufgekündigt werden können,
und daß die Kündigung ſpäteſtens vier Wochen vor dem jeweiligen Termin er=
folgt
ſein muß, es ſei denn, daß ausdrücklich etwas anderes zwiſchen den Parteien
vereinbart oder mit Sicherheit aus den obwaltenden Umſtänden zu entnehmen iſt.

Dies ait auch daun, weun der Lohn nach Monaten bemeſſen iſt, da der
von monatlicher Lohnzahlung handelnde Abſ. 4 des Art. 6 der Geſindeordnung mit
den übrigen Beſtimmungen des Art. 6 durch das erwähnte Ortsſtatut außer Kraft
geſetzt iſt.
Ebenſo macht es keinen Unterſchied, ob ein Dienſtverhältnis am Anfang
oder erſt im Laufe eines Kalendervierteljahres eingegangen worden iſt, da ein
im Laufe des Kalendervierteljahres eingegangenes Dienſtverhältnis zunächſt bis zum
Ende des Kalendervierteljahres und dann in der oben bezeichneten Weiſe von Viertel=
jahr
zu Vierteljahr weiterläuft.
Das Kalendervierteljahr beginnt mit dem erſten Werktag eines Vierteljahres und
endigt mit dem Beginn des folgenden Kalendervierteljahres (Ortsſtatut vom 12. Februar
1900, Abſatz 2).
Darmſtadt, den 15. Februar 1910.
(3817fs
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Dr. Kranzbühler.

Verkaufspreiſe der Fleiſch= u. Wurſtwaren in der Hanpl= und Reſdenzäadt Darmgadt.
(Nach den Mitteilungen des Vorſtandes der Metzger=Innung.)

Ochſenfleiſch
kg 86 Pfg.
.. per
Rindfleiſch
.. . . ½ 80
Kalbfleiſch
80
,, ,

Hammelfleiſch
90
, .
4
Bruſt .
60
Schweinefleiſch (Bratenſt.) ½ 96
Bauchläppchen.
½ 90
Kottelets u. geſalz. Fleiſch
100
Speck, geräuchert
,7, 110 ,

Dörrfleiſch
, per ½ kg 110 Pfg.
Schinken m. Bein . .
110
,
Rollſchinken
½ 130
Schweineſchmalz roh und
ausgelaſſen .
½ 90
Schwartenmagen, Fleiſch=
und Bratwurſt
Leber= und Blutwurſt. ½ 72

Brennholz-Verſteigerung.

(Harras.
Freitag, den 25. ds. Mts., morgens 9 Uhr,
werden im Saale des Darmſtädter Hofs zu Griesheim aus den Abteilungen 22,
Fürſtenſtück (Nr. 1123 bis 1296), Abt. 28 und 29, Böncheseck (Nr. 866 bis 1122),
verſteigert
Scheiter: 549 rm Eichen, 6 rm Kiefern; Knüppel: 17 rm Buchen, 209 rm
Eichen (darunter 11 rm 2½ m lang); Knüppel=Reiſig: 13 rm Buchen, 205 rm
Eichen; Stöcke: 287 rm Eichen (fein).
(3823
Unter den Eichen=Scheitern iſt Wagnerholz.
Darmſtadt, den 11. Februar 1910.
Großherzogliche Oberförſterei Darmſtadt.
Kullmann.

Die Lieferung von Betriebs= und Werkſtätten=Materialien pro 1910/11 für unſere
Bahnen ſoll auf dem Submiſſionswege vergeben werden. Angebote mit der Aufſchrift
Submiſſion auf Betriebs= und Werkſtätten=Materialien
ſind bis ſpäteſtens am 1. März cr., vormittags 10 Uhr, an die unterzeichnete Stelle
einzureichen, bei welcher auch die Lieferungsbedingungen eingeſehen reſp. gegen porto=
(3512is
freie Einſendung von 80 Pfg. bezogen werden können.
Darmſtadt, im Februar 1910.

Maſchinen=techniſches Bureau der Süddeutſchen Eiſenbahn=Geſellſchaft.

Verdingung von Steinkohlenbriketts.

Am 9. März d. Js., vormittags 9 Uhr, wird im Geſchäftszimmer des Pro=
viantamts
Darmſtadt, Eſchollbrückerſtraße Nr. 25, der Bedarf an Steinkohlenbriketts
von 100 t für die hieſige Garniſonbäckerei für das Rechnungsjahr 1910 verdungen.
Die Lieferungsbedingungen liegen im Geſchäftszimmer aus und können in den
Dienſtſtunden, vormittags von 8 bis nachmittags 6 Uhr, eingeſehen werden.
Schriftliche und verſiegelte Angebote ſind im Geſchäftszimmer vor Beginn des
Termins, mit der Aufſchrift Angebot auf die Lieferung von Steinkohlenbriketts ver=
(3585ms
ſehen abzugeben.
Großherzogliches Proviantamt Darmſtadt.

Inn Proeber Scinnnar zu Darmstauf
Bildungsanſtalt für Froebel’ſche Erzieherinnen und Kindergärtnerinnen
beginnt am 6. April ein neuer Kurſus, zu dem ſchon jetzt Anmeldungen von Schüler=
innen
im Alter von 1530 Jahren entgegengenommen werden. Solche haben die beſten
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ſchließlich
Dienstag, den 22. Ifd. Mts.,
bei uns einzureichen.
(3762fs
Darmſtadt, den 15. Februar 1910.
Großh. Bürgermeiſterei Darmſtadt.
J. V.: Jaeger.

Schulgeld=Erhebung.

Das Schulgeld für das Großh. Real=
gymnaſium
und deſſen Vorſchule, die
Großh. Ober=Realſchule, die Vorſchule
der Großh. Gymnaſien, die Viktoriaſchule,
das Lehrerinnenſeminar, die höhere Töch=
terſchule
(vormals Reineck) und die Mittel=
ſchulen
für das I. Kalender=Vierteljahr
1910 iſt, bei Vermeidung der Mahnung,
bis Ende ds. Mts. an den Werktagen,
vormittags von8½ bis 12½ Uhr, hierher zu
entrichten.
(3479a
Darmſtadt, den 10. Februar 1910.
Die Stadtkaſſe.
Koch.

Vergebung von Grund= und
Erdarbeiten.

Die im Betriebsjahr 1910 (1. April 1910
bis 31. März 1911) vorkommenden Rohr=
graben
=Arbeiten bei der Neuverlegung und
Auswechslung von Gasleitungen ſollen
verdungen werden.
Angebote ſind bis
Samstag, den 26. Februar cr.,
vormittags 10 Uhr,
bei der unterzeichneten Verwaltung, Frank=
furterſtraße
29, I, Zimmer 3, verſchloſſen
und mit der Aufſchrift Angebot auf Erd=
arbeiten
verſehen, einzureichen, woſelbſt
auch die Verdingungsbedingungen einge=
ſehen
und die Angebotsſcheine in Empfang
genommen werden können.
(3694dsi
Darmſtadt, den 15. Februar 1910.
Städtiſche Gaswerksverwaltung.
Betriebeleitung.
Friedrich.

Lieferung von Leder für die
Armenverwaltung.

Wir bedürfen:
50 kg ſchweres Wildkuhſohlleder,
100 mittelſchweres
100 ſchwere Croupon,
100 mittelſchwere Croupon,
30 braune Raupen,
15 ſchwarzes genarbtes Kalbleder
in beſter, tadelloſer Ware und laden Liefe=
rungsluſtige
ein, ihre mit bezüglicher Auf=
ſchrift
verſehenen Angebote:
Montag, den 28. Ifd. Mts., vormittags
zwiſchen 1011 Uhr,
in den im unteren linken Hausflur des
Stadthauſes aufgehängten Kaſten für Ver=
dingungsangebote
einzulegen. Proben ſind
bei Herrn Oberverwalter Weidner im
Pfründnerhaus, Frankfurterſtraße 35, ein
zureichen. Derſelbe wird auf Verlangen
jede gewünſchte Auskunft über die Liefe=
(3818sd
rung erteilen.
Darmſtadt, den 15. Februar 1910.
Städtiſches Pflegeamt.
Krapp.

Abhanden gekommene Sparkaſſenbücher.

Die vermißten Einlagenbücher
lauſend auf den Namen
Nr.
1177a) Jäger, Witwe,
6636
Feyd, Magdalene,
Feyd, Suſanne,
19769
Fühler, Friederike,
23344
Luck, Lina,
49356
Meiß, Ludwig,
49468
Siebold, Eliſabethe,
49816
Kröhler, Karoline,
51484
103528 Feyd, Friedrich,
der ſtädtiſchen Sparkaſſe Darmſtadt werden
nach deren Satzungen § 20 für kraftlos er=
klärt
, wenn ſie nicht
innerhalb drei Monaten
bei dieſer Kaſſe vorgezeigt werden.
Darmſtadt, den 18. Februar 1910.
Der Verwaltungsrat der ſtädtiſchen Sparkaſſe.
(3830a
Purgold, Direktor.

Bekanntmachung.

Mittwoch, den 30. März 1910,
vormittags 10 Uhr,
ſollen die den Privatier Jakob Krämer I.
Eheleuten zu Eberſtadt zugeſchriebenen, in
der Gemarkung Beſſungen gelegenen Lie=
genſchaften
:
qm
Nr.
Flur
363¾/10 358 Hofreite Weinberg=
ſtraße
,
I 3638 29 Grabgarten daſelbſt,
in unſerem Geſchäftszimmer, Wittmann=
ſtraße
1, zwangsweiſe verſteigert werden.
Darmſtadt, den 12. Februar 1910.
Großherzogliches Ortsgericht Darmſtadt II
(Beſſungen).
(L3825,63
Frantz.

Bekanntmachung.

Das 3. und 4. Ziel der israelitiſchen
Kultusumlagen iſt bei Vermeidung der
(3843
Mahnung langſtens bis
Montag, den 28. Februar ds. Js.
zu entrichten.
Darmſtadt, den 18. Februar 1910.
Der Vorſtand
der israelit. Religionsgemeinde.

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Kurſe vom 18. Februar 1910.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

3f. Staatspapiere. In Proz.
4 Dſche. Reichsſchatzanw. 100,90
3½ Deutſche Reichsanl. . 83,90
85,05
3
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg. 100,90
3½ do. Conſols . . . . 93,90
3.
85,05
do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 101,75
94,00
do.
3½
87,70
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanl. . 101,80
e
93,25
do.
3½
do.
4 Hamburger Staatsanl. 101,70
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 101,60
93,05
do.
3½
81,80
do.
3 Sächſiſche Rente .
84,70
4 Württembergerv. 1907 101,70
3½
93,50
do.
5 Bulgaren=Tabak=Anl.
Griechen v. 1887 . . 47,30
Italiener Rente
3½
4½ Oeſterr. Silberrente 99,15
do. Goldrente . . 100,35
4
do. einheitl. Rente 95,30
3 Portug. unif. Serie I 64,90
do. unif. Ser. III 66,10
Spezial .
do.
5 Rumänier v. 1903 . . 102,20
v. 1890 . . 95,60
14 do.
v. 1905 . . 91,70
do.
4 Ruſſen v. 1880 . . . . 92,00

In Proz.
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½ do., v. 1905 . . . . 100,00
3½ Schweden . . . . . . . 94,60
4 Serbier amort. v. 1895
4 Türk. Admin. v. 1903 88,30
4 do. unifiz. v. 1903 95,00
Ungar. Goldrente . . 95,80
4 do. Staatsrente . 92,70
Argentinier . . . . . . 101,00
91,60
4
do.
4½ Chile Gold=Anleihe . 94,00
5 Chineſ. Staatsanleihe 102,80
do.
100,20
4½
4½ Japaner
97,90
Innere Mexikaner . . 101,75
3
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Gold=Mexikan. v. 1904 96,25
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4 Anatol. Eiſenb. 60%
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betrieb
. . . . . . . . . 219,70
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 90,40
4 Pfälzer Prt. . . . . . 101,20
do.
3½
94,10
4 Eliſabeth., ſteuerpfl. . 99,60
ſteuerfrei . 99,20
do.
5 Oeſterr. Staatsbahn.
do.
99,65
alte
do.
3
5 Oeſterr, Südbahn . .
do.
26
do.
59,00
3 Raab=Oedenburger . . 74,30
4 Ruſſ. Südweſt. . . . . 89,20
4 Kronpr. Rudolfbahn . 99,55

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Anatoliſche Eiſenb. . . 103,00
5 Tehuantepec . . . . . 102,70
Bank=Aktien.
4 Berliner Handelsgeſ. 182,00
4 Darmſtädter Bank . . 137,50
Deutſche Bank . . . . 257,90
4 Deutſche Vereinsbank 129,50
4 Diskonto=Geſellſchaft . 197,20
4 Dresdner Bank . . . . 167,10
Mitteldeut. Kreditbk. 120,70
4 Nationalbk. f. Deutſchl. 129,30
4 Pfälzer Bank . . . . . 101,50
149,75
4 Reichsbank . . . .
4 Rhein. Kredit=Bank 136,90
4 Wiener Bank=Verein 141,40
Pfandbriefe.
4 Frankft. Hypoth.=Bank.
S. 16 und 17 100,50
do. S. 19. . . . . 92,80
3½
4 Frkf. Hyp.=Kreditverein
S. 1519, 2126 99,60
4 Hamb.=Hypoth.=Bank 100,00
do.
91,50
31
Heſſ. Land.=Hyp.=Bk. 101,60
do.
92,80
3½
Meining. Hyp.=Bank 99,90
do.
91,60
3½
4 Rhein. Hypoth.=Bank
(unk. 1917) 100,20
do. (unk. 1914) 92,00
3½
Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 100,30
3½
do,
93,60

Zf.
InProz.
Städte=
Obligationen
-
Darmſtadt . . . . .
do.
3½
Frankfurt . . . . . . . 101,30
94,00
3½ do.
4 Gießen . . . . . . . . 101,00
3½ do.
91,90
Heidelberg . . . . . . 100,50
31
do.
92,00
4 Karlsruhe . . . . . . 101,00
21
do.
3½
92,60
4 Magdeburg. . . . . .
.
3
-
Mainz . . . . . . . .
do.
92,20
.Mannheim . . . . . . 101,00
zu
do.
München . . . . . .. 102,00
3½ Nauheim
92,00
Nürnberg . . . . . . . 101,80
do.
93,30
3½
Offenbach . . . . . . . 101,80
3½ do.
92,50
Wiesbaden . . . . . . 101,40
do.
31
Worms . . . . . . . . 100,70
3½
do.
4 Liſſaboner v. 1886 . . 82,75
Verzinsliche
Anlehensloſe.
Badiſche
Tlr. 100 160,00
3½ Cöln=Mindner 100 137,60
5 Donau=Reg. fl. 100
3 Holl. Komm. 100 108.00

InPro;
Zf.
3
Madrider Fs. 100 78,00
4 Meining. Pr.= Pfand=
briefe
. . . .
.. . 137,50
Oeſterr. 1860er Loſe 174,80
Oldenburger . . . . . 125,80
2½ Raab=Grazer fl. 150
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger
Braunſchweiger Tlr. 20 216,50
Freiburger
Fs. 15
Fs. 45
Mailänder
Fs. 10 36,00
do.
Meininger
fl.
Oeſterreicher v. 1864 100.
do. v. 1858 100 463,00
Ungar. Staats 100371,50
Venediger
Frs. 30
Türkiſche
400 179,20
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Banknoten.
Engl. Sovereigns . . . . 20,42
20 Franks=Stücke . . . . 16,28
Oeſterr. 20=Kronen . . . . 17,00
Amerikaniſche Noten . . . 4,25
Engliſche Noten . . . . . 20,45
Franzöſiſche Noten . . . . 81,40
Holländiſche Noten . . . . 168,70
Italieniſche Noten . . . . 89,90
Oeſterr.=Ungariſche Noten 85,00
Ruſſiſche Noten . . . . . .
Schweizer Noten . . . . . 81,20
4%
Reichsbank=Diskonto
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Heitung durchfliegen. Und oft mit Recht. Was wird z. B.
nicht alles als Beſtes angeboten, um nach kurzer Heit ſpurlos
zu verſchwinden. Gegenüber ſolchen Anpreiſungen ſei nach=
drücklich
darauf hingewieſen, daß ein ſeit 20 Jahren bewährtes,
unſchädliches, wohlſchmeckendes und dabei billiges Frühſtücksgetränk
exiſtiert, es heißt
Kathreiners Malzkaffee. In letzter Heit
werden viele Nachahmungen angeprieſen (die übrigens keinem
Dergleich mit Nathreiners Malzkaffee ſtandhalten); man achte

darauf, daß Nathreiners Malzkaffee nur in geſchloſſenen Daketen
verkauft wird, mit Bild des Pfarrer Uneipp.

C,
Gute friſche Kuhmilch

iſt das beſte u. geſündeſte Nahrungs=
mittel
für Rinder und Erwachſene.

Dies möge das verehrliche Publikum Darmſtadts beherzigen
und von ihren Milchhändlern verlangen, daß ſie dieſelbe gute, friſche
und einwandfreie Milch liefern wie ſeither.
Die Milchproduzenten in der Nähe von Darmſtadt haben ſich
trotz der hohen Produktionskoſten bereit erklärt, die Milch zu
17 Pfg. per Liter franko Darmſtadt zu liefern, während doch in
anderen Städten bereits ein Preis von 18 Pfg. pro Liter von
den Milchhändlern bezahlt wird.
Die Produzenten wollen keinen Aufſchlag von den Kon-
sumenten
, ſondern ſind der Meinung, daß die beſtehende Preis=
differenz
zwiſchen dem Einkaufspreis des Händlers und dem Ver=
kaufspreis
an die Konſumenten derartig bemeſſen iſt, daß der Milch=
handel
ſehr wohl 1 Pfennig pro Liter entbehren kann.
Die Milchhändler kaufen die Sammelmilch nicht teuerer
wie bereits veröffentlicht zu 14 höchſtens 15 Pfennig pro
Liter einſchließlich aller Unkoſten franko Darmſtadt.
Wo iſt die längſt gründliche Widerlegung der Tat=
ſache
, daß die Milchhändler allein in erſter Linie den
Verdienſt haben.
Ganz beſonders empfehlen wir dem Publikum, diejenigen
Milchhändler zu bevorzugen, welche dem Grundſatz huldigen,
der guten Ware auch ein angemeſſener Preis.
Es wäre dringend wünſchenswert, wenn der Vorſitzende des
Darmſtädter Milchhändlervereins die Gründe öffentlich bekannt gebe,
welche ihn dazu veranlaßt haben, am 8. März 1909 an die Land=
wirte
zu ſchreiben, ſie möchten die Stallkontrolle unterlaſſen und
durch Schreiben vom 20. März 1909 verlangt, daß ſogar die
Namen der Milchhändler nicht bekannt gegeben werden ſollen,
welche Milch aus Ställen beziehen, die der Stallkontrolle unterſtellt
werden ſollten.
Viele Wirtſchaften in Rheinheſſen und anderen Teilen
Deutſchlands haben heute ſchon die Milchviehhaltung aufge=
geben
, dies wird in Starkenburg ebenſo der Fall ſein, wenn
dauernd die Prodnktionskoſten unter dem Verkaufspreis bleiben.

3934)
Die Milchproduzenten.
Die nach den Vorſchriften der Gewerbe=
ordnung
in den Betrieben auszuhängenden

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mit Kind nicht ausgeſchloſſen). Offerten 1.
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mit gediegn. Ausſteuer und 6000 Mk. ba:
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Telephon 1145.

[ ][  ][ ]

Darmstädter Vollsbann
eingetragene Genoſſenſchaft mit beſchränkter Haftpflicht.
Wir beehren uns hiermit, unſere Mitglieder zur
ordentlichen General=Versammlung
auf Montag, den 21. Februar 1910, abends 8 Uhr,
in das Restaurant des Herrn Georg Christ,
Grafenstrasse 18/20, Fürstensaal‟
ergebenſt einzuladen.
Tagesordnung:
1. Rechenſchaftsbericht und Rechnungsablage für 1909.
2. Bericht über die im Oktober 1909 vorgenommene geſetzliche Reviſion, Er=
klärung
des Aufſichtsrats hierzu und Beſchlußfaſſung über den Reviſions=
bericht
.
3. Bericht des Aufſichtsrats über die Prüfung der Jahresrechnung und
Bilanz, ſowie Antrag auf Entlaſtung der Verwaltungsorgane.
4. Antrag wegen Verwendung des Reingewinns, wegen Trennung des
Gewinn= Reſerve= und Delkredere=Fonds in zwei Fonds, und Antrag zur
Genehmigung der Bilanz.
5. Bericht über den allgemeinen Genoſſenſchaftstag in Freiburg i. B.
6. Ergänzungswahl des Aufſichtsrats.
(2813a
Die Jahres=Rechnung liegt zur Einſichtnahme der Mitglieder im Geſchäfts=
lokale
offen.
Darmſtadt, den 31. Januar 1910.
Der Aufſichtsrat:
Der Vorſtand:
Heinrich Kichler, Vorſitzender.
Stein. L. Habicht. Thomas.
Oeffentlicher Vortrag.
Unser Leib als Darstellung der Weltreiche
lt. Daniel 2.
Redner: Pred. H. Dirkſen (Amerika)
im Vortragſaal Neckarſtraße 22 (Hinterhaus)
Sonntag nachmittag 4¼ Uhr präzis.
(*4042
Eintritt frei für jedermann.

.
Gesung-Verem Wleiomalen
Prot. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog.:: Inh. der Medaille für Kunſt u. Wiſſenſchaft.
Auf Wunſch des Krieger=Vereins zum Beſten hilfsbedürftiger
Kriegsveteranen von 1870/71 u. früheren Feldzügen der militäriſchen
Vereine von Darmſtadt
Samstag, den 26. Februar, abends 8 Uhr,
in der Turnhalle am Woogsplatz
D


Luſtſpiel in Darmſtädter Mundart von E. E. Niebergall
Regie: Herr Hofſchauſpieler H. Kniſpel.
Eintrittspreiſe: Sperrſitz, num., Mk. 3., Parkett, num., Mk. 2., Balkon, num.,
Mk. 1.50, Saal Mk. 1., Galerie 50 Pfg. Karten ſind im Vorverkauf zu haben bei
Herrn G. Thies Nachf., ſowie im Verkehrsbureau.
Kaſſenöffnung 7 Uhr.
Kaſſenöffnung 7 Uhr.
(3822sk
Die Damen werden höfl. gebeten, die Hüte abzunehmen.

Kath. Geſellenverem Darmſtadt.
Am Sonntag, den 20. Februar,
der hundertjährigen Wiederkehr des Todestages des großen
Tiroler Freiheitskämpfers, gelangt im
Geſellenhauſe, Friedrichſtraße 30,
das Schauſpiel
dAndreas Hofern
zur Aufführung. Beginn nachmittags 4 Uhr.
Eintrittskarten: 1. Platz 1.50 Mk., 2. Platz 1.00 Mk., 3. Platz 0.50 Mk.
ſind im Vorverkauf beim Hausmeiſter des kath. Geſellenvereins und des
(3643ms
Katholikenvereins zu obengenanntem Preiſe zu haben.
NB. Die verehrl. Damen werden gebeten, die Hüte beim Betreten des
Saales abzunehmen.
Der Vorstand.

Petrusgemeinde.
Sonntag, den 20. Februar, abends 8 Uhr,
Se Gemeindeabendessese

im Gemeindehaus, Hofgartenstrasse 8.
Vortragdes Herrn Pfarrer Werner aus Frankfurt a. M. über:
Selbſterlebtes aus dem Alorgenland.
Muſikaliſche Darbietungen.
Teekarten zu 25 Pfennig in der Buchdruckerei Bender, Beſſungerſtr. 47, und im
(3819
Gemeindehaus.

Eingang

Verelngie Gesehschatt, Rheinstrasse.
Dienstag, den 22. Februar, abends 8½=Uhr,
Vortrag
des Herrn Maler Ernst Ludwig Ostermeyer aus München
über:
Zweck und Ziele der Renten- und Penſions-Anſtalt
für deutſche bildende Künſtler.
Wir laden Künſtler und alle in einer künſtleriſchen Berufsart tätigen Herren
und Damen, Architekten, Bildhauer, Maler und Malerinnen, Graphiker, Lithographen,
Zeichenlehrer uſw. zum Beſuche dieſes Vortrages höflichſt ein.
(3910so
Der Vorſtand des Ortsvereins Darmſtadt.
Beyer.
Kröh.

O M N18se
MonatsVersammlung
7
Montag, 21. Februar 1910, in der Stadt Pfungſtadt.
Tagesordnung: 1. Mitteilungen. 2. Feſtſetzung des
Fic
Voranſchlags für 1910. 3. Vortrag über Holländer Weiß=
2uasd.
S
Sch
ustwie haubenhühner. 4. Vortrag über Kanarienzucht. 5. Ver=
Ght
loſung.
(3898.

Ser
aizenkot
Sonntag, den 20. Februar, abends 8 Uhr
Volkstamliches Konzert.
Kapelle des Grossh. Hess. Artillerie-Regts. Nr. 61
Leitung: M. WEBER.
Im Programm die beliebtesten Opern- und Operettenmelodien. Eintritt 25 Pfg.

28
O
Ladwf
Shohe.
Sonntag, den 20. Februar 1910:

der Kapelle des Leibgarde-Regiments.
(Größerer Teil derſelben.)
(Leitung: Obermuſikmeiſter Hauske.)
Aus dem Programm: J. Mehul, Jagdouverture; G. Puccini, Stück aus Madame
Butterfly; C. Kreutzer, Szene aus Das Nachtlager in Granada (mit dem berühmten
Violinſolo); Joh. Strauß, Roſen aus dem Süden. Zwei Neuheiten: Clarendon,
Ach könnt ich die Welt dir ſchenken, amerik. Lied und Dance de Paraguay. Auf
(B3875
Wunſch:, Eine Reiſe durch Europa u. a. m.
Eintritt 25 Pfg.
Anfang 4 Uhr.

6.
*
Stadt mürnberg, Übergasse 38.
Samstag, den 19., und Sonntag, den 20. Februar 1910,
Berchtesgadener Singvögel
Oberbaverisches Gesangs- und Tanz-Ensemble
3 Damen und 1 Herr
(*4113
Direktion Beer.

Es ladet ergebenſt ein

Franz Schmitt.

e 6g
Messtnger sche Janzieneschule Dasmstadt
Heidelbergerſtraße 108½.
Motto: Es werd dauernd geſchwooft!
Sonntag, 20. Februar 1910, nachmittags 4 Uhr,
Grosses närrisches
Tanzkränzchen in Arheilgen (Saal zum Löwen)
an der Straßenbahn dicht gelegen, wozu zu zahlreichem Beſuche einladet
Friedrich Meisinger, Tanzlehrer.
Eintritt frei.
Eine Kopfbedeckung 10 Pfg
(*4055

Landwehrstrasse 26
Konzerthaus Kratſch Konzessioniertes Vartéte.
Sonntag, den 20. Februar, 4 Uhr Anfang. Eintritt frei.
T
Gaſt: Herr Chr. Siefarts
Erstes Humoristen-Konzert. Charakter=und Volkshumoriſt.
Im Ausſchank: Taunus=Perle (½ Liter 13 Pfg.) :: Storchenbräu.
Bei Konzert Vieraufſchlag.
(*4104
Hestaurant pavarla-
21 Grafenstrasse 21
Heute Samstag, den 19. Februar:

Sc
Metzelsuppe



e

wozu freundlichſt einladet
*4003

mit Freikonzert

A. Eppler.

[ ][  ][ ]

Nachrichten des Standesamts Darmſtadt I.

Geöffnet an Wochentagen von 912 Uhr vorm. und
35 Uhr nachm. Samstags nachmittags nur für
dringende Fälle und Sterbefallsanzeigen.
Geborene. Am 14. Febr.: dem Stadtbauaufſeher
Georg Krumb, Rhönring 31, e. S. Georg Johann. Am
10.: dem Kaufmann Otto Benner, Liebfrauenſtr. 99,
e. T. Erna Martha Gertrude. Am 14.: dem Grundarb.
Franz Heppenheimer, Soderſtr. 7. e. T. Anna Maria.
Dem Finanzaſpiranten Wilh. Wendel, Müllerſtr. 4,e.
T. Margar. Gertrude. Am 11.: dem Bierbrauer Johann
Deckert, Landwehrſtr. 62, e. T. Katharina, Am 13.:
dem Bäckereibeſitzer Otto Noll, Große Ochſengaſſe 32,
e. S. Georg. Am 14.: dem Studenten Alexander
Gawrilow, Seitersweg 8, e. T. Ludmilla. Dem
Lokomotivheizer Phil. Lepper, Pfründnerhausſtr. 17,
e. S. Karl Emil Hans Philipp. Am 11.: dem Vizefeld=
webel
im Leibgarde=Infanterie=Regiment Nr. 115 Hein=
rich
Seibel, Marktſtr. 7, 2 T. Eliſabeth Lina Margar.
und Helene Emilie Wilhelmine. Am 16.: dem Kaufm.
Adam Vock, Mühlſtr. 10, e. S. Julius. Am 12.: dem
Metzger und Wirt Heinrich Rapp, Mühlſtr. 37, e. S.
Heinrich Franz Jakob.
Aufgebotene. Am 16. Febr.: Monteur Friedrich
Wilhelm Robert Rathgeber. Kaupſtr. 54, mit Marie
Alice König, Nieder=Ramſtädter Straße 8. Tag=
löhner
Adolf Hermann Paul Schultze mit Anna
Katharina Monſchan, beide Vilbel. Straßenbahn=
ſchaffner
Franz Peter Brühl in Rödelheim mit
Maria Eliſabethe Heim in Groß=Zimmern. Verlags=
Redakteur Guſtav Auguſt Georg Jüde, Nieder= Ram=
ſtädter
Straße 34, mit Johanna Mathilde Margarete
Griesbach in Leipzig=Reudnitz. Wächter Franz Paul
Joſeph Sobzhak, Liebfrauenſtr. 78, mit Hausmädchen
Emma Emilie Körber, Stiftsſtr. 12. Am 17.: Schloſſer
Georg Adam Lenges, Ballonplatz 9, mit Anna
Auguſte Dambmann, Brandgaſſe 14.
Geſtorbene. Am 14. Febr.: Anna Rink, T. d
Schloſſers, 13 J., kath., Urberach. Eliſ. Wagner geb.
Henkel, Witwe d. Monteurs, 76 J., ev., Arheilger
Straße 14. Eliſe Seibert geb. Knörnſchild, Ehefr. d.
Spenglermſtrs., 42 J., ev., Eberſtadt. Am 15.: Möbel=
transporteur
Hch. Bätz, 40 J., ev., Langegaſſe 7. Am
16.: Eliſ. Marg. Hillemann, T. d. Eiſenbahnaſſiſtenten,
1 J., kath., Kaſinoſtr. 12. Johanette Klenk geb. Rahn,
Ehefr. d. Privatiers, 61 J., ev., Hohlerweg 20. Am 15.:
Holzhauer Ldg. Schöffel, 43 J., ev., Harpertshauſen.
Am 16.: Gertrude Kolb, 74 J., ev., Soderſtr. 106. Am
17.: Richard Komp, S. d. Spediteurs, 11 J., ev., Ober=
gaſſe
16.
Nachrichten des Standesamts Darmſtadt II.
Geöffnet an Wochentagen von 912 Uhr vorm. und
35 Uhr nachm. Samstags nachmittags nur für
dringende Fälle und Sterbefallsanzeigen.
Geborene. Am 3. Febr.: dem Lehrer an der Stadt=
knabenſchule
I Theodor Johann Heinrich Ludwig Hils=
dorf
, Herderſtr. 2, eine T. Lina Helene. Am 1.: dem =
beltransporteur
Ernſt Chriſtian Gottlieb Arnold, Forſt=
meiſterſtr
. 5, eine T. Helene. Dem Gärtner Georg Robert
Beck, Weinbergſtr. 4, eine T. Anna Margareta. Am 3.:
eine uneheliche T. Emilie. Am 5.: dem Weißbinder Wil=
helm
Lang, Beſſungerſtr. 55, eine T. Margareta. Am 7.:
dem Zuſchneider Adam Böhm, Schießhausſtr. 51, ein S.
Hermann Wilhelm. Am 10.: dem Metzger Johann Philipp
Jung, Beſſungerſtr. 4, ein S. Adolf Friedrich Ludwig.
Am 8.: dem Weißbindermeiſter Anton Horſt, Beſſunger=
ſtraße
33, eine T. Hedwig Frida. Am 10.: dem Stabsvete=
rinar
Dr. Theodor Oskar Max Jakob, Moſerſtr. 1, ein
S. Kurt Richard. Am 11.: dem Schuhmacher Johann
Heinrich Bucher, Beſſungerſtr. 79, eine T. Pauline. Am
10.: dem Kriegsgerichtsrat Wilhelm Ferdinand Johann
Reinhard Koch, Heinrichſtr. 150, ein S. Am 15.: Dem
Herdſetzer Ferdinand Roßbach, Beſſungerſtr. 34, eine T.
Toni. Am 18.: dem Prokuriſt Joſeph Nothis, Martin=
ſtraße
97, eine T. Marianne Louiſe.
Aufgebotene. Am 4. Febr.: Kgl. Regierungsbaumei=
ſter
Alfred Wilhelm Chriſtian Adolf Hermann Pückel
in Hannover mit Hedwig Angelika Frölich, Hoffmann=
ſtraße
30. Am 9.: Ingenieur Dr. Hans Guſtav Friedrich
Franz Jäger in Stettin mit Mathilde Sophie Emilie
Ella Ludwig, Heerdweg 86. Eiſenbahnaſſiſtent Georg
Heinrich Balthaſar Aßmuth, Neue Niederſtr. 6, mit
Maria Margareta Geyer, Beſſungerſtr. 10. Kutſcherei=
beſitzer
Wilhelm Kögel in Mannheim mit Maria Jung,
Neue Niederſtr. 13. Am 11.: Regierungsaſſeſſor und Hilfs=
arbeiter
im Reichsverſicherungsamt Hans Kurt Albert
Richard Schmidt in Berlin mit Katharina Conſtanze
Becher, Hochſtr. 66. Sergeant im Train=Bataillon Nr. 18
Heinrich Wilhelm Hohmeier mit Eliſabetha Schwalm,
Heinrichſtr. 128. Am 12.: Maſchiniſt Georg Ludwig
Bartſch in Bottighofen (Schweiz) mit Sophie Eliſabetha
Kettler, Beſſungerſtr. 53. Lehramtsaſſeſſor Dr. Georg
Philipp Guſtav Rudolf Wagner zu Offenbach a. M. mit
Alexandrine Wilhelmine Sturmfels, Wittmannſtr. 22.
Eheſchließungen. Am 5. Febr.: Tapezier Friedrich
Ehrhardt, Tannenſtr. 17, mit Karoline Engel, Heinrich=
ſtraße
162. Sergeant im Großh. Artillerie=Korps Philipp
Bleſſing, Heidelbergerſtr. 47, mit Anna Barbara Bitſch
in Schlierbach, Kreis Bensheim
Geſtorbene. Am 14. Febr.: Sattler und Tapezier Wil=
helm
Baumann, Karlſtr. 54, ein totgeborenes Mädchen.

Kirchliche Anzeigen.

Evangeliſche Gemeinden.
Sonntag Reminiscere, den 20. Februar 1910
Hofkirche: Samstag, den 19. Februar, abends 6 Uhr:
Beichte. Sonntag, den 20. Februar, vorm. ½10 Uhr:
Beichte und Anmeldung zur heil. Kommunion in der
Sakriſtei. Vormittags 10 Uhr: Hauptgottesdienſt mit
Feier des hl. Abendmahls. Mittwoch, den 23. Februar,
abends 6 Uhr: 3. Paſſionsandacht.

Stadtkirche: Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer Vogel.
Vormittags 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarrer Velte.
Nachmittags 6 Uhr: Pfarrer Weißgerber.
Stadtkapelle: Vorm. um ½10 Uhr: Pfarrer Kle=
berger
. Vorm. 11 Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarrer
Kleberger. Mittwoch, den 23. Februar, abends 6 Uhr:
Paſſionsandacht. Pfarrer Vogel.
Militärgemeinde (Stadtkirche): Vormittags 8½ Uhr:
Militärhilfsgeiſtlicher Lie. Lang. Vorm. 11¼ Uhr:
Kindergottesdienſt in der Oberrealſchule, Kapellſtraße 5.
Johanneskirche: Vorm. 10 Uhr: Pfarrer Dingeldey
Heil. Abendmahl mit Vorbereitung. Vorm. 11¼ Uhr:
Kindergottesdienſt. Abends 6 Uhr: Miſſionar Ruh=
land
. Kollekte für die Baſeler Miſſion.
Mittwoch,
den 23. Februar, abends 8 Uhr: 3. Paſſionsandacht.
Pfarrer Dingelden.
Martinskirche: Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer D. Waitz.
Vorm. um 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt für den
Oſt=Bezirk. Pfarrer Widmann. Abends um 8 Uhr:
Pfarraſſiſtent Lautenſchläger.
Pfründnerhaus: Vormittags 10 Uhr: Pfarraſſiſtent
Lautenſchläger.
Eliſabethenſtiſt: Vormittags 10 Uhr: Hauptgottes=
dienſt
. Pfarrer Deggau. Vorm. 11¼ Uhr: Kinder=
gottesdienſt
. Donnerstag, den 24. Februar, nachm.
3 Uhr: 3. Paſſionsandacht. Pfarrer Deggau.
Beſſunger Kirche (Betrusgemeinde): Vorm. 10 Uhr:
Pfarraſſiſtent Bingel. Vormittags 11¼ Uhr: Kinder=
gottesdienſt
. Pfarrer Walz.
Nachmittags ½6 Uhr:
2. Paſſionsandacht. Pfarrer Walz.
Gemeindehaus, Hofgartenſtr. 8: Sonntag,
den 20. Februar, abends 8 Uhr: Gemeindeabend. Mitt=
woch
, den 23. Februar, abends 8 Uhr: Bibelſtunde.
Geheimerat D. Walz.
Pauluskirche: Vormittags 10 Uhr: Hauptgottesdienſt.
Pfarraſſiſtent Flöel. Vormittags 11¼ Uhr: Kinder=
gottesdienſt
. Pfarraſſiſtent Flöel. Abends 6 Uhr:
2. Paſſionsandacht. Pfarrer Rückert. Abends 8 Uhr:
Elternabend des Kindergottesdienſtes im Gemeindeſaal.
Lutheriſcher Gottesdienſt. (Selbſtändige evang.=lutheriſche
Kirche.) Am Sonntag Reminiscere, den 20. Februar,
nachmittags 5 Uhr, im Feierabend, Stiftſtraße 47.
Predigt und heil. Abendmahl. (Beichte um 4½ Uhr.)
Pfarrer Müller.
Stadtmiſſion (Mühlſtraße 24): Sonntag, den 20. Febr.,
vormittags 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt. Nachmit=
tags
um 4 Uhr: Evangeliſationsverſammlung. Pfarrer
Veller. Abends 8 Uhr: Blaukreuzverſamm=
lung
. Donnerstag, den 24. Februar, abends 8½ Uhr:
Bibelſtunde. Herr Birkholz.
Gottesdienſt der Neuapoſtoliſchen Gemeinde (Neue Nieder=
ſtraße
13): Sonntag, nachmittags 4 Uhr. Mittwoch,
abends 8½ Uhr.
Baptiſtengemeinde (Nieder=Ramſtädterſtraße 13):
Sonntag, den 20. Februar, vormittags 10 Uhr: Predigt.
Vorm. 11¼ Uhr: Sonntagsſchule. Nachmittags
4 Uhr: Predigt. Jedermann herzlich willkommen.
Katholiſche Gemeinden
St. Ludwigskirche: Samstag, den 19. Februar, nach=
mittags
um 4 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit
zur hl. Beichte.
2. Faſten=Sonntag, den 20. Februar 1910
Beginn der öſterlichen Zeit
Vorm. von ½ 6 Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beichte.
Um 6 Uhr: erſte hl. Meſſe. Um 7 Uhr: Austeilung
der hl. Kommunion. Um 8 Uhr: Militärgottesdienſt
mit Predigt. Um ½10 Uhr: Hochamt mit Predigt.
Nach=
Um 11 Uhr: Akademiſcher Gottesdienſt
mittags um 3 Uhr: Sakramentaliſche Bruderſchafts=
andacht
mit Predigt. Mittwoch, abends um 6 Uhr:
Faſtenpredigt. Freitag, abends um 6 Uhr: Kreuz=
wegandacht
.
Kapelle der Barmherzigen Schweſtern: Sonntag, vorm.
um ½7 Uhr: hl. Meſſe. Nachmittags um 4 Uhr:
Vortrag und Verſammlung im Mädchenheim. Um
5 Uhr: Verſammlung des 3. Ordens.
Um 6 Uhr:
Roſenkranzandacht.
Kapelle der Engliſchen Fräulein: Sonntag, vormittags
um 7 Uhr: hl. Meſſe.
St. Eliſabethenkirche: Samstag, den 19. Februar,
nachmittags um 4½ Uhr und abends um 8 Uhr: Ge=
legenheit
zur hl. Beichte.
Sonntag, den 20. Februar 1910
Vorm. von 6 Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beichte.
Um ½7 Uhr: Frühmeſſe; Generakommunion der Jung=
frauen
=Sodalität. Um 8 Uhr: hl. Meſſe mit Predigt.
-
Um ½10 Uhr: Hochamt mit Predigt.
Nach=
mittags
um 2 Uhr: Sakramentaliſche Bruderſchaftsandacht.
Abends um 8 Uhr: Faſtenpredigt (von Herrn Prof.
Laufer) und Andacht. Donnerstag, nachmittags um
6 Uhr: Faſtenandacht. Freitag, den 25. Februar,
abends um ½9 Uhr: Religiös=wiſſenſchaftlicher Vortrag
für Männer und Jünglinge. Thema: Unſere Kirche‟
St. Martinskapelle zu Beſſungen: Samstag, den
19. Februar, nachmittags um 4 Uhr und abends um
8 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beichte.
2. Faſten=Sonntag, den 20. Februar 1910
Vormittags um 6 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beichte.
Um 7 Uhr: hl. Meſſe. Um 9 Uhr: Amt mit
Predigt. Nachm. um ½3 Uhr: Katechetiſche Predigt
und ſakramentaliſche Bruderſchaftsandacht. Bibliothek
Heerdweg 28): Dienstag nachmittag von 67 Uhr.
Mittwoch, abends um 6 Uhr: Faſtenandacht.
Kapelle zu Eberſtadt: Samstag, den 19. Februar,
nachmittags um 5 Uhr: Beichtgelegenheit.
2. Faſten=Sonntag, den 20. Februar 1910
Vorm. um 6 Uhr: Beichte. Um ½7 Uhr: Aus=
teilung
der hl. Kommunion. Um ¼10 Uhr: Hochamt

und Predigt. Nachmittags um ½2 Uhr: Andacht.
Während der Woche um ¾8 Uhr: hl. Meſſe.
Kapelle zu Pfungſtadt: 2. Faſten=Sonntag, den 20. Febr.,
vormittags um ½8 Uhr: Amt und Predigt. Vorher
Beichtgelegenheit.

The English Church (Hefkirche)
Divine Service
on Sunday, the 20th of February 1910
at 3,15 p. m.
Reverend Dr. Mac Donald Chaplain at Heidelberg.

Getaufte, Getraute und Beerdigte.

Getaufte bei den evangeliſchen Gemeinden.
Stadtgemeinde: 13. Februar: Dem Taglöhner
Philipp Gimbel T. Friedericke, geb. 9. Januar. Dem
Taglöhner Georg Judith S. Willi, geb. 3. Februar.
Dem Bürogehilfen bei Gr. Oberförſterei Daniel Ludwig
Winnewiſſer S. Friedrich Ernſt Ludwig, geb. 25. Jan.
Dem Lehrer und Stadtorganiſten Julius Wilhelm
Borngäſſer T. Eliſabeth Hedwig Mathilde, geb. 12. Dez.
11. Februar: Dem Kaufmann Ernſt Heinrich Schmidt
T. Wilma Dora, geb. 24. März 1909. 12. Februar: Dem
Schloſſer Jakob Tullius T. Katharina Margarete, geb.
4. November 1909.
Johannesgemeinde: 13. Febr.: Dem Schreiner
Ernſt Müller T. Frieda Luiſe, geb. 15. Januar. Dem
Forſtwart Wendel Ahlheim T. Anna Marie, geb. 3. Jan.
Dem Eiſenbahnſchaffner Philipp Wesp S. Georg Philipp,
geb. 13. Dezember. Dem Maſchinentechniker Heinrich
Schuchmann T. Marie Margarethe, geb. 19. Januar.
16. Februar: Dem Kaſſediener Joſeph Ganß T. Elſa,
geb. 17. Januar.
Martinsgemeinde: 10. Febr.: Dem Kellner=
Friedrich Maier S. Ludwig Friedrich, geb. 29. Dezemb.
Dem Zigarrenſortierer Leonhard Gans S. Heinrich
Willi, geb. 11. Januar. 12. Februar: Unehel. S. Joh.,
geb. 1. Januar. 13. Februar: Dem Glaſermeiſter Karl=
Wilhelm Krickſer S. Heinrich, geb. 18. Dezember. Dem
Expedient Leonhard Vogel S. Friedrich Wilhelm, geb.
13. Februar. Dem Schloſſer Johann Franz Wilhelm
Schaffnit T. Johanna Margarethe Chriſtine, geb.
25. Januar. 10. Februar: Dem Poſtboten Ludwig
Philipp Dietz S. Adam Ludwig, geb. 4. Januar.
13. Februar: Dem Kaſſierer Adam Straub T. Marie
Katharine, geb. 16. Januar. Dem Kellner Wilhelm
Dietz S. Heinrich Adam, geb. 21. Januar. Dem Schloſſer
Leonhard Müller S. Otto Auguſt, geb. 22. Januar.
16. Februar: Dem Taglöhner Albert Gröning T. Emma,
geb. 19. Oktober. Dem Schreinermeiſter Auguſt Franz
Hachenberger T. Luzia, geb. 1. November. Unehel. T.
Wilhelmine, geb. 25. Januar.
Petrusgemeinde: 13. Febr. Dem Buchbinder
Johann Heinrich Ernſt Götz S. Friedrich Karl, geb.
30. Dezember. Dem Hilfsarbeiter Georg Karl Chriſtian
Masmann S. Karl, geb. 2. Dezember. Dem Bahnmeiſter
Friedrich Daniel Engel T. Anna Mathilde, geb. 24. Jan.
Unehel. T. Hedwig, geb. 20. Januar.
Paulusgemeinde: 13. Febr.: Dem Briefträger
Martin Schneider T. Ella Eliſe, geb. 31. Januar. Dem
Taglöhner Joſeph Sonderbeck S. Martin Peter Konrad,
geb. 17. Januar.
Getraute bei den evangeliſchen Gemeinden.
Stadtgemeinde: 12. Febr.: Telegraphen=Aſſiſtent
Karl Wilhelm Henning zu Frankfurt a. M. und Anna
Maria Charlotte Herwede. Verlagsbuchhändler Hans
Robert Federn in Grunewald und Bildhauerin Luiſe
Julie Staudinger.
Martinsgemeinde: 12. Februar: Friedrich
Jean Fleury und Maria Anna Henger.
Beerdigte bei den evangeliſchen Gemeinden.
Stadtgemeinde: 16. Febr.: Philippine Spengler,
geb. Steckenreuter, Ehefrau des Taglöhners Chriſtian
Spengler, 38½ J., ſtarb 13. Februar. 17. Febr.: Monteur
Heinrich Bätz, 40 J., ſtarb 15. Febr. 16. Febr.: Katharine
Sprankel, geb. Unrath, Ehefrau des Zuſchneiders Philipp
Sprankel, 35 J., ſtarb. 13. Februar. 13. Febr.: Wilhelm
Engel, 1 J. 10 Mon., ſtarb 11. Februar.

Johannesgemeinde: 14. Februar: Chriſtine
Göttmann, geb. Heuß, Witwe des Kammermuſikers
Georg Göttmann, 86 J., ſtarb 12. Februar.
Martinsgemeinde: 16. Februar: Barbara
Hornick, geb. Schneider, Witwe des Taglöhners Joſeph
Hornick, 53 J., ſtarb 13. Februar. 11. Februar: Luiſe
Fries, T. des Bahnwärters Ludwig Fries, 5 J., ſtarb
8. Februar.
Petrusgemeinde: 14. Febr.: Eliſabethe Hof,
geb. Jakoby, Ehefrau des Schreiners Karl Hof, 77 J.,
ſtarb 12. Februar.
Getaufte bei den katholiſchen Gemeinden.
St. Ludwigsgemeinde: 6. Februar: Dem
Oberpoſtſchaffner Georg Stappelton T. Anna, geb.
3. November 09. Dem Werkmeiſter Hans Berkenbrink
T. Martha Mina Charlotte, geb. 14. Jan. 1910. 8. Febr.;
Vizefeldwebel Emil Bacher T. Maria Joſepha, geb.
26. Januar 1910. 9. Februar: Dem Metalldreher Joh.!
Jäger S. Joh. Baptiſt, geb. 10. Januar 1910. Dem
Kellner Jakob Baſtian S. Ludwig, geb. 19. Januar 1910.
11. Februar: Dem Schneider Johann Frank T. Ottilie,
geb. 6. Februar 1910. 13. Februar: Dem Kaufmann
Bruno Burghardt S. Alfred, geb. 28. Januar 1910.
16. Februar: Dem Sergenat Karl Wunderle T. Anna
Maria, geb. 3. Februar 1910.
Getraute bei den katholiſchen Gemeinden.
St. Ludwigsgemeinde: 5. Februar: Sergeant
im Großh. Artillerie=Korps Philipp Bleſſing dahier und
Anna Barbara Bitſch zu Schlierbach.
Beerdigte bei den katholiſchen Gemeinden.
St. Ludwigsgemeinde: 8. Februar: Hofſtall=
portier
i. P. Kuno Nees, 79 J., ſtarb 6. Februar.
11. Febr.: Ferdinand Sauval, 16 J. 2 M., ſtarb 9. Febr.

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Poſaunenchors.
Dienstag, abends 8½ Uhr: Uebung des
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Mittwoch, abends 8¼ Uhr: Bibelſtunde für
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Beſprechung der älteren Abteilung.
Donnerstag, abends 8½ Uhr: Generalver=
ſammlung
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Jugendabteilung.
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Donnerstag, abends 8½ Uhr: Bibelſtunde.
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Montag, abends: Freie Vereinigung.
Dienstag, abends: Bibelbeſprechſtunde.
Mittwoch, abends: Freie Vereinigung.
Donnerstag, abends: Bibelſtunde im Ver=
einshaus
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Freitag, abends: Freie Vereinigung.
Samstag, abends: Gebetsſtunde.

[ ][  ][ ]

Zu haben in den einschlägigen durch
Plakate kenntlich gemachten Geschäften.

Berliner Stimmungsbilder.
Von Paul Lindenberg.
(Nachdruck verboten.)

Eine offizielle Warnung. Ruhe iſt die erſte Bürger=
pflicht
! Der rote Sonntag‟. Die Straße dient
lediglich dem Verkehr! Bange machen gilt nicht!
Im Eispalaſt. Internationale Sportkämpfe.
Wohltun trägt Zinſen. Das Cecilienhaus in Char=
lottenburg
. Beim Staatsſekretär Krätke. Profeſſor
Dr. Streckers Vortrag über den gegenwärtigen Stand
der drahtloſen Telegraphie. Aus dem Theaterleben.
Von jeher bilden die Anſchlagſäulen in ge=
wiſſem
Sinne einen Barometer für die Vorgänge in=
nerhalb
unſerer weitgezogenen Stadtgrenzen, das
Queckſilber wird durch Farben vertreten, bei denen
grelles Rot meiſt auf Sturm oder Gefahr deutet. Denn
dieſe Farbe iſt als offizielle unſeren Behörden vorbe=
halten
und übt ſtets ihre Wirkung aus, man ſieht’s an
dem Kreis der Neugierigen, den jene Plakate anlocken:
Was iſt’n los, wieder mal ’n Mord geſchehen? Letzt=
hin
, als das Rot von den Säulen weithin leuchtete,
handelte es ſich freilich nicht um eine blutige Tat, ſon=
dern
um eine Warnung, die unſer neuer Polizei=
präſident
Herr v. Jagow an die Berliner Bür=
gerſchaft
erlaſſen und die ſich gegen die aus Anlaß
der Wahlrechtsvorlage angekündigten ſozial=
demokratiſchen
Straßenumzüge mit eventuellen Aus=
ſchreitungen
richtete. In ihrer militäriſchen Kürze, die
ihres Eindrucks nicht verfehlt, erinnerte ſie an jenen
auch bereits auf rotem Papier gedruckten Erlaß, den
der Gouverneur Berlins, Graf Schulenburg, am Mor=
gen
des 18. Oktober 1806 an die Straßenecken unſerer
Stadt hatte ſchlagen laſſen: Der König hat eine Ba=
taille
verloren. Jetzt iſt Ruhe die erſte Bürgerpflicht.
Ich bitte darum! Schulenburg.
Die kürzliche Bekanntmachung hatte den gleichen
Kern, nur daß ſie in modernem Sinne gefaßt war:
Die Straße dient lediglich dem Verkehr!
Na, na, auch bei größeren höfiſchen Veranſtaltungen,
wie Einzügen, Parole=Ausgaben, Truppen= Vereidig=
ungen
uſw.? Da wird wohl der Herr Polizeipräſi=
dent
oft genug an ſeine Worte gemahnt werden, wenn
aus jenen Anläſſen beſondere Abſperrungen erfolgen.
Aber ganz gleich, die Warnung mag diesmal gut am
Platze geweſen ſein, es kam bei jenen Demonſtrationen
auch nur zu ganz vereinzelten Zuſammenſtößen mit
der Polizei, und die Zahl der Verhafteten war weit
geringer, als bei ähnlichen früheren Gelegenheiten.
Die Neugierigen nirgends auf dem Erdball gibt’s
ja von dieſem Artikel mehr wie in einer Weltſtadt
blieben fern, die Teilnehmer an den Umzügen vermie=
den
jegliche Herausforderung, was nur dem einzelnen
und dem Ganzen geſchadet hätte, und unſere Einwoh=
nerſchaft
ließ ſich nicht im geringſten durch den roten
Sonntag beunruhigen. Bange machen gilt nicht!
die Zeiten ſind vorüber, in denen die Ankündigung der
hieſigen erſten Maifeier Tauſende und Abertauſende in
Angſt und Schrecken verſetzt hatte, in denen Viele nach
dem Ausland reiſten, ihren Mammon ſelbſt nicht mehr
in den unterirdiſchen Gewölben der Reichsbank ſicher
glaubten oder ſich auf Tage hinaus verproviantierten,
da ſie fürchteten, nicht die Straße betreten zu können.
Diesmal ließ man ſich nicht im geringſten ſtören
und folgte unbeſorgt ſeinen Pflichten, falls der Sonn=

tag ſolche auferlegte, oder ſeinen Vergnügungen. Wie
luſtig ging’s während jener kritiſchen Stunden bei=
ſpielsweiſe
im Eispalaſt zu, auf deſſen gräuer Fläche
ſich gerad’ Feiertags ein fröhliches, geſellſchaftlich= groß=
ſtädtiſches
Leben entwickelt. Flotte Muſikweiſen ſchallen
herab, ſchlanke Berlinerinnen zeigen, daß auch an ihrer
Wiege die Grazien geſtanden, über die neueſten Mode=
ſchöpfungen
kann man ſich freuen oder ärgern und ver=
mag
mit hellem Entzücken dem Tanze zu folgen, den
einzelne Paare nach lockenden Walzerklängen in der
Mitte der Bahn vollführen wie weit bleibt dagegen
der Tanz auf dem Parkett zurück und mag er ſelbſt
von Elfenfüßchen getanzt werden! Hier kann man
wirklich von einer Aeſthetik des Eislaufes ſprechen, die
eine derartige vollkommene Anmut der Bewegungen
des menſchlichen Körpers entwickelt, wie man ſie ſonſt
nirgends zu beobachten Gelegenheit hat. Das zeigte
ſich am deutlichſten im Verlauf der Internatio=
nalen
Sportkämpfe, die jüngſt im Eispalaſt
ſtattgefunden, zumal bei der Internationalen Walzer=
konkurrenz
, bei der zwei Münchnerinnen den erſten
Preis gewannen, und bei der Damen=Weltmeiſterſchaft,
bei welcher eine hochgewachſene, blonde Ungarin über
eine zierliche, brünette Berlinerin den Sieg davon=
trug
; aber auch die Beſiegte durfte mit ihrem Triumph
und mit ihren ſonſtigen Erfolgen bei anderen Wett=
kämpfen
auf dem blinkenden Eiſe und den blitzenden
Schlittſchuhen zufrieden ſein, glitzernde Medaillen als
Lohn empfangend.
Die Vergnügungen im Eispalaſt bleiben uns
glücklicherweiſe erhalten, während die anderen winter=
lichen
Feſtlichkeiten langſam abebben. Wie jetzt be=
kannt
wird, haben einzelne von ihnen recht ſtattliche
Sümmchen für wohltätige Beſtrebungen ergeben, ſo das
Kairofeſt des Vereins Berliner Journaliſten 15000,
der Preſſe=Ball über 20000, der am letzten Sonntag im
Kaiſerhof zum Beſten der Pariſer Ueberſchwemmten
ſtattgefundene Fünf=Uhr=Tee 12000 und das auch an
dieſer Stelle geſchilderte Blumenfeſt in den Hallen des
Zoologiſchen Gartens, deſſen Ertrag für ein Säug=
lingsheim
beſtimmt war, ſogar 50000 Mark! Auch dem
Vaterländiſchen Frauen=Verein in Char=
lottenburg
floſſen durch vergnügliches Wohltun
oder wohltätiges Vergnügtſein reiche Spenden zu und
ermöglichten ihm, ſein Cecilienhaus in um=
faſſender
Weiſe auszugeſtalten, hierdurch abermals eine
Lücke in der ſozialen Mildtätigkeit auf das erſprieß=
lichſte
füllend, in ernſter Befolgung der auf ein Fah=
nenband
des Vereins geſtickten Worte: Wehre dem
Leide, wirke zum Heile, wahre die Treue! Als Stätte
hilfsbereiter und opferfreudiger Menſchenliebe, die alle
Betätigungen des Wohltuns, wie ſie die Not des Tages
und der Stunde erfordert, zu einem geſchloſſenen Gan=
zen
einheitlich und erfolgreich nach großen Geſichts=
punkten
zu vereinigen weiß, als ein mächtiges, ſtumm
beredtes Wahrzeichen dafür, daß wir in ſtillem fried=
lichen
Wirken, wenn es Tränen zu trocknen gilt, eben=
ſo
feſt und treu in Reih und Glied ſtehen, wie beim
Tragen von Wehr und Waffen, wenn uns von außen
Gefahr droht, ſchildert Eugen Zabel in einer warm=
herzig
geſchriebenen, künſtleriſch ausgeſtatteten Schrift
dies neue Heim für Kranke, Bedrängte, Ermattete, das
eine ganze Flucht von verſchiedenartigen Gebäuden
einnimmt, die auf Charlottenburger Boden, an der
zum Schloß führenden Hauptſtraße, errichtet wurden.
Hier, ſo betont unſer trefflicher literariſcher Führer,
darf jeder eines liebevollen Empfanges ſicher ſein, der
von der Schule herbeiſtürmende Junge, der nach der
wohlgefüllten, angenehm duftenden Mittagsſchüſſel
ſchielt, wie der am Stabe müde heimwankende Greis,
der mit dem Leben ſchon abgeſchloſſen hat, der Kranke,
der ärztliche Hilfe braucht und Geneſung erhofft, das
ſpielende Kind, das ſich im Kreiſe ſeiner Altersgenoſſen
lachend und lärmend ergeht, während die Mutter im
harten Dienſt der Arbeit ſteht, der Säugling im Wägel=
chen
, für den eine ängſtliche Fürſorge entfaltet wird,
mit einem Wort: jeder Mühſame und Beladene, der ſich
nach Erquickung ſehnt! Neben dieſen muſtergültig ein=
gerichteten
Anſtalten wirken noch als ſelbſtändige, dem
Roten Kreuz nicht angeſchloſſene Einrichtungen, der
Hauspflegeverein und der Eliſabeth=Frauenverein, um
zu tröſten und zu helfen; an jener Stätte flößt der Ver=
ein
für Verarmte den vom Schickſal Gebeugten wieder
neuen Lebensmut ein, in dem Bureau der Ferien=
kolonie
raſcheln emſig die Federn, um unſerer erſchöpf=
ten
ſchulpflichtigen Jugend am Strand oder im Gebirge
Plätze anzuweiſen, wo ihr das Blut friſcher durch die
Adern ſtrömen ſoll; eine öffentliche Schreibſtube ſorgt
für Stellenloſe, eine Rechtsſchutzſtelle für Frauen und
Mädchen. Die Jugendgerichtshilfe, die Fürſorgeſtelle
für Alkoholkranke ſowie die Auskunftei für Minder=
bemittelte
, die einer Sommerfriſche bedürftig ſind, er=
innern
an den weit geſteckten Arbeitsplan, der in dieſen
Räumen zur Erledigung kommt und von Jahr zu
Jahr an die Löſung immer neuer Arfgaben heran=
treten
wird. Im Dienſt der Göttin Caritas gibt es
kein bequemes Verweilen bei dem glücklich Erreichten,
ſondern nur ein fortgeſetztes Höherſtreben zu neuen
Zielen.
Wie das Gleiche bei der Wiſſenſchaft der Fall iſt,
die beim Erforſchen keine Grenzen kennt und ſtets neue
Geheimniſſe enthüllt, unſerem an ſich ſchon ſo vielge=
ſtalteten
Daſein ſtets weitere Bereicherung, Aufklä=

rung, Hilfsmittel gewährend. Zu einem feſſelnden
Vortrage im Lichthofe des Poſtmuſeums hatte für den
letzten. Mittwoch=Abend Herr Staatsſekretär
Krätke eingeladen, und zwar war den Gäſten ver=
heißen
worden, daß Herr Geheimer Ober=Poſtrat Pro=
feſſor
Dr. Strecker über den gegenwärtigen
Stand der drahtloſen Telegraphie ſprechen
würde.
Mehrere Hundert Herren hatten ſich zur feſtgeſetz=
ten
Stunde eingefunden, auf das Liebenswürdigſte vom
Gaſtgeber begrüßt. Neben den Mitgliedern unſerer
Parlamente ſah man verſchiedene hohe Offiziere des
Landheeres und der Marine, wie den General von
Moltke und die Admirale von Müller und
Truppel, einzelne Miniſter und Staatsſekretäre, auch
ſolche a. D., wie Herrn von Podbielski, den
früheren Herrn in dieſem Hauſe, der trotz dem Zipper=
lein
ſeinen Humor und ſeine Friſche nicht verloren,
ferner Gelehrte, wie die Profeſſoren Adolf Harnack
und Erich Schmidt, bedeutende Finanziers und
Techniker, kurz, eine intereſſante Verkörperung des
geiſtigen Berlin. Dem Vortragenden war keine leichte
Aufgabe geſtellt worden, ſeine Zuhörer mit dem ſchwie=
rigen
Thema in einer kurzen Zeitſpanne vertraut zu
machen, aber es gelang ihm, ſoweit dies überhaupt ge=
lingen
kann in einem geſchloſſenen Raum und an der
Hand von Apparaten, die hauptſächlich für dieſen Fall
Verwendung fanden. Den techniſchen Einzelheiten
ſchloſſen ſich allgemein wichtige Ausführungen an, aus
denen man erfuhr, daß man gegenwärtig mit einiger
Sicherheit auf dem Meer in einer Entfernung von 2000
bis 3000 Kilometern ſprechen kann, daß es im ganzen
bereits 1500 Stationen gibt und dieſe drahtloſe Tele=
graphie
vorläufig mehr für Ausnahmen Verwendung
findet, als etwa für den täglichen Gebrauch; daß ſie in
abſehbarer Zeit die Telegraphie mit Draht verdrängen
wird, iſt ganz ausgeſchloſſen. In einer Reihe von Licht=
bildern
wurden die wichtigſten Stationen der verſchie=
denen
Länder und die Verwendung der Funkenſprache
auf dem Meer und im Manöver vorgeführt und neben
einzelnen geſchichtlichen Daten jene Männer rühmend
genannt, ſo Hertz, Marconi, Braun, Poulfen, die ſich
hohe Verdienſte um die Entwicklung dieſes neueſten
Verſtändigungsmittels erworben. Die Anweſenden
aber verſtändigten ſich nach dem faſt zweiſtündigen Vor=
trage
in direkteſter Weiſe in den anheimelnden Sälen
und Gemächern des Staatsſekretärs, in denen es an
nichts fehlte, was zur Atzung des Leibes nötig iſt, und
in denen man in kleineren und größeren Gruppen bei
anregendem Geſpräch gern bis über Mitternacht hinaus
verweilte, mit herzlichem Dank ſchließlich von dem Ver=
anſtalter
des gedenkvollen Abends Abſchied nehmend.
Die Erwartung, die man in unſeren Theaterkreiſen
auf einen Erfolg der im Deutſchen Theater zur Erſt=
aufführung
gebrachten Komödie Hugo von Hof=
mannsthals
: Chriſtinas Heimreiſe ge=
ſetzt
, iſt arg getäuſcht worden. Ein Werk zum Leſen,
mit vielen Feinheiten, mit hellem Klang der Sprache
und treuem Nachempfinden einer leichtlebigen Zeit, in
der ein Caſanova erfolgſicher umherging und die
Boccaccio=Streiche noch nicht ausgeſtorben waren, aber
kein Werk für die Bühne, die ſcharf umriſſene Perſön=
lichkeiten
und ſtraffe Handlung verlangt. Das Stück
ſpielt im 18. Jahrhundert in Venedig und deſſen Um=
gebung
und ſtellt in den Mittelpunkt Chriſtina, die
Nichte eines Pfarrers, für welche letzterer in der
Lagunenſtadt einen Mann ſuchen wollte, daneben den
verführeriſchen Florido, der eine Geliebte, aber keine
Frau will, und einen ergrauten, von der malayiſchen
Küſte eben heimgekehrten Seebären, der eine Lebens=
gefährtin
wünſcht. Und allen Dreien wird geholfen,
am beſten der nach ihrem ländlichen Idyll zurückreiſen=
den
Chriſtina, die einen Geliebten allerdings wider
Willen und einen Mann dieſen mit Willen be=
kommt
. Flott und verheißungsvoll beginnt die
Komödie, dann aber mattet ſie ab und verliert ſich in
endloſe Weitſchweifigkeiten, immer unruhiger und un=
geduldiger
wurden die Zuſchauer und äußerten ſchließ=
lich
lebhaft ihr Mißfallen.
Ein beſſeres Schickſal war dem Schwank: Der
Herr Verteidiger von Franz Molnar im
Neuen Schauſpielhauſe beſchieden, hier kargte
man nicht mit frohem Beifall. Molnar, ein Sohn des
Magyarenlandes, erzielte vor zwei Jahren mit ſeiner
ſatiriſchen Komödie: Der Teufel im Leſſing=Theater
einen anhaltenden Erfolg, der ſeinem neuen Werk
gleichfalls zuteil werden wird. Denn wenn hier auch
weniger Wert gelegt ward auf ausgeklügelte Geiſt=
reichigkeiten
, ſo erfreut uns dafür draſtiſcher Witz und
eine packende Bühnentechnik, die wohl Direktor
Alfred Halm mit zu danken iſt, der das Stück ſehr
geſchickt bearbeitet hat. Im Grunde genommen iſt’s
eine raffinierte Verbrecherkomödie, denn die Hauptrolle
ſpielt ein mehrfach beſtrafter ſchwerer Junge, aber es
iſt ſoviel gute Laune über das Ganze ausgeſchüttet,
alles Gruſeln iſt vermieden, die Szenen reihen ſich ſo
ſpannend aneinander, daß man gern den Streichen
Timm Boots folgt und ſich freut, wie glänzend er ſeinen
Verteidiger George Parker überliſtet. Die friſche Dar=
ſtellung
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