Darmstädter Tagblatt 1910


20. Januar 1910

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173. Jahrgang
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Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 16 Seiten.

Arbeitskämpfe oder friedliche Vereinbarungen.

Nachdem eine längere Periode verfloſſen iſt, wäh=
rend
der verhältnismäßig wenig Arbeitskämpfe durchge=
führt
wurden, ſcheint jetzt eine Zeit zu beginnen, in der
die Streiks und Ausſperrungen wieder häufiger werden.
In der nächſten Zeit muß in verſchiedenen Gewerben eine
Neuregelung der Lohn= und Arbeitsbedingungen vorge=
nommen
werden; nach den Gegenſätzen aber, die ſich zwi=
ſchen
Arbeitgebern und Arbeitern gebildet haben, muß da=
mit
gerechnet werden, daß nicht überall eine friedliche Ver=
einbarung
gelingt, ſondern daß es zu Streiks und Aus=
ſperrungen
kommen wird.
Am ſchärfſten ſind die Gegenſätze im Holzge=
werbe
. Bei Neuabſchluß von Tarifverträgen fordern die
Arbeiter in dieſem Gewerbe vielfach eine Verkürzung der
Arbeitszeit und auch Lohnerhöhungen. Die Arbeitgeber
aber behaupten, unter den immer noch ungünſtigen wirt=
ſchaftlichen
Verhältniſſen die geſtellten Forderungen nicht
bewilligen zu können. Beſonders einer Verkürzung der
Arbeitszeit wollen ſich die Holzinduſtriellen ganz energiſch
widerſetzen. Gelingt es nicht mehr, einen friedlichen Aus=
gleich
zu finden, ſo wollen die Arbeitgeber im Holzgewerbe
große Ausſperrungen vornehmen. Ob es im Bauge=
werbe
zu einer Einigung kommt, iſt ebenfalls noch ſehr
fraglich. Die Hauptdifferenz liegt auch hier in der Frage
der Arbeitszeitverkürzung. Die Arbeitgeber haben be=
ſchloſſen
, eine Verkürzung der Arbeitszeit auf weniger als
zehn Stunden unter keinen Umſtänden zuzulaſſen. Auch
die Gefahr eines Ausſtandes der Bergarbeiter im
Ruhrrevier iſt noch nicht überwunden, im Gegenteil
müſſen die Führer der Bergarbeiter immer wieder die
Kampfluſt dämpfen. So lange die wirtſchaftlichen Ver=
hältniſſe
für den Kohlenbergbau ungünſtig bleiben, mag der
Streik auch verhindert werden, um ſo mehr iſt aber zu be=
fürchten
, daß ſpäter bei günſtigen Zeiten ein Streik der
Bergarbeiter erſt recht großen Schaden anrichten wird.
Aber auch allein eine allgemeine Ausſperrung oder ein
allgemeiner Ausſtand in der Holzinduſtrie und im Bauge=
werbe
müßten ſchon großen Schaden verurſachen. Viel=
leicht
gelingt es aber doch noch, durch gegenſeitige Zuge=
ſtändniſſe
friedliche Vereinbarungen herbeizuführen.

Ungarn.

Nach vielem Ach und Krach iſt nun endlich das
neue ungariſche Kabinett zuſtande gekommen,
dem Grafen Khuen=Hedervary iſt das ſchwere Werk
gelungen und am Dienstag ſind die neuen Männer vom
Kaiſer pardon König vereidet worden. Damit hat
die ungariſche Kriſis, welche nicht weniger als faſt
zehn Monate gedauert hat, ihr Ende gefunden, notabene
wenn man von einem Ende ſprechen kann, da es ſich mög=
licherweiſe
nur um eine proviſoriſche Löſung handelt und
niemand weiß, ob nicht binnen ſehr kurzer Zeit der An=
fang
einer neuen Kriſis zu verzeichnen iſt, die als eine
Fortſetzung der letzteren zu betrachten iſt. Herr Wekerle
mag froh ſein, daß er die Geſchäfte nun endlich abgeben
kann, denn es iſt wahrlich kein Vergnügen, viele Monate
hindurch die Geſchäfte zu führen, obwohl man bereits ſeine
Demiſſion eingereicht hat; es liegt auf der Hand, daß
einem derartigen Leiter der Geſchäfte die wünſchenswerte
Autorität gegenüber den Parteien fehlt, wenn man allge=
mein
weiß, daß er auf den Aushebeetat geſetzt iſt. Immer=
hin
hat ſich Wekerle auch dadurch ein Verdienſt um Un=
garn
erworben, das ihm tatſächlich vieles ſchuldet. Er
war ſtets ein durchaus loyaler Staatsmann, und nament=
lich
auf dem Gebiete der finanziellen Geſundung haben
die Magyaren ihm viel zu danken. In der Politik kennt
man aber keinen Dank und die Oppoſition hat ihm das
Leben oft ſchwer genug gemacht, namentlich durch ihre
maßloſen Forderungen gegenüber Oeſterreich, zu deren
Wortführer ſich Wekerle niemals gemacht hat, ſo ſehr er
auch ein glühender ungariſcher Patriot geweſen iſt und
gar vieles für Transleithanien durchzuſetzen verſucht hat.
Sein Nachfolger iſt nun alſo Graf Khuen=Hedervary,
nachdem verſchiedene andere, namentlich Herr v. Lukacs,
in Ausſicht genommen waren und ſich vergeblich abmüh=
ten
. Graf Khuen=Hedervary iſt ein ſogenannter ſtarker
Mann, der Proben ſeines Könnens als Banus von Kroa=
tien
abgelegt hat und das vollſte Vertrauen Franz Joſefs
genießt. Leicht iſt ſeine Aufgabe nicht, vor allem dürfte
die Beratung der von ihm geplanten Wahlreform im
Parlament Stürme entfeſſeln, denn es liegt auf der Hand,

daß die Oppoſition dem neuen Manne die Hölle heiß
machen wird. Der Miniſterpräſident hat aber eine ſehr
robuſte Natur und glaubt, daß auch dieſe es ihm ermög=
lichen
wird, dem Sturme ſtandzuhalten. Sollte die Sache
jedoch ſo gefährlich werden, daß es ihm unmöglich iſt, ſich
im Abgeordnetenhauſe Gehör zu verſchaffen, ſo will er
ſein Programm im Magnatenhauſe darlegen.
Wie weit er mit ſeinen Plänen kommen wird, ſteht
dahin. Neben dem Wahlſyſtem will er auch Reformen in
der Verwaltung und in der Juſtizpflege einführen und
ſchließlich die Regelung der bosniſchen Verfaſſung herbei=
führen
. Es wäre Ungarn und damit der uns verbün=
deten
Donaumonarchie zu wünſchen, daß es dem Grafen
Khuen=Hedervary gelingen möchte, ſeine ſchwere Aufgabe
zur Heilung des Landes durchzuführen.

Teutſches Reich.

* Zur Mannesmann=Angelegenheit
wird uns von unterrichteter Seite geſchrieben:
Die Herren Mannesmann wenden ſich in einer
öffentlichen Erklärung gegen das Weißbuch über die
marokkaniſchen Bergwerksintereſſen. Sie machen an
erſter Stelle geltend, daß zu der Zeit, da das diploma=
tiſche
Korps beſchloß, ein Berggeſetz durch Herrn Porché
ausarbeiten zu laſſen, Sultan Abdul Aſis nicht mehr
rechtmäßiger Herrſcher von Marokko war. Dieſe Be=
häuptung
iſt unzutreffend. Für einen Teil der Marok=
kaner
galt zwar damals ſchon Abdul Aſis als abgeſetzt,
für das diplomatiſche Korps und die Signatarmächte
der Algeciras=Akte aber war er nach wie vor der
Sultau, mit dem allein völkerrechtliche Beziehungen
unterhalten werden konnten. Auch die Berufung auf
ein Rechtsgutachten des Profeſſors von Bar vermag
hieran nichts zu ändern. Zum zweiten wenden die
Herren Mannesmann ein, daß nach der Algeciras=Akte
das diplomatiſche Korps für die Mitwirkung beim Berg=
geſetz
nicht zuſtändig geweſen ſei. Dieſem Einwande
liegt die Auffaſſung zugrunde, daß die Algeeiras=Akte
ein Vertragsinſtrument ſei, welches in keiner Weiſe
abgeändert oder ergänzt werden dürfe. In Wirklichkeit
jedoch ſind Aenderungen und Ergänzungen der Alge=
eiras
=Akte durch einſtimmigen Beſchluß des diploma=
tiſchen
Korps und der Signatarmächte jederzeit zu=
läſſig
. Drittens legen die Herren Mannesmann auf
den Umſtand Gewicht, daß nach marokkaniſchem Rechte
zur Rechtsgültigkeit eines Geſetzes der Ueberdruck des
Sultansſiegels genüge, die Veröffentlichung keinesfalls
nötig ſei. Dieſer marokkaniſche Brauch ändert jedoch
nichts an der Tatſache, daß der Beſchluß des diploma=
tiſchen
Korps die Veröffentlichung des Geſetzes vorſah.
Endlich verweiſen die Herren Mannesmann auf fran=
zöſiſche
und ſpaniſche Verſuche, auch nach dem Beſchluß
des diplomatiſchen Korps Bergrechte zu erwerben. Es
handelt ſich hierbei jedoch nicht um Rechte, die er=
worben
, ſondern um Anſprüche, die erhoben worden
ſind. Rechtlich iſt der Hinweis auf dieſes franzöſiſch=
ſpaniſche
Vorgehen ebenſo wenig beweiskräftig, wie die
übrigen drei Einwände.
Der Seniorenkonvent des Reichstages
verſuchte, ſich über eine Kontingentierung der Verhand=
lungen
über den Etat des Reichsamtes des Innern zu ver=
ſtändigen
. Er wird dieſerhalb noch einmal zuſammen=
treten
. Die neulich aufgeworfene Streitfrage über die
Handhabung der Rednerliſte bei der Beſprechung von
Interpellationen hat zu einer Verſtändigung dahin geführt,
daß jedenfalls die interpellierende Partei noch einmal zu
Worte kommen ſolle.
In Wilhelmshaven war man bisher vielfach im
Unklaren darüber, wann die Verlegung des zwei=
ten
Geſchwaders von Kiel nach Wilhelms=
haven
erfolgen und wie die Wohnungsfrage für die in
Betracht kommenden Offiziere, Beamten und Unteroffi=
ziere
gelöſt werden ſolle. Eine Anfrage des Abg. Hor=
mann
im Reichsmarineamt hat folgendes ergeben: Das
Geſchwader wird am 1. April nach Wilhelmshaven ver=
legt
.: Die Wohnungsfrage wird ſich in der Weiſe löſen,
daß Admirale und Kommandanten die für ſie gebauten
fiskaliſchen Mietswohnungen beziehen, die übrigen Offi=
ziere
und Beamten in Privatwohnungen einziehen, ſoweit
ſolche in Wilhelmshaven vorhanden ſind. Zunächſt wird
dort Wohnungsmangel herrſchen; ein Teil der Offiziere
und Beamten wird deshalb ſeine Familien in Kiel weiter
wohnen laſſen müſſen. Mit der Zeit werden wohl genü=
gend
Wohnungen in Wilhelmshaven von Privatunter=
nehmern
gebaut werden. Man ſollte denken, daß die
Stadt Wilhelmshaven das größte Intereſſe daran habe,
den Bau von Privatmietswohnungen (6= und 7=Zimmer=
Wohnungen) zu fördern, damit die Offiziers= und Be=
amtenfamilien
nach Wilhelmshaven ziehen können und
nicht in Kiel bleiben müſſen, bezw. ſich in den in der Nähe
von Wilhelmshaven gelegenen oldenburgiſchen Gemeinden
niederlaſſen. Der Bau weiterer fiskaliſcher Mietswoh=
nungen
für die Offiziere und Beamten der Flotte iſt nicht
beabſichtigt. Für Deckoffiziere und verheiratete Unter=

offiziere ſind Privatwohnungen in ausreichender Zahl in
Wilhelmshaven vorhanden.
Die Verhandlungen in der Anhalt=Affäre
ruhen augenblicklich. Wie von beteiligter Seite mitgeteilt
wird, können bis zum Ablauf der Friſt (Ende dieſes Mo=
nats
) weder von den Gerichten noch von den Parteien
Schritte unternommen werden. Juſtizrat Michaelis, Ver=
treter
des Herrn v. Hellfeldt, iſt damit beſchäftigt, den
Schriftſatz für die Kompetenz des Gerichtshofs auszuar=
beiten
. Der Bevollmächtigte der ruſſiſchen Regierung, von
Symanski, der auch mit den Parteien wegen eines Ver=
gleichs
verhandelt hat, iſt von ſeiner Regierung zurück=
berufen
worden und geſtern nach Petersburg abgereiſt.
Der Gouverneur von Deutſch=Oſtafrika, Freiherr
v. Rechenberg, iſt in Berlin eingetroffen und hatte be=
reits
Konferenzen im Reichskolonialamt.
Anläßlich der Kameruner Grenzregulierung iſt
dem Unterſtaatsſekretär des Reichskolonialamtes, von
Lindequiſt, das Großoffizierskreuz der franzöſiſchen
Ehrenlegion verliehen worden.
Der Geſchäftsbericht des Reichsverbandes
gegen die Sozialdemokratie für das vergän=
gene
Jahr iſt veröffentlicht worden. Der Reichsverband
hat auch in den letzten Jahren bedeutende Fortſchritte ge=
macht
. Der Zuwachs an neuen Mitgliedern betrug im
letzten Jahre genau doppelt ſo viel wie im Jahre 1908,
nämlich 33492 gegenüber 16600 im Vorjahre. 66 neue
Ortsgruppen wurden gegründet. Die Geſamtzahl der
Mitglieder des Reichsverbandes beträgt 211000, die Ge=
ſamtzahl
der Ortsgruppen 702. 786 Verſammlungen wur=
den
im letzten Jahre abgehalten. Der Reichsverband be=
ſitzt
jetzt ſechs Rednerſchulen. An den nationalökonomiſch=
politiſchen
Ausbildungskurſen, die der Reichsverband im
letzten Jahre veranſtaltete, nahmen 1100 Perſonen teil, an
demſelben Kurſe für Lehrer 61 Teilnehmer. Die Korre=
ſpondenz
des Reichsverbandes wurde in 167200 Exem=
plaren
verbreitet.
In den letzten Tagen haben wiederholt liberale Ab=
geordnete
die Gründung eines bayeriſchen Groß=
blockes
gegen das Zentrum angeregt. Vom Zen=
trum
wurde erklärt, man ſehe einem Großblock kaltblütig
entgegen, da er für das Zentrum nicht gefährlich werden
könnte. Die freie Vereinigung lehnt die Teilnahme an
einem Großblock ab. Die Sozialdemokraten ſind eventuell
bereit, in einigen Fragen mit den Liberalen zuſammen=
zugehen
.
Die preußiſche Wahlreformvorlage
ſoll, wie in den Wandelgängen des preußiſchen Abgeord=
netenhauſes
verlautete, fertig ſein. Als Vater des Ge=
ſetzes
wird der vortragende Rat im preußiſchen Miniſte=
rium
des Innern, Geheimer Ober=Regierungsrat v. Fal=
kenhayn
genannt. Herr v. Falkenhayn ſoll im Geſpräch
mit Parlamentariern angeblich zugegeben haben: der
Freiſinn werde an der neuen Vorlage wenig Freude ha=
ben
. Dagegen hoffe man in Regierungskreiſen beſtimmt,
die Nationalliberalen für die Vorlage zu gewinnen. Man
erkläre, daß nach Abſchaffung der indirekten Wahl und
nach Einführung von Mehrſtimmen für die Intellek=
tuellen
das Klaſſenwahlrecht ja nichts anderes mehr ſei
als ein nach Bildung und Beſitz abgeſtuftes Pluralwahl=
recht‟
. Dann bliebe nur die Meinungsverſchiedenheit be=
treffs
der geheimen Wahl noch übrig . . .
In der Zweitenbadiſchen Kammer inter=
pellierte
der Abg. Vogel=Mannheim (Demokrat) die Re=
gierung
über die Frage der Neckarkanaliſation.
Staatsminiſter Duſch erwiderte, die Intereſſenfrage werde
gewahrt und nichts verſäumt. Was die Verhandlungen
mit Württemberg betreffe, ſo könne er gegenwärtig keine
Erklärung abgeben.
Nach Mitteilung des Regierungsvertreters in ver
letzten Sitzung der Zweiten Kammer hat die badiſche
Regierung den Gedanken, eine eigene Klaſſen=
lotterie
einzuführen, aufgegeben. Mit Rückſicht auf die
Kleinheit des Landes wäre eine ſolche Lotterie nicht ein=
träglich
genug. Dagegen ſoll die Frage eines Anſchluſ=
ſes
an die Preußiſche Klaſſenlotterie in
nächſter Zeit erwogen werden; der finanzielle Ertrag einer
ſolchen Gemeinſchaft wird auf etwa 500000 Mark ge=
ſchätzt
.

Ausland.

Am Dienstag abend haben einzelne Parteien in
Ungarn zur neuen Regierung Stellung genommen.
Die Juſth=, Koſſuth= und die Volkspartei werden unbe=
dingt
das Mißtrauen gegen die Regierung beantragen.
Die Verfaſſungspartei will erſt das Programm des Grafen
Khuen=Hedervary abwarten. Ob es im Abgeordneten=

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Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 20. Januar 1910.

Nummer 16.

hauſe angeſichts der ſeindſeligen Stimmung der Parteien
gegen das neue Kabinett überhaupt zur Unterbreitung des
Programms kommt, iſtsfehr fraglich. Graf Khuen= Heder=
vary
beabſichtigt, falls die Verhandlungen im Abgeord=
netenhauſe
unmöglich ſind, dieſe zu vertagen und, wie be=
reits
berichtet, mehrere Wochen hindurch Neuwahlen vor=
zubereiten
.
In der franzöſiſchen Kammer rief die Bemerkung
des Abgeordneten Lefas, daß die Zunahme der Zahl der
Deſerteure auf die antipatriotiſchen Unterrichtsbücher zu=
rückzuführen
ſei, einen heftigen Tumult hervor. Seitens
der Heereskommiſſion wurde lebhaft gegen die Behaup=
tung
proteſtiert und erklärt, die Zahl der Deſerteure ſei
nicht im Wachſen begriffen. Unterrichtsminiſter Doumer=
que
nannte die Angriffe einiger Redner in ſeiner Antwort
einen Feldzug, der gegenwärtig gegen die Laienſchule ge=
führt
werde und mehr politiſcher als religiöſer Natur ſei.
Der Kampf richte ſich in Wirklichkeit gegen die Republik.
Die Gegner hätten an der Laienſchule beſonders das aus=
zuſetzen
, daß die republikaniſchen Wähler vermehrt und
die Trennung von Staat und Kirche ermöglicht wäre, in
die die franzöſiſchen Katholiken eingewilligt haben wür=
den
, wenn nicht Rom ſein Non licet dazu geſprochen
hätte. Die Lehrerſchaft verdiene die gegen ſie gerichtete
Kritik nicht. Die neueingeführten geſchichtlichen Lehr=
bücher
, die von den Biſchöfen verurteilt worden ſeien,
zeichneten ſich durch ihre unparteiiſche und aufrichtige Dar=
ſtellung
aus. Die Biſchöfe haben vierzehn Bücher mit dem
Bann belegt, darunter acht hiſtoriſche Bücher. Ihr Haß
richte ſich gegen eine geſchichtliche Darſtellung, welche die
Wahrheit über die Kirche ſelbſt ſagt und welche den Fort=
ſchritt
und die Entwicklung der freien Ideen erkennen laſſe.
Der Miniſter kritiſierte dann die Bücher der privaten
Schulen und verlas zahlreiche Stellen mit klerikaler und
antirepublikaniſcher Tendenz daraus. Der Miniſter ging
weiter auf die Taktik der Biſchöfe ein. Sie hätten die El=
tern
, welche die verbannten Bücher der weltlichen Schulen
nicht verbrennen wollen, mit der Entziehung der Sakra=
mente
bedroht. Die Geiſtlichen verhetzten die Schüler ge=
gen
die Lehrer. Beſonders in der Bretagne werde auf
zahlreichen Kanzeln gegen die Schule gepredigt. Der Mi=
niſter
ſchloß, dieſe klerikale Kampagne fordere alle Repu=
blikaner
heraus und einige ſie. Die Regierung werde mit
Entſchiedenheit nicht nur die weltliche Schule verteidigen,
ſondern auch in die privaten Schulen eindringen, um über
die geiſtige und körperliche Geſundheit der Jugend zu wa=
chen
. Nach der Rede des Miniſters wurde die Sitzung auf=
gehoben
.
In parlamentariſchen Kreiſen verlautet, daß der Pa=
riſer
Lyzeumprofeſſor Rocafort, der in der vom Vatikan
inſpirierten Korreſpondenz de Rom einen ſcharfen Feld=
zug
gegen das republikaniſche Regime und die weltliche
Schule führte und deshalb in den jüngſten Kammerdebat=
ten
heftig angegriffen wurde, demnächſt ſtrafweiſe in ein
Provinziallyzeum verſetzt werden ſoll.
Der Matin meldet aus Genf: Das Datum der
Reiſe des Präſidenten Falliéres nach der Schweiz iſt end=
gültig
feſtgelegt. Falliéres wird im Auguſt nach dem De=
partement
Doubs reiſen. Am 15. wird er Beſangon ver=
laſſen
, um ſeine Reiſe nach der Schweiz anzutreten. Dar=
auf
wird er nach Paris zurückkehren, um am 3. September
nach Chambary zu gehen.
Der Dienstag, an dem in England 46 Wahlen
ausgefochten wurden, verlief ungünſtiger für die Re=
gierung
als die beiden erſten. Die Konſervativen erober=
ten
vier Londoner Wahlkreiſe, wogegen die Liberalen hier
den kürzlich verlorenen Bezirk Bermondſey zurückgewan=
nen
. Im Lande nahmen die Konſervativen den Liberalen
einen Sitz in Liverpool ab, beide Mandate des Seebades
Brighton, ferner Coventry, Kidderminſter und einige klei=
nere
Städte. Bisher ſind gewählt: 120 Unioniſten, 96
Liberale, 20 Mitglieder der Arbeiterpartei, 28 Nationa=

liſten. Die Unioniſten gewinnen 2, die Liberalen 9
Sitze, die Arbeiterpartei gewann einen Sitz. Die Gewinn=
und Verluſtziffern haben ſich nicht geändert. Beſtimmter
noch als an den erſten beiden Wahltagen äußern ſich die
Londoner Blätter über das Ergebnis des dritten Tages.
Die Times ſchreibt: Die geſtrigen Wahlergebniſſe zeigen
die Beſchleunigung des konſervativen Aufſchwungs, wie
wir es wünſchen und vorausſagten, der aber vor den Wah=
len
nicht zu erwarten war. Die letzten Reſultate ſind für
die Unioniſten ſehr ermutigend.
Das Staatsdepartement in Waſhington wird
Proklamationen des Präſidenten Taft veröffent=
lichen
, die erklären, daß England, Rußland, Italien, Spa=
nien
, die Schweiz und die Türkei auf die Minimalſätze des
Paynetarifes Anſpruch haben.
Neuerdings laufen Meldungen über den Fortgang
der Rüſtungen Japans und Chinas ein. Die chine=
ſiſche
Regierung ſoll beſchloſſen haben, außer in der Man=
dſchurei
auch in der Mongolei die Truppenbeſtände auf
Kriegsſtärke zu bringen und insbeſondere die Grenztrup=
pen
zu verdoppeln.
Der New York Herald meldet aus Tokio: Ja=
pan
wird demnächſt den Vereinigten Staaten in einer
Note erklären, daß es nicht in der Lage ſei, die amerikani=
ſchen
Vorſchläge zur Neutraliſierung der mandſchuriſchen
Eiſenbahn zu akzeptieren. Die Note wird indes andeuten,
daß Japan geneigt ſei, neue amerikaniſche Vorſchläge ent=
gegenzunehmen
.

* Die Steuerpflicht der ſelbſtgefertig=
ten
Zündhölzer. Die außergewöhnliche Höhe der
klerikal=konſervativen Zündholzſteuer hat findige Köpfe
auf den Gedanken gebracht, ſich die Zündhölzer für den
Hausbedarf ſelbſt herzuſtellen und ſo die Steuer zu
umgehen. Aber der Plan iſt zu Waſſer geworden. Denn
auf Grund der vom Bundesrat im § 1 Abſ. 3 der Zünd=
warenſteuerausführungsbeſtimmungen
erteilten Er=
mächtigung
hat der Reichskanzler die zu einem Appa=
rat
für Selbſtfabrikation von Zündhölzern
gehörigen Hölzer für ſteuerpflichtig erklärt. Es han=
delt
ſich um einen von einem chemiſchen Laboratorium
in Karlsruhe in den Handel gebrachten Apparat, zu
dem außer einigen Blechteilen zum Einſtecken und
Tunken der Hölzer und einer Schachtel mit Zündmaſſe
Hölzer in größerer Zahl gehören, die ſich in mit Reib=
flächen
verſehenen Schachteln befinden. Durch ſtarke
Paraffinierung ſind die Hölzer derart vorgerichtet, daß
ſie durch Eintunken in eine Zündmaſſe ohne Berührung
mit Feuer zur Entflammung gebracht werden können.
Dadurch iſt der in § 1 Abſ. 3 der Zündwarenſteuer=
Ausführungsbeſtimmungen enthaltene Tatbeſtand ge=
geben
.
** Die kirchliche Ehe König Leopolds II.
und der Baronin Vaughan. Es ſteht nunmehr
feſt, daß König Leopold II. in den letzten Tagen ſeines
Lebens, bereits auf dem Sterbebette alſo, unter Wahrung
aller Formen des katholiſchen Kirchenrechts mit der Baro=
nin
Vaughan getraut worden iſt. Ueber die zivilrechtlichen
Folgen dieſer Eheſchließung iſt viel Unrichtiges geſagt
worden. Ein genauer Kenner des belgiſchen Rechtes
ſchreibt darüber in der N. G. C.: Nach wie vor beſteht
in Belgien in voller Strenge die obligatoriſche Zivil=
ehe
. Art. 267 des belgiſchen Strafgeſetzbuches bedroht
jeden Geiſtlichen, der eine kirchliche Eheſchließung vor=
nimmt
, ohne daß ihm vorher der Nachweis der vollzoge=
nen
bürgerlichen Eheſchließung vorgelegt wird, mit Geld=
ſtrafe
, im Wiederholungsfall mit Gefängnis. Die viel=
beſprochene
Lex Woeſte vom 3. Auguſt 1909 iſt lediglich
eine Novelle zu der vorſtehenden Strafbeſtimmung. Sie
beſagt nur, daß dieſe Strafbeſtimmung nicht gelte, wenn
eine der beiden kirchlich getrauten Perſonen ſich bei der
kirchlichen Trauung in Lebensgefahr befand und von einem
Aufſchub zu befürchten war, daß dieſe überhaupt unmög=
lich
werden würde. Zweck dieſer Novelle iſt ausſchließlich
der, zu verhüten, daß ein Katholik, der im Konkubinate
in wilder Ehe lebt, auch im Konkubinate ſterben könnte,
weil keine Zeit mehr wäre, die geſetzlichen Förmlichkeiten
des Aufgebotes und der Zivilehe zu erfüllen. Eine ſolche
kirchliche Eheſchließung in extremis hat keinerlei
bürgerliche Wirkung. Etwa vorhandene Kinder
bleiben, im Sinne des Zivilrechtes, uneheliche; die kirch=

lich angetraute Frau bleibt im gleichen Sinne Konkubine.
Wird der in Lebensgefahr befindliche der beiden kirchlich
Getrauten geſund, ſo muß er ſich gleichwohl noch bürger=
lich
trauen laſſen, wenn er will, daß eine zivilrechtlich gül=
tige
Eheſchließung zuſtande kommen ſoll. Es ſteht ihm aber
andererſeits völlig frei, dieſe Ziviltrauung vornehmen zu
laſſen oder nicht, genau, wie es ſeinen Wünſchen entſpricht.
Folglich berührt die kirchliche Eheſchließung des Königs
und der Baronin Vaughan das Thronfolgerecht und das
Erbrecht in keiner Weiſe.
* Petersburg, 18. Jan. Entgegen allen in ver
Auslandspreſſe erſchienenen Nachrichten über die Erkran=
kung
der Kaiſerin wird auf Anfrage an zuſtändiger Stelle
die Erklärung abgegeben, daß der Geſundheitszu=
ſtand
der Kaiſerin gegenwärtig völlig befriedigend
ſei. Ebenſo erklärt dieſelbe maßgebende Stelle, daß alle
Gerüchte von einer ernſten Erkrankung des Thronfolgers
unbegründet ſeien. Der Thronfolger habe ſich beim Spie=
len
eine leichte Kontuſion des Beines zugezogen, der ärzt=
licherſeits
keinerlei Bedeutung beigemeſſen wird.

Wie Frankreich ausſtirbt.

Die immer zunehmende Entvölkerung Frank=
reichs
, die eine ſo ſchwere Gefahr für das Wohl und die
Zukunft dieſes Landes bedeutet, enthüllt ſich in ihrer
ganzen Ausdehnung in den ſtatiſtiſchen Zahlen, die ein
inhaltsreicher Aufſatz von Charles Torquet in der
Je ſais tout zuſammenträgt. Finis Galliae, das
Ende Frankreichs! ſo lautet der Schreckensruf, den man
ſchon jetzt anſtimmen kann und der in hundert Jahren
bereits zur Wahrheit werden könnte, wenn nicht bis
dahin eine Aenderung der rapiden Geburtsabnahme
eintritt. In den Jahren 1896 bis 1901, in denen Deutſch=
land
an Einwohnerzahl mehr als vier Millionen zu=
nahm
, wuchs die Bevölkerung Frankreichs im ganzen
um 330000 Einwohner. Da die Einwohnerzahl eines
franzöſiſchen Departements im Durchſchnitt 447815
Seelen beträgt, ſo hat ſich alſo Deutſchland in diefer
Zeit um eine Bevölkerung von neun franzöſiſchen De=
partements
vermehrt, während Frankreich kaum die
Einwohnerzahl einer größeren deutſchen Stadt für ſich
gewann. So wird das Wort Moltkes: Die Franzoſen
verlieren jeden Tag eine Schlacht, zu ſtets bitterer
Wahrheit.
Um 1700 umfaßte Frankreich ein Drittel
der ganzen Bevölkerung Europas, Rußland
nicht mit eingeſchloſſen; um 1800 ein Fünftel; heute be=
tragen
die 39 Millionen Franzoſen nicht mehr als ein
Zehntel der 404 Millionen Europäer. Noch 1850
ſtand Frankreich mit mehr als 35 Millionen auf der=
ſelben
Bevölkerungsſtufe wie Deutſchland, mit an arſter
Stelle Europas, nur von den 62 Millionen Rußlands
überwunden. 1906 war es bereits an die fünfte Stelle
gerückt, von Deutſchland um faſt 18 Millionen, von
Oeſterreich=Ungarn um etwa 7, von den vereinigten
britiſchen Königreichen um etwa 3 Millionen über=
flügelt
. Und 1950 wird Frankreich an letzter Stelle
unter den Großmächten Europas ſtehen, auch von
Italien um 2 Millionen überholt. Dabei iſt das fran=
zöſiſche
Land an Hilfsquellen reicher als jedes andere,
und doch wird es bei dieſem Zuſammenſchrumpfen
feiner Meuſchenkräfte den Konkurrenzkampf nicht mehr
aushalten Vor 35 Jahren waren die Militärkräfte

numeriſch denen des vereinigten Deutſchlands noch
gleich; im Jahre 1911 werden wir Deutſchen noch ein=
mal
ſo viel Männer beſitzen, die im Kriegsfall unter
die Waffen treten, um das Vaterland zu verteidigen.
Und nicht nur militäriſch, auch in Handel und Indu=
ſtrie
muß Frankreich darauf verzichten, an dem großen
Weltwettkampf ſich zu beteiligen. Da die Rivalen
mehr Arbeiter haben, können ſie mehr Waren produ=
zieren
und die franzöſiſchen Fabrikate vom Weltmarkte
verdrängen. Da die Franzoſen faſt gar nicht mehr aus=
wandern
, ſind ſie natürlich auch in fremden Ländern als
Kaufleute nicht mehr ſtark vertreten, während Deutſche,
Italiener, Belgier, Engländer als Arbeiter und Händ=
ler
überall zur Stelle ſind.
Alle die Maßregeln, die man bisher gegen die Ent=
völkerung
zu ergreifen verſuchte, waren umſonſt; das
viele Kopfzerbrechen der Gelehrten und der Behörden
hat nichts genutzt. Die Bevölkerungsziffer nimmt von
Jahr zu Jahr mehr ab, und in einigen Gebieten iſt
die Entvölkerung ſo gewaltig, daß man die Verödung
bereits für eine beſtimmte Zeit vorausſagen kann. So
läßt ſich berechnen, daß die Bourgogne in 126
Jahren ausgeſtorben ſein wird, wenn keine
Aenderung eintritt. In dem Departement Cöte d’Or,
das 357959 Einwohner zählt, betrug die Zahl der Ge=
burten
im letzten Halbjahr 2843, die Zahl der Todesfälle
3959, ſo daß 1116 Köpfe verloren wurden. Im Departe=
ment
Yonne mit 315 199 Einwohnern belief ſich die Ge=
burtszahl
auf 2382, die Zahl der Toten auf 3627; dieſer
Diſtrikt hatte alſo einen Verluſt von 1245 Seelen zu
verzeichnen. Alle die Urſachen, die man gewöhnlich für
dieſes Hinſchwinden der Volkskraft angibt, ſind nicht
ausreichend und nicht ſtichhaltig. Die gewaltigen Kriege
der Republik nach der Revolution, während des erſten
und des zweiten Kaiſerreiches ſind wohl ein tüchtiger
Aderlaß für Frankreich geweſen, aber ein geſundes
Land hätte ſich von ihnen wieder erholen müſſen. Die
Sterblichkeit iſt bei unſeren weſtlichen Nachbarn ge=
ringer
als bei uns, als in Italien und in Oeſterreich,
und doch nimmt in all dieſen Ländern die Bevölkerung
ſtändig zu, obgleich die Zahl der Todesfälle größer iſt.
Auch die Eheloſigkeit iſt in Frankreich geringer als in
den meiſten anderen Staaten; Geſetze alſo, die gegen
die Junggeſellen gerichtet wären, würden keinen Ge=

winn bringen. Ebenſo wenig wird Frankreich durch
Auswanderung geſchwächt; die Einwanderung iſt ſogar
ſehr bedeutend, ſo daß gegenwärtig auf 38 Franzoſen
ein Fremder kommt.
Alle Not und alle Schwächung des Landes geht alſo
allein von der Abnahme der Geburtsziffern aus, die
wirklich erſchreckend iſt. Sie hat in allen Jahrzehnten
des 19. Jahrhunderts ſtändig zugenommen. War der
Prozentſatz der Geburten im erſten Jahrzehnt 3,14 Prp=
zent
, ſo betrug er im zweiten nur noch 3,07 Prozent, im
fünften Jahrzehnt 2,74 Prozent, im ſiebenten Jahr=
zehnt
2,63 Prozent, im neunten 2,39 Prozent, im zehn=
ten
2,24 Prozent. Heute verhält ſich die Zahl der Neu=
geborenen
in Frankreich zu der in den anderen Län=
dern
im allgemeinen wie 2 zu 3. Für dieſe ſchwache
Geburtsziffer, die Frankreich langſam tötet, ſind zu=
nächſt
phyſiologiſche Gründe verantwortlich zu machen,
da die Tuberkuloſe, der Alkoholismus und andere
furchtbare Krankheiten die Zeugungskraft Frankreichs
ſehr geſchwächt haben; dann aber auch moraliſche Ur=
ſachen
, da der Franzoſe eine größere Kinderzahl fürch=
tet
und ſeine Nachkommen in günſtigen Lebensbedin=
gungen
zurücklaſſen will. Um einen normalen Be=
völkerungszuwachs
zu haben, müßten aus jeder Ehe
vier Kinder hervorgehen, während die Durch=
ſchnittsziffer
kaum zwei beträgt. Dieſe übergroße
Sorge für den Nachwuchs iſt kein Glück für die Ent=
wicklung
des Landes. Wenn der verhätſchelte Lieblings=
ſohn
, der heute ſo oft in franzöſiſchen Familien anzu=
treffen
iſt, Brüder und Schweſtern hätte, mit denen er
das Erbe teilen müßte, dann würde er, wenn er ins
Leben tritt, nicht reicher ſein, als es ſein Vater war,
und müßte ſich ſeine Stellung in der Geſellſchaft erſt
ſelbſt erringen. Gerade dieſer Konkurrenzkampf der
jungen Leute, der ihre Kräfte ſtählt, iſt die Haupt=
urſache
für das Glück und die Macht eines Landes
Wäre man in Frankreich weniger ſparſam und vorſich=
tig
, ſondern kühner, wagemutiger, jünger, dann wäre
vielleicht eine Regeneration möglich, ein Aufblühen,
wie es in höchſtem Maße in den Vereiniaten Staaten
herrſcht, die ſich in 100 Jahren um 72 Millionen ver=
mehrt
haben, und wo New=York in neun Juhren um
1 200 000 geſtiegen iſt.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 20. Januar=

* Vom Hofe. Die Großherzogin begab ſich
am Dienstag vormittag ½11 Uhr im Auto nach Schön=
berg
und kehrte um 1¼ Uhr wieder hierher zurück. Nach=
mittags
fuhren die Großherzoglichen Herr=
ſchaften
mit Gefolge im Auto nach Schönberg zur
Teilnahme an der Vorfeier anläßlich der geſtrigen Ver=
mählung
der Prinzeſſin Edda zu Erbach=Schönberg mit
dem Prinzen Wilhelm zu Stolberg=Wernigerode und
kehrten ſpäter wieder ins Neue Palats zurück. Der Ver=
mählungsfeier
wohnten die Großherzoglichen Herrſchaften
mit Gefolge bei. (Darmſt. Ztg.)
Ordensverleihung. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben dem Bürgermeiſter, Ortsgerichts=
vorſteher
und Standesbeamten Gabriel Brückner zu
Nieder=Saulheim, im Kreis Oppenheim, das Silberne
Kreuz des Verdienſtordens Philipps des Großmütigen
verliehen.
Beſtätigt wurde der von dem Herrn Fürſten
und Grafen zu Erbach=Schönberg in Schönberg auf die
zweite Lehrerſtelle an der Gemeindeſchule zu Reichenbach,
Kreis Bensheim, präſentierte Lehrer Jakob Orth in
Seidenbuch, in demſelben Kreiſe, für dieſe Stelle.
Uebertragen wurde dem Lehrer Auguſt
Bender zu Münzenberg, Kreis Friedberg, eine Lehrer=
ſtelle
an der Gemeindeſchule zu Vilbel, in demſelben
Kreiſe.
Aus der Geſellſchaft. Der Großbritanniſche
Geſchäftsträger Mr. Harford, Mrs. Harford und
Geſandtſchafts=Attaché Mr. Rooke ſind vorgeſtern aus
Karlsruhe, wo ſie den Hofball am Montag beſucht hatten,
zurückgekehrt. Geſtern reiſte Mr. Harford für acht Tage
nach England.
L. Der Kreisausſchuß verhandelte geſtern in nicht
öffentlicher Sitzung folgende Sachen: 1. Friedrich
Walter von hier hat Beſchwerde wegen verweigerter
Armenunterſtützung geführt. Er hat eine Frau und
zwei kleine Kinder. Nach Mitteilung des Bürger=
meiſtereiſekretärs
Liſt bezog die Familie innerhalb
eines Jahres an bar und an Naturalien etwas über
580 Mark. Sie wurde ſtets nach Bedarf unterſtützt und
findet, falls es nötig werden ſollte Aufnahme in dem
ſtädtiſchen Armenhaus. Die Beſchwerde iſt hiernach un=
begründet
und wurde verworfen. 2. Friedrich
Spindler, zurzeit in Pfungſtadt wohnhaft, hat um
die Erteilung eines Wandergewerbeſcheines nachgeſucht,
um Marionetten= und gymnaſtiſche Vorſtellungen mit
Muſik zu geben. Der Bürgermeiſter Lang hegt Be=
denken
, weil Spindler ſich nur vorübergehend in
Pfungſtadt aufhält, und daſelbſt keinen Wohnſitz hat.
Bei dieſer Sachlage mußte der Schein verſagt werden.
Spindler hat die Koſten ſowie eine Gebühr von 3 Mark
zu zahlen. 3. Die Erneſtine Schmidt, geborene
Trautmann, von hier hat zwei Wandergewerbeſcheine
verlangt. Ihrem Geſuch wurde ſtattgegeben, nur ſo=
weit
es ſich um eine Schlagmaſchine mit Präſentver=
teilung
und ein Kegelſpiel handelt, wurde der Schein
verſagt, weil dieſes Glücksſpiele ſeien. 4. Das Kreis=
amt
hat an die Gemeinde Arheilgen das An=
ſinnen
geſtellt, in dem neuen Voranſchlag die Bureau=
koſten
des Bürgermeiſters von 1800 auf 2000 Mark zu
erhöhen, ebenſo für den erſten Gehilfen ſtatt 2000 2500
Mark, für den zweiten Gehilfen 1500 Mark und für die
beiden Polizeidiener erhöhte Beträge einzuſtellen. Der
Gemeinderat iſt mit dieſer Weiſung nicht einverſtan=
den
; er beſchloß, die Bezahlung des zweiten Gehilfen,

[ ][  ][ ]

Nuzmer 10.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 20. Januar 1916.

Seite 3.

dem der Bürgermeiſter ſeither 1400 Mark gab, auch fer=
nerhin
dieſem zu überlaſſen und allgemein erſt die
Wirkung der neuen Gründbuchanlegung auf die Ge=
bühren
abzuwarten. Der Beanſtandung wurde teilweiſe
ſtattgegeben und beſchloſſen, daß die Bureankoſten des
Bürgermeiſters 3000 Mark betragen ſollen, unter der
Bedingung der Bezahlung des zweiten Gehilfen. Der
Gehalt des erſten Gehilfen wurde auf 2200, die Bezüge
der beiden Polizeidiener auf 1100 und 1130 Mark be=
ſtimmt
, der zweite Gehilfe iſt aus der Liſte der Ge=
meindebeamten
zu ſtreichen. Die Gemeinde Arheilgen
hat die Koſten, ſowie 3 Mark Gebühr zu zahlen.
M. Jubiläum. Am 18. ds. Mts. waren es 25 Jahre,
daß der Vorſitzende des Kriegervereins, Herr Haupt=
mann
a. D. Waldecker, dem Vorſtand angehörte. Er
hat in dieſer langen Zeit mit großer Umſicht, Energie und
weitſchauendem Blick die Intereſſen des Kriegervereins
zu wahren geſucht und es auch meiſterhaft verſtanden, das
Wachstum und Gedeihen des Vereins zu fördern und ka=
meradſchaftliche
Geſinnung zu pflegen. Insbeſondere ließ
er ſich angelegen ſein, für die alten wie jungen Kamera=
den
in Fällen der Not auf das weitgehendſte zu ſorgen.
Das alles gab Anlaß, am Tage des Jubiläums die Ver=
dienſte
des Jubilars beſonders zu ehren. Am Dienstag
vormittag 11 Uhr begab ſich der Vorſtand zur perſönlichen
Gratulation in die Wohnung des Jubilars. In Verhin=
derung
des zweiten Vorſitzenden überreichte der erſte
Schriftführer, Kamerad Fink, dem Jubilar im Auftrage
des Vereins als Anerkennung für die Verdienſte eine mit
Widmung verſehene goldene Uhr; Kamerad Wenzlau
im Auftrage des Vorſtandes einen goldenen Ring und Blu=
menkorb
und im Auftrage des Präſidiums der Haſſia
Kamerad Büttner ein Ehrendiplom. Zu gleicher Zeit
wurde dem Jubilar von Herrn Obermuſikmeiſter Hauske
mit ſeiner vorzüglichen Kapelle in liebenswürdiger Weiſe
ein Ständchen gebracht. Nachmittags wurden ſeitens der
Ehrenmitglieder durch Herrn Profeſſor Trümpert die
Glückwünſche übermittelt und gleichzeitig ein Bild S. K. H.
des Großherzogs als Geſchenk überreicht. Zahlreiche Glück=
wunſchtelegramme
uſw. ehrten außerdem den Jubilar.
Abends ½9 Uhr fand die Feſtverſammlung im kleinen
Saale der Turngemeinde am Woogsplatz ſtatt. Der feſt=
lich
geſchmückte Saal faßte trotz des ſchlechten Wetters kaum
die Zahl der erſchienenen Mitglieder, unter ihnen einige
Ehrenmitgliedre, ſowie eine Reihe ehemaliger höherer Of=
fiziere
, wie Herr Generalmajor von Lyncker, Herr Major
Beck u. a. Der Jubilar eröffnete die Feſtverſammlung mit
Begrüßung der Mitglieder und einem Hoch auf Kaiſer und
Großherzog. Sodann erläuterte der zweite Vorſitzende,
Herr Obetbürgermeiſter und Hauptmann a. D. Schäfer
den Zweck der Feſtverſammlung, feierte den Jubilar in
einer längeren kernigen, von Herzen kommenden Rede und
pries ſeine unermüdliche Tätigkeit für den Verein, den
Vorſtand, die ganze Kriegerkameradſchaft Haſſia wie
ſeine Werbetätigkeit, ſeine Verdienſte um das Verſiche=
rungsweſen
, Heſſiſcher Kamerad, ſowie Schaffung von
Wohlfahrtseinrichtungen zur Linderung der Not hilfsbe=
dürftiger
Kameraden. Er ſprach den Wunſch aus, der Ju=
bilar
möge noch recht lange dem Verein und der Haſſia‟
erhalten bleiben und ſchloß mit einem allſeits freudig auf=
genommenen
Hoch auf den Jubilar. Eine Abordnung
der Mitglieder, beſtehend aus den Kameraden Küchler,
Aug. Engel und Ackermann übermittelte die beſonderen
Glückwünſche der Mitglieder. Kamerad Bruchhäuſer ge=
dachte
in warmen Worten der Familie des Jubilars, die
an dem Verein ſo großen Anteil nehme und brachte ein
Hoch auf dieſe aus. Der Jubilar dankte für die zahlloſen
Kundgebungen in längerer Rede, gedachte des verſtorbenen
zweiten Vorſitzenden H. Engel, der auch an dieſem Tage
ſein fünfundzwanzigjähriges Jubiläum als Vorſtands=
mitglied
hätte feiern dürfen, und gab
dann ei=
nen
geſchichtlichen Rückblick des Vereins während
der letzten 25 Jahre, in denen die Zahl der Mitglieder von
200 auf 900 geſtiegen iſt. Ein Hoch auf das Wachſen und
Gedeihen des Vereins ſchloß die Dankesrede. Eine Reihe
deklamatoriſcher und Liedervorträge boten Unterhaltung
bis zu ſpäter Stunde. Der Wunſch aller Mitglieder des
Vereins iſt wohl der, daß der Jubilar noch recht lange an
der Spitze des Vereins ſtehen möge.
* Der Reichsgründungskommers der Darmſtädter
Burſchenſchaft fand am Dienstag abend im feſtlich ge=
ſchmückten
Fürſtenſaal ſtatt. Die vier Burſchen=
ſchaften
der Techniſchen Hochſchule: Germania, Fri=
ſia
, Rheno=Gueſtfalia und Markomannia waren
vertreten. Von Ehrengäſten waren anweſend die Her=
ren
: Rektor Geh. Hofrat Profeſſor Dr. Schenck, der
Prorektor Geh. Baurat Profeſſor Walbe, mehrere Pro=
feſſoren
und alte Herren. Den Vorſitz führte Herr
Stud. Schwab=Germania‟ In ſeiner Feſtrede gab er
in großen Umriſſen eine geſchichtliche Entwickelung des

Deutſchen Reiches und ſchloß hieran einige Bemerk=
ungen
über die zukünftige Richtlinie der deutſchen
Burſchenſchaften. Herr Stud. Altſtädt=Markomannia‟
feierte den Rektor und die Profeſſoren, worauf Rektor
Dr. Schenck für die Einladung dankte und ſeiner Freude
über die nationalen Beſtrebungen der deutſchen Bur=
ſchenſchaften
Ausdruck gab. Herr Major von Pfiſter=
Schwaighuſen ſprach über das Verhältnis der großen
Burſchenſchaftsverbände zu einander. Auch auswärtige
Burſchenſchaften waren vertreten.
Von der Sanitätskolonne. Am Samstag abend
fand im Mathildenhöhſaale die Schlußprüfung der
freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz ſtatt.
Um ½9 Uhr war die Kolonne in der Stärke von
74 Freiwilligen unter dem Kommando des Haupt=
kolonnenführers
, Herrn Oberleutnant a. D.
Lotheißen, angetreten. Auf ergangene Einladungen
waren erſchienen: Vom Heſſiſchen Landesverein vom
Roten Kreuz Generalleutnant Korwan und Kommerzien=
rat
Hickler; der Inſpekteur der Heſſiſchen Sanitäts=
kolonne
Generalarzt Dr. Lindemann; als Vertreter der
Stadt Beigeordneter Mueller; als Vertreter des Polizei=
amts
Regierungsrat Kranzbühler, Herr Polizeiamtmann
Lauteſchläger und Herr Regierungsaſſeſſor Linkenfeld,
ferner Generalarzt Dr. Thiele, Geh. Medizinalrat Dr.
Neidhart, Medizinalrat Dr. Fiſcher, Sanitätsrat Dr.
Kolb, Dr. Schmidt von Arheilgen, Branddirektor Fiſcher,
einige Ehrenmitglieder, ſowie ſonſtige Herren und Ver=
treter
der Kolonnen Babenhauſen, Arheilgen und Nieder=
Ramſtadt. Nach dem ausgegebenen Rapport hat die
Kolonne unter Leitung der beiden ausbildenden Aerzte
Oberſtabsarzt Dr. Langfeld und Stabsarzt Dr.
Rampoldt im Jahr 1909 an 20 Uebungsabenden je
1½ Stunden Unterricht erhalten, außerdem hat ſie
10mal in derſelben Zeit im Gelände geübt. Die ganze
Kolonne mit den Außenabteilungen iſt 202 Mann ſtark,
davon haben ſich für den Mobilmachungsfall verpflichtet
60 Freiwillige für das Etappengebiet 95 für das
Heimatgebiet, während 47 noch im Militärverhältnis
ſtehen.
Die Prüfung beſtand als erſter, theoretiſcher Teil
im Abfragen derjenigen Freiwilligen, welche nunmehr
den erſten Kurſus mitgemacht haben über Beſchaffenheit
des menſchlichen Körpers und wurden ſämtliche Fragen
ſicher, ſchnell und mit Verſtändnis beantwortet. Sodann
wurde die alte Mannſchaft zu je 4 an einen Schein=
verwundeten
kommandiert, ihnen die Art der ange=
nommenen
Verletzung angegeben, die von ihnen nun ge=
troffenen
Hilfeleiſtungen, Lagerungen und Transporte
begutachtet, auch hatten die Helfer jedesmal dem exami=
nierenden
Arzt über die von ihnen getroffenen Maßnahmen
Auskunft zu geben, was mit erfreulicher Sicherheit ge=
ſchah
, weshalb auch der Kolonneninſpektor Herr General=
arzt
Dr. Lindemann in ſeiner nun folgenden Kritik
hervorheben konnte, daß in Bezug auf Disziplin, Auf=
treten
und Verſtändnis eine muſtergiltige Vorſtellung
tattgefunden habe, und dankte dem Kolonnenführer, den
leitenden Aerzten, den Führern und Freiwilligen für
ihre viele Mühe, die ſie ſich bei dem Unterricht gegeben
haben.
Nach der Vorſtellung vereinigten ſich die geladenen
Gäſte und Mitglieder bei einem Glas Bier im Mathilden=
höhſaale
; der Kolonnenführer brachte ein Hoch auf die
Protektoren des Roten Kreuzes, den Kaiſer, die Kaiſerin,
den Großherzog und die Großherzogin aus. Generalarzt
Dr. Lindemann wünſchte der Kolonne weiteres Blühen
und Gedeihen. Da die Zahl der Mitglieder bedeutend
gewachſen iſt, ſo war nach der neuen Dienſtvorſchrift für
die freiwillige Krankenpflege die Führerſchaft neu
zu ergänzen und es wurden für die Zugführerſtellver=
treternzubeförderten
Gruppenführer die Freiwilligen Bayer,
Willenbücher, Gg. Haller, Scherer, Vatter, Negeli, Höff,
Hartmann und Spuck neu zu Gruppenführern beſtimmt.
Für fünfjährige vorwurfsfreie Dienſtzeit erhielten Di=
plome
die Freiwilligen: Hch. Eitenmüller, Ludwig Götz,
Heinrich Roth und Hermann Weimar. Zu Ehren=
mitgliedern
der Kolonne wurden ernannt: Herr
Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing und Herr Stadtv. J.
Nohl. Ferner erhielt Herr Oberleutnant Lotheißen an=
läßlich
ſeiner nunmehrigen fünfjährigen Tätigkeit als
Kolonnenführer ein Geſchenk in Form eines großen vom
Kamerad Geometer Rolshauſen zuſammengeſtelltes Bild,
worauf ſämtliche Kolonnenmitglieder in Photographie
geſchmackvoll gruppiert ſind, nach herzlicher Anſprache
überreicht, auch Herr Stabsarzt Dr. Rampold wurde für
ſeine erfolgreiche nunmehr zehnjährige Tätigkeit in der
Kolonne gefeiert und erhielt ein Bild. Zum Schluß
wechſelten noch Anſprachen, ernſten und heiteren Inhalts,
auch Vorträge humoriſtiſcher Art erfreuten die Zuhörer.

Johannesgemeinde. Zu Ehren von Kaiſers
Geburtstag veranſtaltet die Jugendvereinigung der
Johannesgemeinde nächſten Sonntag, 23. Januar, eine
Aufführung im Gemeindehaus in der Kahlertſtraße.
Muſikaliſche Darbietungen, worunter die Kinderſinfonie
von Romberg, Deklamationen, lebende Bilder und Bühnen=
ſtücke
werden einander in bunter Folge ablöſen Karten
ſind noch beim Kirchendiener zu haben.
Petrusgemeinde. Gewiß wird es für Viele von
Intereſſe ſein, über das Leben unſerer deutſchen Brüder in
London, auch nach der kirchlichen Seite, aus berufenem
Munde etwas zu hören. Herr Pfarrer Knöpp, der mehrere
Jahre dort tätig war, wird Sonntag, den 23. Januar, in
dem Gemeindeabend der Petrusgemeinde darüber
einen Vortrag halten. Da auch vorzügliche muſikaliſche
und deklamatoriſche Darbietungen in Ausſicht ſtehen, wird
der Abend vorausſichtlich viel Intereſſantes bieten. Nähe=
res
beſagt die heutige Anzeige.
Ludwig Ganghofer, der berühmte Dichter, deſſen
Name zurzeit durch ſeine im Erſcheinen begriffene Selbſt=
biographie
Lebenslauf eines Optimiſten in aller Munde
iſt, wird auf Veranlaſſung des Darmſtädter Vortragsver=
bandes
Anfang März zum erſten Male auch nach Darm=
ſtadt
kommen und hier einige ſeiner neueſten Novellen
vorleſen, die er unter dem Titel Studien aus dem Volks=
leben
des Hochgebirges zuſammengefaßt hat.
Liederkranz. Man ſchreibt uns: Ein genußreicher
Abend wurde den Gäſten der Krone durch den Geſang=
verein
Liederkranz geboten. Unter der Leitung ihres
trefflichen Dirigenten, Herrn Hofmuſiker Stetefeld,
brachte die etwa 30 Mann ſtarke Sängerſchar eine Reihe
hübſcher Chöre in vollendetſter Weiſe zu Gehör. Das vor=
zügliche
Stimmenmaterial des Vereins kam insbeſondere
in dem Vortrag der Ballade Seemannstreue zur vollen
Geltung, in dem die Tenöre durch Glanz und Reinheit, die
Bäſſe mit ihrer Wucht brillierten. Reicher Beifall lohnte
die Darbietungen. Intereſſant war es, die Macht des
Geſanges bei den Gäſten zu beobachten. In dem ſonſt ſo
lebhaften Lokale herrſchte während der Vorträge lautloſe
Stille. Die renommierteſten Bierbantpolitiker hielten in
ihrer Debatte über Sein oder Nichtſein des jetzt meiſt=
genannten
Miniſters, über Steuer= und Finanzreform, Be=
amtengehälter
uſw. ein, die Mitglieder des Philoſophen=
ſtammtiſches
fühlten ſich geradezu hingezogen die ein=
gefleiſchteſten
Skatſpieler vergaßen das Ausſpielen, der
Jägerſtammtiſch war mit ſeinem Latein zu Ende, alles
lauſchte erwartungsvoll, wenn der immer dienſtbereite
Ober Ernſt ſein Pſt hören ließ. Mancher Schoppen
wurde im Hinblick auf den unverhofften und vor allem
koſtenfreien Kunſtgenuß mehr genehmigt. Ehrſame Spie=
ßer
überſchritten die von der teuren Gattin feſtgeſetzte
Heimkehrſtunde, ſtanden ihnen doch dieſes Mal mildernde
Umſtände zur Seite. Alles in allem war es ein hübſcher
Abend, für deſſen Zuſtandekommen den wackeren Sängern
und ihrem Dirigenten Dank gebührt.
Ornis. Am 17. ds. Mts. fand in der Stadt
Pfungſtadt die Hauptverſammlung des Vereins
für Geflügel= und Vogelzucht Ornis ſtatt,
die zahlreich beſucht war. Nach Verleſung der Nieder=
ſchriften
und Aufnahme von 4 Mitgliedern beſprach der
1. Vorſitzende einige Verbandsangelegenheiten, wobei
er intereſſante Mitteilungen über die anfangs März
dieſes Jahres in der Stadthalle zu Mainz ſtattfin=
dende
Landes=Verbands=Ausſtellung machte. Nach
Bekanntgabe der Einläufe ging man zur Tagesordnung
über. Der vom 2. Vorſitzenden erſtattete Jahresbericht
wurde mit Beifall entgegengenommen. Der Rech=
nungsabſchluß
ergibt trotz der im abgelaufenen Ver=
einsjahr
im Intereſſe der Mitglieder gemachten außer=
ordentlich
hohen Aufwendungen immerhin noch einen,
wenn auch nicht bedeutenden Ueberſchuß. Der Inven=
tarwert
beträgt 2213,50 Mark, derjenige der Bücherei
229 Mart. Die Veranſtaltung einer Ausſtellung im
Jahre 1910 wurde einſtimmig gutgeheißen und die Wahl
der Preisrichter ſofort vorgenommen. Nach Verloſung
einiger Anteilſcheine wurde zur Neuwahl des Vorſtan=
des
geſchritten. In welch gutem Einvernehmen Vor=
ſtand
und Mitglieder zueinander ſtehen, bewies die auf
Vorſchlag eines Mitgliedes durch Zuruf einſtimmig er=
folgte
Wiederwahl der bisherigen Vorſtandsmitglieder.
Anſtelle eines freiwillig ausgeſchiedenen Herrn wurde
ein anderes Mitglied durch Zuruf einſtimmig zuge=
wählt

A Statiſtiſches. Während des abgelaufenen Jahres
ſind in unſerer Stadt 1962 Geburten und 1380
Sterbefälle vorgekommen; die Zahl der Ehe=
ſchließungen
betrug 715. Nimmt man die Bevölke=
rungsziffer
im Mittel zu 89000 an, ſo ergeben ſich auf
1000 Einwohner rund 22 Geburten, 15,5 Sterbefälle und

Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.

* Die Ausſtellung von Werken fran=
zöſiſcher
Kunſt des 18. Jahrhunderts, die,
wie berichtet, von der Berliner Akademie der
Künſte zur Feier des Geburtstages des Kaiſers ver=
anſtaltet
wird, verſpricht äußerſt glänzend zu werden.
Geleitet wird ſie von einer Kommiſſion der Akademie
unter dem Vorſitz ihres Präſidenten, Profeſſors Artur
Kampf, von dem auch die Idee der Veranſtaltung die=
ſer
Ausſtellung herrührt. In ihren Beſtrebungen wird
die Akademie durch den Berliner franzöſiſchen Bot=
ſchafter
Jules Cambon auf das nachdrücklichſte unter=
ſtützt
; der Botſchafter hat eigens für die Ausſtellung in
Paris ein Komitee gebildet, an deſſen Spitze der Prinz
Arenberg ſteht. Eine große Anzahl Beſitzer der intereſ=
ſanten
Wierke jener franzöſiſchen Kunſtepoche leihen mit
größter Bereitwilligkeit ihre koſtbaren Kunſtſchätze
dar, und auch der Kaiſer hat eine nicht unbedeutende
Anzahl der hervorragendſten Werke jener Zeit, deren
Erwerbung vornehmlich in die Zeit Friedrichs des
Großen fällt, aus ſeinem Beſitz für die Ausſtellung zu=
geſagt
. Ebenſo werden der König von Sachſen und
die Großherzöge von Baden, Heſſen und Sach=
ſen
=Weimar franzöſiſche Meiſterbilder aus ihrem
Beſitz leihen. Auch der franzöſiſche Staat hat
eine große Anzahl von Kunſtwerken bereitwilligſt bei=
geſteuert
. Es werden auch Werke eingehen aus den
Galerien Dresden, Darmſtadt, Karlsruhe, Wei=
mar
, Paris und Wien. Während in der engliſchen
Ausſtellung das Bildnis vorherrſchte, wird die fran=
zöſiſche
neben Porträts der Hauptmeiſter jener Zeit
noch eine Ausleſe hochbedeutender Genrebilder uſw.
der großen Meiſter des Rokoko enthalten, aber auch
Meiſterwerke der Bildhauerei werden vertreten ſein
feener wertvolle Gobelins, Zeichnungen, Skizzen, Stu=
dien
und Stiche. Eine beſondere Anziehung wird eine
Reihe koſtbarer Gobelins, welche Eigentum des fran=
zöſiſchen
Staates ſind, ausüben. Selbſtverſtändlich iſt
der Wert aller Kunſtſchätze ganz außerordentlich, er iſt
auf mehr angegeben als der der engliſchen Ausſtellung
und beträgt nahezu 20 Millionen Mark.
* Theatermuſeum in München. Wie be=
reits
mitgeteilt, hat die verſtorbene Tragödin Frau
Klara Ziealer ihre au der Königinſtraße in Mün=

chen gelegene Villa nebſt Grund und Boden und ein
Kapital in der Höhe von 150000 Mark letztwillig der
Deutſchen Bühnengenoſſenſchaft vermacht,
und zwar mit der Beſtimmung, daß die Villa als
Theatermuſeum unter dem Namen Klara
iegler=Stiftung für die Zukunft erhalten
bleibe. In den näheren Beſtimmungen des Teſtaments
wird der Gedanke der Schaffung eines Theater=
muſeums
, wie er der großen Künſtlerin vor Augen
geſchwebt hat, erlärktert. Das Theatermuſeum ſoll Er=
innerungen
an große Künſtler und Dichter der Büh=
nenwelt
einen würdigen Aufenthalt bieten. Für die
Stifterin ſelbſt ſoll nur ein einziges Zimmer in dem
Muſeum reſerviert bleiben. Dieſes ſoll das Klara
Ziegler=Gedächtniszimmer ſein; alle übrigen Zimmer
ſtehen für die Ausſtellung von Erinnerungsgegenſtän=
den
anderer bedeutender Künſtler und Dichter des
Theaters zur Verfügung. Das Klara Ziegler= Ge=
dächtniszimmer
enthält bereits eine große Anzahl
höchſt intereſſanter Gegenſtände, die an die ruhmvolle
Tätigkeit der großen Künſtlerin erinnern. In dem
Salon und den anſtoßenden Zimmern ſollen feine
Matineen und Konzerte abgehalten werden,
deren Erträgnis dazu dienen ſoll, die Penſionen der
arbeitsunfähigen Mitglieder der Bühnengenoſſenſchaft
zu erhöhen. Die Villa ſoll keine Ruhmeshalle der
Theaterwelt ſein, ſondern ein Tempel der Kunſt, der
den Angehörigen der Kunſt materielle Vorteile bringen
ſolle. Um das Gebäude noch mehr für künſtleriſche
Zwecke dienſtbar zu machen, regt die Stifterin für ſpä=
tere
Zeiten einen Ausbau des Gebäudes an.
* Hamburg, 19. Jan. Die Sammlung für eine
Nationalſpende für Liliencron ergab 36.000
Mark.
Die Voſſiſche Zeitung meldet aus Kopen=
hagen
: Der Miniſter des Auswärtigen erhielt von
dem ſchwediſchen Konſul in Montreal einen Bericht
über Gerüchte unter den Eskimos, nach welchem
Andree und ſeine Begleiter wahrſcheinlich auf die
Renntierjagd gegangen ſind, und die Eskimos, hier=
über
erbittert, ſie getötet haben. Das Konſulat in
Montreal traf Vorbereitungen zur Unterſuchung des
Platzes, der etwa 750 engliſche Meilen nördlich von
Alberta liegt.

Kleines Feuilleton.

C Wie engliſche Wahlkandidaten ſich
gegen Durchfall verſichern. Das Verſicher=
ungsweſen
iſt in England viel mannigfaltiger ausge=
ſtaltet
als in den Ländern des europäiſchen Kontinents.
Gerade die größten und bedeutendſten engliſchen Ver=
ſicherungsgeſellſchaften
ſchließen oft Geſchäfte ab, die
im Grunde nichts anderes ſind als Wetten. Und da
die Wettluſt von altersher eine der ausgeprägteſten
Eigenſchaften des britiſchen Nationalcharakters iſt,
haben die Geſellſchaften jahraus jahrein alle Hände voll
zu tun. Es iſt nicht ſehr ſtark übertrieben, wenn man
behauptet, daß z. B. in dieſem Augenblicke, während
des Wahlkampfes, ganz England in zwei Lager von
Wettenden geteilt iſt. Daß die engliſchen Wahlkandi=
daten
aber die Möglichkeit haben, ſich in aller Form
Rechtens gegen einen Durchfall zu verſichern, mag
deutſchen Ohren recht ſeltſam klingen. Das iſt nun
nicht etwa ſo zu verſtehen, als übernähme die Verſicher=
ungsgeſellſchaft
die Verpflichtung, dem Kandidaten, der
ſich ihrem Schutze anvertraut, zu dem heißbegehrten
Mandate zu verhelfen, das ſteht natürlich außer
ihrer Macht. Der Kandidat verſichert ſich vielmehr
für den Fall ſeines Unterliegens auf die Rückerſtattung
der Koſten ſeiner Wahlkampagne, und man weiß, daß
dieſe Koſten in England unter Umſtänden ſehr hoch ſein
können. Entſprechend hoch iſt ſelbſtverſtändlich auch die
Prämie, die er zu zahlen hat. Sie fällt an die Geſell=
ſchaft
, wenn er gewählt wird, doch im Siegesrauſche
verſchmerzt er ſie gern und leicht. Die Sache iſt alſo,
wie man ſieht, von einer genialen Einfachheit und für
beide Teile nutzbringend. Wie es im Weißen Rößl
ſo ſchön heißt: Det Jeſchäft is richtig! . . .
* Ein gemütlicher Gefangener. Ein
Unteroffizier der Kantonspolizei vom Lande hazte
jüngſt, wie der Bund berichtet, den Gefangenen M.
in Zürich vorzuführen. Als die beiden bedächtig über
die Kaibrücke ſchritten, kam ihnen ein Mann ent=
gegen
, der dem Unteroffizier bekannt war, nämlich der
vorbeſtrafte Gelegenheitsarbeiter Zürcher, der neuer=
dings
wegen verſchiedener Delikte von den Behörden
ſteckbrieflich verfolgt wurde. Der Landjäger fragte nun
ſeinen Arreſtanten, ob=er nicht warten=molle, bis er den

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Nummer 16.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 20. Januar 1910.

8 Eheſchließungen. Im Jahre 1908 waren die desfallſigen
Ziffern: 2067 Geburten, 1404 Sterbefälle und 662 Ehe=
ſchließungen
und auf 1000 Einwohner 23,8 Geburten, 16,1
Sterbefälle und 7,6 Eheſchließungen. Es ſind hiernach Ge=
burten
und Sterbefälle in 1909 gegen das Vorjahr zurück=
gegangen
, während die Ziffer der Eheſchließungen ſich er=
höht
hat. Letzterer Umſtand darf immerhin als ein Zeichen
allmählicher wirtſchaftlicher Beſſerung gelten. Der Ueber=
ſchuß
der Geburten über die Sterbefälle, der im Jahre
1908 663 Köpfe betragen hat, beläuft ſich in 1909 auf
582 Köpfe.
Im Stenographen=Verein Stolze=Schrey wird Herr
H. Derlien aus Hamburg nächſten Freitag über eigene
Reiſeerlebniſſe Vom ewigen Eis bis zu den Tropen ſpre=
chen
. Gäſte ſind freundlich willkommen. (Näheres ſ. Anz.)
Das Kaiſerpanorama führt uns dieſe Woche von
Trieſt nach Athen und Klein=Aſien. Zuerſt gelangen
wir nach Piräus, dem Hafen Athens, um dann die grie=
chiſche
Hauptſtadt ſelbſt zu beſuchen. Neben intereſſan=
ten
Anſichten des modernen Lebens erwecken unſer be=
ſonderes
Intereſſe die Baudenkmäler der alten Grie=
chen
, z. B. die Akropolis, das Parthenon, das Erech=
theion
, Theſeion uſw. Nicht weniger feſſelnd ſind die
Anſichten von Klein=Aſien, das als Uebergangsglied
vom Morgenlande zum Abendlande in der Geſchichte
der Völker von wichtiger Bedeutung iſt.
Schützenhof. Heute, Donnerstag, den 20. Januar,
findet karnevaliſtiſches Konzert der Kapelle des Feldart.=
Regts. Nr. 61 ſtatt.
Schönberg, 18. Jan. Die Feierlichkeiten anläßlich
der Vermählung der Prinzeſſin Edda zu
Erbach=Schönberg mit dem Prinzen Wilhelm zu
Stolberg=Wernigerode wurden bereits Mon=
tag
abend durch ein Souper auf dem Schloſſe eingelei=
tet
, dem, wie ſchon gemeldet, ein Familienaben d
für die Gemeinde Schönberg im Saale des Gaſthauſes
Zur Traube folgte. Die Fürſtlichkeiten waren hierzu
von dem Schloſſe heruntergekommen und nahmen leb=
haften
Anteil an den Aufführungen und muſikaliſchen
Darbietungen der Vereine. Dienstag mittag 1 Uhr
fand Diner für die Familienglieder im Saale des
Schloſſes ſtatt. Um 7 Uhr begann in den Zimmern der
Fürſtin=Mutter im Schloſſe zu Schönberg eine Soiré,
zu der der Großherzog und die Großherzogin
mit Gefolge erſchienen waren. Es waren, einem Be=
richt
der Darmſt. Ztg. zufolge, weiter anweſend: der
Fürſt und die Fürſtin zu Stolberg=Wernigerode, der
Erbprinz zu Stolberg=Wernigerode, der Fürſt und die
Fürſtin zu Solms=Lich, der Erbprinz zu Solms=Lich,
Gräfin Konſtantin zu Stolbera=Wernigerode, Gräfin
Anna Eliſabeth zu Stolberg=Wernigerode, Gräfin Jutta
zu Stolberg=Wernigerode, Gräfin Auguſte Eleonore zu
Stolberg=Wernigerode, Graf und Gräfin Wilhelm zu
Solms=Laubach, Prinz Hermann zu Stolberg= Werni=
gerode
, Prinzeſſin Dorothea zu Solms=Lich, der Fürſt
zu Wied, Graf Eberhard zu Stolberg=Wernigerode, der
Graf und die Gräfin Karl zu Stolberg=Wernigerode,
Fürſtin Renß=Köſtritz, Prinz Heinrich XXXI. Reuß,
Prinz Heinrich XXXIII. Reuß, Prinz Ludwig von
Battenberg, Prinzeſſin Luiſe von Battenberg, der Fürſt
und die Fürſtin zu Erbach=Schönberg, der Prinz und
die Prinzeſſin Viktor zu Erbach=Schönberg, Gräfin
Lugo zu Erbach=Fürſtenau, Graf und Gräfin
zu Erbach=Fürſtenau, Gräfin Gertrud zu Erbach=
Fürſtenau, Graf Elias zu Erbach=Fürſtenau, Gräfin
Sophie zu Erbach=Erbach, Graf Konrad zu Erbach= Er=
bach
, Graf Eberhard zu Erbach=Erbach, Graf Alexander
zu Erbach=Erbach und Graf Aſſén Hartenau. Außerdem
waren unter anderen geladen: Kreisrat Eckſtein von
Bensheim, Geh. Kommerzienrat Valckenberg=Worms,
Geh. Schulrat Geiger, ſowie verſchiedene Profeſſoren,
Beamte und Honoratioren aus Bensheim, ebenſo die
Fürſtlichen Beamten und die Vatronatsgeiſtlichen mit
ihren Damen. Insgeſamt waren es 150 Teilnehmer.
Nach dem Empfang in den Zimmern der Fürſtin= Mut=
ter
wurde Tee gereicht, worauf um halb 8 Uhr in dem
Saale des Schloſſes die Aufführungen begannen. Eine
Abteilung der Kapelle des Leibgarde=Regiments hatte
den muſikaliſchen Teil übernommen. Unter Leitung
von Frau Kreisrat Eckſtein führten Kinder in Oden=
wälder
Tracht einen Hochzeitsreigen vor, überreichten
der hohen Braut verſchiedene Geſchenke und brachten
ihr poetiſche und geſangliche Huldigungen dar. Nach
einer improviſierten Verwandlung brachten mehrere
Damen, Verwandte des hohen Bräutigams, dieſem ihre
Huldigungen in humoriſtiſcher Weiſe, in Form von
Schloßgeſpenſtern und Kobolden dar. Zwei Damen in
den Stolberger Farben (ſchwarz=gelb) und ebenſo in den
Erbacher Farben (rot=weiß) mahnten, die Heimat nicht
zu vergeſſen, und eine Roma in antikem Koſtüm, mit
einem Stab in der Hand, auf dem ein Legionsadler

thronte, brachte Grüße aus Rom, dem zukünftigen
Wohnort des hohen Paares. Zum Schluß wurde von
rier Geſchwiſtern des Bräutigams dieſem in gebunde=
ner
Rede und Couplets in humoriſtiſcher Weiſe eine
Reihe von Erinnerungen aus ſeiner Ingend aufgetiſcht
und dem Paare eine heitere Huldigung dargebracht.
In verſchiedenen Salons und im Saale wurde ein
kaltes Büffet gegeben, wobei man ſich an einzelnen Ti=
ſchen
gruppierte. Ein ſehr lebhafter Verkehr fand als=
dann
in den zwei Etagen des Schloſſes ſtatt; zahlreiche
Gruppen ſtanden umher und unterhielten ſich aufs leb=
hafteſte
. Namentlich die Damen beſahen ſich die aufge=
ſtellten
koſtbaren Hochzeitsgeſchenke, die hauptſächlich in
Schmuck, herrlichem Silbergeſchirr und einer Anzahl
Gemälden, Darſtellungen aus der Heimat der Braut,
beſtanden. Einen beſonders koſtbaren Halsſchmuck mit
grünen Steinen (Saphiren) hatte das Großherzog=
liche
Paar, andere Koſtbarkeiten die Kaiſerin
von Rußland und andere hohe Verwandte geſtiftet.
Nach 11 Uhr fuhren die Wagen und Automobile vor,
und bald darauf verließen auch die Großherzoglichen
Herrſchaften das Schloß, um am Abend noch nach Darm=
ſtadt
zurückzukehren.
X Zwingenberg, 18. Jan. Man ſchreibt uns: Das
Großh. Finanzamt bleibt hier und kommt
nicht nach Bensheim; ſo wurde von Darmſtadt hierher
berichtet. Der Hochparterreſtock im Vorderhauſe des
Finanzamtsgebäudes wird ganz für Bureauzwecke ein=
gerichtet
, und wenn das obere Stockwerk für die Woh=
nung
des Finanzamtmannes zu klein, ſo ſoll für dieſen
vorläufig eine Wohnung gemietet werden. Man iſt
dem Großh. Miniſterium für dieſe Maßnahme dahier
außerordentlich dankbar, und freut ſich darüber allge=
mein
, daß man unſerem althiſtoriſchen Amtsſtädtchen
auch höheren Ortes noch freundlich gegenüberſteht. Der
Artikel im Darmſtädter Tagblatt vor einigen Wochen,
in dem von einer vorausſichtlichen Verlegung des Fi=
nanzamtes
geſprochen wurde, hat ſomit doch ſein Gutes
gehabt und unſere Gemeindeverwaltung zu einer ent=
ſprechenden
Eingabe an Großh. Miniſterium veranlaßt.
Dieſe Eingabe wäre vielleicht unterblieben, wenn man
nicht öffentlich auf die Gefahr des Verluſtes dieſer Be=
hörde
für unſer Städtchen hingewieſen hätte. Der
Wert der Preſſe hat ſich in dieſem Falle wieder einmal
in der eklatanteſten Weiſe bewieſen. Nun möchten wir
aber auf einen anderen Mißſtand hinweiſen, und zwar
auf die große Vernachläſſigung vieler Häuſer unſeres
ſr hübſch gelegenen Städtchens; ſelbſt Wohnhäuſer gut=
ſituierter
Leute befinden ſich in ihrem Aeußeren in
einem Zuſtande, der den Fremden oft zu den wider=
lichſten
Bemerkungen hinreißt. Auch Kanaliſation in
dem dichtbewohnten alten Stadtteile wäre kein Luxus.
t. Lindenfels, 19. Jan. Wiederum hat einer un=
ſerer
Alten das Zeitliche geſegnet. Nachdem vor 14
Tagen Herr Johannes Kreuzer im Alter von 90 Jah=
ren
geſtorben iſt, wurde heute der frühere Poſthalter,
Herr Adam Schmitt, im Alter von 88 Jahren zu Grabe
getragen.
t. Lindenfels, 19. Jan. Der hieſige Verſchöner=
ungsverein
hat bereits vor Weihnachten die am
Hann=Adams=Buckel gelegene Rodelbahn in Stand
ſetzen und den Tennisplatz zur Eisbahn bereit ſtellen
laſſen, doch ſcheint der Winter diesmal einen Schaber=
nack
ſpielen zu wollen. Schnee und Eis laſſen vergeb=
lich
auf ſich warten.
t. Reichelsheim, 19. Jan. Dieſer Tage ging von hie=
ſiger
Station der erſte Transport Odenwalder Rot=
vieh
, beſtehend aus 5 Kühen und 6 Rindern, nach dem
Siegerlande. Die Tiere haben in ihrer neuen Heimat ſo
gut gefallen, daß noch mehr Odenwälder Rotvieh ange=
kauft
werden ſoll. Herr Hofpächter Siefert dahier hat be=
reits
eine Beſtellung in Auftrag erhalten.
t. Wald=Michelbach, 19. Jan. In der nächſten Woche
treffen annähernd 40 amerikaniſche Studierende
der Forſtwiſſenſchaft, die zurzeit zum Studium der deut=
ſchen
Forſtwiſſenſchaft in unſerem Vaterlande weilen, hier
ein und werden unter Führung der Großh. Oberförſterei
die hieſigen Waldungen beſichtigen.
Offenbach, 19. Jan. In dem Rechtsſtreit der
Stadt Offenbach gegen den Frankfurter Bankier Wolf we=
gen
Erſatz des durch die bekannte Kaiſerhofaktien=
Affäre entſtandenen Schadens ſtand heute erneut Ter=
min
vor der Zivilkammer des Landgerichts in Frankfurt
an. Die Stadt iſt durch Juſtizrat Jaffe, der Beklagte durch
Juſtizrat Dr. Sternau vertreten. Der Klageantrag geht
dahin, daß der Beklagte an die Stadt Schadenerſatz bis
zur Höhe von 70000 Mark zu leiſten hat. Es wurde ein
Vergleich angeregt, wozu der Vorſitzende des Gerichts=
hofes
, Landgerichtsdirektor Eichhorn, bemerkte, daß es wohl
ſchwerlich zu einer Einigung auf gütlichem Wege kommen
werde, da der Bürgermeiſter Dr. Dullo in dieſem Falle
ſchweren Angriffen aus den Reihen der Bürgerſchaft aus=
geſetzt
ſein würde. Juſtizrat Jaffe erklärte, er könne ſich
auf einen vom Gegner neuerdings eingereichten Schrift=
ſatz
noch nicht erklären. Das Gericht gab den Parteien
auf, binnen drei Wochen zu erklären, ob ſie geneigt ſeien
in Vergleichsverhandlungen einzutreten. Auf welchek
Grundlage ein Vergleich angebahnt werden ſoll, konnte
nicht in Erfahrung gebracht werden. (O. Ztg.)
Mainz, 18. Jan. Der ausder Haft entlaſſene
Brückenwarter Krummeck von hier hat am
heutigen Tage wieder ſeinen Dienſt an der alten
Eiſenbahnbrücke angetreten. Dem Mann konnte
nicht die geringſte Schuld an dem Diebſtahl in
der Eiſenbahnhalle nachgewieſen werden, vielmehr ge=
lang
demſelben der Nachweis des rechtmäßigen Er=
werbs
des abhanden gekommenen Ballens Tuch durch
Kauf vollſtändig.
Mainz, 18. Jan. Heute morgen iſt das dritte und
letzte Opfer der Keſſelexploſion der Opelſchen
Fabrik in Rüſſelsheim, der 27jährige ledige Monteur Adam
Hanſelmann aus Heidesheim, wohnhaft in Biſchofsheim,
im Rochushoſpital geſtorben.
Worms, 18. Jan. Eine kleine Erdſenkung bildete
ſich geſtern mittag an der Brunhildenbrücke nach der Don=
nersbergerſtraße
zu. Es entſtand eine etwa zwei Meter
tiefe und 1.50 Meter breite Vertiefung. Der Verkehr iſt in
keiner Weiſe geſtört. Es wird gegenwärtig unterſucht,
wodurch dieſe Senkung entſtanden iſt. Einem Weiterum=
ſichgreifen
wurde ſofort vorgebeugt.
Worms, 19. Jan. Durch die umfaſſende Tätigkeit der
Kriminalpolizei iſt es gelungen, den geſtern verhafteten
Hausburſchen Nolte der Täterſchaft an den fünf in den
letzten Wochen verübten Einbruchsdiebſtählen zu überfüh=
ren
und den größten Teil der geſtohlenen Gegenſtände wie=
der
zur Stelle zu ſchaffen. Der Taglöhner Franz
Wilh. Weber von hier iſt der Mittäterſchaft überführt. Die
übrigen feſtgenommenen Perſonen wurden wieder entlaſ=
ſen
. Verhaftet wurde ein auswärtiger Betrüger, der ſich
hier als Zugführer ausgegeben und Zechprellereien
verübt hatte, eine Taglöhnerswitwe aus Worms= Hoch=
heim
wegen ſchwerer Kuppelei und ein aus der Er=
ziehungsanſtalt
in Haßloch (Pfalz) entlaufener Zwangs=
zögling
. Heute morgen verunglückte ein Heizer der
Stadthafenbahn dadurch, daß er beim Ausfahren aus der
Maſchinenhalle gegen einen Pfoſten gedrückt wurden er er=

litt dabei ſchwere innere Verletzungen und mußte mittels
Krankentransportwagens in ſeine Wohnung gebracht
werden.
B. Bingen, 18. Jan. Verſchiedene Diebſtähle
ſind in der letzten Zeit auf Rheinſchiffen vorge=
kommen
. So wurde auf dem Schiffe Aſterroth Nr. 9"
eingebrochen und ein Mantel, ſowie Geld geſtohlen.
Ferner wurde bei Oberweſel auf dem Schleppkahn
Graf Zeppelin, deſſen Schiffer ſich gerade auf dem
Schifferball befand, eingebrochen und eine goldene Uhr
und Kette, ſowie der Betrag von 500 Mark entwendet.
Auf einem bei Kaub liegenden Stachelhauskahn wurde
die Kajüte erbrochen und verſchiedenes geſtohlen. Der
Täter, ein früher auf dem Schiffe bedienſteter Matroſe
aus Kaub, wurde feſtgenommen.
(*) Ober=Mockſtadt, 18. Jan. Anfangs ging die
Sammeltätigkeit für die durch den Konkurs
Geſchädigten ſehr langſam. Jetzt fließen dagegen die
Gaben reichlicher und es ſind ſchon einige tauſend
Mark geſammelt. Täglich treffen von Kriegervereinen
und Privaten Geldſpenden ein. Bis aber jeder der
unverſchuldet Verarmten eine kräftige Beihilfe erhal=
ten
kann, bleibt noch viel zu tun.
Büdingen, 19. Jan. Wie die Frkf. Ztg. berichtet,
iſt zwiſchen den Vertretern der Schutzvereinigung
der Obligationäre des landgräflich heſſiſchen
Anlehens von 1901 und der Konkursverwalt=
ung
der Bankfirma Max Wertheimer u.
Ko. in Büdingen vorbehaltlich der Zuſtimmung
der Obligationäre eine Vereinbarung getroffen wor=
den
, wonach die Konkursverwaltung den Verluſt der
von der falliten Firma Max Wertheimer u. Ko. zum
Nachteil der Obligationäre unterſchlagenen Heimzahl=
ung
im Betrage von 22500 Mark trägt, während die
Obligationäre für jede Obligation von 1000 Mark bar
500 Mark ausbezahlt erhalten. Mit dieſer Zahlung er=
löſchen
ſämtliche Anſprüche aus der Obligation der Kou=
kursmaſſe
Max Wertheimer u. Co. gegenüber. Die
Konkursverwaltung hält ihr Anerbieten bis zum 1.
Juli 1910 aufrecht.

anderen geholt habe. Zugleich führte er dem Gefange=
nen
zu Gemüte, daß er ja nur eine kleine Freiheits=
ſtrafe
abzuſitzen habe, ſo daß es ſich für ihn kaum lohnen
würde, auszureißen. Dieſer willigte ſofort ein, und
nun begann der Unteroffizier dem Zürcher nachzu=
gehen
. Dieſer, dem nicht entgangen war, daß ſich etwas
gegen ihn abzuſpielen beginne, ergriff nun ſchleunigſt
die Flucht, dem Hotel Bellevue zu, hinter ihm her der
Landjäger mit ſeinem weiten, im Winde flatternden
Mantel, dem Fliegenden Holländer gleich. Ein Tram=
angeſtellter
wollte dem Fliehenden den Weg verſtellen,
was ihm aber nicht gelang. Unter großem Hallo der
Zuſchauer erwiſchte der Unteroffizier ſein Opfer beim
Café de la Terraſſe. Inzwiſchen wartete der erſte Ge=
fangene
ruhig auf der Kaibrücke und ſchaute mit
Schmunzeln dem Wettrennen zu. Als ihm ſein Ge=
fangenwärter
aus dem Auge entſchwunden war und
zu lange nicht mehr erſchien, ging er ihm in aller Ge=
mütlichkeit
nach, bis er ihn traf. Nunmehr konnte der
Landjäger den unterbrochenen Marſch wieder auf=
nehmen
und dank der Gemütlichkeit des einen gleich
zwei Gefangene einliefern.
CK. Ein Wohltäter der Spatzen. Die
Pariſer Spatzen haben einen großherzigen Wohltäter
gefunden, einen Wohltäter, ſo weiß ein Pariſer Blatt
zu erzählen, der nicht nur kurzſichtig an die Gegenwart
denkt, ſondern auch für die ſchwere Zukunft der Spatzen
ſorgt, für die Tage, da der Automobilismus den
Hippomobilismus verdrängt haben wird. Denn für
die Spatzen kommen dann ſchwere Zeiten. Der Wohl=
täter
der Sperlinge hat der Stadt Paris jetzt eine ver=
hältnismäßig
große Summe zur Verfügung geſtellt. mit
dem Auftrage, in den öffentlichen Gärten, Parks und
auf den großen Plätzen beſondere Futterplätze zu er=
richten
, die für die Sperlinge beſtimmt ſind. Dieſe
Futtervlätze ſollen auf hohen Pfoſten oder Säulen
ruhen, damit nicht Unberufene an der den Pariſer
Spatzen zugedachten Wohltat teilhaben.

* Berichtigung. In dem Aufſatz Das Rei=
tergefecht
bei Bois=Commun in Nr. 14 un=
ſeres
Blattes ſollte es in der Spalte 1 Zeile 20 v. u.
heißen: . . In der rechten Hand hatte er hoch=
erhoben
ſeinen gezogenen Degen.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 18. Jan. Der Präſident
des franzöſiſchen Automobilklubs, Baron van der
Zuylen, ſetzte eine Belohnung von 1000 Fran=
ken
auf die Verhaftung desjenigen aus, der das ge=
fälſchte
Telegramm abſandte. Die Tägliche
Rundſchau veröffentlicht eine Erklärung des
Bibliographiſchen Inſtituts in Leipzig und eine ſolche
der Firma Hempel u. Co. in Berlin, wonach das Blatt
von der letzteren durch Kauf erworben bezw. zurück=
erworben
worden iſt. Auf Requiſition des Hambur=
ger
Unterſuchungsrichters wurde geſtern in Schöneberg
der Kaufmann W. Bintz verhaftet. Er wird be=
ſchuldigt
, eine hieſige Großfirma um 1½ Millionen
betrogen zu haben. Der Verhaftete war bis vor etwa
zwei Jahren in Oldesloe Inhaber einer Fleiſchkon=
ſervenfabrik
; dieſe wurde geſchloſſen, weil verdorbenes
Fleiſch in ihr umgekocht worden war. Die Meldung von
der Trauung der Frau Major von Schönebeck
mit dem Berliner Schriftſteller A. O. Weber in London
beſtätigt ſich. Weber ſteht anfangs der vierziger Jahre
und hat Frau von Schönebeck in einem Berliner
Penſionat kennen gelernt, welches ſie nach ihrer Ent=
laſſung
aus dem Sanatorium bezogen hatte. Frau
von Schönebeck, die gänzlich nach Berlin übergeſiedelt
war, beſitzt, beiläufig bemerkt, ein erhebliches Ver=
mögen
. Das Strafverfahren gegen die der Teil=
nahme
an der Ermordung ihres Gatten verdächtige
Frau nimmt ſeinen Fortgang. Die Beteiligten hoffen
aus angeblich gründlicher Kenntnis der Sachlage zu=
verſichtlich
, daß die Schwurgerichtsverhandlung, welche
binnen kurzer Zeit in Allenſtein ſtattf nden wird,
mit einer Freiſprechung endigt Von der Geiſteskrank=
heit
, von welcher die mediziniſchen Gutachten ſprechen
und durch die eine Anklageerhebung bisher unmöglich
gemacht wurde, will die Umgebung der Frau von
Schönebeck nichts bemerkt haben. Bei einem
hieſigen Arzte, der nach einer Italienreiſe am Sonntag
unter dem Verdachte der Pocken in ein Berliner
Krankenhaus eingeliefert wurde, ſind jetzt ſchwarze
Pocken feſtgeſtellt worden; anſcheinend fiel er der An=
ſteckung
in Italien zum Opfer.
Eſſen, 18: Jan. Am Martinsberg 6 der Firma
Krupp wurde bei Reparaturarbeiten an der elektri=
ſchen
Leitung verſehentlich der Strom für eine
noch in Reparatur befindliche Strecke, an der der
Schloſſer Wallrich arbeitete, eingeſchaltet. Wallrich
wurde ſofort getötet. Als die zur Unterſuchung
des Unfalles herbeigeholte Polizei=Kommiſſion beim
Herabſteigen eine Betondecke betrat, brach dieſe ein.
Drei Perſonen, darunter ein Schutzmann und ein Heil=
gehilfe
, ſtürzten 4½ Meter in die Tiefe und wurden
ſchwer verletzt.
Bochum, 18. Jan. Vor dem hieſigen Schwurge=
richt
fand heute eine Bluttat, die ſeinerzeit berechtig=
tes
Aufſehen erregt hatte, ihre Sühne. Wie erinner=
lich
, hat im November vorigen Jahres der Bergmann
Joſeph Schulte aus Recklinghauſen einen reiſenden
Handwerksburſchen derart mit der Kaffeeflaſche miß=
handelt
, daß in der zertrümmerten Schädeldecke
Emailleſplitter ſtecken geblieben waren und der Tod
des Mannes eintrat. Schulte wurde heute zu 15
Jahren Zuchthaus und den üblichen Nebenſtrafen
verurteilt.
Gelſenkirchen, 19. Jan. Auf Schacht 5 der Zeche
Holland, der gegenwärtig abgeteuft wird, wurden in
der letzten Nacht ſechs Bergleute verſchüttet.
Die Verunglückten waren 40 Meter unter der 5. Tief=
bauſohle
mit Maurerarbeiten beſchäftigt, als vom nörd=
lichen
Schachtſtoß eine Geſteinswand hereinbrach; die
Vergleute konnten ſich anſcheinend nicht retten. Die
ſofort energiſch aufgenommenen Rettungsarbeiten
laſſen hoffen, die Verunglückten lebend zu bergen.
Weimar, 19. Jan. Zu dem Exploſions=
unglück
in Hetſchburg wird noch gemeldet, daß
infolge der heftigen Erſchütterung im nahen Zement=
werk
ein Mann von der Maſchine geſtürzt und dabei
ums Leben gekommen iſt.
Hamburg, 18. Jan. Maſſenverhaftungen
an Bord des Poſtdampfers Auguſte Viktoria von der
Hamburg=Amerika=Linie erregen hier großes Aufſehen.
Als der Dampfer von New=York heimkehrte und in
Cuxhaven eintraf, erſchienen plötzlich mehrere Krimi=
nalbeamte
an Bord, die ſofort 38 Perſonen vom Küchen=
und Stewardsperſonal hauptſächlich auf den Zwiſchen=
decks
verhafteten. Auf dem Dampfer waren nämlich
eit einiger Zeit auf unerklärliche Weiſe öfter große
Proviantmengen abhanden gekommen. Die Dieb=
ſtähle
ließen auf ein Komplott ſchließen. Um den
Sachverhalt feſtzuſtellen und die Diebe zu überführen,
machten drei Kriminalbeamte die letzte Fahrt des
Dampfers nach New=York mit, und zwar zwei Krimi=
nalbeamte
als Paſſagiere, während der dritte ſich als
Zwiſchendecksſteward anmuſtern ließ. Während der Hin=
zahat
gewannen die Kriminalbeamten bereits ſo ſchwer=

[ ][  ][ ]

Nummer 16.

Darmſtädter Tagblatt, Donuerstag, den 20. Januar 1910

Seite 5.

wiegendes Belaſtungsmaterial gegen das Küchen= und
Bedienungsperſonal, daß die Maſſenverhaftungen
durch die inzwiſchen benachrichtigte Behörde vorgenom=
men
werden konnten. Die Schuldigen hatten Proviant
von den Reedern zurückbehalten und ſpäter gegen be=
ſondere
Bezahlung an die Paſſagiere geliefert. Die
Verhaftung des ſchuldigen Perſonals wäre in New=
York mit vielen Schwierigkeiten verknüpft geweſen
daher erfolgte ſie erſt bei der Heimkehr des Dampfers
Wien, 19. Jan. Ein überaus ſtark beſuchter Hof=
ball
, deſſen Senſation das Erſcheinen der Her=
zogin
von Hohenberg bildete, wurde geſtern ab=
gehalten
. Die Herzogin erſchien als letzte Dame des
Hofes zuſammen mit der Erzherzogin Iſabella. Die
Herzogin nahm auf die Aufforderung der oberſten Hof=
meiſterin
des Kaiſers am äußerſten linken Flügel
Platz. Welches Gewicht der Erzherzog=Thronfolger
darauf legt, daß ſeine Gemahlin einen Platz am Hofe
einnimmt, beweiſt der Umſtand, daß er den bekannten
Malern Krauß und Eichhorn den Auſtrag erteilte, ein
Bild des Hofballes mit dem Einzug der Herzogin zu
malen.
Wien, 18. Jan. Die Unterſuchung gegen den
in garniſonsgerichtlicher Haft befindlichen Oberleut=
nant
Hofrichter wird wohl um die Mitte März
abgeſchloſſen werden, worauf, falls nicht eine bedeut=
ſame
Wendung der Angelegenheit eintritt oder eine
Unterſuchung des Geiſteszuſtandes des Beſchuldigten
für nötig erachtet wird, die Verhandlung angeordner
werden ſoll. Im Sarge der einſtigen Braut Hofrich=
ters
, Fräulein Amlacher, iſt bei der Ausgrabung auch
ein Kartenbrief gefunden worden. Er ſtammte von
Hofrichter und kam Fräulein Amlacher kurz vor ihrem
Tode zu. Geſchloſſen wurde ihr der Kartenbrief in den
Sarg mitgegeben. Dort lag er ſeit dem Jahre 1904
unter dem Kopfpolſter einer mit Holzwolle gefüllten
Stoffhülle , alſo ſeit mehr als fünf Jahren. Merk=
würdigerweiſe
war dieſer Kartenbrief noch ziemlich gu:
erhalten. Er war von rotbrauner Färbung, feucht, aber
noch ſo feſt, daß man die Adreſſe deutlich leſen konnte.
Der Kartenbrief wurde in Verwahrung genommen und
nach Wien gebracht, um hier mit aller Vorſicht geöffnet
zu werden.
Paris, 19. Jan. Einem Jagdpächter, der in der
Nähe von Reims eine Jagd gepachtet hatte, gelang es
geſtern, einen aus einer Menagerie entſprungenen
Tiger zu erlegen, der die Bewohner der Gegend in
großen Schrecken verſetzt hatte. Das Tier mißt einen
Meter 90 Zentimeter.
Paris, 19. Jan. In dem von den Apachem
ſchwer heimgeſuchten Montmartre=Viertel wurde geſtern
abermals ein Schutzmann das Opfer der Gewalttat
eines jugendlichen Apachen. Der Schutzmann wollte
den Burſchen faſſen, erhielt aber in demſelben Augen=
blick
von ihm einen tiefgehenden Meſſerſtich. Die Ver=
haftung
gelang unter großen Schwierigkeiten.
Kopenhagen, 19. Jan. Fortgeſetzt werden an der
Weſtküſte von Jütland Leichen, Schiffsplanken und
ſonſtige Trümmer angeſchwemmt. Die Küſtenbe=
wohner
erklären, daß ſich während des letzten Menſchen=
alters
nicht ſo viel Schiffsunglücke ereignet hätten,
wie bei dem jüngſten Sturm.
Tiflis, 18. Jan. Ein vollbeſetzter Straßen=
bahnwagen
entgleiſte wegen des Verſagens der
Bremſe und ſtürzte auf einem ſteilen Abwege um. Bis
zum Abend waren ſieben Tote und elf Schwerver=
wundete
geborgen.
New=York, 19. Jan. Die Morgan=Geſellſchaft ſtellte
einen Finanzplan für die Erbauung einer Unter=
grundbahn
durch die City mit einem Kapital von
100 Millionen fertig.

Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach=
ſtehenden
Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.

Darmſtädter Streichquartett. Eine
Ausnahme von der Regel, an jedem ſeiner Abende wenig=
ſtens
ein neues Werk zu bringen, macht das Darm=
ſtädter
Streichquartett nächſten Montag, 24, ds. Mts., in
ſeinem dritten Kammermuſikabend, indem es drei
Streichquartette der Klaſſiker Haydn, Mozart
und Beethoven bringt. Bekanntlich ſind Haydns letzte
Quartette nach den Werken gleicher Gattung von
Mozart entſtanden. Es tritt dadurch der eigenartige
Fall ein, daß Lehrer und Schüler die Rollen vertauſchen
und der ältere über den jüngeren Meiſter, von dieſem
wieder lernend, in mancher Hinſicht hinausſchreitet.
Um aber den chronologiſchen Entwicklungsgang, wie
er in Sen Werken der drei größten Quartett= Kompo=
niſten
zum Ausdruck kommt, möglichſt klar zu veran=
ſchaulichen
, iſt eins der früher von Haydn geſchriebenen
Quartette, op. 33, Nr. 3, das ſogenannte Vogel=
Quartett, gewählt worden. Mozarts G=dur=Quartett
bietet beſonders in dem prachtvoll fugierten Finaleſatz
ein klaſſiſches Schulbeiſpiel, wie ihm ſelbſt bei Löſung
der kompoſitionstechniſch ſchwierigſten Probleme höchſte
Klangſchönheit oberſtes Geſetz war. Das den Abend
abſchließende Werk Beethovens, op. 95 in F-moll, hat
der Meiſter ſelbſt als Quatuor serioso bezeichnet. Es
iſt eine in ihrer Art einzig daſtehende Tonſchöpfung.
ein ergreifendes Drama in Tönen, wie es in ſolch
ſchlagfertiger Kürze nur ein Beethoven ſchaffen konnte.

Parlamentariſches.

*X* Darmſtadt, 19. Jan. In der heutigen
Sitzung des Finanzausſchuſſes der Zweiten
Kammer, zu welcher auch der Staats= und Juſtiz=
miniſter
Ewald und mehrere Regierungskommiſſa=
ritn
erſchienen waren, wurde mit der Beratung der
Etatskapitel des Miniſteriums der Juſtiz be=
gonnen
, über welche Abg. Dr. Gutfleiſch das Re=
ferat
erſtattete. Der Redner bat, dem Antrag Beſt, be=
treffend
die Stellenbewilligung auf den Inhaber, nicht
zuzuſtimmen, da deſſen Durchführung beim Juſtizetat
abſolut nicht angängig ſei. Gegen einen Antrag Ulrich,
auch die vakanten Stellen in der Juſtiz nicht definitiv
zu beſetzen, und gegen einen Antrag Molthan, der frei=
werdende
Stellen nur mit definitiv angeſtellten Beam=
ten
beſetzt wiſſen will, wandte ſich Miniſter Ewald
der auf die Unabſetzbarkeit der Richter hinwies. Auch
Abg. Dr. Gutfleiſch ſprach ſich gegen dieſe Anträge
aus, und Abg. Dr. Oſann betonte, daß der Staatsbe=
trieb
Sache der Regierung ſei, die nur durch die Be=
willigung
der Mittel durch die Kammer beſchränkt
werde; ein regulärer Staatsbetrieb ſei notwendig.
Man ſolle die Regierung erſuchen, die genaueſte Prüf=
ung
über die Notwendigkeit der zu beſetzenden Stellen
eintreten zu laſſen, und zwar mit Rückſicht auf die not=
wendige
Vereinfachung der Staatsverwaltung. Nach=
dem
auch Abg. Dr. Weber dem Antrag Ulrich wider=
ſprochen
, wurden die Anträge Beſt und Ulrich abgelehnt
und ein Antrag Dr. Oſaun=Reinhart angenom=
men
: Die Regierung zu erſuchen, bei freiwerdenden
Stellen genaueſte Prüfung der Notwendig=
keit
der Neubeſetzungen eintreten zu laſſen

und dabei ſtets Rückſicht zu nehmen auf die abſolut not=
wendige
Vereinfachung der Staatsverwaltung. Bei
Kapitel Miniſterium, Ausgabe 68 294 Mark, be=
antragt
Abg. Ulrich, die Stellen eines Miniſterial=
rates
, zweier Oberlandesgerichtsräte, acht Land=
gerichtsräte
und 25 Amtsrichter nur auf den
Inhaber zu bewilligen. Abg. Dr. Gutfleiſch be=
klagt
als Referent, daß die Richter vielfach am Nach=
mittag
nicht auf demAmtsgericht anzutrefſen ſind, ſondern
ihre Arbeiten zu Hauſe verrichteten, wogegen Staats=
miniſter
Ewald erklärte, daß die Regierung mit die=
ſer
Gepflogenheit nicht einverſtanden ſei. Die Wei=
terberatung
erfolgt morgen.

7. Hauptverſammlung der Landwirtſchafts=
kammer
.

Darmſtadt, 19. Jan
Die heutige Sitzung wird nach 10 Uhr durch Vize=
präſident
Bähr eröffnet. Die Spezialberatung wird
beim Kapitel Förderung der Pferdezucht uſw.
fortgeſetzt. Eine Anzahl Kapitel wird ohne Debatte
erledigt. Mitgl. Fenchel=Griedel regt an, auch
in Oberheſſen Pferdeauktionen zu veranſtalten. Ver=
ſchiedene
Redner, auch Oberlandſtallmeiſter v. Wil=
lich
, widerſprechen dem, da eine Auktion in Darmſtadt
rentabler und erfolgreicher ſei. Oberlandſtallmeiſter
v. Willich regt eine andere Verteilung der Mittel
eur Förderung der Pferdezucht an. Da in Oberheſſen
die Pferdezucht bedeutender ſei, als in Starkenburg
ſollte auch die Summe entſprechend höher ſein. Die
Mitglieder Walter=Lengfeld und Schwartz= Dils=
hofen
widerſprechen dem. Die Oberheſſen ſollten nicht
die beſten Saugfohlen direkt von der Stute weg ver=
kaufen
, was ein großer Schaden für die Pferdezucht ſei.
Die Mittel werden dann nach dem Voranſchlag ver=
teilt
. Es erhalten Starkenburg 7120 Mark, Oberheſſen
9900 Mark und Rheinheſſen 4806 Mark. Ein Antrag
des Vorſtandes, die Ordnung über das Pferde=
ſtammbuch
auf weitere 2 Jahre, bis zur Reviſion
der Satzung der Landwirtſchaftskammer, in Gültigkeit
zu laſſen, wird angenommen. Gleiche Anträge liegen
auch vor über die Grundpläne der Geflügelzucht und
der Bodenkultur. Auch dieſe Grundpläne werden gut=
geheißen
, reſp. verlängert. Zum Kapitel Schweine=
zucht
wünſcht Mitgl. Joſt, die Quarantänevorſchrif=
ten
nicht zu ſtreng zu handhaben, wenigſtens dann
nicht, wenn keine Seuche herrſcht. Dem wird aber vor
mehreren Rednern widerſprochen im Intereſſe der
Schweinezucht.
Zum Kapitel Förderung des Obſt=, Wein=,
Gemüſe= und Gartenbaues entſteht eine De=
batte
darüber, ob Blumengärtnereien zur Landwirt=
ſchaftskammer
herangezogen werden ſollen und bei=
tragspflichtig
ſind. Sekretär Dr. Hammann teilt
mit, daß der Vorſtand ſich zur Klärung dieſer Frage
an das Miniſterium gewandt habe. Die Entſcheidung
ſtehe noch aus. Hierzu wird der Antrag des Mitgl.
Eibach, betreffend Bewilligung von 9000 Mark für
Rebſchädlingsbekämpfung beraten. Ein Antrag des
Mitgl. Walter in gleicher Richtung iſt nachträglich
eingebracht worden. Zu deſſen Gunſten zieht Eibach
ſeinen Antrag zurück. Mitgl. Walter bittet die Re=
gierung
, die Einführung von Stecklingsreben (Moſel=
Riesling) zu geſtatten, reſp. zu veranlaſſen, daß die
Weinbauſchule ihre überflüſſigen Stecklinge abgebe.
Ober=Regierungsrat Dr. Heinrichs warnt dringend
Reben aus der Moſelgegend einzuführen, da die
Moſelgegend dringend reblausverdächtig ſei. Auch der
Rebſchule der Domanialverwaltung ſei das Geſuch
Moſel=Rieslinge einzuführen, abgelehnt worden Es
wird dann zum dritten Male über die beantragten 9000
Mark debattiert. Mitgl. Bähr verlieſt Stellen aus
dem Protokoll der Zweiten Kammer, in denen Miniſter
des Innern Braun und Miniſterialrat Uſinger
erklärt haben, die Bekämpfung der Schädlinge ſei Sache
der Regierung. Die Mitglieder Eibach und Wal=
ter
treten trotzdem energiſch für ihren Antrag ein.
Schließlich wird Antrag auf Schluß der Debatte geſtellt
und angenommen, dieſelbe aber bald wieder eröffnet.
Der Regierungsvertreter erklärt, wenn auch die Be=
kämpfung
der Rebſchädlinge Sache der Regierung iſt, ſo
ſei damit nicht geſagt, daß das auch für den vorliegen=
den
Antrag zutreffe. Nach weiterer Debatte wird aber=
mals
ein Schlußantrag angenommen. Der Antrag
Walter wird angenommen, die angeforderte
Summe wird bewilligt.
Eine ganze Reihe von Kapiteln wird ohne weſent=
liche
Debatte genehmigt. Zu XT: Penſionsfonds,
beantragt Mitgl. Eibach, falls die Zweite Kammer
die 9000 Mark des Antrags Bähr nicht bewilligt, dieſe
9000 Mark aus dem Penſionsfonds zu entnehmen.
Mitgl. Schmidt=Oppenheim warnt davor, dieſen neu=
gegründeten
Fonds ſchon wieder zu ſchmälern. Ober=
Regierungsrat Dr. Heinrichs meint, man könne die
Notwendigkeit des Penſionsfonds überhaupt in Zwei=
fel
ziehen. Er regt an, der Fürforgekaſſe für Ge=
meindebamte
beizutreten. Dem treten mehrere Red=
ner
entgegen. Der Antrag Eibach wird ange=
nommen
.
Zum Kapitel Gebühren der Großh. Fi=
nanzämter
uſw. wird namentlich die Berechnungs=
gebühr
mit 8200 Mark als zu hoch bemängelt. Mitgl.
Henſel=Dortelweil beantragt, die Regierung zu er=
ſuchen
, dieſen Betrag zu erlaſſen oder niedriger zu
bemeſſen. Der Antrag wird angenommen. Der Reſt
der Ausgaben wird genehmigt. Die Einnahmen
werden debattelos genehmigt. Damit iſt der Vor=
anſchlag
erledigt.
Ober=Regierungsrat Dr. Heinrichs regt an,
falls noch Differenzen mit dem Miniſterium ſich be=
eüglich
des Voranſchlags ergeben, den Kammervorſtand
zu ermächtigen, von den gefaßten Beſchlüſſen eventuell
abzuweichen. Dem treten Präſident Bähr und an=
dere
Redner energiſch entgegen. Die Regierung habe
gar kein Recht, in den Voranſchlag hineinzureden. Zu=
oem
hätte ja, wenn die Regierung ein Intereſſe daran
hat, ein Regierungsvertreter anweſend ſein können.
Ober=Regierungsrat Dr. Heinrichs ſei aber nur Ver=
treter
der Aufſichtsbehörde. Mitgl. Lichtenſtein
ſpricht ſich ebenſo aus. Es wird allgemein abgelehnt,
ſich nachträglich in Verhandlungen mit der Regierung
einzulaſſen. Präſident Bähr erklärt, wenn die Re=
gierung
Abſtriche macht, müſſe eine neue Plenarſitzung
einberufen werden. Darauf tritt eine Pauſe ein.
Nach Wiederbeginn der Verhandlungen wird der
Vericht des Vorſtandes, betreffend die Aenderung
der Satzung der Verſicherung von Weide=,
Ausſtellungs= und Faſeltieren beraten.
Der Generalſekretär begründet die Anträge. Der Vor=
ſtand
beantragt: 1. § 2 wie folgt zu ändern: Verſichert
ſind Rinder und Fohlen, welche auf einer von der
Landwirtſchaftskammer oder ihren Ausſchüſſen betrie=
enen
Jungvieh= oder Fohlenweide zum Auftrieb ge=
langen
, gegen die während des Weideganges durch Tod
oder Tötung infolge eines Unfalles entſtandenen Ver=
luſte
. 2. Hinter § 20 folgenden neuen Paraaraaken

einzufügen: § 20a: Die unterliegende Partei hat die
Koſten des ſchiedsgerichtlichen Verfahrens zu tragen,
insbeſondere die dem Gegner erwachſenen Koſten zu
erſtatten, ſoweit dieſelben nach freiem Ermeſſen des
Schiedsgerichtes zur zweckentſprechenden Rechtsverfolg=
ung
oder Rechtsverteidigung notwendig waren. Die
Koſtenfeſtſetzung erfolgt in dem Urteil oder durch be=
ſonderen
Beſchluß des Schiedsgerichts. Dasſelbe kann
die Koſten anteilsmäßig verteilen. Nach langer De=
batte
werden die Anträge angenommen.
Es folgen Neuwahlen zum Eiſenbahn=
rat
. Die Dienſtzeit der derzeitigen Mitglieder des
Bezirkseiſenbahnrats erloſch am 31. Dezember 1909.
Das Großh. Miniſterium des Innern erſucht, die Neu=
wahl
von 3 Vertretern nebſt 3 Stellvertretern vorzu=
nehmen
. Der Vorſtand ſchlägt die Wiederwahl der
ſeitherigen 3 Vertreter, nämlich der Herren: 1. Ge=
heimerat
Haas=Darmſtadt, 2. Landtagsabgeordneter
Bähr=Rohrbach, 3. Gutsbeſitzer Stauffer= Wachen=
heim
, und deren Stellvertreter, und zwar der Herren:
1. Oekonomierat Walter=Lengfeld, 2. Landtags=
abgeordneter
Köhler=Langsdorf, 3. Gutsbeſitzer Ja=
kob
Schmitt=Guntersblum vor. Letztgenannter bittet,
von ſeiner Wiederwahl abzuſehen, und ſchlägt dafür
Schätze l=Selzen vor. Dem Vorſchlag wird zuge=
ſtimmt
. Die Gewählten nehmen die Wahl an.
Der letzte Punkt der Tagesordnung betrifft den
Bericht des Vorſtandes über ſeine Anträge zur Ab=
änderung
des Feldſtrafgeſetzes. Hierüber
referiert Mitgl. Krapp.
Nach langer Debatte werden die Vorſchläge des
Vorſtandes angenommen. Damit iſt die Tagesordnung
erledigt. Der Vizepräſident Bähr ſchließt gegen 4
Uhr mit Worten des Dankes die Verſammlung.

Deutſcher Reichstag.

* Berlin, 19. Jan. Auf der Tagesordnung ſteht die
erſte Leſung des
Handelsvertrages mit Bolivien.
Auf eine Anregung des Abg. Südekum (Soz.) er=
klärt

Staatsſekretär Frhr. v. Schön: Die Tätigkeit der
franzöſiſchen Geſetzgebung, die dortigen Zölle weſentlich zu
erhöhen, iſt hier von Anbeginn an ſorgſam beobachtet wor=
den
, um die Aufmerkſamkeit der franzöſiſchen Regierung in
geeigneter Weiſe auf die Nachteile zu lenken, die die zoll=
politiſchen
Maßnahmen Frankreichs auf die Entwickelung
unſerer handelspolitiſchen Beziehungen haben. Es iſt
ſelbſtverſtändlich, daß die verbündeten Regierungen alles
tun werden, was in ihren Kräften ſteht und was irgend
geſchehen kann, um alles zu verhindern, was unſere In=
duſtrie
ſchädigen würde, oder in dem Maße ſchädigen
würde, daß dadurch unſere handelspolitiſchen Beziehungen
weſentlich beeinträchtigt würden. Da Kommiſſionsbera=
tung
nicht beantragt wird, folgt ſofort die zweite Leſung
des Handelsvertrages, der ohne Debatte in zweiter Leſung
angenommen wird.
Es folgt die Interpellation der Freiſinnigen
betreffend die
Anwendung des Reichsvereinsgeſetzes.
Staatsſekretär Dr. Delbrück erklärt ſich zur ſofort
tigen Beantwortung der Interpellation bereit. Abg.
Müller=Meiningen (frſ. Vp.): Der Reichstag hat das
Recht, die Rechtſprechung zu kritiſieren, wenn ſie prinzipiell
und ſyſtematiſch auf einen falſchen Weg geleitet wird.
Das gilt alles für das Reichsvereinsgeſetz, das mit dem
Namen des damaligen Staatsſekretärs, des jetzigen Reichs=
kanzlers
, verknüpft iſt. Er hat ſich damals für eine loyale
Handhabung des Geſetzes verbürgt, ſodaß er jetzt wenig=
ſtens
mit ſeiner auffallenden Parlamentsſcheu hätte brechen
und hier erſcheinen müſſen. Die Schonung für eine ver=
ſtändnisloſe
Bureaukratie iſt vorbei, die in einzelnen Bun=
desſtaaten
merkwürdige Kapriolen machte. Aus Süd=
deutſchland
, Bayern, Württemberg, Heſſen und Thüringen,
wo man zuerſt von dem Geſetz nichts wiſſen wollte, ſind
keine Klagen über die Handhabung desſelben gekommen.
Das beweiſt, daß das Geſetz gut iſt. Aber anderswo wird
es illoyal und unrichtigt ausgelegt. In Preußen und in
Sachſen will die Einſicht nicht wachſen. (Große Heiterkeit.)
Hier beginnt man wieder mit den reaktionären Traditionen.
Wir wollen, daß die Behörden alljährlich Rechenſchaft über
ihre Maßnahmen geben und daß die Reichsregierung über
Mißgriffe hier Aufklärung ſchafft. Der Sprachenparagraph
ſollte ein Schutzdamm ſein gegen die großpolniſche Agi=
tation
. In Kiel wurde aber eine Verſammlung zu Gun=
ſten
des Weltfriedens verboten. Außerdem wurde dem
anweſenden engliſchen Arbeiterdeputierten die Benutzung
der engliſchen Sprache unterſagt. Auch auf die Vergnü=
gungen
politiſcher Vereine wird das Vereinsgeſetz und da=
mit
die Anmeldepflicht ausgedehnt. Die Polizei iſt be=
müht
, das Präventivverbot gegen das Geſetz auf Umwe=
gen
wieder einzuführen. Wir haben die Verpflichtung,
darüber zu wachen, daß das Geſetz in dem vom Reichs=
tage
gewollten Sinne ausgelegt wird. Dafür haftet uns
der Reichskanzler mit ſeiner ganzen Perſönlichkeit. ( Hei=
terkeit
), auch wenn er nicht da iſt, daß nicht eine verſtänd=
nisloſe
Bureankratie das Geſetz entgegen der einheitlichen
und freiheitlichen Rechtsentwickelung auslegt. Wir wer=
den
alljährlich hier Kritik üben in der Ueberzeugung, da=
durch
ſtaatserhaltend zu wirken.
Staatsminiſter Delbrück: Die Reichsregierung
hat ſtets die Ausführung des Vereinsgeſetzes aufmerk=
ſam
beobachtet und bei den beteiligten Bundesſtaaten
durchweg das Beſtreben gefunden, das Geſetz ernſtlich
und ehrlich im Sinne des Geſetzgebers durchzuführen.
Wenn tatſächlich hier und da Mißgriffe bei den Lokal=
behörden
vorgekommen ſind, ſo lag das zum Teil an
dem Geſetze ſelbſt. Dieſes trägt den Charakter aller
Geſetze, die aus Kompromiſſen hervorgegangen ſind
und iſt nicht immer leicht verſtändlich. (Sehr richtig!)
Ich ſelbſt war mir bei einzelnen Beſtimmungen nicht
gleich im Klaren, wie ſie zu verſtehen und anzuwenden
ſind. (Sehr richtig!) In der angekündigten alljährli=
chen
Debatte werde ich gern Auskunft geben. Ich kann
das aber nicht über Vorgänge, von denen ich heute erſt
vernommen habe, und die zum Teil nur auf Zeitungs=
notizen
beruhen. Das Reich hat die Beaufſichtigung.
Die Verantwortung für die Amtshandlungen eines
einzelnen Beamten trägt aber der Reſſortchef des Ein=
zelſtaates
. Dadurch ergeben ſich gewiſſe Stockungen=
Der preußiſche Miniſter des Innern hat in zwei Ers
laſſen das aufrichtige und ehrliche Beſtreben bekundet,
das Geſetz ſo auszuführen, wie es hier verabſchiedet und
gedacht iſt. Nach dem Geſetze liegt die Rechtſprechung.
in den Händen unabhängiger Richter, die nur dem Ge=
ſetz
unterworfen ſind, und gegen deren Entſcheidungen,
wenn ſie falſch ſind, höhere Inſtanzen Remedur ſchaffen
werden. Bei der Kieler Angelegenheit handelte es ſich
nicht um einen internationalen Kongreß, ſondern nur
um eine deutſche Volksverſammlung, zu der man ledig=
lich
einen hier weilenden engliſchen Deputierten ein=
geladen
hatte. Es iſt juriſtiſch unmöglich, einer Landes=
tentralbehörde
vau Beichs wegen vorznſchreiben, inwie=

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 20. Januar 1910.

Nummer 16

weit ſie von der weitherzigen Auslegung des Paragra=
phen
12 des Vereinsgeſetzes Gebrauch zu machen hat.
Eine Beſchwerde iſt bei=dem Miniſter des Innern nicht
erhoben worden. Darüber, oh die Verſammlung uuter
freiem Himmel mit Recht oder zu Unrecht verboten
wurde, ſchwebt das Verwaltungsſtreitverfahren. Der
Fall aus dem Kreiſe Militſch, wo wegen angeblicher
Scharlachepidemiegefahr eine Verſammlung unterſagt
worden iſt, iſt vom Miniſter des Innern dahin erledigt
worden, daß dem Amtsvorſteher eröffnet wurde, ſein
Verhalten ſei nicht korrekt geweſen. (Bravo! auf meh=
reren
Seiten Ledebour ruft: Das iſt keine Remedur;
das nächſte Mal iſt es noch genau ſo. Bewegung.)
Gegen die gewerbliche Schädigung der Gaſtwirte wegen
Hergabe ihrer Räume zu Verſammlungen beſteht ber
uns die größte Abneigung. Berechtigte Beſchwerden
werden wir niemals zurückweiſen. (Sehr gut! rechts.)
In mehreren Fällen ſchwebt noch das Verwaltungs=
ſtreitverfahren
. Sobald eine Entſcheidung der juriſti=
ſchen
Zentralſtelle nachgeſucht wurde, iſt auch Remedur
eingetreten. Das heute vorgebrachte Material werde ich
den Bundesregierungen übermitteln, um Remedur zu
ſchaffen. Die Zentralſtellen der Bundesſtaaten werden
eine Löſung finden, die der Würde eines gut regierten
Staates entſpricht. (Beifall.) Alle, denen daran liegt,
deß das Geſetz ſinngemäß und zweckmäßig ausgelegt
werde, mögen bei Mißgriffen den vorgeſchriebenen In=
ſtanzenweg
gehen. Staatsminiſter Delbrück ſchließt:
Auf dieſe Weiſe werden die Grundſätze für alle zwei=
felsfrei
feſtgelegt werden, nach denen, wie wir alle einig
ſind, dieſes Geſetz anzuwenden iſt. (Lebhaftes Bravo!)
Sächſiſcher Geh. Rat Hallbauer: Die vom Abg.
Müller erwähnten ſächſiſchen Fälle betreffen nur ein=
zelne
Vorkommniſſe, die man nicht verallgemeinern
darf. Sachſen hat aber gleich nach Erſcheinen des Ge=
ſetzes
in einer internen Inſtruktion die Behörden an=
gewieſen
, keineswegs durch einzelne polizeiliche und
Verwaltungsmaßregeln die liberale Tendenz des Ge=
ſetzes
zu beeinträchtigen. Es hat bei jeder Gelegenheit
betont, eine Politik der Nadelſtiche nicht anzuwenden.
Die ſächſiſche Regierung hat ſich zweifellos bemüht, das
Geſetz im Sinne des Geſetzgebers anszuführen. Ich ver=
wahre
ſie ganz entſchieden gegen den Vorwurf, daß ſie
eine verknöcherte, reaktionäre Bureaukratie iſt. (Bravo!)
Auf Antrag des Abg. Dr. Struve (freiſ. Vgg.)
wird die Interpellation beſprochen.
Abg. Dr. Hieber (natl.): Mit den Erklärungen
vom Miniſtertiſche, wobei der ſächſiſche Verkreter aus=
drücklich
von liberaler Handhabung des Geſetzes ſprach,
können wir uns zufrieden geben. Mißgriffe ſind vor=
gekommen
und waren bei dem Beſchreiten einer neuen
freiheitlichen Praxis auch unvermeidlich. Die Verant=
wortung
des Reiches aber iſt doch nicht ſo rein formal,
wie der Staatsſekretär ausführte. Wir müſſen uns
lier auf Einzelfälle für unſere Beſchwerden bernfen.
Wir haben jetzt eine einheitliche Geſetzgebung, hoffent=
lich
wird eine einheitliche Praxis folgen. Eine
Reſolution, wenn ſie nach der Geſchäftsordnung mög=
lich
wäre, würde das beweiſen, indem ſie faſt einſtim=
mig
angenommen werden würde. Bei uns im Süden
hat man kein Verſtändnis für derartige polizeiliche
Maßnahmen. Bei uns iſt man ſehr damit einverſtan=
den
, daß das bisherige Gewohnheitsrecht zum verbürg=
ten
Rechte geworden iſt. Von der oberſten Zentral=
ſtelle
ſollten klare öffentliche Anweiſungen erlaſſen
werden, wie das Geſetz auszulegen iſt. Das Geſetz ſoll
nach den Erklärungen des damaligen Staatsſekretärs
ron Bethmann Hollweg nicht kleinlich ausgelegt werden.
Wir haben das Vertrauen zu dem jetzigen Staatsſekre=
tär
, daß er dieſe Erklärung zur Verwirklichung bringen
wird. Abg. Gans Edler Herr zu Putlitz
(konſ.): Meine Partei iſt der Anſicht, daß der Reichstag
darüber zu wachen hat, daß die Beſtimmungen des Ge=
ſetzes
voll innegehalten werden. Abg. Brey (Soz.):
Mit der Zuſage einer loyalen Handhabung können wir
uns nicht begnügen. Das Verſammlungsrecht der Ar=
beiter
wird durch adminiſtrative Eingriffe der Amts=
vorſteher
vielfach illuſoriſch. Die Auflöſung der Ju=
gendorganiſationen
iſt ein Beweis.
Abg. Gröber
(Zentr.): Die Beſchwerden über das Vereinsgeſetz kom=
men
alle aus Norddeutſchland. Im Süden liegen in
der Praxis keine Mißſtände vor. Die Biſchöfe haben
die Pflicht, auch über den religiöſen Charakter der Ver=
eine
zu wachen, denen die Katholiken beitreten. Der
Sprachen=Paragraph iſt beim Breslauer Katholikentag
mißbräuchlich angewendet worden. Man ſollte ſich be=
gnügen
, die Ausnahmebeſtimmungen zu entfernen.
Abg. Stychel (Pole): Wir haben am meiſten Grund,
zu klagen. Man verlangt von uns Achtung vor dem
Geſetz; allein dann muß die Behörde, namentlich die
untere, es zuerſt achten. (Vizepräſident Spahn er=
ſucht
den Redner, bei ſeinen weiteren Ausführungen
über die Behandlung der polniſchen Bevölkerung wie=
derholt
, zur Sache zu ſprechen.) Man benützt den Spra=
chen
=Paragraphen, fährt Redner fort, um in die polni=
ſchen
Vereine einzudringen. Von weitherziger Aus=
legung
des Geſetzes iſt in unſerer Gegend nicht viel zu
ſpüren, am wenigſten im Kreiſe Ratibor. Abg.
Graef=Weimar (wirtſch. Vgg.): Nach unſerer Mein=
ung
geht der Sprachen=Paragraph noch lange nicht weit
Lenug.
Nach weiteren unweſentlichen Ausführungen der
Abgg. Hanſen (Däne) und Mugdan (freiſ. Vpt.)
ſchlägt der Vizepräſident Vertagung vor und er=
bittet
und erhält die Ermächtigung, dem Präſidenten
der türkiſchen Deputiertenkammer Beileid
wegen des Brandes des Parlamentsgebäudes auszu=
ſprechen
. Für die Tagesordnung der morgigen Sitz=
ung
ſchlägt der Vizepräſident vor: Dritte Leſung des
Handelsvertrages mit Bolivien, zweite Leſung des
Inſtizetats und des Etats der Reichseiſenbahnen.
Abg. Singer (Soz.) beantragt, auch die Fortſetz=
ung
der abgebrochenen Debatte auf die Tagesordnung
zu ſetzen. Vor der Abſtimmung über dieſen Antrag
bezweifelt Abg. Gröber (Ztr.) die Beſchluß=
fähigkeit
. (Große Bewegung.) Das Präſidium
ſchließt ſich dem an; die Verhandlungen müſſen abge=
brochen
werden. Es bleibt bei der Tagesordnung.
Nächſte Sitzung Donnerstag 1 Uhr. Schluß nach ½8
Uhr.

* Berlin, 19. Jan. Die Budgetkommiſſion
des Reichstages ſetzte die Beratung der Nachtrags=
forderungen
für Südweſtafrika fort. Staatsſekretär
Dernburg empfahl, den Vertrag betr. die Uebernahme
der Otavibahn auf zehn Jahre abzuſchließen. Der Lan=
desrat
ſolle in lokalen Angelegenheiten, namentlich betr.
der Traſſe der Nord=Südbahn gehört werden. Nähere
Erkundungen hätten ergeben, daß der Caprivizipfel von
einer friedliebenden Bevölkerung bewohnt wird. Die Ein=
nahmen
und ſortdauernden Ausgaben des ordentlichen
Etats wurden bewilligt.
* Berlin, 19. Jan. Die Budgetkommiſſion
des Reichstages nahm auch die einmaligen Ausga=
ben
des Nachtrags für Südweſtafrika an; damit die erſte

Rate von 3,5 Millionen zum Umbau der Bahnſtrecke
Karibib-Windhuk und zum Bau der Nord=Südbahn.

Hochwaſſer.

* Stuttgart, 19. Jan. Aus verſchiedenen Gegen=
den
des Landes wird Hochwaſſer gemeldet. Der
Neckar hat bei Horb die Ufer übertreten, das Dorf Müh=
len
überſchwemmt und großen Schaden angerichtet. Auch
bei Cannſtatt iſt der Neckar an niederen Stellen über die
Ufer getreten.
* Plochingen, 19. Jan. Der Neckar iſt vergan=
gene
Nacht ſo rapid geſtiegen, daß er an verſchiedenen Stel=
len
über ſeine Ufer getreten iſt. Ein weiteres
Steigen und ein allgemeiner Uebertritt über ſeine Ufer
ſteht zu erwarten.
Tübingen, 19. Jan. Der Neckar iſt infolge
des heftigen Regens ſtark geſtiegen und bereits über die
Ufer getreten.
* Trier, 19. Jan. Die Moſel ſteigt rapid. Seit
geſtern iſt ſie um nahezu 1 Meter geſtiegen. Der Pegel=
ſtand
beträgt 3,35 Meter. Der Fährbetrieb iſt wegen Hoch=
waſſers
eingeſtellt.
Mannheim, 19. Jan. Vom Schwarzwald und
Oberrhein wird ſtarkes Anſchwellen der Flüſſe
gemeldet.
* Oberndorf, 19. Jan. Durch die Niederſchläge
der letzten Tage, mehr aber noch durch die ſtarken Regen=
güſſe
der vergangenen Nacht, führt der Neckar Hoch=
waſſer
und iſt in einer ſolchen Ausdehnung über die
Ufer getreten, wie ſeit langer Zeit nicht mehr. Das
ganze Neckartal bildet einen einzigen Sce. Alt=
Oberndorf iſt von den Ortſchaften rechts des Neckars abge=
ſchnitten
und muß der Verkehr durch einen Notſteg aufrecht
erhalten werden. Auch der ſonſt ſtets trocken liegende ſog.
Waſſerfall in der Schrambergerſtraße ſendet ſtarke Waſſer=
maſſen
zu Tal.
Aus Horb wird gemeldet, daß das Dorf Yſenburg
und das Gut Edelſtal von jedem Verkehr abgeſchnitten ſind,
ebenſo iſt das Dorf Mühlen überſchwemmt.
Innsbruck, 19. Jan. Seit zwei Tagen herrſcht
hier ſtarkes Tauwetter. In der Nacht gingen heftige Re=
genſchauer
nieder. Es beſteht eine Ueberſchwemmungs=
und Lawinengefahr.

Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)

Zur heſſiſchen Finanzlage.
In Nr. 14 der Beilage zur Darmſtädter Zeitung iſt
ein Artikel über die Erſparniſſe im Staatshaushalt er=
ſchienen
, in dem es heißt: Die Aufhebung der zurzeit be=
ſtehenden
375 Untererhebſtellen und Errichtung 24 neuer
Bezirkskaſſeſtellen würde vielleicht eine Erſparnis von
25773 Mark bringen. Dies dürfte m. E. nicht zutreffend
ſein. Mit der Aufhebung der Untererhebſtellen dürfte noch
eine weitere Erſparnis zu erzielen ſein, da mit der Auf=
hebung
der Untererhebſtellen auch die Kontrollbeamten=
ſtellen
aufgehoben werden könnten. Durch die Aufhebung
der Kontrollbeamtenſtellen würde der Staat an Gehalten,
Wohnungsgeld, Reiſekoſten, Diäten, Formularverbrauch
der Kontrollbeamte ebenfalls mindeſtens 20000. Mark
ſparen. Eine Ueberwachung der Bezirkskaſſen durch Kon=
trollbeamten
erſcheint infolge der Kontrolle durch Großh.
Hauptſtaatskaſſe überflüſſig, und es könnten, falls es erfor=
derlich
ſein ſollte, dieſe Kaſſen durch Großh. Miniſterium,
ohne daß dadurch dort eine Beamtenvermehrung nötig=
wird
, revidiert werden, wie dies ja auch bezüglich der
Dienſtführung bei den Großh. Finanzämtern der Fall iſt.
Für den Staat dürfte ebenfalls der Grundſatz maßgebend
ſein: Viele Wenige geben ein Viel.
P.

Die engliſchen Wahlen.

H. B. London, 19. Jan. Die genauen Er=
gelniſſe
des dritten Wahltages ſtellen ſich
wie folgt: Es wurden bis geſtern mittag gewählt: 28
Unioniſten, 20 Liberale, 15 Arbeiterpartei, 15 Nationa=
liſten
. Nen gewonnen haben am dritten Tage die Unio=
niſten
13, die Liberalen einen Sitz. Das Geſamt=
ergebnis
aller drei Tage iſt: 120 Unioniſten, 99 Li=
berale
, 28 Nationaliſten, 19 Arbeiterpartei, zuſam=
men
266. Zu wählen bleiben noch 404 Ab=
geordnete
. In den bisherigen drei Wahltagen ge=
wannen
die Unioniſten zuſammen 42 Sitze. Das Par=
tei
=Verhältnis ſtellt ſich wie folgt: Miniſterielle
Seite 146, Oppoſition 120 Sitze.
Der wiedergewählte Arbeitsminiſter Burns hielt
eine Rede, in welcher er ſich über die Angriffe der So=
zialiſten
bitter beklagte. Er fügte hinzu, daß er ohne
dieſe Angriffe zwei= bis dreimal mehr Stimmen er=
halten
haben würde, als er geſtern erlangt habe. Ueber
1000 Sozialiſten hatten geſtern gegen ihn geſtimmt.

Brand des türkiſchen Parlamentsgebäudes.

* Konſtantinopel, 19. Jan. In dem als Par=
lamentsgebäude
dienenden Tſchiragan=Palaſte iſt
um 11½ Uhr Großfeuer ausgebrochen.
* Konſtantinopel, 19. Jan., 12 Uhr 45 Min. Die
geſamte Einrichtung des Tſchiragan=Palaſtes
ſcheint völlig verloren zu ſein. Die Feuerwehr
iſt machtlos. Militär iſt zur Hilfeleiſtung requiriert. Men=
ſchenleben
ſind ſoweit bekannt nicht zu beklagen. Ei=
nige
Perſonen ſind bei den Rettungsarbeiten zu Schaden
gekommen.
1 Uhr nachmittags. Der Brand im Tſchiragan=Palaſte
iſt auf die Exploſion eines Heizapparates in den Räu=
men
des Senates zurückzuführen. Infolge des heftigen
Windes griffen die Flammen raſch um ſich und breiteten
ſich auf das ganze Gebäude aus. Die Sitzungsſäle der
Kammer und des Senats, ſowie der Thronſaal ſind voll=
ſtändig
vernichtet. Drei Elektrizitätsarbeiter wurden
verletzt. Die Feuerwehr iſt ununterbrochen auf dem
Brandplatze tätig.
* Konſtantinopel, 19. Jan. 2,40 Uhr, nachmit=
tags
. Das Feuer des Tſchiraganpalaſtes wütet unge=
ſchwächt
fort. Infolge des ſtarken Südwindes erſcheint
das in der Nähe des Palaſtes gelegene Stadtviertel Be=
ſchiktaſch
, das faſt ausſchließlich aus Holzhäuſern beſteht,
gefährdet. Der Großweſir, der Kriegsminiſter und die an=
deren
Miniſter, ſowie der Präſident der Kammer ſind auf
der Brandſtätte anweſend, deren Umgebung eine ungeheure
Volksmenge anfüllt. Kavallerie hält die Abſperrung auf=
recht
. Die Löſcharbeiten werden vom Bosporus her
durch mehrere Löſchſchiffe unterſtützt.
* Konſtäntinopel, 19. Jan. Zur Zeit des
Feuersausbruches im Tſchiraganpalaſt war keine
Plenarſitzung, doch war eine Anzahl=Abgeordneter
zu Kommiſſiönen verſammelt.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Gelſenkirchen, 19. Jan., 12,20 Uhr. Bisher läßt ſich
noch nicht vorausſagen, wann man zu den verſchütte=
ten
Bergleuten gelangen kann. Es iſt noch nicht ge=
lungen
, die nördliche Schachtwand zu befeſtigen, da die
eingebauten Verſtrebungen wieder gebrochen ſind. Die
Reparaturarbeiten ſind bei der Unruhe des Schachtes ſehr
geführlich. Die eigentlichen Aufräumungsarbeiten können
erſt beginnen, wenn die Sicherung des Schachtſtoßes er=
folgt
iſt. Die Aufräumungsarbeiten erfolgen unter der
Leitung der königlichen Behörde in Wattenſcheid.
* Stavanger, 19. Jan. Bei dem Brande einer
Meierei auf Jaederen wurden durch den Einſturz eines
Schornſteins, der den Giebel mitriß, zwei Perſonen getötet
und ſechs ſchwer verletzt.
* Los Angelos, 18. Jan. Der Av iat i ker
Paulhan führte einen Ueberlandflug von 45 Meilen
aus. Er ſtartete mit dem Winde und kehrte gegen den
Wind an den Start zurück.
* Konſtantinopel, 18. Jan. Zu Ehren des General=
Oberſten Freiherrn von der Goltz fand geſtern in
der Kriegsſchule ein Feſteſſen ſtatt, an dem die ge=
ſamte
türkiſche Generalität teilnahm. Kriegsminiſter
Schewket Paſcha feierte die Verdienſte von der Goltz’
um die Reformierung der türkiſchen Armee und hob die
tiefen Sympathien hervor, die der General in allen
Kreiſen der Armee genießt. Er drückte ſein Bedauern
über die bevorſtehende Abreiſe aus. Die Kriegsſchüler
überreichten ein ſilbernes Tintenfaß.
* Tiflis, 19. Jan. Bei dem Straßenbahnun=
glück
wurden, wie jetzt feſtgeſtellt worden iſt, 27 Per=
ſonen
ſchwer verletzt; getötet wurde eine Perſon, nicht
ſieben, wie zuerſt gemeldet.

H. B. Paris, 19. Jan. Geſtern abend 7 Uhr erfolgte,
als ein Zug der Metropolitan=Bahn in den Bahnhof
Börſe einfuhr, eine Motor=Exploſion. Unter
den Fahrgäſten entſtand eine Panik und alles drängte
nach dem Ausgange. 6 Perſonen wurden dabei mehr
eder weniger verletzt. Der Verkehr wurde nicht unter=
brochen
.
H. B. Brüſſel, 19. Jan. Der Gazette zufolge wird
ſich die Prinzeſſin Clementine von Bel=
gien
nach Ablauf der Hoftrauer mit dem Prinzen
Viktor Napoleon verheiraten. König Leopold war be=
kanntlich
zu Lebzeiten mit dieſer Heirat nicht einver=
ſtanden
, und zwar aus politiſchen Gründen.
Prinzeſſin Klementine iſt die jüngſte Tochter des
verſtorbenen Königs Leopold II. und im Jahre 1872
geboren, alſo jetzt 37 Jahre alt. Prinz Viktor Bona=
parte
, der in Brüſſel wohnt, iſt der Chef der jüngeren
ſebenbürtigen), zum ehemaligen Kaiſerlichen Hauſe von
Frankreich gehörenden Linie und führt den Titel Kai=
ſerliche
Hoheit. Er iſt im Jahre 1862 geboren, alſo jetzt
17 Jahre alt.

Kinder-
mehl

Hervorragend bewährie
Nahrung.
Die Kinder gedeihen
vorzüglich dabei
u. leiden nicht en
Verdauungsstörung.

Kath. Raab
vormals
ALICE-BAZAR
Billige Bezugsquelle für
solide Braut- und Baby-
Wäsche-Ausstattungen.

(55a

Todes-Anzeige.
Heute Nacht ½1 Uhr verſchied ſanft mein
lieber Gatte, unſer treubeſorgter innigſtgeliebter
Vater, Schwager und Onkel
(1849
Herr
Michael Eckardt
Bierbrauer
nach kurzem, ſchwerem, mit großer Geduld er=
tragenen
Leiden im 55. Lebensjahre.
Um ſtille Teilnahme bitten
die trauernden Hinterbliebenen:
Adelheid Eckardt, geb. May,
nebſt Sohn.
Darmſtadt, 19. Januar 1910.
Die Beerdigung findet Freitag, den 21. Januar,
vormittags ½12 Uhr, vom Portale des Fried=
hofes
aus, ſtatt.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil: J. Kroſt, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen, nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt. hert e

[ ][  ][ ]

Nummer 16.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 20. Januar 1910.

Seite 7.

Für die überaus zahlreichen Be-
weise
herzlicher Anteilnahme beim
Hinscheiden unseres unvergesslichen
Herrn Samuel Strauß
Sprechen wir nur auf diesem Wege
unseren tiefgefühlten Dank aus.
Darmstadt, Januar 1910.
Die trauernden Hinterbliebenen.
(1801

Tageskalender.

Großh. Hoftheater, Anfang 7 Uhr: Mignon.
Vorſtellung um 8 Uhr im Orpheum.
Kunſtabend (Vorführung von Photographien in natür=
lichen
Farben) um 8¼ Uhr im Saalbau.
Generalverſammlung des Fechtvereins Waiſen=
ſchutz
um 8½ Uhr im Heſſiſchen Hof.
Konzert um 8 Uhr im Hotel Heß.
Konzert um 8 Uhr im Schützenhof.
Konzert um 8 Uhr im Bürgerkeller.
1. Darmſtädter Kinematograph (Ecke Rhein= und
Grafenſtraße): Vorſtellungen von 4½ 11 Uhr.
Olympia=Kinematograph Ernſt=Ludwigſtr. 23.
Kaiſerpanorama Luiſenplatz 1 (von Trieſt nach Athen
und Klein=Aſien).

Verſteigernugskalender.
Freitag, 21. Januar.

Brennholz=Verſteigerung um 9 Uhr im Darm=
ſtädter
Hof zu Griesheim.
Stamm= u. Nutzholz=Verſteigerung um 9½ Uhr
im Eberſtädter Gemeindewald; Zuſammenkunft auf
dem Griesheimerweg am Eingang des Waldes.

Auskunſt= und Rechtsſchutzſtelke für Frauen
und Mädchen unentgeltlich. Sprechſtunden Montag
und Donnerstag von 35 Uhr im alten Hoftheater
(Eingang Hochſchulſtraße).

Gottesdienſt bei der israelitiſchen Religionsgemeinde.

Hauptſynagoge (Friedrichſtraße 2).
Freitag, den 21. Januar 1910.
Vorabendgottesdienſt 4 Uhr 30 Min.
Samstag, den 22. Januar 1910.
Morgengottesdienſt 8 Uhr 45 Min. Sabbatausgang
5 Uhr 55 Min.

Gottesdienſt in der Synagoge der israelitiſchen Beligtonss.
geſellſchaft.
Samstag, den 22. Januar 1910.
Vorabend 4 Uhr 35 Min. Morgens 8 Uhr Min.
Nachmittags 4 Uhr Min. Sabbatausgang 5 Uhr
55 Min.
Wochengottesdienſt von Sonntag, den 23. Januar,
an: Morgens 7 Uhr Min. Nachmittags 4 Uhr 45 Min.

Grobse

Freisermabbläuns I-Ausverkus
50
Grosse Posten WInter-Paletots regulärer Verkaufswert Mk. 9.50 bis Mk. 125. . . . . . .. . . e . jetzt Mk. 70. bis Mk. 2

50
. . jetzt Mk. 65. bis Mk.
Grosse Posten Jacken-Kleider regulärer Verkaufswert Mk. 20. bis Mk. 120.. . . . . .
(1840
Die ermässigten Preise sind neben den seitherigen mit Blaustift verzeichnet.

Mitglied des Rabatt-Sparvereins.

Mikolaus Lerch

Telephon 1056.

Herr
ſucht franzöſiſche Konverſationsſtunde, mög=
lichſt
bei junger Franzöſin. Gewandtes
Sprechen Vorbedingung. Offerten unter
E 18 an die Expedition d. Bl. (1712md
Erfolgreiche, gründliche Nachhilfe in
Franzöſiſch, Engliſch, Latein erteilt
Sprachlehrerin. Vorzügliche Empfehlungen.
Stundenpreis 50 Pfg.
(*1490dif
Eliſabethenſtraße 44.

Unterricht
in der französischen Sprache geſucht.
Off. unter E 47 an die Exp. d. Bl. (*1448

erfahren ſ. all.
Geprüſte Engländerin, Zweigen des
Unterr. i. d. engl. Sprache (Privat u. Klaſſen)
ſucht Schüler.
(1557a
Adr.: Mrs. Green, Moſerſtraße 5.

(Mie
wünſcht engliſchen
Eine Engländerin Unterricht z. erteilen
Wilhelminenplatz 10, I.
(1413a

zum Oberreal=Ma=
Vorbereitung turum geſucht. Off.
unter E 46 an die Exp. ds. Bl.
(*1461

Weſten Gefangsunterricht von Dame
und Herrn geſucht. Off. unter F 45
an die Exped. ds. Bl.
(*1460
wünſchen Unterricht
Zwei Studenten in italieniſcher
Sprache. Offerten unter E 66 an die
Expedition.
(*1489

Gründlicher Unterricht
im Kleidermachen und Zuſchneiden erteilt
E. Greb, vormals Frau Lieſer geb. Lind
Ernſt=Ludwigsſtr. 15, im Hanse Henkel. (24339a

in der Kochschule
von Frau Auguſte Klein, Wienersſtr. 51,
2. Stock, können wieder einige junge
Damen eintreten. Daſelbſt auch Eſſen
über die Straße.
(789a

Kochschule
Fräulein J. Friedrich.
Anmeldungen nehme jederzeit entgegen
613a)
Frankfurterſtraße 74, 1. St.

Verheirakete Dame
wünſcht Nachhilfe im Klavierſpiel von
einer perfekten Klavierlehrerin.
Offerten mit Preisangabe unter E 62
an die Expedition dieſes Blattes. (*1505ds
Klavierlehrerin
erfahren und gewiſſenhaft im Unterricht,
wünſcht noch 2 bis 3 brave Schüler. Stunden=
preis
75 Pfg. Näh. Expedition. (*1018sid

I. Darmstädter
Leir Buger-Anstalt
Mühlſtraße 5, 2. Etage
erteilt Unterricht im
Stärken u. Glanzbügeln
nach leichter und beſter Methode.
Unterricht nur nachmittags.
*1189).
Honorar mässig.

Emil
Klavierstimmer schultze.
Kammermusiker. Roßdörferſtr. 79, pt. (250a
Nußbaummöbel
Waſchtiſche, Kommode m. Spiegelaufſatz,
Nachttiſche ꝛc. verk. Landskronstr. 51, pt. (B1837

Srahmalſtunst= Ausstelung
im Gewerbemuſeum, Neckarſtraße,
von Bildhauer Wilh. Götze
Vertreter der Wiesbadener Geſellſchaft für Grabmalkunſt in Mainz
und Darmſtadt.
Geöffnet Sonntag, den 16. Januar, bis 9. Februar, unentgeltlich jeden Tag
(1345dd
von 11 bis 1 Uhr.

Kaiſer=VRRc.n
anorama.
1 LuiſenplatzLuiſenplatz 1.
Von Triest nach (1572od
Athen und Klein-Asien.

Verein für die Kleinſäinderſchule, Manerſraße.
Mitglieder=Versammlung
Dienstag, den 25. Januar 1910, abends 6 Uhr,
im oberen Rathaussaale.
Tagesordnung: Rechnungsvorlage und Berichterſtattung.
(1826
Wahl des Vorſtandes.
Der Vorstand der Kleinkinderschule.

Anlstands- unld Tanz-mstitut.
An einem neuen Privat-Kursus
kann noch teilgenommen werden. Anmeldungen jederzeit.
H. Volkert, Lehrer der Tanzknnſt,
52 Eliſabethenſtraße 52.
Privatstunden jederzeit.

(in.

Wwühneraugen- u. Nageloperationen
in ſorgtältigſter Ausführung.
Fr. Hartmann, appr. Heilgehilfe,
Grafenſtraße 20, Telefon 276.
(Nebenſtelle).
(723a

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Karlſtraße 27.
(1848) Telephon 478.

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unter E 69 an die Expedition ds. Bl. (1838

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Ein ſ. ſchöner Mantel u. Sakko=Anzug
ſof. z. verk. Zu beſ. v. 11581
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89 Uhr abends Karlſtr. 66, III. (*1532df

aut erhaltenen, gebrauchten, modernen
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1810dfs) Knapp, Lehrer, Mörlenbach i. O.

Peſſere Herren können einen gut bürgerl.
Dyittagstisch mit Kaffee von 70 Pfg.
an erhalten Luiſenſtraße 14, II. (*1529

Restauration zum Gutenberg.
Ein neu hergerichtetes ſeparates Vereins=
Zimmer zu vergeben.
(*1536dsi
Heirats=Geſuch!
Fräulein, ſtattliche Erſcheinung, 27 Jahre,
häuslich erzogen, ev. mit über 3000 Mk.
Vermögen, wünſcht, da es ihr an Herren=
bekanntſchaft
fehlt, mit einem gut ſituiertem
Herrn auf dieſem Wege bekannt zu werden
behufs ſpäterer Heirat. An. zweckl. Diskr.
Ehrenſ. Offerten unter E 54 an die
Expedition dieſes Blattes.
(*1470dsm

2
180

34

Bitte um nähere Adreſſe, war leider ver=
hindert
. 3. 50 hauptpoſtlagernd. (B1836

Eitttänſen
Hund, Kreuzung zw. d. Dogge u. d. Schäfer=
hund
, auf Sulkant hörend. Wiederbringer
gute Belohnung. P. Walter, Gärtnerei,
alter Arheilger Weg.
(*1321md

Diejenige Person
welche am Samstag an der Handgepäck=
annahme
(M.=R.=Bahn) die beiden Gepäck=
ſtücke
auf Schein 583 unrechtmäßigerweiſe
abgeholt, wird erſucht, dieſe ſofort wieder
daſelbſt abzugeben, andernfalls Anzeige er=
ſtattet
wird, da Empfänger erkannt. (*1497

a (Nr. 215 und
Zwei Sperrsitze 216) für den
Reſt der Spielzeit (vierte Rate) abzugeben.
Näheres Expedition ds. Blattes. (1280imd
Mka
11
4 rneater-Abonnement A
Sperrſitz 132, rechts, für den Reſt der
Spielſaiſon trauerhalber abzugeben. (1800
Näh. Mathildenplatz 9, 1. Stock.

2
57

Steusgrapſtaneſerein
Stolze-Schrey
gegründet 1888.
Freitag, 21. Januar,
abends 8½ Uhr
im Palais-Restanrant
Hügelstrasse 35, I.
ades Mitgliedes Herrn Hans
Vortrag Derlien üb. Reiseerlebnisse
Vam ewigen Eis bis zu den Tropen‟.
1824) Gäste sind willkommen.

§ Anfang 8½ Vhr 5 9


Mrnzon

Heutel Donnerst.

5. Gastspiel:

M
Klane
de
SauuR

Etoile de Paris.
1! Nur kurze Zeit !!

Ferner das vornehme
Gr. NEUE Programm.
Der Clon der Saison
Dum. Parkett bei Mern Auge de
Waal und 6. Gerber Rheinstrasse,
sowie an der Kasse.
Platz-Bestellungen können nur auf num. Plätze
ungenommen werden.

Preise wierewähnlich!

Großherzogliches Hoftheater.
Donnerstag, den 20. Januar 1910.
101. Abonnements=Vorſtellung.
Abonnement C 26.
Mignon.
Oper in 3 Akten von Thomas.
Muſikal. Leitung: Kapellmeiſter Kittel.
Szeniſche Leitung: Oberregiſſeur Valdek.
Perſonen:
Wilhelm Meiſter
. . Hr. H. Hacker
Lothario
. . . . . . Hr. Dramſch
Laertes . . . . . . . . Hr. Schwarze
. . . Hr. de Leeuwe
Friedrich . . . .
Jarno . . . . . . . . Hr. Ungibauer
Antonio . . . . . . . . Hr. Jungmann
Mignon . . . . . . . . Frl. Zeiller
Philine
. . . . . Frl. Suchanek
Ein Souffleur . . . . . Hr. Klotz
Ein Diener
. Hr. Feder
Akt 1. Zigeunertanz, ausgeführt von den
Damen Wagatzky und Croneberg, ſowie
12 Damen des Corps de Ballet.
Nach dem 1. und 2. Akte findet je eine
längere Pauſe ſtatt.
Preiſe der Plätze:
(Kleine Preiſe)
Proſzeniumsloge 5 Mk., Fremdenloge 5 Mk.,
Balkonloge 4.50 Mk., 1. Rang 4 Mk., 2. Rang
(1. bis 6. Reihe) 2. Mk., (7. und 8. Reihe,
1.60 Mk Sperrſitz (1. bis 13. Reihe) 3.50 Mk.)
(14. bis 20. Reihe) 3. Mk., Parterre (1. bis
(5. Reihe) 2.20 Mk. (6. bis 8. Reihe) 1.80 Mk.
Galerie 1. Mk., 2. Galerie 50 Pfg.
Anfang 7 Uhr. Ende nach 10 Uhr.
Kartenverkauf von 11 bis 1 Uhr und von
6 Uhr an.
Die Hoftheater=Hauptkaſſe iſt für den
Verkehr mit dem Abonnenten=Publikum an
allen Wochentagen, vormittags von 10 bis
12½ Uhr, geöffnet.
Vorverkauf
von 11 bis 1 Uhr für die Vorſtellungen:
Freitag, 21. Jan. 102. Ab.=Vorſt. D 26.
Zur Vorfeier von Leſſing’s Geburtstag
(22. Jan. 1729). Neu einſtudiert: Minna
von Barnhelm. Kleine Preiſe. An=
fang
7 Uhr.
Sonntag, 23. Jan. Außer Abonnement.
Erſtes Gaſtſpiel der K. u. K. Oeſterr.
Kammerſängerin Edith Walker und des
Königl. Kammerſängers Oskar Bolz vom
Hoftheater in Stuttgart. Die Wal=
küre
. Siegmund . . Hr. Bolz. Brünn=
hilde
. . Frl. Walker. Große Preiſe. An=
fang
6 Uhr. (Vergl. beſondere Anzeige.)
Montag, 24. Jan. 103. Ab.=Vorſt. B 26.,
Die Maibraut. Große Preiſe. An=
fang
7 Uhr.

Aus dem Spielplan.
Dienstag, 25. Jan. Außer Abonnement.
Zweites Gaſtſpiel der K. und K. Oeſterr.
Kammerſängerin Edith Walter und des
Königl. Kammerſängers Oskar Bolz vom
Hoftheater in Stuttaart. Tannhäuſer
Tannhäuſer . . Hr. Bolz. Eliſabeth . . Frl.
Walker. Große Preiſe. Anfang 6½ Uhr,
(Vergl. beſondere Anzeige.)

[ ][  ][ ]

Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 20. Januar 1916

Nummer

PORZELLAN

(weiss)
Handleuchter . . . . . . .. . . . . . . . . . 15 Pf-
Saucieren, gerippt . . . . . . . . . . . . . 45 Pf.
Saucieren, Feston, gross . . . . . . . . . . 60 Pf.
Tassen mit Untertassen, Moccaform . . . 10 Pf.
Butterdosen m. Deckel . . . . . . . . . . . 20 Pf.
Kinderbecher, diverse Formen . . . . . . 10 Pf.
Menagen, dreiteilig . . . . . . . . . . . . . 25 Pf.
Teetassen, ganz dünn, Schalenform mit
Untertassen . . . . . . . . . . . . . . . . 20 Pf.
6 Stück Kaffeetassen mit Untertassen,
½ stark, zusammen . . . . . . . . . . .100 Pf.
Kaffeekannen m. Patentdeckel, für ½ Port. 25 Pf.
Beilagschalen, massiv .
. . . . . . . 18 Pf.
Gemüseschüsseln, rund, 23 cm Durchm. 25 Pf.
Fleischplatten, massiv, 50 cm Durchm. 200Pf.
Eierpfannen, rund u. oval . . . . . . . . . 18 Pf.
6 Stück Milchkannen, bauchige Form,
sehr gross ..
. . . . . . . . .175 Pf.

Der angekündigte

Ausver
ut
1

nimmt

*2

GLAs

3teilige Menagen . . . . . . . . . . .
Salzstreuer mit Metallverschluss . .
Bierkannen . . . . . .
Sturzflaschen mit Glas . . . . . . . .
Salz- und Pfeffermenagen, doppelt.
Bierbecher mit Goldbuchstaben . . .
Bierbecher mit Goldrand . . . . . . .
Butterdosen, Weinlaubmuster . . .

5 Pf.
7 Pf.
35 Pf.
12 Pf.
5 Pf.
20 Pf.
. 7 Pf.
20 Pf.



renau
den 21. Januarck.
seinen Anfang.

bie amoneierten Ariiel steſten nur
einen Auszug aus einzelnen Lägern dar,
der Reichhaltigkeit wegen können alle
Artikel hier nicht aufgeführt werden.

PORZELLAN

(dekoriert)
Tassen mit Untertassen, Goldrand . . . . 15 Pf.
Tassen mit Untertassen, dekoriert . . . . 14 Pf.
Tassen mit Untertassen, dünn, fein dekor. 25 Pf.
Teetassen m. Untertass., dünn, fein dekor. 25 Pf.
Dessertteller mit Goldrand . . . . . . . . 25 Pf.
Tassen mit Untertassen, dick m. Randdek. 30 Pf.
Speiseteller mit Randdek. . . . ..
3. . . .. 35 Pf.
Beilagschalen, Randdek. . . . . . . 30, 24, 17 Pf.
Gemüseschüsseln, rund, a. Fuss, m. Randdek. 25 Pf.
Obstschalen, auf Fuss, mit Randdekor. 75, 45 Pf
Kuchenteller mit Goldfiletrand . . . . . . 40 Pf.
Tassen mit Untertassen, dekor. u. Schrift 25 Pf.
Frühstücksservice, dekoriert, 5teilig .
95 Pf.
Teekannen, grün . . . . . . . . . . 75, 65, 45 Pf.
Teetassen mit Untertassen, grün 25, 20, 15, 10 Pf.
Handleuchter, dekoriert . . . . . . . . . . 25 Pf.
1000 Stück einzelne Untertassen, blau . . 3 Pf.
Milchkannen, Satz, 6 Stück . . . . . . . . . . 95 Pf.
Kuchenteller, dek. . . . . . . . . j. .2. J. . 20 Pf.

GLAS

STEINGUT
Wasch-Garnituren, dekoriert, 4 Teile . . . 95 Pf.
Waschbüttchen, weiss, mit 2 Henkel . . . 40 Pf.
Suppenschüsseln, weiss, mit 2 Henkel . . 35 Pf.
Gemüseschüsseln, weiss, mit Flachrand . 20 Pf.
Splatschalen, Zwiebelmuster, Satz 6 Stück 125 Pf.
Maſolika-Blumentöpfe .
.25 Pf.

Man vergleiche:
Preise, Qualität

und

Ausführung.

Einzelne Salz- u. Mehlfässer . . . 75 Pf.
sonstiger Preis bis 2 Mk.

Feldflaschen mit Verschluss . . . .
. 9 Pf.
Fischgläser, 2 Liter . . . . . . . . . . . . . 18 Pf.
Teegläser, mit Borde . . . . . . . . . . . . 14 Pf.
Bierservice, 7teilig, glatt . . . . . . . . . . 90 Pf.
Bierservice, 7teilig, Golddek. . . . . . . .165 Pf.
Rahmgiesser . . . . . . . . . . . . . . . . 25 Pf.
6 Stück Schüsseln, Grösse 16 . . . . . .100 Pf.
6 Stück Weinrömer . . . . . . . . . . . . .100 Pf.
STEINGUT
Salatschalen, bunt, Satz 4 Stück . . . .. . 50 Pf.
Salatschalen, weiss, Satz 4 Stück . . . . . 45 Pf.
Salatschalen, bunt und weiss, Satz 3 Stück 18 Pf.
Teller, Zwiebelmuster . . . . . . . . . . . 12 Pf
Dessertteller, Zwiebelmuster . . . . . . . . 10 Pf.
Einzelne Waschkannen, bunt und weiss . . 65 Pf.
Einzelne Tonnen, mit Schrift . . . . Stück 15 Pf.

Um die grossen Bestände meines Reserve-Lagers in
* Porzellan x Glas & Steingut * Nippes etc. K
zu verringern, habe ich sämtliche Artikel im Verkaufspreis, trotz ihrer bekannten bisherigen Billigkeit,
noch mehr reduziert.

BURSTENWAREN
Kleiderbürsten . . . . . . . . . . 75, 50, 35, 25 Pf.
Schrubber .
. . . . . . . . . 50, 40, 35, 22 Pf.
Scheuerbürsten . . . . . . . . . 35, 25. 15, 10 Pf.
Handfeger . . . . . . . . . . . . . 60, 50, 40,35 Pf.
Bodenbesen. . . . . . . . . . . . 100, 70, 60,50 Pf.
Nagelbürsten . . . . . . . . . . . . . . . . 10,8 Pf.

EMAIL
Fleischtöpfe mit Deckel . . . . . . von 35 Pf. an
Reinigungsgarnituren (Sand, Seife, Soda) 195 Pf.
Kasserollen, 8 Grössen . . .
35 bis 175 Pf.
Nudelpfannen, 8 Grössen . . . . . . 27 bis 108 Pf.
Wasserkessel m. u. ohne Einsatz 110 bis 340 Pf.
Schaffner-Krüge, 6 Grössen . . . 50 bis 210 Pf.

HOLz

WiRTScHAFTS-ARTIKEL-

Kaffeeflaschen . . . . . . . . . . . . . . . . 23 Pf.
Reibeisen .
. . . . . . . . . . . . . . . . . 8 Pf.
10 Pf.
Fieischgabeln
,, .
Kaffee- u. Zuckerbüchsen m. Goldschr. . . 30 Pf.
Petroleumkannen, lack., 1 Lit. Inh. . . . .33 Pf.
Brotkörbe m. Majolika-Einlage . . . . . . . 25 Pf.
100 Blatt Butterbrotpapier . . . . . . . . . 20 Pf.

Zwiebelnetzgestelle . . . . . . . . . . . . 10 Pf.
Spülketten . . . . . . . . . . . . . . . . . 15 Pf.
. . . . 20 Pf.
Putzrasch . . . . . . . .
Deckelhalter für 6 Stück .
. . . . . . .45 Pf.
Kartoffelschäler .
. . . . . . . . 5 Pf.
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[ ][  ][ ]

36 16.

Donnerstag, 20. Zamar.

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(Nachdruck verboten.)
10)

Wenn ſonſt jemand um ein Weib wirbt, nahm Graf
Reimar tief aufatmend das Wort, dann tut er es in
den meiſten Fällen begehrend. Ich habe ſchon vor Jah=
ren
mit ſolchen Regungen abgeſchloſſen. Ich habe bis
vor ganz kurzer Zeit nie daran gedacht, mich zu ver=
mählen
. Warum ich dieſen Gedanken weit von mir
wies, kann ich Ihnen nicht ſagen, wenigſtens heute nicht.
Denken Sie, daß vielleicht vor Jahren mich ein Weib
betrogen, denken Sie, daß dieſes Weib vielleicht jetzt
wieder in meinen Lebenskreis getreten iſt, denken Sie,
daß ich vielleicht dieſes Weib ſtrafen will, denken Sie,
was Sie wollen, aber glauben Sie mir, nur die lauter=
ſten
Beweggründe treiben mich, Ihnen dieſen, ich gebe
es zu, etwas ungewöhnlichen Antrag zu machen.
Ich liebe Sie nicht, Undine, aber ich bin auch weit
davon entfernt, von Ihnen Liebe, die Sie ja gar nicht
geben können, zu verlangen. Sie ſollen nur nominell
meine Gattin, die Hüterin des Gorlingshofes, die
Trägerin meines Namens und meiner Ehre ſein, und
meine Dankbarkeit bringt Ihnen den Gorlingshof und
Südegaarde zurück.
Als unbeſchränktes Eigentum?
Sie fragte es in fiebernder Haſt, ſo daß Reimar
ganz befremdet zu ihr herüberſah.
Als unbeſchränktes Eigentum, Gräfin.
Ich könnte über alle Einkünfte verfügen? Ich
könnte damit die letzte, große Schuld, die mein Vater

nicht mehr für Lutz tilgen konnte, auslöſchen? Ich
könnte meiner Großmutter und meines Vaters Frau,
die er mir ſterbend ans Herz gelegt, das alte, ſorgen=
loſe
Daſein erhalten, ich könnte meiner kleinen Schwe=
ſter
alles das geben, was ſie jetzt entbehren muß?
Und ihr einſt, wenn Sie nicht anders verfügen
wollen, das Majorat, das mit meinem Verzicht auf die
weibliche Linie übergeht, als Erbe hinterlaſſen.
Eine Weile war es totenſtill im Gemach.
Sie müſſen die Frau, um die Sie alle dieſe Opfer
bringen, ſehr geliebt haben, Graf, nahm Undine nach
einer Weile das Wort, und ihre Stimme hatte einen
ſpröden Klang.
Vielleicht, aber auch gehaßt.
Kann ſein, Graf. Aber ein elender Handel bleibt
es 5och. Ich könnte Ihnen erwidern, daß ich Sie ob
dieſes Vorſchlages verachte, daß ich mich für zu gut
dünke, das Werkzeug Ihrer Rache, vielleicht auch Ihrer
Furcht zu ſein. Ich könnte Ihnen ſagen, daß Ihr An=
trag
mit ſeinen Ausführungen mich noch tiefer in den
Staub zwingt, als es das Schickſal ohnehin getan hat,
ich könnte ja ſchreien und toben und Ihnen ins Geſicht
ſchlagen für die Schmach, die Sie mir antun, aber ich
tue nichts von alledem. Bettler, wie wir, die müſſen
ſtille halten, und wenn ich es auch für mich nicht kann,
wenn ich Ihnen auch, ſtünde uns das Recht der freien
Seibſtbeſtimmung zu, hohnlachend den Rücken kehren
würde, für die Meinen muß ich das Geſchäft, wie Sie
es nennen, in Erwägung ziehen, ich muß!
Es klang wie ein Schluchzen, ein qualvoller Auf=
ſchrei
, ſo daß Graf Reimar dem bleichen Mädchen faſt
erſchüttert ins Geſicht ſah.

Schlummerte unter der kühlen, äußeren Hülle den=
noch
eine tiefe Leidenſchaftlichkeit, die ihm zu ſchaffen
machen könnte? Das wäre allerdings fatal und höchſt
unbequem. Ruhe wollte er, und dieſes Mädchen, dieſe
Undine, die ihren Namen mit Recht trug, ſollte ſie ihm
ſichern. Er zahlte ja dafür, und er zahlte einen hohen
Preis.
Und Undine dachte, während ſie aufſtößnend ihr
Antlitz in die weißen Hände barg:
Sie iſt es, allmächtiger Gott, ſie iſt es, ſie, meines
Vaters Frau. Und ſie wird ihre Künſte ſpielen laſſen,
und ſie wird ihn wieder in ihre Netze locken, und ſie
wird ſein werden, um deſſen Willen ſie meinen Vater
betrog.
Nein! rief ſie plötzlich ganz lant. Niemals darf das
geſchehen. Lieber will ich tauſendmal ſelber zu Grunde
gehen.
Graf Reimar ſah ſie verſtändnislos an, dann aber
ſprach er mit ruhiger Beſtimmtheit auf ſie ein:
Sie dürfen ſich die Sache nicht ſchlimmer und un=
geheuerlicher
vorſtellen, als ſie iſt, Undine. Ich werde
nur ſelten im Gorlingshof zu finden ſein. Meine
vielen Reiſen und meine anderen Güter nehmen mich
vollauf in Anſpruch, ſo daß Sie ſich hier Ihr Leben
ganz nach Ihren Wünſchen und Ihrem Geſchmack ein=
richten
können. Bedingt es die Konvenienz, ſo werden=
wir
der Welt als ein tüchtiges und friedliebendes
Ehepaar erſcheinen. In Wirklichkeit, Undine, wünſche
ich, daß wir mit der Zeit wenigſtens Freunde werden,
einer den anderen achtend, gute Kameraden, die Ver=
trauen
zueinander haben,

[ ][  ][ ]

Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 20. Januar 1910.

Nummer 16.

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Wie das ſo bei Geſchäftsleuten Sitte iſt, gab Un=
dine
bitter zurück. Haben Sie denn nicht daran ge=
dacht
, daß ich vielleicht eines Tages gar nicht mehr im
Stande ſein könnte, dieſes Scheinleben zu führen, daß
eine Zeit kommen könnte, wo ich mich losreißen müßte
von Ihnen und dem Gorlingshof, wo vielleicht mein
eigenes Herz ſprechen würde? Wenn Sie auch Ihres
Herzens ſo ſicher ſind, daß Sie niemals nach einer Frau
begehren würden, wer ſagt Ihnen, daß auch mein Herz
in dem Kreis der Pflichten und Sorgen, die es auf ſich
nimmt, erſtarrt? Wer ſagt Ihnen, daß es nicht plötz=
lich
aufſchreit und nach Glück verlangt und trotz des
Geſchäfts blind darauf losſtürmt und nimmt, wonach
es fiebernd drängt?
Reimar ſah aufmerkſam in das tief erregte Mäd=
chengeſicht
mit den ſtolz flammenden Augen. Etwas
wie Unruhe flog über ſein Antlitz, dann aber ſchüttelte
er ernſt den Kopf.
Wenn ich nicht unbedingtes Vertrauen zu Ihnen
fühlte, Undine, dann hätte ich meinen Antrag nicht ge=
ſtellt
. So wie ich, redet ein Mann nur zu einer Frau,
die er hochſchätzt.
Und die ihm ſehr gleichgültig iſt, ergänzte Undine,
bitte, beſchönigen Sie nichts, ſondern antworten Sie
mir lieber. Was dann?
Auch daran habe iſt gedacht. Wenn Sie einſt zu
mir kommen und ſagen: Gib mich frei, ich liebe einen
anderen, ich ertrage das Leben, ſo wie Du es mir bie=
ten
kannſt, an deiner Seite nicht, dann ſoll, ehe ein
Jahr verfloſſen iſt, Ihr Weg frei ſein und trotzdem der
Gorlingshof Ihnen und Ihrer Familie verbleiben.
Und nun geben Sie mir eine Antwort, Undine, offen
und ehrlich. Wollen Sie es mit mir verſuchen? Wollen
Sie Vertrauen zu mir haben?
Der Frühlingsſturm da draußen klopfte an die
Scheiben, und es war, als höre man von fern banges
Flüſtern, wie wenn es leiſe im Riedgras raunte.

Ueber die Dünen zog fernher auf ihren Raben=
flügeln
die Nacht. Undine meinte, ihren bangen und
ſchweren Flügelſchlag ſchaurig zu ſpüren.
Wenn ſie jetzt nein ſagte, dann war die Bahn für
das Verderben frei. Wie konnte ſie das dem Vater
gegebene Verſprechen beſſer erfüllen, als wenn ſie ſich
ſelbſt zum Opfer brachte?
Ihr graute vor dem Mann, der da ſo nachläſſig, fo
gelaſſen vor ihr ſtand und ihr gewiſſermaßen, weil er
das Geld und die Macht hatte, das Leben nahm. Sie
hätte ihn ſchlagen mögen, ſo ſehr haßte ſie ihn in dieſem
Augenblick, und doch wuchs von Minute zu Minute ihr
Wille, ihr leidenſchaftlicher Wille:
Ich will und ich muß.
Was hatte einſt ihre Mutter, ihre blaſſe, zarte
Mutter geſagt, als ſie ſo früh für immer ſchlafen ging?
Eine Nebelfrau bin ich geweſen, nichts wie eine
Nebelfrau, wie ſie des Nachts über die Heide und über
das Meer hinſchreitet.
Und nun ſollte auch ſie eine ſolche ſtille, kalte Nebel=
frau
ſein?
Nein, nein! ſchrie Undines Seele. Ich bin jung,
auch ich habe ein Anrecht am Leben.
Du mußt! rief dumpf drohend eine Stimme. Hüte
dich! Du haſt Pflichten, ſchwere, aroße, nie endende
Pflichten.
Da beugte ſie tief und ergebungsvon ihr Haupt.
Und wann, Graf Randolt, wünſchen Sie, daß wir
unſer Geſchäft zum Abſchluß bringen?
Sie fragte es jetzt ohne Bitterkeit, und doch war es
ihm, der ſie bis dahin ſchweigend, wartend beobachtet
hatte, als hätte er einen Peitſchenhieb empfangen.
Sobald die nötigen Formalitäten erledigt ſind. In
vier bis ſechs Wochen vielleicht. Die Trauer verbietet ja
jede Feier von ſelbſt, die uns beiden auch nur peinlich ſein
könnte. Erlauben Sie mir, ſofort mit Ihrer Frau Groß=
mutter
zu ſprechen? Da ich morgen früh abreiſe, dürfte
es wohl ſo am beſten ſein.

Nein, bitte, nicht. Ich ſelbſt werde meiner Großmut=
ter
morgen früh, bevor Sie reiſen, das Nötige mitteilen,
der heutige Tag ſoll noch mein ſein.
Wie Sie wünſchen, Gräfin, gab er kühl zurück und
dachte:
Sie nimmt deine Geduld recht in Anſpruch, dieſe Un=
dine
. Es iſt ja eigentlich unglaublich, daß ſie zögert, wo
ich ihr und den Ihrigen das ſchon verlorene Leben gewiſ=
ſermaßen
wiederſchenke. Hoffentlich iſt ſie nicht ſentimen=
tal
. Ich denke mir eine Frau gräßlich, die immer alles
tragiſch nimmt, ſelbſt die einfachſten Dinge von der Welt,
wie unſer Abkommen, das doch ihr nur Vorteile bringt.
Undine ging langſam, feierlich auf den Schreibtiſch
zu. Mit beiden Händen umſchloß ſie das kleine Bild des
toten Bruders.
Für Dich, Lutz! drängte es ſich auf ihre Lippen. Für
Euch alle, aber ſie ſprach das Wort nicht aus.
Still ſtellte ſie das Bild auf ſeinen Platz zurück, aber
der große, braune Mann dort ſtand plötzlich an ihrer
Seite. Er hatte ſie verſtanden, und faſt bewegt faßte er
ihre ſchlaff herabhängende Hand.
Um dieſen da, Undine, ſagte er ernſt, auf das Bild
deutend, den auch ich lieb gehabt, wollen wir verſuchen,
gute Weggeſellen zu werden. Das iſt oft mehr wert als
all das tändelnde Glück der Liebe, das nur zu bald elend
in Scherben bricht.
Ich brauche Sie, und Sie brauchen mich. Das gibt
einen guten Klang.
Der ſüße Veilchenduft, der von dem Bilde aufſtieg,
verwehte im Gemach. Undine aber hob die Augen groß,
klar und frei zu Reimar auf und ſprach, ihn feſt anſehend:
Ich will!
Da führte er ihre ſchlanke Hand an ſeine Lippen, aber
ſie erſchauerte vor dieſen Lippen, ſie waren eiskalt, und die
Augen glühten ſo ſeltſam heiß, faſt triumphierend auf.
(Fortſetzung folat.)

[ ][  ][ ]

Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt.

3 8.

Donnerstag. 20. Jannar.

1910.

Bekannt machung.

An der Aliceſchule zu Darmſtadt wird am 18. März ds. Is unter Leitung eines
ſtaatlichen Kommiſſärs, eine Prüfung für Lehrerinnen der weiblichen Handarbeiten
abgehalten werden.
Das Zeugnis über die beſtandene Prüfung befähigt zur Anſtellung als Lehrerin
der weiblichen Handarbeiten an den Volksſchulen und ſämtlichen höheren Lehranſtalten
des Großherzogtums.
Bewerberinnen aus der Provinz Starkenburg, welche ſich der Prüfung unter=
ziehen
wollen, haben ihre, mit dem geſetzlichen Eingabeſtempel (1.50 Mk.) perſehenen
Geſuche ſpäteſtens 6 Wochen vor dem Prüfungstermin bei der unterzeichneten Behörde
einzureichen.
Hinſichtlich der Bedingungen für die Zulaſſung zur Prüfung und die in der
Prüfung nachzuweiſenden Kenntniſſe und Fertigkeiten wird auf die nachſtehend ab=
gedruckten
einſchlägigen Beſtimmungen der Prüfungsordnung für Lehrerinnen der
weiblichen Handarbeiten vom 1. November 1901 verwiefen.
Darmſtadt, den 10. Januar 1910.
Großh. Miniſterium des Innern, Abteilung für Schulangelegenheiten,
Eiſenhuth.

Prüfungs=Ordnung.

§ 2. Zur Prüfung werden nur ſolche Bewerberinnen zugelaſſen, welche das
18. Lebensjahr vollendet und das 10. Lebensjahr noch nicht überſchriten haben, un=
beſcholten
ſind und den Nachweis erbringen, daß ſie an einem Arbeitskurſus für weib=
liche
Handarbeiten mit Erfolg teilgenommen oder ſich auf andere Weiſe eine hinreichende
praktiſche Ausbildung in den betreffenden Arbeiten erworben haben.
Der Anmeldung ſind beizufügen:
I. von ſolchen Bewerberinnen, welche bereits eine Prüfung als Lehrerin beſtanden
haben, das Zeugnis über dieſe Prüſung und ein Zeugnis über ihre bisherige
Tätigkeit als Lehrerin;
II. von den übrigen Bewerberinnen:
1. ein ſelbſtgefertigter Lebenslauf,
2. ein Geburtsſchein,
3. ein kreisärztliches Geſundheitszeugnis,
4. ein Zeugnis über die von der Bewerberin erworbene Schulbildung,
5. ein amtliches Führungszeugnis.
6. ein Zeugnis über die praktiſche Ausbildung in weiblichen Handarbeiten.
§ 3. Die Prüfung iſt eine praktiſche und eine theoretiſche.
§ 4. Die zur Prüfung Zugelaſſene hat die von der Prüfungskommiſſion zu
beſtimmenden Proben von Handarbeiten einzureichen. Die Arbeiten werden durch die
Einreichung von den Bewerberinnen als ſelbſtgefertigt bezeugt. Außerdem hat jede
Bewerberin unter Aufſicht der Prüfungskommiſſion einzelne in der Schule in Betracht
kommende Handarbeiten anzufertigen und eine Probelektion in der Erteilung des
Handarbeitsunterrichts in einer Schulklaſſe zu halten.
§ 5. Die theoretiſche Prüfung iſt eine mündliche und erſtreckt ſich:
1. bei ſämtlichen Bewerberinnen auf die erziehliche Bedeutung des Handarbeits=
unterrichts
und den ſchulmäßigen Betrieb desſelben, auf Ziel und Aufgabe, Lehr=
gang
und Lehrmethode die Auswahl der Lehrſtoffe und Warenkunde im Bereich
der Volksſchulbedürfniſſe;
2. bei den Bewerberinnen, die nicht bereits als Lehrerinnen geprüft ſind, tritt
hierzu eine Prüfung über diejenigen wichtigeren Punkte der Unterrichtslehre,
welche bei dem Handarbeitsunterricht vorzugsweiſe in Betracht kommen. Außer=
dem
iſt die Kommiſſion befugt, wenn es ihr notwendig erſcheint, bei dieſen
Bewerberinnen auf die Ermittelung ihres allgemeinen Bildungsſtandes und ihre
Uebung im richtigen Gebrauch der deutſchen Sprache einzugehen.
§ 6. Diejenigen Bewerberinnen, welche die Prüfung beſtanden haben, erhalten
(1813
ein Befähigungszeugnis.

Bekanntmachung.

Betreffend: Die Prüfung der Bewerber um die Berechtigung zum einjährig=
freiwilligen
Militärdienſt im Frühjahr 1910.
Diejenigen jungen Leute, welche beabſichtigen, ſich der im Frühjahr 1910 ſtatt=
findenden
rubr. Prüfung zu unterziehen, werden hierdurch aufgefordert, ihre desfallſigen
Geſuche um Zulaſſung bei Meidung des Ausſchluſſes von dieſer Prüfung

ſpäteſtens bis zum 1. Februar 1910
bei der unterzeichneten Kommiſſion einzureichen.
Hinſichtlich der Anbringung der Geſuche wird im Speziellen das Folgende
bemerkt:
1. Das Geſuch iſt bei der unterzeichneten Prüfungs=Kommiſſion nur dann
einzureichen, wenn der ſich Meldende im Großherzogtum Heſſen ſeinen
dauernden Aufenthaltsort hat.
2. Die Zulaſſung zur Prüfung kann nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr
erfolgen.
3. Das Geſuch muß von dem Betreffenden ſelbſt geſchrieben ſein. Auch
erſcheint es zweckdienlich, wenn ſtets die nähere Adreſſe angegeben wird.
4. Dem Geſuche ſind folgende Papiere beizufügen:
a) Geburtszeugnis (Auszug aus dem Zivilſtands=Regiſter, nicht Taufſchein).
b) Die Einwilligung des geſetzlichen Vertreters mit der Erklärung, daß für
die Dauer des einjährigen Dienſtes die Koſten des Unterhalts, mit Einſchluß
der Koſten der Ausrüſtung, Bekleidung und Wohnung, von dem Bewerber
getragen werden ſollen; ſtatt dieſer Erklärung genügt die Erklärung des
geſetzlichen Vertreters oder eines Dritten, daß er ſich dem Bewerber gegen=
über
zur Tragung der bezeichneten Koſten verpflichte und daß, ſoweit die
Koſten von der Militärverwaltung beſtritten werden, er ſich dieſer gegen=
über
für die Erſatzpflicht des Bewerbers als Selbſtſchuldner verbürge.
Die Unterſchrift des geſetzlichen Vertreters und des Dritten, ſowie die
Fähigkeit des Berwerbers, des geſetzlichen Vertreters oder des Dritten zur
Beſtreitung der Koſten iſt obrigkeitlich zu beſcheinigen. Uebernimmt der
geſetliche Vertreter oder der Dritte die in vorſtehendem Abſatze bezeichneten
Verbindlichkeiten, ſo darf ſeine Erklärung, ſofern er nicht ſchon kraft des
Geſetzes zur Gewährung des Unterhalts verpflichtet iſt, der gerichtlichen oder
notariellen Beurkundung.
c) Ein Unbeſcholtenheitszeugnis, welches von der Polizei=Obrigkeit, oder
der vorgeſetzten Dienſtbehörde auszuſtellen iſt.
d) Ein ſelbſtgeſchriebener Lebenslauf.
5. In dem Geſuche iſt ferner anzugeben:
a) In welchen zwei fremden Sprachen (wahlweiſe von Franzöſiſch, Engliſch.
Lateiniſch und Griechiſch und an Stelle des Engliſchen Ruſſiſch) der ſich
Meldende geprüft ſein will.
b) Ob, wie oft und wo der ſich Meldende ſich der Prüfung vor einer Prüfungs=
Kommiſſion bereits unterzogen hat.
6. Iſt bereits früher ein Geſuch um Zulaſſung zur Prüfung eingereicht worden,
ſo bleibt dem erneuten Geſuche nur ein Unbeſcholtenheitszeugnis bei=
zulegen
.
7. Es iſt nur zweimalige Teilnahme an der Prüfung geſtattet, eine dritte
Zulaſſung könnte ausnahmsweiſe von der Erſatzbehörde 3. Inſtanz genehmigt
werden.
Im weiteren weiſen wir darauf hin, daß Geſuche um Zulaſſung zu einer
ſpäteren, als der im Frühjahr des I. Militärpflichtjahres d. i. des Jahres, in
welchem das 20. Lebensjahr vollendet wird ſtattfindenden Prüfung, der Genehmigung
der Erſatzbehörde 3. Inſtanz bedürfen und bei den Erſatz=Kommiſſionen des Aufenthalts=
orts
, nicht bei uns, einzureichen ſind, welche die Geſuche der Erſatzbehörde 3. Inſtanz
vorlegen werden.
Da die Erledigung derartiger Geſuche eine längere Zeit beanſprucht, ſo empfiehlt
ſich im Intereſſe der Nachſuchenden, mit Einreichung derſelben nicht bis zum äußerſten
Termin zu warten, ſondern dieſelben alsbald anhängig zu machen, andernfalls unter
Umſtänden eine Zulaſſung zur bevorſtehenden Prüfung nicht mehr möglich iſt.
Ueber die Anforderungen, welche an die zu Prüfenden geſtellt werden, gibt die
Prüfungs=Ordnung (Anl. 2 zur Wehr=Ordnung vom 22. November 1888 Reg.=Bl.
Nr. 68 von 1901) Aufſchluß.
Bezüglich des Prüfungstermins, ſowie des Lokals, in welchem die Prüfung
ſtattfindet, erfolgt weitere Bekanntmachung, oder es ergeht beſondere Ladung zur
Prüfung.
Darmſtadt, den 6. Dezember 1909.
Großherzogliche Prüfungskommiſſion für Einjährig=Freiwillige.
Der Vorſitzende:
(23750a
von Starck, Regierungsrat.

Amtliche Nachrichten des Großherzoglichen Polizeiamts Darmſtadt.

Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde.
In polizeilicher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Schulzengaſſe Nr. 3 be=
finden
ſich: 1 Pinſcher, 1 Hofhund.
Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 1. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werk=
tag
, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.

Aufſelung der Rekrniterungskammrolle für die Stadt ſür 1910.

Alle im Jahre 1890 geborenen, hier wohnhaften oder ſich dauernd hier auf=
haltenden
Militärpflichtigen haben ſich in der Zeit vom 15. bis Ende Januar ds. Js.,
Zimmer Nr. 20,
vormittags von 9 bis 12 Uhr, im Stadthauſe, Rheinſtraße 16/18,
zur Stammrolle anzumelden. Die nicht in Darmſtadt geborenen Militärpflichtigen
haben ihren Geburtsſchein vorzulegen und durch eine Beſcheinigung des Arbeit=
gebers
oder ein ſonſtiges Zeugnis nachzuweiſen, daß ſie hier dauernden Aufenthalt
genommen haben und nicht nur vorübergehend anweſend ſind.
Außerdem haben ſich in vorbezeichneter Zeit, unter Vorlage ihres Loſungs=
ſcheines
und der vorerwähnten Aufenthaltsbeſcheinigung, alle Militärpflichtigen früherer
Jahre zu melden, die bisher weder einem Truppenteil überwieſen worden ſind, noch
einen Ausmuſterungsſchein oder eine Ausſtandsbewilligung erhalten haben.
Militärpflichtige, die z. Zt. von hier abweſend ſind, müſſen von ihren geſetzlichen
Vertretern oder Arbeitgebern angemeldet werden.
(1390a
Eine Unterlaſſung der Anmeldung wird mit Geldſtrafe bis zu 30 Mk.
oder mit Haft bis zu 3 Tagen beſtraft.
Darmſtadt, den 12. Januar 1910.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
J. V.: Egenolf.

Stammholzverſteigerung.

Montag, den 24. ds. Mts., und Dienstag, den 25. ds. Mts, jedesmal
vormittags 9 Uhr anfangend, werden im Diſtrikt Malchertanne 384 km kief. Stamm=
holz
von 20 bis 45 cm Durchmeſſer und 3 bis 16m Länge an Ort und Stelle verſteigert.
Zuſammenkunft am erſten Tag: Bahnwärterhaus Malcher Weg,
zweiten Bahnwärterhaus Seeheimer Weg.
(1693md
Pfungſtadt, den 17. Januar 1910.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Pfungſtadt.
Lang.

Autz= und Brennholz=Verſteigerung.

Montag, den 24. d. M., vormittags 9 Uhr anfangend, werden in dem Nieder=
Ramſtädter Gemeindewald, Diſtrikt Wachholderberg, nachverzeichnete Holzſortimente
verſteigert:
2. Eichen Stämme Klaſſe IV von 6 bis 8 m Länge, 1,10 fm
10
2,16
,
,,
5
VI
18
5 10
4,92
,
III 12,
15 .
2 Lärchen
3,22
16 rm Eichen Scheiter
98 rm Buchen Scheiter
Knüppel
Knüppel
12
70
,
Lärchen Stöcke
3
Stöcke
44
350 Eichen Wellen.
Wellen
910
Die Zuſammenkunft iſt am Bonstal am Eingang des Waldes.
(1820fl
Nieder=Ramſtadt, den 17. Januar 1910.
Großherzogliche Bürgermeiſterei.
Appel.

kann unentgeltlich abgefahren
KlES werden Heerdweg 41.
(*1503

Gut. Mittags= u.Abendtiſch (*1322mdkso
Wendelſtadtſtr. 31, Gartenhaus part.

Brennholz=Verſteigerung Nr. 1X und X.

(Stadtwald.)
Montag, den 24. und Dienstag, den 25. Januar I. Js.,
morgens 9 Uhr,
ſollen im Saale der hieſigen Turngemeinde, Woogsplatz 5, verſteigert werden:
1. Montag in der Forſtwartei Heilgkreuz (Forſtwart Hofmann, Hirſch=
köpfe
) aus dem Kahlabtrieb des Diſtrikts Eichelacker, Abt. 14 (Teichſchneiſe
und Mittelweg.
Scheiter: 293 rm Buchen, 76 rm Eichen: Knüppel: 43 rm Buchen, 18 rm
Eichen; Reiſig: 30½ Hundert Buchen Wellen, 9¾ Hundert Eichen Wellen;
Stöcke (fein): 106 rm Buchen. 50 rm Eichen.
2. Dienstag in der Forſtwartei Beſſunger Tanne (Forſtwart Geriſch, Heidel=
berger
Straße 112) aus dem Kahlabtrieb in Pelz Abt. 47 und Texas, Abt. 40,
ſowie der Durchforſtung in Saufang, Abt. 8 (Damenſchneiſe).
Scheiter: 53 rm Buchen, 212 rm Kiefern; Knüppel: 79 rm Buchen,
65 rm Kiefern; Reiſig: 30 Hundert Wellen Buchen, 20 Hundert Wellen
Kiefern, 28 rm Kiefern (ausgeknüppelt); Stöcke: 41 rm Buchen (grob),
204 rm Kiefern (fein).
(1600od
Unterſtrichene Nummern werden nicht verſteigert.
Aus Beſſunger Tanne iſt dieſes die Hauptverſteigerung.
Darmſtadt, den 16. Januar 1910.
Großherzogliche Oberförſterei Darmſtadt.
Kullmann.

Verſteigerungs-Anzeige.

Donnerstag, den 20. Januar 1910, nachmittags 3 Uhr,
verſteigere ich an Ort und Stelle öffentlich zwangsweiſe gegen
Barzahlung für beſtimmt:
1 Kleiderſchrank, 1 Waſchtiſch mit weißer Marmorplatte, 2 Nachtſchränkchen
mit desgl., 1 Spiegelſchrank, 1 Schreibtiſch, 1 Vertiko, 2 Sofas, 1 Kommode,
6 Stühle, 2 Zier= und 1 Nähtiſchchen, 1 Tiſch, 1 Bett, 1 Nähmaſchine, 1 Re=
gulator
, 1 goldene Damenuhr mit Kette, 3 Dtzd. Handtücher, 18 Hemden,
12 Bettücher, 12 weiße Tiſchtücher, 1 Muff, 1 Pelzkragen, 2 Fenſtervorhänge
mit Galerien, 1 Wecker uſw.
Zuſammenkunft der Steigerer um 2¾/4 Uhr Rundeturmſtr. 16.
Ferner nachmittags 4 Uhr im Saale Rundeturmſtr. 16:
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1 Landauer und 1 Partie Zigarren und 2 photogr. Apparate.
b) Ferner vorausſichtlich:
6 Vertikos, 5 Divans, 4 Waſchtiſche, 3 Trumeaux, 2 Schreibtiſche, 2 Büfetts,
6 Stühle, 1 Partie Bettuchleinen, Halbleinen, Tiſchtücher, Bettdrillich ꝛc.,
15 Pakete Jacken und Unterhoſen uſw., an Ort und Stelle 1 Partie Schiefer=
ſteine
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Darmſtadt, den 19. Januar 1910.
Thüre, Großh. Gerichtsvollzieher,
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Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 20. Januar 1910.

Nummer 16.

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Ueberſicht

der Durchſchnittspreiſe von folgenden
Früchten und Verbrauchsgegenſtänden in
der Zeit vom 1. bis 15. Januar 1910:
Weizen p. Sackà 100 Ko. v. Mk. 23.50 bis 24.50
Korn
, 17. 1750
Gerſte . . . 14.75 18.
Hafer
17. 18.
1
Butter ½ Kilo Mk. 1.30
Butter in Partien Mk. 1.20
Eier per Stück 9½ Pfg.
Eier in Partien per 25 Stück Mk. 2.20
Kartoffeln per 100 Kilo Mk 7.
Kartoffeln per 25 Kilo Mk. 2.
Kornſtroh per 50 Kilo Mk. 4.
Heu per 50 Kilo Mk. 6.
Darmſtadt, den 19. Januar 1910.
Großh. Polizeiamt Darmſtadt.

Konkursverfahren.

In dem Konkursverfahren über das
Vermögen des Kaufmanns Rudolf Garter=
nicht
in Darmſtadt iſt infolge eines von
dem Gemeinſchuldner gemachten Vorſchlags
zu einem Zwangsvergleiche Vergleichs=
kermin
auf
Samstag, den 12. Februar 1910,
vormittags 10 Uhr,
vor dem Großherzoglichen Amtsgericht I
in Darmſtadt, Zimmer Nr. 104, anberaumt
worden.
(1802
Der Vergleichsvorſchlag iſt auf der Ge=
richtsſchreiberei
des Konkursgerichts zur
Einſicht der Beteiligten niedergelegt.
Darmſtadt, den 17 Januar 1910.
Der Gerichtsſchreiber
des Großherzoglichen Amtsgerichts I.

Bekanntmachung.

Montag, den 24. Januar 1910,
vormittags 10 Uhr,
ſollen die den Bäckermeiſter Adam Hand=
ſchuch
Eheleuten dahier zugeſchriebenen
Liegenſchaften:
Flur
Nr.
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VIII 1325/10 1900 Acker in der Saubach,
VIII 143%0 1050 Grabgarten daſelbſt,
in unſerem Geſchäftszimmer, Wittmann=
ſtraße
1, zwangsweiſe verſteigert werden.
Die Genehmigung der Verſteigerung
wird auch dann erfolgen, falls ein der
Schätzung entſprechendes Gebot nicht ein=
gelegt
wird und andere rechtliche Hinder=
niſſe
nicht entgegenſtehen.
Darmſtadt, den 3. Januar 1910.
Großherzogliches Ortsgericht Darmſtadt II
(Beſſungen).
Frantz.
(I.573,60

Matraßzenſtren=Verkauf.

Samstag, den 22. Januar, um
10 Uhr vormittags,
wird die Matratzenſtreu der 3. Batterie
öffentlich und meiſtbietend verſteigert. Zu=
ſammenkunſt
am Eingang der Arillerie=
Kaſerne am Beſſungerweg.
(1803df
Darmſtadt, den 18. Januar 1810.
I. Abteilung Feld=Art.=Regts. Nr. 61.

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[ ][  ][ ]

Nummer 16.

Seite 10,

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 20. Januar 1910
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[ ][  ][ ]

Seite 14s

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 20. Januar 1910.

Nummer 16.

Handel und Verkehr.

Die preußiſch=heſſiſche Eiſenbahn= Be=
triebsgemeinſchaft
im Jahre 1908/09.
* In dem vom Miniſter der öffentlichen Arbeiten
dem preußiſchen Abgeordnetenhauſe vor=
gelegten
Bericht über die Ergebniſſe der vereinigten
preußiſchen und heſſiſchen Eiſenbahnen wird mitgereilt,
daß das gemeinſame Betriebsnetz ſich weiter von
35 974 Kilometer auf 36604 Kilometer erhöht hat. Hier=
von
entfielen auf preußiſches Eigentum 35313 (i. V,
34 683 Kilometer), auf heſſiſches Eigentum 1250
Kilometer (wie i. V.), auf badiſches Eigentum 40 Kilo=
meter
(wie i. V.). Von dem geſamten Bahnnetz waren
21630 Kilometer (21591 Kilometer) Haupteiſenbahnen
und 14501 (14002 Kilometer) Nebeneiſenbahnen. Das
verwendete Anlagekapital aller preußiſch= heſſi=
ſchen
Staatsbahnen wird mit 10384,94 Millionen
Mark gegen 9917,58 Millionen Mark im Vorjahre ver=
zeichnet
. Die Steigerung beträgt ſomit 431,36 Millio=
nen
Mark (i. V. 417,34 Millionen) gleich 4,35 Prozent
Für den Kilometer ergibt ſich ein Anlagekapital von
282730 Mark (275687 Mark), alſo ein Mehr von 7043
Mark (8511=Mark) gleich 2,55 Prozent. Der Beſtand
an Betriebsmitteln ſtellte ſich zu Ende der Be=
richtsperiode
auf 18483 (17320) Lokomotiven, 35 232
(32777) Perſonenwagen, 10270 (9342) Gepäckwagen,
392 494 (372843) Güter= und Arbeitswagen. Die Be=
ſchaffungskoſten
der als Zugang in 1908 ausgewieſenen
Fahrzeuge betrugen 251,92 Millionen Mark (256,30 Mil=
lionen
Mark). Insgeſamt wurden bis Ende 1908 zur
Beſchaffung und Umbau von Fahrzeugen 3526,79 Mil=
lionen
Mark aufgewendet. Die Beſchaffungskoſten aller
Ende 1908 vorhandenen Fahrzeuge beziffern ſich auf
2608,87 Millionen Mark (2389,06 Millionen Mark) oder
25,24 Prozent (24,12 Prozent) des Anlagekapitals der
dem öffentlichen Verkehr dienenden Bahnſtrecken.
Die Betriebsleiſtungen betrugen im abge=
laufenen
Jahre 463,31 Millionen (470,49 Mill.) Zugkilo=
meter
, was einer Verringerung um 1,53 Prozent (i. V.
Steigerung um 6,31 Prozent) entſpricht, und 18 496,87
Mill. (18822,37 Mill.) Wagenachſenkilometer der eigenen
und fremden Betriebsmittel; der Rückgang der Achſen=
kilometer
betrug 173 Prozent (i. V. 7,37 Prozent Zu=
nahme
). Die Zahl der beförderten Perſonen
iſt weiter von 910,43 Millionen auf 955,36 Millionen
geſtiegen oder um 44,92 Mill. gleich 4,93 Prozent (6,61
Prozent). Auf die erſte Wagenklaſſe entfielen hiervon
1,70 Millionen (1,91 Mill.) Perſonen gleich 0,18 Proz.
(6,21 Proz.), auf die zweite Klaſſe 89,86 Millionen (85,02
Mill.) gleich 9,40 Proz. (9,34 Proz.), auf die dritte Klaſſe
412,18 Millionen (385,57 Mill.) gleich 43,14 Proz. (42,35
Proz.) und auf die vierte Klaſſe 441,25 Millionen (427,84
Mill.) gleich 46,19 Proz. (46,99 Proz.). Die Einnah=
men
aus der geſamten Perſonenbeförderung beliefen
ſich auf 519,53 Millionen Mark gegen 505,46 Mill. Mark
was einer Steigerung um 2,78 Prozent (i. V. 2,41 Pro=
zent
) entſpricht. Hiervon entfielen auf die erſte Wa=
genklaſſe
16,43 Millionen Mark (17,07 Mill. Mk.) gleich
2,16 Prozent (3,38 Proz.), auf die zweite Klaſſe 97,98
Millionen Mark (97,05 Mill. Mark) gleich 18,86 Prozent
(19,20 Proz.), auf die dritte Klaſſe 212,47 Millionen Mk.
(200,94 Mill. Mk.) gleich 40,90 Prozent (39,75 Proz.),
auf die vierte Klaſſe 182,70 Millionen Mark (181,04 Mill.
Mk.) gleich 35,17 Prozent (35,82 Proz.). Den ſtärkſten
Zuwachs an Ertrag hatte ſomit im Berichtsjahre die
dritte Wagenklaſſe (im Vorjahre die vierte).
Die Militärbeförderung erbrachte 9,94 Millionen Mk.
(9,36 Mill. Mk.). An Fahrkartenſtener wurden
in 1908/09 12,93 Millionen Mark vereinnahmt gegen
12,87 Mill. Mk. im Vorjahre. Die Einnahmen aus dem
Gepäckverkehr ſind diesmal mit 15,19 Millionen
Mark verzeichnet, gegen 14,29 Mill. Mk. im Vorjahre.
Im Güterverkehr hat ſich die Zahl der beförder=
ten
Tonnen von 319,55 Millionen um 15,22 Mill. oder
um 4,76 Prozent auf 304,33 Mill. Tonnen vermindert
(i. V. um 19,37 Mill. Tonnen gleich 6,45 Proz. erhöht).
Dazu treten noch 29,24 Millionen (24,70 Mill.) Tonnen
frachtfrei beförderte Güter, ſo daß die geſamte beförderte
Gütermenge 333,58 Millionen Tonnen gegen 344,25
Mill. To. betrug. Der Anteil des Güterverkehrs an
der geſamten Betriebseinnahme belief ſich auf 65,17
Prozent gegen 66,30 Proz. im Vorjahre. Die Ergeb=
niſſe
des Güterverkehrs ſind durchweg geringer als im
Vorjahre. Die Geſamteinnahmen aus dem Güterver=
kehr
betrugen 1244,91 Millionen Mark (1295,55 Mill.
Mk.) oder 50,64 Millionen Mark gleich 3,91 Prozent

weniger (i. V. 59,79 Mill. Mk. gleich 4,84 Proz. mehr);
dabei haben ſich die Einnahmen aus der Güterbeförder=
ung
des öffentlichen Verkehrs um 47,36 Millionen Mark
gleich 3,90 Prozent vermindert (i. V. um 54,12 Mill. Mk.
gleich 4,66 Proz. erhöht). Die größte Monatseinnahme
brachte in den beiden letzten Rechnungsjahren der Okto=
ber
, die geringſte in 1908 der Jnni, 1907 der Januar.
Die Summe der Verkehrs=Einnahmen iſt
mit 1784,31 Millionen Mark um 35,38 Mill. Mk. gleich
1,49 Prozent zurückgegangen (i. V. um 74,30 Mill. Mk.
gleich 4,26 Prozent gewachſen). Zuzüglich der diverſen
Einnahmen belaufen ſich die Geſamt=Einnahmen auf
1910,24 Millionen Mark (1953,98 Mill. Mk.) oder um
43,75 Millionen Mark gleich 2,24 Prozent weniger als
im Vorjahre (i. V. 86,12 Mill. Mk. gleich 4,61 Prozent
mehr). Andererſeits ſind die Geſamt=Ausgaben
weiter anſehnlich geſtiegen; ſie beliefen ſich auf 1381,17
Millionen Mark oder 61,36 Mill. Mk. gleich 4,65 Proz.
mehr (i. V. 150,04 Mill. Mk. gleich 12,83 Prozent mehr).
Der Betriebsüberſchuß für 1908/09 iſt wei=
ter
auf 529,07 Millionen Mark zurückgegangen gegen
634,17 Millionen Mark vor einem, 698,09 Millionen
Mark vor zwei, 680,95 Millionen Mark vor drei und
632,74 Millionen Mark vor vier Jahren. Der Rück=
gang
beträgt alſo diesmal nicht weniger als 105,11 Mil=
lionen
Mark, gleich 16,57 Prozent, gegenüber einem
Rückgang von 9,16 Prozent im Vorjahre. Im Verhült=
nis
zu den Geſamteinnahmen betrug der Ueberſchuß
diesmal nur 27,70 Prozent, gegen 32,46 Prozent, 37,37
Prozent, 39,38 Prozent, 39,55 Prozent und 40,25 Pro=
zent
in den fünf letztverfloſſenen Jahren; im Verhält=
ris
zum durchſchnittlichen Anlagekapital ergibt ſich eine
Verzinſung von 5,22 Prozent, gegen 6,53 Prozent, 7,48
Prozent, 752 Prozent, 7,17 Prozent und 7,12 Prozent
in den letzten Jahren. Der Anteil Heſſens am
Betriebsüberſchuß iſt auf 11,25 Millionen Mark
berechnet gegen 13,52 Millionen Mark, 14,94 Millionen
Mark, 14,50 Millionen Mark, 13,37 Millionen Mark
und 12,98 Millionen Mark in den letzten Jahren.

H. Frankfurt a. M., 18. Jan. ( Frucht=
marktbericht
.) In der vergangenen Woche iſt an
den Weltweizenmärkten eine allgemeine Abſchwächung
eingetreten, die auch unſeren Wochenmarkt beeinflußte
und blieb das Geſchäft ein ſehr geringes. Während
Landweizen geringerer Qnalität ziemlich reichlich vor=
handen
war und auch im Preis nachgeben mußte, zeigte
ſich für beſſere Sorten etwas mehr Nachfrage zu gut
bebaupteten Preiſen. Landroggen war ebenfalls ge=
ſucht
bei unveränderten Preiſen; wogegen Gerſte etwas
profitieren konnte. Mais und Hafer ruhig. Auslän=
diſche
Offerten für Brotfrüchte lagen zahlreicher vor
und lauteten ermäßigt. Futterartikel preishaltend. Die
Forderungen für Mehl ſind nachgiebiger.
Der Mannheimer Getreidemarkt iſt
ſtetig, aber leblos. Die direkten Angebote ſind noch hoch,
aber die zweite Hand iſt billiger.
An der Berliner Produktenbörſe war
Getreide anfangs leicht abgeſchwächt auf die niedrige=
ren
amerikaniſchen Kurſe, dann befeſtigt auf einige
Platzdeckungen. Das Inlandsangebot blieb klein, aber
auch die Nachfrage für den Konſum war ſchwach. Die
Nachfrage für Export fehlte ganz. Die ruſſiſchen Offer=
ten
warend etwas nachgiebiger. Laplata=Weizen blieb
unverändert. Die Nachrichten über den Saatenſtand
im Inlande lauten meiſtens befriedigend. Hafer war
auf Realiſationen abgeſchwächt; nur Lokoware ſtellte ſich
nicht niedriger.
Nach den letzten Kabelnachrichten von den ameri=
kauiſchen
Getreidemärkten (New=Vork und
Chicago) war Weizen ſchwach auf Abgaben der Kom=
miſſionshäuſer
, ſowie Armours und die enttäuſchende
Nachfrage für Lokoware. Mais war anfangs anziehend
auf Regen und Schnee im Nordweſten der Vereinigten
Siaaten, dann nachgebend auf Abgaben der Kommiſ=
ſionshäuſer
und größeres Angebot der Farmer. Die
ſichtbaren Weizenvorräte ſind dort in dieſer Woche von
27,08 Millionen Buſhels auf 26,25 Mill. Buſh. zurück=
gegangen
, dagegen die Maisvorräte von 9,41 Millionen
Buſhels auf 10,14 Mill. Buſh. geſtiegen. In Kanada
haben die Weizenvorräte in dieſer Woche eine Ermäßig=
ung
von 8,54 Millionen Buſhels auf 8,47 Mill. Buſh.
erfahren.
Hier ſtellen ſich die Preiſe bei 100 Kilogramm wie
folgt: Weizen, hieſiger und Wetterauer, 23,4023,50,
Norddeutſcher 23,4023,50, Kurheſſiſcher 23,4023,60,
Rumäniſcher 24,5025,25, Redwinter 24,5025,25, Ruſ=

ſiſcher 24,5025,50, Laplata 24,5025,50, Donauweizen
21,5025,25, Kanſas 24,5025,25, Walla Walla 24,50 bis
25,25, Roggen, hieſiger 1717,10, Bayeriſcher ( Pfäl=
zer
) 1717,10, Ruſſiſcher , Amerikaniſcher , Rumä=
niſcher
Gerſte, Pfälzer 1717,50, hieſige und
Wetterauer 16,2517,25, Riedgerſte 1717,50, Ungariſche
2121,75, Fränkiſche 1717,50, Ruſſiſche Futtergerſte
5013,25, Hafer, hieſiger 1617, Bayeriſcher 16
bis 17, Ruſſiſcher 16,5017,25, Amerikaniſcher , Ru=
mäniſcher
16,5017,25, Mais mixed 15,8516, Ruſſi=
ſcher
15,8516, Donaumais 15,8016, Rumäniſcher
15,8015,90, Weißer Mais 15,8016, La Plata 15,80 bis
15,90, Weizenſchalen 10,2510,50, Weizenkleie 1010,25,
Roggenkleie 10,5011, Futtermehl 13,8014, Bier=
treber
, getrocknet, 13,5014, Weizenmehl, hieſiges Nr.
C: 32,2532,50, feinere Marken 32,7533, Nx. 1: 30,75
bis 31, feinere Marken 31,2531,50, Nr. 27 29,7530,
feinere Marken 30,2530,50, Nr. 3: 28,7529, feinere
Marken 29,2529,50, Nr. 4: 27,7528, feinere Marken
28,2528,50, Roggenmehl, hieſiges Nr. 0: 24,7525,
Nr. 1: 21,7522, Nr. 2: 17,7518.

Sport.

sr. Die Verbreitung und Beliebtheit
des Fußballſports in England dokumentiert
ſich immer wieder durch den enormen Beſuch der ver=
ſchiedenen
Wettſpiele. So haben die jetzt ausgetragenen
32 Kämpfe der erſten Runde um den Pokal von Eng=
land
nicht weniger als 395953 Zuſchauer angelokr, die
die hübſche Summe von 271940 Park einbrachten. Der
Hauptanteil entfällt davon auf das Spiel zwiſchen
Chelſea und Hull City, das mit 37000 Zuſchauern und
20 340 Mark Eintrittsgeldern an der Spitze ſteht. Dann
folgt Sunderland-Leed City mit 18500 Zuſchauern und
10900 Mark Eintrittsgeldern, Stoke-Neweaſtle United
mit 17500 Zuſchauern und 12000 Mark Eintrittsgeldern,
Bradford City-Notts County mit 17000 Zuſchauern
und 13380 Mark Eintrittsgeldern und Oldham Athle=
tic
-Aſton Villa mit 17000 Zuſchauern und 10000 Mt.
Eintrittsgeldern. Die niedrigſte Zuſchauerzahl betrug
3000; eine Ziffer, die in Deutſchland ſelbſt bei erſtklaſ=
ſigen
Spielen nur ſelten erreicht wird, während an
Eintrittsgeldern 2500 Mark die kleinſte Summe war.
Die größte Anziehungskraft auf die engliſchen Fußball=
freunde
beſitzt natürlich der Schlußkampf um den Pokal
von England. Im Vorjahre wohnten beiſpielsweiſe
der Entſcheidung zwiſchen Mancheſter United, die dies=
mal
gleich bei der erſten Runde ausſchieden, und Bri=
ſtel
City 71000 Zuſchauer bei, was die Rekordſumme
von 128680 Mark an Entree ergab. Den Rekord in
der Zuſchauerzahl hält jedoch das Entſcheidungsſpiel
Tottenham Hotſpur-Sheffield United im Jahre 1901
mit 110820 Perſonen.

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und nur dieſe iſt nach dem Scottſchen Ver=
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nachgemacht wird, ſo achte
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man beim Einkauf genau auf
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Nummer 16.

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Neckarau, Kaiser-Wihelmstr. 28
Melhausen 1. Els., Grabenstr. 48
Mihausen 1. Els., Wildernannstr. 47
Ofenbach, Frankfurterstr. 33
tutgart, Eberhardstr. 72
Wiesbaden, Wellritzstr. 50
Worms. Neumarkt 12
Fürzburg, Kaiserstr. 14
Würzburg, Marktplatz.

Gesessesssssseessssseseseese
11818.

Gut. bürgerl. Mittagstisch
zu mäßigem Preiſe, in u. außer dem Hauſe
24750a)
Ernſt=Ludwigſtr. 1, 3. St.

Damen
erhalten guten Mittags= und Abendtiſch
von 60 Pfg. an. Alexanderſtraße 4, I.

Schützenhof.
Heute Donnerstag, den 20. Januar,
osses Karnevalist. Konzert

Kapelle der 6ler.

(*1475

Anfang 8 Uhr.

Eintritt mit Programm 10 Pfg.

Darmstädter Streich-Quartett.
Fr. Mehmel, A. Diedrich, Fr. Brückmann. A. Weyns.
8
In. Rammmermusik-Abeild
Montag, 24. Januar, 8 Uhr abends, im Hotel zur Traube.
Programm: Streichquartette v. Haydn: op. 33, Nr. 3 C-dur (Vogel-Quartett),
Mozart: K. V. Nr. 387, G-dur, und Beethoven: op. 95, F-moll.
Karten zu Mk. 3. und Mk. 2. (Stud. und Schüler Mk. 2. und Mk. 1.50)
in der Hofmusikalienhandlung von Georg Thies Nachf. (Leopold Schutter) und an
(1833
der Abendkasse.
Petrusgemeinde.
Gemeindeabend
Sonntag, den 23. Januar, abends 7½ Uhr in dem
Gemeindehaus, Hofgartenstrasse 8
Vortrag des Herrn Pfarrer Knöpp
(1827
über:
Deutsch-erangelisches Leben in London‟.
Musikalische u. deklamat. Darbietungen.
Teekarten zu 25 Pfg. in der Buchdruckerei Bender und im Gemeindehaus.

(66
Breiier
Walachel
elab
Samstag, den 22. Januar 1910,
E
Grosser Mlaskenban

in sämtlichen Räumen des Rummelbräu

S3., wozu höflichſt einladet
Eintritt 25 Pfg.

Der Vorstand.
Anfang 8 Uhr abends.

(*1453.

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*



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Seite 16.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 20. Januar 1910.

Stück 7 Pfg.
Speiseteller tief und flach . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Speiseteller tief und flach, gerippt
Stück: 9 Pfg.
.
Satzschüsseln
Satz 90 Pfg.
Grosse Salatschüsseln bunt
. . . . 40 Pfg.
Suppenschüsseln ohne Deckel . . . . . . .
. . . . .78, 70, 55 Pfg.
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Suppenschüsseln dekor., mit Deckel, versch. Grössen . . . . .

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weiss
Stück

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Tassen

bunt Stück

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Dessertteller, Karomuster . . . . 13 Pfg.
Waschkrüge, bunt
Stück 50 Pfg.

Tassen mit Untertasse, ger. . . . . . 17 Pfg.
Teetassen mit Untertasse, Porzellan 17 Pfg.
Butterdose mit Teller, Porzellan . . 32 Pfg.

Hachttopreg weiss . 38. 20 Pfg. Machttopte, bunt . 50, 40 Pfg. Ein Posten Tonnengarnitt
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95 Pfg.
Lebkuchen Paket.
9 Pfg.
Friedrichsdorfer Zwieback
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3 Pfg.
Seifenpulver Goldperle
13 Pfg.
Blumenfettseife
8 Pfg. 12 Stück Apfelsinen 40 Pfg.
Abseifbürsten . . . .
20, 16 Pfg. 8
Zitronen Stück . . . . . . . 4 Pfg. Schrubber
20 Pfg.
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Kakao ½ Pfd. .

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Maskenkoſtüm, ſchwarz. ſeidener Domino
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Mauerſtraße 12, part.
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Eleg. Maskenkostume
(Spanierin und Pierrette) zu verleihen
Schulſtraße 9, II. links.
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Schöne Damen=Maske (gelbe Pierreite)
wenig getragen, zu verleihen oder auch
zu verkaufen Pankratiusſtr. 6, II. (*1347mdf
7
Fantaſie Münchner
Maskenkoſum, Kindl darſtellend,
zu verleihen Moosbergſtr. 84, 1. St. (B1319