Controversia et Confessio, Bd. 7


Matthias Flacius war seit dem Erscheinen von Osianders Bekennntis Von dem einigen Mittler einer der entschiedensten und literarisch produktivsten Gegner der Rechtfertigungslehre des Königsberger Professors. Vgl. die mit Gallus gemeinsam publizerte Entgegnung auf Osianders Bekenntnis, unsere Ausgabe Nr. ???, S. ???. Vgl. auch die Veröffentlichung der württembergischen Declaratio samt Vorwort, unsere Ausgabe Nr. ???, S. ??? Nach dem Tod Osianders 1552 hatte er ebenso klar gegen Johann Funck Stellung bezogen, der die Lehre Osianders weiterhin verteidigte. Vgl. Johann Funck, Bericht (1553), unsere Ausgabe Nr. ???, S. ???; vgl. Flacius, Verlegung (1554), unsere Ausgabe Nr. ???, S. ???

Matthias Flacius war seit dem Erscheinen von Osianders Bekennntis Von dem einigen Mittler einer der entschiedensten und literarisch produktivsten Gegner der Rechtfertigungslehre des Königsberger Professors. Vgl. die mit Gallus gemeinsam publizerte Entgegnung auf Osianders Bekenntnis, unsere Ausgabe Nr. ???, S. ???. Vgl. auch die Veröffentlichung der württembergischen Declaratio samt Vorwort, unsere Ausgabe Nr. ???, S. ??? Nach dem Tod Osianders 1552 hatte er ebenso klar gegen Johann Funck Stellung bezogen, der die Lehre Osianders weiterhin verteidigte. Vgl. Johann Funck, Bericht (1553), unsere Ausgabe Nr. ???, S. ???; vgl. Flacius, Verlegung (1554), unsere Ausgabe Nr. ???, S. ??? ULB Darmstadt info:isil/DE-17 Darmstadt Letzte Änderung: 2023-05-23 Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz (CC BY)

Einleitung 1. Historische Einleitung

Matthias Flacius war seit dem Erscheinen von Osianders Bekennntis Von dem einigen Mittler einer der entschiedensten und literarisch produktivsten Gegner der Rechtfertigungslehre des Königsberger Professors.Vgl. die mit Gallus gemeinsam publizerte Entgegnung auf Osianders Bekenntnis, unsere Ausgabe Nr. ???, S. ???. Vgl. auch die Veröffentlichung der württembergischen Declaratio samt Vorwort, unsere Ausgabe Nr. ???, S. ??? Nach dem Tod Osianders 1552 hatte er ebenso klar gegen Johann Funck Stellung bezogen, der die Lehre Osianders weiterhin verteidigte.Vgl. Johann Funck, Bericht (1553), unsere Ausgabe Nr. ???, S. ???; vgl. Flacius, Verlegung (1554), unsere Ausgabe Nr. ???, S. ???

Aus seinen Bemühungen, Osiander und Funck zu widerlegen, sprach die eindeutige Intention, Herzog Albrecht von Preußen und die anderen Theologen des Herzogtums von der in seinen Augen offenkundigen Absurdität und Widergöttlichkeit der osiandrischen Rechtfertigungslehre zu überzeugen. Würde der Herzog die Partei der Osiandristen nicht mehr unterstützen, könnte deren falsche Lehre rasch verdammt und der Streit beendet werden, so die Ansicht des Flacius. Dies stieß auf Zustimmung in weiten Teilen des Adels, der Geldsammlungen vornahm, damit Schriften des Flacius publiziert werden konnten.Vgl. die Einleitung zu Nr. ???, S. ??? Und der Hofprediger des Herzogs, Christoph Langner, begann einen Briefwechsel mit dem scharfen Gegner Osianders.Vgl. Fligge, Osiandrismus, 231f.

Durch die Kontakte zu Adligen und zu Theologen in Preußen, war Flacius über die dortigen Geschehnisse bestens unterrichtet, auch über die Verhandlungen mit den Württemberger Gesandten über das Bekenntnis des Herzogs im Sommer und Herbst 1554.Vgl. Fligge, Osandrismus, 258f. Zu den Verhandlungen der Württemberger in Königsberg vgl. die Einleitung zu Nr. ???, S. ??? (Abschied) Berichte aus Preußen werden nicht unwesentlich dazu beigetragen haben, dass sich Flacius mit der hier edierten Schrift, deren Vorwort auf den 1. Oktober 1554 datiert, an den Herzog wendete, um diesen endgültig von einer weiteren Unterstützung der osiandrischen Position abzubringen.

2. Der Autor

FlaciusZu ihm vgl. die Einleitung zu Nr. ???, S. ??? hatte Kenntnis von dem herzoglichen Bekenntnis erhalten und zeigte sich mit diesem insofern zufrieden, als dort die Sündenvergebung betont wurde. Dass jedoch Osianders Lehre nicht klar verurteilt wurde, missfiel ihm. Mit der hier edierten Schrift wollte er dem Herzog klare Argumente eben für eine solche Verurteilung liefern.

Der Publikationszeitpunkt im Oktober 1554, kurz nach der Veröffentlichung des herzoglichen Abschieds, kann wohl kaum als Zufall gedeutet werden. Vielmehr steht zu vermuten, dass die Kontakte zwischen Flacius und den preußischen Gegner Osianders diese Koinzidenz herbeiführten.

In derlei Überlegungen gilt es die Veröffentlichung der Christlichen Warnung durch Flacius zu Beginn des Jahres 1555 mit einzubeziehen,Christliche war= || nunge vnd vermanunge || Matthiae Flacij Illyrici an die || Kirche Christi in Preussen den || nechtsen Abschied belan= || gende. || || [Magdeburg: Michael Lotther, 1555] (VD 16 F 1302). in der er sich höchst kritisch mit dem herzoglichen Abschied auseinandersetzte.Vgl. Wengert, Defending faith, 159–161; 414. Anhand dieser Beobachtungen rund um die Veröffentlichungen des Flacius (Verlegung, Dass das Blut Christi, Christliche Warnung), darf wohl von einer Medienstrategie zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung in Preußen gesprochen werden, die vom Verfasser in enger Absprache mit der antiosiandrischen Opposition in Preußen 1553–1555 verfolgt wurde.

3. Inhalt

Die Schrift besitzt zwei Teile. Sie beginnt mit einem Schreiben des Flacius an Herzog Albrecht von Preußen (A 2r–A 8r). In diesem betont Flacius zunächst die Notwendigkeit, die Wahrheit zu bekennen. Darum habe er nun zusätzlich zu den bereits von ihm publizierten Schriften in der Kontroverse um Osianders Rechtfertigungslehre eine Darstellung über die Bedeutung des Blutes Christi verfasst, da gerade diese von den Gegner verlästert würde. So wolle er Herzog Albrecht auf die Irrtümer Osianders und seiner Anhänger hinweisen, damit der Herzog sich vor ihnen hüten könne.

Flacius nennt dann zwei aus seiner Sicht besonders schwerwiegende Irrtümer: Erstens nennt Flacius die Ansicht Osianders, dass Gottheit und Menschheit sich im gerechtfertigten Menschen ebenso verbinden würden, wie in Christus selbst. Zweitens lehre Osianders falsch, wenn er behaupte, dass das Blut Christi nicht die von Gott dem Menschen zugerechnete Gerechtigkeit sei, da Christi Leiden bereits 1500 Jahre zurückliege.

Flacius attackiert daraufhin Johann Funck. Während Osiander noch einen eleganten Sophismus vertreten habe, in dem er zwar die Bedeutung des Leidens und Sterbens Christi für die Gerechtigkeit des Menschen abgestritten, sie aber die Erlösung des Menschen genannt habe, lehre Funck einen ganz groben Irrtum, indem er behaupte, das Leiden und Blut Christi sei völlig unnütz im Rechtfertigungsgeschehen.

Flacius führt daraufhin zahlreiche Bibelstellen an, um das Gegenteil zu beweisen und stellt die provokante Frage, ob Christus umsonst gestorben sei. Er bittet den preußischen Herzog, seine Schrift ernsthaft zu bedenken und diese Irrlehren zu meiden.

Im zweiten Teil der hier edierten Schrift (A 8v–C 8r) stellt Flacius die Bedeutung des Leidens und Blutes Christi für die Rechtfertigung des Menschen dar. Dabei verurteilt er Osiander zunächst dafür, dass er seine Lehre mit Philosophie und weltlicher Weisheit unterfüttere und damit im Gegensatz stehe zu der paulinischen Rede von der Torheit des Glaubens an den gekreutigten Christus. Doch es gelte die Erniedrigung und Demütigung Christi im Tod zu betrachten. Denn der Gehorsam Christi im Leiden und Sterben bringe den Menschen die Gerechtigkeit und Gerechtsprechung, deren sie aufgrund ihres Ungehorsams dringend bedürften. Dies klinge für Personen, die auf die menschliche Vernunft vertrauten närrisch. Damit bezeugten sie aber nur, dass sie von Theologie nichts verstünden. Denn vor Gott sei es unerheblich, wie lange der Tod Christi zurückliege. Die Versöhnung des Menschen mit Gott durch Christi Blut habe in der Vergangenheit gegolten, gelte in der Gegenwart und werde in der Zukunft gelten. Denn Gott rechne Menschen den Glauben an Christus und dessen stellvertretendes Leiden und Sterben als Gerechtigkeit zu.

Flacius verweist sodann auf unterschiedliche biblische Gestalten, um seine Position zu belegen, dass vergossenes Blut Menschen als Sünde angerechnet wurde: Er nennt Kain, die Gegner des Pinehas, David und das jüdische Volk in Gänze. Im Anschluss daran versucht Flacius aus der Bibel den Beweis zu führen, dass Christi Blut über all diejenigen kommen werde, die nicht an ihn glaubten und ihn verfolgten.

Unter Rückgriff auf den Hebräerbrief des Paulus betont Flacius dann, dass den Menschen durch Christi Blut die Gerechtigkeit vor Gott erworben worden sei und wendet sich gegen die Ansicht, dass mit dieser Lehre der Blick weg geführt werde von der Person Christi. Das Gegenteil sei richtig. Die Gegner Osianders lehrten vielmehr, dass Christus, der Sohn Gottes, gerade darum auf die Welt gekommen sei, um mit seinem Leiden und Sterben, eben durch sein Blut, dass er als wahrer Mensch und wahrer Gott vergossen habe, die Gerechtigkeit des Menschen zu erwirken, was Flacius durch Belegstellen aus den paulinischen Briefen und den Evangelien zu erhärten versucht.

Flacius erklärt daraufhin, dass sich unterschiedliche Redeweisen (die Gerechtigkeit des Menschen sei der Gang Christi zum Vater, sei der Gehorsam Christi, sei dessen Tod, sei dessen Leiden und Sterben, sei dessen Blut, sei die Vergebung der Sünden) letztlich ergänzten und stets dasselbe aussagten: wie der Mensch vor Gott gerecht würde. Darum widerspricht Flacius dem Vorwurf Osianders und seiner Anhänger, man würde unterschiedliche Gerechtigkeiten lehren.

Zum Abschluss behauptet Flacius, dass sich alle Gegner der Wahrheit mit einander verbinden würden: Papstanhänger, Schwenckfelder, Osiandristen. Sie alle würden gegen die Wahrheit, doch nie gegeneinander Stellung beziehen. Flacius bittet Gott darum um seinen Schutz.

4. Ausgabe

Nachgewiesen werden kann eine Ausgabe:

A: Das das thewre || Bludt oder gehorsamlich lei= || den Christi die ware / rechte / vnd ei= || nige Gerechtigkeit sey / dadurch wir || fur Gott gerecht / jm wolge= || fellig / vnd seelig || werden. || Geschrieben an F. D. in Preussen / durch || Matth. Flacium Jllyricum. || Roma. 5. || Wie durch eines SVNDE / die verdamnis vber alle kommen ist. || Also ist durch eines GERECHTJGKEJT || die rechtfertigung vber alle kommen. || Denn wie durch eines VNGEHORSAM viel || Suͤnder worden seindt. || Also werden durch eines GEHORSAM || viel gerecht. || Alhie siehestu / das der heilige Paulus die Suͤnde || oder vngerechtigkeit Adams / als ein Brun alles boͤ= || ses / mit der Gerechtigkeit Christi / als einem Brun al= || les gutes vergleichet / vnd erkleret darbey / was die suͤn= || de oder vngerechtigkeit Adams sey / nemlich sein vnge= || horsam / vnd was dargegen die gerechtigkeit Christi || sey / dadurch wir seelig werden / nemlich sein ge= || horsam. Da hastu es / wiltu es haben / wil= || tu aber nicht / so magstu es || auch lassen. || [Nürnberg: Johann VomBerg, Ulrich Neuber, 1554] (VD 16 F 1330).

Vorhanden in:
Gotha, Forschungsbibliothek: Theol.316a/1(6)R.
Wien, Österreichische Nationalbibliothek: 1187 Theol.(3).
Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek: 79.L.81.