Von der Gerechtigkeit des Glaubens, rechte meinung aus Gottes
Wort.
Recht ist es geredet, wann man also saget: Christus, warer Gott vnnd Mensch, ist meine Gerechtigkeit. Dann also redet die Schrifft 1. Cor. 1: Christus ist vns gemacht vom Vater zur Weißheit, zur Gerechtigkeit, zur
Heiligung vnd zur Erl=sung.Vgl. I Kor 1,30.
Wann man aber nun fraget: Wie ist Christus vnsere Gerechtigkeit. Darauff gehoͤret guter, gruͤndtlicher bescheidAuskunft, Unterweisung. Vgl. Art. Bescheid 2), in: DWb 1, 1551. aus Gottes Wort, domit wir den rechten Christum treffenerkennen. Vgl. Art. treffen III.A.1.c), in: DWb 212, 1621. vnd vns keinen besondern,eigenen. Vgl. Art. besonder, in: DWb 1, 1631f. ausserjenseits, abseits. der Schrifft, dichtenerfinden. Vgl. Art. dichten 5), in: DWb 2, 1060f. oder mahlenschildern, hier aber in negativem Sinne: vortäuschen. Vgl. Art. malen 5.a), in: DWb 12, 1503f. lassen. Wie dann sonst viel Christi, mancherley
Geister vnnd Euangelia, geprediget werden, 2. Cor. 11,Vgl. II Kor 11,4. deren wir keiner nichtDie doppelte Verneinung dient hier als Stilmittel zur Verstärkung der Aussage. achten, Matt. 24,Vgl. Mt 24,23–26. sondern alle fliehenmeiden. Vgl. Art. fliehen 5), in: DWb 3, 1791f. vnd verdammen muͤssen, Gal. 1.Vgl. Gal 1,8f.
Vnd ist darauff die rechte antwort: Christus ist vnsere Gerechtigkeit, in dem, oder also, das er dem Vater den vnschuldigen gehorsam geleistet, Rom. 5,Vgl. Röm 5,19.
biß in den Todt des Creutzes, Philip. 2.Vgl. Phil 2,8. Domit er mir erworben, vergebung meiner suͤnden in seinem Blut, Ephe. 1,Vgl. Eph 1,7. jn welchem ich gerecht, Rom. 4,Vgl. Röm 4,5.24f. vnd Gott angenem bin zum ewigen leben.
Dieser Glaube ist recht, dann die heilige Schrifft ist recht. Vnd feiletirrt. der Glaube nicht, dann die Schrifft feilet nicht, welche die Gerechtigkeit des
glaubens nicht gibet einigereiner einzigen. Natur in Christo, gibet sie auch Christo nicht von wegen der Person allein, sondern also, das die Person, Gott vnd Mensch, gegen vnsere Suͤnd vnd vngehorsam from, gerecht vnd gehorsam worden ist, wie es Paulus gegen einandern setzet, Rom. 5,Vgl. Röm 5,12–21. hat das Gesetz erfuͤllet, Gal. 4,Vgl. Gal 4,4f. mit seinem vnschuldigen todt fuͤr vnser Suͤnd bezahlet, das Gott
vnsere Suͤnd zu decket vnd vergibet, Rom. 4.Vgl. Röm 4,6f; Ps 32,1f.
Darumb heist die Schrifft vnsere Gerechtigkeit auch den gang Christi zum Vater, Joan. 16,Vgl. Joh 16,10. das ist, sein Leiden vnd sterben, spricht wir sind gerecht in seinem Blut, Rom. 5.Vgl. Röm 5,9. Ja, Paulus saget rundt vnd klar, vnsere Gerechtigkeit sey zudeckung vnd vergebung der Suͤnden, Rom. 4.Vgl. Röm 4,6f; Ps 32,1f. Aber alles in Christo
Jesu vnserm lieben Heilandt, welchen, dieweil er dieses alles, darinnen wir fuͤr Gott gerecht, jmihm. angenem vnd seelig sind, selbst an seinem Leib verrichtet hat, darumm wird er, vnd also Gott selbst (weil er Gott von art vnd natur ist), vnsere Gerechtigkeit, so wol auch vnsere Erloͤsung genennet, sintemalweil. wir gerecht [sind] durch die Erloͤsung, so in seinem Blut ge
schehen Rom. 3,Vgl. Röm 3,24f. darinnen wir haben die vergebung der Suͤnden, Ephe. 1,Vgl. Eph 1,7. das ist, Gerechtigkeit vnd Seeligkeit Rom. 4.Vgl. Röm 4,5–7. etc.
Falsche, jrrige vnd Widerwertigefeindliche, widersetzliche, hier darum: widergöttliche, abgöttische. Vgl. Art. widerwärtig 5.d), in: DWb 29, 1370. Lehr Osiandri.
DER bekent, Christus sey warewahrer. Gott vnd Mensch. Aber wann man fraget, wie er vnsere Gerechtigkeit sey, so trennet er erstlichen die Naturn Vnd sa
get, er sey vnsere Gerechtigkeit nach der Goͤttlichen vnd nicht Menschlichen Natur, jn seiner Confession fol. O. 3.Vgl. Andreas Osiander, Von dem einigen Mittler (1551) O 3r–v, in: OGA 10, Nr. 488, S.210,9–211,10. Das ist eins.
Will solchs fuͤrnemlich beweisen aus dem Hieremia Cap. 23. vnd 33.Vgl. Jer 23,5f; 33,15f. Vnd bekent doch selbst, Jeremias rede daselbst im gantzen Text, so fern er nicht zerrissenaus dem Zusammenhang gerissen. oder zergentzetfalsch interpretiert. wird, von keiner Natur alleine, sondern von der
gantzen Person sampt jhrem Leiden vnnd Sterben, in der wi-derlegung wider Philippum fol. O. j.Vgl. Andreas Osiander, Widerlegung Philipp Melanchthons (1552), O 1r, O 1v–O 2r, in: OGA 10, Nr. 522, S. 646,12–26; 648,1–26. Das ist das ander.
Zum Dritten schleustfolgert. Vgl. Art. schlieszen II.5.b.β), in: DWb 15, 704f. er wider die schrifft, weil die Goͤttliche Natur in der Person Christi vnsere Gerechtigkeit sey. So sey es nicht der Gehorsam, das Leiden vnd sterben Christi, vielweniger vergebung der Suͤnden, wie seine
grewliche, schreckliche lesterungen In repetitione Corporis doctrinae klar von blat zu blat, aus seinen eigenen Buͤchern verzeichnet, sind.REPETITIO CORPO= || RIS DOCTRINAE ECCLE- || SIASTICAE || Oder || Widerholung der Summa vnd Jnhalt || der Kirchen || Lehre / wie dieselbige in der Augspurgi= || schen Confession / Apologia / vnd Schmalkaldischen Arti= || ckeln begriffen / Vnd von Fuͤrstlicher Durchleuchtigkeit zu Preussen || etc. Auch allen Landtstenden vnd Vn= || terthanen || gewil= || liget vnd angenomen / Kuͤrtzlich zu= || sammen verfasset. || || [Eִִִisleben: Andreas Petri,
1567] (VD 16 P 4794), bes. das Kap. Von vereinigung beider Naturen in Christo / von der Communicatione Idiomatum, C 4v–E 2r. In Königsberg erschien im selben Jahr eine weitere Ausgabe (VD 16 P 4795).
Also leugnet er, was Christus saget, Joan. 16,Vgl. Joh 16,10. von seinem gang zum Vater, das er vnsere Gerechtigkeit sey. Leugnet, was der heilige Geist durch Dauid vnd Paulum saget, Rom. 4, aus dem 32. Psalmen,Vgl. Röm 4,6f; Ps 32,1f. zerreist die heilige
schrifft im Jeremia wider sein eigen gewissen vnd den klaren Text. etc.
Ob nun das der rechte Christus, die ware Gerechtigkeit, auch rechter Glaube sey, der erstlich die person trennet. Zum andern die person vom ampt reist vnd entlich leugnet, lestert vnd zerreisset, was Gott in Christo vnd durch seinen Geist in den Propheten vnd Aposteln gelehret. Das lassen wir alle Gotts
foͤrchtige hertzen richten.
Djeselbigen sind erstlich von reiner Lehr vnd Gottes Wort leichtfertig abgefallen, eins theils auch ehrehe. dann sie Osiandri lehr verstanden haben, auch
noch nicht verstehen.
Zum andern haben sie dieselbigen jrrigen, verdampten Lehr helffen foͤrdern.
Zum dritten, sich von der rechten Kirchen selbst abgesondert vnd außgeschlossen, welche bey reiner Lehr bestendig geblieben ist.
Zum vierden, den hauffen der widerwertigenGegner, Feinde. Vgl. Art. widerwärtig 2.e), in: DWb 29, 1368. helffen stercken vnd mehren
vnd mit jhrem ergerlichen Exempel auch andern zu gleichem fallVergehen, Sündenfall. Vgl. Art. Fall 2.b), in: DWb 3, 1273. anreitzung vnd vrsach gegeben, helffen die rechtschaffenen, bestendigen, frommen Christen trucken vnd in jhnen den heiligen Geist betruͤben.
Zum fuͤnfften, damit Gott gelestert vnd vrsach gegeben, das Gottes Name auch gelestert worden vnder den Heiden oder Vngleubigen vnd Papisten, wie
man aus einer hohen person in Polen eigenem munde gehoͤrt,Zu denken wäre hier evtl. an Stanislaus Bojanowski, Sekretär am polnischen Hof, der in Osiander den inkarnierten Teufel erkannte. Vgl. Fligge, Osiandrismus, 118. was es in dem Reich auffgehalten habedass der Streit um Osianders Lehre der Ausbreitung reformatorischen Gedankenguts im Königreich Polen abträglich gewesen sei. etc.
Diß sind Heuptstuͤcke von den groͤsten, grewlichsten Suͤnden auff Erden, sonderlich der Ersten taffel,Entsprechend der Darstellung in den fünf Büchern Mose wurden die Zehn Gebote von dem Finger Gottes auf zwei steinerne Tafeln geschrieben (Ex 31,18; Deut 4,13; 9,9). Die ersten drei Gebote werden als die Gebote der ersten Tafel bezeichnet und regeln das Verhältnis zwischen Gott und dem Menschen. die mit außgetruckteneindeutigen, unmissverständlichen, klaren. Vgl. Art. ausdrücken 2), in: DWb 1, 847. worten jhr gericht haben vnd verdampt sind in heiliger schrifft. Wer weichen wird, spricht
Gott, an dem wird mein Seel kein gefallen haben, Ebre. 10.Vgl. Hebr 10,38; Hab 2,3f. Wer den Tempel Gottes verderbet, den wird Gott verderben, 1. Cor. 3.Vgl. I Kor 3,17. Wer euch jrr machet, wird sein vrtheil tragen; er sey, wer er woͤlle, Gal. 5.Vgl. Gal 5,10. Wer der geringsten einen ergert aus den meinen, dem were besser, das er einen Muͤhlstein an dem halse hette vnd wehre versencket mitten in das Meer, do
es am tieffsten ist, Matth. 18.Vgl. Mt 18,6. Jtem: Wer euch anruͤret, meine gleubigen, der ruͤret meinen augapffel an, Zacharie 2.Vgl. Sach 2,12. Jhr schendet Gott, vnnd ewert halben wird Gottes Name gelestert, Rom. 2.Vgl. Röm 2,24. Wer aber Gott schendet vnd vnehret, den will er widerumb vnehren, 1. Samuelis 2.Vgl. I Sam 2,30. etc.
Das aber solche leuth meinen, damit der sachen abzukommen,auf diese Weise freigesprochen zu werden. Vgl. Art. abkommen, in: DWb 1, 63. das sie
gleichwol jtzund richtige bekentnus fuͤrbringen, gehet jhnen fuͤr Gott nicht an.lässt ihnen Gott nicht durchgehen. Der will zuuor solche schreckliche Suͤnd erkantanerkannt, bekannt. Vgl. Art. erkennen 4), in: DWb 3, 868. haben, weil on erkentnusKonjiziert aus: erkentuus. derselbigen keine Buß, darumb keine Vergebung noch Seeligkeit zu hoffen ist, Luce 13.Vgl. Lk 13,3.5.
Zum andern will er zuuor haben die Bruͤderliche versuͤnung mit der
lieben Kirchen, die do mit solchem ergernus vnd offentlichem abfallTreuebruch gegen Gott. Vgl. Art. Abfall, in: DWb 1, 36. grewlich offendirt ist Vnd sich solche Leut von jr mit der thatmit Vorsatz. Vgl. Art. That 4.d.ζ), in: DWb 21, 310. zuuor abgesondert haben. Darumb will Gott weder Opffer noch Gebet annemen. Gehe zuuor hin, versuͤne dich mit deinem Bruder, spricht Christus Matth. 5.Vgl. Mt 5,24.
Zum dritten ist Gott nicht zufrieden, das man allein seine Stimme hoͤre,
reine lehr bekenne, sondern will haben, das man frembde falsche Lehr verdamme vnd fliehe, Joh. 10,Vgl. Joh 10,5. Gal. 1.Vgl. Gal 1,8f. etc.
Das ist Gottes Wort vnd der einigeeinzige. weg, von jmihm. vns fuͤrgeschrieben, darinnen er anzeiget, wie solchen armen hertzen, die gefallenden Bund mit Gott gebrochen haben. sindt vnd gejrret haben, fuͤr jhm zu helffen sey. Als nemlich, das sie jhren fall vnd
jrthumb erkennen, lassen von hertzen leid sein, die falschen lehr widerumb verwerffen vnd verdammen, andere darfuͤrdavor. hinfuͤrder warnen vnd in reiner Lehr bey dem hauffen der rechtglaubigen allein fest bleiben vnd verharren.
Hilfft auch das nicht, damit sich etliche woͤllen schonsich rein waschen, in ein günstiges Licht setzen. Vgl. Art. schön 1.c), in: DWb 15, 1467. machen, was Osian
der gelehret, ob es gut oder boͤse, lassen sie jnihn. verantworten etc. Du bist solcher lehr zu gefallenDu hast solcher Lehre zugestimmt mit solchem grewlichen er-gernus, wie droben gehoͤret, das wird der Gott, so ein starcker EyffererVgl. Ex 34,14. vnd auch alle vnnuͤtze wort will zu rechnung bringen, Matt. 12,Vgl. Mt 12,36. zu Gericht von dir fordern. Dann das wort, so du verleugnet, mit ergernus vnd lesterung gehindert etc.,
wird die Welt richten, Johan. 12.Vgl. Joh 12,48. Wehe nun dir, wo du nicht Busse thust.
Dann also kan dir Gott nicht helffen noch gnedig sein, wie er spricht Jere. 5. vnd 8.Vgl. Jer 5,6; 8,6. Keiner ist dem seine boßheit leid were vnd spreche: Was mache ich doch? Sondern bleiben verstockt in jrem vngehorsam. Wie soll ich dann gnedig sein? Darumb kan dir auch kein rechtschaffener Prediger einiges Sa
crament reichen, dich der gnade Gottes vertroͤsten. Thut ers aber, so thut ers, wie du hoͤrest, wider Gott, hilfft dir derhalben nichts, ja macht dein Gericht fuͤr Gott nur schwerer vnd vntreglicher, weil du es vnwirdig empfehest, 1. Co. 11.Vgl. I Kor 11,27–29. Sich aber selbst macht er deiner Suͤnde teilhafftig, 1. Tim. 5.Vgl. I Tim 5,22. etc.
Rom. 2.
Verachtestu, o Mensch, den Reichthumb der guͤte, geduld vnd langmuͤtigkeit Gottes? Weissestu nicht, das dich Gottes guͤte zur Busse leitet? etc.Vgl. Röm 2,3.4.