Mattheus Vogel Allen fromen Christen Gottes gnad durch Christum
vnsern erloͤser zuuor, sambt einem gGten, seligen newen Jar.
Wje auff ein zeit der weiß vnd Hochberuͤmbte Philosophus Socrates ist gefragt worden, warumb er nicht auch buͤcher schrieb vnd außghen
ließ, hatt er geantwort: Quia uideo chartam multo
preciosiorem, quam scribendaGemäß Errata-Liste
aus: describenda. forent.Stobaios, Anthologium, lib. 3, cap. XXI, no. 9 (edd. Wachsmuth, Hense,
Bd. 3, Berlin 1894, S. 558, Z. 4f): Σωκράτης
ἐρωτηθεὶς διὰ τί οὐ συγγράφει, »ὅτι« εἶπεν »ὁρῶ τὰ χαρτία πολὺ τῶν γραφησομένων
τιμιώτερα«.
Darumb er auch sein lebenlang nichts geschrieben.
Sondern weil sonst genugsam von andern sey vnd fuͤrthanweiterhin, von da an, künftig. Vgl. Art. furtan 1), in:
DWb 4, 901f. werde geschrieben
werden, hatt er sein schreyben fuͤr vnnoͤtig vnd auch geringer geacht dann das pappir
(wie wir es yetz nennen), welches nur vnnutzer weiß mit solchem schreyben moͤcht
zugebrachtverbraucht, vergeudet. Vgl. Art. zubringen 7), in: DWb 32,
252. werden. Weil sich nun dieser weise vnd gar fuͤrtreffliche Man
zu seiner zeit bucher zu schreiben gescheuhet, hab ich mich billig vnd vilmehr, der ich
nichts gegen Socrate vnnd andern dergleichen furtrefflichen leuten zu rechnen bin,
bißher alles offentlichen schreybens enthalten, in betrachtung, das sonderlich zu dieser
zeit nichts von mir mag geschrieben werden, das nicht lang schon zuuor vnd vil besser
durch die Hochbegabte
tewre Menner, meine lieben Herren vnd Praeceptores D. Martinum Lutherum,
Pomeranum,Johannes Bugenhagen d. Ä.
Philippum,Philipp Melanchthon.
Brentium,Johannes Brenz.
Vitum Theodorum,Veit Dietrich. vnd andere der gleichen mehr mit
allerley reichen segen Gottes vnd hoͤchstem vberfluß ist geschrieben worden. Dargegen
aber hab ich – das mir auch meines erachtens besser gebuͤret – die reine, warhaffte,
Christliche, heilsame lehr, so Gott auß
sondern gnaden durch ytztgedachte seine werckzeugVgl. Luther und die in den Anm. 4 bis 7
Genannten. aus dem grewlichen finsternuß des Bapstumbs wider an das liecht
gnedigst gebracht hatt, vielmehr dann meinen eigen rhum vnnd namen weit außzubreiten vnd
aller der gestalt, wie ichs von obgemelten meinen lieben Herren vnd Preceptoribus, oder
vielmehr von Gott selbs durch sie, gelernt vnnd gefast
hab, auch auff vnsere
nachkummen zu bringen, souil mir Got auff mein gebet gnad geben hatt, wo ich gewest bin,
neben andern mich beflissen.
Weil aber solcher mein fleiß vnd trewer dienst (Got hab lob) in der kirchen Christi bißher, ob er wol stil vnd heimlich, doch nicht also gar vergebens vnd verloren gewest ist, Vntersteht sich nun der Sathan, was nutzlichs daraus er
bawet (Sintemalweil. Vgl. Art. sintemal 2), in: DWb 16, 1211f. jmihm. vnd seinem reich dasselbig zum fall gereicht), souil an jm gelegen ist, wider abzubrechen vnd zunicht zu machen, indem er mich durch seine gliedmasAnhänger, Werkzeuge. Vgl. Art. Gliedmasz III.A.1.d), in: DWb 8, 79. nicht allein mit heimlichen affterredenNachreden, Verleumdungen. Vgl. Art. Afterrede, in: DWb 1, 187. an allen den orten, wo ich gepredigt, sondern auch nun im offentlichen truck durch gantz Teutschlandt als ein Schwermer vnd ketzer beruchtiget.in Verruf gebracht, verleumdet. Vgl. Art. berüchtigen, in: DWb 1, 1528f. Verhofft also der
LugengeistTeufel. alle die, so meine liebe zuhoͤrer vnd pfarkinder bisher gewest vnd auch noch seind, durch solch beruͤchtigen meinet, Ja Christi selbst lehr halben in einen zweiffel zu bringen vnnd alles des trosts vnd vnterrichts, so sie darauß jm zuentgegenentgegen, zuwider. Vgl. Art. zuentgegen, in: DWb 32, 338. gefast, widerumb zu berauben, die aber, so mich bisher nicht gehoͤrt, dermassen von mir scheuh zu machen, das sie mich
auch fuͤrthin nicht hoͤren sollen, welchs alles jm doch seinen verhoffen nach (Gott hab lob) keines wegs gelinget, dann meine liebe schaͤflein vnd zuhoͤrer, so mich zu Nuͤremberg in meinem Vatterland so wol als die, so mich nun in Preussen bisher gehoͤrt vnd auch noch mit rechtem ernst hoͤren, durch den geist Gottes des meisten teils solchem luͤgengeist getrost
widersprechen vnd der warheit nach offentlichen bezeugen, das sie kein schwirmerey oder ketzerey ye,jemals. Vgl. Art. je [III] II.2), in: DWb 10, 2279f. sondern Gottes heiliges wort lauter vnd rein allwegen von mir predigen gehoͤrt haben. NochDennoch. Vgl. Art. noch II.5.a), in: DWb 13, 871. wil der Sathan nicht nachlassen, sondern gibt auff solches bey denen, so anderßwo vnd weit von mir seind vnd mich nicht mehr hoͤren koͤnnen, auß,gibt aus = behauptet, verbreitet. Vgl. Art. ausgeben 10), in: DWb 1, 867. ich predige nun zu
Kuͤnigsberg anders, dann ich zu Nuͤrenberg vnd anderßwo in Preussen bißher gepredigt hab; welche mich aber noch teglich hoͤren, nach denselbigen greifft er mit einem sonderlichen gifftigen griff,Kniff, Trick, List. Vgl. Griff II.B.3.a), in. DWb 9, 297f. das, wie mir bey jhnen als einfeltigen leuthen falsche lehr mit Gottes heiligen wort, der ketzer art nach, leichtlich zu uermenteln,bemänteln, beschönigen. Vgl. Art. vermänteln, in: DWb 25, 842f. also sey jnen herwiderumb aus
einfalt oder das sie zugleich mit mir verblendt sein, solches an mir schwerlich zu mercken.
Ob ich aber wol bißher nicht so gar, wie etliche meinen, vnuersucht geblieben, sondern, wie ich erfahr, zu leiden gemacht bin, Psal. 38,Vgl. Ps 38,18 (Luther 1545). vnd also (Gott hab lob) schon mancherley Creutz, hab ich doch noch nie keines, das
mir mehr zu hertzen gegangen ist vnd weher gethan hatt als dieses, versucht, das meine arme Scheflein vnnd liebe pfarkinder mir durch solch luͤgen zum hoͤchsten betruͤbet vnd schuchternschüchtern, furchtsam, angstvoll, verschreckt, misstrauisch. Vgl. Art. schüchtern, adj. 1.a.γ) u. δ), in: DWb 15, 1826. gemacht werden, wie sie mir dann auch, vnnd sonderlich die, so weit von mir sein, solches hertzlichen klagen vnnd vmb waren bericht bitten vnd flehen, welchs auch meine mißguͤnner
selbst, so solch betruͤbnuß vnd ergernus verursacht, nicht vnterlassen, sondern also sehr auff mich, das ich mich offentlichen im truck erkleren soll, dringen, das sie mich auch vber dem, weil ich mich bißher auß obgemelter vrsach mit offentlichem schreiben wie dann auch andere gleicher vrsachen halben stilgehalten, zum ergsten außlestern,schmähen, verlästern. nicht darumb, das sie der
warheit also begirig, wie sie sich stellen, sein, sondern etwas anders suchen, das sie doch nimermehr, ob Gott will, finden werden.
Weil ich dann nicht in der still kann bleiben, sondern zugleich von allen seiten zu offentlichem schreiben gedrungen vnd angehalten werd, hab ich keinen zweiffel, alle frumme Christen werden mir dasselbig nicht zu einer vermes
senheit deuten, sondern hierauß klar zu erkennen haben, das ich hab muͤssen solche schrifft in den truck geben, meine liebe scheflein, so in viel ort zerstrewet, auff jhr begeren, bitten vnnd flehen wider obgemelte lesterung zu vnterrichten vnd troͤsten, herwiderumb auch den lesterern vermittelst goͤtlicher gnaden das maul zu stopffen, dergestalt damit wenn sie schon hernach
mals (weil jhnen nimermehr genugsam geschehen kann) doch mit keinem rechten schein oder ansehen mehr, viel weniger mit grund, lestern muͤgen, vnnd also mit solchem vngegruͤndten vnd vnuuerschempten lestern niemand so sehr als sich selbst zu schanden machen, Dargegen aber mein vnschuld, indem sie die vntertrucken woͤllen, nur ye lenger ye mehr an das liecht bringen
vnd selbst außbreiten helffen, dann auch Diuus Hyeronimus ad Pammachium, aduersus errores Ioannis Hyerosolimitani schreibet: Nolo in suspitione haereseos quenquam esse patientem, ne apud eos, qui ignorant innocentiam eius, dissimulatio conscientia iudicetur, si taceat.Hieronymus, Contra Ioannem Hierosolymitanum ad Pammachium 2 (PL 23, 373A). Das ist: ich will nicht, das yemand, so ketzerey halben verdechtig wirt, gedultig sey, damit nicht bey
denen, so seine vnschuld nicht wissen, solch verhelen, wenn er stilschweigt, geacht werd, als ob er sich in seinem gewissen schuldig find.
Hab derhalben meine lehr, so ich bißher allenthalben, wo ich gewest, auß grund heiliger schrifft nach meiner vonn Gott vorlihenen gnad gefurt vnd fuͤrgetragen, auch schrifftlich vnd, damit sie dester verstendlicher vnd
troͤstlicher sey, in nachfolgetesic A. formam eines Dialogi oder gesprechs, darin ein armer Suͤnder mit Christo, seinem lieben Heiland, redet, verfast, gewisser zuuersicht, alle die, so mich bißher zu Nuͤrmberg vnd auch in Preussen ausser vnd jnnerhalb Kuͤnigsperg predigen gehoͤrt vnd auch noch hoͤren, werden bekennen vnnd bezeugen, das meine lehr solchem Dialogo
gemeß alwegen gelautet hab vnd auch noch laute, vnnd damit sie derselbigen halben wider die vnrusamen leut an allen orten Ja wol versichert werden, muͤgen sie solchen Dialogum allen frummen Christen, denen sie mer verstands in Gottes wort dann jhnen selbst zuschreiben, fuͤrlegen, welche, wie gelert sie ymer sein, doch gleichwol, wie ich keinen zweiffel hab,
bezeugen werden, das, ob wol solche lehr auffs einfeltigst, doch der heiligen schrifft gemeß vnnd der Augspurgischen Confession keines weges entgegen gestellet sey vnd derhalben niemand, so jhr volget, dadurch verfuͤret werd, sonder wer ein ander Euangelion predigt, der sey, weil kein anders ist, (als ein verfuͤrer selbst) billich verflucht.Vgl. Gal 1,8.
Wo nun meine widersacher, als die nicht mein, sondern Gottes wort selbst geschmechtgeschmäht. haben, auß solchem druck vberwiesen,überführt, entlarvt. Vgl. Art. überweisen 2.a), in. DWb 23, 640f. ferner die außflucht suchen vnd furgeben wollen: Jch hab allein gelehret, aber nicht zugleich auch, wie ein getrewer hirt thun soll, gewehret, hab ich obgedachtem Dialogo auch mein sententiam oder entliche meinung von der zwispalt, so in
Preussen vber dem Artickel von der Rechtfertigung des glaubens entstanden, weitleufftigausführlich. Vgl. Art. weitläufig 2.a), in: DWb 28, 1302. angehengt, auß welcher das widerspil zu sehen. Dieweil aber solche zwispalt also gar ein verwirter handel gewesen ist, das er den einfeltigen vnd vngeuͤbten leutten schwerlich mag erklert vnd verstendlich gemacht werden, Bit ich alle die, so durch meine oder anderer erklerung sich auß ein
falt in solche subtile zwispalt noch nicht verrichtenein Urteil bilden. Vgl. Art. verrichten 5.b), in: DWb 25, 1011. kuͤnnen, sie wollen dieselben denen, so hoͤhers verstands dann sie sein, zu urteilen heimstellen vnnd sich keines wegs druͤber verwirren vnd jrrig machen, sondern an dem benuͤgen lassen,sich benügen lassen = sich zufrieden geben, sich begnügen. Vgl. Art. benügen 1.a), in: DWb 1, 1475f. das sie jhren Catechismum verstehn, welcher, ob er wol kurtz vnd einfeltig, doch alles, was zu jhrer seligkeit von noͤten ist, reichlich
begreifftumfasst, einschließt. Vgl. Art. begreifen 4), in: DWb 1, 1308f. vnd in sich einschleust, darumb sie auch, ob sie schon nicht mehr vnd hoͤher ding verstehn noch begreuffenbegreifen, geistig erfassen. Vgl. Art. begreifen 7), in: DWb 1, 1309f. moͤgen, doch keines wegs vber solcher einfalt verdampt, sondern, wenn sie nach solcher noͤttigen einnfeltigen warhafften lehr des Catechismi Christlich glauben vnd leben, werden sie gleichwol vnd nicht weniger dann die allergelertsten vor gott vmb
Christi des Mitlers willen alhie in gnaden vnd dort ewig selig sein vnd bleiben. Wie ich dann auch solcher vrsach halben bey den einfeltigen von solchem subtilen streit vnd schulgezenck zugleich auff offentlicher Cantzel vnd anderswo zu reden mich stettigs entsetzt vnd betracht hab, welches Diuus Ambrosius lib. 17. Moralium schreibet: Non debet praedicator infirmis insi
nuare cuncta quae sentit, nec debet praedicare rudibus quanta cognoscit,Vgl. Gregor d. Gr., Moralia in Job 17, 26 (zu Hiob 26,8): Sic quippe agere unusquisque praedicator debet, sicut cum illo divinitus agitur, ut nequaquam cuncta quae sentit infirmis insinuet, quia et quousque ipse carne mortalitatis infirmus est, ea quae superna sunt cuncta non sentit. Praedicare ergo rudibus non debet quantum cognoscit, quia et ipse de supernis mysteriis cognoscere non valet quanta sint. (PL 76, 28C/D). das ist: ein Prediger soll nicht all sein gedancken den schwachen fuͤrtragen, noch den vngeuͤbten predigen alles, was vnd wie hoch er ein yegliches versteht.
Nachdem aber von andern solche zwispalt leider auch vnter die einfeltigen
leut gebracht vnd jnen also vnterrichts daruon von noͤten gewest ist, hab ich mich wol, denselben jnen zu geben, meinem ampt nach nicht beschweret, doch darinnen der hoͤchsten einfalt beflissen vnnd mehr dahin gesehen, das ich jnen wider herauß denn weiter hinein huͤlff, vnd stetigs dahin, so viel mir muͤglich gewest, neben andern gearbeitet, das mit solcher Disputation der
einfeltigen leut verschonet, dargegen aber die einfeltige Christliche lehr wider in rhu, fried vnd einigkeit mit allen andern reformierten Kirchen, so sich zu der Augspurgischen Confession bekennen, lauter vnd rein gepredigt wuͤrde.
Wie ich aber vber solchem meinem getrewen dienst vnd wolmeinen bißher zum hoͤchsten außgelestert worden sey vnd auch noch werd, beweist neben
vilen anderm spot vnnd hohn, den ich doch Gott, des die rach allein ist,Vgl. Dtn 32,35; Röm 12,19. beuilch, auch sonderlich der getruckte Sendbrieff, welcher von Wolff Waldnern zu Nuͤrnberg in D. Moͤrlein zu Braunschweig eingedrungen(ihm) abgenötigt, aufgedrängt (?). Vgl. Art. eindrängen, in: DWb 3, 162; Art. eindringen 4), in: DWb 3, 163. Vgl. unten S. 937–962. Mörlin waren von Waldner die kritischen Bemerkungen Vogels über Mörlin und dessen Angriffe gegen Osiander hinterbracht worden. Daraufhin schrieb Mörlin seinen Sendbrief an Vogel. vnd mit solcher vngestuͤmmigkeit vnd bitterkeit wider mich gestelt ist, das ich jn on verletzung vnd vnterdruckung der warheit vnd meines guten geruͤchtsRufes, Leumunds. Vgl. Art. Gerücht II.4.a), in: DWb 5, 3754f. vnd
namens, auch viler frommer hertzen ergernuß vnd betruͤbnuß, darauß ich jhnen nach meinen hoͤchsten vermuͤgen zu helffen schuldig bin, nicht kan offentlich vnuerantwort lassen; dann schreibt Augustinus in ser. 52. ad fratres in heremo: Duae sunt res, Conscientia et Fama. Conscientia necessaria est tibi, Fama proximo tuo, Qui fidens conscientiae suae, negligit famam suam,
crudelis est.Augustinus, Sermones 355,1,1 (PL 39, 1569A) = Decr. Grat. p. II, C. 12, q. 1, c. 10 (Friedberg I, 680); vgl. a. Augustinus, De bono viduitatis XXII, 27 (PL 40, 448 = CSEL 41, 339,14–17) = Decr. Grat. p. II, C. 11, q. 3, c. 56 (Friedberg I, 659); vgl. a. Serm. 343,5 (PL 39, 1508f). Das ist: Es sind zwey ding, Ein gut gewissen vnd ein gut Geruͤcht. Eines guten Gewissens bedarffstu fuͤr dich selbst, Eines guten Geruͤchts aber von dir bedarff dein nechster. Der sich allein verlest auff sein gut gewissen vnd darneben nicht acht oder annimpt auch seines guten geruͤchts oder namens, der ist ein grausamergefühlloser, roher. Vgl. Art. grausam A.3.a.α), in: DWb 8, 2191f. mensch. Bitt derhalben alle
frome Christen vnd sonderlich meine allerliebsten scheflein vnd Pfarkinder, sie wollen, nachdem sie auß solcher meiner verantwortung, darzu mich die hoͤchste noth verursacht, mein vnschuld erkant haben, mich in derselben wider alle vngegruͤndte bezychtigung entschuldiget nemen vnnd sich von meiner, Ja Christi selbst lehr, so sie von mir gehoͤrt vnd zum teil noch
hoͤren, (welchs der Teuffel durch seine lestergliedmaß fuͤrnemlich ytzt sucht) nicht abwendig, noch auch druͤber jrr vnnd zweiffelhafftig machen lassen, sondern zugleich mit mir von hertzen mit hoͤchstem ernst bitten vnd den Allmechtigen ewigen Gott vnd vatter vnsers herren Jhesu Christi anruffen, das er vns in solcher seiner erkanten warheit gnedigst biß an vnser
end erhalten vnnd also das gute werck, so er in vns auß gnaden angefangen, auch mit seinem geist stercken vnd volfuͤrenvollenden. Vgl. Art. vollführen 1), in: DWb 26, 645. woͤlle bis auff den tag Jhesu Christi. Die gnad des Herren Christi sey mit euch allen. Amen.
auß heyliger Schrifft gegruͤndt vnd gestelt durch Mattheum Vogel.
Suͤnder:
Was mus ich thun das ich das ewig leben ererb? Luce am 10.Lk 10,25.
Moyses:
Wiltu zum leben eingehn so halt die zehen gebot Gottes welche lauten also:
Das Erste.
Jch binn der Herr, dein Gott; du solt nicht frembde Goͤtter neben mir haben.Vgl. Ex 20,2f.
Das Ander.
Du solt den Namen Gottes deines Herren nicht vergeblich fuͤhren, dann der
Herr wirt den nicht vnschuldig halten, der seinen Namen vergeblich fuhret.Vgl. Ex 20,7.
Das Dritt.
Gedenck des Sabbats, das du jhn heiligest.Vgl. Ex 20,8.
Das Vierdt.
Du solt deinen vatter vnd deine Mutter ehren, auff das du lang lebest in dem
lande, das dir der Herr, dein Gott, geben wirt.Vgl. Ex 20,12.
Das Fuͤnfft.
Du solt nicht toͤdten.Ex 20,13.
Das Sechst.
Du solt nicht Ehebrechen.Ex 20,14.
Das Siebendt.
Du solt nicht Stelen.Ex 20,15.
Das Acht.
Du solt kein falsche zeugnus geben wider deinen Nechsten.Vgl. Ex 20,16.
Das Neundt.
Du solt dich nicht lassen geluͤsten deines Nechsten Hauß.Vgl. Ex 20,17.
Das Zehendt.
Du solt dich nicht lassen gelusten deines Nechsten Weibs, Knecht, Magd, Ochsen, Esels, noch alles, was dein Nechster hatt.Vgl. Ex 20,18.
Suͤnder:
Aus solchen gebotten vnnd gesetz Gottes hoͤr ich wol, was ich, damit ich in das leben eingehe, thun soll. Aber dieweil ich dasselbig, wie ich in meinem gewissen befinde, nie hab, auch noch nicht thun kan, Act. 15, Rom. 8,Vgl. Act 15,1.10.28.;Röm 8,3. Vnd aber allein die, so das gesetz thun, vnd nicht, die das gesetz hoͤren, fuͤr Gott gerecht sindt, Rom. 2,Vgl. Röm 2,13. erkenn ich auß dem gesetz, das kein
gerechtigkeit, so vor Gott gilt, sonder nur Suͤnd in mir ist, Rom. 3, 7.Vgl. Röm 3,19–24; 7,17–21. Vnnd wirdt also das gesetz meiner Suͤnden krafft, 1. Cor. 15.Vgl. I Kor 15,56.
Moyses:
Jst dann das gesetz Suͤnd? Rom. 7.Vgl. Röm 7,7.
Suͤnder:
Das sey fern, dann das gesetz ist heilig; vnnd eben darumb, das es heilig, recht vnd gut ist, Rom. 7,Vgl. Röm 7,12. wirdt es nun, nachdem ich mich grossen Suͤnder dargegen halt, meiner Suͤnden krafft. Sintemal ich dieselbige nicht also erkant het on durch das gesetz, Rom. 7;Vgl. Röm 7,7. dann dieweil ich nach dem eusserlichen wandel vor der Welt vnstreflich vnd nicht war wie ander leut, Reuber,
vngerechte, Ehebrecher etc., Vermas ich mich selbs, das ich frumb wer, Luc. 18,Vgl. Lk 18,9–14. vnnd wuste nichts vonn der lust. Nun ich aber hoͤre, das das gesetz sagt: Du solt dich nicht lassen gelusten, Rom. 7,Vgl. Röm 7,7. Erkenn ich allererst, das auch gelusten in mir Suͤnd ist vnnd ich derhalben vmb der eusserlichen werck willen, so ich bißher gethan hab, noch lang nicht also frumb vnnd gerecht
bin, wie ich nach dem gesetz Gottes sein soll; sonder wer sich der Gerechtigkeit, so im gesetz erfordert wirdt, will rhuͤmen, der mus nicht allein nach dem eusserlichen Wandel, son-dern auch ohn alle boͤse lust im hertzen rein vnnd vnstreflich sein.
Moyses:
Wie du sagest, also will das gesetz nicht mit eusserlichen wercken bezalt sein, sondern erfordert, das du solt Gott, deinen Herren, lieben von gantzem Hertzen, vonn gantzer Seel, vonn allen krefften vnnd von gantzem gemuͤtte, vnd deinen Nechsten als dich selbst. Deut. 6, Luc. 10.Vgl. Dtn 6,5; Lev 19,18; Lk 10,27.
Suͤnder:
Solche lieb aber find ich, wenn ich mich selber pruͤff, in mir nicht; dann siehe, auß Suͤndtlichem Samen bin ich gezeuget, vnd meine Mutter hat mich in Suͤnden empfangen, Psalm. 51,Vgl. Ps 51,7. vnnd mangel also (wie alle menschen) des Rhums, den ich an Gott haben soll, Rom. 3.Vgl. Röm 3,23. Dann das tichten des Menschlichen hertzens ist boͤß von Jugent auff, Gen. 8,Vgl. Gen 8,21. Vnd kan in keinen
weg ertragen, was alhie im gesetz von volkumlicher lieb gegen Gott vnd dem Nechsten gesagt wirt, Heb. 12,Vgl. Hebr 12,20. Dieweil es fleischlich gesinnet ist. Fleischlich gesinnet sein aber ist ein Feindtschafft wider Gott. Sintemal es dem Gesetz Gottes nicht vntherthan ist, denn es vermag es auch nicht, Rom. 8.Vgl. Röm 8,7.
Moyses:
So sey nun verflucht du vnd yederman, der nicht bleibet in alle dem, das geschrieben stehet im buch des Gesetzs, das ers thue, Deut. 27,Die Errata-Liste sieht hier eine Änderung vor: 21. Gal. 3.Vgl. Dtn 27,26; Gal 3,10.
Suͤnder:
Siehe, solchen zorn richtet das Gesetz an, Rom. 4.Vgl. Röm 4,15. Dann nachdem ich bißher on gesetz in sicherheit gelebt, war die Suͤnd on das gesetz todt, das ist:
gab mir, als ob sie nicht in mir wer, nichts zu schaffen. Nun aber das Gesetz kumpt vnd mich meiner Suͤnden halben anklagt, Gott aber auff solche anklag mich verfluchet, wirt die Suͤnd in mir lebendig, Rom. 7,Vgl. Röm 7,8f. vnnd macht mir so bang, das ich nicht weis, wo ich bleiben soll; dann vmb derselben willen stecken Gottes pfeil nun in mir, vnd seine hand ist wider
mich. Es ist nichts gesundes an meinem leib fuͤr seinem drewen vnd ist kein fried in meinen gebeinen fur meinen Suͤnden, denn meine Suͤnd gehen vber mein heubt, wie ein schwere last sein sie mir zu schwer worden, Psalm. 38.Vgl. Ps 38,3–5.
Moyses:
Solches klagst du vber deine suͤnde billich. Dann sihe, dieselbige nimbt fer
ner vrsach am gebott oder Gesetz Gottes vnnd toͤdtet dich auch durch das Gebott, Rom. 7,Vgl. Röm 7,11. weil du dasselbig nicht gehalten hast nach dem beuelch Gottes, Das, wer wider sein Gebott thue, sol des todes sterben, Gen. 2.Vgl. Gen 2,17. Wenn du aber also getoͤdtet bist, wirstu wol auß dem grab, durch die stimm Gottes erweckt, am Juͤngsten tag wider herfuͤrgehen, aber weil du boͤses
gethan hast, zur aufferstehung des Gerichts, Johan. 5,Vgl. Joh 5,28f. nach welchem dein theil sein wirt mit dem Teuffel vnd seinen Engeln, Matth. 25,Vgl. Mt 25,41. inn dem Pful, der mit fewr vnd schwefel brent, Apoc. 21,Vgl. Apk 21,8. vnd nimmermehr erleschen mag, Esa. 66,Vgl. Jes 66,24. Sonder ein ewige pein sein wirdt, Math. 25.Vgl. Mt 25,46.
Suͤnder:
Ach Gott, wol gar bin ich nach dem Gesetz verloren, sintemal meine suͤnd mitnichten dadurch gestillet, sondern nur auffgedecket, Rom. 3, 7,Vgl. Röm 3,20; 7,7.13. mechtiger, Rom. 5,Vgl. Röm 5,20. vnd vberaus suͤndig, Rom. 7,Vgl. Röm 7,13. Nemlich des fluchs, tods vnd der ewigen pein inn der HellenHölle. schuldig vor Gott werden. Wo ist aber jemand, der seine seel errett auß der Hellen band? Psal 89.Vgl. Ps 89,49. Jn der Hell werd
ich ligen wie ein Schaff, der Todt wirdt mich nagen vnd ich also in der Hellen wol bleiben muͤssen, Psal. 49.Vgl. Ps 49,15. Aber, O Herr, im todt gedenckt man dein nicht. Wer wil dir inn der Hell dancken? Psalm. 6.Vgl. Ps 6,6. Gehe derhalben nicht ins gericht mit deinem knecht. Dann vor dir wirt kein lebendiger gerecht, Psal. 143.Vgl. Ps 143,2. So du wilt, Herr, suͤnd zurechnen, Herr, wer wirdt bestehen? Psal.
130.Vgl. Ps 130,3. O Gott, sey mir Suͤndern gnedig, Luce. 18.Vgl. Lk 18,13.
Moyses:
Einen Propheten wie mich wirt der Herr, dein Gott, dir erwecken auß dir vnnd auß deinen Bruͤdern, dem solstu gehorchen, Deut. 18.Vgl. Dtn 18,15.
Christus:
Sihe, ich kom, im buch ist von mir geschrieben, Psal. 40.Vgl. Ps 40,8. Hoͤr derhalben ein warhafftiges, theures, werdes wordt: Jch bin in die Weldt gekommen, die Suͤnder Selig zu machen, Math. 18, Luc. 15, 1. Timot. 1.Vgl. Mt 18,11; Lk 15,7.10; I Tim 1,15. Dann ob du wol auß Suͤndtlichem Samen gezeuget bist Vnnd deine Mutter dich in Suͤnden empfangen hatt, Psalm. 51.Vgl. Ps 51,7. Vnd durch solch dein Suͤndtlich Fleisch das
Gesetz dermassen geschwecht ist, das es dich nicht Rechtfertigen kann, Rom. 8,Vgl. Röm 8,3. Sondern nach Gottes vrteil viel mehr verfluchen, Toͤdten vnnd zur Heell stossen muß, doch was dem Gesetz vnmuͤglich war, hat Gott gethan vnd gesandt mich, seinen Sohn, Rom. 8,Vgl. Röm 8,3. empfangen vom heiligen Geist, Math. 1, Luc. 1,Vgl. Mt 1,18.20; Lk 1,35. Vnd geborn auß Maria, der Jungfrawen, nach der Weis
sagung Gen. 3, Esa. 7,Vgl. Gen 3,15; Jes 7,14. das, ob ich wol gleich wie du vnd ein ander Mensch vnnd an geberden als ein Mensch erfunden, Philip. 2,Vgl. Phil 2,7. doch on alle Suͤnde, Esa. 53, 2. Cor. 5, Heb. 5, 1. Joann. 3,Vgl. Jes 53,4–6; II Kor 5,21; Hebr 5,8; I Joh 3,5. Vnd auch warer Gott, wie ich von ewigkeyt her gewesen, zugleich mit geblieben bin, Joann. 3, 2. Cor. 5, Coloß. 2, Philip. 2,Vgl. Joh 3,16; II Kor 5,19; Kol 2,9; Phil 2,6. damit ich also, warer Gott vnd Mensch zugleich, Gottes vnd
Marie Sohn, als der einige mitler zwischen Gott vnnd den Menschen mich selbst dargeben kundt fuͤr dich vnd alle Menschen zur Erloͤsung, Coloß. 1, 1. Ti. 2,Vgl. Kol 1,13–20; I Tim 2,5. wie volget:
I.
Dieweil das gesetz solt vnd must, Math. 5, Luc. 16,Vgl. Mt 5,17f; Lk 16,17. vnd doch nicht kundt
von dir auß deinen natuͤrlichen krefften erfuͤllet werden, Act. 15, Heb. 12,Vgl. Act 15,10; Hebr 12,1f. alßdann, ob ich wol kein Schuldner, sonder ein Herr des gesetzes war, Math. 12,Vgl. Mt 12,8. hab ich mich doch vmb deinet vnnd aller Menschen willen vnter das Gesetz gethan, Gal. 4,Vgl. Gal 4,4f. vnd wie ich es allein kunt, also auch an dein statt erfuͤllet, Math. 5.Vgl. Mt 5,17.
II.
Nachdem aber das Gesetz, dieweil es von dir nicht mocht erfuͤllet werden, dich mit seiner anklag als der Suͤnden krafft, 1. Corinth 15,Vgl. I Kor 15,56. Vor Gott zu einem Suͤnder machte, Rom. 7,Vgl. Röm 7,8f.13. alßdann, ob ich wol an mir selbst kein Suͤnde hatt, Joan. 8,Vgl. Joh 8,12.29 hab ich doch dein vnd aller Welt Suͤnd zu tragen auff
mich genummen, Esa. 53, Joan. 1,Vgl. Jes 53,4f. vnnd blutigen Schweiß daruͤber geschwitzet, Matthey 26, Luc. 22.Vgl. Mt 26,37–39; Lk 22,44.
III.
uͤuͤr solche deine suͤnde bin ich dann nach dem vnwiderrufflichen vrteil, welches Gott inn seinem Gesetz vber die suͤnd, der er als ein gerechter Gott
feind ist, Psal. 5,Vgl. Ps 5,5–7. außspricht, ein fluch, Deut. 27, Gal. 3,Vgl. Dtn 27,26; Gal 3,10. vnd nach der weissagung wie ein Wurm vnnd kein Mensch, ein spott der leut vnd verachtung des volcks worden, Psal. 22.Vgl. Ps 22,7. Jch hab meinen rucken dargehalten denen, so mich schlugen, meine wangen denen, die mich raufften, vnnd mein angesicht nicht verborgen vor schmach vnd speychel,
sondern dargebotten als einen kyselstein, Esaie 50.Vgl. Jes 50,6f. Vmb deinetwillen hab ich in einer dornen Kron mit einem purpur Mantel angezogen, Joan. 19, Matth. 27,Vgl. Joh 19,2; Mt 27,27–30. schmach getragen, vnd mein angesicht ist voller schmach gewest, Psal. 69.Vgl. Ps 69,8. Vnd da der Moͤrder vnnd Auffruͤrer Barrabas loß gesprochen, bin ich vnschuldig zum todt verdampt vnd zwischen zwen
Moͤrder, nach dem Gesetz verflucht, Deut. 27,Vgl. Dtn 27,24. an das Creutz auffgehangen, das man das angesicht vor mir verbarg vnd ich fuͤr jederman gehalten wurde fuͤr den, der geplagt vnd von Gott geschlagen vnd zermartert werde, Esaie 53,Vgl. Jes 53,3f. auff das ich dich von dem fluch des Gesetzs erloͤset vnnd der segen Abrahe vber dich inn mir, der ich der gesegnete Samen Abrahams bin,
kaͤme, Gall. 3.Vgl. Gal 3,13f.
IIII.
Sintemal du aber mit den Suͤnden vber den fluch des Gesetzs auch den todt, welcher der suͤnden solt ist, Rom. 6,Vgl. Röm 6,23. verschuldet hettest, alsdann, ob ich wol fuͤr mein person dem todt nichts schuldig, sonder das leben selbst war,
hab ich mich doch vmb deiner missethat wil-len zerschlagen, Esa. 53,Vgl. Jes 53,5. mein hend vnnd fuͤß durchgraben, Psal. 22,Vgl. Ps 22,17. auch entlich toͤdten lassen nach dem fleich, 1 Pet. 3,Vgl. I Petr 3,18. welchs ich auch darumb an mich genomen hab, auff das ich mein leben fuͤr dich zum Schuldopffer geben, Esa. 53,Vgl. Jes 53,10. vnd durch den todt die macht nemen kundt dem, der des todes gewalt hett, das ist:
dem Teuffel, vnd erloͤsen dich, so durch forcht des tods im gantzen leben knecht sein muͤssest, Heb. 2,Vgl. Hebr 2,14f. Vnd bin also als ein Hoherpriester nicht durch der Boͤck oder Kaͤlber, sonder mein eigen blut, Heb. 9,Vgl. Hebr 9,12. welches ich als das vnschuldige vnbefleckte Lamb Gottes, Joan. 1, 1. Pet. 1,Vgl. Joh 1,29; I Petr 1,19. fuͤr dein vnd aller welt suͤnd, 1. Joan. 2,Vgl. I Joh 2,2. Gott meinem Himmlischen Vater zum
Opffer vnd suͤssen geruch dargesprenget hab, Eph. 5,Vgl. Eph 5,2. einmal in das Heilige eingegangen vnd hab ein ewige Erloͤsung erfunden, Heb. 9.Vgl. Hebr 9,12.
V.
Bin ferner begraben vnd nach dem verdienst deiner suͤnden auch zur Hellen gefaren, Psal. 17, 116, Eph. 4.Vgl. Ps 18,5f; 116,3; Eph 4,9.
VI.
Aber nicht darinnen geblieben, Psal. 16, 86,Vgl. Ps 16,10; 86,13. sondern wie ich bißher, da ich gestrafft vnnd gemartert ward, meinen mund nicht auffgethan hab, wie ein Lamb, das zur Schlachtbanck gefuͤhret, vnnd wie ein schaff, das verstummet vor seinem Scherer, Esa. 53,Vgl. Jes 53,7. damit ich inn solcher gedult geheim vnd still
fuͤr deine vnd aller welt suͤnde genug thet. Aber nach dem solches geschehen war, rieß ich mich durch mein Goͤttliche Allmechtigkeit wider auß aller not herauß, nach welcher es auch vnmuͤglich war, das ich solt lenger darinnen behalten wer-den, Act. 2.Vgl. Act 2,25–28.31f. Stundt also mit herrlichemGemäß Errata-Liste aus: hertzlichem. Sieg vnd Triumpff am dritten tag wider vonn den Todten auff,
Rom. 4, 6, 1. Corinth. 15.Vgl. Röm 4,25; 6,4; I Kor 15,4.
VII.
Darumb, lieber Bruder, sey getrost! Jch hab die welt vberwunden, das du in mir fried habest, Joan. 16.Vgl. Joh 16,33. Vnnd nachdem alles durch mich volbracht war, was Moyses vnd alle Propheten von mir geweissagt hatten, Luc. 24,Vgl. Lk 24,27. Bin
ich auffgefahren zu meinem Vatter vnnd deinem Vatter vnd zu meinem Gott vnd deinem Gott, Joan. 20,Vgl. Joh 20,17. welcher mich dann auch gesetzt hatt zu seiner rechten vnnd mir alle ding vnter mein Fuͤß gethan, Ephesern 1, Math. 24, Joan. 3.Vgl. Eph 1,20f; Mt 24,27; Joh 3,35.
VIII.
Damit aber dir vnd aller welt solch Euangelion vnuerborgen blieb, hab ich dasselbig, ehe ich gen Himmel gefahren, meinen Juͤngern durch die gantze welt zu predigen vnd drauff im namen des Vatters vnnd des Sohns vnd des Heiligen Geistes zu tauffen befohlen, Math. 28, Marci. 16, Luc. 24, Act. 1,Vgl. Mt 28,18–20; Mk 16,15f; Lk 24,47; Act 1,5.8. Vnd als der tag der Pfingsten erfuͤllet war, Act. 2,Vgl. Act 2,1. meiner verheissung nach,
Joan. 14, 15, 16, Act. 1,Vgl. Joh 14,26; 15,26; 16,13; Act 1,8. auch den heiligen Geist, so sie zu solchem Ampt tuͤchtig gemacht hat, gesendet, Act. 2.Vgl. Act 2,17f; II Kor 3,6.
IX.
Wie ich auch noch heutigs tags den Menschen dadurch gaben gieb, Ephes. 4,Eph 4,7f. gleiches Ampt zu fuͤhren, welches die versoͤnung prediget, 2. Cor. 5.Vgl. II Kor 5,19.
X.
Sein also die Prediger, so meinem befehl getrewlich nachkummen, Botschafften an meiner stat, durch welche ich selbst verman, bitt vnd sprich zu dir vnd allen Armen Suͤndern: Last euch versoͤnen mit Gott, 2. Cor. 5.Vgl. II Kor 5,20. Thut derhalben Buß vnnd glaubet dem Euangelio, Act. 2.Vgl. Mk 1,15; Act 2,38.
XI.
Souiel nun dem Euangelio glauben, das ist: mich also, wie mich Gott jhnen zu einem GnadenstulLuthers Übersetzung für das Sühnmal (hebr. כַּפּׄרֶת, griech. ἱλαστήριον), die goldene Platte oberhalb der Bundeslade im Allerheiligsten des Jerusalemer Tempels, die als Ort der Gottespräsenz am Versöhnungstag vom Hohenpriester mit dem Opferblut besprengt wurde, um die durch die Sünde zerstörte Verbindung zwischen Gott und seinem Volk (und letztlich der gesamten Menschheit) wiederherzustellen (vgl. Lev 16), im Neuen Testament bildhaft auf Jesus Christus übertragen. durch den glauben in meinem Blut furgestelt, Rom. 3,Vgl. Röm 3,25. Vnd in der Tauff durchs Euangelion anbeut, Tit. 3,Vgl. Tit 3,4–7. ergreiffen vnd Gott dem Vatter fuͤrtragen, die werden in solchem glauben der versoͤnung, so am
Creutz durch mich fuͤr der gantzen welt Suͤnde, 1. Joan. 2,Vgl. I Joh 2,2. geschehen ist, teilhafftig, empfangen vergebung der Suͤnden vnd werden also vor Gottes gericht ohn verdienst auß gnaden gerechtfertiget, Rom. 3,Vgl. Röm 3,24. da dargegen alle vnglaubige vnter dem zorn Gottes bleiben vnnd verdampt werden, Marci. 16, Joan. 3,Vgl. Mk 16,16; Joh 3,36. derhalben gleubstu, so hastu dich auch gleicher gnaden Gottes in
mir gewiß zu uertroͤsten.
Glaubiger Christ:
Jch glaub, lieber Herr, Hilff meinem vnglauben, Marci. 9,Vgl. Mk 9,24. dann der glaub ist nicht yedermans ding, 2. Thess. 3.Vgl. II Thess 3,2.
Christus:
Gott aber ist getrew, der wirt dich stercken vnnd bewaren vor dem argen, 2. Thess. 3,Vgl. II Thess 3,3. Vnnd wo du jhn darumb bittest, den heiligen geist geben, Luc. 11,Vgl. Lk 11,13. der dich, wie er angefangen hat, ferner in alle warheit leit vnnd mich dir verkler, Joan. 16,Vgl. Joh 16,13f. vnd wie du gebeten hast, den glauben sterck, Luc. 17.Vgl. Lk 17,5.
Glaubiger Christ:
Nach dem ich gebeten, war mir klugheit gegeben. Jch rieff, vnd mir kam der geist der Weißheit, Sap. 7,Vgl. Sap 7,7. der geist auß Gott, 1. Corinth. 2,Vgl. I Kor 2,12. das ich nicht allein die geschicht von Christo weis, Jacob. 2,Vgl. Jak 2,19. sondern auch festiglich glaub, das solches alles von Christo mir zu gut geschehen sey vnnd durch solchen glauben Christum, meinen getrewen Mitler vnd Heilandt, nicht allein
wie die Heuchler in den Mundt auff die Zungen, Math. 15,Vgl. Mt 15,8. sondern, wie ich sol, durch gewisse, troͤstliche zuuersicht auch in mein hertz gefast, Rom. 10,Vgl. Röm 10,9. vnd in der heyligen Tauff angezogen hab, Gal. 3,Vgl. Gal 3,27. dergestalt das ich jhm eingeleibt vnd also aller seiner wolthat vnnd guͤter durch solchen glauben teilhafftig worden bin, Ephes. 5, Tit. 3,Vgl. Eph 5,23; Tit 3,4–7. vnnd nun mit Warheit auß
solchem glauben sagen kan: Christus ist mein vnd ich bin sein, Cant. 2, 6.Vgl. Hld 2,16; 6,3. Das kindt ist mir geboren, der Sohn ist mir gegeben, Esa. 9.Vgl. Jes 9,5. Christus ist fuͤr meine Suͤnd gestorben vnd zu meiner Gerechtigkeit aufferweckt, Rom. 4.Vgl. Röm 4,25. Bin also seine Suͤnd, er ist mein Gerechtigkeit, darumb ich auch sicher Triumphir, dann meine Suͤnd wird sein Gerechtigkeit nicht vberschuͤtten,
noch sein Gerechtigkeit mich einen Suͤnder sein vnnd bleiben lassen. Derhalben, O Gott, himlischer Vatter, Siehe nicht an meine Suͤnd, sonder deines lieben Sohns, meines getrewen mitlers, Gerechtigkeit, welche ist sein Heyliger, volkumlicher gehorsam, Leiden, Sterben, Blutuergiessen, Aufferstehung vnnd Himelfart, damit, wie durch Adams Suͤndt die verdamnus vber mich
gekummen ist, also nun durch Christi, des Mitlers, Gerechtigkeit die Rechtfertigung des lebens vber mich kum, vnd das, gleich wie ich durch Adams vngehorsam ein Suͤnder worden, Also nun durch Christi, deines lieben Sohns, gehorsam gerechtfertiget, Rom. 5,Vgl. Röm 5,18f. das ist: vor deinem Gericht nicht nach dem verdienst meiner Suͤnden zum ewigen Todt verdampt,
sondern auß gnaden nach dem verdienst vnnd gehorsam Christi, deines lieben Sohns, vonn meinen Suͤnden zum ewigen leben loß vnd ledig vnd gerecht gesprochen werd.
Gott der Vater:
Dein glaub ist gros, dir geschehe, wie du wilt, Math. 15,Vgl. Mt 15,28. dann ob du wol in
Suͤnden empfangen vnd geborn, Psalm. 51,Vgl. Ps 51,7. vnnd also wie ein kindt des zorns, Ephe. 2,Vgl. Eph 2,3. schuldig bist des fluchs, Tods vnnd der ewigen verdamnus, doch dieweil du getaufft vnd in der Tauff durch den glauben auß wasser vnd geist widergeborn, Joan. 3, Tit. 3,Vgl. Joh 3,5; Tit 3,4–7. vnd in solcher widergeburt Christo, meinem lieben Sohn, eingeleibt bist, hab ich dich lieb, darumb das du meinen
Sohn liebest vnd glaubest, das er von mir außgangen, Joan. 16,Vgl. Joh 16,27. fur alle deine Suͤnd, durch sein vnschuldig, bitter leiden vnnd sterben, Blutuergiessen vnd HellfartHöllenfahrt. genug gethan hat vnnd auß krafft seiner Goͤtlichen Allmechtigkeit am dritten Tag wider erstanden vnd auß aller noth frey vnd ledig worden sey, dann vmb solcher volkumlichen bezalung Christi,
meines lieben Sohns, willen, welche durch den glauben dein wirt, wil ich dich auch loß lassen, dir dein Suͤnde nicht zurechnen, sondern auß gnaden vergeben, Psalm. 32, 130, Rom. 4, 2. Corinth. 5,Vgl. Ps 32,1f; 130,3f.7f; Röm 4,5; II Kor 5,19. derselbigen nicht mehr gedencken, Esa. 43,Vgl. Jes 43,25. Sondern sie in die Tieffe des Mehres werffen, Micha. 7,Vgl. Mi 7,19. Vnnd dir also an stat deiner Suͤnd die Gerechtigkeit Christi, meines
lieben Sohns, als ob du selbst das Gesetz so volkumlich, wie es Christus hat, erfuͤllet hettest, zurechnen, Rom. 5,Vgl. Röm 5,6–10. Vnnd dich wider die anklag des Gesetzs dergestalt rechtfertigen, das, ob wol suͤnd inn dir noch vberig, doch nicht mehr verdamlich sey an dir, der du in Christo Jesu, meinem lieben Son, durch den Glauben eingeschlossen bist, Rom. 3, 4, 8,Vgl. Röm 3,19–24; 4,5; 8,1.
welcher des Gesetzes end ist. Wer an jn gleubet, der ist gerecht, Rom. 10, 2. Cor. 5.Vgl. Röm 10,4; II Kor 5,17–21. Derhalben sey getrost, mein Son, deine suͤnd sind dir vergeben, Vnd inndem ich dir auß lauter Vaͤterlicher, Goͤttlicher guͤte vnnd barmhertzigkeit ohn all dein verdienst allein vmb Christi, meines lieben Son, verdiensts vnnd gehorsams willen die sund vergib, bitte ich dir die
Gerechtigkeit dar, welche fuͤr mir gilt, Rom. 3,Vgl. Röm 3,21–24. vnd der du dich, sofern du im Glauben bleibest, so offt du mit meinem gestrengen Gericht angefochten wirst, hast zu troͤsten vnd zu frewen wider Suͤnd, Tod, Hell vnd Teuffel. Vnd weil du nun auß gnaden mein Son worden bist, Johan. 1,Vgl. Joh 1,12. solstu auch mein Erb vnnd ein Miterb Christi, meines Eingebornen Sons, sein, Vnd so du
anderst mitleidest, auch mit zur herrligkeit des ewigen Himelreichs erhaben werden, Rom. 8,Vgl. Röm 8,17. welches dir Christus durch sein vnschuldig bitter Leiden vnd Sterben eroͤffnet, Joan. 4,Vgl. Joh 4,14.23f; 3,36. vnd mit seinem Blut erkaufft hat.
Glaubiger Christ:
Nun lob den Herrn, meine Seel, vnd vergieß nicht, was er mir guts gethan
hat, der dir all deine suͤnd vergibt vnd heilt all deine gebrechen. Der dein leben vom verderben erloͤst. Der dich kroͤnet mit gnaden vnd barmhertzigkeit, etc. Psal. 103.Vgl. Ps 103,2–4. Dann was wil ich weiter sagen? Jst Gott fuͤr mich, wer wil wider mich sein? Welcher auch seines eygnen Sones nicht verschonet hat, sondern hat jn fuͤr mich vnd alle dahin gegeben, Wie solt er mir mit jhm nicht
alles schencken? Wer wil mich Außerwelten Gottes beschuldigen? Gott ist hie, der da gerecht macht. Wer wil verdammen? Christus ist hie, der gestorben ist. Ja, viel mehr, der auch aufferweckt ist, welcher ist zur rechten Gottes vnd vertritt mich, Rom. 8.Vgl. Röm 8,31–34. Der Todt ist verschlungen in den Sieg, Todt wo ist dein stachel? Hell wo ist dein sieg? Gott aber sey gedanckt, der
mir den sieg gegeben hat durch meinen Herrn Jhesum Christum, 1. Cor. 15.Vgl. I Kor 15,57. Dann was ich auß mir selbst nicht bin noch vermag, das such, find vnnd nimm ich durch den Glauben auß dem jnwendigsten des hertzens meines lieben Herren Jhesu Christi, welches mit barmhertzigkeit vberschuͤtt vnd nicht on oͤffnung ist, durch welche es sich gegen mir außgeust. Dann sie
haben jhm hend vnd fuͤß durchgraben vnd seine seitten mit einem spehr zerstochen,Vgl. Ps 22,17; Joh 19,34.37; 20,25. das ich nun durch solche naͤgelmal oder wunden saugen mag das hoͤnig auß dem Fels vnd das oͤl von dem hartesten stein,Vgl. Dtn 32,13. Das ist: schmecken vnnd fuͤhlen, wie suͤß mein lieber Herr Christus sey.Vgl. Ps 34,9. Dann wo hab ich armer, schwacher mensch ein sichere vnd feste stetStätte. vnd rhu anders
dann in den wunden meines Heylands? Jnn welchen ich auch so viel sicherer wohne, als er mechtiger ist zu helffen. Die Welt tobet, der Leib truckt, der Teuffel stelt mir nach. Jch aber fall nicht, sonder bestehe noch. Dann ich bin auff einen harten Fels gegruͤndet.Vgl. Mt 7,24f. Vnd ob ich schon groß gesuͤndigt, wirdt mein Gewissen betruͤbt, doch sol es nicht gar trostloß werden. Dann
ich wil gedencken der Wunden des Herren. Was ist also gar zum tode, dem nit mit dem Todt Christi mag geholffen werden? Vide Bernhardum in Cant. Canticorum, serm. 61.Vgl. Bernhard v. Clairvaux, Sermones super Cantica canticorum, 61.
Sathan:
Wie? so ist nun das Gesetz durch den Glauben auffgehebt? Rom. 3.Vgl. Röm 3,31. So
magstu nun suͤndigen, dieweil du nicht vnter dem Gesetz, sonder vnter der Gnade bist, in der suͤnd beharren, auff das die Gnade dester mechtiger werde? Rom. 6.Vgl. Röm 6,1.
Christus:
Das sey ferne! Sondern das Gesetz, ob es wol, so vil den fluch vnd das ver
damnuß belangt, auffgehebt ist, wirdt es doch, so viel den gehorsam betrifft, durch den glauben an mich allererst auffgerichtet, Rom. 3, 8.Vgl. Röm 3,19f.31; 8,1–4. Dann eben darumb hab ich dich auß der hand aller deiner feind erloͤset, das du fortan, wie billich, Gott dienest on forcht dein lebenlang in heiligkeit vnd gerechtigkeit, die jm gefellig ist, Luce 1.Vgl. Lk 1,74f. Vnd also je lenger, je neher wider kom
mest zu der Gerechtigkeit, welche durch Adams fall verloren vnd im Gesetz fuͤrgebildt ist. Sey derhalben danckbar vnd thu, was dir Gott in seinem Gesetz gebeut.
Glaubiger Christ:
O Herr, gib, was du gebeutest, vnd gebiete, was du wilt! Vide August. de
spiritu et litera,Augustinus, De spiritu et littera, 22: Da quod iubes. Die Langform – Da quod iubes et iube quod vis. – erscheint fünfmal im Werk Augustins, davon viermal in den Confessiones, einmal in De perseverantia. Vgl. Cornelius Petrus Mayer, Art. Da quod iubes et iube quod uis, auf der Homepage des Zentrums für Augustinus-Forschung Würzburg, (Ausgewählte Texte Augustins, Aphorismen) https://www.augustinus.de/einfuehrung/texte-von-augustinus-mit-online-uebers/ aphorismen/227-da-quod-iubes-et-iube-quod-uis (zuletzt besucht 31.01.2022). dann on dich kan ich nichts thun, Joan. 15.Vgl. Joh 15,5. Jch bin von mir selber vntuͤchtig, etwas zu gedencken, als von mir selber, 2. Corint. 3.Vgl. II Kor 3,5.
Christus:
Wie du bittest, also, nachdem du Gott angenem gemacht bist inn mir, dem geliebten, an welchem du die Erloͤsung hast in meinem Blut, Nemlich die
Vergebung der suͤnden, Ephes. 1,Vgl. Eph 1,4–8. will Gott nicht von dir weichen, sonder durch mich, seinen Eingebornen Son, auß gnaden in deinem hertzen, welches mit meinem heiligen blut im glauben besprengt, 1. Pet. 1,Vgl. I Petr 1,2. Vnd also zu einem heiligen Tempel Gottes geweihet ist, 2. Cor. 6,Vgl. II Kor 6,16. warhafftig wohnen, Joan. 14, 1. Cor. 3, 6, 2. Cor. 6, Ephes. 3,Vgl. Joh 14,16f.26; I Kor 3,16; 6,19; II Kor 6,16; Eph 3,14–17. Vnd den heiligen Geist
außgiessen, Rom. 5,Vgl. Röm 5,5. das du auß vnd inn demselben, als auß dem Weinstock die reben safftig, lebendig vnd heilig gemacht, Johan. 15,Vgl. Joh 15,5. vnd der massen im geist deines gemuͤts vernewert werdest, etc. Jere. 17, 2. Cor. 4, Ephes. 4,Vgl. Jer 17,14; II Kor 4,6; Eph 4,23f. das du Gott, dem du zuuor zu allem gutem todt gewest, lebest, herwiderumb der suͤnden, welcher du zuuor lebest, absterbest, Rom. 6, Gal.
3,Vgl. Röm 6,11; Gal 3,26. Vnd also nicht mehr durch das Gesetz als die boͤsen knecht auß forcht der straff oder zum schein wie die Phariseer, doch mit verdruß, heimlichem vnlust vnd murren deines hertzens dich zu einer eusserlichen froͤmbkeit zwingen vnnd tringen lassest, Gemäß Errata-Liste aus: Esa. 9, Zach. 9, 1. Tit. 3.Gal. 3,Vgl. Gal 3,23–27. sondern, wie das Gesetz erfordert, freywillig vnnd selbst begierig werdest von hertzen, Psalm. 51, Rom. 7,Vgl. Ps 51,12; Röm 7,6. nach
dem geyst wie die frommen kinder Gott zu dienen vnnd gehorsam zu leysten, Rom. 6, Gal. 4,Vgl. Röm 6,11–13; Gal 4,1–7. vnd derhalben seyest wie ein Baum, gepflantzet an den Wasserbaͤchen, der seine frucht bringt zu seiner zeit, vnnd seine blaͤtter verwelcken nicht, vnd was du thust, wolgerate, Psal. 1, Jere. 17.Vgl. Ps 1,3; Jer 17,8.
Glaubiger Christ:
Jch dancke Gott durch Christum, meinen Herrn. Dann ausser Christo zeiget mir das Gesetz wol an, was ich thun solt. Es gab mir aber weder die lust, noch das vermuͤgen zu thun. Vnnd weil ich auch derselben keines in mir selbst hett, erkennt ich durch das Gesetz nur mein schwacheit vnd kranckheit, darein ich durch Adam gefallen. Nun ich aber durch Christum im Glauben
Gott versoͤnet vnd vor seinem Gericht gerechtfertiget vnd des heiligen geistes teilhafftig worden bin, hab ich nach demselben wol lust an Gottes Gesetz nach dem jnnwendigen Menschen. Jch sehe aber noch ein ander Gesetz inn meinen gliedern, das da widerstreittet dem Gesetz inn meinem gemuͤt vnd nimbt mich gefangen in der suͤnden Gesetz, welches ist in meinen
gliedern, Rom. 7.Vgl. Röm 7,22f.
Christus:
Ob wol das fleisch geluͤstet wider den geyst etc., so wandel doch, wie du solt, im geyst, so wirst du die lust des fleisches nicht volbringen, sondern das fleisch sampt den luͤsten vnd begierden creutzigen vnd toͤdten, Gal. 5, Col.
3,Vgl. Gal 5,16f.24f; Kol 3,9f. das die suͤnd nicht vber dich, Rom. 6,Vgl. Röm 6,12–14. sondern du vber die suͤnd herrschest vnd jhr jhren willen nicht lassest, Gen. 4,Vgl. Gen 4,7. sondern durch den geyst des fleischs geschefft toͤdest, damit du lebest, Rom. 6, 8.Vgl. Röm 6,11; 8,13.
Glaubiger Christ:
Die suͤnd wil sich aber nicht gar toͤdten lassen, sondern klebt noch jmmer
an vnd macht mich traͤg, Heb. 12.Vgl. Hebr 12,1. Woͤllen hab ich wol, aber volbringen das gute, finde ich nicht. Denn das gut, das ich will, das thu ich nicht, sonder das boͤß, so ich nicht will, das thu ich. Jch elender Mensch, wer wirt mich erloͤsen von dem leib dieses tods? Rom. 7.Vgl. Röm 7,18f.24
Christus:
Laß in solchen streit deine hend nicht laß werden. Dann ich, der Herr dein Gott, bin bey dir, ein starcker Heyland, Zeph. 3,Vgl. Zeph 3,16f. durch welchen du dich nicht mehr wie ein knecht vnter dem Gesetz, ob du es schon nit volkoͤmlich erfuͤllest, vor Gottes zorn, fluch, tod vnd Hellen fuͤrchten darffst, sondern als ein kind Gottes dem Gesetz frey getrost vnter die augen sehen kanst, 2.
Cor. 3,Vgl. II Kor 3,12–16. vmb meinet willen, der ich das Gesetz volkoͤmlich erfuͤllet vnd nun im glauben dir mein erfuͤllung, welche vor Gottes Gericht bestehen kan, geschencket hab, auch ferner, wo du von mir durch den vnglauben nicht wider abfellst, von dir nicht lassen, sondern inn deinem hertzen mit meinem geyst wohnen vnd jmmer fort wircken wil, biß du inn jenem ewigen
leben, wie du allhie nur angefangen, auch volkoͤmlich inn aller gestalt, wie das Gesetz von dir erfordert, mit der that gerecht vnd ewig selig werdest, Rom. 8.Vgl. Röm 8,27–30.
Glaubiger Christ:
Sihe, ich bin des Herren knecht, mir geschehe, wie du gesagt hast, Luce 1.Vgl. Lk 1,38.
O Gott, der du in mir wirckest beide, das woͤllen vnd thun nach deinem wolgefallen, Philip. 2,Vgl. Phil 2,13. fuͤr auß, das du in mir hast angefangen, Psal. 67.Vgl. Ps 67,2f.5; 66,5.20.
Christus:
Du solt sein in guter zuuersicht, das, der in dir angefangen hat das gute werck, der wirts auch volfuͤren etc., Philip. 1.Vgl. Phil 1,6. Doch halte an mit wachen
vnd beten, das du nicht in anfechtung fallest, Matth. 26, Eph. 6,Vgl. Mt 26,41; Eph 6,18–20. dann sihe, dein Widersacher, der Teuffel, geht vmb dich her wie ein bruͤllender Loͤw vnd sucht, wie er dich verschling, 1. Pet. 5.Vgl. I Petr 5,8.
Sathan:
Jch bin von diesem menschen außgefahren vnd hab durchwandelt duͤrre stet,
rhu gesucht vnd find jhr nicht. Jch wil wider vmbkeren inn mein Hauß, darauß ich gegangen bin, Matth. 9, Luce. 11.Vgl. Mt 12,43f (!); Lk 11,24.
Glaubiger Christ:
Heb dich, Teuffel, Jch bin nicht mehr dein, sondern, wie ich mich in der Tauff verpflicht hab, Christi knecht. Denn da ich dein knecht zur suͤnd war,
was hett ich zu der zeit fuͤr fruͤcht, welches ich mich jetzt scheme. Dann das ende desselben ist der Tod. Nun ich aber durch Christum von der Suͤnden frey vnd Gottes knecht bin worden, hab ich meine frucht, das ich heilig werde, das ende aber ist das ewige leben Rom. 6.Vgl. Röm 6,20–22.
Sathan:
Siehe, das Haus ist mit Besen gekeret vnd geschmuckt, ich wil hingehen vnd sieben geister zu mir nemen, die erger seind denn ich selbst, Math. 9, Luc. 11.Vgl. Mt 12,44f (!); Lk 11,25f.
Glaubiger Christ:
O, Das ist ein harter streit, Job. 41,Vgl. Hiob 40,32; nach anderer Zählung Hiob 40,27; in Biblia Germanica 1545 in cap. XLI: Wenn du deine hand an jn legest / so gedencke / das ein streit sey / den du nicht ausfüren wirst (Volz I, 961). in welchem ich nicht allein mit Fleisch
vnd Blut zu kempffen hab, sonder mit Fuͤrsten vnnd gewaltigen, Nemlich mit den Herren der Welt, die in der Finsternis dieser Welt herschen mit den boͤ sen geistern vnter dem Himmel, Ephes. 6.Vgl. Eph 6,12.
Christus:
Vmb des willen, so ziech an den Harnisch Gottes, auff das du bestehen
kuͤnnest wieder die listige anschleg des Teuffels vnd allenthalben bestendiglich fort dringen muͤgest. Vmbgurt derhalben deine Lenden mit Warheit vnd sey angezogen mit dem KrebsBrustpanzer, Brustharnisch. Vgl. Art. Krebs II.5.b), in: DWb 11, 2130. der Gerechtigkeit vnd Gestiffeltmit Stiefeln bekleidet, gerüstet (an den Beinen). Vgl. Art. stiefeln 1.b), in: DWb 18, 2792f. an Fuͤssen mit dem Euangelio des friedes, vor allen dingen aber ergreiff den SchiltSchild, Verteidigungswaffe. Vgl. Art. Schild II.1.a), in: DWb 15, 110. des Glaubens, mit welchen du außleschen kuͤnnest alle Feurige
Pfeil des Boͤßwichts, vnnd nim den Helm des Heils vnnd das Schwert des geists, welches ist das Wort Gottes, vnd bete stets in allen anligen mit bitten vnd flehen im geist etc., Ephes. 6.Vgl. Eph 6,13–18.
Glaubiger Christ:
Jch hab gestritten, das mir meine hende tropffen mit Myrrhen etc.,
Cant. 5.Vgl. Hhld 5,5. Aber dieweil der Sathan, ob er wol etlichmal veriagt wirt, doch nicht aussen bleybt, sondern kumpt ymmer ye lenger, ye hefftiger wider, bin ich auß schwacheit meines Fleischs von dem Sathan in solchem steten, langwirigem streit letzlich vbereiletüberwältigt; übervorteilt. Vgl. Art. übereilen A.2) u. 3), in: DWb 23, 171f. vnd in Suͤnd listigerweis wider eingeworffen[in Sünde] (hinein)gestürzt. Vgl. Art. einwerfen 1), in: DWb 3, 340f. worden, welche mir nun also wehe thut, das, ob ich wol nicht wie die
Heuchler mein kleid, doch mein hertz druͤber zerreis, bitterlichen weine, Math. 26, Joel. 2,Vgl. Mt 26,65; Joel 2,13. vnd meine augen dauor gen Himmel nicht wol darff auffheben, noch mich enthalten kan, das ich nicht auß grosser wehmut an mein brust schlag, Luc. 18,Gemäß Errata-Liste aus: 17.Vgl. Lk 18,13. vnnd mich selbst solcher Suͤnden halben verklag, doch verzweiffel ich nicht, sondern gedenck deiner Wort, O Jhesu
Christ, Math. 26,Vgl. Mt 26,26–28. do du sprachst: Jch bin kummen, die Suͤnder zur Buß zu ruffen vnd nicht die Frummen, Math. 9.Vgl. Mt 9,13. Jtem: Selig zu machen, was verloren ist.Vgl. Lk 19,10. Nim derhalben als ein guter Hirt, dem du dich selbst vergleicht hast, mich, dein verlornes Schefflein, auff deine Achsel vnd trag mich deinem Himlischen vatter zu, das er mir vmb deinetwillen widerumb gnedig vnd
Barmhertzig werd, Luc. 15.Vgl. Lk 15,2–7.
Christus:
Wer zu mir kumpt, den werd ich nicht hinaußstossen, Joan. 6,Vgl. Joh 6,37. sondern nim jhn mit freuden auff, sag dir derhalben, weil du Buß thust, das vber dir im Himmel freud ist fuͤrvor; hier = mehr als über. Neun vnd neuntzig gerechten, die der Buß nicht be
duͤrffen, Luc. 15.Vgl. Lk 15,7. Gehe nun auff solch dein Buß vnnd glauben hin zu deinem Kirchendiener,Pfarrer, Pastor, Prediger. vnd wenn er dir nach meinem beuelich die Absolution spricht oder die Sund vergibt, so glaub festiglich, daß sie dir Warhafftig auß krafft meiner Wort auch im Himmel verge-ben sein, Joan. 20.Vgl. Joh 20,21–23. Dann Gott, mein Vatter im Himmel, spricht durch den mund deines Kirchendieners
selbst zu dir: Sey getrost, mein Sohn, dein Sünd sein dir vergeben, Marci. 2.Vgl. Mk 2,5. Vnd damit du ja solcher vergebung aller deiner Suͤnd gantz gewiß vnd auch mit dem hoͤchsten pfand, so ich dir jmmer geben kan, derselben halben versichert werdest, alß dann nim hin vnnd iß ohn allen zweiffel nach meiner einsetzung in dem Heiligen Hochwirdigen Sacrament vnter der gestalt des
Brots meinen warhafftigen Leib, so fuͤr dich gegeben, vnd trinck vnter der gestalt des Weins mein Blut, das zu vergebung deiner Suͤnd vergossen ist worden, Math. 26, Marc. 14, Luc. 22, 1. Cor. 11.Vgl. Mt 26,26–28; Mk 14,22–24; Lk 22,19f; I Kor 11,23–25. Solst also wider in mir wie ich in dir sein vnnd bleiben, Joan. 6,Vgl. Joh 6,56. Jch dein Weinstock, du aber mein Reben, Joan. 15.Vgl. Joh 15,5. Vnd ob ich dich schon bißweilen durch Creutz vnd leiden
Beschneit,beschneide (metaphorisch von den Reben am Weinstock). zuͤrn ich doch nicht mit dir, sondern thu es darumb, das ich dich erhalt bey deiner krafft als einen fruchtbaren Reben, Esa. 27.Vgl. Jes 27,3f. Dann weil in dir, das ist: in deinem Fleisch vnd Blut, wonet nichts guts, Rom. 7,Vgl. Röm 7,18. darff dasselbig tegliches beschneidtens, damit es nicht zu frech werd vnd auß solcher frecheit mit seinen Suͤndtlichen luͤsten vnd begirden den geist in dir,
der zum gutten lust hat, vberwachs,überwuchere, überwachse. Vgl. Art. überwachsen I.B.1), in: DWb 23, 623f. dempff vnd ersteck,ersticke (verbum transitivum). Vgl. Art. erstecken, in: DWb 3, 1005f. Math. 13,Vgl. Mt 13,7. vnd du also letzlich wie ein duͤrrer Reben ins fewr geworffen, Joan. 15,Vgl. Joh 15,6. das ist: mit der welt verdampt werdest, 1. Cor. 11.Vgl. I Kor 11,32.
Glaubiger Christ:
Zuͤchtige mich, Herr, doch mit maß vnd nicht in deinem grim, auff das du
mich nicht auffreibest, Jere. 10.Vgl. Jer 10,24.
Christus:
Gott ist getrew, der dich nicht wirt lassen versuchen vber dein vermuͤgen, Sondern machen, das die versuchung so ein end gewinn, das du sie kunnest ertragen, 1. Cor. 10.Vgl. I Kor 10,13.
Glaubiger Christ:
Es ist mir lieb, das du mich gezuͤchtiget hast, das ich deine rechte lern, Psalm. 119.Vgl. Ps 119,71. Du hast mich gezuͤchtiget wie ein geil kalb, Jere. 31.Vgl. Jer 31,18. Ehe ich gedemuͤtiget war, jrret ich, nun aber halt ich dein wort, Psal. 119.Vgl. Ps 119,67.
Christus:
Noch gleichwol klebt die Suͤnd deinem Fleisch vnd Blut an, weil es alhie lebet, Heb. 12,Vgl. Hebr 12,1. vnd verhindert mit seiner widerspenstigkeit, das ich das werck, so ich in dir angefangen hab mit meinem geist, alhie nicht volenden kann, nemlich dich volkummen, wie das gesetz erfordert, mit der that frumb vnd gerecht zu machen vnd in das ewige himmelreich, weil es Sundlich
Fleisch vnnd Blut nicht ererben mag, 1. Cor. 15,Vgl. I Kor 15,50. einzusetzen. Wenn du aber im glauben biß an das end verharrest, Math. 24,Vgl. Mt 24,13. hinweg stirbst, wirstu gerechtfertiget von den Suͤnden, Rom. 6,Vgl. Röm 6,7.11. von allem vbel erloͤst vnnd der ewigen Himlischen freuden teilhafftig werden.
Glaubiger Christ:
So laß nun, Herr, deinen diener im Friede fahren, dann meine augen haben gesehen deinen Heiland, Luc. 2;Vgl. Lk 2,29f. dann ich weis, das derselbig, mein erloͤser, lebet, vnnd er wirt mich hernach auß der erden aufferwecken vnd werde darnach mit dieser meiner haut vmbgeben werden vnd werde in meinem fleisch Gott sehen, denselbigen werde ich mir sehen, vnd meine augen
werden jn schawen vnd kein frembder, Hiob. 19.Gemäß Errata-Liste aus: 15.Vgl. Hiob 19,25–27. Jst also Christus mein leben vnd sterben mein gewinn, Philip. 1.Vgl. Phil 1,21.
Sathan:
Du machest dich sehr kuͤn gegen dem Tod. Aber du wirst noch daran winseln wie ein KranchKranich (Zugvogel). Vgl. Art. Kranich II.1.a), in: DWb 11, 2021. vnnd girren wie ein Taub. Deine augen sollen dir
brechen, Esa. 38.Vgl. Jes 38,14.
Glaubiger Christ:
O Todt, wol bitter bistu meinem fleisch vnnd blut? Syrach 41.Gemäß Errata-Liste aus: 4.Vgl. Sir 41,1. Es zittert vnd zagt daruor, Matth. 26.Vgl. Mt 26,37. Aber es geschicht jhm nicht vnrecht. Dann es hat nichts bessers, sonder solches vnnd noch viel groͤssers leiden wol ver
dienet mit seinen teglichen boͤsen anreitzungen vnd begierden wider Gott vnnd sein gebott, von welchen es nie hat woͤllen, nun aber, getoͤdtet, wirdt muͤssen (Gott hab lob) nachlassen.ablassen (von etw.), (etw.) unterlassen. Vgl. Art. nachlassen 2.c), in: DWb 13, 86. Der geyst ist willig, das fleisch aber ist schwach, Matth. 26.Vgl. Mt 26,41. O Vatter, hilff mir auß dieser stund, Johan. 12,Vgl. Joh 12,27. das ich solch leiden, so ein kleine zeit weret,Vgl. II Kor 4,17. vberwind vnnd darnach des ewi
gen lebens nach deiner verheissung inn Christo, meinem lieben Heyland, teilhafftig werde.
Sathan:
Was troͤstu dich des ewigen lebens, weil du ein suͤnder bist? Suͤnder gehoͤren zur Hellen vnnd nicht gehn Himmel.
Glaubiger Christ:
Jch weis on dich wol, das ich von natur ein Suͤnder bin, aber das ich darumb in die Hellen faren vnnd verdampt sein mus, solstu mich nicht vberreden. Jch weis (Gott hab lob) es besser: Christus Jhesus, Gottes Eingeborner Sohn, ist nach dem willen seines Himlischen Vatters Mensch worden, der hat
mein Suͤnd von mir auff sich genomen vnd ist nach derselben verdienst am Creutz ein fluch worden, gestorben vnnd also wieder dauon abgenummen vnd begraben worden, gen Hellen gefahren vnd am dritten tag wider mit herlichem Sieg vnd Triumpff von dem Tod aufferstanden vnd gen Himel gefahren, hab also an seiner Aufferstehung vnd Himelfart ein gewisses Zeugnus,
das er fur mein Sund durch sein bitter vnschuldig leiden, Blutuergiessen, Sterben vnd HeelfartHöllenfahrt. nach dem vrteil Gottes genug gethan hat, dann wo noch schuld hinderstelligzurück, übrig. Vgl. Art. hinterstellig 1), in: DWb 10, 1518. blieben wer, weis ich dich, Teuffel, wol so boͤß, das du jhn, weil er alle meine Schuld von mir vber sich zu bezalen genummen hat, wol wuͤrdest in deinen SchuldthurnSchuldturm, Schuldgefängnis. des tods vnd der Hellen be
halten haben vnnd nimmermehr wider lassen aufferstehen vnd gen Himmel fahren; weil du aber, durch Christi Aufferstehung vnnd Himmelfart vberzeugt,überführt. meiner Suͤnden halben bist volkumlich bezalt worden, was manestu noch viel schon langst abgezalte Schuld? kanst du oder wiltu aber ye auß boßheit solches vnbilliges manen nicht vnterlassen, so mane Christum, der
alle meine Schuld vber sich zu bezalen genumen hat, vnnd nicht mich drumb, der ich nun nichts mehr mit dir, sondern allein mit Christo, des eigenthumb ich worden bin, zu thun hab, kann derhalben deiner vnnuͤtzen Schreckwort nicht lenger gewarten, sondern muß nun gedencken, wie mich Christus durch sein Blut auß deiner handt errettet, nuhn ferner durch den glauben mit seinem
geist, als er angefangen hatt, auch mit der that volkumlich gerecht vnd frum machen vnnd in himel als mein rechtes VaterlandVgl. Phil 3,20. zu sich nemen will.
Sathan:
Du wirst mich nicht also gar von dir abweisen, dieweil noch deinem fleisch Suͤnd anklebt, Heb. 12,Vgl. Hebr 12,1. welche des tods schuldig ist.
Glaubiger Christ:
Der leib ist zwar tod vmb der Suͤnd willen, der geist aber ist das leben vmb der Gerechtigkeit willen. So nun der geist des, der Jhesum von den todten aufferweckt hat, in mir wonet, so wirt auch derselbige, der Christum von den todten aufferweckt hat, meinen sterblichen leib lebendig machen vmb des
willen, das sein geist in mir wonet, Rom. 8,Vgl. Röm 8,10f. welcher dann in solcher Aufferstehung das werck, so er in der Tauff an mir angefangen vnd durch mein gantzes leben getriben vnnd doch der anklebeten Suͤnd halben, welche du, tod, yetzt gar abtoͤdten wirst, nie hat volenden koͤnnen, letzlichen zum seligen end bringen, nemlich mich zugleich, wie das gesetz erfordert, nach
seel vnd leib volkumlich mit der that gerecht vnd frum machen vnd in das ewige himelreich, so mir Christus mit seinem Blut erkaufft hat, wirt einsetzen. Darumb, O Jhesu Christ, gedenck mein in deinem Reich, Luc. 23,Vgl. Lk 23,42. vnnd der du Blutigen schweis im Gartten vmb meiner Suͤnd willen geschwitzet hast, Math. 26, Luc. 22,Vgl. Mt 26,37–39; Lk 22,44. Erbarm dich mein, der ich nun alhie
lig im todtschweis, vnd weil du, gleich als Moses in der wuͤsten eine Schlangen erhoͤcht hatt, also auch am Creutz erhoͤcht bist worden, auff das alle die, so an dich gleuben, nicht verloren werden, sondern das ewig leben haben, Joan. 3,Vgl. Joh 3,14–16. Ruff vnnd schrey ich zu dir auch auß meiner tods not, du wollest mich in solchem tod nicht verloren bleiben lassen, sondern vmb
deines bittern vnschuldigen leiden, sterbens vnd Blutuergiessens willen, so fuͤr mein Suͤnd geschehen ist, von solchem tod, gleich wie du, mein heupt, am dritten tag erstanden bist, also auch mich, dein gliedmas, am Juͤngsten tag zum ewigen leben wider aufferwecken.Vgl. Kol 1,18; Joh 12,32. Befilch derhalben in deine hende meinen geist, du hast mich erloͤset, Herr, du getrewer Gott, Psal. 31.Vgl. Ps 31,6.
Christus:
Warlich, ich sage dir: Heut wirstu mit mir im Paradeis sein, Luc. 23,Vgl. Lk 23,43. nach der Seel, welche von den Engeln in Gottes hand verwartetbehütet. Vgl. Art. verwarten 3), in: DWb 25, 2135. wirt, Luc. 16;Vgl. Lk 16,22; Sap 3,1. der leib aber wirt in das grab als in ein Schlaffkammer, Esa. 26,Vgl. Jes 26,20. zur rhue gelegt, Sap. 4,Vgl. Sap 4,7. Schlefft alda vnd ist nicht gestorben, Math. 9, Luc. 8, Joan.
11,Vgl. Mt 9,24; Lk 8,52; Joh 11,11–15. bis auff den Juͤngsten tag, an welchem du im grab meine Stim wirst hoͤren vnd wider herfuͤrgehen zur Aufferstehung des lebens, Joan. 5, 6, 10,Vgl. Joh 5,28f; 6,39f.44.54; 10,27f; 11,25f. mit deinem leib der gestalt, das, welcher geseetgesät. ist verweßlich in vnehr, schwacheit vnd als ein natuͤrlicher leib, in der Aufferstehung sey ein vnuerweßlicher, herrlicher, krefftiger vnd geistlicher leib, 1. Cor. 15,Vgl. I Kor 15,42–44. der da,
verkleret vnnd ehnlich gemacht meinem verklerten leib nach der wuͤrckung, damit ich mir kann alle dinge vnterthenig machen, Philip. 3,Vgl. Phil 3,21. Leuchte wie die Sonne, Math. 13,Vgl. Mt 13,43. vnd du also mir gleich seiest; dann du wirst mich sehen, wie ich bin, 1. Joan. 3;Vgl. I Joh 3,2. ytzt sihestu durch einen Spigel in einem tunckeln wort, denn aber von angesicht zu angesicht, 1. Cor. 13;Vgl. I Kor 13,12. damit wirt
dan, welches alhie im glauben vnd der hoffnung, wiewol gewiß, doch noch verborgen gewest ist, erscheinen vnd offenbar werden, Rom. 8,Vgl. Röm 8,19. vnd also nicht allein das verdamnuß vmb meines Verdiensts vnd Gehorsams willen durch vergebung der suͤnden, Sondern auch die suͤndhaffte Natur vnd art sampt allen jamer vnd elend, so drauß alhie erfolget, gantz vnd gar in
dir auffgehebt sein, Dargegen aber die volkoͤmliche Lieb vnd Gerechtigkeit, welche durch Adams Fall verloren vnd im Gesetz wider erfoddert wirdt, endlichen, wie sie alhie nur angefangen, an dir volbracht vnd wider erstatt werden, das du also auß vnd in Gott, der als die Ewige Weißheit, Krafft, Leben, Gerechtigkeit vnd Herrligkeit in dir ewig wohnen, leuchten, leben vnd
weben wirdt,Vgl. Act 1,28. zugleich nach Seel vnd Leib nicht allein hertzliche lust vnd begier, sondern auch das vermuͤgen haben wirst, Gott vnd deinen Nechsten volkoͤmlich zu lieben,Vgl. Mt 22,36–40. inn welcher volkommenheit du dann auch dermassen wirst bekrefftigtbestärkt. sein, das du nimmermehr drauß wider fallen, sondern von Gott ewiglichen darinnen wirst erhalten, getroͤst vnd ergetzt
werden mit vnaußsprechlichen Himmlischen freuden, welche kein Aug gesehen vnd kein Ohr gehoͤrt
hat vnd in keiner menschen hertz gekommen ist, Esaie 64, 1. Cor. 2.Vgl. Jes 64,3; I Kor 2,9.
AMEN.
Bedencken Matthei Vogel von der zugetragenen zwispaltvber dem Artickel von der Rechtfertigung des Glaubens.
Es befilcht der heilig Apostel Paulus seinen Juͤnger, Tito am 1. Capitel,Vgl. Tit 1,9. Er sol fest halten ob dem Wort, das gewiß ist vnd lehren kan, auff das er mechtig sey, zu ermanen durch die heylsame Lehr vnd zu straffen die Widersprecher. Auß welchem befelch Pauli klar ist, das ein Prediger nicht allein lehren,
sondern auch wehren sol, doch also, das er zugleich lehre vnd wehre, nicht wie es jn oder andere menschen gut deucht, sondern allein auß Gottes Wort oder heiliger Schrifft. Dann weil dieselbige nicht von Menschen, sondern von dem heiligen Geist selbst durch den Mund der heiligen Propheten vnd Apostel dargetahn, 1. Pet. 1,Vgl. I Petr 1,10–12. Vnd derhalben nicht wie menschen Lehr
zweiffelhafftig, sondern gewiß ist, kan auch kein Prediger denn allein auß grundt vnd wahrem verstandt derselben mechtig sein, die Gewissen zu lehren, wie herwiderumb auch nicht anderer weiß den Widersprechern zu wehren. Dann solch wehren, welches neben dem lehren in der Kirchen Gottes sein vnd bleiben sol, ist nicht mit einem jeglichen grossen geschrey, lestern
vnd gepolter außgericht, sondern damit ein Kirchendiener inn dem wehren nicht weniger dann inn dem lehren mechtig sey, sol er sich meines erachtens fuͤrnemlich dieser folgenden sieben stuͤck befleissigen:
I.
Erstlich sol er nicht vnbedachtsam sein, sondern sich wol fuͤrsehen, damit er
jhm von keinem etwas einbilde oder durch andere einbilden laß, das sich nicht also in der warheit verhalt. Dann einem ein frembde meynung andichten vnd drauff jn bald verdammen ist nicht allein vor der Welt vnrecht, sonder auch verdamlich. Darumb auch D. Luther in dem Buͤchlein von den Concilijs vnd Kirchen schreibt, Er hab sorg, das etliche Ketzer am Juͤngsten
tag richter vnd die Richterbischoff verdampt sein werden.Vgl. Luther, WA 50, 601,27–602,4: Hie solt man zulauffen, mit sanfftmut unterrichten, und nicht mit stoltz die jrrigen verdamnen. Gott gebe, das ich liege, Jch sorge, das etliche Ketzer am Juͤngsten tage richter, und die Richterbisschove verdampt sein werden. Gott ist wuͤnderlich und unbegreifflich in seinen gerichten [Röm 11,33], on das man weis, Er sey gnedig den demuͤtigen und feind den hoffertigen [I Petr 5,5], Und sonderlich in den Concilien und Kirchen stenden solt man nichts aus Zelo, neid oder stoltz handeln, denn Gott kans nicht leiden. (Von den Konziliis und Kirchen, 1539).
II.
Wenn er aber eines meinung gruͤndtlich vnnd recht eingenomen hat, als dann, wo sie frembd vnd ergerlich scheinet, halt ers gegen heiliger Schrifft vnnd betracht fleissig, wie sie mit der selben vberein kuͤmpt. Dann wie auch
Augustinus de doctrina Christiana, lib. 2. cap. ult., schreibet: Was ein mensch anderßwo gelehrnt hat, ist es schedlich, wirdt es in der heiligen Schrifft verdampt. Jst es aber nuͤtzlich, wirdt es daselbst gefunden. Vnd weil er alles, was er anderßwo nuͤtzlichs gelernet hat, daselbst finden kan, wirdt er auch viel reichlicher daselbst finden, das er anderßwo niendertnirgends; auf keine Weise. Vgl. Art. niener 1) u. 3), in: DWb 13, 830f. hat finden koͤn
nen etc.Vgl. Augustin, De doctrina Christiana II, 42,63: Nam quidquid homo extra didicerit, si noxium est, ibi damnatur; si utile est, ibi invenitur. Et cum ibi quisque invenerit omnia quae utiliter alibi didicit, multo abundantius ibi inveniet ea quae nusquam omnino alibi, sed in illarum tantummodo Scripturarum mirabili altitudine et mirabili humilitate discuntur. (PL 34, 65f).
III.
So nun jemands meinung mit der heiligen Schrifft streitig vnd also schaͤdlich ist, als dann widerspreche er jr,der Meinung. so weit vnd nicht mehr oder weniger, dann wie weit derselbigen durch die heilige Schrifft widersprochen
wirdt, das also ein jeglicher jrrtumb vnd ergernuß in seiner maß auß heiliger Schrifft geurteilt vnd nicht auß einem pri-uat affect mit lesterworten vnd Calumnijs gescherpfft vnd groͤsser gemacht, wie auch herwiderumb nicht auß gunst geringer, dann er an ihm selbst ist, gemacht werd. Dann weil solches auch inn weltlichen Gerichten von Gott verbotten ist, Leuit. 19,Vgl. Lev 19,15. sol
man sich sonderlich inn den Concilijs vnd Kirchenstenden huͤten, das man, wie auch D. Luther in obgemelten Buͤchlein vermanet,Vgl. Anm. 316. nichts darinnen auß neid oder stoltz handel. Denn Gott kans nicht leiden.
IIII.
Damit aber ein Kirchendiener einen jeglichen jrrthumb, wie er an jm selbst
ist, mechtig sey zu straffen, sol er sich viel mehr der heiligen Schrifft dann seiner eygen wort befleissigen. Dann ob man schon lang mit menschen worten gegen einander ficht, viel lestert vnd schreyet, kan man doch jmmer wort vmb wort geben, vnnd was geschwinder weiß fuͤrgeworffen, durch geschwinde anweisung der Redkunst leichtlich wider verlegen. Wenn man aber
wider menschenwort Gottes wort herfuͤrsucht, alßdann, weil dasselbig Gottes Krafft ist, Rom. 1, wirdt man dadurch allererst recht mechtig, zu straffen die Widersprecher. Dann sie koͤnnen mit jren blossen menschlichen worten vnd griffenKniffen, Tricks. (wie auch jener geschwindeverschlagene. Dialecticus, durch einen alten, einfeltigen, frommen Mann im Concilio Nicaeno mit Gottes Wort
vberwunden, bekannt. Vide Ruffini Historiam, lib. 1. cap. 3.)Rufin von Aquileia, Historia ecclesiastica II,3: Sed ut ostenderet deus, quia non in sermone regnum dei, sed in uirtute consistit, quidam ex confessoribus simplicissimae naturae uir, et nihil aliud sciens, nisi Iesum Christum, et hunc crucifixum, inter caeteros auditores episcopos aderat. Quiquum uidisset philosophum insultantem nostris, et callida se disputationis arte iactantem, poscit ab omnibus locum, uelle se paucis cum philosopho sermocinari. Tum uero nostri, qui simplicitatem uiri et imperitiam de sermone duntaxat nossent, pauere, et uelut pudorem quendam pati, ne forte apud callidos homines risui efficeretur sancta simplicitas. Persistit tamen senior: et hinc mouit sermonis exordium: In nomine, inquit, Iesu Christi philosophe audi quae uera sunt. Deus unus est qui fecit coelum et terram, quique homini quem de terrae limo formauerat, spiritum dedit: uniuersa quae uidentur et quae non uidentur, uirtute uerbi sui creauit, et spiritus sui sanctificatione firmauit. Hoc uerbum ac sapientia, quem nos filium dicimus, humanos miseratus errores, ex uirgine nascitur, et per passionem mortis a perpetua nos morte liberauit, ac resurrectione sua aeternam nobis con-[237:]tulit uitam. Quem et expectamus iudicem omnium quae gerimus esse uenturum. Credis hoc ita esse philosophe? At ille uelut si nunquam ullum sermonem contradicendi didicisset, ita obstupefactus uirtute dictorum, mutus ad omnia, hoc solum potuit respondere, ita sibi uideri, nec aliud uerum esse quam quod dixerat. Tum senior: Si haec, inquit, ita esse credis, surge et sequere me ad Dominicum, et huius fidei signaculum suscipe. Et philosophus conuersus ad discipulos suos, uel ad eos qui audiendi gratia conuenerant: Audite, inquit, o eruditi uiri. Donec uerbis mecum gesta res est, uerba uerbis opposui, et quae dicebantur, dicendi arte subuerti: ubi uero pro uerbis uirtus processit ex ore dicentis, non potuerunt resistere uerba uirtuti, nec homo aduersari potuit deo. Et ideo si quis uestrum potuit in his quae dicta sunt sentire quae sensi, credat Christo, et sequatur hunc senem, in quo loquutus est deus. Ita philosophus Christianus effectus, tandem se gratulatus est uictum. (Quelle: ECCLESIASTICAE || HISTORIAE AVTORES ‣ || [Inhaltsübersicht] || [Verlagssignet: Caduceus mit Taube, umwunden von zwei gekrönten Schlangen, gehalten von zwei Händen, die aus Wolken hervorkommen, Beischrift: FRO || BEN] || BASILEAE M‣ D‣ LXII‣ [VD 16 E 4281], p. 236s). vor solcher Krafft Gottes nicht bestehen, sondern werden mit dem geyst des Goͤttlichen Munds, 2. Thessal. 2,Vgl. II Thess 2,8. wie Goliath vom Dauid, der nicht mit Schwerdt, Spieß vnd Schilt, sondern inn dem Namen des Herren Zebaoths zu Goliath getretten kam, 1. Reg. 17,Vgl. I Sam 17,45. niderschlagen vnd vberwunden.
V.
Es soll auch ein Kirchendiener in solchem wehren wie auch in dem lehren nicht sein eigen ehr vnnd nutz suchen, derhalben nicht yemandt zu lieb vnd zu gefallen, oder das er daruͤber bey einem ehr vnd gunst bekum vnnd sein in dem zeitlichen geniessen moͤg, einen andern lesterlichen außschreyen,
vnnd bißweilen auch wider sein gewissen vnnd on alle noth, sondern wie er, was recht ist lehren, also sol er, was vnrecht ist, demselben mit grund vnnd gebuͤrlicher bescheidenheit, wie obgemelt, wehren, allein darumb, weil es die not erfordert, damit Gottes wort nicht verdunckelt vnd sein gemein nicht geergert, dargegen aber all eigen ehr vnd genies hindan gesetzt werd, damit
er also in der warheit, wie er sol sein, ernsthafft, vnd nicht vnter dem schein des ernsts ein Heuchler vnd PauchdienerVgl. Röm 16,18. Vgl. Lepp, Schlagwörter, 131–134. sey.
VI.
Darumb er auch nicht alles alßbald auff die Cantzel bringen, sondern wo ein mensch etwa von einem feel in der lehr oder in dem leben vbereilt wirt, soll
er jhn vnterweisen in geheim mit sanfftmuͤtigem geist, Gal. 6,Vgl. Gal 6,1; Mt 18,15. damit des polterns auff der Cantzel wider ihn nicht von noͤten sey. Vnd wo er also durch solche freundtliche mittel einem Jrthumb oder ergernus abgeholffen, hat er gnugsam, wie er soll, gewehret, ob er schon auff der Cantzel daruon stilschweiget.
VII.
Wo aber kein sanfftmuͤtige vnterweissung helffen will, sondern vber dieselbige ein Jrthumb in der lehr oder Ergernus im leben offentlichen einreist, sol er demselben auch offentlich mit predigen auß heyliger schrift wie ein getrewer Wechter begegnen, doch also das, inndem er die reine lehr ver
ficht, er selbst nicht auß vnbedacht oder hitz derselben in etwa einem punct widerspreche, wie es leichtlich in Confutationibus mag geschehen.
Weil dann solche zwey stuͤck noͤttigerweis zusammengehoͤren, hab ich mich auch bißher diese 10 Jhar, so lang ich im Kirchenampt gewest, nicht allein zu lehren, sonder auch allen dem, was der reinen, vnuerfelschten lehr
entgegen fuͤrgefallen ist, zu weren obgemelter gestalt, souiel mir Gott auff mein gepet Gnad geben hat, zum hoͤchsten befliessen, wie ich mich dann auch vber dem JnterimDas Religionsedikt Kaiser Karls V., erlassen auf dem Augsburger Reichstag 1548, sollte die Kultuseinheit im Reich wiederherstellen und gestand den Protestanten bis zur endgültigen Entscheidung durch ein Konzil lediglich die Priesterehe und den Laienkelch beim Abendmahl zu. Vgl. Joachim Mehlhausen, Art. Interim, in: TRE 16, 230–237. Vogel musste deswegen seine Stelle als Diakon an St. Jakob in Nürnberg verlassen und wechselte nach Preußen. nicht in geringes leiden begeben, vnd als ich vonn dem Durchlauchtigsten Hochgebornen Fuͤrsten vnd Herren, Herren Albrechten dem Eltern, Marggraffen zu Brandenburg, in Preussen etc.
Hertzogen etc., meinem Gnedigsten Fuͤrsten vnd Herren,Zur Vita Herzog Albrechts siehe oben Seite 117f. auch gen Koͤnigsberg in Preussen zum Predigamt beruffen vnd verordnet worden binn, hab ich mir die zwispalt, welche daselbst zwischen H.Hochwürden (?). Osiandro vnnd den andern Theologis vber dem Artickel der Rechtfertigung des glaubens, ehe ich dahin gekummen, entstanden war, nicht weniger dann sie yrgent
einem andern angelegen sein mag, anligen lassen, wie ich mich aber in dieselbige eingelassen hab, will ich nach allen vmbstenden auffs kuͤrtzt erzelen vnnd nim Gott zu zeugen, das solches also vnd nicht anders geschehen, damit alle frome Christen draus zu richten haben, das ich nicht allein geleret, sondern auch, souil mir muͤglich gewest ist, meinem
ampt nach also, wie oben erkleret, gewehret hab, wil auch hiemit niemandt anders beschuldigt, sondern allein mich fur mein person verantwort haben.
Dann wie ich erstlich gen Koͤnigsberg gekummen, ist D. Osiander von vielen gegen mir beschuldigt worden, das er den Suͤnder ausser Christo zu
Gott gewiesen, nichts von Christi leiden vnd sterben gehalten vnd sein Blut mit fuͤssen getretten hab, vnd ein solcher feindt Christi gewesen sey, der da, wenn er gekunt, jhm einen Pfeil durchs hertz geschossen hett etc. Wenn nun Osiander solches gethan het, wer er billich einem vnglaubigen Juͤden gleich zu uerdammen, wie ich aber, als billich gewest, in seinen Buͤchern
nachgesucht, ob er also gelert, hab ichs viel anders, wie aus den volgenden zeugnussen zu uersehen, gefunden.
In Confessione A.Vgl. OGA 10, 102,12–14 (Von dem einigen Mittler, 1551).
In der Vorlage in kleinerer Type gedruckt.Es ist noͤttig zu wissen, das wir nur diesen einigen Mitler, den Herren Jhesum Christum, allein haben vnd sonst kein anderer Mitler mehr zwischen Gott vnd vns
zu vnserer versoͤnung vnd Rechtfertigung sein kan.
In Confessione A. iiij.Vgl. OGA 10, 106,14–18 (Von dem einigen Mittler, 1551).
In der Vorlage in kleinerer Type gedruckt.Vnnd zu dem allen hatt er warer Gott vnnd Mensch sein muͤssen, dann wer er nicht ein warer Mensch gewest, so hett er, was wir Suͤndige Menschen verschuldet hetten, nicht leiden kuͤnnen, vnd wer er nicht warer Gott gewest, het ers nicht
vberwinden noch außstehen kuͤnnen. Vide Gemäß Errata-Liste aus: integras duas.integros duos priores Arcus, A. B. in Confessio:
In Confessione A. iij.Vgl. OGA 10, 104,32–106,12 (Von dem einigen Mittler, 1551).
In der Vorlage in kleinerer Type gedruckt.Dann dieweil wir weder die straff der Suͤnden ertragen, noch das gesetz aus eigen krefften erfuͤllen kunten, so ist vnser lieber Herr Jhesus Christus, der einige Mitler,
fuͤr vns an vnser stat getretten vnd hat zum ersten aller welt Suͤnd auff sich genummen, wie Joannes der Teuffer zeuget, Joan. am 1.:Vgl. Joh 1,29. Siehe das ist Gottes Lamb, das der welt Suͤnde tregt, vnd Esaias am 53.:Vgl. Jes 53,6. der Herr warff vnser aller Suͤnd auff jhn. Deßgleichen Paulus, 2. Cor. 5:Vgl. II Kor 5,21. Gott hat den, der von keiner Suͤnde wust, fur vns zur Suͤnd gemacht, etc. vnd hat also fuͤr vnser Suͤnd gelitten alles, das wir
damit verschuldet hetten, wie geschriben stehet zun Roͤm. 4:Vgl. Röm 4,25. Er ist vmb vnser Suͤnd willen dahin gegeben; 1. Cor. 15:Vgl. I Kor 15,3. Er ist gestorben vmb der Suͤnd willen nach der schrifft; Jesaie am 53.:Vgl. Jes 53,5.8. Er ist vmb vnser Missethat willen verwundet vnd vmb vnser Suͤnd willen zuschlagen, vnd abermal: Er ist von dem Land der Lebendigen gerissen, da er vmb die Missethat meines volcks geschlagen ward, vnd
ist abgestigen zur Hellen, wie geschriben steht Psalm. 17: Es vmbfiengen mich des Todes band,OGA 10, 106,8: bande. vnnd die Beche Belial erschreckten mich, der Hellen Band vmbfiengen mich, vnd des Todes strick vberweltigten mich. Er ist aber nicht in der Hell geblieben, wie geschrieben ist Psalm. 16 vnnd Actorum 2:Vgl. Ps 16,10; Act 2,27. Du wirst mein Seel nicht in der Hell lassen, vnnd Psalm. 86:Vgl. Ps 86,13. Du hast michOGA 10, 106,11f: meine seele. erret auß der tieffen Hell
etc.
Solche vnd dergleichen viel zeugnus haben mich gehindert, das ich keineswegs, wie jhr viel gern gesehen vnnd gehoͤrt hetten, obgemelte Gottes
lesterung Osiandro hab kuͤnnen vnnd woͤllen zumessen. Dann, spricht Gott, Du solt nicht der meng folgen zum boͤsen vnd nicht antworten vor gericht, das
du der meng nach vom rechten weichest, Exod. 23.Vgl. Ex 23,2.
Gleicherweis ist auch Osiander von vielen bey mir angegeben,verleumdet. er hab geschriben vnd gelehret, wir werden nicht vmb des gehorsams Christi, des Mitlers, willen, Sondern allein von der Jnwonenden, wesentlichen Gerechtigkeit
Gottes wegen Gott angenehm vnd wolgefellig oder von Gott zu Gnaden angenummen. Darauff protestier ich vor Gott vnd aller Welt, das ich solcher Gottlosen Lehr, welche stracks dem Euangelio Christi entgegengesetzt ist, keinen beyfall geb. Das ich sie aber bißher Osiandro nicht zugerechnet, haben mir diese seine selbst eygene wort gewehret etc.:
In Confess. A a j. ij.Vgl. OGA 10, 288,15–25 (Von dem einigen Mittler, 1551).
In der Vorlage in kleinerer Type gedruckt.Einen gnedigen Gott hat vns Christus damit gemacht, das er, vnter das Gesetz gethan, das Gesetz fuͤr vns erfuͤllet hat, auff das, so wirs auch nach der Widergeburt nicht rein vnd volkommen erfuͤllen, das vns solcher mangel, gebrech vnd schuld nicht zugerechnet, sondern vns vergeben vnd die erfuͤllung Christi fuͤr vns
dargesetzt werd, darnach aller Welt suͤnd auff sich genomen, fuͤr dieselben gelitten, gestorben, sein blut vergossen vnd fuͤr die vbeltheter gebeten vnd also den zorn Gottes, vnter dem wir von der suͤnden wegen lagen, gestillet, versoͤnet vnnd gantz auffgehaben, Also das wir, die wir an jn glauben, vmb keiner suͤnd willen verdampt werden. Dann er ist die Versoͤnung fuͤr vnser suͤnd, vnd nicht allein fuͤr die
vnsern, sondern fuͤr der gantzen welt, 1. Joan. 2.Vgl. I Joh 2,2.
Jn der Widerlegung etc.Vgl. OGA 10, 614,25–29 (Widerlegung der Antwort Philipp Melanchthons, 1552).
In der Vorlage in kleinerer Type gedruckt.Christus must vnser suͤnd auff sich nemen, dafuͤr leiden, sterben vnnd sein Blut vergiessen, auff das er Gottes zorn stillet, gnad vnd vergebung der Suͤnden erwuͤrb. Deßgleichen must er auch das Gesetz erfuͤllen vnd nach dem Gesetz ein Fluch am
Holtz werden, auff das er vns vom Fluch vnd von der buͤrd des Gesetze erloͤset.
Aus der Predig Phil. 2. Ein jeglicher sey gesinnet etc. B ij.Vgl. OGA 10, 551,15–19 (Zwei Predigten über Phil 2,5–11 [aus der ersten Predigt über Phil 2,5–8], April 1552).
In der Vorlage in kleinerer Type gedruckt.Also haben wir durch ChristiOGA 10, 551,15: seinen. Gehorsam erstlich vergebung der suͤnden. Darnach auch, das vns vnsere gebrechligkeit nicht zugerechnet wirdt, dieweil er das Gesetz fuͤr vns erfuͤllet hat vnd vns nun Gott gnedig ist vnd wir mit jm versoͤnet, das er
vns nun zu Kindern annimbt. Das ist der wahre vnd erstliche grundt vnsers Christlichen Glaubens.
Auch haben mich etliche bereden woͤllen, das Osiander allen menschen, auch denen, so nicht glauben, die vergebung der suͤnden gemeyn gemacht
hab. Ob ich aber wol solcher Gottlosen meinung billich abfall vnd klar sprich, Das wer also lehret, der kuͤndt mit gutem grundt vnter die ergsten Ketzer – als der den fuͤrnembsten Artickel vnsers Christlichen Glaubens: Credo Remissionem Peccatorum, verleugnet – gerechnet werden. Jedoch hab ich denen auch nicht zufallen koͤnnen, welche solche vnchristliche meynung
Osiandro aufferlegt haben. Dann wer diese seine nachfolgende eigene wort cum candore list, findt darinn vil anders, vnd das widerspiel.
Jn der Widerlegung, H iij.Vgl. OGA 10, 617,31–618,3 (Widerlegung der Antwort Philipp Melanchthons, 1552).
In der Vorlage in kleinerer Type gedruckt.Christus ist selbst der Gnadenstul oder guͤlden Altar, wie Paulus alhieVgl. Hebr 9,5.11-15.; Röm 3,25. sagt. Vnd hat vnser suͤnd selbst geopffert an seinem Leib, wie Petrus 1. Pet. 2,Vgl. I Petr 2,24. schreibet.
Welchs alles vns armen suͤndern, die wir der Erloͤsung beduͤrffen vnd begeren, durch vnsern Glauben zu gut koͤmpt. Dann wenn wir nicht glauben, so ist vns solche Erloͤsung kein nutz etc.
Jn der Widerlegung, O ijVgl. OGA 10, 649,23–25 (Widerlegung der Antwort Philipp Melanchthons, 1552).
In der Vorlage in kleinerer Type gedruckt.Man sol ja die Vergebung der suͤnden nicht außschliessen auß dem Glauben. Dann
sie muß geglaubt sein, dieweil Christus befilcht: Man sol Buß vnd Vergebung der suͤnden predigen in seinem Namen.Vgl. Lk 24,47.
Vber der Außlegung des Vatter Vnsers, Matth. 6. B iij.Vgl. OGA 10, 883,5–8 (Predigt über Mt 6,9–15, Okt. 1552).
In der Vorlage in kleinerer Type gedruckt.Dieweil der Herr Christus durch sein Leiden vnd Sterben vns Vergebung der suͤnden erworben hat vnd es dahin gebracht, das das Euangelion in aller Welt gepredigt
wirt, das wer an Christum glaubet, dem woͤll Gott sein suͤnd vergeben.
Ibidem. B iiij.Vgl. OGA 10, 884,32–885,4 (Predigt über Mt 6,9–15, Okt. 1552).
In der Vorlage in kleinerer Type gedruckt.Gott hats von Ewigkeit in sinn, das er vmb des Herrn Christi willen die suͤnd vergeben woͤll. Wir wissen aber das nicht. Wenn ers vns aber zusagt vnd wir glauben, so bekummen wirß auch. Denn man muß vns Vergebung der suͤnden predigen,
vnnd wir muͤssens auch glauben. Dann wenn wirs nicht glauben, so haben wirß auch nicht, sondern bleiben im vnfried.
Ibidem B v.Vgl. OGA 10, 885,32f (Predigt über Mt 6,9–15, Okt. 1552).
In der Vorlage in kleinerer Type gedruckt.Wilt du Vergebung der suͤnden haben, so must du es glauben.
Jn der Predig vber den Spruch
Rom. 6: So wir mit jm gepflantzt werden, B iij.Vgl. OGA 10, 396,22f (Predigt über Röm 6,5–7, Dez. 1551).
In der Vorlage in kleinerer Type gedruckt.Dann der nicht gleubet vber dem bleibt der zorn Gottes, vnd die Erloͤsung ist jm kein nutz.
IIII.
Deßgleichen ist mir von vielen fuͤrgehalten, das Osiander mit seiner Lehr
den Gewissen den trost entzogen vnnd gelehret hab, das man nicht den Gehorsam Christi, des Mitlers, sondern die Wesentliche Gerechtigkeit Gottes Gericht sol fuͤrtragen. Darauff ich geantwort: Das wenn Osiander also gelehrt, hab er nicht allein verkert, sondern auch gantz vnnd gar die Lehr des Euangelij auffgehebt. Wie ich aber in seinen Schrifften nachgelesen, hab ich anders
gefunden vnd derhalben jhn auch nicht woͤllen dergestalt wider mein Gewissen außschreyen vnd verdammen.
In Confessione D iij.Vgl. OGA 10, 130,6–10 (Von dem einigen Mittler, 1551).
In der Vorlage in kleinerer Type gedruckt.Nun OGA 10, 130,6: er uns aber.vns aber Vergebung der suͤnden als ein edler schatz auß solcher Schatzkammer herfuͤrbracht vnnd im eusserlichen Wort fuͤrgetragen wirdt, so empfahen wir
jhn durch den Glauben zu vnser Rechtfertigung vnd wissen, das wir jhn also in jnnerlichen Wort, das in vnserm hertzen bleibt, gewißlich haben, koͤnnen vns auch desselben in aller anfechtung des Gewissens wider alle Pforten der Hellen troͤsten, frewen vnd gebrauchen.
Jn der Predig vber den Spruch
Roman. 8: So ist nun nichts verdamlichs, etc., BVgl. OGA 10, 493,23–27 (Predigt über Röm 8,1–4, Febr. 1552).
In der Vorlage in kleinerer Type gedruckt.OGA 10, 493,23: Ferner aber, wo wir suͤnde haben, die uns.Wo vns die suͤnd woͤllen schrecken vnd zur verzweifflung treiben, so ist alsbald der heilige Geist da vnnd troͤst vns vnd spricht: Thut rechtschaffene Buß vnnd glaubet,Vgl. Mt 3,8; Mk 1,15. das Christus fuͤr euch genug gethan hab, das euch ewere suͤnd vergeben sein vnd jhr nicht verzagen solt. Also wehret der heiligNicht in OGA 10, 493,26. Geist mit seinem Gesetz,
das wir nicht verzweiffeln.
Jn der Außlegung des Vater vnsers Matth. 6, B iiij.Vgl. OGA 10, 884,23–25 (Predigt über Mt 6,9–15, Okt. 1552).
In der Vorlage in kleinerer Type gedruckt.OGA 10, 884,23: Wan wir den das gleuben.Wenn wir glauben so haben wir nicht allein Vergebung der suͤnden, sondern haben auch Trost vnd Fried im Gewissen, das wir koͤnnen froͤlich sein vnnd die Suͤnd vns nicht kan anklagen.
Jn Fuͤrst. Durchleucht. zu Preussen Außschreiben,
stehet in einer Epistel Osiandri, Z iij. iiij.Vgl. Von Gottes Gnaden Vnser || Albrecht) des Eltern / Marggraffen zu Bran || denburg / in Preussen / zu Stettin / Pomern / || der Cassuben vnd Wenden Hertzogen / || Burggraffen zu Noͤrenberg vnd || Fuͤrsten zu Rugen etc. || Ausschreiben || An vnsere alle liebe getrew) vnd || Landschafften / wes wirden standes v] aestimation || ein jeder ist / Vornemlich auch Theologen / Pfar= || herrn / Predicanten vnd Kirchendiener / dari] gruͤnd || lich vnd oͤrdentlich / wie sich die ergerliche zwispalt || vber dem Artickel von vnser armen Suͤnder Recht= || fertigung / vnd warer ewiger Gerechtigkeit / erha= || ben / vnd was wir vns mit grossen sorgen einigkeit || zumachen / bemuͤhet / dargethan / vnd was wir fer= || ner durch freuntliche befuͤrderung vnd befehlich / des || Hochgebornen Fuͤrsten / vnsers freuntlichen lieben || Oheims vnd Schwagern / Herrn Christoffs / Hertzo || gen zu Wirtenberg vnd Teck / Graffen zu Muͤmpel= || garten etc. auff vnser freundlich an suchen / durch S. || L. Theologos aus Goͤttlicher heiliger Schrifft / vor= || geschlagenen Mitteln / endlicher sententz vnd mei= || nung erlernet / vnd zu fortstellung der einigkeit vn= || serer Kirchen / gehalten wollen haben. Darnach sich || jedermeniglich vnsers Fuͤrstenthumbs / so wol die || Predicanten als andere stende / zurichten sollen wissen / || vnd in vnterthenigkeit || zugehorsamen. || Koͤnigsperg in Preussen. [1553: Hans Lufft] (VD 16 P 4780; eine weitere Ausgabe: VD 16 P 4779). Darin Bl. Z 3r–Aa 3r: Antwort herrn Andreae Osiandri auff der Wirtenbergischen Theologen letztes bedencken. (gerichtet an Herzog Albrecht, datiert vom 1. Sept. 1552).
In der Vorlage in kleinerer Type gedruckt.Das VD 16 P 4780 [s. Anm. 362], Bl. Z 3v: sie aber.aber die Wirtenbergischen Theologi setzen, wenn meine meinung wehr, dasVD 16 P 4780 [s. Anm. 362], Bl. Z 3v: das wir Natuͤrliche Goͤtter wuͤrd) / oder das. wir vns des leidens vnnd sterbens Christi nicht solten vertroͤsten,VD 16 P 4780 [s. Anm. 362], Bl. Z 3v: vertroͤsten etc. so kuͤndten sie mir nicht VD 16 P 4780 [s. Anm. 361], Bl. Z 3v: beifallen / wie der. [/] Denn so des Osiandri schrifft etc. nach lengs vermeldet / Daran.beyfallen etc,. daran thun sie recht; sie sollen keinem menschen
darinnen beyfallen; mich wundert aber, mit was geschwindigkeitList, Arglist, Betrügerei. Vgl. Art. Geschwindigkeit 6) und 7), in: DWb 5, 4000f. die Hoch- vnd Wolgelerte Menner in diese gedancken gefuͤrt sein, als solt ich so vngehewr ding lehren, so ichs doch mein lebenlang VD 16 P 4780 [s. Anm. 362], Bl. Z 4r: in sinn nie genomen.nie in sinn genummen vnnd das widerspil in meiner Confession B. j. vnd P. ij.Vgl. OGA 10, 108,12–23: Wie er [scil. Christus] nun als ein getreuer mitler durch die volkommene erfullung des gesetzes und durch sein leiden und sterben fur unser suͤnde gegen Got, seinem himlischen vater, von unserswegen gehandelt und erworben hat, das er uns die suͤnde vergeben und nicht mehr darumb verdammen wil, uns auch unser schwacheit und schuld, das wir das gesetz in diesem leben keineswegs erfullen, dieweil es Christus fur uns erfullet hat, nicht zurechnet, also wendet er sich auch herumb zu uns und handelt von Gottes, seines himlischen vaters, wegen als ein getreuer mitler durch die predigt der puss und seins heiligen euangelions und durch seine heilige sacrament, nemlich die tauffe, schluͤssel und abentmal, auch mit uns und schaffet bey uns, das wir durch die puss, vergebung der suͤnde anzunemen, begirig und, in todt Christi zu bewilligen, geneigt werden, desgleichen durch den glauben und die tauff vom tod der suͤnde wider lebendig, gerecht, neugeborne kinder Gottes mit Gott versonet werden. (Von dem einigen Mittler, 1551, Bl. B1). – OGA 10, 218,11–16: Und dieweil ich aus solcher lesterung spürete, das die lesterer nicht recht vom heiligen sacrament hielten, trib ich auch die lehr vom heiligen sacrament des leibs und bluts Christi fleissig und bezeugte, das es warlich der ware leib Christi, fur uns in todt gegeben, und warlich das wahre blut Christi, zur vergebung unser sünden vergossen, wer und sein müste (Von dem einigen Mittler, 1551 Bl. P3v[sic]). gesetztVD 16 P 4780 [s. Anm. 362], Bl. Z 4r: klerlich gesetzt. hab.
Vide plura in der Widerlegung, M. iij. N. ij.Vgl. OGA 10, 637,16–27 (Widerlegung der Antwort Philipp Melanchthons, 1552, Bl. M2v); 640,34–641,6: Das nun Christus fur uns hat gelitten, fur unser sund genug gethon, das gesetz fur uns erfullet, uns ein gnedigen Gott gemacht, der uns die sund vergibt, das ist die gnad. Das er aber durch den glauben sich selb uns gibt und in uns wonet, unser leben, gerechtigkait und herrligkait ist, das ist die gabe. Die fasse ich also zusamen, das mans baide glauben soll, aber nicht, das sie baide zugleich miteinander die gerechtigkait sein sollen (aaO, Bl. N1r).
Gleicherweis hab ich auch nicht in seinen schrifften finden kuͤnnen, das er, wie etlich mich bericht, die Jnwonung Gottes der vergebung der Suͤnden fuͤrgesetzt hab. Dann also schreibt er:
Jn der Widerlegung, L. ij.Vgl. OGA 10, 631,20–24: Dan spricht jemand, wir konnen an disen verdienst nicht selig werden, so bekenn und lehr ich auch, das es unmuglich gewest were on disen verdienst gnad und vergebung zu erlangen. Vil weniger wurd Gott in uns gewonet haben und unser gerechtigkait worden sein, wann diser verdienst, auff den Got von anfang der welt her hat gesehen, uns nicht ein gnedigen Gott gemacht hett. (Widerlegung der Antwort Philipp Melanchthons, 1552).
In der Vorlage in kleinerer Type gedruckt.Jch bekenn vnnd lehr auch, das es vnmuͤglich gewest wer, on Christi verdienst gnad vnnd Barmhertzigkeit zu erlangen, viel weniger wuͤrde Gott in vns gewont haben.
Jn der Widerlegung, H. ij.Vgl. OGA 10, 616,7–11.18–20 (Widerlegung der Antwort Philipp Melanchthons, 1552).
In der Vorlage in kleinerer Type gedruckt.Solt sich Gott widerumb zu vns thun, in vns Wohnen etc., so must fuͤrwar zuuor ein
Mitler, versoͤner vnd Heiland fuͤrsehen vnnd verordnet sein, der vnser Suͤnd auff sich nem,nähme. dafuͤr litte, stuͤrb, sein Blut verguß vnnd also fuͤr vnser Suͤnd gnug thet etc., auff das sich Gott wider zu vns als zu den versoͤnten gnediglich, freundlich vnd Vaͤterlichen, Gemäß Errata-Liste aus: verletzung on.on verletzung seines gerechten Gerichts, moͤcht wenden vndNicht in OGA 10, 616,20. in vns wohnen.
Jn der Predigt vber die wort Rom. 8:
Jr aber seid nicht Fleischlich. B.Vgl. OGA 10, 505,13–16 (Predigt über Röm 8,9–11, Febr. 1552).
In der Vorlage in kleinerer Type gedruckt.Der Herr Christus hat vns durch sein bitter leiden, sterben, Blutuergiessen vnd gantzen gehorsam das verdient vnnd erworben, das vns Gott erstlich die Suͤnd vergibt vnnd das er darnach durch den glauben zu vns kommen will vnnd wonung bey vnns
machen.
Auch haben viel gegen mir Osiandrum den Papisten vergleicht, als der gleich wie sie gelert hab, das wir nicht durch den glauben allein, sondern durch die werck gerecht, das ist: Gott angenem vnd wolgefellig, werden, darauff ich
auch offtmals gesagt, wenn Osiander also gelehrt, sey er ein rechter Apostata vnd Antichrist worden. Nachdem ich aber dergleichen in seinen schrifften nicht gefunden, hab ich sein auch mit solcher bezichtigung der billigkeit nach verschonet.
Jn der widerlegung. G. iij.Vgl. OGA 10, 611,20f (Widerlegung der Antwort Philipp Melanchthons, 1552).
In der Vorlage in kleinerer Type gedruckt.Jn diesem leben sein alle vnsere gutte werck vnd aller gehorsam vnuolkommen, darumb wir vor Gottes gericht nicht mit bestehen kuͤnnen etc.
Jn der Widerlegung J. iij.Vgl. OGA 10, 622,6–8 (Widerlegung der Antwort Philipp Melanchthons, 1552).
In der Vorlage in kleinerer Type gedruckt.Du must dich in diesem leben nicht auff dein gehorsam noch auff dein reinigkeit verlassen, sondern auff den gehorsam vnd reynigkeit meines Sohns, der das Gesetz
volkumlich fuͤr dich erfuͤllet hatt etc.
Letzlich ist mir etlich mal furgehalten, das nach Osiandri lehr Gott in den glaubigen wonent, auch weil sie alhie leben, einen volkumlichen gehorsam anricht, dadurch dann die glaubigen goͤtter vnd Christo in allem gleich
werden. Auff solche klag hab ich abermals nicht alßbald glauben vnd verdammen wollen, sonder zuuor auch Osiandri nachuolgente antwort auff solchen Artickel gesucht, welche mich anderst bericht vnnd von solchem verdammen Jnnen gehalten hatt.
In Disputationis propositione 77.Vgl. OGA 9, 445,23–27 (Eine Disputation von der Rechtfertigung, 1551; unsere Nr. 1).
In der Vorlage in kleinerer Type gedruckt.Dieser Gerechtigkeit Christi sein wir volkummenen gehorsam schuldig, das wir vnser glieder dargeben zu waffen der Gerechtigkeit,Vgl. Röm 6,13. Gott dem Herren zu vnser heiligung, dieweil wir aber dieselbigen in diesem leben nicht volkumlich leisten, sollen wir bitten, das vns vnser Schuld vergeben werden, alswie. auch wir vergeben.Vgl. Mt 6,12.
In Confessione Bb.Vgl. OGA 10, 296,1–7 (Von dem einigen Mittler, 1551).
In der Vorlage in kleinerer Type gedruckt.Das ist aber auch noth zu wissen, das, ob wir wol durch den glauben alles schon volkumlich in vns haben, was zu vnser Rechtfertigung vnd Erloͤsung gehoͤrt, so wirckt es doch nicht volkumlich in vns, dann wir sein der Gerechtigkeit Gottes, die in vns ist, noch nicht gar gehorsam, vnd die Suͤnd, die in vnserem Fleisch wohnet, ist noch nicht gar gestorben, sondern es nimbt beides von tag zu tag zu, ye lenger ye
mehr, vnd wirt allererst volkhummen, wann wir nun sterben vnd durch die krafft des, der in vns wohnet, vom todt wider auffstehn.
Jn der Widerlegung. O ij.Vgl. OGA 10, 648,20–24 (Widerlegung der Antwort Philipp Melanchthons, 1552).
In der Vorlage in kleinerer Type gedruckt.Wann wir durch den glauben seine lebendige glieder werden, so werden wir solcher seiner Wesentlichen gerechtigkeit auch teilhafftig, dann er wohnet in vns, aber wir
sein jr nicht volkhuͤmlich gehorsam, Ja der gehorsam hatt kaum ein wenig angehebt, er sol aber von tage zu tag zunemen vnd in der Aufferstehung volkummen werden etc.
Also hoff ich, sey genugsam klar, das ich keines weges solche greuliche Jrthumb vnnd lesterung, so in den obgesetzten 7 Artickel verfast sind, vertei
dig, sondern allein schreib, das ich dieselben Jrthumb vnd lesterung in Osiandri Buͤchern bißher nicht hab sehen koͤnnen vnnd derhalben jhn auch nicht damit beschuldigen wollen; kan sie einer aber mit waren grund auff Jn beweisen, will ich weder Osiandrum noch yemandt anders, wens schon ein Engel von Himel wer, Gall. 1,Vgl. Gal 1,8. darinnen entschuldigen, sondern zugleich,
wie ich soll, neben andern verdammen helffen.
Wie ich aber Osiandri entlicher, grundtlicher vnd eigentlicher meinung, welche er in dem Artickel von der Rechtfertigung gehabt, mit hoͤchstem fleiß on all Priuat affect, vnnd (wie Gott weis) allein auß begird der warheit nachgeforscht, hab ich dieselben aller dergestalt gefunden, wie ichs alhie auß seinen
schrifften in ein kurtze Summa zusamengezogen, vnd zweiffel nicht, andere, so gleicherweiß nachlesen vnd -forschen, werdens auch nicht anders finden.
Wir waren durch Adam allezumal in Suͤnd gefallen vnd solcher Suͤnden halben durch das gesetz verklagt, schuldig des fluchs, tods, der Hellen vnnd ewigen verdamnus, dorfften derhalben eines Mitlers, welcher zugleich Gott
vnd Mensch wer, welcher ist Christus Jhesus, Gottes vnd Marie Sohn, der zwischen Gott vnnd vns Sundige Menschen eingetretten ist vnnd das Gesetz, so wir solten vnnd nicht kunten erfuͤllen, an vnser statt erfuͤllet, vnnd dieweil wir es selber nicht erfuͤllet vnnd damit den fluch, Todt vnnd die Hellen verschuldet hetten, ist er ein fluch fuͤr vns worden, des Tods am Creutz
gestorben, zur hellen gefahren vnnd am dritten tag wider vom Tod aufferstanden vnd gen Himmel gefahren. Solches alles wirdt vns im heiligen Euangelio geprediget. Wenn wirs nun glauben, werden wir vmb solches heiligen volkoͤmlichen Gehorsams Christi, des Mitlers, willen, der vns im Glauben zugerechnet wirdt, von Gott zu gnaden angenomen, jhm angenem
vnd wolgefellig gemacht, vnnd empfangen vergebung der suͤnden, der wir vns auch vor Gott wider Suͤnd, Tod, Hell vnd Teuffel zu vertroͤsten haben. Doch welche also vergebung der suͤnden empfangen haben, sein vnd heissen darumb noch nicht (proprie loquendo) gerechtfertigt, Das ist nach seinem verstandt: mit der that gerecht vnd fromm gemacht oder vernewert, sondern
muͤssen allererst gerechtfertigt (das ist: vernewert) werden. Solchs aber geschicht durch die Wesentliche Gerechtigkeit, welche Gott selbst ist vnd allein rechtfertigen, das ist: mit der that gerecht machen, kan. Dann nachdem wir vmb Christi Gehorsams willen im glauben vor Gott zu gnaden angenomen, die vergebung der suͤnden empfangen haben, wohnet solche
Wesentliche Gerechtigkeit, das ist: Gott selbst, durch den Glauben nicht schlechterweißschlicht, einfach. wie die Sonn im Acker,durch seine Wirkung, wie die Sonne in ihren Strahlen präsent ist. sondern wesentlich oder warhafftig in vnsern hertzen als einem Tempel auß Gnaden. Vnd ist also dieselbige Wesentliche Gerechtigkeit oder Christus, wahrer Gott vnnd Mensch, nach seiner Goͤttlichen Natur allein vnser einige, wahre, Ewige
Gerechtigkeit, durch welche wir der vbrigen suͤnd in vnserm fleisch oder dem alten Adam je lenger je mehr abgetoͤdet, vnd dargegen zu allem guten getrieben vnd bewegt vnd dergestalt gerechtfertigt, das ist: auch mit der that, wiewol in diesem leben nur anfenglich, gerecht vnd fromm gemacht werden.Gemäß Errata-Liste ergänzt. Dann dieweil wir solcher Wesentlichen Gerechtigkeit Gottes, so inn
vns durch den Glauben wohnet vnd wircket, nicht, wie wir sollen, ob wir schon nach dem geyst woͤllen, doch nach dem fleisch nicht koͤnnen, volkoͤmlich gehorsam sein, werden wir nimmermehr, weilsolange. dieses leben wheret, sondern allererst in jenem ewigen leben volkommen. Darumb wir vns auch nicht inn diesem leben auff solchen angefangen, vnuolkommenen
gehorsam oder vernewerung verlassen sollen, sondern haben vns allein des heiligen vnd volkoͤmlichen Gehorsams Christi, vnd inn demselben der vergebung der suͤnden, so offt wir auß schwacheit vnsers fleischs vnd steter anreitzung des Sathans gefallen, durch den Glauben zu vertroͤsten. Wenn wir aber in solchem trost durch den zeitlichen tod der suͤnden gar abgestorben
vnd am juͤngsten tag wider mit verklertem leib aufferstanden sein, werden wir durch die Wesentliche Gerechtigkeit nicht allein wie alhie anfenglich, sondern auch volkoͤmlich mit der that gerecht vnd ewig selig sein vnd in derselben, als vnser wahren, ewigen Gerechtigkeit, welche das Leben ist, leben vnd regieren mit vnaußsprechlichen Himmlischen Freuden.
Nachdem ich nun solche formam doctrinae, welche Osiander eigentlich in dem Artickel vnser Rechtfertigung gefuͤrt, gegen der Epistel Pauli zun Roͤmern vnd der Augßpurgischen Confession, wie ich schuldig gewest, gehalten, Hab ich, was ich inn der warheit nach meinem hoͤchsten verstandt strittigs gefunden, keineswegs verschwigen, sondern zugleich priuatim, vnnd
publice, wie mir bede Part zeugen muͤssen, demselbigen ohn scheuhen widersprochen, doch mit gebuͤrlicher bescheydenheit vnd auß solchem grundt Heiliger Schrifft, wie folget:
Erstlich weil das woͤrtlein Iustificare oder Rechtfertigen ambiguum ist vnd
nicht allein nach Hebraischer Sprach art von suͤnden absoluiern oder loßsprechen heist, sondern auch Latino more offtmals fuͤr Iustum facere, das ist: mit der that gerecht machen oder vernewern, gebraucht wirdt, hab ich gefunden, das D. Osiander, ob er wol bede deutung dieses woͤrtleins zugelassen, doch die ander bedeutung, als die fuͤrnembst, vber die erst
erhaben vnd gelehrt hat, Iustificare oder rechtfertigen heiß fuͤrnemlich vnd eigentlich auch in Paulo zun Roͤmern, wenn er von der Rechtfertigung des Glaubens redet, mit der that gerecht machen, welchs wir sonst gemeiner weiß vnd auch nach der Paulina phrasi heissen vernewern oder heiligen. Vide Osiandri Confessio: F. iiij. G. ij. H.Vgl. OGA 10,144,29–146,37; 150,15–18; 156,33–158,3 (Osiander, Von dem einigen Mittler, 1551). Bin derhalben in solchem verstandt
dieses woͤrtleins, so viel die Epistel Pauli zun Roͤmern belangt, Osiandro nicht beygefallen, sondern hab ex Antithesi klar angezeigt, das Paulus eben darumb das woͤrtlein Iustificare dem woͤrtlein Accusare et Condemnare entgegen gesetzt hab, Rom. 5, 8,Vgl. Röm 5,16–18; 8,33f. damit, wie Accusare rechtlich verklagen, Condemnare auff genugsame bewiesene klag zum todt verurteiln heist, Also
dargegen ex natura contrariorum Iustificare fuͤr absoluiern oder loßsprechen verstanden werd. Doch wer die Patres oder alte Lehrer der Christlichen Kirchen lißt, der wirdt darinnen befinden, das sie gemeiniglich das woͤrtlein Iustificare auch dergestalt wie Osiander fuͤr gerecht mit der that machen gebraucht haben. Dann also schreibt Augustinus, lib. 1. de
peccatorum meritis et remissione, cap. 13: Gratia ex multis delictis remissis, hoc est, non solum illo originali, uerum etiam omnibus caeteris ad Iustificationem perducit.
Idem de ecclesiast. dogmatibus Lib. Cap. 28.(Ps.-Augustin), De ecclesiasticis dogmatibus, 28 (PL 58, 987C). Das Werk wurde im Spätmittelalter dem Kirchenvater Augustin zugeschrieben, inzwischen nimmt man an, es gehe auf Gennadius von Marseille zurück. – Vgl. auch die Beschlüsse der 15. Synode von Karthago aus dem Jahr 418, can. 4 (PL 45, 1729; DH 226).
In der Vorlage in kleinerer Type gedruckt.Quicunque dixerit gratiam Dei, qua Iustificamur per Iesum Christum ad solam re
missionem peccatorum ualere, quae iam commissa sunt, non etiam ad adiutorium gratiae ut non committantur, anathema sit.
Idem in exposit. quarundam propositio ex Epistola Pauli ad Rom. proposit. 22.Augustin, Expositio quarundam propositionum ex epistola ad Romanos, 22 (PL 35, 2066f).
In der Vorlage in kleinerer Type gedruckt.Quod autem ait. Qui Iustificat Impium, hoc est, de impio pium facit, ut de caetero
in ipsa pietate permaneat, atque Iustitia, Quia ideo Iustificatus est, ut iustis sit, non ut peccare sibi licere arbitretur.
Chrysostomus sermone 8.,cap. 4. Rom.Vgl. Johannes Chrysostomos, In epistula ad Romanos commentarius, sermo 8. Der Wortlaut des Zitats entspricht der Textfassung in: D. Ioannis Chry= || sostomi archiepi- || scopi Constantinopolitani in omnes D. Pauli || epistolas commentarij, quotquot apud Grae- || cos extant, Latinitate donati, à multis men || dis purgati, et recens in tres tomos diuisi: || quorum vnicuique accessit index rerum o- || mnium insignium locupletißimus, vt nihil || sit quod in eo desiderari possis. || [Tomus I. (?)] || PARISIIS || Apud Viuantium Gaultherot, sub intersignio || Sancti Martini, Via ad D. Iacobum. || 1 5 4 5. , Bl. 44(B). Vgl. PG 60, gr. 455, lat. 456 [die Spalten von griechischem Urtext und lateinischer Übersetzung sind separat gezählt]: Ὥσπερ γὰρ αὐτὸς αὐτὸν ἠγάπησε μεγάλα περὶ αὐτοῦ φαντασθείς· τοῦτο γὰρ ἀγάπης δεῖγμα· οὕτω καὶ ὁ θεὸς αὐτὸν ἐφίλησε μυρίοις ὑπεύθυνον ὄντα, οὐχὶ κολάσεως ἀπαλλάξας μόνον, ἀλλὰ καὶ δίκαιον ἐργασάμενος. – Sicut enim ipse illum amavit, magna de illo imaginatus (hoc enim amoris argumentum est): sic et Deus illum amavit sexcentis peccatis obnoxium, nex modo a supplicio liberavit, sed etiam justum effecit. – BKV² 39, S. b130f, übersetzt: Wie er [der Gläubige] selbst Gott liebt, indem er sich eine große Vorstellung von ihm macht – das ist ja das Wesen der Liebe –, so liebt Gott wieder ihn, indem er ihn, den tausendfach Schuldigen, nicht nur von den Strafen freispricht, sondern ihn auch zum Gerechten macht.
In der Vorlage in kleinerer Type gedruckt.Quemadmodum enim ipse magna de Deo sentiens Deum diligit, id enim dilectionis aus: delectionis. argumentum est, ita rursus ipsum Deus licet innumeris modis reum diligit, non so
lum a supplicio liberans, sed et Iustum efficiens.
Idem paulo post.AaO Bl. 44(D). Vgl. PG 60, gr. 456, lat. 456: Εἰ γὰρ μακάριος οὕτος ὁ λαβὼν ἄφεσιν ἀπὸ χάριτοςx, πολλῷ μᾶλλον ὁ δικαιωθεὶς, καὶ ὁ πίστιν ἐπιδειξάμενος. – Si enim beatus est hic, qui remissionem accepit per gratiam; multo magis qui justificatus est, qui fidem exhibuit. – BKV² 39, S. b132: Denn wenn der schon selig ist, der Vergebung durch Gnade empfangen hat, so ist es noch viel mehr der Gerechtfertigte, der den Glauben an den Tag gelegt hat.
In der Vorlage in kleinerer Type gedruckt.Si enim beatus est, qui remissionem peccatorum gratuito accipit, multo magis qui Iustificatus etiam est, fidemque ostendit.
II.
Zum andern hat Osiander auß solcher seiner bedeutung des woͤrtleins Iustificare oder Rechtfertigen das wort Gerechtigkeit in Paulo auch allein fuͤr das verstanden, das vns, nachdem wir vmb Christi, des Mitlers, willen auß dem Gericht genomen vnd zu gnaden Gottes kommen sein, treibt vnd bewegt, recht zu thun, vnd also mit der that gerecht macht oder (wie man sonst
spricht) vernewert (Vide Confessio H. ij. iij. T. O. ij.)Vgl. OGA 10, 160,11–164,17; 208,21–31 (Osiander, Von dem einigen Mittler, 1551). Vnd nicht, wie es Paulus in der Epistel zun Roͤmern des meisten teils vnd fuͤrnemlich gebraucht hat, fuͤr diß, so vns arme Suͤnder von vnsern Suͤnden absoluirt, also vor Gottes gericht erhelt vnnd auß dem Gericht in die genad Gottes nimbt. Wie dann Abermal auß der Anthitesi klar zu sehen, dann eben darumb wirt die
Gerechtigkeyt Rom. 1Vgl. Röm 1,17f. dem zorn Gottes entgegen gesetzt, das, wie der zorn die Richterliche gestrengigkeit, so die Suͤnd nach jhrem verdienst strafft vnd verdampt vnnd im Gesetz geoffenbart wirt, bedeut, also dargegen durch das woͤrtlein Gerechtigkeit daselbst vnnd auch hernachmals in Paulo Rom. 3, 4, 5,Vgl. Röm 3,28; 4,5; 5,1. widerumb vnd sonderlich die gnad vnnd Barmhertzigkeit Gottes,
welche vns vmb Christi, des Mitlers, willen im glauben ergriffen vonn den Suͤnden absoluirt vnd also vor Gottes gericht erhelt vnd im Euangelio offenbart wirt, fuͤrnemlichen verstanden werde, doch also, das solcher gnad alßbaldt auch volg die gab der goͤttlichen Gerechtigkeit, welche Osiander allein vnter dem woͤrtlein Gerechtigkeit verstanden vnd nichts anders ist
dann der heilig geist oder Gott selbst, welcher in denen, so also vmb des mitlers Christi willen begnadet sein, durch den glauben wohnet vnd sie ferner treibt vnd bewegt, recht zu thun, wie dann auch die Patres in solchem verstandt Gott selbst anaus: on. vielen orten das woͤrtlein Gerechtigkeit zugelegt haben, fuͤrnemlich aber Augustinus, lib. 2. de peccatorum meritisaus: merisis. et remiss.,
Cap. 10: Deus, qui lux est hominis interioris adiuuat nostrae mentis obtutum, ut non secundum nostram, sed secundum eius Iusticiam boni aliquid operemur.Augustin, De peccatorum meritis et remissione et de baptismo paruulorum ad Marcellinum II 5,5 (PL 44, 153 ; CSEL 60, 75,15–17).
In der Kustode auf Bl. f 4v: In Epistolis. Idem in epistola ad consentium.Augustin, Epist. 120, 4, 19 (PL 33, 461) (CSEL 34 II, 720–721).
In der Vorlage in kleinerer Type gedruckt.Eadem porro Iustitia, quae uiuit in seipsa procul dubio Deus est, atque incommu
tabiliter uiuit. Sicut autem cum sit in seipsa uita, etiam nostra fit uita, cum eius efficimur participes, ita cum in seipsa sit Iustitia, etiam nobis sit Iustitia, cum ei cohaerendo iuste uiuimus, et tanto magis, minusue iusti sumus, quanto magis minusue illi cohaeremus, etc. ui de totam epistolam.
Idem in Sermone 12. super Psalmum 118.Augustin, Enarr. in psal. 118, sermo XII (PL 37, 1535) (zu Ps 118,40 Vg).
In der Vorlage in kleinerer Type gedruckt.Ecce (inquit) concupiui mandata tua: in tua Iustitia uiuifica me.Vgl. Ps 118,40 Vg. Ecce concupiui ex toto corde, et ex tota anima, et ex tota mente diligere te, et proximum sicut me. Non in mea, sed in tua Iustitia uiuifica me, hoc est, illa charitate, quam concupiui, imple me. Adiuua me, ut faciam, quod commendas, dona ipse, quod mandas, In tua Iustitia uiuifica me, quia in me, unde morerer habui. Vnde autem uiuam non inuenio
nisi in te, etc. Iusticia tua Christus est, qui factus est nobis sapientia a Deo, et Iusticia, et Sanctificatio, et Rademptio, ut quem admodum scriptum est, qui gloriatur, glorietur in domino,Vgl. I Kor 1,30f. et in illo inuenio mandata tua quae concupiui, ut in tua Iusticia, hoc est, in illo uiuifices me, ipse est enim uerbum Deus, et uerbum caro factum est, ut esset et proximus meus,Vgl. Joh 1,14. lege totum Psalmum.
Chrysostomus in Sermone 7: cap. 3. Rom.Chrysostomus, Homiliae XXXII in ep. ad Romanos, cap. 3, sermo 7,2 (PG 60, 444): καὶ δείξας τοῦ Πατρὸς τὸ κατόρθωμα, τὸ αὐτὸ δείκνυσι καὶ τοῦ Υἱοῦ ὄν· ὁ μὲν γὰρ Πατὴρ προέθετο, ὁ δὲ Χριστὸς ἐν τῷ αὐτοῦ αἵματι τὸ πᾶν κατώρθωσεν. Εἰς ἔνδειξιν τῆς δικαιοσύνης αὐτοῦ. Τί ἐστιν, Ἔνδειξις τῆς δικαιοσύνης; Ὥσπερ ἔνδειξις πλούτου, τὸ μὴ μόνον αὐτὸν εἶναι πλούσιον, ἀλλὰ καὶ ἑτέρους πλουσίους ποιεῖν· καὶ ζωῆς, τὸ μὴ μόνον αὐτὸν εἶναι ζῶντα, ἀλλὰ καὶ νεκροὺς ζωοποιεῖν· καὶ δυνάμεως, τὸ μὴ μόνον αὐτὸν εἶναι δυνατὸν, ἀλλὰ καὶ τοὺς ἀσθενεῖς δυναμοῦν· οὕτω καὶ δικαιοσύνης ἔνδειξις. τὸ μὴ μόνον αὐτὸν εἶναι δίκαιον, ἀλλὰ καὶ τὸ ἑτέρους ἐν ἁμαρτίαις κατασαπέντας ἐξαίφνης δικαίους ποιεῖν.
In der Vorlage in kleinerer Type gedruckt.Quod cum dicit patris hoc esse quidem opus ostendit, ita tamen, ut et filij esse declaret. Pater enim proposuit quidem, filius uero sanguine suo totum perfecit. Ad ostensionem Iusticiae suae.Vgl. Röm 3,26. Quemadmodum uera diuitiarum ostensio non in hoc tantum est, ut diues sit, sed quod et alios, diuites efficiat, et uitae non solum in eo,
quod per se uiuat, sed quod mortuos uiuificet, potentiae non ut ipse potens sit tantum, sed ut et infirmos potentes faciat. Ad eum omnino modum et Iustitiae declaratio non in hoc est tantum, quod iustus sit, sed quod et alios, nimirum qui in peccatum inciderunt confestim iustos reddat.
Wie nun Paulus obgemelter gestalt diese 2 woͤrtlein, Gerechtigkeit vnnd Rechtfertigen, fuͤrnemlich in der lehr von der vergebung der Suͤnden, welche auch darumb der Artickel vnser Rechtfertigung heist, gebraucht hat, also befind ich, das dargegen Osiander solche 2 woͤrtlein in der lehr von der vergebung der Suͤnden, weil sie sich in seinem verstandt nicht dahin schicken,
gar ausgelassen, yedoch sonst ausserhalb solcher 2 woͤrtlein rechter vnnd einerley meinung mit Paulo von der vergebung der Suͤnden geschrieben hat, wie leichtlich kann erkleret werden.
Dann dieweil Osiander das woͤrtlein Rechtfertigen nicht braucht wie Paulus fuͤr absoluirn oder von Suͤnden loßsprechen, sondern fuͤr
vernewern, alsdann, ob er woll nicht weniger dann Paulus lehret, das wir allein vmb Christi gehorsams willen im glauben von dem verdamnus aller vnser Suͤnden loß vnnd ledig gesprochen werden vnd vergebung der Suͤnden empfangen, streit er doch, das wir darumb, proprie zu reden, nicht gerechtfertige leut heissen. Vide Confessio. G,Vgl. OGA 10, 156 (Osiander, Von dem einigen Mittler, 1551). Jn der widerlegung O. iij,Vgl. OGA 10, 649f (Osiander, Widerlegung der Antwort Melanchthons, 1552).
welche doch auß ytztgemelter vrsach von Paulo also genent werden, da er spricht Rom. 5:Vgl. Röm 5,1. Nun wir sindt gerecht worden, das ist: vergebung der Suͤnden empfangen haben, durch den glauben, haben wir fried mit Gott, dann weil vergebung der Suͤnden muß vorgehn, wo fried im gewissen soll volgen, soll vnd mus durch das woͤrtlein Gerecht werden, welchs alhie
dem fried des gewissens fuͤrgesetzt wirt, auff die empfangene vergebung der Suͤnden vnd nicht auff die vernewerung, welche dem fried nicht vorgehet, sondern nachuolget, noͤttiger weiß verstanden werden.
Vnd ob er wol nicht allein zulest, sondern auch an vilfeltigen orten, welche eines teils oben erzelt sein, gewaltig vnd weitleufftig mit Paulo lert
vnd rhuͤmet, das allein der gehorsam Christi, des Mitlers, Nemlich sein pitter leiden vnd sterben, Blutuergissen, Aufferstehung vnd himelfart, so fern wirs arme Suͤnder im glauben annemen vnnd Gott fuͤrtragen, vns bey Gott zu gnaden bring vnd also vergebung der Suͤnd erlang, yedoch aignet er darumb dem gehorsam Christi nicht, wie Paulus, das woͤrtlein Gerechtigkeit
zu. Vide Confess. B. ij. h. iiij.Vgl. OGA 10, 110–112; 164–166 (Osiander, Von dem einigen Mittler, 1551). Wils auch von andern, im gegeben, nicht anderst denn allein tropicein uneigentlicher Verwendung, als Form uneigentlicher Rede. Vgl. Rudolf Drux, Art. Tropus, in: HWRh 9 (2009), 809–830. verstanden haben. Dann Gerechtigkeit verstet er nicht wie Paulus Rom. 3, 4, 5,Vgl. Röm 3,28; 4,5; 5,1. auch fuͤr das, vmb welches willen wir vor Gott zu gnaden kummen vnd das vns also vor Gottes gericht erhelt, sonder allein fuͤr diß, so vns nach empfangner vergebung der Suͤnden treibt vnd
bewegt, recht zu thun; weil aber Gott allein wuͤrckt in vns zugleich das woͤllen vnd thun nach seinem wolgefallen, Phil. 2,Vgl. Phil 2,13. schreibt Osiander solch wort in dem verstandt auch allein Gott zu vnnd heist jn darumb, wie in den Schulen gebreuchlich vnnd er auch in der warheit ist, die wesentliche Gerechtigkeit. Hierauff hab ich gesagt, das das woͤrtlein Gerechtigkeit
keines wegs uniuocum, wie es Osiander gebraucht, sonder aequiuocum sey, das ist: nicht eynerley, sonder mehr bedeutung hab. Derhalben, ob es woll allein GOTT zugehoͤret, in dem es heist treiben vnd bewegen, recht zu thun, sey doch dem heiligen Paulo keineswegs zu widersprechen, der es in einem andern verstandt, wie obgemelt, auch dem gehorsam Christi klar zuschreibet,
Rom. 5, do er spricht: wie nun durch eines Suͤnd die verdamnus vber alle menschen kummen ist, also ist auch durch eines Gerechtigkeit die Rechtfertigung des lebens vber alle menschen kommen. Denn gleich wie durch eines Menschen vngehorsam viel Suͤnder worden sind, Also auch durch eines gehorsam werden vil gerechten.Vgl. Röm 5,18f. Dann was S. Paulo hie oben
Gerechtigkeit, das heiß vnd sey jhm alsbald vnten herab Christi Gehorsam vnnd zeige fein an, was derselbige fuͤr ein Gerechtigkeit sey, Nemlich durch welche die Rechtfertigung des lebens, das ist: das vrteil zum leben, vber vns kompt, wie durch Adams suͤnd die verdamnuß oder das vrteil zum todt. Hab derhalben offtmals gesagt vnd sag auch noch, das der Gehorsam Christi nicht
allein moͤg vnnd sol genent werden, sonder sey auch, wiewol nicht die Wesentliche, doch warhafftig die Gerechtigkeit des Mitlers, welche der arme Suͤnder durch den Glauben fassen vnnd Gott fuͤrtragen sol vnd muß, wo er anders vor jhm vnnd seinem gestrengen Gericht bestehen wil vnd vergebung der suͤnden empfangen.
Doch hab ich darbey auch vermeldet, das der Gehorsam Christi nicht ausserhalb, sonder in der person vnsere Gerechtigkeit dergestalt sol werden gerhuͤmet. Dann in solchem verstandt were er schon nicht mehr der Gehorsam Christi, welcher fuͤr der gantzen Welt suͤnd gnug gethan hat.Vgl. Joh 1,29. Sintemal in keiner andren, sondern allein in Christi, des Mitlers, person, welche zugleich
Gott vnd Mensch ist, ein solcher volkoͤmlicher Gehorsam hett koͤnnen geleistet werden.Vgl. Anselm von Canterbury, Cur deus homo.
Dargegen sol auch, wenn man geschrieben findt oder selbst sagen wil, das Christus vnser Gerechtigkeit sey, in der wir vor Gottes Gericht bestehn, Christus nicht ausserhalb, sondern in seinem Gehorsam als ein Mitler durch den
Glauben von vns ergriffen vnd in das hertz dergestalt gefast, das es sich seinseiner (Christi, des Mittlers). allein vor Gottes Gericht vertroͤst, verstanden werden. Dann wie ich gesagt, also ist, wenn mans jetziger erklerung nach recht ver- stehet, kein vnterscheyd, sondern einerley verstand in den zweierley Reden vnd gilt gleich, man sag, Christus als ein Mitler oder der Gehorsam Christi ist vnser Gerech
tigkeit, in welcher wir fuͤr Gottes Gericht tretten sollen vnd auch bestehn koͤnnen.
Vber das hab ich auch angezeigt, das zugleich inn der heiligen Schrifft vnd den heiligen Vaͤtern, sonderlich a
ber D. Luthero, nicht allweg der gantze Gehorsam vnd Verdienst Christi, weil er sehr weitleufftig ist, sondern
bißweilen nur stuͤck weiß beschrieben vnd als vnser Trost, Heil vnd Seligkeit gerhuͤmet werd. Christus sprech: Der heilig Geyst wirdt die Welt straffen vmb die Gerechtigkeit, das ich zum Vater gehe vnd jr mich fort nicht sehet, Johan. 16.Vgl. Joh 16,8.10. Paulus schreib: Gott hat Christum fuͤrgestelt zu einem Gnadenstul durch den Glauben in seinem blut, Rom. 3.Vgl. Röm 3,25. Jtem: Wir sind
durch sein Blut gerecht worden, Rom. 5.Vgl. Röm 5,9. Johannes sprech: Das Blut Christi macht vns rein von aller suͤnd, 1. Johan. 1.Vgl. I Joh 1,7. Jtem Augustinus in Manuali, cap. 22: Jnn aller meiner widerwertigkeit find ich kein krefftiger Artzney dann die Wunden Christi, in denselben schlaff ich sicher vnnd rhue vnerschrocken.Vgl. Ps.-Augustinus, Manuale, cap. XXII: In omnibus aduersitatibus non inueni tam efficax remedium, quam vulnera Christi; in illis dormio securus, et requiesco intrepidus. (zit. nach: D. AVRELII || AVGVSTINI || HIPPONENSIS EPISCOPI, || OPERVM TOMVS IX. || CONTINENS ILLIVS TRACTATVS: || HOC EST, || EXPOSITIONES AD POPVLVM || factas in nouum Testamentum, cum alijs || varij generis opusculis. || A Theologis aliquot Lovaniensibvs diligenter || emendatus ex collatione ms. codicum. || Qui etiam notha, seu falso beato Augustino inscripta, || in Appendicem retulerunt. || [Signet: reich (vor allem mit Lilienemblemen) verziertes, stark mit Kanonen bestücktes dreimastiges Kriegsschiff, das Land im Hintergrund beschriftet: LVTE || TIA] || PARISIIS. || – || M. D. LXXXVI. || CVM PRIVILEGIO., S. 388[Sp. b]C) (vgl. PL 40, 960f, dort cap. XXII–XXIII). Ambrosius: Mors Christi est Iustificatio peccatoris.Vgl. Ambrosiaster, Commentarius in epistulas Paulinas, in Gal 2,21: Nil tam apertum est, quia, si per legem potuisset homo iustificari, Christum non oportuerat mori. Sed quia lex dare remissionem peccatorum non poterat neque secundam mortem detriumphans expoliare captivis, quos tenebat caussa peccati, idcirco Christus mortuus est, ut ea praestaret, quae lex non poterat, ac per hoc non gratis mortuus est. Mors enim eius iustificatio peccatorum est. (CSEL 81/3, 29,18–24).
Bernhardus super Cantica: Dein Leiden ist die letzte zuflucht, die best Artzney vnd vnuͤberwindtliche Weißheit.Vgl. Bernhard von Clairvaux, In Cantica sermo 22, 8: Passio tua ultimum refugium, singulare remedium. Deficiente sapientia, iustitia non sufficiente, sanctitatis succumbentibus meritis, illa succurrit. Lutherus: Der Todt vnd Aufferstehung Christi ist vnser Leben vnd Gerechtigkeit.Vgl. Luther, WA 56, 296,17–22: Mors Christi Est mors peccati Et resurrectio eius Vita Iustitie, quia per mortem suam satisfecit pro peccato et per resurrectionem suam contulit nobis Iustitiam. Et sic sufficientissima. Et resurrectio eius non tantum est sacramentum Iustitie nostre, Sed etiam efficit eam in nobis, si eam credimus, et est causa (Römerbrief-Auslegung 1515/16). Jtem: Jn Christi wunden wirdt die Seel behalten.Vgl. Luther, WA 10 I.1, 127,3 (Kirchenpostille, 1522, Epistel in der Früh-Christmesse, Tit 3,4–7, hier zu 3,7f). Werd derhalben inn solchen vnd andern dergleichen viel mehr Spruͤchen der Gehorsam Christi in keinem weg
zertrent, noch mancherley, sondern die einige Gerechtigkeit oder der Gehorsam Christi, so vor Gottes Gericht sol von vns gebracht werden, dadurch eingefuͤrt vnnd bestetiget. Dann ob schon viel stuͤck, so zum Verdienst vnnd Gehorsam Christi gehoͤren, in solcher weiß zu reden verschwiegen, werden sie doch nicht außgeschlossen, sondern vnter
dem einigen punct, so gemelt wirdt, zugleich verstanden. Werden also in solcher Lehr von dem Gehorsam Christi die armen Gewissen nicht von, sondern zu Christo gewiesen, dergestalt das sie sich sein warhafftig im Glauben vertroͤsten koͤnnen. Dann ausserhalb des Gehorsams ist vnns armen suͤndern die gerechte Person Christi nicht, sondern wirdt vns allererst, vnnd
fuͤrnemlich vmb des Gehorsams willen, darmit sie sich vnser not angenomen hat, wider suͤnd, Todt, Hell vnd Teuffel troͤstlich.
Darumb, obwol Osiander nicht weniger dann alle andere Christliche Lehrer an vielen orten weitleufftig lehret, das wir vns der vergebung der suͤnden, welche wir allein vmb Christi Gehorsams willen im Glauben von Gott
empfangen, wider Suͤnd, Todt, Hell vnnd Teuffel zu troͤsten vnd zu frewen haben. Jedoch wil er jr deßhalben auch nicht, wie zuuor vom Gehorsam Christi gesagt, das woͤrtlein Gerechtigkeit zulegen. Sintemal jhm Gerechtigkeit nicht heist wie Paulo zun Roͤmern, das vor Gottes Gericht troͤst vnnd erfrewet, sondern allein diß, wie zum offtern mal gemeldet ist,
welches denn, so auß dem Gericht Gottes schon genomen ist, ferner treibt vnd bewegt, recht zu thun. Hab derhalben hie abermals Osiandro keinen beyfall gegeben, sondern wie der Gehorsam Christi die Gerechtigkeit des Mitlers ist, so man dem Gericht Gottes allein fuͤrtragen sol, Also, hab ich gesagt, verstehe ich durch das woͤrtlein Gerechtigkeit Gottes vnnd
Gerechtigkeit des Glaubens, Rom. 1, 3, 4,Vgl. Röm 1,17; 3,21f.25f; 4,3.5.9.11.16. die Gnad vnd Barmhertzigkeit Gottes, welche vns ohn all verdienst vnserer werck allein vmb Christi Verdiensts vnd Gehorsams willen, im Glauben fuͤrgetragen, all vnser suͤnd vergibt vnd der gestalt rechtfertigt, das, ob wol suͤnd in vns vberig, doch vor Gottes Gericht nicht mehr verdamlich sein. Darumb auch solch
vergebung der suͤnden, durch vnsers Herrn Jhesu Christi bitter Leiden vnd Sterben erworben, des armen Suͤnders Gerechtigkeit vor Gottes Gericht, so fern ers mit Glauben annimbt, gemeiner vnd rechter weise, wie sie es auch in der warheit ist, werde gerhuͤmet.
Solches hab ich nicht allein auß dem text Pauli, da er spricht, Rom. 3,Vgl. Röm 3,25f. Gott
biete die Gerechtigkeit dar, die vor jhm gilt, inn dem er suͤnd vergibt etc., sondern auch auß Luthero erkleret, welcher vber den 5. PsalmVgl. Luther, WA 5,144,1–16: Iustitiam dei, quam infra saepius habebimus, oportet, ut assuescamus vere canonica significatione intelligere, non eam, qua deus iustus est ipse, qua et impios damnat, ut vulgatissime accipitur. Sed, ut B. Augustinus de spiritu et litera dicit, qua induit hominem, dum eum iustificat: Ipsam scilicet misericordiam seu gratiam iustificantem, qua apud deum iusti reputamur, de qua Apostolus Ro. i. Iustitia dei revelatur in Euangelio, sicut scriptum est: Iustus ex fide vivit. Et Ro. iij. Nunc autem sine lege manifestata est iustitia dei, testificata per legem et prophetas. Vocatur autem iustitia dei et nostra, quod illius gratia nobis donata sit, sicut opus dei, quod in nobis operatur, sicut verbum dei, quod in nobis loquitur, sicut virtutes dei, quas in nobis operatur et multa alia. (Operationes in psalmos, 1519–1521, zu Ps 5,9). wie auch in der Kirchenpostill vber das Euangelion des ersten Sontags im AduentLuther, Kirchenpostille (Ep. u. Ev. Advent–Ostern, 1550, VD 16 L 5615), Bl. 10v [Sp. a]: MErck dieses stuͤcklin mit vleis / das / wo du in der Schrifft findest / das woͤrtlin / Gottes gerechtigkeit / das du dasselbige ja nicht von der selbwesenden jnnerlichen gerechtigkeit Gottes verstehest / wie die Papisten / auch viel heiliger Veter geirret haben / du wirst sonst dafur erschrecken / Sondern wisse / das es heisst nach brauch der Schrifft / die ausgegossene gnade vnd barmhertzigkeit Gottes / durch Christum in vns / dauon wir fur jm from vnd gerecht werden geacht. (Predigt über das Ev. am 1. Advent, Mt 21,1–9; vgl. WA 10 I.2, 36,22–37,2). schreibt, das man das woͤrtlein In der Vorlage in größerer Type gedruckt.Gerechtigkeit Gottes inn Paulo, Rom. 1, 3 etc., vnd anderßwo inn der heiligen Schrifft nicht von der selbstwesenden
jnnerlichen Gerechtigkeit, sondern vonn der außgegossenenaus: ausgegoss nen. Gnad vnd Barmhertzigkeit durch Christum in vns verstehn sol, daruon wir vor jm Fromb vnd Gerecht geacht werden. Was ist aber solche außgegossene gnad Gottes anders dann fuͤrnemlich vergebung der suͤnden vmb Christi, des Mitlers, willen, im Glauben empfangen? Von welcher doch nimmer mehr, wie
oben gemelt, die gab der Goͤttlichen Gerechtigkeit oder des heiligen Geists sol zertrent, sondern allein vnterschieden werden. Wie denn auch Augustinus in ciuitate Dei, lib. 19, cap. 27, solches bezeuget vnd spricht: Ipsa quoque nostra Iustitia, quamuis uera sit, propter ueri boni finem, ad quem refertur, tamen tanta est in hac uita, ut potius remissione peccatorum constet quam
perfectione uirtutum. Testis est oratio totius ciuitatis Dei, quae peregrinatur in terris; per omnia quippe membra sua clamat ad Deum: Dimitte nobis debita nostra, sicut et nos dimittimus debitoribus nostris.Vgl. Augustin, De civitate Dei XIX, 27 (PL 41, 657). Darumb dann auch Lutherus vber den Psalm De profundis etc. solche phrasin inn der kirchen Gottes zu behalten ernstlich befilhet vnd spricht: Derhalben
befehl ich euch, das jhr auff diese beschreibung der Christlichen Gerechtigkeit, so Dauid alhie thut, wol achtWit dt 8: achtung. gebet vnd fleissig dieselbige mercket, das das zurechnen der Suͤnden nichts anders sey dann verdammen vnd verurteilen, widerumb aber die Suͤnd nicht zurechnen nichts anders sey den loßsprechen vnd fuͤr frum vnd gerecht erkennen vnd achten, vnnd das
das die Christliche Gerechtigkeit sey, wenn vns vnser Suͤnd nicht werden zugerechnet, Sondern vergeben vnnd zugedeckt, wie Wit dt 8: an eim andern ort.im 32. Psalm Dauid die Seligkeit beschreibet, welcheWit dt 8: welcher. beschreibung S. Paulus zun Roͤmern am 4. gedenckt, da er spricht: Selig sind die, welchen jhre vngerechtigkeit vergeben sind etc.Vgl. Luther, WA 40 III, 349,32–350,13: Commendo igitur vobis hanc Davidicam definitionem iusticiae Christianae: Quod observare peccatum est iustificare seu iustum pronunciare; Et quod iusticia est, quando non observantur peccata, sed ignoscuntur, condonantur et non reputantur, sicut alio in loco beatum definit et Paulus eam definitionem valde proprie allegat: Beatus vir, cui non imputavit Dominus peccatum [Röm 4,8]. (In XV Psalmos graduum, 1532/33 [1540], zu Ps 130,4). Hier in der Übersetzung von Georg Major, vgl. Wit dt 8 (1556: VD 16 L 3328), 111r/v. Vnd in den Summario desselbigen ytztgemelten 32. Psalms setzt
Luth. die klare helle wort: Summa vnser Gerechtigkeit heist auff Teutsch vergebung der Suͤnden, oder wie er hie sagt: Suͤnd nicht zurechnen, Suͤnd zudecken, Suͤnd nicht sehen wollen.Vgl. Luther, WA 38, 28,19–21 (Summarien über die Psalmen und Ursachen des Dolmetschens, 1531–1533, zu Ps 32). Hactenus Lutherus.
Doch sol solche vergebung der Suͤnden, als bißher genugsam erklert ist, nicht als ein werck, von Gott abgesondert, wie sie auch nicht rechter weis kann,
sondern also verstanden werden, als die aus Gottes wesentlicher frumbkeit, gnad vnd Barmhertzigkeit herfließ. Dann wo Gott nicht ein warhafftiger, fromer, gnediger, Barmhertziger Gott wer, hett er vns nicht zuuor, ehe wir jhn liebten, geliebet, noch seinen Sohn gesandt zur versoͤnung fuͤr vnser Suͤnd; vber das ist auch kein Engel, viel weniger ein Mensch, sondern allein Gott
der, welcher allein ein Suͤnd warhafftig kan vnnd auch will allen denen, so an seinen Sohn gleuben, vergeben. Wie nun die vergebung der Suͤnden nicht ausserhalb Gott, also wirt herwiderumb Gottes frumbkeit, gnad vnd Barmhertzigkeit nicht ausserhalb, sondern eben in dem, das sie die Suͤnd vergibet, als vnser Gerechtigkeit vor Got-tes gericht in obgemelter phrasi Pau
lina Rom. 3 geruͤmet auß vrsach. Dann wenn wir schon wissen vnd glauben, das Gott, wie er warhafftig ist, in seinem Jnnerlichen Goͤtlichen wesen from vnd guͤttig sey, ist vns armen Suͤndern doch solche wesentliche Jnnerliche frumkeit, nach welcher Gott selbst fuͤr sein person frum vnnd gerecht ist, noch nicht, sondern wirt vns allererst troͤstlich, in dem sie sich gegen vns
offenbart, vnser not annimbt, den Sohn zum Mitler sendt vnd vns vmb desselben willen allein die Suͤnd vergibt. Darumb auch Paulus vnd Lutherus auff die offenbarte vnd außgegossene gnad Gottes so seer dringen, welcher gnad Gottes alßdann auch volghafft ist die gab vnd herrligkeit, das derselbige frumme Gott vnd Vatter in denen, so er also begnadet vnd vor seinem gericht
vmb Christi, des Mitlers, willen allein gerechtfertiget hatt durch den glauben, ferner selbst wohnet vnd wuͤrcket, das sie auch vernewert werden etc. Jst derhalben hiemit gnugsam erkleret, in dem man noch vermoͤg der Epistel Pauli zun Roͤmern gemelter gestalt lehret, das die vergebung der Suͤnden, durch vnsers Herren Jhesu Christi pitter leiden vnd sterben erworben, des
Armen Suͤnders Gerechtigkeit vor Gottes gericht sey, so ers mit glauben animbt, das durch solche lehr die leut keines wegs von, sondern zu Gott, das sie sich sein vertroͤsten kunnen, gewiesen werden.
Wie nun D. Osiander offtgemelte 2 woͤrtlein Gerechtigkeit vnd rechtferti
gen bißher in der lehr von vergebung der Suͤnden gar außgelassen, also zeucht ers nun gar in seinem verstand auff die vernewerung, weil sie sich auch in dem selben allein dahin schicken, vnd lehret von derselben in einer Summa also, das nach empfan-gener vergebung der Suͤnden die wesentliche Gerechtigkeit, das ist: Gott selbst, durch den glauben auß gnaden
wesentlich, das ist: warhafftig, in vnsern hertzen won, vnd sey also in vns wonent auch allein vnsere wareaus: wore. ewige Gerechtigkeit, die vns, nachdem wir nun vmb Christi gehorsams willen allein zu gnaden Gottes kummen sein, ferner treibt vnd bewegt, recht zu thun, das wir auch gerechtfertigt, das ist nach seinen vnd der patrum verstandt an vilen orten: mit der that, wie alhie
anfenglich, also dort volkomlich gerecht vnd frum gemacht werden, versteht also Osiander, der vnter solcher weis zu reden, wenn sie seiner meynung nach dergestalt erklert wirt, abermal nichts anders, dann was sonst Paulus von der vernewerung oder heiligung lehret, nemlich das der heilig Geist durch Christum in der glaubigen hertz warhafftig ausgegossen werd, daselbst
als in seinem Tempel won vnd als jr heiligmacher wuͤrck, das sie, nachdem sie nun vmb des Mitlers willen vor Gottes gericht gerechtfertigt sein, auch verneuwert werden etc.
Weil dann Osiander die 2 woͤrter Gerechtigkeit vnd Rechtfertigen latino
more gebraucht vnd in solchem gebrauch allein auff die vernewerung gezogen vnd in der vernewerung allein der wesentlichen Gerechtigkeit oder der Goͤtlichen natur zugeschrieben, hat er auch die locos Pauli Ro. 3, 4, 5 vnd andere dergleichen mehr orter, jn welchen sonderlich solch 2 woͤrtlein getrieben werden, auff die vernewrung improprie verstanden vnd außgelegt.
Vide Confess. T. iij. Jn der widerlegung H. iiij, so doch Paulus daselbst fuͤrnemlich von vergebung der Suͤnden schreibet, oder von dem, wie der Suͤnder vmb Christi gehorsams willen jm glauben vor Gott zu gnaden kom, vnd hernachmals aller erst Rom. 6, 7, 8, Die lehr von der vernewerung oder heiligung mit gewalt zu treiben fuͤrnimbt.
Darumb ich auch Osiandro nie beigefallen bin, in dem er den Hauptspruch Christus ist vnser GerechtigkeitVgl. I Kor 1,30. allein auff die Goͤttliche natur, welche jm allein Gerechtigkeit ist, wil verstanden haben vnd spricht, Es sey eben souil gesagt als: der heilig Geist oder Gott der Vatter ist vnser Gerechtigkeit. Vide contionem de Sententia Pauli. Nulla Condemnatio in his, etc Ro. 9. A.
iiij; Confessio Q. iiij.Vgl. OGA 10, 491,25–492,3 (Predigt über Röm 8,1–4 vom 9. Febr. 1552, 1553); OGA 10, 269,35–39 (De unico mediatore, 1551). Dann obwol solches in dem verstandt Osiandri, wenn man von der ewigen Gerechtigkeit redet, durch welche wir nach empfangener vergebung der Suͤnden vernewert werden, war ist, kan doch solcher weitleufftige Spruch nicht allein auff die ewige, sondern soll vielmehr, ja fuͤrnemlich dem armen Suͤnder zu trost auff die Gerechtigkeit gezogen
werden, welche vor Gottes gestrengen gericht jn vertrit, troͤste vnd erhelt. Solche Gerechtigkeit aber ist Christi gehorsam oder Christus, nicht allein nach seiner Goͤttlichen natur, Sondern wie er zugleich warer Gott vnd Mensch vnd als ein Mitler fuͤr vns vnter dem Gesetz ein fluch worden,Vgl. Gal 3,13. gelitten, gestorben, zur hellen gefahren vnd wider aufferstanden vnnd gen
Himel gefahren ist Vnd nun also, wie er sich jm Euangelio anpeut durch den glauben, von vns ergrieffen vnd Gott dem vatter furgetragen wirt, das wir in jhm vergebung der Suͤnde empfangen.
Letzlich dieweil Osiander in der meinung fest steht, das allein in die goͤtliche natur, durch welche wir vernewert werden, proprie zu reden,
Gerechtigkeit heiß vnd allenthalben in der heiligen schrifft, sonderlich aber in S. Paulo zun Roͤ. gefunden wirt, das Gerechtigkeit vns durch den glauben zugerechnet werde, als dann wirdt Osiander durch seine jetzt gemelte meinung auch das woͤrtlein ZurechnenIn der Vorlage in größerer Type gedruckt., welchs doch allein inn der Lehr von vergebung der suͤnden dem Gehorsam Christi gehoͤret, inn die
vernewerung zu ziehen vnd endlichen dahin gedrungen, das er schreibt, solche zugerechnete Gerechtigkeit sey die Goͤttliche Natur, in vns wonend. Vide Confessio. O ij. Jn der Widerlegung M. ij, O. ij. Schmeckbier G. iiij. Concionem, Rom. 8. de dicto Pauli: Nulla condemnatio etc. B. vj.Vgl. OGA 10, 243,40–247,3 (De unico mediatore, 1551); OGA 10, 637,1–13; 648,7–15 (Widerlegung der Antwort Philipp Melanchthons, 1552); OGA 10, 789,19–790,3 (Schmeckbier, 1552); OGA 10, 498,31–499,11 (Predigt über Röm 8,1–4, 9. Febr. 1552). Bin derhalben abermals, vnnd sonderlich inn dieser phrasi vnd Außlegung,
Osiandro nicht beygefallen, sondern hab alwegen durch die Gerechtigkeit, welche vns nach der lehr Pauli, Rom. 3, 4,Vgl. Röm 3,22; 4,5. durch den Glauben zugerechnet wirdt, die Gerechtigkeit des Mitlers oder den Gehorsam Christi, vmb welcher willen wir vor Gott zu gnaden kommen, verstanden vnd keineswegs die Wesentliche Gerechtigkeit oder Goͤttliche Natur, welcher wir allererst
teilhafftig werden, nachdem wir schon in gnaden Gottes sein, damit wir dadurch vernewert werden. Vnd damit solche zwo Gerechtigkeit nicht vermengt, sondern fein, wie sie sollen sein, als das praemium vom merito vnterschieden werden vnnd bleiben, hab ich erkleret, das meines verstands, nach der heiligen Schrifft eigentlich zu reden, die Wesentliche oder Goͤttliche
Gerechtigkeit vns nicht wie der Gehorsam Christi zugerechnet, sondern geschenckt vnd wir derselben teilhafftig gemacht werden. Rom. 5, 8, 2. Pet. 1.Vgl. Röm 5,1; 8,1–4; II Petr 1,1.
Also hab ich zu solcher Zwispalt, wie ich von vielen meinen Mißguͤnnern mit hoͤchstem vngrundt bezichtigt wird, keines wegs still geschwiegen, sonde
rn
wie mir alle fromme Christen, so mich bißher inn solcher Zwispalt zu Koͤnigßberg gehoͤrt haben, zeugen werden, soweit ich D. Osiandrum mit Paulo zun Roͤmern vnd andren oͤrtern mehr inn der heiligen Schrifft gemelter gestalt inn den phrasibus oder weisen zu reden strittig gefunden, also weit, vnd nicht mehr oder weniger, hab ich mich wider jhn
auch meinem Ampt nach (vnangesehen, was von beden Parten moͤcht von mir geredt werden) priuatim vnd publice, alswie. ein getrewer Wechter inn der Kirchen Gottes thun sol, erkleret, keineswegs aber auch auß solchen seinen dieser zeit frembden phrasibus oder vngewonlichen worten etwas ergers, dann ich vermerckt, das er darunter verstanden, wider mein Gewissen
woͤllen schliessen. Dann ob man wol viel arges vnnd alle obgesetzte gar grobe Antichristische jrrthumb vnd Ketzerey auß Osiandri phrasibus et explicationibus multorum locorum scripturae, wenn man wil, calumniose mag schliessen, hab ich doch befunden, das Osiander, inn dem ich seiner eigentlichen meinung mit fleiß nachgesucht, nichts weniger dann das, so
etwa wider jn geschlossen, inn der warheit gelehrt noch bedacht hat. Darumb ich auch fuͤr vnbillich geacht vnd mir ein Gewissen genommen hab, jn auff ein frembde vnnd solche meinung, so er vnter seinen worten nicht gehabt noch verstanden, der gestalt, wie in etlichen Argumenten hernach folget, als den ergsten Ketzer zu verdammen. Sintemal auch Hilarius schreibet, lib. 2.
de Trinit: De intelligentia haeresis, non de scriptura est, et sensus, non sermo fit crimen.Vgl. Hilarius von Poitiers, De trinitate II,3: Haeresis e Scriptura perperam intellecta nascitur. Exstiterunt enim plures, qui coelestium verborum simplicitatem pro voluntatis suae sensu, non pro veritatis ipsius absolutione susciperent, aliter interpretantes quam dictorum virtus postularet. De intelligentia enim haeresis, non de Scriptura est: et sensus, non sermo fit crimen. (PL 10, 51f). Das ist: Ketzerey steht in dem verstandt vnd nicht im buchstaben, vnd nicht auß dem wortlaut, sondern meinung erwechst ein laster. Wie dann auch Lutherus hiemit fein vbereinstimpt, Tomo. 1., fol. 414, Disputatione, Quod in Christo duae naturae sint:Vgl. Luther, WA 39 II, 95,7–10; 96,23–28 (Disputatio theologica de divinitate et humanitate Christi, 1540). Die Stellenangabe bezieht sich auf Bd. 1 des lat. Teils der Wittenberger Ausgabe (1545: VD 16 L 3413), dort finden sich die zitierten Passagen auf Bl. 415r/v, der Text beginnt auf Bl. 414v.
Positio: 34, 35, f. 415.
Sceleratum est, cum noueris pium et sanum esse alicuius sensum, ex uerbis incommode dictis statuere errorem.
35. Posit.
Nulli enim Wit lat 1: fuerunt unquam.unquam fuere Patres, aut Doctores, qui non improprie sint
locuti, si dicta eorum cauillari uelis.
57. Posit.
Igitur in sensu, non in uerbis est haeresis, ut recte quoquenicht in Wit lat 1. dixit S. Hieronymus,Vgl. Isidor von Sevilla, Sententiae 3, XII, 4: Scripturas haeretici sano sensu non sapiunt, sed eas ad errorem pravae intelligentiae ducunt; neque semetipsos earum sensibus subdunt, sed eas perverse ad errorem proprium pertrahunt. (PL 83, 684A) Anmerkung dazu (in PL 83, 684B): Hinc Hieronymus illud: De sensu est haeresis, non de Scriptura. – Vgl. Hieronymus, Commentariorum in epistolam ad Galatas liber III., cap. V (PL 26, 417A): Nonnumquam evenit, ut et in expositionibus Scripturarum oriatur dissensio: e quibus haereses quoque quae nunc in carnis opere ponuntur, ebulliunt. Quicumque igitur aliter Scripturam intelligit, quam sensus Spiritus sancti flagitat, quo conscripta est: licet de Ecclesia non recesserit, tamen haereticus appellari potest, et de carnis operibus est, eligens quae pejora sunt. (zu Gal 5,19–21). – Vgl. a. Decretum Gratiani p. II, C. XXIV, q. III, c. 27 (Friedberg II, 997f). a suis calumniatoribus exagitatus.
58. Posit.
Alioqui maximus sit haereticus Moyses, qui Decalogum ipsum diuersa forma recitat, Exod. 20, Deut. 5.Vgl. Ex 20,2–17; Dtn 5,6–21.
59. Posit.
Econtra si quis reprobus sensu etiam commode locutus fuerit, ipsamque scripturam iactarit, tollerandus non est.
Das ist:
34. Posit.
Es ist vnerbar, wenn du weißt, das jemands meynung Christlich vnnd gesundt ist, auß seinen worten, so etwas vnbequemungeeignet, unpassend. lauten, einen jrrthumb zu schliessen.
35. Posit.
Dann es sein nie solche Patres oder Lehrer gewest, die nicht vnbequem geredt haben, wenn du wilt in jhren worten scharpff gruͤbeln.
57. Posit.
Stehet derhalben die Ketzerey inn der meinung vnd nicht inn den worten.
Wie auch S. Hieronymus, von seinen Lesterern angefochten, recht gesagt hat.
58. Posit.
Sonst muͤste Moyses der groͤste Ketzer sein, der nicht auff einerley weiß die Zehen Gebott erzelet, Exod. 20. Deut. 5.
59. Posit.
Herwiderumb: Wenn jemands meinung verwerfflich ist vnd schon bequeme wort braucht vnd die Schrifft hoch rhuͤmet, ist er doch nicht zu leiden.
Nun mag wider Osiandrum also geschlossen werden:
Osiander hat gelehret, das vns nicht der Gehorsam Christi, sondern die Wesentliche Gerechtigkeit Gottes, so durch den Glauben in vns wonet, recht
fertig.
Rechtfertigen aber ist vnd heist: Gott versoͤnen, angenem vnd wolgefellig machen.
Hat derhalben Osiander gelehrt, das vns nicht der Gehorsam Christi, sondern die einwonende Wesentliche Gerechtigkeit Gott versoͤn vnd wolgefellig
mach, Welches warlich ein erschroͤckliche Ketzerey ist.
Darauff antwort ich kurtz, wie man in den Schulen pfleget: Non ualet Argumentum, Sunt enim quatuor termini.Um einen gültigen Schluss zu ergeben, dürfte es sich nur um drei Begriffe handeln, zwei unterschiedliche, die in einem dritten übereinkommen. Da aber rechtfertigen hier in unterschiedlicher Weise aufgefasst werden müsse, lägen de facto vier Begriffe vor und es fehle das verbindende Glied für die Schlussfolgerung. Vgl. unten bei Anm. 454. Dann obwol Osiander gelehret, das vns nicht der Gehorsam Christi, sondern die einwonende Wesentliche Gerechtigkeit rechtfertige, versteht er doch daselbst das wort Rechtfertigen nicht
gemeiner weiß vnd wie es alhie erklert wirdt, fuͤr versoͤnen vnd Gott angenem vnd wolgefellig machen, sonder, wie bißher offtmals gemelt, fuͤr vernewern. Vnd wil sagen, Das der Mensch, nach dem er allein vmb Christi Gehorsams willen Gott versoͤnet ist, wie er an vilen orten außdrucklich bekent, durch die Wesentliche Gerechtigkeit, das ist: Gott selbst, so durch
den glauben in jm wonet, auch ferner gerechtfertigt, das ist: vernewert, werde. Jst also inn solcher phrasi die meynung Christlich, Aber die wort lauten sonderlich zu dieser zeit frembd vnnd seltzam welche ich auch wie ich offtmals protestiert vnnd auch hernachmals als ferner sagen wil keines wegs das man sie inn oͤffentlichen Predigten vnd bey den Einfeltigen noch
brauchen solle verteidig.
II. Argumentum.
Osiander entzeucht dem Heiligen Blut vnd Tod Christi das woͤrtlein Gerechtigkeit.
Gerechtigkeit aber ist vnnd heist die krafft, darin der Suͤnder vor Gottes ge
richt bestehen kann.
Derhalben will Osiander dem heiligen Blut vnnd Todt Christi alle krafft entziehen, als ob der arme Suͤnder nicht dadurch im glauben vor Gottes gericht bestehn kun, vnd indem er solche krafft entziehen will, was thut er anders, dann das er das heilige blut, leiden vnd sterben mit fuͤssen trit?
Solch Argumentum ist auch leichtlich zu refutirn. Est enim in eo ut in priori Aequiuocatio; dann war ist es, Osiander entzeucht in seinen Schrifften dem heiligen Blut vnnd Todt Christi das woͤrtlein Gerechtigkeit, aber doch gar in einer andern bedeutung, dann welche alhie gesetzt vnd namhafftig gemachtaus: gemache. wirt, dann Gerechtigkeit heist jhm daselbst das, welches den Menschen, nach
dem er vmb des Bluts vnnd Tods Christi willen im glauben schon auß dem gericht in die gnad Gottes genummen ist, ferner treibt vnd bewegt, recht zu thun. Solches schreibet er allein, wie auch war ist, Gott zu, weil Paulus spricht: Gott ist, der da wuͤrcket zugleich das wollen vnd thun nach seinem wolgefallen, Philip. 2.Vgl. Phil 2,13. Dargegen aber lest er dem heiligen Blut vnnd Todt Christi die
krafft, welche jm die heilige schrifft gibt, Nemlich das der arme Suͤnder im glauben dadurch vor Gottes gericht besteh vnd vmb desselben willen allein vergebung der Suͤnden empfang (Vide Confessio D. H. ij. iij. T.),Vgl. OGA 10, 122,33–38; 162,1–20; 248,8–16 (Osiander, Von dem einigen Mittler, 1551). wie auß den obgesetzten worten Osiandri klar zu ersehen; das er jm aber nicht auß solcher bedeutung das woͤrtlein Gerechtigkeit zugelegt hat, ist geschehen,
weil er solch wort nicht also, sondern anders, wie obgemelt, verstanden vnd es allein in demselben vnnd keinen andern verstandt, als ob es uniuocumeindeutig. were, so es doch aequiuocum seu ambiguummehrdeutig. ist, außgelegt hat.
III. Argumentum.
Osiander schreibt, das das blut, leiden vnnd sterben Christi nicht vnser Recht
fertigung sey. Vide Confess. B. ij. iij.Vgl. OGA 10, 110,1–15 (Osiander, Von dem einigen Mittler, 1551).
Rechtfertigen ist vnd heist nach der lehr Pauli, Ro. 3, 4,Vgl. Röm 3,24.26.28.30; 4,5. von Suͤnden absoluieren.
Derhalben werden wir nach Osiandri lehr vmb des Blut, leiden vnd sterben Christi willen nicht von vnsern Suͤnden absoluirt.
Hierauff muß man abermals wie auff das nechst Argumentum antworten. Est Amphibologia.Doppeldeutigkeit. Vgl. Georges I, 392[b], s. v. Dann Osiander braucht das wort Rechtfertigen nicht wie Paulus, Ro. 4,Vgl. Röm 4,5. fuͤr absoluirn (Jn welchem ich jn dann nicht vertedige), sondern fuͤr gerecht mit der that machen oder vernewern, leugnet derhalben in solcher red keines wegs, sondern bekent, wie auch an vielen andern
orten, das allein das Blut, leiden vnnd sterben Christi, jm glauben fuͤrgetragen, vns loß vnd ledig mach von dem verdamnus vnser Suͤnden, das wir hernachmals auch gerechtfertigt, das ist nach seiner mainung: durch Gott selbst, so in vns durch den glauben wohnet, vernewert werden.
IIII. Argumentum.
Wenn wir vor 1500 Jaren, als Christus am Creutz gehangen, erloͤst sein vnd vns Gott dazumal die Suͤnd vergeben hat, haben wir die vergebung der Suͤnden on glauben empfangen, dann wir sein daselbst nicht geboren gewest, haben derhalben auch nicht glauben koͤnnen.
Nun lehret Osiander, das wir vor 1500 Jahren, als Christus am Creutz gehan
gen, erloͤst sein vnd vns auch dazumal Gott die Suͤnd vergeben hab. Vide Confess. B. iij.Vgl. OGA 10, 112,4–13 (Osiander, Von dem einigen Mittler, 1551). Jn der widerlegung. J. iiij.Vgl. OGA 10, 623,15–30 (Osiander, Widerlegung der Antwort Melanchthons, 1552). Derhalben werden wir nach Osiandri lehr Christi erloͤsung teilhafftig vnd empfangen vergebung der Suͤnden, wenn wir schon nicht glauben.
Auff solche angezogne Spruch erklert sich Osiander im Schmeckbier B. j. ij.
iiij,Vgl. OGA 10, 763,11–764,11; 765,22–766,26 (Osiander, Schmeckbier, 1552). das er daselbst absolute red von dem werck der Erloͤsung vnd heist vns darumb erloͤst, dieweil das werck der erloͤsung am Creutz durch Christum vor 1500 Jaren fur vns geschehen ist, wie dann auch Joannes schreibt, das Christus die versoͤnung fuͤr der gantzen welt Sund sey,Vgl. Joh 1,29; 3,16; I Joh 2,2. weil solches werck der erloͤsung fuͤr der gantzen welt Suͤnd geschehen vnd Gott
der vatter dadurch dermassen versoͤnet ist, das er auch dazumal verwilligt vnd beschlossen hat, vns vnd allen, so sich des im glauben troͤsten werden, vmb desselben willen die Suͤnd zu uergeben. Jst derhalben ein Calumnia, solche vngeheure mainung auß obgemelten Spruchen zu ziehen, Darauff Osiander nie gedacht, sondern das widerspiel, wie oben erklert ist, gelehret
hatt.
V. Argumentum.
Osiander setzt die inwonung Gottes der Rechtfertigung des Menschen vor.
Rechtfertigung heist vergebung der Suͤnd.
Darumb setzt Osiander die einwonung Gottes der vergebung der Suͤnden vor
vnnd keret also gar vmb die ordnung Christlicher lehr.
Hie muß man bekennen, das solches wol wider Osiandrum recht volget, wenn er die Rechtfertigung also fuͤr die vergebung der Suͤnden, wie alhie in minoriIm Untersatz des Syllgismus. gesagt wirt, verstunde, dieweil er aber dadurch nicht die vergebung der Suͤnd, sondern die vernewerung verstehet vnnd in solchem verstandt
nach empfangener vergebung der Suͤnd die einwonung Gottts der Rechtfertigung, das ist: vernewerung oder heiligung, fuͤrsetzt, behelt er vnter solchen frembden worten nicht allein die gemeine ordnung, sondern auch die rechte, Christliche lehr, weil die vernewerung durch die inwonung Gottes geschicht vnd angericht wird, das derhalben, wer die inwonung Gottes an
diesem jrem gebuͤrendem ort leugnen wil, der muß nicht allein der heiligen schrifft, in welcher sie gegruͤndt ist, Joan. 6, 14, 15, 17; Rom. 8; 1. Cor. 3, 6, 14; 2. Cor. 6, 13; Gal. 2; Ephe. 3; Col. 2; 2. Ti. 1; 1. Pet. 4; 2. Pet. 1; 1. Jo. 3, 4,Vgl. Joh 6,54; 14,23; 15,5; 17,21–23; Röm 8,1; I Kor 3,16; 6,15; 14,25 (Luther 1545); II Kor 6,16; 13,5; Gal 2,20; Eph 3,17; Kol 2,9f; II Tim 1,1.14; I Petr 4,6; II Petr 1,4; I Joh 3,2.6.9f.23f; 4,16. widersprechen, sondern auch zugleich mit die heiligung, welche ausserhalb solcher inwonung Gottes nicht geschehen kan, verleugnen vnnd
lestern vnnd also des dritten Artickels vnsers Christlichen glaubens beraubet werden, damit er denn auch den andern Artickel von der erloͤsung nicht wirt behalten vnd also ein warhafftiger Christ sein koͤnnen.
VI. Argumentum.
Wenn Christus allein nach der Goͤttlichen Natur vnser Gerechtigkeit
ist, wirdt in der Rechtfertigung des armen suͤnders der gehorsam des Mitlers außgeschlossen.
Nun ist Christus, wahrer Gott vnnd Mensch, wie Osiander lehret, allein nach der Goͤttlichen Natur vnser Gerechtigkeit.
Derhalben wirdt auch nach seiner Lehr der Gehorsam Christi, des Mitlers, in
der Rechtfertigung des suͤnders außgeschlossen.
Hie ist vnterscheid von noͤten. Dann solches wer recht geschlossen, wenn Osiander in der Proposition Christus ist nach seiner Goͤttlichen Natur vnser Gerechtigkeit redet von der Gerechtigkeit, welche Gottes gericht sol fuͤrgetragen werden vnd allein ist der thewre, werde Gehorsam Christi, des
Mitlers. Dieweil Osiander aber nicht von der, sonder von dieser Gerechtigkeit daselbst handelt, welche vns, nachdem wir durch Christi Gehorsam vor Gottes Gericht schon bestanden vnd drauß inn die gnad Gottes genommen sein, vns ferner treibt vnnd bewegt, recht zu thun, ist offenbarlich, das der Gehorsam Christi hiemit nicht außgeschlossen, weil er außtruͤcklich vorher
gesetzt vnd gerhuͤmet wirdt, als der allein vns einen gnedigen Gott im Glauben mach, vnnd solcher empfangenen gnad allererst folghafftig gemacht wirdt die gab der Goͤttlichen Gerechtigkeit, welche Christus als ein eingeborner Son Gottes in Ewigkeit mit dem Vatter vnd heiligem Geist gewesen ist, durch welcher Jnwonung der begnadte mensch auch ferner
vnwidersprechlicherweiß vernewert wirdt, jedoch weil solcher Spruch jetziger zeit nach den worten nicht allein sehr frembd lautet, sondern auch den Einfeltigen zu anderm verstandt vrsach gibt, halt ich abermals dafuͤr, das mit demselben der einfalt billich verschont vnnd dargegen einfeltigerweiß gelehrt solle werden, das der heilig Geist, welchem auch von
der heiligen Schrifft die Heiligung fuͤrnemlich zugeschrieben wirdt, warhafftig nach empfangener vergebung der suͤnden in den Glaubigen wohn vnd krefftig sey, das sie durch jn vernewert vnnd geheiliget werden, wie oben dauon genugsam gesagt ist.
VII. Argumentum.
Osiander lehret, das wir durch die Wesentliche Gerechtigkeit gerechtfertigt, das ist: nicht allein gerecht gesprochen, sondern auch mit der that gerecht gemacht, werden.
Macht derhalben Osiander mit seiner Lehr die Glaubigen zu Goͤttern. Dann Gott ist allein warhafftig vnd mit der that gerecht.
Solches ist leichtlich zu soluiern. Dann es folgt so wenig, als wenn jemand schliessen woͤlt: Spiritu sancto sanctificamur. Ergo, Sumus Spiritus sanctus.
Oder. Der Reb wirdt auß dem Weinstock safftig. Darumb wirdt auß dem Reb der Weinstock.
Der Ofen wirdt vom fewer warm. Darumb wirdt der Ofen das fewer.
Vnd darffbedarf. solches nicht weiter erklerens, dieweil auch Osiander außtrucklich vermeldt, das wir alhie nur anfenglich vnd nicht ehe biß in jenem leben allererst volkoͤmlich mit der that gerecht werden, doch nicht wie Gott allein ist vnd bleibet die Gerechtigkeit selbst.
VIII. Argumentum.
Wir werden nach Osiandri Lehr gerecht durch die Wesentliche Gerechtigkeit, so inn vns wohnet vnd gute werck wircket.
Gerecht werden heist, Gott versoͤnt, angenem vnd wolgefellig werden.
Darumb werden wir nach Osiandri wie aller Papisten Lehr durch Werck, vnnd nicht allein durch den Glauben an Christum, Gott angenem vnd wol
gefellig.
Solch Argument taug auch nicht. Sunt enim in eo, sicut in plaerisque hactenus recitatis, quatuor termini.Vgl. oben Anm. 438. Dann obwol Osiander lehret, das wir durch die Wesentliche Gerechtigkeit, so in vns wohnet vnd gute Werck wircket, gerechtfertigt werden, versteht er doch das woͤrtlein Rechtfertigen nicht, wie
es in Minori gesetzt wirdt, fuͤr versoͤnt, sondern, wie zum offtern mal bißher gedacht ist, fuͤr fromm vnnd gerecht mit der that oder vernewert werden. Vnd obwol die wort, wie bißher offtmals vermeldet, sehr frembd lauten, hat doch Osiander keine andere meinung darinnen, dann das, nach dem wir allein vmb des Gehorsams Christi, des Mitlers, willen im Glauben Gott versoͤnt
vnd angenem seind worden, (welchs er wider die Papisten mit hoͤchstem ernst streittet) folgends auch durch die Wesentliche Gerechtigkeit, welche auß gnaden in vns wohnet vnd wuͤrcket, ferner der gestalt gerechtfertigt, das ist: vernewert, werden, das wir auch gute werck thun, nicht das wir damit, welche wir schon durch Christi Gehorsam im Glauben empfangen haben,
Gottes huld verdienen, sondern allein vns gegen empfangener vergebung der suͤnden, Gottes huld vnd gnad danckbar, wie billich, erzeigen. Welches alles stracks wider die Papisten ist.
IX. Argumentum.
Die Wesentliche Gerechtigkeit erloͤst nach Osiandri Lehr vom Tod.
Erloͤsen vom Tod ist vor Gottes Gericht vom Tod zum ewigen Leben loßsprechen.
Derhalben wirdt nach Osiandri Lehr die Wesentliche Gerechtigkeit dem Gericht Gottes entgegengesetzt vnnd gelehret, das wir vmb der Wesentlichen Gerechtigkeit Gottes willen vor Gottes Gericht vom Tod zum ewigen Leben
loßgesprochen werden.
Solch Argumentum ist auch nichts anderst dann ein Calumnia. Dann indem Osiander der Wesentlichen Gerechtigkeit zuschreibt, das sie vom Tod erloͤs, versteht er solchs nicht de absolutione, sed extirpatione mortis, seu uiuificatione spiritus, quae absolutionem seu remissionem peccatorum sequitur. Das
ist: Nicht von dem, wie man vmb Christi Aufferstehung willen vor Gottes Gericht vom tod dergestalt absoluiert wirdt, das er nicht ewig mehr toͤdten kan, sondern wie der tod nach solcher absolution ferner gedempfft vnd auffgehaben wirdt, indem der glaubige mensch auß krafft des heiligen Geists, so in jm wonet, der suͤnden je lenger je mehr abstirbt vnd dargegen Gott zu die
nen lebendig gemacht wirt. Dann also lauten Osiandri wort: Darnach, dieweil die suͤnd noch in vnserm fleisch wonet vnd wir derselben halben noch in gefahr sein, wuͤrget er die suͤnd in vns vnd toͤdtet den tod, das wir durch die Aufferstehung von aller gefahr ledig werden, darinn wir jetztOGA 10, 288,30: itzo. noch stehen. Vnd das ist die Erloͤsung, daruon wir jetzoOGA 10, 288,31: itzo. handeln. Vide Confes. Aa ij.Vgl. OGA 10, 288,27–31(Von dem einigen Mittler, 1551).
Weil ich dann klar vermercket, das Osiander vnter seinen Phrasibus oder weisen zu reden keineswegs solche frembde, vngeheure meinung vnd gar grobe jrthumb in der warheit gehabt, noch verstanden hab, ich jm dieselben auch nicht andichten vnd darauff wider mein gewissen jn verketzern wollen, sondern mich auff D. Lutheri obgesetzte warnung vor dem Juͤngsten ge
richt gefuͤrchtet, damit ich nicht, wenn ich Osiandrum vnd andere wissentlich mehr vnd hoͤher, dann sie in der warheit schuldig sein, vor der welt, ymandt zu gefallen, beschuldig vnd verdamme, widerumb daselbst auch vor Got verdamet vnd zum ewigen fewr gewiesen werde, dargegen aber hab ich seine vngewonliche Phrasin oder weiß zu reden auch keineswegs
anders, dan das er darumb nach Hilarij, Hieronymi vnd Lutheri oben eingefurete Spruͤchen kein ketzer sey, verteidigt, sondern allwegen fuͤr gut angesehen, das man sich derselbigen billig auff offentlicher Cantzel vnd bey den Einfeltigen eussernentäußern, enthalten, darauf verzichten. Vgl. Art. äuszern 4), in: DWb 1, 1036f. soll, wie ichs dann die zeit meines lebens in meinen Predigten nie gebraucht, auch fortan nicht zu gebrauchen gedenck,
werd auch von vilen warhafften leuten bericht, das sie Osiander selbst allein in der Schul gebraucht vnd inn offentlichen Predigampt allweg vnterlassen hab, biß sie jm in diesen streit, nachdem er weit eingerissen, seyen auffgedrungenaus: außgedrungen. worden.
Dann wie er anaus: on. etlichen orten seiner schrifften sich erklert, dieweil etliche
Prediger dazumal allein die vergebungaus: vergebuns. der Suͤnden, vnd dargegen die heiligung nichts, oder aber gar wenig vnd schwach getrieben, vnnd damit nicht geringe sicherheitSicherheit (securitas) ist – im Unterschied zu (Glaubens)gewissheit (certitudo) – theologisch bei Luther in der Regel negativ konnotiert und bezeichnet eine vermeintlich von Gott unabhängige Position der Autarkie und Autonomie des Menschen. In diesem Sinne auch hier gebraucht. angericht haben, hat er, derselben zu wheren, das woͤrtlein Iustificare im Artickel von der Rechtfertigung nicht gemeinem gebrauch nach fuͤr loß vnd ledig von Suͤnden sprechen gebrauchen wollen, sondern
den patribus nach, welcher er sich auch sonderlich alweg befliessen, geleret, Justificare oder rechtfertigen heiß furnemlich vnd eigentlich auch in Paulo, wenn er von der Rechtfertigung des glaubens redet, mit der that gerecht vnd fromb machen, da dargegen die erste bedeutung dieses woͤrtleins fur loß vnd ledig sprechen, so fern sie anohne. die ander bedeutung allein ge
braucht werd, sey ein Philosophische, fleischliche vnnd vnbedachte rede. Es het aber Osiander meines verstandts vil besser vnnd dienstlicher gethon, wenn er die erste bedeutungen dieses woͤrtleins in den spruchen Pauli behalten vnnd keineswegs getadelt, vnd sonst on verenderung solcher Phrasium Pauli ytztgemelter vrsach halben gewaltig vnnd weitleufftig auff die vernewerung
vnnd heiligung gedrungen vnnd dieselben mit vnterschiedlichen namen von der Rechtfertigung oder vergebung der Suͤnden vnterschieden vnd mit D. Luthero ernstlichen vermanet het, das ein yeder jm Predigampt sich befleissigen soll, das er nicht allein ein guter Osterprediger, sondern auch Pfingstprediger sey; liß Lutherum in dem buchlein von den kirchen vnd
Concilijs.Vgl. insbes. Luther, WA 50, 599,25–35: Und sind wol feine Oster prediger, aber schendliche Pfingst prediger, Denn sie predigen nichts de sanctificatione & vivificatione Spiritus sancti, von der heiligung des Heiligen Geists, Sondern allein von der Erloͤsung Christi, So doch Christus (den sie hoch predigen, wie billich) darumb Christus ist oder erloͤsunge von sunden und tod erworben hat, das uns der Heilige Geist sol zu neuen menschen machen aus dem alten Adam, das wir der sunden tod und der gerechtigkeit leben, wie S. Paulus leret, hie auff erden anfahen und zunehmen und dort volbringen. Denn Christus hat uns nicht allein gratiam, die gnade, sondern auch donum, die gabe des Heiligen geists, verdienet, das wir nicht allein vergebung der sunden, sondern auch auffhoͤren von den sunden hetten. (Von den Conciliis und Kirchen, 1539).
Darumb, obwol dergleichen Phrases, welche Osiander gebraucht, auch inn den heiligen vetern Augustino, Chrysostomo vnnd andern dergleichen mehr (Wie eben bewiesen) gefunden werden, Jedoch weil dieselben der Phrasi Paulinae in der Epistel zunaus: zum. Roͤmern an vilen orten (wie oben erklert) entgegen,
die Patres aber keineswegs der heiligen Propheten vnnd Aposteln schrifft furzusetzen sein, Vide Augustinum in prologo librorum de Trinitate,Hier ist anscheinend weder der in manchen Ausgaben vorangestellte Passus aus den Retractationen (2,15) noch der Brief an den Bischof Aurelius von Karthago (vgl. Diui Aurelij Au- || gustini Hipponensis episcopi || de summa Trinitate que deus: Ad Aurelium Carthaginensem || episcopum: Libri quindecim: [Basel: Adam Petri für Johannes Koberger, 1515; VD 16 A 4245], a2r) gemeint, sondern De trinitate III, prooemium 2, wo Augustin seinem potentiellen Leser sagt: Noli meis litteris quasi Scripturis canonicis inservire; sed in illis et quod non credebas, cum inveneris, incunctanter crede, in istis autem quod certum non habebas, nisi certum intellexeris, noli firmiter retinere (PL 42, 869) – BKV² XIII, 103: Verlaß dich auf meine Schriften nicht, wie wenn sie kanonisch wären; wenn du vielmehr in den letzteren etwas findest, was du bisher nicht glaubtest, dann nimm es ohne Zaudern gläubig an; wenn du in den meinigen etwas findest, was dir nicht gewiß zu sein scheint, dann nimm es als sichere Wahrheit erst an, wenn dir seine Gewißheit einleuchtet. hab ich stettigs auff den waren verstandt dieser zweyer woͤrtlein Gerechtigkeit vnnd Rechtfertigen, welchen Paulus in der Epistel zun Roͤmern gehabt, gedrungen, vnd also mich nicht allein einerley verstands, sondern auch eynerley
wort vnnd Phrasium mit Paulo in solchem heuptartickel stettigs beflissen. Dargegen aber nach außweisung meines DialogiAnscheinend ist der Dialog am Anfang des vorliegenden Textes, S. 878–899, gemeint, vgl. a. unten Z. 24f. aller solcher vngewonlichen wort vnnd Phrasium, so uil mir muͤglich gewest ist, auff offentlicher Cantzel enthalten, darauß die, so zum gezenck von natur lust haben oder sonst mit priuat affecten wider yemandt eingenumen sein, nur vrsach moͤchten
nemen, zu zancken vnnd ergers zu schliessen, dann darunter wuͤrde gemeint oder verstanden, wie man in dieser zwispalt genugsam gesehen vnnd erfaren hat. Darneben hab ich auch die einfalt meiner zuhoͤrer betracht nach der lehr Diui Ambrosij, welcher vber das 29. Capitel Job also schreybt: Debet subtiliter is, qui docet prospicere ne plus audeatPL 76: studeat. quam ad audiente capitur, prae
dicare, debet ad infirmitatem audientium semetipsum contrahendo abscinderePL: descendere., ne dum paruis sublimia, et idcirco non profutura loquitur, se magis curet ostendere, quam auditoribus prodesse;Vgl. Gregor d. Gr., Moralia XX, 2,4 (in Job 29,22) (PL 76, 137 A). das ist: Es sol sich ein Prediger genaw fuͤrsehen, das er sich nicht vnterstehe, hoͤher ding zu predigen, dann seine zuhoͤrer begreyffen moͤgen. Er sol sich nach der schwacheit der, so jn
hoͤren, selbst innen halten, damit er, in dem er den Einfeltigen scharpffe oder hohe vnd derhalben nicht nuͤtzliche lehr fuͤrtregt, sich sebst nicht mehr befleissigen herfurzuthun, dann seinen zuhoͤrern zu nutzen.
Darumb, ob ich schon villeicht in diesem meinem suffragio vber der zwispalt nicht mit yderman vbereinstim, werden doch alle Gottsfuͤrchtige
Christliche Lehrer vnnd fromme Christen zugleich auß meinem Dialogo vnnd diesem angehengten bedencken der warheit nach, wie ich nicht zweiffel, genugsam erkennen, das ich mit jhnen nicht allein in reiner Christlicher lehr, sondern auch in der gemeinen einfeltigen Phrasi oder weiß zu lehren alweg einhellig gewest bin, wie ich auch mit Gottes huͤlff forthan, so lang ich leb,
bis in mein gruben bleiben wil, vnnd weil auch in allen Weltlichen Rethen vnnd gerichten nicht allein frey zugelassen, sondern auch ernstlich aufferlegt wirt, das ein yeder von dem, was zu richten fuͤrfelt, nach seinem hochsten verstandt vnnd wie ers weiß, mit gutten gewissen vor Gott zu uerantworten, sein suffragium oder vmbstimmEinzelvotum im Rahmen einer (reihum erfolgenden offenen) Abstimmung. Vgl. Art. umstimmen 1), in: DWb 23, 1190. von sich geb vnnd keiner darumb, wenn er
schon in demselben nicht mit allen seinen beysitzern vbereinstimbt, auß dem Rath oder gericht wirt gestossen, hoff ich, sollen alle gotsfurchtige gelerte menner, vnd sonderlich die, so mich bey meinen gewissen vnnd hoͤchsten ehren von solcher zweyspalt zu iudiceren gedrungen haben, mir auch keineswegs verargen, vil weniger mich druͤber als einen ketzer auß der
kirchen Christi stossen vnnd verdammen, das ich in solchem kirchengericht mein gewissen, weil ich solche zwispalt bißher nicht anderst verstanden nicht hab, beschweren, noch etwas anders daruon iudiciren wollen, dann was ich fuͤr Gott vnd seinem Jungsten gericht verhoff zu uerantworten, sehen sie aber als die Hochuerstendigen in solcher meiner erklerung yrgent einen
mißuerstandt, werden sie mir auß Christlicher lieb vnd trew jhr Christliche vnterricht, darumb ich sie auch zum hoͤchsten vnnd vmb Gottes willen bitt, keineswegs entziehen, sondern dieselbige mit guten, waren grundt auß heiliger schrifft gern mittheilen, welche ich auch, wie ich sol, mit hoͤchstem danck von jnen wil annemen vnd mich dermassen gegen jnen, ob
Gott wil, verhalten, das jhr gehabter fleiß vnnd trew an mir nicht sol vergebens vnd verloren gewest sein.
Der Allmechtige Gott vnd Vatter vnsers Herrn Jhesu Christi woͤll in vns, seinen schwachen Werckzeugen, die gaben, die er vns durch seinen heiligen Geist mitgeteilt hat, gnedigst erhalten, mehren vnd seinen segen darzu verlei
hen, das wir dieselbigen nicht wider einander zu eignen rhumm vnnd weltlichem genieß, sondern mit einander allein zu Gottes lob vnd preiß vnd seiner betruͤbten Kirchen erbawung eintrechtig in diesen letzten zeiten Christlich vnd wol gebrauchen. Amen.
Weil nichts feiner vnd lieblicher ist, dann wenn sonderlich die Lehrer als Bruͤder eintrechtig inn der Kirchen Gottes bey einander wohnen, Psal. 133,Vgl. Ps 133,1. Vntersteht sich nun der Sathan inn diesen letzten zeiten nichts also sehr, dann eben solche feine, liebliche eintracht der Lehrer oder Prediger, so bißher ein zeitlang gewest vnd grossen nutz inn der Kirchen Christi geschafft hat, wider
zu zertrennen vnnd, so viel an jhm gelegen ist, gar auffzuheben. Dann wenn er die Christliche Lehrer, so jm am meisten schaden koͤnnen, zertrent, gedenckt er vnterdeß, weil sie selbst miteinander streitten, nicht wenig seinem Reich wider auffzuhelffen, dargegen aber Gottes Reich vnnd Kirchen abzubrechen, welches auch leider schon genugsam vor augen. Darumb sich bil
lich die Prediger Goͤttliches Worts besser fuͤrsehen vnnd nicht so leichtlich vom Sathan wider einander solten mit hoͤchster bitterkeit einnemen, treiben vnd verhetzen lassen. Wie ich dann jetzt mit schmertzen erfahren muß, das auch Wolff Waldner,Wolfgang Waldner war wohl zunächst Konventual im Benediktinerkloster Garsten (Österreich) und wurde um 1545 Pfarrer in Steyr, dort fiel er durch Predigten protestantischer Richtung auf, 1548 verehelichte er sich mit seiner Magd; als er daraufhin zum Bischof nach Passau einbestellt wurde, floh er mit seiner Ehefrau nach Augsburg, erhielt eine Stelle als Prediger am Dominikanerkloster in Nürnberg. Ab 1552 wandte er sich gegen Osianders Rechtfertigungslehre, nach einer Unterredung mit M. Vogel 1556 berichtete er an Joachim Mörlin in Braunschweig darüber, so dass es zu neuerlichen Unruhen in Preußen kam; ab 1557 polemisierte Waldner auch gegen Calvin und dessen Anhänger, wegen der heftigen Kanzelpolemik kam es zu seiner Entlassung in Nürnberg; 1558 wurde er in Regensburg anstelle des im Verdacht des Kryptocalvinismus entlassenen Martin Schalling in Dienst genommen. Dort wurde er ab 1572 auch im Erbsündenstreit aktiv. Am 1. Januar 1583 starb Waldner in Regensburg. (Quelle: DBA online). so zu Nuͤrmberg im Prediger-KlosterDominikanerkloster. ein Prediger ist, durch solchen vnrhusamen geist on alle vrsach sich nicht allein wider
mich treiben, sondern auch gebrauchen hat lassen zu einem Werckzeug, das andere mehr, vnd sonderlich D. Moͤrlein wider mich verhetzt ist worden, einen solchen ehrenruͤrischen Lesterbrieff wider mich zu schreiben vnd inn offentlichen Truck zu geben, das ich nun, ob ich wol gern wolt, wie bißher, doch nicht kan lenger vnd mehr sein verschonen, sondern gedrungen
werd, zu rettung Gottes vnd auch meiner ehren, die warheit herwiderumb dermassen offentlichen wider jhn anzuzeigen, darauß zu ersehen sey, das er nicht allein aller Christlicher lieb gegen mir, sondern auch gegen jm selbst weit vergessen.
Nun aber ist derselbige Wolff Waldner, so lang ich zu Nuͤrmberg gepredigt,
also gar mein guter Freund gewesen, das ich ihn nicht anderst geliebet hab dann mein eigen hertz.Vgl. I Sam 18,1.3. Wie er sich dann auch gleicherweiß gegen mir gestelt. Vnnd weil er dazumal allererst auß der Muͤnchskappen geschloffengeschlüpft. vnnd inn derselben, wie er selbst klagt, dermassen versaumet ward, das er, wie auch noch heutigs tags, keinen Lateinischen brieff nur Grammatice
schreiben kan, hat er sich vmb besser vnterrichts willen dermassen zu mir gedrungen, das er fast alle tage bey mir gewest, vnd also ein jeglicher, so vns dazumal gekant, von vns zweyen wol hat sagen muͤgen, wie Aristoteles die Freundschafft beschreibet: Vna anima in duobus corporibus cohabitat.Vgl. Diogenes Laertius, Leben und Meinungen berühmter Philosophen V, 1,20. Hab derhalben mich mein lebenlang nichts wenigers versehen, dann das
dieser Wolff Waldner also woͤrffisch vnnd hinterlistig im Nuͤrmbergischen Wald mit mir handlen vnnd einen solchen Lermen,Aufruhr; Getöse. Vgl. Art. Lärm 4) u. 5), in: DWb 12, 203f. weil er der Mann nicht darnach ist, in der Kirchen Gottes druͤber anrichten solte.
Dann wie ich inn dem vergangnen Summer des 1556. Jars durch Nuͤrmberg etlicher geschefft halben nach Jngolstat verreiset, hat er mir sampt M. Besle
roMichael Besler, geb. 1512 in Nürnberg, studierte in Wittenberg und erwarb 1541 die Magisterwürde, 1542 wurde er Pfarrer zu Sprottau in Schlesien, anschließend in Wöhrd, bis er 1547 Prediger an der Frauenkirche in Nürnberg wurde, er machte sich auch um das Schulwesen verdient, um 1569 (oder erst 1576?) wurde er nach Wien zur Ordnung des dortigen Schulwesens gerufen, 1576/77 starb er in Nürnberg. vnd sonst zweyen Erbarn vnnd Namhafften Burgern auß Nuͤrmberg fast durch lauter Wald 3 meil weit biß in den Flecken AlberspachDie Meile ist mit etwa 7,4 km anzunehmen (1 bayer. Meile = 5 röm. Meilen), das ergibt eine Entfernung von etwa 22 km. Ein Ort dieses Namens war im fraglichen Gebiet nicht auszumachen. Es könnte Allersberg (PLZ 90584) gemeint sein oder der Weiler Wallersbach (zu 91154 Roth) bei Hilpoltstein. Vielleicht liegt überdies eine Namensverwechslung mit Alpirsbach (PLZ 72275) im Schwarzwald vor, oder mit Aldersbach (PLZ 94501) bei Vilshofen a. d. Donau. – Freundliche Auskunft von Frau Dr. Antonia Landois, Stadtarchiv Nürnberg, vom 11.07.2022: leider konnten auch wir diese Angabe nicht eindeutig zuordnen, auch aus unserer Sicht muss also offen bleiben, welcher Ort tatsächlich gemeint war. das gleydWeggeleit. Vgl. Art. Geleite 1.a.α), in: DWb 5, 2982. geben vnd sich vor allen andern jetztgedachtengerade erwähnten. meinen gefertten als der beste freund zu mir, seiner vorigen weiß nach, gedrungen, das er stetigs vnd des meysten teils allein neben mir geritten ist.
Wie er nun bedingte, das er, weil er viel von Preussen gehoͤrt, daruon mit mir, als sich vnter Bruͤdern gebuͤret, reden wolt vnd mich fraget, Was ich nun in Preussen prediget, Antwort ich: Eben das, so ich mit euch vnd andern meinen lieben Herren vnnd Bruͤdern zu Nuͤrmberg gepredigt hab. Danck auch meinem lieben Gott dafuͤr, der mich biß her inn seiner warheit (Dann
sein wort ist die Warheit)Vgl. Joh 17,17. also erhalten hat, das solcher meiner Lehr weder in dem Koͤnigßpergischen Synodo noch in nechster Handlung der fuͤrnembsten Theologen in Preussen, so dieses 1556. Jars zu Risenburg im Monat Februario gehalten,Auf der Synode zu Riesenburg im Februar 1556 erlangten seine Gegner einen Widerruf von Johann Funck, den dieser in der Folge allerdings wieder relativierte; der zugesagte öffentliche Widerruf und die Abkehr von Osianders Lehre erfolgte erst 1561. Vogel stand nicht im Zentrum der Verhandlungen, aber auch er tat Abbitte und bekannte sich zur CA und zu Melanchthons Loci. Zur Synode vgl. Hase, Herzog Albrecht und sein Hofprediger, bes. 248–256, 275–278, zu Vogel bes. 255. mit keinem wort, ob ich mich wol gegen meniglichjedermann. zu offentlicher verantwortung daselbst erbotten, offenbarlich ist
widersprochen worden. Wie mir auch die Durchleuchtigsten Hochgebornen Fuͤrsten vnnd Herrn, Herr Albrecht der Elter, Marggraff zu Brandenburg, Hertzog in Preussen etc.,Herzog Albrecht in Preußen, Markgraf v. Brandenburg. vnd Herr Johann Albrecht, Hertzog in Mechelburg etc.,Johann Albrecht I., Herzog v. Mecklenburg, geb. 23. Dez. 1525 in Güstrow, gest. am 12. Februar 1576 in Schwerin; seine Mutter war Anna von Brandenburg, deren Vater, Kurfürst Joachim I. Nestor v. Brandenburg, war ein Vetter des Herzogs Albrecht in Preußen. mein Gemäß Errata-Liste geändert aus: Gnedigste vnd Gnedige.Gnedigster vnnd Gnediger Fuͤrsten vnnd Herrn, welche zu Risenburg selbst gewest vnd alle handlung zwischen vns
angehoͤrt, neben den Herrn Theologis gnedigst der hoͤchsten warheit nach zeugen werden.
Nach dem nun Waldner zum vberfluß auch ein weitleufftige erklerung meiner Lehr von mir gehoͤrt, welcher er gleiches falls zufallen must, verwundert er sich doch, wie ich solche Christliche lehr predigen kundt, so doch D.
Moͤrlein eben solcher lehr halben von dem ort, da ich jtzt were, hett weichen muͤssen, Vnd fieng an, F. D.Fürstliche Durchlaucht. in Preussen, M.In der Kustode auf Bl. k 4r: meinen. G.Meinen Gnädigen. Fuͤrsten vnnd H.,Herrn. mit sehr boͤsen vnnd vnchristlichen namen zu nennen etc., Weil er D. Moͤrlein vnnd ander vil Gottfurchtige vnnd gelerte Menner auß Preussen mit weib vnnd kind in das Elendt (wie er sagt) veriagt hett. Dieweil mir aber als
einem getrewen diener keineswegs zu solchem still zu schweigen gebuͤrt, bin ich gedrungen worden, das ich zugleich F. D. in Preussen vnnd auch meine vnschuld der hoͤchsten warheit nach wider solche vngegrundte bezichtigung verteidiget, des Morleins, welchs ich sonst lieber geschwiegen hett, zu gedencken, hab aber sein gedacht vngeferlich mit solchen worten:
Lieber H. Wolffgang! Jch siehe, das es euch an warhafften vnnd grundtlichem bericht mangelt; wo jhr den hoͤren werdt, zweiffel ich nicht, jr werdt euch solcher vnbescheidenen wort wider meinen Gnedigen Herren, den alten frummen, loͤblichen Fuͤrsten in Preussen, gerewen vnnd nicht weiter damit vernhemen lassen, will derhalben auff ewer beding mit euch als
mit meinem Bruder, der auch im kirchen ampt ist, von solcher sachen libere vnd auß dem grund reden. Dann sonst mit andern vnd sonderlich einfeltigen leuten viel daruon zu reden, nicht mein gewonheit ist, vieler vrsach halben.
D. Moͤrlein soltaus: sol. gleichwol mit mehr bedacht vnnd bescheidenheit in solcher zwispalt gehandelt haben. Dann ob er woll in dem recht gelehret vnnd gestrit
ten, das der blutige schweiß, schmeligeschmähliche. todt vnnd die froͤliche Aufferstehung Christi sampt der vergebung der Suͤnden, so wir vmb solches verdienstes vnnd gehorsams Christi willen im glauben empfangen, vnser Gerechtigkeit vor Gottes gericht vnd die Gerechtigkeit sey, von welcher Paulus Rom. 3, 4,Vgl. Röm 3,19–4,25. fuͤrnemlich disputiert, solt er doch vber dem die Wesentliche
Gerechtigkeit, von der Osiander gelehret, nicht also gar on all vnterscheid verworffen vnd verdampt haben. Sintemal Osiander dieselbige nicht dem gericht Gottes fuͤrgetragen,vorgezogen, vorangestellt. Vgl. Art. fürtragen 9), in: DWb 4, 909f. sondern allein gelehret hatt, das nach empfangner vergebung der Suͤnden vmb Christi gehorsams willen auch solche Wesentliche Gerechtigkeit, das ist: Got selbst, durch den glauben auß
gnaden in vnsern hertzen wone, vnd sey also, in vns wonent, vnser Gerechtigkeit, nicht die vns Got versoͤn vnd angenem mach, sondern die vns, nachdem wir schon vmb Christi gehorsams willen allein Gott versoͤnt vnd angenehm sein worden, vns ferner treibtin der Vorlage Schluss-t anscheinend ausgefallen bzw. sehr schwach abgedruckt. vnnd bewegt, recht zu thun, an welchem ort vnnd in welchem verstandt dann die Wesentliche Gerechtigkeit
mag geduldet werden, weil dadurch nichts anders gelehret wirt, Dann das Gott in vns, wie Paulus schreibet, Philip. 2,Vgl. Phil 2,13. wurck zugleich das woͤllen vnnd thun nach seinem wolgefallen. Wie dan auch D. Philippus in dem scripto, darunter jhr Predicanten zu Nurmberg euch allzumal miteinander vnterschrieben habt,Vgl.: Das der Mensch in der || Bekerung zu Gott / in disem leben Ge= || recht werde fuͤr Gott / von wegen des || Gehorsams des MITTLERS, durch || Glauben / nicht von wegen der || Wesentlichen Ge= || rechtigkeyt. || Geschrieben zu Nuͤrnberg / Anno || M. D. LV. Vnd vnterschrieben von den || Personen / welcher namen zu ende || verzeichnet sind. || Ein Predigt Jacobi || Rungij Pomerani / von der Ge= || rechtigkeyt / zu Nuͤrnberg gepredigt. || Gedruckt zu Nuͤrnberg durch Jo= | hann vom Berg / vnd Vlrich Newber. (VD 16 R 3323), darin Bl. A 2r – C 3r: Das der Mensch in der || Bekerung in diesem Leben Gerecht || werde für Gott / von wegen des Gehorsams || des MITTLERS, durch Glauben / || nicht von wegen der We= || sentlichen Gerech= || tigkeyt. – Auf Bl. C 2v – C4r ist der Text wie folgt unterzeichnet: Haec iudicamus uera esse, et sic Deo iuuante semper docebimus, et non dubitamus, hanc esse sententiam omnium Ecclesiarum, quae uocem Euangelij incorruptam amplectuntur, quarum consensum Deo iuuante semper tuebimur. [/] Alexander Alesius D. et Professor Theologiae in Academia Lipsica. [/] Philippus Melanthon manu propria subscripsit. [/] Iacobus Rungius Pomeranus, Pastor et Professor doctrinae Euangelij, in Ecclesia Gryphisuualdensi. [/] Mauricius Heling, manu propria subscripsit. [/] Ego Ioachimus Camerarius Pabeberg, haec esse uera credo, et his assentior. [/] Hieronymus Pesolt. [/] Michael Rotingus subscripsit, contra impium dogma Osiandri, iuxta meum testimonium ante annos quatuor. [/] Michael Besler subscripsit. [/] Iohannes Fabricius. [/] Vuolffgangus Vualdnerus. [/] Conradus Klingenbeck. [/ 48 weitere Nürnberger Prediger und Lehrer]. – Weitere Ausgabe: VD 16 R 3324, Wittenberg, Peter Seitz Erben, 1555. – Vgl. a. MBW 7592 (vgl. CR 8, 555–564). solche erklerung von der Wesentlichen Gerechtigkeit
nicht durchauß verwirfft, sondern, ob sie sich woll nicht reim zu den Spruchen Pauli Rom. 3, 4, 5, bekent er doch, das sie die lehr des gesetzt sey. Soͤndert sie also von den Spruchen Pauli ab, darauff sie auch Osiander Improprie gezogen, aber keines wegs, wie D. Moͤrlein, von Himel vnnd Erden, der sie, wie ich von vylen warhafften personen, so noch leben, bericht
bin worden, einen trawm in offentlichen Predigten gehaissen vnd gern hatt wissen wollen, ob man sie vonn hinden oder oben durch einen filtzhut eingiessen oder eintrichtern solte. Dann kein solche Gerechtigkeit sey weder jm himmel noch auff erden. Derhalben er dann auch auff Osiandrum gescholten: pfu dich du Schwartzer Teuffel mit deiner Gerechtigkeit, GOTT sturtz
dich in abgrundt der hellen etc.Vgl. OGA 10, 92,15–19: Dan es ist einer, der, mein lehr von der gerechtigkeit Gottes zu tadeln, hat fragen thuͤren, ob man uns die wesenlichen gerechtigkeit Gottes in eim filtzhuͤtlein pring, ob man sie uns durch ein triechter eingiess, ob man sie uns hinten oder fornen eingiessen muss, und ferner gesagt, der teuffel hole dise gerechtigkeit, ich nicht. (Osiander, Von dem einigen Mittler, 1551). – OGA 10, 319,5–8: Incredibile autem revera, incredibile inquam, quam furiat mendaciis et blasphemiis Mörlinus, qui per ludibrium in publica concione interrogare non erubuit, an iustitia Dei nobis ante vel retro infundatur! (Osiander an Caspar Zeuner, 21. Sept. 1551).
Weil aber Moͤrlein als ein Hochgelerter Doctor der heiligen schriefft on zweiffel wol verstanden, vnnd wo ers nicht verstanden, hett sich doch Osiander genugsam in dem gegen jm erklert, das Gott selbst, wie man in den Schulen pflegt zu reden, die wesentliche Gerechtigkeit sey, so solt D.
Moͤrlein warlich dieselbige, das ist: Gott selbst, nicht also gar vernichtet haben, als ob Gott selbst ein traum oder geticht, vnd also weder in hiemel noch auff erden wer. Darumb er dann auch solcher wesentlichen Gerechtigkeit mit keinem grundt wie Elias der getichten, getraumbten Goͤtter der Baalitischen pfaffen spottet.Vgl. I Reg 18,27. Vnnd weil solche wesentliche
Gerechtigkeit, oder wie sich Osiander etwa gemeiner weiß erkleret: der heilige Geist, welcher warlich das Goͤttliche wesen ist, durch den glauben auß gnaden warhafftig in vnsere hertzen nach der schrifft außgegossen wirt, warumb hatt dann Moͤrlein gesagt, er westewisse, wüßte. nicht, wie vns dieselbige von hinden oder oben durch ein filtzhuͤtlein eingetrichtet werde.Vgl. oben aͤbei) Anm. 489. Der Rekurs auf das Filzhütlein dürfte nicht allein durch die bäuerliche Alltagskleidung motiviert sein, sondern könnte mit alchimistischen Verfahren bzw. Hilfsmitteln zusammenhängen: So bediente man sich als filtrum mehrerer länglicher dreieckiger Filzstücke, deren breite Seite in ein Gefäß mit zu filtrierender Flüssigkeit getaucht wurde, die Spitzen ließ man außen herabhängen und fing die Flüssigkeit, die (infolge der Kapillarwirkung) durch das Filtrum tropfte, in einem zweiten Gefäß unterhalb auf. Vgl. [Hieronymus Brunschwig, Kleines Destillierbuch, 1500:] Liber de arte distillandi. de Simplicibus. || Das buch der rechten kunst || zü distilieren die eintzig) ding || von Hieronymo brunschwygk / bürtig v] wund artzot der keiserlich) fry) statt straßburg. [Im Kolophon: Hie mit volendt das bGch genant lyber de arte dystillandi de simplicibus von Jeronimo brunschwyg wundt artzot der keiserlichen fryen statt Straßburg / vnd getruckt durch den wol geachten Johannem grüeninger zG straßburg in dem achten tag des meyen. Als man zalt von der geburt Christi fünfftzehenhundert. Lob sy got.] (GW 5595), Bl. 6v[b]–7r[a] (Das VIII. capitel dis ersten buchs ist leren wie man distillieren soll durch filtz genant per filtrum distillationem). – Dagegen spricht auch nicht wirklich, dass in der lateinischen Fassung Filzhütlein mit pileolus bzw. pileolum wiedergegeben ist (vgl. OGA 10, 93,15), denn die Übersetzung stammt nicht von Mörlin. Jst dann der
glaub ein filtzhuͤtlein? Desgleichen, indem er solche Wesentliche Gerechtigkeit in abgrundt der hellen verdampt, was ist es anders gewest, dan den ewigen, warhafften Gott, der allein die Seligkeit ist, selbst verdammen? Wil derhalben euch selbst fragen, ob nicht solche worte vnbescheiden vnd, wenn man wil, sie auch fur lesterung kan anziehen, mit denen Doctor
Moͤrlein der warheit, welche er hat verfechten wollen, auß vnbedacht selbst widersprochen vnnd also die zwispalt groͤsser, dann sie an jr selbst gewest ist, gemacht hat.
Dann daruber hat er Osiandrum jrr gemacht vnd auffs hefftigest nur verpittert, das Osiander hernachmals wider jn als einen verleugner vnnd schend
ter der Gottlichen gerechtigkeit mit hoͤchsten ernst gestritten, welchs er sonst nimmermehr wurde gethon haben, wie er etwas von sich selbst schreibt: ich sage warlich, das ich mein tag mit keinem gezancktaus: gezanck (gemäß VD 16 P 4779)., noch zu zancken begert, der da bekent hat, das die Goͤtliche natur Christi vnser ewige ware Gerechtigkeit vnd in vns sey, obgleich darneben etliche red, der eigenschafft dieses
handels vngemeß, neben eingefallen sein (liß F. D. zu Preussen ausschreiben H. ij).Vgl.: VON Gottes Gnaden Vnser || Albrecht) des Eltern / Marggraffen zu Bran || denburg / jn Preussen / zu Stettin / Pomern / || der Cassuben vnd Wenden Herzogen / || Burggraffen zu Noͤrinberg vnd || Fuͤrsten zu Rugen etc. || Ausschreiben || An vnser alle liebe getrewen v] || Landschafften / wes wirden standes vnd aestimation || ein jeder ist / Vornemlich auch Theologen / Pfar= || hern / Predicanten vnd Kirchendiener / darin grund || lich vnd ordentlich / wie sich die ergerliche zwispalt || vber dem Artickel von vnser armen Suͤnder Recht= || fertigung / vnd warer ewiger Gerechtigkeit / erha= || ben / vnd was wir vns mit grossen sorgen einigkeit || zu machen / bemuͤhet / dargethan / vnd was wir fer= || ner durch freuntliche befuͤrderung vnd beuhelich / || des Hochgebornen Fuͤrsten vnsers freundlichen liben || Oheims vnd Schwagern / Herrn Christoffs / Hertzo= || gen zu Wirtenberg vnd Teck / Graffen zu Mumpel= || garten etc auff vnser freundlich ansuchen / durch S. || L. Theologos aus Goͤttlicher heiliger schrifft / vor= || geschlagenen Mitteln / endlicher sententz vnd mei= || nung erlernet / vnd zu fortstellung der einigkeit vn= || serer Kirchen / gehalten wollen haben. Darnach sich || jdermeniglich vnsers Fuͤrstenthumbs / so wol die || Predicanten als andere stende / zurichten sol= || len wissen / vnd jn vnterthenigkeit zuge= || horsamen. || Koͤnigsperg in Preussen. [Kolophon: Gedruckt zu Koͤnigsperg || durch Hans Lufft / Anno 1553. || am 24 des Jenners.] (VD 16 P 4779), Bl. H 2r (D. Andreae Osiandri seliger in das Wirtenbergissche Erkantnus verwilligung). Vber das hat Doctor Moͤrlein mit solcher vnbescheidenheit auch zugleich den Adel vnnd die Landtschafft dermassen eingenhummen, das, weil die guten frommen leute der meisten teils vermeint haben, Osiandri lehr von der Wesentlichen Gerechtigkeit sey also gar (welchs sie doch nicht ist) ein
geticht vnnd Teuffels lehr, sein sie auß einem einfeltigen eifer druͤber jemerlicherweis zertrent vnd vntereinander selbst mehr, dan ymandt, so es nicht in Preussen selbst ansicht vnnd hort, glauben kan, vnrhusam worden. Wie dann Doctor Moͤrlein zu solcher zertrennung vnnd vnrhu redlichen auch geholffen hatt, in dem er die armen Einfeltigen leut, so nur Osiandri Predig etwas ge
hort, von der Tauff vnnd dem Sacrament des Altars verstossen vnnd geschrien hat, man sol sie nicht grussen, mit jhnen weder essen noch trincken, darauß dann auch breuchlich worden ist vnnd noch nicht gar auffhoren wil, das auch von vnnd vnter denen, so bruder, vettern oder aber sonst die aller besten nachtbarn vnd freundt zuuor mit einander gewest sein, einer nun dem andern
auff offentlicher gassen in die fuͤßstapffen nachgespien vnnd geschrien hatt: pfu dich vnnd troll dich von mir, du Teuffel, Osiandrischer Schwermer, Ketzer, Verraͤter, Bub, Schelm oder Boͤßwicht, das, wo Gott nicht gnedigst behuͤtet hett, langst auch ein Auffruhr drauß entstanden were;Stupperich, Osiander in Preußen, 157 bei Anm. 79, referiert aus brieflichen Berichten über Predigtaussagen Mörlins: Die Bücher der Osiandristen sollen nicht gelesen werden, sie selbst nicht gegrüßt werden; im Gegenteil man soll in ihre Fußtapfen spucken. Jegliche Gemeinschaft mit ihnen soll unbedingt gemieden werden. Jedem, der sich mit den Osiandristen einläßt, und sei es auch nur, daß er eine Predigt Osianders besucht, kündigt Mörlin den Entzug der Sakramente an. wil jetzund des geschweigen, wie sich D. Moͤrlein gegen F. D. zu Preussen per
son selbst gehalten vnnd was derselben, welchs sie am besten weiß, auß D. Moͤrleins poltern auff der Cantzel begegnet ist.Hase, Herzog Albrecht und sein Hofprediger, 209–211, berichtet von der Reaktion Mörlins auf das Mandat Albrechts vom 14. Januar 1553, mit dem dieser nach Osianders Tod die Streitigkeiten beilegen wollte, indem er gegenseitige Verdammungen untersagte: Mörlin nannte das Mandat ein Teufelsmandat. Am Sonntag Estomihi [12.(sic) Februar] hielt er aus Anlass des Sonntagsevangeliums Luc. 18 eine scharfe Predigt. Weil im Evangelium der Herr dreimal sagt, dass die Jünger der Reden Christi keine verstanden, so zeigte er an, was das Geheimniss der ganzen heiligen Schrift sei, nämlich dass Christus leidet und am dritten Tag aufersteht. Sodann erinnerte er seine Zuhörer daran, wie treulich er sie solches gelehrt und wie treulich er der neuen verführerischen Lehre gewehrt. Nun wolle es gehen, dass man Solches unter dem fürstlichen Namen wolle fortsetzen wider alle Iudicien der Theologen. Er bat seine Zuhörer in allen bürgerlichen Dingen der Obrigkeit den Gehorsam zu leisten, auch mit Verstreckung des Leibes und Lebens; aber was die Annehmung des Mandats betreffe, sollten sie bei Gottes ewiger Ungnad nicht gehorchen, sondern Gott geben, was Gottes ist. Sie sollten thun, wie er: weichen wolle er nicht; das Mandat annehmen wolle er auch nicht, denn dasselbe sei weder vernünftig noch menschlich, sondern vom Teufel selbst eingegeben; unerschrocken wolle er dawider reden und predigen, so lang er seinen Mund regen könne, wenn ihm auch die Obrigkeit sein Hab und Gut, sein Weib und Kind, ja sein Leben nehmen wolle. Der Herzog hörte von der aufrührerischen Predigt unmittelbar darauf, als er selbst von der Predigt Funcks aus der Altstädtischen Kirche kam. Er befahl dem Oberburggrafen Christoph von Creytz, Mörlin zu sagen, dass er sich der Kanzel zu enthalten und das Herzogthum zu verlassen habe, eilend, damit der Herzog bei seiner Rückkehr ihn nicht mehr finde. Dann setzte er sich in seinen Schlitten und fuhr nach seinem Schloss Neuhausen. Er war so tief erregt, dass er davon krank wurde Der Oberburggraf hatte den Befehl nicht ausgerichtet. Er wagte dem Herzog zu schreiben, Mörlin habe nur gelehrt, was der heiligen Schrift gemäss sei. Der Herzog forderte unverzügliche Ausführung seines Befehls; der Oberburggraf erklärte, lieber Alles über sich ergehen lassen zu wollen. Inzwischen war Mörlin gewarnt worden vor dem Zorn des Herzogs. Er bat den Rath des Kneiphofs um seine Entlassung, weil ihn Christus nicht geheissen, wider des Herzogs Willen in seinem Fürstenthum zu sitzen, sondern befohlen, wenn man ihn in einer Stadt verfolge, in eine andere zu fliehen; er wolle also in Gottes Willen sich fügen und dem Zorn Raum lassen. – Der Rath beschloss, Mörlin nur zeitweilig zu beurlauben, auf gemeine Kosten ihn nach Danzig reisen zu lassen, dort ihn zu unterhalten und abzuwarten, ob Gott das Gebet erhöre, Mittel und Wege schicken wolle, ihn wieder nach Königsberg zu bringen. So zog Mörlin fort, sein Weib krank zurücklassend und seine Gemeinde dem höchsten Erzhirten befehlend, der ihrer pflegen und warten wolle in Ewigkeit.
Darumb auch F. D. allein solch vnbescheyden, vngestumm vnd gantz vndienstliches schreyen vnnd poltern auff offentlicher Cantzel, welches warlich auch kein Fuͤrst oder Stadt im Roͤmischen Reich von jhm leiden wuͤrd,jm vnter
sagt vnd verboten hat, keineswegs aber, das er nicht der heiligen Schrifft vnd Augßpurgischen Confession gemeß predigen solte. Wie aber D. Moͤrlein auff solches verbott solch schreyen vnnd poltern nur je lenger, je mehr getrieben, hat jn F. D., wie sie es lang gnug von jhm geduldet, endtlichen gar abgeschafft,abgesetzt, seines Amtes enthoben. Vgl. Art. abschaffen, in: DWb 1, 94f. welches nimmermehr geschehen wer, wie ich zum offtern mal
auß F. D. mund selbst gehoͤrt hab, wenn D. Moͤrlein schon wider Osiandrum, doch mit gebuͤrlicher bescheydenheit, sich erkleret vnnd nicht die zwyspalt groͤsser, dann sie an jhr selbst gewesen ist, gemacht hett.
Das aber etliche Pfarrherrn mehr nach D. Moͤrleins abschied auß dem Land Preussen gezogen, ist wissentlich, das sie F. D. nicht veriagt, sondern sie sich
selbst veriagt vnnd daruon gemacht haben, vber F. D. nechst außgegangen Mandat,Vgl.: Des Durchleüchtig= || sten Hochgebornen Fuͤrsten vnnd || Herrn / Herrn Albrechten des Eltern / Marg= || graffen zu Brandenburg / inn Preussen / || zu Stettin / Pommern / der Cassuben || vnnd Wenden Hertzogen / Burg= || graffen zu Nuͤrmberg / vnnd || Fuͤrsten zu Ruͤgen / etc. || Mandat || An jhr Fuͤrstlichen Durchleuͤchtig= || keyt Vnderthanen außgangen den 11 || Augusti / || ANNO. M. D. LV. || Gedruckt zu Koͤnigsperg inn || Preussen / durch Johann || Daubman. || [Lindenblatt] (VD 16 P 4793). auß welchem dann auch jr flucht, wie Christlich sie gewest, allen frommen vnnd verstendigen Christen offenbar steht zu erkennen. Wie dann auch herwiderumb die vrsach, vmb welcher willen ich vnd andere noch in Preussen bißher geblieben etc. Sintemal vns inn solchen Mandat die reine
Christliche Lehr, wie sie in heiliger Goͤttlicher schrifft vnd der Gottseligen hochbegabten thewren Menner D. Lutheri, Vrbani Regij, Coruini, Phil
ippi, BrentijMartin Luther, Urbanus Rhegius, Antonius Corvinus, Philipp Melanchthon, Johannes Brenz. buͤchern erklert vnd in allen reformierten Kirchen, so sich zu der Augßpurgischen Confession bekennen, einhelliger weiß gelehret wirt, auch gleicher weiß zu predigen nicht allein erleubet, sondern auch bey ver
meidung hoͤchster vngnad ernstlich befolhen vnd keineswegs gewehret ist, den rechten wahren verstandt der Spruͤch Pauli in der Epistel zun Roͤm. vnd anderer oͤrter der heiligen schrifft, so in diser Zwispalt etwa strittig gewesen sind, mit gebuͤrlicher bescheidenheit klar anzuzeigen.
Wie Waldner solchen Bericht vernomen,Hier wird die Rahmenerzählung von Vogels Reise über Nürnberg nach Ingolstadt 1556 wieder aufgenommen; vgl. oben S. 937. ließ er sich vermercken, das er
jhn gern gehoͤrt vnd auch nicht wenig druͤber erfrewet werde. Kamen also mit solchen worten fast inn die herberg, darinnen ich weiter nichts von solcher Zwyspalt hab, ergernuß zu vermeiden, vor frembden Leuten mehr gedencken woͤllen, sondern ob ich schon darzu von etlichen angehalten, ist mein antwort gewest, es schicke sich nicht allein an dem ort nicht, sonder sey
auch vnnoͤtig, dieweil gnugsam auff dem weg zwischen vns dauon gesagt sey worden. Haben also den handel nach der zeit vnd des orts gelegenheit gar lassen fahren vnd sind sonst mit einander, als gute Freund pflegen, so lang nicht bey einander gewesen vnd auch bald wider sich von einander scheyden muͤssen vnd vieleicht jhr lebenlang nicht mehr zusammen kommen muͤgen,
recht froͤlich vnd lustig gewesen, doch inn solcher weiß, wie sichs sonderlich Kirchendienern gebuͤret. Bin auch des folgenden morgens in hoͤchster Freundtschafft von jnen geritten mit solcher zusag, das ich sie auff jhr bitt im heimziehen wider besuchen wolt, welchs ich auch gehalten. Hab aber Waldnern (dann ich der andern geschweig), wie ich wider kam, viel anders
befunden, dann ich jn gelassen hett. Welcher bald vnter anderem vnbescheydener weiß anfieng vnd fraget, ob ich mich noch nicht hett bekeret. Darauff ich jhn erinnert, das er billich, ehe er mich solches fraget, zuuor beweisen solt, das ich geirret. Da macht er viel geschwetz, verdampt ohn allen grundt auß lauter calumnijs Osiandrum als den ergsten Ketzer,
rhuͤmet dargegen vnd rechtfertiget durchauß D. Moͤrlein. SchendetSchilt, schmäht, verleumdet. Vgl. Art. schänden 5.c), in: DWb 14, 2142f. derhalben abermal F. D. zu Preussen als einen Tyrannen, das er Moͤrlein veriagt. Mich aber beklagt er, als der zu Nuͤrmberg ein ernsthaffter Prediger gewest, nun aber ein heuchler in Preussen worden wer, das ich mich an solches fromen Manns stat gebrauchen ließ etc.Vogel war 1554 auf die Stelle des Dompfarrers in Königsberg berufen worden, nachdem Mörlin 1553 als Superintendent nach Braunschweig gewechselt hatte. Welchs alles lang zu
erzelen wer. Jch aber sagt, Er hett am nechsten von dem allen meine meinung gehoͤrt, bey der thet ich noch, wie auch billich, weil ich nichts bessers vnd gruͤndlichers von jm hoͤren kundt, beruhen. Wenn er aber je meinet, das er den handel, dem er doch viel zu wenig were, so wol verstuͤnde, so moͤcht er Osiandrum auff sein eygen gefahr verketzern vnd verdammen. Solt dargegen
mein Gewissen vnbeschweret lassen. Hierauff sagt er mir alle freundschafft auff vnd fragt mich, ob auch solches D. Moͤrlein, was ich von jm gesagt, moͤcht geschrieben werden. Jch antwort, das ich jn solches nicht hieß schreiben, wie ichs dann auch nicht dergestalt, wie er weste, geredt. Dann ich D. Moͤrleins noch jmmer verschonet vnd auch sein mit keinem wort bey
meiner Gemeyn je oͤffentlichen vmb Christlicher rhu willen gedacht hett, welche doch von jm wider mich stetigs verhetzt wurde. Wenn es jhm aber schon geschrieben wuͤrde, so wer es gleichwol also vnd nicht anders. Damit schied ich von jhm. Dann ich mich mit einem solchen Schwetzer nicht mehr zancken wolt, damit ich nicht holtz zutruͤg zu seinem fewer, Syr. 8.Vgl. Sir 8,4. Noch
hat er nicht rhuen koͤnnen, biß er ein fewer selbst auffgeblasen vnd D. Moͤrlein verreitzt hat, das er nach seinem gefallen einen Lesterbrieff wider mich geschrie-ben. Schickt mir derhalben denselben auch gedruckt in einem andern Deutschen Bachantischen, vnd der noch gifftiger dann des Moͤrleins ist, mit grossen frolocken zu, das das fewer, so er angelegt, also
wol ist auffgegangen, vnd trohet als ein Mordbrenner, der nur in der Kirchen Gottes lust zu brennen hat, er woͤll der fewer mehr machen. Weil aber derselbige Brieff nicht gedruckt, wil ich auch hie im Druck nicht mehr dauon melden, sondern allein D. Moͤrleins gedruckten Sendtbrieff wider mich fuͤrnemen vnnd von wort zu wort verantworten, doch auff das kuͤrtzst.
Sintemal er auß erzelter Historia des meisten teils schon erkleret ist.
Folget der Titel:Ein Sendt= || brieff D. Doctoris || Joachimi Morlini an den Vo= || gel / eingedrungenen Prediger in || der Stifftkirchen des Knip= || hoffs zu Kuͤnigsberg || in Preussen. || j. Johan. j. || Das blut Jesu Christi Got= || tes Son / machet vns rein von || aller suͤnde. || So jemandt zu euch kompt / || vnd bringet diese Lehre nicht / den nemet nicht zu hause / vnd || gruͤsset jn auch nicht / Denn wer || jn gruͤsset / der machet sich || teilhafftig seiner boͤ= || sen wercke . (VD 16 M 5885).
Ein Sendtbrieff D. Do ctoris Joachimi Moͤrlini an den Vogel, eingedrungenen Prediger in der Stifftkirchen des Kniphoffs zu Koͤnigßberg in Preussen.Im folgenden sind im Originaldruck die Passagen aus Mörlins Brief jeweils in etwas größerer Type gesetzt, Vogels Antworten in kleinerer, die jeweiligen Verfasserangaben sind in noch deutlich größeren Typen in der Regel mittig gesetzt.I. Johan. I.
Das Blut Jesu Christi, Gottes Sons, machet vns rein von aller suͤnde.Vgl. I Joh 1,7.
So jemand zu euch koͤmpt vnd bringet diese Lehr nicht, den nemet nicht zu hause vnd gruͤsset jn auch nicht. Denn wer jn gruͤsset, der machet sich teilhafftig seiner boͤsen wercke.II Joh 10f.
Matthei Vogelij antwort:
Was von diesem Sendtbrieff zuhalten sey, zeiget dieser vngegrundte Tittel meisterlich an, schendet derhalben D. Moͤrlein, so fern er jn gestelt hat, sich selbst vnnd nicht mich damit. Dann was soll vnnd kan man einem glauben, der baldt im anfang mehr redet oder schreibet, dan er mit grundt vnnd war
heit beweisen kan?
Er schreibet mich in solchem Tittel durch einen offentlichen truck auß als einen eingedrungnen Prediger in der Stifftkirchen des Kniphoffs zu Kuͤnigsberg. Nun aber ist mit F. D. zu Preussen selbst neben vilen Gotfuͤrchtigen warhafften person, so vmb solchen meinen beruff wissen zu bezeugen, das
ich mich keineswegs zu solchem standt selbst gedrungen vnd eingebeten, sondern schwerlich darzu hab bewegen vnd erpitten lassen. Das ich auch von F. D. herwiderumb nicht meiner gemein sey eingedrungen worden, ist gleicherweis offenbar, dann nach dem die Erbarn vnd Weisen Burgermeister vnnd Rath im Kneiphoff, meine großguͤnstige Herren, vmb einen Pfarherren
dazumal bitlich angesucht vnnd ich jnen auff jr vntertheniges begeren von F. D. furgeschlagen vnd zugeschickt worden bin, haben sie mit willen vnd wissen der Eltesten jrer gemein mich willigklich vnd mit solchem Christlichen verheissen angenumen, das, wenn ich jhnen F. D. schreiben nach der heiligen schrifft vnnd Augspurgischen Confession gemes predigen wurde, wolten sie
mich nicht allein fur jren Pfarherren halten, sondern auch als eine vatter ehren. Weil ich jhnen nun solches angelobt vnnd bis auff diese Stund, Gott hab lob, der die gnad geben hatt, vnd wie mit inen selbst zu bezeugen, gehalten hab, vnnd doch gleichwol noch bey solchem allem, wie mich D. Moͤrlein bezichtiget, ein eingedrungner Prediger bin, wirt er vor mir auch
einer selbst im gleichen standt muͤssen gewest sein, dann er so wenig gewest ist als ich nun bin immediate von Gott selbst auß den wolcken, sondern wirt on zweiffel so wol als ich durch obgemelte mittel onan. solches ort zum predigampt beruffen vnnd angenumen sein worden, vnnd ob er mir fuͤrwerffen wolt, ich laß mich vnbilligerweis on sein stadt gebrauchen, frag ich jhn dar
gegen, warumb er sich on Doctoris Petri HegemonisPetrus Hegemon war von 1545 bis 1550 Pfarrer am Dom in Königsberg; als Mörlin dorthin berufen wurde, wurde Hegemon an die Löbenichtsche Kirche versetzt. stadt hab gebrauchen lassen, welcher jm hat weichen mussen, so er dargegen mir nicht gewichen, sondern auß vrsach, die er am besten weiß vnd oben eines teils von mir erzelt sein, ein gantzs Jhar zuuor von Koͤnigsberg ist gekumen, ehe ich on sein stadt, wie obgemelt, bin verordnet worden; solt er derhalben D. Moͤrlein als
ein getrewer Pfarherr vnd Seelsorger gern sehen, das solche seine alte pfarkinder, weil jn Gott on ein andern ort gefordert, gleichwol mit einem andern, der jnen nicht weniger als er selbst das Euangelion lauter vnnd rein predigte, versehen werden, vnnd nicht begeren, das sie seinethalben als die Schaff anohne. einen hirten stettigs bleiben solten, sondern vielmehr darzu helffen, das sie
mit solcher verenderung, als die von Gott herkumpt, Gemäß Errata-Liste aus: zu frieden der weren.zu frieden weren vnd keines wegs mit Gott streiten oder zuͤrnen, derGemäß Errata-Liste ergänzt. jn zu Braunschweig, mich aber zu Koͤnigsberg noch zur zeit haben wil, noch den eingedrungen heissen, den Gott durch sein ordentliche mittel beruffen, denn was heist vnd ist das anders, dann als ob D. Moͤrlein sich an Gottes stadt setzen vnd der orteraus: ortet. vnd
beruff wider Gott mechtig sein wolte?Im Hintergrund der Erörterungen steht CA XIV: Vom kirchen regiment wirt gelert, das niemant inn der kirchen öffentlich leren odder predigen odder Sacrament reichen sol on ordentlichen beruff. (BSELK 108,13–15).
Was die zwen Spruch auß Johannis Epistel belanget, kunt ich nicht wissen, warumb er dieselbigen baldt vnter den Tittel vorn an gesetzt hett, dann das er mich mit dem ersten als einen schender des bluts Christi wil verdechtig machen, vnnd baldt darauff mit dem andern vnter solchem schein mein
gemein vnnd alle Welt, souil am jm gelegen ist, dermassen wider mich verpittern,Gemäß Errata-Liste aus: verpittert. das sie mich weder grussen, hausen vnd hoffen,hausen und hofen = in Haus und Hof aufnehmen. Vgl. Art. hausen II.), in: DWb 10, 660; Art. hofen 2), in: DWb 10, 1664. vielweniger fuͤr einen kirchendiener vnd Prediger auffnhemen sollen, vnd was er hie offentlich jm truck thut, hab ich aus der zerstrewung meiner gemein bißher genugsam gefuͤlet vnnd vermerckt, das er es schon langst mit heimlichen brieffen
vnd practiciren gethan hatt. Weil aber D. Moͤrlein mit mir sein lebenlang nie geredt, meiner predig auch keine gehoͤrt, mir nichts geschrieben, wie ich auch jhm,scil. nichts geschrieben habe. noch meine schriefft, weil die nie in druck gekhummen, gelesen, vnd mich doch gleichwol nur yrget auß etlicher leichtfertiger leut falsches angebenAnzeigen, Verleumden. Vgl. Art. Angeben, in: DWb 1, 338. also vnuerhorterunverhörter(weise) = ohne vorangegangenes Verhör, ohne dem Beschuldigten Gelegenheit zur Verteidigung gegeben zu haben. freuenlicheraus: freunenlicher. weiß in offentlichen druck durch gantz
Deutschland als einen ketzer verdampt vnd außschreibt, hat er warlich der Regel Christi, Matth. 18,Vgl. Mt 18,15–17. weit vergessen vnd mit solcher vnzeitigen excommunication, was er fur ein frummer Doctor sey, genugsam angezeigt, also jm selbst mehr dann mir geschadet, dann wie auch Augustinus schreibet in sermone Domini in monte: Temerarium iudicium plerunque nihil nocet ei de quo
temere iudicatur, ei autem qui temere iudicat ipsa temeritas necesse est, ut noceat,Vgl. Augustin, De sermone Domini in monte II, 18, 62 (PL 34, 1297f); vgl. a. Decretum Gratiani p. II, c. XI, q III, c 49. (Friedberg I, 657). das ist: Ein freuentlich, vngegrund vrtheil schadet gemeiniglich nicht dem, von dem es geschicht, dem aber selbst, der also freuelich vrteilet, muß sein freuel schaden, wie ich dan nicht zweiffel, alle fromme Christen, so bißher meine predig gehoͤrt, oder welche sie nicht gehort, doch ytzundt
auß diesem meinem gedruckten Dialogo mein lehr zu uernehmen haben, werden mich fuͤr keinen solchen blutschenderBlutschänder hier möglicherweise in allgemeinerem Sinn: moralisch völlig verkommenes Subjekt. Vgl. Art. blutschande 2), in: Fnhd. Wb. 4, 689. Wahrscheinlicher aber im Sinne von Schänder des Blutes Christi, der die Heilswirkung des Kreuzestodes Christi in Abrede stellt. Vgl. oben Blatt m 1v, S. 946,21. vnnd ketzer koͤnnen halten, wie mich Moͤrlein in seinem Sendtbrieff ausgeschrieben,öffentlich schriftlich verleumdet. Vgl. Art. ausschreiben 3), in: DWb 1, 960. sondern nunmehr versehen lernen, das der fromme D. Morlein sein frumbkeit hierin wenig bewisen vnnd zu lestern vnnd schmehen muß also grossen lust
haben, das ers auch nicht vnterlassen, sondern, wo er nicht kan mit grundt, doch mit hoͤchsten vngrundt musse lestern. Darumb sie mich auch nicht so sehr als jn selbst, wo er nicht von solchem vngegrundten lestern abstehet, mit der zeit werden fliehen lernen; volget die vberschrifft:
Dem Magister Vogel im Thum zu Kuͤnigsberg in Preussen
zu seinen selbs eigenen handen.
M. Vogel:
Weil dieser Brieff zu meinen selbst eignen handen vberschrieben vnd hernachmals mit D. Moͤrleyns handschrifft vnterschrieben ist, solt D. Moͤrlein, solchem vber- vnnd vnterschreiben nach, sein handtschrifft mir billich langst
vnd ehe ers publicirt, wie es jm an getreuen botten vnd guten freunden hierinnen nicht gemangelt, haben zu meinen selbst eigen handen lassen zustellen, damit er nicht allein sein wort hielt, sondern auch dem getreuen rath Jesus Syrach volget, der da spricht: hastu was gehort, spricht deinen freundt drumb an denn man leugt gern auff die leut etc.Vgl. Sir 19,15. Sprich deinen
Nechsten drumb an, ehe du mit jhm pochest,streitest. Syrach 19.Vgl. Sir 19,17. Solches raths Syrach aber, wie auch seiner eignen wort, hat Moͤrlein weit vergessen, indem er mir mit eigner handtschriefft einen Brieff zu meinen selbst handen zuschreibt, Schickt jn aber nicht meinen, sondern anderer leut handen, denen er nicht ist zugeschrieben zu, das er ge-druckt vnd allenthalben inn
Deudtschland wider mich außgestrewet wirdt, ehe ich ein wort dauon gewust, viel weniger mich drauff gegen jhm hab verantworten koͤnnen. Auch hab ich mein lebenlang wider Moͤrlein, mit namen specificiert oder namhafftig gemachet, publice auff der Cantzel oder im Truck nichts geredt oder geschrieben, sondern allein von Wolff Waldnern gedrungen, wie obgemelt,
priuatim sein gedacht. Solt derhalben D. Moͤrlein der billigkeit nach herwiderumb, weil er ein Christlicher Lehrer wil gerhuͤmbt sein, im offentlichen Truck mein verschonet, vnd vilmehr, wie ich priuatim von jm geredt, also auch mir priuatim geschrieben vnd mein antwort zuuor gehoͤrt haben, ehe er etwas weiter wider mich fuͤrgenomen. Vnnd ob er schon
fuͤrgeben wolt, der Brieff wer nicht mit seinem willen gedruckt worden, ist er doch damit nicht entschuldigt, weil er mir, wie auch noch biß auff den heutigen tag, solche seine Handschrifft, dem sie doch seinem vber- vnnd vnterschreiben nach billich vor allen andern hett gehoͤret, verhaltenvorenthalten. Vgl. Art. verhalten 4), in: DWb 25,509. vnd dieselbige leichtfertigen Leuten, so sie haben drucken lassen, zugeschickt hat.
D. Moͤrlein:
Lieber M. Vogel.
M. Vogelij Antwort:
Lieber D. Moͤrlein, weilsolange. Vgl. Art. weil I.B.1.a), in: DWb 28, 764f. mich Christus, der getrewe Hirt vnd Heyland, so sein heilig Blut fuͤr mich armen Suͤnder am Creutz vergossen hat, nur
gruͤsset vnd zu mir in seinem heiligen Euangelio spricht: Sey getrost, ich hab die Welt vberwunden, Johan. 16Vgl. Joh 16,33. – Was ligt daran, ob jhr mich schon, als ein auffgeblasener, hoffertiger geyst, nicht gruͤsset, jhr werdt mir die Absolution, so mir Gott vmb Christi, des Mitlers, seines lieben Sons, bitter Leiden vnnd Sterben willen gnedigst gesprochen hat, mit ewer
Excommunication so wenig als der Babst zu Rom wider koͤnnen entziehen. Deß bin ich gewiß.
D. Moͤrlein:
Es hat mir Herr Wolff Waldner von Nuͤrmberg mit ewerem wissen vnd willen geschrieben.
M. Vogel:
Solcher punct stimpt mit meiner obgesetzten Historia bald nicht vberein. Dann Wolff Waldner hat erstlich als ein listiger wolff im Nuͤrmbergischen Wald sich zu mir gesellet vnnd mit mir bedingt, das, was zwischen vns geredt werde, sol als zwischen Bruͤdern geredt sein vnd bleiben. Fengt auff solches
bald vom Moͤrlein an vnd vmb seinetwillen meinen Gnedigen Fuͤrsten vnd Herren zum hoͤchsten zu lestern. Wie er mir nun als einen getrewen Diener, der seines Herrn Ehr vnd Vnschuld der warheit nach nicht kan noch sol vnuerteydiget lassen, außgedrungen hat, das ich des Moͤrleins gedacht vnd drauff wider zu jm gen Nuͤrmberg komm, ist er, weil er zuuor so viel außgelockt,
als er begeret, kein Bruder mehr, sondern sagt mir on alle vrsach alle Freundschafft auff, setzt, was ich vom Moͤrlein gesagt, in einen zweiffel, als ob es nicht wahr wer, vnd fragt, Ob es auch dem Moͤrlein moͤcht geschrieben werden. Jch erinnert jhn, welcher gestalt ichs gegen jhm gesagt vnd warumb ich mit D. Moͤrlein gern zu frieden bleib, heiß jm keineswegs solches
schreiben, sondern sprich allein, als ein warhafftiger: Wenn es jm dann schon geschrieben wuͤrd, so wer es doch also vnd nicht anders. Nichts dester weniger gibt dieser Waldner wider vnsern vertrag mich bey D. Moͤrlein nicht anders an, dann der sich zu jm genoͤtigt, selbst nit hab koͤnnen ruhen, sondern gewoͤlt vnd befolhen hab, das jm meinethalben geschrieben werde. Aber wie
Christus gewoͤlt hat, das jhn Judas verraten solt, da er sprach: Was du thust, das thu bald,Vgl. Joh 13,27. Also hab ich auch gewoͤlt, das dieser Wolff solches von mir dem Moͤrlein schreiben solt. Erfahr derhalben allererst, wie wahr vnnd weißlich der Poet Theocritus, als er auff ein zeit ist gefragt worden, Welchs die aller grausamsten wildesten Thier weren, hat geantwort: Jn dem Wald oder Ge
birg seinds die Loͤwen vnd Beren. Aber in den Steten die Publicani, das ist: die Zoͤlner, oder wie man nach jetziger zeit gelegenheit sagen mag: die Wucherer, vnd die Calumniatores, das ist: die Lesterer.Vgl. Theokrit bei Stobaios, anth. I, 66; vgl. a. Diogenes Laertius, Leben und Meinungen berühmter Philosophen VI, 2, 51: Diogenes von Sinope, gefragt, welches Tier am gefährlichsten beiße, sagte er: Unter den wilden Tieren der Sykophant, unter den zahmen der Schmeichler. Dann mir viel besser gewest wer, einem BernBären. zu begegnen, dem die jungen beraubet seind, dann diesem Wolff WaldnarrenPolemische Entstellung des Namens Waldner. zu Nuͤrmberg inn seiner narrheit, Prouerb.
17.Vgl. Prov 17,12.
[D. Moͤrlein:]
Wie lustig vnd froͤlich jr euch daselbst vber mich gemacht, vnd sonderlich was jr meiner Person halben gedacht, als er vnnd M. Beslerus euch biß auff das nachtleger das geleydt gegeben.
M. Vogel:
Das ich zu Nuͤrmberg vnnd auch sonderlich zu Alberspach, dahin mir Waldner vnnd andere gute Freund das gleyt gegeben, recht froͤlich vnnd lustig gewesen sey, hab ich auch oben in meiner Historia schon bekant.Vgl. oben S. 943,21–26. Dann weil ich in sieben Jaren zu Nuͤrmberg in meinem Vaterland nicht ge
wesen, muͤst ich ein vnmensch gewest sein, das ich mich nicht von hertzen gefrewet solt haben, einmal daselbst mit meiner FreundschafftVerwandtschaft. Vgl. Art. Freundschaft 3), in: DWb 4, 168. vnd auch denen, so von jugend auff mit mir erzogen, Schulgesellen vnd auch sonst mir bekant gewest, gegenwertig zu reden. Vnd muß warlich Wolff Waldner gar einer woͤlffischen, vntrewen art sein, der mir solche freud, so Gott selbst der
menschlichen natur eingepflantzt, nicht guͤnnet, sondern mir dieselbige in ein Teuffelische freud verkeren wil, als der ich mich vber Moͤrlein, das ich jhm vbel nachreden moͤcht, gefrewet, so ich doch in der Herberg gar sein, wie obgemelt, geschwigen, vnd auch inn dem Wald nichts von jm, dann was mir dieser Wolff Waldner außgenoͤtigt zu warhaffter entschuldigung F. D. zu
Preussen vnd auch meiner ehren, vnnd wie Gott weiß, auch dasselbig mit traurigkeit (weil mir mit keines schand wol ist), gesagt hab. Thut mir derhalben Wolff Waldner alhie den andern wolffsbiß.
[D. Moͤrlein:]
Als nemlich, Jch sey ein Lesterer vnd habe geprediget: Wo sol man die We
sentliche Gerechtigkeit (Merck, was ich schreibe!) eingiessen, hinden oder fornen?
M. Vogel:
Hie hat Waldner zum drittenmal anders geschrieben, dann er gehoͤret. Dann ich der bescheidenheit mich noch stetigs gegen D. Moͤrlein gebraucht, das
ich jhn selbst nicht einen lesterer geheissen, sondern, wie ich als oben in der historia vermeldt vnd nicht anders gesagt, Nemlich das Moͤrlein die wesentliche Gerechtigkeit einen traum genent vnd gern hab wissen wollen, ob man sie von hinden oder oben durch ein filtzhut eingiessen oder eintrichtern solt, dann kein solche Gerechtigkeit wider in himel vnd erden etc.
Hab ich darauff Waldnern gefragt, ob nicht solche wort von ymandt, der sie genaw examinirn solt, weil die wesentliche Gerechtigkeit Gott selbst sey, auch fuͤr lesterung koͤnten angezogen vnnd bewiesen werden; das aber Moͤrlein alhie mich weiter erinnert, ich soll mercken, was er schreibe, kan ich nicht gewiß wissen, was er damit meint, im fahl, das er dadurch, als der
ytzt erzelte wort nicht geredt, wil, kann ers doch nicht leugnen. Sintemal sie bey vns in Preussen landtruchtiglandkundig, allgemein bekannt. Vgl. Art. landrüchtig, in: DWb 12, 129. vnnd auch in offentlichenaus: offen lichen (t anscheinend ausgefallen). truck gegeben sein vnnd von seinem eignen partTeil, Anhang, (seiner eigenen) Partei, (seinen) Unterstützern. Vgl. Art. Parte 2), in: DWb 13, 1466. nicht geleugnet werden. Vnnd was begerdt D. Moͤrlein alhie viel beweisung, so ers doch selbst bekent, vnnd da ers am meisten will, doch nicht anders kan verglimpffenbeschönigen, abmildern. Vgl. Art. verglimpfen, in: DWb 25, 462. in seiner historia,
R. ij,HISTORIA || Welcher gestalt sich || die Osiandrische schwermerey im || lande zu Preussen erhaben / vnd wie die= || selbige verhandelt ist / mit allen || actis / beschrieben || Durch || Joachim Mörlin D. vnd Superinten= || dent zu Brunschwig. || 1. Pet. 3. || Habt ein gut gewissen / auff das die / so von euch || affterreden / als von vbelthetern / zu schanden wer= || den / das sie geschmehet haben ewern guten wandel || in Christo. [Magdeburg: Michael Lotter, 1554] (VD 16 M 5879). Die obige Stellenangabe ist in ihrem inhaltlichen Bezug unklar, vmtl. ist Bl. R3v gemeint. Dann das er willig vnd mit gutem fuͤrsatz der wesentlichen Gerechtigkeit, daruon Osiander gelehret, gespottet hab als einer ertichten vnd getreumbten Gerechtigkeit, die vns, weiß nicht wie, mit einem filtzhuͤtlein eingetrichtert werd, dann kein solche Gerechtigkeit, weder in himel noch auff erden,scil. zu finden sei. gleich wie Elias der getichten, getreumbten Goͤtter der Baalitischen
pfaffen spott;Vgl. I Reg 18,27. gib derhalben allen verstendigen zu erkennen, ob nicht D. Moͤrlein hiemit sein vnbescheidenheit, indem ers verglimpffen will, selbst mehr vnnd groͤber, dann ichs von jm bey Waldnern gesagt hab, in offentlichen truck von sich aus: ausgeschrieben.aus geschrieben, bin also gewis, das er sich nimmermehr solcher offtgedachter vnbescheidenheit wirt entledigen konnen.
Dann auch viel Erbar vnd glaubwirdig person noch vorhanden, die solche wort auß seinem mundt selbst gehoͤrt vnnd sich auch nicht schewen, dieselbigen, wie sie mirs von jm gesagt, also jhm auch selbst, wenn es vonnoͤten, vnter die augen zu sagen,ins Gesicht zu sagen. Vgl. Art. Auge 5), in: DWb 1, 791–793. wie auch viel andere dergleichen vnbescheidene vnd leichtfertige wort, mit denen er auff Osiandrum
gescholten. Nemlich das er in seinem pfantastischen kopff speculirt vnd erticht hab ein Gerechtigkeit, die Gott selbst sei, die vns eingegossen werd, das wir von stund an mit gen himel fahren wie ein khu in ein meußloch,Redensartlich: wie eine Kuh in ein Mauseloch = gar nicht. Die Wendung beschreibt etwas Unmögliches. Vgl. Art. Mäuseloch, in: DWb 12, 1825. dann wenn es speculierens gilt, hatt er ferner, wie viel bezeugen, gesagt: Mocht auch ein Narr dergleichen ertichten vnnd außdencken. Ey, der
BalbiererBarbier, Bartscherer, Friseur, der auch kleinere Wunden versorgen und kleinere medizinische Eingriffe (z. B. Aderlass) vornehmen konnte. Vgl. Art. Balbier, in: DWb 1, 1080; Sabine Sander, Art. Bader, in: Enzyklopädie der Neuzeit 1 (2005), 916–921. hatt ein krumb schermesser, da durch ist ein schnur gezogen, vnd an der schnur hengt ein schell, vnnd wenn man am messer zeucht, so klingt die schell. Ergo Deus est nostra Iustitia, etc. Dann wie kan doch die wesentliche Gerechtigkeit, wie der schwartze TeuffelInvektive gegen Osiander, mit Bezug auf seine Haarfarbe und seinen dunklen Teint. sagt, vnser gerechtigkeit sein, dieweil sie, wie die schriefft sagt, ein verzerent feur ist,Vgl. Ex 24,17; Hebr 12,29. holl der
Teuffel die Gerechtigkeit, ich will sie nicht holen, behuͤt vns Gott dafuͤr; darumb er auch gesagt: wenn man dich fragt: Jst Gott der vatter dein Gerechtigkeit? sprich: nein; ist der heilig Geist dein Gerechtigkeit? sprich auch: nein. Was ist dann dein Gerechtigkeit? antwort: allein der blutige schweiß vnd der schmeliche Todt Jesu Christi etc. Dann Christus ist weder
nach seiner Goͤttlichen noch nach seiner Menschlichen natur, noch nach seiner person vnsere Gerechtigkeit, sondern allein in seinem ampt, do er stirbt vnd leidet etc.Zu den Aussagen Mörlins vgl. oben Anm. 492, 494 und 495. Also ist D. Moͤrleins vnbescheidenheit, wie er begert, genugsam, meinem erachten nach, bewiesen, welcher ich doch sonst viel lieber wolt geschwigen haben. Sintemal sie keinem Theologo, sonderlich
auff offentlicher Cantzel, geburet, noch wol ansteht.
Wo aber, indem er mich vermant, ich sol mercken, was er schreib, sich entschuldigen wil, das, ob er schon solche wort gered, sey er doch kein lesterer, mocht ich im fur mein person wol vergoͤnnen, das er sich solcher wort enthalten, vnd also durch solche wort nicht von denen, so inihn (Mörlin).
derselben nicht vberheben wollen, lesterung halben kunte vberwiesenüberführt. Vgl. Art. überweisen A.2.b), in: DWb 23, 641. werden; dann wie schwach sein entschuldigung sey, laß ich alle verstendige richten, weil gar kein gleicheit ist, wie er machen wil, zwischen der wesentlichen Gerechtigkeit, welche Gott selbst ist, vnd der Baalitischen pfaffen getreumbten Goͤttern, darumb er auch nicht der wesentlichen
Gerechtigkeit also wie Elias der Baalitischen Goͤtter hatt spotten kuͤnnen.
Zum andern, ob wol nach der heiligen schrifft die wesentliche Gerechtigkeit, wie Moͤrlein schreibt, einem verzerentenaus: verzereten. feur vergleicht wirt, ist sie doch allein gegen den vnbußfertigen vnd vnglaubigen, keineswegs aber gegen den busfertigen glaubigen vnd versoͤnten Menschen, so vergebung der Suͤnd
vmb Christi, des Mitlers, willen empfangen haben, ein verzerent, sondern, wie Osiander hierinnen recht gelehret, ein angenhem, lieblich vnnd recht freudenfewr, durch welchs wir, so von natur gar erkalt sein, zugleich gegen Gott vnd vnsern Nechsten wider erwermet, vnd also keineswegs verzert, sondern erquickt vnd ye lenger, ye mehr wider zu den krefften, welche Adam
im Paradis durch die Suͤnd verloren hat, gebracht werden, welchs doch nicht ehe biß allererst in jenem leben volkumlich geschehen wirt. Darumb wir dann auch in der PfingstprosaPfingstsequenz, lateinische rhythmische Dichtung zur Musik. Vgl. Art. Prosa 1), in: DWb 13, 2170. den heiligen Geist, welcher warlich das Goͤttliche wesen ist, anruffen vnd bitten, das er solches fewr in vns sein wol, indem wir singen: O lux beatissima, reple cordis intima tuorum fidelium. Sine
tuo numine, nihil est in homine, etc.Vgl. die Pfingstsequenz Veni sancte spiritus (et emitte caelitus lucis tuae radium), darin heißt es: O lux beatissima, reple cordis intima tuorum fidelium. Sine tuo numine, nihil est in homine, nihil est innoxium. Der Text wird Stephen Langton zugeschrieben. Vgl. Stefan K. Langenbahn, Art. Veni, Sancte Spiritus, in: LThK³ 10 (2001), 592f [bes. Nr. 4]. – Der Text wurde auch von Luther geschätzt, vgl. WA 12, 211,1f (Formula missae et communionis, 1523). Wie nun D. Moͤrlein mit solchen Pfingstgesang vbereinstim, in dem er geschryen, der Teuffel sol die Gerechtigkeit holen, er wol sie nicht holen, Got sol jn dauor behuͤten, laß ich jn selbst verantworten.
Zum dritten lauten seine wort, in denen er Got selbst vnd die person
Christi von vnser Gerechtigkeit gar ausschleust, nicht viel anders, als ob er auff die blossen abgesonderten werck Christi, das sie also vnser Gerechtigkeit weren, gedrungen het.
Doch hab ich bey solchem allen aus Christlicher lieb des D. Moͤrleins bißher stetigs, wie auch gegen den Waldnern, verschonet vnd jm auß ytzt erzelten
seinen worten kein wissentliche, fuͤrgesetzteabsichtliche, vorsätzliche. Vgl. Art. fürsetzen II.2), in: DWb 4, 814f. lesterung wollen zumessen, sondern alwegen gesagt, das es vnbescheidene vnnd vnbedachte red gewesen sein, in welchen er, ob er wol, wie ich verhoff, nichts wenigers hab thun wollen, doch vnwissentlich Gott selbst gelestert hab. Sintemal solche wort fuͤr lesterung muͤgen angezogen vnd auch mit grund bewiesen werden, wenn man
sie scharpff examiniret.
D. Moͤrlein:
Jch hab nie geleret noch einig wort von der Wesentlichen Gerechtigkeit, worzu sie nutz sey.
M. Vogel:
Solchen Artickel bekenn ich, wie er gesetzt ist; dann weil D. Moͤr
lein geschryen, das die wesentliche Gerechtigkeit weder jm himel noch auff erden sey, wie kan er dann gesagt haben, das sie, so nach seiner meinung nicht in rerum natura ist, vns zu etwas nutz sey? Ja, spricht er, also ist sie nicht in hiemel vnd auff erden, wie Osiander dauon gelehrt. Nun aber lehr Osiander,
das sie nach empfangner vergebung der Suͤnden vmb Christi willen in den glaubigen wohne vnd sie ferner treibe vnd bewege, recht zu thun, an welchem ort dann die Wesentliche Gerechtigkeit auch allein warhafftig statt hat vnnd vns darzu nutzet, das wir vernewert werden. Dieweil derhalben Moͤrlein sie auch an dem ort nicht haben wil, kan ich noch nicht anders
schliessen, dann das er sie durchauß verwerff, als die vns nicht nuͤtzlich zur Seligkeit, sondern allein schaͤdlich vnd verdamlich sey. Darumb er auch gebeten, das jn Gott dafuͤr behuͤten woͤll, weil sie nichts anders dann ein verzerend Fewersey.
D. Moͤrlein:
Jch sey nicht der Lehr halben, sondern von wegen weltlichen vngehorsams vom Fuͤrsten veriagt, Das ich ein Auffruͤhrer gewesen vnnd das Land wider den Fuͤrsten vngehorsam gemacht vnd viel boͤses stifften woͤllen.
M. Vogel:
Solcher Artickel ist von dem Waldner also ambigue gestelt, das wer jn lißt,
den verstandt drauß nimpt, als ob ich D. Moͤrlein bezychtiget, das er die Vnterthanen abgehalten, jrer von Got verordneten Obrigkeit zinß, stewer oder schatzung(Auferlegungvon) Abgaben. Vgl. Art. Schatzung [II] 3), in: DWb 14, 2290. vnd ander dergleichen weltliche gebuͤr zu geben, welchs ich nicht gethan, sondern hab gesagt, Das er nicht der reynen Lehr des Euangelij halben, sondern von wegen seiner grossen vnbescheydenheit auff der Cant
zel, auß welcher allerley vnrhu vnnd zertrennung, nicht allein in der Kirchen, sondern auch inn weltlicher Policey,öffentlicher Ordnung. Vgl. Art. Polizei [II] 1.a), in: DWb 13, 1981f. zugleich vnter dem Adel vnd gemeiner Burgerschafft erfolget, vnd, wo Gott nicht verhuͤtet, auch ein Auffruhr im Land daruon langst entstanden wer, von F. D. nach vielfeltiger vermanung vnd warnung sey abgeschafft worden. Weil aber solches alles auff
jhn leichtlich vnd mit wahrem, guten grundt kan bewiesen werden, hett er sein trutziges vnnd ehrenruͤriges aufffordern gegen mir wol vnterlassen muͤgen. Dann viel warhafftige Erbare Personen noch vorhanden, die neben seinen andern obgesetzten absurditatibus auch folgende wort auß seinem mund gehoͤrt haben: Thut darzu, Thut darzu, lieben Kindlein, vnd leidet diesen
Grewel nicht in dem Land. Thut darzu, nicht vmb ewer, sondern vmb der kleinen Kinderichen willen, die in den Wiegichen ligen, vnd viel mehr vmb der willen, die jhr noch in den lenden thut tragen, das sie mit dieser Teuffelischen Ketzereyen nicht vergifft werden. Denn es wer euch tausendmal nuͤtzer, das jhr inn dem blut wadet vber die knie, das der Tuͤrck vor der Stadt wer vnd
euch ermoͤrdet, Ja es wer euch nuͤtzer, das jhr selbst Juͤden vnd Heyden weret, dann das jhr solches leidet.Vgl. OGA 10, 764,26–765,6: Was hats auch anders bedeuͤtet, da Moͤrlein auff der cantzel lesteret, mein lehr thet grossern schaden, dann wann der kaiser, babst und Turck mit drey grossen heern vor der stadt legen, und schrie darnach: Thut darzu, thut darzu, wo nicht umb euernwillen, doch umb eurer kleinen kindlein willen, wie er dann sinther offt in seinen predigen solchs widerholet und getriben hat, dann das er gern unfrid und aufruhr angerichtet und angestifftet hett? (Osiander, Schmeckbier, 1552). Dann jhr seid eben so wol mit der Lehr verdampt als die Heyden. Jch wil euch gewarnet haben, welcher sich warnen wil lassen. Welcher aber nicht wil, der fahr hin zum Teuffel; ich darffmuss, brauche (nicht). Vgl. I Kor 5,5. sie nicht dem Teufel geben, Dann sie sind vorzuvor schon, ohnehin. Vgl. Art. vor V.3.c), in: DWb 26, 808. sein, alle, die diese Lehr
annemen, vnd wil es offentlich anzeigen, das ich derselbigen keinen, der die Lehr annimpt oder inn seine Predig gehet, zu dem Sacrament gehen wil lassen. Sie lauffen hin, wo sie woͤllen. Jhr solt sie auch nicht gruͤssen, kein gemeynschafft mit jnen haben, sonder als den Teuffel selbst fliehen etc.
Ob nun nicht solche wort, wo Gott nicht sonderlich verhuͤtet vnd die Leut
mehr dann erscil. Mörlin. zum fried geneigt gewest, zu einer Auffruhr solten gereicht haben, laß ich alle verstendige richten. Doch ist es nicht abgegangen on viel heimliche boͤse anschlegPläne. Vgl. Art. Anschlag, in: DWb 1, 440. vnd practicken,Intrigen, Ränke. Vgl. Art. Practik 3.b), in: DWb 13, 2053. welche F. D. eines guten teils am besten weiß vnd Gott allein, dem auch dafuͤr zu dancken, gnedigst verhindert.
Vber das ist offenbar, das dadurch zwischen Vater vnd Son, Mutter vnd Tochter, Bruder vnd Schwester, die lieb also gar, als ob sie nicht mehr an einander kenten, auffgehaben, auch zwischen Eheleuten die hoͤchste vneinigkeit entstanden, gute Nachtbarschafft zertrennet, Burgerliche rhu, zucht vnd beywonungZusammenleben, gesellschaftlicher Umgang. Vgl. Art. Beiwohnung 2), in. DWb 1, 1409f. der massen zerruͤtt, das man nicht allein vngegruͤsset, wo man sich
zuuor wol an einander gekant, fuͤr einander gegangen,aneinander vorbeigegangen. Vgl. Art. voreinander, in: DWb 26, 995. sondern auch vber einander außgespiehen, nachgeschryen vnd einer auch dem andern, so etwa nur inn Osiandri Predig gegangen, nicht mehr hat woͤllen abkauffen, noch zu kauffen geben. Auß welcher bitterigkeit, neid vnd haß, so D. Moͤrlein mit seinem steten poltern vnd geschrey auff der Cantzel also in die hertzen ein
gepflantzt, dann auch allerley offentliche lesterung, nachred, hadderaus: habder. vnd zanck vnter den leuten allenthalben erwachsen, vnd auch F. D. selbst nicht hierinnen ist verschonet worden. Wie dann D. Morlein heutigs tags nit ruhen kan, sondern noch stetigs im offentlichen Truck vnd mit heimlichen Brieffen solche vnrhu vnd zertrennung in Preussen stercket, wider F. D. Christliches
MandatVgl. oben Anm. 497. vnd angestelte Amnistiam,Das Mandat Albrechts sah vor, dass beide Seiten auf weitere Verunglimpfungen verzichten und vergangene Übergriffe nicht geahndet werden sollten. so nach bewegungErwägung, Berücksichtigung. Vgl. Art. bewegen 4), in: DWb 1, 1769. aller vmbstend offtgemelter Zwispalt, vnd sonderlich inn solcher gar erschrecklichen vnnd schier vnglaubligen verbitterung vnd zertrennung der Personen, von den fuͤrnembsten vnd beruͤmbsten Kirchen vnd Schulen allein als ein mittel, Christlichen fried vnnd einigkeit inn dieser Landtkirchen wider anzurichten, erfun
den vnnd trewlichen gerathen worden ist.
Ob nun D. Moͤrlein hierinn wol gethan vnd auch noch thu, kan ich nicht sehen. Dann erstlich die Lehr Osiandri nicht also ein gedicht vnd Teuffels Lehr, wie oben erklert, gewest ist, das er die armen Leut also gar daruͤber excommuniciern, zertrennen vnnd vnrhusam machen, sondern sich
viel mehr, sonderlich gegen den einfeltigen, des Spruchs Pauli solte befliessen haben: So ein mensch etwa von einem fehl vbereilet wirdt, so vnterweist jhn mit sanfftmuͤtigem geist, die jhr geistlich seidt, Gal. 6.Vgl. Gal 6,1. Vnnd ob schon viel Leut D. Moͤrleins vnbescheidenheit, welche er auff offentlicher Cantzel getrieben, nicht zugefallen, seind sie doch vmb des
willen nicht von der Lehr Christi abgefallen vnnd derhalben auch keineswegs durch den Spruch Johannis So jemand zu euch koͤmpt vnd bringt dise Lehr nicht, den nemet nit zu hause vnd gruͤsset jhn auch nicht etc.Vgl. II Joh 10. zu excommuniciern gewest. Dann wie mild vnd vnbedacht D. Moͤrlein mit seinem excommunicieren oder bannen gewest, beweist er auch gegen mir
jetzt genugsam, weil er inn seinem Lesterbrieff wider mich jetztgemelten Spruch Johannis bald vornan zur Vberschrifft setzt vnd demselben nach mich drauff nicht gruͤsset, als einen solchen, der ein frembde Lehr bring, welche er nimmermehr mit grundt auff mich wirdt beweisen koͤnnen. Vnnd wie kan er doch so tollkuͤn sein, das er mir solche im offentlichen Druck zumessen
darff, so er doch meine Lehr weder inn Predigten noch Schrifften je erkant hat? Solch freuelich, vnbedacht vnnd vnzeitig bannen hat er warlich nicht von Christo, Matth. 18,Vgl. Mt 18,15–17. noch vonn Paulo, Tit. 3,Vgl.Tit 3,10f. Sondern vom Babst vnd Antichrist zu Rom gelehrnt.
D. Moͤrlein:
Wiewol ich mich nun dieses namens, sage nicht bey ehrliebenden, frommen vnnd warhafftigen Biderleuten, sondern bey euch vnnd ewers gleichen, nicht schemen mus, wie Dauid sagt, Psalm. 18.Vgl. Ps 18,26f (Luther 1545: Bey den Heiligen bistu heilig / vnd bey den Fromen bistu from / Vnd bey den Reinen bistu rein / Vnd bey den Verkereten bistu verkeret.).44.49. Damit sich aber gleichwol der arme Teuffel nicht zu todt kuͤtzele,sich (vor Begeisterung am Erfolg der eigenen Intrigen und Bosheiten) nicht tödlich überreize. Vgl. Art. kützeln II.6.d), in: DWb 11, 881f. so bitte vnd ermane ich euch bey ewren ehren, so viel jr vermeint, das jhr derselbigen habt, das jhr
solche stuck auff mich vnnd zum teil auff die arme Landschafft in Preussen zu recht beweiset.
M. Vogel:
Hie lest sich auch D. Moͤrlein von mir abermal etwas hoͤren, des er sich, ob Gott will, bey allen ehrliebenden, frommen vnd warhafftigen Biderleuten sein
lebenlang schemen muß, mocht derhalben dem frommen D. Moͤrlein, wie er sich beduncken lest, aber nicht an mir beweist, wol vergunt haben, das er seiner selbst verschonet, vnnd weder mich, noch yemandt anders von ehrliebenden, fromen vnd warhafftigen Biderleuten in offentlichem truck außschluß, auff den er nimermehr mit grundt etwas beweisen wirt kunnen, das
nicht einem ehrliebenden, fromen vnnd warhafften Biderman zugehoͤret, vnnd damit sich der stoltze lesterteuffel nicht zu todt kuͤtzele, so bitt vnnd erman ich auch D. Moͤrlein bey seinen ehren, so vil er derselbigen hat, das er, wo er kan, solche vnehr, damit er mich offentlichen beschuldiget, zurecht auff mich beweiß, wie ich auff jn nach seinem begeren das, vnnd
nicht mehr, dann was ich von jhm geredt, als sichs geburt, bewiesen hab.
Das ich auff die arme Lantschafft in Preussen auch etwas zu recht beweisen sol, ist nicht von noͤten, weil ich sie mit keinem wort, weder publice noch priuatim, yemals angeklagt oder beschuldigt, sondern vielmehr auch bey F. D. vnd gegen meniglich, vnnd sonderlich gegen offt gemelten Waldnern, ent
schuldigt hab, das die guten, fromen leut des meisten teils selbst nicht wissen, was sie thun, sondern eben durch D. Moͤrlein vnd andere seines gleichen zu vil zertrennung vnnd vnrhu auß einem einfeltigen Eifer bißher getryben sein vnd auch noch werden, derscil. Unruhe und Zertrennung. sie mit gutem gewissen wol hetten gekundt vnd auch noch sonderlich ytzt moͤchten vberhaben sein, weil jnen die zwispalt ge
nugsam vnd dermassen erklert ist, das yderman, der da wil, wissen kan, was recht vnd vnrecht darinnen gewest, vnd vber das das heilige Euangelion Jhesu Christi nach F. D. nechst außgegangen Christlichem Mandat lauter vnd rein, der heiligen schrifft vnnd Augspurgischen Confession gemeß, einhellig gepredigt vnd die heiligen Sacrament aller vnd vnzertrenter weiß nach Christi ein
setzung gereicht werden, dann sag ich, warlich viel armer leut an andern orten vnter Tyrannischer, Abgoͤttischen Obrigkeit wolten gern horen, das man (Gott lob) ytzt in Preussen nicht weniger dann in allen andern reformirten kirchen, so sich zu der Augspurgischen Confession,ergänze: halten. hoͤren mag, vnnd kunnens nicht, sondern mussen an stat Gottes heiligen worts des Teuf-fels
luͤgen vnnd Abgoͤtterey in jhren kirchen sehen, hoͤren vnnd anbetten, oder aber sich mit weib vnnd kindern von hauß vnd hoff veriagen vnnd auch wol jemmerlich stoͤcken,quälen. Vgl. Art. stocken 3), in: DWb 19, 83. martern vnnd gar Toͤdten lassen; wie vil gluckseliger aber sein die vnterthan in Preussen, die vber Gottes reinem heiligen wort vnd rechtem gebrauch der hochwirdigen Sacrament Christi gar
kein gefahr, weder am gut oder leib, doͤrffen außstehen, sondern ye mehr sie sich zu Gottes wort vnd dem warhafften Gottesdienst halten, ye grosser gnad, gunst vnd allen geneygten willen sie von jrer Christlichen Obrigkeit zu gewarten haben, kunnen auch herwiderumb bey derselben nicht ehe in vngenad kummen, dann wenn sie Gottes wort vnd diener verachten vnd
vnehren.
Beweist derhalben D. Moͤrlein auch hierinn den Geist, von dem er wider mich getrieben wirdt. Sintemal er, nachdem er mich vnschuldiglich genugsam gelestert, mir auch die Landtschafft in Preussen auff den hals laden vnnd also, wo er kunt, durch sie mich auch in leibsgefahr bringen vnnd gern
ermoͤrden wolt. Gott aber woͤl demselben lesterhafften vnd moͤrdischen geist wehren.
D. Moͤrlein:
So wil ich, lieber (mit vrlaub)mit Erlaubnis (zu reden), der Ausdruck sei mir gestattet. Vgl. Art. Urlaub A.1.c), in: DWb 24, 2468f. fromer Magister, nicht allein, wie jr durch den Herrn Waldner begeret, nach wunsch ewers hertzen re-uociren,
Sondern auch, wie ich mich gegen Fuͤrstlicher durchleuchtigkeit in gegenwertigkeit frey vnter augen vnd in schriefften mehrmals offentlichen erbotten vnd nachmals hiemit erbiete, als einer solchen person gehort,wie mit einer solchen Person (der Irrlehren nachgewiesen sind) ordentlicherweise verfahren werden soll. zu recht alle billiche straff, wie die jmmermehr zu erdencken ist, on einige gnad gedultig leiden.
M. Vogel:
Hie hat Wolff Waldner zum fuͤnfften mal mich mit vngrundt angegeben, dann obwol in nechst gehaltner versamlung der Theologen zu Risenburg in Preussen von des Moͤrlischen parts wegen der Ehrwirdig, Achtbar vnd Hochgelarte Herr Joannes Aurifaber, der heiligen schrifft Doctor vnd Praesident der kir
chen auff Samlandt, hart auff die reuocation gedrungen vnd vnter andern klar gesagt hat, das auch D. Moͤrlein, wenn er gegenwertig wer, muste seine vnbescheidene red reuociren, hab ich doch fur mein person nie, wie auch nicht durch Wolff Waldnern, begert, das Moͤrlein, den ich biß her fur fromer, dann ich nun auß diesem lesterbrieff inihn. erkenn, gehalten hab, reuociren sol, Son
dern hab viel mehr auff die Amnistiam gedrungen, welche nicht auß eignen gutduncken, sondern auß der berumbsten kirchen vnd Schulen rathlichen bedencken von F. D. zu Preussen in jrem nechst außgegangenen Mandat angestelt vnnd auch, meines einfeltigen erachtens, nach bewegung aller vmbstend das beste mittel sey, inn solcher obgemelten gar grossen verbitte
rung der personen vermittelst Goͤttlicher gnaden dieser ergerlichen Zwispalt einmal wider abzuhelffen. Wie aber Waldner auff dasauf das = daraufhin (?). wider mich die Reuocation zum hoͤchsten trieb, hab ich vnter andern gesagt, weil offenbar sey, das bede Part sich in dieser Zwispalt versehen, wuͤrd der billigkeit nach, wenn, wie er begert, ein Reuocation geschehen solt, nicht allein das Osiandrisch
Part, sondern auch D. Moͤrlein obgemelte absurditates reuociern muͤssen. Hab also nicht ich, sondern Waldner auff die Reuocation gedrungen. Weil aber Moͤrlein ohn mein begeren sich allhie verwilligt vnd hoch verspricht zu reuociern, wenn ich auff jhn, was ich von jm geredt hab, beweiß, mag er nun, weil ich auff jhn solchs mit grundt bewiesen, seiner verwilligung nach, als ein
warhaffter Mann jmmerhin reuocieren. Dann mir an seiner Reuocation nichts gelegen.
D. Moͤrlein:
Werdt jhr aber hierzu stillschweigen?
M. Vogel:
Weil dann D. Moͤrlein sein eygen selbst schand nicht wil verschwiegen haben, mag er nun mit jm selbst vnd nicht mit mir zuͤrnen, den er darzu gedrungen vnnd bey seinen hoͤchsten ehren auffgefordert hat, das ich solche seine schand hab muͤssen offenbaren, welcher ich sonst, wie bißher stetigs also auch noch, vnd wol so lang ich gelebt hett, auß Christlicher lieb,
so des Nechsten schand zudeckt, gern vnd viel lieber wolte verschwiegen haben, Deßgleichen seinem Waldnern dafuͤr dancken, der jhn zu solcher kuͤnheit verursacht, wie ich jm dann fuͤr mein person fleissig danck, das er mir durch solch sein gifftig angeben also fein, wider seinen willen, zu dem geholffen hat, das mein vnschuld, welche bißher sonst stetigs durch
meuchlingsheimtückisches, böswilliges, intrigantes. Vgl. Art. meuchling, in: DWb 12, 2163. schreiben vnd affterredenVerleumden. Vgl. Art. afterreden, in: DWb 1, 187. vnterdruckt gewest, einmal offenbar werde, Deßgleichen mich auch fuͤr jm selbst fortan zu huͤten gewarnet. Dann ob er wol ein Muͤnch im Kloster gewesen,Vgl. zu Waldners Vita oben Anm. 466. hab ich mich doch darumb nichts vor jm befahret,habe ich gleichwohl keine Gefahr von seiner Seite befürchtet. Vgl. Art. befahren, praet. befahrte 1), in: DWb 1, 1246f. sondern weil viel fromme Christliche hertzen vnd schoͤne ingenia in die Kloͤster von jhren Eltern versteckt vnd
verseumpt werden, hab ich jn auch vnter dieselbigen gezelet vnd derhalben mit allen trewen mich sein angenommen vnd, wie er selbst bekennen muß, jm nicht wenig mit lehren vnnd vnterweisen, so viel mir muͤglich gewest ist, gedienet. Nun aber erfahr ich allererst auß solcher erzeygten vntrew, welchs ich zuuor nie geglaubt hab, das dieser Wolff Waldner ein rechter vntrewer vnd
beyssigerbissiger. wolff im Kloster gewesen vnd auch noch ist. Dann wie man im Sprichwort sagt: Ein wolff lest von art nicht, sondern ob er wol die har, verwandelt er doch das gemuͤt nicht.Vgl. Wander, Sprichwörterlexikon 5 (1880), 352, s. v. Wolf, Nr. 59: Der Wolf ändert wol sein Haar, aber er bleibt, wie er war. Also auch kan dieser Wolff Waldner seines neidens, zanckens, beissens, bannens vnd reissens nicht lassen, weil er deß im Kloster als ein reissender wolff gewont vnd auch von natur darzu
geneigt ist. Doch hab ich keinen zweiffel, seine lesterung werden so wenig inn den frommen Christlichen hertzen, so mit Gottes heiligem Wort verwaret sein vnd mein vnschuld zugleich auß meinem Dialogo vnd angehengter Apologia erkennen werden,Anscheinend nimmt Vogel hier Bezug auf den vorderen Teil des vorliegenden Texts. so wenig hafften als ein pfeyl, der, wenn er auff ein harten stahelStahl. Vgl. Art. Stahl [I] II.1.g) und 2.a), in: DWb 17, 544, 546. geschossen wirt, nicht hafften kan, sondern
widerschneltzurückprallt, zurückspringt. Vgl. Art. wi(e)derschnellen, in: DWb 29, 1191. vnd bißweilen selbst in den, so jhn abgeschossen hat, fehret. Wie dann auch Diuus Hierony. in Epistola ad Rusticum Monachum solch gleichnuß fuͤret vnd schreibt: Sicut sagitta si mittatur contra duram materiam, nonnunquam in mittentem reuertitur, uulneratCSEL 56, 139,8f: et uulnerat. uulnerantem, ita detractor, cum tristem faciem uiderit audientis (CSEL 56, 139,12: immo ne audientis quidem.imo non audientis) sed
obturantis aures suas, ne audiat sanguinem,CSEL 56, 139,13: iudicium sanguinis. illico conticescit, pallet uultus, haerent labia, saliua siccatur, etc.Hieronymus, ep. 125,19,3 (PL 22, 1083; CSEL 56, 139,7–14).
D. Moͤrlein:
Datum zu Braunschweig den fuͤnff vnd zwentzigsten Septemb., an dem ich Herrn Waldners Brieff bekommen, Anno 1556.Der 25. September fiel 1556 auf einen Freitag.
Joachimus Moͤrlein
Doctor zu Braunschweig, mein eigene hand.
M. Vogel:
Solchen rhumm solt D. Moͤrlein billich vnterlassen haben. Sintemal solch eylen nicht wol stehet, sonder besser bedacht, were jm als einem weisen
Mann ehrlicher angestanden vnd auch viel nuͤtzer gewest. Dann wie Syrach schreibt: Ein jaͤher Waͤscher wirdt zuschanden.Sir 9,25 (Luther 1545, dort am Beginn von cap. 10). Amen.
Mattheus Vogel.
ERRATA.
Jn der Vorred facie j. describenda, Ließ scribenda.
a j. facie ij. verflucht Deut. 27. Ließ: Deut. 21.
b j. facie ij. hertzlichem. Ließ: herrlichem.
c j. facie j. zwingen vnd dringen lassen Esai. 9. Zach. 9. 1. Tit. 3. Ließ: Gal. 3.
c iij. facie j. brust schlug Luce 17. Ließ: Luce 18.
c iiij. facie ij. frembder Hiob 15. Ließ: 19. Jbid. vnd blut Syrach 4. Ließ: Syr. 41.
e j. facie ij. integras duas. Ließ: integros duos.
e iiij. facie ij. verletzung on. Ließ: on verletzung.
f ij. facie ij. fromm gemacht. Ließ: fromm gemacht werden.
f iij. facie ij. iustificantur. Ließ: iustificamur.
k iiij. facie j. Gnedigste vnd Gnedige. Ließ: Gnedigster vnd Gnediger.
m j. facie j. zu frieden der weren. Ließ: zu frieden weren. Jtem: zürnen jn zu Braunschweig. Ließ: der jn zu Braunschweig.
m ij. verbittert. Ließ: verbittern.