Verlegung des vn=
warhafftigen vngegruͤndten berichts
Hansen Funckens von der O=
siandrischen schwer=
merey.
durch
Matthiam Flacium Jllyricum.
Die grewliche vnerhorte schwermerey der Osian=
drischen Goͤtter inn Preussen / so im newen jarstag
dieses 1554. jars ist offentlich vom EichornJohann Eichhorn (Sciurus). gepre=
digt worden.
Gleich wie der Vater wonet im Son / vnd wider=
umb der Son im Vater / Also vnd gleicherweise wonen sie
auch in vns / Denn wir seind fleisch von seinem fleisch / vnd
beine von seinem bein / etc.Die hier zitierte Predigt scheint unveröffentlicht zu sein. Johann Eichhorn (Sciurus) erregte aber während einer Disputation (De fortitudine) vom 18. Mai 1552 bereits heftigen Widerspruch durch Bartholomäus Wagner und Johannes Hoppe. Beide kritisierten die christologischen Ansichten Eichhorns und warfen ihm vor in der Tradition des altkirchlichen Ketzers Nestorius zu stehen, der die beiden Naturen Christi voneinander geschieden hatte. Vgl. zu der Disputation und dem Streit Stupperich, Osiander in Preussen, 322–324. Vgl. zudem APOLOGIA || oder Schuͤtzred wie= || der bede / Bartolomaeum Wag= || ner vnd Johannem Hoppium / Magistros / von || denen ich oͤffentlich beschuͤldigt worden bin / || Sampt einem || kurtzen vnd Christlich= || en Bekantnus von || dem Artickel der || Rechtferti= || gung. || M. Johannes Sciurus. || || [Königsberg, 1552] (VD 16 632). Hier bekannte er (F 1r): () das wir durch den Glauben Christum, waren Gott vnd Menschen, in vnser hertz bekumen (). Desgleichen schwermet
auch Osiander / da er also spricht / Gleich wie Gott in Christo
wonet / also wonet er auch in vns.Gott der vater, von dem das wort [Christus] geboren – und von denen der heilig Geist ausgehet –, wirt auch in uns sein und bey und bleiben, wie Christus sagt Johannis am 14. [23]: Wer mich liebet, der wirt mein wort behalten, und mein Vater wirt in lieben, und wir werden zu im kommen und wohnung by im machen, on zweiffel eine ewige wonunge, wie vom wort und Geist bewisen ist. So ist nun Vater, Son und heiliger Geist, das gantz goͤttliche wesen in uns, und der Vater gebirt uns durch seinen samen wider von neuen, das ist, er verneuert unsern alten menschen gantz und gar, das wir eine neue creatur werden. Andreas Osiander, Von dem einigen Mittler (1551), P 1v–P 2r, in: OGA 10, Nr. 488, S. 214,35–216,4.
Vor dieser vberteufflischer schwermerey sol sich
huͤten / wem seiner seelen heil vnd seligkeit / Gott vnd das
ewige leben lieb ist.