Controversia et Confessio, Bd. 7


Brenz, Declaratio und Bekenntnis (1553)

Brenz, Declaratio und Bekenntnis (1553)Nr. 12 ULB Darmstadt info:isil/DE-17 Darmstadt Letzte Änderung: 2023-05-23 Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz (CC BY)

Der Christlichen Kirchen in Preussen Gottes gnad vnd bestendigkeit
in der entpfangnen lere des Euangelij Christi.

Nach dem wir bissher neben andern Christlichen Lerern mit der gnaden Gottes, a: etliche mehr schrifften mit.nicht on grossea: grosser. muͤhe vnnd arbeit, a: bereitet vnd.etliche mehr schrifftenVgl. unsere Nr. 8. gestelletkonzipiert, verfasst. Vgl. Art. stellen I.A.2.h.γ), in: DWb 18, 2204. vnd in druck verfertigt,gegeben. ewer liebe bey der warheit a: vnser H. Religion.des reinen Goͤttlichen
worts wider Osianders newerung gerna: Fehlt. helffen zu erhalten, so haben wir a: negst.am newlichsten, gleichsam zu einem Beschlus a: an euch geschrieben.des vorigen schreibens, euch ein vermanung a: Fehlt.zugeschickt,Vgl. Ermanung an alle || Stende der Christlichen kirchen in || Preussen Osianders lere halben. || Durch Matthium Flacium Jllyricum. || vnd Nicolaum Gallum. || || [Magdeburg: Christian Rödinger d.Ä., 1552] (VD 16 F 1377), B 2r–v. dadurch ermanet, das jr des Process, wie dieser sachen entlich a: Fehlt.ein mal gar a: möchte.abgeholfen moͤchta: Fehlt. werden, mit fleis vnd mit ernst wollet gewar nemen.

Nemlich, weil F.D.Fürstliche Durchlaucht. vieler Christlichen Kirchen censuras vnd iudicia allbereit druͤber zusamen bracht,Herzog Albrecht hatte 1551/52 verschiedene Obrigkeiten gebeten, Osianders großes Bekenntnis Von dem einigen Mittler von ihren Theologen beurteilen zu lassen. Vgl. Stupperich, Osiander in Preussen, 206–211; Fligge, Osiandrismus, 73–80; Wengert, Defending Faith, 33–62. das, so viel muͤglich, aus ewrem mittel dazu a: moͤchten gegeben werdenverordent wuͤrden Gottsfuͤrchtige, gelerte, verstendige menner, welche dieselben eingebrachten censuren der Kirchen,In a folgt: in der Furcht Gottes. hindan gesetzt aller frembden affection, a: Fehlt.in der furcht Gottes mit ernstlichem fleis erwegen,
vrteilen vnd schliessenHendiadyion: urteilen. moͤchten, welche mit Gottes wort am besten gegruͤndetbegründet. a: were, auff das diese streitigen Religions sachen nach derselben.vnd der streit nach derselben schlechtsschlicht, einfach. geendet wuͤrde.

Oder, so dieser weg zu eroͤrterung der sachen nicht gefiel oder zu schwach were, das solchs als denn geschehe durch ein zimlicheansehnliche, ordentliche. Vgl. Art. ziemlich I.1.b) in: DWb 31, 1118. versamlung Gottesfuͤrchtiger Lerer, auch andera: anderer. tuͤchtiger, fuͤrnemera: fuͤrtrefflicher. Personen anderer
Lande vnnd Kirchen der Christlichen Augspurgischen Confession, in welcher versamlung erstlich der Kirchen censuren fleissig bewogen vnnd da-neben jederman gehoͤret wuͤrde von beiden teilen, wer etwas zu erforschung der warheit gruͤndlichswohl, gut begründetes. fuͤrbringen koͤndte oder wolte. Vnd also entlich darauff der warheit nach geschlossen vnd ewre Kirchen
widerumb zu Christlicher einigkeit gebracht werden moͤchten.

Solche zween wege a: weil.haben wir fuͤr die ordentlichsten, nuͤtzlichsten vnd bequemsten fastgenau, exakt. Vgl. Art. fast A.1), in: DWb 3, 1348. hiezu geachtet. a: haben.Vnnd weil jr dieselben nicht zu bessern gewuͤst, hetten wir wol gehoffet, vnser a: christliche, hertzliche vermanung.Christlichs, herzlichs ermanen solte was mehr fruchta: fruchts. bey euch selbs vnd a: bey ewern.den Regenten a: zu hinlegung der schedlichen spaltung vnd newerung.dazu gewirckt haben.
Ist aber leider anders ergangen, denn wir gehoffet vnnd a: wol.denn recht, billichangemessen, passend. Vgl. Art. billich, in: Fnhd.Wb. 4, 412. a: were.vnd gut ist.

Denn jr selbs, lieben Bruͤder, wiewol jr fastsehr. weeklagetwehklaget = euch beschwert. vber diesem jrthumb a: weil jr aber.vnd spaltung, habt gleichwol dieser welt a: feindschafft.vngnad vnnd a: Fehlt.so viel gefahr nicht wollena: wollet. auff euch laden,a: geschichts, das niemand. das jr zu beforderung gedachter mittel
vnd wege etwas mit ernst a: thut vnd.dazu gethan oder noch thetet, sondern gehet fastbeinahe. jedermana: fast. also nachlessig a: dabey ist vnd wird.vnd vnachtsam dabey her, als ob a: ihm.euch entlich daran nicht viel gelegen.

Der ander, ewer gegenteil aber, welcher vber seines Meisters newen lerea: ghar. bestuͤrtzt vnnd sich fuͤr solchen zu erforschung der warheit sehr
tuͤchtigennützlichen, tauglichen. mitteln vnnd wegen fastsehr. besorget,fürchten. Vgl. Art. besorgen 2.b), in: DWb 1, 1636. a: Fehlt.lests jm desto mehr ernst sein vnd hat sich dieweil nicht geseumet,haben nicht gezögert. Vgl. Art. säumen 2.c), in: DWb 14, 1913. einen warlich fast vnzimlichen nebenweg oder Process wider euch a: vnd alle kirchen.mit grossem nachteil der warheit fuͤrzunemen, dadurch seine sache nura: Fehlt. erhaltengeschützt, bewahrt. Vgl. Art. erhalten 3), in: DWb 3, 835. vnnd weiter fortgesetzt werden moͤge.

Denn do erOsiander. zuuor selbs das erkentnisUrteil. Vgl. Art. Erkenntnis, in: DWb 3, 871. auff vnser Kirchen Lerer fast gestellet,das Urteil unseren Kirchenlehrern übertragen. dasselbig hin vnnd a: wider.her begeret,a: vnd. auch erlangt hat,Damit wird erneut auf die Abfrage der Meinungen anderer Kirchen zu Osianders Bekenntnis angespielt. Vgl. Anm. 6. a: also das es ihm.vnd jm aber wol wider sein verhoffen, doch mit gutem grunde a: Goͤttlichs Worts.der Schrifft, allenthalben ista: Fehlt. abgefallen. So mus alle derselben Christlichen Kirchen erkentnis als Parteisch vnd aus menschlicher affection hergeflossen nua: Fehlt. verworffen, a: vnd.da-
gegen ein einig a: schlecht.blos bedencken Brentij vnnd der Wirtenbergischen Theologen jnen allen fuͤrgezogen werden.Alle angefragten Gutachten zu Osiander Bekenntnis lauteten ablehnend. Allein die Württemberger versuchten zu vermitteln und fanden darum in Preußen Gehör, da ihre Stellungnahme dort als Osiander zustimmend gewertet wurden. Vgl. die Literatur in Anm. 6. Nicht, das a: derselben.die Wirtenbergischen durch dasselbig jr bedencken a: allein mit Gottes wort besser denn die andern iudicia vnd Censuren alle gegruͤndet were, sondern das sie sich, wie sie in der dritten jhrer schrifft, so newlich zu Wittemberg gedruckt, bekennen, bisher keines iudicij oder erkentnis (wie die Osiandristen jtzt jhre schrifften titeln) vber beider Partei schrifften vnterfangen vnd nur allein glimpfflich wege vnd mittel zu Christlicher einigkeit gesucht haben, vnd derhalben nicht klar Osiandrum, wie die andere Kirche, verdammen.etwas in der sachen klar erkennetentschieden. Vgl. Art. erkennen 5), in: DWb 3, 868f. oder jr erkentnis besser denn der andern mit Gottes wort gegruͤndet were, wie sie selbs hernach dauon bekennen, sie haben sich
zuuor keines iudicij vber beider Partey schrifften noch vnterfangen,sie haben sich bislang nicht darauf eingelassen, ein Urteil zu fällen. Vgl. Art. unterfahen I.2), in: DWb 24, 1543. Zu der Aussge der Württemberger vgl. unten C 1r. vnnd die Osiandristen jnen derhalben solch bedencken wider jre eigne wort (Wirtenbergisch erkentnis) teuffen vnd titeln, sondern wird allein darumb den andern fuͤrgezogen, das es Osianders jrthumb nicht so klar, als die andern zum zeugnis der warheit thun, verdammet. Vnd wie sie hernach in
der Declaration weiter dauon reden, allein glimpfflich wege vnd mittel gesucht haben zu Christlicher einigkeit.Ebd.

a: Vber welchs, das noch ja zuuiel, auch.Ist derhalben Brentij vnd der Wirtenbergischen Theologen meinung a: ungezwieuelt [ungezweifelt].damit warlich nichta: ist. a: Fehlt.(welchs gleichwol drauff eruolget vnd ja gar zuuielvöllig übertrieben. ist), das die jenigen, welche demselbena: demselbigen. a: vbel ausgelegten.jrem also misbrauchten bedencken
vber vnnd wider aller andern Kirchen iudicia nicht wuͤrden beyfallen,zustimmen. Vgl. Art. beifallen 2), in: DWb 1, 1369. vnd sich des allein halten,und dieses allein gelten lassen wollen. mit ernst a: auch am leib solten.solten an gut vnnd an blut gestraffet werden, beide a: Prediger vnd zuhoͤrer, vnd jtzt.Lerer vnnd andere, deren darauff a: viel.auch etliche jres Ampts entsetzt vnd des Lands zu Preussen veriagt sind.Johann Brettschneider, Professor für Medizin, sowie die Magister Fabian Stosser und Matthias Lauterwald wurden 1550 von Herzog Albrecht aufgrund ihrer Opposition gegen Osianders Lehren entlassen und des Landes verwiesen. Kurz vor Erscheinen der Veröffentlichung der Württemberger Dokumente durch Flacius war zudem Joachim Mörlin seines Amtes enthoben und aus Preußen vertrieben worden. Vgl. Stupperich, Osiander in Preussen, 89–94, 359–363.

[Die folgenden beiden Absätze unterscheiden sich deutlich von der Vorrede
zu der Schrift Bekenntnis Brentii (VD 16 B 7589), vgl. Anm. f].

a: Weil jhr denn nu selbs, lieben bruͤder, in der sachen ewer vnd der ewern seelen heil vnd seligkeit betreffend so nachlessig seid, das jr euch vnser trewen anzeigung vnd vermanung nach nie mit ernst vnterstanden, durch vntertenige Supplication gegen S.D. vnd ander gebuͤrliche, christliche, notuͤrfftige [erfoderliche] wege vnd mittel die sache zu gemelter Christlicher entscheidung eine zu befordern, vnd der gegenteil souiel dester vleissiger vnd ernstlicher fortdringet, sein ding [seine Ansicht, Position im Streit] zu erhalten vnd fort zu setzen [durch zu setzen], so wissen wir schier darauff nicht mehr, wie euch zu rathen vnd zu helffen sein moͤge. Achten auch fast, Gott selbs werde zu solcher nachlessigkeit kein segen geben woͤllen.Vnd kan hie nu ein jeder Christ, auch geringes verstands, leicht vrteilen, wie solchs nicht allein zu Christlicher einigkeit nicht dienlich, sonder auch schier wider vernunfft von dem gegenteil gehandelt ist, das in solchen grossen Kirchen- vnd gewissens sachen, ein einigeinziges. blos bedencken mit Gottes wort
dahin nicht erwiesen, so vieler Christlichen Kirchen Lerer, als der Sechsischen, Meissnischen, Duͤringischen, Frenckischen, Merckischen, Mechelburgischen, Pomerischen, Nuͤrnbergischen, Hamburgischen Luneburgischen, Magdeburgischen, auch Wittembergischen, Leipzigschen, vnd ewer Königsbergischen Vniuersitet censuris, iudicijs erkentnis vnd
schluͤssen,Zu den negativen Gutachten und Reaktionen auf Osianders Lehre aus dem Reich vgl. die Literatur in Anm. 6. mit Gottes wort allen fest vnnd wol gegruͤndet, sol fuͤrgesetzt werden, als allein von dem heiligen Geist hergeflossen, darumb, das es Osianders jrthumb nicht so klar als die andern censuren vnnd iudicia verdammet, welche dargegen als vom boͤsen geist hergeflossenhervorgebracht. Vgl. Art. herzflieszen 2), in: DWb 10, 1092. vnd parteische gescholten, verworffen vnnd wider verdampt werden. So sie doch
von anfang als vnparteische vnd tuͤchtige Richter von jnen selbs dazu erwelet, vmb erkentnis vnnd vrteil vber Osianders lengs zuuor gedruckte bekentnis ersucht sind vnnd sie wol wissen, das in Religions sachen, fuͤrnemlich die lere vnd heubtstuͤcke, als hie betreffend, niemand lenger vnparteisch sein kan, denn so lang er die sachen noch nicht gnugsam oder
recht erkennet, baldsolbald. sie aber erkant ist, so ist er schuͤldig, auff eine seiten zu treten, vnd, so er sonderlich darumb gefragt wird, zu bekennen vnnd zu bezeugen, was schwartz oder weis, liecht oder finsternis, recht oder vnrecht ist.

Solchs scheiben wir jetzt hie, weis Gott, nicht, das wir damit die hoch
gelerten, vnsere liebe Herrn vnd Bruͤder, die Wirtembergischen Theologen, etwas wolten verkleinern,herabsetzen. Vgl. Art. verkleinern 2.a), in: DWb 25, 662f. mit denen, so sie glimpfflich wege zu Christlicher einigkeit gesucht haben, es seinen bescheid hat, sondern das es ewer Kirchen notturfftNotwendigkeit, dringendes Erfordernis. Vgl. Art. Nothdurft 3), in: DWb 3, 927. erfordert vnnd wir euch hiemit anzeigen ewer vnachtsamkeit vnd nachlessigkeit in so guten vnd grossen sachen, ewer vnd der ewern
ewig heil vnd seligkeit betreffend, in dem jr euch noch nie mit ernst unterstanden, unser vorigen trewen anzeigung vnd vermanung nach, durch vnterthenige Supplication gegen F. D. vnd ander gebuͤrliche, notturfftige, christliche mittel vnd wege, die sache zu gemelter Christlicher entscheidung eine zu befordern. Wissen derhalben drauff schier nicht mehr, wie euch ferner zu
raten vnnd zu helffen sein moͤge, achten auch fast, Gott selbs werde euch durch unfleis vnnd hinlessigkeit wider sein Wort nicht helffen wollen.

[Ab hier zeigt die Vorrede zu der Schrift Bekenntnis Brentii (VD 16 B 7589) wieder klare Übereinstimmungen mit der edierten Vorrede].

a: Jst derhalben.Aber doch ist noch jrgents ein ernst vnter euch, die war-heit Goͤtt
lichs worts reine zu erhalten vnd selig zu werden, das jr deshalben fuͤr euch, ewer weib vnnd kinderlin etwas a: thund vnd wagen.wagen vnd thun wollet, so ist nochmals, wie zuuor, diss vnser trewer vnnd einiger rat, das jr noch einmuͤtiglich zusamen trettet vnnd F. D. – wo sie abwesens – durch ein ehrliche ansehenliche botschafftGesandtschaft. Vgl. Art. Botschaft 2), in: DWb 2, 277. – wo sie aber gegenwertig – selbs, man vnd weib, alt vnnd
jung – zu fuͤssen fallet, vnterthenigst, demuͤtigsta: Fehlt. ermanet, bittet, flehet durch das leiden Jhesu Christi vnnd vnser erloͤsung, das F. D. eucha: allein. bey der Lere vnnd derselben trewena: Fehlt. Lerer gnedigst bleiben lassen wollen, welche S. F. D.,Seine Fürstliche Durchlaucht. a: kurtz zuuor vnd ehe Osiander in Preussen komen, bey leben Doctor Luthers seligen.bey leben Doctor Luthers seligen, kurtz zuuor vnd ehe Osiander in Preussen komen, selbs sampt euch, vnd jr sampt a: dem.jm, fuͤr die einige,
rechte warheit erkant vnd bekant, auch alles druͤber in gefahr gegen dieser welt, a: Fehlt.neben vieler Lande Christlichen Kirchen, gesetzt hat.

Do aber a: S.F.D.F. D. je vermeinte,annehmen, behaupten wollte. Vgl. Art. vermeinen, in: DWb 25, 854f. das Osiander etwas noch bessers vnnd heiligers jetzt vber das vorigeGemeint ist damit die Lehre Luthers. erfuͤr bracht hette, welches euch S. F. D. mit teilhafftig haben wolte, das darzu solche erkentnis vnd eroͤrterung, wie
zuuor dauon a: gesagt.geredt, auffs foͤrderlichst moͤchte fuͤrgenomen werden.

Wollet a: auch bereit sein, nicht allein zu.auch neben solcher Supplication a: sondern auch, do es weiter von noͤten zu solcher bekentnis, das jhr durch die gnaden Gottes semptlich mit einander neben.vnnd ewerm bekentnis, do es nach dem willen Gottes von noͤten, durch desselben gnade ferner bereit sein, semptlich, neben vnnd mit ewern trewen Hirten vnnd Lerern, a: ehe ewer gut vnd blut druͤber wagen vnd lassen sollet, denn verenderung der lere vnd newerung darin zu geben.eheeher. alles zu wagen, denn frembde, newe lere lassen auffdringen,aufzwingen, aufnötigen. Vgl. Art. aufdringen 2), in: DWb 1, 635. darin sonderlicha: weil. so
vieler Christlichen Kirchen erkentnis vnnd a: vrteil euch darin beystehen.iudicia euch alle eintrechtiglich beifallen a: Fehlt.vnd das einige Wirtembergische bedencken nicht sonderlich abfellet.

a: Fehlt.Vnd damit wir umb notturfft willen der sachen zu dem vorigen noch etwas ein wenig hieuon sagen. Wie der Wirtembergischen Theologen bedencken
allezeit allein dahin gerichtet gewesen, wider einigkeit zu machen, die streitigen Personen mit einander zu uersönenversöhnen. vnd die sache schlechtesschlicht, einfach. zu uerscharrenunter den Teppich zu kehren. vnd zu uerdruckenIn der Kustode A 4r: zu uergraben., so were solchs wol gut vnnd zu wuͤnschen gewesen, das es also hette geschehen moͤgen, aber ehe denn Osiandri bekentnis vnnd andere seine schrifften oͤffentlich im druck
ausgangenpubliziert. weren. Welchs, so es nu geschehen, vnnd der jrthumb oͤffentlich in die Kirche ausgossen,ausgebreitet, verbreitet. Vgl. Art. ausgieszen 6), in: DWb 1, 875. gedrungen vnd verteidigt wird, auch so weit schon ausgebreitet ist. So gilts warlich nu nicht mehr mittelns,zu vermitteln. glimpffenszu beschwichtigen. vnd deckens, sondern sol ein jeder mit seinem bekentnis erfuͤr,öffentlich hervor treten. reine lere Goͤttlichs worts vnnd Christliche gewissens zu erreten,
solchen jrthumb mit seinem bekentnis helffen verdammen vnd wider ausfegen,beseitigen. Vgl. Art. ausfegen, in: DWb 1, 855f. gleich wie jederman sol helffen lesschen, wenn ein fewr auffgehet.

a: So denn auff vorgemelte ewre Supplication vnnd bestendige bekentnis der gewalt daruff noch fuͤrdringen wolte vnd die verfolgung mit Predigern
vnnd etlichen andern fuͤrneme glieder der eusserlichen gemeinschafft angefangen werden, so erbiete sich die gantze Kirche zu gleichem leiden, wie zu gleicher bekentnis, ob dadurch so eines guͤtigen Fuͤrsten hertz erweichet, oder buͤttel vnd Hencker, wie vorzeiten in der verfolgung vnter den Heiden wol mehr geschehen, entlich des veriagens, plagens vnd marterns vberdruͤssig vnd muͤde werden moͤchten.So denn auff vorgemelte ewre Supplication vnnd bestendige bekentnis der gewalt drauff noch fuͤrdringen wollte vnd die verfolgung mit Predigern vnnd etlichen andern fuͤrnemen gliedern der eusserlichen gemeinschafft angefangen werden, so erbiete sich die ganze Kirche zu gleichem leiden, wie zu gleicher bekentnis, ob dadurch noch eines so guͤtigen Fuͤrsten hertz erweichet, oder Buͤttel vnd Hencker, wie vorzeiten in verfolgungen vnter den Heiden wol mehr geschehen, entlich des veriagens, plagens vnd
marterns vberdruͤssig vnd muͤde werden moͤchten.

Hiemit (wie ein jeder wol zu uernemen)wie ein jeder wohl verstehen mag. heissen wir a: euch.ewer liebe nichts vberall vnordentlichs durch auffrhur oder gewalt fuͤrnemen wieder ewer Oberkeit. Leugnen aber gleichwol auch nicht, das die vnterthanen eben so wol jr recht fuͤr Gott a: Fehlt.vnnd den Menschen haben gegen der Oberkeit, als
die Oberkeit gegen jren vnterthanen, vnd mit nicht der Oberkeit von Gott also vnterworffen sein, wie die Schafe dem Metzger, der sie a: Fehlt.nach allem seinem gefallen schlachtet, das ein vnterthan in seiner vnschuldRechtschaffenheit, Untadligkeit. Vgl. Art. Unschuld 9), in: DWb 24, 1348f. dem Herrn nimer so viel wider sagen vnd ordentlich dagegen dencken moͤchte, wenn der Herr die wolle nimpt, das jm dennoch haut vnd beine, sonderlich
aber das ewige leben bleiben moͤge.

Vber gedachten unsern trewen rat a: der gemeinen.gemeiner einhelligen Supplication, bekentnis vnd leidens, schicken wir a: euch.ewer liebe hiemit auch noch a: ein newe bekentnis vom Artickel vnser rechtfertigung, von Brentio selbs vnd andern Wirtenbergischen Theologen, neben dem dritten oder vierdten jhrem bedencken (so newlich zu Wittenberg gedruckt) geschrieben vnd vnterschrieben, daraus jre meinung vnd Osianders jrthum klar vnd deudlich wird verstanden.des Herrn Brentij vnnd anderer Wirtenbergischen Theologen Declaration eine vber Osianders Disputation, so newlich hieuor zu Wittemberg gedrucktDes Ernwirdigen || Herrn Johannis Brentij De= || claratio von Osiandri Di= || sputatio / Darin er klar anzeigt / was || er strefflich vrteilt / geschrieben || zu Tübingen Anno 1553. || Die Januarij 30. || [Wittenberg: Veit Kreutzer, 1553] (VD 16 B 7590).
vnnd vnsers wissens jr dritte schrifft ist,Im Dezember 1551 und im Juni 1552 hatten sich die Württemberger Theologen bereits mit vermittelnden Stellungnahmen zu Wort gemeldet. Vgl. Wengert, Defending Faith, 198–205. den Fuͤrsten in dieser sachen vbergeben, sampt ihres glaubens bekentnis, beide semptlich von jnen vnterschrieben, daraus ja auch jre meinung klar vnnd deutlich gnug wird verstanden, was sie im grund vrteilen von Osianders lere oder jrthumb.

a: Denn erstlich bedencket nur, das GERECHTIGKEIT vnd LEBEN des menschen hie zwey vnterschiedliche ding fuͤr Gott sind, gleich wie vngerechtigkeit oder Suͤnde vnd Tod vnterscheiden sind. Also, das GERECHTIGKEIT gleich ein verdienst, vrsach vnd weg ist ewiges lebens vnd Seligkeit. LEBEN aber vnd Seligkeit gleich widerumb ein lohn vnd volge der gerechtigkeit. Nicht anders, denn wie vngerechtigkeit vnd Suͤnde ein verdienst, vrsach vnd weg ist zum Tod, der Tod aber ein belonung vnd volge der Suͤnden. Das ist je so klar vnd gewis, das es keines beweiss bedarff.Vnd die sache ja wol zu erkleren, so mercket hie zum ersten die noͤtige vn
terscheid, das vnnd wie GERECHTIGKEIT vnnd LEBEN des menschen, damit er in Christo gerecht vnnd ewig lebend wird vnnd ist, nicht eins, sondern zwey vnterschiedne ding sind, nemlich eben wie VNGERECHTIGKEIT vnnd TOD vnterscheiden sind. Ist derhalben also gerechtigkeit in Christo das verdienst, vrsach vnd weg des ewigen lebens, ewigs LEBEN widerumb die
betonung, volge vnd das ende der gerechtigkeit, gleich wie der Tod ist der Suͤnden sold, belonung, straffe, volge vnnd ende, Vngerechtigkeit oder Suͤnde ein verdienst, vrsach vnd weg des todes oder zum tode. Das ist alles je so klar vnd gewis, das es keines beweisens bedarff.

Zum andern a: dencket.mercket weiter, wauon [sic] a: der Streit eigentlich ist mit Osiandro.hier eigentlich der streit sey
gegen Osiandro: Ob man a: Fehlt.mit jm disputire von der GERECHTIGKEIT oder aber von ewigem LEBENa: (), was ein jedes sey.. So ist abermals a: gewis vnd klar.klar vnd gewis, das a: der streit mit Osiandro eigentlich nicht ist von dem, was das ewig LEBEN, sondern, was vnsere GERECHTIGKEIT fuͤr Gott ist, dadurch wir zum leben kommen.hie eigentlich nicht gehandelt wird, was fuͤr ein LEBEN vnnd herligkeit wir hieim Diesseits. in Christo jetzt haben oder dortim Jenseits. erlangen werden, sondern das wird eigentlich gehandelt vnnd ist vnser streit, was fuͤr eine GERECHTIGKEIT darzu
gehoͤre, oder was vnser gerechtigkeit fuͤr Gott in Christo eigentlich sey, dadurch wir zu demselben leben vnd herligkeit in Christo, hie vnd dort, ewig komen moͤgen.

[Die letzten Absätze der hier edierten Vorrede unterscheiden sich von den letzten Absätzen der Vorrede im Bekenntnis Brentii (VD 16 B 7589)
insofern, als dass dort theologisch weniger ausführlich argumentiert wird. Aufgrund der daher vorhandenen Abweichungen zwischen den beiden Dokumenten, wird der Schluss der Vorrede aus dem Bekenntnis Brentii im Folgenden in einer Anmerkungen des sachkritischen Apparats komplett geboten, vgl. Anm. m]

a: Vnd das wir die sach noch moͤgen klerer anzeigen: Wenn ein mensch durchs Gesetz zu erkentnis seiner Suͤnden gekomen, jtzt fuͤlet inn seinen gewissen, das er von wegen seiner Suͤnden verdampt ist zu Ewigen Tode vnd gern wolte, das er an stad der verdamnis Ewig LEBEN moͤchte, da ist denn die heuptfrage, was jhm darzu von noͤten? Antwort: Nichts, denn das er GERECHT sey, oder gerecht werde. Wil er aus der Helle gen Himel steigen, was gehoͤret darzu fur ein leiter? GERECHTIGKEIT, spricht nicht allein die schrifft, sondern auch das Natuͤrlich liecht inn aller menschen hertzen, beide Christen vnd vnchristen. Darauff volget denn die ander frage, was dieselbe GERECHTIGKEIT eigentlich sey, dadurch ein suͤndiger mensch gerecht oder gerechtfertigt aus dem ewigen Tod ins LEBEN komme. Hieuon ist der gantze heuptstreit zwischen der waren kirchen Christi vnd zwischen Tuͤrcken, Juͤden, Papisten, Osiandristen vnd allen falschgleubigen. Ein ieder lerne hie die frage recht, so kan er darnach auch die antwort urteiln. So sagen wir derhalben noch ein mal: Die frage ist von der GERECHTIGKEIT. Was die GERECHTIGKEIT eigentlich sey, dadurch ein armer, verdampter Suͤnder aus dem Tod ins LEBEN, aus der Helle inn Himel komen moͤge. Hie scheiden sich alle recht- vnd falschgleubigen. Hie ist nicht allein der Christen kampff gegen vnchristen vnd falschen Christen, inn der lere vnd im halten, sondern auch nicht weniger im gewissen wider die anfechtung der Suͤnden, verdamnis vnd Todes. Hie hat Paulus am meisten zu thun mit allem seinem leren vnd disputirn. So last nu hirauff itzt auch hoͤr en Brentij vnd der Wirtembergischen Theologen antwort aus nachfolgendem jhrem bekentnis, damit sie ausdruͤgklich bekennen im 7. vnd 8. Parag., das die GERECHTIGKEIT, damit der mensch fuͤr Gott gerecht wird vnd ist, dadurch er aus dem Tod ins LEBEN koͤmpt vnd sich der ewigen Seligkeit, inn anfechtung der suͤnden, Tods vnd Hellen fuͤr Gottes Gericht troͤsten kan, allein ist die GERECHTIGKEIT des gehorsams vnd leidens Christi, damit er das Gesetz vnd willen Gottes volkoͤmlich fuͤr vns erfuͤllet hat, nach der lere des Apostels Pauli, vnd gar nicht die WESENTLICHE Gerechtigkeit Gotes. Das ist ja klar vnd deudlich gnug von der sachen geantwortet. Aber hie moͤchte nun jemandts widder sagen: Hat doch Brentius sampt andern Wirtembergischen Theologen bisher alweg in allen jhren bedencken klar sich vernehmen lassen von Osianders lehre, das er recht halte vnd lere, das Gott allein sey die ewige weiheit, gerechtigkeit, leben vnd herrligkeit. Item, das er durch den glauben von wegen des verdiensts Christi wesentlich in vns wone. Item, vns teilhaftig mache seiner Goͤttlichen natur wesentlicher weisheit, gerechtigkeit, lebens vnd herrligkeit, vnd also vns auch durch seine wesentliche Gerechtigkeit Recht mit der that mache. Hie in diesem leben angefangen spe, primitijs et inchoatione, dort in jhenen leben volkoͤmlich, re, decimis et perfectione. Antwort: Es ist alles recht vnd wol gered, wird dauon auch nicht weiter mit Osiandro disputirt, den an welchem ort solche teilhafftigkeit Goͤttlicher natur vnd seiner wesentlicher guͤtter weisheit, herligkeit, Gerechtigkeit, lebens stehen in der seligmachung des menschen, ob sie in das wesen der GERECHTIGKEIT vnd Rechtfertigung gehoͤret, dadurch der mensch as dem Todt ins leben geset zt wird, wie es Osiander haben wil, oder ob in das LEBEN selbs gehoͤre, darzu der mensch kuͤmpt durch die gerechtigkeit, wie wirs haben wollen. Brentius sampt seinen mituerwanten setzt sie klar, beide in nachvolgenden bekentnis vnd vorgehenden bedenkcn (so zu Wittemberg gedruckt), nach der GERECHTIGKEIT in das LEBEN vnd erbteil, so wir von Gott in Christo haben, denn das sind seine wort. Vnd dahin setzen wie sie auch in vnser grossen widerlegung des bekentnis Osiandri, Prop. 8 vnd quat. M des letzten drucks, vnd die Hamb. J, K. Osiander aber setzet die Teilhafftigkeit der Gottheit vnd seiner wesnetlichen guͤtter weisheit, gerechtigkeit etc., welchs das ewig leben selbs ist, in die erste Gerechtigkeit oder Rechtfertigung, dadurch wir aus dem Todt vnd Helle ins leben komen solten; wil vns also eer selig machen denn gerecht; spannet die pferde hinder den wagen vnd wil vns also in himel fuͤren. Das wir zumal ein wunderlich faren werden. Ich besorge mich, wir kommen also zu spat zum himelreich, vnd also ausgeschlossen dar [sic] aussen eine boͤse herberg, mit Osiandro, vnserm furhman, haben werden. Daraus nun beschlieslich so viel klar wird verstanden, das Brentius sampt andern Wirtenbergischen Theologen im grund mit vnd helt vnd leret widder Osiandrum, nemlich, das die Gerechtigkeit, dadurch ein suͤndiger mensch aus dem tod zum leben eingehet, oder wie Paulus redet, fuͤr Gott gerecht wird durch den glauben, sey nichts, denn die Gerechtigkeit [Konjiziert aus: Gerechigker] des gehorsams vnd leidens Christi, damit Christus das gesetz erfuͤllet vnd Gotte fuͤr vns gnug gethan hat, vnd sey in keinen weg die wesentliche Gerechtigkeit Gottes. Wie gleicherweis daraus wird verstanden, mit was grund [Konjiziert aus: grind] die jenige bey euch handeln, welche darauf, da Brentius sampt den andern Wirtembergischen Theologen es mit Osianders lere halten sol, die leut veriagen, plagen, vnd die berge ins Meer versetzen wollen [Konjiziert aus: vollen]. Darumb sie auch genanter Theologen Bedencken getaufft haben, das es sey jr Erkentnis vber Osianders sachen. So sie doch wol wissen, wie oben albereit [Konjiziert aus: abereit] aus den vierde Bedencken Brentij angezogen, das sie sich noch bisanher keines iudicij vber beider part schrifften wollen angemast haben. Der almechtig [Konjiziert aus: alnechtig] Gott vnd Vater vnsers heilands Jhesu Christi, wolle sie ewer, vnser vnd seiner gantzen Kirchen erbarmen vnd den Satan vnter vnser fuͤsse tretten. Amen. G eben zu Magdeburg, prima Maij, Anno 1553.Vnd das diese vnterscheid der sache vnnd der fragen ja wol verstanden vnd eingenomenHendiadyion: überlegt, verstanden. Vgl. Art. einnehmen 8), in: DWb 3, 239. werde, so last auch hernemen die erfarung aller Christlichen gewissen. Wenn ein mensch durchs ampt des gesetzesDer Gesetzespredigt wurde von Luther die Aufgabe zugewiesen, den Menschen zur Buße zu führen. Vgl. dazu und zu dem Streit um das Verhältnis von Gesetz und Evangelium unsere Edition Bd. 4. jtzt so weit ist komen, das er seine suͤnde warhafftig erkennet vnd ernstlich dafuͤr erschrickt, die vnterscheid der suͤnden vnnd straffe der verdamnis des
ewigen tods durch das gericht Goͤttlicher gerechtigkeit mit der that beginnet im gewissen zu fuͤlen, vnd gern wolte aus dem verdamnis des ewigen TODS zu Gott in das ewige LEBEN komen, aus der Helle gen Himel steigen, so ist denn die ERSTE HEVBTFRAGE eins solchen gewissens, was fuͤr ein weg, mittel vnd leiter jm darzu von noͤten, vnnd findet sich da auffs
aller klerest beide die antwort: nemlich, das GERECHTIGKEIT darzu von noͤten sey vnnd zugleich mit die vnterscheid der gerechtigkeit vnd lebens. Vnnd ist dis stuͤck der ersten Heubtfrage so gar nicht streittig, das neben der schrifft vnd Christlichen gewissen auch Heiden, Tuͤrcken, Juͤden, Papisten vnnd Vnchristen, Osiander selbs auch nicht leugnet oder leugnen kan, denn
das gerechtigkeit sey noͤtig zu ewigem leben vnnd sey von dem leben gemeltergenannter. ordnung nach vnterscheiden.

Darauff volget nu die ANDER HEVBTFRAGE, nemlich diese: was solche gerechtigkeit eigentlich sey, dadurch oder damit ein armer, suͤndiger, verdampter mensch gerechtfertiget, aus dem verdamnis des ewigen tods ins
ewig leben kome. Da ist nu der gantze Heubtstreit der waren Kirchen Christi vnd falschen Kirchen, da beginnen wir vns recht zu scheiden mit Heiden, Tuͤrcken, Juͤden, Papisten, Interimisten, jtzt auch mit den Osiandristen vnd allen falschgleubigen. Als Exempel:

Ein Tuͤrck saget, die seligmachende gerechtigkeit, dadurch er zu Gott kome
vnd ewig selig werde, sey, wenn er seinen AlcoranKoran. Vgl. zum Umgang mit dem Koran in der Reformationszeit Bobzin, Koran. halte.

Ein Heid vnnd ein Juͤde saget, es sey viel opffern. Zimlich, ehrbarlich vnd nach Gottes geboten leben.

Ein Papist saget, es sey viel Mess lesen oder hoͤren, Ablas loͤsen vnnd sonst viel gute werck thun, sonderlich vom Bapst geboten vnd von Muͤnchen er
treumet.

Das Interim saget, es sein die eingegebnen guten werck des heiligen Geists in vns.Im Augsburger Interim wurde der Vorgang der Rechtfertigung dahingehend beschrieben, dass Gottes Gnade das Herz des Menschen bewege, sich von Sünden abzuwenden und glaubend auf die Zusagen Gottes durch Christus zu vertrauen. Und wer sich also durch einen solchen glauben auff die barmhertzigkeit Gottes und den verdienst Christi steuret und bevilcht sich darein, der empfehet die verhaishung des heyligen geists und wirdet also gerechtfertiget durch den glauben an Gott, nach der schriefft. Also das ime nit allein die sünden vergeben werden, sonder derselbig wirdet auch geheylliget und verneuert wurden den heyligen geist, dann dieser glaub erlangt die gabe des heyligen geists, durch welche die liebe Gottes außgegossen wirdt in unsere hertzen; (). Augsburger Interim VI, Von der weise durch welche der mentsch die rechtfertigung bekombt, 50.

Osiander, etwas nach derselben art, spricht, es sey die eingegebne oder eingegossne wesentliche gerechtigkeit Gottes.Vgl. z. B. Osiander, Von dem einigen Mittler (1551).

Wider diese vnnd alle andere dergleichen sprechen wir, der Augspurgischen Confession verwandte, mit S. Paulo vnd der gantzen heiligen Schrifft: Es sey die vberreiche vnnd vberschwengliche erfuͤllung des gesetz Gottes durch den gehorsam vnd leiden Christi geschehen vnd vns durch den glauben zugerechnet.Vgl. z. B. AC IV, in: BSELK 292–298.

Welcher gerechtigkeit Causa efficiens proxima sey Christus, warer Gott vnnd Mensch, mit allen seinen wesentlichen guͤtern, essentialibus & accidentarijs, vnnd allem, was an jm ist.

Causa materialis sey seine erfuͤllung des gesetzes, sein verdienst, gehorsam vnd leiden, welchs eben so viel ist.

Causa formalis sey das zurechenZurechnen. solcher seiner erfuͤllung gegen dem Gesetz oder, das auch eben so viel ist, die vergebung der Suͤnden. Denn zurechnung einer fremb-den bezalung ist meiner schulde erleschung.

Causa instrumentalis sey das wort Goͤttlicher verheissung vnd glaube.

Causa finalis proxima, oder die volge vnd belonung, sey ewiges leben vnd
herligkeit durch die einwonung Gottes.

Hat also die einwonung Gottes, seiner wesentlichen gerechtigkeit, lebens, herligkeit vnd was mehr an Gott ist, hie alles wol sein statEigentlich: Staat, hier wohl im Sinne: Platz, Ort. Vgl. Art. Stat, in: DWb 17, 932. nach der zugerechneten gerechtigkeit des gehorsams Christi. Ist aber nicht die gerechtigkeit selbs, dadurch wir komen zum leben vnd herligkeit Gottes, wie Osiander
leret.Vgl. z. B. Osiander, Von dem einigen Mittler (1551), in: OGA 10, 136, 25–29; 138,8–11 und 13–18: Dieweil wir dann durch den glauben das ewig, lebendig wort Gottes, das Gott selbs ist, nemlich den herren Jhesum Christum, sampt dem Vater und heiligen Geist ergreiffen und in uns also wonend haben, so beweiset das euangelion, dem wir glauben, ferner seine krafft also, das wir durch das wort vom todt der suͤnden in Gott wider lebenig und erleuchtet werden. () Es sol aber niemandt hie gedencken, das wan wir sagen, das wort, das ist die goͤttliche natur in Christo, sey unser leben, das wir darumb wolten die menschliche natur absundern und ausschliessen, als hette sie nichts darzu, das wir durch sein goͤttliche natur lebendig werden. () Dann gleichwie die rebe den safft und geist, darvon sie grun und fruchtbar wirt, aus dem weinstock nicht empfangen kan, sie sey dann mit dem stamme und holtz des weinstocks ein leib, also auch wir koͤnnen kein goͤttlich leben, gerechtigkeit, herligkeit noch andere goͤttliche krafft in keinen wege aus dem goͤttlichen wesen empfahen noch erlangen, wir sein da zuvor durch den glauben und tauff in den herren Jhesum Christum eingeleibt, ().

Doch sind wir auch dieses stuͤcks so weit nicht mit jm eins, das er vnns durch die einwonung Gottes gar zu Goͤttern selbs machet, Gott vnd Mensch Christo gleich, unio ne personali, sondern sagen auch hie gegen,sondern halten auch hier die Gegenrede. das vnser ewiges leben vnnd erbe nicht sein wird vereinigung vnser menschlichen
natur mit Goͤttlicher natur in eine person, wie in Christo, sondern die vnaussprechliche, vnbegreiffliche anschawungAnschauung. vnd geniessung Gottes oder teilhafftigkeit seiner Goͤttlichen natur vnd wesentlichen guͤter: weisheit, gerechtigkeit, herligkeit, freuden etc., deren wir hie geringe erstlinge,Vgl. Röm 8,23. dort aber die fuͤlle haben werden, vnnd jetzt mit aller demut vnd einfeltigkeit
mehr gleuben denn forschen sollen vnd verstehen koͤnnen.

Wie nu bissher gnug dauon gesagt, lerne ein jeder die frage recht, so kan er darnach auch die antwort vrteilen. Die frage ist, sagen wir noch ein mal, von der gerechtigkeit: was gerechtigkeit eigentlich sey, dadurch ein armer, verdampter Suͤnder aus dem tod ins leben, aus der Helle in Himel komen
moͤge.

Hie scheiden sich die rechtgleubigen von den falschgleubigen. Hie haben Christliche Lerer zu kempffen mit den falschen Lerern, vnnd aller Christen gewissen mit der anfechtung jrer Suͤnden vnnd verdamnis des todes. Hie hat der Apostel Paulus am meisten zu thun mit allem seinem leren vnd
disputieren.

Des nemet jtzt nur den einigen Spruch Roma. v.,Vgl. Röm 5,18. da er Christum vnnd Adam gegeneinander vergleichet, wie Adam durch seine suͤnde auff vnns bracht hat das verdamnis des todes, das Christus also durch seine gerechtigkeit widerbracht habe die rechtfertigung des lebens; setzt klerlich alda beide
stuͤck, dauon wir jetzt hie reden.

Erstlich, wie gerechtigkeit vnd leben gescheiden sind vnd eins dem andern volget gegen der suͤnde vnnd gegen dem tode.

Darnach definirt vnd beschreibt er suͤnde vnd gerechtigkeit auffs aller eigentlichst gegenander. Das gleich wie vnser suͤnde in Adam ist sein
vngehorsam, vnns zugerechnet, darumb wir alle des todes sind, also sey Christi gehorsam vnser gerechtigkeit, wenn er vnns wird zugerechnet, darumb wir alle widerumb das leben haben.

Wollen wir nu Brentium auch hieuon hoͤren, so sind seine viel vnnd gute schrifften vorhanden, haben auch wir vnnd andere draus etliche Spruͤche
hiezu sonst angezogen.zitiert. Aber doch darumb wir eben nachfolgende Declaration vber Osianders Disputation sampt dem bekentnis auch jetzt haben in druck geben, so bekennet er, Brentius, sampt den andern Wirtenbergischen Theologen, wie ewer liebe darnach klar darin lesen werden:

Erstlich, das die gerechtigkeit, damit ein suͤndiger Mensch fuͤr Gott gerecht
wird vnnd ist, aus dem tod ins leben kuͤmpt, sich auch derselben in anfechtung der suͤnden, tods vnd Helle vor dem gericht Gottes annemen vnd troͤsten sol vnd kan, sey die gerechtigkeit des gehorsams Christi, damit er das Gesetz vnd allen willen Gottes volkoͤmlich erfuͤllet hat. Dauon auch der heilig Paulus allein rede vnd zu uerstehen sey Roma. j.Vgl. Röm 1,16f. vnd iij.,Vgl. Röm 3,21. vnd
gar nicht von der wesentlichen gerechtigkeit Gottes, wie es Osiander verstehet vnd haben wil.Vgl. Osiander, Von dem einigen Mittler (1551), in: OGA 10, 162f. Vnd das es Paulus darin halte mit Osianders widerpart vnd sie mit Paulo.

Zum andern setzen sie die einwonung Gottes, kind- vnnd erbschafft seiner ewigen, wesentlichen guͤter, nach der rechtfertigung vnnd gerechtigkeit des
gehorsams Christi, vnnd das dieselbe erbschafft der wesentlichen guͤter Gottes kome vnnd gegeben werde von wegen der gerechtigkeit des gehorsams Christi. Das ist ja alles auch klar vnnd deutlich gnug geredt von obgestelten fragen, vnnd wider Osiandrum.

Daraus ist nu leicht auch denen zu antworten, welche aus den vorigen oder
auch jetzigen Brentii vnnd seiner mituerwandten Wirtenbergischen Theologen bedencken anziehen vnd fuͤrgeben moͤgen, das sie Osiandro seiner lere recht geben, vnnd jm recht zu geben sey, da er auch leret, Gott allein sey die ewige weisheit, gerechtigkeit, leben vnd herligkeit. Item, das er durch den glauben von wegen des verdiensts Christi wesentlich in vns wone, vnns teil
hafftig mache seiner Goͤttlichen natur vnnd wesentlichen guͤter, weisheit, gerechtigkeit, lebens vnd herligkeit, vnd vns also auch durch mitteilung seiner wesentlichen gerechtigkeit recht mit der that gerecht mache,Vgl. unten auf Blatt C 1v. hie in diesem leben angefangen, Spe primitiis et inchoatione, dort in jenem leben volkoͤmlich, re decimis et perfectione.

Vnnd nemlich ist darauff diss die ware, richtige ant-wort. Es ist diss alles war, recht vnd wol geredt, wird dauon auch nicht weiter mit Osiandro disputirt, denn an welchem ort vnser seligmachung, die einwonung Gottes, teilhafftigkeit Goͤttlicher natur vnd wesentlichen guͤter, sol gesetzt werden, zu anfang oder zu ende, vor oder nach, in das wesen der gerechtigkeit oder
wesen des lebens.

Brentius mit den seinen setzts nach der gerechtigkeit in das leben vnd erbe der Christen, wie vor gehoͤret vnnd hernach zu sehen. Dahin haben wirs auch gesetzt in vnser grossen widerlegung des bekentnis Osiandri, Prop. 8 vnd quat. M des letzten drucks,Vgl. Flacius, Gallus, Verlegung des Bekenntnisses Osiandri (1552), M 1v, unsere Ausgabe Nr. 8 S. 383. vnnd die Prediger zu Hamburg quat. I vnd K.Vgl. RESPONSIO MI= || NISTRORVM ECCLESIAE CHRISTI, || QVAE EST HAMBVRGI ET LVNE- || burgi, ad confessionem D. Andreae Osi= || andri, de mediatore Iesu Christo & iu= || stificatione fidei, inclyto Hambur= || gensis & Luneburgensis Reip: || Senatui exhibita, Anno || Do. MDLII. mense || Februario || scripta. || || [Magdeburg: Michael Lotther, 1553] (VD 16 R 1193).

Osiander aber setzts in das wesen der gerechtigkeit oder rechtfertigung, dadurch wir aus dem tod ins leben, aus der Helle in Himel komen sollen, wil vnns ehreher. selig denn gerecht machen, spannet die pferde hinter den wagen vnd will vns also gen Himel fuͤhren. Das wird zumal ein wunderlich fahren
werden. Jst zu besorgen,befürchten. Vgl. Art. besorgen 2.a), in: DWb 1, 1635. wir komen so allzu spat ins Himelreich vnnd moͤchten draussen verschlossen mit Osiandro, vnserm fuhrman, ein boͤse Herberg bekomen.

So wird nun beschliesslich souiel aus nachfolgenden schrifften vnd diesem vnserm bericht hie verstanden, das Brentius sampt den andern Wirtenbergi
schen Theologen im grunde mit vns helt vnnd leret wider Osiandrum: nemlich, das die GERECHTIGKEIT, dadurch ein suͤndiger Mensch aus dem tod zum LEBEN eingehet, oder wie Paulus redet, fuͤr Gott gerecht wird durch den glauben, nichts anders sey, denn die gerechtigkeit des gehorsams Christi, damit Christus das Gesetz erfuͤllet vnd Gott fuͤr vns gnug gethan hat, vnd
sey in keinen weg die wesentliche gerechtigkeit Gottes.

Vnd ob Osianders anhangRotte, Gesindel, Spießgesellen. Vgl. Art. Anhang, in: DWb 1, 366f. sich hieruͤber noch Brentii vnd der Wirtenbergischen Theologen beifalZustimmung. Vgl. Art. Beifall 2), in: DWb 1, 1368f. rhuͤmen wolte, so hetten wir doch allein an dem gnug wider sie alle, das vns so viel, offt vnd klar gegeben wird, Paulus, da er zun Roͤmern von gerechtigkeit vnnd rechtfertigung eins armen
Suͤnders durch den glauben handelt, rede nicht von der wesentlichen gerechtigkeit Gottes, sondern von vergebung der Suͤnden vnnd gerechtigkeit des gehorsams Christi, vnns durch den glauben zugerechnet.

Helts nun Paulus mit vns, des schrifften der rechte brun vnd quell sind, daraus wir vnser Theologia (sonderlich von der rechtfertigung des Suͤnders)
schepffen sollen, vnd helts mit vnns eben an dem ort Roma. iii,Vgl. Röm 3,21. da die Proposition, Heuptspruch, grund vnd hertz ist der gantzen Disputation vnd lere Pauli von der rechtfertigung, so halts mit Osiandro drauff, wer da will, vnnd sehe, was er mache, so er ein Christ sein wil vnnd andere Christen noch druͤber hilfft verwirren vnnd beschweren.belasten, beleidigen. Vgl. Art. beschweren 3), in: DWb 1, 1603f.

Der Allmechtig Gott vnd Vater vnsers Heilands Jhesu Christi woͤlle sich ewer, vnser vnnd seiner gantzen Kirchen erbarmen, dem Satan weren vnd jn entlich vnter vnser fuͤsse treten.Vgl. Röm 16,20. Amen.

Gegeben zu Magdeburgk, prima Maii, Anno 1553.

Ewer Liebe

Willige Diener im Herrn

Matth. Fla.Illy.

Nicolaus Gallus.

Des Herrn Johan Brentii vnd der andern Wirtenbergischen Theologen Declaration von Osiandri Disputation.

Durchleuchtiger, hochgeborner Fuͤrst, gnediger Herr, Ewer F.G. [Hz. Christoph v. Württemberg] hat gnediglich an vnns begert, nach dem sich inn der Preussischen, osiandrischen Sach allerley vnrichtigkeit zutragen woͤll vnnd wir vns bisanher (A) keines iudicium vber beider partey scripta vnderfangen,keines Urteils angemaßt. Vgl. Art. unterfangen 4.a), in: DWb 24, 1547; Art. unterfahen I.2), in: DWb 24, 1543. sonder allein glimpfflich weg vnd mittel zur Christlichen Einigkeit
gesucht, so sollen gegen E.F.G. wir vnns dermassen declarirn, das daraus vernommen werden moͤcht, worin hierin der Heubtstreit hange vnd worin der parteien rechte oder mangelhaffte meinung erscheine.

(A) Mercke, sie haben sich noch keines iudicii oder vrteils vber die sache vnterfangen.

Hierauff wollen E.F.G. wir in vnterthenigkeit nicht verhalten,(unsere Ansicht, Meinung) vorbehalten. Vgl. Art. verhalten 5), in: DWb 25, 511f. das wir des
handels halb an jme selbst, souiel wir dessen zu dieser zeit noch verstehen, bissanher kein schewen tragenkeine Abneigung verspürt. Vgl. Art. tragen III.D.1.c), in: DWb 21, 1096f. hetten, vnsere weitleufftigere erclerung zu thun.

Dieweil wir aber vns zuuor in dieser sach sonst mit niemand haben anders eingelassen, denn was E.F.G. wir aus derselben befehl vnd auff beger des
Durchleuchtigsten, hochgebornen Fuͤrsten vnnd herrn, Herrn Albrechten des Eltern, Marggraffen zu Brandenburg, in Preussen, zu Stettin, Pomern, der Cassuben vnnd Wenden Hertzogen, Burggraffen zu Nuͤrnberg vnd Fuͤrsten zu Rugen, vnsern gnedigsten Fuͤrsten vnd Herrn, geschrieben,Gemeint sind die Gutachten, die von den Württembergern 1551 und 1552 verfasst wurden. Vgl. Wengert, Defending Faith, 198–205. so hat vns vnsers bedenckens nicht wol gebuͤren wollen, allein mit einer partey
sonderliche handlung one vorwissen zu pflegen.

Nach dem auch vnsere vorige schrifften, so wir Christlicher meynung zur vorbereitung des friedlichen vertrags gestelt,verfasst haben. von etlichen gantz vnfreundtlich angetastangegriffen. Vgl. Art. antasten, in: DWb 1, 496. vnd gedeutet worden sein,Die von den Württembergern als Vermittlungsversuche intendierten Gutachten wurden von beiden Seiten für sich reklamiert, was nur zu weiteren, erbitterten Streitigkeiten führte. Vgl. Wengert, Defending Faith, 205–208. haben wir die fuͤrsorg tragen muͤssen, es moͤchte vnsere declaration auch missgebraucht vnd zu
erweckung groͤsserer vnrhue gezogenverwendet. werden.

So wil vnns beduncken, je lenger je mehr ErDer Handel [vgl. oben S. 682,28], d. h., die Auseinandersetzung um Osianders Lehre. mit amphibologiis et aequiuocationibus dermassen verwirt vnnd durch einander gemengt werde, das nicht verstentlich vnnd Catigorice daruon, one vnterscheid, zu reden oder zu schreiben sey.Die Forderung, sich klar und eindeutig, categorice, zu erklären, hatten die Königsberger Universitätsangehörigen gegenüber Brenz erhoben, weil Herzog Albrecht unter Verweis auf die zwei vorangegangenen Württemberger Gutachten keine Maßnahmen gegen die Lehre Osianders durchführe, sondern diese für richtig halte: Cum autem nobis candide tua interpretantibus secus videatur, nihil aliud optamus, quam ut plane et categorice nobis tuam sententiam exprimas. Rektor und Senat der Universität Königsberg an Johannes Brenz. 8.November 1552, in: Anecdota Brentiana, Nr. 186, S. 341–344, bes. 342.

Jedoch wollen gegen E.F.G. wir gehorsamlich mit Gottes huͤlff versuchen, ob wir von dieser verwirten sach einen deutlichen, verstendlichen bericht geben moͤchten.

Wir wollen aber jetzt umbgehen, was der nebenhendel sein, so entweder der Heubtsach nicht oder gar wenig zugehoͤren, als viel hessigerfeindseliger, hasserfüllter. Vgl. Art. hässig 2), in: DWb 10, 549f. wort, man
cherley frembde deutung etlicher spruͤch der heiligen Schrifft vnnd vngereimte Consequentias, sondern wollen allein von dem heubt dogmate reden.

Denn Osiander hat vnsers bedenckens, vnd souiel wir noch seiner meinung erlangtverstanden. Vgl. Art. erlangen 5), in: DWb 3, 888. haben, in diesem stuͤck recht, das er leret, Gott sey allein (so man proprie vnnd eigentlich von der Gerechtigkeit reden wil) die recht ewig we
sentlich Gerechtigkeit, von dem alle Gerechtigkeit herkuͤmpt, wie auch Gott allein die recht ewig weissheit, stercke, leben vnd seligkeit ist.

So leret Er auch darinnen nicht vnrecht (haben wir anderst sein meinung recht verstanden), das vnser Herr Jhesus Christus habe mit seinem leiden vnnd todt verdienet, das Gott mit vns versoͤnet, selbs in vns durch
den glauben wohne, sich sampt allen seinen guͤtern VNS ZUM EVVIGEN ERBTEIL schencke, vnnd hernach, gleich wie sein leben, weisheit vnd seligkeit vnser ist, also ist auch sein Gerechtigkeit vnser. (B)

(B) Solche meinung Osiandri ist recht, wenn mans setzet nach der gerechtigkeit oder rechtfertigung ins LEBEN oder ERBTEIL der Christen vnnd nicht in die gerechtigkeit oder recht
fertigung selbs, dauon Paulus Roma. i,Vgl. Röm 1,16f. iii,Vgl. Röm 3,21–24. iiiiVgl. Röm 4,22–25. handelt.

Aber darin thut Osiander vnsers bedenckens der sachen zuuiel, das Er die schrifft des heiligen Apostels Pauli (C) zu den Roͤmern, vnd fuͤrnemlich die wort iustitia Dei et iustificari, in dem ersten vnnd dritten Capitel anderst deutet, denn die Heuptsach der disputation Pauli auf jme tregt,mit sich bringt. vnd wil mit
denselben spruͤchen vnd dergleichen seine meinung bestetigen.Osiander zitiert Röm 1,16f und Röm 3,20–30 in seiner Schrift Von dem einigen Mittler sehr häufig, um seine Argumentation zu stützen. Vgl. das Bibelstellenregister in OGA 10, 1024.

Denn wiewol die obgemelte meinung von der ewigen gerechtigkeit Gottes recht ist, so ist es doch vnsers verstands nicht recht, das Osiander dieselbe meinung mit den gemelten spruͤchen Pauli vnnd mit anderer deutung der woͤrter Pauli confirmiren will.

Aber des Osianders widderpart hat in diesem recht, das sie fest helt obdass sie daran festhält, darauf beharrt. Vgl. Art. ob II.4), in: DWb 13, 1049. dem rechten verstant der woͤrter vnnd spruͤche Pauli, Roma 1 vnnd 3: Iustitia Dei et iustificari. Denn IUSTITIA Dei heist an den bemelten orten Pauli nicht die VVESENTLICHE GERECHTIGKEIT Gottes, sondern die Gerechtigkeit, SO VOR Gott GILT (das ist), die VERZEIHUNG der
suͤnden, die der Herr Christus mit seinem gehorsam erworben hat. Vnnd Iustificari heist daselbst nicht wesentlich gerecht werden, sondern von den suͤnden absoluirt vnnd ledig gezelt,befreit worden sein. Vgl. Art. ledig, in: DWb 12, 498. auch fuͤr gerecht, von wegen des gehorsams Christi, vor Gott gehalten werden.

(C) Mercke: Hie ist etwas viel mehr gesagt, denn ein jeder bald verstehen werde. Weil sie
bekennen, das Paulus, der auserwelte werckzeug Gottes, da er handelt von der gerechtigkeit vnnd rechtfertigung des armen Suͤnders, Roma j, iij, ja der er eben die Proposition, Heubtspruch vnd grund des genatzen handels setzet, in keinen weg es mit Osiandro helt, sondern mit seinem widerpart, auch gantz vnnd gar von der wesentlichen gerechtigkeit Gottes da nicht redet etc., so haben sie mehr denn gnug von der sache
geurteilet. Denn mit wem es Paulus helt, der hats gar gewunnen, vnnd mit wem es Paulus nicht helt, der hats gar verloren. Summa: Wenn die Kirche Christi von des Suͤnders gerechtigkeit fuͤr Gott oder rechtfertigung handel, so handelt sie eben von der gerechtigkeit vnnd rechtfertigung, dauon Paulus schreibet Roma j, iij vnd iiij, vnd von keiner andern, denn sie nimpts vnnd lernets von jm. Derhalben, so Osiander ein ander gerechtigkeit vnnd
rechtfertigung, oder ein ander Euangelion bringet denn Paulus, so sey er ANATHEMA Maranatha.Vgl. Gal 1,8; I Kor 16,22.

Sie haben auch darin recht, das die Gerechtigkeit (das ist), der gehorsam (D) Christi, vnser ist. Nemlich in diesem verstandt, das Christus mit seinem gehorsam vns die ewig Gerechtigkeit vnd seligkeit Gottes verdient habe.
Vnd sollen wir vns dieses gehorsams Christi, als der allen willen Gottes, des Vaters, volkommenlich erfuͤllet hat, in aller vnser not vertroͤsten.

(D) Mercke: Gerechtigkeit vnd gehorsam Christi ist jnen mit Paulo, Roma v,Vgl. Röm 5,19. ein ding.

Aber darin thun sie der sach vnsers beduͤnckens zuuiel, das sie des Osianders meinung von der wesentlichen gerechtigkeit Gottes nicht allein
von den spruͤchen Pauli absondern (daran sie denn recht haben), sondern wollen auch solche gerechtigkeit Gottes in iustificatione peccatoris an jrem gebuͤrenden ort nicht sein raum lassen haben. (E)

(E) Das ist zuuiel. Denn man lest vnnd fordert sie an jrem gebuͤrenden ort, nemlich nach der gerechtigkeit oder rechtfertigung des Suͤnders in dem ewigen leben oder Himlischen
erbteil, dahin jr sie auch setzet, nicht vor oder in der rechtfertigung, das sie das wesen dieser gerechtigkeit selbs sey.

So man nu sagt: Der Mensch wird gerecht durch die wesentliche gerechtigkeit Gottes, die Gott selbst ist, so ist es alles gelegen an dem verstand dieses worts (Gerecht werden). Denn wenn es verstanden wird nach der Ge
rechtigkeit, so vnser HIMELISCH ERBTEIL (F) ist, die wir auch ewiglich haben vnd geniessen werden, vnd die vns Christus mit seinem gehorsam verdient hat, so ist es war, das wir allein durch die wesentliche Gerechtigkeit Gottes, HIE aus erden, spe primitijs et Inchoatione, DORT in jenem leben, re decimis et perfectione gerecht werden.

(F) Mercke hie jre selbs eigne erklerung, das die lere von der teilhafftigkeit oder geniessung der wesentlichen guͤter Gottes, seiner weisheit, gerechtigkeit etc., als denn recht ist, wenn man sie setzt in das Himlische erbteil oder Himlische ewige leben. Wenn man sie aber dringet in die erste rechtfertigung des Suͤnders, dauon Paulus vnnd die Schrifft handelt, so ist sie gar vnrecht, wie volget.

Wenn man aber das wort (Gerecht werden) verstehen wil NACH DER LEHR Pauli zu den Roͤmern fuͤr die verzeihung der suͤnden, die wir durch den glauben an Christum haben, so ist es nicht recht geredt, das wir gerecht werden durch die wesentliche gerechtigkeit Gottes, sondern wir werden GERECHT (das ist), wir empfahen die verzeihung der suͤnden, durch den
gehorsam Christi, durch das leiden vnd tod Christi. Denn nicht die wesentliche gerechtigkeit Gottes, sondern Jhesus Christus, warer Gott vnd Mensch, ist fuͤr vnsere suͤnd gestorben. Vnd auff diesen verstand wird die (G) LERE PAVLI zu den Roͤmern vnnd dergleichen Locis von den Widersachern Osiandri recht vnd Christlich verteidingt.

(G) Freilich ists der Kirchen vmb die lere Pauli zu thun vnnd nicht Marcolfi.Eine Anspielung auf das im 16. Jahrhundert populäre Spruchgedicht von Salomo und Markolf. Die Figur des Markolf zeichnet sich besonders durch bäuerisch listige Hinterhältigkeit aus. Hartmann, Spruchgedicht, 66–69; Griese, Salomo und Markolf.

Also hat Jhesus Christus, vnser lieber Herr vnd Heyland, warer Gott vnd Mensch in einer Person, nach beiden Naturen sein vnterschiedliche wirckung in iustificatione peccatoris. Nemlich, das Christus nach menschlicher Natur, doch in einiger Person mit Gott, den tod fuͤr vnsere suͤnd gelieten, vns mit
dem vater versoͤnet vnd vns erworben, das wir,In der Kustode C 3r: wri. so an jn glauben, haben von seinet wegen verzeihung der suͤnden, vnd das sein GERECHTIGKEIT vnd GEHORSAM vns von Gott zugerechnet werde. Das auch der ware, ewig Gott Vater, Son vnnd heiliger Geist in vnns wohne vnnd mache vns seiner ewigen Gerechtigkeit vnd Seligkeit teilhafftig.

Vnd kuͤrtzlich, vnser Herr Jhesus Christus hat vnns mit seinem gehorsam, leiden vnd sterben fuͤrnemlich ZVVO GVTTHATEN bey seinem himlischen Vater verdient vnnd erlangt. Die EINE ist die VERZEIHVNG der suͤnden. Die ANDER ist das EVVIG LEBEN. So nu einer die verzeihung der suͤnden durch den glauben empfahet, als den wuͤrdt er auff
folgenden verstand GERECHT, das, vnangesehen, ob er wol noch an jm selbst vngerecht ist, sein vngerechtigkeit jm nicht zugerechnet, sondern er wird von wegen des gehorsams Christi GERECHT (das ist), der vngerechtigkeit ledig vnnd los vor Gottes Gericht gezelet, wie des Osianders widerpart helt vnnd auch ein RECHTE, christenliche meinung ist.

So man aber das EVVIG LEBEN durch den glauben empfahet, als denn wird man auff folgenden verstand GERECHT, (H) das Gott selbst, der da ist das ewige Leben, inn dem gleubigen wohne vnnd schencke jm zu einem ERBTEIL sein ewige Gerechtigkeit vnnd seligkeit, also, das dieselbige hie auff Erden in dem gleubigen anfahe jr wirckung zu haben. Nemlich, das die ge
schenckte Gerechtigkeit fuͤhre den gleubigen in den gehorsam Gottes gebot etc., vnnd die verhoffte seligkeit troͤste den gleubigen in aller bekuͤmmernis vnd widerwertigkeit.Unglück, Leid. Vgl. Art. Widerwärtigkeit 5), in: DWb 29, 1376f.

(H) Hie sihet man ja abermals klar, das Brentius vnd die Wirtenbergischen Theologen die mitteilung oder geniessung der wesentlichen gerechtigkeit in das ewige leben setzen vnd
nicht in die vorgehende gerechtigkeit oder rechtfertigung des Suͤnders.

Das ist, gnediger Fuͤrst vnd Herr, vnser einfeltig,redliche. Vgl. Art. einfältig 2), in: DWb 3, 173. vnter-thenig erklerung, souiel wir dieses handels zu dieser zeit verstehen, haben auch E.F.G. dieses stuͤcks dester vntertheniger vnd klerer berichten sollen, das wir hiemit der CalumnienBetrügereien. Vgl. Art. alumnia, in: Georges I, 938f. begegnen, so ausgebenbehauptet. Vgl. Art. ausgeben 10), in: DWb 1, 867. wird (wie wir
bericht), es wolle von etlichen in E.F.G. land humanitas Christi verleugnet werden.Bezugnahme auf die Kontroverse mit den Anhängern Caspar von Schwenckfelds in Württemberg.

Wollen hierauff vns, souiel diese erklerung belangt, in kein bitter gezenck mit jemand einlassen, sondern moͤgen gantz wol leiden, das es andere besser machen. Haben wir beider parteyen meinung recht erlangt, so dancken wir
vnserm Herrn Gott. Haben aber wir dieselbe nicht recht erlangt, so wissen wir dennoch durch Gottes gnad, das vnser meinung recht vnd Christlich ist, den Herrn bittend, er wolle vns bey der reinen, einfeltigen LERE des heiligen Evangelij Christi von der RECHTFERTIGVNG des Menschen vnd von allen andern Artickeln vnserer Religion, wie es die heilige Schrifft, vnd
FVRNEMLICH S. Paulus, auch vnsere Praeceptores D. D. Lutherus vnd Philippus vor diesem zancken, vermoͤg Gottes wort verklert haben, gnediglich erhalten.

Wollen E.F.G. vns hiemit vntertheniglich befohlen haben. Actum Tubingae, Die 30. Ianuarij Anno 53.

Bekenntnis BrentijKonjiziert aus: Brertij. vnd Wirtenbergischen Theologen von der rechtfertigung

In diesem bekentnis erzelet Brentius vnd die Wirtenbergischen Theologen, wiewol kuͤrtzlich, jedoch fein ordentlich, die lere der seligmachung des Menschen, welche so man fleissig von punct zu punct mercket vnd vernimet, so ist den jrrenden oder zweiffelnden aus Osian
ders jrthumb bald geholffen.

Erst sagen sie von der volkomenheit Menschlicher natur nach der ersten schoͤpffung.

Darnach von dem ersten fall.

Zum dritten von der verheissung des gebendeiten samens, das ist, Christi. Item, vom glauben vnd seligmachung der Altueter.

Zum vierden von der zukunfftHerabkunft, Menschwerdung. Vgl. Art. Zukunft I.5), in: DWb 32, 478. Christi ins fleisch oder Menschwerdung.

Zum fuͤnfften von der gerechtigkeit Christi, damit wir Suͤnder fuͤr Gott gerecht werden.

Zum letzten von dem ewigen leben oder erbteil, darin sie die mitteilung Goͤttlicher natur vnnd seiner wesentlichen guͤter: weisheit, gerechtigkeit etc. als das letzt setzen.

Von dem Menschen vor dem fall, vnd seiner volkomenheit.

Wjr gleuben, bekennen vnd lehren, das Gott im anfang den menschen zu seiner bildung vnnd gleichnis erschaffenVgl. Gen 1,27. vnd jn mit dem heiligen Geist, auch mit rechter weisheit, frombkeit, gerechtigkeit vnnd allerley Goͤttlichen guͤtern vnd tugenden begabt vnd gezieret hat.

Vnd so der mensch in die Suͤnd nicht gefallen were, Vgl. Gen 3. so were er nimmer
mehr gestorben, sondern sein zeit hie auff erden in dem leiblichen leben mit aller Ruhe, sicherheit vnd gesundheit erreichet vnd darnach in das geistliche, himlische wesen ewiglich, in aller volkomener gerechtigkeit vnd seligkeit zu leben, eingesetzt worden sein.

Von dem ersten fall.

Wir gleuben vnd leren: Nach dem der Mensch wider Gottes gebot gesuͤndigt,Vgl. Gen 3,6. so ist er in Gottes vngnad vnd zorn gefallen, des heiligen Geistes, der gerechtigkeit beraubt, dem Sathan, der Suͤnd, zeitlichen vnnd ewigen tod vnd verdamnis verpflicht worden.Vgl. Gen 3,15–19.

Von der verheissung des gebenedeieten samens,Vgl. Gen 3,15. das ist, Christi.

Wir gleuben vnnd leren, das Gott, nach dem abfall des Menschen, ha aus lauter gnad vnnd barmhertzigkeit je lenger je klerer, den heiligen PatriarchenAbrahahm, Isaak, Jakob. vnnd durch die Propheten versprochen vnnd zugesagt, er wolle seinen einigen Son, der ewig von jm geborn, in diese Welt zu seiner zeit schicken, das er von einer Jungfrawen warer Mensch geboren werde,Vgl. Jes 7,14. die
Suͤnd des Menschen mit seinem leiden vnnd tod busse, Gottes Zorn versoͤne, den Sathan vnd den tod vberwuͤnde vnnd dem Menschen widerumb alle vorhin verlorne gerechtigkeit vnnd seligkeit bey Gott erlangete.Vgl. Jes 9,5f; 11,1–5; 42,1–4, 53,1–6.

Wir gleuben vnd leren, das alle, so fuͤr der ankunfft des Sons Gottes in
dieser Welt, obgemelter Goͤttlichen zusagung gegleubt, widerumb zu Gottes Gnaden angenomen vnd von wegen des Sons Gottes, an den sie gegleubt, die verzeihung der Suͤnden empfangen, mit dem heiligen Geist begabt vnd zu erben der ewigen gerechtigkeit vnnd seligkeit gemacht worden sein.

Von Christi zukunfft ins fleisch oder Menschwerdung.

Wir gleuben vnd leren, das Jhesus Christus, warer, ewiger Gottes Son vnd gleicher Gott mit seinem Vater, sey zu seiner zeit warer Mensch von der Jungfrawen Maria, als er zuuor in jr aus dem heiligen Geist empfangen, in diese Welt geboren, vnnd hab alle menschliche gebrechen,Unzulänglichkeiten. Vgl. Art. Gebrechen III.3.f), in: DWb 4, 1849. ausserhalb der Suͤnde, an sich genomen, auch al-les mit seiner lehr,
wunderwercken, leiden, sterben, aufferstendtnis von den todten, Himelfart, schickung des heiligen Geistes, ausbreitung seines Euangelions in die gantze Welt vnd versamlung seiner Kirchen beide, aus Juͤden vnd Heiden, durch die predigt seines Euangelions angericht vnnd volbracht, aller ding, wie es zuuor den heiligen Patriarchen verheissen vnd durch die Propheten
verkuͤndiget vnd erkleret worden ist.Vgl. Anm. 121.

Von gerechtigkeit vnd rechtfertigung des Suͤnders.

Wir gleuben vnd leren, das Jhesus Christus, warer Got vnd Mensch, hab mit seinem leiden vnnd sterben verdienet, das der Himlisch Vater alle, so an jn gleuben, zu gnaden anneme, verzeihe inen ihr Suͤnd vnnd schencke ihnen
allen gehorsam, froͤmigkeit vnd GERECHTIGKEIT, (I) die sein Son Jhesus Christus GETHAN, vnd damit er den VVILLEN seines Vaters vnnd das Goͤttlich GESETZ volkoͤmentlich ERFVLT hat. Also, das, welcher in Jhesum Christum gleubt, sich des gehorsams vnnd der GERECHTIGKEIT Christi in anfec htung der Suͤnden, Tod vnd Helle vor dem gericht
Gottes nicht anders annemen vnd vertroͤsten sol, denn als so er selbs Gottes GEBOT vnnd allen VVILLEN Gottes VOLBRACHT hette.

(I) Hie hoͤrestu, lieber Leser, ja klar, was die gerechtigkeit Christi sey, damit ein armer Suͤnder durch den glauben gerecht oder gerechtfertiget wird vnnd ist; nemlich, das es sey der gehorsam oder gethane gerechtigkeit Christi, damit er den willen seines Vaters vnnd
das Goͤttliche Gesetz volkoͤmlich erfuͤllet hat. Die wesentliche gerechtigkeit aber werden sie hernach ins ewige leben oder Himlische erbteil setzen.

Pauli Lehr von gerechtigkeit vnnd rechtfertigung.

Wir halten auch, das Sanct Paulus, da er zu den Roͤmern im ersten Capitel sagt, das im Euangelio die GERECHTIGKEIT, so vor Gott gilt, geoffenbaret
wird;Vgl. Röm 1,17. vnnd im dritten Capitel, die GERECHTIGKEIT, die fuͤr Gott gilt, werde on zuthun des Gesetzes geoffenbaret;Vgl. Röm 3,21. vnnd hernach, der Mensch werde gerecht one des Gesetz werck, allein durch den glauben,Vgl. Röm 3,28. ZV VERSTEHEN sey NICHT von der VVESENTLI-CHE GERECHTIGKEIT Gottes, die Gott selbs ist, sondern von der VERZEIHVNG der
Suͤnden vnnd von dem GEHORSAM vnd der GERECHTIGKEIT Christi, MIT VVELCHER Gerechtigkeit er das GESETZ vnd Gottes VVILLEN genug GETHAN, VVELCHE gerechtigkeit auch Gott, so wir an Christum gleuben, vns zurechnet, das wir vns derselben als vnsers von Gott geschenckten eigen guts vor Gottes Gericht vertroͤsten sollen.

Von dem ewigen leben oder Himlischen erbteil, geniessung oder mitteilung Goͤttlicher natur vnnd wesentlichen guͤter: weisheit, gerechtigkeit, herligkeit etc.

Wir gleuben vnnd leren, das Jhesus Christus vns durch sein leiden vnnd sterben verdienet hab nicht allein, das Gott vns zu gnaden auffneme vnnd
verzeihe vns vnsere Suͤnde, von wegen des gehorsams seines Sons Christi, sondern das er auch sampt seinem Son vnd heiligen Geist in vnns warhafftig wone vnnd neme vns an, an kindes stadt vnnd ERBEN seiner HIMLISCHEN GVTER. Nemlich: das, gleich wie wir, von wegen Jhe-su Christi, ERBEN sein des Goͤttlichen, ewigen lebens vnnd seligkeit, also sind wir
auch erben der Goͤttlichen, ewigen froͤmigkeit vnd gerechtigkeit, das wir widerumb das ERBTEIL, so wir vorhin durch die Suͤnd verloren haben, volkoͤmlich vnd reichlich erlangen.

Vnd wiewol wir in diesem leiblichen leben der ewigen gerechtigkeit Gottes nicht volkoͤmlich empfinden, so gehoͤrt sie vns dennoch warhafftig zu vnd
ist vnser ERBTEIL, welchs auch hie auff erden sein kraft anfahen, vnser boͤse begird toͤdten, vns ernewern vnnd den gehorsam gegen Gottes gebot anrichtenaufrichten, stiften. Vgl. Art. anrichten, in: DWb 1, 428. vnnd ein erbar, christlich leben wircken sol, biss wir nach diesem leben dieselb ewige gerechtigkeit volkomenlich empfinden vnnd daran ewig frewd vnd seligkeit haben werden.

Vnnd von solcher ewiger gerechtigkeit schreibt der heilige Paulus, da er sagt, Roma viij: Sind wir kinder, so sind wir auch ERBEN, ja ERBEN Gottes vnnd miterben Christi.Vgl. Röm 8,17. Sind wir nu ERBEN Gottes, so sind wir auch gewisslich ERBEN seiner Goͤttlichen, ewigen gerechtigkeit, die wir allhie in HOFNVNG vnnd ANFANG der ernewerung vnsers gemuͤts, dort aber
VOLKOMLICH besitzen vnnd empfinden werden. Vnd Roma viij abermals: Er hat vns mit seinem Son ALLES geschenckt,Vgl. Röm 8,32. so folgt gewislich daraus, das, gleich wie er vns sich selbst, sein ewig LEBEN vnnd seligkeit, also auch sein gerechtigkeit schencket.

Vnd ij. Petri j: Es ist vns geschenckt worden, das jr der Goͤttlichen natur
teilhafftig werdet.Vgl. II Petr 1,3f. So wir nu der Goͤttlichen natur teilhafftig worden sind, so haben wir vnsern teil, nicht allein an der verzeihung der Suͤnden, son-dern auch an der Goͤttlichen, ewigen gerechtigkeit, das also Gott alles in allem sey, wie sonst Paulus j. Cor. xvVgl. I Kor 15,28. schreibt.

Das ist vnser glaub, bekentnis vnnd lehr von der rechtfertigung des Men
schen. Denn also gleubt vnd lehrt die recht, heilig, christlich kirch, wie sie von dem heiligen Geist aus der heiligen Prophetischen vnnd Apostolischen schrifft berichtet, wie auch solchs in beiden Confession, der Augspurgischen vnd vnsers gnedigen Fuͤrsten vnd Herrn, Hertzog Christoffs,Confessio piae doctrinae || quae nomine Illustrissimi || Principis ac Domi= || NI D. CHRISTOPHORI || Ducis Vuirtembergensis & || Teccensis, || ac Comitis Montisbeligardi, per Legatos eius || die XXIIII. mensis Ianuarij, Anno || M.D.LII.congregationi || Tridentini Concilij || proposita est. || [Frankfurt/Main: Peter Braubach, 1552] (VD 16 W 4468). Im selben Jahr erschienen zwei weitere Auflagen, VD 16 W 4469f. erkleret ist. Den Allmechtigen Gott vnnd Vater vnsers lieben HERRN Jhesu Christi bit
tend, er woͤlle vnns in solchem warhafftigen glauben erhalten vnd bewaren.

E.F.G.

Vnterthenige vnd gehorsame, hie vnterschriebene Theologi vnd Pastores Ecclesiae.

Iohannes Brentius.

Mattheus Aulberus,Matthäus Alber, geb. am 4. Dezember 1495 in Reutlingen, besuchte als Student in Tübingen Griechischkurse bei Melanchthon und verkehrte im Hause Reuchlins in Stuttgart. Am 8. November 1521 wurde er zum Priester geweiht. Er predigte im reformatorischen Sinne in Freiburg und Reutlingen. 1536 nahm er an den Verhandlungen zur Wittenberger Konkordie teil. Seit dem 13. Juli 1549 war er Pfarrer der Stiftskirche in Stuttgart. 1552 gehörte er zu den Mitverfassern der Confessio Virtembergica. Am 23. Juli 1563 wurde er der erste evangelische Abt des Klosters Blaubeuren. Dort verstarb er am 3. Dezember 1570. Vgl. Hans-Christoph Rublack, Art. Alber, Matthäus, in: TRE 2 (1978), 170–177. Doctor et Ecclesiastes Stutgardianus.

Iacobus Beuerlein,Jakob Beurlin, geb. im Jahr 1522, wurde 1541 in Tübingen zum Magister promoviert. 1546 heiratete er eine Tochter Matthäus Albers. Er erwarb den theologischen Doktorgrad und wurde daraufhin 1551 zum Professor in Tübingen berufen. Im selben Jahr entsandte ihn Herzog Christoph zum Konzil von Trient, 1561 wurde er zum Propst und Kanzler der Universität Tübingen ernannt. Zusammen mit Jakob Andreae und Balthasar Bidenbach nahm er an dem Religionsgespräch von Poissy teil. Er starb 1561 in Paris an der Pest. Vgl. Friedrich Wilhelm Bautz, Art. Beurlin, Jakob, in: BBKL 1 (1975), 568. Doctor et Professor Theologiae in Academia Tubingensi.

Iacobus Herbrandus,Jacob Heerbrand, geb. am 12. August 1521, studierte zwischen 1538 und 1543 in Wittenberg. Im Zuge der Auseinandersetzungen um das Augsburger Interims wurde er 1548 seines Diakonats in Tübingen enthoben. 1550 zum Doktor der Theologie promoviert, wurde er Superintendent in Herrenberg. Er gehörte 1551 zu den Mitunterzeichnern der Confessio Virtembergica und wurde von Herzog Christoph 1552 zum Konzil von Trient entsandt. Im Jahr 1556 arbeitete er an der Einführung der Reformation in der Markgrafschaft Baden-Durlach. Seit 1557 war er wieder Professor an der Universität Tübingen, deren Kanzler er seit 1590 wurde. Seit dieser Zeit versah er außerdem das Amt eines Propstes der Stiftskirche in Tübingen. Er starb am 22. Mai 1600 in Tübingen. Vgl. Heinrich Fausel, Art. Heerbrand, Jacob, in: NDB 8 (1969), 194f. Doctor et Pastor Ecclesiae Herrenbergensis.Konjiziert aus: Nerrenbergensis.

Martinus Frechtus,Martin Frecht, geb. 1494, studierte ab 1514 in Heidelberg und wurde dort 1517 zum Magister promoviert. Um das Jahr 1529 erlangte er den Grad eines Lizenziaten der Theologie und war zwischen 1529 und 1531 Lektor der Heiligen Schrift in Heidelberg. Im Jahr 1531 wurde er als Prediger nach Ulm gerufen und warb dort für die Wittenberger Konkordie. Er war Teilnehmer der Religionsgespräche in den 1540er Jahren und lehnte das Augsburger Interim vehement ab. Aufgrund dieser Opposition wurde er gefangen genommen und dann aus Ulm verbannt. 1550/51 wurde zum Magister Domus des Tübinger Stifts berufen und war dort seit 1552 auch Professor an der Theologischen Fakultät. Er starb am 14. September 1556. Vgl. Hermann Ehmer, Art. Frecht, Martin, in: RGG4 3 (2000), 289. Theologiae Licentiatus et Professor Tubingae.

Iohannes Isemannus,Johann Isenmannus, geb. um 1495, studierte seit 1514 in Heidelberg. Dort wurde er im Jahr 1516 zum Magister pomoviert und erlangte 1523 den Grad eines Baccalaureus Theologiae. Im Jahr 1524 wurde er Stadtpfarrer an St. Michael in Schwäbisch Hall. Seit 1538 war er Superattendent. Infolge des Augsburger Interims musste er sein Amt verlassen und fand in Urach eine neue Anstellung. Im Jahr 1551 wurde er als Pfarrer und Generalsuperintendent nach Tübingen berufen. Seit 1558 war er erster evangelischer Abt des Klosters Anhausen/Brenz und führte gegen den Widerstand der letzten Mönche endgültig die Reformation ein. Er starb dort am 18. Februar 1574. Vgl. Gerd Wunder, Art. Isenmannus, Johann, in: NDB 10 (1974), 196. Pastor Ecclesiae Tubingensis.

M. Casparus Gretherus,Kaspar Gräter, geb. um 1501, studierte zwischen 1520 und 1522 in Heidelberg. Danach folgte eine Anstellung als Hauslehrer bei Dietrich von Gemmingen. Seit 1527 war er Schulleiter in Heilbronn. 1533/34 studierte er Theologie in Heidelberg und wurde 1534 Pfarrer in Herrenberg, 1538 in Cannstatt. Seit 1541 war er Hofprediger in Württemberg. Er zählte zu den Mitunterzeichnern der Confessio Virtembergica 1551 und war seit 1553 Mitglied des Kirchenrates. Er starb am 21. April 1557. Vgl. Heinrich Fausel, Art. Gräter, Kaspar, in: NDB 6 (1964), 717f. Concionator Aulicus.

Valentinus Vannius,Valentin Vannius, geb. 1495, trat in das Kloster Maulbronn ein. Er studierte wohl kurzzeitig in Heidelberg. Im Zuge des Bauernkrieges 1525 verließ er das Kloster und erhielt in Löwenstein eine Pfarrstelle. Seit 1532 war er Prediger in Feuchtwangen. Danach war er in Kulmbach und seit 1533 Lektor der Augustiner in Ansbach. 1535 gelangte er als Prediger nach Beilstein, 1537 wurde er nach Backnang versetzt. Noch im selben Jahr wurde Vannius als Prediger an die Leonhardskirche in Stuttgart gerufen. Er lehnte 1548 das Augsburger Interim ab und musste sein Amt aufgeben. Er erhielt stattdessen eine Predigerstelle in Cannstatt. 1551 gehörte er zu der württembergischen Delegation zum Konzil von Trient. 1558 wurde er erster evangelischer Abt des Klosters Maulbronn. Dort starb er am 27. August 1567. Vgl. Hermann Ehmer, Art. Vannius, Valentin, in: BBKL 21 (2003), 1503f. Pastor Ecclesiae in Candtstat.

Iacobus Andreae,Jakob Andreae, geb. am 25. März 1528, studierte in Tübingen, wo er 1545 zum Magister promoviert wurde. Er ging 1546 als Diakon nach Stuttgart, 1548 nach Tübingen. Dort promovierte er 1553 zum Doktor der Theologie. Im Jahr 1561 wurde Andreae zum Professor, Propst und Kanzler der dortigen Universität ernannt. Er war an der Abfassung zahlreicher Kirchenordnungen in unterschiedlichen Territorien des Reichs beteiligt und bemühte sich darum, die Kontroversen unter den Evangelischen zu beenden. Dies gelang schließlich mit der von ihm maßgeblich mitverfassten Konkordienformel und dem Konkordienbuch (1577/80). Er starb am 7. Januar 1590 in Tübingen. Vgl. Martin Brecht, Art. Andreae, Jakob, in: TRE 2 (1978), 672–680. Pastor Ecclesiae Goppingensis.

Iohannes Engel,Es handelt sich möglicherwise um Johannes Engelmann. Er war zwischen 1535 und 1541 Diakon in Schwäbisch Hall, von 1542 bis 1551/53 Hofprediger in Mömpelgard, seitdem Oberhofprediger in Stuttgart. Er starb entweder im Jahr 1562 oder 1569. Vgl. https://www.wlb- stuttgart.de/literatursuche/fachinformationen/theologie/links/theologie-in-wuerttemberg/ 1-stelle- oberhofprediger/1-stelle-oberhofprediger-chronologische-abfolge/ [letzter Aufruf: 16.09.2022]. Concionator Aulicus.

Andreas Cellarius,Andreas Keller, geb. 1503, scheint zunächst Mönch gewesen zu sein. Im Jahr 1524 predigte er in seiner Heimatstatdt Rottenburg im Sinn der Reformation. Daraufhin wurde ihm das Predigen untersagt, und er ging nach Straßburg, wo er als Helfer an Alt-Sankt Peter wirkte. Im September 1536 trat er die Stelle des Stadtpfarrers in Wildberg im Schwarzwald an. Seit 1551 war er dort auch Superintendent. Im selben Jahr war er ebenso an den Beratungen zur Confessio Virtembergica beteiligt. Er starb am 18. September 1563 in Wildberg. Vgl. Gunther Franz, Art. Keller (Cellarius), Andreas, in: NDB 11 (1977), 432f. Pastor Ecclesiae Vildpergensis.

Iohannes Ottmar Meilander,Johannes Ottmar Epple (Epplin), gen. Mailänder, geb. um 1510, versah verschiedene Pfarrstellen (Holzheim 1535, Leipheim 1536, Schalksstetten 1539, Griesingen bei Ehingen 1540, Oberesslingen 1542, Böblingen 1542) und wurde 1547 Superintendent in Böblingen. 1548 wurde er jedoch wegen seiner Ablehnung des Augsburger Interims abgesetzt. Danach wirkte er als Prädikant in Cannstatt (1548) und Pfarrer in Nürtingen (seit 1549), seit 1553 in Urach. Wegen Streitigkeiten musste er auch dort sein Amt räumen und wirkte seit 1561 als Pfarrer in Speyer. Dort starb er am 16. April 1573. Vgl. Württemberger Pfarrerbuch, Nr. 5323, https://www.wkgo.de/ personen/suchedetail?sw=gnd:GNDPFB5309 [letzter Aufruf: 16.09.2022]. Pastor Ecclesiae Nurtingensis

Aus dem ersten bedencken der Wirtenbergischen Theologen.Das erste Gutachten der Württemberger war die direkte Antwort auf die Schrift Osianders Von dem einigen Mittler und datiert auf den 5. Dezember 1551. Vgl. dazu Wengert, Defending Faith, 198–201.

Ja, der heilige Paulus nennet selbs diesen GEHORSAM Christi ein GERECHTIGKEIT vnnd spricht, Roma v: Gleich wie vnser viel durch eines
Menschen vngehorsam zu Suͤnder worden sind, also werden vnser viel durch eines Menschen GEHORSAM GERECHT.Vgl. Röm 5,19. Was Paulus hie nennet vngehorsam vnnd GEHORSAM, das nennet er gleich darauff suͤnde vnd GERECHTIGKEIT, vnnd sagt, wie die suͤnde geherschet hat zum todte, also auch herschet die gnade durch die gerechtigkeit zum ewigen leben
durch Jhesus Christus,Vgl. Röm 5,21. et paulo post.

Nach dem aber Paulus selbs nicht schewet, die VERZEIHVNG der Suͤnden eine GERECHTIGKEIT zu nennen, koͤndten wir niemand, so Paulo in seinem verstandseiner Auslegung. nachredet, verdammen.

Denn da Paulus Rom. iiij aus dem Dauid von VERGEBVNG der Suͤnden
predigen wil, spricht er: Nach welcher weise Dauid sagt, das die seligkeit sey allein des Menschen, welchem Gott zurechnet die GERECHTIGKEIT, on zuthun der wercke etc.Vgl. Röm 4,6; Ps 32,1f. Was er hie nennet GERECHTIGKEIT, das nennet er darnach mit dem Dauid VERGEBVNG der Suͤnden. Selig sind die (spricht er), welchen jre vngerechtigkeit vergeben vnd welchen jre Suͤn
de bedecket sind. Selig ist der man, welchem Gott keine Suͤnde zurechnet.Vgl. Röm 4,7f; Ps 32,1f.

Aus dem andern Wirtenbergischen bedencken:Die Württemberger verfassten auf Bitten Herzog Albrechts noch ein zweites Gutachten, dass auf den 1. Juni 1552 datiert. Vgl. dazu Wengert, Defending Faith, 201–205.

Diese kursiv gesetzte Passage wurde wieder abgedruckt bei: Ausschreiben Albrechts (1553) (VD 16 P 4780), L 4r–v.Actorum xiij: Es sey euch kundt, lieben Bruͤder, das euch verkuͤndigt wird vergebung der Suͤnden durch diesen Jhesum vnd von dem allen, von welchem jr nicht kondtet im gesetz Mosi GERECHT werden.Vgl. Act 13,38.

Vnd Psalm xxxij: Selig sind die, welchen jre vngerechtigkeit vergeben sind vnnd welchen jre Suͤnde bedecket sind. Selig ist der man, welchem Gott keine Suͤnde zurechnet.Vgl. Ps 32,1f.

Diesen Spruch sihet S. Paulus, Rom. iiij,Vgl. Röm 4,6–8. gantz fleissig an, redet dem Dauid nach, das die vergebung der Suͤnden vnd vngerechtigkeit sey vnser
seligkeit. Vnnd das KEINE SVNDE zurechnen sey als viel, als die GERECHTIGKEIT zurechnen, vnd spricht also: Nach welcher weis auch Dauid sagt, das die seligkeit sey allein des Menschen, welchem Gott zurechnet die gerechtigkeit, on zuthun der wercke.Vgl. Röm 4,6. Vnnd erzelet gleich darauff den spruch Dauids. Daraus offenbarlich verstanden wird, das die
vngerechtigkeit VERGEBEN sey die GERECHTIGKEIT ZURECHNEN, vnd demnach VERGEBUNG der Suͤnden GERECHTIGKEIT genandt wird, wie Paulus auch hernachAusschreiben Albrechts (1553) (VD 16 P 4780), L 4v: zuuor. sagt: Wir werden one verdienst gerecht aus seiner gnaden durch den glauben, in seinem blut, damit er seine gerechtigkeit darbiete, in dem, das er Suͤnde
vergibt.Vgl. Röm 3,24f.

Hiemit gibt dennoch S. Paulus zimlichin wohl gesetzten Worten. zu uerstehen, das er durch Gottes GERECHTIGKEIT die VERGEBVNG der vngerechtigkeit verstanden wil haben, wie wir auch im VORIGEN scriptoGemeint ist das Gutachten vom 5. Dezember 1551. Vgl. Anm. 140. angezeigt haben.

Gedruckt zu Magdeburgk durch Michael Lotther,Zu ihm vgl. Reske, Buchdrucker, 580. Anno 1553.