Vnd was darffsbedarf es. doch viel wort? Jst die wesentli-che gerechtigkeit
Christi vnser Rechtfertigung, So folgt vngezweiffelt, das der Son Gottes vergeblich ist mensch worden. Denn das der zweierley nutz, den Osiander erzelet, vnnoͤtig sey, kan leichtlich beweiset werden. Quid uero multis opus est? Non obscure profecto sequetur, Quod si substantialis Nota beneChristi iusticia est nostra iustificatio, frustra filius Dei incarnatus sit. Nam quos duos usus carnis Christi Osiander commemorat, illos non esse necessarios facile monstrari potest. s:Erstlich sagt er, die wesentliche gerechtigkeit des Sons sey vns durch Christus’
leiden vom Vater erkaufft. Nu ist ja on alle not, das man die gerechtigkeit keuffe, die vns der Vater sonst freiwillig aus gnaden durch den Son geschenckt hat, wie die schrifft offtmals zeuget. Was einem geschenckt wird, das darffbraucht (er nicht) zu er oder ein ander von seinetwegen nicht keuffen. Jst vns der Son vom Vater geschenckt Vnd wir solten durch seine wesentliche gerechtigkeit gerecht
werden, So hetten wir bald koͤnnen gerecht werden, on die menschwerdung Christi. Denn solche Goͤtliche gerechtigkeit, vns eingegossen, hette alsbald alle Suͤnde auffheben vnd vertilgen vnd vns die gerechtigkeit geben koͤnnen, Wie Osiander schreibt, das die wesentliche gerechtigkeit Gottes, in vnseren hertzen eingegossen, dermassen verfinstere vnd verberge vnsere
suͤnde, gleich als wenn in einem gantzen Meer nur ein troͤpflein vnreins wassers were.Vgl. Osiander, OGA 10, 268,23–270,5 (Von dem einigen Mittler, 1551).Primum dicit ille per passionem Christi emptam nobis esse a patre filij substantialem iusticiam. Atqui nihil est necesse emere illam iusticiam, cum alioqui nobis pater filium suum ultro donauerit, ut scriptura saepius testatur. Quod alicui donatur, di eum emere, uel alium nomine eius, necesse non est. Si nobis a patre donatus est filius, nosque eius substantiali iusticia iustificari debebamus, poteramus statim omissa incarnatione iusti effici. Diuina enim illa iusticia nobis infusa poterat statim funditus tollere ac abolere peccata, et reddere nobis iusticiam. Zum andern sagt er, Christus habe darumb muͤssen mensch werden, auff das wir mit der that wuͤrden Bein von seinem Bein vnd fleisch von seinem fleisch, das auch Christi menscheit in vns wone vnd Christi Gott heit jhre
gerechtigkeit vns also mitteilete, wie die Gottheit der menscheit Christi mitteilet.B; C: mittelet. Welchs auch nicht noͤtig ist, wie daraus zu sehen. Denn Abraham vnd alle, die vor Christus’ menschwerdung geboren sind, sind nicht mit der that gebein von seinem gebein gewest, etc. Denn Christus’ fleisch war zur selben zeit noch nicht. Vnd sie sind gleichwol durch Christum gerecht
worden. Drumb hat Christus dieser Vrsach halben nicht duͤrffen mensch werden. nicht Mensch zu werden brauchen, nicht Mensch werden müssen. Vnd folgt derhalben notwendig, wenn wir durch die wesentliche gerechtigkeit der Gottheit Christi sind gerechtfer-tiget worden vnd nicht durch seinen gehorsam, leiden vnd erfuͤllung des Gesetzes, So ist Christus vergeblich mensch worden.
Secundo, dicit Christum ideo oportuisse incarnari, quo cum reuera seu re ipsa fieremus os de osse eius, et caro de carne, Tunc Christi diuinitas sic nobis suam iusticiam communicaret, sicut suae carni communicat. Quod itidem non necesse fuisse fieri, inde probatur, Quia Abraham et omnes ante Christum non fuerunt reuera os de osse etc. Nam nondum erat caro Christi, et tamen sunt per Christum iustificari. Non ergo necesse fuit propterea Christum incarnari. Sequitur ergo necessario, quod si diuinitatis Christi essentiali iusticia iustificati sumus, Ergo frustra Christus incarnatus sit. Bjsher hab ich nicht mit wenig noch vngewissen Argumenten vnd zeugnissen der Schrifft beweiset, das vnsere Gerechtigkeit darinne stehe, das vnsere Suͤnde auff Christum gelegt vnd Christi gehorsam oder Gerechtigkeit vnd gnugthuung vns zugerechnet wird, dadurch wir vergebung der Suͤnden, Gerechtigkeit vnd endlich die Kindschafft erlangen. Nu wil ich mit Christus’
huͤlff auch auff des Osianders Argument antworten vnd erstlich sagen von den spruͤchen, die er aus der Schrifft anzeucht, Darnach von D. Martini Luthers zeugnissen.Hactenus non paucis argumentis, et scripturae testimonijs probaui, nostram iusticiam proprie in eo consistere, quod nostra peccata in Christum transferuntur, et Christi obedientia seu iusticia et satisfactio nobis imputatur. Qua ratione et remissionem peccatorum et ampliorem iusticiam, et denique ipsam adoptionem assequimur. Iam Christo iuuante ad ipsa Osiandri argumenta respondebimus. Primum dicemus de locis scriptura citatis, postea de D. Mart. Luth. testimonijs.
Confutatio.
Er gruͤndet sich fast vornemlich auff dis Argument, das im Jer emia am 23.vnd 33. Cap. vnd in Paulo Jehoua (der HERR) vnsere Gerechtigkeit genant wird,Vgl. Jer 23,6; 33,16; I Kor 1,30. Welcher name, weil er Gottes eigner name ist, so werde in zweiffel dadurch angezeigt, das Jeremias vnd S. Paulus die Goͤttliche natur Christi fuͤr vnsere Gerechtigkeit halten. Auff dis schweerfellige Argument, wie Osiander meinet, ist eine leichte vnd warhafftige antwort, das die namen, die
eigentlich der gantzen Gottheit zugehoͤren, als da sind Got, Jehoua, HERR, Vnd die der andern Person zugehoͤren, als da sind Gottes Son, Das Wort etc., Nachdem das Wort ist fleisch worden, dem gantzen Christo gegeben werden, Wie Jeremias am 23. Cap. dem Gewechs Dauids den namen Jehoua klerlich gibt,Vgl. Jer 23,6. So doch Christus on zweiffel nicht die Gottheit,
sonder die Menscheit von Dauid genomen hat. Praecipue ferme Osiander illi argumento innititur, quod apud Ieremiam Loci Hiere. 23.3323 et 33 et Paul. Iehoua appellatur iusticia nostra. Quod nomen cum proprie Deum significet, haud dubie indicet Ier. et Paul. diuinitatem Christi esse nostram iusticiam. Ad quod tam ualidum argumentum facilis et uera responsio est. Quod nomina propria Nomina propria diuinitati toti personae Christi attribuuntur.toti diuinitati, ut sunt Deus, Iehoua, et propria secundae personae, ut sunt, filius Dei, uerbum etc. postquam uerbum caro factum est, sint toti Christo attributa, sicut in Cap. 23. Ieremias clare germini Dauidis tribuit nomen Iehoua, cum Christus haud dubie non diuinitatem sed humanitatem ex Dauide trahat. Drumb thut Jeremias in keinen weg der Gottheit Christi allein vnsere Gerechtigkeit zulegen, sonder dem gantzen Christo, Ja im 23. vnd 33. Capit. legt er deutlich vnd ausdruͤcklich vnsere Gerechtigkeit zu dem Gewechs Dauids vnd spricht Cap. 23: Sihe, es koͤmpt die zeit, spricht der HERR, das
ich dem Dauid ein recht Gewechs erwecken wil vnd sol ein Koͤnig sein, der wol regieren wird vnd Recht vnd Gerechtigkeit auff erden anrichten. Zu desselbigen zeit sol Juda geholffen werden vnd Jsrael sicher wonen. Vnd dis wird sein name sein, das mann jhn nennen wird der HERR vnser Gerechtigkeit.Vgl. Jer 23,5f. Hie wird der name Jehoua (HERR) dem Gewechs Dauids
klerlich gegeben vnd jhm wird gerechtigkeit zugelegt, nicht so fast seiner person halben als seines Ampts vnd eusserlichen thaten halben, das er in seinem Regiment vnd Ampt recht handeln vnd die gerechtigkeit foͤrdern oder, wie im Text steht, anrichten wird. Diese Wort stehen fast gleicherweise im 33. cap., on allein, das fuͤr das wort gerecht gewechs an jenem ort
stehet gewechs der gerechtigkeit,Vgl. Jer 33,15f. Welche rede etwas klerer anzeigt, das das Gewechs Dauids werde sein ein Stifter der gerechtigkeit vnd das der Prophet nicht von einer jhm anhengenden oder, so zu reden: persoͤnlichen, sonder von einer erworbenen oder Amptlichen gerechtigkeit redet.Nequaquam ergo Ieremias soli diuinitati Christi nostram iusticiam tribuit, sed toti Christo. Quin potius illi germini Dauidis 23. et 33. Cap. diserte et expresse iusticiam tribuit, inquiens 23. Ecce dies ueniunt, dicit Dominus, et excitabo Dauidi germen iustum, et regnabit Rex, et prudenter aget, et faciet iudicium et iusticiam in terra. In diebus illis saluabitur Iuda, et Israel habitabit secure, et hoc est nomen quo uocabunt eum Iehoua iusticia nostra. Hic clare non Iehoua tribuitur germini Dauidis, et ipsi tribuitur iusticia, non tam quod ad suam personam attinet, quam quod ad officium et externas actiones, quod in suo regimine et officio iuste aget, et iusticiam promouebit. Eadem ferme prorsus uerba sunt et 33. Cap. nisi quod pro germine iusto ponit germen iusticiae, quae phrasis paulo clarius notat germen Dauidis fore authorem iusticiae, et non proprie inhaerentem, sed effectam iusticiam indicat. Solchs kan von dem spruch Pauli 1. Corint. 1. auch gesagt werden, das nem
lich das wort Jehoua (HERR) dem gantzen Christo zugeeignet vnd gegeben wird. Wiewol im spruch Wer sich rhuͤmet, der rhuͤme sich des HERRNI Kor 1,31; II Kor 10,17. das wort HERR (Jehoua) nicht weniger auff Gott, von welchem vns Christus worden ist Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligkeit vnd Erloͤsung, als auff Christum kan gezogen werden. Denn auch der spruch Jeremie am 9. kan nicht
weniger von der Gottheit des Vaters vnd des heiligen Geistes als von der Gottheit des Sons verstanden werden.Vgl. Jer 9,22f.Idem dici prorsus et de loco Paul. 1. Cor. 1. posset. Quod scilicet nomen Iehoua toti Christo tribuatur. Quanquam in loco Pauli, ut qui gloriatur in Domino glorietur, nomen Domini non minus referri potest ad Deum, a quo nobis Christus factus est sapientia, iusticia, sanctificatio, et redemptio quam ad ipsum Christum. Nam et locum Ier. 9. non magis de diuinitate filij, quam de patris aut Spiritus Sancti, aut etiam totius Deitatis intelligi necesse est.
Aber was ists von noͤten, das ich mich viel daruͤber bemuͤhe, zu beweisen, das der name Jehoua nicht allein der Gotheit, sondern auch dem gantzen Christo zugeeigent wird vnd gehoͤret? Hat doch Osiander selber In
Annotationibus vber seine Harmonias mit diesen worten klerlich geschrieben vnd gesatzt, das das wort Jehoua der menscheit Christi auch gehoͤre, da er spricht: Quibus uerbis Dauid hominem quendam, non modo mortalem, uerum etiam mortuum, hoc sacratissimo Dei nomine Iehoua dignatus est: eumque a Domino e media morte eripiendum et resuscitandum praedixit.Vgl. ANNOTATIONVM || IN HARMONIAM EVANGELICAM || LIBER VNVS, IN QVO QVVM ORDINIS IN EO- || dem opere obseruati ratio idoneis argumentis redditur, || tum uero difficilia quaedam loca ante a nemi- || ne satis commode enarrata, γνησίως || explicantur: autore Andrea || Osiandro. [Im Kolophon: BASILEAE EX OFFICINA FROBENIANA PER HIE- || RONYMVM FROBENIVM ET NICOLAVM || EPISCOPIVM MENSE AVGVSTO || M. D. XXXVII.] (VD 16 B 4626), Bl. aa5v (vgl. OGA 6, 320,12–15).
Das ist: mit welchen worten Dauid diesen allerheiligsten namen Jehoua nicht allein einem sterblichen, sondern auch einem gestorbenen menschen zugeeignet vnd zuuor verkuͤndiget hat, das jhn Gott mitten aus dem Tode erloͤsen vnd erwecken wuͤrde.
Alhie zeiget Osiander ja klerlich gnug an, das dieser name Jehoua auch die
menscheit Christi bedeute vnd begreiffe. Denn was ist eigentlich ein sterblicher vnd todter mensch anders denn menscheit? Es ist ja nicht die Goͤttheit allein? Jst derhalben gros wunder, das Osiander jtzt so hefftig fichtet vnd mit vollen wangen schreiet vnd bruͤllet, der name Jehoua gehoͤre allein der Gottheit Christi, darumb werden wir auch allein durch das wesen Gottes
gerecht.
Aber was darff man sich viel verwundern? Osiander ist ein stoltzer, frecher geist, der durch die schrifft hin vnd her leufft wie eine Saw durch einen wolgebautenwohlangebauten, zweckmäßig angelegten. Vgl. Art. wohlangebaut, in: DWb 30, 1075; wohlgebaut ist in dieser Bedeutung in DWb nicht belegt, vgl. Art. wohlgebaut, in: DWb 30, 1119. vnd sehr lustigenansehnlichen, lieblichen, angenehmen. Vgl. Art. lustig 4.a), in: DWb 12, 1340f. Garten, vnd legtC; B: leget. sie jtzt also, jtzt anders aus, zureist,zerreist. zustuͤmpeltverkürzt, verunstaltet. Vgl. Art. zerstümmeln, in: DWb 31, 787. vnd fuͤret sie, wie es jhm gefellig ist vnd gut
duͤnckt.
er sey nach seiner Gotheit oder nach seiner menscheit, oder auch was fuͤr Tuͤgende er an sich habe, Sonder was er Vns sey, das ist: was er Vns ausrichtet, was er als ein Vrsacher vns zuwegen bringt. Sagt nicht: Christus ist Gerechtigkeit, Christus ist Weisheit, Christus ist Heiligung, Christus ist Erloͤsung. Denn diese wort Gerechtigkeit, weisheit etc. bedeuten alhie
nicht eine qualitatem, was Christus fur eine art an sich habe, Sonder eine actionem oder effectum, was er Thut, Ausrichtet vnd in vns wircket. Ja die zwey woͤrter Sanctificatio et Redemptio, heiligung vnd Erloͤsung, sunt nomina uerbalia seu actionum, bedeuten That vnd nicht Substantiam oder qualitatem. Das also, wenn sie gleich der Gotheit zugelegt wuͤrden, so
koͤnten sie gleichwol nicht wesentlich dauon verstanden werden. Denn Gott ist ja nicht eine Action oder wirckung.Quanquam Osiander et in eo ibi nimium iniustus est, quod Locus 1Cor. 1.uerba sapientia, iusticia, et caetera uult essentialiter praedicari de Christo, et non effectualiter, cum ibi non disserat Paulus de essentia Christi, quid ipse sit uel secundum humanitatem uel diuinitatem, aut etiam quas in se uirtutes habeat, sed quid nobis sit, id est, quem nobis praestet effectum, cuiusque rei nobis causa sit. Non dicit, Christus est iusticia, est sapientia, est sanctificatio, quae posteriora uerba insuper sunt actionum, non qualitatis nomina, ut etiamsi diuinitati tribuerentur, tamen non possent essentialiter de ea dici. Deus enim certe non est actio. Bey diesem spruch Pauli ist auch das zu mercken, das Osiander Fa. 27 vnsere Erloͤsung dem Leiden Christi zuschreibt, Vgl. Osiander, OGA 10, 110,8–10 (Von dem einigen Mittler, 1551). Aber in auslegung dieses orts Facie 202 schreibt er sie der Gottheit zu.Vgl. Osiander, OGA 10, 280,4–6 (Von dem einigen Mittler, 1551).
Obseruandum quoque in hoc Pauli loco et illud est, quod Osiander facie 27. redemptionem nostram passioni Christi tribuit, in huius uero loci explicatione facie 202. diuinitati eandem ascribit. Eben solcher vnbilligkeit braucht er hie, da er die Gerechtigkeit, die bey dem namen HERR, Jehoua, stehet, allein der Gottheit Christi zuschreibt, Gleich als stritte einer, dieweil dem Fleisch vnd Blut, Jtem dem Gewechs Dauids, Jtem des menschen Sone vnsere Gerechtigkeit vnd heil zugelegt wird vnd diese namen alzumal Christo eigentlich nach seiner Menscheit zugehoͤren,
Das wir derhalben allein durch die menscheit Christi Gerecht vnd Selig wurden vnd nicht auch durch seine Gottheit. So doch diese namen gleich so wol dem gantzen Christo gegeben werden als diese: das Wort, Gottes Son, Jehoua, HERR, Vnd gleich so warhafftig gesagt wird: Jehoua, der HERR, ist fleisch worden als das Wort ist fleisch worden.
Prorsus uero consimiliter hic est iniquus Osiander, dum quae beneficia Iehoua tribuuntur, soli diuinitati Christi uendicat, ac si quis contenderet, quoniam sanguini et carni, item germini Dauidis, item filio hominis iustificatio et salus nostra tribuitur, eaque nomina Christo proprie secundum eius humanitatem conueniunt, Ergo nos sola humanitate Christi iustificari et saluari, non etiam diuinitate. Atqui haec nomina perinde toti Christo tribuuntur, ac uerbum, filius Dei, et Iehoua, potestque perinde uere dici, Iehoua caro factum est, ut, uerbum caro factum est. Gott hat on zweiffel die zwo Naturn nicht on sonderliche vrsach so hart miteinander in einer Person verei-nigt, das sie das einige werck, nemlich die erloͤsung des menschlichen geschlechts, ausrichteten oder beide zugleich vnd zusammen vnser heil erwuͤrben. Drumb solten wir ja nicht durch menschliche weisheit diese beide naturn in erwerbung vnserer seligkeit von
einander reissen vnd ein teil dieses wercks der Menscheit, das ander der Gottheit zuschreiben.Nimirum non sine causa tanta coniunctione Deus duas naturas in una persona coniunxit ad efficiendum unicum opus, nempe salutem humani generis, seu ut simul salutem nostram operarentur. Non certe ergo debemus nos prophana sapientia in peragenda salute nostra eas distrahere, partemque operis humanitati, partem uero diuiniati tribuere. Bjsher hab ich gesagt von dem beweis, den er fuͤrt aus dem wort Jehoua (HERR) aus dem spruch 1. Corint. 1. Jere. 9, 23, 33.Vgl. I Kor 1,31; Jer 9,22f; 23,5f; 33,15f. Nu wil ich auch sagen von der besondern Rede Gottes Gerechtigkeit, dauon auch droben meldung
geschehen. Denn von dem Argument, die Gottheit Christi ist in vns vnd vnser, Drumb etc., wil ich gar am ende sagen.Hactenus dixi de argumento sumpto a nomine Iehoua ex loco 1. Corinth. 1. Iere. 9. 23. et 33. petito iam de phrasi justiciaaus: usticia. Dei dicam, de qua tamen et superius dixi. Nam de argumento, Diuinitas Christi est in nobis, et nostra igitur, etc. in fine prorsus dicemus. s:Facie 155 vnd etlichen folgenden bletlein macht Osiander viel wort von diesem seinem Argument, Das die Schrifft die Gerechtigkeit, dadurch wir fuͤr Gott gerecht sein, Gottes Gerechtigkeit nennet, vnd das solche Rede eigent
lich von der wesentlichen gerechtigkeit Gottes zu uerstehen sey, Derhalben etc.Vgl. Osiander, OGA 10, 240,13–35 (Von dem einigen Mittler, 1551).Osiander facie 155. et aliquot sequentibus multum exaggerat illud suum argumentum, quod scriptura iusticiam, qua coram Deo iusti sumus, appellet iusticiam Dei, et haec phrasis proprie significet iusticiam Essentialem Dei, Ergo etc. Auff dis argument ist bereit droben geantwortet, da ich gesagt habe, das S. Paulus zun Roͤmern am 3. dieselbe gerechtigkeit Gottes setzt in vergebung der suͤnden, als er spricht: Damit er die gerechtigkeit, die fur jhm gilt, dar
biete in dem, das er vergibt die suͤnde.Vgl. Röm 3,25. Jtem zun Roͤmern am 4., Da wir angezeigt, das Paulus den suͤnder rechtfertigen vnd die gerechtigkeit jhm zurechnen, nichts anders heisse, denn die suͤnde vergeben, bedecken vnd nicht zurechnen. Also thut Jeremias Cap. 23 vnd 33 die gerechtigkeit, die zur zeit Messiae regieren wird, dem Gewechs Dauids klerlich zuschreiben Vnd redt
trawn nicht von der gerechtigkeit an seiner person, darin er werde gerecht sein nach seiner menscheit oder nach seiner Gotheit, sonder die er stifften vnd anrichten wird in seinem Regiment vnd Ampte. Denn der Prophet sagt an beiden orten: Er wird Recht vnd Gerechtigkeit anrichten.Vgl. Jer 23,5; 33,15. Welche Rede, wiewol sie vom regiment einesB, C: eine. Weltlichen Koͤnigs genommen ist, So
bedeut sie doch hie an diesem ort eigentlich die geistliche Gerechtigkeit Christi, die er seinem Ampt solte uͤben, anrichten vnd ausrichten.Ad quod argumentum iam superius respondimus, cum diximus Paulum Rom. 3. illam Dei iusticiam collocare in remissione peccatorum, cum inquit, ad ostensionem iusticiae Dei per remissionem peccatorum, item Ro. 4. Vbi ostendimus eum dicere, justificareaus: ustificare. peccatorem, et iusticiam ei imputare, esse remittere, tegere seu non imputare peccata. Sic et Ieremiaeaus: eremiae. 23. et 33. clare iusticiam, quae Messiae tempore regnabit, tribuit germini Dauid, et quidem non loquitur de eius personali iusticia, qua ipse sit iustus futurus, uel secundum humanitatem, uel secundum diuinitatem, Sed cuius author erit in suo regimine et officio. Inquit enim in utroque loco Propheta: faciet iudicium et iusticiam. Quae phrasis etsi a politici regis officio desumpta est, Tamen hic proprie spiritualem Christi iusticiam significat, quam ille in suo officio et functione erat exercitaturus, excitaturus, effecturus, et nobis acquisiturus. Weil nu die Schrifft selbs erkleret, was sie Gottes vnd vnsere gerechtigkeit heisse, Was ist denn von noͤten, das mann aus tunckelheitB; C: tuckelheit. der Rede die Sach verfinstere? Es wird ia gewislich niemand klerlicher noch warhafftiger anzei
gen, was Gottes Gerechtigkeit sey, dadurch er vns rechtfertigt, denn der geist des HERRN selbs, der durch Paulum solchs geredt hat.Quare cum scriptura ipsa declaret, quid iusticiam Dei et nostram uocet, quid est necesse ex phrasis obscuritate rem ipsam obscurare, haud dubie nemo clarius, ueriusue exponet, quid sit Dei iusticia, qua nos iustificat, quam ipsemet Spiritus Domini. Afferemus de hoc argumento postea Luth. sententiam.
Augustinus sagt im buch de spiritu et litera, das die gerechtigkeit Gottes also genennet werde, gleich wie man sagt, Salus Dei, Das heil Gottes. Denn alles beides werde von Gott gegeben vnd komme von jhm her.Vgl. Augustinus, De spiritu et littera XI (18): Haec est justitia Dei, quae in Testamento Veteri velata, in Novo revelatur: quae ideo justitia Dei dicitur, quod impertiendo eam justos facit; sicut Domini est salus, qua salvos facit. Auff diese weise
redt er auch vber Exodum von der gerechtigkeit Gottes. Hie von wollen wir darnach D. Luthers meinung auch hoͤren.
spricht: Got ist die liebe,Vgl. I Joh 4,16. wil nicht, das Gottes wesen liebe sey, sonder, wie er oben am selben ort sagt, das die liebe aus Gott sey, das ist: das Gott der liebe hold sey vnd ein Stiffter sey der liebe. Jtem, das er auch vns arme Suͤnder vmb Christus’ willen so sehr liebet, das er vol eitel liebe, ia die liebe selbst billich geheissen mag werden vnd sol, etc., dergleichen Reden bey den
Juͤden vnd in allen sprachen sehr gemein sind.Deus est Charitas.Multum etiam utitur illo argumento, Deus est charitas essentialiter, ea uero legi satisfacit et est iusticia. Ergo essentiali Dei iusticia iusti sumus. Verum Ioannes cum Deum dicit esse charitatem, non hoc uult, quod essentia Dei sit charitas, Sed id uult quod ibidem inquit, charitatem esse ex Deo, id est, Deum amare charitatem, autorem esse charitatis etc. Quales phrases et apud Hebraeos et omnes gentes plurimae sunt. Denn sonst, wenn on die wesentliche liebe Christi dem Gesetz nicht kan gnug geschehen, so wuͤrde erfolgen, das der Mensch, wenn er gleich nicht gefallen were, ja auch die Engel selbs eines Mitlers beduͤrfften, Vnd das derhalben Christus nicht komen sey, die werck des Teuffels zu
uerstoͤren, wie sonst die schrifft zeugt.Vgl. I Joh 3,8. Denn wenn gleich kein Teuffels werck were, So were Christus doch kommen, wie sich Osiander in einem andern Buͤchlein vernemen lest.Vgl. oben Anm. 328 zum deutschen Text.Alioqui si sine essentiali charitate Christi non potest legi satisfieri, Sequitur et hominem non lapsum, et etiam ipsos angelos Mediatore indigere, ideoque Christum non uenisse propter destructionem operum diaboli, ut alioqui scriptura testatur. Nam etamsi nullum opus Diaboli esset, tamen uenturus fuisset Christus, ut sentit Osiander in alio quodam libello. Djesem spruch ist nicht vngleich, der Joannis am 17. stehet: Das ist aber das ewige leben, das sie dich, das du alleine warer Gott bist, vnd den du gesand
hast, Jhesu Christ, erkennen.Joh 17,3. Darauff Osiander auch sehr trotzt. So doch die eigentliche deutung ist, das solchs, nemlich die erkentnis etc., die Vrsach vnd Mittel sey, dadurch wir zum leben komen. Dergleichen viel spruͤche mehr sein, die eben solche Rede gebrauchen, als dieser: Das ist aber das Gericht, das das Liecht in die Welt komen ist, vnd die menschen haben die
Finsternis geliebt mehr denn das Liecht,Joh 3,19. das ist: dis ist die Vrsach des Gerichts oder der Verdamnis. Esaiae. 28: Das ist die ruge, Erquicket die muͤden etc.Jes 28,12. Das ist: dis ist eine Vrsach der ruge. 1. Johan. 5: Vnser glaube ist der sieg, der die Welt vberwunden hat,I Joh 5,4. das ist: eine vrsach des siegs. Also werden sehr offt in Ebraischer sprach die woͤrterB; C: woͤter. des Erkentnis
gebraucht, Synecdochice,Vgl. oben Anm. 172 zum deutschen Text. fuͤr etwas, das dem erkentnis folgt.Haec est uita aeterna etc.Non absimilis est huic et illa locutio Ioan. 17. Haec est uita, ut te solum agnoscant, et quem misisti Iesum Christum, qua ille itidem non parum fidit, cum proprie significet, haec est causa et medium ad uitam. Quales plurimae sunt, ut illa: Hoc est iudicium, quod lux uenit in mundum. Sed homines magis dilexerunt tenebras, quam lucem, id est, causa iudicij seu damnationis. Esa. 28. Haec est requies, reficite lassum, id est, causa requiei. 1. Ioan. 5. Haec est uictoria quae uincit mundum, fides nostra, id est, causa uictoriae. Sic et saepissime alias per Synecdochen apud Hebraeos nomen noticiae ponitur pro re noticiam sequente. Sicut hic noticia dicitur esse uita. Ein solch gantz vnbestendig Argument ist auch dis, aus der verbluͤmbten rede zun Roͤmern am 10. genomen: Was sagt aber die gerechtigkeit aus dem glauben?Vgl. Röm 10,6.8. Die gerechtigkeit redt, saget Osiander. Drumb mus sie etwas lebendiges vnd eine person sein etc. So doch an diesem ort das wort
Gerechtigkeit gesatzt wird fuͤr die lehr der Gerechtigkeit, das ist: fuͤrs Euangelium, vnd noch niemand jemals dran gezweiffelt hat, das dis eine verbluͤmbte rede vnd TropusForm uneigentlicher Rede. Vgl. Rudolf Drux, Art. Tropus, in: HWRh 9 (2009), 809-830. sey.Tale infirmissimum argumentum sumptum ex figurata locutione et illud est ex Rom. 10. Sed quid dicit iusticia ex fide? Iusticia loquitur. Ergo oportet esse uiuens quiddam, et personam quandam etc. Cum ibi iusticia ponatur pro doctrina iusticiae, id est, Euangelio, nec quisquam unquam dubitauerit, quin tropus insit. Fa. 175, eben in auslegung dieses spruchs, ist auch dis vnrecht, das Osiander sagt: Hie bezeugt Moses, das die gerechtigkeit des glaubens sey das wort
Gottes Gott selbs etc.Vgl. Osiander, OGA 10, 258,36–260,21 (Von dem einigen Mittler, 1551). Welchs ich nicht mercken kan, das es Moses oder Paulus am selben ort sage.Vgl. Röm 10,5–8. Denn Paulus legt nicht aus, zeucht auch nicht an den spruch Mose, sonder sihet nur auff die wort Mose. Moses redt eigentlich von der lehr des Gesetzes, Paulus aber von den lehr des Euangelij, als wolt er sagen: Moses lest sich wol hoͤren, das Gesetz sey leicht, darumb
das die Juͤden des gesetzes lehr bey sich hatten. Aber die lehr des Euangelij koͤnt mit viel besserm grunde mit solchen worten rhuͤmen, das jhre gerechtigkeit leicht were.In eiusdem loci explicatione facie 175. et illud falso dicitur ab Osiandro: Hie bezeuget Moses, das die gerechtigkeit des glaubens sei das wort Gottes, Gott selbst etc. Quod nos non possumus animaduertere in eo loco uel Mosis uel Pauli dici. Neque enim exponit aut citat locum Mosi Paulus, Sed tantum alludit ad uerbo Mosi. Moses proprie de doctrina legis loquitur, Paulus uero de doctrina Euangelij, quasi dicat Paulus, Moses quidem praedicat facilitatem legis, eo quod Iudaei apud se doctrinam legalem haberent. At doctrina fidei multo iustius illis uerbis posset suae iusticiae facilitatem praedicare.Peccat et in eo Osiander ibidem, quod uerba, Si quis fecerit ea uiuet in eis, politice exponit de politica impletione legis, et politicis Audacia Osiandri in torquendis dictis sacrae scripturae in alienum sensum.poenis, cum proprie de spirituali impletione legis coram Deo, deque uita aeterna loquantur. Si enim quis legi satisfacere posset, ille uere uiueret: opponit enim Paulus possibilitatem Euangelicae iusticiae impossibilitati legali. Osiander ist sehr hefftig in verbluͤmbten worten, gleich als muͤste man sie schlecht, einfeltig, on alle verbluͤmung verstehen, vnd widderumb in einfelti
gen, deudlichen worten, als muͤste man sie nicht in jrem einfeltigen, sonder in einem andern verbluͤmbten verstande annemen. Hieuon hab ich droben etliche Exempel gesetzt, als das dem Osiandro fleisch vnd blut die Gottheit Christi bedeuten mus.Satis uehemens est Osiander tum in figurate dictis, tanquam proprie acceptis exponendis, tum contra in proprijs ad figuram trahendis, cuius aliquot exempla superius ostendi, ut cum caro et sanguis ei diuinitatem Christi significant.
uͤa. 209 seines bekentnis, in den worten Johannis: Ich bin das Brot des lebens,
vnd mein Fleisch ist eine ware speise,Vgl. Joh 6,35.48.55. will Osiander haben, das das wort Caro, fleisch, die Gotheit bedeute.Vgl. Osiander, OGA 10, 294,19–21 (Von dem einigen Mittler, 1551). Aber in der disputation, propositione 57 vnd 58, deutet er denselbigen ort auff die menscheit Christi.Vgl. Osiander, OGA 9, 440,11–16 (Disputatio de iustificatione, 1550, Thesen 57f) – OGA 9, 441,13–18 (Eine Disputation von der Rechtfertigung, 1551, Thesen 57f). Also sehen wir, das er der schrifft sehr kuͤnlich vnd freuentlich misbraucht vnd leget sie aus, wie es jhme, seinen Jrthumb zu bestetigen, nuͤtz vnd bequemlich ist.
von boͤsen vnd Gottlosen menschen errettet werde, Welchs durch die (so zu reden) rechte Gerechtigkeit oder durch die Legalem iusticiam, die einem jeden das seine gibt, geschihet, vnd nicht durch die Euangelische, die den Gottlosen vmb sonst rechtfertigt.Citat quoque aliquoties Osiander ad suae sententiae confirmationem Psal. 71 in quo saepius petat psaltes, se a Deo liberari in iusticia, uel propter iusticiam, quasi ibi etiam indicetur essentialis Dei iusticia, qua nos iustificet. Psalmus 7. In iusticia tua libera me.Verum non agere eum ibi de ea iusticia ex eo apparet, quia flagitat se pium liberari a malis et impijs hominibus, quod per illam, ut ita dicam, iustam iusticiam, seu per iusticiam suum cuique dantem fit, et non per gratis impium iustificantem. Er behilfft sich auch sehr viel mit dem spruch Dani. 9: Die ewige Ge
rechtigkeit wird gebracht werden.Vgl. Dan 9,24. Sagt, die wort gebracht werden zeigen one zweiffel an, das die Gerechtigkeit zuuor jrgent gewesen sey. Jtem, das wort Ewige zeige one zweiffel an, das dieselbe Gerechtigkeit sey, vnd sey derhalben einerley Substantz mit Gotte vnd Gott selbs.Iusticia aeternitatum. Dan. 9.Innititur etiam plurimum dicto Danielis cap. 9: Afferetur iusticia aeternitatum.Vgl. Dan 9,24 (nicht Vg). Dicit uerbum afferetur haud dubie significare antea eam fuisse, item uocem aternitatum haud dubie indicare illam iusticiam esse aeternam, atque ideo substantialem Deo et ipsum Deum. Antwort auffs erst: Es ist wunder, das ein solcher grosser man mit solchen
losennichtsnutzigen. Vgl. Art. lose II.4), in: DWb 12, 1183f. possenScherzen, Narreteien. Vgl. Art. Posse, m. 2.b), in: DWb 13, 2013f. ein solch gros ding beweisen wil. Denn fur das wort wird gebracht stehet im Ebreischen HABI,הָבׅיא (Inf. cs. hiph. zu בוא [gehen] = bringen, hineinführen). welchs sehr offt in der Schrifft stehet von solchen dingen, die erstlich anfahen zu sein oder entspringen, als 1. Reg. 1 stehet offt: Jch wil vngluͤck bringen.Vgl. I Reg 21,21[!]. Welchs nicht anzeigt, das das vngluͤck oder die straff, die Gott dem Ahab anlegen wolt, ewig gewesen sey.
Sonder heist eben so viel als: ich wil schaffen, wil erregen. Eben solcher rede vnd wort braucht auch Jeremias an viel orten Vnd stehet auch sonst oft in der heiligen Schrifft gleich auff solche weise.Resp.Responsio. ad primum: Mirum esse ex tam imbecillibus argumentis tantum uirum, rem tantam probare uelle. Nam in Hebraeo pro afferetur est ְהָבׅיא,Inf. cs. hiph. zu בוא (gehen, kommen)= bringen, hineinführen, kommen lassen. quod infinitis pene uicibus in sacris literis dicitur de ijs rebus, quae tunc primum fiunt seu oriuntur, ut 1. Regum 1: adducam malum,Vgl. I Reg 21,21 [!]: רָעָה (מֵבׅיא =) מֵבׅי. saepius est, quod non indicat illud malum seu poenas, quibus Ahabum Deus affecturus erat, ab aeterno fuisse, sed idem significat, ac efficiam, excitabo etc. eadem prorsus locutione ac uerbo et Ieremias aliquoties utitur, et alioqui passim in sacris literis inuenitur, in eodem plane usu. Weiter, das wort OLAMINעֺלָמׅים . bedeutet sehr offt stetz oder fuͤr vnd fuͤr vnd nicht ewig – Eine zeit, die wol ein anfang hat, aber kein ende, oder
doch die lang weret. Wie aus vielen Exempeln kan beweiset werden, als Esaie 45: Jsrael wird erloͤset werden salute perpetuitatum, fuͤr vnd fuͤr.Vgl. Jes 45,17. Hie redt er nicht schlecht von ewigen zeiten, sonder von allen Nachkommen fuͤr vnd fuͤr, als Psalm 77: Wird denn der Herr ewiglich verstossen vnd keine gnade mehr erzeigen?Vgl. Ps 77,8. Also stehet auch Ebre. 9, das Christus eine
ewigwerende erloͤsung erworben habe.Vgl. Hebr 9,12. Vnd sagt doch nicht, das die erloͤsung auch Gottes wesen sey. Drumb ist hieraus zu sehen, wie auff losem grunde Osianders meinung stehet.Porro uox עֺלָמׅים, non magis aeternitatum quam perpetuitatum uerti debet, ut ex plurimis exemplis probari potest. Esaiae 45 est: Israel sanabitur salute עֺלָמׅים, perpetuitatum, uel perpetua,Vgl. Jes 45,17: עֺלָמׅים תְּשוּעַת נוֺשַׁע יׅשְׂרָאֵל de omni perpetuitate in posterum, non simpliciter de omni aeternitate loquitur. Sic Psalmo 77.: Num in secula repellet Dominus, et non addet misereri amplius?Vgl. Ps 77,8: לׅרְצוֺת עוֺד וְלאׄ־יֺסׅיף אֲדֺנָי יׅזְנַח הַלְעוֹלָמׅים Sic ad Hebrae. 9. dicitur: Christus inuenisse redemptionem aeternam,Vgl. Hebr 9,12: αἰωνίαν λύτρωσιν εὑράμενος. non tamen significat redemptionem etiam esse essentiam Dei. Hinc ergo apparet, quam infirmis fundamentis Osiandri sententia innitatur. Er dringt auch hefftig auff den spruch Johannis: Jm Wort war das leben.Vgl. Joh 1,4. Auff diesen spruch kan meines erachtens mit warheit so geantwortet werden,
das, weil die Schrifft das leben, das ist die ewige Seligkeit, nicht allein der menscheit Christi – als in diesen spruͤchen: Mein fleisch ist das brot des lebens.Vgl. Joh 6,48.51. Mein fleisch wird gegeben fuͤr das leben der Welt.Vgl. Joh 6,51. – sonder auch seiner Gottheit zulegt, so sol mans derhalben beiden zugleich zulegen. Denn das wort ist fleisch worden.Vgl. Joh 1,14. Vnd des menschen Son ist Gottes Son.
Vrget quoque uehementer dictum Ioannis: In uerbo erat uita. Ad quem locum credo uerissime responderi posse, quod quoniam scriptura uitam, id est, aeternam salutem, tum humanitati Christi, ut caro mea est panis uitae, Item, Osiander distrahit naturas in Christo.caro mea datur pro mundi uita etc. tum et diuinitati tribuat, ergo utrique simul tribuenda sit. Nam uerbum caro factum est, et filius hominis est filius Dei. Warumb wollen wir denn so kuͤn sein, das wir aus eignem freuel die zwo Naturn Christi von einander reissen vnd einen teil vnserer erloͤssung der menscheit, den andern der Gottheit zuschreiben?Cur ergo nos prophana quadam audacia distractis Christi naturis partem salutis nostrae humanitati et partem diuinitati tribueremus?
Jm bekentnis Fa. 62Vgl. Osiander, OGA 10, 144,6–11 (Von dem einigen Mittler, 1551). vnd in den propositionibusVgl. Osiander, OGA 9, 426,4–428,2 (Disputatio de iustificatione, 1550, Thesen 1f) – OGA 9, 427,24–429,4 (Eine Disputation von der Rechtfertigung, 1551, Thesen 1f). dringt Osiander hart auff diesen Spruch Gala. 3: Wenn ein gesetz gegeben were, das da kuͤnde
lebendig machen, so keme die Gerechtigkeit warhafftig aus dem Gesetz.Gal 3,21. Hieraus vnterstehet er sich zu beweisen, das wer da kan lebendig machen, der kan auch gerecht machen. Weil aber das Gesetz nicht kan lebendig machen, So kan es auch nicht gerecht machen. Vnd sey derhalben die erfuͤllung des Gesetzes, auch die Christus gethan hat, nicht vnsere Gerechtigkeit.
Dagegen bezeuget die Schrifft, das des Gesetzes natur vnd art ist, das es kan lebendig machen, als da sie sagt zun Roͤmern am 7., Das Gesetz sey gut, gerecht, heilig, geistlich, gegeben zum leben.Vgl. Röm 7,12.10. Jtem, das sie so offt widderholet den Spruch: Wenn du das thust, so wirstu drinne leben.Vgl. Lev 18,5; Lk 10,28; Röm 10,5; Gal 3,12.
Wie denn, das S. Paulus zun Galat. am 3. sagt: Es koͤnne nicht lebendig ma
chen? Antwort: diese widderwertigewidersprüchliche, gegensätzliche, paradoxe. Vgl. Art. widerwärtig 3.d), in: DWb 29, 1370. rede loͤset er selbs auff, Rom. 8, als er sagt, das das Gesetz sey geschwecht worden durch vnser fleisch, welchs jhm nicht konte genug thun, Vnd Gott habe derhalben seinen Son senden muͤssen, das er das Gesetz erfuͤllete vnd also die Gerechtigkeit des Gesetzes vns gegeben wuͤrde.Vgl. Röm 8,3f. Jtem Rom. 7 loͤset er diesen knoten auch auff
mit diesen worten: Wir wissen zwar, das das Gesetz geistlich ist. Jch bin aber fleischlich.Vgl. Röm 7,14.
Drumb koͤnnen wir hieraus mit viel warhafftigerm grunde wi
dder den Osiander ein solch argument schliessen: Weil das Gesetz warhafftiglich koͤnte lebendig machen, wenn wir jhm genugtheten (wie jtzt bew
isen), So kan es
auch Gerecht machen – Wie sonst one meine beweisung die gantze Schrifft zeuget. Weil wir aber dem Gesetz nicht koͤnnen gnug thun, So ist Christus komen, welcher das Gesetz auffs aller volkoͤmlichste vnd vberfluͤssigste fuͤr vns erfuͤllet hat. Derhalben ist war vnd kan nymmermehr geleugnet werden, das das Gesetz vmb der vberreichlichen erfuͤllung Christi willen vns
warhafftig gerecht vnd lebendig macht.
Vnd was ist doch das Gesetz anders denn die ewige gerechtigkeit Gottes vnd Got selbs, welchem, so wir jhm gantz vnd volkoͤmlich gehorsam weren, so weren wir ewig reich vnd selig, Wie die Schrifft zeuget. Derhalben, wenn wir sagen, Das Gesetz macht lebendig vnd gerecht, so sagen wir nicht, das die
zwo steinerne TafelnVgl. Ex 24,12; 31,18; 32,15–19; 34,1–4.28. solchs thun, sonder Gott, der sich vnd seine Gerechtigkeit in den Zehen geboten hat offenbart.
Hjeher gehoͤrt auch das argument, das Osiander Fa. 65
Vgl. Osiander, OGA 10, 146,22–37 (Von dem einigen Mittler, 1551). so hefftig treibt, nemlich das Gerecht machen Gotte dem HERRN allein zugehoͤre vnd wir derhalben allein durch die wesentliche gerechtigkeit gerecht werden. Ant
wort: Es ist ein ander ding, wenn einer gerechtB: gerechtt; C: gerech. macht als ein Herr vnd Richter, vnd ein anders, wenn einer vrsach gibt zur gerechtigkeit.
Also zeugt die Schrifft, das Gott allein Richter ist auff erden, das Gotte allein zugehoͤre Rechtfertigen oder Absoluiren, Suͤnde vergeben vnd verdammen. Aber doch, wiewol sein eigen Ampt ist verdammen vnd wir gleichwol durch
vnsere Suͤnde vrsach geben zur verdammung, Jtem wiewol Gott allein Suͤnde vergibt vnd wir doch etwa vrsach geben zur vergebung der suͤnden, nicht allein durch vnser suͤndigen, Sonder auch durch begerung der gnade, Also auch wiewol des Almechtigen Gottes in seiner Maiestet Ampt ist Rechtfertigen oder Absoluiren vnd auch Lebendig machen, So hette vns doch
gebuͤret, zur Rechtfertigung, Absolution vnd auch zum Lebendigmachen vrsach zu geben durch steten, volkoͤmlichen gehorsam gegen dem Gesetz Gottes.
Weil wir aber solchs nicht haben thun koͤnnen, so ist Christus kommen, Welcher alles fuͤr vns auffs allervolkoͤmlichste vnd vberfluͤssigste ausgericht
Vnd also Gotte gantz gerechte vrsach gegeben hat, vns zu rechtfertigen, zu Absoluiren vnd ins ewige leben zu fuͤren. Also sehen wir, wie starck des Osianders Argument schliessen, wenn man sie nur ein wenig recht ansihet vnd gegen der warheit helt.
Jnn einem kleinen BuͤchleinVgl. Das vnser lieber || HERR Jhesus Christus / || Warer Gott vnd Mensch / sampt dem Vater || vnd heiligen Geist / durch den Glauben in || allen waren Christen wone / Vnd jr || Gerechtigkeit sey. || Gezeugnis der heiligen Schrifft / zu || samen gelesen. Durch || Andream Osiander. || Fuͤr die einfeltigen / Verfuͤrten || Schefflin. || Johannis am 6. || Von dem an gingen seiner Juͤnger viel || hindersich / vnd wandelten fort || nicht mehr mit jm. || Koͤnigsperg || in Preussen. || 1551. [Hans Lufft] (VD 16 O 1000) = OGA 9, Nr. 474, aͤ688) 691–698, hier bes. OGA 9, 694,27–36. vnd in der Confession, Fa. 173,Vgl. Osiander, OGA 10, 256,35–258,13 (Von dem einigen Mittler, 1551). legt er sich
sehr auff den Spruch Philip 3: Auff das ich hab nicht meine Gerechtigkeit, sonder die Gerechtigkeit aus Gott.Vgl. Phil 3,9. Will on zweiffel anzeigen, das das woͤrtlein ἐκ, ex, aus das GoͤttlicheB; C: moͤttliche. wesen oder solche Gerechtigkeit, die im Goͤttlichen wesen ist, bedeute.
Es wird aber das woͤrtlein aus, ex uel ἐκ offt der gestalt gebraucht, das es
heist Von, a uel ab, als 1. Corint. 8. vnd 11: Omnia sunt ex Deo, Alle ding sind aus Gott.Vgl. I Kor 8,6; 11,12. An welchem ort trawn nicht gesagt wird, das alle ding aus dem Goͤttlichen wesen sein, Sonder das sie von jhm als von jhrem Schepffer herkommen. Also wird auch hie gesagt, das die gerechtigkeit aus Gott sey, nemlich darumb, das vns Christus von Gott gemacht ist zur gerechtigkeit zur Weis
heit etc., Wie 1. Cor. 1. stehet.Vgl. I Kor 1,30. Es sind auch sonst vberaus viel exempel solcher deutung dieses Woͤrtleins, welche zu erzelen allzu lang sein wolt.
Am ende des jtztgemelten kleinen buͤchleins setzt er drey seiner Argument.Vgl. Osiander, OGA 9, 697,19–698,7 (Dass unser lieber Herr Jesus Christus , 1551 [s. Anm. 426]). Lest sich on zweiffel duͤncken, das sie gantz vnuͤberwindlich sein. Auffs erste wil ich am ende antworten. Auffs ander
hab ich jtzt geantwortet, wiewol nicht noͤtig ist, drauff zu antworten. Denn wir leugnens nicht. Auffs letzte wil ich itzt wenig sagen. Er sagt: So die gerechtigkeit Gottes nicht Got selbs ist, so koͤnnen wir gerechtigkeit haben one Gott – Welchs vnmuͤglich sey. Denn wer nicht den geist Christi hat, der ist nicht Christi.Vgl. Röm 8,9. Jch sag aber, das solchs nicht folget. Denn die vergebung
der Suͤnde ist trawn nicht Gott, vnd doch koͤnnen wir sie one Gott nicht haben. Aus diesem gleichnis mag man dasselbe Osiandrische Argument weiter richten.
Osiander (wie droben gesagt) gibt seine Gegenteil, nemlich allen Kirchen, der Augspurgischen Confession verwand, oͤffentlich Schuldt, als solten sie von
der Widdergeburt nichts geleret haben. Denn er sagt (wie auch droben angezeigt, Aber aus verseumung der Druͤcker inn etlichen Exemplaren nicht volkoͤmlich gesatzt ist)Vgl. oben Bl. A 1v, mit Anm. j (textkritischer Apparat). Die Bemerkung (und das betreffende Versehen) schon in Ausgabe B; in C beibehalten, obwohl das Versehen dort korrigiert wurde. Diese woͤrter:
Die Frage ist, ob uns Gott, dieweil wir in Suͤnden und Gottlos geboren sind, mit der that und der warheit Gerecht mache und uon der Suͤnde reinige, oder
ob er uns allein uon wegen des glaubens, als umb eins geschencks oder wercks willen, Gerecht spreche, so wir doch nicht Gerecht sein, und er uns auch nicht Gerecht mache, sondern lasse uns bleiben, wie wir uorhin waren, wie die falschen Richter thun.Vgl. Osiander, OGA 10, 148,(1)3–7 (Von dem einigen Mittler); oben bei Anm. 119.
Also sagt er auch Fa. 172: Sie haben die vernewerung des inwendigen men
schen, so durch die Widergeburt geschicht, von der Rechtfertigung hinweg geworffen.Vgl. Osiander, OGA 10, 256,30f (Von dem einigen Mittler). Welchs eine gantz grobe vnwarheit ist, wie nicht allein die Schrifft, Sondern auch die steten Predigten der Vnsern vberfluͤssig bezeugen. Vnd ist furwar hoch zu bek
lagen, das Osiander so viel Kirchen so schendlich on alle vrsach schmehet. Wir hetten aber viel bessere vrsach, vber
jhn zu klagen, das er die Widdergeburt mit der Rechfertigung vermengt, oder vielmehr, das er die Rechtfertigung in die Widdergeburt oder vernewerung des menschen (Denn dis wort streckt sich offt auch weiter vnd bedeutet die gantze bekerung des Suͤnders) setzt, denn er offt sagt, Gerechtigkeit sey die eingiessung der Gotheit in des menschen hertze,
dadurch er in der warheit aus einem Vngerechten Gerecht wird.
Denn diese meinung ist der Schrifft nicht allein vngemes, Welche (wie oben gehoͤrt) die Rechtfertigung des Suͤnders in vergebung der Suͤnde vnd zurechnung der gerechtigkeit setzt, Sonder sie ist auch den Gewissen schedlich. Denn etliche sichere Geister, alsbald jhnen etwas ein wenig von
der Widder
geburt trewmen wird, so werden sie sich bald duͤncken lassen, sie seyen bereit halbe Goͤtter worden. Dagegen andere, die in anfechtung vnd verzagung stecken, wenn sie keine Tugent des newen lebens bey sich fuͤlen, So werden sie verzweyffeln. Denn diese Lehr leret stracks an der Widdergeburt hangen Vnd auff die von Gott eingegossene gerechtigkeit vertrawen. Da
gegen aber Paulus, wiewol er jhm nichts boͤses bewust ist, so sagt er doch, er sey darumb nicht Gerecht,Vgl. I Kor 4,4. vnd achtet seine gerechtigkeit fuͤr dreck, auff das er Christus’ Gerechtigkeit haben moͤge,Vgl. Phil 3,8f. vnd scheidet also die gerechtigkeit der widdergeburt von der zugerechenten gerechtigkeit. Also leret auch D. Luther mehr denn an einem ort, das wir die zugerechente gerechtigkeit
Christi von der Gerechtigkeit der widdergeburt oder der eingegossenen tuͤgende so weit scheiden sollen wie Himel vnd Erde.
Drumb jrret Osiander, Weil er diese zwo gerechtigkeiten vnternandermengt, oder vielmehr die vorige gentzlich auffhebt, Vnd nicht wir, die wir, den gewissen zugut, ein Christlichen vnterscheid machen. Daran aber thut er gantz
vnchristlich, das er diesen Lerern eine solche grosse suͤnde auflegt,zuschreibt, nachsagt. als solten sie von der widergeburt nichts leren, sondern die vernewerunge des inwendigen men-schen, so durch die widdergeburt geschicht, hinweggeworffen haben, vnd halten, das der Suͤnder nach der rechtfertigung bleibe, wie er vorhin war.
Verlegung der spruͤche D. Martini Luthers.
Bjsher hab ich gesagt von des Osianders zeugnissen, die er, seine meinung zu bestetigen, aus der Schrifft vorgewandt hat. Weil er aber auch zum andern vornemlich auff D. M. Luthers, seliger gedechtnis, Schriffte sich beruͤfft, so wil ich nu kuͤrtzlich anzeigen, das er D. Luthers spruͤche gar vnrecht gebraucht vnd das D. Luther gantz wider jhn ist.Hactenus dixi de testimonijs scripturae, quae pro sua sententia Osiander attulit, iam quoniam secundo loco potissimum D. Martini testimonio se tuetur, breuiter ostendam eum Lutheri dictis nequaquam recte uti, imo et Lutherum prorsus ei contrarium esse. Facie 86, 87, 89 seiner SchrifftVgl. Osiander, OGA 10, 172,3–174,3 (Von dem einigen Mittler, 1551). citirt er Lutherum im Buch von dreyerley gerechtigkeit,Luther, WA 2, 43–47 (Sermo de triplici iustitia, 1518). da er sagt, Vnsere gerechtigkeit sey wesentlich, erblich, Essentialis, Welchs woͤrtlein Osiander mit besondern Buchsteblein setzt, damit mans deste besser mercken koͤnne, Vnd will anzeigen, D. Luthers meinung
sey gewest, das wir durch die wesentliche oder ewige gerechtigkeit Gottes Gerechtfertigt werden. Es redt aber D. Luther am selben ort in keinen weg von der wesentlichen gerechtigkeit Gottes, Sonder zeigt an mit klaren worten, warumb er die Gerechtigkeit des glaubens Essentialem, wesentlich, nenne, nemlich weil (wie gesagt) sie allezeit bleibt vnd nicht auffhoͤret wie
die actualis, das ist: so viel dis leben betrifft, so thun oder handeln wir zu zeiten recht, zu zeiten vnrecht. Aber die gnedige annemung oder ewige erloͤsung, die Christus mit seinem blut erworben hat, ist allezeit bey denen, die mit glauben an Gottes guͤte hangen. Vnd hie were Osiander wol scheltens werd, weil er diesen Paragraphum desselben Sermons anzeucht, das
er mit wolbedachtem mut diese wort – Sie hoͤret nicht auff, wie die actualis – welche zu erklerung dieser meinung noͤtig sein, mitten aus dem Text ausgekratzet, ausgeleschet vnd ausgelassen hat. Facie 86.87.89. sui scripti citat Lutheri § de triplici iusticia, affirmantem nostram iusticiam esse essentialem. Osiander scelerate deprauat dicta Lutheri.Quam uoculum diuersis literis, quo sit magis notabilis, exprimit, uultque indicare Lutherum sensisse nos iustificari essentiali uel substantiali filij Dei iusticia. Verum Lutherus ibi nequaquam de substantiali filij Dei iusticia loquitur, sed diserte indicat cur appellet iusticiam fidei essentialem, nempe quia (ut ipse inquit) manet semper, nec cessat aliquando sicut actualis, id est, quod attinet ad actiones uitae, iam pie, iam impie agimus seu operamur. Verum gratuita illa acceptio seu redemptio aeterna, quam suo sanguine Christus inuenit, est continua ijs, qui fide in Dei bonitate perseuerant. Ac profecto grauiter hic Osiander accusari posset, qui citans eum paragraphum conciunculae illius de industria uerba (Nec cessat aliquando, sicut actualis) ad declarationem sententiae plane necessaria, positis alioqui proximis praecedentibus et sequentibus, omisit. Fa. 88 citirt er aus dem Buch von zweyerley GerechtigkeitLuther, WA 2, 145–152 (Sermo de duplici iusticia, 1519). viel wort, vnd vnter andern auch diese: Diese Gerechtigkeit wird dem menschen gegeben
in der Tauff, und zu ieder zeit der warhafftigen Bus, Also, das der mensch getrost in Christo rhuͤmen thar, und sprechen: Mein ist, das Christus gelebt, gethan,OGA 10, 174,10: gethan, geredt. gelitten, und gestorben ist, Nicht anderst, denn wenn ichs selbst also gelebt, gethan, geredt und gelitten hette und gestorben were.Osiander, OGA 10, 174,8–12 (Von dem einigen Mittler, 1551), vgl. Luther, WA 2, 145,14–18 (Sermo de duplici iustitia, 1519). Aus welchen worten auffs allerklerlichste erscheint, worinn D. Luther vnsere Gerechtigkeit
setze, nemlich im leben, thun, reden, leiden vnd sterben des HERRN Christi. Denn diese stuͤcke (sagt er) sind vnsere Gerechtigkeit, vns von Gott gegeben, der wir vns rhuͤmen koͤnnen vnd sollen, gleichsam weren sie von vns gethan.Facie. 88. Citat ex libello de duplici iusticia, cum multa alia, tum etiam haec uerba. Haec ergo iusticia datur hominibus in Baptismo et omni tempore uerae poenitentiae. Ita ut homo cum fiducia possit gloriari, in Christo, meum est, quod Christus uixit, egit, dixit, passus est, mortuus est. Non secus, quam si ego illa uixissem, dixissem, Nota bene.egissem, passus et mortuus essem etc. Ex quibus uerbis clarissime apparet, in quo nam Lutherus iusticiam nostram collocet, nempe in uiuere, agere, dicere, pati ac mori Christi. Eam enim affirmat esse nostram iusticiam nobis a Deo da-Fälschlich als E5[r] gezählt.tam, de qua gloriari, perinde ac nostra possimus et debeamus. Fa. 86. citirt er noch viel mehr aus dem selben Buͤchlein, Lesset aber hin
vnd widder die stuͤck aus, die zu erklerung des Luthers meinung noͤtig sein, als vnter anderm diesen folgenden Paragraphum, so er doch den nehesten zuuor vnd den nechstfolgenden setzt:Facie 89. Pergit citare ex eodem libello multa. Sed omittit subinde ea, quae ad Lutheri sententiam declarandam sunt necessaria, ut inter alia hunc paragraphum sequentem, cum tamen proxima praecedentia et sequentia apponat. Daher auch Christus selbs, der da sagt, er sey gekommen, das er diesen allerheyligstenB; C: allerheilisten. willen seines Vaters thete, ist ihm gehorsam worden, und was
er gethan hat, das hat er uns gethan, und wil das es sol unser sein, denn er spricht, Ich bin mitten unter euch wie ein Diener, Vnd noch ein mal, Das ist mein Leib der fur euch gegeben wird, Vnd Esa. am 43. Du hast mir erbeit gemacht in deinen suͤnden, und hast mir muͤhe gemacht in deinen Missethaten.Vgl. Luther, WA 2, 146,2–7: Unde et ipse Christus, qui venisse dicit se, ut hanc piissimam voluntatem patris sui faceret, factus est ei obediens, et quicquid fecit, nobis fecit nostrumque esse voluit, dicens: Ego in medio vestrum sum sicut qui ministrat, et iterum: Hoc est corpus meum, quod pro vobis tradetur, et Isaias dicit xliij. Servire me fecisti in peccatis tuis et laborem prebuisti mihi in iniquitatibus tuis. (Sermo de duplici iustitia, 1519). Daraus gleichermassen erscheinet, das D. Luther vnsere Gerechtig
keit im thun vnd leiden Christi, welchs vns geschenckt ist, gesetzt hat vnd nicht in der Erblichen, Ewigen, ernsten Gerechtigkeit seiner Gottheit, damit er die Welt als ein gerechter Richter regiret vnd den frommen wol, den boͤsen vbel thut.Vnde et Christus ipse, qui uenisse se dicit, ut hanc pijssimam uoluntatem sui patris faceret, factus est ei obediens, et quicquid fecit nobis fecit, nostrumque esse uoluit, dicens: Ego in medio uestrum sum, sicut qui ministrat, et iterum: Hoc est corpus meum, quod pro uobis traditur. Et Esa. 43. Seruire me fecisti in peccatis tuis, et laborem praebuisti mihi in iniquitatibus tuis. Vnde itidem apparet Lutherum iusticiam nostram in facere et pati Christi nobis donato posuisse, et non in illa substantiali, aeternaque diuiinitatis ipsius seuera iusticia, qua iuste mundum regens bonis facit bene et malis male. Jm folgenden Bletlein setzt er viel Spruͤche aus den Auslegungen Lu
theri vber das 14., 15. vnd 17. Capitel Johannis.Vgl. Luther, WA 45, 465–733 (Das 14. und 15. Kapitel S. Johannes gepredigt und ausgelegt, 1537/38); WA 28, 70–200 (Das [16. und] 17. Kapitel Johannes von dem Gebet Christi, 1530). – Zitate bei Osiander Bl. K2r–K4v (OGA 10, 176,8–182,10). Es stehet aber gar in keinem, das wir durch die wesentliche Gerechtigkeit des Sons Gottes gerechtfertigt werden. Drumb helffen sie den Osiander nicht, schaden vns auch nicht. Vnd ist derhalben one not, das ich drauff antworte. Wer aber des Luthers rechte meinung aus seinen Schrifften haben wil, der mag diese folgende
wort vber den Spruch Der Heilige Geist wird die Welt straffen vmb der gerechtigkeit willen. Denn ich gehe zum VaterVgl. Joh 16,8–10. etc. fleissig betrachten:In sequentibus paginis plurima dicta ex commentarijs Lutheri super 14. et 15. et 17. Ioannis citat, sed in nullo prorsus eorum est, quod substantiali filij Dei iusticia iustificemur. Nihil ergo Osiandro patrocinantur, uel nostrae sententiae aduersantur. Quare non est omnino necesse ad ea respondere. Caeterum si genuinam Lutheri sententiam diserte expressam habere ex illis commentarijs uolumus, haec eius uerba super dictum: Spiritus arguet mundum de iusticia, quia uado ad patrem, diligenter perpendamus. Denn es ist droben gnug gesagt, wie alle menschen unter die Suͤnde und uerdamnis uerworffen, mit alle ihren leben, so auch fuͤr aller Welt gut und lieblich, dazu nach den zehen Geboten gethan heisset. So das war ist, Wo
bleibt denn die Gerechtigkeit, oder wie sol man dazu komen? Antwort alhie Christus: das ist Gerechtigkeit, das ich zum Vater geheVgl. Joh 16,10. etc. Da mustu sie suchen und finden, Nicht bey dir, noch auff erden bey menschen, sie seien wer und wie sie wollen. Denn die Christen sollen keine andere gerechtigkeit wissen, damit sie fuͤr Gott bestehen und gerecht gesprochen werden,
uergebung der Suͤnden und ewiges leben erlangen, denn diesen Gang Christi zum Vater, welcher ist nichts anders (wie offt gesagt), denn das er unsere Suͤnde auff seinen hals genommen, und sich umb derselbigen willen lassen am Creutz toͤdten, begraben, und in die Helle gefaren, Aber nicht unter der Suͤnde, noch Tod und Helle blieben, Sondern hindurch gangen
durch seine Aufferstehung und Himelfart, und nu gewaltiglich herschet, zur Rechten hand des Vaters, uber alle Creaturn.s:Denn es ist droben gnug gesagt, wie alle menschen vnter der sunde vnnd verdamnis geworffen, mit alle irem leben, so auch fur aller welt gut und loͤblich,sic. dazu nach den zehen gepoten gethan heisset. So das war ist, wo bleibt denn die gerechtigkeit oder wie sol man dazu komen? Antwort alhie Christus: das ist Gerechtigkeit, das ich zum Vater gehe etc. Da mustu sie suchen vnnd finden, nicht bei dir, noch auff erden bei menschen, sie seien wer und wie sie wollen. Denn die Christen sollen kein ander gerechtigkeit wissen, damit sie fur Got bestehen, vnd gerecht gesprochen werden, vergebung der sunden vnd ewiges leben erlangen, denn diesen gang Christi zum Vatter, welcher ist nichts anders (wie offt gsagt)sic. denn das er vnser sund auff seinen hals genomen, vnd sich vmb derselbensic. willen lassen am creutz toͤdten, begraben, und in die helle gefaren, Ergänzt nach der deutschen Version.[Aber nicht unter der Suͤnde, noch Tod, und Helle blieben,] sondern, hindurch gangen, durch sein aufferstehung vnd himelfart, vnd nun gewaltiglich herschet, zur rechten handt des Vatters, vber alle creatur. Nun hat er solchen gang oder fart zum Vatter, nicht gethan, vmb sein selbs willen, noch fur seine person, denn damit wer vns nicht geholffen, vnd koͤnte nicht vnser gerechtigkeit heissen, sondern, wie er vmb vnsern willen vom himel komen, vnd vnser blut vnd flaisch worden ist, also ist er auch vmb vnsernt willen, wider hinauff gefaren, da er den sig vber sunde, todt vnd helle vollendet, vnd in die herrschafft getretten, dadurch er vns von diesem allen erloͤset, vnd vergebung der suͤnde, krafft vnd sieg, wider den Teuffel vnd Todt gibt, vnd regieret also, das sein reich oder regiment heisset vnd ist gerechtigkeit, das ist, darin die suͤnde vnnd vnrecht fuͤr Gott mus weggethan, die leut fuͤr Gott gerecht vnd im gefellig werden. Nu hat er solchen gang oder fart zum Vater nicht gethan umb sein selbs willen, noch fuͤr seine person, Denn damit were uns nicht geholffen, und koͤnte nicht unsere Gerechtigkeit heissen. Sondern, wie er umb unsern willen
uom Himel komen, und unser blut und fleisch worden ist, Also ist er auch umb unser willen, widder hienauff gefaren, da er den Sieg uber Suͤnde, Tod und Helle uolendet, und in die Herrschafft getretten, dadurch er uns uon diesem allem erloͤset, und uergebung der Suͤnde, Krafft und Sieg widder den Teuffel und Todt gibt, und Regieret also, das sein Reich oder Regiment heis
setB; C: heisseit. und ist Gerechtigkeit, das ist: darin die Suͤnde und unrecht fur Got mus weggethan, die leute fuͤr Gott gerecht und ihm gefellig werden. Es ist aber solche Gerechtigkeit gar heimlich und uerborgen, nicht allein fuͤr die Welt und uernunfft, sondern auch fuͤr den Heiligen. Denn sie ist nicht ein gedancken, wort noch werck in uns selbs (wie die Sophisten uon der
Gnade getrewmet haben, das es sey ein eingegossen ding in unserm hertzen),Gemäß spätmittelalterlicher theologischer Tradition wird die Gnade Gottes vom Heiligen Geist dem Menschen eingegossen (gratia infusa) und befähigt ihn, mit seiner erneuerten Natur die Gebote Gottes anfangsweise zu halten. Vgl. hierzu auch das Dekret über die Rechtfertigung, verabschiedet in der 6. Sitzung des Trienter Konzils am 13. Januar 1547, DH 1520–1583, bes. 1530. Sondern gar ausser und uber uns, nemlich der Gang Christi zum Vater (das ist sein Leiden und Aufferstehen oder Himelfart), Vnd dasselbige dazu aus unsern sinnen und augen gesetzt, das wirs nicht fuͤlen koͤnnen, sondern allein mit glauben muss ergriffen werden, des worts, soB; C: fo. uon ihm
gepredigt wird, das er selbs sey unser Gerechtigkeit, wie S. Paulus 1. Corinth. 1. sagt, das er uns worden ist uon Gott zur Gerechtigkeit und zur Heiligung, etc.Vgl. I Kor 1,30. Auff das wir uns nicht unser selbs, sondern allein dieses HErrn fuͤr Gott rhuͤmen.Vgl. I Kor 1,31. Es ist aber solche gerechtigkeit gar heimlich vnnd verborgen, nicht allein fur der welt vnd vernunfft, sondern auch fur denn heiligen, den sie ist nicht ein gedancken, wort vnndsic. werckaus: weck.Ergänzt nach der deutschen Version.[in uns selbs] (wie die Sophisten von der gnade getreumet haben, das es sei ein eingegossen ding in vnsern hertzen) Sondern gar ausser vnnd uber vns, nemlich der gang Christi zum Vatter (das ist sein leiden vnnd aufferstehen oder himelfart) vnd dasselbige darzu, aus vnsern sinnen vnnd augen gesetzt, das wirs nicht sic.sehen vnnd fuͤlen koͤnnen. Sondern allein mit glauben mus ergriffen werden des worts so von jm gepredigt wirt, das er selbst sei vnser gerechtigkeit, wie S. Paul. 1. Corinth. 1. sagt, das er vns worden ist von Gott zur gerechtigkeit vnnd heiligung, etc. auff das wir vns nicht vnser selbst, sondern allein dieses Herren fur Gott rhuͤmen.Das ist ie ein wunderliche gerechtigkeit, das wir sic. sollen heissen oder gerechtigkeit haben, welche doch kein werck, kein gedancken, vnd kurtz gar nichts inn vns, sondern gar ausser vns in Christo ist, vnd doch warhafftig vnser wirtsic. durch sein gnad vnd geschenck, vnd so gar vnser eigen, als wer sie durch vns selbst erlangt vnnd erworben. Diese sprach kuͤnte freilich keine vernunfft versteen, daß das sol gerechtigkeit heissen, da ich nichts thue noch leide, ia nichts gedenck noch fuͤle, oder entpfinde, vnd gar nichts in mir ist, vmb des willen ich Gott gefellig vnd selig werde, Sondern ausser mir vnd aller menschen gedancken, wercken vnd vermoͤgen, mich halte an den Christum (droben zur rechten Gottes sitzend) den ich doch nicht sehe etc. s:Das ist ie eine wuͤnderliche Gerechtigkeit, das wir sollen Gerecht heissen
oder Gerechtigkeit haben, welche doch kein werck, kein gedancken, und kurtz gar nichts in uns, sondern gar ausser uns in Christo ist, und doch warhafftig unser ist durch seine gnad und geschenck, Vnd so gar unser eigen, als were sie durch uns selbs erlangt und erworben. Diese sprache kuͤnde freylich keine uernunfft uerstehen, das das soll Gerechtigkeit heissen, da ich nichts thu
noch leide, Ia nichts gedencke, noch fuͤle oder em-pfinde, und gar nichts in mir ist, umb des willen ich Gotte gefellig und selig werde, Sondern ausser mir und aller menschen gedancken, wercken und uermoͤgen, mich halte an den Christum (droben zur Rechten Gottes sitzend), den ich doch nicht sehe.Luther, WA 46, 43,38–45,3 (Das XVI. Kapitel S. Johannis, 1539).
Hie sehen wir auffs aller klerlichste, das D. Luthers meinung ist, das vnsere Gerechtigkeit nichts anders sey denn der verdienst, vberschwenckliche erfuͤllung des Gesetzes vnd gnugthuung Christi, durch sein leben vnd Todt erworben vnd vns durch den glauben zugerechnet. Vnd das D. Luthers meinung gar in keinen weg gewesen ist, das das ewige wesen Gottes vnsere
Gerechtigkeit sey. Jch koͤnt noch viel mehr aus derselben Schrifft vorlegen, wils aber kuͤrtze halben vnterlassen.Ex hisce liquidissime cognoscimus Lutherum sen-tire nihil aliud esse iusticiam nostram, nisi meritum et satisfactionem Christi per uitam et mortem eius quaesitum, nobisque per fidem imputatum, et Lutherum nihil minus sensisse, quam illam aeternam filij Dei essentiam esse nostram iusticiam, Plura ex eodem scripto citare possemus, nisi breuitati studeremus. Fa. 96 hebt er an zu citirn etliche Spruch Lutheri vber die Epistel zun Gala.Vgl. Osiander, OGA 10, 182,11–188,20 (aus Luthers Großem Galaterkommentar, 1535, WA 40 I). Wie wol aber keiner vnter allen sagt, das wir durch die wesentliche gerechtigkeit der Gotheit Christi gerecht werden, So ist doch nicht vnnuͤtzlich, das
wir hoͤren, was Osiander in etlichen hat ausgelassen.Facie 96. incipit citare loca Lutheri super Epistolam ad Galat. quorum et si nullus affirmat nos substantiali diuinitatis Christi iusticia iustificari, tamen aus: ope|r£precium.operae precium est audire, quid in aliquibus omissum sit. Am ende des ersten Paragraphi, den er aus dem 97. rectius: 79. blat anzeucht, sind diese wort ausgelassen: Derhalben ist Formalis iusticia, oder die form unserer Gerechtigkeit, nicht die liebe, so dem glauben eine gestalt gibt, charitas informans fidem, sonder der glaube und tunckelheit des hertzen, das ist, die zuuer
sicht auff das, das wir nicht sehen,Vgl. Hebr 11,1. nemlich auff Christum, welcher, ob er gleich nicht gesehen wird, so ist er doch gegenwertig.Vgl. Luther, WA 40 I, 229,18–21: Est ergo formalis nostra iustitia non charitas informans fidem, sed ipsa fides et nebula cordis, hoc est, fiducia in rem quam non videmus, hoc est, in Christum qui, ut maxime non videatur, tamen praesens est. (Großer Galaterkommentar, 1535).In fine primi paragraphi, ex 79. folio adducti, haec omissa sunt. Est ergo formalis nostra iusticia non charitas informans fidem, sed ipsa fides et nebula cordis, hoc est, fiducia in rem, quam non uidemus, hoc est, in Christum, qui ut non uideatur, tamen praesens est. Er setzt auch den nechstfolgenden Paragraphum vnd lest abermal am ende vorsetzlich diese wort aussen: Vnd das ist formalis iusticia, die form der Gerechtigkeit (nemlich die zuuersicht auff Christum, denn uon derselben hat
er am nechsten zuuor geredt), umb welcher willen der mensch gerechtfertigt wird, Nicht umb der Liebe willen, wie die Sophisten sagen.Vgl. WA 40 I, 229,25f: Eaque est formalis iustitia propter quam homo iustificatur, non propter charitatem, ut Sophistae loquuntur. (Großer Galaterkommentar, 1535).Citat et statim sequentem paragraphum, in cuius fine iterum haec studiose omissa sunt: Eaque est formalis iusticia (scilicet fiducia in Christum. Nam de ea proxime ante erat locutus) propter quam homo iustificatur, non propter charitatem, ut Sophistae loquuntur. Diese wort lest Osiander vorsetzlich aussen, darumb das sie vnterschiedlich leren, das die zuuersicht auff Christum vnsere Formalis iusticia oder form vnserer gerechtigkeit sey. Jtem darumb, das sie seine meinung,
darinn er sagt, Gott, der die liebe ist, werde in vnser hertz gegossen vnd wir werden durch seine gegenwertigkeit Formaliter gerecht, oͤffentlich verdammen. Diesen betrug nennen die Juristen Crimen falsi, Laster des falsches, Vnd ist alhie darumb so viel mehr zu fliehen vnd zu verfluchen, das solche betriegerey inn sachen vnsere Seligkeit betreffend gebraucht wird.
Haec Osiander ideo studiose omittit, quia diserte docent fiduciam in Christum esse nostram formalem iusticiam, seu imputari nobis ad iusticiam, et quia clare damnant eius sententiam, qui dicit Deum, qui est charitas, nobis in cor infundi, eiusque nos praesentia formaliter iustos esse. Haec iusticia apud Iureconsultos crimen falsi appellatur, quae tanto magis hic fugienda detestandaque est, quanto in maiore re adhibetur. Aus dem 81. blat fuͤret er ein solch zeugnis D. Luth., das der glaube Christum solcherweise ergreiffe, jhn gegenwertig habe vnd in sich eingeschlossen halte Wie ein guͤldener ring einen Edeln stein. Vnd wer erfunden werde in diesem glauben, das er Christum ergriffen hat im hertzen, den halte Gott fuͤr Gerecht.Vgl. Osiander, OGA 10, 182,26–29 (WA 40 I, 233,17–19). Dis ist widder die gewoͤnliche meinung nicht.
Hilfft den Osiander auch nicht. Aber eben am selben Blat setzt D. Luther vnsere meinung gantz klerlich. Sagt, das der glaub, der Christum, den Heyland, allein ergreifft, vnsere Gerechtigkeit sey, Vnd vermanet daneben gantz fleissig, so wir Christum mit diesem Gerechtmachenden glauben ergreiffen wollen, das wir ja wol wissen sollen, was Christus sey definitiue,
wenn man rechtschaffen von jhm redt, Ex 80. folio adducit quoddam testimonium, quod fides sic apprehendat Christum, sicut annulus gemmam, et qui talem fidem habeat, iudicari a Deo iustum. Quod contra usitatem sententiam non pugnat, nec Osiandro patrocinatur. Caeterum eadem pagina clarissime sententiam nostram Luth. ponit. Ait enim fidem, solum Christum seruatorem appraehendentem, esse iusticiam nostram, et quidem diligenter praecipit, ut cum uolumus appraehendere tali iustificante fide Christum, probe sciamus, quid nam sit Christus definitiue, Vnd spricht weiter (Jch wil aber seinen gantzen Paragraphum herzusetzen):et addit porro (adscribam enim integrum paragraphum eius): Christus aber, ist definitiue wenn man rechtschaffen uon ihm redt, nicht ein Gesetzgeber, sonder ein Versuͤner und seligmacher. Solchs ergreifft der glaube, und gleubet gewis, das Christus die werck und uerdienst des Congrui und
des Condigni, des gebuͤrlichen, und des rechten gantzen uerdienstes,Die scholastische Theologie unterscheidet zwischen einem meritum de condigno, d. h. einem Verdienst, das jemand aufgrund eigener, im Umfang entsprechender, angemessener Leistung erworben hat und das ihm darum gerechterweise zusteht, und einem meritum de congruo, das jemandem gnadenweise zugebilligt wird in Anerkennung eines (an sich unzureichenden) Bemü_hens. Vgl. Adam Seigfried, Art. Lohn, Verdienst II.5, in: HWPh 5 (1980), 511–513, bes. 511; Kir_sten Huxel, Art. Verdienst IV. Dogmengeschichtlich. V. Dogmatisch, in: RGG4 8 (2005), 948–951. uberschwenglich gethan habe. Denn er hette durch ein einigs blutstroͤpflein fur aller Welt suͤnde koͤnnen gnug thun. Nu aber hat er uberfluͤssig und uberschwenglich gnug gethan. Ebre. 9: Er ist durch sein eigen blut ein mal in das Heilige eingegangenVgl. Hebr 9,12. etc. Item Rom. 3: Wir werden on uer
dienst Gerecht, aus seiner gnade, durch die erloͤsung, so durch Christo Ihesu geschehen ist, Welchen Gott hat fuͤrgestelt zu einem gnadenstul durch den glauben in seinem BlutVgl. Röm 3,24f. etc. Drumb ists ein gros ding, Christum, der die suͤnde der Welt tregt,Vgl. Joh 1,29. mit dem glauben ergreiffen, Vnd dieser glaub allein wird zur gerechtigkeit gerechnet, Rom, 3. und 4.Vgl. Röm 3,22; 4,5.24f.Vgl. Luther, WA 40 I, 232,29–233,15 (Großer Galaterkommentar, 1535).
Christus autem definitiue non est legislator, sed propiciator et Saluator. Hoc fides appraehendit, et sine dubio credit, eum opera et merita congrui et condigni secisse superabundanter: potuisset enim per unicam guttulam suanguinis satisfacere pro peccatis Mundi. Iam autem copiose satisfecit. Ebrae. 9. Per proprium sanguinem intrauit semel in sancta etc. Et Rom. 3. Iustificati gratis per gratiam Dei, per redemtionem, quae est in Christo Iesu, quem proposuit Deus propiciatorium per fidem in sanguine ipsius etc. Ideo magna res est fide appraehendere Christum, portantem peccata mundi. Eaque fides sola reputatur ad iusticiam Rom. 3. et 4. In C wie das Folgende in Antiqua gesetzt.Vnd bald darnach: Das ist die weise und uerdienst, dadurch wir zu uergebung der Suenden und zur Gerechtigkeit komen: Weil du an mich gleubest (spricht Gott) und weil dein glaube Christum ergreifft, den ich dir geschenckt habe, das er dein Mitler und hoher Priester sein sol, so sey Gerecht. Darumb nimpt uns Gott an und helt uns fur Gerecht, allein umb des Glaubens willen
an Christum, etc.Vgl. Luther, WA 40 I, 233,19–24 (Großer Galaterkommentar, 1535).Et paulo post. Haec ratio est meritum, quo peruenimus ad remissionem peccatorum et iusticiam. Quia credis, inquit Deus, in me, et fides tua appraehendit Christum, quem tibi donaui, ut esset mediator et pontifex tuus, ideo sis iustus. Itaque Deus acceptat seu reputat nos iustos, solum propter fidem in Christum etc. Hieraus erscheinet klerlich, das D. Luthers meinung gewest ist, das vns der glaube Gerecht mache, so fern er die Werck, Verdienst, Gnugthuung vnd Erloͤsung Christi ansihet vnd ergreifft, Nicht so fern er von Gott erlangt, das vns die wesentliche Gerechtigkeit Christi eingegossen werde
.Hinc clare apparet Luth. sensisse, fidem nos eatenus iustificare, quatenus intuetur et appraehendit opera, merita, satisfactionem, propiciationem et redemptionem Christi, non quatenus nobis substantialem Christi iusticiam infundi a Deo impetrat. Was ists aber noͤtig, das mann viel zweyfele an den Spruͤchen, so Osiander aus denselben Commentarijs anzeucht? Jn der Auslegung des dritten Capitels ist ein gantzer Tractat dauon, Das die Christliche Gerechtigkeit auff Glauben des hertzen vnd Zurechnung Gottes stehe. Vnter anderm stehen auch diese wort: Drumb sollen die ienigen, so die heilige Schrifft studiren, aus diesem
Spruch, Abraham hat Gotte gegleubet, und solchs ist ihm gerechnet worden zur Gerechtigkeit, lernen, das sie die Christliche Gerechtigkeit, eigentlich und unterschiedlich also beschreiben das sie sey, uertrawen in den Son Gottes, oder eine gewisse zuuersicht des hertzen zu Gott durch Christum, Darnach sollen sie dis stuͤcklein als eine Differentz, auch dazu setzen,
Welche zuuersicht gerechent wird zur Gerechtigkeit umb Christus willen.Vgl. Luther, WA 40 I, 366,22–27: Et reputatum est illi ad iustitiam dixi, ut studiosi sacrarum literarum intelligerent, Christianam iustitiam proprie ac diserte sic definiendam esse, quod scilicet sit fiducia in filium Dei vel fiducia cordis per Christum in Deum. Ibi addenda est haec particula tanquam differentia: quae fides imputatur ad iustitiam propter Christum. (Großer Galaterkommentar, 1535). In C wie das Vorangehende in Antiqua gesetzt.Den folgenden Text magstu selbs lesen.Sed quid necesse est de singulis locis, ab Osiandro ex illis commentarijs citatis, dubitare? Extat in expositione cap. 3. integra tractatio, Quod iusticia Christiana constet fide cordis et imputatione Dei, in qua tractatione inter caetera dicit haec uerba: Discant ergo studiosi sacrarum literarum ex hoc dicto, Credidit Abraham Deo, et imputatum est illi ad iusticiam, Christianam iusticiam proprie ac diserte sic definire, Quod sit fiduciam in filium Dei, seu fiducia cordis per Christum in Deum. Deinde addant hanc particulam, tanquam differentiam, quae fiducia imputatur ad iusticiam propter Christum, uide sequentia. Aus diesem vnd andern vielen oͤrten derselben Schrifft kan auffs aller deudlichste beweiset werden, das vnsere Gerechtigkeit nichts anders sey denn die gnedige annemung vnd zurechnung der Gerechtigkeit, damit vns Gott vmb
fehet von wegen des verdienstes vnd gnugthuung Christi oder erfuͤllung des Gesetzes, die wir mit dem glauben ergreiffen.Ex quo loco et alijs innumeris eius scriptis euidentissime probari potest Lutherum sensisse, quod iusticia nostra sit illa gratuita acceptatio, et iusticiae imputatio, qua nos Deus complectitur, propter merita et satisfactionem Christi fide appraehensam. Das ist aber nicht one sonderlichen betrug vnd geschwindigkeitBetrügerei, List, Arglist. Vgl. Art. Geschwindigkeit 7), in: DWb 5, 4001. geschehen, das er diesen Paragraphum auffs letzte gesatzt hat, nemlich:Illud uero non caret singulari astucia, quod ultimo loco posuit hunc Lutheri paragaphum: Welcher uon dieser lere felt, der felt aus not in unwissenheit Gottes, uer
stehet nicht, welchs da sey die Christliche Gerechtigkeit und Warheit, Welchs sein die waren Gottesdienst, Er ist ein Abgoͤ ttischer, bleibt unter dem Gesetz, unter der Suͤnd, unter dem Tod, unter des Teuffels gewalt, Vnd alles das er thut, ist uerloren und uerdampt.Vgl. Osiander, OGA 10, 188,16–20 (Luther, WA 40 I, 605,19–22).Quicunque ab ista doctrina excidit, ille necessario ruit in ignorantiam Dei, non intelligit, quae sit Christiana iusticia et sapientia, qui sint ueri cultus Dei, est Idolatria, manens sub lege, peccato, morte et Diaboli imperio, et omnia quae facit sunt perdita et damnata. Diesen Paragraphum setzt er darumb zuletzt, auff das die Vngelerten oder
auch die Vnfleissigen, die den Text nicht recht ansehen, dencken sollen, D. Luther habe gesagt: Wenn einer an des Osianders Lere von der wesentlichen Gerechtigkeit Gottes jrret, Der falle in vnwissenheit Gottes etc., so doch D. Luther am selben ort eigentlich davon Disputiret, das Got alle Selberwelte vnd erdichte Gottesdienste auffs eusserste verfluche vnd allein, das die ware
Religion sey, die Got durch seinen Son der Welt offenbaret hat. Vnd derhalben, wer von derselbigen abfellet, der falle in vnwissenheit Gottes etc.Quod fecit ideo, quo scilicet rudiores, aut etiam negligentiores, non inspicientes locum, putarent Lutherum dixisse, quod qui Osiandri doctrina aberret, seu a doctrina de substantiali Dei iusticia, is sit ignarus Dei, etc. Cum ibi Luth. de hac sententia proprie disputet, Quod Deus omnes electicias et commenticias religiones extreme detestetur, eaque sola uera sit religio, quam ille per filium suum Mundo reuelauit, a qua qui excidit, toto coelo, aberret etc. Solcher betriegerey hat er auch droben gebraucht, da er aus D. Luthers auslegung vber das 17. Cap. Johannis diese wort anzeucht:s:Sic etiam superius fraudulenter adduxit ex Luth. super 17. Ioannis haec uerba: Ich sage es auff mein Seel, so uiel ich gesehen und erfaren habe, beide, Pre
diger und Schreiber, so itzt die besten sein wollen und sollen (gar wenig ausgenommen), wissen doch uon diesem stuͤck gar nichts, Vnd ob sie gleich wol zuweilen einmal hinzuraten und treffen, So ists doch als in eim Trawm geredt. Bapst, Muͤnch, und Pfaffen schelten koͤnnen sie wol, aber des rechten grundes, darmit man das Bapstumb, und allerley falsche Lehre stuͤrtzen mus, wissen ihr warlich wenig, etc.Vgl. Osiander, OGA 10, 180,20–26 (Luther, WA 28, 185,23–29).s:Jch sage es auff mein seel, so vil ich gesehen vnd erfaren hab, beide, Prediger vnd Schreiber, so itzt die besten sein woͤllen vnd soͤllen (gar wenig ausgenomen), wissen doch von diesem stuͤck gar nichts, vnd ob sie gleich wol zuweilen ein mahl hinzGratten vnd treffen, so ists doch als sic. mit ein traum geredt vnd gehoͤrt. Bapst, Munch vnnd Pfaffen schelten koͤnnen sie wol, aber des rechten grundt, damit man das Babstumb vnd allerley falsche lehr stuͤrtzen muß,
wissen jr warlig wenig etc. Mit diesen worten wolt Osiander gern beweisen, das D. Luther sehr geklagt habe, das die Lerer von der erkentnis der wesentlichen Gerechtigkeit Gottes, die vns gerecht mache, nichts wissen. So er doch hieuon nichts, sonder dauon redet, das wir alles in Christo vnd durch Christum vnd sonst anderwegen her
gar nichts haben. Wie er denn denselben Locum communem, dauon er an gemeltem ort handelt, mit diesen worten erzelet: Nemlich, Das wir alles in dem Christo haben, was wir haben sollen, und nichts in uns, oder einigem menschen,Vgl. Osiander, OGA 10, 180,30–182,1 (Luther, WA 28, 185,33f). Vnd klagt, das wenig verstehen, wie ein grossen, gewaltigen Schatz aller guͤter wir allein an Christo haben. Sagt nicht, das wenig wissen,
das wir durch die wesentliche vnd ewige gerechtigkeit der Gottheit Christi gerecht sein.Cuius loci adductione conatur persuadere Osiander, quod Luth. uehementer desiderauerit in doctoribus illam cognitionem de iusticia Dei essentiali nos iustificante, cum ille loquatur de eo, quod omnia in Christo et per Christum habeamus, et nihil plane aliunde sicut ipsemet Lutherus suum locum communem, de quo ibi disputat, hisce uerbis recitat: Nemlich das wir alles inn dem Christo haben, was wir haben soͤllen, vnd nichts in vns oder einigem menschen. Queritur ibi Lutherus, paucos intelligere, quantum omnium bonorum thesaurum in solo Christo repositum habeamus, et non, paucos scire, quod per substantialem aeternamque diuinitatis Christi iusticiam iusti simus. Apposita quidem ad decipiendos rudiores negligentioresque, sed certe nimis uafra prauaque haec authoris citandi ratio est.
Dis ist wol eine feine weise, die vngelerten vnd vnfleissigen zu betriegen, wenn mann die Authores so anzeucht. Es ist aber eine schalckhafftige, boͤse weise.
gewaschen durch das Blut des Lambs, Sonder von den guͤtern oder belonungen, die nach der versuͤnung oder Rechfertigung folgen. Dauon wir kuͤrtzlich hernach klerer reden wollen.Postremo citat Luth. super secundam Petri, uerum et Luth. et Petrus ibi agunt, non de ipsa iustificatione seu reconciliatione cum Deo, quam priori epist. Petrus dixerat factam precioso sanguine immaculati agni, Vbi Luth. affirmauerat lauatos nos esse sanguine Agni, sed agitur de bonis seu praemijs quae reconciliationem seu iustificationem sequuntur, de qua re paulo post clarius. Drumb sagt D. Luther eben inn der selben Epistel kurtz vor dem ort, den Osiander anzeucht,Vgl. Osiander, OGA 10, 188,(21)23–190,15 (Luther, WA 14, 18,24–19,15). also: Gott haben, ist alle gnad, alle barmhertzigkeit ha
ben, und alles was man guts haben kan, Christum haben, ist den Heyland und Mitler haben, der uns dahin bracht hat, das Gott unser ist, und uns bey ime alle gnad erworben.Vgl. Luther, WA 14, 16,21–23. Also leret Doct. Luther alhie klerlich vnd vnterschiedlich, das es ein ander ding sey, durch den Mitler Christum mit Gotte versuͤnet oder Gerechfertigt vnd Gottes freund werden, Vnd ein anders,
nachdem du nu Gerechtfertigt bist vnd Gotte zum freunde vnd Vater hast, das du seiner Goͤttlichen Natur vnd aller seiner guͤter teilhafftig wirst.Ideo super eadem Epistola Luth. paulo ante citatum ab Osiandro locum inquit: Gott haben ist alle gnad, alle barmhertzigkeit haben vnd alles, was man guts haben kan. Christum haben ist den heiland vnd Mitler haben, der vns dahin bracht hat, das Gott vnser ist vnnd vns bey jhm alle gnad erworben. Ita hic diserte Luth. separans docet aliud esse per mediatorem Christum Deo reconciliari seu iustificari eique amicum fieri, aliud esse, posteaquam es iustificatus, Deum habens amicum et patrem, fieri participem eius diuinae naturae, omniumque eius bonorum. Drumb sagt auch S. Peter im Spruch, den Osiander anzeucht: Wir haben die verheissung empfangen, das wir teilhafftig werden der Goͤttlichen Natur.Vgl. II Petr 1,4. Welche rede gnugsam zu verstehen gibt, das an diesem ort gehandelt wird von
der verheissung der kuͤnfftigen seligkeit vnd nicht von der gegenwertigen oder vergangenen Rechtfertigung der Christen. Wie wir darnach klerlicher anzeigen wollen, wohin solche teilhafftigkeit, geniessung vnd schawung der Gottheit oder teilhafftig sein der Goͤttlichen natur eigentlich gehoͤre vnd zu setzen sey.
Quare et in loco ab Osiandro adducto dicit Petrus nos accepisse promissionem, quod erimus participes diuinae naturae, qui sermo facile indicat de promissione sequuturorum bonorum ibi agi, non de praesenti praeteritaue piorum iustificatione, sicut postea clarius exponemus, quorsum illa participatio, fruitio ac uisio diuinitatis proprie pertineat, referendaque sit.
Bjsher haben wir verleget diejene spruͤch, so Osiander aus D. Mart. buͤcher, seinen jrthumb zu bestetigen, felschlich angezogen hat.
Nu aber wollen wir zum vberflus auch etliche andere zeugnissen D. Luthers setzen, welche oͤf fentlich widder des Osianders meinung streitten. Denn ich sehe, das Osiander vnter anderm betrug sehr hefftig auch darauff dringt, dasseine meinung mit D. Luthers meinung vberein stimme.Sed addemus iam et alia aliquot Lutheri testimonia propalam cum Osiandri sententia pugnantia. Videmus enim eum etiam illud uehementer urgere, quod sententia eius, cum Lutheri sententia prorsus conueniat. Drumb muͤssen wir, der Warheit zugut, mit etlichen mehr spruͤch en anzeigen, was D. Luther gruͤndlich vnd in der Warheit von dieser sache gehalten vnd geleret habe.Quare ad tuendam ueritatem necesse est pluribus dictis ostendere, quidnam uere Lutherus senserit de hac re et docuerit. Jn der grossen Postil, auff den ersten Sontag des Aduents, vber den spruch
Sihe dein Koͤnig koͤmpt, GerechtVgl. Sach 9,9; Mt 21,5. etc., sagt er: Merck dieses stuͤcklein mit fleis, das, wo du in der Schrifft findest das woͤrtlein Gottes gerechtigkeit, das du dasselbige ia nicht uon der SELBWESENDEN innerlichen GERECHTIGKEIT Gottes uerstehest, wie die Papisten, auch uiel heiliger Veter geirret haben, Du wirst sonst dafuͤr erschrecken, Sondern
wisse, das es heist, nach brauch der Schrifft, die gnade und barmhertzigkeit Gottes, durch Christum in uns, dauon wir fur ihm frum und gerecht werden geacht, Vnd heist darumb Gottes gerechtigkeit, oder froͤmigkeit, das nicht wir, sonder sie wircket in uns mit gnaden, gleich wie auch Gottes Werck, Gottes wort, Gottes mund heisset, das er in uns wircket und redet. Dis alles
beweiset klerlich S. Paulus Roma. 1: Ich scheme mich des Euangelij nicht. Denn es ist eine krafft Gottes (Vernim: die inn uns wircket und uns stercket) zur seligkeit allen, die dran gleuben, denn es wird Gottes gerechtigkeit drinnen offenbart, als geschrieben stehet: Der gerechte lebet seines glaubens.Vgl. Röm 1,16f. Hie sihestu, das er uon der gerechtigkeit des glaubens sagt, und
dieselbe nennet er die gerechtigkeit Gottes, im Euangelio uerkuͤndiget, Sintemal das Euangelion leret nicht anders, denn wer da gleubet, der hat gnade, und ist gerecht fur Got, vnd wird selig.Vgl. Luther, Predigt am 1. Advent über Mt 21,1–9, Kirchenpostille (Advent bis Ostern), 1550 (VD 16 L 5615), Bl. 10v; WA 10 I.2, 36,22–37,13 (Aventspostille 1522).In Postilla maiori prima hebdomada aduentus super dictum, Ecce rex tuus uenit tibi iustus etc. inquit: Merck dieses stuͤcklein mit vleyß, das wo du in der Schrifft findest das woͤrtlein Gottes gerechtigkeit, das du dasselbige ia nit von der selbwesenden innerlichen gerechtigkeit Gottes verstehest, wie die Papisten, auch vil heilliger Vetter geirret haben, du wirst sunst darfuͤr erschrecken. Sondern wisse, das es heist, nach brauch der Schrifft, die ausgosne gnad vnd barmhertzigkeit Gottes, durch Christum in vns, dauon wir fuͤr ihm frum vnd gerecht werden geacht, vnd heist darumb Gottes gerechtigkeit oder fromkeit, das nit wir, sondern sie wircket in vns mit gnaden, gleich wie auch Gottes werck, Gottes weysheit, Gottes sterck, Gottes wort, gottes mundt heist, das er in vns wircket vnd redet. Dis alles beweist klerlich S. Paulus Rom. 1: Jch scheme mich des Euangelij nicht, denn es ist ein krafft Gottes (vernim: die in vns wircket vnd vns sterckt) zur seligkeit allen, die daran gleuben, denn es wird gottes gerechtigkeit drinnen offenbaret, als geschriben steht: Der gerechte lebet seines glaubens. Hie sihestu, das er von der gerechtigkeit des glaubens saget, vnd dieselbige nennet er die gerechtigkeit gottes, im Euangelio verkuͤndiget. Sintemal das Euangelion leret nicht anders, denn wer da gleubt, der hat gnad vnd ist gerecht fuͤr Gott vnd wird selig. Hie sagt D. Luther vnterschiedlich zum ersten, das die gerechtigkeit Gottes nicht verstanden sol werden von der selbwesenden vnd innerlichen gerechtig
keit Gottes, wie Osiand. wil. Zum andern leret er, das die vberschwengliche gnade vnd barmhertzigkeit Gottes in vns, das ist des himlischen Vaters gnedige annemung, liebe vnd gunst, damit er vns vmbfehet vmb des verdiensts vnd opffers Christi willen, den wir mit glauben ergreiffen, Gerechtigkeit sey.Hic diserte affirmat Luth. primum, iusticiam Dei, qua per fidem iusti sumus, non esse illam substantialem Dei iusticiam, ut Osiander uult. Secundo, docet illa esse Dei misericordem gratiam et fauorem erga nos propter Christum, id est, illam misericordem acceptationem coelestis patris, illum amorem, illam beneuolentiam, qua nos amplectitur propter Christi Fide a nobis apprehensi meritum et satisfactionem.
Vnd aus dieser Predigt wil Osiander Fa. 79Vgl. Osiander, OGA 10, 164,7–17 (Von dem einigen Mittler, 1551). seine meinung erhal
tenbelegen, stützen, erhärten. Vgl. Art. erhalten 7), in: DWb 3, 835. vnd beweisen, So er doch auch widder seinen willen klerlich sehen mus, das Lutherus gantz vnd gar widder jhn ist. Warumb gibt er denn seine meinung vor fuͤr des Luthers meinung, widder sein gewissen, vnd verfuͤret die arme Herde Christi mit einem falschen schein?
Eben im selben Buch, vber die Epistel am Christag, sagt D. Luther, das die
Gerechtigkeit Gottes, damit wir Gerechtfertiget werden, sey die Barmhertzigkeit Gottes, die darumb Gottes Gerechtigkeit genennet wird, das sie vns aus gnaden zugerechnet vnd geschenckt wird:
So muͤssen wir nun der Schrifft gewonen,uns an den Brauch der Schrift gewöhnen, uns an die Schrift anpassen. die da zweierley gerechtigkeit setzt, Eine menschliche gerechtigkeit, wie sie S. Paulus hie und an uiel mehr
oͤrten nennnet, Die ander eine Goͤttliche gerechtigkeit, das ist, die Goͤttliche gnade, welche uns Rechtfertiget durch den glauben, wie S. Paulus hie ausdruͤcket, und sagt am ende der Epistel also: Auff das wir, durch seine gnade Gerechtigfertiget, Erben seyen des ewigen lebens.Vgl. Tit 3,7. Da sihestu, das Gottes gnade unsere gerechtigkeit ist, Die auch darumb Gottes
Gerechtigkeit heisset, das er sie uns aus gnaden gibt, und unser wird, das wir sie empfahen.Vgl. Luther, WA 10 I.1, 106,1–8 (Kirchenpostille 1522, Epistel in der Früh-Christmess, über Tit 3,4–7).
oder die er fuͤr gerechtigkeit helt. Was ist nu das fuͤr eine gerechtigkeit, oder worinn stehet sie? Das ist sie (spricht er) das ich zum Vater gehe, und ihr mich hinfort nicht sehet.Joh 16,10. Das heisset ia undeudsch und fuͤr der welt lecherlich gnug gered, und, so das erste fremb und tunckel ist, das dis der Welt suͤnde sey, das sie nicht gleubet an ihn, So lautet dis uiel seltzamer und
unuerstentlicher, das dis allein gerechtigkeit sey, das er zum Vater ge -het, und nicht gesehen wirdhet, und nicht gesehen wird.Vgl. Luther, WA 21, 361,27–34 (Crucigers Sommerpostille 1544, Evangelium am 4. Sonntag nach Ostern, über Joh 16,5–15). etc. In eodem libro Dominica 4. post pascha super dictum, Spiritus arguet mundum de iusticia, inquit: Sondern der heilige Geist redt von soͤlcher gerechtigkeit, die fuͤr Gott gilt oder die er fuͤr gerechtigkeit helt. Was ist nG das vor ein gerechtigkeit, oder warin steht sie? Das ist sie (spricht er) das ich zum Vatter gehe vnd jr mich hinfurt nicht sehet. Das heist ja vndeutsch vnd fuͤr der welt lecherlich gnug geredt, vnd so das erste frembt vnd tunckel ist, das dis der welt suͤnd sey, das sie nit gleubet an jn, so lautet dirsic. vil seltzamer vnd vnuerstenlicher,sic. das dis allein gerechtigkeit sey, das er zum Vatteraus: Vattrr. gehet vnd nicht gesehen wird, etc.Item baldt darnach: s:Aber das die Heiligen nicht uerdampt werden, wie die andern, darinn machet allein dis die unterscheid, das sie solche straffe annemen, bekennen vnd klagen, das sie suͤnde haben, Vnd also die frembde
gerechtikeit haben, welche ist allein gantz und gar des HErrn Christi eigen werck, krafft, und uerdienst, welchs er heist zum Vater gehen.s:Et paulo post: Aber das die heiligen nit verdampt werden wie die andern, darin machet allein diß die vnterscheid, daß sie solche straff annehmen, bekennen vnd klagen, daß sie suͤnd haben, vnd also die frembde gerechtigkeit haben, welche ist allein gantz vnd gar des Herren Christi eigen werck, krafft vnnd verdinst, welchs er heist zum Vatter gehen. Den dis wort, das ich zum Vatter gehe, begreifft das gantze werck vnser erloͤsung vnnd Seligung, dazu Gottes Sohn von himel gesand vnd das er fuͤr vns gethan hatt vnd noch thut bis ans ende, Nemlich sein leiden, todt vnd Aufferstehung vnd gantzes reich in der kirchen. Denn dieser ganck zum Vatter heist nichts anders, denn das er sich dahingibt zu einem opffer durch sein blGtuergissen vnd sterben, damit fuͤr die suͤnd zu bezalen, vnd darnach wider durch seine aufferstehung vberwindet vnd vnter seine gwalt bringet Suͤnd, todt vnd helle vnd sich lebendig setzet zur rechten hand des Vatters, da er vnsichtbar regieret vber alles in himel vnd erden vnd seine Christenheit durch die predigt des Euangelij samlet vnd ausbreittet vnd die, so da gleuben, bey dem Vatter als ein ewiger Mittler vnnd hoͤhersic. priester vertrit vnd vorbittet, weil sie noch vberige suͤnd vnd schwacheit haben, darzG des heiligen Geistes krafft vnd stercke gibt, die Suͤnde, Teuffel vnd todt zu uberwinden. s:Denn dis wort, das ich zum Vater gehe, begreifft das gantze werck unserer Erloͤsung und Seligung, dazu Gottes Son uom Himel gesand, Vnd das er fuͤr uns gethan hat und noch thut, bis ans ende, nemlich sein Leyden, Tod, und
Aufferstehung und gantzes Reich in der Kirche. Denn dieser gang zum Vater, heist nichts anders, denn das er sich dahin gibt zu einem opffer, durch sein Blutuergiessen und sterben, damit fuͤr die suͤnde zu bezalen, Vnd darnach widder durch seine Aufferstehung uberwindet und unter seine gewalt bringt, Suͤnde, Todt, und Helle, und sich lebendig setzet zur Rechten hand des
Vaters, da er unsichtbar Regiret uber alles in Himmel und Erden, und seine Christenheit durch die Predigt des Euangelij samlet und ausbreitet, und die so da gleuben, bey dem Vater, als ein ewiger Mitler und Hoher Priester uertrit und uorbittet, weil sie noch ubrige Schwacheit und Suͤnde haben, Darzu des heiligen Geistes krafft und stercke gibt, die Suͤnde, Teuffel, und
Todt zu uberwinden. s:Sihe, das heist und ist nu der Christen Gerechtigkeit fuͤr Gott, das Christus zum Vater gehet, das ist, fuͤr uns Leidet, Aufferstehet, Vnd also uns den Vater uersuͤnet, das wir umb seinet willet uergebung der Suͤnden und gnade haben, das es gar nicht ist unsers wercks noch uerdienstes, sondern allein
seines Ganges, den er thut umb unsern willen, Das heist eine frembde Gerechtigkeit (Darumb wir nichts gethan noch uerdienet haben, noch uerdienen koͤnnen) uns geschenckt und zu eigen gegeben, das sie soll unsere gerechtigkeit sein, Dadurch wir Gotte gefallen, und seine liebe Kinder und Erben sind.Vgl. Luther, WA 21, 363,4–32 (Crucigers Sommerpostille 1544, Evangelium am 4. Sonntag nach Ostern, über Joh 16,5–15). etc.
s:Siehe, das heist vnd ist der Christen gerechtigkeit fuͤr Gott, das Christus zum Vatter geht, das ist: fuͤr vns leidet, aufferstehet vnnd also vns den Vatter versoͤnet, das wir vmb seinetwillen vergebung der suͤnden vnnd gnad haben, das es gar nicht ist vnsers wercks noch verdiensts, sondern allein seines ganges, den er thuͤt vmb vnsern willen, das heist eine frembde gerechtigkeit (darumb wir nichts gethan noch verdienet haben noch verdienen koͤnnen) vns geschenckt vnd zueigenaus: zuegen. geben, daß sie soll vnser gerechtigkeit sein, dadurch wir Gott gefallen vnd seine liebe kinder vnd erben sindt, etc. Hie leret er nach der leng klerlich vnd vnterschiedlich, das vnsere Gerechtigkeit sey der Gang Christi zum Vater. Jtem, das dieser gang begreiffe alle, sein Thun vnd Leiden dazu jhn der Vater vom Himel gesand hat, das ers fuͤr vns volbringen solte.Hic prolixe, clare et diserte dicit Lutherus iusticiam nostram esse illud Christi ad Patrem ire. Quod ire complectatur omnes actiones et passiones Christi, ad quas propter nos peragendas a Patre coelitus missus est. Jn der grossen Postil, den 19. Sontag nach Trinitatis, bringt er die gantze Pre
digt zu mit der lehr von Christlicher Gerechtigkeit. Wens nicht zu lang wuͤrde, so wolten wir dieselbe gantze predigt hierein setzen. Sie ist aber jtzt newlich zu Nuͤrnberg in besonderheit gedruckt, mit vielen andern zeugnissen gelerter Leut widder den Osiander.Gemeint ist wohl: Von Christlich= || er gerechtigkeyt / oder ver || gebung der sünden / ein schoͤne v] || herrliche predigt / sampt andern Spruͤ= || chen / auß der heiligen schrifft / gepre= || digt vnd außgelegt / durch den || Ehrwirdigen Herrn D. || Mart. Luther heyli || ger gedechtnus. || Allen betruͤbten vnd engstigen gewissen || heylsam vnnd troͤstlich / Auch zu war= || nung das sie den hohen vnd troͤstlichen || artickel vnsers Christlichen glaubens / || von vergebung der suͤnden allein durch || Christum nicht zu kalt noch zu gering || achten. || Jch glaub vergebung der || sünden. [Kolophon: Gedruckt zG Nuͤrnberg durch Joha] || vom Berg vnd Vlrich || Newber.] (VD 16 ZV 30149), darin Bl. A5r–C4r die Predigt über Mt 9,1–8; vgl. WA 29, 564–582. Jn derselben predigt handelt er vornemlich drey fragen von Christlicher Gerechtigkeit.
Dominica 9. post Trinitatis in postilla maiori tota consumitur in docenda Christiana iusticia, quam, nisi prolixitatem uitaremus, totam hic interponeremus. Tractat ibi tres quaestiones de Christiana iusticia. Die erste ist, Worinne die Christliche Gerechtigkeit stehe. Hie antwortet er: Jn barmhertzigkeit oder vergebung der suͤnden. Denn im ersten Paragrapho, da er nu zur sachen koͤmpt, spricht er: Vber diese eusserliche froͤmkeit ist nu eine andere, die nicht auff Erden. etc.Vgl. Luther, WA 29, 569,25. Vnd bald darnach: Das ist nu die, so mann heisset Gottes gnade, oder Vergebung der suͤnden. Dauon
Christus in diesem vnd andern Euangelien sagt, etc.Vgl. Luther, WA 29, 569,35f. Nicht lang darnach eben uon diesem handel spricht er also: Darumb gehoͤret kunst und uerstand dazu, das man diese gerechtigkeit ergreiffe und halte etc.Vgl. Luther, WA 29, 570,28f. Vnd aberwiederum. ein wenig darnach: Darumb sol diese lehr gefasset werden, das man gentzlich dafuͤr halte, unsere froͤmkeit fuͤr Got heisse Vergebung der
suͤnde. etc.Vgl. Luther, WA 29, 572,19f.Prima, in quo consistat. R.Respondet. in misericordia seu remis-sione peccatorum. Inquit enim in primo paragrapho, cum ad rem uenit:Vber diese eusserliche fromkeit ist nu ein andere, die nicht auff erden, etc. Sequitur statim: Das ist nu die, so man heisset Gottes gnade oder vergebung der suͤnden, etc. Dauon Christus in diesem vnd andern Euang. sagt, etc. Aliquanto post de eadem re loquens ait: Darumb gehoͤrt kunst vnd verstand darzu, das man diese gerechtigkeit ergreiffe vnd halte, etc. Et aliquanto post: Darumb soll diese lehr gefasset werden, das man gentzlich darfuͤr halte, das vnser fromkeit fuͤr Gott heisse vergebung der suͤnden, etc. Zum andern leret er, was die vornempste Vrsach, proxima efficiens causa, sey, dadurch vns solche Gerechtigkeit zu wegen bracht werde, vnd gleichsam aus welchem brunnen sie auff vns fliesse, nemlich aus dem verdienst vnd gnugthuung Christi. Denn im anfang der andern Frage sagt er also: Das sey
fuͤr das erste gesagt, was die Christliche gerechtigkeit sey, und worinne sie stehet. Fragstu nu wei-ter, wo her sie komme oder wodurch sie zu wegen bracht oder erworben sey? Antwort: Daher koͤmpt sie, das Jhesus Christus, Gottes Son, uom Himel kommen und mensch worden, fuͤr unsere Suͤnde gelitten hat und gestorben ist. Das ist die ursach und Mittel und der
Schatz, durch welches willen uns die Vergebung der Suͤnden und Gottes gnade geschenckt ist.Vgl. Luther, WA 29, 575,37–576,17.Secundo docet per quam principalem efficientem causam nobis talis iusticia contingat, et ueluti ex quo fonte in nos fluat, nempe ex merito seu satisfactione Christi. Inquit enim initio secundae quaestionis: Zum dritten disputiret er von dem Mittel, dadurch vns solche Gerechtigkeit heimgebracht wird, nemlich durchs wort vnd die Sacrament. Denn im anfang der dritten Frage sagt er also: Das dritte, wie oder wodurch wird uns nu sol
che gerechtigkeit heimgebracht, das wir den Schatz durch Christum erworben, empfahen? etc.Vgl. Luther, WA 29, 578,38f. s:Das sey fGr das erste gesagt, was die Christliche gerechtigkeit sey vnd warinne sie stehet. Fragstu nG weitter, woher sie komme oder wodurch sie zuwegen bracht oder erworben sey? Antwort: daher kommet sie, das Jesus Christus, gottes Sohn, von himel kommen vnd mensch worden, fuͤr vnsere suͤnd gelitten hat vnd gestorben ist; das ist die vrsache vnd mittel vnd der schatz, durch welchen vnd vmb welches willen vns die vergebung der sGnde vnd Gottes gnade geschenckt ist. Also leret vns D. Luther inn dieser Predigt auffs allerdeutlichste, Wie es allenthalben in allen stuͤcken mit der Gerechtigkeit des glaubens zugehe. Die Gerechtigkeit heist er Vergebung der Suͤnden oder Gnad, das ist: solche an
nemung des Suͤnders, die aus gnaden geschihet, heisset nirgent nicht die wesentliche gerechtigkeit Gottes. Die nehste vornempste Vrsach oder proximam principalem causam heist er den verdienst, gehorsam vnd leiden Christi. Die Jnstrument, damit wir solchs ergreiffen, heist er den Glauben, das Wort vnd die Sacrament Vnd weiset die Suͤnder gar nirgent an keinem ort auff die ewi
ge, wesentliche gerechtigkeit des Sons Gottes. Tertio disputat de medio, per quod nobis ea iusticia applicetur, nempe per uerbum et Sacramenta. Nam in principio tertiae quaestionis sic inquit: Das dritte, wie oder wodurch wird vns nu soͤlche gerechtigkeit heimgebracht, das wir den schatz durch Christum erworben, empfahen etc. Darumb koͤnnen wir aus dieser einigen Predigt reichlich vnd on allen zweyffel vers tehen, das D. Luther nichts weniger gehalten habe, denn das die Gerechtigkeit des glaubens, dadurch der Suͤnder gerechtfertigt wird, die Ewige, wesentliche gerechtigkeit Gottes sey.
In ea ergo concione dilucidissime totam materiam iusticiae fidei Christi Luth. nobis exponit: ipsam iusticiam dicit esse remissionem peccatorum seu gratiam, id est gratuitam acceptationem. Proximam principalem causam eius dicit esse meritum, obedientiam seu passionem Christi. Instrumentalem uero causam affirmat esse fidem et Verbum ac Sacramenta. Nusquam prorsus peccatores ad illam aeternam substantialemque filij Dei iusticiam remittit. Jn der Hauspostil, den 4. Sontag nach Ostern, treibt er viel vnd fleissig, das der gang Christi zum Vater, das ist das Leben, Leiden, Aufferstehung vnd Himelfart Christi, vnsere Gerechtigkeit sey. Auff das aber der Le-ser hieuon deste bessern bericht habe, So wil ich etliche spruͤch aus derselben Predigt alhie erzelen, wie folget:
Ex quo solo sermone sine ulla dubitatione intelligere possumus, Lutherum nihil minus sensisse, quam iusticiam fidei, qua peccator iustificatur, esse illam aeternam substantialemque Dei iusticiam. Darumb, wenn wir wollen recht from werden, so muͤssen wirs mit unsern wercken nicht anfahen. Es wirds nicht thun, das du ein Muͤnch werden, So uiel fasten und beten woltest. Das aber wird es thun, wenn du wilt der Suͤnde los und ein Christ werden, das du weist, das Christus zu seinem Vater ist gangen,Vgl. Luther, WA 52, 294,4–8 (Hauspostille 1544, Evangelium am 4. Sonntag nach Ostern, über Joh 16,5–15). etc.
In Domestica postilla Dominica 4. post Pascha multum ac diligenter inculcat nostram iusticiam esse illud Christi ire ad patrem, id est, Vitam, Passionem, Resurrectionem et Ascensionem Christi. Quod ut certius lectori constet, adscribam aliquot dicta ex ea concione excerpta. Folget bald: Durch gute werck wirstu nicht from noch gerecht fuͤr Gott, das geschicht alleine dadurch, das Christus zum Vater gehet; der weg alleine und kein ander ists, dadurch wir uon Suͤnden erloͤset und gerecht werden. s:Darumb, wen wir woͤllen recht from werden, so mussen wirs mit vnsern wercken nit anfahen. Es wirdts nicht thuͤn, das du ein Munch werden, so viel fasten vnd betten woltest. Das aber wirdt es thuͤn, wen du wilt der suͤnden los vnd ein Christ werden, daß du weist, daß Christus zG seinem Vatter ist gangen etc. Des HERRN Christi gang aber heist anders nicht, denn das er gelitten und am Creutz gestorben und durch den Tod uon dieser Welt abgescheiden ist
und zum Vater gangen, das ist: gen Himel auffgefaren, da er sitzt zur Rechten Gottes und regieret. Das ist der Schatz gar, dadurch wir from werden, das also keine Gerechtigkeit ist in meiner krafft noch uermoͤgen, sondern des HErrn Christi, das er zum Vater gehet, das ist nu auff Deudsch so uiel gesagt: Niemand wird gerecht, Selig, noch uon Suͤnden los, denn alleine da
durch, Das Ihesus Christus gelidden hat, gestorben, und uon den Todten wider aufferstanden ist. Dieser gang machet gerecht und sonst nichts etc.Vgl. Luther, WA 52, 294,10–21 (Hauspostille 1544, Evangelium am 4. Sonntag nach Ostern, über Joh 16,5–15).Sequitur statim: Durch guete werck wirstu nit from vnd gerecht fuͤr Gott, das geschicht allein dardurch, das Christus zum Vaͤtter geht. Der weg allein vnd kein ander ists, dadurch wir von suͤnden erloͤset vnd gerecht werden. Folgt bald: Hie stehet, das es alleine der gang Christi zum Vater thun und ausrichten sol. Solchs ist die gerechte und ware Gerechtigkeit, da die Welt nichts uon weis und allein der heilige Geist uon leret etc.Vgl. Luther, WA 52, 294,25–28 (Hauspostille 1544, Evangelium am 4. Sonntag nach Ostern, über Joh 16,5–15).
s:Des Herrn Christi gang aber heist anders nicht, denn das er gelitten vnd am creutz gestorben vnd durch den tod von dieser welt abgescheiden ist vnd zum Vatter gangen, das ist: gehn himel auffgefaren, da er sitzet zur rechten Gottes vnd regieret; das ist der Schatz gar, dardurch wir frum werden, das also kein gerechtigkeit ist in meiner krafft noch vermoͤgens, sondern des Hern Christi, das er zum Vatter geht, das ist nu auff deutsch souiel gesagt: Niemandt wird gerecht, selig noch von suͤnden loß, den alleine dardurch, das Jesus Christus gelitten hat, gestorben vnd von den todten wider aufferstanden ist. Dieser gang machet gerecht vnd sunst nichts etc. Folgt bald: Darumb stehet diese meinung fest und gewis, das wir keineB; C: kiene. andere gerechtigkeit noch ewiges leben koͤnnen haben, denn diese, Das Ihesus Christus uon dieser Welt zum Vater gangen ist. Dabey, sprich, wil ich bleiben, und sol mirs der Teuffel nicht nemen noch umbstossen,Vgl. Luther, WA 52, 294,32–35 (Hauspostille 1544, Evangelium am 4. Sonntag nach Ostern, über Joh 16,5–15). etc.Sequitur statim: Hie stehet, das es alleine der gang vnsers Hern Christi zum Vatter thun vnd ausrichten solle. Solchs ist die rechte vnd ware gerechtigkeit, da die welt nichts von weiß vnd alleine der heilige Geist von lehret, etc. Item ein wenig darnach: Denn, das mus in alle wege sein, das man dis
werck mit dem glauben fasse, An die-sem gang und werck Christi hat es keinen mangel. Christus hats ausgerichtet, und ligt fortan nur an dem, das wir es mit glauben annemen und uns solchs troͤsten. Gleubstu es, So hastu es, Gleubstu es aber nicht, so hastu nichts daruon. Das also unsere gerechtigkeit rein und gar ausser uns genommen, und allein auff Christum
und sein werck oder seinen gang gesetzt werde, auff das wir gewis wissen, wo wir endlich bey sollen bleiben, etc.Vgl. Luther, WA 52, 295,1–7 (Hauspostille 1544, Evangelium am 4. Sonntag nach Ostern, über Joh 16,5–15).Sequitur statim: Darumb stehet diese meinung fest vndaus: and. gewiß, das wir keine ander gerechtigkeit noch ewiges leben koͤnnen haben denn diese, das Jesus Christus von dieser welt zum Vatter gangen ist; darbey, sprich, will ich bleiben, vnd soll mir der Teuffel nit nemen noch vmbstossen, etc. Vnd bald darnach: Darumb hats unser lieber HERR Christus gantz und gar uon uns weggenomen und auff sich selbs gesetzt, das wir uns darauff gruͤnden sollen, unsere Gerechtigkeit heisse und sey sein Gang, sein Sterben, sei
ne Gnugthuung, etc.Vgl. Luther, WA 52, 295,11–14 (Hauspostille 1544, Evangelium am 4. Sonntag nach Ostern, über Joh 16,5–15).s:Aliquanto post: Den das mus in all wege sein, das man diß werck mit dem glauben fasse; an diesem gang vnd werck Christi hat es keinen mangel. Christus hats ausgerichtet vnd liget fortan nur an dem, das wir es mit glauben annemen vnd vns solches troͤsten. Gleubstu es, so hastu es, gleubstu es aber nicht, so hast du nichts dauon, das also vnser gerechtigkeit rein vnd gar ausser vns genomenaus: genohnen. vnd alleine auff Christum vnd sein werck oder seinen ganck gesetzt werde, auff das wir gewys wissen, wo wir endtlich bey bleiben sollen, etc. Folgt bald: Ein Christi aber hat eine sonderliche kunst, da die Welt nicht uon weis, nemlich das es ausser dem glauben alles Suͤnde sey, und das die rechte, Ewige Gerechtigkeit allein auff dem stehe, das Christus zum Vater gehet und wir ihn nicht sehen, etc.Vgl. Luther, WA 52, 295,31–33 (Hauspostille 1544, Evangelium am 4. Sonntag nach Ostern, über Joh 16,5–15).
s:Darumb hats vnser lieber Herr Christus gantz vnd gar von vns weg genomen vnd auff sich selbs gesetzt, das wir vns darauff grunden sollen, vnser gerechtigkeit heisse vnd seie sein gang, sein sterben, sein gnug thGung etc. Aus diesen spruͤchen erscheinet hell vnd klar, vnd mus ein ieder auch wider seinen willen bekennen, das D. Luth. geleret vnd gehalten habe, das vnsere gerechtigkeit in den wercken vnd verdiensten Christi, die von jm nach seiner menschwerdung ausgerichtet vnd vns durch den glauben zugerechnet werden, vnd nicht in seinem ewigen Goͤtlichen wesen stehe.
Sequitur statim: Ein Christ aber hat ein sonderliche kunst, da die welt nicht von weis. Nemlich daß es ausser dem glauben alles suͤnd sey vnd das die rechte, ewige gerechtigkeit allein auff dem stehe, das Christus zum Vatter gehet vnd wir jn nit sehen etc. Jn der auslegung vber den Psalm Miserere mei schreibt D. Luther also: Diese Gerechtigkeit aber (verstehe die Vergebung der suͤnde durch den verdienst Christi, denn von derselben redt er im vorgehenden Text), ist sie nicht eine frembde gerechtigkeit? sintemal sie gantz und gar in eines andern nachlassung stehet und eine lautere gabe Gottes ist, der sich erbarmbt Vnd
umb Christus willen gnedig ist?Vgl. Luther, WA 40 II, 353,29–31: Haec autem iusticia an non aliena iusticia est, quae tota consistit in alterius indulgentia et merum donum est Dei miserentis et propter Christum faventis? (Enarratio Psalmi LI, 1532).Ex hisce dictis clarissime apparet et etiam nolentibus, Lutherum sensisse et docuisse iusticiam nostram esse et consistere in operibus et meritis Christi post incarnationem effectis, nobisque per fidem imputatis, et non in illa eius aeterna diuinaque essentia. Folgt bald: Darumb ist ein Christi nicht formaliter gerecht, Ist nicht gerecht secundum substantiam, aut qualitatem (Diese wort brauche ich darumb, dasmans deste besser uerstehen moͤge), sonder ist gerecht secun-dumdumprae praedicamentum ad aliquid, nemlich, sofern man Gottes gnad allein und die
geschanckte uergebung der Suͤnden ansihet, welche denen, die ihre Suͤnde bekennen und gleuben, das ihnen Gott guͤnstig sey und die Suͤnde uergebe umb Christus willen, der fuͤr unsere suͤnde in Tod gegeben ist und uon uns mit glauben ergriffen wird, widerferet, etc.Vgl. Luther, WA 40 II, 353,36–354,19: Ergo Christianus non est formaliter iustus, non est iustus secundum substantiam aut qualitatem (docendi causa hisce vocabulis utor), sed est iustus secundum praedicamentum ad aliquid, nempe respectu divinae gratiae tantum et remissionis peccatorum gratuitae, quae contingit agnoscentibus peccatum et credentibus, quod Deus faveat et ignoscat propter Christum pro peccatis nostris traditum et a nobis creditum. (Enarratio Psalmi LI, 1532).In commentario, super Miserere mei, inquit Luth.: Haec autem iusticia (loquitur in praecedentibus de remissione peccatorum per meritum Christi) an non aliena iusticia est, quae tota consistit in alterius indulgentia, et merum donum est Dei miserentis et propter Christum fauentis? Vber den Psalm De profundis schreibt er also: Allein in diesem Artickel hat
das gewissen ruge, das es sich schlecht, on alles zuthun seiner eigen wirdigkeit, gantz nacket und blos (das ich so rede) auff die gantz blosse Barmhertzigkeit Gottes durch Christum ergibt und sprich: Ah HERR, ich hab deine Verheissung, das allein deine barmhertzigkeit gerechtigkeit sey, welche gerechtigkeit nichts anders ist, denn deine uergebung, das ist: das du die Suͤn
de nicht rechen wilt, etc.Vgl. WA 40 III, 349,26–31: In hoc autem uno acquiescit conscientia, quod simpliciter, sine ullo additamento propriae dignitatis, nudissima, ut sic dicam, nudissimae misericordiae Dei per Christum se committit et dicit: O domine, habeo tuam promissionem, quod ex sola misericordia sit iusticia, quae iusticia nihil aliud est quam tua ignoscentia, id est, quod non vis observare iniquitates etc. (In XV Psalmos graduum, 1532/33, zu Ps 130,4).Sequitur statim: Ergo Christianus non est formaliter iustus, non est iustus secundum substantiam aut qualitatem (docendi causa hisce uocabulis utor) sed est iustus secundum praedicamentum ad aliquid, nempe respectu diuinae gratiae tantum et remissionis peccatorum gratuitae, quae contingit agnoscentibus peccatum, et credentibus, quod Deus faueat et ignoscat propter Christum pro peccatis nostris traditum, et a nobis creditum etc. Folgt bald darauff: Derhalben befele ich euch diese Dauidische beschreibung der gerechtigkeit, das die Suͤnde rechnen heist Verdammen, Vnd widderumb, die Suͤnde nicht rechnen heist rechtfertigen oder gerecht sprechen, Vnd das dis gerechtigkeit ist, wenn die suͤnde nicht gerechent, sonder uer
ziehen, uergeben vnd nicht zugerechent werden, Wie er sonst an einem andern ort einen seligen Man beschreibet, und Paulus dieselbe beschreibung gantz eigentlich anzeucht, mit diesen worten: Wol dem, dem der HERR die suͤnd nicht zurechentVgl. Röm 4,8. – Sagt nicht: Wol dem, der keine Suͤnd hat, Sonder: Wol dem, dem der HERR die suͤnde, die er hat, nicht zurechent, Wie er auch
hie sagt: Dem die suͤnde nicht zugerechent werden. Solche zeugnissen sol man fleissig zusammen lesen, auff das wir sehen, wie diese lehr in der heiligen Schrifft gegruͤndet, und alles uertrawen auff die gerechtigkeit unserer werck und des Gesetzes, uon Gott abgeschnitten ist,Vgl. Luther, WA 40 III, 349,32–350,18: Commendo igitur vobis hanc Davidicam definitionem iusticiae Christianae: Quod observare peccatum est condemnare, econtra non observare peccatum est iustificare seu iustum pronunciare; Et quod iusticia est, quando non observantur peccata, sed ignoscuntur, condonantur et non reputantur, sicut alio in loco beatum definit et Paulus eam definitionem valde proprie allegat: Beatus vir, cui non imputavit Dominus peccatum. Non enim dicit: Beatus vir, qui non habet peccatum, sed cui peccatum, quod habet, Dominus non imputavit; sicut hic quoque dicit: Cum non observantur peccata. Haec testimonia diligenter colligenda sunt, ut videamus, quomodo haec doctrina sit fundata in scriptura sancta et quomodo omnis fiducia iusticiae, operum et legis in iudicio Dei praecisa sit. (In XV Psalmos graduum, 1532/33, zu Ps 130,4). etc.Super de profundis uero sic scripsit: In hoc uno acquiescit conscientia, quod simpliciter sine ullo additamento propriae dignitatis, nudissima, ut sic dicam, nudissimae misericordiae Dei per Christum se committit, et dicit: O Domine, habeo tuam promissionem, quod ex sola misericordia sit iusticia, quae iusticia nihil aliud est, quam tua ignoscentia, id est, quod non uis obseruare iniquitates etc. Jn diesen spruͤc hen setzt D. Luther vnsere gerechtig-keit klerlich in
das leiden, gehorsam oder verdienst Christi vnd in vergebung der suͤnden oder Gottes milde, guͤte. Welche stuͤck nicht widdernander sein. Denn so fern vns Gott den verdienst Christi zurechent, so fern vergibt er die suͤnde (in welcher vergebung, Wie droben gesagt, auch die erfuͤllung des Gesetzes begriffen ist), schetzt vns fuͤr gerecht vnd wird vnser gnediger Vater. Also
zureisset er Christum vnd seine wolthat nicht, Wie Osiander thut, da er der menscheit Christi die vergebung der suͤnden oder erloͤsung, vnd der Gottheit die rechtfertigung oder vnsere Gerechtigkeit zuschreibt.Sequitur statim: Commendo igitur uobis hanc Dauidicam definitionem Christianae iusticiae, Quod obseruare peccatum, est condemnare, econtra non obseruare peccatum, est iustificare eu iustum pronunciare. Et quod iusticia est, quando non obseruantur peccata, sed ignoscuntur, condonantur, et non reputantur, sicut alio in loco beatum definit, et Paulus eam definitionem ualde proprie allegat: Beatus uir, cui non imputauit Dominus peccatum. Non enim dicit, Beatus uir, qui non habet peccatum, sed cui peccatum, quod habet, Dominus non imputauit, sicut hic quoque dicit, Cum obseruantur peccata.
Jch hette wol koͤnnen zusammen ziehen vnd lesen einen grossen hauffen der spruͤch D. Luthers, die klerlich beweisen vnd anzeigen, das vnsere gerech
tigkeit stehe in annemung des suͤnders, die aus gnaden geschicht vmb Christi verdienst vnd gnugthuung willen, die mit dem glauben ergriffen vnd gefasset wirdt, Vnd nicht in der ewigen Essentz oder wesen der Gottheit oder ernsten vnd gestrengen Gerechtigkeit. Aber kuͤrtz halben, vnd das ich dem leser nicht verdrieslich were, hab ichs vnterwegen gelassen,unterwegen gelassen = unterlassen. Vgl. Art. unterwegs I.6.e), in: DWb 24, 1888. Sonderlich weil
eine lange schrifft in druck oͤffentlich ist ausgangen, in welcher die gezeugnis D. Luthers vnd anderer gelerten widder Osiandrum zusamen gebracht sind.Gemeint ist vermutlich: [Wofgang Waldner (Hg.):] Christlicher vnd Gruͤndt= || licher bericht / Von der Rechtfertigung des || Glaubens / Einwonung Gottes || vnd Christi in vns. || Der Ehrwirdigen / Gottseligen Herrn || vnnd Euangelischer warheyt Lehrern. || D. Martini Luthers heyliger gedecht= || nuß / Johannis Brentzij / vnnd || Vrbani Regij Se= || ligen. || 1. Thessa. 2. || [Nürnberg 1551: Hans Daubmann] (VD 16 L 4991).
Osiander zeucht auch Augustinum an, Epistola 85,Vgl. Osiander, OGA 10, 212,24–214,3 (Von dem einigen Mittler, 1551). Augustinus Consentio ad quaestiones de Trinitate sibi propositas, ep. 120, PL 33, 452–462. Vnd wolt gern beweisen das seine meinung von der Aposteln zeit her in der Kirchen gebreuchlich
vnd angenommen sey gewesen.
Er thut im aber vnrecht, ja er wil der Kirche Gottes durch jhn vnrecht thun. Denn wiewol es Augustinus mit der gewoͤnlichen lehr vnserer kirchen gehalten hat, Wie aus vielen orten gnugsam zu vernemen, So hat er doch gemeinlich solcher rede gebraucht, das er sagt Wir werden gerecht durch vnsern ge
horsam gegen dem Gesetz, welchen gehorsam wir, nachdem wir vom heiligen Geist durch den glauben in Christum wider new geboren sind vnd den heiligen Geist empfangen haben, Gotte leisten. Vnd widderholet offt diese wort: Quod lex praecipit, hoc ut facere possis, praestat Christus.Bislang nicht nachgewiesen. – Christus macht, das du halten kanst, was das Gesetz gebeut. Also setzt er
auch an diesem ort vnsere gerechtigkeit in einem gerechten leben. Denn im Lateinischen text stehet Cum ei adhaerendo iuste uiuimusVgl. Augustinus, ep. 120, 4 [19] (PL 33, 461): ita cum in seipsa sit justitia, etiam nobis fit justitia, cum ei cohaerendo juste vivimus; et tanto magis minusve justi sumus, quanto magis illi minusve cohaeremus. – Wenn wir an Christo hangen vnd gerecht leben, Setzt also das anhangen an Christo in dem, das der mensch recht lebet, das ist: Gotte gehorsam ist. Hette ers mit dem Osiander gehalten, so wuͤrde er so gesagt haben: Wenn die gerechtigkeit in
vnsern hertzen ist, so sind wir gerecht Vnd wuͤrde die Gerechtigkeit nicht gesatzt haben in einem rechten leben. Denn er leret, das wir der gerechtigkeit Christi denn allererst teilhafftig werden, wenn wir Christo anhangen mit einem gerechten leben.
Das es aber Augustinus mit dem Osiander gar nicht helt, ist leicht zu bewei
sen aus den nechstfolgenden worten, denn er sagt: Sumus etiam tanto magis minusue iusti, quanto magis minusue Deo adhaeremus,Vgl. die vorige Anmerkung. das ist: Wir sind so viel mehr oder weniger gerecht, je mehr oder je weniger wir Gotte anhangen. Was Christo anhangen heisse nach S. Augustinus meinung, haben wir itzt gehort, nemlich gerecht leben. Osianders meinung aber leidet in keinen
weg, das wir mehr oder weniger gerecht sein, wie denn die gewoͤnliche meinung vnserer kirchen solchs auch nicht leidet, ja Osiander sagt: Sobald wir die Gotheit jns hertz fassen, so sind wir volkoͤmlich gerecht.
Derhalben, gleich wie die einwonung Gottes in vns nicht mehr noch weniger wird, sonder wonet in vns oder wonet nicht in vns, Also auch die gerechtig
keit Gottes, die Gott selber ist: so sie in vns ist, wird sie wedder mehr noch weniger. Derhalben Augustinus, weil er vnsere gerechtigkeit darin setzt, das wir Gotte anhangen vnd gerecht leben, so kan er die gerechtigkeit hoch vnd nidrig ziehen. Denn wir koͤnnen mehr oder weniger gerecht leben, koͤnnen vnsern gehorsam gegen Gott hoch vnd nidrig ziehen, Osiander aber
kan nicht seine gerechtigkeit hoch vnd nidrig ziehen oder spannen. Denn Substantia, das wesen, vornemlich das Gottlich wesen, wird weder mehr noch weniger. Entweder es ist die wesentliche gerechtigkeit Gottes in vns, oder nicht. Jst sie in vns, so ist sie gantz vnser. Jst sie nicht in vns, so sind wir gantz Vngerecht. Vnd so redt Osiander hin vnd widder in seinem Bekentnis.
Also erscheinet hieraus klerlich, das Augustinus vom Osiander sehr weit vnterscheiden ist. Denn Augustinus setzt die gerechtigkeit im gerechten leben (oder in guten wercken), dadurch wir Gotte anhangen, Osiander aber darin, das wir die Gottheit im hertzen haben.
Gleicherweise zeucht er auch Chrysostomum felschlich an. Denn Chrysosto
mus sagt: Wir werden gerechtfertigt durch die gerechtigkeit, quae est e supernis, die von oben ist, Welchs Osiander fast betrieglich die allerhoͤchste gerechtigkeit gedeudscht hat Vnd sagt, diese gerechtigkeit sey Gott selbs.Vgl. Osiander, OGA 10, 296,16–22, mit Bezug auf Johannes Chrysostomos, Commentarius in epistolam ad Romanos, Homilia 2,6
(PG 60, 409):
δίκαιος τὴν ἀνωτάτω δικαιοσύνην . Es kan aber weder dieses noch der gleichen aus dem text beweiset werden. Denn ob wol alle wolthaten Christi, die er vns durchs Euangelium schenckt
(wie auch der glaube selbs ist), nicht irdisch, sonder Himlisch oder von oben sind oder von oben herab komen, so sind sie doch gleichwol nicht das Goͤtliche wesen. Drumb ist hieraus zu sehen, wie betrieglich Osiander die alten Veter anzeucht vnd wie sie jm zu seinem newen gedicht gar nicht dienen.
der rechtfertigung des Suͤnders erzelet vnd beweiset vnd des Osianders Argument, die er aus der Heiligen Schrifft vnd aus D. Luthers vnd der Veter schrifft angezogen hat, mit Gottes huͤlff verlegt. Nu wil ich auch kuͤrtzlich sagen, was ich halt von der Wesentlichen Gerechtigkeit des Sons Gottes.
Haec testimonia diligenter colligenda sunt, ut uideamus, quomodo haec doctrina sit fundata in scriptura sancta, et quomodo omnibus fiducia iusticiae operum et legis in iudicio Dei praecisa sit etc. Denn es moͤcht vielleicht einer sagen: Hat denn die wesentliche Gerechtigkeit des Sons Gottes nichts gethan zu vnserer Rechtfertigung? Oder seyd jhr auch feinde der Gerechtigkeit Chr isti? Wie Osiander seine widdersacher hart beschuͤldigt.In hisce dictis Lutherus clare collocat iusticiam nostram, tum in passione, obedientia seu merito Christi, tum et in remissione peccatorum, seu gratuito Dei fauore. Quare inter se non pugnant. Nam quatenus Deus nobis meritum Christi imputat, eatenus peccata remittit (in qua peccatorum remissione, ut superius dictum est, et imputatio legis continetur) nos pro iustis habet, nosterque fauens pater fit, nec usque lacerat Christum Osiander lacerat Christum et eius beneficia.et eius beneficium, ut Osiander, humanitati quidem remissionem peccatorum, diuinitati uero iustificationem seu iusticiam nostram tribuit. s:Antwort: Wir halten in keinen weg, das die Gottheit Christi von der menscheit,
welche beide Naturn Gott in Christo zu vnserer erloͤsung so hartfest. Vgl. Art. hart 13), in: DWb 10, 507f. vereinigt hat, abzuscheiden sey, Sonder gleuben, das wir durch den gantzen gehorsam vnd ernidrigung Christi, der da warer mensch vnd Got ist in einerley person, damit er das Gesetz fuͤr vns erfuͤllet hat, Gerechtfertigt vnd mit Gotte versuͤnet werden.
Hactenus, tum ueram usitatamque instauratis Ecclesijs sententiam, de peccatoris iustificatione recitauimus et confirmauimus, tum et Osiandri Argumenta, tam ex sa-cris literis quam scriptis Lutheri desumpta, Dei ope, refutauimus. Iam breuiter dicemus, quidnam sentiamus de substantiali illa filij Dei iusticia. Denn die wesentliche Gerechtigkeit des Sons Gottes, gleich wie auch seine weisheit, Almechtigkeit vnd alle seine tuͤgende sampt der gantzen Gottheit, ist one zweyfel nicht muͤssig gewest in erloͤsung oder versuͤnung der Welt. Vnd dieser vnser hoher Priester hat eine solche hohe vnd gerechte person sein muͤssen, sintemal er nicht allein die Suͤnde der gantzen Welt vnd den
gerechten zorn Gottes auffheben, Teuffel, Hell, Welt vnd Todt vberwinden, sonder auch vns verzweiffelteverworfene, verdammte. Vgl. Art. verzweifeln C.2.a.β), in: DWb 25, 2689. boͤse Buben vnd feinde Gottes zu Gottes freunden, Hausgenossen, Kindern vnd Erben des ewigen lebens vnd aller guͤter Gottes machen wolte.Vgl. Röm 5,6–10; 8,16f; Eph 2,19; I Joh 3,1. Denn die menscheit Christi allein hette in keinen weg solche grosse ding koͤnnen ausrichten.
Nam dicet forte aliquis, nihil ne ergo substantialis illa filij Dei iusticia fecit ad nostri iustificationem, aut et uos estis inimici iusticiae Christi, sicut Osiander suos aduersarios duriter accusat? Es ist auch die wesentliche Gerechtigkeit, weisheit vnd gewalt des Sons Gottes, ja seine gantze Gottheit, nicht allein auffs hoͤchst von noͤten gewest, vnsere versuͤnung oder erloͤsung zu erlangen, Sondern sie sitzt auch jtzundt mit der menscheit Christi in einerley person zur rechten des Vaters mit vnserm vberaus grossem, noͤtigen nutz, vnd ist alda vnser mitler vnd hoher
Priester fuͤr Got.Quid sentiendum de essentiali Iusticia Christi.Nos uero nequaquam putamus diuinitatem Christi ab humanitate, quas duas naturas in Christo tantopere Deus coniunxit, ut nostri reconciliatione, distrahendas, sed utriusque naturae, totius Christi obedientia et exinanitione nos iustificari, Deoque reconciliari credimus. Vnd endlich, sintemal sie (die Gottheit Christi) inn vns wonet vnd wir Christi als vnsers heupts glieder sein,Vgl. I Kor 12,27. So werden wir derhalben auch theilhafftig seiner Gerechtigkeit, weisheit, almechtigkeit vnd Gottheit Vnd werdens nach diesem leben noch mehr teilhafftig werden, Wenn wir Gottes
nu nicht mehr durch den glauben geniessen, sonders Got von angesicht zu angesicht (wie Paulus sagt)Vgl. I Kor 13,12. sehen, mit Christo sein vnd vns seiner frewen werden, ja auch, wie Johannes saget,Vgl. I Joh 3,2. Christo gleich werden.Caeterum substantialis illa filij Dei iusticia, sicut et sapientia, omnipotentia et omnes eius uirtutes, totaque diuinitas, haud dubie non fuit ociosa in mundi redemptione seu reconciliatione. Oportuit enim talem et tantum esse illum nostrum pontificem, si non tantum peccata totius Mundi et iustissimam Dei iram tollere, Diabolum, inferos, mundum et mortem uincere, sed et nos sceleratos nebulones, Dei amicos, domesticos filios et haeredes aeternae uitae omniumque Dei bonorum facere uoluit. Sola enim humanitas Christi nequaquam tantas res efficere potuisset. Aus diesem kan man nu lernen, wie auff das argument zu antworten sey, Darauff Osiander am ende seyner Schrifft so sehr pochet, als er sagt, der gantze
Christus ist in vns vnd vnser, Jtem, der Heylige Geist vnd die gantze Gotheit ist in vns vnd vnser, Drumb ist jhre wesentliche Gerechtigkeit auch vnser. Denn es wird nicht geleugnet, das, weil wir Kinder vnd Erben sein Gottes vnd aller seiner guͤter, Ja auch der Gottheit selbs teilhafftig werden, das auch seine Gerechtigkeit, Weisheit, Allmechtigkeit vnd alle seine Tuͤgende vnd
guͤter vnser sein.Nec uero tantum infinitum adiumentum attulit, uel potius extreme necessaria fuit iusticia, sapientia et potentia substantialis filij Dei, atque adeo tota eius diuinitas ad acquirendam olim reconciliationem seu inueniendam redemptionem et iusticiam, sed et iam cum ingenti, planeque necessaria utilitate nostra ad dexteram Patris, pro nobis intercedit. Aber das wird geleugnet, das solchs die Gerechtigkeit sey, durch welche oder von welcher wegen wir Gerechtfertigt, versuͤnet oder aus Gottes feinden Gottes freunde werden. Denn dis ist proprie die Gerechtigkeit, daruͤber wir bekuͤmmert vnd jtzt disputiren, nemlich das mittel, der weg vnd weise,
dadurch vnd von welcher wegen entweder anfenglich in der Tauff oder darnach in einer jeden versuͤnung Got auffhoͤrt, vns vmb vnserer Suͤnde willen zu hassen, vnd anfehet, vns als seine liebe kinder lieb vnd werd zu haben, Jtem dadurch er vns zu allen stunden gantz Veterlich liebet vnd erhelt, Jtem dadurch wir allezeit zu jhm kommen vnd jhn bitten als vnsern gnedigen
lieben Vater.Denique et quia in nobis inhabitat, nosque membra filij Dei capitis nostri sumus, Ideo omnium quoque bonorum eius, iusticiae, sapientiae, omnipotentiae, diuinitatisque participes fimus, et postea etiam magis erimus, cum non fide Deo fruemur, sed et facie ad faciem, teste Paulo, eum uidebimus, cum Christo erimus, eoque fruemur. Diese weise, mittel oder weg, welche wir die Gerechtigkeit des glaubens oder Rechtfertigung nennen, gleuben wir, sey der verdienst, gehorsam oder ernidrigung Christi, Gottes vnd menschen, oder seine erfuͤllung des Gesetzes, vns durch den glauben zugerechnet. Vnd das dis der heiligen Schrifft
vnd D. Luthers meinung sey, haben wir droben nach der leng gnugsam beweiset.Hinc simul apparet, quomodo sit disputandum ad illud Osiandri argumentum, quod sub finem maxime urget: Totus Christus est noster, et in nobis, item: Spiritus sanctus totaque diuinitas est in nobis. Igitur et eius substantialis iusticia est nostra. Non enim negantur, quin, quandoquidem simus filij et haeredes Dei, omniumque eius bonorum, atque adeo etiam ipsius diuinitatis participes, simul etiam iusticia eius, sapientia eius, omnipotentia eius omnesque uirtutes ac opes eius nostrae sint. Aber die erbschafft, teilhafftigkeit vnd geniessung der Gottheit vnd aller jhrer guͤter, welche vns endlich in jenem leben volkoͤmlich widderfaren wird, ist nicht proprie die Rechtfertigung, sonder vielmehr gleichsam eine belonung
der Rcchtfertigung vnd das ewige leben oder seligkeit, dazu wir durch das Mittel der gerechtigkeit des glaubens oder der Rechtfertigung Christi eilen vnd kommen. Verum illud negatur, quod illa iusticia sit, Iusticia essentiali non iustificamur.qua uel per quam iustificemur, reconciliemur, seu ex hostibus Dei amici eius fiamus. Haec enim proprie iusticia est, de qua angimur et disputamus, scilicet illud medium, illa uia et ratio, qua et per quam, uel initio in Baptismo, uel postea in singulis reconciliationibus desinit nos Deus propter peccatum odisse, et incipit nos insuper, tanquam filios, amare et complecti, Imo et propter quam nos omnibus horis amat et fouet paterne, et per quam semper inuocantes ad benignum patrem accedimus. Welchs Johannes in seiner ersten Epistel am 3. capitel mit schoͤnen lieblichen worten anzeigt vnd spricht: Sehet, welch eine liebe hat vns der
Vater erzeigt, das wir Gottes kinder sollen heissen. Darumb kennet euch die welt nicht, denn sie kennet jhn nicht. Meine lieben, wir sind nu Gottes kinder, vnd ist nicht erschienen, was wir sein werden. Wir wissen aber, wenn es erscheinen wird, das wir jm gleich sein werden, denn wir werden jhn sehen, wie er ist, Vnd ein iglicher, der solche hoffnung hat zu jhm, der reinigt sich
etc.Vgl. I Joh 3,1–3. Hanc ergo rationem, medium seu uiam, quam et fidei iusticiam seu iustificationem uocamus, credimus esse proprie meritum, obedientiam seu exinanitionem Christi Dei et hominis nobis per fidem imputatam, eamque et scripturae et D. Martini sententiam esse superius prolixe probauimus Hie hoͤren wir klerlich, das vnsere (so zu reden) Gottheit oder teilhafftigkeit der Gotheit, von welcher wir itzt nur geringe erstlinge haben, eigentlich zu der kuͤnfftigen Seligkeit vnd geniessung Gottes gehoͤret, wenn wir
jhn sehen werden. Denn er spricht: Denn werden wir jhm gleich sein, wenn wir jhn sehen werden, wer er ist etc.Caeterum illa haereditas. participatio fruitioque diuinitatis et omnium eius bonorum, quae in altera uita nobis demum plene continget, non proprie iustificatio est, sed magis ueluti praemium iustificationis, et ipsa aeterna uita seu foelicitas, ad quam per medium iusticiae fidei seu iustificationis Christi festinamus ac peruenimus. Von dieser kuͤnfftigen seligkeit redet S. Paulus, da er jhm wuͤndscht, zu sterben vnd bey Christo zu sein,Vgl. Phil 1,23. Jtem da er begert, diese Jrdische Huͤtte auszuziehen, das er die Goͤttliche anzieheVgl. II Kor 5,1–3. vnd der Gottheit teilhafftig werde vnd jhr in Ewigkeit geniesse, wie er an einem andern ort sagt: Denn
werden wir jhn sehen von angesicht zu angesicht.Vgl. I Kor 13,12.Quod pulchre Ioan. 1. cap. indicat, inquiens, uidete qualem charitatem nobis dedit pater, ut filij Dei nominemur, propter hoc mundus non nouit nos, quia non nouit eum. Charissimi nunc Dei filij sumus. Scimus autem si apparuerit, similes ei erimus, quoniam uidebimus eum sicut est. Omnis qui habet hanc spem in eum, purificat se etc. Drumb thut Osiander sehr vbel vnd Vnchristlich, das er die Spruͤche, die von der kuͤnfftigen Seligkeit reden, auff die Rechtfertigung zeucht vnd also die lehr von der kuͤnfftigen seligkeit mit der gegenwertigen Rechtfertigung vermischt vnd durcheinander schwadert.schwatzt, schwadroniert. Vgl. Art. schwadern 3), in: DWb 15, 2173f.
ubi clare audimus illam nostram diuinitatem, cuius iam tenues primitias habemus, proprie ad illam futuram foelicitatem fruitionemque Dei pertinere, cum eum uidebimus, sicut est. Inquit enim: similes ei erimus, cum eum uidebimus, sicut est etc. Hieraus kan man lernen, worauff die Spruͤche gehen,abzielen. die inn der Heiligen Schrifft oder in D. Luthers schrifft funden werden, von der wuͤnderlichen vereinigung vnd der einwonung der Gottheit im menschen oder wie wir der Gottheit teilhafftig werden, nemlich mehr auff die ewige seligkeit denn auff die Rechtfertigung oder versuͤnung durch den verdienst Christi, durch
welchs mittel wir zum ewigen leben als zu einem kleinot vnd schatz kommen. de qua futura beatitudine et Paulus loquitur, cum dissolui cupit, et esse cum Christo, item exuere hoc terrenum tabernaculum, ut illud diuinum induat, Osiander confundit doctrinam de iustificatione et glorificatione.diuinitatisque Christi particeps fiat, eaque coram fruatur, sicut alibi inquit: Tum uidebimus facie ad faciem. Drumb werden auch die erstlingen des Geistes, der in vns wonet, GotspfenningeAngeld, Handgeld; Unterpfand; Anzahlung. Vgl. Art. Gottespfennig 1), in: DWb 8, 1290f. genant des ewigen lebens.Vgl. Röm 8,23; II Kor 1,22; 5,5; Eph 1,14. Denn sie sind ein anfang des ewigen lebens, gleich wie der Gotspfenning bey den Griechen vnd andern frembden
voͤlckern ein anfang gewesen ist vnd noch ist zur folgenden bezalung. Vnd was kan doch die Ewige seligkeit anders sein denn die anschawung, geniessung vnd teilhafftigkeit der Gotheit vnd die hoͤchste vereinigung mit Got? Wir werden ia nicht dort MaluasierBezeichnung für Südweine aus unterschiedlichen Rebsorten; Malvasier galt als besondere Köstlichkeit. Der Name wird auf den Ortsnamen Monemvasia (Μονεμβασία, auch: Napoli di Malvasia) zurückgeführt, einen im Mitteltalter bedeutenden Handelsplatz im Südosten der Peloponnes. Vgl. Art. Malvasier 1), in: DWb 12, 1512f. trincken vnd MarzapanemMarzipan (ital. marzapane). Vgl. Art. Marzipan, in: DWb 12, 1692. essen.Valde ergo incommode, imo uero et impie facit Osiander, quod dicta de futura foelicitate ad iustificationem trahit, atque ita doctrina de sequutura nostra beatitudine cum praesenti iustificatione commiscet confunditque. Bjsher hab ich fast alles gesagt, was ich von des Osianders Schrifft vnd
meinung hab sagen wollen. Drumb wil ich nur noch ein wenig sagen von den groben Jrthumen, die er der gewoͤnlichen meinung vnd lehr vnserer kirchen von der Rechtfertigung vnd den Lerern, die jhr folgen, auffgelegt.Hinc igitur apparet: quorsum pertineant dicta, uel sacrarum literarum, uel etiam Luth. quae de mirabili consociatione Christi cum homine, et de inhabitatione diuinitatis in homine loquuntur, nempe magis ad ipsam aeternam foelicitatem, quam ad iustificationem seu reconci-liationem per meritum Christi, per quod medium ad aeternam salutem, ueluti ad Brauium quoddam peruenimus. Fo. 71 sagt er, das sie grewlich jrren: Erstlich in dem, das sie das woͤrtlein Rechtfertigen verstehen vnd auslegen allein fuͤr gerecht halten vnd spre
chen vnd nicht mit der that vnd in der warheit gerecht machen.Vgl. Osiander, OGA 10, 156,5–7 (Von dem einigen Mittler, 1551).Ideo etiam primitiae spiritus inhabitantis appellantur arrabo aeternae uitae, quia sint eius initia, sicut arrabo precij initium est. Et quid enim erit omnino aliud illa foelicitas, quam diuisio, fruitio, participatioque diuinitatis, summaque cum Deo coniunctio? s:Jch hab aber droben vberfluͤssig beweiset, das dis wort solche deutung eigentlich habe Vnd d as Osiander seine widderwertige deutung in keinen weg beweiset hat. Habe auch angezeigt, das es eine viel sterckere Absolution bedeutet, wenn man sagt: Gott rechtfertigt, welcher in der warheit alle
vnsere Suͤnde in abgrund des Meeres wirfft, denn wenn ein Vngerechter Richter einen vbeltheter vmb geschencks willen gerecht spricht, so er doch in der warheit die suͤnde vom Suͤnder weder wegnemen, noch auff einen andern legen kan. Viel weniger kan er jhm eines andern gerechtigkeit zurechnen vnd aufflegen. Denn es ist eine ware Regel, das alle wort, wenn
sie Gotte zugelegt werden, stercker vnd wichtiger sind.Hactenus ferme omnia diximus, quae de Osiandri scripto et sententia dicenda putauimus. Pauca ergo tantum de crassis erratis adijciemus, quae tribuit communi Ecclesiarum sententiae de iustificatione et doctoribus eam sententiam sequentibus. Darnach (sagt er) jrren sie in dem, das sie gar keinen vnterscheid halten zwischen der erloͤsungB; C: erloͤsen. vnd zwischen der Rechtfertigung.Vgl. Osiander, OGA 10, 156,7f (Von dem einigen Mittler, 1551). Hie von haben wir auch droben gesagt vnd beweiset, das gar kein vnterscheid darzwischen sey. Denn Gott lesset keinen aus dem Kercker vnd straff entgehen, er sey denn
zuuor durch seine eigne oder durch frembde gerechtigkeit gerechtfertiget. Er lesst keinen der straff entlauffen, der noch vngerecht ist. Derhalben, wie auch droben gesagt aus dem 8. Cap. zun Roͤmern, werden wir eben dadurch erloͤset, los vnd ledig gemacht, das wir von dem Richter der Welt vmb seines Sons, vnsers fuͤrsprechers vnd Mitlers, willen gerechtfertigt vnd
losgesprochen werden, vnd ist niemand, der vns weiter beschuͤldige oder verdamme.Facie 71. dicit, errare eos primum in eo horribiliter, quod uerbum iustificare, pro absoluere et iustum pronunciare accipiant, et non reipsa iustum facere. Zum dritten sagt er, jrren sie darin, das sie nichts bestendiges koͤnnen setzen, Was doch die Gerechtigkeit Christi sey, dadurch der Suͤnder fuͤr Gotte gerechtfertiget wirdt.Vgl. Osiander, OGA 10, 156,10–12 (Von dem einigen Mittler, 1551). Antwort: Wir koͤnnens gewis vnd klerlich sagen, ja wir
habens bereit gesagt vnd beweiset, das die ernidrigung vnd gehorsam Christi – oder das eben so viel ist: seine erfuͤllung des Gesetzes, inn diesem leben vmb vnsert willen geleistet vnd vns durch den glauben zugerechnet – vnsere gerechtigkeit sey fur Gott.Verum iam superius prolixe ostendi, id uerbum eam proprie significationem habere, et Osiandrum suam usitatae contrariam nequaquam probasse. Quanquam et illud superius indicauimus, quod longe fortiorem quandam absolutionem significet, cum Deus iustificare dicitur, qui reuera peccata nostra in profundum maris abijcit, quam cum iniquus iudex facinorosum aliquem propter munus iustificat, qui tamen reuera nec auferre a peccatore peccatum, nec in alium transferre, multo minus alterius iusticiam ei imputare, ac in eum transferre potest. Vera enim regula est, quod omnia uerba ad Deum translata sint significantiora.
Zum vierden, damit er vnsere Lerer nur wol genug zur banck haweRedensartlich: zur Bank hauen = eigtl.: (Schlachtvieh) in verkaufsgerechte Stücke zerlegen; im übertragenen Sinn: zugrunde richten, niedermachen, fertigmachen. Vgl. Art. Bank 4), in: DWb 1, 1109. vnd
seine newe klugheit als noͤtig beweise, so erzelet er Fa. 69 die vngleicheit jhrer meinung vnd lehr von der gerechtigkeit vnd findet derselben sieben.
Vgl. Osiander, OGA 10, 150,20–16: so volgt weiter aus obgedachtem irthumb, das etliche den blossen glauben an im selbs, etliche das vertrauen auff die barmhertzigkeit Gottes, etliche allein die vergebung der suͤnde, etliche, das uns Gott zum ewigen leben anneme, etliche die gerechtigkeit Christi ausserhalb unser, etliche den gehorsam Christi, der aus seiner gerechtigkeit hergeflossen ist, etliche den verdienst des gehorsams Christi fur solche gerechtigkeit Gottes, die uns durch den glauben zugerechnet werd, halten und lehren. (Von dem einigen Mittler, 1551).
Jch zweiffel nicht wenn er gleicher spitzfuͤndigkeit in dieser meiner Schrifft oder in D. Luthers Schrifften, ia auch in der Heiligen Schrifft gebrauchen wird, so wird er jhr mehr denn zehen finden.
Jch hab aber furwar in vnsern kirchen noch nie von keinem Lerer gehoͤrt, das vns der blosse glaub an jhm selbs oder (wie Osiander Fa. 66 sagt)Vgl. Osiander, OGA 10, 148,3–8 (Von dem einigen Mittler, 1551). als ein geschenck oder werck gerecht mache, Welche meinung er am ersten setzt. Die andere, das wir durch das vertrawen auff die Barmhertzigkeit Gottes gerechtfertigt werden. Die dritte durch vergebung der suͤnde. Die vierde, das
vns Gott zum ewigen leben anneme. Die fuͤnffte die Gerechtigkeit Christi ausserhalb vnser. Die sechste den gehorsam Christi. Die siebende den verdienst des gehorsams Christi.
Jch kan aber in diesen sexerley meinung keine vngleicheit finden. Doch moͤcht man sich etwa flickensich zur Not damit behelfen, sich entschuldigen, seine Blöße decken. Vgl. Art. flicken 8), in: DWb 3, 1776. vnd das eine vngleicheit oder
improprietatem nennen, das die Prediger, wenn sie der gerechtigkeit gedencken, nicht allezeit so gar deutlich vnd eigentlich reden wie Osiander in seiner seltzamen Definition redet, denn was fuͤr ein vnterscheid sey zwischen der Gerechtigkeit Christi, die er vns zu gut auff erden erworben hat, vnd zwischen dem gehorsam oder verdienst seines gehorsams, kan ich
warlich nicht sehen.
Warlich, wenn mann die drey vorgehenden meinungen gegeneinander oder auch gegen den dreyen nachgehenden helt, so ist kein vnterscheid darzwischen. Denn so fern vns die zuuersicht auff Gottes barmherzigkeit, die vns Christus durch seinen verdienst erlangt hat, zur Gerechtigkeit gerechnet wird,
so fern werden vns auch die suͤnde vergeben, vnd wir werden zum ewigen leben angenommen. Vnd das wir zum leben angenommen werden, ist eben so viel, als das vns die suͤnde vergeben wird durch die zuuersicht auff die barmhertzigkeit vmb Christus verdienst oder erfuͤllung des Gesetzes willen.
Derhalben, so viel die sach an sich selbs betrifft, stimmen die Lerer
vnserer Kirchen gantz vberein, ob sie gleich im Predigen, so offt sie der gerechtigkeit gedencken, die Definitiones allezeit so gar eigentlich nicht behawen vnd abfeylen, auch nicht allzumal einerley wort gebrauchen. Hat er lust darzu, so wil ich jhm wol mehr vngleicheiten anzeigen. Denn D. Luther vnd andere sagen offt: Wir werden gerechtfertiget durch die Barmhertzigkeit
– Jtem: durch das Leiden, Blut vnd opffer Christi – Jtem: durch Gottes gnade; ja, wil er auch S. Paulum fur einen widdersinnischen vnd jm selbst widderwertigen menschen schelten, so kan er nach solcher klugheit leichtlich vngleiche meinung inn seinen Schrifften finden. Denn schierbald. Vgl. Art. schier adj. [I] II.1.e), in: DWb 15, 23. sagt er, der glaube werde vns gerechnet zur gerechtigkeit, schier sagt er: Wir werden ge
rechtfertiget durch die erloͤsung, schier (als Roma. 3)Vgl. Röm 3,25f. durch vergebung der Suͤnden. Jtzt aus gnaden, itzt durch Christus’ Blut, itzt durch Christus’ gehorsam; jtzt sagt er, Christus sey aufferstandenB; C: auffer=|erstanden. vmb vnser gerechtigkeit willen, gleichsamals (ob). Vgl. Art. gleichsam [II] 4.a), in: DWb 7, 8217. wuͤrden wir durch seine aufferstehung gerechtfertiget. Redet derhalben itzt so, itzt anders mit worten, aber die meinung ist stetz
einerley, wie auch in vnseren Kirchen.
gerechtfertiget werde, Wie allbereit oben vberfluͤssig erkleret vnd beweiset worden ist.Secundo dicit eos in eo errare, quod non faciant discrimen inter iustificationem et redemptionem. de eo quoque superius diximus, ea ideo non differre, quia Deus neminem patitur ex carcere et poenis redimi, nisi iustificatum propria uel aliena iusticia. Nullum ille Fälschlich als G5[r] gezählt. effugere patitur poenas, qui adhuc fit iniustus. Proinde, sicut superius ex ca. Ro. 8. diximus, eo ipso redimimur et liberamur, nec est, qui nos uel accuset, uel condemnet, quod ab illo orbis terrarum iudice propter filium intercessorem iustificamur et absoluimur. Jsts eins Teuffels werck, die Naturn in Christo zutrennen,(zu) zertrennen. wie Osiander vns lestert, so mag er warlich selber wol zusehen, das er solcher suͤnde nicht selbs teilhafftig werde. Denn er sagt mehr denn an einem ort, wir seyen nicht
gerecht durch die menscheit, sondern durch die Gottheit Christi allein.Tertio dicit eos in eo errare, quod nihil certi queant dicere, quid nam fit iusticia fidei, qua coram Deo peccator iustificetur. Ad hoc respondemus, Nos certo et clare posse dicere, et iam non tantum dixisse, sed et probasse,Opus Diaboli in Osiandro. exinanitionem Christi et obedientiam in hac uita propter nos praestitam, nobisque per fidem imputatam, esse nostram iusticiam coram Deo. Endlich beschuͤldiget er bald in der Vorrede vnd auch darnach die gewoͤnliche meinung vnserer Kirchen, das sie die Leut sicher vnd faul mache zu guten wercken.Vgl. Osiander, OGA 10, 82,11–21 (Von dem einigen Mittler, 1551). Dagegen aber sagen wir, das diese lehr die leut gnugsam zu Christlichem wandel vnd leben dringt, in dem das sie bald im
anfang den Leuten ernstliche Rew vorhelt vnd Ablassung von suͤnden Vnd darnach leret, das der glaub bey einem boͤsen fuͤrsatz nicht sein kan, Vnd endlich, das sie fleissig vermanet, man solle nicht mehr suͤndigen, sonder viel mehr, sintemal wir durch den heiligen Geist widderumb new geboren sein zu guten werckenVgl. Eph 2,10. vnd der Himlische Vater nu gegen vns versuͤnet ist,
das wir jhm forthin in solchem newem leben fleissig dienen sollen, auff das wir nicht auffs new in solchen zorn Gottes fallen, darin wir zuuor gewest vnd vns nicht etwas ergers widderfare. Drumb were es on alle not gewest, dieser vrsach halben eine newe lehr zu ertichten oder die gewoͤnliche Religion vnserer Kirchen mit vieler Leut ergernis vnd spott der gottlosen zu
beruͤchtigen.in Verruf zu bringen. Vgl. Art. berüchtigen, in: DWb 1, 1528f.s:Deinde dicit, eos in eo errare turpissime, quod diuinam naturam a iustificatione separent, Nos uero nequaquam separamus, sed utriusque naturae et totius Christi obedientia et exinanitione nobis imputata iustificari peccatorem credimus. Nam de diuina certe natura scriptum est Philip. 2: Qui cum in forma Dei esset, non rapinam arbitratus est se aequalem esse Deo, sed exinaniuit semetipsum etc. Vgl. Phil 2,6f. Dagegen aber, wenn wir von den Jrthumen vnd vnrath, so aus des Osianders meinung herfliessen, sagen wolten, so hetten wir warlich Materi gnug vnd mehr, denn vns lieb ist, dauon zu reden.Quod si est opus diaboli, diuidere naturas in Christo, tum certe uiderit ipse, ne eius peccati reus sit. Nam non loco dicit, nos non esse iustos nisi per solam diuinitatem Christi. Denn zum ersten, da er zweyerley wort macht, ein eusserlich wort vnd ein jn
nerlich wort, Vnd Fa. 37 sagt, das jnnerliche Wort, der Rath, fursatz vnd meinung Gottes von erloͤsung des menschlichen geschlechts, sey der son selbs, welcher das wort genandt wird,Vgl. Osiander, OGA 10, 120,11–15 (Von dem einigen Mittler, 1551). da solt er warlich bedencken, das nicht gleich wie dieser fursatz vnd verstand von erloͤsung der Suͤnde ein jnnerlich Wort ist, also auch der rath fursatz vnd meinung vom heil der Engel, Jtem
von der Schepffung, weils zweyerley meinung vnd verstand sein, auch zweierley jnnerliche Wort vnd also zweierley Soͤne sein muͤsten. Vnd gleich wie das eusserliche wort Gottes, welchs wir das Euan-gelium nennen, ein jnnerlich wort hat, also auch das Gesetz, welchs auch Gottes wort ist, vom Euangelio sehr vnterscheiden, auch sein jnnerlich wort haben muͤste, vom
andern vnterscheiden.Denique accusat Osiander, tum statim in praefatione, et postea, usitatam nostris Ecclesijs sententiam, quod securitatem, ac in bene operando negligentiam pariat. Atqui satis doctrina haec urget homines ad pie uiuendum, dum et statim initio sserio contritionem et desinere male facere inculcat, et postea negat fidem cum malo proposito esse posse, et denique tum diligenter monet, non esse amplius peccandum, sed potius, quandoquidem Spiritu sancto ad bona opera regenerati sumus, placato iam coelesti patri in noua ista uita sedulo seruiendum, ne denuo in totam Dei iram, in qua antea fuimus, recidamus, nobisque peius aliquid accidat. Quare nihil necesse fuisset huius rei gratia uel nouam aliquam doctrinam excogitare, uel eo nomine usitatam nostris Ecclesijs religionem cum multorum scandalo et impiorum derisione infamare. Es gehen mir die Har zu berge,Redensartlich: es sträuben sich mir die Haare, ich bin entsetzt. Vgl. Art. Haar n. III.4), in: DWb 10, 13f. wenn ich nur gedencke, was fuͤr Jrthume aus solcher subtilitet erfolgen moͤchten. Vnd halt, es sey nichts bessers, denn das mann gar keine subtilitet von Got erforsche, viel weniger fuͤr der Gemein handele, die in Gottes Wort nicht offenbaret ist. Es ist aber gewis,
das in der heiligen Schrifft nicht offenbaret ist, warumb der Son Gottes ein Wort genandt wird. Einer meinet dis, der ander das. Doch sind solche meinungen alzumal einfeltiger vnd haben weniger gefahr denn des Osianders.At si nos uellemus dicere de erroribus et incommodis ex Osiandri sententia orientibus, nimis profecto amplam dicendi materiam haberemus. Darnach beschreibt er offt, wie die wesentliche Gerechtigkeit vns mitgeteilet werde, vnd leret, das Christus mit seiner Gottheit vnd menscheit in vns wone.
Vnd weil wir sind Fleisch von seinem Fleisch vnd Bein von seinem Bein, Derhalben, gleich wie seine Gottheit jhre wesentliche gerechtigkeit der menscheit mitteilet, also teile er sie auch vns mit, weil wir seines Fleisches glieder sind. Jn dieser beschreibung der Gerechtigkeit solte er sehen, ob sich solche weise auch reimen wolt auff die Rechtfertigung der Veter.
Verbum internum et externum.Primum enim cum facit duplex uerbum externum et internum, et facie 36. dicit internum uerbum, illud Dei consilium de redemptione humani generis esse ipsum filium, qui appellatur uerbum, uidendum profecto ei est, ne sicut consilium redemptionis peccatorum sit unum uerbum internum, ita consilium salutis angelorum, item creationis, quoniam sunt diuersa consilia, sint etiam diuersa interna uerba, atque ita sint diuersi filij. Et sicut externum uerbum Dei, quod appellamus Euangelium, habet sibi correspondens internum uerbum, Ita etiam lex, quod idem uerbum Dei est, ab Euangelio plurimum differens, habet suum internum uerbum ab altero differens. Denn ehe Christus geboren ist, ist sein Fleisch nicht gewest. Drumb hat jhnen die gerechtigkeit Christi durch sein Fleisch, welchs in der warheit in jhnen hette sein sollen, nicht koͤnnen mitgeteilet werden. Hieraus erscheinet,wird deutlich. Vgl. Art. erscheinen 6), in: DWb 3, 957. wie vnbestendig diese beschreibung ist vnd das, gleich wie vor zeiten der verdienst Christi den Gottfuͤrchtigen mitgeteilet ist durch zurechnung vnd nicht
durch eingiessung der Gottheit durchs Fleisch des Herrn jns Fleisch der suͤnder, Also auch itzund der gantze handel mit lauter zurechnung volendet wird vnd nicht mit Natuͤrlicher mitteilung, dauon Osiander disputiret, Wie wol wir wol wissen, das wir dennoch zugleich Tempel Gottes vnd Christi glieder sein.
s:Cohorrescimus profecto cogitantes, qui errores ex istis subtilitatibus sequi possent. Nos iudicamus nihil esse satius, quam nullas subtilitates de diuinitate scrutari, multo minus publice tractare, praeter eas, quae in Dei uerbo comprehensae sunt. Certum autem est non esse reuelatum in scriptura, quare filius appelletur uerbum. Alij quidem aliud diuinat. Plaeraeque tamen illae diuinationes simpliciores, nimisque ista Osiandri periculosae sunt. Zum dritten wird des Osianders meinung die Papisten sehr trotzig machen, nicht allein darumb, das er die Augspurgische Confession vnd alle vnsere Kirchen beruͤchtiget, als solten sie im vornempsten Artickel von der Rechtfertigung Jrren, Sonder auch darumb, das er auff einerley weise mit jhnen von der rechtfertigung redet. Denn sie sagen beide, das wir durch die
eingegossene liebe, die da Gott selbs ist, gerecht sein vnd so fern durch den glauben Gerechtfertigt werden so fern der glaub durch solche liebe eine gestalt bekoͤmpt. Denn das wort Iustificare rechtfertigen bedeutet beiden dem Osiandro vnd Papisten mit der that gerecht machen Sie sagen beyde das wir gantz vnd gar vnd mit der that gerecht werden vnd verkleinen die
Erbsuͤnde die noch vbrig bleibet. Sie beide reissen den glauben vnd scheiden jhn ab von der Buss. Deinde saepe describens, quomodo essentialis iusticia nobis communicetur, docet Christum cum diuinitate et humanitate sua in nobis habitare, et quia sumus os de osse eius et caro de carne eius, ita sicut eius diuinitas humanitati iusticiam substantialem communicat, sic et nobis communicare, quia carnis eius membra sumus. In qua iustificationis descriptione uidendum ei esset, an ea ratio etiam patrum iustificationi conueniret. Er vermengt auch den NewenB; C: Newet. gehorsam mit der Gnedigen annemung vnd macht ein stuͤck der Rechtfertigung draus Vnd wird endlich gewis hiedurch zu wegen bringen,bewerkstelligen, bewirken, zustande bringen. Vgl. Art. Weg m. II.B.4.a.λ.5.c), in: DWb 27, 2889f. das die leut meinen, sie muͤssen zum teil durch die
gnedige Barmhertzigkeit Gottes, zum teil durch jhre werck Gerecht vnd Selig werden. Also koͤmpt diese meinung inn der warheit mit der Papistischen lehr sehr vberein, Wiewol er (wie er denn ein spitziger kopff ist) leichtlich etliche subtile, finstere vnterscheide erdencken wird.Nam ante natiuitatem Christi Caro eius non fuit, non ergo potuit illis iusticia Christi per carnem reuera in ipsis existentem communicari. Vnde apparet, quam parum sibi constet ista descriptio, et quod, sicut olim imputatione meritum Christi pijs communicatum est, et non infusione diuinitatis per Christi carnem, in carnem peccatorum, Ita iam quoque res mera imputatione peragatur, et non illa propemodum physica Sympathia connexarum rerum, de qua disputat Osiander. Quanquam non ignoramus interea simul nos et templa Dei, membraque Christi esse. Zum vierden wird des Osianders meinung die Jrthum der newen Widder
teuffer vnd anderer Schwermer sehr bestetigen. Denn sie geben vor, sie seyen Gottes Kinder, vol heiliges Geistes, in der warheit gerecht, haben keine suͤnde mehr, Vnd derhalben alles, was sie thun vnd was sie geluͤstet, das muͤssen in jhrem sinn eitel Gottes vnd des heiligen Geistes wercke vnd luͤste sein. Vnter diesem schein vben sie alle schand vnd laster.
Tertio multum sententia Osiandri confirmabit papistas, non eo tantum, quod ille confessionem Augustanam omnesque nostras Ecclesias erroris in summo iustificationis articulo accusat, sed etiam, quod eodem modo cum eis de iustificatione loquitur. Vtrique enim dicunt, charitate, quae Deus est, nobis infusa nos iustos esse, et per fidem nos eatenus iustificari, quatenus fides ea charitate formatur. Also macht vns auch Osiander schier garschier gar = geradezu (?); beinahe (?). Vgl. Art. schier adj. [I] II.2.c), in: DWb 15,24f. zu Goͤt-tern, sagt, vnser thun sey Gottes thun, der in vns wonet, vnd wir seyen in der warheit – oder wie die Physici sagen: actu, im werck – Gerecht worden, nicht allein durch zurechnung der verdienste Christi, Vnd macht also die vbrige suͤnde schier gar zu nichte.
Miscet item nouam obedientiam cum illa gratuita acceptatione, et facit eam partem iustificationis. Qua ratione prorsus efficiet, ut homines partim per gratuitam Dei misericordiam, partim per sua opera iustificari saluarique putent. Reuera multum conuenit sententia eius cum papistica, quantumuis ipse, ut est homo subtilis, non difficulter aliqua subtilia tenuiaque discrimina excogitabit. Doch sag ich nicht, das Osiander ein Widderteuffer sey oder einige verwandnis mit den Widderteuffern habe. Aber er weis gleichwol, wie er in seine Confession geschrieben hat, das der Teuffel ein solcher Bawmeister sey, der die menschen vbereilet vnd verfuͤret, das sie Jrthumb fassen vnd ausstrewen vnd wissen doch nicht, das es Jrthumb sein, vnd legen doch gleichwol damit
den grundstein zu den allergroͤsten Jrthumen.Quarto confirmabit multum sententia Osiandri nouorum Anabaptistarum et aliorum fanaticorum errorem. Contendunt enim illi se esse filios Dei, plenos Spiritu sancto, reuera iustos, in quibus nihil supersit peccati, atque ideo, quidquid porro faciiunt, ea Dei, ac Spiritus sancti opera esse aiunt. Quo praetextu nihil non flagiciorum patrant. Zum fuͤnfften, des Osianders meinung macht eine grosse sicherheit vornemlich damit (wie jtzt gesagt), das er gantz Goͤttliche vnd in der that gerechte menschen aus vns macht vnd sagt, das vnser thun Gottes thun sey, der in vns wonet, welchs, weil ers fuͤr Gerechtigkeit in vns helt, dadurch die suͤnde
vergeben werden, so macht er, das wir nicht viel darnach fragen, ob wir gleich nicht alle stunden vergebung der suͤnden von Gott bitten. Denn was ists von noͤten, das ich stetz zittere vnd schreie Vergib, Vergib mir meine Schuldt!, gleich als were ich ein armer, elender suͤnder, der schier alle augenblick suͤndigte vnd stuͤnde da fuͤr dem Gerichtstul eines gerechten
Richters, muͤste alle augenblick fuͤrchten, das er mich dem DiebhenckerHenker, Scharfrichter, Folterknecht. Vgl. Art. Diebshenker, in: DWb 2, 1096. vberantworte vnd in ewigkeit peinigen liesse, so ich doch den gantzen Schatz der Gerechtigkeit in meinem fleisch vnd beinenGebeinen, Knochen. Fleisch und Bein = der ganze Leib, Körper. Vgl. Art. Bein A.2), in: DWb 1, 1382. habe? Vnd derhalben die Gerechtigkeit nicht auswendig durch zurechnung suchen darff, sonder sie ist inwendig in mir, gleich als ein Natuͤrlich accidens, durch alle humores,Körpersäfte.
durch fleisch, Bein, marck vnd Blut gegossen vnd geflossen.Sic et Osiander ex nobis tandem non deos facit, nostras actiones Dei in nobis inhabitantis actiones esse dicit, nos reuera, et, ut physici aiunt, actu, esse iustos factos, non tantum imputatione meritorum Christi, peccatumque remanens extenuat.
Zum sechsten setzt er in einem kleinen Deudschen BuͤchleinVgl. Anm. 426. dis Argument:
Wenn Gott Vater, Son vnd heiliger Geist nicht vnsere Gerechtigkeit ist, so mus von noͤtenvon nöten = notwendig, zwingend, unausweichlich. Vgl Art. von 20), in: DWb 26, 773f. vnsere gerechtigkeit eine Creatur sein. Daraus
folgen so viel grewel, die meine widdersacher jhr lebenlang nicht werden ausstudiren.Osiander, OGA 9, 697,20–22 (Dass unser lieber Herr , 1551).
Was sinds denn fuͤr grewel, die daraus folgen, so die Tuͤgende vnd die gantze gerechtigkeit der Creaturen eine Creatur ist? Jch halt keine. Was ist der Engel gerechtigkeit anders denn eine Creatur? Was were Adams
gerechtigkeit, so er nicht gesuͤndigt hette, anders gewesen denn eine Creatur? warlich weil die Schrifft so offt schreiet: So du hoͤren wirst, so du wirst gehorsam sein, so du es thun wirst etc., so wirstu gerecht sein, So zeigt sie ia klerlich damit an, das die gerechtigkeit eine Creatur sey. Doch wil ich itzt nicht Disputiren, ob die Gerechtigkeit ein Creatur sey oder nicht.
Es kan aber gleichwol eine grosse menge vieler vnerhoͤrter, grewlicher Jrthume draus fo
lgen, das Osiander in seinem Bekentnis sagt, das vns durch den Todt der menscheit Christi die wesentliche Gerechtigkeit Gottes oder die gantze Gottheit gekaufft sey. Wer hat sein lebenlang je groͤber, vnerhoͤrter, grewlicher ding gehoͤret oder gelesen, denn das der Schepffer durch den
Todt der Creatur koͤnne gekaufft werden?
Also, weil Osiander allenthalben seltzame, wil nicht sagen der warheit gemesse, vnerhoͤrte ding in vnserer lehr vnd meinung erdenckt vnd zusamen sucht, als das das Opffer Christi nicht vnsere Rechtfertigung sey, sintemal wir zur zeit des Leidens Christi nicht gelebt haben, Jtem, so Gott die Suͤnder
losspricht vnd nicht in der warheit gantz gerecht macht, so folge, das er entweder ein vngerechter oder ein vnuerstendiger Richter sein mus, Welchs nicht war ist etc. – Also sag ich, weil Osian. mit fleis nach vnerhoͤrten dingen in vnserer lehr gruͤbelt, so fellet er selbs mit grossen schanden in die aller vnerhoͤrtesten, grewlich-sten jrthume, die er freilich sein
lebenlang nicht ausstudiren wird, Vnd wenn er gleich lenger denn MatusalemVgl. Gen 5,25–27. lebet.
gehorsam Christi, in diesem leben geleistet, sonder feret dahin auff die wesentliche Gerechtigkeit des Almechtigen Gottes. Gott ist ein verzerend fewer, den suͤndern fuͤrnemlich, wie er sich in seinem Gesetz gnugsam abgemalet hat.Vgl. Dtn 4,24. Vnd ist wol war, den fromen thut er gutes, aber vns Suͤndern wolte es nicht zu raten sein, das wir fuͤr solche hohe Maiestet
treten solten, so offt wir etwas von Gott bitten wollen, one andere versuͤnung oder Gerechtigkeit. Denn so die wesentliche Gerechtigkeit Gottes meine Gerechtigkeit ist, dadurch ich mit Gotte versuͤnet werde vnd zu jhm als zu meinem Vater gehe, So mus ich, wenn ich fuͤr den Vater wil, etwas von jhm zu bitten, nicht auff das Blut vnd verdienst Christi sehen, sonder auff die
Gerechtigkeit des Almechtigen Gottes, welche Gott selbs ist in seiner Maiestet, mich gruͤnden vnd lehnen, Welchs nichts anders ist, denn fuͤr Gott komen vnd mit jhm handeln one allen Mitler.s:Nec tamen hic affirmare uolumus Osiandrum esse Anabaptistam, aut quicquam cum eis coniunctionis habere. Scit enim quomodo ipse in sua confessione scripsit, Diabolum esse astutum architectum, scire per homines nihil tale cogitantes, maximorum errorum fundamenta iacere. s:Aber die Schrifft sagt, Christus sey in das allerheiligste gegangen zu dem ewigen Vater durch sein Blut, vnd das wir auch also thun sollen.Vgl. Hebr 9,12–14. Drumb ists
warlich das allerbeste, das mann nicht kluͤger sey, denn von noͤten ist, Sondern wenn wir fuͤr den Thron des ewigen Vaters gehen wollen, das wir vns vnd vnsere kleider waschen vnd weis machen im Blut des LammesVgl. Apk 7,14. Vnd vns auff dieselbe schoͤnheit vnd Gerechtigkeit verlassen vnd hoffen, das wir Gotte lieb vnd angeneme sein vnd alles erlangen werden, was wir von
jhm bitten.Quinto efficit omnino Osiandri sententia magnam quandam securitatem, non tantum hoc modo, ut iam dixi, dum scilicet nos quosdam iam diuinos homines et reuera, prorsus iustos fingit, nostrasque actiones Dei in nobis inhabitantis esse facit, sed etiam quod dum in nobis iusticiam esse contendit, qua peccata teguntur, facit, ut non simus admodum solliciti in petenda singulis horis a Deo remissione peccatorum. Quid enim necesse est me subinde trepidare et clamare, Remitte remitte debita, ueluti si miserrimus peccator reus subinde peccans coram tribunali iusti alicuius iudicis starem, timens ne protinus carnifici dedar in aeternum cruciandus, cum The-saurum iusticiae in carne et ossibus meis habeam, quam non ab extra imputatione quaerere me necesse est, sed ab intus propemodum ueluti physicum quoddam accidens per omnes humores, carnem et ossa mea infusa et diffusa mihi est.