Verlegung des Bekentnis Osiandri
von der rechtfertigung durch die wesentliche gerechtigkeit des almechtigen Gottes. CONFVTATIO CONFESSIONIS AN. OSIANDRI, autore M. Mathiae Flaccio ILLYRICO.Jch wil die verworrene, vnnuͤtze, auch zum teil bekante vngezweifelte Disputation der Bekentnis Osiandri, als: Vom eusserlichen vnd jnnerlichen. Das die gantze Gottheit, auch das fleisch Christi, in vns wone. Ob die Gerechtigkeit eine Creatur sey oder nicht. Ob Christus in mutterleibe gerecht sey gewest vnd dergleichen, zum mehrern teil stehen lassen.Omissis plaerisque partim scrupulosis et inutilibus, partim etiam notis ac indubitatis istius confessionis disputationibus, ut de uerbo interno et externo: Quod inhabitet in nobis tota diuinitas: Vtrum iusticia sit creatura an creator: An Christus fuerit in utero matris iustus, et alijs similibus: animaduertimus sententiae Osiandri contra alios istic lectores, imo contra Augustanam confessionem, atque adeo omnes ei adhaerentes Ecclesias et doctores, summam esse: Quid sit iustificatio hominis, qua a Deo iustificatur ob Christum fide appraehensum, et ob quam ei Deus ex iusto seueroque iudice fauens pater fit.
Jch vermerck, das des Osiandri meinung widder die andern Lehrer des orts, ja widder die Augspurgische Confession vnd widder alle Kirchen vnd Lerer,
Oder damit ichs ein wenig klerer setze: der hader ist de causa materiali no
strae iustitiae, das ist: was doch das sey, damit wir, so zu reden, geschmuͤcket, gezieret vnd angethan vor Gott als gerechte bestehen vnd er vns ein gnediger Vater wird. Osiander saget, es sey die wesentliche gerechtigkeit des almechtigen Gottes, wir aber mit der schrifft sagen, es sey das verdienst Christi, mensches vnd Gottes, oder seine erfuͤllung des
Die Frage ist, ob uns Gott, dieweil wir in suͤnden und Gottlos geboren sein, durch den glauben mit der that und der warheit gerecht mache und uon der
suͤnde reinige, Oder ob er uns allein uon wegen des glaubens, als umb eins geschencks oder wercks willen, gerecht spreche, So wir doch C; nicht in B. Vgl. unten bei Anm. 433 zum deutschen Text.nicht gerecht sein, und er uns auch nicht gerecht macht, sondern lest uns bleiben, wie wir uorhin waren, wie die falschen Richter thun.Vgl. Osiander, OGA 10, 148,(1)3–7 (Von dem einigen Mittler).
das vnsere kirchen von der widdergeburt nichts geleret, so doch von derselben nie kein zweifel in der Kirch gewest ist. Es ist aber nicht die frage, Ob Gott vns lasse bleiben, wie wir vorhin waren, wie die falsche Richter thun. Denn das wir von Gott durch den heiligen Geist vmb Christus’ willen newgeborn werden, daran ist nie gezweiffelt. Es haben auch vnsere Kirchen nie anders schliessen koͤnnen. Sonder das ist die frag, was dieselbe Rechtfertigung sey, dadurch vns Gott vmb Christus willen Rechtfertigt etc. Wie gesagt. Auff das ich aber meine meinung von dieser frag eroͤffnen koͤ nne, so mus ich erstlich erkleren, was das wort δικαιοῦν,davor einige ungeordnete griechische Typen. Iustificare, Rechtfertigen, eigentlich in der Schrifft bedeute. Denn er die gebreuchliche auslegung desselben worts in vnsern Kirchen hart angreiffet, macht eine widderwertigegegensätzliche, entgegengesetzte. Vgl. Art. widerwärtig 3.d), in: DWb 29, 1370. deutung, denn er saget, das es bedeute, einen mit der that gerecht machen, vnd legt damit den grund seines Jrthumbs, wir aber sagen,
das es bedeute, einen gerecht sprechen. In hac quaestione, et paulo post sequentibus, uidetur indicare nostras Ecclesias nihil de regeneratione docuisse, cum nunquam in Ecclesia de ea re dubitatum sit. Sed non est quaestio: Ob er vns lasse bleiben wie wir vorhin waren, wie die falschen richter thun. Regenerari enim nos a Deo spiritu sancto per Christum, nunquam dubitatum est, nec etiam docuerunt unquam nostrae Ecclesiae, quod propter Fidem tanquam munus aliquod iustificemur, sicut ille falso eis tribuere uidetur. Verum quaestio est, quid nam sit illa iustificatio, qua nos Deus propter Christum iustificat etc. ut diximus, De ea ut nostram sententiam Tuae Celsitud. patefacere possimus, Primum necesse est nos dicere de ipsa uoce, Iustificare. Duriter enim exagitat usitatam eius uocis nostris Ecclesiis interpretationem, et in contraria eius significatione sui erroris fundamenta iacit.
Vom wort Rechtfertigen.
echtfertigen heist eigentlich in Ebreischer sprache einen absoluiren oder gerecht sprechen, er sey gerecht oder vngerecht. Dis zu beweisen koͤnnen nicht allein sehr viel exempel, sonder auch eine Regel von vielen Ebreischen uerbis vorgelegt werden, welche ich in meinem Buͤchlein vom glaubenDE VOCA= || BVLO FIDEI || ET ALIIS QVIBVSDAM || VOCABVLIS, EXPLICA || tio uera & utilis, sumta ex || fontibus Ebraicis, || Scripta à || Matthia Flacio Illyrico. || Cum praefatione Phil. Mel. || Abacuc. 2. || צדיק באמונתו יהיה || Iustus fide sua uiuet. || VITEBERGÆ. || -- || ANNO. M. D. XLIX. (VD 16 F 1525), S. 13f. gesatzt habe, das nemlich etliche Verba bey den Ebreern sein, die in prima coniugatione eine qualitatem, das einer eine sonderliche eigenschafft an sich habe, bedeuten. In tertia coniugatione aber bedeuten sie, einem andern solche qualitatem vnd eigenschafft zumessen, vnd ein solch wort ist auch das Zadack,צדק im Qal (3. sg. m. pf. צָָדַק) = 1. gerecht, rechtschaffen sein; 2. Recht haben, im Recht sein; 3. Recht behalten; 4. Recht bekommen (vgl. Gesenius18, 1102f s.v.). iustus fuit, in prima coniugatione, Sed in tertia, Hizdick,צדק im Hiph’il (3. sg. m. pf. הׅצְדּׅיק) = rechtfertigen: 1. jmdn. zur Gerechtigkeit führen; 2. jmdn. für gerecht erklären, gerechtsprechen; 3. (im Gerichtsverfahren) jmdn. freisprechen; 4. jmdm. zu seinem Recht verhelfen; 5. jmdm. rechtgeben, ihm zustimmen (vgl. Gesenius18, 1103 s.v.). iustificauit, iustitiam alteri tribuit, einen gerechtsprechen.Iustificare quid significet.Iustificare Hebraea phrasi significat proprie absoluere, siue iniustum. In cuius rei certitudinem, non tantum plurima exempla, sed et regula de multis hebraeis uerbis proponi potest, quam in scripto de fide posui, Quod quaedam uerba apud Hebraeos sunt, quae in prima coniugatione qualitate aliqua praeditum esse quempiam, In tertia uero eam qualitatem alteri suo testimonio tribuere aliquem significant.Wenn Osiander recht handeln wolt, so solt er seine newe deutung entweder aus Ebreischer oder aus Griechischer sprache beweisen. Er thut aber keins, ja er bekent frey, fa. 73, das das Griechische wort die deutung, die er setzt, vonDebebat certe Osiander nouam istam significationem uel ex Hebraeo, uel ex Graeco sermone probare, quorum neutrum facit, imo et 73. facie fatetur non obscure, graecam uocem suam illam significationem sua natura non habere. Inquit enim: Darumb hat auch D. Luther fast an allen orten des newen Testaments, da der rechtfertigung des glaubens meldung geschicht, das wörtlein rechtfertigen nicht lassen bleiben, wie es im Griechischen stehet, Sondern hat an sein stadt gesetzt das wörtlein gerecht machen. Indicat ergo hic Osiander, das es im Griechischen anders stehet, dann es im Teutschen lautet.
Darumb hat auch D. Luther fast an allen orten des newen Testaments, da deraus: de. rechtfertigung des glaubens meldung geschicht, das woͤrtlein Rechtfertigen,aus: Rechfertigen. nicht lassen bleiben, wie es im Griechischen stehet, sondern hat an seine stat gesetzt das woͤrtlein gerecht machen.Osiander, OGA 10, 158,4–7 (Von dem einigen Mittler, 1551).
Also zeigt Osiander hie an, das es im Griechischen anders stehet, denn es im Deudschen lautet: gerecht machen.
Die Spruͤch aber, die er aus S. Paulo hat angezogen, sind eben diejenigen, daruͤber gestritten wird; es beweist auch keiner seine deutung klerlich. Ja, etliche sind oͤffentlich dawidder. Denn der spruch Ro. 4, den er zur bew eisung Dem aber, der nicht mit wercken umbgehet, gleubt aber an den, der die Gotlosen rechfertiget oder gerecht macht, dem wird sein glaube gerechnet zur gerechtigkeit,Röm 4,5. zeigt klerlich an, das Rechfertigen ebensoviel sey als dem Suͤnder seinen glauben zurechnen zur gerechtigkeit, das ist: weil er in sich keine gerechtigkeit hat,uͤr Gott bestehe, darumb helt jhm Gott seinen glauben fuͤr gerechtigkeit, gleich als wenn wir sagten von einem tugenthafften, aber vnedlen manne, seine Tugent werde jhm zum Adel gerechnet. Denn wenn Paulus spricht: dem Suͤnder wird sein glaube zur gerechtigkeit gerechnet, das heist ja trawen nicht, das er an der that gerecht wird. Derhalben heist Rechtfertigen, und zu gerechtigkeit rechnen, haben beide einerley bedeutung im Paulo am selben ort.Porro exempla, quae ex Paulo citauit, ipsamet sunt ea loca, de quibus ambigitur, nec ullum ex eis euidenter eam significationem probat, imo uero aliqua ei diserte reclamant. Nam locus Rom. 4, quem primum citat istam significationem probaturus: Non operanti autem, sed credenti in eum, qui iustificat impium, imputatur eius fides ad iusticiam, clare indicat, quod iustificari idem sit, quod imputari peccatori fidem eius ad iusticiam, id est, quoniam non habeat in se iusticiam, qua coram Deo subsistat, ideo fides ei apud Deum loco iusticiae sit. Perinde ac si diceremus, uiro uirtute praestanti eius uirtus imputatur ad nobilitatem. Imputatio.Imputari certe peccatori fidem eius ad iusticiam, non significat iusticiam ei infundi, uel eum re ipsa iustum fieri. Quare nec iustificare id significat. Idem enim illa duo ualent Paulo in eo loco, iustificare scilicet et imputare iusticiam.Also hat Paulus im negstuorgehenden text eben von diesem handel dis wort auch gebraucht, als er spricht: Jst Abraham durch die werck gerechtfertigetuͤr gerecht gehalten fuͤr gerecht geurteilt), so hat er wol rhum, aber nicht fuͤr Gott,Röm 4,2. das ist: Es ist wol war, Abraham hat so viel herrlicher thaten vnd guter werck gehabt, das jhn die Leut fur gerecht vnd from hielten vnd er solchen wahnAnsehen. vnd ehre bey den leuten hatte, als were er gerecht. Fuͤr Gott aber ists nicht also. Denn Gott erfordert eine viel groͤssere vndoͤmigkeit von den menschen, fuͤr welches gericht niemand bestehet.Sic et proxime ante de eadem re disserens, ea uoce Paulus usus est. Inquit enim: Si Abraham ex operibus iustificatus est (id est, iustus habitus, iustus iudicatus) habet gloriationem, sed non apud Deum. Id est, Abraham habuit quidem tam multa et praeclara opera, ut homines eum iudicarent iustum, haberetque apud homines opinionem et gloriam iusticiae, sed non itidem apud Deum, qui longe maiorem probitatem ab hominibus flagitat, et coram cuius iudicio nemo subsistit. Sequitur statim: Quid ergo dicit scriptura, credidit Deo Abraham, et reputatum est ei in iusticiam? Quod reputari ad iusticiam necesse est idem significare, quod praecedens iustificari. De eadem enim plane re loquitur. Dicit enim Abrahamum non ob sua praeclara opera a Deo iustum habitum et pronunciatum (Sicut ab hominibus) sed ob fidem. Addit mox eandem rem tractans locum ab Osiandro citatum: At operanti merces non imputatur ex gratia, sed ex debito. Ei uero qui non operatur, credit uero in eum, qui iustificat impium, imputatur fides eius in iusticiam.Bald darnach folgt: Was sagt aber die Schrifft? Abraham hat Gotte gegleubt, vnd das ist jhm zur gerechtigkeit gerechnet.Röm 4,3. Dis rechnen zur gerechtigkeit mus eben so viel heissen, als das er zuuor sagt: gerechtfertiget. Denn er redt: Dem aber, der mit wercken vmbgehet, wird der lohn nicht aus gnade zugerechnet, sonder aus pflicht. DemRöm 4,4f.
Es erscheint aber nicht allein aus den vorgehenden worten vnd zusamenhaltung des texts, das Gerechtfertiget werden heisse fuͤr gerecht geachtet, sonder auch aus den negstfolgenden worten. Denn Paulus erkleret aus dem Propheten Dauid, was da sey, einen suͤnder gerechtfertiget werden oder den glauben jhm zugerechent werden. Sagt, es sey ebensoviel als die vngerechtigkeit vergeben sein, die suͤnde bedeckt sein, die suͤnde nicht zugerechnet werden. Welche auslegung Pauli vnd Dauidsuͤnder die gerechtigkeit eingegossen werde.Sed non tantum ex praecedentibus ac textus collatione apparet, Iustificari, significare pro iusto haberi, seu absolui, sed et ex statim sequentibus. Explicat enim Paulus ex Dauide quod sit iustificari peccatorem, seu imputari fidem in iusticiam, idem esse inquit, quod remitti iniquitates, texta esse peccata, non imputari peccatum. Quae interpretatio profecto non fert istam significationem Osiandri, realiter iustum fieri, seu ut passim loquitur, iusticiam infundi.Jch wil aber kuͤrtzlich die auslegung des worts Vergebung der suͤnde hiemit einbringen. Denn es dienet viel zur auslegung des WortsRechtfertigen. Suͤnde ist nicht allein etwas thun, das das Gesetz verboten hat, Sonder auch, die gebot des Gesetzes vnterwegen lassen,unterwegen lassen = auf sich beruhen lassen, ignorieren, unterlassen. Vgl. Götze s. v. underwegen. Oder nicht allein widders gesetz thun, sonder auch, das gesetz nicht erfuͤllen, oder dem gesetz nicht volkoͤmlich gnug thun.Remißio peccatorum.Interponam hic breuiter expositionem locutionis, Remissio peccatorum. Nam ad expositionem uerbi iustificare multum facit. Peccatum est non tantum facere prohibita a lege, Sed et omittere mandata, seu non integre satisfacere ei.Derhalben Vergebung der suͤnde ist auch nicht allein ableschung deraus: zurechung. der erfuͤllung des gesetzes. Wenn dir Gott die suͤnde vergibt, so vergibt er dir nicht allein, das du widder des gesetzes verbot gethan hast, sonder auch, das du dem gesetz nicht gantz bist gehorsam gewest, das ist: Er helt so von dir, Liebt dich so gleich,so gleich = ebenso. als hettestu seinem gesetz volkoͤmlichen gehorsam
dein leben lang geleistet. Eben dis heisset hie S. Paulus vnd die Schrifft an vielen orten ein Suͤnder wird gerechtfertiget oder dem suͤnder zugerechnet werden zur gerechtigkeit vnd die suͤnde vergeben werden, Das ist, das der Suͤnder gleichermassen fur gerecht gehalten wird, als hette er nicht allein widders gesetz nichts verbrochen, sonder were dem gesetzoͤmlich stetz gehorsam gewest.Quare remissio peccati, est non tantum abolitio culpae, quod contra legem aliquid feceris, Sed et imputatio impletionis legis. Cum tibi remittit Deus peccata, non tantum id remittit, quod contra prohibitionem legis fecisti, Sed et quof legi non integre paruisti, id est, Sic de te sentit, sic te amat, ac si legi ipsius integram obedientiam praestitisses. Idem ergo hic Paulus et saepe alias scriptura dicit esse iustificari peccatorem, seu imputari ei iusticiam, ac remitti ei peccata, id est, perinde eum pro iusto haberi, sicut si non tantum nihil contra legem fecisset, sed et legi plene obediuisset.Weil nu S. Paulus das wort Rechtfertigen an diesem ort also gebraucht, da er den vornempsten punct handelt, wie Gott den Suͤnder rechtfertiget, So zweifel ich nicht, er gebrauche es an andern orten auch also, da er eben diese sach auch handelt. Denn er freilich an andern orten von Rechtfertigung des suͤnSic porro cum Paulus uerbo iustificare hic utatur, ubi tanquam in praecipuo scopo disserit, quonam modo Deus peccatorem iustificet, non dubito idem ei significare, et in alijs locis, de eadem re disserenti, certe non aliter alibi de iustificatione peccatoris sentit ad loquitur, quam hic.Also ist auch der spruch Ro. 8, den Osiander zum andern anzeucht, widder seine deutung: Wer wil die ausserwelten Gottes beschuͤldigen? Gott ist hie der rechtfertiget. Wer wil verdammen?Röm 8,33f. Daraus klar erscheinet, das Paulus die Christen fuͤr Gottes richtstul stellet.Vgl. Röm 14,10; II Kor 5,10. Vnd weil sie Gott selbs absoluiret, so wird auch kein kein Kleger so boͤse vnd hefftig sein, der widder sie klagen darff. Es wird auch kein Richter so ernst vnd mechtig sein, der sich vnterstehe, sie zu uerdammen. Darumb wird in diesem spruch nicht des Osiandri, sonder die andere deutung des worts Rechtfertigen beweiset,bewiesen. nicht allein aus dem gantzen text, sonder auch aus dem Opposito,Gegenbegriff, Antonym. das eruͤldigen vnd verdammen. Vnd weil beweiset ist, das die deutung des worts wider den Osiander streitet, so ist derhalben die sach, so durch das wort bedeutet wird, auch beweiset.Sic locus octauo cap. ad Roma. quem secundo loco Osiander citat, cum ipsius significatione pugnat. Quis accusabit electos dei? Deus est qui iustificat: quis est, qui condemnat? ubi clare apparet S. Paulum facere pios stantes apud tribunal Dei, quos quoniam ipse Deus absoluat, nemo erit tam uehemens accusator, qui ausit instituere accusationem contra eos, nemo item tam seuerus potens quam iudex, qui eos condemnare praesumat. Probatur ergo in hoc loco non Osiandri, sed altera significatio uerbi iustificare, tum ex toto contextu, tum et ex oppositio accusare et damnare. Probata autem significatione uocis cum Osiandro pugnante, probatur et res.Also auch im 3. Capitel, das Rechtfertigen bey S. Paulo so viel heisset als absoluiren, erscheinet klerlich aus den worten, die darbey stehen, denn er sagt:
Vnd werden on verdienst gerechtfertiget aus seiner gnade durch die erloͤsung, so durch Christo Jhesu geschehen ist.Röm 3,24. Das ist: weil Christus vnschuͤldig am Creutz gehangen ist, dar-umb wird Paulus, den mann jtzt bald verdammen solte, durch dieselbe vnd vmb derselben erloͤsung vnd gnugthuung willen gerechtfertigt vnd absoluiret.
Sic et 3. cap. uerbum iustificare Paulo significare absoluere clare apparet ex adiunctis. Inquit enim, Iustificati gratis eius gratia, per redemptionem quae est in Christo Iesu, id est, quia innocens Christus in cruce pependit, ideo per illam et propter illam redemptionem et satisfactionem Paulus iam damnandus, iustificatur, seu absoluitur.
Alhie wirt klerlich die rechtfertigung in die erloͤsung gesetzt. Nun ist die erloͤsung vergebung der suͤnden. Sagt nicht Paulus, wir werden gerechtfertiget durch eingiessung der wesentlichen gerechtigkeit Gottes, Sonder durch die erloͤsung, das ist: durch die vergebung der suͤnden. Derhalben leuchtet alhie die warheit so klar wie die liebe Sonne, das lossprechen von suͤnden oder Vergeben die suͤnden vnd nicht mit der that vnd warheit gerecht machen.
Vnd bald darnach sagt er: Das er zu diesen zeiten darboͤte die gerechtigkeit durch die vergebung der suͤnde, Auff das er alleine gerecht sey vnd rechtfertige den, der da ist des glaubens an Jhesu.Röm 3,26. Jn welchem spruch Paulus dieuͤnden, das ist: in der absolution, vnd nicht in eine wesentliche eingiessung der gerechtigkeit. Derhalben dieser gantzer spruch Pauli auffs deudlichst zeiget an, das das wort Rechtfertigen bedeute rechtsprechen vnd nicht mit der that einen recht machen.Et paulo post inquit: Ad ostensionem iusticiae suae per remissionem peccatorum, ad hoc ut ipse sit iustus et iustificans impium, Vbi exhibere iusticiam seu iustificare collocat Paulus in remissione peccatorum, id est, in absolutione, et non in reali iusticiae infusione.Jch wil kuͤrtze halben nicht von allen spruͤch en, die Osiander angezogen hat, sagen. Denn es ist genug, das wir etliche gemarcktgekennzeichnet, hervorgehoben. Vgl. Art. marken [II], in: DWb 12, 1637. haben, daraus wir vernemenentnehmen, erkennen. Vgl. Art. vernehmen 2) und 4), in: DWb 25, 911–913. koͤnnen, wie trewlich Osiander die heilige schrifft, seine meinung zu beweren,belegen, untermauern. Vgl. Art. bewehren 2), in: DWb 1, 1776. einfuͤret, vnd wie Paulus dis wort Rechtfertigen in beschreibung der Rechtfertigung von suͤnden gebraucht. Jch halt nicht, dasoͤnnen darthun, damit er klerlich beweise, das dis wort etwa in solcher deutung, wie er vorgibt, gesatztB; C: gesatz. werde. Wil geschweigen, das er beweisen solte, das es eben an denen orten, da Paulus vornemlich diesen artickel handelt, solche deutung habe. Warumb auch D. Luther das wort Ju-stificare oder Rechtfertigen verdeudscht habe
gerecht machen, wil ich darnach sagen.Nolo uitandae prolixitatis gratia de omnibus ab Osiandro citatis locis dicere, Satis enim est ex aliquot depraehendisse, tum quam bona fide Osiander pro sua sententia sacras literas adducat, tum quomodo Paulus hoc verbo in descriptione iustificationis peccatorum utatur. Nec poterit sane Osiander, ut spero, uel unicum locum adducere, quo manifeste probet, id uerbum aliquando in illa sua significatione accipi, ne dicam, ut probet, in illis ipsis locis, ubi proprie de isto articulo agitur, sic Paulo significare. Cur porro Lutherus uerterit uerbum iustificare gerecht machen, postea dicetur.
Widder der menschen klugheit Argument, das Gott entweder ein Vnuerstendiger oder aber vngerechter Richter sein muͤsse, so er die Suͤnder gerechtspricht.
Das sey vom wort Rechtfertigen. Nu wil ich auch den handel selbs fuͤr michuͤck verweffe ich gantz vnd gar das bedencken menschlicher weisheit, damit Osiander die meinung der Augspurgischen Confession – nemlich: Das der Suͤnder gerechtfertiget werde, sey eben so uiel, als das er absoluirt oder gerechtgesprochen werde umb Christus ’ willen, und werde doch nicht gantz noch wesentlich gerecht– so offt schmehet vnd saget, dasdaraus notwendig erfolge, das Gott entweder ein blinder, vnuerstendiger Richter sey, der des menschen bosheit nicht weis, oder sey vngerecht, das er den vngerechten gerecht achtet.Hactenus de uerbo iustificare, iam de re ipsa dicemus, in qua tractatione prorsus reijcimus illam humanae sapientiae rationcinationem, qua toties exagitat Osiander Augustanae confessionis sententiam, quod scilicet iustificari peccatorem sit idem quod absolui, seu iustum pronunciari, et non penitus iustum ac realiter effici. Ex qua sequi necessario uult, Deum esse aut caecutientem rudemque iudicem, qui prauitatem hominis non norit, aut esse iniquum, qui iniustum iustum esse statuat. Denn ich bekenne trawn, das wenn einer nach menschlichen gedancken vnsere rechtfertigung erwegen wolte, so wuͤrde er one zweiffel sagen, Gottverworfene, verdammte. Vgl. Art. verwerfen C.2.a.β) und c.α), in: DWb 25, 2689-2692. boͤse bubenSchurken. Vgl. Art. Bube 5), in: DWb 2, 460f. von der straff vnd von seinem zorn erledigt vnd darneben die straff auff seinen allerliebsten allergerechtisten Son legt. Fatemur enim, quod si quis humana cogitatione nostrae salutis rationem ponderare uellet, iudicaret haud dubie, Deum esse iniustissimum iudicem, qui nos sceleratos nebulones, a poenis et ira sua liberat, et interea poenas in suum dilectissimum, iustissimumque filium transfert.uͤrde mann jhn nicht allein fuͤr vngerecht, sondern fuͤr toll vnd toͤricht halten, vnd nichtuͤnde der Suͤnder bedeckt vnd die suͤnde nicht zurechnet. Welchs (wie gesagt), wenns ein Richter hie auff erden an Moͤrdern, Reubern oder Dieben thete, so were er
nicht allein vngerecht, sonder were werd, das man jhn selbs beim kopff nemenähme. vnd straffte, wie er die Vbeltheter solte gestrafft haben.Certe si quis iudex sic hic in terris agere uellet, merito uideretur non tantum iniustus, sed et insanus. At Deo uisum est per stulticiam et non sapientiam saluos facere homines. Testatur enim scriptura Deum esse talem iudicem, qui remittat iniquitates, qui tegat reorum peccata, quique non imputet peccatum. Quod, ut dictum est, si quis gubernator in latronibus aut furibus iudicandis faceret, esset non tantum iniustus, sed et eo ipso supplicio dignus, unde fontes eripuisset.Aus gemeltem menschlichem bedencken Osiandri koͤnte auch folgen, das gar keine suͤnde mehr im menschen sey vnd das wir derhalben nur fuͤr die lange weilfür die lange weil = aus Langerweile, zum Zeitvertreib, ohne eigentlichen Anlass. vmb vergebung der Suͤnden bitten. Denn wenn gleich noch einuͤnde bleiben, wie sie denn vngezweiffelt viel bleiben, So ist Gott dennoch vngerecht oder vnuerstendig, sintemalda, weil. Vgl. Art. sintemal 2), in: DWb 16, 1211f. er vns fuͤr gerecht helt.Sequitur etiam ex ista ipsius humana ratiocinatione prorsus nihil amplius peccati in homine restare, atque ideo nos ociose remissionem peccatorum flagitare. Si enim uel pauca peccata remanent, quae certe remanent: Tamen adhuc Deus erit iniustus, qui nos pro iustis habet.s:Drumb last vns auffhoͤren zu schmehen die wunderbare erloͤsung des Almechtigen Gottes, welcher aus sonderlichem rat seinen aller vnschuͤldigsten Son zum Fluch vnd zur Suͤnden gemacht hat, auff das er uns Suͤnder durch zurechnungaus: zurechung. seiner gnugthuung Gerecht spreche. Darumb wil ich dis menschliche bedencken faren lassenfahren lassen = loslassen, freigeben. Vgl. Art. fahren 13), in: DWb 3, 1255f. vnd von der Sachen selbs reden.Desinamus ergo humana sapientia iudicare et exagitare mysticam omnipotentis Dei liberationem, qui mirabili consilio innocentissimum filium suum fecit maledictum et peccatum, ut nos peccatores imputata nobis eius satisfactione iustos pronunciaret. Contempta ergo ista humanae mentis ratiocinatione, de re ipsa dicamus.
Was Christliche gerechtigkeit sey,
vnd wie Osiander die gerechtigkeit beschreibet.
was gesagt werden.Iudicamus nequaquam pie fieri ab Osiandro, qui et Christum ipsum, et per eum generi humano partam salutem in duas partes lacerat, et alteram, nempe redemptionem, humanitati Christi ac eius passioni adscribit, Altera uero, nempe iustificationem, diuinitati eius-dem tribuit. De qua distractione etiam postea aliquid dicetur.Denn die Schrifft sagt, das Vns durch den gehorsam vnd gnugthuung Christi, Gottes vnd waren menschen, volkoͤmliche versuͤnung mit Gott erworben sey.Vgl. Röm 5,10f.19; I Joh 4,10.Nam scriptura totam nostram cum Deo reconciliationem Christi hominis ac Dei obedientiae et satisfactioni tribuit. Denn wir haben aus der Schrifft gelernet, das vnsere gerechtigkeit, damit vns
Gott rechtfertiget, die vns Gott zurechnet vnd vmb welcher willen wir Gotte angenem sein, sey die zurechnung Gottes, welcher vns gleubigen zurechnet den gehorsam Christi, Welcher, da er in Gottes gestalt war, wie Paulus sagt, sich ernidrigetVgl. Phil 2,6–11. vnd (damit ichs kurtz mache) sich durch die menschwerdung vnd mancherley ernidrigung herunter gelassen hat von dem hoͤch
sten Himel bis in die vnterste Helle vnd dadurch so viel ausgericht, das, je tieffer er von vnsern Suͤnden vnd Gottes zorn hinunter gedruckt ist, je hoͤher wir durch wichtigkeitGewicht. Vgl. Art. Wichtigkeit 2), in: DWb 29, 835. seines verdienstes gleichsam auff der andern schale der wage in die hoͤhe geschwungen vnd aus der HelleHölle. in Himel gefurt sein.
IVSTITIA Christianorum.Nos enim ex scriptura didicimus iusticiam nostram, qua nos Deus iustificat, quam nobis imputat, et ob quam Deo accepti gratique sumus, esse illam imputationem Dei nobis credentibus filij sui obedientiam in exinanitiones usque in imum infernum, imputantis, qua effectum est, ut quanto ille magis nostris peccatis, iraque Dei depressus sit, tanto nos pondere meriti eius ueluti in altera bilancis lance constituti altius euecti, ac ueluti ex infernis ipsis in coelum subuecti simus. Vnd ist vns hie nicht viel dran gelegen, das die Philosophi Disputiren, ob die Gerechtigkeit eine Qualitas oder Actio sey, mit welchen spitzigen fuͤndlein Osiander den gantzen Grund legt zu diesem seinem grossen vnd prechtigen gebew.Gedankengebäude. Vgl. Art. Gebäu 3.d), in: DWb 4, 1655. Denn es haben auch die Philosophi gesagt, das die Tugent stehe im thun. Wie Aristoteles 5. Ethi. sagt, das Vniuersalis iustitia sey gehorchen
allen Gesetzen,Vgl. Aristoteles, Nikomachische Ethik V, 2 (1129a/b). Vnd zwar die Schrifft auch selbs nennet die gute werck Tuͤgende.Nec hic multum curamus philosophicas istas disputationes, an iusticia sit Qualitas uel actio, in quibus argutijs totius sui aedificij Osiander primariam basim collocat. Nam et philosophi pronunciarunt uirtutem in actione consistere, et scriptura sane crebro admodum uirtutum nomina ipsis bonis operibus tribuit.Osiandri beschreibung der Gerechtigkeit.Wiewol man aus des Osiandri Definition der Gerechtigkeit nicht gnugsam vernemen kan, was er eigentlich gerechtigkeit heisse. Zweymal, nemlich Fa. 76 vnd 162, beschreibt er sie also: die gerechtigkeit sey proprie vnd eigent
lich das, das vns recht zu thun beweget vnd on das wir weder gerecht sein noch recht thun koͤnnen.Vgl. OGA 10, 160,22–24; 246,28–30. Diese Definition reimpt sich sehr wol auffs erkentnis Gottes des rechten, guten vnd boͤsen, one welchs erkentnis keiner recht thun wuͤrde. Denn solch erkentnis bewegt die Leute, recht zu thun. Weiter, so haben auch die Teuffel ein solch er-kentnis, sind aber darumb
nicht gerecht.Vgl. Jak 2,19. Gute aufferziehungErziehung. Vgl. Art. Auferziehung, in: DWb 1, 641. bewegt auch, recht zu thun. Drawung vnd verheissung bewegen auch, Gute natur bewegt auch. Jst aber drumb nicht Gerechtigkeit.Quanquam porro ex Osiandri definitione iusticiae et illud quoque non satis liquet, quidnam sentiat ipse proprie esse iusticiam. Bis facie nempe 76. et 162. et ita eam definit, ut dicat iusticiam esse proprie id, quod nos ad iuste agendum impellit, ac sine quo iusti esse nequeamus. Definitio Iusticiae OsiandriQuae definitio et ipsi cognitioni rectitudinis, honestorumque ac turpium aptissime tribuitur. Nam sine cognitione iusti ac iniusti nemo iustus fuerit, et id sanos ad recte agendum impellit. Habent porro cognitionem etiam daemones, non tamen propterea sunt iusti. Impellit quoque ad recte agendum recta educatio, impellunt minae ac promissiones, impellit etiam bona natura, non tamen sunt iusticia. Hieraus erscheinet, das des Osiandri Definition so toͤlpisch,tölpelhaft, unbeholfen, ungeschickt, plump. Vgl. Art. tölpisch IV.A), in: DWb 21, 675f. so tunckel vnd falsch ist, wie sie mit keinem grunde bekrefftigt noch beweiset ist. Weil
aber der grunddas Fundament, die Basis, die Grundlage. Vgl. Art. Grund IV.A.3.l), in: DWb 9, 710. des gantzen bawes darnidder ligt, so ist wol zu dencken, wie fein der baw, der sich drauff halten sol, stehen wird.Vnde apparet et ipsam Osiandri definitionem iusticiae, quod totius ipsius disputationis fundamentum est, tam esse ineptam, obscuram, et etiam falsam, quam nullis plane rationibus suffulta probataque ab eo est. Iacente porro praecipuo totius operis fundamento, quam pulchre ipsum quoque aedificium ei fundamento incumbens stabit, perfacile est ratiocinari.Drumb wil ich die Philosophische fuͤndleineine (in ihrem Wert überschätzte) Erkenntnis; kleiner Kunstgriff, Kniff, Trick. Vgl. Art. Fündlein 2) u. 3), in: DWb 4, 544f. vnd des Osiandri tunckelheit, Vnrichtigkeit vnd Falscheit in der definition der gerechtigkeit faren lassen, vnd auffs aller deudlichste vnd warhafftigste ich immer kan, betrachten, was des
menschen Gerechtigkeit vor dem fall gewest were vnd was sie jtzund sey.Omissis ergo tum philosophorum argutijs, tum Osiandri obscuritate, improprietate, ac etiam falsitate in definitione iusticiae, dicemus quam clarissime uerissimeque poterimus, quid hominis tum in integra natura iusticia fuisset, tum etiam in corrupta sit.Jch halte, das des menschen Gerechtigkeit vor dem Gerechtigkeit Vor dem fall.fall vnd jtzund der Engele sey ein volkoͤmlicher, bestendiger, stetiger gehorsam gegen dem Gesetz vnd willen Gottes mit hertzen vnd mit der that. Vnd kan dem Osiander nicht zufallen,beipflichten. Vgl. Art. zufallen 2.c), in: DWb 32, 347. das er sagt, das Gesetz erfordere eine Goͤttliche vnd nicht eine
menschliche gerechtigkeit. Denn es erfodert solchen gehorsam oder gerechtigkeit, welchen der Mensch in seiner vnschuld hette leisten koͤnnen vnd den die Engele jtzund leisten. Denn das Gesetz ist je nicht Gotte, sonder den menschen gegeben. Aber einem solchen menschen, wie er vor dem fall war. Doch bekennen wir, das beide, nemlich die Engel vnd Menschen, aus
gnaden von Gott from geschaffen, geliebt vnd mit ewigem leben von Gott begnadet sein.Iusticia hominis in natura integra.Iudicamus integri hominis iusticiam futuram fuisse, et nunc angelorum esse illud perfecte obedire uoluntati ac legi diuinae, mente ac opere. Nec enim Osiandro assentiri possumus, qui dicit legem flagitare diuinam non humanam iusticiam. Flagitat nanque talem obedientiam seu iusticiam, qualem homo in integra natura praestare potuisset, et nunc angeli possunt. Lex enim certe homini, non Deo lata est, Sed homini tali, qualis fuit ante lapsum. Fatemur tamen utrosque, angelos scilicet et homines, gratuito a Deo bonos conditos, dilectos et aeterna uita donatos. Nachdem aber wir menschen aus dieser Hoheit der Ehren vnd Gerechtigkeit gefallen sein vnd erstlich Gottes gunst, das vermuͤgen, Gotte gehorsam zu sein vnd das ewige leben verloren haben, vnd darnach in Gottes zorn,
Verterbung aller natuͤrlichen kreffte vnd Ewiges verter-ben gefallen sein, So ist gewislich vnsere gerechtigkeit das (es sey nu, was es wil, eine ware gerechtigkeit oder etwas der gerechtigkeit gemes. Denn wir der spitzigen rede nicht achten), das vns als proxima efficiens causa, die negste wirckliche vrsach, von Gottes Zorn, Suͤnden vnd ewigem Tode erloͤset vnd
weiter Gottes gunst, zum teil auch alhie widderbringung der natuͤrlichen kreffte vnd das ewige leben bringt. Oder (das ichs kurtz sage) dadurch oder von welchs wegen wir aus Gottsfeinden seine Geliebten sein vnd nicht allein Vergebung der suͤnden, sonder auch zurechnung grosser gerechtigkeit, froͤmigkeit vnd heiligkeit, welche doch in Vergebung der suͤnden auff jhre
sonderliche weise begriffen wird (wie droben gesagt), erlangen, Nicht allein inn der ersten Versuͤnung, sonder auch teglich vnd alle augenblick, so offt wir Vergebung der suͤnden vnd gnade des himlischen Vaters suchen.Ex eo gloriae iusticiaeque gradu cum nos homines lapsi sumus, ac primum gratuitum Dei fauorem, facultatem deo parendi, et uitam aeternam amiserimus. Deinde in iram Dei, corruptelam naturalium potentiarum et aeternum exitium inciderimus, Sentimus illud esse iusticiam nostram (Quicquid id est, siue reuera iusticia est, siue quiddam iusticiae ἀνάλογον. Entsprechendes. Vgl. Georges I/1, 182[b] s. v. ἀνάλογος. Verborum enim ἀκριβολογίας Spitzfindigkeiten. Vgl. Georges I/1, 84[b] s. v. ἀκριβολογία. hic non curamus, quod nos tamquam proxima efficiens causa, ira Dei, peccato ac aeterna morte liberat, et insuper nobis Dei beneuolentiam aliquam naturalium uirium instaurationem et uitam aeternam acquirit, seu ut breuius dicamus, quo uel propter quid, ex hostibus Deo dilecti fimus, non solum remissionem peccatorum, sed et imputationem magnae cuiusdam bonitatis, iusticiae, et sanctitatis assequimur, (quae tamen in remissione peccatorum sua quadam ratione continentur, ut superius dictum est). Nec id solum in prima reconciliatione, sed et quotidie ac omnibus momentis, quoties remissionem peccatorum, patrisque coelestis fauorem quaerimus.Vnd solchs halte nicht allein ich, sonder auch die gantze Kirche. Denn so offt wir von der gerechtigkeit des glaubens oder Rechtfertigung reden, so wollen
wir warlich das mittel verstanden haben, durch welchs, als durch die negste wirckliche Vrsach, wir aus dieser (so zu reden) helleHölle. in die seligkeit vnd wirdeWürde. bey Gott widderumb gesatzt werden, daraus wir durch die suͤnde oder vngerechtigkeit in dis elend gefallen sein. Solchs sey nu eine ware gerechtigkeit, wie die Philosophi disputiren, oder etwas der gerechtigkeit
gemes, daran ist nichts gelegen. Denn da die Welt durch weisheit nicht konte selig werden, hats Gott gefallen, das er die Gleubigen durch eine wuͤnderliche torheit selig machte.Vgl. I Kor 1,18–25.Sentimus uero non nos tantum sic, sed et tota Ecclesia. Quoties enim de iusticia fidei seu iustificatione disserimus, de eo certe dicere uolumus medio, per quod tanquam proximam causam efficientem, ex hoc ut ita dicam inferno in id foelicitatis dignitatisque apud Deum restituimur, unde per peccatum seu iniusticiam in hanc miseriam delapsi sumus, siue iam id sit reuera iusticia, ut philosophi de ea disputant, siue quiddam iusticiae ἀνάλογον, nihil refert. Cum enim mundus per sapientiam saluus fieri non posset, uisum est Deo per mirabilem quandam stulticiam saluos facere credentes.Solchen effect oder nutz, das ist solche Versuͤnung oder vereinigung des menschen mit Gott, hat Christus durch seinen gehorsam vnd leiden, wie der
heilige Geist in der Schrifft bezeuget, zu wegen bracht. Collos. 1: Es hat Gott wolgefallen, das alles durch Christum versuͤnet wuͤrde vnd friede hette, es sey auff erden od er im Hi-mel, durch das blut an seinem Creutz.Vgl. Kol 1,19f. Hie hoͤren wir klerlich, das durchs Opffer des leidens Christi fried vnd freundschafft zwischen dem, das auff Erden, das ist: zwischen den
menschen, die da Suͤnder sind, vnd zwischen dem, das im Himel ist, das ist: zwischen Gott, gemacht sey.Hunc porro ipsum effectum Spiritus sanctus in sacris literis Christi obedientiae et passioni tribuit, ut Colos. 1. Visum est Deo per Christum omnia sibi conciliare et pacificare per sanguinem crucis eius coelestia et terrestria. Hic clare audimus per sacrificium passionis Christi pacem et amicitiam inter terrestria, id est, peccatores homines et coelestia, id est, Deum, factum esse. Bald darnach am selben ort folgt eine sehr feine vnd reichliche Beschreibung, was der Gehorsam vnd Opffer des leidens Christi ausgericht habe. Jtem, wo her vnd aus welchem jamer er vns gezogen, vnd zu wie grossen ehren er vns
gebracht habe. Denn er sagt: Vnd euch, die jhr weilandvormals, ehedem, vordem. Vgl. Art. weiland A.2.b), in: DWb 28, 784f. frembde vnd feinde (Gottes) waret durch die vernunfft in boͤsen wercken, hat er nu endlich versuͤnet mit dem leibe seines fleisches durch den tod, Auff das er vns darstellet heilig vnd vnstreflich vnd on tadel fuͤr jhm selbs.Vgl. Kol 1,21f. Hie hoͤren wir aber klerlich, das Christi gnugthuung vns aus Gottlosen vnd feinden Gottes seine
Geliebten gemacht hat vnd hat vns vnstreflich vnd one tadel fuͤr Gott gestellet. Derhalben wird aus zeugnis dieses spruchs erzwungen, das vnsere gerechtigkeit eigentlich ist die zurechnung der gnugthuung vnd verdinstes Christi oder erfuͤllung des Gesetzes, die vns durch den glauben widderferet.Sequitur ibidem statim elegans descriptio effectuum obedientiae et sacrificij, passionis Christi, unde nam nos, et ex quanta miseria, in quantam gloriam transtulerit. Inquit enim: Et uos qui quondam eratis abalienati, (sicilicet a Deo) et inimici mente et operibus malis, nunc tandem reconciliauit in corpore carnis suae, per mortem. quo exhiberet sanctos et irreprehensibiles et inculpatos in conspectu suo. Hic iterum clare audimus Christi satisfactionem nos ex impijs et hostibus Dei, eius dilectos effecisse, nosque inculpabiles irreprehensibilesque coram deo statuisse.Proinde huius loci testimonio aus: clar euincitur.clare uincitur, nostram iusticiam esse proprie imputationem satisfactionis et meriti Christi, nobis per fidem factam.Widderholung der beschreibung der gerechtigkeit. Ehe ich aber mehr angument zur beweisung vnserer meinung einfuͤre, wi l
ich zuuor weiter reden, wie der mensch widderumb sey zu recht bracht.Sed priusquam Quomodo facta sit instauratio hominis post lapsum.plura argumenta ad nostrae sententiae probationem afferam, redibo ad expositionem instaurationis hominis. Dje Schrifft sagt: Gleich wie durch eines menschen vngehorsam die suͤnde ist kommen in die welt vnd durch die suͤnde der Tod, Also ist auch durch eines menschen (Christi) gehorsam die gerechtigkeit vnd ewiges leben vber alle menschen komen.Vgl. Röm 5,12.18. Wenn der mensch im gehorsam gegen dem gesetz
vnd willen Gottes, darzu er erstlich geschaffen war, blieben were, So were derselbe gehorsam fuͤr Gott des menschen gerechtigkeit gewest, vnd er were dadurch im ewigen leben blieben.Scriptura inquit: Quod sicut per inobedientiam unius hominis intrauit peccatum, et per peccatum mors, ita contra per obedientiam unius hominis Christi contigerit hominibus iusticia et uita aeterna. Si homo in illa obedientia erga legem ac uoluntatem Dei, ad quam erat initio conditus perstitisset, fuisset ei illa obedientia coram Deo iusticia, ac per eam in uita mansisset. Weil aber darnach die menschliche natur solchen gehorsam oder gerechtigkeit, jhres fals halben in die suͤnde, nicht geleistet hat vnd noch nicht
leisten kan vnd derhalben von Gottes gerechtigkeit zur ewigen straff gefodert wird, So hat sich Got vnser erbarmbt. Vnd damit er beiden, seiner gerechtigkeit vnd seiner barmhertzigkeit, gnug thete, so hat er eine wunderliche Person erweckt, die nicht allein Gott, auch nicht allein mensch, vnd doch zugleich Gott vnd mensch ist, Welche einen sonderlichen newen gehorsam, besser,
denn der Engele gehorsam ist, leistete vnd dadurch das Gesetz aufs allervolkoͤmlichste erfuͤllete. Diesen gehorsam, weil jhn Gott vnserthalben auffgericht vnd vns warhafftiglich zugerechnet hat, So ist derselbe gehorsam vnd gerechtigkeit vnser, vnd wir gefallen Gotte darumb.Iam porro obedientiam sue iusticiam cum humana natura lapsa per peccatum nec praestiterit, nec iam prae- stare possit, atque ideo iusticia Dei eam ad aeternas poenas uocarit, misertus nostri Deus, quo et iusticiae et misericordiae suae simul satisfaceret, excitauit mirabilem quandam personam, nec tantum Deum, nec tantum hominem, et tamen simul Deum et hominem, quae nouum quoddam obedientiae genus etiam angelico praeclarius praestaret, quam obedientiam cum Deus nostri causa instituerit, aus: iustituerit. et nobis uere imputauerit, nostra est ea obedientia, seu iusticia, nosque ob eam Deo placemus.Es sagt Osiander, das keine dritte gerechtigkeit sey denn entweder lauter
Menschlich oder aber lauter Goͤtlich, welchs nicht war ist. Denn das dieser gehorsam oder gerechtigkeit Christi nicht allein menschlich sey, auch nicht allein Goͤttlich, ist leicht zu beweisen. Denn menschlich ist er ja nicht; denn ein mensch kan solchen gehorsam nicht leisten. Goͤttlich aber ist er auch nicht proprie, denn es wolte der Goͤttlichen gerechtigkeit zuwider sein, das sich
Gott so tieff solte ernidrigen, das er nicht allein eine gestalt eins knechtes, sonder auch des allersuͤndlichsten knechts gestalt an sich nehme vnd vmb aller welt suͤnde leiden muͤste.Vgl. Jes 53,3–5. Darumb Gott im Esaia nicht vnbillich gesagt hat: Sihe ich mach newe Himel vnd eine newe Erde.Vgl. Jes 65,17. Daher sagt auch S. Paulus zun Ebreern: Er hat an dem, das er leid,erlitt. Vgl. Art. leiden A.3), in: DWb 12, 659. gehorsam geler
net.Hebr 5,8. als wolt er sagen: Er hat einen newen gehorsam durch truͤbsal, die dem Sone vngewoͤnlich war, lernen muͤssen.Quod autem illa Christi obedientia seu iusticia nec humana proprie sit, nec diuina, non est difficile probare. Nam humana certe non est, Homo enim talem praestarenon potest, nec diuina quidem proprie est. Nam contrarium diuinae iusticiae esse uidetur, ut Deus adeo se exinaniat, ut non solum formam serui, sed et formam scelestissimi serui suscipiat, ac ob totius mundi peccata poenas luat, ut non immerito Deus apud Esaiam dixerit: Ecce ego creo coelos nouos et terram nouam. Ideo et Paulus ad Hebrae. inquit: Didicit obedientiam ex ijs, quae passus est, quasi dicat, nouum quoddam genus obedientiae per illas filio non solitas tribulationes discere coactus est.Wie aber die wesentliche gerechtigkeit, weisheit vnd glori Christi, ja auch seine Gottheit selbs, zu vnserer selig-keit diene, das wollen wir darnach sagen. Denn wir verachten sie trawen nicht.
Quomodo porro iusticia, sapientia et gloria essentialis Christi ad salutem nostram faciat, postea dicemus, Neque enim eam negligemus.Dje Schrifft gibt vnsere Rechtfertigung dem Mit welchen worten das verdienst Christi am aller bequemlichststen kan begriffen werden.gehorsam Christi, Rom. 5, Philip. 2.Vgl. Röm 5,19; Phil 2,2.6–8. Jtem, dem leiden Christi, welchs sie offt synecdochiceunter Einsatz des rhetorischen Stilmittels der Synekdoche (hier insbesondere: pars pro toto). Vgl. Peter Koch, Esme Winter-Froemel, Art. Synekdoche, in: HWRh 9 (2009), 356–366. durchs blut bedeutet darumb, das das leiden, welchs Christus, als er am Creutz hieng vnd sein blut vergos, erlitten hat, das aller vornempste vnd mercklichste stuͤck ist seines leidens.
Scriptura iustificationem nostri tum obedientiae Christi ut Romanorum 5. Philip. 2. tum passioni Christi, quam Synecdochice saepe Sanguis Christi.per sanguinem denotat, quod praecipua maximeque insignis passionum Chri-sti pars est ea, quam in cruce pendens ac sanguinem fundens perpessus est.Vnd diese zwey stuͤck, nemlich das Leiden vnd der Gehorsam Christi, koͤnnen durch sein gantzes leben gezogen werden, anzufahen von seiner allerersten ernidrigung, als er sich dem Vater vnterworffen vnd (so zu reden) ein new leben weit vnter die Goͤttliche Maiestet angefangen hat.Possunt uero duo haec passio et obedientia Christi per totam eius uitam extendi, inde ab illa priam exinanitione, cum se filius patri submittens nouam quandam, (ut ita dicam) uitam, longe infra diuinam maiestatem inchoauit. Denn dieselbe erste ernidrigung, da er in Goͤttlicher gestalt war, ist e in
stuͤck vnd anfang all seines leidens. Jtem, sein gantzes leben ist ein stetig leiden bis zur aufferstehung. Doch weil das vornempste stuͤck seines leidens am Creutz geschehen ist, So wird dasselbe leiden synecdochice fuͤr alle seine leiden genomen, sintemal er auch sein blut daselbs fur vns vergossen hat. Darumb auch durchs blut offtmals alle seine leiden angezeigt werden.
Nam et illud primum exinanire se, cum in forma Dei esset, genus passionis est, et passionum omnium initium, et tota uita eius, una perpetua passio est, usque ad resurrectionem, cuius tamen passionis, quia praecipua uehementissimaque pars in ipsa cruce peracta est, ideo illa passio Synecdochice pro omnibus eius passionibus ponitur: quia item ibi sanguinem suum pro nobis fudit, ideo et sanguinis nomine saepe omnes passiones eius notantur.Also kan auch mit dem wort Gehorsam das gantze leben Christi bezeichnet werden. Denn S. Paulus sagt, Er habe sich ernidriget, Sey gehorsam gewest bis zum allerschendlichsten tode des Creutzes.Vgl. Phil 2,8. Vnd zun Ebreern am 5. stehet, Er habe gehorsam gelernet an dem, das er leid.Vgl. Hebr 5,8. Das also Christus, warer mensch vnd Gott, alles, was er (so zu reden) in diesem newen leben, nach dem
er zur suͤnde vnd fluch worden ist, gethan vnd gelitten hat, das hat er darumb gethan vnd gelitten, auff das er durch seines hertzen vnd wercks gehorsam gegen Gott den armen suͤndern eine newe gerechtigkeit erwerbe.Obedientia ChristiSic et obedientiae nomine tota uita Christi notari potest. Nam Paulus inquit, eum se humiliasse, factum obedientem usque ad turpissimam mortem: et ad Hebrae. 5. eum didicisse obedientiam ex ijs quae passus est. Ita ut omnia Christus Deus et homo, quae in hac noua uita, postquam factus est peccatum et maledictum, pro nobis peregit, quo patri animo et opere obediendo nouam quandam iusticiam peccatoribus inueniret, fecerit, passusque sit.Derhalben das gantze leben des Sons Gottes, als er in Goͤttlicher gestalt war vnd anfieng sich zu ernidrigen, kan vnter dem namen des gehors ams
oder vnter dem namen des leidens begriffen werden. Denn in seinem Gehorsam ist ein stetig leiden, vnd im Leiden ein steter gehorsam gewesen. Denn er ist eben darumb ins leiden geworffen, das sein gehorsam darin gesehen wuͤrde. Vnd darumb ist er dem Vater gehorsam gewest, das er in seinem gehorsam das leiden, welchs vmb vnser seligkeit willen ergehen muste, truͤge.
Tota ergo uita filij Dei, postquam in forma Dei existens sese exinanire coepit, tum obedientiae, tum passionis nomine compraehendi potest. Nam et obedientia fuit perpetua quaedam passio, et in passione perpetua obedientia. Nam ad hoc ipsum in passiones coniectus est, ut in eis obedientia ipsius cerneretur, et ad hoc ipsum filius patri obediuit, ut in obedientia passionis nostrae saluti debitas praestaret.Wiewol auch etliche fein deudlich, wie sichs lest ansehen, das ampt Christi vnterscheiden, wenn sie sagen, das vns Christus habe durch sein leiden erloͤset von dem ewigen leiden vnd mit seinem gehorsam das gesetz fuͤr vns erfuͤllet, Vnd habe also mit seinem leiden vergebung der suͤnden, Mit seinem gehorsam aber eine gerechtigkeit, gleichsamals. weren wir dem gesetz
volkoͤmlich gehorsam gewest, erworben.Quanquam porro quidam non inepte distinguere uidentur, qui dicunt Christum sua passione nos ab aeterna inferni passione liberasse, et sua obedientia pro nobis legem impleuisse, atque ita passione remissionem peccatorum, obedientia uero iusticiam quandam, perinde scilicet ac si nos ipsi legi integre obediuissemus, nobis acquisiuisse:uͤllung des Gesetzes (wie ich zuuor gesagt habe) in der Vergebung der suͤnden begriffen ist, Jtem weil der gehorsam Christi (wie jtzt gesagt) mit seinem leiden vermischt ist, Jtem weil die Schrifft diesen beiden stuͤcken zugleich vnsere Rechtfertigung vnd vnser
Heil zulegt (wie wir darnach beweisen wollen), so wollen wir eins vom andern nicht abreissen, sonder beiden zugleich das verdienst Christi vnd erwerbung vnserer gantzen Seligkeit zuschreiben.Tamen nos, cum imputatio impletio legis in remissione peccatorum contineatur, cumque obedientia Christi sit quiddam cum passione eius commixtum, ut iam indicaui, cumque scriptura utrique promiscue iustificationem salutemque nostram tribuat, ut post ea probabimus, non uolumus alterum ab altero diuellere, Sed utrique simul meritum Christi, totiusque nostrae salutis effectum tribuere.
Das weiter diese beide dinger, nemlich das gehorsam vom leiden Christi, koͤnnen vnd sollen auch vnter dem wort erfuͤllung des Gesetzes gefasset
werden, Das wollen wir mit Gottes huͤlff hindennachspäter. Vgl. Art. hinten II.2), in: DWb 10, 1486. erkleren vnd beweisen.
verlegen.widerlegen, zurückweisen. Vgl. Art. verlegen 3), in: DWb 25, 758f.Sed priusquam scripturae testimonia prolixius recenseamus, breuiter summam eorum, quae post uocis iustificare tractationem diximus, repetemus, et quasdam obiectiones Osiandri refellemus. Jch habe gesagt, das Gotte oder seinem gesetz volkoͤmlich von hertzen vnd mit dem werck gehorsam sein, sey warhafftiglich Gerechtigkeit. Dergleichen gehorsam oder Gerechtigkeit jtzund die Engel haben vnd der mensch vor dem fall gehabt vnd Gotte hette leisten koͤnnen vnd sollen.
Daraus doch der Mensch von wegen des ersten menschen gefallen ist.Diximus obedire integre Deo. seu eius legi corde et opere, esse ueram iusticiam, qualem obedientiam et iusticiam iam Angeli habent, et homo in integra natura habuisset, et Deo praestare debuisset. Ex qua tamen per peccatum primi hominis excidit.Jch habe auch gesagt, ja es sagts die gantze Schrifft, das der Christus, nachdem er des Mitlers ampt auff sich genomen vnd sich ernidrigt hat etc., ein newen gehorsam vnd leben weit vnter die hohe Goͤttliche Maiestet angefangen habe, vnd habe denselben seinen Gehorsam, Erfuͤllung des gesetzes, Gnug
thuung, Verdienst, Erloͤsung, Versuͤnung (denn fast alle diese wort braucht die Schrifft on vnterscheid) vns zugerechnet, als hetten wir sie selbs alle geleistet. Dis stuͤck nemlich, was vnsere Gerechtigkeit sey, wollen wir vber etliche blat (wils Gott) noch besser erkleren.Diximus quoque, imo et tota scriptura dicit, filium dei, postquam mediatoris officium suscipiens sese exinaniuit etc. nouam quandam obedientiam et uitam longe infra illam diuinam maiestatem incepisse, eamque suam obedientiam, satisfactionem, meritum, redemptionem, propiciationem seu iusticiam (Hisce enim ferme omnibus uocibus scriptura promiscue utitur) nobis imputasse, nostraque illa perinde facta esse, ac si nos ipsi ea omnia praestitissemus.Hie koͤmpt Osiander her wie Aiax mit seinem Verlegung der vorwuͤrff Osiandri.siebenfechtigen,siebenfachen. Vgl. Art. siebenfächtig, in: DWb 16, 806. vnuͤber
windlichen SchildeAias (lat.: Aiax), Sohn des Telamon von Salamis, Held bei der Belagerung von Troja, von überragender Gestalt und Kampfkraft, trug einen großen, mit sieben Schichten Rindsleder verstärkten Schild (σάκοςἑπταβόειον – erwähnt u. a. bei der Schilderung seines Zweikampfes mit Hektor in Ilias VII, 220.222.245.266). Vgl. allg. Hans v. Geisau, Art. Aias 1, in: KP 1 (1964), 153. vnd thut wider all vnsere Argument diesen vorwurf: Ob Christus in mutterleibe nicht gerecht sey gewest, so er darnach allererst durch solchen newen gehorsam die gerechtigkeit erfunden hat? Antwort: Jn Christo mus man zwey ding betrachten, Seine Person vnd sein Ampt. Was seine Person belangt, da hat er weder nach seiner Gottheit, noch nach seiner
menscheit nie von keinerDreifache Verneinung hat verstärkenden Charakter; nach heutigem Sprachgebrauch wäre zu formulieren: weder noch jemals von irgendeiner. suͤnde gewust. Refutatio obiectionis Osiandri de Iusticia Christi in utero matris.Hic tanquam Aiacis impenetrabilem clypeum Osiander opponit obiectionem, an Christus in utero matris non fuerit iustus, si postea primum noua ista obedientia iusticiam inuenit. Respondemus. In Christo duo sunt consideranda, eius persona et officium. Quod attinet quidem ad eius personam, nunquam ille neque humanitatis neque diuinitatis ratione peccatum nouit. Was aber sein Ampt belangt, sintemal er nu der Mitler ist, der die suͤnde der welt auff jhm tregt,Vgl. Joh 1,29. da hats jhm in mutterleibe vnd darnach die gantze zeit vber bis zu seiner Aufferstehung so viel an gerechtigkeit gemangelt, das er nicht allein nicht gerecht, sonder die Suͤnde vnd Fluch selbs – nach der
SchrifftVgl. II Kor 5,21; Gal 3,13. – gewesen ist, das ist: vnsere suͤnde sind jhm vom Vater (ehe er sie durch seinen gehorsam vnd leiden also vberwunden vnd mit fuͤssen getreten hat, affixo ad crucem Chirographo nostro,Vgl. Kol 2,14. captaque captivitate,B; C: captifitate.Vgl. Eph 4,8. das er inn seiner Aufferstehung dauon Triumphiren koͤnte) so hoch zugerechnet gewesen, als hette er selbs warhafftiglich aller Welt Suͤnde
begangen. Aber nach seiner Aufferstehung, da er vber Suͤnde, Tod vnd Hell gesieget hat, ist er nicht mehr eine suͤnde, sonder eitel gerechtigkeit, nicht mehr ein Fluch, sonder eitel Segen worden, vnd das nicht jhm selbs, der jmmer gerecht vnd gebenedeietgesegnet. Vgl. Art. benedeien, in: DWb 1, 1468. gewesen ist, sondern denen, die an jhn gleuben.
Sed quod ad officium, iam mediatoris attinet, in utero matris, et postea usque ad resurrectionem, tantum abfuit, ut esset uere iustus, ut etiam peccatum et maledictum fuerit, id est, ita ei nostra peccata a patre imputata fuerint, priusquam per obedientiam et passionem ea sic deuicit et calcauit, ut in resurrectione de eis triumphare posset, ac si ipsemet reuera totius mundi peccata patrasset.Derhalben zeugt die schrifft, das nicht allein wir durch denselben seinen gehorsam vnd leiden mit Gotte versuͤnet vnd Gerechtfertigt sein, wie ich droben beweist vnd darnach beweisen wil, Sonder auch das Christus selbs eine groͤssere ehre dadurch erlangt habe, wie Paulus zun Philippern am andern sagt: Darumb (verstehe: vmb solche ernidrigung vnd leiden, dauon
alda der Apostel redet) hat jhn Gott erhoͤhet vnd hat jhm einen namen gegeben, der vber alle namen istPhil 2,9. etc. Vnd zun Ebreern 2: Er ist gekroͤnet worden.Vgl. Hebr 2,9. Jtem am fuͤnfften: Er hat gehorsam gelernet an dem, das er leid. Vnd da er ist volendet, ist er worden allen, die jhm gehorsam sind, eine vrsach zur ewigen SeligkeitVgl. Hebr 5,8f. etc.
Quare scriptura non tantum nos Deo conciliatos et iustificatos, per eam eius obedientiam et passionem testatur, ut superius probatum est, et postea probabitur, Sed et ipsummet Dei filium ampliorem quandam gloriam propter eam nactum, ut Paulus ad Philip. 2. inquit. Propterea (scilicet propter illam exinanitionem seu passionem, de qua ibidem dicit) superexaltauit eum Deus, et dedit ei nomen super omne nomen etc. Et Hebrae. 5. Didicit ex ijs quae passus est obedientiam et perfectus factus, fuit causa omnibus audientibus sese salutis etc.Hie hoͤren wir klerlich, das Christus durch seinen gehorsam vnd leiden volendet ist. Drumb ist er zuuor vnvolendet gewest. Nicht, trawn, seiner person halben. Denn er nie von keiner suͤnde gewust, vnd ist kein betrug in seinem munde funden,Vgl. I Petr 2,22. ist auch allezeit des Vaters lieber Son gewest, an welchem der Vater ein wolgefallen gehabt.Vgl. Mt 3,17; Mk 1,11; Lk 3,22. Sonder seines Ampts halben,
das er der Mitler ist, sofern (wie gesagt) Christus vnsere Suͤnde auff sich genomen Vnd gleichwol noch nicht die Handtschrifft vnserer Suͤnde ans Creutz gehefft, die gewalt der finsternisse noch nicht gar vberwunden, den Vater noch nicht versuͤnet vnd vns das ewige leben noch nicht erworben hatte.Vgl. I Tim 2,5; Joh 1,29; Kol 2,14; 1,13; Röm 5,10; II Kor 5,19; Joh 10,28.
Hic clare audimus Christum per suam obedientiam et passionem factum perfectum. Ergo antea fuit imperfectus, non quidem quod ad suam attinet personam, qui nunquam nouit peccatum, nec dolus inuentus in ore eius fuerat, semperque dilectus patri filius, in quo ei bene complacuit, fuit, Sed quod ad mediatoris attinet officium, quatenus (ut dixi) Christus a nobis in se peccata transtulerat, et tamen nondum chirographum peccatorum nostrorum cruci affixerat, nondum potestates tenebrarum prorsus deuicerat, nec adhuc placato patre aeternam nobis redemptionem inuenerat.Solche Kron, volkomenheit vnd Gerechtigkeit, die er durch seinen gehorsam vnd leiden vnd endlich durch vberwindung der suͤnde, Gottes zorns, Todes vnd Hellen erlangt hat, schenckt er vns vnd machet, das sie vom Vater vns zugerechnet wird. Vnd ist dis vnsere volkommenheit vnd Gerechtigkeit.Eam ergo perfectionem et iusticiam, quam per obedientiam et passionem suam, deuicto tandem peccato, ira Dei, morte et inferis nactus est, nobis applicat, et a patre imputari nobis facit, eaque nostra perfectio et iusticia est.s:Das aber vorgeworffen wird von vnuerstande vnd vngerechtigkeit des Rich
ters, das ist droben verlegt, wie wols keiner verlegung werd ist. Denn gleich wie Gott nicht vngerecht noch vnuerstendig ist, das er seinen aller vnschuͤldigsten Son mit vnser Suͤnde vnd straff beledet,belädt. Also ist er auch nicht vngerecht noch vnuerstendig, das er vns verzweiffelte, boͤse Buben durch zurechnung des gehorsams vnd verdiensts Christi durch den glauben rechtfertiget,
oder den glauben vns zur gerechtigkeit rechnet.Alia obiectio de iniusto iudice.Obiectio porro de imprudentia aut iniusticia iudicis, superius reiecta est, quanquam indigna sit confutatione. Sicut enim Deus nec iniustus, nec imprudens est, quod filium innocentissimum, nostra culpa et poena onerauit. Sic quoque nec iniustus est, nec imprudens est, quod nos sceleratissimos imputatione obedientiae et meriti Christi iustificat per fidem, seu fidem nobis ad iusticiam imputat.Vnd weils den Osiander wuͤnderlich duͤnckt, wie die thaten vnd leiden Christi oder sein gehorsam vns zur gerechtigkeit koͤnnen gerechnet werden, vnd sagen darff,zu sagen wagt, sich erdreistet. Vgl. Art. dürfen 4), in: DWb 2, 1729. solche gerechtigkeit sey ein lauter gedicht,eine bloße Erfindung. Vgl. Art. Gedicht 5.c), in: DWb 4, 2016. So wollen wir derhalben einen andern ort der heiligen Schrifft dargegenhalten vnd
solche zurechnung erkleren:Et quoniam uidetur mirum Osiandro quonam modo actiones et passiones Christi, seu eius obedientia, nobis ad iusticiam imputari possit, atque eam iusticiam esse merum commentum dicere audet, Quare collatione alterius loci sacrarum literarum istam imputationem declarabimus.Jm 106. PsalmVgl. Ps 106,30f. stehet, das die that Pinehas, welcher Gott bat, das er seinen zorn widder das Volck sincken liesse, vnd aus hitzigem Eiuer den Jsraelitischen mann, der mit der MadianitinMidianitin. Die Form Madianitin geht offenbar auf die Vulgataversion zurück: Madianitis. Hurerey treib, Num. 25, erschlug,Vgl. Num 25,6–15. sey jhm gerechnet zur gerechtigkeit. Verstehe: zu solcher gerechtigkeit, die
Gott auch an den Heiden, viel mehr an den Christen mit gaben dieses lebens belonet. Jtem noch ein exempel: Got saget Deut. 24: Wenn einer von seinem schuͤldiger, der da arm ist, ein pfand nimpt, als vngefehrlich ein rock, vnd jhm denselbigen fuͤr der nacht widergibt, damit er drauff schlaffe, so werde jhm solchs eine gerechtigkeit fuͤr Gott.Vgl. Dtn 24,10–13.
Psalmo 106 est, quod factum Pineas, qui et orauerit pro sedatione Explicatio phrasis scripturae imputare ad iusticiam.irae diuinae erga populum, et incensus pio zelo interfecerit Israelitam scortantem cum Midianitide, et ipsum scortum Num. 25. sit ei imputatum ad iusticiam, scilicet eam iusticiam, quam Deus etiam in Ethnicis multo magis in pijs praesentis uitae praemijs remunerat. Jst nu eine einige that eines suͤndlichen menschen jhm zur gerechtigkeit gerechnet, vnd ist solche zurechnung nicht ein ledig gedicht gewesen – Was ists denn gros wunder, so der gehorsam vnd leiden des gantzen sterblichen lebens Christi, mit welchem er volkoͤmlich, ja vberschwencklich dem Gesetz vnd Gottes willen gnug gethan hat, vnserthalben geleistet, vns zu
einer Himlischen vnd fuͤr Gott geltenden gerechtigkeit zugerechnet wird?Si unicum peccatoris hominis pium factum est ei ad iusticiam imputatum, nec fuit ea imputatio inane commentum, quid absurdi erit, si totius uitae mortalis Christi obedientia et passio nostra causa praestita nobis ad illam coelestem et coram Deo ualentem iusticiam imputetur.
Confirmatio.
Nv wil ich fortfaren vnd meine meinung aus der schrifft beweisen, nemlich das wir gerecht sein von wegen der zurechnung des leidens vnd gehorsams Christi, des leidens vnd gehorsams (sag ich) Christi, Gottes vnd menschen ineiner vnzertrenlichen person. Denn ich wil die Naturen Christi in erwerbung vnserer Gerechtigkeit gegen Gott nicht von einander reissen, sintemal Gott selbs die beide Naturen eben darumb zusamengebunden hat, das durch die eine on die andere vnsere Rechtfertigung nicht konte erlangt werden.Iam ad confirmandam nostram sententiam ex scriptura progrediemur. Quod scilicet iusti simus illa imputatione et passionum et obedientiae Christi, obedientiae uero non solius humanitatis sed et diuinitatis. Non enim uolumus distrahere naturas in paranda nobis coram Deo iusticia. Quandoquidem ipse Deus eo ipso consilio eas copulauit, quod per alteram sine altera iustificatione nostra acquiri non poterat. Johannes in der ersten Epistel am ersten spricht: Das Blut Jhesu Christi
macht vns rein von aller suͤnde.I Joh 1,7. An welchem ort Osiander dem Text oͤffentliche gewalt thut, vnd wil durchs Blut Christi die Gottheit des Sons verstanden haben, wie ich darnach erkleren wil. Denn die meinung des spruchs Johannis ist diese: Wir werden durch das Blut Christi (welchs durch eine Synecdochen sein leiden bedeutet) rein, gleichermassen wie vnsere leibe vnd
kleider mit wasser gereinigt werden.Ioan. primae. 1. inquit: Sanguis Christi mundat nos ab omni peccato, ubi prorsus aperta uiolentia Osiander per sanguinem Christi uult diuinitatem filij Dei interpretari, ut postea declarabimus. Est enim sensus loci Ioannis, nos perinde mundari sanguine Christi, per Synecdochen passionem eius significante, ac corpora nostra et uestes aqua mundantur. Auff ein solch gleichnis hat er weisen wollen vnd hat dadurch vnsere Rechtfertigung sehr fein abgemalet. Jnn der offenbarung am ersten Capit. braucht er dis gleichnis ein wenig klerer vnd spricht: Christus hat vns gewaschen von den Suͤnden in seinem Blut.Vgl. Apk 1,5 (Vg).
Qua allusione ad similitudinem satis apte iustificationem nostram pingit. Sanguis Christi.Apoca. 1. paulo clarius ea similitudinem utitur, inquit enim: Christus lauit nos ex peccatis in sanguine suo. Am siebenden Cap. aber druͤckt er dis gleichnis auffs aller klerlichste vnd deutlichste aus vnd spricht: Diese sinds, die jhre kleider haben gewaschenB; C: gewachschen. vnd helle gemacht im Blut des Lambs.Vgl. Apk 7,14. Jtem Apo. vltimo: Beati qui lauant stolas suas in sanguine Agni.Apk 22,14 (Vg). Ebre. 10 stehet, Das wir durchs Blut des Lambs geheiligen sein.Vgl. Hebr 10,19f.
Apoca. 7. clarissime et significantissime eam similitudinem exprimit inquiens: Isti sunt, qui dealbarunt stolas suas in sanguine agni, et Apo. ult. Beati qui lauant stolas suas in sanguine agni. Hebr. 10. legitur, nos sanguine agni sanctificatos.uͤuͤrs blut setzt die Schrifft B; C: offmas Opffert.offtmals Opffer – als Ebre. 10: Wir sind durch ein Opffer volkommen gemachtVgl. Hebr 10,14. – Vnd helt der Ochsen vnd Boͤcke blut, welchs vnsere suͤnde nicht hat weggenomen,Vgl. Hebr 10,4. gegen dem blut Christi, welchs vns von Suͤnden gereinigt hat. Daher klar ist, das das blut nicht fuͤr die Gottheit Christi, sonder fuͤr sein leiden gesatzt wird, dadurch er vnsere
Suͤnde versuͤnet hat, Vnd das der heilige Geist vnsere gerechtigkeit nicht allein der Gottheit Christi zuschreibt, sonder seinem leiden, gehorsam vnd verdienste.Pro sanguine saepe scriptura ponit sacrificium, ut Hebrae. 10. dicit uno sacrificio nos esse perfectos factos, et quidem confert sanguinem Taurorum et Hircorum, qui peccata non deleuerit, cum sanguine Christi, qui nos a peccatis mundauerit. Vnde manifestum est sanguinem non poni pro diuinitate Christi, Sed pro passionibus eius, quibus nostra peccata expiauit, nec tribuere iusticiam nostram Spiritum S. soli diuinitati Christi, sed passioni, obedientiae seu merito eius.Hieraus ist offenbar, wie das Blut Christi vns gerecht macht, nemlich gleich wie von einem vnreinem leibe der vnflat abgehet, wenn vnd sofern mann
wasser dazu nimpt. Also auch sofern das Blut oder leiden Christi vns zugerechnet werden, sofern weichet die vnreinigkeit der suͤnden vnd vngerechtigkeit von vns. Dagegen aber koͤmpt reinigkeit vnd gerechtigkeit.Manifestum etiam hinc est, quomodo sanguis Christi nos iustificet, nempe, sicut quatenus aqua immundo corpori adhibetur, eatenus sordes ab eo discedunt, sic quatenus sanguis seu passiones Christi nobis imputantur, eatenus a nobis omnis immundicies peccatorum et iniusticiae recedit. Puritas uero et iusticia accedit.Johannis am 6. sagt Christus klerlich, das sein Blut vnd sein Fleisch sey das brot des lebens.Vgl. Joh 6,51–58. Osiander aber bekent, das Leben sey fast gleich so viel als
Gerechtigkeit. (Wiewols doch in der warheit nicht so ist. Denn das leben ist die Folge vnd gleichsam ein lohn der Rechtfertigung.) Derhalben das fleisch vnd blut Christi, das ist nicht allein die menscheit, sonder der verdienst, gehorsam vnd leiden Christi, welcher Gott vnd auch Mensch ist, vns zugerechnet, ist vnser leben vnd gerechtigkeit.
Ioan. ca. 6. clare affirmat Christus suum sanguinem et carnem esse panem uitae. Fatetur autem Osiander esse uitam idem ferme quod iusticiam, quanquam non uere est. Nam uita est iustificationis consequens et ueluti praemium. Ergo caro et sanguis Christi, id est, non sola humanitas, sed meritum, obedientia, et passio Christi, qui est Deus et homo nobis imputata, est nostra uita et iusticia. s: Vnd ist des Osiandri deutung dieses orts, da er widder seine eigne auslegung, propositione 58,Vgl. Osiander, OGA 9, 440,13–16: Manducare autem eius carnem et bibere eius sanguinem, hic dumtaxat nihil aliud est quam credere ipsum, peccata nostra pertulisse in corpore suo et sanguinem suum effudisse in remissionem peccatorum nostrorum, sed ita, ut hac fide cum illo una caro fiamus et sanguine eius a peccatis lavemur. (Disputatio de iustificatione, 1550, These 58) – OGA 9, 441,15–18: Aber sein fleisch essen und sein blut trincken heist alhie an disem ort nichts anders dan glauben, das er unser suͤnd an seinem leibe geopfert hab und sein blut vergossen zur vergebung unserer suͤnde, aber also, das wir durch disen glauben mit im ein fleisch werden und mit seinem blut von den suͤnden gereinigt werden. (Eine Disputation von der Rechtfertigung, 1551, These 58). sagt, Fleisch bedeute hie die Gottheit Christi, nicht war.wahr. Denn Christus selbs legt klerlich aus, was fuͤr Fleisch vnd waserleywelcher, wie beschaffener ( auch immer). Vgl. Art. waserlei 2), in: DWb 27, 2289f. gestalt es vns das leben sey, als er dranhengt: Welchs ich geben werde fuͤr das leben der Welt,Vgl. Joh 6,51. welcher zusatz des Osianders gloͤslein in
keinen weg leidet. Denn er zeigt an, das sein Fleisch vnd Blut so fern das leben der suͤnder sey, so fern es fuͤr jhre seligkeit, oder wie er sagt: fuͤr das leben der Welt, gegeben wird. Vnd fuͤrwar, damit ich die warheit sage, so zeigen diese gewaltsame glosen des Osianders im wort Gottes keine gute hoffnung an.
Nec enim uera est eius loci interpretatio Osiandri, qui dicit carnem ibi significare Deitatem Christi. Nam Christus clare exponit ipse, quae caro et quomodo sit nobis uita, addens, quam ego do pro mundi uita, quae additio nequaquam patitur Osiandri scholion. Indicat enim suam carnem et sanguinem eatenus esse uitam peccatorum, quatenus pro eorum salute, seu ut ipse in-quit, pro mundi uita datur. Glossae Osiandri prodigiosae.Sane ut uerum fateamur, istae tam propalam uiolentae Osiandri uerbi Dei glossae nihil nobis bonae spei ostendunt.s:Zun Roͤmern am 5. sagt Paulus klerlich: Wir sind durch Christus Blut gerecht worden,Vgl. Röm 5,9. das ist: so fern vns Christus Leiden oder verdienst oder gnugthuung zugerechnet wird. Vnd ist nicht viel gelegen an Osianders gloͤslein vom gelde, damit die Doctorey gekaufft wird, damit er diesen spruch Pauli gern verkeren wolt, Fac. 169.Vgl. OGA 10, 254,12–17. Denn er hat gar einerley
meinung mit diesem nachfolgenden spruch: Wir sind Gotte versuͤnet durch den Tod seines Sons.Vgl. Röm 5,10. Jtem mit dem, das ich droben aus andern oͤrten der schrifft eingefurt habe, nemlich das wir mit Christus Blut gewaschen werden. Jn welchem gleichnis die schrifft mehr denn einmal klerlich zeuget, das wir mit Christus blut dermassen gerechtfertiget werden, gleich wie die kleider
mit wasser gereiniget werden.Rom. 5 clare Paulus affirmat nos iustificari sanguine Christi, id est, quatenus nobis eius passio seu meritum, seu satisfactio imputatur. Nec magnifacienda est glossula Osiandri, qua eum Pauli locum facie 169. eludere conatur de pecunia qua doctoratus emitur. Prorsus enim idem est cum eo, quod paulo post sequitur, Conciliati sumus Deo per mortem filij eius, et quod superius ex alijs scripturae locis adduximus, nos lauari sanguine Christi. In qua similitudine non semel clare scriptura testatur, nos sic iustificari sanguine Christi, sicut uestes aqua mundantur. Wiewol der spruch in der Offenbarung am 7. sich ansehen lest, als wolt er ein solch gleichnis machen, das gleich wie die kleider die schoͤnheit der farbe, darein sie getunckt werden, an sich nemen,Vgl. Apk 7,14. Also werden wir im Blut Christi mit weisser farb der vnschuld oder Gerechtigkeit gezieret.B; C: geziereit.
Quamquam locus Apo. cap. 7. uidetur etiam ad eam similitudinem alludere, quod sicut uestes in colorem immersae in se coloris formositatem recipere solent. Sic nos in sanguinem Christi mersos albedine innocentiae seu iusticiae eius exornari.s:Paulus zun Roͤmern am 5. sagt: Wir werden Gerecht durch den gehorsam Christi.Vgl. Röm 5,19. Gott vnnd sey-nem Gesetz mit hertzen vnd mit dem werck gehorsam sein (wie oben gesagt vnd darnach weiter gesagt wird), ist vngezweiffelt Gerechtigkeit.Rom. 5. ait Paulus nos obedientia Christi iustificari. Obedire Deo, eiusque legi corde et opere, ut superius diximus, est omnino iusticia. Quatenus ergo ea obedientia et iusticia nostri iam facta est, et nobis ad Deo per fidem imputatur, eatenus nostra est eaque iusti sumus.
Derhalben, sofern derselbe gehorsam vnd Gerechtigkeit vnd erfuͤllung des
Gesetzes vnserthalben geschehen vnd von Gott durch den glauben vns zugerechnet wird so fern ist sie vnser eigen vnd wir sind dadurch gerecht. Aber der spruch Pauli ist one das klar vnd hell gnug.
sprechen oder gerecht sprechen. Osiander schildt den verstandt, den die andern haben vom wort Zurechnen, vnd macht zweierley verstand, da doch keiner etwas einem andern mit der that geben warhafftiglich bedeutet, auch seiner meinung nach. Superius prolixe refutata Osiandri sententia de uerbo iustificare, ostendimus, nihil aliud significare nisi absoluere. Osiander reprehensa aliorum sententia de uerbo Imputare, duas ipse recenset, quarum neutra significat reuera aliquid alicui dare. weil Paulus offt sagt, Wir werden gerechtfertiget Vnd die gerech
tigkeit werde vns zugerechnet Vnd die Suͤnde werde vns nicht zugerechnetVgl. Röm 4,6.8. – So folgt ia notwendig, das solchs nicht heisse, eine wesentliche gerechtigkeit gegeben oder (wie Osiander redt) eingegossen werden.Quare cum Paulus saepius dicat nobis imputari iusticiam, et non imputari peccatum, necessario non significat reuera nobis iusti-ciam dari, seu (ut Osiander loquitur) infundi.Weil denn die gerechtigkeit nicht gegeben noch eingegossen, sonder zuge
rechnet wird, wir auch nicht gentzlich mit der that gerecht gemacht, sondern gerecht gesprochen werden, So folgt derhalben, das wir nicht durch Christus’ wesentliche gerechtigkeit, in vnser hertz gegossen, sonder durch lossprechung vnd zurechnungB, C: zurechung. seines gehorsams vnd leidens gerecht werden.Non iustificari nos iusticia essentiali sed imputatione obedientiae et paßionum Christi.Cum ergo iusticia non detur aut infundatur, sed imputetur, Sequitur ergo nos non iusticia essentiali Christi in cor nostrum infusa iustos esse, sed imputatione obedientiae et passionum Christi.Wir leugnen aber nicht, sonder sagen viel mehr mit gantzem ernst, das die
Rechtfertigung Gottes oder zurechnungB, C: zurechung. der gerechtigkeit nicht so ein leichtfertig ding sey, als wenn ein Richter einen vbeltheter geschencks halbengeschenks halben = als Gegenleistung für ein Bestechungsgeschenk. Vgl. Art. Geschenk 1.a), in: DWb 5, 3853f. losspricht. Denn er entledigt den vbeltheter nicht so fastsehr. Vgl. Art. fast A.5.b), in: DWb 3, 1349. von der Schuld als nur von der gegenwertigen straff, vnd solchs mit vnrechte, vnd der vbeltheter behelt gleich-wol die schuld, darumb jhn one vnterlas Gott, die Rechte,
die leute, der beleidigte teildie Klägerpartei. Vgl. Art. Theil 2.a), in: DWb 21, 351. vnd sein eigen gewissen beschuͤldigen vnd zur straff fordern.Non negamus autem, imo potius ualde affirmamus, iustificationem Dei et imputationem iusticiae non esse quiddam tam leue, ac cum Iudex ob munera sceleratum absoluit. Ille enim cum non tam ab reatu liberat, quam solum a praesenti poena, idque iniuste. Interea enim manet tamen in eo turpitudo, quam Deus, leges, laesi, ciues et propria eius conscientia accusat, et eum ad poenas uocat. uͤnde wegzuwerffen inn abgrund des MeeresVgl. Mi 7,19. vnd so weit von vns hindanzusetzen wie den Aufgang vom Nidergang.Vgl. Ps 103,12. Vnd hat dagegen seinem Sone vnsere suͤnde so krefftiglich zugerech
net, als hette er sie selbs begangen. Darumb auch die schrifft sagt, Gott hab jhn gemacht zur Suͤnde vnd zum Fluch.Vgl. II Kor 5,21; Gal 3,13. Eben also kreftiglich rechnet vns Gott vnsere suͤnde nicht zu, sonder die gerechtigkeit Christi in aller mas vnd weise, als hetten wir selbs in eigner person Gotte den gehorsam geleistet, welchen Christus dem Vater in diesem leben geleistet hat. Denn es bleibt ge
wislich war, das die schrifft sagt, das Gott allein die suͤnde vergibt.Vgl. Mk 2,7. Freilich kein schalcksrichterungerechter, korrupter Richter. Vgl. Art. Schalk II.2.a)–c), in: DWb 14, 2069f. kans thun.Sed Deus potest et solet omnia nostra peccata abijcere in profundum maris, elongare ea tam procul a nobis, ac est oriens ab occidente. Sic contra tam efficaciter filio suo nostra peccata imputauit, ac si ea ipsemet patrasset, ita ut scriptura dicat Deum fecisse eum peccatum et maledictum. Eadem efficatia et nobis non imputatis peccatis imputat Christi iusticiam aus: iu-|ci$. Deus, perinde plane ac si nos ipsi ea Deo obedientiam praestitissemus, quam ipse patri in hac uita praestitit.Derhalben auch, alsbald wir durch den glauben gerechtfertigt werden, so fuͤlen wir solchen friede im hertzen, als hetten wir vnser lebenlang nie keine suͤnde begangen, darumbum derentwillen. vns das gewissen straffen koͤnte. Vnd dis ist nu
die vrsach, darumb D. Luther das wort Iustificare gerecht machen verdeudscht hat, nemlich die grosse krafft solcher zurechnungB, C: zurechung. anzuzeigen. Wiewol dis auch war ist, das das wort machen, nicht allezeit etwas wesentlichs bedeutet, sonder offt gerichtlicher weise gebraucht wird, als das mann spricht: Einen frum machen, Einen gut machen etc.
Quare et statim fide iustificati tantam cordis pacem sentimus, ac si nullum unquam peccatum patrassemus, de quo nos conscientia reprehendere posset. Atque ob hanc causam Lutherus iustificare uertit gerecht machen ad exprimendam scilicet ingentem efficaciam istius imputationis. Quanquam et illud uerum est, uerbum machen non semper reale quiddam significare, sed saepe esse iudiciale, ut einen frum machen, gut machen etc.s:An demselben ort hab ich auch droben, da ich vom wort Rechtfertigen geredt habe, beweiset, Das auch bey S. Paulo zun Roͤm. am 4. gerechtfertiget werden, eben so viel sey als zugerechnet werden zur gerechtigkeit. Jtem (welchs auch sonst wol bekannt) das gerechtigkeit zugerechnet werden, welchs Paulus am selben ort sagt, eben so viel sey als die Suͤnde vergeben,
bedeckt vnd nicht zugerechnet werden.Vgl. Röm 4,3–8. Denn diese drey wort haben einerley deutung. Vnd doch, damit der Text nach Ebreischer art deste gewaltiger laute, so sind sie offt widderholet, ob es gleich Osiander anders meinet. Denn was haben wir doch fuͤr ein ander kleid, dadurch vnsere suͤnde, die wir teglich thun, auch wenn wir sind gerechtfertiget worden,
bedeckt werden, denn das stetige Vergib, Vergib vns vnser Schuldt.Vgl. Mt 6,12; Lk 11,4.Eodem loco superius, ubi de uerbo iustificare disserui, probaui et Paulo Ro. 4. idem esse aliquem iustificari, quod imputari ei iusticiam. Dixi etiam (quod et alioqui notissimum est) Paulum ibidem dicere, Imputari iusticiam esse idem, quod remitti, tegi, et non imputari alicui peccata, quae tria idem sunt, sed efficatiae gratia, more hebraeis solito, saepius repetita, licet Osiander diuersum sentiat. Nam qua tandem alia ueste quotidiana nostra peccata etiam post iustificationem teguntur, quam illo perpetuo, Remitte remitte nobis debita nostra?Jst nu vnsere Rechtfertigung nach der lehr S. Pauli Vergebung der suͤnden, So ist sie ja nicht das Ewige wesen des Sons Gottes. Drumb schreibt auch D. Luther in den Summarien vber den 32. Psalm diese wort:Si ergo iustificatio nostra est secundum Paulum remissio peccatorum, certe non est aeterna illa filij Dei essentia. Iustificatio nostri est remißio peccatorum.Quare et Lut. super 32. psal. in Summis inquit: s:Vnsere Gerechtigkeit heist auff Deudsch Vergebung unser Suͤnden, oder, wie
er hie sagt, Suͤnde nicht zurechnen, Suͤnde bedecken, Suͤnde nicht sehen wollen. Da stehen die hellen duͤrren wort, das alle heiligen sind Suͤnder, leben und bleiben Suͤnder. Aber dauon sind sie heilig, das Gott aus gnaden solche suͤnde nicht ansehen noch rechnen, sondern uergessen, uergeben, und bedeckt haben wil.Luther, WA 38, 28,19–24 (Summarien über die Psalmen, 1531–1533).
s:Vnser gerechtigkeit heist auff deutsch vergebung vnser sunden oder, wie er hie sagt, Sunde nicht zurechen, Sunde bedecken, Sunde nicht sehen wollen. Da stehen die hellen durren wort, das alle heiligen sind Sunder, leben vnnd bleiben Sunder. Aber dauon sind sie heilig, das Gott aus gnaden solche sunde nicht ansehen, noch rechen, Sondern vergessen, vergeben vnd bedeckt haben will.
Dargegen sondert Osiander vnsere Rechtfertigung vnd gerechtigkeit von der vergebung der suͤnden so weit als der Himmel von der Erden abgesondert ist. Wie stimmet nu das mit Luthero vnd Paulo?
Diesen hellen klaren worten Lutheri gleube ich mehr denn andern viel tunckeln oͤrtern,dunkle Örter = schwerverständliche Stellen. die Osiander anzeucht. Denn es ist ein ander ding, Wenneiner eine sach klerlich mit ausgedruckten worten, auffs deutlichst er immer kan, dargibt, Vnd ein anders, wenn ers im predigen nur schlecht obenhinschlecht obenhin = andeutungsweise, skizzenhaft, oberflächlich, beiläufig. (welchs gemeinlich etwas vndeudlich et improprieaus: in proprie. geschihet) beruͤret, wie jderman weis. Jch wil aber mit Gottes huͤlff darnach beweisen, wie vnbillich er dieselbigen spruͤch Lutheri anzeucht.
Quem ergo clarissimum Lutheri locum multis alijs obscuris ab Osiandro citatis praepono. Aliud enim est expresserem quam proprijssime definire, aliud inter daclamitandum, quod plerunque aliquatenus improprie fit, obiter rem attingere, quod notissimum est.Avff solche weise sagt auch S. Paulus im 3. Cap. derselben Epistel, das die Gerechtigkeit, dadurch vns Got rechtfertigt, sey vergebung der suͤnden, vnd spricht: Damit er die gerechtigkeit, die fuͤr jhm gilt, darbiete in dem, das er vergibt die suͤnde.Vgl. Röm 3,25. Aus welchen worten klerlich erscheinet, das S. Paulus meinung sey, das vns die gerechtigkeit Gottes durch
vergebung der suͤnden gegeben werde vnd darinne stehe.bestehe. Hette er auffim Sinne von. Vgl. Art. auf II.A.25), in: DWb 1, 613f. Osianders meinung reden wollen, so hette er so sagen muͤssen: Damit er seine gerechtigkeit darbiete in dem, da er die gantze Goͤttliche Maiestet eingeusset in die hertzen der gleubigen.Eodem modo et 3. cap. eiusdem epistolae indicat Paulus iusticiam Dei, qua nos iustificat, esse remissionem peccatorum, inquiens, ad ostensionem iusticiae Dei per remissionem peccatorum, ubi clare apparet Paulum id dicere, quod iusticia Dei per remissionem peccatorum nobis exhibeatur et in eo consistat. Qui si Osiandri sententiam exprimere uoluisset, dixisset ad exhibitionem iusticiae suae per infusionem substantiae suae in corda piorum.Hjeraus erscheint auch klerlich, was die Rede Gottes gerechtigkeit (darauff
Osiander so sehr trotzt) an solchen oͤrtern heisset, nemlich gnedige zurechnung des gehorsams vnd leidens Christi vnd nicht-zurechnung der suͤnden oder vergebung der suͤnden, Welchs (die menschliche gerechtigkeit zu vnterscheiden) Gottes gerechtigkeit genant wird. Denn sie ist durch wunderbaren Rat Gottes erfunden vnd durch den Son Gottes erworben vnd gilt vnd be
stehet fuͤr dem angesicht Gottes. Welchen stuͤcken vnsere menschliche oder werckgerechtigkeit fast gantz entgegen ist. Darumb auch dieses billich eine menschliche gerechtigkeit zum vnterscheid genennet wird, jene aber, das ist: die gnedige annemung, Goͤttlich. Iusticia Dei quid.Hinc etiam clare apparet, quid significet phrasis Iusticia Dei (qua tam multum Osiander confidit) in talibus locis, nempe gratuitam imputationem obedientiae et passionum Christi, et non imputationem peccati seu remissionem, quae ad discrimen nostrae humanae iusticiae Dei, iusticia appellatur. Nam et mirabili Dei consilio inuenta est, et per Dei filium acquisita, et in iudicio Dei ualet et subsistit, quorum omnia ferme contraria nostra humana seu operum iusticia habet.Vnd was hindert es, das man dis woͤrtlein nicht also verstehen mag, so mann
doch desgleichen inn der Schrifft hin vnd wider sehr viel findet, welchs Lutherus in der Vorrede vber den ersten Lateinischen Tomum, da er viel von solcher gerechtigkeit red, erzelet.Vgl. Luther, WA 54, 186,3–20 (Vorrede zum 1. Band seiner lat. Schriften, Wittenberg 1545). Aber von dieser weise zu reden hernachmals.nachher, später, weiter unten im Text. Vgl. Art. hernachmals, in: DWb 10, 1118.Et quid tandem absurdi est hanc phrasin sic accipi, cum et aliae plurimae ei similes in sacris literis inueniantur, quas Lutherus in praefatione super primum Tomum Latinum, ubi multum de ista iusticia loquitur, enumerat?
Es ist ja gros wunder vnd vberwunder,unfassbares, unbegreifliches Wunder (Steigerung zu Wunder). Vgl. Art. Überwunder, in: DWb 23, 668. das Paulus, dieweil sein vornemp
stes vnd koͤstlichstes Buch ist die Epistel zun Roͤmern vnd er in derselbigen von den hoͤchsten Artickeln der Christenheit vornemlich alhie in diesem vierden Capitel handelt, so ein vergessener,gottvergessener, rücksichtsloser, schamloser. Vgl. Art. vergessen 9), in: DWb 25, 420–422; Art. gottvergessen 1.a.α), in: DWb 8, 1420. ja so ein falscher Lerer ist. Saget viel von der rechtfertigung vnd zurech-nung des glaubens zur gerechtigkeit durch das Leiden vnd Aufferstehung Christi vnd beweisets mit
dem zeugen Dauid, das vnsere gerechtigkeit sey lauter vergebung der suͤnden. Er saget nirgent nicht, das nur die Substanz oder wesen der Goͤttlichen Maiestet vnsere gerechtigkeit sey. Er solt fein vnterschiedlichdifferenziert. Vgl. Art. unterschiedlich 7.d), in: DWb 24, 1775. geredt haben wie D. Osiander vnd gesagt: Wir bekennen wol vergebung der Suͤnden durch das Leiden der menscheit Christi. Aber die Rechtfertigung
oder die Gerechtigkeit der suͤnder ist allein die Goͤttliche Maiestet vnd wird ins hertz eingegossen. So verterbet er die sache gantz vnd gar vnd saget, vnsere Gerechtigkeit sey Vergebung der Suͤnden. Saget auch dazu solchs nicht allein fuͤr sein person, Sondern fuͤret den fromen Dauid zum zeugen, damit er seinen jrthumb bestetige, da er sagt, das das vnsere gerechtigkeit sey,
wenn vns Gott die suͤnde vergibt, bedeckt vnd nicht zurechnen wil.
ander das Helschehöllische. fewr verdienet. Etliche lauffen durch den glauben zum Mitler, Etliche nicht.Vgl. Röm 8,28–30. Die mit dem glauben zum Mitler lauffen, dieselben vertrit er,Vgl. Röm 8,34. Bittet den Vater fuͤr sie vnd erzelet (wie im selben Cap. stehet): Weil das menschliche fleisch dem Gesetz nicht hat koͤnnen gnugthun vnd also one gerechtigkeit in Gottes zorn vnd Suͤnden blieben ist, Drumb sey Er
ins fleisch gesand, auff das er dem Gesetz Gottes fuͤr die menschen mit seinem voͤlligen gehorsam gnugthete vnd solcher gehorsam oder gerechtigkeit den menschen zugerechnet wuͤrde Vnd die gerechtigkeit des Gesetzes, wie alda stehet, an den armen Suͤndern erfuͤllet wuͤrde.Vgl. Röm 8,3f.Satis clare, imo potius clarissime ratio iustificationis nostrae Rom. 8.pingitur Rom 8. Ibi enim primum Deus sedet pro tribunali. Ad dexteram est propiciator filius. Rei nos homines stamus ante tribunal, omnes sane extremo exitio dignissimi. Alij confugiunt per fidem ad mediatorem, alij non. Pro ijs qui confugiunt fide ad Christum, intercedit ipse supplicans patri, commemorat, ut est eodem capite, Quod quia caro humana legi satisfacere non potuit, atque ita iusticia carens in ira Dei et peccato permansit, Ideo se in carnem missum, ut legi Dei pro hominibus sua perfecta obedientia satisfaceret, eaque obedientia seu iusticia ipsis credentibus imputaretur. Also werden wir durch seinen verdienst vnd vorbitFürbitte. von diesem
Richter der Welt alsbald von aller Schuld vnd Pein gerechtfertigt vnd Absoluiret Vnd vber dis alles fuͤr seine Freunde vnd Hausgenossen gerechnet,Vgl. Eph 2,19. so viel diesen Mitler mit dem glauben ergreiffen.Eius ergo meritis, ac intercessione statim ab illo tanto iudice a culpa et poena iustificamur et absoluimur. Quin et insuper amici domesticique eius reputamur, quotquot fide mediatorem apprehendimus. Weil nu dieser grosser Richter vns rechtfertigt, absoluirt vnd losspricht – Wer wil vns denn, wie daselbst stehet,Vgl. Röm 8,33. verklagen oder verdammen? So der rich
ter jtzt selbs auff vnser seiten stehet – Wer darff etwas widder vns vornemen mit klagen oder verdammen? Wer kan vns denn (spricht Paulus)Vgl. Röm 8,35.38f. scheiden von solcher grosser liebe oder annemung, damit vns der himlische Vater in Christo oder vmb Christus’, vnsers Vorsprechers, willen annimpt vnd liebet?Cum ue-ro ille tantus iudex nos iustificat seu absoluit, quis nos audet accusare seu damnare? Si ille ipse iudex iam a nostris partibus stat, quis audet aliquid facere contra, nos accusando uel damnando? Quis ergo (inquit Paulus) nos potest separare ab illa tanta dilectione seu acceptione qua nos in Christo seu propter Christum aduocatum nostrum pater coelestis complectitur?Diese Freywillige, Gnedige annemung, liebe Gottes oder gerechtigkeit, damit
Gott vns beklagten vmb sonst durch Christum, den Mitler vnd Erfuͤller des Gesetzes, annimpt vnd zieret, ist vnsere gerechtigkeit, damit wir fuͤr Gott bestehen vnd dadurch wir selig werden. Hie hat warlich der heilige Geist klar gnug vorgemalet, wie es zugehe mit vnserer gerechtigkeit, vnd kan mich nicht erinnern, was einer mehr begeren solte?
Illa ergo gratuita acceptio, dilectio Dei seu iusticia, qua nos reos Deus gratis propter Christum mediatorem amplectitur et ornat, est illa nostra Dei iusticia qua coram eo subsistimus, et per quam saluamur. Satis sane hic clare nostrae iusticiae ratio ab ipso Spiritu Sancto depicta est, nec uideo, quid quisquam amplius desideret aut dubitare possit.Eben diese zugerechenete vnd nicht wesentliche gerechtigkeit bezeugen auch die zeugnissen, die vnsere erloͤsung dem verdienst des gehorsams oder leidens Christi zuschreiben. Denn bey Gott ist kein vnterscheid vnter der Erloͤsung vnd Rechtfertigung, wie Osiander wil, da er sagt, Es koͤnne dabey vermarckt werden, das vnter dem Erloͤsen vnd Rechtfertigen ein vntersc heid
sey, denn die menschen koͤnnen ein Dieb wol entledigen von der straff, aber nicht Rechtfertigen. Es ist aber zu wissen, das Gott keinen von der straff entledigt, der nicht zugleich auch gerechtfertigt oder gerecht gesprochen sey durch seine eigne oder frembde gerechtigkeit. Denn er ist ein gerechter Rich-ter. Hebt erstlich die Vrsach auff wie ein guter Artzt, das ist: Die
schuld, darnach den Effect, das ist: die straff vnd pein. Thut nicht wie die vngerechten Richter. Vnd gleich wie ich eben damit, das ich fuͤr einen gefangenen gelt gebe, jhn erkeuffe vnd, wie man redet, ranzune,loskaufe, auslöse. Vgl. Art. ranzaunen, in: DWb 14, 109. Hier liegt die niederdeutsche Form vor. Also entledigt vnd erkeufft vns Christus von der Helle vnd Gottes zorn eben damit, das er seinen gehorsam oder gnugthuung vnd leiden oder erfuͤllung des
Gesetzes seinem Vater fuͤr vns (so zu reden) bezalet vnd zuzelet vnd vns solche bezalung zurechent vnd auff solche weise durch vergebung der suͤnden gerecht macht.Eandem imputatam iusticiamRedemptio nostra et non essentialem testantur et testimonia, quae redemptionem nostram merito obedientiae seu passionibus Christi tribuunt. Non enim est apud Deum discrimen inter redemptionem et iustificationem, Apud Deum nullum discrimen redemptionis et iustificationissicut Osiander uult. Dicit ipse posse inde animaduerti, quod ista duo differant, Quia homines bene possint liberare furem a poenis, sed non iustificare, uerum Deus neminem a poenis liberat, qui non sit iustificatus uel sua uel aliena iusticia. Est enim iustus iudex. Tollit prius causam, ut bonus medicus, id est, culpam, postea effectum, id est, poenas, non sicut iniusti iudices, Ac plane sicut eo ipso, quod pro aliquo captiuo numero pecuniam, eum redimo, sic eo ipso Christus nos ab iniusticia seu peccato, inferno et ira Dei liberat et redimit, quo iusticiam obedientiae suae seu satisfactionem passionum pro nobis, ut ita dicam, patri numerat appenditque, et nobis eam solutionem imputat, nosque eo modo iustificat.Weil nu vnsere Erloͤsung durch Christus’ gehorsam vnd leiden oder erfuͤllung des Gesetzes volendet wird, wie Osiander Fa. 27Vgl. OGA 10, 110,1–112,13. bekennet vnd
die Schrifft offt bezeuget,B; C: bezeuger. So folgt notwendig, das wir durch seinen gehorsam vnd leiden auch gerechtfertigt werden. Es sagt auch on vnsere beweisung die Schrifft solchs klerlich Rom. 3. mit diesen worten: Vnd werden on verdienst gerecht aus seiner gnade durch die erloͤsung, so durch Christo Jhesu geschehen ist.Röm 3,24. Hie setzt er die rechtfertigung vnd erloͤsung zusammen, Ja
er erklert vielmehr die rechtfertigung durch die erloͤsung, als wolt er sagen: Eben dadurch werden wir gerecht, das wir durch Christum erloͤset werden. Vnd eben dadurch werden wir erloͤset, das wir durch Christum gerechtfertigt werden.Cum autem redemptio nostra, obedientia, passionibusque Christi perficiatur, ut Osiander 17. facie affirmat, et scriptura saepissime testatur, necesse est et nos iustificari eius obedientia ac passionibus. Sed sine nostra probatione Scriptura id sua sponte clare affirmat Ro. 3. ubi inquit: Iustificati gratis eius gratia,Rom. 3. per redemptionem quae est in Christo Iesu. Coniungit enim ita ibi iustificationem cum redemptione, tanquam et eo ipso iustificemur, quod per Christum redimimur, et eo ipso redimamur, quod per Christum iustificamur. Jtem Ephe. 1, Coloss. 1. sagt Paulus: An welchem wir haben die erloͤsung
durch sein blut, nemlich die vergebung der Suͤnde.Vgl. Eph 1,7; Kol 1,14. Wir haben aber droben angezeigt, das Paulus zun Roͤmern am 4. sagt, vnsere gerechtigkeit sey vergebung der suͤnden. Denn er sagt, Dauid beschreibe vnsere rechtfertigung oder zurechnung der gerechtigkeit im 32. Psalm mit diesen worten: Wol dem, dem die vbertretung vergeben, bedeckt vnd nicht
zugerechnet sind.Vgl. Ps 32,1f. Röm 4,6–8; oben bei Anm. 228. Darumb ist erloͤsung vnd rechtfertigung eins, nemlich das Christus gehorsam oder erfuͤllung des Gesetzes dermassen vns zugelegt wird gleich wie jhm vnser vngehorsam auffgelegt ist verstehe nicht wesentlich sonder durch eine sehr starcke vnd gantz Goͤttliche zurechnung.Item Eph. 1. et Colos. 1. inquit Paulus: In quo habemus redemptionem per sanguinem eius, remissionem peccatorum, ubi clare affirmat, redemptionem nostram esse remissionem peccatorum. Diximus autem superius, Paulum Rom. 4. dicere, Iusticiam nostram esse remissionem peccatorum. Dicit enim Paulus, Dauidem describere nostram iustificationem seu iusticiae imputationem Psalmo 32. per uerba, Beati quorum remissa, tecta et non imputata sunt peccata. Est ergo redemptio et iusticia idem, nempe quod Christi obedentia sic in nos transfertur, sicut in eum nostra inobedientia, non realiter scilicet, sed quadam fortissima et plane diuina imputatione.Weiter: die rechnung, die Osiander macht facie 27Vgl. OGA 10, 110,1–15. vnd 164,Vgl. OGA 10, 248,24–250,3. ist lauter
Menschentand, nemlich das Christus’ gehorsam oder leiden vnsere gerechtigkeit nicht habe sein koͤnnen weil, wir zur zeit seins leidens noch nicht sind geboren gewest. Vnsere erloͤsung aber habe er wol koͤnnen sein. Gleich wie ein leibeigner knecht, wenn er erledigtaus der Leibeigenschaft befreit. Vgl. Art. erledigen 1), in: DWb 3, 896. wird, so werden auch alle seine Nachkommen erledigt. Hie ist zu wissen, das wir darumb nicht erloͤset wer
den, das vnsere Voreltern zu Christus’ zeiten Christen gewesen sein. Welche meinung einen sehr grossen Jrthumb haben moͤchte. Sonder wenn wir in Christum gleuben, so werden wir gerechtfertigt vnd erloͤset. Denn derselbige Hohe Priester hat auff ein mal durch Opfferung seines Leibs ewige Erloͤsung vnd Gerechtigkeit erworben, Kan aber alle stunden volkoͤmlich gerecht ma
chen alle, die zu jhm kommen, wie die Epistel zun Ebreern zeuget.Vgl. Hebr 10,12–18.Porro prorsus nullius momenti nobis uidetur illa ratoncinatio Osiandri facie 27. et 164. quod obedientia seu passio Christi non potuerit esse nostri iustificatio, quia tunc non uixerimus, sed bene potuerit esse redemptio. Quia in captiuo redimendo omnes etiam posteri eius redimantur. Nam nos non sic redimimur, quia maiores nostri tempore Christi pij fuerunt. Quae sententia nimis magnum errorem continere posset. Sed tum cum credimus in Christum, et iustificamur et redimimur. Semel enim tantum ille pontifex sui corporis sacrificio inuenit redemptionem aeternam, sed omnibus horis iustificare et saluare potest ad plenum omnes accedentes ad se, teste Epistola ad Hebraeos.Er zuschneidt das Ampt Christi auch gar zu hart, indem das er sagt, Christus handele allein mit dem Vater durch sein Leyden vnd Sterben vnd erlange dadurch von jhm, das vns seine Wesentliche gerechtigkeit geschenckt wird. Darnach aber handele er mit vns durch die Predigt des Euangelij, vnd so wir
demselben gleuben, so fliesse er dadurch in vnsere hertzen vnd mache vns also gerecht durch seine wesentliche gerechtigkeit. Diese zuschneidung aber macht er darumb so scharff vnd strack, auff das ja die zurechnung des gehorsams vnd des Bluts oder Leidens Christi nicht etwa fuͤr vnsere gerechtigkeit angesehen werde.
s:Osiander nimis et in eo duriter officium Christi secat, cum dicit eum per suam passionem tantum cum patre agere, ab eoque nobis impetrare, ut eius Essentialis iusticia nobis donetur, postea nobiscum agere tantum per praedicationem Euangelij, per quodam nobis creditum in corda nostra influat, nosque sic essentiali sua iusticia iustificet. Facit autem istam tam praecisam distractionem, ne aliquo modo imputatio sanguinis seu passionis Christi possit uideri nostra esse iusticia.Die Schrifft aber zeugt, das wir durch Christus’ Blut gereinigt, gewaschen, weisgemacht vnd besprengt worden,Vgl. I Joh 1,7; Apk 1,5; 7,14; Jes 1,18; I Petr 1,2. gleicherweise wie vorzeiten im Bunde mit Gott Gotte(Dativ zu Gott). nicht allein geopffert ward, Sonder das Volck ward auch mit dem blut des opffers besprenget.Vgl. Ex 24,8. Sie zeuget auch, das wir durch Christus’ opffer volendet werden.Vgl. Hebr 10,14. Jtem Heb. 10. Das wir in oder
durch sein Blut einen zugang zum Vater haben,Vgl. Hebr 10,19–21. also das sein Blut warhafftiglich Friede gemacht hat zwischen dem, das auff erden, vnd zwischen dem, das im Himel ist, Wie zun Colossern geschrieben stehet.Vgl. Kol 1,19f. Darumb ist das opffer Christi vnd sein gehorsam ein steter Mitler, Welcher zu allen zeiten zwischen Gott vnd vns stehet, durch welchen wir ein zugang zum Vater
haben vnd alles gute von jhm erlangen, Vnd feret nicht so bald vnd garvollständig. Vgl Art. gar III.2.d.α), in: DWb 4, 1321. von Christo zum Vater, wie das gelt, das mann dem kauffman fuͤr die wahr gibt, jhm in die tasche von vns feret.Verum scriptura testatur nos sanguine Christi mundari, lauari, dealbari et aspergi, sicut olim in foedere cum Deo, non tantum Deo sacrificabatur, sed et populus eiusdem uictimae sanguine aspergebatur. Testatur item scriptura Hebrae. 10. Sanguine uel per sanguinem eius nos aditum ad Patrem habere, ita ut eius sanguis uere pacem inter coelestia et terrestria fecerit, ut ad Coloss. scriptum est. Est ergo Christi obedientia perpetuus mediator.sacrificium Christi et obedientia eius perpetuus quidam Mediator, semper in medio stans, per quem semper habemus aditum ad patrem, ab eoque omnia bona impetramus, et non sic statim a Christo ad patrem transit, sicut pecunia semel data mercatori pro mercibus.Avs gemeltem ort zun Ebreern koͤnnen wir ein solch starck argument schliessen: Was das ist, damit wir also geruͤstet, gezieret, erhoͤhet oder
geheiliget werden, das wir nu fuͤr Gotte als vnserm gnedigen Vater erscheinen duͤrffen, es sey nu, was es woͤlle, das mus vnsere gerechtigkeit sein. Denn weil Gott gerecht ist, so wil er nichts anders haben denn gerechtigkeit. Wie er sehr offt sagt: Seid heilig, denn ich bin auch heilig.Vgl. Lev 19,2; I Petr 1,15f. Aber im Blut oder durchs blut Christi, das ist: durch sein leiden, haben wir
einen zugang zum Vater, Ebre. 10.Vgl. Hebr 10,19–21. Drumb ist die zurechnungB, C: zurechung. des leidens oder des gehorsams Christi vnsere gerechtigkeit Vnd kan derhalben nicht an diesem ort nach der newen Grammatica des Osiandri das blut die Gotheit Christi bedeuten, wie aus dem Text gnugsam erscheinet.Ex praedicto loco ad Hebraeos possumus huiusmodi ualidum argumentum formare.Quicquid id est quo ornati e freri coram Dei tanquam iam patre nostro comparere possumus, id oportet esse iusticiam nostra. Nam Deus iustus nihil aliud uult habere nisi iusticiam, sicut inquit: Estote sancti, Quia et ego sanctus sum. Sed in sanguine seu per sanguinem Christi, id est, per eius passiones habemus ad patrem accessum, Hebrae. 10. Ergo imputatio passionum et obedientiae Christi est nostra iusticia. Non igitur potest, ne hic quidem, secundum istas nouas Grammaticas Osiandri sanguinis diuinitatem Christi significare, ut ex contextu apparet.Sonst sintemal die vornempste Disputation ist von der gerechtigkeit, dadurch
wir fuͤr Gott bestehen, fuͤr jhn treten vnd jhn einen Vater nennen koͤnnen, So muͤste nach Osianders meinung einer, der da beten wolte, das Blut Christi faren lassen vnd so gedencken: Jch weis, das ich die Gottheit des Vaters, Sons vnd heiligen Geists inn meinem hertzen hab. Diese ewige Maiestet hat eine wesentliche, ewige gerechtigkeit, welche durch die
menschwerdung vnd leiden weder geringert noch vermehret oder verbessert ist. Derhalben verlasse ich mich auff dieselbige vnd trete fuͤr dich, Almechtiger Gott, Schepffer Himels vnd Erden, von jhrent wegen vnd durch sie begere ich, du wollest mir in diesem oder in jenem behuͤlflich sein. Wie Christlich ein solch gebet sein wuͤrde, mag ein Christ selbs betrachten. Denn
was ist das anders, denn mit Gott one Mitler handeln? Alioqui quoniam disputatio praecipua est de iusticia qua coram Deo subsistere, eumque accedere et patrem appellare possumus secundum Osiandrum, oporteret neglecto sanguine Christi tantum cogitare oraturum:
Ach, was sol man sich viel zancken, das einige Argument kan die Sach gnugsamhinlänglich, ausreichend. Vgl. Art. genugsam 3.a), in: DWb 5, 3515. erkleren vnd beweisen:
Jsaias setzt sehr klerlich vnd ausdruͤcklich, das die Rechtfertigung der Suͤnder stehe im wegnemen der suͤnden, da er spricht: Durch sein
erkentnis wird er, mein Knecht, der gerechte, viel gerecht machen. Denn er treget jhre Suͤnde.Jes 53,11. Wie er denn auch in dem folgenden Text sagt: durch seine wunden sind wir geheilet.Jes 53,5. Durch welche wort vnd dergleichen er angezeigt hat, das das leiden vnd gehorsam oder verdienst des leidens vnd gehorsams Christi, welcher das gesetz vberschwenglich erfuͤllet hat, so vns
durch den glauben zugerechnet wird, bringe vnd gebe vns solche gesundheit, durch welche vnd mit welcher wir ewiglich leben koͤnnen. Auff diese weise wird sonst sehr offt in der Schrifft gesagt, das wir durch das Blut Christi gereiniget, besprenget, abgewaschen vnd geheiliget werden.Vgl. I Joh 1,7; I Petr 1,2; Apk 7,14; Hebr 10,29.
schen versuͤnungen, welche des rechten, heiligen vnd heiligmachenden opffers nur ein schaten vnd vorbilde waren, gerechtfertiget vnd im eusserlichen schein fuͤr den menschen geheiligt wuͤrden, Also werden sie warhafftiglich fuͤr Gott durch Christus’ Op-ffer vnd gnugthuung gereinigt, geheiligt vnd gerechtfertigt. Denn jene opffer waren nur gemelde vnd vorbilde des
Herrn Christi.Vgl. Hebr 8,5; 9,11–15.24–28; 10,1.Ego scio me habere diuinitatem Christi in meo pectore, ea aeterna maiestas habet essentialem, et aeternam illam iusticiam, quae per incarnationem ac passionem neque diminuta neque aucta est. Ea ergo fretus te omnipotentem Deum coeli, et terrae creatorem accedo, et ob eam, ac per eam in hac uel in illa re tuam opem imploro, quod quam pie fieret Christianus homo perpendat. Vnd ward gleichwol dauor gehalten (Es redet auch die Schrifft offt also), das, die da opfferten, geheiliget vnd gerechtfertigt wuͤrden, darumb das jhre Suͤnde vnd vngerechtigkeit auffs opffer gelegt, der verdienst aber oder gnugthuung des opffers, welchs Gotte geopffert ward, jhnen zugerechnet vnd
auffgelegt wuͤrde. Auff solche weise sind wir durch Christum auch heilig vnd gerecht, nemlich darumb, das vnsere Suͤnde auff Jhn gelegt vnd seine erfuͤllung des Gesetz, verdienst vnd gnugthuung Vns zugerechnet ist. Addam adhuc unicum argumentum. Prorsus qua ratione putabantur homines sanctificari et iustificari per Iudaicas uictimas et expiationes, quae erant umbrae et picturae illius uere sanctae et sanctificantis uictimae, et in externa specie coram hominibus sanctificabantur, aus: sanctifi-|bantur. Ea ratione reuera per Christi sacrificium et satisfactionem mundantur, purificantur, sanctificantur et iustificantur. Illa enim sacrificia Christi pictura et typus fuerunt. Dieser vergleichung der Figuͤrlichen opffer im Alten Testament vnd des Newen opffers Christi braucht die Schrifft offt vnd viel zun Ebreern. Vnter
andern worten sagt sie: So der Ochsen vnd der Boͤcke blut vnd die Asche von der Kue gesprenget vns heiliget – Wie viel mehr wird das Blut Christi vns reinigen?Hebr 9,13f. Daraus man gnugsam schliessen kan, das dis nicht vnser eigen gedicht oder traum, sonder die warheit der heiligen schrifft ist, Sed uidebantur (et sane etiam scriptura saepe sic loquitur) sacrificantes ideo sanctificari et iustificari, quia ipsorum quidem peccata et immundicies in uictimam translata, meritum uero seu gratia sacrificij Deo oblati sibi imputata, et in se translata essent. Ergo eodem modo et nos per Christum sancti iustique sumus, quia scilicet tum nostra peccata in eum translata sunt, tum eius obedientia et satisfactio nobis imputata.