Dem Durchleuchtigisten hochgebornen Fürsten vnd herrn, herrn Albrech
ten dem eltern, Marggrafen zu Brandenburg, in Preussen, zu Stetin, Pomern, der CassubenKaschuben. vnd Wenden Hertzog, Burggrafen zu NuͤrenbergNürnberg. vnd Fuͤrsten zu Rugen,Rügen. vnserm Genedigsten herren vnd lieben Landesfuͤrsten.
Gnadt vnd fried von Gott dem Vater vnd vnserm Herren Jhesu Christo, sampt
vnterthenigen erbieten vnsers schuldigen gehorsams vnd fleissigen gebets zuvoran.vorab, zuerst, zunächst, voran. Vgl. Art. zuvoran, in: DWb 32, 887. Durchleuchtigster Hochgeborner Fuͤrst, Gnedigster herr! Nachdem AriusArius, Presbyter in Alexandria und Leiter einer der dortigen Hauptkirchen, vertrat eine subordinatianische Christologie und löste damit (um 318) den sog. Arianischen Streit aus. Vgl. dazu allg. Beyschlag, Grundriß 1 (²1987), § 14 (S. 254–308). den greulichen lermenAufruhr. Vgl. Art. Lärm 4), in: DWb 12, 203f. wider den fromen Bischoff AlexandrumBischof Alexander von Alexandria amtierte 312–328. Zu seiner Vita vgl. Rowan Williams, Art. Alexander von Alexandrien, in: RGG4 1 (1998), 286f. erwecket vnd das schedliche fewer angesteckt hatte, das nachmals mit grosser muͤhe vnd saurer arbeit aller fromen Veter in viel
hundert jaren vnd bis auff heutigen tag nicht hat kunden gantz vnd gar gelescht werden, lies sich der handel gleich wuͤnderlichen vnd seltzame ansehen. Also das auch Constantinus,Konstantin d. Gr., römischer Kaiser, berief für 325 eine Synode nach Nicäa (heute İznik, Türkei) ein, auch um eine Beilegung der innerchristlichen Streitigkeiten zu erreichen. Vgl. Hanns Christof Brennecke, Art. Nicäa, Ökumenische Synoden. I. Ökumenische Synode von 325, in: TRE 24 (1994), 429–441. der frome Keiser, die sache darfur hielt,einschätzte. Vgl. Art. halten B.II.11.f), in: DWb 10, 298. als were es ein heimlicher groll vnd Alexander fuͤreverfahre, gehe vor. Vgl. Art. fahren 12), in: DWb 3, 1253–1255. zu geschwind vnd hefftig. Derhalben er auch an beide teilStreitparteien. Vgl. Art. Theil 2.a), in: DWb 21, 351f. schrieb vnd als ein weiser,
kluger Fuͤrst sie zum fried vnd einigkeit gleich mit ernstlichen worten vermahnete. Vnd ist nachmals bey grossen verstendigen je vnd allezeit das ansehen gewesen, wo in der Religion vnd Glaubens sachen spaltung wider die jrrige Geister entstanden, das es vernunfftige, kluge leuth fur nichts anderst denn ein wortgezenck vnd muͤssigen, vnnuͤtzen hader gehalten
haben.
Vnd klaget die Historia Tripartita,Cassiodor/Epiphanius Scholasticus, Historia ecclesiastica tripartita VIII 13,21–24 (CSEL 71, 488–489). Vgl. Theodoret von Kyrrhos, KG IV, 37 (BKV² 51, 259f); ferner Sozomenos, KG 6, 37,2–12 (FChr 73/3, 816–821). das die Gothen, die vor derselbigen zeit in rechter Christlicher Religion rechtschaffen berichtunterrichtet, unterwiesen. Vgl. Art. berichten 5), in: DWb 1, 1523. gewesen, durch Eudoxium,Vgl. Adolf Lippold, Art. Eudoxios 1., in: KP 2 (1967), 408. einen boͤsen buben zur zeit des Keisers Valentis,Flavius Valens, römischer Kaiser im Osten ab 364, im Gesamtreich 375–378. Vgl. Adolf Lippold, Art. Valens 2. Flavius V., in: KP 5 (1975), 1090f. vnter dem schein Arianisch worden, dieweil er fuͤergab, es were allein das der handel,Streitpunkt, Streitgegenstand. Vgl. Art. Handel 4.b), in: DWb 10, 371. das
ein teil einerley meinung mit andern worten redete dan das ander, sonst were der sachen halben kein streit. Vnter dem nahmen sind die armen leuth heimlich beschlichenüberrumpelt, unbemerkt eingenommen, überwältigt. Vgl. Art. beschleichen 3), in: DWb 1, 1575. Die Metaphorik kommt aus dem Bereich der Militärstrategie, listige Überrumpelung von Verteidigern eines befestigten Platzes, einer Burg o. dgl. vnd eingenohmen, das die Arianische gifft bey jnen von dem an hat eingerissen vnd mechtig vberhand genohmen.
Wiewol es nu wahr ist, das man vmb geringer vrsachen willen in keinem regi
ment einigen lermen oder trennung sol leichtfertiglichen anrichten, sonderlichen aber in der Kirchen, da es ohn ergernis vnd grossen mercklichen schaden viel armer gewissen nimmermehr nichtnimmermehr nicht: doppelte Verneinung in verstärkendem Sinne = ganz und gar nicht. abgehet, so ist doch aus angezogenem exempel vnd dergleichen anderer viel mehr das auch wahr, das keine sache so gering sol geschatzt vnd in verachtung gesetzt werden, wo man
spuͤret, das verkleinerung der reinen lere volgen wil vnd die heubtsach schaden leiden, da soll jedermeniglichen, vnd in sonderheit vor allen andern die diener des Worts als die getrewen Hirten, fest halten, wachen vnd fleissig zusehen,sich darum kümmern, darauf achten. Vgl. Art. zusehen 4.c) u. e), in: DWb 32, 821f. wie Paulus vermanet Acto. 20 vnd er selbst auch thut.Vgl. Act 20,28–31.
Der hat gar ein geringschetzigenunbedeutenden. Vgl. Art. geringschätzig 1), in: DWb 5, 3706. handel vor der handt, wie er jn dan selbst
verkleinet, vnd wil, man sol gar keine trennung daraus machen, was man esse oder nicht esse, eine zeit fuͤr die ander halt oder nicht, Rom. 14.Vgl. Röm 14,1–6. Vnd dannoch, dieweil es ein vnrichtikeit (wie ers nennet) vnd der reinen Lehr des Euangelij schaden bringen wil, stehet er hart vnd fest entgegen. Nicht den geringsten vnter den Aposteln, sondern demjenigen, so fur eine seule der Kir
chen gehalten wardt, wie er bekennet Gall. 2.Vgl. Gal 2,9. Vnd das frey offentlichen vor der gantzen Gemein zu Antiochia.Vgl. Gal 2,11–14. Vnd werden ohne zweiffel viel kluͤglingBesserwisser. Vgl. Art. Klügling 1), in: DWb 11, 1287. vnd vernunfftiger leut gewesen sein, auch vnter denen, die do haben wollen Christen sein, die jenenihnen = sich. solche vnbescheidenheitRücksichtslosigkeit. Vgl. Art. Unbescheidenheit 3), in: DWb 24, 340. vnd geschwindestrenge, scharfe, heftige. Vgl. Art. geschwind 6), in: DWb 5, 3996. handlung wider eine solche treffliche person nicht wenig haben lassen mis
fallen, dieweil sie diser sache zu einfeltig vnd nicht haben genugsam vernemen kuͤnden den mercklichen, vnuͤberwindlichen schaden, so gewislich eruolget were, wo sich Paulus nicht dermassen ernstlich eingelassen. Dieweil aber er es auß Gottes genaden vernimet, so sihet er auch weder Apostel noch Engel ahn, greifft darein vnd wehret mit allem ernst, Gott geb,egal, ungeachtet. Vgl. Art. geben 20.b), in: DWb 4, 1708f. wem es ge
fall oder nicht, da fraget er gar nichts nach.
Es gefall aber der vernunfft, wie es wolle, so gefelt ohn einigen zweiffel solcher eiferiger ernst dem lieben Gott wol. Sonderlichen wan es vmb die rech-ten gewaltigen heubtstuͤck Christlicher Lehr zu tuhn ist. Da wil keines schlaffens noch schlumerns sein, es sey der handel auch wider wen er wolle,
sondern ein solcher beherzter muͤth, wie Basilius sagete, das man jm lieber lasse alle marter vnd einen schmelich todt anlegen, ehr dan man von Gottes wort auch nur eine silben liesse verkeret oder verruͤckt werden.Vgl. Theodoret v. Kyrrhos, Historia ecclesiastica IV, 16 [bei Froben, Stephanus u. Valesius: 19]; er teilt eine Antwort von Basilius d. Gr. an einen Präfekten des Kaisers Valens mit (PG 83, 1160D): Οἱ δὲ τοῖς θείοις λόγοις ἐντεθραμμένοι, προέσθαι μὲν τῶν θείων δογμάτων οὐδεμίαν ἀνέχονται συλλαβὴν, ὑπὲρ δὲ τούτων καὶ πάσας, εἰ δέοι, τοῦ θανάτου τὰς ἰδίας ἀσπάζονται. Τὴν δὲ βασιλέως φιλίαν μέγα μὲν ἡxγοῦμαι μετ’ εὐσεβείας, δίχα δὲ ταύτης, ὀλεθρίαν ἀποκαλῶ. ( at qui sacris Litteris sunt innutriti, ne unam quidem syllabam divinorum dogmatum sperni sinunt; pro his vero, si res poscat, nullum genus mortis refugiunt. Imperatoris porro amicitiam cum pietate conjunctam magni facio: absque hac, perniciosam dixero.) (Vgl. BKV² 51, 232). – Vgl. Sozomenos, Historia ecclesiastica 6, 16,4–6 (FChr 73/3, 722,22–724,14). – Gregor v. Nazianz, Oratio 43,48–50 (Funebris oratio in laudem Basilii Magni) (PG 36, 357–360). Vnd sind das nicht wort, die auß einem leichtfertigen, vnachtsamen hertzen gefallen weren, sondern der teure man hat sie ahne zweiffel auß dem heiligen Geist
selbst gered. Dan es ist auch jn Gottes Wort keine silben, ja kein buchstab noch tittel,Tüpfelchen. Vgl. Art. Tüttel m., in: DWb 22, 1949f. wie Christus lehret Matt. 5., er ist edeler, tewrer, koͤstlicher vnd mehr werdt dan himel vnd erden.Vgl. Mt 5,18. Darumb man auch billich das solte zu hertzen fuͤren vnd gedencken, wann gleich alle reich vnd regiment der erden solten zu truͤmer gehn, wan man einen buchstaben wider falsche Lehr, des
Teuffels toben vnd wuͤtten, behelt (wollen geschweigen den gantzen Catechismum vnd reine Lehr), so ists alles reichlich widerumb vergnuͤgetin Ordnung gebracht. Vgl. Art. vergnügen 4), in: DWb 25, 465f. vnd nichts verloren, dan alle Keiser, alle gewaltige Kuͤnige der welt vermuͤgen mit allem jrem reichthumb keinen Catechismum, keine Predig zu bezalen. Es ist das edele Pernle,Perlchen, kleine Perle. Vgl. Art. Perlenkranz, in: DWb 13, 1554. daruͤber alles darzusetzen vnd zu
uerkauffen, damit wirs muͤgen bekommen, Matt. 13.Vgl. Mt 13,45f.
Auß dieser vrsach haben wir, Genedigster Fuͤrst vnd herr, vns auch wider die schedliche newe Lehr Andreae Osiandri erstlich guͤtlich mit bittlichem, fruntlichem, demuͤtigem suchen, nachmals mit ernstlichen widerstandt durch Gottes Wort eingelassen, zweiffeln nicht, E. F. D.Euer Fürstliche Durchlaucht. sampt alle denjenigen,
was frome, rechtschaffene, gleubige hertzen sind, die werden jenenihnen = sich. solch vnser Christliches, billiches fuͤrnehmen genediglichen gefallen lassen, denn wir sind darumb hirten vnd wechter, nicht das wir zu dem moͤrdlichen fuͤrnehmen des Teufels solten schweigen oder stil sein, wo wir eine schedliche brunstFeuersbrunst; Leidenschaft. Vgl. Art. Brunst 1) u. 9), in: DWb 2, 437–439. sehen auffgehen, sondern das wir alle welt auffmahnen
mit dem glockenschlag vnd hellen schal der Posaunen, wie vns den der frome Gott befohlen hat, Jsai. 58. vnd Ose. 8.Vgl. Jes 58,1; Hos 8,1. Vnd solten wir biß daher seumig worden sein, so wehren wir nicht allein als fuͤr diejenigen, so jres schuͤldigen gehorsams gegen Gott, sondern auch aller ehr vnd trewe gegen E. F. D. vnd die ehlende arme Kirchen dises gantzen Fuͤrstenthumbs
vergessen hetten, vnd also trewlose, fluͤchtige mietlingVgl. Joh 10,12. von meniglichen billich daruͤber gescholten worden. Das haben wir aber von Christo, vnserm geliebten heilandt vnd ertzhirten, nicht, sondern das gegenspielGegenteil. Vgl. Art. Gegenspiel 1), in: DWb 5, 2262f. gelernet, das wir dem reissenden Wolff entgegen komenentgegen kommen = entgegentreten, bekämpfen. Vgl. Art. gehen II.24.c), in: DWb 11, 1660f. sollen, der vns, vnsern fromen vnd lieben Landsfuͤrsten, vnsere frome Pfarkinderchin Christi auß allerley
stenden wuͤrgen,grausam ermorden, hinschlachten, niedermetzeln. Vgl. Art. würgen I.B.2.b) u. c), in: DWb 30, 2202–2204. fressen vnd verschlingen wil, vnd wollens, ob Gott wil, hinfuͤrder noch thun, wan vns auch solt an leib vnd guth wehe geschehen.
Dieweil aber Osiander sein newe schuͤldige schwermerey nicht benuͤget,(es ihm nicht) genügt, (er sich nicht damit) zufrieden gibt. Vgl. Art. benügen 2), in: DWb 1, 1476. von der Canzel vnd in Lectionibus außzugeben, sondern auch jn offentlichem druck dieselbige seine gifft außgebreitet hat, als haben wir dargegen auß Gottes
wort vnsere Confessionem sampt guter bestendiger widerlegung seines jrr-thumbs zusamengetragen, welche wir E. F. D., als vnserm Genedigen lieben Landsfuͤrsten, jn aller demut zu vntertheniger dancksagung vnd ehrerbitung hiemit thun offerirndarbieten. Vgl. Art. offerieren, in: DWb 13, 1183. vnd dedicirn,widmen, zueignen. Vgl. Art. dedicieren, in: Fnhd. Wb. 5.1, 344. gantz demuͤtiklichen bittende, E. F. D. wolte dieselbige mit allen gnaden von vns annemen, vnsern gehabten fleis
fuͤr Gottes ehr, jre F. D. vnd arme Land vnd Leut genediklichen gefallen lassen.
Dan wir darinnen ja nichts anderst gesucht, dan das die reine Lehr vnd ewige vnuͤberwindtliche warheit erhalten, falschen jrthumb, damit Gottes namen grausam greulich verlestert, die armen sehlichin,Seelchen. so Gott mit seinem tewren
blut erworben hat, geergert vnd verfuͤret, moͤchte gestewret werden, wie vns des der liebe frome Gott vnd vnser gewissen zeugniß geben.
Haben also auß keiner vermessenheit, sondern in aller Gottesfuͤrcht hierinne gehandelt vnd vns des getrost, das der liebe Gott (des diese sache gantz vnd gar eigen)im Original hier keine Klammer. Wenn der folgende Teil in die Klammer einzubeziehen ist, wäre hier evtl. (zumindest gedanklich) ein der zu ergänzen, in Parallele zu dem des am Beginn, mit Bezug auf Gott. die Kirche auch, vnd ahne zweiffel seine vnd seiner Kirchen wi
derwertigen,Gegner. Vgl. Art. widerwärtig 2.e), in: DWb 29, 1368. zu seiner zeit wol finden wird,im Original hier eine schließende Klammer. der richtet auch auß dem mund der juͤngen Kinder vnd seuglinge eine macht zu, damit ER vertilge den feind vnd rachgierigen.Vgl. Ps 8,3. Demselbigen getrewen fromen Vater jm himel befehlen wir E. F. D. als vnsern lieben Landsfuͤrsten, mit vntertheniger, demuͤtiger bitt, E. F. D. wolle vnser Genedigster herr sein vnd bleiben. So sind wir fuͤr
derselbigen langwerigelange währende. Vgl. Art. langwierig 1), in: DWb 12, 185f. gesuntheit, gluͤckselige regirung vnd alle friedliche wolfart zu bitten jn allewege nach schuͤldiger pflicht bereit vnd von hertzen willig. Datum zu Kuͤnigsberg den 27. Februarij jm 1552. Jar.Im Jahr 1552 fiel auf den 27. Februar der Samstag vor Estomihi, vgl. Grotefend, S. 196.
E. F. D.
vnterthenige
gantz willige
Georgius Venetus Academiae Rector.
Ioachimus Morlin D.
Petrus Hegemon D.
Allen Gotseligen, fromen, Christlichen hertzen wünschen wir Gnad,
barmhertzigkeit vnd friede von Gott dem Vater vnd vnserm lieben Herren Jhesu Christo.
Wenn man die historien der Kirchen vleissick lesen wil, so findet man fein, das der leidigewiderwärtige. Vgl. Art. leidig 3), in: DWb 12, 675f. Teufel mit diesen zweien stuͤcken je vnd alle zeit geschwindtungestüm, leidenschaftlich, scharf. Vgl. Art. geschwind 4), in: DWb 5, 3995. vnd hefftig der armen Kirchen zugesetzt, sie beengstiget mit maynVerbrechen. Vgl. Art. Mein, in: DWb 12, 1912: nur in der allitterierenden formel mein und mord bis in das 16. jahrh. übrig geblieben, eine formel, die zugleich den sinnlichsten und jedenfalls ursprünglichen begriff des wortes bewahrt hat, da es nach dem altnordischen zunächst körperliche verletzung, wunde bedeutet, und erst von da aus in den allgemeinern sinn des verbrechens, frevels, unrechts, auch der falschheit übergeht. Vgl. a. Meineid; ferner lat. minae, -arum = Drohungen. vnd mord
vnd also mit betrawungBedrohung. der offentlichen gewalt wollen kleinmuͤtig vnd verzagt machen. Oder, wo er vernohmen, das er damit wenig ausgerichtet, sondern die Christen nur daraus dester ernstlicher bey der erkanten warheit steiff vnd vehst gestanden sind, so hat er aus jrem eigenem hauffen vnd mittelMitte, inneren Kreis. Vgl. Art. Mittel 3), in: DWb 12, 2382f. etwaneinst; gelegentlich, immer wieder einmal (?). Vgl. Art. etwan 2), in: DWb 3, 1184. stoltze, freidigekühne, unverschämte. Vgl. Art. freidig 3) u. 4), in: DWb 4, 103. geister erwecket, die niemand weichen,
noch einigen meister haben leiden koͤnnen, sondern dahergefaren sind mit jrem eigenem vnd newem schwarm,Produkt der Einbildung. Vgl. Art. Schwarm 2.a), in: DWb 15, 2285. damit sie zwispalt, rottenseparatistische Gruppen, Sekten. Vgl. Art. Rotte f. [II] 3.a), in: DWb 14 1318. vnd allen jamer angerichtet, die armen, einfeltigen hertzen jrregemacht, viel verfuret, etliche schew gemacht vnd also geergert, das sie dem lieben Euangelio feind worden vnd gestracksgeradezu, ohne weiteres. Vgl. Art. gestracks 1.b) u. f), in: DWb 5, 4245f. daruon abgefallen sind. Vnd mit diesem an-
dern stuͤcklein hat er auch am allermeisten den moͤrdlichenmörderischen, todbringenden. Vgl. Art. mordlich, in: DWb 12, 2549f. schaden gethan vnd es aus Gottes vorhengnisZulassung, Erlaubnis. Vgl. Art. Verhängnis 2), in: DWb 25, 527. (der beide, die seinen in jrer bestendigkeit damit probiren, die sich nicht von einem jderm winde lassen wiegen,Redensartlich: keine standhafte Haltung pflegen, sondern sich leicht beeinflussen lassen. Vgl. Eph 4,14. vnd der andern vndanckbarkeit also hat wollen straffen) redelichenwacker, tüchtig (hier ironisch gebraucht). Vgl. Art. redlich 6.b), in: DWb 14, 481. ausgerichtet an vielen orten. Also das die reine lehr verblichen,
das rechte erkentnis Christi verloschen vnd dar jegengegen. Vgl. Art. gegen I.4.a.α), in: DWb 5, 2196f. jmmer ein newer schwarm den andern gegeben, bis zuletzt des Euangelij gantz vnd gar ist vergessen worden.
Solches treibet er noch heuͤt bey tagenoch heut bei tage = noch heutigentags, noch heute. vnd wirt nicht auffhoͤren bis zum ende der welt, bis so lang er vmb vnsers schentlichen vndancks willen seinen
willen geschaffen hat. Des vnd keines bessern haben wir vns zu jm zu uorsehen, denn er kan das reine liebe liecht vnd die einfeltigkeit in Christo, wie es Paulus nennet ij Cor. xj.,Vgl. II Kor 11,3. nicht dulden noch leiden, weil sein reich dardurch zerstoͤret wirt vnd er seine gewalt verlieren mus. Vnd hat er darumb solchen lermenAufruhr. Vgl. Art. Lärm 4), in: DWb 12, 203f. bald im anfang der welt angefangen vnd nachmals
fort getrieben vnd in den schwanck gebracht,in (den) Schwang bringen = fördern; in Bewegung, in Gang, in Umlauf, in Schwung bringen; Interesse an einer Sache wecken. Vgl. Art. Schwang 2.f.ε), in DWb 15, 2226f. nicht allein in der welt allenthalben, sondern auch in der heiligen Veter vnd fuͤrnembsten Patriarchen, als Abraam, Jsaac vnd Jacobs, vnd jrer nachkoͤmling eigenen heusern, dieweil dieselbige so ernstlichen ob der verheischung von Christo, dem Sahmen des weibes,Vgl. Gen 3,15. gehalten haben. Der hat dem Teufel den ewigen
todt geschworen vnd er jm widerumb ein ewige feindschafft zugesagt. Diesen hader wird vor dem juͤngsten tage niemands stillen noch soͤhnen,versöhnen, beilegen. Vgl. Art. sühnen 2.a), in: DWb 20, 1023f. das nehme jm keiner in seinen sinn, hier hat aller welt weisheit vnd grosser verstandt ein ende, kan Im Druck: wider=|rathen.wider rathen noch helffen.Redensartlich: weder raten noch helfen können. Vgl. Art. raten 3.b.η), in: DWb 14, 176.
Er wuͤthet vnd tobet aber sonderlichen zu dieser letzten zeitDie Verfasser rechnen mit dem nahen Weltende, wie viele Menschen im 16. Jahrhundert. Vgl. allg. Leppin, Antichrist und Jüngster Tag. am aller mei
sten vnd greuligsten, dieweil er weis, sein stuͤndleinTodesstunde, Stunde des Gerichts. Vgl. Art. Stündlein 1.b), in: DWb 20, 542f. ist nicht weit, er mus entlich gar daran vnd dem Sahmen des weibes, vnserm lieben Herrn Christo, vnter die fuͤes.Vgl. I Kor 15,25–27. Da, da wil er sein kroͤpfflein zuuor an jm auslassenWohl redensartlich: Sein Kröpflein an jemandem auslassen = Seinen Verdruß oder böse Absichten an jemandem abreagieren bzw. seinen Hochmut gegen jemanden wenden. Vgl. Art. Kropf 3.b) und e), in: DWb 11, 2397. vnd sein muͤtlein zu guther letzt kuͤlen,Redensartlich: sein Mütlein kühlen = seinen Mutwillen gegen jemanden richten, sich an jemandem abreagieren. Vgl. Art. Mütlein 2), in: DWb 12, 2800. darumb erweckt er so viel gewaltiger Tirannen, denen er das hertz also hart wider die arme Kirchen verbittert, das
sie ehreher, lieber. Tuͤrcken vnd Juden dulden vnd sich freundlich mit jnen vertragen koͤnnen denn das arme, ehlende, verlassene, kleine heufflein, das JHESVM Christum mit einem froͤligem muͤndlein bekennet. Was er aber durch dieselbigen nicht kan ausrichten, das thut er zur andern seitten mit so mancherley newen schwermereien.
Vnter denen dieser zeit nicht die geringste ist diejenige, so Andreas Osiander alhier im landt zu Preussen von sich gegeben, in welcher er das vnschuldige leiden vnd sterben vnsers lieben heilands JHESV Christi in dem Artickel der Rechtfertigung ausschleust, wie er solches in seiner Confession durch einen oͤffentlichen druck hat lassen ausgehen,Osiander, Von dem einigen Mittler, 1551 (OGA 10, Nr. 488, S. [49] 78–300), bzw. De unico mediatore, 1551 (OGA 10, Nr. 496, S. [49] 79–299). darinnen er vns als seine wider
sacher mit viel schmelichen worten vbel aushandeltschilt, ausschimpft. Vgl. Art. aushandeln 2), in: Fnhd. Wb. 2, 1078. vnd sonderlichen in seinem brieff an Fuͤrstliche Durchlauchtigkeit, vnsern genedigsten herren vnd lieben landes Fuͤrsten,Vgl. den dem Haupttext vorangestellten Brief an Herzog Albrecht v. Brandenburg, in der deutschen Ausgabe datiert auf den 8. Sept. 1551, in der lateinischen auf den 24. Oct. 1551, OGA 10, 78–99 (Von dem einigen Mittler, 1551). vber vns hefftig klaget, mit was grosser vnbilligkeit er allerley beschwerungen von vns hab muͤssen auff sich nehmen, dulden vnd leiden, vnd es dennoch zu keiner richtigen handelung
mit vns kunden bringen. Alles darzu, damit er seiner bawfelligen,schwachen, wenig stichhaltigen. Vgl. Art. baufällig, in: DWb 1, 1185. locherigen vnd boͤsen sache eine nahsen macheRedensartlich: seiner Sache eine Nase machen = ihr ein anderes, seriöseres Aussehen geben (mit Hilfe einer wächsernen Nase). Vgl. Art. Nase IV.2.c), in: DWb 13, 408f. bey einfeltigen fromen leuthen, denen beide, der handel vnd die personen, vnbekand sind.
Nu hetten wir wol muͤgen leiden, das er des loͤblichen, fromen, alten Fuͤrsten, der numehr seine zeit Fuͤrstlichen, in allen ehren vnd in aller
Gottseligkeit, Christlichen, mit grossem rhum vnd nahmen vor vielen andern hohen Potentaten schier bis zum ende vnd auff die gruben gebracht,Redensartlich: seine Zeit auf die Grube bringen = sein Leben bis ans Grab führen. darinnen hette verschonet vnd seiner F. D. nahmen nicht mit in vnsern hader vnd zanck gezogen, vnter demselbigen eine solche lesterliche lere vnd greuliche schwermereie lassen in alle welt auskomen.ausgehen, sich ausbreiten, bekannt werden. Vgl. Art. auskommen 3), in: DWb 1, 895. Aber er mus
gebrauchen vnd suchen, was er kan, damit er seinen vngegruͤnten schwarmseine unbegründeten Phantasmen, Irrlehren. Vgl. Art. Schwarm 2.a), in: DWb 15, 2285f. vnter die leut bringe vnd dieselbigen vnter fremden schein mit dem schedlichen gifft heimlichen vberschleiche,schleichend überfalle, überliste. Vgl. Art. überschleichen A.1.c), in: DWb 23, 507. damit sie es fassen,aufnehmen. Vgl. Art. fassen B.14), in: DWb 3, 1346. ehr denn sie es gewahr werden.
So viel aber die verhandlung dieser sachen belanget, zeugen wir Gott, der aller
menschen hertzen ein erkuͤndiger ist,Vgl. Act 15,8. das wir weder auff ander leute verhetzung oder vertroͤstung, viel weniger aber aus einiger bitterkeit vnsers hertzens gegen jm oder einigen stoltz, darinnen wir solten nach grosser herrligkeit gestanden sein,gestanden sein (nach etw.) = getrachtet haben. Vgl. Art. stehen II.C.8.a.γ), in: DWb 17, 1598. wie jm der arme, elende man treumen lest, vns wider jn eingelassen haben. Sondern nachdem wir seine jrrige meinung in dem
hauptartickel vnser Christlichen lere von der rechtfertigung vernomen, haben wir aus dringender nod vnsers gewissens, on einige leichtfertigkeit, darein keines weges koͤnnen verwilligen, vnd ob wir wol so gar vnuornunfftig nicht gewesen, das wir nicht solten vernomen haben, was vns solches wolte fur grosse beforderung an vnser zeitlichen wolfart bringen, so
haben wirs doch den lieben Gott lassen walten vnd vns die vnschuld seines namens sampt der betruͤbten Kirchen ewiger wolfart lassen fur all vnser gedeien vnd verterben, wie Christlich vnd billich, zu hertzen gehen.
Vnd ist wahr, das er solche seine jrrige meinung erstlich in einer oͤffentlichen disputation furgelegt,Vgl. Osiander, Disputatio de iustificatione (24. Okt. 1550), (OGA 9, Nr. 425 [lat. 1550]/ 490 [dt. 1551], S. [422] 426-447; unsere Ausgabe Nr. 1). das er aber rhuͤmet, wie sie jm
vnumbgestuͤrztunwiderlegt. Vgl. Art. umstürzen 2), in: DWb 23, 1205f. geblieben, noch mit keinem anselichen schein von jemandts angefochten,Vgl. die Einleitung in OGA 9, 423: In der direkt an den Vortrag anschließenden Diskussion stieß Osiander, der an keiner Stelle für ihn neue Gedanken vorgetragen hatte, auf keinen entscheidenden Widerspruch. Die Hauptopponenten, Melchior Isinder (damals noch zur osiandrischen Partei gehörig) und der Hofbibliothekar Martin Chemnitz, vermißten hauptsächlich eine Darstellung der Imputationslehre. Der Redner verwies dagegen auf seine 76. These, in der der Begriff imputare, wenn auch nicht sehr betont, verwandt wird. Isinder wollte diese Erklärung nicht annehmen, war jedoch ebensowenig wie der Domprediger Hegemon in der Lage, Osiander überzeugend zu entgegnen. Der erstere wunderte sich in seiner Antwort über die Vorstellung der einwohnenden Gerechtigkeit Christi, von der er in Wittenberg nichts gehört habe, der Domprediger erklärte, der Vortragende habe seine Propositionen so mit der Heiligen Schrift befestigt, daß er nicht zu widersprechen wisse, doch hätten sie in Königsberg bisher anders gelehrt. ist alzu fruͤe vnd viel zu raum,umfassend, weiträumig, weit gefasst, großspurig (?). Vgl. Art. raum, in: DWb 14, 283f. vnd solt er diejenigen daruon reden vnd zeugen lassen, die mit vnd bey der Disputation gewesen, des wir vns auch hiemit auff alle gelerte vnd verstendige dieser Schulen wollen gezogen haben, vnd wissen furwahr, das sie sagen werden, das Osiander mit
keiner bescheidenheit nach einigem richtigem grund, als sich an dem orth einen solchen man geziemen wil, sondern mit eitel gifftigen scheltworten denen geantwortet, die jn nur redelichen mit guten bestendigen argumenten angetastet haben. Darinnen er auch derjenigen mit seinen angestuͤmen, gichtzornigenrasenden, äußerst wütenden, grimmigen. Vgl. Art. Gicht [II] 7), in: DWb 7, 7285; Art. gichtig [II] 5), in: DWb 7, 7303f. stuͤrmwortenstürmischen Worten. Vgl. Art. Sturmwort, in: DWb 20, 677. nicht verschonet, die jm in mancherley wege
viel lieb vnd dienst zum offternmael bewiesen.
Dieweil nu aus solchem Disputirn die gewissen nicht geheilet, sondern viel mehr vorsehret, jst nachmals die sach je lenger vnd hefftiger worden, bis so lang das zu einem Colloquio mediatores gegeben sind. Wer nu dasselbige sampt aller friedlicher vnd freuntlicher vnterhandlung turbiretgestört (hat). Vgl. Art. turbieren 1), in: DWb 22, 1843.
vnd zu aller schleuniger beforderung von hertzen bereit gewesen oder nicht, das beweisen seine oͤffentliche druͤck,Drucke, Veröffentlichungen. die er nacheinander in zeit des Colloquij herausser gegeben, vns vnd aller welt das maul auffgespert, als wer es sein lauter ernst, Aber nichts dester weniger mit vnuerschampter vnwarheit vnter solcher handelung in vns gedrungen, als leugneten wir, das
Christus in vns wohnete, Zu solchem schein etliche spruͤch vnsers lieben herren vnd Vaters seligers in Christo Doctoris Martini lassen ausgehen,Etlich schoͤne Sprüche / von der || Rechtfertigung || des Glaubens / || Des Ehrwirdigen / Hochgelert] || D. Martini Luther || heiliger gedechtnis || Welche aus den vornemisten || vnd besten desselben Buͤchern zusamen gezogen / || vnd verdeudscht hat / || Andreas Osiander. || Nuͤtz vnd gut wider allerley jrthum vnd verfuͤrung / || Auch troͤstlich in allerley Anfechtung vnd || Verfolgungen || Mit einer kurtzen Vorrede || Koͤnigsberg in Preussen. || 1551. || 21. Martij. (VD 16 L 3472) (OGA 9, Nr. 448, S. [582] 583–601). Darneben auff der Cantzel im predigen vnd lesen vns vor jdermennigklichen mit viel schmelichen lesterworten also angetastet, das wir zuletzt, dieweil keines auffhoͤrens bey dem vnrugiem man gewesen vnd vnserer
beschwerung niemandts hat wollen helffen, vns ferner mit jm dergestalt einzulassen billiche beschwerung gehabt vnd auch dieselbigen ane schew schrifftlichen von vns gegeben.
Welcher massen vnd gestalt er aber auff Fuͤrstlicher Durchlauchtigkeit befel nachmals mit freuntlichen, demuͤtigen schrifften ist ersucht worden, vnd wie
sentfftmuͤtig mit gewaltigem grund der schrifft er darauff geantwortet, beweisen dieselbigen brieff, so zu beidem theil vorhanden; man hat an jm nichts vorgessen, was zu Christlichem vnterricht, vnterhandlung vnd zu freuntlichem demuͤtigem suchen einer solchen person gehoͤrt, sondern alle wege vnd mittel gebraucht, damit zu verhoffen gewesen, das er zu gewinnen wehre,
aber lauter nichts ausgericht vnd daruon gebracht denn feindselige wort, gresliches, vnchristliches pochen vnd greuliche lesterungen wieder die vnschuld JHESV Christi, vnsers erloͤsers vnd Heilands, daruon hernacher mehr in der widerlegung.
Was er nachmals ferner practiciert, bekennet sein eigen schreiben. Nemlichen
das er bey keinem richtigen vorgenomenem wege, dennden, welchen. er auch selbsteigener person bewilliget vnd eingegangen, geblieben, Sondern vns jmmer, als weren wir sein selbst leibeigen, vnter seine fuͤsse gethan, von einem itzt angesatztem mittelVermittlungstermin, Ausgleichsverhandlung. Vgl. Art. Mittel 9), in: DWb 12, 2386. zu dem andern geiechtgescheucht, gejagt. Vgl. Art. jächen, in: DWb 10, 2199. vnd getrieben, in troͤstlicher hoffnung, das er vns wolt des handels verdrossen vnd muͤdemachen, oder
vielleicht, das er eine newe sache wider vns seines gefallens moͤchte tichten vnd den vnfletigen stanck, den er in die Kirchen einmael wieder den vnschuldigen tod Christi von sich gegeben, also vnterdrucken vnd zuscharren. Dieweil aber dieser handel wichtig vnd gros, nicht vnser, sondern Gottes vnd seiner lieben Kirchen ist, so haben wir mit demselbigen keinen schertz wollen
eingehen noch bewilligen, sondern vns erboten, das wir vormuͤge seiner eigenen bewilligung mit jm diese sache schrifftlichen gegen einander setzen vnd an das IudiciumNach Corrigendaliste, aus: Iudicum. Ecclesiae stellen wolten,dem Urteil der Kirche unterwerfen wollen. was er aber darinnen geschewet oder nicht, das lassen wir sein gewissen reden, er hat gar wol gewuͤst, was vnser glauben ist, so haben wir vnser Confession, die wir vberant
wortet, gantz vnd gar keine schew, ob sie gleich sein Geist mit fast schlimmen augen ansihet vnd gern nach seiner arth lesterlichen vorkeren wolte. Denn sie stehet auff dem grund, darauff sie nicht allein vor dem armen, vorkartenverkehrten, verwirrten. man, sondern auch vor allen pforten der Hellen bleiben wirt.Vgl. Mt 16,18.
Vnd dieweil er daran nichts redliches hat koͤnnen haben, da ist er hinanen gegangen vnd diesen seinen AlcoranKoran; hier im übertragenen Sinne: gleichsam für heilig geachtetes Buch häretischen Inhalts. vnd newen Glauben zusamengetragen.Osiander, Von dem einigen Mittler/De unico mediatore, s. o. Anm. 80. Mit dem er abermals an vns setzen lassen vnter dem schein, das er solte an das IudiciumNach Corrigendaliste, aus: Iudicum. Ecclesiae gestaltgestellt: dass er dem Urteil der Kirche unterworfen werden solle. werden. Vnd doch solten wir nicht wissen, was vnd wen er mit dem woͤrtlein Ecclesia meinete.
Zu dem, das er solte oͤffentlichen durch den druck ausgebracht werden, ehrehe. denn die Kirche daruͤber iudicirete, ob es gifft vnd eine schedliche oder heilsame Goͤttliche gute lere wehre. Wir kunten aber daraus wol vernemen, was die Kirche war, daran er seine schrifft vnd lere stellen wolte, dieweil er mit grimmigem muth zum Doctore Francisco StancaroFrancesco Stancaro aus Mantua versah im Jahre 1551 für einige Monate in Königsberg die Hebräischprofessur an der Universität; in Auseinandersetzung mit Osiander vertrat er eine subordinatianische Christologie. Zu seinem Lebensgang vgl. unsere Ausgabe Bd. 9, Nr. 5 (Lismanini, Brevis explicatio, 1565), Einleitung, S. 179, Anm. 1; Wacław Urban, Art. Stancaro, Francesco d. Ä., in: TRE 32 (2001), 110–112. gesagt:
Nolo uinci, nolo uinci. Neque te neque alios ferre possum iudices.Über die Episode aus dem Jahr 1551 bei Stancaros Ankunft in Königsberg berichtet auch Salig, Vollständige Historie der Augspurgischen Confeßion und derselben zugethanen Kirchen, Zweyter Theil (Halle 1733), S. 965. So hat ers in einen oͤffentlichen druck zuuor herausser gestossen, was er von der Kirchen zu Wittenbergk vnd jrer lere helt (wir sagen: von glaubenssachen), da er etliche jre schrifften als fur Sacramentirisch vnd widerteufferisch nach seines Geistes verstand gern wolt verdechtig gemacht haben, darinnen auch
derjenigen nicht verschonet, so vnter der erden liegen vnd in dem Herrn entschlaffen sind. Doch wil er itzund die allein fur richter leiden, bey denen er nicht allein das wort Christi, sondern auch seinen Geist wirt hoͤren vnd spuͤren. Denn an das schlechte,schlichte. blosse wort Christi keret er sich nicht. Es mus alles der Geist sein, den er fuͤr den Geist Christi schilt vnd
damit er die Schrifft vnd helle wort Christi ausleget; den andern drawetdräut, droht. er bey dem exempel Magistri Rotingi,Michael Roting, Lehrer am Nürnberger Gymnasium, wandte sich als erster öffentlich gegen Osiander, vgl. oben unsere Nr. 3. wie er sie striegeln vnd jnen den peltz wolle ausziehen.Redensartlich: prügeln (eigtl. [in schmerzhafter Weise] bürsten) und häuten, öffentlich hart kritisieren. Vgl. Art. striegeln 3.a) u. 4), in: DWb 19, 1598–1600.
Also haben wir mit seiner newen Confession priuatim gantz vnd gar nichts wollen zu thun haben, sondern begeret einen gemeinen Synodum, darinnen
man in oͤffentlicher Disputation beide theil vnd den grund jrer lere moͤchte hoͤren, haben auch darneben angezeigt, wes wir jn aus klarer schrifft zu beklagen hetten, in troͤstlicher hoffnung, dieweil das der wegk, den auch die Apostel vnd nachmals je vnd allewege die liebe Kirche behalten vnd gebraucht, das der liebe Gott mit bey dem werck sein wuͤrde vnd genade
geben, das auch vieleicht durch einfeltige leuth, wie zuuor mehr gescheen, der sache moͤcht radt geschaffet werden. Da aber ja sein newer glauben vnd Confession solte ausgehn, so wolten wir auch durch den Druck oͤffentlichen darauff antworten, wie billich. Denn wir sind dennoch ja so wol Gottes diener als er, nicht vmb vnsers grossen verstandes willen, sondern daher, das
es dem lieben Gott also gefelt vnd vns darzu gesetzt hat, der auch aus dem munde der Vnmuͤndigen sein lob bereitet,Vgl. Mt 21,16; Ps 8,3. wissen darinnen das zu rhuͤmen mit froͤlichem hertzen, das wir jm mit allen trewen vleissig gedienet, bey der einfalt in Christo Jhesu bis auff heuͤtigen tagk aus seiner gnad geblieben sind, des wir jm mit demuͤtigem hertzen zum aller hoͤchsten
dancken, vnd bitten, er wol vns darbey vnuerruckt hinfurder wieder dieses vnd alles schedliches gifft mutig vnd bestendiglichen sampt allen fromen Christlichen hertzen erhalten bis in vnser gruͤblein.Grab. Vgl. Art. Grube II.B.4.d), in: DWb 9, 608. Amen.
Dieweil wirs aber mit allen billichen erbieten zu keinem richtigen wege mit dem vnrwigenunruhigen, vielgeschäftigen, vorwitzigen. Vgl. Art. unruhig 3.d), in: DWb 24, 1292f. man koͤnnen bringen, als haben wir jn fur vnsern
PraesidentenOsiander hatte seit Frühjahr 1551 das Amt eines Präsidenten des Bistums Samland inne, war auch in dieser Position umstritten. Vgl. Stupperich, Osiander in Preußen, 94, 116, 162f, 165 etc. zu erkennen oder anzunemen billiche beschwerungNach Corrigendaliste, aus: beschwermig. getragen vnd darneben angezeigt diese vrsach: Dieweil der Wolff kuͤnte kein hirte sein, so kuͤnte er viel weniger ein auffseher vnd anweiser sein der andern hirten, die aus Gottes gnaden jr ampt recht vnd treulichen ausrichten, haben also mit keiner eigenen Tiranney, torstFrechheit, Kühnheit. Vgl. Art. Durst [I], in: DWb 2, 1746f. vnd freuel gefahren, sondern aus
vnuormeidlicher nottorfftNotwendigkeit. Vgl. Art. Nothdurft 3), in: DWb 13, 927. vnser gewissen vnd der andern damit verwahren wollen vnd sollen, die vns mit Gottes wort zu regiren von Gott, dem hoͤchsten Herren vnd gubernatore,Lenker, Gebieter. Vgl. Georges I, 2980, s. v. gubernator II). ampts halben befohlen sind. Wollen vns des hiemit nicht auff sein schreiben vnd tollesverrücktes, irrsinniges. Vgl. Art. toll I.1.e), in: DWb 21, 634f. schreien (das wir hinfurder mit froͤlichem hertzen verachten wollen), sondern auff alle frome,
gottselige, gelerte vnd verstendige leute, inmassenwie. Vgl. Art. inmaszen 1), in: DWb 10, 2122. zu ende dieser schrifft gemeldet wirt, gezogen haben.
Vnd sol ers gewislich darfur halten, das wir jm auff andere seine vnwarheit, die er zu vnser verkleinerung vermeintlicher weise anzeucht, mit gutem bestendigen grund der warheit sehr wol kunten antworten, wenn es allein vmb
zeitliche ehr vnd namen, darnach er zum hoͤchsten ringet, zu thuen were vnd wir nicht ander bedencken darinnen hetten.
Bitten aber hiemit jdermenigklichen, das sie seinem ruffen vnd schreien keinen glauben geben wolten, sondern da jemands ferner aus seinem schreiben vnserthalben wuͤrde gedancken bekohmen, der wolle sich des gegen vns
schrifftlichen vernehmen lassen, so sind wir erboͤtig, vnser richtige, rechtmessige Christliche entschuldigung mit warhafftigem grund in antwort freuntlich vnd willig von vns zu geben. Wolten auch, das wir dieses vnsers schreibens hetten muͤgen vertrag haben,dass wir auf das Schreiben hätten verzichten können, das wir des Schreibens überhoben gewesen wären. Vgl. Art. Vertrag 4), in: DWb 25, 1923f. denn wir wissen sehr wol, das dis vnser gezenck nicht in den haubthandelzentrale Auseinandersetzung. Vgl. Art. Haupthandel, in: DWb 10, 615. gehoͤret.
Dieweil aber aus vorigem ansehen, so dieser man nicht allein bey andern leuten, sondern auch bey vns selbst gehabt, da er noch in reiner einhelliger lere vnd mit vns bey der Augspurgischen Confeßion geblieben, mit solchem seinem schreiben bey vielen fromen, vnschuldigen hertzen hette muͤgen einen verdacht machen, haben wirs zu jrer vnd vnser nottorfftnotwendigen Verteidigung. Vgl. Art. Nothdurft 1.d), in: DWb 13, 926. nicht koͤnnen vor
halten.verschweigen. Vgl. Art. vorhalten 3.c), in: DWb 26, 1147. Vnd sind einem jdern nach vnserm vormuͤgen willige dienst zu erzeigen geflissen vnd bereit.
Geben zu Koͤnigsberg in Preussen, den 7. decembris Anno 1551.Der 7. Dezember fiel 1551 auf einen Montag, vgl. Grotefend, S. 159.
Vns zweiffelt nicht, was einfeltige frome leut sind, so die Confessionem Osiandri lesen vnd aber den handel nicht besser verstehen, die werden nicht an
derst gedencken, denn wir leugnen, als daß wir leugneten das Chri-stus durch den glauben in vns woene. Zum andern, das wir sein Person trennen, die Gottheit gantz vnd gar im artickel der Rechtfertigung ausschliessen, denn wenn er sonst zu seinem handel keine argumenta hat, so fehet er an, deshalben vber vns felschlich zu ruffen, filtzetschilt. Vgl. Art. filzen [I] 4), in: DWb 3, 1635. vnd schildschilt. vns vbel, als weren wir seine arme fibu
listenLeseanfänger, die als Lehrbuch die Fibel benutzen. Vgl. Art. Fibelist, in: DWb 3, 1612. vnd alphabetarij,ABC-Schützen, Anfänger im Lesen und Schreiben. Vgl. Art. alphabetarius II, in: Hoven, 25. vnd solches alles nicht aus einem stoltzen, hochmuͤtigen Geist, sondern aus eittel selbwesender Goͤttlicher, Geistlicher demut, liebe vnd freundschafft.(ironisch).
Damit wir nu beide bey jdermenigklichen deshalben entschuldiget sind vnd zugleich auch der reinen lere guten gruͤndlichen bericht geben den einfel
tigen, so wollen wir erstlich die gantze summam der Christlichen lere von dem artickel der Rechtfertigung auffs kuͤrtzt vnd einfeltigst fassen, wie wir dieselbige bisher aus Gottes wort treulichen getrieben, vnd nachmals die fuͤrnembsten stuͤck seiner schwermerey angreiffen vnd auch aus Gottes wort widerlegen. Denn also gehoͤrt sichs zu einem jdern rechtschaffenen diener
des worts, das er mechtig sey, zu ermanen durch die heilsame lere vnd zu straffen die widersprecher, ij. Timo. ij. vnd ad Tit. j.Vgl. II Tim 2,2.15.24–26; Tit 1,9. Vnd stehet nu die lere in zweien stuͤcken, nemlichen in der lere vom Reich der Suͤnden vnd Gesetz vnd von dem reich der Gnaden vnd Euangelio.
Es ist das Gesetz vnd zehen Gebot nichts anders denn wie eine liepliche taffel, darinnen ein schoͤnes bild abgerissenskizziert, umrissen, gezeichnet. Vgl. Art. abreiszen, in: DWb 1, 88f. vnd mit lebendigen farben ausgestriechenausgemalt, koloriert. Vgl. Art. ausstreichen 2), in: DWb 1, 991. eines solchen menschen, wie Gott im anfang vnsern aller ertzvaterUrvater. Adam geschaffen hat; den hat er nicht allein, so viel gemeine vernunfft belanget, von allen andern vnuernunfftigen Thierlein vnterscheiden,
sondern auch die gantze natur mit viel hohen Goͤttlichen gaben herrlich vnd schon gezieret, also das durch vnd durch geleuchtet hat ein treffliches liecht vnd gewaltiges natuͤrliches erkentnis Gottes, seiner werck vnd alle seines guͤtigen willens, darzu ist Leib vnd Seel sampt allen krefften fein rein, gesund, lustiggeneigt, willig. Vgl. Art. lustig 1), in: DWb 12, 1339. vnd bereit gewesen, solchem allen zu gehorsamengehorchen, Gehorsam leisten. Vgl. Art. gehorsamen 2), in: DWb 5, 2539f. vnd
allen willen Gottes zu volbringen, darinnen Adam sampt allen seinen nachkoͤmlingen hette mit Gott ewig gelebet, also das er nichts anderst geretgeredet. noch gethan hette, denn was seinem fromen lieben Gott von hertzen gefellig gewesen vnd in alle seinem wandel vnd wesen Gottes weisheit, wil vnd wolgefallen gleich geleibt vnd gelebet als in seinem bild, darinnen eitel
Goͤttliche gedancken, Goͤttliche werck jmmer vnd ewig hetten geweret.gewährt, fortgedauert.
Diesen lieblichen wandel vnd schones wesen des menschen hat der leidigewiderwärtige. Vgl. Art. leidig 3), in: DWb 12, 675f. teufel widerweder. Gott noch dem menschen gegoͤnnet vnd derhalben dahin geerbeitet, damit er durch die SVNDE Gott vnd menschen trennen vnd den an sich in sein reich bringen moͤchte, wie es jm denn auch gerattengelungen. Vgl. Art. geraten 11.a), in: DWb 5, 3573f. ist,
denn er mit felschlichem angebenRat, Beratung. Vgl. Art. Angeben n., in: DWb 1, 338; Art. angeben 7), in: Fnhd. Wb. 1, 1123. den armen menschen dahin beredet hat, das er seines freien willens misbraucht vnd jemerlich aus dem herlichen seligem stand gestuͤrtzt vnd damit gefallen, das er Gottes mandat vnd befehl durch tedlichentätlichen. VNGEHORSAM vbertretten. Nach dem hat sich also bald alle sache mit Adam gantz vnd gar verkeret, also das er von Gottes huld vnd
gunst dardurch komen, an allen krefften seiner natur mercklichen abgenomen. Denn das natuͤrliche liecht vnd erkentnis ist vorblichen vnd zum theil verloschen; so haben sich die andere kreffte damit abgewant, das sie zu dem guten nicht mehr also tuͤchtig, sondern ein grosser vnlust vnd vnwillen gefolget zu Gott vnd alle seinem willen. Vnd ist also Adam gleich ein ander
mensch worden, ane Gottes gnad, vnter des Teuffels reich, dem gefolget allerley jamer an leib vnd seel zeitlich vnd ewig. Bis er entlich darinnen hette mussen ewiglichen sterben vnd verterben, wenn jm Gott nicht widerumb geholffen.
Aus diesem vngehorsam sind wir nu alle zumahl auch suͤnder worden vnd
des ewigen todes schuldig, nicht als vmb frembder schuldt willen, das wir derselbigen musten an vnser verdinstan unser Verdienst = ohne dass wir es verdient hätten. entgelten, Sondern das wir auch selbst eigener person schuldig sind vnd suͤnde haben, ob wir wol noch mit keinem tedlichen vngehorsam eusserlichen wie Adam wider einiges gebot Gottes gehandelt, Rom. 5.Vgl. Röm 5,12–14. Denn wir haben sampt dem suͤndlichen samen,
wie es Dauid nennet Psal. 51,Vgl. Ps 51,7. die Gifftige vnarth in vns geerbet von Adam her, das wir von arth kinder des zorns, Ephe. 2,Vgl. Eph 2,3. vnser hertz gantz vnd gar abgewent ist, wie der liebe Gott klaget Gen. 6 vnd 8, Jerem. 17,Vgl. Gen 6,5; 8,21; Jer 17,5. aus dem volget vnd kommet allerley bosheit, wie Christus sagt Mat. 15.Vgl. Mt 15,19f.
Nun kan Gott, der da gerecht ist, diesen vnlust in vnser natur nicht dulden
noch leiden, darumb hat er, sonderlichen nachdem der Teuffel bey den nachkoͤmblingen Adae diese gifft vnd boͤse vnarth je lenger vnd mehr angezuͤndet, das gesetz widerumb verneuret, Darinnen er, als in einem guͤldenen registerchin, vns fuͤrhelt, was schoner, herrlicher gaben er an vns im anfang der schoͤpffung gewant vnd vns gegeben, die fordert er vnd wil
sie alzumahl in vorigem stand, gesund vnd volkomen bey vns wissen, beschuldiget vnd beklagt das hesliche verterben in vnser natur vnd gantzem hertzen, drewet seinen zeitlichen vnd ewigen zorn an leib vnd seel aller welt vnd wil, wir sollen dem Gesetz den schuldigen gehorsam leisten vnd dasselbige halten.
Es heist aber das gesetz halten nicht allein eusserlichen einen scheinbarlichen schonen wandel fuͤren, wie die Pharisei meineten Math. 5,Vgl. Mt 5,20. Sondern gantz vnd gar ane suͤnde, rein, vnschuldig, from vnd gerecht sein mit allen krefften, aus gantzer seel vnd hertzen, Deut. 6.Vgl. Dtn 6,5. Wo es hie an einem geringsten feilet, da ists gar gefeilet, denn das ander ist dem ersten gleich, das
es der liebe Gott ja so wol fordert vnd haben wil als das aller groͤste, Mat. 22, vnd Jacob 2.Vgl. Mt 22,38–40; Jak 2,8. Darumb auch Gott ernstlich vnd entlich beschleust, Deut. 27, Gal. 3:Vgl. Dtn 27,26; Gal 3,10. verflucht sey jderman, der nicht bleibet in ALLE dem, das geschrieben stehet in diesem buch des Gesetzes, das ers thue. Da mus es nicht feilen auch an einem kleinen puͤnctichen. EhrEher. muͤste himel vnd erden
brechen vnd zu truͤmmern gehen, Math. 5, Luc. 16.Vgl. Mt 5,18; Lk 16,10.
Hie stehet nu vnser vnd aller welt gerichte: ane suͤnde mussen wir von GANTZEM hertzen, von GANTZER Seel, aus ALLEN krefften from sein; wer der arth ist, der stehet mit dem Gesetz wol. Jst beide: durch das gesetz gerecht – Rom. 2: Die dasRom. 7. Quod institutum erat ad vitam. gesetz thuen, werden gerecht seinRöm 2,13. – vnd hat
das ewige leben darinnen, wie Gott durch Moisen sagt, Leui. 18: Welcher mensch dieselbige meine satzungen thut, er wirt dardurch leben.Lev 18,5. Vnd diese wort wil Christus vom ewigen leben verstanden haben, Math. 19 vnd Luc. 10.Vgl. Mt 19,17.21; Lk 10,25–28. Wer aber nicht so rein vnd from ist, der mus buckensich bücken. Vgl. Art. bücken [I] 4), in: DWb 2, 487. vnd herhalten,(Strafe) erdulden. Vgl. Art. herhalten 3), in: DWb 10, 1102f. dem Gesetz bezalen vnter denn peinigern in ewiger flammen, wie
der arme knecht Math. 18Vgl. Mt 18,34 (und Kontext). vnd reicheaus: reichem. man Luc. 16.Vgl. Lk 16,19–31.
Nu ist die rechte heuptfrage in diesem handel: wer ist denn in diesem leben aller ding ane suͤnde, also rein, das er aus ALLEN krefften seiner seel vnd GANTZEM hertzen vnschuldig sey? Darauff antwortet die schrifft: gar keiner, auch nicht einer, Psal. 14, Rom. 3.Vgl. Ps 14,1–3; Röm 3,10–12. Vnd ist solches nicht allein von
denjenigen gesagt, so im vnglauben stecken ausser der widergeburt, Sondern auch von den aller groͤsten heiligen, so den heiligen Geist haben, die haben noch mit fleisch vnd bluet zu kempffen bis in jre gruben,bis ins Grab, bis zum Tod. Vgl. Art. Grube II.B.4.d), in: DWb 9, 608. das sie nicht thuen, was sie wollen, Rom. 7, Gal. 5.Vgl. Röm 7,19; Gal 5,17. Derhalben sie ahne vnterlas beten Vergib vns vnsere schuld,Vgl. Mt 6,12; Lk 11,4. Luc. 11, Psal. 32Vgl. Ps 32,5. vnd Psal. 130: So du wilt,
Herr, suͤnd zurechnen, Herr, wer wirt bestehen?Ps 130,3. Jn summa, Johannes bekennet frey, 1 Cap. 1: So wir sagen, wir haben keine suͤnde, so verfuͤren wir vns selbst vnd ist die warheit nicht in vns.I Joh 1,8. Darumb bedrewet Paulus alle welt: Schweiget, sagt er, vnd aller mund sey verstofft. Rom. 3.Vgl. Röm 3,19.27.
Vnd schleust nu Gal. 3, das wir wiederweder. aus dem Gesetz koͤnnen gerecht
fertiget noch lebendig gemacht werden; nicht das er dem Gesetz solches nemen wolte, welches jm Moises, Christus vnd er selbest giebet, wie droben gehort, Sondern da ist der mangel, wie er saget Rom. 7: Das Gesetz ist Geistlich,Vgl. Röm 7,14. wil nicht allein ein eusserliche zucht vnd burgerliche gerechtigkeit, sondern ein gantze reine seel vnd natur haben. So sind wir fleischlich
vnter die suͤnde verkaufft, das wir nicht koͤnnen das jenige volbringen so wir aus eingeben des heiligen Geistes gern wolten thun, Gal. 5.Vgl. Röm 7,14f; Gal 5,17. Vnd wirt also das Ge-setz geschwecht durch vnser fleisch, das es jm vnmuͤglich, vns gerecht vnd selig zu machen Rom. 8.Vgl. Röm 8,3f.
Woruͤber ist nu der gantze hader vnd jamer? Was scheidet vns von Gottes
huld vnd gunst? Freilich nichts anderst denn allein die suͤnde; von der hat sich der jamer gehoben, wie droben gehort vnd Esai. sagt, cap. 50 vnd 59: Ewer vntugend scheiden euch vnd ewern Gott von einander.Vgl. Jes 50,1; 59,2. Wenn wir der suͤnde kunten los sein, so stuͤnd alle vnser sache mit dem Gesetz vnd mit Gott wol; dieweil wir aber der nicht koͤnnen ledig werden, So volget
Gottes gericht vnd grimmiger zorn, das wir muͤssen vnter dem fluch des Gesetzes die ewige pein tragen, Auff das also dem Gesetz zu diesem theil dennoch genungk geschehe an vns.
Djeweil denn nu das Gesetz in keinem wege ist zu endern gewesen, sintemal
es ist der ewige, vnwandelbare radt Gottes, sein gericht vnd gerechtigkeit, wie ers offt nennet, Wir aber vns von der suͤnde vnd aus dem reich oder gewalt des Teufels, so vns zu seinem willen an seinem strick gefangen gefuret, Ephe. 2 vnd 2. Timo. 2,Vgl. Eph 2,1–3; II Tim 2,26. nicht haben koͤnnen frey, ledig vnd los machen, denn das ist aller Creatur gantz vnd gar vnmuͤglich gewesen. Sondern der
hats thun mussen, der des Teufels vnd aller natur mechtig vnd durch den alles zumahelzusammen. Vgl. Art. zumal 1.b), in: DWb 32, 531f. im anfang geschaffen, nemlich der ewige Gottes Son, wie Athanasius sagt, lib. de incarnacione uerbi.Vgl. Athanasius, De incarnatione verbi 7 (PG 25, 108D–109A) (BKV² I. Reihe, Bd. 31 [München 1917], S. 611 [91]). Also hat sich Gott mit grosser gnad vnsers elendts vnd jamers erbarmen lassen vnd das werck vnser befreiung oder erloͤsung selbst zu handen genomen in dem selbigen
geliebten Son. Der ist, nachdem die zeit erfuͤllet worden, von Maria, der reinen Junckfrawen, aus wirckung des heiligen Geistes in reiner natwr ein rechter, natuͤrlicher mensch geboren. Denn dieweil er wolte die suͤnde erwuͤrgen vnd den menschen, der des todes schuldig war, erloͤsen, must er das werden, das derselbige war, wie der liebe JrenaeusNach Corrigendaliste, aus: Jrenus. sagt lib. 3, cap. 20,Vgl. Irenaeus, Adversus haereses III, 20,2–4 (PG 7, 943A–945C; FChr 8/3, 246–253).
vnd Augustinus lib. 13, de tri., cap. 10.Vgl. Augustinus, De trinitate XIII, 10(13f) (PL 42, 1024f; BKV² II. Reihe, Bd. 14 [München 1936], S. 180–183).
Er hats aber wuͤnderlichen angegriffen, also das es vor aller menschlicher vornunfft eitel torheit vnd schwachheit scheinet, j. Cor. j.Vgl. I Kor 1,18–25. Denn nachdem er solte vns vom Gesetz erloͤsen vnd frey machen, Gal. 4,Vgl. Gal 4,4f. hat jn der liebe Gott vnter das Gesetz gethan, das er demselbigen seinen volstendigen GE
HORSAM geleistet, Rom. 5,Vgl. Röm 5,19. nicht allein eusserlichen mit allen wercken vnd wehsen, Sondern jnnerlichen, wie denn das Gesetz fordert, also das er aus arth vnd mutterleib her durch wirckung des heiligen Geistes gantz vnd gar rein vnd from gewesen, zu allem guten von gantzem hertzen geneiget vnd also recht mit der that gerecht, aenohne. alle suͤnd vnd mackel. Jsa. 53, j. Petri 2
vnd j. Johan. 3.Vgl. Jes 53; I Petr 2,21–24; I Joh 3,5. Zum andern ist er in solcher seiner vnschuld vnd gerechtigkeit gleichwol fur vns ins mittel getretten, hat vnser vnd aller welt suͤnde auff sich genohmen, wie Jsa. sagt cap. 53: Der Herr warff vnser aller suͤnde auff jn,Jes 53,6. vnd Johannes der Teuffer, Johan. j: Siehe, das ist Gottes lamb, das der welt suͤnde tregt,Joh 1,29. vnd also fur vnser suͤnde ein fluch
worden am stamme des Creutzes, wie Paulus aus dem 21. cap. Deute. zu den Galatern am 3. anzeiget.Gal 3,13; Dtn 21,23. Fur dieselbige mit seinem vnschuldigen bittern tod bezalet Rom. 4,Vgl. Röm 4,24f. welcher ist vmb vnser suͤnde willen dahin gegeben; 1. Cor. 15: Er ist gestorben vmb vnser suͤnde willen nach der schrifft.Vgl. I Kor 15,3. Jesai 53: Er ist vmb vnser missethat willen verwundet vnd vmb vnser suͤnde
willen zuschlagenJes 53,5. etc.
Ob er nu wol solches alles in seiner menschlichen natur gelitten, dennoch dieweil die Goͤttliche von jr in dieser person vngetrennet vnd vngescheiden allewege geblieben,Vgl. das Bekenntnis des Konzils von Chalkedon (451) zum Verhältnis von göttlicher und menschlicher Natur in Christus: ein und derselbe ist Christus, der einziggeborene Sohn und Herr, der in zwei Naturen unvermischt, unveränderlich, ungetrennt (ἀδιαιρέτως) und unteilbar (ἀχωρίστως) erkannt wird (DH 302). hat sie, in solchen durchgedrungen, durch solch opffer im fleisch die suͤnde verdampt vnd abgethan, wie Paulus zu den Roͤm.am 8.
sagt,Vgl. Röm 8,3. durch den Todt die macht vnd gewalt genohmen dem Teuffel, der des todes macht vnd gewalt hat, Gen. 3, ad Ebre. 2,Vgl. Gen 3,15.19; Hebr 2,14. vnd vns damit in seinem bluet erloͤset, Acto. 20, 1. Pet. j,Vgl. Act 20,28; I Petr 1,18f. von allen suͤnden gereiniget, 1. Johan. 1, Ebre. j,Vgl. I Joh 1,7; Hebr 1,3. Mit dem leib seines fleischs durch den tod dem Vater versuͤenet, Rom. 5, Col. 1,Vgl. Röm 5,10; Kol 1,19f. durch sein armuth reich, 2. Cor. 8,Vgl. II Kor 8,9. in seinem fluch ge
segnet vnd ewig selig, Gal. 3,Vgl. Gal 3,13f. durch seine wunden gesund vnd heil gemacht, Jsa. 53 vnd 1. Petri 2.Vgl. Jes 53,5; I Petr 2,24.
Also ist nu dem gesetz von vnsertwegen ge-nunck geschehen vnd es gestillet,zum Schweigen gebracht. Vgl. Art. stillen 3), in: DWb 18, 3016f. das es vber vns nicht mehr zu klagen hat; denn die suͤnde ist bezalet vnd vorgnuͤget,ihr ist Genüge getan, sie ist abgegolten. Vgl. Art. vergnügen 3), in: DWb 25, 464f. nicht mit vnserm werck, sondern mit dem bluet
des vnbefleckten lamb Gottes. Mit diesem vnschuldigen tewren opffer mus es zufrieden sein. Dargegen sind wir auch gereiniget vnd geheiliget mit dem selbigen bluet, wie Johannes sagt, 1. cap. 1: Das bluet Jhesu Christi, seines Sons, machet vns rein von aller suͤnd,I Joh 1,7. vnd zu den Ebreern cap. 10: Jn welchem willen wir sind geheiliget, ein mael geschehen durch das opffer des
leibs Jhesu Christi.Hebr 10,10. Vnd abermals: denn mit einem opffer hat er in ewigkeit vollendet die geheiliget werden.Hebr 10,14. Jtem cap. 13: Darumb auch Jhesus, auff das er heiligte das volck durch sein eigen bluet, hat er gelittenHebr 13,12. etc.
Vnd in summa: Wir sind durch diese erloͤsung, so durch den todt vnd das
bluet Christi geschen, Gerecht gemacht – wie Paulus sagt: Sie werden ane verdienst gerecht aus seiner gnadt durch die erloͤsung, so durch Christum Jhesum geschehen,Röm 3,24. vnd cap. 5: So werden wir je viel mehr durch Christum behalten werden fur dem zorn, nach dem wir durch sein bluet gerecht worden sind.Röm 5,9. Vnd abermals: denn gleich wie durch eines
menschen vngehorsam viel suͤnder worden sind, Also auch durch eines gehorsam werden viel gerecht.Röm 5,19. – Das vns nu nichts mehr mangelt, denn wir sint erloͤst, gereiniget, versuͤnet, gesegenet, gesund, heilig vnd gerecht. Alles aber in dem bluet Christi, derhalben vns nu das Gesetz nicht allein alles zorns vnd straff frey, ledig vnd los zehlen,ansehen, bewerten, einschätzen. Vgl. Art. zählen 4.a), in: DWb 31, 52. Sondern auch aller
verheischung zeitlicher vnd ewiger wolfart mus geniessen vnd dieselbige vns widerfaren lassen, als hetten wirs von vns selbert mit gantzem, reinem gehorsam vmb es verdienet. So wirs doch nicht in vns verschuldet,verdient. Vgl. Art. verschulden 3.a), in: DWb 25, 1176. sondern in dem verdienst vnd gehorsam Christi solche reinigkeit aus gnaden erlanget haben, wo wir jn anderst mit rechtschaffenem glauben annehmen.
Darzu hat er nu beide, mit der muͤndlichen predigt vnd eusserlichen Ceremonien als in schonen figurn vnd bildern, diese gnade denjenigen lassen fuͤrmalen vnd antragendarbieten, nahebringen. Vgl. Art. antragen 2) u. 5), in: DWb 1, 502f. so vor seiner zukunfftAnkunft, hier insbesondere: Menschwerdung Christi. Vgl. Art. Zukunft I.5), in: DWb 32, 478. gewesen sind. Vnd ist das die summa der gantzen heiligen schrifft Moisi, der Psalmen vnd aller Propheten,Vgl. Lk 24,44. das sie in diesem hohen, wichtigen handel von Gottes gnad vnd gunst,
von Gerechtigkeit vnd dem ewigen leben auff Christum gewiesen, wie er selbst saget Johan. 5: Sucht in der schrifft, denn jr meinet, jr habt das ewige leben darinnen, vnd sie ists, die von mir zeuget.Vgl. Joh 5,39. Von dem haben sie aber geleret, das er muste sterben vnd am dritten tage widerumb aufferstehen, Luc. 24.Vgl. Lk 24,46f. Auff das in seinem namen verkuͤndiget werde vergebung der suͤnden,
Acto. 10.Vgl. Act 10,43. Vnd von alle dem, durch welches wir sonst nicht kuͤnten im Gesetz gerecht werden, wer an diesen gleubt, der ist gerecht, Acto. 13.Vgl. Act 13,38f.
Diese predig wehretwährt, dauert an. noch jmmer fuer vnd fur vnd wird nimmermehr auffhoͤren bis zum ende der welt, nicht das Christus noch sterben solte, sondern nachdem ers einmahl ausgerichtet, lest der frome Gott zu diesem rei
chen tisch vnd herrlichen malzeit gar genediglichen alle welt laden, heischen vnd fordern, wie es Christus wunder fein in dem gleichnis Math. 22 angezeiget hat,Vgl. Mt 22,2–10. beuth allen armen, betruͤbten hertzen seinen einigen, lieben Son an mit allen seinen guͤthern, die er vns einmahl erworben hat vnd damit selbst worden ist.Wohl im Sinne von: und damit selbst unser worden ist, sich uns zueigen gegeben hat.
Der glaube, der nu in dieser predig Christum annimpt als seinen einigen,einzigen, einzigartigen. werdenwerten, wertvollen. schatz vnd mit gantzem vertrawen auff jn bawet, der reiniget vnd heiliget das hertz, wie Petrus sagt Acto. 15Vgl. Act 15,9. vnd Paulus cap. 26 (denn er ergreifft Christum, durch welchs blut wir gereiniget vnd geheiliget sind),Vgl. Act 26,16.22f.29; Phil 3,7–14. wirt mit jm gleich ein kuchen vnd ein leib, also das er auch alles hinforderfortan.
mit seinem Geist in vns wircket vnd schaffet nach seinem gnedigen willen vnd wolgefallen, widerumb auch allen vnsern jamer fuͤelet vnd jmsich. als seine eigene schmertzen vnd truͤbsal lest zu hertzen gehen, wie er denn zu Paulo sagte Acto. 9, da er die arme Kirche beleidigte: Saule, Saule, was vorfolgestu mich,Act 9,4. aber vns in jm troͤstlichen erhalten wirt, Also das vns
von seinen henden niemands reissen, Johan. 6 vnd 10,Vgl. Joh 6,39.47.56; 10.27-30. von seiner lieb nichts auff dieser erden scheerenabtrennen, entfernen, scheiden, ausschließen. Vgl. Art. scheren II.3), in: DWb 14, 2577. noch scheiden sol, Rom. 8,Vgl. Röm 8,38f. Bis er entlich mit seiner herrlichen zukunfftWiederkunft (am Ende der Zeit). Vgl. Art. Zukunft I.5), in: DWb 32, 478. erscheinen vnd vnsern nichtigen leib verkleren wird, das er ehnlich werde seinem vorklarten leibe, Phil. 3,Vgl. Phil 3,20f. darinnen wir jn sehen werden, wie er ist, j. Johan. 3,Vgl. I Joh 3,2. mit dem Vater vnd
heiligen Geist wahrer Gott, gelobet in ewigkeit. Amen.
Das ist kuͤrtzlich in einer summa vnser glaub, das ist vnser lere, das ist vnser trost vnd entlicheabschließende, letztgültige. Vgl. Art. endlich 3) u. 4), in: DWb 3, 463. hoffnung, die wir vns nicht selbst gedichtet,erfunden, ausgedacht, erdichtet. Vgl. Art. dichten [II] 5), in: DWb 2, 1060f. sondern wissen, wie genugsam angezeigt, das sie ist die meinung der Propheten vnd Apostolischen schrifft, darzu der fromen Veter, die nach der zeit der
Apostel in der Kirchen gelebet vnd geleret haben, welche alzumael diesen felsen vnd festen grund behalten, das kein andere gerechtigkeit sey, dardurch wir kuͤnten oder vermuͤgten vor dem Gesetz bestehen vnd durchkohmen,(das Gericht) überstehen. Vgl. Art. durchkommen 2.a.), in: DWb 2, 1634. denn allein Jhesus Christus, indem da er wahrer Gott vnd mensch, seinen vnschuldigen schweis am Creutz vergossen hat vnd am dritten tage widerumb
von den todten ist aufferstanden, wie es Christus selbst die Gerechtigkeit heist, Johan. 16, Das er zum Vater gehet.Vgl. Joh 16,10. Vnd ob wol jr etliche das stuͤck einmahel reiner denn das andermal gehandelt, zu zeiten stopffel,Stoppeln, (Wurzel)stümpfe von Getreidehalmen. Vgl. Art. Stopfel 1), in: DWb 19, 308. holtz vnd hew darneben gebawet haben, wie Paulus sagt 1. Corin. 3,Vgl. I Kor 3,12–15. So sint sie doch zuletzt, wenn es zu den zuͤgen gekomenwenn sie in den letzten Zügen lagen, wenn es ans Sterben ging. Vgl. Art. Zug I.B.10.a), in: DWb 32, 381. vnd die angst des todes wie eine
gewaltige brunstGlut. Vgl. Art. Brunst [I], in: DWb 2, 437–439. das hertz gerueret, widerumb zu dem trost gefallen vnd darinnen erhalten worden, vnd ausser dem gewislich keiner nicht. Sintemal ein einiger wegk, ein einiger mitler zum Vater ist, 1. Tim. 2, Johan. 14.Vgl. I Tim 2,5; Joh 14,6. Wer des feilet, der mus stuͤrtzen vnd ewiglichen verlohren sein, wie Johannes sagt cap. 3: Wer dem Son nicht gleubet, der wirt das leben nicht sehen, son
dern der zorn Gottes bleibet vber jm.Joh 3,36.
Aber diesen einigen wegk wil vns nu der leidige Teufel widerumb verrennenversperren, verrammeln. Vgl. Art. verrennen 2), in: DWb 25, 1007f. vnd nehmen durch dissen itzigen newen schwarmPhantasma, Hirngespinst. Vgl. Art. Schwarm 2.a), in: DWb 15, 2285f. Osiandri, der vns die menschwerdung Christi sampt seinem vnschuldigen schweis aus dem Artickel der Rechtfertigung nimpt vnd vns an die blosse Gottheit weisen wil,
das wir darinnen sollen gerecht sein, wie Gott darinnen gerecht ist, Vnd ist ahne zweifel die lesterung, daruon Petrus sagt, 2. cap. 2,Vgl. II Petr 2,1. Das sie zu der letzten zeit verleugnen werden – nicht Gott, des wollen sie keinen namen habenAls Gottesleugner wollen sie nicht gelten. – Aber den HERRN, der sie erkaufft hat; das ist freilich kein anders, denn das sie in den hohen zuͤgen des gewissen, da man sol dem Gesetz vnd
Gottes gericht zur gerechtigkeit fur die suͤnde antworten, des vnschuldigen schmertzlichen todes werden vergessen, damit vns nicht ein puhr lauter mensch, sondern der HERR der herrligkeit selbst, das ist Christus, der ewige Gottes Son, erkaufft vnd erloͤset hat, wie Paulus sagt Acto. 20.Vgl. Act 20,28.
Wolan, wir wollen nu seine newe Confessionem, darinnen er seinen schwarm
hefftig ausgelassen, auch fur vns nehmen vnd die fuͤrnembste stuͤck, darauff der gantze heupthandel von der Rechtfertigung beruͤte,beruhe, fuße. gegen Gottes wort halten vnd sehen, wie ers daraus beweisen wirt. Denn des haben wir nicht allein fur vns grosse, wichtige vrsachen, sondern es ist auch der befehl Gottes, das wir die Geister probirenprüfen. Vgl. Art. probieren 2), in: DWb 13, 2150. vnd sehen sollen, ob sie aus
Gott sind oder nicht, wie Johan. sagt 1. cap. 4.Vgl. I Joh 4,1. Werden wir nu finden, das sie mit dem Euangelio vbereinkomet, wie es Propheten vnd Apostel geleret, so wollen wir sie annehmen. Wo aber nicht, so wollen wir mit dem heiligen Geist beten, Gal. 1, verflucht sey derjenige, der ein ander Euangelium prediget, wenn er auch ein Apostel oder Engel vom himel wer.Vgl. Gal 1,8f.
Der gantze handel, grund vnd bodem stehet furnemlich auff dem: Wir bekennen zu beidem theil, das Christus, Gott vnd mensch, vnsere Gerechtigkeit sey, wie er ruͤhmet mit worten. Wenn man nu fraget, wie da? So scheiden wir vns, vnd sprechen wir also: Er ist vnser Gerechtigkeit in dem, wie er,
warer Gott vnd mensch, seinen vnschuldigen tod fur vns genomen, darinnen wir haben gnad vnd vergebung der suͤnden, wie droben gehort. Dargegen sagt Osiander, sey Christus vnser Gerechtigkeit nicht nach der menscheit (das merck), viel weniger nach demjenigen, so er in seiner menschlichen natur fur vns gelitten hat, sondern nach der Gottheit allein, wie er sich des in einem
brieff an mich, D. Morlinum, declariert,Vgl. Osiander, OGA 9, 654,2–8: Ego vero nunquam somniavi alium Deum quam, qui corporaliter habitat in Christo, esse iusticiam nostram, quod tu mihi tribuis haud dubie contra conscientiam tuam, si modo disputationem meam legisti; si non legisti et sic concitaris in me, vide, quid alii de te iudicaturi sunt. Ego urgeo te per cutem, carnem, ossa, medullas, per cogitationes, per mentem et, si quid tibi tua mente intimius, ut ostendas duplicem in Christo iusticiam; nam hic stabis aut concides. Bene vale et responde de duplici iusticia. (Brief an Joachim Mörlin, Königsberg, 25. April 1551). vnd er selbst vnter andern sonderlichen in seiner Confession im quatern B am andern,Vgl. Osiander, OGA 10, 110,1–15 (s. u. Anm. 273). O am andernVgl. Osiander, OGA 10, 208,10–31: Desgleichen, wann man spricht: Christus ist unser gerechtigkeit, so volgt noch vil weniger, das darumb seine menscheit allein und nicht die gottheit unser gerechtigkeit sey. Sonder hierauff gehoͤrt, wie vor gesagt ist, ein klare, gewaltige und ungezweiffelte beweisung, ja beweisung sag ich und schrey noch immerdar: Beweisung, beweisung, beweisung! Wo bleibt sie dann? Ich hab ja noch kein wort noch sylben noch einigen buchstaben aus der heiligen schrifft hieruber je gehoͤrt – greulicher scheltwort und ungegründter reden hab ich wol vil bis zum verdrus gehoͤrt! Ich bin auch gewiss, das weder menschen noch teuffel noch engel vom himmel noch sonst kein creatur werd immer und ewigklich beweisen, das Jhesus Christus, sein goͤttliche natur hindangesetzt, nach seiner menscheit allein, die alsdann ein lautere creatur were, unsere gerechtigkeit sey oder sein koͤnne, wie hernach an seinem ort weiter und reichlicher soll bewisen werden. Dann das ist je gewiss – damit ich sie doch warne, wiewol sie dessen nimmer werdt sein, werdens auch, als ich achte, von mir nicht annemen – quod omnis iusticia, proprie de iusticia loquendo, aut est divina iusticia et essentia Dei, aut est humana iusticia et qualitas creata, nullo autem modo actio aut passio, das ist, das alle gerechtigkeit, wan man eigentlich von dem wort gerechtigkeit reden wil, ist antweder goͤttliche gerechtigkeit und goͤttlich wesen selbs oder aber menschliche gerechtigkeit und ein erschaffne qualitas (die fur sich selbs und ausserhalb des menschen kein wesen hat), aber in keinen weg kans ein thun oder leiden sein – sie moͤgen hierwider schwirmen, was sie wollen; und hiemit von disem handel auff dismal und an dem ort genug! (Von dem einigen Mittler, 1551, Bl. O2a–O2b). vnd O am dritten blat schreibet.Vgl. Osiander, OGA 10, 210,17–212,1: Gleichwie das euangelion das innerlich, lebendig wort Gottes, das Gott selbs und aus der reinen jungfrauen Maria geborn, fleisch worden, Jhesus Christus, unser herr und heilandt ist, durch unsern glauben also in unser hertz bringt, das wir durch dasselb vom todt der suͤnden erweckt, in Gott und aus Gott widerumb leben, ja Gott selbs unser leben ist, also ist eben dasselbig wort Gottes, das Gott selbs, Jhesus Christus, unser herr und heiland ist, auch unser gerechtigkeit selbs und macht uns gerecht durch sich selbs. Dann als einig das goͤttlich wesen des worts Gottes ist, als einig sind leben und gerechtigkeit, dardurch wir ewigklich sollen selig sein. Mit der menschlichen gerechtigkeit und unsern naturlichen leben helt es sich vil anderst und ist ein grosser unterschid darzwischen, sintemal wir das natuͤrlich leben alzumal ehe haben dann die heidnischen oder menschlichen gerechtigkeit, dieweil diselbig durch lehre, zucht, gesetz und straff in uns mus getriben werden. Aber in der rechtfertigung des glaubens ists unmuͤglich, das Gott solt unser leben sein und solt nicht auch zugleich ein gerechtes leben sein. (Von dem einigen Mittler, Bl. O3a–b). Damit jn aber die spruͤch von dem Leiden, Sterben, Blutvergissen vnd aufferstehung Christi, der die gantze schrifft vol ist, nicht jrren,abbringen, aus dem Konzept bringen, verwirren. Vgl. Art. irren I.5), in: DWb 10, 2164f. so tichtet er jm ein grossen vnd weiten
vnderscheid zwischen der erloͤsung vnd Rechtfertigung vnd wil, das dieselbigen spruͤch allein zu der Erloͤsung, keins wegs aber zu der Rechtfertigung gehoͤren.
Wenn er nu dises gruͤndlichen erhaltenaufrechterhalten, untermauern, belegen. Vgl. Art. erhalten 7), in: DWb 3, 835. kuͤnte, so het er mehr denn die helffte gewonnen vnd musten wir armen meusichenMäuschen, kleinen Mäuse. vor einen solchem
grossen kathartKater. zu loch kriechen,uns (ängstlich) in unser Mauseloch zurückziehen. nicht mit einem woͤrtlein pieppen, noch vns mit dem geringsten vernemen lassen vom leiden vnd sterben, blut vnd schweis Christi im artickel der rechtfertigung, welchs doch sonst vnsers hertzen einiger vnd hoͤchster schatz ist, Sondern musten vns des begeben, als das vor funffzehen hundert jaren lengest vergossen, vertrucknet vnd in der erden
verwesen, wie er den 22. Septembris dises 51. jarsDer 22. September (Mauritiustag) 1551 fiel auf einen Dienstag (Grotefend 159). nechstrectius: höchst?Falls kein Druckfehler (vgl. textkrit. Apparat), evtl. Hinweis darauf, dass bei Drucklegung das Jahr 1551 bereits seit kurzem verstrichen war. lesterlichen von der Cantzel geruffen vnd ausgegebengeäußert, von sich gegeben, proklamiert. Vgl. Art. ausgeben 7), in: DWb 1, 867. hat. Wir wollen aber seinen grund sehen, darauff er diesen handel setzet, vnd das argument mit kurtzen worten fassen, so kan man sehen, wo jm das bein entzwei ist.Wohl redensartlich: wo der Kern des Problems liegt, wo der entscheidende Fehler liegt.
Also schleust er im quatern B Folio 2:Vgl. Osiander, OGA 10, 110,1–15: Es ist aber offenbar, das allein dasjenig, das Christus als der getreue mitler von unsernwegen durch erfullung des gesetzes und durch sein leiden und sterben mit Gott, seinem himlischen vater, gehandelt hat, das ist fur funfzehenhundert jaren und lenger geschehen, da wir noch nicht geporen gewest sein. Darumb kan es, eigentlich zu reden, nicht unser rechtfertigung gewest sein, noch genennet werden, sonder nur unser erloͤsung und gnugthuung fur uns und unser suͤnde. Dann wer gerechtfertigt sol werden, der mus glauben; sol er aber glauben, so mus er schon geporen sein und leben. Darumb hat Christus uns, die wir itzo leben, und andere vor uns durch erfullung des gesetzes und sein leiden und sterben nicht gerechtfertigt; aber erloͤset sein wir dardurch von Gotts zorn, todt und helle. Dann man kan ein menschen wol erloͤsen und befreien, der auch noch nicht geboren ist; als wan man ein leibeignen man aus der Tuͤrckei mit gelt erloͤset, so wird nicht allein er von der leibeigenschafft ledig, sonder auch alle seine kinder, so noch von im geboren sollen werden, die doch sonst, wan ir vater in der leibeigenschafft bliebe, alle leibeigen geporen wuͤrden. Aber man kan keinen gerecht und from machen, ehe dann er geporen wird. (Von dem einigen Mittler, Bl. B1b–B2a). Die erloͤsung ist geschehen vor
1500 jaren. Vnser Rechtfertigung aber ist nicht geschehen vor 1500 jaren. Derhalben kan erloͤsung vnd Rechtfertigung nicht ein dinck sein.
Antwort: Die selbwesende Gerechtigkeit Gottes ist wol elter denn funffzehen hundert jar, vnd wer kan jre jar zehlen? Derhalben, schlissen wir mit einerley grunt, kan sie vnser Gerechtigkeit auch nicht sein. Stehet jenes argumentum,
so stehet vnsers auch; felt das, so leit jenes zuuor.
Das man aber dargegen sagen kan, wenn die erloͤsung vnser Gerechtigkeit were, so weren die lieben Veter vor der zukunfft Christi nicht gerecht worden, darumb mus es die selbwesende Gerechtigkeit Gottes sein, die von anfangk der welt gewesen. Darauff sagt Johan., das lamb sey geschlacht
von anfang der welt, Apo. 13,Vgl. Apk 13,8. vnd Abraham hat bereit zu seiner zeit den tag Christi gesehen, das ist sein trost, wonn vnd freud gewesen, Johan. 8.Vgl. Joh 8,56. Die selbwesende Gerechtigkeit Gottes (sprechen sie) wehret in ewigkeit. Antwort: Christi erloͤsung weret in ewigkeit, zu den Ebre. 9.Vgl. Hebr 9,12. Wir empfahen aber die selbwesende Gerechtigkeit Gottes im muͤndlichen wort vnd hochwirdigen
Sacramenten. Antwort: Eben also die erloͤsung auch, wie wir hoͤren wollen.
Ey, man kan wol erloͤset sein, ehr denn man gleubet, ja ehr man geboren wirt. AlsSo zum Beispiel. wenn man einen leibeigenen man aus der Tuͤrckey mit gelt erloͤst,Zum Handel mit christlichen Sklaven vgl. Jan Lucassen / Leo Lucassen, Art. Sklavenverschleppung, in: Enzyklopädie der Neuzeit 12 (2010), 85–88, bes. Sp. 87. – Dem Freikauf christlicher Sklaven aus heidnischer Gefangenschaft widmeten sich mehrere christliche Orden, so die Trinitarier und die Mercedarier. so wirt nicht allein er von der leibeigenschafft ledig, sondern auch alle seine kinder, so noch von jm geboren sollen werden, die doch sonst,
wenn jr vater in der leibeigenschafft blibe, alle leibeigen geborn werden. Aber man kan keinen gerecht vnd from machen, ehr denn er geborn wirt. haec ille.Ende des Osiander-Referats, vgl. oben Anm. 273.
Da leits,da liegt es. da steckts, da habt jrs nu, sprecht morgen mehr, jr widersacher zu Koͤnigsperg – hatte schier gesagt: jr Theologi – herr Osiander hab seiner
schwermerey keinen bestendigen grund aus der schrifft, jch meine ja, es sey grob vnd deutlich genung, das mans greiffen koͤnne, vnd ist warlich recht grob vnd greifflich vnd der rechten probation eine, damit der heilige Machomet seinen Alcoran auch bestetiget hat, nemlich ein menschlicher trawm vnd geticht eigener vernunfft. Darauff sol man nu eben nicht den gering
sten, sondern den hauptartickel vnsers glaubens gruͤnden, Anderung vnd zwispalt in der Religion anrichten, einen lermenAufruhr, Unruhe. machen in der Christlichen Kirchen, den loͤblichen fromen Fuͤrsten bey seinen alten jaren so hertzlichen betruͤben vnd bekuͤmmert machen, Seiner Fuͤrstlichen durchlauchtigkeit land vnd leut aus dem lieben, schoͤnen fried in den vnfrid
setzen, die armen, ehlenden gewissen, so aneohne. das jamerigvoller Herzeleid. Vgl. Art. jammerig 1), in: DWb 10, 2255. vnd besturtzt sint, zu dieser geschwinden,unruhigen, gefährlichen. Vgl. Art. geschwind 3), in: DWb 5, 3995. schweren zeit jrre machen, ergern vnd mehr verwirren. Wo vernunfft? wo scham? wo ehr? wo tugent? denn des gewissen ist doch vergessen.
Last vns aber nu das einen kuͤhnen helden sein, der auff einen solchen star
cken, mechtigen, gewaltigen, trefflichen, vnuͤberwintlichen grund wider die gantze Christenheit seine manheit beweisen darff, frey vnerschrocken, vnbedacht, vnbesunnen die alte bestendige, wolgegruͤnte form der lere, wie wir die von den Aposteln her genohmen vnd eintrechtig behalten, stuͤrmen vnd anlauffen,angreifen, bestürmen, bedrängen. Vgl. Art. anlaufen, in: DWb 1, 393–395. mit viel trotzen, pochen, scharren vnd kratzen darff verkleinern,herabwürdigen, schmähen. Vgl. Art. verkleinern 2.b), in: DWb 25, 662f.
kein schlechterschlichter, einfacher. puhr lauter menschlicher muet kan es nicht sein, sondern es mus ein anderer Geist darhinder stecken, der einen solchen man hinane fuͤret.leitet, in den Kampf führt. Vgl. Art. hinan 1), in: DWb 10, 1383f.
Ob es aber der gute Geist sey, ist daraus gewislich zu pruͤfen vnd abzunehmen, dieweil derselbige nichts von jm selbst redet, wie der Teufel thuet, Joh
an. 8: ex proprijs loquitur.Vgl. Joh 8,13–18.44. Sondern was er in glaubenssachen fuͤr hat, das nimpt er von Christo aus seinem wort, Johan. 16.Vgl. Joh 16,13. Das wolten wir hir gerne auch sehen, dringen, treiben, bitten vnd flehen: Herr Osiander, gebt schrifft her!- Ey ja, spricht er, beweiset zuvor, das dieser mein grund vnrecht sey. Antwort: Das ist vns nicht vonnoͤten, denn wie keme ein jder ar
mer Christ darzu, wenn jn der Tuͤrck seines glaubens bereden wolt, das er jm denselbigen aus Gottes wort verlegen must oder must jm flucks also bald beifallen?Das ist nicht erforderlich, sonst müsste jeder arme Christ, den der Türke zum Islam bekehren wollte, diesen aus Gottes Wort widerlegen oder ihm ungesäumt zustimmen.
Der Tuͤrck vnd schwermer sint sampt jren genossen schuldig, jren fuͤrgenomen schwarmvorgefasste (irrige) Ansicht. aus klarer, heller, vngezweifelter schrifft der Propheten vnd
Apostel, durch welche der geist Christi geredet hat, 1. Petri 1 vnd 2. cap. 1,Vgl. I Petr 1,10–12; II Petr 1,20f. zu beweisen vnd darzuthun; kuͤnden sie das nicht, so ist jre lere nicht die stimme Christi, sondern ein ander Euangelium, vnd jr glaub einer so gut als der ander, sie sint gleich Tuͤrckisch, Judisch, Heidnisch, Osiandrisch etc., den wir zu fliehen befehl haben, so lieb als wir Christi schefflin sein wollen,
Johan. 10.Vgl. Joh 16,13–15. Denn es gebuͤret vns keines weges nicht, sagt der heilige Tertullianus, lib. de praescrip.Nach Corrigendaliste, aus: proscrip. aduersus haereticos, das wir vnserm eigenem wahn nachhengen oder, was auch andere aus jrem eigenem wahn einfuͤren vnd fuͤrgeben wolten, annehmen. Wir haben die Apostel des Herren zum exempel, die auch selbst nichts auff jr eigene gedancken geleret, sondern
haben die lere, so sie von Christo genomen, aller welt treulichen fuͤrgetragen. Derhalben wenn auch ein Engel vom himel ein anders predigte, solt er von vns verflucht werden.Tertullian, De praescriptione haereticorum VI, 3–5: Nobis vero nihil ex nostro arbitrio inducere licet sed nec eligere quod aliquis de arbitrio suo induxerit. Apostolos Domini habemus auctores qui nec ipsi quicquam ex suo arbitrio quod inducerent elegerunt, sed acceptam a Christo disciplinam fideliter nationibus adsignauerunt. Itaque etiamsi angelus de caelis aliter evangelizaret, anathema diceretur a nobis. (FChr 42, 240,15–21; PL 2, 18B). Vgl. Gal 1,8.
Das ist der grund vnsers glaubens, darauff wir bleiben vnd wider alle pforten der hellen bestehen, sie stuͤrmen mit kunst, weisheit, vernunfftigem
fuͤrgeben, so gewaltig sie jmmer koͤnnen, was mit vns den grund trifft, das lest sich nicht wiegen vnd wegen von einem jdern winde vnd lere, die durch schalckheitBosheit. Vgl. Art. Schalkheit 2), in: DWb 14, 2079f. vnd teuschereyBetrug, Täuschung, Blendwerk. Vgl. Art. Täuscherei, in: DWb 21, 212f. des Teufels organaWerkzeuge. fuͤrbringen, auffblasen vnd damit zu vns einstuͤrmen, auff das sie vns vbereilen oder erschleichen zu verfuͤren, Eph. 4.Vgl. Eph 4,14. Vnd daher nennet auch der heilige Apostel die gemeine
des lebendigen Gottes einen pfeiler vnd grundfest der warheit, 1. Timo. 3.Vgl. I Tim 3,15. Denn sie ist gegruͤndet auff Gottes wort vnd das liebe Euangelium, das ist widerumb jr pfeiler vnd grundfest, wie der heilige Jrenaeusaus: Jrenus. sagt, lib. 3. cap. 11.Vgl. Irenäus von Lyon, Adversus haereses III, 11,8: columna autem et firmamentum ecclesiae est evangelium et spiritus vitae (FChr 8/3, 110,1f).
Vnd were also Osiandro auff seinen grindSand, Kies, d. h. als Baugrund wenig taugliches Material. Vgl. Art. Grind 1), in: DWb 9, 368; Mt 7,24–27. oder grund, darauff der gantze
haupthandel stehet, vnd damit auff seinen gantzen Alcoran genuncksam geantwortet. Wolten auch, so viel seine person belanget, jm kein wort mehr antworten, sondern trotz bieten,Trotz bieten hier anscheinend i. S. v. trotzig schweigen. wenn wir nicht den armen gewissen zu trost dienen muͤsten. Damit wir aber gleichwol den selbigen genunck thuen vnd die zu frieden stellen, So wollen wir erstlich auff diesen seinen traum vnd
nachmals auff das ander argumentum auch antworten vnd damit beweisen aus Gottes wort, das beide, erloͤsung vnd vnser Rechtfertigung, gehoͤren dem bluet, vnschuldigen leiden vnd sterben Christi.
Vnd sagen auff das exempel von der erledigung des gefangenen vnd seine nachkoͤmling also: Schleust dasselbig gewis, wie es thuen mus, wo diese
meinung daraus sol erhalten werden, das wir erloͤset sind, aber nicht gerechtfertiget, ehr denn wir gleuͤben oder geborn werden, So folget entweder, das vns die vergebung der suͤnden (denn darauff stehet die erloͤsung Eph. 1, aus: Col.) 1.Col. 1),Vgl. Eph 1,7; Kol 1,14. vnser freiheit vom Teufel, tod vnd ewigem hellischen feur auch angeborn ist, dorffenbedürfen. wider der Predig, Tauff, noch glaubens darzu, Vnd ist
Christus ein kind, Petrus ein vnuerstendiger, grober socius, wie die Wittenbergischen Theologi alzumal, wenn sie sagen von vergebung der suͤnden, Luc. 7: Dein glaub hat dir geholffen,Vgl. Lk 7,50. vnd Acto. 2: last euch Teuͤffen auff den namen Jhesu Christi zu vergebung der suͤnden.Vgl. Act 2,38.
Jst vns aber die erloͤsung nicht dermassen angeboren vnd auff vns geerbet,
sondern wir mussen sie durch die muͤndliche predigt im glauben aller erst empfahen vnd annehmen, wenn wir geborn sind vnd durchs wort zum erkentnis derselbigen komen, So leit Osiandri exemplum vnd seine probaBeleg, Beweis. darnider Vnd mussen wir eben so wol jtzund zu vnser zeit durch den glauben die erloͤsung vnd erledigungBefreiung. von der suͤnd empfahen als die rechtfertigung.
Ob sie wol beide zu jener zeit, nemlichen vor den 1500 jaren, erworben vnd in dem blut Christiaus: Cgristi. zugerichtet sint, das sie mit demselbigen in der person Christi volgen sollen allen auserwelten, die noch bis zu dem juͤngsten tage komen sollen, wenn sie es durch den glauben nur annehmen, wie denn gewislich geschehen wirt vnd mus, auff das Gottes rath bestehe, der die seinen
wol kennet.Vgl. II Tim 2,19.
Das ist ein argument, darauff Osiander die heuptsacheaus: heutpsache. gesetzt hat, nemlich das erloͤsung viel ein anders sey den vnsere Rechtfertigung Vnd also die spruͤch vom Bluet, Leiden vnd sterben Christi nichtDie Corrigendaliste sieht hier im Anschluss einen Zusatz vor: wil. in die Rechtfertigung, sondern allein in die erloͤsung gehoͤren. Wie gewaltig aber
das haltewelche Bedeutung dies habe (?). vnd was er damit eriageterreicht, gewonnen. Vgl. Art. erjagen 2), in: DWb 3, 861f. habe, das kan nu ein jdes fromes Christliches hertz wol richten vnd vrteilen, es ist ane Gottes wort ein zumalbesonders, sehr. Vgl. Art. zumal 2), in: DWb 32, 532. grober gedancken, der sich zu dem handel gantz vnd gar nichts nicht schicket. Wollen aber nu sein ander argumentum auch sehen vnd fuer die hand nemen.
Viel spruͤch zeucht er an, darinnen die erfuͤllung des gesetzes, das leiden vnd sterben Christi Jhesu, vnsers Herrn, wirt in der heiligen schrifft vnser erloͤsung, versoͤnung oder genugthuen genennet, schleust aber daraus, das die solte als ein werck vnser rechtfertigung oder gerechtigkeit sein, das hab er in der heiligen schrifft seins wissens all seine tag noch nie gefunden.
Darauff antworten wir erstlich also: dieweil die heilige schrifft dem bluet vnd sterben Christi gibet, das wir damit erkaufft, dardurch erloͤset, versoͤhnet vnd mit dem selbigen fur vnsere suͤnde genunck getahn sey, Vnd Osiander daraus verstehet, das derhalben solcher gehorsam, das leiden vnd sterben Christi, vnser erloͤsung selbst sey, so goͤnnen wir jm das bekentnus von
hertzen wol vnd bitten, er wolle dieser seiner wort selbst ingedenck sein. Nicht das vns so viel an seinen worten gelegen vnd wir vnsern Christlichen glauben darauff gruͤnden wolten, sondern das wir seinem plaudernSchwatzen. Vgl. Art. plaudern 1.a), in: DWb 13, 1929. vnd vnnuͤt
zem schmetternSchwadronieren, Keifen (mit gellender Stimme). Vgl. Art. schmettern 1), in: DWb 15, 1051. gar bald jm selbst wollen antworten lassen.
Zum andern: Das die angezogene spruͤch von der versoͤnung, genungthuung
vnd erloͤsung reden, wissen wir, Got lob, auch wol vnd ist daruber kein zanck noch hader nicht. Vnd het er sonst nichts anderst an dem orth wollen thuen denn allein das Papier klecken,beklecksen. Vgl. Art. klecken 3.c), in: DWb 11, 1055. so hett ers wol muͤgen vnter wegen lassen,unter wegen lassen = unterlassen, bleiben lassen. Vgl. Art. unterwegs I.6.e), in: DWb 24, 1888. denn wirs in der Bibel vnd sonderlichen in den Epistolis Pauli viel reichlicher hetten muͤgen lesen. Das solt er aber hiraus beweisen, das
darumb erloͤsung vnd Rechtfertigung zweierley sey vnd wir durch das blud Christi allein erloͤset, keines weges aber gerecht werden; das ist der handel, da leit der knoten.Redensartlich: Da liegt der Kern des Problems. Vgl. Art. Knoten II.14.a.δ), in: DWb 11, 1505. Da solt er reden, schreiben vnd schreien; so schweiget er alhie wie ein meusichenMäuschen, Mäuslein, niedliche Maus. vnd wirfft allein das seuberliche,zierliche. Vgl. Art. säuberlich 1.b), in: DWb 14, 1854f. zarte russelchinRüsselchen, Schnäuzchen. Vgl. Art. Rüssel 1.b), in: DWb 14, 1540. auff vnd wil vns arme seelichin damit stillen:zum Schweigen bringen. Vgl. Art. stillen 2.b.ε), in: DWb 18, 3015f. Jch, Osiander,
der newe Prophet, hab es nie gelesen, darumb ists nichts.
Wolan, so sehe vnd lese ers nimmermehr in der schrifft, dieweil er ja mutwilliglichen wil blint sein; wir wollen vleißig nach swchen vnd forschen,Evtl. bezieht sich nach auf beide Verben: nachsuchen und nachforschen. ob wirs finden koͤnten, das erloͤsung vnd Rechtfertigung zusamen vnd beide gehoͤren dem blud Christi. Also schreibt der heilige Paulus, Roma. 3:Vgl. Röm 3,24f.
Wir werden an vordienst gerecht aus Gottes gnad durch die erloͤsung, so durch Christum Jhesum geschehen ist, welchen Gott hat fuͤrgestelt zu einem gnaden stuel durch den glauben in seinem bluet etc.
Alhier nim nu die gantze meinung des heiligen Apostels fur dich vnd siehe, wie fein bescheidlichengenau, detailliert. Vgl. Art. bescheidlich, in: DWb 1, 1558; Art. bescheidenlich, in: DWb 1, 1557f. vnd deutlichen er von dem artickel der Recht
fertigung handelt, wie es zugehet, das wir arme kinderchin vor Gott gerecht, vnschuldig vnd from werden. Alles reumet er erstlich aus dem wege, was menschliche kreffte vormuͤgen; daran sollen wir nicht gedencken in dem handel vnser rechtfertigung vnd gerechtigkeit vor Gott. Was thuts denn? Nichts, sagt Paulus, denn lauter gnad, veterliche gunst vnd freuntlicher,
gnediger wille, die grosse guͤte vnd barmhertzigkeit Gottes, vnsers fromen vaters im himel. Das ist seine gerechtigkeit, wie ers hernacher nennet (auff das er gerecht sey etc.)Vgl. Röm 3,26. Vnd ist recht geredet, denn darumb, das Gott keine suͤnde kan dulden noch leiden vnd aber die, so viel vnser natur belanget, gleichwol immer bleibet (denn das Gesetz vormack nicht zu raten, es kan
dem armen schwachen blud vnd fleisch nicht helffen, Rom. 8Vgl. Röm 8,3.), Derhalben schickt er ein ander mittel, dardurch dem Teufel der kopff zertretten,Vgl. Gen 3,15. Sein reich, gewalt vnd regiment wirt auffgehoben, die suͤnde vnd alle gewalt des Teufels abgethan.
Das er nu also die suͤnde nicht duldet, ist seine Gerechtigkeit, das er in dem
werck vns auch hilfft ohne verdienst, ja wider vnser verdienst, denn er macht den Gottlosen gerecht etc.; das ist in demselbigen werck seine gunst, gnad, veterliche guͤte, gruntlose barmhertigkeit.
Wie werden wir denn gerecht? Aus gnaden, sagt Paulus. Wo durch? mit
was arth vnd weis? In größerem Schriftgrad
gedruckt.Durch die erloͤsung, so durch Christum
Jhesum ge
schehen ist. Die gehoͤret hieher, wenn wir sollen gerecht werden,
vnd gehoͤrt nicht allein hieher, sondern die ists, durch die wir gerecht werden. Doch
das wir vns zu dem mitler halten, denn bey jm wil Gott solche gunst, solche gnad
erzeigen vnd sonst nirgent, wie er allein bey dem gnadenstuel in dem allerheiligsten
sich finden lies zu Jerusalem,Gnadenstuhl ist die Bezeichnung für das Sühnmal (hebr.
כַּפֺּרֶת
[kapporät]), die goldene, von Keruben beschirmte
Platte auf der Bundeslade im Allerheiligsten des Jerusalemer Tempels, die den Ort der
Gottespräsenz markierte (wobei die Lade wohl schon seit der Plünderung des
Salomonischen Tempels durch die Babylonier 587 v. Chr. Geb. verloren war, das
Allerheiligste des Herodianischen Tempels in neutestamentlicher Zeit daher leer; vgl.
auch II Makk 2,5–7). da mussen wir
vns hin
halten. Wie denn? durch den glauben. Lieber, was sucht denn der glaub in
dem gnadenstuel? Wes troͤstet er sich bey Christo in diesem handel der Gerechtigkeit
oder Rechtfertigung? Worauff fusset er? In
größerem Schriftgrad gedruckt.Jn seinem bluet,
sagt Paulus, da sihet der glaube nicht aus eigener bewegligkeit, sondern aus Gottes
ordenung vnd befehl hin. Vnd freilich mus er dahin sehen, sintemal
durch die
erloͤsung wir gerecht werden, welche stehet auff dem bluet vnd teuren schweis des
vnschuldigen lemleinsLämmleins,
Lämmchens. Jhesu Christi, wie Petrus sagt, j. cap. j.Vgl. I Petr
1,18f. Wer das bluet ergreifft vnd seinen trost lest sein in Christo
Jhesu, der ergreifft die erloͤsung, in der wir gerecht werden. Wer des bluts vergist
oder feilet, der hat an dem gnadenstuel, an der gerechtigkeit Gottes, damit er vns
gerecht machet, gantz vnd gar keinen theil.
Sihe nu, wer lust zu lesen hat vnd wil nicht mutwilliglichen die augen zudrucken, dem scheinet hie die liebe Sonne, das schoͤne liecht der warheit, gar hel vnd klar. Vnd vernimpstu fein, das die spruͤch vom bluet, leiden vnd sterben Christi so gantz vnd gar zu der Rechtfertigung gehoͤren, das
auch ausser dem einigen schatz vor Gott keine rechtfertigung ist, sintemal kein erloͤsung ist (durch die wir gerecht werden), wo nicht ist das koͤstbarliche bluet Christi Jhesu, vnsers Herren. Jn dem sint wir erloͤset, in dem sint wir auch gerechtfertiget also das kein vnderscheid darunter ist. Allein das dort Christus das werck gethan vnd den schatz einmal
zusamengetragen hat in seiner person, da er den tod auff erden gelitten vnd am dritten tage widerumb aufferstanden ist; hie aber wirt nichts anders denn dasselbige vnser Gerechtigkeit vnd auch vnser erloͤsung in der person Christi, das wir dardurch vnschuldig von den suͤnden, von der gewalt vnd macht des Teufels vnd ewigen todes frey werden, wenn wir jen durch den
glauben annehmen im wort vnd Sacrament. Wollen aber daruon noch mehr spruͤch vnd argumenta sehen, auff das wir vnsers glaubens fein gewis sein, nicht aus treumen menschlicher vernunfft, sondern klarer, heller spruch aus Gottes wort.
Zu den Roͤmern am 4. sagt Paulus also: Das ist aber nicht geschrieben
allein vmb seinet (Abrahams) willen, das jm zugerechnet ist, sondern auch vmb vnsert willen, welchen es sol zugerechnet werden, so wir gleuben an den, der vnsern Herrn Jhesum aufferwecket hat von den todten. Welcher ist vmb vnser suͤnde willen dahingegeben vnd vmb vnser gerechtigkeit willen aufferwecket.Röm 4,23–25.
Mit diesen worten schleust er auff das schoͤne exempel der beidersic. Ertzveter Abrahae vnd Dauids, so er aus dem alten Testament furgezogen vnd darbey probirt, das seine lere vom glauben nicht new, sondern der alte glaube vnd lere sey aller Ertzveter, wie Petrus auch Actorum 10 vnd 15.Vgl. Act 10,43; 15,11(Petrus mit Bezug auf Heidenchristen, könnte auch auf Väter bezogen werden).15–18 (Meinungsäußerung des Jakobus). Vnd macht Paulus darauff die gemeine lere, das vns Gott keiner andern weise werde se
lig machen vnd gerecht, denn wie er Abraham gerechtfertiget hat, nemlich durch den glauben. Beschreibet darbey kuͤrtzlich widerumb, worauff der glauben sol gerichtet sein, das er nirgent hinsehe in diesem handel denn allein auff den fromen Gott, an denselbigen gleube, der den Gottlosen gerecht macht, wie er droben cap. 3 gesagt. Ja, sprichstu, gleuben doch die Juden, Tuͤrcken
vnd Heiden auch an Gott; da leret nu Paulus, worauff der rechte Christliche glaube in Gott sehen vnd wie er den lieben Gott in dem handel der rechtfertigung fassen sol, nemlichen in diesem inuolucroHülle, Verhüllung. Vgl. Art. involucrum II), in: Georges II, 436[b]. vnd geheimnis, das er vnsern lieben Herren Jhesum Christum von den todten aufferwecket hat, das wir in diesem handel nicht gehnenbegierig (und mit offenem Munde) blicken, sehnend verlangen. Vgl. Art. gähnen II.3), in: DWb 4, 1150. Gähnen und gaffen öfters redensartlich verbunden. vnd gaffenerwartungsvoll, gierig (oder sorgenvoll) blicken. Vgl. Art. gaffen II.5.a), in: DWb 4, 1139f. sollen in die selbwesende
Gottheit, Sondern in das werck, das Gott seinen Son gegeben in diese welt, wie der heilige Lutherus so hertzlich vleissig auch vermanet vber die Epistel zu den Galat., vber die wort Pauli Gnad sey mit euch vnd friede von Gott, vnserm Vater, vnd dem Herren Jhesu Christo,Vgl. Luther, WA 40I, 76,13–23: Papa, Turcae, Iudaei et omnes sectarii hunc canonem non observant, sed removentes ex oculis Christum Mediatorem de solo Deo loquuntur, coram ipso orant, vivunt et agunt omnia, Ut monachus cogitat: haec opera quae facio, placent Deo, Ista vota mea respiciet Deus et propter ea me salvabit. Sic Turca: Si sic vixero, si sic lavero, acceptabit me Deus et vitam aeternam dabit. Sic Iudaeus: si servavero Legem Moisi habebo Deum propitium, et salvus ero. Sic homines hodie phanatici iactantes spiritum, visiones et nescio quae alia, ambulant in mirabilibus super se. Hi, quia novi Monachi sunt, novam crucem et nova opera excogitant et propter illa se Deo placere putant. In summa: quotquot ignorant articulum iustificationis, tollunt e medio Christum Propitiatorem. (Großer Galaterkommentar, 1535, zu Gal 1,3). vnd vber den ersten vers des 51. Psalmen.Vgl. Luther, WA 40II, 329,26–35: Quare nemo intelligat Davidem loqui cum Deo absoluto, sed loquitur cum Deo vestito et induto verbo et promissionibus suis, ne excludatur a nomine Dei Christus, de quo a Deo est facta promissio ad Adamum et alios Patriarchas. Hunc Deum non nudum, sed vestitum et revelatum verbo suo necesse est nos apprehendere, alioqui certa desperatio nos opprimet. Et est perpetuo faciendum hoc discrimen inter Prophetas loquentes cum Deo et gentes. Gentes enim loquuntur cum Deo extra verbum et promissiones, secundum cogitationes cordis sui, Prophetae autem loquuntur cum Deo induto et revelato promissionibus et verbo suo. (Enarratio Psalmi LI, 1538, zu V. 3).
Lieber, warumb sollen wir denn mit dem vertrawen vnsers hertzen in dem handel der Rechtfertigung dahin sehen? Daran ist gelegen, sagt Paulus, denn gedenck von vergebung der suͤnden oder gerechtigkeit vnd vnschuld vor Gott, was du wilt, so wirstu sie ausser der menschwerdung Christi, des ewigen Gottes Son, nu vnd nimmermehr nicht finden. Denn das wir der suͤn
den los werden, geschicht in dem tod Christi, das wir gerecht vnschuldig vnd ewig selig werden, geschichtaus: geschickt. in seiner aufferstehung, so mussen sie gewislich wider vorgebung der suͤnden noch gerechtigkeit vor Gott haben, welche die menschwerdung Christi in dem handel der rechtfertigung ausschliessen, wirst auch deiner suͤnd nu vnd nimmermehr los, viel weniger gerecht vnd
ewig selig vor Gott, der du jres glaubens genossen bist. Denn las sie ruffen vnd ein new geschrey hie anrichten, wie sie koͤnnen: Hey ja, Paulus macht hie einen vnderscheid zwischen vorgebung der suͤnden vnd vnser gerechtigkeit, das hilfft sie gantz vnd gar nichts. Darauff steht der handel, das wir nicht allein erloͤsung oder vergebung der suͤnden haben aus dem bluet
Christi vnd seiner menschwerdung, sondern auch Gerechtigkeit. Vnd wil Paulus, das wir beides nirgent anderswo suchen vor Gott denn in dem tod vnd aufferstehung Christi; darein teilet ers alhie, wie du hoͤrest, vnd giebet wider vorgebung der suͤnden noch gerechtigkeit vns, sie gehoͤren beide dem fromen Gott in der person, die war Gott vnd mensch, in dem sie stirbet vnd
am dritten tage widerumb aufferstehet, das merck.
Gleichwol, sprichstu, wil ein vnderscheid werden aus diesen worten vnter der Erloͤsung vnd Rechtfertigung, dieweil Paulus, der heilige Apostel, die erloͤsung nicht der aufferstehung, sondern dem tod, vnd widerumb die gerechtigkeit nicht dem tod, sondern der aufferstehung Christi Jhesu giebet. Antwort:
So wenig wir durch den tod Christi erloͤset weren, wenn er nicht aufferstanden, Also wenig weren wir gerecht durch seine aufferstehung, wenn er nicht gestorben, seinen schweis fur vns gelassen het, vnd bleibt darumb vnser erloͤsung der tod Christi, in dem er gesieget durch die aufferstehung, Vnd die Gerechtigkeit im selbigen tod vnd aufferstehung, welche in der person Christi
nicht zu trennen noch zu scheiden. Darumb auch Paulus Gal. 2 die gerechtigkeit dem tod Christi zuschreibet, da ers gegen einander setzt, aus dem Gesetz gerecht werden oder durch den tod Christi, vnd spricht: So durch das Gesetz die gerechtigkeit komet, so ist Christus vergeblich gestorben.Gal 2,21.
So setzet es Christus selber auch zusamen vnd heist vnsere gerechtigkeit,
derhalben der heilige Geist mit dieser verdampten welt wirt zu hadern haben, den ganck zum Vater,Vgl. Joh 16,28. das ist, das er leidet,Nach Corrigendaliste, aus: leider. stirbet vnd am dritten tage widerumb aufferstehet; daruon hernacher mehr.
Also gibts Johannes auch dem bluet Christi, 1. cap. 1, da er spricht: das bluet Jhesu Christi, seines Sons, macht vns rein von allen suͤnden.Vgl. I Joh 1,7. Machts vns
rein von allen suͤnden, so seint wir freilich recht rein vnd gerecht, denn rein sein eigentlichen mus auch gerecht sein, sonst wo keine gerechtigkeit ist, kan man vor Gott nicht rein sein.
Es hats aber der heilige Apostel freilich darumb also geteilet, das er wil anzeigen, nicht allein was wir hie in diesem leben haben in Christo, da ist
vnsere gerechtigkeit nichts anders denn vorgebung der suͤnden, wie wir hernacher beweisen wollen, sondern was wir auch nach diesem leben aus seinem tod vnd aufferstehung behalten werden, wenn er vns nu auch widerumb wirt aufferwecken. Denn dieweil er durch seine aufferstehung in ein ander vnd newes leben getretten ist, wil er anzeigen, das wir durch vnsere rechtfertigung
nicht allein hie vergebung der suͤnden haben, sondern damit jm auch folgen werden in seines vaters haus, wie ers nennet Joha. 14,Vgl. Joh 14,2. da wir mit werden in ewiger vnschult vnd gerechtigkeit selig sein, ausser aller suͤnd vnd tod.
Vnd bleibt also vnser handel noch fest, das wir lesen in klarer heller schrifft, welches die schwermer leugnen, nemlich das vnser gerechtigkeit ist das leiden,
sterben vnd bludvergissen nicht des, der im tode werwäre. geblieben, sondern widerumb aufferstanden vnd also zum vater gegangen.
Also schreibet Paulus ferner zu den Roͤm. 5: Gott preiset seine liebe gegen vns, das Christus fur vns gestorben ist, da wir noch suͤnder waren, so werden wir je viel mehr durch jn behalten werden fur dem zorn, nachdem wir itzt
durch sein bluet gerecht worden sint.Vgl. Röm 5,8f.
Mit diesen worten wil Paulus den trost fest machen, das wir nicht zagen, noch kleinmuͤtig werden in truͤbseligkeit, sondern in vngezweifelter, stetiger hoffnung vns zu dem fromen Gott alles guts reichlich versehen;von ihm alles Gute erwarten. Vgl. Art. versehen I.9.c), in: DWb 25, 1250f. diese hoffnung kan vnd mus vns darumb nu vnd nimmermehr feilen, denn es ist
kein schlechter wahn, den wir vns selbst gemacht het-ten, Sondern der heilige Geist macht vnsere hertz gewis, dieweil er darinnen ausgeustausgießt. die grosse, bruͤnstigebrennende, heiße. Vgl. Art. brünstig [I], in: DWb 2, 439f. liebe Gottes gegen vns in dem schonen bild, das er seinen geliebten Son dahingibet, da wirs nicht allein nicht verdienet haben, sondern auch seine feinde waren. Hat vns nu Gott dort mit solchen gnaden
bedacht, O so kan es vns nu nicht feilen, viel weniger wirt er vns nu verlassen, nachdem wir nicht mehr feinde, sondern frome, geliebte kinder worden sind. Wie denn? Wie wirt man Gottes freund? Ohne zweifel die suͤnd mus hinweck vnd mussen wir gerecht sein, denn die suͤnde ist die feindschafft, so vns zu beidem theil scheidet, wie droben aus dem Propheten
Jsaia gehort. Wie wirt man nu, lieber Paule, gerecht? Jn seinem blud oder durch sein blud, spricht er.
Vnd bald hernacher im selbigen capitel helt er Adam vnd Christum gegen einander vnd saget, Adam sey ein bilde Christi. Wie da? Also spricht er: Wie durch eines suͤnde die verdamnus vber alle menschen komen ist, Also ist
auch durch eines gerechtigkeit die rechtfertigung des lebens vber alle menschen komen. Denn gleich wie durch eines menschen vngehorsam viel suͤnder worden sint, Also auch durch eines gehorsam werden viel gerecht.Röm 5,18f.
Was kan auff erden bescheidlicher vnd verstentlicher geredt werden? Lieber,
woher kompt die suͤnde, damit wir alzumael verdampt werden auff erden? Durch die suͤnde des einigen menschen Adae, spricht Paulus. Woher kompt die Rechtfergung, daher wir werden gerecht gemacht zum ewigen leben? Durch die gerechtigkeit eines menschen, Christi Jhesu, vnsers Herren. Denn also redet die schrifft vnd Paulus: Der Sahmen des weibes, der Sahmen
Abrahae,Vgl. Gen 3,15; Gal 3,16. vnd in diesem capittel kurtz zuuor: der einige mensch in gnaden.Röm 5,15.
Lieber, fragstu weiter: was ist die suͤnde Adae, dardurch wir zur suͤnde vnd ewigen verdamnis komen? Es ist sein vngehorsam, sagt Paulus alhie,Vgl. Röm 5,19. wie es die Historia auch weiset Gen. 3, daruon droben in vnserm bekentnis. Was
ist denn die gerechtigkeit Christi, dardurch wir gerecht werden zum ewigen leben? Es ist sein gehorsam, spricht der heilige Paulus. Was ist denn der gehorsam? Der ists, das er, der ewige Gottes Son, gleicher natur vnd Maiestet mit dem Vater vnd heiligen Geist, sich demuͤtiget vnd in reiner natur aus wirckung des heiligen Geistes ein recht natuͤrlicher mensch wirt, darinnen er
dem willen des Vaters allen gehorsam leistet vnter dem Gesetz vnd in aller vnschuld, rein vnd gerecht, dennoch den tod vnd allen jamer willig duldet vnd leidet bis in den tod des Creutzes, auff das er damit vnser suͤnde an seinem leibe bezalet vnd in solchen seinem schmertzlichen tod vnd seinen wunden vns heilete, wie die gantze Bibel den gehorsam weitleufftig ferner
auslegt, das ist die gerechtigkeit vnd der gehorsam Christi, dardurch wir auch gerecht werden, nemlich sein erloͤsung, wie ers capi. 3,Vgl. Röm 3,24. Sein tod vnd auff-erstehen, cap. 4,Vgl. Röm 4,25. vnd sein blud, cap. 5,Vgl. Röm 5,9. geheissen hat. Das du fein sihest, wie jmmer der heilige Paulus bey einer meinung bleibet, ob ers wol mit mancherley worten redet.
Vnd ist vns nu das ein hertzlicher trost, wie der heilige Lutherus am rande vber diese wort auch heraus gezeichnet,Vgl. die Randglossen in der Biblia Germanica von 1545 (Volz II, 2277) zu Röm 5,14: (Bilde) Wie Adam vns mit frembder sünde / on vnser schuld verderbet hat. Also hat vns Christus mit frembder Gnade / on vnser verdienst / selig gemacht. – Zu Röm 5,18: Wie Adams sünde vnser eigen worden ist. Also ist Christus gerechtigkeit vnser eigen worden. das wir wissen, wie wir in Adam den gehorsam des gesetzes vorloren haben, das wir nicht koͤnnen denselbigen leisten volkoͤmlich, denn vnser natur ist abgewant, wie droben genungsam bewiesen.Vgl. oben Bl. B 3v (S. 540f). Also haben wir widerumb den gehorsam des gesetz (welches sol
vnd mus erfuͤllet vnd gehalten werden, Math. 5, Luc. 16)Vgl. Mt 5,17–19; Lk 16,17. erlanget vnd vberkomenerreicht, erlangt, bekommen, erhalten. Vgl. Art. überkommen I.A.3.b.δ), in: DWb 23, 346f. in Christo Jhesu, daraus wir dem Gesetz antworten vnd die gerechtigkeit, von demselbigen erfordert, leisten vnd geben koͤnnen, dieweil wir in Christo Jhesu sind vnd erfunden werden, Rom. 8, Phil. 3, Col. 2.Vgl. Röm 8,1; Phil 3,9; Kol 2,6f. Des seine Gerechtigkeit, nemlich dieser demuͤtige gehorsam, ist nu vnser
eigen, dieweil er vns durch den glauben wirt zugerechnet, wie Adams suͤnd vnser eigen ist vnd widerumb vnser suͤnde Christi ist, per imputationem, Jsa. 53, Johan 1.Vgl. Jes 53,4f; Joh 1,29. Vnd wie Adam vns mit frembder suͤnde seines vngehorsams anohne. vnser schuld hat verderbet (denn da er durch den vngehorsam felt, ist noch vnser keiner gewesen),Vgl. Röm 5,14. also hat vns Christus mit froͤmbder gnad vnd
gerechtigkeit seines gehorsams an vnser verdinst selig vnd gerecht gemacht. Allein das vns die suͤnd in der natur von Adam her gefolget vnd angeboren ist von arth, diese gnad vnd gerechtigkeit aber empfahen wir in Christo Jhesu als eine gabe, vns nu durch die geistliche widergeburt geschenckt, im glauben vnd hoffnung angenomen, bis solang das sterbliche das vnsterbliche
wirt anziehen, 1. Cor. 5;Vgl. I Kor 15,53; II Kor 5,4. als denn wollen wir sampt allen auserwelten, auch in vnser natur widerumb recht mit der that rein, den lieben Engeln als die lieben Gottes kinderchin gleich sein in ewiger freud vnd seligkeit, Luc. 20.Vgl. Lk 20,36. Amen.
Vnter des sind wir auch rein an alle mackel, Eph. 5,Vgl. Eph 5,27. vnd in summa alle ge
rechtigkeit Gottes, die er von vns fordern vnd begeren kan, ja in Christo, der fur vns die suͤnde worden ist, wie Paulus sagt 2 Cor. 5,Vgl. II Kor 5,21. das ist in diesem gehorsam, darinnen er in aller vnschuld das vnschuldige opffer wirt nach dem willen Gottes, seines himlischen Vaters, fur alle suͤnd der gantzen welt. Vnd widerumb sint wir grosse suͤnder ja in vns selbst, die wir teglich bitten vmb
vergebung der suͤnden, Math. 6, Psal. 32.Vgl. Mt 6,12; Ps 32,5. Denn wir wallenwandeln, gehen, leben, bewegen uns. Vgl. Art. wallen II 1.e), in: DWb 27, 1290. vnd wandern noch im fleisch, das feiretruht, hört auf. Vgl. Art. feiern 2), in: DWb 3, 1436f. nicht, ruet nicht, sondern geluͤstetbegehrt auf (mit Präposition: wider = gegen), vgl. Art. gelusten 1.e), in: DWb 5, 3115. wider den Geist, das wir nicht koͤnnen thuen, das wir doch hertzlich wuͤnschen, Rom. 7, Gal. 5.Vgl. Röm 7,18f; Gal 5,17. Doch mussen wir auch anfahen durch den Geist, dem fleisch widerstehen, dasselbige dempffen, Creutzigen vnd
wuͤrgen,abtöten. Vgl. Art. würgen I.B.2.e), in: DWb 30, 2204. damit wir im Gesetz Christi bleiben, 1. Cor. 9;Vgl. I Kor 9,21. daruon an einem andern orth.
Es laufft vns ein wenig weit,Unsere Darlegungen geraten ziemlich ausführlich. das macht, wir wolten gern, wie wir ampts halben zu thun schuldig vnd von hertzen bereit sint, den armen vnd betruͤbten gewissen zu trost den handel vnserer rechtfertigung auff das aller
liechstelichteste, hellste, deutlichste. vnd klereste machen, Damit sie sehen kuͤnten aus klarer, heller schrifft, wer vns gerecht mache vnd was die gerechtigkeit sey, dardurch wir gerecht werden, Nemlich nichts anders denn der gehorsam, das ist der tod, blutige schweis vnd auffersteung vnsers lieben Herren Jhesu Christi, wie wir das in den angezognen spruͤchen genugsam gesehen.
Je, sprichstu, wie kommet es denn, das der herr Osiander, der primariusOsiander war als Professor primarius an die theologische Fakultät der Universität Königsberg berufen worden bzw. beanspruchte diesen Titel und Rang. vnd newe reformator der Kirchen, das nicht auch gelesen? Antwort: Die Juden lasen vnd lesen noch heut zu tag die Bibel teglich, die doch ein Buch ist von Jhesu Christo, wie Christus sagt, Johan. 5.Vgl. Joh 5,39. NochDennoch. kunten sie jn darinnen nicht finden, Johan. 12.Vgl. Joh 12,34.37–39.48. Arrius war vber die massen gelert darinnen,
noch kunt er nicht finden, das Christus mit Gott dem Vater einer natur, in gleicher Maiestet mit jm ein Gott were. Die SacramentarijAnhänger der reformierten Abendmahlslehre. singen, tichten, reden vnd handeln die wort das ist mein leib etc. teglichen, noch kuͤnten sie nicht finden, das der ware leib Christi im Sacrament sey; wie gehets doch immermehrnur (in der verwunderten, zweifelnden Frage). Vgl. Art. immermehr 3.b), in: DWb 10, 2077. zu? Jch wil dirs sagen, spricht der heilige Paulus 1. Cor. 3: die
weisen haschetfängt. Vgl. Art. haschen 2) u. 3), in: DWb 10, 524f. er in jrer klugheit,I Kor 3,19; Hiob 5,13. vnd 1. Pet. 5: den demuͤtigen gibt er gnad.I Petr 5,5.
Aber hie engstiget sich Osiander vnd schwitzet vber diesem klaren Text vber die massen sehr, erbeitmüht sich ab, strengt sich an. Vgl. Art. arbeiten 1), in: Fnhd. Wb. 2, 39f. vnd lests jm sawr werden, damit er sich jrer mocht erweren. Niemet diese wort vmb vnser gerechtigkeit willen aufferstanden.Vgl. Röm 4,25.
Jtem durch die erloͤsung durch sein blud, durch sein gehorsam, vnd schleust also: Christus ist vmb vnser gerechtigkeit willen aufferstanden, Darumb mus die gerechtigkeit etwas anders sein denn die aufferweckung. Schilt vns vbel, als hetten wir solches nicht gesehen, bis der grosse meister von sieben sinnen,Ironische Bezeichnung für einen hervorragenden Universitätslehrer, nach Art der Beinamen für scholastischen Größen wie etwa Doctor mellifluus = Bernhard von Clairvaux, Magister sententiarum = Petrus Lombardus u. dgl.; hier wäre bes. der Mystiker Meister Eckart zu erwähnen mit dem Beinamen Meister von hohen Sinnen. Sieben Sinne weisen auf besondere übersinnliche Fähigkeiten, weil die menschliche Normalausstattung fünf Sinne umfasst, der siebte Sinn befähigt zu besonderen Erkenntnissen etwa bzgl. der Zukunft; sieben Sinne können auch scherzhaft auf Sinnesverwirrung weisen. Außerdem kann der Ausdruck für die sieben freien Künste verwendet werden, so dass die Wendung als Magister artium zu verstehen wäre, doch spricht der vorliegende Zusammenhang für ironischen Gebrauch. Vgl. Art. Sinn m. II.18.h.γ) u. δ), in: DWb 16, 1143; Art. Sinn m. 21.a), in: DWb 16, 1146. – Vgl. a. Etlicher Jungen Pre= || diger zu Nuͤrnberg verantwor= || tung gegen der anklag Andreae Osiandri /so || newlich im druck widder sie ist aus= || gangen. (VD 16 R 3325), wo es gleich zu Beginn heißt: Es hat Osiander (der sich jtzt Primarium professorem Theologiae nennet / der Meister von hohen Sinnen) newlich ein gedruckte schrifft lassen ausgehen (aaO Bl. A2r). das newe liecht der welt, in der alten Latern
auffgegangen,Ironisch/sarkastisch: Osiander, die alte Laterne, sieht sich als neuen Christus, vgl. Joh 8,12. das vns solches gewiesen. Setzet nachmals auch eine treffliche auslegung vnd geschwindeverschlagene, listige, schlaue. Vgl. Art. geschwind 9), in: DWb 5, 3997. glosErläuterung, Deutung. Vgl. Art. Glosse 1.c), in: DWb 8, 211f. vber den Text, der jn herter brennetder ihn heftiger quält, ihm größere Probleme bereitet. denn hellisch feur, Rom. 5, Nach dem wir durch sein blud gerecht worden sint etc.Röm 5,9. Das kan man also verstehen, spricht er, als wenn man sagt: der ist Doctor worden durchs gelt. Es folget aber nicht, das darumb das
gelt die Doctoreydas Doktorat. sey; wir muͤsten sonst bekennen, das, die das gelt empfangen, die hetten auch die Doctorey, vnd der das gelt het ausgegeben, der hette keine Doctorey, sondern nur einen lehren beutel.Vgl. Osiander, Von dem einigen Mittler, Bl. V1a (OGA 10, 254,8–12). haec ille.
Wo bleibt jr nu, jr armen Theologi vnd Wittenbergischen Doctores mit ewer Doctorey? Jch mein ja, der meister kunt euch recht vmbschmiden vnd die
Gramaticam leren, die jr ewr lebenlang noch nie gehoͤret. Vnd ist warlich war, wir hetten es vns nicht treumen lassen, viel weniger in einem pauren gesucht, das es so schleunig vnd frey volgete: Man kan sagen, darumb sol man sagen; das kan man also verstehen, darumb sol vnd mus mans also verstehen. Eine frome fraw kan eine schelckinSpitzbübin, Schurkin. Vgl. Art. Schälkin 2), in: DWb 14, 2081. werden, darumb ist sie eine schelkin.
Osiander kan aus einem gelerten man ein schwermer werden, darumb ist er ein schwermer, vnd so fortan, a potest, ad debet et existit.
Wolan, wir bekennen vnser einfalt in Christo Jhesu, 2. Cor. 11,Vgl. II Kor 11,3. vnd wissen von vns nichts zu ruͤhmen, denn das wir in der schuel Christi noch kleine kinderchin sint, wie er von vns allen haben wil, Matthei am 18.Vgl. Mt 18,3. Aber dar
fur sol vns der liebe, fro-me Gott die zeit vnsers lebens ja mit gnaden behuͤten, das wir so grob, so vnbesonnen, so vnuerschempt in diesem hoͤchsten handel herausser fahrenherausfahren = uns (unbedacht und ungehemmt) äußern. Vgl. Art. heraus(fahren) 2), in: DWb 10, 1031. solten vnd die helle klare schrifft mit solchem mutwillen verkehren. Wir wissen, diese sache, die wir handeln, ist Gottes; daran leit nicht das vorterben eines Keiserthumbs, sondern jm seine
ehr vnd den armen seelchin, der so viel tausent tausent vnd mit dem koͤstbarlichen tewren blut Christi erkaufft sint, jr zeitliche vnd ewige wolfart. Derhalben auch Gott nicht allein sihet, was wir darinnen thun, sondern erforschet auch vnserer hertzen gedancken vnd wirt sie ane zweifel richten zu seiner zeit vor dem angesicht seiner lieben Engelchin vnd aller ausserwelten.
Jst vns auch bereit das vrteil insinuirtzugestellt, ausgehändigt, verkündet. Vgl. Art. insinuieren, in: DRW online (https://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drw-cgi/zeige?index=lemmata&term=insinuieren) (zuletzt besucht 03.11.2022). vnd verkuͤndiget, 1. Cor. 3: So jemandes den Tempel Gottes verterben wirt, den wirt Gott verterbenI Kor 3,17. vnd Gal. 5: wer euch jrr macht, der wirt sein vrteil tragen, er sey auch, wer er wolle.Gal 5,10.
Damit wir aber kuͤrtzlich vom handel kommen,Damit wir die Angelegenheit schnell zum Abschluss bringen so lassen wir erstlich alhie
Osiandrum jm selbst antworten vnd sich berichten;sich belehren, sich berichtigen. der hat droben selbst also geschlossen vnd bekant, ists auch in seinem gewissen ane zweifel vberfuret vnd vberwiesen: dieweil die schrifft dem blud vnd sterben Christi gibet,zuschreibt. das wir damit erkaufft, dardurch erloͤset, versoͤhnet vnd mit dem selbigen fur vnsere suͤnde sey genug gethan, Derhalben sey solcher gehor
sam selbst vnser erloͤsung. Des, sagen wir, wol er sich selbst erinnern vnd zusehen, wie er sich in die zungen beist.
Denn gilt diese meinung vnd ist dieser verstand recht: wier sint durch das blud Christi erloͤset, darumb ist das blud Christi vnser erloͤsung (wie den kein zweifel), wolan, so gilt auch das: durch die erloͤsung vnd das blud
Christi sind wir gerecht. Darumb ist die erloͤsung vnd das blud vnser Gerechtigkeit.
Zum andern, so kan er nicht leugnen, das im spruch Ro. 4Vgl. Röm 4,25. heist vmb der suͤnde willen dahinNach Corrigendaliste, aus: gahin. gegeben sein nicht, das der tod Christi allein ein verdinst were, damit vns solch erloͤsung oder vergebung der suͤnden als ein
ander dingk were erworben, Sondern in seinem tod vnd blud haben wir zu gleich die erloͤsung vnd vergebung der suͤnden, Col. 1,Vgl. Kol 1,14. Also das dasselbige blud vns reiniget, 1. Johan. 1.Vgl. I Joh 1,7.
Die weil aber Paulus flucks darauff auch saget, Christus sey vmb vnser Gerechtigkeit willen widerumb aufferstanden,Vgl. Röm 4,25. so schlissen wir, wie Osiander
selbst, Nach dem die wort in einerley handel gesprochen, werden auch billich auff einerley weise vnd art verstanden, Das eben also vmb vnser Gerechtigkeit willen aufferstanden sein heist nichts anderst, denn das wir in der aufferstehung Christi gerecht sind. Vnd das solche glos nicht ein frembder gedancken sey des fleischs, so feldtfällt (uns zu) = pflichtet uns bei. vns Christus selbert darinnen starck vnd ge
waltiglich zu vnd saget Johan. 16, Das sey die Christliche gerechtigkeit des glaubens, derhalben der heilige Geist mit der welt werde zu thun haben, das er zum Vater gehet.Vgl. Joh 16,10. Das ist, wie Osiander selbst bekennet vnd bekennen mus, das er leidet, stirbet vnd am dritten tag widerumb aufferstehet. Jst vnser glos falsch, so ist Christus falsch mit seiner predig, stehet sein wort, wie es
stehet vnd stehen wird wider alle pforten der hellen, so stehet diese vnsere meinung vnd ist vnuͤberwintlichen war: vmb vnserer Gerechtigkeitaus: Rerechtigkeit. willen ist Christus aufferstanden, auff das vnser Gerechtigkeit sey sein aufferstehung vnd ganck zum Vater.
Zum dritten: Wenn es kunst vnd wir Epicurer weren, die kein gewissen het
ten, so wolten wir auch dermassen mit der schrifft leichtfertig alfenzengaukeln, Unfug treiben. Vgl. Art. alfänzen, in: DWb 1, 205; Art. alefanzen, in: DWb 1, 767. vnd volgern wie er: Wir sind versoͤnet durch Christum, Rom. 5.Vgl. Röm 5,10. Darumb ist er nicht vnsere versoͤnung. Jtem: Er hat vns die erloͤsung erworben, Ebre. 9.Vgl. Hebr 9,12. Darumb ist er nicht vnser erloͤsung. Jtem: Christus hat vns geheiliget durch sein blud, Ebre. 13.Vgl. Hebr 13,12. Darumb ist er nicht vnser heiligung; vnd also fort an.
Alle dinck sind durch Christum geschaffen, Johan. 1.Vgl. Joh 1,3. Darumb ist er nicht der schoͤpffer etc. Aber wir fuͤrchten Gott, in des hende zu fallen schrecklich ist,Vgl. Hebr 10,31. vnd schlissen derhalben mit der schrifft einfeltig, aber gewaltig also: Eben darumb, das wir durch Christum erloͤset sind in seinem blud, Acto. 20, 1 Pet. 1,Vgl. Act 20,28; I Petr 1,18f. Jst Christus vnser erloͤsung, 1 Cor. 1.Vgl. I Kor 1,30. Eben
darumb, das wir gerechtfertiget werden durch die erloͤsung, Rom. 3,Vgl. Röm 3,24. in seinem blud vnd gehorsam, Rom. 4 vnd 5,Vgl. Röm 3,25; 5,19. Jst er vnser Gerechtigkeit, 1 Cor. 1. vnd Jere. 23 vnd 33Vgl. I Kor 1,30; Jer 23,6; 33,16. Oder sein ganck zum Vater ist die gerechtigkeit, Johan 16.Vgl. Joh 16,10. Eben darumb, das er vns nahe, vnd friede gemacht hat durch sich selbst in seinem blud, Eph. 2,Vgl. Eph 2,17. am Creutz, Col. 2,Vgl. Kol 2,14. Jst er
vnser fried, Ephe. 2.Vgl. Eph 2,14. Eben darumb, das er vns versoͤnet hat durch seinen tod, Rom. 5,Vgl. Röm 5,10. mit dem leibe seines fleisches durch den tod, Col. 1,Vgl. Kol 1,22. Durch das Creutz, Ephe. 2,Vgl. Eph 2,16. haben darzu durch jn die versoͤnung empfangen, Rom. 5,Vgl. Röm 5,11. Jst er vnser versoͤnung, 1. Johan. 2.Vgl. I Joh 2,2. Eben darumb, das er vns ge-heiliget mit seinem opffer, Ebre. 10,Vgl. Hebr 10,14. in seinem blud, Ebre. 13,Vgl. Hebr 13,12.
Jst er vnser heiligung, 1 Cor. 1.Vgl. I Kor 1,30. Eben darumb, das wir one Christo Gott nicht kennen – wie er sagt Math. 11: Niemants kennet den Vater denn allein der Son vnd wem es der Son wil offenbaren.Mt 11,27. – Vnd wir aus solcher offenbarung nichts wissen denn Christum, den gecreuzigten, 1. Cor. 1 vnd 2,Vgl. I Kor 1,23; 2,2. Jst er vnser weisheit, Auff das, wer sich ruͤmet, sich Gottes ruͤme,Vgl. I Kor 1,31; II Kor 10,17; Jer 9,22f.
nicht das er vnser gerechtigkeit, weisheit, heiligung oder erloͤsung sey in seiner Goͤttlichen natur, Sondern das vns Christus von Gott gemacht ist zur weisheit, Gerechtigkeit etc. Wie denn? das zeugen die klaren, hellen spruͤche, droben angezogen.
Vnd ist dennoch klar, was der heilige Apostel damit meinet, wenn er saget,
durch die erloͤsung, durch sein blud, durch Christum etc., nemlich das ers alhie nicht allein heist ein verdienst eines andern dinges, Sondern zugleich rem ipsam. Vnd ist jm eins: an Christo haben wir die erloͤsung, Col. 1.Vgl. Kol 1,14. Er hat vns erloͤset, Acto. 20.Vgl. Act 20,28. Er hat vns die erloͤsung erworben, Ebre. 9.Vgl. Hebr 9,12. Er ist vnser erloͤsung, 1. Cor. 1.Vgl. I Kor 1,30. Jtem: Er hat vns versuͤnet mit dem leibe seines
fleisches, Col. 1.Vgl. Kol 1,22. Wir sind durch seinen tod versuͤnet, Rom. 5.Vgl. Röm 5,10. Er ist vnser versoͤnung, 1. Johan. 2.Vgl. I Joh 2,2. Durch jn haben wir die versoͤnung empfangen, Rom. 5.Vgl. Röm 5,11. Jtem: wir sind gerecht durch die erloͤsung, Rom. 3.Vgl. Röm 3,24. Wir sind gerecht in seinem blud, Romanorum 5.Vgl. Röm 5,9. Er ist vnser gerechtigkeit, 1. Corinth. 1.Vgl. I Kor 1,30. Sein leiden vnd sterben oder ganck zum Vater ist vnser
gerechtigkeit, Johan. 16.Vgl. Joh 16,10.
Das sey dismal auff das erste stuͤck vnd die eiserne maurenVgl. Jer 1,18f; 15,20; Ez 4,3. Osiandri genug, darauff der gantze handel stehet, nemlich das er wil die spruͤch von dem leiden vnd sterben Christi allein auff die erloͤsung ziehenbeziehen. vnd keines weges zu der Rechtfertigung gelten lassen,aus: lasse. fuͤlet aber ane
zweifel wol in seinem gewissen, wie jm die schrifft darinnen zufelt.wie (wenig) ihm darin die Schrift beipflichtet oder wie sich ihm die Schrift dabei verschließt. Darumb ist er so kalt, machts kurtz, nimpt einen zulauffAnlauf. Vgl. Art. Zulauf 1.a), in: DWb 32, 511f. vnd springt vber hin,vber hin = darüber hinweg. So doch an diesem stuͤck sein gantzer handel gelegen ist. Denn nachdem wir das erhalten aus klaren zeugnis der heiligen schrifft, das wir nicht allein durch den tod vnd aufferstehung Christi Jhesu erloͤset, sondern
eben durch diese erloͤsung auch gerecht sind, Vnd also dieser tod vnd aufferstehung in der person Christi vnser gerechtigkeit ist, so hilfft nu kein schreien, schreiben, ruffen, stoltziren,stolze Reden führen. Vgl. Art. stolzieren 1.c), in: DWb 19, 291f. pochen vnd trotzen, denn wenn gleich alle welt, alle Apostel vnd Engel darzu, darwider buͤcher schneieten,in großer Zahl erscheinen ließen. Vgl. Art. schneien II.3.c), in: DWb 15, 1283f. so stehen vnd bleiben wir doch darbey: Hie ist schrifft, hie
stehet der grund vnsers glaubens steiff vnd fest, trotz allen pforten der hellen, die darwider etwas auffbringen. PlaudernUnsinn reden. Vgl. Art. plaudern 1.a), in: DWb 13, 1929. vnd Geckenvorlaut schreien. Vgl. Art. gecken [II] 3), in: DWb 4, 1922f. moͤgen sie wol, aber suͤnd, schand, hohn vnd ewigen spot sollen sie darfur haben, wo sie nicht busse thun.
Vnd solt sich Osiander schemen in sein hertz hinein,in sein hertz hinein = zutiefst (schämen). das er, ein solcher
kuͤner alter held, von dem vor der zeit so viel geruͤmet worden, vnd wir jm (das weis Gott) nicht allein solchen seinen alten namen gern goͤnnen moͤchten, sondern solt vns ein hertzliche freud gewesen sein, wenn wir jm nur viel ehr mit gutem gewissen hetten erzeigen sollen, der sol Blattzählung original fälschlich: G ij. nu zu seinen alten tagen so jrr werden vnd sich den leidigen Teufel also effenäffen, narren.
vnd verfuͤren lassen, da sich die arme Christenheit seiner vor vielen andern troͤsten solt, Das er alle macht vnd vermuͤgen eben wider dasjenige keret vnd wendet, so der kirchen hertz vnd einigeseinziges, einzigartiges. leben ist. Denn was haben wir armen, ehlenden kinderchin, wenn wir den artickel der rechtfertigung verliesen?verlieren. Vgl. Art. verlieren 1), in: DWb 25, 794–796. Wo bleibt aber vnser rechtfertigung vnd gerechtigkeit, wenn es
nicht die erloͤsung, das blud vnd sterben Christi ist, sampt seiner aufferstehung nach der schrifft?
Darumb ists gewis, das vns Osiander mit seiner newen schwermerey den artickel der Rechtfertigung gantz vnd gar hinnimpt, sintemalda doch, weil, zumal. der tod Christi die gantze macht vnd entliche frucht ist des Christlichenaus: Christeichen. namens, wie Ter
tullianus sagt, lib. 3. aduersus Marcionem,Vgl. Tertullian, Adversus Marcionem 3, 8, 5: Totum Christiani nominis et pondus et fructus, mors Christi negatur, quando caro Christi negatur, quam tam impresse apostolus demandat, utique veram, summum eam fundamentum evangelii constituens et salutis nostrae et praedicationis suae. (PL 2, 332B). vnd Irenaeus,aus: Iręneus. lib. 5.: Durch das fleisch des Herren vnd sein blud sind wir selig worden.Vgl. Irenaeus, Adversus haereses 5, 14, 3: Et in omni autem epistola manifeste testificatur Apostolus quoniam per carnem Domini nostri et sanguinem eius nos salvati sumus. (FChr 8/5, 120,14–17) (PG 7/2, 1163A). Desgleichen Augustinus: Aller trost, spricht er, vnd sicherheit vnsers glaubens ist in dem blud Christi.Vgl. Ps.-Augustinus, Lib. Meditationum, cap. XIV: Omnis namque spes et totius fiduciae certitudo mihi est in pretioso sanguine ejus [scil. Christi]. (PL 40, 910). Jtem in Manuali cap. 22: Jn aller meiner widerwertigkeit find ich kein krefftiger ertzney denn die wunden Christi; in denselbigen
schlaff ich sicher vnd rweruhe. vnerschrocken. Dieweil Christus fur vns gestorben, so ist mir zum tod auff erden nichts also bitter, das der tod Christi nicht kuͤnte gelindern vnd heilen. Al mein hoffnung ist in dem tod meines Herren. Sein tod ist mein verdinst, mein zuflucht, mein heil, mein leben vnd mein Aufferstehung.Vgl. Ps.-Augustinus, Manuale, cap. XXII: In omnibus aduersitatibus non inueni tam efficax remedium, quam vulnera Christi; in illis dormio securus, et requiesco intrepidus. Christus mortuus est pro nobis. Nihil tam ad mortem amarum, quod morte Christi non sanetur. Tota spes mea est in morte Domini mei. Mors eius meritum meum, refugium meum, salus, vita, et resurrectio mea (zit. nach: D. AVRELII || AVGVSTINI || HIPPONENSIS EPISCOPI, || OPERVM TOMVS IX. || CONTINENS ILLIVS TRACTATVS: || HOC EST, || EXPOSITIONES AD POPVLVM || factas in nouum Testamentum, cum alijs || varij generis opusculis. || A Theologis aliquot Lovaniensibvs diligenter || emendatus ex collatione ms. codicum. || Qui etiam notha, seu falso beato Augustino inscripta, || in Appendicem retulerunt. || [Signet: reich (vor allem mit Lilienemblemen) verziertes, stark mit Kanonen bestücktes dreimastiges Kriegsschiff, das Land im Hintergrund beschriftet: LVTE || TIA] || PARISIIS. || – || M. D. LXXXVI. || CVM PRIVILEGIO., S. 388[Sp. b]C) (vgl. PL 40, 960f, dort cap. XXII–XXIII). Vnd cap. 22: Er hat seine arm an dem Creutz ausge
strackt, als der da bereit ist, die armen suͤnder freundlich zu vmbgeben. Zwischen den armen meines Heilands wil ich leben vnd sterben, alda wil ich mit froͤlicher sicherheit singen: Jch ruͤme dich, mein Herr, das du mich auffgenomen hast vnd meine feind nicht vber mir erfrewet etc.Vgl. Ps.-Augustinus, Manuale, cap. XXIII (2): Extendit brachia sua in cruce, et expandit manus suas paratus in amplexus peccatorum. Inter brachia Salvatoris mei et vivere volo, et mori cupio. Ibi securus decantabo: Exaltabo te, Domine; quoniam suscepisti me, nec delectasti inimicos meos super me [Ps 29,2 Vg = Ps 30,2]. (PL 40, 961). Vnd Lutherus in der kirchen Postil vber die Epistel ad Tim. 3. am Christag: in Chri
sti wunden wird die seele behalten.Vgl. Luther, WA 10I.1, 127,3; Kirchenpostille (1550, VD 16 L 5615), Bl. 79v [Sp. b].
Was aber Osiander nu ferner anzeigt, wie vns Christus seiner guͤter durch das wort teilhafftig mache, wollen wir itzundaus: irzund. nicht zu gar genaw suchen,untersuchen. zweifeln aber nicht, wenn er ein solch gruͤmpichinKrümelchen. Vgl. Art. Grumpe, in: DWb 9, 638f. vnd groben spahn in vnserer herrn vnd praeceptorum buͤcher fuͤnde, als er einen hawet von dem
eusserlichen wort, da ers einen alten, verworffenen schwSchuh. heist, wo es durch den glauben im hertzen nicht wird angenomen, darzu den verstand vnd gedechtnis lest daruber zu rad gehen, ob es anzunemen oder nichtVgl. Osiander, OGA 10, 116,20–118,25, bes. 118,6–8 (Von dem einigen Mittler, 1551). – Er wuͤrde jnen die Orgel vnd pfeiffen recht stimmen, ruffen vnd schreien, das sie widerteuffer, schwermer, plaudererunverständige Schwätzer. Vgl. Art. Plauderer, in: DWb 13, 1927. vnd jrrige geister weren, die da
oͤffentlichen wider Gottes wort lereten, Vnd thet jnen in diesem fal zwar nicht sehr vnrecht, sintemal vnser glaub oder vnglaub dem muͤntlichen wort nichts nimpt, Rom. 3.Vgl. Röm 3,2–4. Vnd Paulus Rom. 1Vgl. Röm 1,1–6. kein ander wort meinet denn das, so er prediget vnd wir noch predigen, zu dem, das der heilige Apostel so gar vnsern verstand nicht wil vber dem wort zu rath genomen haben, das er auch
schleust, 2. Cor. 10,Vgl. II Kor 10,5. wir nemen alle vernunfft gefangen vnter den gehorsam Christi. Vnd mus derhalben ein wunder seltzamer glauben sein, der daher kompt, das menschlicher verstand denselbigen anzunemen beratschla-get vnd geschlossen hat, So doch gewis, das der rechte Christliche glaub vber allen menschlichen verstand ein wunderwerck Gottes ist, wie
Christus sagt Johan. 6.Vgl. Joh 6,29. Da der heilige Geist in dem muͤntlichen wort das hertz ruͤret, verandert vnd auffthut, Acto. 2 vnd 16,Vgl. Act 2,37; 16,14. das es dasselbige wider alle gedancken fasset, frisch vnd freidigmutig. hoffet, da aller verstand rufft mit sin vnd aller vernunfft: hoffe nicht, es ist vmbsonst vnd alles vergebens!, wie Paulus den glauben ausstreichtausmalt, hervorhebt. bey dem schoͤnen exempel Abrahae,
Rom. 4. vnd Ebre. 11.Vgl. Röm 4,1–5; Hebr 11,8–10.
Vnd wer dennoch Osiander wert, das man jn eben des stuͤckleins halben ein wenig herter zur schuel fuͤrete, das er beide, das muͤntliche wort vnd predig, so verechtlich handelt, als wer es ein loser alter schwch,Schuh. wo man jm nicht glaubet.Vgl. Osiander, OGA 10, 116,20–118,25, bes. 118,6–8 (Von dem einigen Mittler, 1551). So doch eben darumb Paulus ruͤmet, es sey Gottes krafft,
dardurch Gott selig mache alle, die daran gleuben,Vgl. Röm 1,16. dieweil es sonst so recht leichtfertig vnd schertzlich von jederman gehalten wirt, Zu dem aus dem Christlichen glauben ein beratten vnd bedencken menschliches verstandes macht, denn ob ers wol balt hernacher selbst andernverändern. mus vnd dem glauben geben, das er aus keinem beratten des menschlichen verstandes kome,
dennoch solt man jn billich erinnern, das er zu hertzen fuͤrete, mit was schwindelschwindelndem. Vgl. Art. schwindel, in: DWb 15, 2657. Vgl. a. Art. Schwindelgeist 1), in: DWb 15, 2658f; Jes 19,14. Geist er diese hohe wichtige sache handelt, auff das er nicht also leichtfertig mit seinen wuͤnderlichen, sonderlichen, seltzamen treumen,Phantastereien, Phantasmagorien. der er vol steckt,von denen er angefüllt ist. in die kirche vnter die armen einfeltigen rumpelte.rücksichtslos und ungeschickt (auf die einfachen Gemeindeglieder ohne theologische Vorbildung) einwirkte, (auf sie zu) stolperte. Vgl. Art. rumpeln 2.a), in: DWb 14, 1490.
Auff solches alles gibt er nu erstlich dem wort, das wir dardurch ent
pfahen den vnaussprechlichen schatz, den Christus durch seinen gehorsam vnd erfuͤllung des Gesetz, durch sein leiden vnd sterben, damit wir erloͤset vnd versoͤnet sind, vns hat erworben. Nemlich das wir, vom Gesetz vnd seinem fluch frey gemacht,Vgl. Gal 3,13. vergebung der suͤnden haben, welchen schatz wir durch den glauben entpfahen zu vnser rechtfertigung, koͤnnen vns
desselbigen in aller anfechtung des gewissen wider alle pforten der hellenVgl. Mt 16,18. troͤsten, frewen vnd gebrauchen.
Wer wil nu sagen, das Osiander vom blud, leiden vnd sterben Christi nicht viel halte? Jch meine ja, das klingt in die gantze Christenheit wider alle seine widersacher, die jm bis daher schult gegeben, Er trette das blud Christi mit
fuͤssen, achte seines vnschuldigen todes nicht; was kan doch herrlichers vnd troͤstlichers daruon geruͤmet werden, denn es mit suͤssen, lieplichen worten so fein kurtz vnd rund alhie ist ausgestrichen? Was kan vns doch mangeln, wenn wir haben vergebung der suͤnden vnd seine erfuͤllung des gantzen Gesetzes, so er fur vns dargestreckt bis an den tod des Creutzes?Vgl. Phil 2,8.
Antwort: gar nichts kan vns feilen, denn wenn die suͤnd vnd schuld hinweck, so hat Gott nichts zu zuͤrnen, sintemal er nicht aus artaus art = seinem grundsätzlichen Wesen nach. bitter vnd boͤs gegen vns ist, Sondern allein von vnser suͤnde wegen, wie wir droben aus dem Propheten Jesaia gehort haben, cap. 50 vnd 59.Vgl. Jes 50,1; 59,2. Vnd weil dargegen wir mit der erfuͤllung des Gesetzes auch in Christo begnadet werden, so
mussen wir ohne zweifel darinnen auch vor Gott gerecht sein. Sintemal von keinem ver-nunfftigem menschen zu leugnen ist, das der volstendige gehorsam des Gesetzes ein gerechtigkeit ist. Zum dritten, dem gehorsam vnd dieser erfuͤllung des Gesetzes sol vnd mus nu volgen die verheischung aller guͤeter, hie zeitlich vnd dort ewigklich. Denn Gott kan nicht liegen,lügen. Vgl. Hebr 6,18. der
diese verheischung bey dem Gesetz treulichen zugesagt hat vnd gedenckt zu halten in viel tausent gelid.Vgl. Ex 20,5f; Dtn 5,9f.
Jst es nu Osiandro ein ernst, das wir in dem blut Christi diese guͤter haben, wie er mit schoͤnen geschmeidigen worten ruͤmet, so vorgeb vns Gott vnser suͤnde, die wir sagen, er halt von dem blut Christi nichts. Saget er aber,wir
sind darinnen noch nicht gerecht vnd selig, so geb jm Gott seine vernunfft vnd sin, das der arme, ehlende, betruͤbte man erkennen muͤge vnd zu hertzen fuͤren, wie greulich er sich selbst abermals in die backen hawet,Redensartlich: sich selbst schädigt. vnd verleihe jm ja die gnad, das er moͤge wider nuͤchtern werden aus den stricken vnd banden des Teufels. Denn da stehet es gantz vnd gar: wir sind durch das
blut Christi gereiniget von allen suͤnden, haben darinnen die vnschult Christi vnd erfuͤllung des gantzen gesetzes. Derhalben sind wir nu frey vom tod, Gottes zorn vnd ewiger pein, denn die suͤnd ist hinweck, vnd sind dargegen gerecht vnd ewig selig. Denn die erfuͤllung des gantzen Gesetzes ist vnser gerechtigkeit in Christo Jhesu, der des Gesetzes ende ist, Rom. 10,Vgl. Röm 10,4. vnd
darzu ein opffer worden, auff das die Gerechtigkeit, vom Gesetz erfordert, in vns erfuͤllet wuͤrde, Rom. 8 vnd 2. Cor. 5.Vgl. Röm 8,4; II Kor 5,21. Sind wir aber gleichwol in dem blut Christi nicht gerecht vnd ewig selig, wie Osiander spricht, So sind wir auch nicht dadurch rein vnd ist die erfuͤllung des gantzen Gesetzes keine gerechtigkeit. Hirauff fragen wir nu erstlich: Was ist denn die
gerechtigkeit des Gesetzes, dauon die gantze Bibel so viel ruͤmet? Zum andern, sind wir bey dem blut Christi gleichwol noch nicht gerecht, so sind wir darinnen vom todt, Teufel vnd helHölle. noch nicht frey, was ist denn vnser erloͤsung? Oder man kan dauon frey vnd sehlig sein ahne Gerechtigkeit, Was ist denn vnser rechtfertigung?
Das heist das blut Christi ruͤmen, das ist fein kurtz vnd rein: aus dem wege reuͤmen.Ironisches Wortspiel: rühmen – aus dem Wege räumen. Also muͤste man dauon schwermen vnd nicht deste weniger mit scheinbarlichen,beeindruckenden, imposanten. Vgl. Art. scheinbarlich 1.c), in: DWb 14, 2438. koͤstlichen worten den armen leuten das maul auffsperren,die armen Leute in Verwunderung versetzen. Vgl. Art. aufsperren 2.a), in: Fnhd. Wb. 2, 719f. als hielt man trefflich viel daruon, vnd freilich viel dar von, aber gar wenig darzu.Ironisches Wortspiel: viel von etwas halten, eigtl. = etwas hochschätzen; im Sinne der Gegner hier = von etwas abhalten, abziehen, geringschätzen.
Zvm andern gibet er dem Euangelio, das es Christum in vnsere hertzen bringe, also das er nu hinfurder sampt dem Vater vnd heiligen Geist in vns wohnet, vnd komet damit auff seinen alten handel, vber dem er vor der zeit geschwind vnd hefftig mit jm selbst gefochten vnd vnter dem schein vns aller
welt mit grober, gedichter, greifflicher vnwarheit angegeben, als weren wir diejenigen, die dasselbige leugneten, So er doch das nu vnd nimmermehraus: mimmermehr. wird beweisen. Haben aber je vnd alwegen gebeten, er wolte die namhafftig machen, mit denen ers zu thun hette, auff das wir zu vnserm theil, als die vnschuldigen, moͤchten, wie denn billich, verschonet werden. Aber es ist nicht
geschehen, sondern des lesterlichen austragensAnprangerns, Verleumdens. Vgl. Art. austragen 2), in: DWb 1, 1001. in schrifften, in predigen vnd oͤffentlichen drucken kein ende gewesen, ane zweifel darumb, das jmsich. Osiander damit zu seinem vorgenomenembeabsichtigten. Vgl. Art. vornehmen 10), in: DWb 26, 1357. schwarmIrrlehre. Vgl. Art. Schwarm 2.a), in: DWb 15, 2285f. einen scheinbarlicheneindrucksvollen, beeindruckenden. anfang machen kuͤnte, dieweil dis stuͤck so gewaltig mit vielen zeugnissen der schrifft zu beweisen ist, das er damit brangete,sich großtat, sich rühmte. Vgl. Art. brangen, in: DWb 2, 303f. die gewissen
der einfeltigen vbereilet vnd einnahm, als dem es ferner in seinem handel nicht kuͤnte feilen,dass sein Vorhaben nicht fehlschlagen könne. sintemalweil. wir das leugneten (wie er furgab), welches so klar in heller schrifft vor augen ist.
Es wer jm aber ehrlich vnd wol angestanden, das er denjenigen allein furgenomen, der jm solches geleugnet hett, damit man vornemenwahrnehmen, verstehen. Vgl. Art. vernehmen 4), in: DWb 25, 912f. kuͤnte, das er
nicht gesucht,versucht, beabsichtigt. Vgl. Art. suchen 5.g), in: DWb 20, 849f. jemands mit falschen luͤgen zu beschweren,belasten, verleumden. Vgl. Art. beschweren 1), in: DWb 1, 1603. so wuͤrde jm one zweifel derselbige, von dem ers dichtet, zu seiner notturfftzu seiner hinreichenden Verteidigung. Vgl. Art. Nothdurft 1.d), in: DWb 13, 926. haben antwort gegeben. Oder wo er schuldig gewesen vnd den gewaltigen grund der schrifft, damit er seines gefasten jrrthumbs were vberfuͤret vnd vberwisenüberführen. Vgl. Art. überführen A.2.b.), in: DWb 23, 641. worden, vor augen gesehen, wuͤrde er schamrot worden sein vnd bes
sern, gruͤntlichen bericht zu danck angenomen haben.
Das ist aber war, das wir an seinem fuͤrgeben mangel gehabt, nicht deshalben, das er lerete, Christus wonete in vns, sondern an dem, das er eben den spruch, mit welchem die vbernatuͤrliche vnd aller vernunfft gantz vnd gar vnbegreiffliche vereinigung Goͤttlicher vnd menschlicher natur in der
person Christi geruͤmet wird, 1. Johan. 4,Vgl. I Joh 4,2f. toͤrstiglichenfrecherweise. Vgl. Art. durstiglich [I], in: DWb 2, 1755. auff diese inhabitation gezogen vnd also geschlossen in seiner disputation Proposi. 67,Vgl. Osiander, Disputatio de iustificatione, These 67: Omnis spiritus, qui confitetur Iesum Christum ad hunc modum venisse et venire in carnem nostram, ex Deo est. (OGA 9, 442,13f). Das aller Geist, der da bekennet, Das Jhesus Christus auff In größerer Type gesetzt.die weise in In größerer Type gesetzt.vnser fleisch komen sey vnd kome,In größerer Type gesetzt. der ist aus Gott.Vgl. I Joh 4,2. Vnd bald darauff:Vgl. Osiander, Disputatio de iustificatione, These 68: Et omnis spiritus, qui non confitetur Iesum Christum ad hunc modum venisse in carnem nostram, ex Deo non est. Et hic est spiritus antichristi, de quo audivistis, quod venit et iam nunc est in mundo. (OGA 9, 442,15–17). Aller Geist, der da nicht bekent, das Jhesus Christus In größerer Type gesetzt.auff diese
weise in In größerer Type gesetzt.vnser fleisch komen sey, der ist nicht aus Gott, vnd das ist der Geist des Antichrists, von dem jr gehort habt, das er in die welt komen vnd itzund schon in der welt ist.Vgl. I Joh 4,3.
Nu ists gewis, das dieser spruch Johannis von der persoͤnlichen vnd leibhafftigen vereinigung beider naturn in Christo redet, wie der heilige Apostel zu
uor im andern Capitel klerlichen anzeiget vnd saget, der sey ein luͤgener, der da leuͤgnet, das Jhesus sey der Christ, das ist der Messias vnd verheissene heiland aller welt.Vgl. I Joh 2,22. Komet nu die Goͤttliche natur auch also in vns, wie Osiander saget vnd so starck wil gegleubet haben aus dem spruch Johannis, Das er alle diejenigen dem reich des Antichrists vnd Teufels zuzelet,zuzählt, zurechnet, zuordnet. die es
nicht darfuͤr festiglichen halten,die diese Auffassung nicht eindeutig teilen. so mussen wir Christo aller ding gleich werden, das wir war Gott vnd mensch (vns gehen die haer gen bergeNach Corrigendaliste, aus: berde.Redensartlich: uns stehen die Haare zu Berge = wir sind entsetzt. vber dieser Gottslesterung) in einer persoͤnlichen vereinigung sind, gleich wie er ist, Vnd also die Gottheit in vns wohnet, nicht allein als in einem tempel,Vgl. I Kor 3,16. sondern auch leibhafftig, wie Paulus sonst dem vnderscheid mit dem
woͤrtlein doch fest machen wil, Col. 2.Vgl. Kol 2,9f.
Das hat vns gedancken gemacht vnd noch heut zu tage, das wir besorgen, er rede wol die wort mit vns, das Christus in vns wohne, Aber was seine meinung sey oder nicht, das lassen wir aus angezogenen seinen Propositionibus jedermenigklichen richten vnd vrteilen, darinnen er den text mit gewalt auffaus: anff.
seine fuͤrgenomene fanteseyEinbildung. Vgl. Art. Fantasei, in: DWb 3, 1318f. vnd lesterung zeucht, So doch gewislich der heilige Apostel vnd Euangelist nicht von dem redet, wie Christus nu mehr in vnsere hertzen komet, sondern wie er nach der verheischung Gottis vnd aller Propheten weissagung in das menschliche fleisch komen ist. Aber Osiander thut alhie, wie der H. Hilarius von allen Ketzern vnd schwermern sagt, lib.
10. de Trini.:Vgl. Hilarius von Poitiers, De Trinitate X,2 (PL 10, 345B: Ubi enim per impietatis studium extra sanae doctrinae patientiam erunt, tunc his quae desiderant coacervabunt magistros, apta scilicet cupiditatibus suis doctrinarum instituta cumulantes, neque doceri se desiderantes, sed doctores ad id quod desiderant congregantes: ut cumulus ipse conquisitorum et coacervatorum magistrorum, aestuantium desideriorum satisfaciat doctrinis PL 10, 345C: Et ipsam quidem simulatam pietatem omni verborum mendacio impiam reddunt, falsae doctrinae institutis corrumpentes sanctitatem fidei: dum secundum desideria studiorum potius, quam secundum evangelicam fidem, coacervata doctrina est. Vgl. BKV2 VI, 158f). Wenn sie eine meinung gefasset, so mus sich die schrifft wol darzu schicken vnd zihen lassen. Gehen aber damit vmb, wie Jreneus schreibt, lib. 1. contra Valenti. cap. 1.,Vgl. Irenaeus von Lyon, Adversus haereses 1, 8, 1 (vgl. bes. FChr 8/1, 174,19–26). gleich wie ein boͤser bub, der vber ein bild komet, das aus mancherley edelen steinen seuberlichen vnd schon ist zusamengeschnitten, der niemet vnd zerleget die stein vnd versetzt dieselbigen
also, das ein greslich monstrum vnd entlich ein hund daraus wirt. Ein solch seuberliches bildichin ist die liebe Bibel vnd Gottes wort, eine troͤstliche, schoͤne figur; derselben behelffen sich die Ketzer vnd Schwermer auch. Aber wie sie die spruͤch versetzen vnd was vngestalt sie daraus machen, das haben wir bis daher erfaren, vnd leret es vns Osiander alhie
meisterlichen vnd fein.
Was er nachmals ferner anzeucht, wie die Gottheit Christi vns lebendig mache, wissen wir auch wol, habens der puhr lautern menscheit in Christo die zeit vnsers lebens nie nicht zugeschrieben, denn in jm ist kein puhr lautere menscheit, wie Athanasius schreibt, lib. de assumptione hominis,Ps.-Athanasius, De assumptione hominis contra Marcellinum haereticum, ad Theophilum liber tertius (gehört in die Reihe der Fragmenta) (vgl. Anm. 978f). Vgl. auch (leicht abweichende Textform) Vigilius Tapsensis, De Trinitate libri duodecim (qui edidit sub nomine S. Athanasii, episcopi Alexandrini), lib. III (De assumptione hominis, contra Marcellinum haereticum), PL 62 (1863), 251ff. Sondern die Goͤttli
che natur mit der menschlichen also wunderbarlichen in einer person vereiniget, das es nu nicht mehr ein gemeines fleisch, auch nicht als eines heiligen mannes, oder deshalben allein wirdiger, dieweil die Gottheit darinnen wohnet, sondern gewislich darumb ein geistlich fleisch ist, das da lebendig machet (wie Cyrillus schreibet, sampt dem Concilio zu Epheso wider den Ketzer
Nestorium),Vgl. Anm. 552. das es der Goͤttlichen natur eigen vnd mit jr eine person ist, vnd also das brot des lebens selbst, wie Christus sagt Johan. 6,Vgl. Joh 6,35. Aus welchem wir leben, dieweil wirs essen vnd trincken, durch den glauben im hertzen mit gantzem vertrawen annehmen vnd mit jm ein kuchen werden,Redensartlich: eng, innig, unauflöslich verbunden werden. Vgl. Art. Kuchen 2.d.α), in: DWb 11, 2499. gleich wie Christus daher lebet, das er vom Vater in ewigkeit geborn vnd mit
jm auch ein einiger Gott ist.
Vnd das wil der liebe Lutherus auch, da er sagt am Christag vber das Euangelium Johan. 1,Vgl. Luther, Kirchenpostille (1550) (VD 16 L 5615), Bl. 95v, Sp. b: Das wil dieser spruch auch / Jn jm war das leben / Das Wort Gottes im anfang / vnd Gott selbs mus vnser leben / speise / liecht vnd seligkeit sein / Darumb ists nicht der blossen Menscheit Christi zu zu schreiben / das sie vns lebendig mache / sondern in dem Wort ist das leben / welchs in dem Fleisch wonet / vnd durchs Fleisch vns lebendig macht. (vgl. WA 10I.1, 199,12–16; Ev. in der hohen Christmesse, Joh 1,1–14, hier zu Joh 1,4). Das leben sey im wort, welches im fleisch wonet vnd vns durchs fleisch lebendig machet. Nicht als were die menscheit Christi allein ein mittel, durch welche die Goͤttliche natur in vns auch getragen vnd vns
adpliciertverabreicht. wuͤrde, das wir also dardurch das Goͤtliche wesentliche leben allein empfingen vnd darinnen also lebeten, wie Christus darinnen lebet, sondern dieweil wir den leib essen vnd mit demselbigen vereiniget werden, welcher voller Gottheit vnd mit derselbigen vnaussprechlicherweise in einer person vereiniget ist, also das er auch dieselbige warhafftiglichen in vns
bringet, so werden wir von der Goͤttlichen natur lebendig gemacht durchs fleisch, als das nicht der brotkorb, sondern das brot des lebens selbst ist. Denn also schreibet er in seinem andern deuschen TomoLuther, Wittenberger Ausgabe, deutscher Teil, Bd. 2 (1548 = VD 16 L 3311), Bl. CLv. im buͤchlein das diese wort Christi (das ist mein leib etc.) noch fest stehen: Jst nu Christus fleisch aus allem fleisch abgesondert vnd allein ein Geistlich fleisch fur allen,
nicht aus fleisch, sondern aus Geist geboren, so ists auch eine Geistliche speise, die nicht vergehen kan, wie er selbst sagt Johan. 6: Wircket speise, die nicht vergencklich ist, sondern die da bleibet in das ewige leben, welche euch des menschen Son geben wird.Joh 6,27. Vnd abermal: Jch bin das lebendige brot, vom himel komen.Joh 6,41. Jtem: wer mich isset, der lebet ewiglich.Joh 6,51. Vnd
so fort an durch das gantze cap. leret er, wie sein fleisch sey die rechte, lebendige, ewige speise, die da lebendig mache vnd behalt(am Leben) erhalte. Vgl. Art. behalten 11), in: DWb 1, 1323. alle, die sie essen, vnd wer sie nicht isset, der muͤsse sterben etc. Warumb das? darumb: Sein fleisch ist nicht aus fleisch noch fleischlich, sondern Geistlich, darumb kan es nicht verzeret, verdewet,verdaut. Vgl. Art. verdauen 1), in: DWb 25, 199f. verwandelt werden, denn es ist
vnuergencklich wie alles, was aus dem Geist ist, Vnd ist eine speise gar vnd gantz ander art denn die vergenckliche speise. Vergenckliche speise verwandelt sich in den leib des, der sie isset; diese speise widerumb wandelt den, der sie isset, in sich vnd macht jn jr selbst gleich, Geistlich lebendig vnd ewig, wie sie ist, als er sagt: dis ist das brot vom himel, das der welt leben
gibt.Vgl. Joh 6,33.Vgl. Luther, WA 23, 203,14–30 (Daß diese Wort Christi Das ist mein leib noch fest stehen, 1527).
Eben auff diese meinung schreibet Brentius vber diese wort Johan. 6. Mein fleisch ist die rechte speise etc.: Es ist ein gleichnis, das gleich wie der safft der leiblichen speise vnd trancks sich teilet in alle glieder des menschen vnd verwandelt die art des gantzen leibes in seine natur, als wenn einer der speise
geneust, die da sehr feuchter natur, so macht sie den leib auch feuchter natur. Jst die speise kalter natur, so wirt der leib auch kalter natur.Brenz rekurriert hier auf diätetische Vorstellungen des Aristoteles, vgl. De anima II, 3 (414b, 10–12): Alles Lebendige nährt sich ja von Trockenem und Feuchtem, Warmem und Kaltem Also verwandelt auch der leib vnd das blut Christi denjenigen, der jrer geneust, das ist: der da gleubet, in jre art. Wer da mein fleisch isset, spricht Christus, vnd trincket mein blut, der bleibt in mir vnd ich in jm,Joh 6,54. das ist: wir werden ein
fleisch vnd ein blut, vnd vberkomet er eben die natur, die mein fleisch vnd mein blut haben. Es ist aber das fleisch Christi leben etc.Brenz, Evangelion quod inscribitur secundum Ioannem, centum quinquaginta quatuor homiliis explicatum, [Bd. 1], Frankfurt 1551 (VD 16 B 7602), Homilia LVIII (in der Ausgabe von 1569, VD 16 B 7605, S. 301): Similitudo autem est, quod quemadmodum succus cibi ac potus corporalis transmittitur in omnia hominis humido, efficiatur et corpus humidum, si frigido, efficiatur et corpus frigidum: ita etiam caro et sanguis Christi vertunt sumentem, hoc est, credentem in suam naturam. Qui edit, inquit, meam carnem, et bibit meum sanguinem, in me manet, et ego in eo, hoc est, vna efficimur caro, vnus sanguis. Et quam habent naturam mea caro et meus sanguis, eandem etiam consequitur is, qui me vescitur. Caro autem Christi est vita. Jtem das fleisch Christi hat nicht koͤnnen in dem tod verterben, sondern ist widerumb von den todten aufferstanden, vnd sein blut versoͤnet die suͤnd, denn es ist ein gerechtes vnd vnschuldiges blut. Darumb, wer dieser speise vnd
getrancks gebraucht, der wirt beide, vor Gott gerecht geachtet vnd also auch lebendig gemacht, das er nicht im tod verterbe, sondern widerumb aufferstehe vnd hab das ewige leben.Brenz, ebd.: Caro item Christi non potuit perire in morte, sed resurrexit a morte. Et sanguis Christi expiat peccata, quia est iustus et innocens sanguis. Quare qui hoc cibo et potu vtitur, is vt reputatur iustus coram Deo, ita etiam viuificatur, ne pereat in morte, sed resurgat, et habeat aeternam vitam.
Vnd ist dis stuͤck sonderlichen vor allen andern fleissigk gehandelt worden von dem heiligen Cyrillo, der zur zeit des Concilij zu Epheso sampt den an
dern Vetern circa annum Christi 431aus: 437. wider den ketzer Nestorium deshalben viel zu thun gehabt, als man noch aus etlichen actis desselbigen Concilij sehen kan. Vnd haben sie entlich geschlossen, das alle der jenige, der nicht bekennet, das das fleisch Christi lebendig mache, dieweil es des ewigen wort des Vaters gantz vnd gar eigen worden, welches alle dingk kan lebendig ma
chen, der sol verflucht sein.Vgl. DH 262 (aus den Anathematismen Kyrills von Alexandrien, die dem Brief der Synode von Alexandrien Τοῦ σωτῆρος ἡμῶν an Nestorius [= 3. Brief Kyrills an Nestorius] beigefügt waren und auf der Synode von Ephesus 431 verlesen wurden): Wer nicht bekennt, daß das Fleisch des Herrn lebensspendend und dem Wort, das aus Gott, dem Vater, ist, selbst eigen ist, sondern sagt, es sei gleichsam irgendeinem andern neben ihm eigen, der mit ihm der Würde nach verbunden oder aber gleichsam nur im Besitz der göttlichen Einwohnung gewesen sei, und nicht vielmehr lebensspendend ist, wie wir sagten, weil es dem Wort eigen geworden ist, das mächtig ist, alles lebendig zu machen, der sei mit dem Anathema belegt.
Er handelts aber sonderlichen reichlich in seinen Commentarijs vber das Euangelium Johannis vnd leret beides:
Erstlich wie oder warumb das fleisch Christi lebendig mache, vnd schreibet also lib. 4, cap. 12: Denn nach dem der lebendigmachende Gottes Son im
fleisch gewonet, hat er dasselbige zum leben reformiret vnd sich gantz vnd gar (das ich also rede) demselbigen fleisch vnaussprechlicher weise vereiniget vnd also auch lebendig machend gemacht.Vgl. [Lindenblatt] DIVI CYRILLI AR= || CHIEPISCOPI ALEXANDRINI OPE= || rum omnium, quibus nunc praeter alia complura noua, || recens accessere vndecim Libri in Genesim, || numquam antea in lucem aediti, || TOMVS PRIMVS‣ || Omnia iam summo tum studio, tum labore integritati suae resti= || tuta, et a mendis, quibus conspurcata erant, repurgata. || [Verlagssignet: abwärtsgerichteter Pfeil, von Aal/Echeneïs (?) umwunden, mit Beischrift: FESTINA LENTE, in Renaissance-Schild] || Coloniae ex officina Melchioris Nouesiani, Anno || M. D. XLVI. Mense Aprili. (VD 16 C 6569 [Bd. 1]), Bl. 170r (In evang. Ioannis, lib. IIII, cap. XII): Nam quum viuificans Dei filius in carne habitauerit, ad suum bonum eam, id est, ad vitam, reformauit, et totus (vt ita dicam) toti, ineffabili modo vnionis coniunctus, viuificantem ipsam effecit, quia natura viuificans est, propterea participantes haec caro viuificat: eijcit enim mortem ab eis, et interitum penitus expellit. (Vgl. PG 73, 565/566D). Vnd cap. 14: Dieweil das fleisch vnsers Heilandts dem wort des Vaters, das von natur das leben, in einer person vereiniget ist, Jsts nu auch lebendig machend geworden. Wenn
wirs denn essen, so haben wir das leben in vns, die weil wir dem selbigen fleisch vereiniget sind, welches das leben worden ist.Vgl. aaO (VD 16 C 6569 [Bd. 1]), Bl. 171v (In evang. Ioannis, lib. IIII, cap. XIIII): Quoniam igitur saluatoris caro verbo Dei, quod naturaliter vita est, coniuncta, viuifica effecta est, quando eam comedimus, tunc vitam habemus in nobis, illi coniuncti, quae vita effecta est. Jtem cap. 15: Wir gleuben nicht, obwol der Euan-gelist saget, Das wort sey fleisch worden, das darumb das ewige wort Gottes in die natur des fleisches verandert sey oder das der mensch in die Goͤttliche natur des Worts sey verwandelt,
denn ein jede natur bleibt vnuerruckt vnd aus beiden ein einiger Christus, doch ist das ewige wort der menscheit vnaussprechlicherweiseaus: vnvssprechlicher weise. vereiniget vnd wunderbarlicher, denn keine vernunfft verstehen kan, denn es hat die gantze menscheit also gar in sich gezogen, das es die ding, so des lebens mangeln, auch kan lebendig machen. Also hat es den vntergang von der
menschlichen natur ausgetrieben vnd den tod, der durch die suͤnde mechtig war, abgethan. Darumb wer das fleisch Christi isset, der hat das ewige leben, denn das fleisch hat das wort, welches von natur das leben ist. Darumb spricht er: ich werde jn am Juͤngsten tage aufferwecken. Jch, spricht er, das ist mein leib, der da gegessen wirt, wirt jn aufferwecken.Vgl. aaO (VD 16 C 6569 [Bd. 1]), Bl. 172r (In evang. Ioannis, lib. IIII, cap. XV): Mire statim incipiens Euangelista clamabit: Et verbum caro factum est. Non enim in carnem ipsum venisse, sed vt mirabilem vnionem ostenderet, carnem factum esse dicere non dubitauit. Nec tamen quoniam ita dictum est, aut verbum in naturam carnis mutatum, aut hominem in naturam verbi transformatum esse credimus. Manet enim inuiolata vtraque natura et vnus ex vtrisque Christus est. Sed ineffabiliter et vltra quam possit mens humana intelligere, verbum humanitati coniunctum, totam in seipsum ita reduxit, vt indigentia vitae possit viuificare: sit interitum a natura humana expulit, et mortem quae peccato plurimum poterat, destruxit. Quare qui carnem Christi manducat, vitam habet aeternam. Habet enim haec caro Dei verbum, quod naturaliter vita est, propterea dicit: Quia ego resuscitabo eum in nouissimo die. Ego enim dixit (id est, corpus meum, quod comedetur) resuscitabo eum. Desgleichen magstu fer
ner lesen cap. 23 vnd 24Vgl. aaO Bl. 175r. vnd lib. 11. cap. 26.Vgl. aaO Bl. 307r–308v. Denn es wil zu lang sein, alles hie zu erzelen.
Zum andern, so weiset er fein, wie wir durch das lebendigmachende fleisch Christi auch lebendig werden. Wir mussen seiner teilhafftig werden, das wirs genissen vnd durch den glauben entpfahen, wie Christus auch leret, Johan. 6,
vnd wir aus dem Luthero vnd Brentio gehort.
Cyrillus braucht das gleichnis lib. 4, cap. 17,Vgl. aaO Bl. 172r: Sicuti enim, si quis liquefactae cerae aliam ceram infuderit, alteram cum altera per totum commisceat: necesse est, si quis carnem et sanguinem domini recipit, cum ipso ita coniungatur, vt Christus in ipso, et ipse in Christo inueniatur. vnd lib. 10. cap. 13,Vgl. aaO Bl. 283r–284v. das gleich als wenn einer in ein geschmoltzen oder zerlassen wachs ein ander wachs eingeust, menget er gantz vnd gar eines in das ander, Also mus volgen, das derjenige, so den leib vnd blut des Herrn zu sich nimmet, der wirt mit
Christo vereiniget, Das Christus in jm vnd er in Christo erfunden wirt – Nicht das die Goͤttliche natur vnd wehsen mit vnserm fleisch aller ding wie in Christo persoͤnlichen vermischt wuͤrde, welches nicht sein kan, wie August. Tracta 110. Super Ioan. schreibet,Augustinus, In Iohannis euangelium tractatus CXXIV, tract. CX (vgl. PL 35, 1920–1925). Sondern (wie Cyrillus ferner anzeiget lib. 9, cap. 33, vnd lib. 11, cap. 27)Vgl. aaO [Anm. 553] Bl. 265v–266r; Bl. 308v–309r. in seinem lebendigmachendem fleisch wirt
er vns vereiniget vnd wir mit jm gleich ein kuchen,Vgl. oben Anm. 537. wie er mit dem Vater nach seinem Goͤttlichen wesen natuͤrlichen auch eins ist. Doch bleibt die Goͤttliche natur von seiner menscheit vngescheiden vnd ein einiger Christus, der vns nu in solcher vereinigung in jm auch der Goͤttlichen natur teilhafftig machet, das dieselbige durch sein fleisch, in welcher die gantze fuͤlle der
Goͤttheit leibhafftig wohnet,Vgl. Kol 2,9. in vns auch wohnet als in jrem tempel.Vgl. I Kor 3,16; 6,19. Vnd wie er durch den Vater lebet, das er von jm ewiger warhafftiger Gott von ewigkeit geborn ist, Eben also leben wir daher, wie Hilarius schreibet lib. 8. de Trini.,Vgl. Hilarius von Poitiers, De Trinitate VIII, 14: Est ergo in nobis ipse per carnem, et sumus in eo: dum secum, quod nos sumus, in Deo est. (PL 10, 247B; BKV² II. Reihe, Bd. 6, S. 22). Das wir in vnserm fleisch Christum bey vns haben durch sein fleisch.
Aus diesem ist nu leichtlich zu uernehmen beide, wie Christus in vns wohnet vnd wie er vns lebendig machet, das wir in jm, dem ewigen, waren Gott leben durch sein fleisch, welches das rechte himelbrot vnd brot des lebens ist, wie ers selbest ruͤmet Johan. 6.Vgl. Joh 6,51.55–58. Vnd haben diese frome vnd Gottselige leuth also damit fein den vnterscheid behalten wollen, wie jn Christus
selbst gegeben hat, welcher gestalt wir in Gott leben vnd wie Christus in jm lebet. Er lebet in jm wesentlich, darumb das er vom Vater gleicher natur von ewigkeit geborn ist, wie er denn spricht: Jch lebe vmb des Vaters willen.Vgl. Joh 6,57. Wenn wir nu eben also auch in jm lebeten, wie Osiander in seiner Disputation propositione 56 sagt,Vgl. Osiander, OGA 9, 440,8–10: Hinc vita eius essentiali vivimus et vivemus iuxta illud: Sicut misit me vivens Pater et ego vivo propter Patrem, ita et qui manducat me, ipse quoque vivet propter me. Christus enim est verus Deus et vita aeterna. (Disputatio de iustificatione, 1550, These 56) – OGA 9, 441,9–12: Daher leben wir mit seinem wesenlichen leben und werden auch furo leben, wie er spricht: Gleich wie mich der lebendig Vater gesandt hat, und ich lebe umb des Vaters willen, also auch, wer mich isset, der wirt leben umb meinetwillen. Dan Christus ist der wahre Gott und das ewig leben. (Eine Disputation von der Rechtfertigung, 1551, These 56). so muͤsten wir ja so wol als Christus gleicher
natur vnd eines wesens sein mit dem Vater vnd jm, welches eine oͤffentliche lesterung vnd vordampter jrrthumb ist, dardurch die menscheit Christi ausgeschlossen vnd ausgesundert wird vnd jr nicht mehr gegeben, denn das sie das mittel ist, dardurch das wesentliche leben in vns getragen (wie das brot im Sacrament des altars ein mittel ist, dardurch wir den leib Christi empfahen,
welches gleignissic. auch Osiandri discipulus einereiner der Schüler Osianders. wider mich, D. Moͤrlinum, gebraucht) keines weges aber selbst mit der Gottheit vns lebendig macht, welche Ketzerey im Concilio zu Epheso billich verdampt ist.Das 3. ökumenische Konzil von Ephesus im Jahre 431 lehrte die Einheit der göttlichen und menschlichen Natur in Christus. Vgl. DH 250–264.
Darumb leben wir aus Gott vnd in jm, nicht wesentlichen, Sondern also, das er, der ewige Gottes Son vnd das wesentliche leben, kein anders denn sein
fleisch fur vns gegeben vnd sein blut vor vns vergossen, damit den Tod erwuͤrget vnd sein gifft worden ist, Ebre. 2, Oseae 13.Vgl. Hebr 2,9.14f; Hos 13,14. Solch gifft des Todes tragen wir nu in vnserm hertzen, wenn wir durch den glauben diesen Fuͤrsten des lebens annehmen vnd seiner genissen. Also das vns nicht allein der tod nicht schaden kan, Sondern er durch solche speise in vns teglichen
erwuͤrget wirt, bissolang er abgethan vnd vnser leib entlichen auch gantz vnd gar Geistlich vnd dem vorklerten leib Christi Jhesu, vnsers einigen heilants, ehnlich werden wirt in jenem leben, 1. Cor. 15, Phil. 3.Vgl. I Kor 15,35–58; Phil 3,7–11.20f.
Vnd bleiben vns also beide naturn fein lustig beisamen, lassen vns auch dieselbigen in diesem handel keines weges nicht von einander trennen noch
scheiden. Denn sobald sie vns getrennet werden, so ist die Gottheit wol das leben wesentlichen in jr selbst, Jst aber nicht vnser leben, dardurch wir ewig lebeten, denn sie ist vns zu hoch vnd kan an vns nicht komen, viel weniger koͤnnen wir dieselbigen dermassen erlangen oder erreichen. Widerumb wenn die menscheit puhr lauter allein ist, so ist sie ohn leben vns auch kein nuͤtz,
kan vns nicht raten noch helffen, wie Cyrillus auch schreibet, lib. 4 super Ioan. cap. 23 vnd 24.Vgl. Anm. 553, VD 16 C 6569 [Bd. 1], Bl. 175r–v aͤlib. IIII, cap. XXIII u. XXIIII): Nam quoniam cum viuificante verbo caro coniuncta est, tota est effecta viuifica. Non enim ad corruptibilem suam naturam iunctam Dei verbum detraxit, sed ipsa ad melioris virtutem eleuata est. Quamuis ergo natura carnis, ut caro est, viuificare nequeat, facit tamen hoc, quia totam verbi operationem suscepit. Corpus enim est, non cuiusuis hominis, cuius caro prodesse quicquam potest (non enim Pauli aut Petri, aut caeterorum) sed ipsius vitae et saluatoris nostri Iesu Christi corpus, in quo deitatis plenitudo corporaliter habitat, facere hoc potest. Nam si mel, quuam naturaliter dulce sit, ea dulcia facit, quibus immiscetur, nonne stultum erit viuificam verbi naturam putare non dedisse homini, in quo habitat, viuificandi virtutem? Quas ob res caro quidem caeterorum omnium quicquam vere non prodest: caro autem Christi, quia in ipsa vnigenitus Dei filius habitat, sola viuificare potest. Spiritum vero seipsum appellat, quoniam Deus spiritus est, et vt ait Paulus, dominus spiritus est. Nec ista dicimus, quia spiritum sanctum in propria persona subsistere non putemus, sed quia sicut factus homo filium se hominis appellat, sic se a proprio spiritu spiritum nominat. Non est enim alienus a eo spiritus suus. Caput XXIIII. Verba Darumb behalten wirs beides beisamen vnd sagen, das brot des lebens, darinnen WJR leben, ist das fleisch, fur vns in den tod gegeben, nicht eines jdern, Sondern des, in dem es mit der Gottheit (welche ist der brun vnd qwel des lebens) vereiniget, ein einiger heiland Christus ist, der in
seinem tod den Tod zerbrochen vnd abgethan vnd in solchem seinem handel vns zum leben, liecht vnd seligkeit komen ist, Wie Lutherus sagt in der kirchen Postil.Vgl. Luther, Auslegung des Evangelii am Christtag: Denn wer da Christi leben vnd wandel liesse faren / vnd wolt jn itzt auff ein eigen weise suchen / wie er im Himel sitzt / der wuͤrde abermal feilen / Er mus jn suchen wie er gewesen vnd gewandelt hat / auff erden / da wird er das Leben finden / da ist er vns zum Leben / Liecht vnd seligkeit komen / da ist alles geschehen / das wir gleuben sollen von jm / Das es gar aus der massen eigentlich gesagt ist / Jn jm war das Leben / nicht das er nu nicht sey vnser Leben / sonder das er nu nicht thu / das er dazumal thet. (Luther, Kirchen Postilla das ist: Auslegung der Episteln vnd Euangelien vom Aduent an bis auff Ostern. Auffs new corrigiert / vnd gebessert, Wittenberg 1550 [VD 16 L 5615], Bl. 96r; vgl. WA 10I.1, 201,10–17).
Zvm dritten komet er nu widerumb auff den heupthandel von der Rechtferti
gung, vnd nachdem er mit vielen worten angezeiget, wie vns Christus allein mus gerecht machen, sintemal wir in die suͤnd vnter Gottes zorn geraten, darneben zceterVgl. Art. zeter [II] 2), in: DWb 31, 809f: förmlicher ruf des anklägers zu beginn der gerichtsverhandlung über mord und totschlag, notzucht, raub und diebstahl. vber den Teufel geschrien, der diesem Artickel von anfangk der welt her durch seine Rotten vnd Secten keine rhwRuh. gelassen (wie er denn itzund durch jn auch thut), die sprachen vnd schrifft verfelscht,
damit den einfeltigen einen nebel gemachtRedensartlich: einen Nebel gemacht = (die Einfältigen) verwirrt, getäuscht. vnd sie geblendet, Nimet er das woͤrtlein Iustificare fur sich, fehet an, dasselbige zu examiniern, vnd gibt jm entlich diese meinung,Bedeutung. das rechtfertigen heist, mit der that vnd warheit gerecht machen, Schilt vnd filtztschilt. Vgl. Art. filzen 4), in: DWb 3, 1635. uͤbel diejenigen, die da sagen, Rechtfertigen heisse gerecht sprechen, Nimet solche Philosophische,
fleischliche, vnbedachte rede, wie er sie nennet, vnd weiset, was vngeschickligkeitUngereimtheit, Unstimmigkeit. Vgl. Art. Ungeschicklichkeit 4), in: DWb 24, 839f. heraus folge, beide, an jm selbst vnd bey derselbigen lerern, die konden keinen bestendigen bericht geben, zudem das sie die person Christi trennen, sintemal sie sagen, Christus wohnet in vns vnd ist doch vnsere gerechtigkeit nicht nach der Gott-heit, daraus muͤsse
volgen, das Gott in vns wohne, aber die wesentliche gerechtigkeit nicht etc.
Das heist den donstDunst. vnd blawen nebelVgl. oben Anm. 577. von den augen gethan, vnd ist wol ein erbermlicher, jemmerlicher handel, das die grosse finsternis bis daher geweretgewährt, angedauert. vnd dis mechtige liecht nicht ehreher. in der welt auffgegangen. Denn das reden wir vnd wissens zu beweisen, das es aus allen Vetern vnd Prophe
ten des alten Vnd newen Testaments jr lebenlang keiner nicht gesehen noch also verstanden hat, wie es nu bey diesem klaren Sonnenschein an den tagk komet, nemlichen das da rechtfertigen heist nicht, aus gnaden gerecht sprechen oder ledig zehlen, Wie wir bey dem woͤrtlein imputare klerlich beweisen vnd anzeigen wollen, Sondern mit der that vnd warheit einen
Gottlosen gerecht machen, ja wir wollen noch mehr sagen vnd beweisen: wenn diese meinung Osiandri bestehet vnd war ist, So ist auch aus allen grossen heiligen keiner gerecht vnd selig worden, wirts auch keiner nimmermehr werden bis zum ende der welt. Also das damit allen armen betruͤbten hertzen al jr trost, al jr hoffnung des ewigen lebens zu erlangen
rund vnd rein abgeschnitten, abgekuͤndiget vnd ewigklichen versaget ist.
Damit man aber nicht gedenck, wir tichten das vnd reden es dem guten man aus bitterm hertzen, neid oder has zu, So nehmen wirs aus dem grund, da er jm selbst auff seine frag antwortet vnd hernacher dasselbige weiter handelt vnd ausstreichet, am blat G. zu letzt vnd H. fol. j. dermassen: Gott leuͤgt
vnd jrret nicht, schreibt er, Heist aber Gott den gerecht vnd helt fur gerecht denjenigen, der doch noch nicht gerecht ist, Sondern hat noch suͤnd, So thut er wie ein falscher richter vnd schalckfreund,falscher, heuchlerischer Freund. Vgl. Art. Schalksfreund, in: DWb 14, 2084. Hier evtl. auch im Sinne von Komplize, Freund des Übeltäters. jrret oder leuget, welches ein greuͤliche lesterung ist, vnd mus derhalben volgen, das Rechtfertigen mus sein vnd heissen mit der taht gerecht machen.Vgl. Osiander, OGA 10, Nr. 488 (Von dem einigen Mittler), (Bl. G4b–H1a) 156,14–158,3: Es wil sich aber in keinen wege leiden, das man das woͤrtlin ›rechtfertigen‹ ins glaubens rechtfertigung solt allein fur ›gerecht halten‹ oder fur ›gerecht sprechen‹ und nicht fur ›gerecht machen‹ verstehen und auslegen, dan das were der goͤttlichen majestet zur lesterung und der gantzen schrifft zuwider gesetzt. Dann solt Gott einen gottlosen, den er nicht zugleich mit der that und in der warheit gerecht machet, danoch fur from und gerecht halten und sprechen, er wer gerecht, so must er eintweder irren und nicht wissen, das der gottlos were, – das ist aber unmuͤglich, dann er weis alle ding, und ist keine creatur vor im unsichtbar, sondern alles blos und entdeckt fur seinen augen, Hebr 4[,13] – oder aber er muͤste liegen und ein schalcksfreund sein – das ist auch unmuͤglich, dan er ist warhafftig und die warheit selbs und kan nicht liegen, Tito 1[,2], ist auch ›nicht ein gott, dem gottlos wesen gefahl‹, psalm 5[,5]. Und ob er schon wolt irren und liegen – Gott verzeih mirs, das ich umb der irrigen leut willen also reden muss –, so koͤnte doch aus einer andern ursach nichts daraus werden, dan sein wort ist almechtig und ›er ruffet dem, das nicht ist, das es sey‹, Rom. am 5. [4,17]. Sobald nun Gott einen gottlosen from und gerecht nennete, so muͤste er eben umb desselben almechtigen nennens und ruffens wegen alsbald mit der that und in der warheit from und gerecht und nicht mehr gottlos sein. Darumb, wo man von der rechtfertigung des glaubens handelt, sol man das woͤrtlein rechtfertigen nicht auff menschliche, juristische und sophistische weis verstehen, sonder auff gottliche weiss, dan Gott spricht uns nicht allein gerecht umb des glaubens willen, sondern macht uns auch mit der that und in der warheit gerecht in Christo Jhesu durch den glauben.
Das ist sein grund vnd gantzer handel, damit er wider die Imputationem vnd vergebung der suͤnden hart ficht, in welchen wir sagen, das die Rechtfertigung stehe, wie wir auch mit gutem grund der schrifft bey dem woͤrtlein Imputare ferner hoͤren wollen, welches er nicht wol kan dulden noch leiden. Setzet jm derhalben zugegen diese getichte wort: mit der that vnd warheit ge
recht machen oder gerechtigkeit eingissen. Was er aber auch damit meine, ist er vieleicht selbert noch vngewis vnd mit jm selbst nicht gar eins. Denn ein mal sagt er, die eingegossene Gerechtigkeit sey die Gottheit. Hernacher sagt er, es sey die froͤmigkeit, so alle andere tugent begreifft vnd in sich schleust, oder das Geistlich gesinnet sein, daruon Paulus Rom. 8,scil. schreibt, spricht; vgl. Röm 8,5–11. vnd wil, das, wie
Gott from ist – das ist: Er ist guͤtig, bramhertzig, wolthetig vnd gelind – also werde diese froͤmigkeit Gottes durch sein wort vnd Geist in die gleubigen, dieweil Christus in jnen wonet, auch eingetragen vnd eingepflanzet. Bald wirfft ers widerumb zusa-men vnd spricht, solch Geistlich gesinnet sein (das φρόνημα spiritus), welches Paulus die frucht des Geistes heist, Gal.
5 vnd Eph. 5,Vgl. Gal 5,22f; Eph 5,9. sey der heilige Geist selbert, wie wir in lectionibus eigener person von jm gehort in enarrationeaus: enarrtione. Psal. 71. vnd mit seiner eigenen hant beweisen koͤnnen.
Aber in summa, es sey, was es sey, so mus es der Wittebergischen Theologorum lere vnd meinung nicht sein, sonst moͤchte man gedencken, Osiander
wer ein schuͤler Lutheri vnd het es von jm gelernt; das wer jm ein ewige schande. Denn er hat es sieben jar (wie er sich selben geruͤmet) gewuͤst, ehr denn Lutherus angefangen zu predigen, das ist: Anno domini 1511. Nu ist er geborn Anno 1498.Simon, Geburtsjahr 113, kommt zu dem Schluss, dass Osiander mit großer Wahrscheinlichkeit im Dezember 1496 (wohl am 14.) geboren sei. Rath zu, wie alt ist er gewesen, da es jm offenbart worden? Rath noch mehr: Hat er des Euangelij wider nachmals vorgessen
vnd ist allererst hernacher wider sein gewissen ein Mespfaff worden, oder ist ers schon gewesen? Et quo anno?
Aber zur sach: Rechtfertigen heist Osiandro nicht gerechtigkeit zugerechnet werden, die doch nicht in vnser person ist, sondern mit der that vnd warheit gerecht machen; mit der that vnd warheit gerecht machen heist er eigentli
chen ahne suͤnde sein, denn wer suͤnd hat, kan mit der that vnd warheit nicht gerecht sein, vnd hiesse Gott den gerecht, so loͤge er – Gott vorzeihe es vns, das wir mit den jrrigen schwermern also reden muͤssen.
Nu ist das starck vnd gewaltig widerumb aus aller grossen heiligen eigenem bekentnis offenbar vnd an dem tag, das der massen kein heilige ist
gerechtfertiget worden. Denn ob sie wol einen gnedigen Gott gehabt, den sie mit kintlichem hertzen fuͤer jren lieben vnd fromen Vater geruͤmet, dennoch sind sie mit der that vnd warheit noch suͤnder gewesen, haben auch die selbige jre suͤnde bekant vnd daraus entlich geschlossen, das jre gerechtigkeit sey, das Gott aus gruntloser guͤte vnd barmhertzigkeit vmb
seines lieben Sones willen (der darinnen der trost vnd freud jres hertzen gewesen, Johannis 8: Abraham uidit etc.)Vgl. Joh 8,56. dieselbige suͤnd, die noch mit der that vnd warheit in jrem hertzen gesteckt vnd geblieben, nicht zurechnet, wie Dauid sagt Psal 32,Vgl. Ps 32,1f.5. Das beides die heiligen jre suͤnde bekennen, darfur bitten vnd aus dem selig sind, die weil jn Gott die suͤnde nicht
zurechnet. Vnd Augustinus vber den selbigen Psalmen wunder fein schleust in prefacione, das alle heiligen aus vergebung der suͤnden heilig sind vnd sonst nicht.Vgl. Augustinus, Enarratio in Psalmum XXXI (Vg), enarratio II (sermo ad plebem), praefatio (7): Quid ergo? Qui sunt beati? Non in quibus non invenerit Deus peccatum: nam in omnibus invenit. Omnes enim peccaverunt, et egent gloria Dei [Röm 3,23]. Si ergo in omnibus peccata inveniuntur, remanet ut non sint beati, nisi quorum remissa sunt peccata. (PL 36, 262; CChr.SL 38, 230). Also spricht er auch Psal. 130: So du wilt, Herr, suͤnde zurechnen, Herr, wer wird bestehen?Ps 130,3. Jtem Psal. 143: Gehe nicht ins gericht mit deinem knecht, denn vor dir ist kein lebendiger gerecht.Ps 143,2.
Stehet nu die meinung Osiandri, so ligen alle Veter, Patriarchen, Propheten, Apostel, alle heilige martirer vnd in summa die gantze welt im abgrund des ewigen hellischen fewers mit jrem glauben, lere vnd predigt, vnd ist keiner jemals gerechtfertiget worden; sind sie aber gerechtfertiget worden vnd dennoch alle zeit gleichwol suͤnder geblieben, So ist rechtfertigen nicht
mit der that gerecht machen, sondern allein das, das Gott aus gnaden die suͤnde dem schuldigen vergiebet, der sein vertrawen auff Christum setzet vnd jn frey, ledig vnd los zehlet, fur vnschuldig vnd gerecht helt vmb seines Sons willen, ob er wol noch ein suͤnder ist, daruon hernacher mehr. Vnd leit also Osiander mit seiner luͤgen vnd schwermerey als ein feind Goͤttlicher
warheit vnd aller auserwelten darnider.
Das heist leuchten, den leuten die augen auffthun, das jr keiner keinen stick mehr sihet.Redensartlich: überhaupt nichts mehr sehen. Vgl. Art. Stich [I] A.5.b), in: DWb 18, 2687f; auch stichdunkel, Art. stickdunkel, in: DWb 18, 2732; Art. stockdunkel, in: DWb 19, 58. Vnd hat er solches nu dreißig jar zu Nuͤrenbergk vnd anderstwo gepredigt, so mus er zumal eine schoͤne kirche gelassen haben. Verhoffen aber vnd zweifeln nicht, das jm solchen rhum diejenigen, so jn
recht gehort haben, keines weges gestatten werden, sondern da er mit solchen greifflichen, lesterlichen luͤgen herausgefahren, solt es jm wol verbotten worden sein, das er ins land zu Preussen nicht komen.Wenn Osiander schon während seiner Predigttätigkeit in Nürnberg seine spezielle Christologie und Rechtfertigungslehre verbreitet hätte, wäre zu erwarten, dass sich das verheerend ausgewirkt hätte, man hätte es ihm verboten und ihn nicht nach Preußen berufen. Vnd wer jm auch wol das beste gewesen. Sintemal Christus selbst wuͤnscht vnd saget, es were einem solchen menschen besser vnd zutreglicher, das er einen Muͤelstein am
halse hette vnd ins Meer versenckt were, da es am tieffsten ist, denn das er auch einen der gering- sten, so an jn gleuben, ergert,Vgl. Mt 18,6. vnd aber dieser verfuͤrer nicht allein einen ergert, Sondern macht so viel armer besturtzter leut vnd hertzen, die in solcher jrrung dahin gehen, Etliche greuliche lesterung ausgissen, Als: die menscheit Christi sey nicht mehr denn die
kafenGetreidehülsen, Spreu. Vgl. Art. Kaff, in: DWb 11, 20. vnd sprewen, durch welche die Gottheit in vns getragen. Etliche sagen, sein leiden vnd sterben sey dahin, Etliche, es sey in seinem leiden die Gottheit nicht bey der menscheit gewesen. Die andern wenden sich von dem erkanten liecht der warheit, werden Epicurer,Epikureer, Hedonisten, Atheisten. Eigtl. Anhänger der Lehre des altgriechischen Philosophen Epikur (341–270 v. Chr.), der in der Vulgärrezeption als Vertreter eines prinzipienlosen Materialismus galt. Vgl. Michael Erler, Art. Epikuros, in: NP 3 (1997), 1130–1140; Tiziano Dorandi, Art. Epikureische Schule, in: NP 3 (1997), 1126–1130. die von keiner lere vnd glauben mehr halten, vnd ist ein solch betruͤbter handel vnter dem armen
hauffen, das es Gott im himel erbarmen moͤchte. Wollen geschweigen, was fur einen namen bey den widerwertigenGegnern. Vgl. Art. widerwärtig 2.e), in: DWb 29, 1368. das liebe vnschuldigeaus: vnschuldie. Euangelium daruͤber bekomet vnd eben itzund zur zeit des angestalten Concilij,Die zweite Trienter Tagungsperiode des Tridentinischen Konzils dauerte vom 1. Mai 1551 bis zur Suspension am 28. April 1552. Vgl. Gerhard Müller, Art. Tridentinum (1545–1563), in: TRE 34 (2002), 62–74. da sie dester freidigerkühner, unverfrorener. Vgl. Art. freidig 4), in: DWb 4, 103. wider vns setzen vnd ane zweifel die lere jres erachtens mit mehren schein verdammen werden, Jubilirn vnd sich
daruͤber lustig vnd leichtsinnigfröhlich, lustig. Vgl. Art. leichtsinnig 1), in: DWb 12, 650. machen, das wir vnter vns selbst solche jrrige, greuliche Geister haben, ob sie wol nicht gedencken kuͤnden, das es kein wunder. Sie gehen von vns aus, sagt Johannes, 1., Cap. 2, sind aber nicht von vns,Vgl. I Joh 2,19. ob sie wol von Gott mit viel gaben vor andern gezieret vnd ein reicher pfund vor vielen andern mitknechten entpfangen haben, das sie jm
damit solten dienen vnd wol fuͤrstehen.Vgl. Mt 25,14–30; Lk 19,12–27. Aber wie Judas mit dem zeitlichen pfenningk, denn er zu der vnterhaltung Christi von jm entpfangen hat, also redlich handeln diese mit jrem entpfangenem guet auch,Vgl. Joh 12,6; 13,29. ja, wie der heilige Lutherus schreibt in seiner kirchen Postil, Dominica 20, noch viel erger.Vgl. Luther, Auslegung der Epistel am 20. Sonntag nach Trinitatis über Eph 5,15–21 (VD 16 L 5608, Bl. 328r–331r). Also das wir lieber mit Juda, dem verreter Christi, in der hell
bruͤnnendurch Hitze braun werden. Vgl. Art. brünnen, in: DWb 2, 435. vnd braten wolten, denn mit diesem menschen schuldig sein.
Auff das man aber solcher seiner schwermerischen lere deste weniger nachdencke, so ertichtet er ein greuͤlich, schrecklich laster auff vns, Nemlich das wir die person Christi nicht allein trennen, sondern auch die Gottheit selbst voneinander scheiden, das beweiset er also. Wir bekennen, das Christus in
vns wohne vnd gleichwol leugnen wir (Gibt vns Osiander schuld), das er nach der Goͤttlichen natur vnser gerechtigkeit sey, vnd lassen also nur ein stuͤck in Christo. Ferner spricht er, dieweil wir aber gleichwol sagen, Gott wohne durch den glauben in vns, vnd streitten doch dagegen, Gottes wesentliche Gerechtigkeit (die Gott selbst ist) sey nicht vnser gerechtigkeit, darumb
sey auch der ware Gott nicht in vns, damit (schleust er schier zu ende seines Alcorans, folio X 3)Vgl. Osiander, OGA 10, 266,18–23 (Von dem einigen Mittler, 1551). reissen wir nicht allein das Goͤttliche wesen von einandern, sondern machen zwene Goͤtter, der einer in vns, der ander nicht in vns wohne, schreit vnd rufft, das kein Gottslesterliche Ketzerey auff der welt gewesen etc.
Wolan, wie sollen wir jm thun? der man ist vber dem jrr worden, wie Gott in vns wohnet, daraus er schlechts volgert vnd schleust, was er wil, fragt nicht allein nach keiner schrifft, die mus sich wol nach seinem gefasten sinn tehnendehnen, verformen. vnd verstehen lassen, sondern vergisset auch gemeiner vernunfft vnd seiner selbst. Denn erstlich, so bitten wir vmb Gottes willen alle ver
nunfftige hertzen, Sie wollen vns doch berichten vnd weisen, woher vnd mit was grund das argumentum schleust?
Was in vns ist, das ist vnser gerechtigkeit. Die Gotheit ist in vns.
Darumb ist die Gottheit vnser gerechtigkeit vnd nicht die menscheit.
Wunderlicher seltzamer consequentias haben wir die zeit vnsers lebens nicht
gehoͤret, vnd niemet vns grosmechtig wunder,nimmt uns großmächtig wunder = wundert uns sehr. das sich Osiander nicht vor jm selbst zu tod schemet, sondern also vnbedacht herausser fehret. Vieleicht wirt er auch gleuben, das vnser seel, vernunfft vnd was mehr in vns ist, sonderlichen aber von Geistlichen gaben, als die liebe, freuntligkeit, wie die Papisten etc., Vieleicht auch zorn, neid vnd has, wie die blutfreunde aus der Wi
dertauff etc., vnser gerechtigkeit sey. Denn seine maur stehet fest wie der peltz auff seinen ermeln:Redensartlich: fest wie der Pelz auf dem Ärmel = schwach, instabil. was in vns ist, das ist vnser gerechtigkeit. Wiewol er sich dieser Proposition schemet vnd sie nicht heraus trucket, sondern schleust allein kurtz per modum enthimematis:ἐνθύμημα (enthymema) = verkürzter Syllogismus. Vgl. Manfred Kraus, Art. Enthymem, in: HWdRh 2, 1197–1222. Christus ist in vns auch nach seiner Gottheit, darumb ist die Gottheit vnser gerechtigkeit vnd nicht die menscheit.
Zum andern, so siehe doch, wie er sich abermals hiemit selbst in die zungen vnd backen beist,Redensartlich: wie er sich selbst beeinträchtigt, schädigt, sich selbst widerspricht. Vgl. Art. Backe 5), in: DWb 1, 1064; Art. Zunge II.B.7), in: DWb 32, 599f. denn volget aus seinem argumento wider vns: wer da sagt, das Christus nicht vnser gerechtigkeit sey nach der Gottheit, der trennet dieselbige von der menscheit etc., So volget ja so fein: wer da sagt, das Christus nicht vnser gerechtigkeit sey nach der menscheit, der trennet die
selbigen von der Gottheit. Osiander saget, das Christus nicht vnser gerechtigkeit sey nach der menscheit, darumb trennet er dieselbigen von der Gottheit. Vnd weiter: dieweil er bekennet, die menscheit Christi wohnet in vns, ist aber nicht vnser gerechtigkeit, so macht er zweierley menscheit Christi – eine, die in vns, die ander, die ausser vns wohnet. Helff jm hier, wer helffen kan, so
wirt er sich seines eigenen schwerts nicht erwehren, sondern mus daran selbst zu recht erwuͤrgenersticken, zu Tode kommen. Vgl. Art. erwürgen 4), in: DWb 3, 1073f; ferner Art. Schwert II.2), in: DWb 15, 2578f. vnd ersticken. Vnd sint wir aus seinem gedancken vnd vermeintem argumento greuliche Ketzer, so ist Osiander viel ein greulicher Ketzer, magk nu vber seinen eigenen hals aus seinem gericht ruffen vnd schreiensein eigenes Todesurteil sprechen. Vgl. Art. Hals I.4.f), in: DWb 10, 247–249. bis an den juͤngsten tag.
Denn er macht seine meinung so klar, das er sie nicht leugnen kan, vnd spricht frey Exclusiue im quattern Q. 3, da er sich auff seine vorgeschlagene frage, nemlich Wie Christus vnser Gerechtigkeit sey, selbst bescheiden vnd berichten wil, also: Hie ist nu mein lautere, richtige vnd klare antwort, das er nach seiner Goͤttlichen natwr vnser Gerechtigkeit sey vnd NJCHT nach
der menschlichen natur.Vgl. Osiander, OGA 10, 226,25–27 (Von dem einigen Mittler, 1551). Widerholet diese meinung nachmals offt, damit er die menscheit Christi mit leiden vnd sterben in der Rechtfertigung ausschleust, vnd wil kurtzumb, das sie darein nicht solle gehoͤren, gibt es alles der puhr lautern Gottheit allein, trennet damit die person Christi vnd felt zugleich in die verdampte ketzerey Eutichetisaus: Entichetis..Eutyches, Archimandrit des Hiobklosters in Konstantinopel, vertrat eine monophysitische Christologie; nach ihm ist der Eutychianische Streit benannt (444–451), endgültig verurteilt auf der Synode von Chalkedon 451. Vgl. Lionel R. Wickham, Art. Eutyches/Eutychianischer Streit, in: TRE 10 (1982), 558–565. Zudem dieweil vnser
rechtfertigung auff dem blut Christi oder seinem gang zum Vater allein stehet, So nimpt er damit abermals die Rechtfertigung des glaubens gantz vnd gar hinweg vnd hebet damit auff die gantzen Bibel, allen trost vnser armen betruͤbten seelen.
Vnd er moͤcht sich warlich hiemit seinen eigenen Geist wol warnen lassen,
sich daran spiegeln vnd bedencken, was er fur ein man ist, das er so vnbesunnen herausser fehret, wil von der rechtfertigung leren vnd reumet damit die rechtfertigung rein hinwegk, verdampt die gantze kirche aller Patriarchen, Propheten, Apostel vnd teuren Marterer, so jren sawren schweis vnd blut daruͤber mit so viel grosser marter vnd pein, die sie vor jrem end erlitten,
gelassen haben. Setzet gleichwol an vns,Greift uns gleichwohl an. Vgl. Art. ansetzen, in: DWb 1, 459f; Art. setzen II.C.2.b), in: DWb 16, 684f. wolt vns gern zu vnterst in die grundsuppen(unterster) Bodensatz. Vgl. Art. Grundsuppe 1) u. 3.a–c), in: DWb 9, 912–914. der hellen stecken, wenn er nur kuͤnte. Verdammet aber damit niemandts mehr denn sich selbst.
Denn das wollen wir jm trotz geboten haben, das ers auff vns beweise vnd war mache, das wir dermassen, wie er furgibt vnd auff vns tichtet, die person
Christi jemals getrennet. Sondern das ist vnser lere je vnd alwegen gewesen vnd noch, das Christus vnser gerechtigkeit ist nicht allein nach der Gottheit, Sondern wie er warer Gott vnd mensch fur vns gestorben vnd am dritten tag widerumb ist aufferstanden. Wollen also das werck der erloͤsung vnd rechtfertigung keiner natur allein, Sondern der einigen person, die Gott
vnd mensch, vnser einiger Heiland ist, gegeben vnd zugeschrieben haben. Denn wie Lutherus saget in seinem bekentnis von dem abentmal Christi im andern deutschen Tomo fol. 189, so stehet das fest, wo die werck zerteilt vnd gesondert werden, da mus auch die person zutrennet werden, weil alle werck oder leiden nicht den naturn, sondern der person zugeeignet werden, denn die
person ist, die alles thut vnd leidet, eines nach dieser natur, das ander nach jener natur etc.Vgl. Luther, WA 26, 324,19–35: Sie schreyen uber uns, das wir die zwo natur ynn ein wesen mengen, Das ist nicht war, Wir sagen nicht, das Gottheit sey menscheit odder Gottliche natur sey menschliche natur, welches were die natur ynn ein wesen gemenget, Sondern wir mengen die zwo unterschiedliche natur ynn ein einige person und sagen: Gott ist mensch und mensch ist Gott. Wir schreyen aber widderumb uber sie, das sie die person Christi zur trennen als werens zwo personen, Denn wo die Alleosis sol bestehen, wie sie Zwingel furet, so wird Christus zwo personen müssen sein, ein Gottliche und ein menschliche, weil er die spruͤche vom leiden allein auff die menschliche natur zeucht und aller dinge von der Gottheit wendet, Denn wo die werck zuteilet und gesondert werden, da mus auch die person zurtrennet werden, Weil alle werck odder leiden nicht den naturen, sondern den personen zugeeigent werden. Denn die person ists, die alles thut und leidet, eins nach dieser natur, das ander nach ihener natur, wie das alles die gelerten wol wissen, Drumb halten wir unsern Herrn Christum also fur Gott und mensch ynn einer person non confundens naturas nec diuidendo personam, das wir die naturn nicht mengen und die person auch nicht trennen. (Vom Abendmahl Christi. Bekenntnis, 1528). Die Stellenangabe bezieht sich auf die Wittenberger Ausgabe, deutscher Teil, Band 2 (1548, VD 16 L 3311), Bl. CLXXXIXr (Kk3r). Daruon hernacher, wenn wir auff die Communicationem idiomatum komen, weiter.
Also trennen wir die naturn in Christo nicht, viel weniger machen wir eine puhr lautere creatur aus jm, sondern behalten sie beide beisamen in dem
werck, so diese einige person bis in den tod des Creutzes fur vns hat ausgerichtet vnd damit vnser gerechtigkeit worden ist, wie wir droben starck mit klarer schrifft bewiesen haben. Daraus auch wol zu sehen, das wir nicht jrr worden, als kuͤnten wir nicht wissen, was wir an Christo fur vnsere gerechtigkeit halten, viel weniger ist das war, das wir eine solche
gerechtigkeit lereten, die mit neid, has, luͤgen, lestern, zuͤrnen, drewen vnd auffrur schwanger ginge, Sondern wissen das mit warheit zu ruͤhmen, das wir wider diese vnd alle andere laster die Bues ernstlich treiben, allem auffrur wehren vnd von hertzen feind sein, nimands zu spies vnd stangen zu greiffen vermahnet haben, wie Osiander gethan etc.
Nach dem nimpt er nu auch das woͤrtlein Gerechtigkeit fur sich, vnd dieweil er den ersten verstand von der gestrengen Richterlichen Gerechtigkeit hat ausgeschlossen vnd nu auch sagen vnd mit gutem, bestendigen grund der schrifft beweisen sol, was die gerechtigkeit des glaubens sey, daran es alles
zumahl gelegen ist, Spricht er ein mahl, es sey die froͤmigkeit, in welcher alle andere tugent gemeint vnd eingeschlossen seind, bald darauff spricht er, es sey die ewige Goͤttliche natur, welche Gott beschlossen hab mit seiner menschlichen natur zu uoreinigen vnd also dieselbige allerheiligste menscheit Christi damit auch gerecht zu machen etc. Dis sol vnd mus der rechte
verstand sein von der gerechtigkeit des glaubens, dardurch nicht wir allein, sondern auch Christus ja so wol als wir gerecht worden ist – deren er doch keins mit keinem buchstaben, ja mit keinem tittelTüpfelchen. Vgl. Art. Tüttel m., in: DWb 22, 1949f. der schrifft anruͤret, Sondern hernacher diesen verstand in die spruͤch von der gerechtigkeit Gottes mit gewalt zwingen wil vnd dieselbige aus dieser meinung auslegen.
Gleich wie die Muͤnsterischen widerteufferVgl. James M. Stayer, Art. Täufer/Täuferische Gemeinschaften I, bes. 3.2 Die Täuferherrschaft in Münster, in: TRE 32 (2001), 608,19–610,13. nicht jr koͤnigreich aus der Bibel bewiesen, Sondern die spruͤchin der Bi-bel vom reich Christi aus jrem Koͤnigreich auslegeten, damit war es denn bestritten, alles gestuͤrtzt vnd jr ding fest bewiesen. Wie dieser starcke Riese vnd grosse GoliathVgl. I Sam 17. auch trotziglichen hernacher ruͤmet, seine meinung sey gewis vnd
stehe fest, alle andere lere sey gestuͤrtzt. Vnd wer darzu nicht Amen saget, sondern nur darwider sawr sihet,missbilligend blickt. Vgl. Art. sauer II.4.d.α) u. β), in: DWb 14, 1867–1869. da reist er die wackenFelsblöcke. Vgl. Art. Wacke 5), in: DWb 27, 206. aus den felsen, die beume aus der erden, vnd wirfft mit himel vnd erden vmb sich.
Vnd hat er noch bis auff heutigen tagk mit keinem andern grunt wider vns gehandelt, denn, wenn er gehort, wie gewaltig wir aus den Prophetischen vnd
Apostolischen schrifften vnser lere bewiesen, das er vor grossem ach vnd wehmut vns mit ehrenruͤrigen, schmehlichen worten ausgeruffen vnd vber vns geschrien, wir sein Schelm, Boͤsewicht, Ehrendib,Verleumder. Vgl. Art. Ehrendieb, in: DWb 3, 59. Ketzer, Schwermer, Jrrige geister. Aber nicht mit einem tittel vnsern warhafftigen grund widerleget, viel weniger das seine bewiesen, Sondern sich geengstiget vnd eine
lange zeit hoch bemuͤhet, was er doch aus der selbstendigen gerechtigkeit Gottes, welche auch die gerechtigkeit des glaubens sein sol, machen wolte. Vnd einmahl ist es die froͤmigkeit gewesen sampt allen andern tugenden. Balt ist es Gott selbst geworden in seinem Goͤttlichen wesen. Ein ander zeit ist gewesen das geistlich gesinnet sein, das wie Gott from, gnedig, gelind,
barmhertzig vnd woltetig ist. Also wird die froͤmigkeit auch in vns getragen vnd eingepflantzt. Nicht das diese froͤmigkeit, guteDa Gelindigkeit als Tugend gilt und positiv konnotiert ist, so dass das Epitheton gut im Zusammenhang überflüssig anmutet, könnte hier auch Güte gemeint sein. Allerdings findet sich dahinter im Originaldruck keine Virgel. gelindigkeit etc. in vns ein newer sinn vnd muet oder eine frucht were des Geistes, Sondern es ist der Geist vnd Gott selbst. Diesen verstand hat er hefftig getrieben in frequenti auditorio den 16. vnd 17. Aprilis dieses 51. jars,Donnerstag und Freitag vor dem Sonntag Jubilate. (Grotefend 158). – Osiander hatte am Freitag, dem 10. April 1551 angekündigt, er werde in seiner Vorlesung am 16. und 17. April zu Ps 71,16 seine Auffassung über das Rechtfertigungsgeschehen so deutlich darlegen, dass auch ein Kind es werde begreifen können. Die Ausführungen Osianders in dieser Vorlesung veranlassten Mörlin, auf die Seite von dessen Gegnern zu wechseln. Vgl. OGA 9, 610–613 (Nr. 452, Äußerungen in der Vorlesung); Stupperich, Osiander in Preußen, 137f. Wie wir vns des
auff die herren der Vniuersitet, auch auff Fuͤrstlicher Durchleuchtigkeit loͤbliche Rethe, deren etliche die zeit in lectione gewesen, hiemit wollen gezogen haben.
Es moͤchten guthertzige, frome leute aus dem wol diese gedancken nemen, als muͤste er zumalsehr (verstärkend). Vgl. Art. zumal 2), in: DWb 32, 532. ein jrriger Geist sein, der vieleicht ein lange zeit nicht
bey jm selbst eins gewesen, was er die selbstendige Gerechtigkeit entlichen heissen wolle. Dieweil aber gleichwol, wie Salomon sagt, Prouerb. 18: Derjenige, der sich absondert, sucht, was jn geluͤstet, vnd setzet sich wider alles, was gut ist,Prov 18,1. So hat er den vorgesatzten muth auch genomen, er wolle was newes auffbringen, damit einen lermen machen, es sey auch was es sein
koͤnde etc. Dis lassen wir nu einen jdern nach seinem verstand richten. Das kuͤnden wir mit warheit sagen, das es vns sawr worden, ehr denn wir sein entlich meinung haben fassen koͤnnen. Es ist ein solcher vnfletiger geifer,Ausfluss (eigtl. Speichel). Vgl. Art. Geifer [II] 2), in: DWb 5, 2565. der sich wie huͤttenrauchArsenik, Arsentrioxid (As2O3), ein hochgiftiges weißes Pulver, das als Nebenprodukt bei der Metallverhüttung entsteht. Vgl. Art. Hüttenrauch 2), in: DWb 10, 1998. vnd Asa fetidaAs(s)a foetida, auch: Teufelsdreck, das als Gewürz und Arznei eingesetzte Harz der in Mittelasien heimischen Pflanze Ferula assa-foetida (Stink-Asant). nicht wol lest einnehmen noch wider geben.
Gern hetten wir aber moͤgen schrifft hoͤren, darinnen diese wort, oder zum wenigsten diese meinung gruͤntlichen were zu sehen gewesen, das wir durch die selbwesentliche Gerechtigkeit Gottes seiner meinung gerecht werden, aber ja wol schrifft,Wohl ironisch: Von wegen Schrift! jtzund fehet er an, des woͤrtleins, daruͤber der gantze kampff vnd hader erstanden, sich zu schemen, beken-net frey, es stehe
in der schrifft nirgent nicht, wie er in der Praefation der lateinischen Confession oͤffentlichen beichtet.Vgl. Osiander, OGA 10, 99,14–16: Nam cum iusticia Dei in sacris literis nusquam vocetur essentialis, clamant me nescio quid novi monstri velle inducere. (De unico mediatore, 1551). Nachdem er aber viel vnschuldiger armer hertzen damit berucktüberlistet, verführt, betrogen. Vgl. Art. berücken 2), in: DWb 1, 1529f. (deren halben er auch sol sein gericht wol finden), wolt er sich gleichwol gern schmuckensich ducken, sich entschuldigen, sich aus der Affäre ziehen. Vgl. Art. schmücken I.2.g), in: DWb 15, 1121. vnd entschuldigen, als hab ers aus grosser getrungenerzwingender. Vgl. Art. gedrungen 2), in: DWb 4, 2041. not wider diejenigen brauchen muͤssen, die
die gerechtigkeit des glaubens nicht anders auslegen, denn als sey es der leichtfertige schertz (also lestert er), das vns Gott vmb des glaubens willen fur gerecht schatzet vnd annimpt, ob wir wol an vns selbst noch nicht gerecht, sondern arme suͤnder sint. Wil sich mit dem exempel der fromen Veter im Concilio Niceno decken,(sich) rechtfertigen, (sich) reinwaschen, sein Handeln beschönigen. Vgl. Art. decken 5), in: DWb 2, 891. gleich als were Osiander bereit bey aller
welt Athanasius vnd die veter im Concilio zu Nicea oder hette den grunt der schrifft zu seiner sache, den dieselbigen Veter gehabt zu jrem handel.Vgl. Osiander, OGA 10, 99,21–24: Quod autem voco essentialem, id facio gravissimis et iustissimis de causis atque adeo exemplo patrum, qui in Nicaena synodo ad opprimendam haeresin Arianam filium Dei vocarunt patri homousion, id est consubstantialem sive coessentialem, quamvis scriptura sacra hoc verbum nusquam usurpet. (De unico mediatore, 1551) (Vgl. a. die anschließende Passage).
Zwar er hat einen feinen grund, der ist dieser: Wenn man fraget: ErEhr (höfliche Anrede u. a. für einen Geistlichen). Vgl. Art. Ehr, in: DWb 3, 52. Osiander, was heist jr die selbwesende gerechtigkeit Gottes? Es ist von anfang der welt her kein Prophet, kein Apostel, kein lerer gewesen, der also gepre
digt oder geschrieben hette, vnd ist vns billich diese newerung verdechtig, So spricht er: Jch heis es nichts anders, denn das Paulus einfeltig heist die Gerechtigkeit Gottes, bezeuget des Christum Jhesum, den richter der lebendigen vnd der todten. Das heist redlich mit der schrifft handeln vnd vmbgehen, ohn grunt vnd bescheit, aus hohmut vnd mutwillen, die rechte einhellige
reine lere lestern, ein newe tichten vnd erdencken, wenn man alsdenn bescheid fraget,Rechenschaft verlangt, eine Auskunft begehrt. Vgl. Art. Bescheid 2), in: DWb 1, 1558. das man das maul wuͤschtabwischt (wie nach einer Mahlzeit, nach empfangenem genusz; als ausdruck wegwerfender gleichgültigkeit, des undanks, geheuchelter unschuld u. a. sittlichen mangels bes. im frühnhd. allgemein). Vgl. Art. wischen A.2.b), in: DWb 30, 716f; ferner Prov 30,20. Sich das Maul wischen hier i. S. v. sich aus der Affäre ziehen. vnd weiset die wort Pauli, spricht: das ist mein meinung.
Es ist nicht new, sondern die art der fromen Geisterchin, wenn die mit jrer luͤgen geschossen werden,(an)getroffen, ertappt werden (?). Vgl. Art. schieszen II.1.g), in: DWb 15, 40f. so legen sie sich auff die bubenseiten,legen sich auf die Bubenseite = verhalten sich betrügerisch. Vgl. Art. Seite II.2), in: DWb 16, 380f. wie
Arrius auch mit seinem hauffen,Schar, Gefolgschaft, Truppe, Mannschaft. Vgl. Art. Haufe I.3), in: DWb 10, 584. dieweil sie wuͤnderliche, seltzame schwenckSchwänke, Finten, Ränke, Geschichten. Vgl. Art. Schwank 1), in: DWb 15, 2243. fuͤrgaben, aber sahen, das man jnen mit Gottes wort vberlegen war, vielen sie zuletzt zu,stimmten sie schließlich zu, pflichteten bei. Vgl. Art. zufallen 2.c), in: DWb 32, 347. sagten, sie meinten jr ding nicht anderst, denn wie es die fromen Veter mit der gantzen Christlichen kirchen aus Gottes wort verstuͤnden. Bezeugten auch, Gott solte deshalben jr richter sein, vnd
bewegten den gueten, fromen Keiser Constantinum dahin, das ers gentzlichen darfur helt, es were dem vnschuldigen man Arrio vnrecht vnd viel zu kurtz geschehen.es geschieht jmdm. zu kurz = jmd. wird benachteiligt, kommt zu kurz. Vgl. Art. kurz II.5.c.β), in: DWb 11, 2830f. Lies sich auch nachmals mit geschwinden luͤgen dermassen einnehmen, das er Athanasium, den teuren man Gottes, von Alexandria bis gen Tryer,Trier ([Colonia] Augusta Treverorum bzw. Treveris), im 3. und 4. Jhdt. Residenz römischer Kaiser im Westen des Reiches; während der Verbannung des Athanasius unter Konstantin d. Gr. um 335–337 nach Trier residierte dort dessen Sohn Konstantin II. Zu Athanasius allg. vgl. Martin Tetz, Art. Athanasius von Alexandrien, in: TRE 4 (1979), 333–349; Rowan Williams, Art. Athanasius, in: RGG4 1 (1998), 870–873. so dieselbige zeit in Gallijs die heuptstad
gewesen, ins ehlentExil. Vgl. Art. Elend 1.d), in: DWb 3, 408. versties, vnd blieb Arrius mit den seinen gleichwol der Ketzer, der er je vnd alzeit gewesen war.
Siehe also handeln diese frome leut jre sachen, geben jrem maul darumb zu essen, das es mus reden, was sie wollen. Richten einen jamer an vnter den vnschuldigen, armen hertzen, damit sie was besonders sein; wenn sie aber
fuͤelen, wo der thamDamm. Vgl. Art. Damm 3), in: DWb 2, 706f. brechen wil, da wenden sie sich, wie sie wollen, vnd sind zu beiden seiten recht. Aber man muͤst jnen die ban verrennenden (Flucht)weg versperren. Vgl. Art. verrennen 2), in: DWb 25, 1007f; Art. Bahn 9), in: DWb 1, 1078. vnd auff jre buͤberey achtung geben, so kan man sehen, was der leidige Teufel durch sie fuͤer hat vnd wie er gleichwol vnter dem schein sein gifft mit dem schoͤnen lieplichen namen der schrifft decket, aber nichts nicht
andert noch bessert, wie Osiander auch, der spricht wol, er meinte mit dem woͤrtlein die Selbwesende gerechtigkeit nichts anderst denn Paulus mit dem woͤrtlein Gerechtigkeit Gottes, wenn man aber fraget: Ja herr, was meinet Paulus mit dem wort Gerechtigkeit Gottes? So spricht er: Nichts anders, denn das ich die froͤmigkeit Gottes heis, so Gottes natur vnd wesen
ist. Hie hat er das woͤrtle selbstendige Gerechtigkeit wol fallen lassen, dieweil es jm die sach zu grob machet vnd seinen handel verraten wil, behelt aber gleichwol seine meinung fein heimlich, die solt er aus der schrifft beweisen, so legt er die schrifft aus vnd wil die vorkleren aus seiner meinung. Dieweil jm aber Lutherus auch ins liecht trit mit seiner Version,ihm die Beleuchtung nimmt, Schatten auf seine Auffassung wirft. Vgl. Art. Licht II.6.g), in: DWb 12, 867f. greifft er
jm in den mundverdreht er ihm die Worte im Mund. Vgl. Art. greifen III.C.1.e), in: DWb 9, 37f. vnd wil auch nachmals Lutherum aus seiner meinung verstanden haben.
Wenn nun das beweisen heist, erstlich einen verstand vnd meinung fassen, nachmals den in die schrifft tragen vnd aus dem die spruͤche der schrifft auslegen seines gefallens, so ist der Schwermer sachen balt geraten. Vnd
kuͤnten wir itzund allen glauben aus der Bibel beweisen vnd war machen. Denn der Tuͤrck kan sagen, die Ge-rechtigkeit Gottes heis sein Alcoran. Der Juͤde kan sagen, es heisse seine beschneidung. Der Bapst, es sey sein orden, kappen,Kutten. Vgl. Art. Kappe f. 1), in: DWb 11, 188f. blattenTonsuren. Vgl. Art. Blatte 2), in: DWb 2, 77. etc. Wer wil den lesterungen vnd luͤgen allen wehren?
Wolan, wir bleiben abermals bey dem richtigen weg, den vns der liebe Gott gewiesen, vnd sagen also, wie droben auch im anfang gedacht ist, Osiander sol vnd mus aus klarer heller schrifft zeugnis furlegen vnd geben, darinnen er beweise: Erstlich das die gerechtigkeit des glaubens sey die froͤmigkeit mit allen tugenden, vnd diese froͤmigkeit mit allen tugenden sey Gott selbst.
Zum andern sol er auch beweisen vnd darthun, das nicht allein wir durch diese gerechtigkeit des glaubens Osiandri gerecht werden, Sondern das auch Christus dardurch sey gerecht worden; denn also ist er ane zweifel von art in seiner menschlichen natur nicht rein ane suͤnde gewesen, Sintemal Gott den Gottlosen gerecht macht, Rom 4,Vgl. Röm 4,5. vnd der gesunde keines artzt bedarff,
Math. 9.Vgl. Mt 9,12. Gott vnd alle frome Christliche hertzen wollen es vns vergeben vnd zu guth halten, das wir der lesterlichen meuler greuliche Blasphemien nachreden muͤssen, vnser hertz erschrickt vnd entsetzt sich daruͤber.
Diese affirmatiuam sol Osiander neben der negatiua droben (das Christus nicht vnser gerechtigkeit sey nach dem er gestorben vnd aufferstanden) beide
beweisen aus Gottes wort, sagen wir. Oder weil er das nicht vermag, auch nu vnd nimmermehr zu ewigen zeiten mit allen seinen krefften wird zu wege bringen, wollen wir (so fern er nicht bues thut) jn fur den ergsten schwermer auff erden halten, dem ein Christliches hertz anohne. verletzung seines gewissen nicht kan einen grus sagen, 2. Johan. 1.Vgl. II Joh 10f.
Dieweil er aber nachmals gleichwol zum schein Lutherum vnd etliche spruͤch der schrifft anzeucht vnd dieselbigen aus seiner meinung ausleget, wollen wir nu die fuͤrnembsten fur vns nehmen vnd weisen aus jnen selbst, wie sie zeterRuf der Anklage od. um Hilfe. Vgl. Art. zeter [II], bes. 2) u. 3), in: DWb 31, 808–811. vber diese gewalt ruffen vnd schreien.
Was er zuuorher, ehr denn er an den Lutherum komet, plaudert vom glauben,
wie er nicht blos lere vnd ledig sey, Sondern Christum ergreiff, vnd wie der glauben nichts zu der Rechtfertigung diene ane Christo – Jst alles ein geschrey, damit der ehlende, arme man die Proposicionem dein glaub hat dir geholffen, Math. 8, 9, 15, Luc. 7,Vgl. Mt 8,13; 9,22; 15,28; Lk 7,50. vnd durch den glauben werden wir gerecht, Rom. 3Vgl. Röm 3,28. etc. gern wolte vertrucken.unterdrücken, verdrängen. Vgl. Art. verdrücken 2), in: DWb 25, 252f. Denn was gehet jn sonst noth
an, das er nicht allein so hefftig fichtet, der glaube sey ane Christo nichts – so er doch ane zweiffel von keinem Theologo die zeit seines lebens anderst gehort, denn sie sich allezeit fein rein declarirn, durch den glauben, das ist: aus gnaden vmb Christi willen, den wir durch den glauben annehmen vnd empfahen, sein wir gerecht – Sondern vber das alles auch den Locum Ro. 4Vgl. Röm 4,5.
sehr mit schlimmen augen ansicht, weis nicht, was er von jm sol halten, dieweil es ein einiger orth ist vnd die andern alle zeugen nicht, das der glaub an jm selbst ALLEJN (gleich als setzte der Locus allein anohne. Christo) vnser gerechtigkeit sey. Zehlet derhalben etliche spruͤch, darinnen dem glauben gegeben wirt, das durch jn, in jm vnd aus jm die gerechtigkeit
kome. Aber widerumb, da Paulus die gerechtigkeit Gottes die gerechtigkeit des glaubens nennet,Vgl. Röm 3,22. schweiget er vnd rauscht fein heimlich furvber.geht möglichst unauffällig darüber hinweg. Vgl. Art. rauschen 4.l), in: DWb 14, 311f. Denn er fuͤelet, wie er auch mehr denn die helfft bekennet im quattern M. an dem ersten blat, das es jm nicht viel forderung zu seinem vorgenomenem handel geben wil,dass es nicht besonders geeignet ist, seine Absichten zu fördern. Sintemal Gott durch keine solche gerechtigkeit gerecht
ist, das er mit allem vertrawen der verheissenen gnade Gottes vnd erloͤsung sich troͤsten muͤste, wie in vns der glaube Christum fasset in der selbigen verheissung, welche Paulus darumb bey dem glauben sonderlichen gewaltig treibet zu den Roͤmern vnd Galatern.
Aber das fehletmisslingt. Vgl. Art. fehlen 1.b), in: DWb 3, 1423f. jm, das er diese stuͤck in seinen kopff nicht kan zusamen
bringen, die gerechtigkeit des glaubens, die gerechtigkeit durch den glauben, Rom. 4,Vgl. Röm 4,11.16. die gerechtigkeit aus dem glauben, Rom. 10,Vgl. Röm 10,6.10. vnd der glaube, zu der gerechtigkeit zugerechnet, Rom. 4.Vgl. Röm 4,5.9.11. Das letzte stuͤcklen jechtjagt. Vgl. Art. jächen, in: DWb 10, 2199; Art. jechen, in: DWb 10, 2284. vnd engstiget jn, macht jm das gantze Corpus seiner lere zu schanden. Darumb wolt ers vns gerne heimlich ausreden, extenuirtsverharmlost es. Vgl. lat. extenuare = verdünnen, verkleinern etc. (Georges I, 2630f s. v.). mehr denn ein mahl als
das ein einiger ort der schrifft. Aber wenn wir auch nicht mehr denn einen einigen buchstaben hetten in der Bibel, vnd sonderlich im heiligen Paulo, der ein kern vnd ausbuntParadebeispiel. Vgl. Art. Ausbund, in: DWb 1, 840f. ist vor allen predigern der gnad oder gerechtigkeit Gottes, wie jn Ambrosius ruͤhmet excellentissimum graciae praedicatorem, lib. 1. de vocatio[ne] Gencium cap. 9.Vgl. Prosper v. Aquitanien (?), De vocatione omnium gentium I, 24 (PL 51, 683B). So ist er vns werder vnd ede
ler in vnserm hertzen denn tausent ertichte newe schwermereien Osianders vnd seinesgleichen, wollen aber daruon bey dem woͤrtlein Imputare mehr handeln.
Was er nu von dem Luthero nimet, heist er von einem menschen betteln. Er moͤchte es warlich wol heissenEr sollte es zutreffenderweise nennen kruͤppeln, radebrechen, vierteilen oder
mit zangen reissen,Formen der Folter: martern, rädern, vierteilen, mit eisernen Zangen zerreißen. Vgl. Art. krüppeln 1.b), in: DWb 11, 2477; Art. radebrechen 3.b), in: DWb 14, 45; Art. vierteilen, in: DWb 26, 336; Art. Zange B.I.2.f), in: DWb 31, 220f. so jemmerlichen verstuͤmpelt, verhawet, zufleischt er dem heiligen tewren man Gottes seine lere, zeucht viel seiner spruͤch an, wie Christus durch den glauben vnser eigen guet vnd gerechtigkeit werde. Wenn aber Lutherus anzeiget, wie er das wolle verstanden haben, worinnen vnd welcher gestalt Christus vnser gerechtigkeit sey, was wir in Christo haben,
darinnen wir gerecht werden, da nimet er einen zulauff,Anlauf. Vgl. Art. Zulauf 1.a), in: DWb 32, 505f. springt vberhin oder verkert jm die wort im mund. Was nu diejenigen sind, die Lutherum bey seinem leben gehort haben, die wissen was je vnd alzeit seine meinung von diesem handel gewesen ist. Die andern aber bitten wir vmb Gottes willen, sie wollen eben diese oͤrter, so Osiander anzeucht, gantz durchaus vnd andere
darbey lesen, so werden sie mit fingern greiffen, mit was torstFrechheit, Verwegenheit. Vgl. Art. Durst [I], in: DWb 2, 1746f. vnd freuel Osiander hirinnen handelt. Es klaget der heilige Jeronimus, das es die art der schwermer oder ketzer sey, die schrifften, deren sie gebrauchen, zu verkeren vnd zu verkuͤrtzen;Vgl. Hieronymus, Biblia iuxta vulgatam versionem, Praefatio in evangelio: Novum opus facere me cogis ex veteri, ut post exemplaria Scripturarum toto orbe dispersa quasi quidam arbiter sedeam et, quia inter se variant, quae sint illa quae cum graeca consentiant veritate decernam. Si enim latinis exemplaribus fides est adhibenda, respondeant quibus; tot sunt paene quot codices. Sin autem veritas est quaerenda de pluribus, cur non ad graecam originem revertentes ea quae vel a vitiosis interpretibus male edita vel a praesumptoribus inperitis emendata perversius vel a librariis dormitantibus aut addita sunt aut mutata corrigimus? (Weber-Gryson, Vulgata, ed. 5., 1515,2–4.9–16; PL 29, 525C.526C–527A). – Vgl. Tertullian, De praescriptione haereticorum 17: Ista haeresis non recipit quasdam scripturas: et si quas recipit, non recipit integras: adjectionibus et detractionibus ad dispositionem instituti sui intervertit: et si aliquatenus integras praestat, niholominus diversas expositiones commentata convertit. Tantum veritati obstrepit adulter sensus, quantum et corruptor stylus. (PL 2 [1844], 30A; vgl. BKV² 24 [Tertullian II], 323). diese art wollen sie wol behalten.
Vnd dieweil er sich sonderlichen gern wolte flicken, decken vnd schmucken
mit dem woͤrtlein, da Lutherus saget, das die Gerechtigkeit des glau- bens sey wesentliche, So wollen wir den Lutherum selbst hoͤren vnd sehen, wie ers wolle verstanden haben vnd ob ers wolle gestendig sein, das Osiander felschlich ruͤhmet, es sey jrer beide eine lere. Oder ob wir diesen vnsern lermeister, den lieben fromen Lutherum, des wir vns mit freuden ruͤhmen, nicht
verstehen. Zwar Osianders lermeister kan er nicht sein, dieweil ers viel ehr gewust wederals. Lutherus vnd er allein von jm nichts genohmen.Osiander hatte behauptet, schon vor Luther zur reformatorischen Erkenntnis gelangt zu sein (vgl. oben bei Anm. 589), oder doch unabhängig von ihm. Letzteres schreibt er etwa in OGA 9, 523,24–33 (Nr. 434: Bericht und Trostschrift, 1551). Denn also ruͤhmet der Zwerg, weil er dem Riesen auff der achsel sitzt, da ist er ja so langk vnd viel lenger denn der Riese selbst.Verbreitete Metapher, bezeugt schon bei Bernhard von Chartres um 1120. Vgl. https://de.wiki pedia.org/wiki/Zwerge_auf_den_Schultern_von_Riesen (zuletzt besucht 10.09.2021).
Erstlich, wenn Lutherus der meinung mit Osiandro were eins gewesen, so
hette er zumahl einen greulichen jamer damit begangen vnd gestifftet, nach dem das woͤrtlein Iusticia DEI so offt in den Epistolis Pauli widerholet wirt, das ers kein mal die gerechtigkeit Gottes, sondern allezeit gleich mit vorgesatztem vleis verdeutscht hat die gerechtigkeit, so vor Gott gilt, vnd hilfft nicht, wie Osiander sagt, das er hat muͤssen sorge tragen, es hette muͤgen
nach gemeiner weise von der richterlichen gestrengen gerechtigkeit verstanden werden. Ach, Lutherus war kein Osiander noch ein ander leichtfertiger Geist, der dem text darumb nicht allein seine bedeutung oder grammaticam, sondern auch seine Dialecticam oder rem ipsam solte geraubet vnd genomen haben. Es were ja vmb eine kleine erinnerung zu thun gewesen am rande,Vgl. die Marginalien in Luthers Biblia Germanica.
wie er sonst in vielen gethan, damit were aller sache geraten vnd aller misuerstand auffgehoben gewesen, wenn er die ge-rechtigkeit Gottes in der meinung hette wollen verstanden haben. Darumb magk Osiander vnd sein anhang von jm trawmen, was sie wollen. Es klingt vnd klapt nicht,Redensartlich: Es passt nicht zusammen, harmoniert nicht, fügt sich nicht. Vgl. Art klappen 3.g), in: DWb 11, 963. sondern wer nur vbel erger gemacht gewesen, dem regen entlauffen vnd ins
wasser gefallen.Redensartlich. Vgl. Art. Regen 5), in: DWb 14, 506f. Das war Lutherus, wie auch Jeronimus in einem interprete im dolmetschen haben wil, in Epistola ad Pamachium de optimo interpretandi genere.Vgl. Hieronymus, ep. 57 (ad Pamachium de optimo genere interpretandi), 5: Ego enim non solum fateor, sed libera voce profiteor, me in interpretatione Graecorum, absque Scripturis sanctis [diese Einschränkung nahm Hieronymus später zurück, vgl. ep. 106,3.54f], ubi et verborum ordo mysterium est, non verbum e verbo, sed sensum exprimere de sensu. Habeoque hujus rei magistrum Tullium nec converti, ut interpres, sed ut Orator, sententiis iisdem et earum formis, tam figuris quam verbis ad nostram consuetudinem aptis. In quibus non verbum pro verbo necesse habui reddere: sed genus omne verborum vimque servavi. non enim me annumerare ea lectori putavi oportere, sed tanquam appendere. Rursum in calce sermonis: Quorum ego, ait, orationes, si, ut spero, ita expressero, virtutibus utens illorum omnibus, id est sententiis, et earum figuris, et rerum ordine: verba persequentes eatenus, ut ea non abhorreant amore nostro. Quae si e Graecis omnia conversa non erunt: tamen ut generis ejusdem sint, elaboravimus. [Zitate aus: Cicero, De opt. gen. orat. 5, 13f] Sed et Horatius vir acutus et doctus, hoc idem in Arte Poetica erudito interpreti praecipit: Nec verbum verbo curabis reddere, fidus Interpres. [Horaz, Ep. II 3, 133f] (PL 22, 571; BKV² II. Reihe: Bd. 18, 270f). Erstlich fasset er rem ipsam, die meinung vnd den handel an jm selbst behielt er fest, dem lies er nicht ein puͤnctichen nehmen, nicht ein tittelchin verkeren oder verrucken. Nachmals wenn es daran kam, wie mans
moͤchte deutlichen vnd bescheidlichendeutlich, eindeutig, unmissverständlich, klar. Vgl. Art. bescheidlich, in: DWb 1, 1558. reden, da legt ers auff die goltwage,Redensartlich: ging er mit größter Vorsicht und Subtilität vor. Vgl. Art. Goldwaage, in: DWb 8, 863f. vnd was den handel am klersten geben wolt, das behielt er. Schobe die erbeit nicht auff ander leut, wie jm Osiander auch schult giebet, als sey er nicht alzeit selbst darbey gewesen, aber thut jm gewalt vnd vnrecht, war darzu kein vnzeittiger kopff, der allein die Raben vnd CoruenWortspiel mit Rabini und corvus = Rabe. der
Juden gelesen vnd ausgesogen, Sondern da war aus Gottes gnaden ein hohes Judicium, ein getrewes, fromes hertz vnd die gaben reichlich, das ers wuͤste zu reden vnd zu geben vor vielen andern, wie sichs gebuͤret. Hoͤrt sich aber gleichwol darneben nicht selbst allein, wie die selbgewachseneaus eigener Macht, auf eigene Autorität hin, ohne Unterstützung von außen. Doctores vnd Theologi thun, welchen jr gesang am aller besten gefelt. Sondern nam
auch andere treffliche leuth zu rath, derer gar ein schoͤner hauffen damals beisamen waren.Luther beriet sich im Hinblick auf die Übersetzung des Alten Testaments und die Revision des gesamten Bibeltexts mit ausgewiesenen Fachleuten, so mit dem Gräzisten Philipp Melanchthon und dem Hebraisten Matthäus Aurogallus, ferner mit Caspar Cruciger, Justus Jonas, Johannes Bugenhagen, Veit Dietrich und Bernhard Ziegler; seit 1531 protokollierte Georg Rörer die Beratungsergebnisse. Vgl. Stefan Michel, Luthers Sanhedrin. Helfer und Mitarbeiter an der Lutherbibel, in: Margot Käßmann/Martin Rösel (Hgg.), Die Bibel Martin Luthers. Ein Buch und seine Geschichte, Leipzig 2016, S. 117–135.
Vnd hat also Lutherus mit seiner dolmetschung nicht allein diesen jrrthumb wehren, sondern auch den handel an jm selbst in rechtem verstand geben wollen, das die gerechtigkeit des glaubens heist vnd ist nicht die selb
stendige innerliche Gerechtigkeit Gottes vnd kans nicht heissen, sonst muͤsten wir die selbwesende Goͤttliche natur werden, dieweil Paulus spricht, wir werden die gerechtigkeit Gottes in Christo, 2. Cor. 5,Vgl. II Kor 5,21. daruon hernacher, Sondern die gerechtigkeit, so vor Gott gilt, oder wie es Paulus, der heilige Apostel selbst verkleret, damit er den Gottlosen gerecht macht, Rom. 3 vnd
4.Vgl. Röm 3,24.26.28; 4,5f.24f. Wie Augustinus auch sagt, lib. de Spiritu et litera cap. 9: die gerechtigkeit Gottes (spricht Paulus) ist offenbaret. Er sagt nicht, die gerechtigkeit eines menschen oder die gerechtigkeit des freien willen, Sondern die gerechtigkeit Gottes, nicht in welcher Gott gerecht ist, Sondern damit er den menschen anzeucht, wenn er den Gottlosen gerecht machtVgl. Augustinus, De spiritu et littera 9: Justitia, inquit, Dei manifestata est: non dixit, Justitia hominis, vel justitia propriae voluntatis; sed, justitia Dei, non qua Deus justus est, sed qua induit hominem, cum justificat impium. PL 44, 209 (CSEL 60, 167,5–8).
etc. haec ille.
Zum andern Muͤst es ja eine grosse plag vnd scheusliche vorgessenheit gewesen sein in diesem grossen man Gottes, das ers weder in predigen priuatim oder publice, noch in oͤffentlichen schreiben gemeldet oder gedacht hette, wenn er des sinnes vnd verstandes mit Osiandro eines gewesen wer,
Das die gerechtigkeit des glaubens sey die selbwesende innerliche gerechtigkeit Gottes, So er doch diesen einigen artickel teglich handelte vnd nimmermehr von der hant komen lies. Der artickel war sein teglich brot, damit stund er auff vnd ginck zu bette, was er las, das diesen einigen Artickel nicht offt vnd ernstlich trieb, das schmackt jm nicht, in seinem lesen vnd
predigen war es der anfang, mittel vnd ende, so balt er denn auff den artickel kam, so wuͤchsen die wort nicht im munde, sondern im hertzen; das ging auff wie ein gewaltige brunst, flos alles zu mit spruͤchen aus Gottes wort, die dehnet, die kruppelt,verkrüppelte, verstümmelte, entstellte. Vgl. Art. krüppeln 1.b), in: DWb 11, 2477. die martert vnd noͤtiget er nicht, sondern sie funden sich willig in jhrem reinen verstand, vnd hat er zeit, so brecht er die
schoͤnen exempel der lieben Veter darzu, wand vnd drehet aus den lieplichen rosen vnd MeyenbluͤmichenMaiblümchen, insbes. Maiglöckchen (Convallaria majalis L.). Vgl. Art. Maienblümchen, in: DWb 12, 1476. des guͤldenen paradis Gottes ein schoͤnes krentzlein,Vgl. Luther, Eine einfältige Weise zu beten, für einen guten Freund, 1535, WA 38, (351) 358–375, worin er dazu anleitet, aus jedem Katechismusabschnitt ein vierfach gedrehtes Kränzlein – Lehre, Danksagung, Beichte, Gebet – zu machen. das setzt er seinen zuhoͤrern auff jr hertz vnd seelichin, das roch vnd gab krafft durch leib vnd seel, verandert sinn vnd muth. Ach, es ist, wie ein trefflicher, teurer man eine zeit gesaget: Lieber, schweiget, alle
Theologi muͤssen von dem man Gottes die lehen empfangen.Urheber bislang nicht zu ermitteln.
Noch ist kein buchstaben, kein wort, kein tittel,Wenn man die Aufzählung als der Länge nach steigernd betrachtet, wäre unter tittel hier eine Überschrift oder eine ganze Schrift (ihr Titel dann pars pro toto) zu verstehen, ansonsten wäre auch an Tüttel, Pünktchen zu denken. Vgl. Art. Titel 1.b), in: DWb 21, 522f; Art. Tüttel m., in: DWb 22, 1949f. darinnen er auff diese meinung stimmete, das Gott vnser gerechtigkeit sey nach seiner Goͤttlichen selbstendigen innerlichen oder wesentlichen gerechtigkeit vnd nicht nach der menscheit, wie Osiander plerret.schreit, heult. Vgl. Art. plärren 2.a), in: DWb 13, 1898f.
Zum dritten: Aber ja wol mit Osiandro eins wie Belial vnd Christus, liecht vnd finsternis, luͤgen vnd warheit, also ist Osiandri lere vnd Lutheri einig.Vgl. II Kor 6,15. Vnd darff dis wenig disputirens da stehen seine eigene wort, darinnen er vns oͤffentlichen vor der meinung Osiandri warnet. Denn also schreibet er vber den 143. Psal.:Vgl. Luther, WA 18, 522,27–32.39f (Die sieben Bußpsalmen, 1525, zu Ps 143,1). hie ist zu mercken, das das woͤrtlein dein warheit oder
glaub vnd dein Gerechtigkeit nicht heist die, da Gott mit gleubt vnd gerecht ist, als etliche viel meinen. Sondern die gnade, damit vns Gott gleubig vnd gerecht macht durch Christum, wie denn der Apostel Paulus Rom. 1 vnd 2 vnd 3 nennet die gerechtigkeit Gottes vnd glauben Gottes, die vns durch die gnade Christi gegeben wirt etc. Gottes ist sie, der die rechte grunt
gute gerechtigkeit giebet, welche ist der glauben Christi.
Vnd noch klerer in der kirchen Postil vber das Euangelium am ersten Sontag des Aduents: Merck dieses stuͤcklein, spricht er, mit vleis, das wo, du in der schrifft findest das woͤrtlein Gottes gerechtigkeit, das du dasselbige In größerem Schriftgrad gedruckt.ja nicht von der selbwesenden innerlichen Gerechtigkeit Gottes verstehest.
Sondernwie die Papisten / auch viel heiliger Veter geirret haben / du wirst sonst dafur erschrecken / Sondern: VD 16 L 5615 (vgl. Anm. 708). wisse, das es heisset nach brauch der schrifft die ausgegossene gnad vnd barmhertigkeit Gottes durch Christum in vns, dauon wir fur jm from vnd gerecht werden geacht. Vnd heist darumb Gottes gerechtigkeit oder froͤmigkeit, das nicht wir, sondern Gott sie wircket in vns mit gnaden etc.Vgl. Luther, Kirchenpostille (1550; VD 16 L 5615), Ev. z. 1. Advent (Mt 21,1–9), Bl. 10v.
Nicht ists muͤglich, wenn Lutherus noch itzunt lebete, das er sich deutlicher
kuͤnde declarirn vnd seine meinung sagen auff Osiandri schwermerey. Noch hat es jn auch nicht geholffen, sundern diese tolle geister haben sich an diese seine wort gemacht vnd mercklichen daran versucht, wie sie dieselbigen jm moͤchten im munde verkeren, auff das es ja nicht so gar scheinbarlichendeutlich, offensichtlich. Vgl. Art. scheinbarlich 2.b), in: DWb 14, 2438f. an den tag keme, das Lutherus nicht mit jenen eins were, sondern sie
gestracks fur schwermer ausrufft vnd vor jrer falscher lere meniglichen warnet. Vnd dieweil jnen sonderlichen die wort nach dem hertzen griffen, das Lutherus schreibet, man sol es ja nicht verstehen von der wesentlichen innerlichen gerechtigkeit Gottes, zogen sie vber dieselbigen wort einen solchen blawen donst vnd nebel,Blauer Dunst und Nebel = absichtliche Unklarheit, Undurchsichtigkeit, Verwirrung, falscher Schein, lügenhafte Vorspiegelungen. Vgl. Art. blau 1), in: DWb 2, 81f; Art. Dunst 4), in: DWb 2, 1561f. das Lutherus hiemit allein die
gestrenge richterliche gerechtigkeit Gottes wolle ausgeschlossen haben. Die heis er aber darumb die innerliche, das sie in Gott noch verborgen vnd nicht in der that, wie die guͤtige froͤmigkeit, in Christo geoffenbaret ist, sondern wirt aller erst geoffenbaret werden am Juͤngsten tag, welchen Paulus nennet einen tagk des zorns vnd der offenbarung des gerechten gerichte Gottes,
Rom. 2.Vgl. Röm 2,5.
Das heist Lutherum auslegen vnd ein artiges glosleinkunstreiche, geschickte Auslegung bzw. (Fehl)deutung, auch allgemeiner i. S. v. Betrug. Vgl. Art. artig, in: DWb 1, 573f; Art. Glöszlein 1), in: DWb 8, 218. machen, ja wer auch die leuth bereden kuͤnt, das sie der geschmucktengetarnten, aufgeputzten. Vgl. Art. schmücken II.7), in: DWb 15, 1126. luͤgen glauben wolten! Denn was kan doch vnuerschempter auff erden getichtet werden denn das ist, das Gottes gestrenge gerechtigkeit, damit er die suͤnde richtet vnd strafft im
zorn, noch nicht sol offenbaret sein? Was thut denn Gott im Paradis, da er Adam vnd Euam so ernstlich fuͤrniemet vnd dem tod vbergiebet?Vgl. Gen 2,17; 3,19. Was thet er in der Sindflues?Vgl. Gen 6,5–7. Jtem mit Sodoma vnd Gomohrra?Vgl. Gen 18,20f; 19,24f. Mit dem schrecklichen vntergang des Judischen reichs?Vgl. II Reg 24,10–25,30. Ja wol? was thut er mit seinem lieben Son, da er vber denselbigen seinen grimmigen, grausamen zorn auff ei
nen hauffen ausschuͤttet vnd jn damit in der suͤnd der gantzen welt schlecht,schlägt. also das auch Paulus sagt, er sey die suͤnd vnd der fluch selbst worden?Vgl. Gal 3,13. Das kein solch grausam, schrecklich exempel Goͤttlicher, gestrenger vnd richterlichen gerechtigkeit in ewigkeit nimmermehr zu gewarten, als an Christo bewiesen ist. Er wirt ja seinen zorn auch offenbaren
am tagk des gerichts, wie Paulus saget,Vgl. Röm 2,5f. vber die vnbusfertigen, die itzund Gottes langmuͤtigkeit – das er so recht lang innen helt vnd mit der straff verzeucht,die Strafe hinauszögert, aufschiebt. Vgl. Art. verziehen A.1.a), in: DWb 25, 2596f. damit er zeit vnd raum gibet zur bues – verachten vnd vergessen; das man aber daraus wil Vniuersaliter schliessen, sein gestrenges gericht wider die suͤnde sey noch innerlich, heimlich vnd nicht offenbar, ist
ein vnuerschembt geticht wider Gottes wort vnd die erfarung selbst, ja eine lesterliche verkleinerungGeringschätzung, Herabwürdigung. Vgl. Art. Verkleinerung 2), in: DWb 25, 663f. der wolthat Christi Jhesu, des Sons Gottes, der aller vnser schmertzen getragen, wie Esaias sagt cap. 53.Vgl. Jes 53,4f.
Darumb bleibt Lutheri meinung fest, damit er vns anzeigt, das ers mit Osiandro die zeit seines lebens nie gehalten vnd nimmermehr halten wil, warnet vns
darneben, das wir vns vor der schwermerey auch huͤten sollen, als die der schrifft einen fremden verstand machet vnd damit diejenigen, so jr anhangen, gewislichen verfuret. Wer folgen wil, der thue es. Wer nicht wil, fahr immerhin vnd erfahr es. Narren sol man mit kolben lausen.Mit Kolben lausen = mit Keulen den Kopf bearbeiten, prügeln. Vgl. Wander, Sprichwörter 3 (1873), 913[a], s. v. Narr, Nr. 829.
Lieber, sprichstu nun: Was heist denn Lutherus die Gerechtigkeit des glau
bens? Antwort: Genugsam hat er sich vorwahret vnd bedinget, das er es nicht heist die selbstendige, innerliche gerechtigkeit Gottes, damit er gerecht ist; wer das von jm sagt, der leugt jn an vnter der erden,leugt ihn an = verleumdet ihn, sagt ihm fälschlich etwas nach (vgl. Art. anlügen, in: DWb 1, 403f); unter der erden = noch im Grab, den schon Verstorbenen. wie er denn zuuor offt gesaget, das jm von den jrrigen Geistern widerfahren werde.Vgl. etwa Luther, BSELK 720,7–14: Denn was sol ich sagen? Wie sol ich klagen? Ich bin noch im leben, schreibe, predige und lese teglich; Noch finden sich solche gifftige Leute nicht allein unter den widersachern, sondern auch falsche Brüder, die unsers teils sein wollen, die sich unterstehen mein schrifft und lere stracks widder mich zu furen, lassen mich zusehen und zuhören, ob sie wol wissen, das ich anders lere, und wollen ire gifft mit meiner erbeit schmücken und die armen leute unter meinem namen verfüren. Was wil doch imer mehr nach meinem tode werden? (Schmalkaldische Artikel, 1538, Vorrede). Er heist aber die gerechtigkeit des glaubens Jhesum Christum, den waren Gottes
Son, in dem er fur vns mensch worden, gelitten vnd am dritten tagk wider aufferstanden, auff das wir darinnen haben vergebung der suͤnden, Gottes gnad vnd gunst, alle, die wir jn mit festem glauben vnd vertrawen annehmen.
Also schreibet er eben im selbigen stuͤck, so Osiander aus dem buͤchlein von zweierley gerechtigkeit angezogen: Diese gerechtigkeit wirt den
menschen gegeben in der tauff vnd zu jder zeit der warhafftigen bus, also das der mensch getrost in Christo rhuͤmen tharsich zu rühmen wagt. Vgl. Art. durren, in: DWb 2, 1743–1745. vnd sprechen: Mein ists, das Christus gelebet, gethan, geret,geredet. gelitten vnd gestorben ist, nicht anderst, denn wenn ichs selbst also gelebt, gethan, gered, gelitten het vnd gestorben were etc.Vgl. Luther, WA 2, 145,14–18: Haec ergo iusticia datur hominibus in baptismo et omni tempore verae poenitentiae, ita ut homo cum fiducia possit gloriari in Christo et dicere meum est quod Christus vixit, egit, dixit, passus est, mortuus est, non secus quam si ego illa vixissem, egissem, dixissem, passus essem et mortuus essem. (Sermo de duplici iusticia, 1519). Hie hoͤrestu, was Lutherus die gerechtigkeit heist, die vns in
Christo gegeben wirt, das wir darinnen auch gerecht werden vnd der wir vns getrost in Christo ruͤhmen muͤgen: Es ist das, das Christus, Gott vnd mensch, gelebet, gethan, geret, gelitten etc.
Jtem vber das 14. cap. Johannis, folio 163: Sihe, also mustu diesen spruch verstehen, da er spricht: Jr werdet erkennen, das ich im Vater vnd der Vater
in mir ist, das ist: jr muͤsset nicht allein ansehen mein fleisch vnd blut (welches jr schon itzt sehet, gleich wie es die Juden auch sehen) oder meine substantz vnd wesen, das ich bin Gott vnd mensch, In größerem Schriftgrad gedruckt.Sondern was ich rede thue vnd schaffe oder was mein ampt ist vnd warumb ich da bin; wenn jr solches ansehet, so sehet vnd hoͤret jr, das ich zu euch rede vom Vater eitel
trost, lieb, gnad vnd barmhertzigkeit vnd darzu mit der that solches beweise, weil ich fur euch sterb vnd aufferstehe. So jr solches an mir sehet, so sehet jr den Vater Wi dt 4: Vater in mir / vnd mich in dem Vater. etc. Denn dis ist eigentlich des Vaters meinung, hertz vnd wil etc.Vgl. Luther, Wi dt 4, Bl. 163v (WA 45, 589,14–24) (Das XIV. und XV. Kapitel S. Johannis gepredigt und ausgelegt, 1538).
Jn diesem ort wirts vber die massen klar, das du auch fein sehen kanst, wo es
sich mit Osiandro, vnd zwar mit der gantzen schriefft, stost. Lutherus behelt in dem handel vnser rechtfertigung jmer die person gantz vnd vereiniget die mit jrem ampt oder werck. Da blieben jm die verheissungen von dem samen des weibes vnd desselbigen feindlicher handlung wider das reich des Teufels fein rein beisamen.Vgl. Gen 3,15. Osiander reist erstlich das werck von der person, sagt,
das koͤnde nicht vnser rechtfertigung sein. Nachmals, do es die person sein sol, trennet er dieselbigen auch, vnd hiemit fuͤret er dich in die selbwesende blosse Gottheit, das gleich wie Gott in seiner Goͤttlichen natur wesentlich gerecht ist von ewigkeit, anohne. die menscheit vnd alles leiden oder sterben, also sagt er, wir auch. Rath nu zu, warzu ist dein lieber heiland Christus
mensch worden? Darzu, spricht er, auff das die Gottheit durch die menscheit in vns auch kome. Aber wo schrifft, er Osiander?Wohl folgendermaßen zu verstehen: Wo findet Ihr das in der Schrift belegt, Ehren Osiander? im Schlauraffen land, antwort er, wachsen die pauren auff den beumen.Vgl. Hans Sachs, Das Schlaweraffen Landt (datiert Anno Salutis. M. D. XXX.): EJn gegent haist Schlauraffen Land | Den fawlen lewten wol bekandt | Das ligt drey meyl hinder Weynachten | | So wachsen Bawern auff den bawmen | Gleich wie in vnserm Land die pflawmen | Wens zeytig sind so fallens ab | Yeder in ein par Stifel rab | (zitiert nach: Sehr Herr= || liche Schoͤne || vnd warhaffte Gedicht. || Geistlich vnnd Weltlich / allerley art / als || ernstliche Tragedien / liebliche Comedien / seltzame Spil / kurztweilige || Gesprech / sehnliche Klagreden / wunderbarliche Fabel / sampt an= || dern lecherlichen schwencken vnd bossen etc. Welcher stuͤck || seind dreyhundert vnnd sechs vnnd sibentzig. || Darundter Hundert vnd sibentzig stück / || die vormals nie im truck außgangen sind / yetzund aber aller welt || zu nutz vnnd frummen inn Truck verfertigt. || Durch den sinreichen vnd weyt beruͤmbten Hans Sachsen / ein lieb= || haber teudscher Poeterey / vom M. D. XVI. Jar / biß auf diß M. D. LVIII. || Jar / zusamen getragen vnnd volendt. || Getruckt zu Nuͤrnberg bey Christoff Heußler. || Jm Jar / M. D. LVIII. [VD 16 S 142], Bl. CCCCCXLIIIIr). Vgl. Rita Voltmer, Art. Schlaraffenland, in: Enzyklopädie der Neuzeit 11 (2010), 763–767. Wollen aber noch einen locum oder zwen sehen aus dem Luthero, damit wir klerlichen vernehmen, was doch er die gerechtigkeit des glaubens heisse.
Jn der Hauspostil am vierden Sontagk nach Ostern schreibet er also: diese meinung stehet fest vnd gewis, das wir kein andere gerechtigkeit noch ewiges leben koͤnnen haben denn diese, In größerem Schriftgrad gedruckt.Das Jhesus Christus von dieser welt zum Vater gegangen ist. Da, sprich, wil ich bey bleiben, vnd sol mirs der Teufel nicht nehmen noch vmbstossen; schrecken kan er mich vnd mir ein gewissen
machen, denn ich weis sehr wol, das meine wege jm zu schwach sind. Aber da ist ein ander wegk, denn nicht ich, sondern Christus gehet in dem hoͤchsten gehorsam gegen seinen himlischen Vater; denselbigen wird der teufel nimmermehr vngerecht oder zum suͤnder machen koͤnnen, wenn er mich gleich zum suͤnder macht; darumb wil ich mich auch seiner annehmen vnd
troͤsten.Vgl. Luther, WA 52, 294,32–40 (Hauspostille 1544, Predigt am So. Cantate, zu Joh 16,5–15).
Jtem zuuorn: des Herren Christi gang aber heist anders nichts, denn das er gelitten vnd am creutz gestorben vnd durch den tod von dieser welt abgescheiden ist vnd zum Vater gangen, das ist: gen himel auffgefahren, da er sitzet zur gerechtenRechten, rechten Hand. Vgl. Art. gerecht 2.h), in: DWb 5, 3596f. Gottes vnd regiret etc. Das also gerechtigkeitaus: grechtigkeit. nicht ist meiner
krafft noch vermuͤgens, sondern des Herren Christi eigenes werck, das er zum Vater gehet.Vgl. Luther, WA 52, 294,13–18 (Hauspostille 1544, Predigt am So. Cantate, zu Joh 16,5–15). Vnd hernacher: Ausser dem glauben ists alles suͤnd, vnd stehet die rechte, ewige gerechtigkeit allein auff dem, das Christus zum Vater gehet vnd wir jn nicht mehr sehen.Vgl. Luther, WA 52, 295,31–33 (Hauspostille 1544, Predigt am So. Cantate, zu Joh 16,5–15).
Jtem vber das 16 cap. Johannis: da mustu die gerechtigkeit suchen vnd fin
den: Nicht bey dier, noch auff erden bey menschen, sie sein auch, wer vnd wie sie wollen. Denn die Christen sollen kein ander gerechtigkeit wissen, damit sie fur Gott bestehen vnd gerecht gesprochen werden, vergebung der suͤnden vnd ewiges leben erlangen, denn diesen gang Christi zum Vater, welcher ist nichts anders (wie offt gesagt), denn das er vnser suͤnd auff
seinen hals genohmen vnd sich vmb der selben willen lassen am Creutz toͤdten, begraben vnd in die helle gefaren. Aber nicht vnter der suͤnde, noch tod vnd helle blieben, sondern hindurchgangen durch sein aufferstehung vnd himelfart vnd nu gewaltiglich herschet zur rechten hand des Vaters vber alle creaturn.Vgl. Luther, WA 46, 44,2–12 (Das XVI. Kapitel S. Johannis gepredigt und ausgelegt, 1539, zu Joh 16,10).
Jtem: es ist aber solche gerechtigkeit gar heimlich vnd verborgen, nicht allein fur der welt vnd vernunfft, sondern auch fur den heiligen. Denn sie ist nicht ein gedancken, wort noch werck in vns selbst (wie die Sophisten von der gnade getreumet haben, In größerem Schriftgrad gedruckt.Das es sey ein eingegossen ding in vnserm hertzen), Sondern gar ausser vnd vber vns, nemlich der ganck Christi zum Vater
(das ist sein leiden vnd aufferstehen oder himelfart), vnd dasselbige darzu aus vnserm sinnen vnd augen gesetzet,in der Kustode: gesetzt. das wirs nicht sehen vnd fuͤlen kuͤnden, Sondern allein mit glauben mus ergriffen werden des worts, so von jmaus: jw. geprediget wirt, das er selbst sey vnser gerechtigkeit, wie S. Paulus 1. Cor. 1 sagt: Das er vns gemacht ist von Gott zur weisheit, Gerechtigkeit vnd zur
heiligung vnd erloͤsung, auff das wir vns nicht vnser selbst, Sondern allein dieses Herrn fur Gott ruͤhmen. Das ist je eine wuͤnderliche Gerechtigkeit, das wir sollen gerecht heissen oder gerechtigkeit haben, welche doch kein werck, kein gedancken vnd kurtz gar nichts in vns, sondern gar ausser vns in Christo ist vnd doch warhafftig vnser wirt durch sein gnatGnade. vnd geschenck
vnd so gar vnser eigen, als were sie durch vns selbst erlanget vnd erworben.Vgl. Luther, WA 46, 44,23–38 (Das XVI. Kapitel S. Johannis gepredigt und ausgelegt, 1539, zu Joh 16,10).
Jtem: Aber hie hoͤre ich, das Christus sagt, das meine gerechtigkeit sey die, das er einen ganck zum Vater gethan vnd gen himel gefaren; daselbst ist sie hingesetzt, das sie mir der Teufel wol mus bleiben lassen, den er Christum
nicht zu einem suͤnder machen noch seine gerechtigkeit straffen oder tadeln kan. Bin ich ein suͤnder, vnd mein leben vor Gott nicht bestehet, vnd keine Gerechtigkeit in mir finde, so hab ich aber einen andern schatz, welcher ist meine Gerechtigkeit, darauff ich ruͤme vnd trotze. In größerem Schriftgrad gedruckt.Das ist dieser ganck zum Vater, welchen er mir gegeben vnd geschenckt hat; was mangelt demselbi
gen Oder was kanstu daran tadeln?Vgl. Luther, WA 46, 45,11–20 (Das XVI. Kapitel S. Johannis gepredigt und ausgelegt, 1539, zu Joh 16,10).
Jtem: Da ist kein ander trost on allein dieser gangk Christi, In größerem Schriftgrad gedruckt.Welcher vnser heuptguet vnd erbe, entlicher trotz vnd ewige gerechtigkeit ist.Vgl. Luther, WA 46, 46,25f (Das XVI. Kapitel S. Johannis gepredigt und ausgelegt, 1539, zu Joh 16,10).
Das sint eitel duͤrre helle wort, darinnen Lutherus seiner meinung klerlichen guten bescheid gibt vnd anzeigt, das er die gerechtigkeit des glaubens, daruon
er offt redet vnd schreibet, kein andere wil verstanden haben denn die, welche ist Christus Jhesus, war Gott vnd mensch, in dem er fur vns gelitten vnd damit zu gnaden gebracht, das wir durch den glauben an jn haben vergebung vnd das ewige leben. Vnd solte Osiander diese stuͤck aus dem Luthero haben angezogen, dieweil er wolt beweisen, das in der gerechtigkeit des glaubens
sie miteinander eins weren. So lest er die aussen vnd bralletbrüllt, quasselt. Vgl. Art. brallen, in: DWb 2, 292. vnterdes mit einem grossen hauffen der andern spruͤch hereinner,herein. Vgl. Art. hereiner, in: DWb 10, 1089. das Christus in vns wohnet, vnser gerechtigkeit vnd einiges, rechtes heuptgut ist. Ja noch wol mehr, da er fuͤlet, wie jm dieser einige spruch Christi von seinem gangk zum Vater, den Lutherus so recht schon handelt in den vorigen oͤrtern, so
gewaltig allein sein jrrige meinung stuͤrmen vnd stuͤrtzen wil, macht er sich torstiglichenfrech, vermessen. Vgl. Art. durstiglich [I], in: DWb 2, 1755. an den selbigen mit einem eigenen buͤchlein von zweien bogen,Vgl.: Rechte ware vnd || Christliche Auslegung || vber die Wort des HERRN || Johannis am 16. || Ich geh zu meinem Va= || ter / vnd ir sehet mich fort || nicht mehr. || Wider die newen Ketze= || rey / die / die Goͤttlichen Gerechtigkeit / vnsers || HERRN Jhesu Christi verwirfft / vnd || verlestert / als sey sie nicht / durch || den Glauben vnser / v] jn vns. || Andreas Osiander. || Koͤnigsperg || Jn Preussen / den 20. || Septembris. || 1551. (VD 16 O 1092) 8 Bl. 4° (OGA 9, Nr. 491; unsere Nr. 5). ringet vnd windet sich damit, vnd da er jn nicht vermagk zu werffenzu Boden zu schleudern, niederzuringen, (auf den Rücken) zu werfen. Vgl. Art. werfen A.1.a.β.αα), in: DWb 29, 281. – er ist jm zu starck – behengt er jn mit seinen groben, greifflichen, falschen luͤgen vnter dem schein, als sey es die rechte, wahre
vnd Christ-liche auslegung, macht einen vorkerten sin, denn auch die knaben in schulen aus der gemeinen vernunfft vnd Dialectica greiffen konnen. Ruͤfft nachmals andern leuten vbel nach, sagt, er hab es aus grosser erfarung, das er wisse, wie die Ketzer die schrifft felschlichen auslegen, vnd hats freilich aus seiner erfarung, denn wenn ers nicht wuͤste, der es teglichen
practicirt, was sollen andere wissen?
Die erste grobe, greiffliche luͤgen Osiandri im selbigen buͤchlein vber diese wort Christi ist die, das er spricht, der heilige Geist vberweiseüberzeuge. Vgl. Art. überweisen A.1.c), in: DWb 23, 640. die welt von der gerechtigkeit damit, das er leret vnd zeugetbezeugt. Vgl. Art. zeugen II.2.c), in: DWb 31, 851. in den geistreichenvom Heiligen Geist erfüllten. Vgl. Art. geistreich 1.a), in: DWb 5, 2789f. leuten (one zweifel wie er einer ist), Das Christus zum Vater gehet, vnd aus dem
selbigen sollen wir verstehen, was die ware vnd ewige gerechtigkeit sey. Vgl. Osiander, Auslegung über Joh 16 (VD 16 O 1092, s. o. Anm. 747, unsere Ausgabe Nr. 5), Bl. A 3r: Nun ist aber gewiß / das der heilig Geist / solches straffen / nicht fur sich selbs vbet / sonder durch die Aposteln / vnd andre geistreiche Leut / treybt vnd vbet er solche straff / derhalben ist offenbar / das / weil die Welt steht / vnd noch geistreiche leut / in der Welt sein / dises hadern / zancken / disputirn / vnd straffen nicht auffhoͤren wirt / noch auffhoͤren kan / dan der heilig Geist / lest seines straffens nicht / so lest die Welt jres widersprechens auch nicht.
Hie darffs nicht viel kunst, ein jder Christ neme so viel der mussennehme sich soviel Zeit (Muße). vnd lege die wort Osiandri mit den worten Christi, Johan. 16, gegeneinander vnd frage sich selbst, ob es einerley ist vnd mit guten trewen gehandelt in Gottes wort, Das Christus spricht, Das sey die Gerechtigkeit, daruͤber der heilige
Geist die welt straffen werde, das er zum Vater gehet.Vgl. Joh 16,8–11. Osiander spricht: das ist nicht die gerechtigkeit, sondern aus dem sollen wir verstehen, was die gerechtigkeit sey. Wenn ein diener in weltlichen dingen seinem herren nicht in geringen, sondern in wichtigen sachen, daran jm leib, ehr vnd guet gelegen were, also seine wort verkerete, was solte man wol sagen, das ein solcher
froͤmblingFrömmler. Vgl. Art. Frömmling, in: DWb 4, 248f. vnd zartes fruͤchtichinFrüchtchen, leichtfertige, ungeratene junge Person. Vgl. Art. Früchtchen 2), in: DWb 4, 269. verdienet hette?
Zum andern fraget er nach, aus was krafft vnd macht Christus ist gen himel gefaren; dieweil nu solches nicht aus krafft vnd vermuͤgen menschlicher natur geschehen, sondern es ist ein werck der gantzen Dreifaltigkeit, wie er das starck mit vielen schrifften beweist, darumb bawet
er hierauff vnd schleust nu also: Der ganck Christi zum Vater ist vnser gerechtigkeit, die gantze vnzertrenliche Gottheit hat den ganck Christi zum Vater gewirckt. Darumb ist die Gottheit vnser gerechtigkeit, vnd nicht die menscheit.
Wunder ists, das sich die seulen am himel nicht biegen gegen einem solchen
mechtigen grunt, damit sie auch darauff moͤchten ein wenig rwen;ruhen. hangt vnd schleust es doch so fest aneinander wie ein strick aus sande gewunden, wie Jreneus sagt von der ketzer argumentis,Vgl. Irenaeus von Lyon, Adversus haereses I,8,1 (FChr 8/1, 174,13). vnd ist nicht muͤglich, das einiger vernuͤnfftiger mensch das solte vmbstossen, eben so wenig als dis: Das haus ist mein wonung, der zimmerman hat das haus gemacht, darumb
ist der zimmerman meine wonung vnd nicht das haus. Toll vnd doͤricht sint die zu Koͤnigsberg worden (werden die schuͤtzenABC-Schützen, Schulanfänger. Vgl. Art. Schütze m. 3), in: DWb 15, 2127. in den schwlenSchulen. sagen) wenn sie das lesen, Sonderlichen von vnserm Primario.Osiander war Professor primarius der theolog. Fakultät Königsberg. Noch ist es hier gedruckt, vor allen kirchen feil getragenfeil getragen = zum Verkauf angeboten. vnd fur eine festung gehalten, daraus aller widersacher Osiandri jr ketzerischer verstand der warheit zu
truͤmer muͤste gehn.
Vnd eben auff den grunt volgert er noch mehr: Dieweil wir auch wollen gen himel faren vnd zum Vater gehen, so mus die Goͤttliche natur durch menscheit Christi in vns wohnen, das ist denn die gerechtigkeit, die vns gen himel bringet; vnd kan das nicht fei-len, sondern ist gewis aus der 1.
Thes. 4,Vgl. I Thess 4,17. da Paulus sagt, wie die auserwelten nicht eigener krafft, sondern durch ein andere dem Herren Christo werden entgegen hingezuckt werden – ja sagt er hingezuckt werden! – das wirt durch die Goͤttliche natur geschen, so in vns wohnet, darumb ist klar, das die gerechtigkeit, derhalben der heilige Geist straffen wirt, die selbwesende innerliche Goͤttlich natwr
ist.Vgl. Osiander, Auslegung über Joh 16 (VD 16 O 1092, s. o. Anm. 747, unsere Ausgabe Nr. 5), Bl. B 2r–v: Hierauff hat auch der heilig Paulus gesehen / da er 1. Thesselo. am 4. Cap. spricht / Die Todten in Christo werden aufferstehn zu erst / darnach wir / die wir leben vnd vberbleiben / werden zugleich mit den selben hingezuckt werden / in den Wolcken / dem HErrn entgegen / Dann da hoͤren wir / das alle außerwelte / nicht auß eigner krafft gen Himel faren / sonder durch ein andre krafft / dem HERRN Christo entgegen hingezuckt werden / ja / sagt er / hingezuckt werden. Soͤlches hinzucken aber / wirt durch keinen Engel geschehen / sonder die Goͤttliche Natur / vnsers HERRN JHEsu Christi / der durch den Glauben in vns wonet / wirt vns hinzucken / fuͤren / vnd erhoͤhen / gleich wie der heilig Geist Philippum / vom Kammerer aus Morenland / hinweg rucket / das in der Kammerer nicht mer sahe / vnd bracht in gen Aßdod. Acto. 8.
Das ist die newe himlische offenbarung, damit er vor allen andern diesem text sein rechte, wahre vnd Christliche auslegung gibt, das ist: jm seine meinung auch auffseiletaufbindet, aufnötigt, aufzwingt. Vgl. Art. aufseilen, in: DWb 1, 734f. vnd einzwinget,gewaltsam einflößt. Vgl. Art. einzwingen, in: DWb 3, 359. es sey jm lieb oder leid. Aber mehr auch damit nichts erlangt, denn das man sihet, wie jm der ort der schrifft freilich
wehe vnd bange macht. Den wollen wir jm auch wider allen seinen schwarmabschweifende Einbildung, törichte Vorstellung. Vgl. Art. Schwarm 2.a), in: DWb 15, 2285f. gesetzt haben, denselbigen sol er jm allein stuͤrtzen. Denn da redet kein trunckenboltz,Säufer. Vgl. Art. Trunkenbold, in: DWb 22, 1396–1398. kein leichtfertiger man, kein schwermer noch vnzeitigerunreifer, unverständiger. Vgl. Art. unzeitig 1.d), in: DWb 24, 2280f. Geist, Sondern der einige Gottes Son, von welchem wir die decretalemAnordnung, Anweisung. Hier offenbar nicht im spezifisch kirchenrechtlichen Sinn gebraucht. habenNach Corrigendaliste, aus: daben. vom himel herab, das wir jn allein vnd keine schwermer noch ketzer sollen
hoͤren.Vgl. Mt 17,5; Mk 9,7; Lk 9,35. Der spricht, das, gleich wie das die suͤnd ist, darumb der heilige Geist die welt straffen werde, das sie an Christum nicht gleuben, Also sey dargegen das auch die gerechtigkeit, daruͤber der heilige Geist auch mit jr werde zu thuen bekomen, das er zum Vater gehet.Vgl. Joh 16,8–10.
Den text sol er vns lassen vnuerkert, vnuerruckt, vnuerwandelt vnd keinen
danck darzu haben.Vgl. Luther, Ein feste Burg, Str. 4: Das Wort sie sollen lassen stahn und kein Dank dazu haben. Sie sollen kein Dank dazu haben = sie müssen es tun, ob sie wollen oder nicht. Darbey bekennet vnd mus er bekennen, das dieser gang, so die gerechtigkeit ist, die wir in Christo haben, sey nichts anderst denn sein leiden vnd sterben sampt seiner aufferstehung; die praemissae sind starck, fest vnd vngezweifelt, daraus folgt auch nu ein starck, fest vnd vngezweifelte Conclusion vnd entlicher schlus: Darumb ist vnser Gerechtigkeit
das leiden vnd sterben sampt der aufferstehung Christi. Vnd noch mehr: darumb ist alles dasjenige, so Osiander droben vom vnterscheid der erloͤsung vnd rechtfertigung fuͤrgebracht, ein erdichte luͤgen. Vnd noch mehr: dieweil die Gerechtigkeit ist das leiden vnd sterben Christi, Er vns aber das aus dem trost der gerechtigkeit in der rechtfertigung vor Gott niemet, so
niemet er zugleich die gerechtigkeit des glaubens vnd hebet die gantz vnd gar auff. Vnd noch mehr: dieweil aber dieser artickel das heuptguet, ohn welches vns Gottes wort kein nuͤtz ist, So hebet vnd reumet er hinweck, verschluckt auff einen bissen Bibel, Predigt, Sacrament, Tauff, Glauben, Kirchen vnd alles, was zu der kirchen gehoͤrt, Bawet vnd pflantzet, schafft vnd macht
nichts anders denn dem Teufel die hell; aus dem folget sterben vnd ewig verderben; wer mit wil, sitz zu jm, er sol sanfft dahin fahren.Wer mit (ihm ins Verderben) will, nehme bei ihm (auf seinem Wagen) Platz, er wird bequem vorankommen. Vgl. Mt 7,13.
Lutherus wil nicht mit, darumb hat er sich gewaltig von jm gerissen, wie wir nu gehort, vnd sich des gegen vns bedinget, das jm Osiander vnrecht thut, wenn er sich ruͤmet mit einigem spruch, das er mit jm eins sey.
Einen wuͤnderlichen, seltzamen schwarm hat auch Osiander vber der gerechtigkeit des gesetzes, das er spricht, es fordere auch von vns die Goͤttliche wesentliche Gerechtigkeit vnd natur. Hie ist nu die frag, weil Paulus die gerechtigkeit des gesetzes in dem handel der rechtfertigung durch vnd durch allenthalben der gerechtigkeit des glaubens entgegensetzt vnd beneben
dem, das die Gerechtigkeit des gesetzes weder lebendig noch gerecht mache, auch so gar fest schleust, das der eines muͤsse fallen, die verheissung, der glaub vnd tod Christi oder die gerechtigkeit des gesetzes, was ist denn fur ein vnderscheid vnter den beiden gerechtigkeiten? Sie seind nach Osiandro beide die Goͤttliche natur vnd wesentliche gerechtigkeit, die ist nicht zweierley,
Sonst were Gottes natur zweierley vnd also zwene Goͤtter, da wil Osiander nicht hin. Die gerechtigkeit aber des glaubens vnd gesetzes sind infinitis modis dem heiligen Paulo zweierley, also das eine fallen mus vnd die ander stehen.
Noch eins: dieweil wir in Christo haben die erfuͤllung des gesetzes, wie Osi
ander bekant, vnd die erfuͤllung des gesetzes ist doch noch nicht vnser gerechtigkeit, wie er auch saget, was ist denn die erfuͤllung des gesetzes, die doch die gerechtigkeit des gesetzes nicht ist vnd dennoch gleichwol kein menschliche gerechtigkeit sein kan? Denn die ist nicht die erfuͤllung des gesetzes, wie Osiander auch bekant; wer gute scharffe negel hette, das er Ern
Osiandrum in dem bade krawete, hilff Gott, wie sol er schwitzen!Im Bad gehörte massierendes Reiben der Haut, auch mit Hilfe von Bimsstein etc. zum Reinigungsprogramm und zur Körperpflege. Wenn hier scharfe (Finger-)Nägel zum Einsatz kommen sollen, gerät der Badegast in ziemliche Bedrängnis (wie Osiander angesichts seiner widersprüchlichen Argumentation), der Übergang zur Folter scheint fließend.
Hie weren noch viel mehr fragen, wollen aber nicht mehr denn noch eine fuͤrnehmen: Dieweil das gesetz eine reine natur, guete vnd Gott wolgefellige werck fordert vnd haben wil, wie denn Paulus den vnderscheit zwischen dem gesetz vnd der gerechtigkeit des glaubens macht, Gal. 3, das
das gesetz nicht des glaubens, sondern mit thun vnd wercken vmbgehet,Vgl. Gal 3,5.12.24. wie auch zu den Rom. 2, factores legis etc.Vgl. Röm 2,13. So fragt sichs billich, ob denn die reine natur vnd werck in vns Gott selbst sint, oder ob sie Gottes werck vnd creatur sint. Mussen aber itzund Osiandro nicht zu heis machen, er moͤchte sonst beschwiemen,ohnmächtig werden, in Ohnmacht fallen. Vgl. Art. schwiemen, in: DWb 15, 2618. wollen jn an dem bisleinkleinen Bissen, Happen. Vgl. Art. Biszlein, in: DWb 2, 50. wuͤrgenmühevoll schlucken. Vgl. Art. würgen II.B.1), in: DWb 30, 2206f. lassen
vnd das woͤrtlein imputare fuͤr vns nehmen, damit wir ein mahl von seiner schentlichen mateologiaματαιολογία = leeres Geschwätz. Vgl. Hoven S. 331, s. v. mataeologia; I Tim 1,6. komen.
Er klaget, das Jeronimus, oder wer der interpres ist, schentlich gefeilet, das er die zwey woͤrtlein aus dem Hebreischen vnd Grechischen nicht artig
gegeben, sondern reputare fuͤer imputare gesetzt hab vnd damit einen groben feilerFehler, Schnitzer. gethan. Wenn es nu Osiander besser machte, so were es eine feine meinung. Gewis ists, das Lutherus mit dem woͤrtlein reputare zufrieden ist vber das 15 cap. Gene. Denn Gottes gedancke feilet noch jrret nicht, wie die menschen thun. Osian-der wil aber imputare darfuͤr
haben, das wollen wir jm lassen vnd vber den worten keinen zanck haben.
Das ist die frag: Was ist imputare oder reputare? Da gilts, wer die rechte meinung treffe; er nenne es, wie er wil, gewis ists, das es heist einem ein dinck zurechnen. Wie nu, mein herr? Fein gehet Osiander daran, das einer tausent eidt schwuͤere, wer jm zu der erstzu der erst = zuerst, als erstem. zuhoͤret, er wolte richtig zutreffen.das Rechte treffen. Vgl. Art. zutreffen 3.a), in: DWb 32, 871.
Die gerechtigkeit Christi wirt vns zugerechnet, spricht er, als hetten wirs selbst gethan vnd verdienet, was er gethan vnd verdienet hat, vnd weren selbst gerecht, wie er in vns gerecht ist.Vgl. OGA 10, 174,8–13 (Von dem einigen Mittler, 1551). Wer kan hie anderst verstehen, denn: die gerechtigkeit Christi (welche sein thun vnd heiliger verdinst ist) werd vns zugerechnet, das wir vmb jrent willen werden fur vnschuldig gehalten, als ob
wirs selbst also weren, wie ers doch an jm selbst in der that ist vnd nicht wir. Aber so balt er das blat vmbwendet, wendet er diese meinung auch vmb vnd verdampt den verstand gantz vnd gar, das wir von Gott vmb des glaubens willen an Christum fur from vnd gerecht geacht, geschetzet, gerechenet vnd gehalten werden, so wir doch noch nicht from vnd gerecht sint; das merck, so
kanstu so viel dester basbesser, leichter. Vgl. Art. basz 4), in: DWb 1, 1156f. verstehen, was er droben heist mit der that vnd warheit Gerecht sein. FehetFängt. nachmals seinen krieg widerumb mit her niemantsHerrn Niemand, d. h. einem erfundenen Gegner. an, der jm geleugnet hat, das Christus Gott vnd mensch in vns wohne, zeiget, wie er demselbigen armen Teufel in der grossen schlacht, da so wenig mit dem leben daruonkomen,ironisch. mit seiner ConcertatzEingedeutschte Version von concertatio, Streitgespräch. oder dispu
tatzEingedeutschte Version von Disputation. Vgl. Art. disputieren, in: Etymolog. Wb., 231f. Die Endung -tatz verweist hier im Zusammenhang eines ironisch geschilderten Schlagabtausches zugleich auf Tatze = Pranke, grobe menschliche Hand. Vgl. Art. Tatze 2), in: DWb 21, 161. die nasen an der fersen zerhawen, die augen auff der kniescheiben ausgestossen hat, komet zuletzt, da der handel ein wenig gestillet,beruhigt. an den lieben Lutherum; den hat seiner kugeln auch eine mit dem gepolder von der brucken geruͤret,Den (Luther) hat eine seiner (Osianders) Kugeln mitsamt manchem Gerümpel (oder doch: mit Getöse?) von der Bühne / vom Brettergerüst (vom Schießstand? von der Kegelbahn?) abgeräumt. Vgl. Art. Gepolter 1.c) u. 2), in: DWb 5, 3534; Art. Brücke 7), in: DWb 2, 415; Art. rühren II.1.a), in: DWb 14, 1459. dieweil er dem lermanAufruhr, Tumult. Vgl. Art. Lärm 4) u. 5), in: DWb 12, 203f. zu nahe komen, das er saget, vnser gerechtigkeit sey nicht in vns. Bindet jm aber eine schwedenWundpflaster. Vgl. Art. Schwede f., in: DWb 15, 2383.
auff vnd heilet jn, das Gott erbarme.
Wie sollen wir jm nu thun, das wir gleichwol gewis werden, was imputare oder zurechenen ist? Daran wil der gantze handel von der rechtfertigung gelegen sein. Nu verstehets Osiander nicht, ein dinck darfuͤr achten vnd auffnemen, ob es gleich an jm selbst nicht dasselbige also ist mit der that, Son
dern es mus jm sein re ipsa existere. Wollen Paulum vber diesem hader zu rath nehmen, ob vns der entscheiden kuͤnte, damit wir gewis vnd vngezweifelt die entliche meinung des heiligen Geistes moͤchten vernehmen.
Erstlich braucht er das woͤrtlein zu den Roͤmern, cap. 2, vnd spricht also: Die beschneidung ist wol nuͤtz, wenn du das gesetz heltest, heltest du aber
das gesetz nicht, so ist deine beschneidung schon eine vorhaut worden. So nu die vorhaut das recht im gesetz helt, meinstu nicht, das seine vorhaut werde fur eine beschneidung gerechent?Vgl. Röm 2,25f. etc. Mit diesen worten wil Paulus den Juden jren stoltz vnd hochmut brechen, die sich vmb das gesetz nicht viel bekuͤmmerten, wie sie das moͤchten halten, puchetenpochten. allein darauff, das sie
beschnitten wahren, vnd verachten daruͤber die Heiden, wolten gleichwol vmb des willen, das sie beschnitten waren, viel, viel besser sein denn dieselbigen. Er warnet sie aber vnd spricht, sie sollen sich wol fuͤersehen. Sie kuͤnten wol beschnitten vnd dennoch Heiden sein. Gleich wie widerumb die heiden vnbeschnitten die vorhaut sint vnd bleiben, vnd dennoch wol
kuͤnten Juden sein; wie denn? Also sagt Paulus: dieweil sie das recht im gesetz halten, wirt jnen die vorhaut gleichwol fur eine beschneidung gerechent. Hie meinet Paulus nicht, das die Heiden mit der that beschnitten werden, darumb das sie das Gesetz halten. Sie sint vorhaut vnd behalten dieselbige, noch dennoch wirt jnen dieselbige vorhaut, so vorhanden vnd
derhalben keine beschneidung ist, wie die Juden beschnitten worden, dahin gerechnet, das ist: Gott lest sie es nicht entgelten, das sie nicht beschnitten sint, Sondern helt es eben darfuͤr, achtet sie eben, als were die vorhaut hinweck vnd sie weren beschnitten wie die Juden.
Aus dem text ist klar vnd vngezweifelt, was zurechnen (imputare) eigentlich
bedeut. Es heist nicht, mit der that ein dinck sein; denn also muͤsten die Heiden beschnitten worden sein vnd were keine vorhaut vorhanden geblieben, viel weniger die gerechnet fur eine beschneidung Das wil aber Paulus nicht, sondern das widerspiel wil er. Nemlich das die Heiden vorhaut seint vnd bleiben, das ist: nicht mit der that beschnitten werden, vnd dennoch wirt jnen jre
vorhaut gerechent, darfur von Gott gehalten vnd sie also angenomen, als weren sie mit der that beschnitten, das jnen also jre vorhaut, die sie doch behalten, nicht schadet, vnd stehet die signification vnd bedeutung des woͤrtleins imputare, fur ledig zehlen vnd dasjenige, das nicht ist, in der that dennoch darfur halten vnd annehmen.
Lieber, nim Osiandri auslegung vnd bedeutung, las sehen, wie wil Paulus dieselbige dulden vnd leiden? Also mus es heissen: die vorhaut wirt fuer eine beschneidung gerechnet, das ist: die vorhaut der Heiden wirt mit der that die beschneidung. Ohne zweifel, so mussen die heiden keine vorhaut mehr behalten, So sint sie auch keine Heiden mehr, sondern selbst rechte Juden. Was
ficht denn Paulus, vnd warumb vexiert er die Juden mit den Heiden der beschneidung vnd vorhaut halben, dieweil es alles einerley beschneidung ist?
Aber wir wollen Osiandro einen guten rath geben: Er spreche, Paulus rede hernacher von der Geistlichen beschneidung des hertzen; hie schrey vnd ruff er das feldden Kampfplatz. Vgl. Art. Feld 8.a), in: DWb 3, 1477f. vol, so ist gewonnen. Vnd dennoch bleibt der eusserlichen be
schneidung vnd vorhaut halben Osiandro vngeraten,dennoch kann man ihm dafür keinen Ratschlag geben, dennoch bleibt er ohne Rat. denn nach der Geistlichen beschneidung haben die Heiden keine vorhaut, darumb kan der ort von der imputacion nicht von der Geistlichen beschneidung verstanden werden. Sintemal er von der vorhaut redet, die da bleibet in den Heiden vnd deshalben sie noch nicht Juden, sondern Heiden sint vnd nach derselbigen nimmer
mehr Juden werden. Sonst hetten die juden mit jrem trotz vnd hochmuͤtigem stoltzen rhum wider die Heiden, ja wider den heiligen Apostel Paulum gewunnen.
Vnd siehest beides, Osiandri meinung stehet wie ein peltz auff seinen ermelnRedensartlich: Ist äußerst schwach begründet. Vgl. Art. Pelzärmel, in: DWb 13, 1535. vnd ist ein ertichter eigener verstand vnd jrthumb; dieweil ers nu auch
predigt vnd ruͤmet wider Gottes wort, Jsts ein verdampte schwermerey. Verharret er halstarriglichen vnd lest sich nicht dis bessern berichten, so ist er ein verdampter Ketzer, nicht vmb eines einigen woͤrtleins willen, sondern vmb des greulichen jrrthumbs willen, den er mit der falschen interpretation vnd deutung dieses woͤrtleins anrichtet vnd damit den gantzen artickel der recht
fertigung hinnimpt.wegnimmt, aufhebt. Vgl. Art. hinnehmen 3), in: DWb 10, 1458. Die ander meinung aber bestehet fest, das zurechnen heist nicht mit der that also sein, sonder von Gott darfur angenomen, gehalten vnd dahin gerechnet werden, als were es eben also, wie es sein solte. Wollen mehr zeugnis der schrifft sehen:
Zu den Roͤmern, cap. 4, nimmet Paulus mit gutem fleis vnd wolbedachtem
mut den locum Gen. 5 fuͤer sich,Vgl. Röm 4,1–5; Gen 15,6 [sic]. Da der glaube Abrahae geruͤmet wirt vnd angezeigt, wie er jm zur gerechtigkeit sey gerechnet worden, Treibet den selbigen als das fuͤrnemste heuptstuͤck des gantzen alten Testaments vnd wil jn ernstlich zu ewigen zeitten der gantzen Christenheit vnd warhafftigen kirchen bis zum ende der welt befohlen haben. Denn es ist nicht hie vmb den
Abraham aus Mesopotamia allein zu thun, spricht er, Sondern vns allen ist das geschrieben, die wir wollen gerecht vnd selig werden. Den locum examiniert er nu mit grossem vleis vnd leget die woͤrtlein auff die goltwag,Vgl. Anm. 693. das er vns ja jrer meinung vnd damit des gantzen handels der rechtfertigung gewis mache, denn daruon sol der spruch verstanden werden
mit den andern allen in diesem capittel, das merck.
Vnd dieweil Abraham ein tewres, werdeswertes, geschätztes. exempel war vnter den Juden, als der viel gelitten hat, from, Gottfuͤrchtig, gedultig, eines starcken vertrawens zu Gott, eines gantzen Gottseligen wandels gewesen, Jn summa: in dem alle froͤmigkeit mit allen tugenden herrlichen leuchteten, welchs auch
sonderlichen die Juden an jm wuͤsten zu ruͤhmen, wie noch heut zu tage die Papisten an den lieben heiligen nicht mehr sehen denn jr scheinbarliches leben vnd guten wandel – Dises alles zumahl reumet derhalben Paulus aus dem wege in dem handel, da er weisen wil, wie Abraham ist gerechtfertiget worden, vnd saget, Ein fromer man sey Abraham gewesen, sey auch dar
durch gerecht, ja vor der welt, dahin gehoͤrt diese gerechtigkeit, from sein, geduͤltig, Gott gehorsam etc., Aber nicht fur Gott,im Gegensatz zu vor der welt kurz zuvor im Text. das ist eins von dieser Gerechtigkeit.
Wie ist er denn vor Gott from, lieber Paule? hie mus die schrifft raten, sagt er, denn vernunfft vnd die welt kan von dieser gerechtigkeit nichts berichten, sie
weis nichts mehr daruon, denn so fern sie der heilige Geist mit der predigt aus der schrifft vnterrichtet, Johan. 16. Schrifft, schrifft, sollen wir vns in dem handel lassen fuͤrlegen, nicht hoͤren, was die schwermer sudeln vnd seiffern,geifern. Vgl. Art. seifern, in: DWb 16, 195. brewen(zusammen)brauen, vermischen (auch: Unheil stiften, Gift mischen). Vgl. Art. brauen 3), in: DWb 2, 323. vnd mengen von froͤmigkeit, allen tugenden, selbstendigkeit, wie droben gehort. Last vns die hoͤren. Abraham hat Gott gegleubet, spricht Moi
ses, vnd das ist jm zur gerechtigkeit gerechnet.Gen 15,6; Röm 4,3. Hie hoͤret Paulus fein leisehört sehr genau, sehr fein. Vgl. Art. hören II.1), in: DWb 10, 1806f. vnd siehet Moisi genaw auff den mund, schleust also: Wenn einer mit der that etwas hat vnd eines dinges wirdig vnd wert ist, so saget man nicht, das mans jm zurechene, denn zurechnen heist einem aus gnaden ein dinck dahin deuten, darfuͤr halten vnd annehmen, das doch dasselbige nicht
ist, wenn nu Abraham aus dem, das er from, Gottsfoͤrchtig, gehorsam, demuͤtig, gedultig etc. vor Gott gerecht were mit der that, so dorfft es jm Gott nicht dahin rechenen, sondern er were es schon, vnd geschehe aus pflicht, das jn Gott lies seiner froͤmigkeit genissen vnd vor jm einen frommen, gerechten man sein.
Aus dem macht nu Paulus ein gemeine lere, das alle diejenigen, die nicht mit wercken vmbgehen (das heist nicht: gar nichts guts thun, sondern: keinen verdinst zum ewigen leben, keine Gerechtigkeit daraus machen vor Gott, kein vertrawen darzu haben im handel der rechtfertigung etc.) gleuben aber an Gott, der die Gottlosen (das ist die armen suͤnder) gerecht macht (wie macht er sie
gerecht?), den selbigen wirt jr glaub gerechnet zur gerechtigkeitVgl. Röm 4,5. – Osiandriace?auf osiandrische Weise? (nach dem Modell eines lateinischen Adverbs konstruiert). der glaub eingegossen oder gerechtigkeit mit der that eingepflantzet. Quaestio: Was ist denn dieselbige gerechtigkeit, die dem Abraham eingegossen vnd eingepflantzt ist? dieweil er doch bereit den glauben gehabt, vnd freilich durch den glauben Christum?
Kurtz vnd frisch darauff niemet der heilig Apostel Paulus den lieben Dauid auch fur sich,Vgl. Röm 4,6–8. vnd nicht ohn vrsach, denn auch Mattheus diese zwen,beiden. Abraham vnd Dauid, vnter den trefflichsten heiligen des alten Testaments fuͤrzeucht, cap. 1, Als die die allerfuͤrnemsten vnter allen grosuetern JHESV Christi vnsers lieben Heilants vnd die rechten zwen helden seind aller
Patriarchen vnd Propheten in dem gantzen alten Testament, die sonderlichen der liebe Gott nicht allein hertzlich geliebet, sondern auch darzu benennet, das der grunt, darauff der gantze handel der rechtfertigung stehet, nemlich Christus JHESVS, solt aus jrem gebluͤet vnd nachkoͤmlingen herkomen.Vgl. Mt 1,1.17.21. Dieweil sie nu so gewis vnd von Gott so hoch angezogen, das er sonderlich
mit jnen geredet, sich seines Sons halben mit jnen vereiniget, jres gebluͤets sol er sein, darumb nimpt der heilige Apostel die zwen vnd zeiget an, was sie zu jrer zeit von dem artickel der rechtfertigung gepredigt, geschrieben vnd selbst gegeleubet haben, damit er ja seiner lere den rechten grunt lege vnd beweise, das er kein newer schwermer sey. Was nu der heilige Apostel Gerech
tigkeit heist, das heist Dauid die seligkeit; Zacharias, der vater Johannis des Teuffers, heist es das heil, welches stehet in vergebung der suͤnden etc. Luc. 1.Vgl. Lk 1,77. Wer ist denn nu gerecht vnd selig, du lieber Dauid? Selig sint die, spricht er Psal. 32, welchen jre vngerechtigkeit vergeben sint vnd welchen jre suͤnde bedecket sint. Selig ist der man, welchen Gott keine suͤnde zu
rechent.Vgl. Ps 32,1f.
Je, moͤcht einer sagen, lieber Dauid, wie also? bistu zu einem kinde worden? Du solt von der gerechtigkeit vor Gott sagen, so antwortestu von vergebung der suͤnden; heist es, suͤnde zudecken vnd nicht zurechnen. Du soltest vns wol auch zumal ein grober Wittebergischer Doctor sein. Wo bleibt denn die
Gerechtigkeit, damit wir vor Gott gerech-fertiget werden? der denckestu auch nicht mit einem einigen worte; pfu dich mal an, wiltu ein alter, geruͤmter Theologus sein vnd kanst nicht anders von dem hohen, wichtigen handel reden? das du doch noch kuͤntest gen Koͤnigsberg komen vnd den PrimariumProfessor primarius der theologischen Fakultät Königsberg, Osiander. hoͤren, der donnert vnd plixtblitzt. mit hellischem fewr
daher, wenn er von der gerechtigkeit des glaubens redet. Darzu wiltu ein grob vicium in der Grammatica reissen,einen groben Grammatikfehler begehen. das wil allererst die druͤseGeschwulst, Pestbeule. Vgl. Art. Drus 2), in: DWb 2, 1458f. vnd peulenGeschwulst, Pestbeule. Vgl. Art. Beule 2), in: DWb 1, 1746. werden.daraus wird sich erst das eigentliche Problem entwickeln. Denn imputare (zurechnen) heist einpflantzen, mit der that vnd warheit das ding werden, das es zuuor nicht gewesen. Vnd du grober Geist rumpelst daher: Selig ist der man, dem Gott keine suͤnde zurechnet,
das ist: eingeust, mit der that vnd warheit suͤnde einpflantzet. O das Osiander sein tieff andechtiges, gros ernstliches vnd langes, bruͤnstiges Paternoster fuͤr das arme Dauidichin beten wolte, das jm Gott den greulichen jrrthumb vergeben wolte!Ironie, im Sinne der vorreformatorischen Verständnisses der Buße, insbes. der Genugtuung für begangene Sünden durch (stellvertretende) Gebetsleistung. Im anschließenden Absatz entschuldigen sich die Verfasser für den Sarkasmus.
Der leidige, bittere Teufel hoͤnet vnd spottet Gottes wort vnd darinnen
vnsern aller geliebsten Herren vnd Heiland JHESVM Christum mit seinem teuren bluet, darumb wollens vns frome Christliche hertzen zu guet halten, das wir jn widerumb hoͤhnen. Es geschicht aus keiner leichtfertigkeit, das weis Gott, sondern aus grossem wehmut vnsers hertzen, welches vber dem torstVerwegenheit, Frechheit. Vgl. Art. Durst [I], in: DWb 2, 1746f. vnd freuel des leidigen Teufels zerspringen moͤcht.
Wolan, Dauid bedarff keines heuchlers seines ruhmretigen gebets.David bedarf keines ruhmredigen Gebetes eines Heuchlers. Er hat alhie einen starcken helden vnd trefflichen vorsprecher, den heiligen Paulum, der wil sich seiner annehmen vnd jn verteten, als der mit jm eins Geistes ist, der spricht, Dauid hab von der gerechtigkeit des glaubens recht geret vnd das sey der rechte verstand der gerechtigkeit, die zu gerechnet wirt
ohne zuthun der werck. Jst das nu war? Wie es on allen zweifel war ist (denn hie stehet die schrifft Rom. 4, Dargegen alle menschen luͤgener, Osiander auch)Vgl. Röm 4,3–5; 3,4. – So mus gerechtigkeit, vergebung der suͤnden, bedeckung der suͤnden, suͤnde nicht zugerechnet werden, alles ein dinck sein, solte sich auch der zornige Teufel daruͤber zerreissen. Denn wenn es zweierley were,
so kuͤnte Paulus die gerechtigkeit aus den spruͤchen von vergebung der suͤnden nicht beweisen noch erhalten.
Ja, spricht Osiander, jr verstehet den text nicht recht, da ist das gantze ampt des mitlers beschrieben. Antwort: Wie denn, mein herr? Erstlich, spricht er, haben wir vergebung der suͤnden, darzu gehoͤrt das leiden vnd sterben
Christi. Das heist Dauid: wol, dem die vbertretung vergebung ist. Zum andern sol vns Christus das Euangelium lassen predigen, damit er vns durch den glauben die ewige Goͤttliche natur vnd gerechtigkeit anziehe als ein kleit, vnser suͤnde damit zu decken, das heist Dauid: wol, dem die suͤnde bedeckt ist. Noch ists nicht genunck an der selbwesenden gerechtigkeit.
Sondern da sol volgen sein gehorsam, auff das vns die vbrige suͤnd nicht zugerechnet werden; das meinet Dauid, da er spricht: wol dem, welchen der Herr die suͤnde nicht zurechnet. Entlich sol die suͤnde durch den heiligen Geist vnd den tod Christi (der komet hie widerumb), darein wir getaufft sint, abgethan werden, das heist: wol dem, in des Geistes kein
falsch ist.
Fragstu, woher diese meinung Osiandri so fest stehet (one Gottes wort), das sie gleichwol alle ketzer sint, die jr nicht zufallen? Ey, du grober Cuius,Mensch, Kerl (eigtl. Genetiv zu lat. quis? = wer?). sihestu nicht, das Osiander im anfang dieser auslegungaus: auslegund. von Gottes wegen (der in jm wohnet) ernstlich gebeut, also MVS MAN die wort verstehen? Vnd
wenn du es denn also nach seiner meinung verstehest, so gehen dir die augen von dem himlischen liecht auff, das du sihest, wie die allezumal greulich jrrenIronisches Wortspiel: irren = 1. im Irrtum sein, eine falsche Meinung haben; 2. abweichen (vom Wege, aber auch von einer Meinung). Vgl. Art. irren II.2) u. 3), in: DWb 10, 2166f. (scilicet von deiner vnd Osiandri meinung), die da leren, alles, was man von Christlicher gerechtigkeit gedencken kuͤnde, sey nichts denn vergebung der suͤnden, wie zwarinsbesondere, allerdings. Augustinus thut eben in der vorred
dieses PsalmenVgl. Augustinus, Enarratio in Psalmum XXXI (Vg), enarratio II (sermo ad plebem), praefatio (7): Quid ergo? Qui sunt beati? Non in quibus non invenerit Deus peccatum: nam in omnibus invenit. Omnes enim peccaverunt, et egent gloria Dei [Röm 3,23]. Si ergo in omnibus peccata inveniuntur, remanet ut non sint beati, nisi quorum remissa sunt peccata. (PL 36, 262; CChr.SL 38, 230); vgl. oben Anm. 592. vnd Lutherus am selbigen orth in den Summarijs.Vgl. Luther, WA 38, 28,19–24 (Summarien über die Psalmen und Ursachen des Dolmetschens, 1531–1533, zu Ps 32). Jtem Psal. 130.Vgl. Luther, WA 38, 60,31–61,7 (Summarien über die Psalmen und Ursachen des Dolmetschens, 1531–1533, zu Ps 130). Jtem den 19. Sontag Trinitatis in der kirchen Postil etc.Vgl. Luther, Kirchenpostille (1550; VD 16 L 5616), Bl. 330r–334r (Evangelium zum 19. Sonntag nach Trinitatis, zu Mt 9,1–7).
Gleichwol gehoͤrt viel hirns vnd zumahl ein spitzigerspitzfindiger, scharfsinniger. Vgl. Art. spitzig 2.a), in: DWb 16, 2630f. kopff darzu, der diese luͤgen alle mit jnen selbst einig mache, das sie einandern nicht die nasen abbeissen.Redensartlich, hier wohl = dass sie einander nicht gegenseitig desavouieren. Bei Grimm in anderem Sinn, als Ausdruck extremer Liebe (vgl. jmdn. zum Fressen gern haben), vgl. Art. Nase I.4.a.ι), in: DWb 13, 402; dort aber auch das sprichwort: wer sin nese afnsnitt, de schendt sin angesicht, von eltern und eheleuten, die ihre kinder oder andere hälfte lästern, und Redensarten vom Abbeißen der eigenen Nase im Sinne eines unmöglichen Tuns. Denn es laut zumahl wuͤnderlich, das wir vorgebung der
suͤnden haben vor der predig vnd glauben. So doch Christus die predig zu der vergebung der suͤnden verordenet, Luc. 24.Vgl. Lk 24,47. Darumb ist das die erste luͤgen Osiandri in dieser seiner auslegung. Zum andern: ist die suͤnde vergeben vor dem wort vnd glauben, wie kan sie denn allererst bedeckt werden durch die volgende Goͤttliche natur in vns? Das ist sein
andere luͤgen. Zum dritten: decket die Goͤttliche natur die suͤnde in vns, warzu beduͤrffen wir denn des gehorsams Christi, das sie vns nicht werde zugerechnet? Das ist seine dritte luͤgen. Zum vierden ists einerley gerechtigkeit, damit Gott wesentlich in seiner Goͤttliche natur, Christus nach seiner menscheit, vnd wir auch gerecht werden, wie es Osiander festiglichen
darfuͤr helt, vnd ist darnach dis der gantze handel, grunt vnd bodem in der gerechtigkeit des glaubens, das dieaus: dis. suͤnde vergeben, bedecket, nicht zugerechenet, sondern teglichen ausgefeget werden – Wie Osiander mit dieser seiner auslegung auch bekent, Dauid vnd Paulus starck zeugen vnd jnen das den Teufel nicht werden nemen lassen. So ist aus solcher lere
Osiandri der arme, ehlende Gott, Christus Jhesus, sein Son, vnd der heilige Geist ein greulicher suͤnder (Gott vergeb es vns abermals, das wir jre greuliche lesterung in vnsern mund nehmen mussen). Das heist nicht allein eine fette, dicke, petzigte,dicke, fette, arrogante. Vgl. Art. batzig, in: DWb 1, 1160; Art. patzig, in: DWb 131509f. vnuerschempte luͤgen, Sondern ein quaderstuͤckgewichtiger behauener Steinblock. Vgl. Art. Quaderstück, in: DWb 13, 2295. von der hoͤchsten Teufelischen Gottslesterung, so erdacht oder
gehoͤrt ist.
Wir zwingen, deprauiern vnd noͤtigen nichts, sondern die volge giebet sich von art vnd eigenschafft der sachen, wie auch die kinder in der schwelSchule. sehen, vnd schleust sich fein runt selbst a definicione ad definitum affirmatiue et negatiue. Allein das der arme man vom Teufel aus Gottes gericht verblen
det ist oder aber wider sein eigen gewissen vnd gemeine vernunfft handelt, zwinget vnd dringet seinen vn-fletigen verstand in die schrifft vnd wil kurtzumb die noͤtigen, sie sol jm denselbigen helffen billichen, flicket vnd decket sich mit luͤgen, aber kan sich damit nicht verwahren.
Darumb bleibet aus den angezogenen exempeln beides fest wider Osiandrum
vnd alle pforten der hellen: Erstlich das vnsere gerechtigkeit kein gedancken, kein werck, keine newerung vnd in summa gantz vnd gar nichts ist in vns, Sondern alles ausser vns, Gottes gedancken vnd werck, Nemlichen der freuntliche, gnedige, geneigte wille Gottes, der vns mit den augen seiner gruntlosen guͤte vnd barmhertzigkeit ansiehet in Christo Jhesu, vnserm erloͤser, seiner
vnschult vns genissen lest, seine froͤmigkeit vnd gehorsam, den er geleistet bis in den tod des Creutzes, vns zurechnet vnd in demselbigen die suͤnde verzeihet, vergiebet vnd vns annimpt, als weren wir rein vnd from, so doch wir suͤnder vnter die suͤnde gefangen sint, wie Paulus sagt Rom. 7.Vgl. Röm 7,14.23–25.
Zum andern heist zurechenen nicht, das er vns etwas mit der that eingeust vnd
verandert in vns, Sundern das er vns fur diejenigen helt, welche wir doch nicht sint, sondern sein Son, der ists, Aber thut auch solches vmb seines Sones willen. Vnd nicht zurechnen heist das, das er vns dasjenige, so doch mit der that vnd warheit in vns ist, darzu noch gewaltig lebet vnd kempffet in vnsern gliedern, also das es kein trawm vnd nicht ein muͤßiger zuͤnder ist, Sondern ein
starckes gesetz vnd gewaltigs angeben oder predig der suͤnden, so vns gefencklichen helt, das wir vns daraus so wenig als der arme ge-fangene man aus dem kercker helffen vnd entledigen muͤgen, vnd vmb seinetwillen nicht kunden, wie wir doch wuͤnschen, sampt allen heiligen ane suͤnde mit der that gerecht sein vnd thun, was wir wollen, Rom. 7. vnd Gal. 5;Vgl. Röm 7,15–25; Gal 5,1.17. dassel
bige alles zumal rechenet er vns nicht zu, das ist: er vergiebts, lests vns nicht entgelten, Zeucht es nicht an in seinem gericht, wie Dauit sagt, Psal. 143,Vgl. Ps 143,2. hadert nicht, zuͤrnet nicht, handelt nicht mit vns nach vnsern suͤnden, vergilt vns nicht nach vnser missethat, lest vnser vbertretung von vns sein, so fern der morgen vom abent, Psal. 103,Vgl. Ps 103,9–12. vnd in summa: er verdampt vns nicht,
wie er zu recht thun kuͤnte.
Daher auch nachmals das woͤrtlein Iustificare, rechtfertigen, dem wort verdammen wirt entgegen gesetzt in der schrifft, als Deut. 25: Wenn ein hader ist zwischen mennern, so sol man sie fuͤr gericht bringen vnd sie richten vnd den gerechten recht sprechen (da stehet das woͤrtlein rechtfertigen) vnd den
Gottlosen verdammen.Dtn 25,1. Jtem Prouer. 17, Jsai. 5, Rom. 5.Vgl. Prov 17,15; Jes 5,23; Röm 5,18. Vnd sonderlichen Ro. 8: Gott ist hie, der da gerecht macht, wer wil denn verdammen etc.Röm 8,33. Das es fest bleibet: Rechtfertigen heist gerecht sprechen, ledig zehlen, absoluirn, suͤnde vergeben, suͤnde nicht zurechenen, fuͤer vnschuldig halten.
Es hat aber Lutherus in diesem handel der rechtfertigung des glaubens darumb nicht schlecht wollen verdeutschen gerecht sprechen, Auff das er gleichwol den rechten grunt des handels mit behielte, Nemlichen das wir nicht werden schlecht also ge-recht gesprochen wie vor gericht, do man des beklagten vnschult findet vnd vmb derselbigen willen jn ledig zehlet,ledig zählen = freisprechen, für frei/unschuldig erklären. Vgl. Art. ledig 1), in: DWb 12, 497f. dieweil er
ein fromer man ist. Dermassen kan vns Gott nicht rechtfertigen, das gesetz auch nicht, denn es findets nicht bey vns, das zu einem recht fromen man vor Gott gehoͤrt. Theten wir aber das Gesetz, das ist: weren so rein im Geist, gantzer seele vnd allen krefften, wie es fordert (das gehoͤrt zu einem fromen man vor Gott nach dem gesetz), so rechtfertigete es vns auch, das ist: ruͤmete
vnsere froͤmigkeit, Rom. 2,Vgl. Röm 2,13. Vnd gebe vns darfur das ewige leben, Leui. 8 vnd Math. 19.Vgl. Lev (8,35); 18,5; Mt 19,16f. Aber nach art des lieben Euangelij macht vns Gott gerecht, das ist: er giebet vnd schencket vns die vnschult, froͤmigkeit vnd gerechtigkeit, darinnen wir gerecht werden. Was ist denn die? Antwort: Des Gesetzes gerechtigkeit ist froͤmigkeit mit allen tugenden in vns, vnd in
summa die liebe, Deute. 6, Math. 22.Vgl. Dtn 6,5; Mt 22,37–40. Diese gerechtigkeit aber des glaubens ist kein froͤmigkeit, keine tugent, keine gedancken, keine lieb, kein werck vnd gar nichts in vns, sondern schlechts allein der Son Gottes, den er vns schencket am creutz vnd rechenet vns fur vnsere suͤnde seinen todt als eine bezalung, darinnen er das gelitten, welches wir hetten vmb vnser suͤnde
willen dulden vnd leiden sollen, vnd zur gerechtigkeit seine vnschult zu, nimpt vns vmb der selbigen willen auff, als weren wir selbst je vnd alwegen rein, ohne mackel vnd alle suͤnd gewesen.
Das heist nicht mit grimmigem geschrey, wie Osiander vnd die vollen,betrunkenen. Vgl. Art. voll 9.a), in: DWb 26, 560f. toͤrichten pauren im krueg,Gastwirtschaft, Schenke. Vgl. Art. Krug [II], in: DWb 11, 2434–2436. sondern mit Gottes wort schlahen vnd stuͤrtzen.
Vnd ist nu, dieweil wir den rechten verstand des woͤrtleins Imputare aus Gottes wort haben vnd darinnen seiner gewis sint, alle seine schwermerey von dem vnderscheid der erloͤsung vnd rechtfertigung, von der rechtfertigung, Gerechtigkeit vnd seinem imputare, gewaltiglichen erwiesen, das es eine newe, frembde, jrrige, falsche, teufelische luͤgen sey vnd
derhalben schon von dem hoͤchsten richter vnd rechten verdampt, wens auch ein Engel predigte.Vgl. Gal 1,8. Darneben denjenigen, so da wollen selige scheffleinSchäflein. Christi JHESV sein, denuncijrt,befohlen. Vgl. Georges I, 2050(–2052), s. v. denuntiare. vnd mandiert peremptorie,endgültig, unverzüglich geboten. Vgl. Art. mandieren I, in: DRW IX, 107; Art. peremptorisch, in: DRW X, 601; Art. peremptorius, peremptorie, in: DRW X, 601. bey verlust jrer Seelen heil vnd seligkeit, bey vermeidung ewiger Gottes vngnad, rach vnd pein, das sie die sollen flihen, Johan. 10 vnd Gal. 1,Vgl. Joh 10,5; Gal 1,6–9. Den stiffter
derselbigen, wo er sich nicht bekeret, nicht zu hause nehmen, auch keinen grus sagen, oder sie machen sich seiner suͤnde deilhafftig, 2. Johan. 1.Vgl. II Joh 10f. Denn er ist verbannet zum tod, 1. Cor. 16, Gal. 1.Vgl. I Kor 16,22 (vgl. bes. die alte Lesart u. Deutung Maharan Mota); Gal 1,8f.
Vnd ist er mit aller freuntligkeit vnd sanfftmuͤtigem Geist von vns genugsam gewarnet, darzu sint jm diese argumenta fast alzumahl in seiner disputation
von etlichen herren Theologis fuͤrgehalten worden. Da er aber solt antworten, da thet er, wie jene boͤse mutter jren son lerete: mein kint, sagte sie, kanstu nicht mehr, wenn du mit den leuten zu thun hast, so trage nur flucks hader eintrage Hader ein = stifte Zwietracht, sorge für Unfrieden. vnd behalt immer das letzte wort. Noch ruͤmet er, wie keiner lebendig daruon komen. Sondern er hab sie all mit seiner disputation
geschlagen, javielmehr. Vgl. Art. ja II.5), in DWb 10, 2196. mit gichtzornigemrasendem, äußerst wütendem, grimmigem. Vgl. Art. Gicht [II] 7), in: DWb 7, 7285; Art. gichtig [II] 5), in: DWb 7, 7303f. schelten, schenden vnd lestern, wie er noch thut, die schrifft felscht, seinen rotz vnd geiferSpeichel. Vgl. Art. Geifer 2), in: DWb 5, 2565. – Zum Sprachgebrauch vgl. unten Anm. 1091. darein schleudert, wer jm nicht wil recht geben, mit frolocken zu einem feind vnd widerwertigen auffniemet, denselbigen mit keinem buchstaben aus Gottes wort berichtet,unterweist. Vgl. Art. berichten 2.b), in: DWb 1, 1522. denn das kan er nicht vnd vermagk es nicht, sondern
weidelichenausgiebig, kräftig, heftig. Vgl. Art. weidlich II.B.1.d), in: DWb 28, 607f. schilt vnd filtzt,beschimpft. Vgl. Art. filzen 4), in: DWb 3, 1635. schendetschmäht. Vgl. Art. schänden 5.a), in: DWb 14, 2141f. vnd lestert. Nachmals streicht er die arm auffreckt die Arme empor. Vgl. Art. aufstreichen 2), in: Fnhd. Wb. 2, 753; Art. aufstreichen 4)–6), in: DWb 1, 753. vnd schreiet: Hen, hen.Interjektion. Vgl. Art. hen, in: DWb 10, 985. Jch mein, sie sint geschlagen, gestuͤrtzt vnd zur erden gelegt! O, gluͤck zu, du grosser Rise vnd Goliath,Vgl. I Sam 17,4–7. das man dich doch wider die Tuͤrcken schickete, man duͤrfftebräuchte, müsste. keinen vnkosten auff krigesleuth wenden, nicht mehr denn todtengreber
mitgeschickt, die die erschlagene begruͤben, ehr denn sie stuͤrben.Ironisch: Du bist ein so gewaltiger Kämpfer, dass man dich im Krieg gegen die Türken einsetzen sollte, du allein könntest ein ganzes Heer ersetzen (die Kosten dafür könnte man sparen), man müsste nur einige Totengräber als Begleitung mitschicken, damit deine Opfer schleunigst begraben würden – noch ehe sie überhaupt gestorben wären.
Hie wirt er gleichwol one zweifel mit den Papisten sagen: Die weil denn Imputare heist nicht mit der that vnd warheit gerecht machen, so mus zweierley folgen: Erstlich, was nicht mit der that vnd warheit ist, das ist nichts denn luͤgen, darumb mus ewer Christliche gerechtigkeit ein getreumete, falsche,
luͤgenhafftige Gerechtigkeit vnd damit nichts sein. Zum andern, so mus Gott liegen,lügen. wenn er vns gerecht schilt vnd heist vnd wir sint es nicht. Darauff ist schon droben genugsam vnd richtig geantwortet. Mussens aber ein wenig auffs kuͤrtzte widerholen vnd den armen, einfeltigen scholarn die Grammaticam weisen. Die vnterscheiden die person nicht, was sollen sie denn von dem
handel verstehen? freilich so viel als der Esel von der pfeiffen.Wohl redensartlich, vgl. Art. Esel 5.r), in: DWb 3, 1147.
Jn vnser person ist gantz vnd gar nichts, daher wir moͤchten oder solten gerecht sein vor Gott, sondern stecken alle zu mahl vnter dem spruch alle stund vnd augenblick Rom. 3: Sie haben alle gesuͤndiget.Vgl. Röm 3,23. Die suͤnd erkennen wir ja, haben ein hertzlich misgefallen daruͤber. Jst vns wehe dar
bey, haben ein sehnen vnd verlangen darnach, das wir moͤchten derselbigen ledig werden. Jst aber noch alles nicht dasjenige, das da heist die gerechtigkeit, die vor Gott gilt, denn auch wol die verdampten jre suͤnde erkennen, ist jnen wehe vnd bang darbey, sehen vnd erschrecken darfuͤr vor Gottes gericht wie Saul vnd Judas, vnd gleichwol sint sie verdampt vnd nicht
gerecht.
Ein einige person, die ist recht from in allen krefften vnd gantzer reiner natur, nemlich Jhesus Christus, Gottes vnd Mariae Son, dem wirt allein das liedlein gesungen, das er in seiner person mit der that vnd warheit also gerecht vnd rein, das keine suͤnd in jm, 1. Johan. 3,Vgl. I Joh 3,5. Kein betrug in seinem mund
erfunden worden, Jsai. 53 vnd 1 Pet. 2,Vgl. Jes 53,9; I Petr 2,22. Sondern gantz heilig von mutter leib geboren ist Math. 1 vnd Luc. 1.Vgl. Mt 1,18–25; Lk 1,26–38. Der ist aber kein priuat-person vnd man fur sich selbst, Sondern ein solcher man, der darzu komen, alle Gerechtigkeit zu erfuͤllen, Math. 3,Vgl. Mt 3,15. auff das sich alle voͤlcker auff erden seiner zu troͤsten haben, das sie auch in JHM gesegenet werden, wie die
verheissung lautet Gen. 22.Vgl. Gen 22,16–18; 12,1–3. Vnd Paulus dieselbige von der Gerechtigkeit wil verstanden haben, Gal. 3: Die schrifft hats zuuor ersehen.Vgl. Gal 3,8.
Wie er aber alle gerechtigkeit erfuͤllet habe, das haben wir droben vom Euangelio vnd reich der gnaden gehort. Er ist in seiner grossen vnschult zum Vater gangen, das er seinem willen gehorsamet bis in den tod des
Creutzes, damit fuͤer die suͤnd aller welt abtrag gethanAbtrag tun = Ersatz leisten, eine Schuld abtragen. vnd vns dem Vater versoͤnet, das wir nu in solchem allem, darinnen er die gerechtigkeit erfuͤllet, fur vnschuldig gehalten, vnd angenomen werden von Gott zu kindern vnd erben des ewigen lebens.
Wer ist hie vnschuldig? freilich Christus. Was ist die vnschult in dieser publi
ca persona? Antwort: Das er alle gerechtigkeit erfuͤllet, ane zweifel nicht fuͤr sich, des darffbedarf. er nichts, denn da feilet es nicht, sondern denjenigen, die der gerechtigkeit mangeln, nemlichen vns armen suͤndern. Wenn hat er die gerechtigkeit erfuͤllet? Antwort: Da fehet ers an, da er wirt der samen des weibes Gen. 3 vnd Gal. 4.Vgl. Gen 3,15; Gal 4,4. Da, da ist er derjenige, in dem man gesegenet
wirt, nemlichen do er ist der samen Abrahae nach der verheissung Gen. 22Vgl. Gen 22,16–18. Vnd nicht wie er ist von ewigkeit vom Vater geborn. Wenn ers da were, so weren wir one einigen mitler selig. Sintemal er in seiner Goͤttlichen natur dem Vater gleich, aber da erst vnser mitler worden ist, da er ein recht natuͤrlich mensch geboren wirt. Wie auch Paulus sagt 1 Timo. 2: Es istein
Gott vnd ein mitler zwischen Gott vnd dem menschen, nemlichen der mensch JHESVS Christus.I Tim 2,5. Vnd darumb ist auch – zum trost der Gerechtigkeit vnd ewigen freud der seligkeit – aller Ertzveter glauben vnd vertrawen nicht auff dem blossen Gott gestanden in seiner puhr lautern Gottheit, Sondern der tag Christi, da er anfehet, zeit vnd stund seines wandels auff erden zu zehlen,
alle gerechtigkeit zu erfuͤllen, das ist: da er mensch, hoher priester vnd mitler wirt, der hat sie froͤlich gemacht. Das ist der glaube Abrahae gewesen, wie Christus sagt, Joha. 8,Vgl. Joh 8,56–58. vnd Paulus, Rom. 4. vnd Gal. 3.Vgl. Röm 4,3; Gal 3,6–9.
Diesen tackTag. vnd zeit hat der frome Gott den lieben Vetern gegenwertig gemacht in der verheissung vnd seinem wort, darinnen sie fest geschlossen. Die
jungkfraw ist schwanger, Jesa. 7.Vgl. Jes 7,14. Das kint ist vns geborn, Jesa. 9.Vgl. Jes 9,5f. Denn dieweil Gottes wort nicht feilen kan vnd er solchen seinen willen jnen darinnen offenbaret hat, haben sie sich das nicht lassen jrren, ob es gleich noch gescheen solt vnd durch die zukunfft Christi vber etlich tausent vnd hundert jar erfuͤllet werden, sondern haben das wort vnd verheissung mit gantzem glau
ben gefasset, als wer es alles vor jren augen bereit vorhanden, vnd also ist das lemlein von anfang der welt her geschlachtet, Apoca. 13,Vgl. Apk 13,8. Christus alle zeit der mitler gewesen zwischen Gott vnd dem menschen.
Wie aber nu alle Veter den Christum gesucht vnd bekomen haben in dieser verheissung, Also wirt er vns auch mit solcher erfuͤllung aller gerechtigkeit
Gottes, so er im Gesetz fordert, angetragen vnd angeboten in dem wort vnd hochwirdigen Sacramenten, welches wort nichts anders ist denn die muͤntliche predigt, so vns fuͤr getragen wirt vnd zu den ohren eingehet, Rom. 1 vnd 10, Luc. 8;Vgl. Röm 1,15–17; 10,17; Lk 8,15. vnd wer nu den Christum dermassen im wort vnd Sacramenten nicht annimpt, der habe von gnaden vnd gaben, was er kan, so ist er darinnen
nicht selig noch gerecht, denn der keines ist die erfuͤllung oder erstattung aller gerechtigkeit, die Gott gantz vnd gar haben wil, vnd kein stuͤck allein.
Wer aber den annimpt im wort (welches durch den glauben geschen mus, denn derselbige vnd die verheissung gehoͤren zusamen, Ro. 4),Vgl. Röm 4,5. der ist warhafftig mit der that fur Gott gerecht, gesegenet, ane mackel, ane alle
suͤnde, rein vnd volkomen, Ephe. 5 vnd Col. 2.Vgl. Eph 5,26f; Kol 2,9f. Jn summa, er hat alle gerechtigkeit Gottes, 2. Cor. 5,Vgl. II Kor 5,21. jafreilich, allerdings. nicht in seiner person mit einiger newerung, froͤmigkeit, guͤtigkeit, lindigkeit, wolthetigkeit etc., wie Osiander grillisiert,zusammenphantasiert. Vgl. Art. grillisieren, in: DWb 9, 335. sondern in Christo JHESV, dieweil er den hatt mit seiner erfuͤllung des gesetzes (das merck), so ist er volkomen in jm, spricht Paulus
Col. 2,Vgl. Kol 2,9. alle gerechtigkeit Gottes, 2. Cor. 5,Vgl. II Kor 5,21. auch in jm, Nemlichen indem er die suͤnde worden, das ist: ein vnschuldiges opffer, in summa, da er in aller vnschult leidet vnd stirbet etc.
Vnd hieraus ist zugleich fein zu sehen, was Paulus die gerechtigkeit Gottes heist: nicht die innerliche, selbwesende gerechtigkeit, damit Gott gerecht ist
von ewigkeit, Gleich wie auch Gottes furcht, der glaube Christi, Gottes gaben etc. nicht heist die furcht, damit Gott jemants fuͤrchtet, der glaube, damit Christus gleubet, die gaben, damit Gott gezieret ist, sondern diejenigen, die wir von jm aus gnaden haben. Der glaube, damit wir an Christum gleuben, die forcht damit wir Gott vor augen haben. Also auch die gerechtigkeit, die
vor Gott gilt, wie es darumb Lutherus also verdeutscht hat,Vgl. II Kor 5,21. ob es wol diesem Geist wenig gefelt.
Solchs giebet auch der spruch fein 2. Cor. 5, welchen er zu den Roͤm. 8 ausleget vnd spricht also: Nachdem es dem Gesetze vnmuͤglich war, vns ge- recht zu machenVgl. Röm 8,3. – vrsach ist die: Es feilet an vnserm schwachen
fleisch, darinnen wonet nichts guts, Rom. 7Vgl. Röm 7,18. – So hats Gott gethan.Vgl. Röm 8,3. Wie hat er vns denn gerecht gemacht? Er sante seinen Son in der gestalt des suͤntlichen fleischs vnd verdammet die suͤnde im fleischVgl. Röm 8,3. vnd vnser boͤsen natur durch suͤnde, das ist: durch seinen tod, in dem er fur die suͤnde stirbet vnd ein opffer wirt. Worzu thut er das, lieber Paule? Darzu, spricht er,
auff das die gerechtigkeit, vom gesetz erfordert, in vns erfuͤllet wuͤrde.Vgl. Röm 8,4. Wie er nu alhie saget, das Christus durch suͤnde die suͤnde abgethan, jr schult mit seinem vnschuldigen tod getragen vnd bezalet, Also sagt er 2. Cor. 5: Der von keiner suͤnde wuͤste, ist zur suͤnde gemacht.Vgl. II Kor 5,21. Das er aber dort heist die gerechtigkeit Gottes,Vgl. II Kor 5,21. das heist er hie die gerechtigkeit, vom
Gesetz erfordert,Vgl. Röm 8,4; Phil 3,6. die wirt in vns erfuͤllet – nicht durch vns oder in vnser person, denn also thet vnd were es Christus nicht mit seinem opffer – Sondern wir werden die gerechtigkeit in JEM; darumb er auch sagt Phil. 3, er begere nicht in seiner gerechtigkeit, so aus dem Gesetz ist, erfunden zu werdenVgl. Phil 3,9. – was ist die? freilich die liebe, Deu. 6, Math. 22Vgl. Dtn 6,5; Mt 22,37–40. – sondern in
Christo.
Ey ja, da kumpts! wirt hie Osiander springen, hie stehet die gerechtigkeit aus Gott, das noch keiner denn ich allein recht verdeutscht hab. Was aber aus Gott, das ist Gott selbst. Ach, herr Osiander, springet nicht zu sehr. Ach herr, thut seuberlichsorgfältig, behutsam, vorsichtig. Vgl. Art. säuberlich 2.a) und c), in: DWb 14, 1855f. vnd zuͤrnet nicht, jr moͤcht sonst schwartz werden.Redensartlich: vor Ärger schwarz werden. Vgl. Art. schwarz I.2.d.α.εε), in: DWb 15, 2303. Alle
dinck sint aus Gott, spricht Paulus Rom. 11 vnd 1. Cor. 11.Vgl. Röm 11,36; I Kor 11,12. Darumb sint alle dinck Gott. Jtem, die ge-rechtigkeit aus Gott ist Gott selbst, wir werden die gerechtigkeit Gottes, darumb werden wir Gott. Ja, spricht Osiander, du musts verstehen, wir werden die gerechtigkeit Gottes, das ist: er vberschuͤttet vns mit gerechtigkeit. Antwort: Danck habt, mein lieber meister
vnd glosierer. Lieber, wer seit jr, der so balt kan ein gloͤslin machen, wenn euch der text nicht schmeckt? Wenn er euch aber gefelt, so treibt vnd dringet jr jm mit aller gewalt, man muͤst es euch bestellen.
Wir haben aber Paulum selbst gehort, wie wir die gerechtigkeit Gottes werden, nicht in vns, sondern dieweil wir Christum haben, so ist er gerecht mit der that
vnd warheit vnd wirt vns nu seine gerechtigkeit mit dem glauben, damit wir jn ergreiffen, zur gerechtigkeit gerechenet Vnd also die gerechtigkeit, vom Gesetz erfordert, in vns erfuͤllet. Vnd leugt nu Gott nicht, wenn er vns gerecht heist, denn er macht vns also gerecht, das vnser gerechtigkeit sey die warhafftige erloͤsung, das blut, der ganck, der gehorsam dieses lieben Sons, durch
welche erloͤsung, Rom. 3,Vgl. Röm 3,24. Jn seinem blut, Rom. 5,Vgl. Röm 5,9. vnd ganck zum Vater, Johan. 16,Vgl. Joh 16,10. damit er gehorsamet, Rom. 5,Vgl. Röm 5,19. bis zum tode des Creutzes, Phil. 2,Vgl. Phil 2,8. wir mit der that vnd warheit gerecht vnd ewig selig sint in JEM.
Jn summa, da stehets fest vnd ist vngezweifelt war, das dieser name der ge
rechtigkeit vor Gott gehoͤret keiner blossen Creatur im himel noch auff erden, duͤrffen jn derhalben weder in vns vnd alle- dem, das sich in vns reget, fuͤelet vnd vernehmen lest, noch in einigem menschen suchen, er sey auch, wer er wolle; denn wo wir hinkomen, do ists verderbet, vnd klagen sie alle zumal eben das, so wir klagen, wie Paulus bey seinem exempel thut,
Rom. 7Vgl. Röm 7,7–25. (Denn er redet von seiner eigenen person, wie auch Augustinus bezeuget, lib. 1. Retrac. cap. 23),Vgl. Augustinus, Retractationes 1, 23,1 (PL 32, 620f). Das sie in der armen haut vnd suͤntlichem fleisch stecken, darinnen es mit jnen diese gestalt hat, Das, wo sie Gott nach jrer wirdigkeit vnd verdienst handeln wolte, so muͤsten sie mit ALLEM fleisch (gar keines ausgenohmen) verdampt vnd ewig verloren sein, Psal. 130
vnd 143.Vgl. Ps 130,3; 143,2. Darumb bleibet der name einem einigen man, einer einigen person, der heist JHESVS Christus, dem gehoͤret er so gantz vnd gar eigen, wie jm allein zu eigen gebuͤret, das er der ewige Son Gottes ist, vnd wer das idioma (gerechtigkeit sein vor Gott) einigem werck, einiger person, einiger zeit, stund, regel, orden, kleid, leiden, dulden, vertragen etc. zuschreibet, der
ist jaeben, genau, gerade (so). Vgl. Art. ja B.II.8), in: DWb 10, 2197f. so ein schedlicher Ketzer vnd verdampter Abgoͤttischer lesterer, als der da sagete, das sein kleit, werck, regel vnd anders, was er thut oder leidet, Gott sey vnd Gottes ewiger Son.
Wje nu?, sprichstu. So gehoͤret der namen vnser gerchtigkeit der Goͤttlichen natur in Christo vnd nicht der menschlichen? Hie komenCyrillus communicatiuas uocat que simul habeant et Deo et homini conuenientia, Ita tamen ut de uno et eodem sint dictae, Et non sicut Nestorius, qui alias Deo uerbo separatim, alias ei qui ex muliere sit adscribit etc. Talis est et Osiander noster. wir auff die Communicationem idiomatum, damit Osiander viel bletter zubringet. Aber so mit grossem zittern vnd zaghafftigem hertzen, das man an seinem zappeln sein boͤses gewissen greiffen mus. Fuͤlet wol, das zweierley idiomata sintin
Christo. Etliche sint eigenschafften seiner naturn, die andern seines ampts vnd der gantzen person, das ist: beider naturn, in einer vnzertrenlichen person vereiniget. NochDennoch. rauschet er hindurch, handelt vns abermals vbel, als die wir der Goͤttlichen natur jre ewige gerechtigkeit nemen, Derselbigen feinde sint, die verstossen, trennen, zerreissen, aus der gerechtigkeit des glaubens vnd aus
Christo selbst eine blosse creatur machen, vnd den lieben heilant erger handeln denn keine ketzer auff erden jemals gethan haben; kuͤnt ers noch viel erger auff vns ertichten vnd erdencken, er thet es gern, beweiset aber, Gott lob, nicht einen buchstaben.
Wolan, der man ist zornig. Mussen vns aber vor jm nicht zu tod
fuͤrchten, sondern die reine warheit lehren vnd vertedingen,verteidigen. Wenn sich auch der leidige Teufel daruͤber solte zerreissen. Es ist all sein entlich datumBestreben, Absicht (meist bei verwerflichen Dingen). Vgl. Art. Datum, in: DWb 2, 828f. mit der Communicatione idiomatum dahin gerichtet, das er der menscheit Christi den titel vnd nahmen der gerechtigkeit nicht wil neben der Gottheit einreumen, die mus heraus vnd dort hinder sich zuruͤck vber die
1500 jar, als die damals das jrs gethan, numehr aber dasselbige blut verwesen vnd vertruckenet (wie er zum offtern mal von der CanzelNach Corrigendaliste ergänzt. mit greulichen Gottslesterung geschrien) vnd das dasselbige also in dem handel vnser rechtfertigung vnd seligkeit nichts mehr nuͤtzet noch hilfft.
Dieweil denn der leidige Teufel ja so gar erbost vnd ergrimmet, So wollen wir
jm frey ane schew also thun, jm zu trotz vnd zu leid nu also sagen vnd sehen, ob wirs mit der Communicatione idiomatum behalten oder ob ers vns damit nemen kuͤnde. Der mensch JHESVS Christus ist vnser gerechtigkeit, daruon die gantze schrifft saget vnd einhellig zeugnis gibet, derhalben, wenn Paulus der gerechtigkeit, die vor Gott gilt, wehneterwähnt. oder gedenckt, so fal nur flucks
vnd bald mit gantzem hertzen vnd allen gedancken auff den, der von Maria, der jungfrawen, geborn, an dem Creutz in grosser, sehnlicher marter schwebet, schreiet vnd ruͤfft: O mein Gott, mein Gott, warumb hastu mich verlassen?Mk 15,34. Denn da ist, da lebet Moises vnd alle Propheten mit vnser gerechtigkeit, da er vorwundet in angst vnd kummer Gottes zorn vnd gericht fuͤlet.
Vnd sey dem Teufel trotz gebotten sampt allen seinen schuppen,Anhängern. Vgl. Art. Schuppe [I] 2.d), in: DWb 15, 2014. das er vnd sie diesen vnsern glauben mit gutem, bestendigem grunt der schrifft oder seiner Communicatione idiomatum tadeln, das wir dardurch verfuret oder einigen falschen glauben haben. Rufft er aber: Hey, JehouaEine seit dem Spätmittelalter gebräuchliche Lesart des hebräischen Gottesnamens, enstanden durch die Verbindung der Konsonanten des Gottesnamens JHWH, der nach jüdischem Brauch gemäß Ex 20,7 nicht ausgesprochen werden soll, mit den Vokalzeichen des Wortes Adonaj ([mein] Herr), das ersatzweise zu lesen ist. ist vnser gerechtigkeit! so sprich widerumb: Trotz dir, das du leugnest, das dieser,
der da stirbet am Creutz, vnser lieber wahrer vnd ewiger Gott sey.
Wir ruͤmen vnd sagen mit dem waren munt des heiligen Geistes in seinen Aposteln, das Gott seine kirche mit SEJNEM blut erarneterworben, verdient, erkauft. Vgl. Art. erarnen, in: DWb 3, 697f. hat, Acto. 20,Vgl. Act 20,28. Das dieser, der von den Juden eines schmelichen todes ist am Creutz erwuͤrgetgetötet. Vgl. Art. erwürgen 1), in: DWb 3, 1072f. vnd vmbgebracht, der ist der HERR der herligkeit,aus: heiligkeit. 1. Cor. 2,I Kor 2,8. vnd nicht
eine creatur oder blosser mensch, wie der Teufel schreiet, kein mensch, kein creatur kuͤnde vnser gerechtigkeit sein, gleich als gleubten vnd lereten wir wie die Juden, Christus wer ein schlechterbloßer, schlichter. heiliger mensch, wie Johannes oder Elias, oder ein Prophet, Math. 16.Vgl. Mt 16,14. Aber es fuͤlet sich fein, wie weit diese leuth von solcher meinung vnd dem alten Juͤdischen wahn sint.Ironisch: Die Gegner sonnen sich in dem Gefühl, solche vermeintlich überholten Auffassungen hinter sich gelassen zu haben.
Was sie nachmals ruffen – die Gottheit sterbe nicht, leide nicht etc. – Das ist die alte GeigeRedensartlich: die alte Leier, die immer gleiche Argumentationsweise. der Ketzer; da kere du dich auch nicht an, sondernaus: sonden. las schreien vnd ruffen. Denn wir wissens auch wol, das man Gott in seine selbwesende Goͤttlichen natur keinen nagel, weder durch hende noch fuͤsse, schlahen wirt, denn sie hat in jr selbst weder hent noch fuͤsse, Sondern ist ein Geist,
Johan. 4.Vgl. Joh 4,24. Ey ja (rufft der schwer-mer alhie), so mus je folgen, das allein die menschliche natur leidet vnd dieselbige also vnser gerechtigkeit sein kuͤnde. Sprich: Teufel, du leugest; denn obs wol wahr, das Christus leidet vnd gecreutziget wirt im fleisch, wie der heilige Petrus sagt,Vgl. I Petr 4,1. So ist er aber, der da stirbet, nicht allein mensch, Sondern die Gottheit ist mit der
menscheit in dieser person vereiniget vnd einein einziger, ungeteilter. Christus. Darumb wenn der mensch Christus stirbet, so stirbet Gott, denn die person ist Gott, vnd eben der Gott, der da spricht im ersten gebot (wie der frome Lutherus saget, von den letzten worten Dauids):Vgl. Luther, WA 54, 67,1–14: Hieraus folget gewaltiglich und unwidersprechlich, das der Gott, der das Volck Jsrael aus Egypten und durchs rote Meer gefuret, in der wusten durch die Wolckseule und Feurseule geleitet, mit Himelbrot geneeret und alle die wunder gethan, so Moses in seinen Buͤchern beschreibet, Jtem der sie ins land Canaan bracht, und drinnen Koͤnige und Priesterthum und alles gegeben hat, sey eben der Gott und kein ander, denn Jhesus von Nasareth, Marien der Jungfrawen Son, den wir Christen unsern Gott und Herren nennen, den die Juͤden gecreutziget haben, und noch heutes Tages lestern und fluchen, Wie Jsaia 8. sagt: Sie werden in jrer angst fluchen jrem Koͤnige und jrem Gotte. Jtem, Er ists, der auff dem Berge Sinai Mose die zehen Gebott gibt und spricht: Jch der HERR bin dein Gott, der dich aus Egypten gefuret hat, Du solt fur mir kein ander Goͤtter haben, Ja Jhesus Nasarenus, am Creutz für uns gestorben, ist der Gott, der in dem Ersten Gebot spricht: Jch der HERR bin dein Gott. (Von den letzten Worten Davids, 1543). Vgl. Jes 8,21; Ex 20,2f; Dtn 5,6f. Du solt kein ander Goͤtter haben neben mir;Ex 20,3; Dtn 5,7. darumb auch Paulus so hart wider die Juden klagt, sie haben den
HERREN der herligkeit gecreutziget,Vgl. I Kor 2,8. der ist freilich kein puhr lauter mensch oder creatur, Sondern der rechte, einige, ewige, wahre Gott selbst, ausser welchem kein Gott mehr ist.
Also bleibet vns die person gantz vnd vngetrennet, vnd ist kein natur allein vnser gerechtigkeit. Reden es aber beides mit guetem froͤlichem hertzen vnd
gewissen, der mensch Christus ist mit seinem blut vnser gerechtigkeit. Denn also redet die schrifft: Der samen des weibes, Gen. 3.Vgl. Gen 3,15. Jn deinem samen sollen gesegenet werden alle voͤlcker, Gen. 22.Vgl. Gen 22,18. Dieser segen vnd samen ist der mensch Christus, Gal. 3.Vgl. Gal 3,14.16. Schlissen aber damit die Gottheit nicht aus, sondern starck mit ein, sintemal wir bekennen vnd sagen, das kein schlechter
samen des weibes, kein schlechter samen Abrahae der segen ist, sondern allein der samen, der des weibes vnd Abrahae rechter, natuͤrlicher samen vnd doch nicht ein puhr lauter samen Abrahae aus Maria, der jungkfrawen, sondern auch ein Son ist des allerhoͤchsten in einer person, wie denn Paulus die wort in der verheischung Abrahae darumb auff diese einige
person so starck treibet, Gal. 3: Jn deinem samen, nicht in vielen etc.Vgl. Gal 3,16.
Vnd widerumb sagen wir, Gott selbst ist vnser gerechtigkeit, nicht der abgesonderte Gott, sondern der Gott, so vom Vater gesant ist, das ist: der aus dem stammen Dauids geborn ein koͤnig ist auff erden, wie Jeremias so gar hertzlichen fein die zwuezwei (fem.). Vgl. Art. zwei I.2), in: DWb 32, 973. naturn vereiniget, cap. 23,Vgl. Jer 23,5f. vnd nachmals so recht deut
lich vnd bescheidlichenklar. mit dem grossen nahmen Gottes, den er fur vnser gerechtigkeit setzet, die menschliche natur Christi mit der Gottheit in einer person fasset, cap. 33,Vgl. Jer 33,15f. Das er nicht allein saget, wie zuuor cap. 23: Sie werden jn, den Koͤnig, aus dem stammen Dauids geborn, Gott heissen, der jre gerechtigkeit sey,Vgl. Jer 23,5f. Sondern auch: Eam in foeminino genere, damit er das Vir
gulamNach Corrigendaliste, aus: virgulem. ex Dauide ja mit fingern weise,Die Bemerkung zielt auf eine Variation im Wortlaut des hebräischen Texts zwischen den parallelen Texten Jer 23,5 (צֶמַח צַדִּיק) und Jer 33,15 (צֶמַח צְדָקָה). An der ersten Stelle ist das Masculinumצֶמַח (Spross) mit adjektivischem Attribut צַדִּיק (gerecht) gebraucht, an der andern aber ist an die Stelle des Attributs das Femininum צְדָקָה (Gerechtigkeit) in einer Constructus-Verbindung getreten. Vgl. Gesenius18 s. v. צֶמַח, Sp. 1123[b]. wie vns Osiander im Hebrehischen vor der zeit das selber bericht hat vnd zu warzeichenBestätigung, Bekräftigung. Vgl. Art. Wahrzeichen II.5.b), in: DWb 27, 1028f. sagete, jm were vor dem orthvor dieser Schriftstelle. am allermeisten leide gewesen in seiner disputation, das man jm den wuͤrde fuͤrgezogenvorgelegt, angeführt, ins Feld geführt. Vgl. Art. fürziehen II.3), in: DWb 4, 956. haben, das er jm freilich selbst nichtaus: niche. viel vertrawet. Noch dennoch zerreist er die person, dringet vnd treibet darauff,
dieweil der grosse name Gottes niemants kunte gegeben werden denn allein Gott, darumb musse die Gotheit vnser gerechtigkeit vnd nicht die menscheit sein;Vgl. Osiander, OGA 10, 228,27–230,27 (Von dem einigen Mittler, 1551). was ist das anders, denn wie Nestorius schwermete, die menscheit Christi kan nicht Gott sein noch heissen, dieweil nu die menscheit Christi aus Maria geborn ist, so kan nicht Gott aus jr geborn sein, so kan nicht
Gott leiden, sterben, sein blut vergissen etc.Vgl. Thomas Böhm, Art. Nestorius, in: RGG4 6 (2003), 206f.
Vnd wil hie Osiandrum nicht helffen noch entschuͤldigen, das er gleich ruͤmen wil, Er sage auch, das Christus nach der menscheit Gott heisse. Wir hoͤren die gueten wort wol, lesens auch in seinem Alcoran,Osiander, Von dem einigen Mittler/De unico mediatore, 1551. Sehen aber widerumb dargegen, wie er jm selbst abermals eine schmarren durch das maul
hawet,Redensartlich: wie er sich selbst einen Hieb, eine Wunde beibringt, d. h. sich selbst widerspricht. Vgl. Art. Schmarre 7.a), in: DWb 15, 942f. vnd spricht frey, da er Jeremiam anzeucht, cap. 23, Das der name Gottes Nichts anders heisse Denn das blosse Goͤttliche wesen in Christo.Vgl. Jer 23,6. Last nu jn, oder wer da kan, vns die zwey Concilijrn.versöhnen, in Übereinstimmung bringen. Osiander gleubt, das Gott heist nicht allein die Gottheit, sondern auch die menscheit in Christo. Vnd Osiander gleubt, das Gott In größerem Schriftgrad gedruckt.nichts anders heisse denn das blosse
Goͤttliche wesen in Christo, vnd nicht die menscheit, wil darzu das mit einer dicken, bezichtenangeklagten, geschmähten, längst bekannten und entlarvten. (?) Vgl. Art. bezichten, in: Fnhd. Wb. 3, 2326. luͤgen schmucken vnd spricht, Jeremias der heisse vnsere gerechtigkeit Gott den Vater, cap. 33, So doch Jeremias kein wort redet im gantzen capittel, Sondern Gott der Vater redet fuͤrnemlich von dem handel, wie sein lieber Son sol aus dem stammen vnd gebluͤet Dauids
geboren werden, ein Koͤnig vnd Heilant seines volcks, dem alsdenn, wenn dieser Koͤnig auff erden sein werde, durch jn sol geholffen werden, daher jn alle gleubigen werden heissen Gott, der vnser gerechtigkeit ist.Vgl. Jer 33,2.15f. Helt nu Osiander darfuͤr, das der name Gottes allein das blosse Goͤttliche wesen heisse in Christo, vnd nicht die menscheit, wie er in seinem Alcoran
schreibet, so ist er ein anhenger vnd Junger des Ketzers Eutichetis;Vgl. oben Anm. 618. helt er jn aber auch fur Gott nach der menscheit in einigkeit der person, so mus er Christum starck nach dem Jeremia vnsere gerechtigkeit sein lassen auch nach der menscheit vnd keinen danck darzu haben,Redensartlich: ob er will oder nicht. vnd ist er demnoch also wider sich selbst.
Ja, was wil aber die alte ZoͤberinZauberin, Hexe. Vgl. Art. Zauberin 2.b), in: DWb 31, 389. vnd Wettermacherin,Wetterhexe, Zauberin. Vgl. Art. Wettermacherin, in: DWb 29, 752. die kluge mutter aller schwermer, die immediata diuisiounmittelbare Trennung (der beiden Naturen Christi). darzu sagen? Die wirt nu wider euch arme Wittebergische Doctores die schwartze wolcken auffzihen, vber euch donnern vnd plixen,blitzen. Vgl. Art. blixen, in: DWb 2, 135. als die jr die natur in Christo vermischt, darzu eine pur lauter menscheit vnd creatur aus vnser gerechtigkeit macht vnd
damit Gott selbst zu einer Creatur. Denn ist vnser gerechtigkeit eine Creatur vnd puhr lauter mensch etc. Vnd vnser gerechtigkeit ist der rechte wahre Gott, wie Jeremias saget, So ist der rechte wahre Gott eine Creatur vnd puhr lauter mensch.
Darauff geben wir diesen bescheid: Wahr ists, Das Christus ein einige person,
gleichwol ist zwue vnterschiedliche naturn, Gott vnd mensch. Wahr ists auch, das diese zwue naturn nicht sint in dieser person also vermischt, das aus der Goͤttlichen were menschliche oder aus der menschlichen gar eitel Gottheit worden, wie noch zu vnsern zeiten etliche schwermer fuͤrgaben. Sondern was Gott ist, das ist Gott geblieben mit aller eigenschafft jrer art vnd natur,
Also ist auch in Christo geblieben sein recht, natuͤrlich, menschliche natur auch nach der aufferstehung, wie der denn weiset Luc. 24, Johan. 20,Vgl. Lk 24,36–43; Joh 20,24–29. allein in verklertem leibe, Darinnen wir jm auch dort werden gleich sein, Phil. 3, 1. Johan. 3.Vgl. Phil 3,10f.20f; I Joh 3,2. Diese zwue naturn sint aber alsoin solcher Weise, auf solche Art, derartig. in einer person vereiniget, das gleichwol keine die ander verlassen hat. Wie nu leib vnd Seel ein mensch,
Essen vnd trincken eigenschafften sint des leibes vnd nicht der Seelen. Also ist leiden vnd sterben ein eigenschafft der menscheit vnd nicht der Gottheit.
Wie aber der leib nicht isset noch trincket, wo die Seele nicht in dem leibe ist, welchem sie die krafft giebet vnd das leben, Alsoebenso, in gleicher Weise. ist weder leiden noch sterben Christi krefftig oder genugsam zu der gerechtigkeit oder erloͤsung al
ler welt, ja wenn die menscheit were allein abgesundert von der Gotheit, dieweil aber die person Christi stirbet, welche gleichwol warer Gott ist vnd bleibet, so rucket nu die Gottheit in diesem tod hindurch, toͤdtet die suͤnde, wuͤrget vnd erseufft den tod in diesem tod vnd blut, darinnen er die suͤnde vnd vnsern tod getragen hat, Geust darmit die flammen der hellen aus,
besprenget also vnsere hertzen im wort, in der Tauff, im Abentmal Christi mit dem blut, das wir durch diesen tod vnd opffer gereiniget, 1. Johan. 1,Vgl. I Joh 1,7. vnd heilig werden, Ebre. 10 vnd 13.Vgl. Hebr 10,10; 13,12.
Auff diese meinung leren nu die lieben Veter auch, als Athanasius libro de assumptione hominis. Da weiset er fein, wie Christus etlich ding nach
der Gottheit, etlich nach der menscheit hat gethan, vnd wil, das wir aus der vrsach alle gewalt der wunderwerck Gott zuschreiben, das ers thut, vnd widerumb alle traurigkeit des leidens der menscheit zurechenen, zeucht vnter andern den schonen spruch an 2. Cor. 13, da Paulus spricht, Christus sey gecreutziget in der schwacheit, lebe aber in der krafft Gottes etc.Vgl. Ps.-Athanasius, De assumptione hominis contra Marcellinum haereticum ad Theophilum, lib. III: Quapropter omnis potestas signorum vel prodigiorum Deo facienti est adscribenda, et omnis tristicia passionis homini est imputanda. Itaque intellige, quia prior hic homo in nativitate de Maria virgine assumptus est, et in passione permittente potestate ejus traditus est, et post passionem denuo assumptus ab ipso vel acceptus est, sicut scriptum est: Nam etsi crucifixus est ex infirmitate nostra, sed vivit ex virtute Dei. [II Kor 13,4] Zitiert nach: ΤΟΥ ΕΝ ΑΓΙΟΙΣ ΠΑΤΡΟΣ ΗΜΩΝ || ΑΘΑΝΑΣΙΟΥ || ΑΡΧΙΕΠΙΣΚΟΠΟΥ || ΑΛΕΞΑΝΔΡΕΙΑΣ || ΤΑ ΕΥΡΙΣΚΟΜΕΝΑ ΑΠΑΝΤΑ. || SANCTI PARTRIS NOSTRI || ATHANASII || ARCHIEPISCOPI || ALEXANDRIAE || OPERA QVAE REPERIVNTVR OMNIA. || Editio Nova || juxta Parisinam ANNI M DC XXVI || adornata, || cum indicibus necessariis. || TOMVS SECVNDVS. || [Verlagssignet (Kupferstich, J. C. Böcklin sculps.): Erd- und Himmelsglobus nebeneinander auf Sockel, gerahmt von Eichenlaubkranz, Schriftband oben: Unus non Sufficit! Schriftband unten: Animo metitur Vtrumque. Darunter im Palmenkranz (?) die verschlungenen Initialen MGW.] || COLONIAE, || Sumptibus Mavritii Georgii Weidmanni. || M DC LXXXVI. (VD 17 3:305395Y), Bl. 559r [Sp. a, A/B, C]. Balt herna
cher aber tregt er die beiden naturn in eine person zusamen vnd spricht also: Sag du mir, du ketzer Photine, hat der mensch allein, one die Gottheit, wasser zu wein gemacht? oder in eigenem vertrawen mit trockenen fuͤssen auff dem Mehr gewandelt? Hat der mensch, so sich vor dem tod entsetzet hat, ane Gott die todten aufferwecket? Hat sich allein aus krafft der menscheit die er
de beweget? die felsen gerissen? hat allein die menscheit an die Gottheit die Teufel bedrawet vnd grosse wunder gethan? hat allein die menscheit an die Gotheit die winde bedrawet vnd das mehr gestillet? Hatt allein die menscheit an die Gottheit koͤnnen von den todten aufferstehen? oder durch verschlossene thuͤr mitten vnter die Juͤnger tretten vnd sie berichten vom reich Gottes?
Hat auch allein die menscheit vormocht, ane die Gottheit, vber alle himel von jr selbst auff fahren?Vgl. Ps.-Athanasius, De assumptione hominis contra Marcellinum haereticum ad Theophilum, lib. III: Nunquid homo solitarius, Photine Haeretice, sine DEO aquas in vinum transtulit? aut confidentia sua mare pedibus ambulavit? Nunquid homo qui mortem timuisse videtur, sine Deo mortuos suscitasse invenitur? Nunquid per potentiam hominis solitarii terra contremuit? aut rupes et saxa sese illidentia dissiluerunt? Nunquid homo sine Deo ventis imperabat, et placidas aequoris undas compescebat? Nunquid homo solitarius a mortuis resurgere potuit? aut in medio discipulorum januis clausis stetit inter illos, et docuit eos de regno Dei? Nunquid homo solitarius aut super omnes coelos ascendere a semetipso sine Deo valuit? (zitiert nach: VD 17 3:305395Y [siehe Anm. 978], Bl. 559r [Sp. a, D – Sp. b, A]) – Vgl. (leicht abweichende Textform) Vigilius Tapsensis, De Trinitate libri duodecim (qui edidit sub nomine S. Athanasii, episcopi Alexandrini), lib. III (De assumptione hominis, contra Marcellinum haereticum), PL 62 (1863), 256 (1848: 224).
Eben auff die meinung schreibet auch der heilige Hilarius lib. 9. trini. nach viel trefflichen schonen spruͤchen: Denn ob wol Christus in seiner geburt, leiden vnd sterben dasjenige ausgericht, so zu vnser natur gehoͤrt, So
hat er doch dasselbige alles zumal gethan aus krafft seiner (Goͤtlichen) natur, dieweil er selbst seiner geburt vrsach ist vnd das leiden wil, das er sonst nicht leiden solt, sterben wil, der doch lebet etc.Vgl. Hilarius von Poitiers, De trinitate 9, 7: Nam tametsi in partu et passione et morte naturae nostrae res peregerit; res tamen ipsas omnes virtute naturae suae gessit, dum sibi ipse origo nascendi est, dum pati vult, quod eum pati non licet, dum moritur qui vivit. (PL 10, 286A; BKV² II. Reihe, Bd. 6, S. 72).
Vnd ist nu aus dem allem leichtlich abzunehmen, mit was bestendigem grunt der warheit vns Osiander ausgibet, als trenneten wir die person Christi vnd
machten aus jm vnd vnser gerechtigkeit eine puhr lautere creatur. Gewalt vnd vnrecht thut er vns. Sondern wir reden fein rein vnd bescheidlichen mit allen lieben Vetern nach Gottes wort also vnd dermassen, das wir die einigkeit der person in beiden naturn behalten vnd gleichwol die beide naturn nicht vermischen, sondern einer jedern jre eigenschafften auch zuschreiben. Bekennen
vnd sagen, das leiden, sterben vnd blut vergissen etc. sint eitel idiomata vnd eigenschafften der menschlichen natur in Christo. Wenn sie aber allein bloes menschlich weren diese Proprietates, so verlueren sie die idiomata, das sie nicht kuͤnten vns erloͤsen rechtfertigen etc., denn es were nicht muͤglich, das ein einiger mensch, wie vnschuldig vnd from er jmmer mehr sein kuͤnte,
er thet auch, was zu thun vnd zu leiden muͤglich were, solte die suͤnd der gantzen welt hinnehmen, den tod verschlingen, die gantze macht vnd gewalt des Teufels zerbrechen, Gottes zorn auffheben, versuͤnen vnd stillen. Es ist kein leichtfertiger schertz, wenn man die Suͤnd, Tod, Teufel, Gottes zorn nennet, Sondern sint solche greuliche, grausame, vntregliche ding
darunter, auch Gottes Son in aller reinigkeit mus sterben vnd zerschlagen werden, Jsai. 53.Vgl. Jes 53,1–12. So stirbet alle welt, vnd dennoch kan aller welt sterben, muͤhseliges leben vnd schmertzliches ehlent, dem wir von mutterleib an vnterworffen sint, weder die suͤnde abthun, noch den tod dardurch auffheben. Jn summa, es bleibt, wie Paulus sagt: Das alles leiden dieser zeit
der zukuͤnfftigen herligkeit nicht wirdig noch wert ist, Rom. 8.Vgl. Röm 8,18.
Vnd dennoch hat es muͤssen mit einem tod vnd opffer geschehen, solten wir erloͤset werden, auff das gleichwol dem Goͤttlichen gericht wider die suͤnd genunck geschehe. Darumb hat der tod fallen muͤssen in ein solche person, die zugleich almechtiger, ewiger gewalt vnd also des todes vnd Teufels
mechtig were. Das ist Gott allein. Vnd hat doch widerumb die Gottheit nicht leiden noch sterben mussen, denn das ist vnmuͤglich. Vnd gleichwol ist die Proposition auch wahr: Gott ist gestorben, Gott hat sein blut vergossen, Gott ist gecreuziget.
Aus der vrsach (wie der heilige Athanasius vber die massen schonüber die Maßen schön. schrei
bet, lib. de incarnatione uerbi)Klammer ergänzt.hat sich der son Gottes vnsers jamers erbarmet, vnd dieweil er gewust, das wir des todes nicht anders kuͤnten entlediget vnd los werden, es were denn, das er, das ewige wort, fur vns stuͤrbe, vnd aber nicht muͤglich war, das es solte sterben als der vnsterbliche Son des Vaters, darumb hat er einen sterblichen leib an sich genomen,
auff das derselbige leib, welcher des worts, so vber alles ist, teilhafftig geworden, also Nach Corrigendaliste, aus: fuͤr aller.fuͤr alle sterben kuͤnte Vnd doch gleichwol durch das vereinigte wort vnuerweslich bliebe, vnd also die verwesligkeit von allen menschen durch die herligkeit der Aufferstehung außgetrieben wuͤrde.Vgl. Athanasius, De incarnatione verbi, 9: Συνιδὼν γὰρ ὁ Λόγος, ὅτι ἄλλως οὐκ ἂν λυθείη τῶν ἀνθρώπων ἡ φθορὰ, εἰ μὴ διὰ τοῦ πάντως ἀποθανεῖν· οὐχ οἷόν τε δὲ ἦν τὸν Λόγον ἀποθανεῖν ἀθάνατον ὅντα καὶ τοῦ Πατρὸς Υἱόν· τούτου ἕνεκεν τὸ δυνάμενον ἀποθανεῖν ἑαυτῷ λαμβάνει σῶμα, ἵνα τοῦτο τοῦ ἐπὶ πάντων Λόγου μεταλαβὸν, ἀντὶ πάντων ἱκανὸν γένηται τῷ θανάτῳ, καὶ διὰ τὸν ἐνοικήσαντα Λόγον ἄφθαρτον διαμείνῃ, καὶ λοιπὸν ἀπὸ πάντων ἡ φθορὰ παύσηται τῇ τῆς ἀναστάσεως χάριτι. (PG 25, 111/112A; BKV² I. Reihe, Bd. 31, 612f).
Vnd bald hernach: Dieweil durch die menschen der Tod ist mechtig worden
aller menschen, Darumb ist der Todt widerumb zerbrochen durch die menschwerdung des worts vnd die Aufferstehung zum Leben widergeben, wie der man Christoferus spricht (also nennet er den heiligen Paulum, als der Christum recht aller welt fuͤrgetragen): Sintemal durch einen menschen der Todt vnd durch einen menschen die Aufferstehung der todten kumpt.Vgl. Athanasius, De incarnatione verbi, 10: Ἐπειδὴ γὰρ ἐξ ἀνθρώπων εἰς ἀνθρώπους ὁ θάνατος ἐκράτησε, διὰ τοῦτο πάλιν διὰ τῆς ἐνανθρωπήσεως τοῦ Θεοῦ Λόγου ἡ τοῦ θανάτου κατάλυσις γέγονε, καὶ ἡ τῆς ζωῆς ἀνάστασις, λέγοντος τοῦ χριστοφόρου ἀνδρός· Ἐπειδὴ γὰρ δι’ ἀνθρώπου θάνατος, καὶ δι’ ἀνθρώπου ἀνάστασις νεκρῶν. (PG 25, 113/114C; BKV² I. Reihe, Bd. 31, 615); das Pauluszitat: I Kor 15,21.
Jn Summa, wie auch der liebe Lutherus sagt in seinem Buͤchlein von den Concilijs vnd der Kirchen: wo es nicht solt heissen, Gott ist fuͤr vns gestorben, sondern allein ein mensch, so sind wir verloren. Aber wan Gottes Todt vnd Gott gestorben in der wageschuͤssel ligt, so sincket er vnter vnd wir fahren entpor als eine leichte, ledige schuͤssel.Den Ausführungen liegt die Vorstellung einer Balkenwaage zugrunde. Aber er kan auch wider
emporfahren oder aus seiner schuͤssel springen. Er kuͤnt aber nicht in die schuͤssel sitzen, er muͤste vns gleich ein mensch werden, das es heissen kuͤnte Gott gestorben, Gottes marter, Gottes blut, Gottes Todt. Denn Gott in seiner natur kan nicht sterben. Aber nuhn Gott vnd mensch vereiniget ist in einer person, so heists recht Gottes Todt, wan der mensch stirbet, der mit
Gott ein ding oder eine person ist.Luther, WA 50, 590,13–22 (Von den Konziliis und Kirchen, 1539). Vnd in seinem Bekentnis vom Abentmahl Christi: Wenn ich das gleub, das allein die menschliche natur fur mich gelitten hat, so ist mir der Christus ein schlechter heilant, vnd bedarff er wol selbst eines heilants.Luther, WA 26, 319,37–39 (Vom Abendmahl Christi. Bekenntnis, 1528). Jtem im selbigen buͤchlein: Wer allein durch menscheit erloͤset ist, der ist freilich noch nicht erloͤset, wirt
auch nimmermehr erloͤset etc.Luther, WA 26, 342,19f (Vom Abendmahl Christi. Bekenntnis, 1528).
Wunderschon vnd klerlichen gibdt der heilige Epiphanius eben die meinung auch, daraus gar troͤstlichen vnd genugsam abzunehmen, was der fromen Veter lere in diesem handel zu seiner zeit gewesen ist, vnd schreibet derselbige also, lib. 3, Tom. 2, contra Dimaeritas: Da Christus nach dem fleisch am
Creutz gelitten hat, Jst die Gottheit vnd menscheit beisahmen gewesen vnd gleichwol die Gottheit on alles leiden geblieben, Auff das wir die Gerechtigkeit nicht allein im fleisch haben, sondern auch in der Gottheit, vnd vns also die seligkeit widerfuhr, beide in der Gottheit vnd seinem fleisch. Denn Christus ist vns nicht allein ein blosser mensch, sondern das wort in
persoͤnlicher vereinigung des fleischs, vnd Gott warhafftiglich mensch worden, Das wir vnser hoffnung also nicht im menschen haben, sondern in der Gottheit, haben auch nicht einen Gott, der da leidet, sondern der ausser allem leiden ist. Vnd gleichwol hat er vnser seligkeit ausser dem leiden nicht volbracht, In größerem Schriftgrad gedruckt.Sondern dasselbige eben in dem ausgericht, da er fur vns
gestorben vnd sich selbst dem Vatter geopffert fur vnsere Seelen, vns in seinem blut gereiniget, die hantschrifft, so wider vns wahr, zerreissen vnd ans Creutz gehefft, wie vns denn die schrifft allenthalben leret.Vgl. Epiphanius von Salamis, Panarion III, 2 (Contra Dimoeritas), 32 (PG 42, 689/690B.C): Συνῆν γὰρ καὶ ἡ θεότης, καὶ ἡ ἐνανθρώπησις, ὅτε ἐπὶ τῷ σταυρῷ ἔπασχε μὲν Χριστὸς σαρκὶ, ἀπαθὴς δὲ ἔμεινε θεότητι · ἵνα τὴν δικαίωσιν μηκέτι ἐν xσαρκὶ μόνον ἔχωμεν, ἀλλὰ ἐν τῇ θεότητι · καὶ ἵνα ἐν τῇ θεότητι καὶ ἐν τῇ σαρκὶ κατ’ ἀμφοῖν ἡμῖν σωτηρία γένηται. Οὐ γὰρ ψιλὸς ἡμῖν ἄνθρωπος ὁ Χριστὸς, ἀλλ’ ὁ Λόγος ἐνυπόστατος, ἔνσαρκος, καὶ Θεὸς ἄνθρωπος γεγονὼς ἐν ἀληθείᾳ, ἡμῶν μὴ ἐχόντων τὴν ἐλπίδα ἐπ’ ἄνθρωπον, ἀλλ’ ἐν τῇ θεότητι · καὶ ἡμῶν μὴ ἐχόντων Θεὸν πάσχοντα, ἀλλ’ ἀπαθῆ · ἐκτὸς δε πάθους τὴν σωτηρίαν ἡμων μὴ πεποιηκότα, ἀλλ’ ἐν τῷ ὑπερ ἡμῶν ἀποθανεῖν, καὶ ἑαυτὸν προσενέγκαι τῷ Πατρὶ θυσίαν ὑπὲρ τῶν ἡμετέρων ψυχῶν, ἐν τῷ αἵματι αὐτοῦ καθαρίσας ἡμᾶς, σχίσας τὸ καθ’ ἡμῶν χειρόγραφον καὶ προσηλώσας αὐτὸ τῷ σταυρῷ, καθὼς πάντη ἡ Γραφὴ διδάσκει ἡμᾶς. – Tum enim divinitas cum humana natura conjuncta fuit, quando Christus in cruce suffixus carne passus est, nihil ipsa divinitate patiente, quo justificatio nostra non amplius in sola carne, sed etiam in divinitate consisteret, atque ut a divinitate simul et carne salus nostra profisceretur. Etenim Christus non simplex ac nudus homo fuit, sed Verbum subsistens, incarnatum, ad Deus homo revera factus, ut spem nostram non amplius in homine, sed in divinitate collocemus, neque patientem Deum, sed a perpessione omni immunem habeamus. Qui quidem non sine perpessione salutem nobis attulerit, sed in moriendo pro nobis, seque Deo Patri pro nostris animabus sacrificii instar offerendo praestiterit, cum nos sanguine suo repurgavit, ac scriptum contra nos chirographum disciderit, et cruci suae istud affixerit [vgl. Kol 2,14], id quod ubique Scriptura testatur.
Vnd bald hernach: Das leiden ist nicht in der Gottheit, sondern menschlichen natur geschehen. Es ist aber nicht der menschlichen natur allein zugerechenet
– Auff das nicht in vnser seligkeit das an vns erfuͤllet wuͤrde, so Jeremias saget: verflucht sey alle derjenige, der sein vertrawen auff einen menschen setzetVgl. Jer 17,5. – Sondern ist auch der Gottheit zugerechenet, obwol die Gottheit nicht gelitten, auff das also die seligkeit, so die kirche Gottes in diesem leiden hat, der Gottheit zugerechenet werde etc.Vgl. Epiphanius von Salamis, Panarion III, 2 (Contra Dimoeritas), 33 (PG 42, 689/690D): οὕτω καὶ τὸ πάθος τῇ θεότητι μὲν οὐκ ἐνέσκηψεν, ἀλλ’ ἐν τῇ ἐνανθρωπήσει εγένετο · ουκ ελογίσθη δὲ τῇ ἐνανθρωπήσει μόνῃ · ἀλλ’ ἵνα μὴ πληρωθῇ ἐν τῇ σωτηρίᾳ τῆς οἰκονομίας τὸ, Ἐπικατάρατος πᾶς, ὅς ἔχει τὴν ἐλπίδα ἐπ’ ἄνθρωπον. Ἀλλ’ ἐλογίσθη καὶ εἰς τὴν θεότητα, τῆς θεότητος μὴ πασχούσης, ἵνα ἐν τῇ θεότητι λογισθῇ τῇ ἁγίᾳ τοῦ Θεοῦ Ἐκκλησίᾳ τοῦ πάθους ἡ σωτηρία. – eodem modo licet perpessio in divinitatem non incubuerit, sed humanae duntaxat naturae contigerit, non huic tamen soli tribuendam, verum ne in procuranda per incarnationem Verbi salute nostra, in illam incurramus Scripturae sententiam: Maledictus omnis, qui spem habet in homine [Jer 17,5]. Propterea divinitati etiam imputatur, cum nihil ipsa per sese patiatur, ut humani generis salus per Christi passionem acquisita a sacrosancta Dei Ecclesia divinitati quoque tribuatur. Vide similia apud
eundem, lib. 2, To. 2, contra Arriomanitas,Vgl. Epiphanius von Salamis, Panarion II, 2, haeresis LXIX (Contra Ariomanitas) (GCS 37, 189f; PG 42, 267f; BSELK 1629,10–17). Et in Ancorato ipsius.Vgl. Epiphanius von Salamis, Ancoratus 93,3–8 (GCS 25, 114f; PG 43, 185D–188B; BKV² 38, 145f).
Also gantz vnd gar stehet dieser Artickel allein auff Gott vnd keiner blossen Creatur, Aber widerumb auch nicht allein auff der puhr lautern Gottheit, Sondern in der einigen person, die da Gott vnd mensch, ein einiger Christus ist. Also das vnsere gerechtigkeit nicht ist ein idioma oder eigenschafft der na
turn, Sondern des ampts vnd der gantzen person Christi, in welcher er vnser ertzney hat in im selbst zugerichtet vnd bereitet, damit wir geheilet werden JN DEM, da Gott, der da vnwandelbar ist vnd bleibet, gleichwol ist ein recht natuͤrlicher mensch worden, vnd mit geberden als ein mensch erfunden, Phil. 2.Vgl. Phil 2,7. Do das ewige gut, der einige, tewre, werde schatz himels vnd der erden,
arm wirt, 2. Cor. 8,Vgl. II Kor 8,9. vnd der ehlendeste vnter allen menschenkindern, Jsai. 53.Vgl. Jes 53,3. Do der einige Herr des gesetzes wirt vnter das Gesetz gethan, Gal. 4.Vgl. Gal 4,4. Do der einige Herr himels vnd der erden aller welt knecht wirt, Jsai. 43, Math. 20.Vgl. Jes 43,24f; Mt 20,28. Do die ewige gerechtigkeit aller welt suͤnde wirt, Rom. 8, 2. Cor. 5.Vgl. Röm 8,3; II Kor 5,21. Do der ewige segen wirt der fluch vnd das verdamnis, Gal. 3.Vgl. Gal 3,13.
In größerem Schriftgrad gedruckt.Jn summa, da das ewige leben wirt verwundet vnd stirbet wie ein verdampter Gottloser mensch vnd vbelteter, Jsai. 53.Vgl. Jes 53,4f.
Das sint die speciesaus: speties.Spezereien, Gewürze, Zutaten. Vgl. Art. species 8.β), in: Georges II, 2748. vnd wunderbarliche kreuter, daraus vnser heilpflaster vnd antidotum uitae, wie es Irenaeus nennet, lib. 3, cap. 21,Irenäus von Lyon, Adversus haereses III, 19,1 (FChr 8/3, 238,2). ist zugerichtet, Welches vns nu in der muͤntlichen predig des Euangelij vnd den hoch
wirdigen Sacramenten wirt fuͤrgetragen, durch welche vns der heilige Geist gegeben wirt, der das hertzlein auffthut vnd durch den glauben diesen koͤstbarlichen schatz vnd edele ertzney darein schleust, Das wir nu auch geheilet werden durch diese wunden vnd striemen (wie Jsai. 53 vnd Petrus 1. cap. 2 sagt)Vgl. Jes 53,5; I Petr 2,21–25. vnd alle gerechtigkeit Gottes, so er im Gesetz von vns fordert, Ja in
jm, spricht Paulus 2. Cor. 5, nemlichen in Christo, der ane suͤnde zur suͤnde gemacht ist.Vgl. II Kor 5,21.
Daher brangetmacht ein Aufhebens, brüstet sich. Vgl. Art. brangen, in: DWb 2, 303f; Art. ²prangen 1, in: Fnhd. Wb. 4, 934f. nu der heilige Apostel Paulus mit seinem lieben Euangelio in der welt so herlichen. Spricht, es sey ein gros geheimnis vnd wunder predigt, darinnen die ewige weisheit Gottes wirt offenbaret, damit er aller welt
weisheit zur thorheit vnd zu schanden machet, das sich die Juden ergern, die Heiden stossen vnd alles daruͤber dahinportzelt,dahinpurzelt, sich überstürzt, durcheinanderfällt. Vgl. Art. purzeln, in: DWb 13, 2278. denn es lest sich mit vernunfft nicht fassen – Sondern sint Impossibilia in rerum natura vnd wie sie es sonst in den schulen heissen, eitel opposita in adiecto, ferner von einander denn himel vnd erden – Das Gott ein mensch, reichtumb arm, herr
ein knecht, gerechtigkeit suͤnd, segen ein fluch wirt vnd das leben stirbet. NochDennoch. Vgl. Art. noch adv. II.5.a), in: DWb 13, 871. bringet sie der liebe Gott in seinem eingebornen son zusamen, der ist Gott vnd bleibet Gott vnd ist mensch vnd bleibet mensch. Nicht zwen, sondern ein einiger Proportio finiti ad infinitum et Deus omnium seruus, Res simpliciter racioni incompraehensibilis et incredibilis.Christus. Der besitzt den himel vnd regirt die erden mit seiner almechtigen, ewigen, Goͤttlichen gewalt. Vnd gleichwol hanget eben
er selbst am Creutz, zaget, jamert in solcher armut, in solchem ehlent, das er auch nicht einen kuͤlen trunck wassers hette, sein armes, geengstigetes fromes hertzlein zu kuͤlen. Er ist die ewige gerechtigkeit seines Vaters, Jsai. 51 vnd 60, Dani. 9,Vgl. Jes 51,1; 60,16f; Dan 9,16. vnd gleichwol klagt er Psal. 40, Seiner suͤnde sein mehr denn er haerHaare. auff seinem heupt hab.Vgl. Ps 40,13. Denn aller welt suͤnde leit
auff jm, das er gleich alle suͤnde selbst ist, eben in der person, darinnen er ist die ewige gerechtigkeit Gottes. Er ist das leben, vnd eben dasselbige stirbet am Creutz.
Vber dieser toͤrichten, tollen predigt wuͤrget die vernunfft, mus daran ersticken vnd sterben. Sie kan das wunderwerck, so vber alle andere hohe
Gotteswerck, als sein wunderbare ewige weisheit, nicht verstehen, viel weniger gleuben, das das solte vnsere weisheit vnd gerechtigkeit sein. Daruͤber stuͤrtzen die weisen, fallen die gewaltigen vnd gehet zu truͤmmer, was nuhr mechtig ist. Denn sie halten es alle zumahl fur eitel torheit. Vns armen aber, einfeltigen, schwachen vnd albern Jst diese Goͤttliche
thorheit vnd schwacheit eitel Goͤttliche krafft vnd Goͤttliche weisheit, darinnen wir vns auch des fromen Gottes allein ruͤmen, nicht darumb, das er in seiner Goͤttlichen natur allein vnser gerechtigkeit sey, Sondern das er vns diesen lieben gecreutzigten Christum nach der toͤrichten predig, an der sich die klugen dieser welt ergern vnd stossen, zur weisseit, zur gerechtigkeit, zur
heiligung vnd zur erloͤsung gemacht hat, 1 Cor. 1.Vgl. I Kor 1,18–30.
Diese toͤrichte predig macht Osiandrum auch zu einem narren, das er sich lest vor vberiger vornunfft vnd grosser kunst beduncken, es sey ein vngeruͤmbtes, vngeschicktes ding, da wir armen, einfeltigen kinderchin vns Paulum lassen das maul auffsperren, das wir gleuben, der gecreutzigte Gott,
aus dem stammen Dauits geboren, sey vnser weisheit in dieser thorheit, vnser gerechtigkeit, heiligung vnd erloͤsung in dieser schwacheit, wie Paulus diese zwey woͤrtlein hefftig treibet. Scheidet derhalben Osiander die schwacheit der menschlichen natur in Christo mit allen jren idiomatibus, als leiden, sterben, blutuergissen, in diesem handel aus, Also das weisheit,
Gerechtigkeit, heiligung vnd erloͤsung nicht sey der menscheit, Sondern der Gottheit allein, vnd damit ist es denn keine torheit, keine schwacheit mehr, viel weniger die toͤrichte predig des Euangelij – Sondern des heiligen newen Propheten Osiandri lere.
Gleichwol fragen wir alhie mit allen fromen, Christlichen hertzen.
Erstlich: Lieber, was bleibet denn dem blut Christi, vnsers lieben erloͤsers, vnd alle dem, das er mensch worden ist, wenn es nicht vnser weisheit, gerechtigkeit, heiligung, noch erloͤsung ist?
Zum andern: Warumb gibet denn Paulus die erloͤsung vnd heiligung vnd darinnen die gerechtigkeit Rom. 3 vnd 5 dem blut Christi, wie drobenVgl. Bl. C3r (oben S. 545f). starck
probirtbewiesen. ist?
Zum dritten: Jst aber erloͤsung vnd heiligung des bluts Christi vnd der gantzen person, nicht der Gottheit allein, wie Osiander bekennet vnd wir droben wider alle pforten der hellen starck bewiesen haben, aus keinem getichtem wahn, Sondern heller, vngezweifelter schrifft, zudem das Christus
nicht kan seines Vaters heiligung vnd erloͤsung genennet werden, Vnd aber die wort, in einerley handel gesprochen, auch billich auff einerley weise verstanden werden – Warumb sollen denn nicht auch die andern, als nemlichen vnser weisheit vnd gerechtigkeit, sein, dem blut Christi, in der gantzen person gegeben werden? Last hie Osiandrum das schwert abguͤrten,
den rock schuͤrtzen vnd so hoch springen, als er kan. Er sol vnd mus halten, darfur sol jn wider schreien noch schelten helffen, das wissen wir fur war.Osiander mag sich im Hochsprung versuchen, dennoch ist der Spruch unüberwindlich, da hilft weder Schreien noch Schelten.
Zum vierden: Trotz sey jm abermals geboten. Jst er eines Theologen werth, das er einen einigen spruch aus der gantzen Bibel herfurbringe, damit er beweise, das Christus in seiner Goͤttlichen weis-heit vnd gerechtigkeit
auch vnser gerechtigkeit vnd weisheit sey, wie er des Vaters weisheit vnd gerechtigkeit ist, von ewigkeit nach der Gottheit vnd nicht nach der menscheit. Vnd damit sey jm auff sein lang, gros, vnnuͤtz plaudern kuͤrtzlich geantwortet, darinnen er starck beweiset, das Christus des Vaters ewige weisheit vnd gerechtigkeit sey. Jtem, das die gerechtigkeit des glaubens
geheissen werde Gottes gerechtigkeit, welches alles keinen zweifel hat, eben so wol als das, daruon er, sein vngezifer vnd geschmeis vor der zeit viel geschreies gemacht haben, das Christus gantz vnd gar vnser sey. So wenig aber hieraus volget, das er darumb vnser gerechtigkeit sey nach der menscheit allein vnd nicht auch nach der Gottheit, also wenig volget auch,
das er vnser gerechtigkeit sey nach der Gottheit vnd nicht nach der menscheit.
Ja, spricht er, Christus kan nach der menscheit nicht weisheit noch gerechtigkeit sein. Antwort: Wer sagt es? vnd warumb, du schones lieb?Ironisch, wie aus einem Liebeslied zitierend, das ein Zwiegespräch mit der oder dem Geliebten formuliert. Wir wollen auch sagen, kein mensch kan finsternis sein vnd liecht; warumb spricht
denn Paulus: jr wart weilendweiland, vormals, früher. Zur Form weilend vgl. Art. weiland form. 1), in: DWb 28, 781. finsternis, nu aber seit jr ein liecht in dem Herren, Ephe. 5?Vgl. Eph 5,8.
Noch mehr: es kan kein mensch die suͤnde sein. Warumb sagt denn Paulus, Christus sey zur suͤnde gemacht, 2. Cor. 5?Vgl. II Kor 5,21. Jtem, es kan kein mensch die beschneidung sein. Warumb heist denn Paulus die Juden die beschneidung?Vgl. Phil 3,2f.
etc. Lieber, wer es nicht ein meinung,Warum sollten wir nicht auch ? wir wuͤrffen auch das schneutzichenSchnäuzchen (einer Maus), vgl. oben bei Anm. 321: Rüsselchen. auff, schwermetenphantasierten, äußerten im Wahn. Vgl. Art. schwärmen 4.b), in: DWb 15, 2289. daraus etwas newes?
Es kan aber Christus nach der blossen menscheit auch nicht aller welt erloͤsung vnd heiligung sein, darumb mus ers allein nach der Gottheit vnd keines weges nach der menscheit sein. Was wil denn der menscheit Christi
abermals bleiben? freilich gar nichts. Sihestu, fromes Christliches hertz, wo alle boͤlzichinBölzchen, kleinen Geschosse (Diminutivform, weil die Geschosse = Argumente, Absichten etc. nicht ernst zu nehmen seien). Vgl. Art. Bolz 1), in: DWb 2, 234f; Art. Bölzlein, in: DWb 2, 236. bey diesen newen Propheten sind hin gerichtet? der Samen des weibes trucktdrückt (nieder), bedrückt, ängstigt, verursacht Schmerzen. Vgl. Art. drücken 7.c), in: DWb 2, 1444–1446. jm die Seel, vnd seinem Geist den harscheidel,Scheitel. Vgl. Art. Haarscheitel, in: DWb 10, 36. Gen. 3.Vgl. Gen 3,15. Der Same des Weibes wurde auf Christus hin gedeutet. Dass er als Feind und Überwinder der Schlange, d. h. des Teufels, als Same des Weibes bezeichnet wird, stellt gerade die Beteiligung der menschlichen Natur am Erlösungswerk heraus, was der Auffassung Osianders widerspricht.
Es beweist sich aber gleichwol (Spricht Osiander) mit der art, krafft vnd na
tur der gerechtigkeit, das Christus nach der Gottheit vnd nicht nach der menscheit vnser gerechtigkeit ist. Denn Gerechtigkeit heist, das vns recht zu thun beweget. Antwort: Das ist nicht war, vnd er wirt diese definitionem nimmermehr beweisen. Gott ists ja, der vns durch seinen Geist treibet zu allem guten. Gleich wie widerumb der Teufel, ein anstiffter aller suͤnd, die seinen zu
allem argem treibet. So wenig aber daraus volget, das darumb der Teufel die suͤnde selbst sey, Also wenig folget auch, das Gott aus dieser vrsach vnd dermassen vnsere gerechtigkeit sey.
Das ist aber Gerechtigkeit, der gantze, vollige gehorsam des Gesetzes, Wie Paulus die gerechtigkeit Gottes 2. Co. 5 selbst ausleget, zu den Roͤm. cap.
8.Vgl. II Kor 5,10.19f; Röm 8,2–4. Der gehorsam aber des gesetzes ist anders nichts denn die volstendige vnschult vnd reinigkeit der gantzen natur vnd aller kreffte. Die haben wir verlohren durch die suͤndliche, boͤse vnart, so vnser fleisch eingenohmen vnd verterbet hat durch den fall Adae, der hat vns zu suͤndern gemacht, wie Paulus wider Osiandrum saget, Rom. 5.Vgl. Röm 5,12–14.18. Dieweil vns nu das Gesetz
nicht hat koͤnnen rathen,Hilfe schaffen. Vgl. Art. raten 2.c), in: DWb 14, 176. hat sich Gott vber vns erbarmet vnd seinen Son gesand, der in aller gestalt ein recht, natuͤrlich mensch von leib vnd Seel worden ist, wie wir armen suͤnder alle sind, ausgenomen die suͤnd, von welcher er nicht gewust hat, 2. Cor. 5.Vgl. II Kor 5,21. Mit dem wirt die gerechtigkeit, im Gesetz von vns erfordert, widerumb in vns erstattet vnd erfuͤllet, das WJER
demselbigen kuͤnden antworten vnd vor jm bestehen, dieweil durch seinen tod vnd vnschuldiges blutiges opffer vnser vnreinigkeit vnd suͤnde verdampt, bezalet, vorgnuͤgetabgefunden, ihr Genüge getan. Vgl. Art. vergnügen 4), in: DWb 25, 465f. vnd abgethan ist, dargegen aber vns seine reinigkeit vnd vnschult zugerechenet wirt. Das wir nu nach der meinung des Gesetzes auch rein, vnschuldig vnd volkomen sint in Christo, dem
vnschuldigem opffer, vnd seinem gehorsam, welchen er dem Vater in gantzer, reiner natur geleistet hat bis in den tod des Creuzes.
Also ist dieser Jehoua vnd HERR der herligkeit vnser gerechtigkeit in dieser schwacheit, welche er durch die doͤrichte predig des lieben Euangelij lest fuͤertragen, das ist kein Gesetz noch todter buchstaben, Sondern das
lebendige, tedlichetätige, wirkende, wirksame. Vgl. Art. thätlich 1.c), in: DWb 21, 321. wort, dardurch vnsere hertzen verandert werden in rechtem erkentnis Gottes, das sie mit dem glauben diesen Christum annehmen, Gottes kinder werden vnd ewiglichen bleiben, Johan. 1.Vgl. Joh 1,12. Denn die verheischung vnd das wort bleibet ewiglich, wie Petrus sagt von dem muͤntlichen vnd nicht von dem persoͤnlichem wort; das ist das wort,
spricht er, das vnter euch verkuͤndiget ist, 1. cap. 1.Vgl. I Petr 1,25. Aber Osiander zeucht es mit den haren auff die Goͤttliche natur in ChristoRedensartlich: etwas mit den Haaren auf etwas ziehen, gewaltsam eine Verbindung herstellen, den Sinn gewaltsam verbiegen. Vgl. Art. Haar n. III.8), in: DWb 10, 16. Vnd gleich also spilet er auch mit dem loco, den Paulus aus dem fuͤnfften buch Moisi, cap. 30, anzeucht zu den Roͤm. am 10.Vgl. Röm 10,6–8; Dtn 30,11–14. Da wil er alle welt des bereden, Christus, der die gerechtigkeit Gottes ist, der weise vns mit Moise
vnd Paulo an seine Goͤttliche natur. Denn dieweil er spricht: Das wort ist dier nahe in deinem mund vnd in deinem hertzen etc.Vgl. Röm 10,8; Dtn 30,14. Vnd das wort ist die Goͤttliche natur in Christo, so ists gewis, das die Gottheit vnser Gerechtigkeit ist vnd nicht die menscheit Christi. Das ist Osiandri auslegung an dem ort. Last vns aber Paulum hoͤren, wie er Moisen verstehet, denn hie
wollen wir sonderlichen auch bescheidenerklärt, dargelegt, entschieden. Vgl. Art. bescheiden 3), in: Fnhd. Wb. 3, 1638f. sehen, was die Gerechtigkeit Gottes ist.
Paulus vnterscheidet an diesem ort die gerechtigkeit des gesetzes vnd die Gerechtigkeit des glaubens, so er auch die gerechtigkeit Gottes heist, vnd gibt einer jedern jre definicion, spricht also: Die gerechtigkeit des Gesetzes stehet darauff, das WJER das Gesetz thun vnd volkomen halten, so sind wir darinnen gerecht vnd selig, haben darinnen das ewige leben, wie wir von der Gerechtigkeit des Gesetzes droben genugsam bescheid vnd bericht gegeben vnd zugleich angezeiget, was eigentlichen heisse: das Gesetz thun vnd halten.Vgl. Röm 10,5; Gal 3,10–12; Lev 18,5.
Die Gerechtigkeit aber des glaubens ist nicht VNSER thun vnd werck, wie
die heuchler gedencken, die wollen selbst gehn himel vnd Christum heraber holen, das ist: dasjenige mit eigenen krefften ausrichten vnd jnen selbst zuschreiben, So doch nicht jnen, sondern Christo gebuͤrt, vnd er ohne sie vnd aller welt zuthun gethan vnd ausgerichtet hat, vns allen zu gute. Wiltu aber wissen, was die Gerechtigkeit des glaubens ist? So halte dich zu dem
wort, so dir geprediget vnd dardurch dier in dein hertz getragen wirt.Vgl. Röm 10,6–13; Gal 3,5.
Das dis der rechte verstand vnd meinung Moisi sey vnd er von dem muͤntlichen vnd nicht persoͤnlichenpersonifizierten, d. h. Christus. wort rede, verstehet ohne zweifel der heilige Apostel Paulus recht vnd tausentmahl besser denn Osiander vnd alle schwermer. Darumb leget er jn auch also aus: Das ist das wort vom glauben (spricht
Paulus flucks darauff), das wir predigen,Vgl. Röm 10,8. in dem werden wirs finden, bey dem mussen wirs auch suchen, sollen wir der Gerechtigkeit des glaubens gewis sein, wie er vns Rom. 3. auch dahin weiset vnd spricht, das im Gesetz vnd Propheten die gerechtigkeit Gottes offenbaret sey, etc.Vgl. Röm 3,21–24.
Was saget denn das wort der Propheten vnd Apostel von der Gerechtigkeit
des glaubens? Lieber Gott, wie ist doch itzund vnd allezeit der zanck vnd hader so hitzig vnd gros, wer wil vns arme, ehlende, einfeltige kinder des berichten, was doch nu der gantzen schrifft einhelliger verstand vnd meinung darvon sey, damit wier ja nicht feilen? Wolan, das ists, saget Paulus, das wir daruon predigen. Bekennen mustu vnd gleuben, das Christus Jhesus der
HERR, das ist: warhafftiger Gott, sey, von den todten aufferweckt.Vgl. Röm 10,9. Ohne zweil,Zweifel. (Druckfehler?). so mus er auch gestorben sein, sintemal der von den todten nicht kan aufferwecket werden, der nie nicht gestorben. Jst er aber gestorben, So mus er nicht allein warhafftiger Gott gewesen sein, Sondern auch warhafftiger mensch, denn das Goͤttliche wesen vnd natur kan nicht sterben.
Hoͤrestu, was Paulus prediget, das vnser gerechtigkeit sey vor Gott? In größerem Schriftgrad gedruckt.Christus JHESVS, der HERR, von den todten aufferwecket, Sagt er.Vgl. Röm 10,9; 8,11. Das er also mit feinen, runden, kurtzen worten beide naturenaus: naturun. in Christo im artickel der Rechtferigung nicht allein vereiniget, sondern auch den vereinigten naturn vnd also der gantzen, einigen person Christi jr ampt, nemlichen Gehor
samen, Leiden, Sterben, Blutuergissen vnd Aufferstehen etc. zueigenet. Da vnd also ist Christus vnser Gerechtigkeit, Spricht Paulus. Ey nein, spricht der Schwermer, die Gottheit vnd nicht die menscheit, viel weniger leiden vnd sterben, ist vnser Gerechtigkeit. Rath zu:Gib einen Hinweis. Vgl. Art. zuraten 1), in: DWb 32, 636. Welchem ist vor dem andern zu gleuben? Paulo, dem heiligen Apostel, der da wil, das beide naturnaus: naturu. mit alle
dem, das Christus thut, leidet vnd duldet in die Gerechtigkeit gehoͤrn? Oder dem Schwermer, der die menschliche natur sampt demjenigen, so Christus mit allem gehorsam thut vnd leidet, hieraus schleust vnd spricht, nach dem kunde Christus nicht vnser gerechtigkeit sein? Hie bedenck deine Seele, wenn du von diesem leben scheiden solt vnd fur Gottes gericht komen, bey
welcher lere du als denn von nu an bleiben vnd warauff du Gottes angesicht zum ewigen leben oder verderben beschawen wilt? Es gilt dier vnd mier vnd vns allen auff vnsern letzten zueg,Atemzug. Vgl. Art. Zug I.B.10.a), in: DWb 32, 381. wenn das hertz brechen vnd vnser Seele scheiden sol, worauff wir denn vns zu vertroͤsten haben.
Aber da rucket Osiander zuletzt die rechte maurenbrecheringroßes Belagerungsgeschütz. Vgl. Art. Mauerbrecherin, in: DWb 12, 1776. ins
felt,auf den Kampfplatz. Vgl. Art. Feld 8.a), in: DWb 3, 1477f. damit er drawet auch allein alle seine widersacher zu stuͤrtzen. Dieweil der spruch stehet: Wer den Geist Christi nicht hat, der ist nicht sein.Röm 8,9. Zu dem grossen, gewaltigen heuptstuͤckHauptgeschütz. Vgl. Art. Hauptstück 1), in: DWb 10, 633. zeucht er noch ein zimlichespassendes, geeignetes. Vgl. Art. ziemlich I.3), in: DWb 31, 1120f. Nothschlenglein,kleineres Feldgeschütz. Vgl. Art. Nothschlange, in: DWb 13, 951. das er nennet das gloͤslein vnsers Praeceptoris Philippi Melanthonis, der da saget: Man sol den spruch Prouer. 10, gerechtigkeit
erloͤset vom tode,Prov 10,2. nicht allein vom zeitlichen, Sondern auch vom ewigen tode verstehen.Fundort bei Melanchthon bislang nicht nachgewiesen. Diese zwey stuͤck ruͤstet vnd schickt er zum ernst vnd trowetdroht an. vns damit den bittern tod. Kuͤnten wir doch nu seine eingegossene, selbstendige barmhertzigkeit erweichen, dieweil er sonst ein sehr sanffmuͤtiger Geist ist, das er nicht zu sehr eilete, sondern liesse vns zuuor
vnsere suͤnde beichten, damit wir nicht vngebeicht, vngebuͤst so jemmerlichen in der lufft zerstuͤben.zerstöben, zerstiebten. Konjunktiv II zu zerstäuben od. zerstieben (jeweils intransitiv): zu Staub zerfielen und verwehten. Vgl. Art. zerstäuben 2), in: DWb 31, 777; Art. zerstieben 1.b), in: DWb 31, 778. Wolan, dieweil keine gnade zu erlangen ist, so mussen wir vns zu der wehre stellenzur Wehr setzen, in Abwehrstellung gehen. Vgl. Art. Wehr f. I.A.1.c.γ.ee), in: DWb 28, 162–164. vnd sehen, ob wir vns vor dem moͤrdlichen fuͤrnehmenmördlichen Fürnehmen = mörderischen Tun, Mordanschlag. Vgl. Art. mordlich, in: DWb 12, 2549f. verwahren kuͤnten.
Paulus schleust fest, das alle gleubigen den heien heligen Geist entpfahen als
ein pfand vnd gewisse versicherung der kuͤnfftigen seligkeit, wie er denn spricht, 2. Cor. 1: Gott ist, der vns bestetiget sampt euch in Christum vnd vns gesalbet vnd versigelt vnd in vnser hertz das pfand des geistes gegeben hat.II Kor 1,21f. Vnd hernacher, cap. 5,Vgl. II Kor 5,1–8. zeiget er an, wie hertzlich er gesinnet were, hie abzuscheiden, allein das jm vnd vns allen dis noch ein grawen vnd
furcht macht, dieweil es nicht anderst sein kan: wollen wir dort zu hause, so mussen wir den alten peltz, die alten haut zuuor alhie auszihen vnd ablegen. Doch gibt er den trost, damit wir dem sehnen vnsers armen alten Adams ein wenig den bittern bissen suͤsser machen, das wir wissen: Gott, der vns zum kuͤnfftigem leben bereitet hat, der hat vns das pfand, den Geist
gegeben. Dieweil nu der in vns wohnet, so wirt er vnsern sterblichen leib nicht dahindenzurück, im Stich (lassen). Vgl. Art. dahinten 2.b), in: DWb 2, 693f. lassen sondern auch hinnachenhinterdrein. Vgl. Art. hinnach 1), in: DWb 10, 1455f; Art. hinnachhin, in: DWb 10, 1456. holen, wie er ferner sagt Rom. 8.Vgl. Röm 8,10f. Also spricht er Ephe. 1: Jhr seit vorsigelt durch Christum mit dem heiligen Geist, da jr gleubtet, welcher ist das pfant vnsers erbes zu vnser erloͤsung, das wir sein eigenthumb werden zu lob seiner herligkeit,Eph 1,13f. Vnd
cap. 4: Betruͤbet ja nicht den heiligen Geist Gottes, damit jr vorsiegelt seit auff den tagk der erloͤsung etc.Eph 4,30. Jtem Gal. 4: Weil jr denn kinder seit, hat Gott gesant den Geist seines Sons in ewere hertzen, der schreiet Abba, du lieber Vater! etc.Gal 4,6.
Aus dem schleust nu der heilige Apostel Rom. 8 tanquam a posteriori uel a
consequente also: Dieweil es kein zweifel ist, das diejenigen, so durch den glauben an Christum Gottes kinder vnd erben werden, den heiligen Geist empfahen vnd nach demselbigen leben, So mus gewislich volgen (ad antecedens negatiue), das diejenigen, so den Geist Christi nicht haben, nicht sein sint.Vgl. Röm 8,9. Gleich wie er auch schleust eben auff die weise: Dieweil dem glauben, dar
durch wir in Christo vergebung der suͤnden entpfahen, gewislich die liebe volget, wie nicht allein Christus, sondern auch der Phariseer aus gemeiner vernunfft schleust, Luc. 7,Vgl. Lk 7,41–47. Vnd also der glaube nicht muͤssig noch faul, Sondern durch die liebe thetig ist, Gal. 5,Vgl. Gal 5,6. Darumb, wo die liebe nicht ist, kan auch kein rechter glaube sein, 1. Cor. 13.Vgl. I Kor 13,2.
Solches nimet dieser arme, ehlende man fur die hende, machet ex consequente causam non modo efficientem, uerum etiam formalem,D. h. er interpretiert die zeitliche Abfolge im Sinne eines ursächlichen Zusammenhangs. pranget nicht allein mit der schuͤtzerey,Stümperei, dem Gebaren eines Anfängers. Vgl. Art. Schützerei, in: DWb 15, 2133. Sondern wil darauff vor vielen andern ein beruͤmbter Theologus sein vnd newer Prophet, der die gantze lere endern, newe Confessionem schreiben wil, die weit vnd weit die Augspurgische
vbertreffen sol, Also das es heist: zuvor ist nicht mehr denn der halbe Christus, nu aber allererst der gantze erkant vnd durch diesen andern HenochHenoch wurde nach Gen 5,22–24 in den Himmel entrückt; daran knüpfte die spätere Überlieferung an, dass er besondere esoterische Erkenntnisse erlangt habe etc. Vgl. a. Jud 14f. herfuͤrgebrochen vnd ans liecht gebracht. Dermassen flickenbehelfen, entschuldigen, bedecken (sich). Vgl. Art. flicken 8), in: DWb 3, 1776. sich die Papisten auch mit dem andern Argumento, Wo man vergebung der suͤnden entpfehet, da folget die liebe, darumb ist die vergebung der suͤnden
aus der liebe. Wer ein miterbe Christi ist, dem volget das Creutz, das er auch mus mit leiden, darumb sind wir durch das Creutz erben vnd kinder. Vnd wo kein busse, da ist keine gerechtigkeit, darumb ist die busse vnser gerechtigkeit. Machen also ex antecedentibus et consequentibus causas efficientes et formales,D. h. aus einer zeitlichen Abfolge wird ein ursächlicher Zusammenhang konstruiert. welches auch gemeine vernunfft nicht duldet noch
leiden kan. Denn es ist kein vernunfftiger mensch so grob, er weis, das es ein vngeschichtesfehlerhaftes. Vgl. Art. ungeschicht, in: DWb 24, 835f. fuͤrgeben ist, Wenn man wil also schlissen: dem feur volget gewislich die hitz, darumb ist die hitze das feur; der Sonnen volget der schein vnd liecht, darumb ist das liecht die Sonne etc.
Mit dem andern spruch Prouer. 10Prov 10,2, vgl. o. Anm. 1057. koͤnnen wir nicht wissen, was er
machen wil, denn das die ge-rechtigkeit, so vom ewigen Tod erloͤset, nicht ein phur lauter Creatur sein musse, haben wir droben angezeigt vnd gehandelt, das es aber darumb der puhr lautern Gottheit vnd nicht der gantzen person sein solte, das ist vom Osiander nicht vnd sol auch wol von jm nu vnd nimmermehr bewiesen werden, sondern eine verdampte
schwermerey sein vnd bleiben, als die vns die heilige menschwerdung Christi gantz vnd gar niemet vnd damit Christum zu grunde, sampt dem Vater vnd dem heiligen Geist, vnterdrucket.
Zuletzt, da er nu seinen vnfletigen stanck gar beschliessen wil vnd zum ende bringen, da thut er ein meisterliches, ehrliches stuͤck, zeucht den
schempartMaske, Larve, eigtl. Schämbart. Vgl. Art. Schönbart 5), in: DWb 15, 1488. frey gar hinwegkWohl redensartlich: lässt die Maske fallen. vnd lest sich sehen, wer er sey vnd was er suche, womit er vmbgehe, auff das, wehr jn kennen wil, kein entschuldigung hab, vnd gibt eine solche Regel: Wenn du gleich liesest die oͤffentliche, helle wort, das Christus, dein fromer Heiland, spricht: Mein fleisch ist die rechte speise, vnd mein blud ist der rechte dranck,Joh 6,55. So MVS mans nicht
verstehen vom fleisch vnd blut Christi, wie es doch Christus redet, Sondern von der Gottheit, die im fleisch vnd blut ist. Jtem, da Johannes spricht mit duͤrren worten, 1. cap. 1: Das blud Christi macht vns rein von allen suͤnden,I Joh 1,7. da MVS man verstehen die Gottheit Christi, so im blud ist etc.
Wenn wir nu nicht gleuben muͤsten, das Osiander von keinem andern seine
Religionem gestudiret hette, so schwuren wir tausent eide, er hette das von den Sacramentschwermern gelernet. Vieleicht ist er etwan vber jren Gauckelsack kohmen vnd diese Alleosinἀλλοίωσις Veränderung: eine rhetorische Figur, die Aussagen etwa über die Person Christi oder den dreieinigen Gott erlaubt, die im eigentlichen Sinne nur für eine der beiden Naturen Christi oder eine der Personen der Trinität zutreffen. Vgl. H. J. Scheuer, Art. Alloiosis, in: HWdRh 1, 415–417. Im Unterschied zur Communicatio idiomatum betrifft die Alloiosis nur die Form der Aussage, ohne das Wesen des ausgesagten Sachverhalts zu berühren. vnd Ithipeianἠθοποιΐα aͤlat. ethopoeia, notatio). Rhetorisches Stilmittel: Darstellung von Charakterzügen durch nachahmende Rede. Vgl. Quintilian IX,2,58; IX,3,99 (mit Bezug auf Rutilius). Vgl. Christine Walde, Art. Ethopoeia, in: NP 12/2, 955f; Guido Naschert, Art. Ethopoeia, in: HWdRh 2, 1512–1516. (wie sie Lutherus damit vexirtgeplagt, geärgert hat. Vgl. Art. vexieren, in: DWb 26,37–42. in seinem bekentnis vom Abentmal Christi)Vgl. Luther, WA 26, 317–326, 332f, bes. 342,28–33: Summa Summarum, wir lassen hie keine Alleosin noch Heterosin noch Jthipeian zu noch einiges gauckelwerck, das Zwingel aus seinem gauckelsack erfur bringt, Grund wollen wir aus der schrifft haben und nicht kunst aus seinem geticht, Fragen auch nichts darnach, das er so grausam hie tobet und schwewmet, als were er besessen fur grossem zorn, Mit zorn und grym wird man unsern verstand nicht nemen. (Vom Abendmahl Christi. Bekenntnis, 1528). herausser genohmen, damit sie auch also die schrifft meistern, das fleisch bey jnen
auch mus die Gottheit heissen. Was schadets aber, das nu ein jeder ein eigene religionem machete vnd kerete sich niemands nichts mehr an die hellen, duͤrren wort in der Bibel? Denn hie leret es lux mundi vnd der Meister aller TheologenEigtl. Christus, vgl. Joh 8,12; hier anscheinend ironisch auf Osiander gemünzt. mit seinem treffligem exempel. Es ist doch nur vmb so viel zu thun, das man diese buchstaben in ein buch mahlet: Du MVST es also ver
stehen, darnach so deutet man frisch vnd froͤlich ane furcht vnd einiges gewissen die wort, wie man wil.Zur Argumentation vgl. Luther, WA 26, 323,13–20.25f.30–33: Jst aber das nicht ein freveler geist, der also tolkuͤne eraus feret und macht uns Alleosin an diesen oͤrtern? Wer hats yhm befolhen? Wo mit beweiset ers, das Alleosis hie sey? Nein, das ist nicht von noͤten, Sondern ist gnug, wenn er spricht: Jch Zwingel sage, das hie Alleosis sey, drumb ists also, Denn ich bin gestern ym schos der Gottheit gewest und kom itzt vom hymel, drumb mus man mir gleuben. Er solte zuvor beweisen, das hie Alleosis sey, Das lest er und nympts an, als habe ers fur tausent iaren erstritten, und sey niemand, der dran muͤge zweifeln Was ists wunder, ob er aus Christo zu letzt auch einen Belial macht? Wir aber verdamnen und verfluchen die Alleosin an diesem ort bis ynn die helle hinein als des teuffels eigen eingeben, Und wollen sehen, wie er sie wil bestettigen, Denn schrifft und guten grund wollen wir haben, Nicht seinen eigen rotz und geiffer. (Vom Abendmahl Christi. Bekenntnis, 1528). Man heist das fleisch die Gottheit, Christum den Machomet,Mohammed, den Begründer des Islam. (ach Gott, vergib es vns) Euangelium das Tityre tu patulae im Virgilio.Vergil, Bucolica, Beginn von Ekloge 1: Tityre, tu patulae recubans sub tegmine fagi | silvestrem tenui musam meditaris avena (Tityrus, unter dem Dach der gebreiteten Buche gelagert, Sinnst du, ein ländliches Lied zarthalmigem Rohr zu entlocken. Üs. C[hristian] N[athanael] [v.] Osiander, Stuttgart 1834). Das gilt gleich viel vnd schadet nichts. Nur darnach das maul gewuschtabgewischt. Vgl. oben Anm. 644. vnd weidelichenausgiebig. Vgl. Art. weidlich II.B.1.d), in: DWb 28, 607f. geschriegengeschrien. Zur Form vgl. Art. schreien, in: DWb 15, 1711. O uictori, uicto
ri,Sieg! Vgl. Art. Viktoria 3) und 4), in: DWb 26, 359. Sie sind geschlagen, gestuͤrtzt, verschlungen vnd verdawet gantz vnd gar, die nur darwider biten.aus: bpiten.die sich jemals (auch nur) dagegen gewendet haben. (?)
Ja sprichstu, das wil ein grober werden.möglicherweise ist zu verstehen: ein grober Rülpser (vgl. zuvor verschlungen und verdaut). Antwort: freilich ein grober. Er heist: Reum auff, Hans vnuernunfftdie personifizierte Unvernunft. komet vnd bringt Claues OlpentritKlaus Albertritt (?) (in Parallele zu Hans Unvernunft). Vgl. Art. Olbel, in: Rheinhess. Wb. 6, 394; Art. Olbel I u. Art. Olbert, in: Südhess. Wb. 4, 1089; Art. Olbel, Olber, in: Pfälz. Wb. 5, 254; Art. Elbentrötsch, in: DWb 3, 402; Art. Elbentrütsch 1.a), in: Pfälz. Wb. 2, 868–872. mit sich, der wil es ausmachen,zu Ende bringen, entscheiden (?). Vgl. Art. ausmachen 3), in: DWb 1, 914. do es die andern Ketzer, seine vorfaren,Vorgänger, Vorläufer. Vgl. Art. Vorfahr 2), in: DWb 26, 1014f.
gelassen haben, das wir zuletzt nicht wissen, was vnser Bibel, was vnser glauben ist; denn was hilfft es nu, wenn wir lang die wort treiben, singen, predigen, lesen oder gleich auch schnitzen vnd malen, wenn es die meinung hat, das wir den hellen, duͤrren worten, wie sie geretgeredet, ausgesprochen. sint, nicht duͤrffen vertrawen? Hie komet ein jeder loser, leichtfertiger, mutwilliger bubSchurke. Vgl. Art. Bube 5), in: DWb 2, 460f. Evtl. auch i. S. v. (Schul-)Knabe, nicht für wissenschaftlich vollwertig zu nehmender Schüler.
vnd macht nach diesem exempel einen verstand daraus, welchen er wil. Vnd bleiben vns also von der gantzen Bibel nichts mehr denn die huͤlsen, das eusserliche a, b, c vnd buchstaben, die moͤgen wir mit roter oder schwartzer dinten schreiben, mit golt oder bley belegen, das gilt dem Teufel gleich viel. Gehen wir mit jm diesen weg ein, so hat er, was er gesucht, vnd lest vns die
ledige, lehreleere. taschen. Daraus muͤgen wir zehren vnd vns in Nobis krugein Nobis krug = im Wirtshaus der Hölle, vgl. Art. nobis 4.a.β), in: DWb 13, 864f; Art. Krug [II] 1.b), in: DWb 11, 2434. Evtl. auch im Sinne einer Vorhölle. Grimm vermutet Nobis als eine Bezeichnung für einen Dämon od. den Teufel. Zu erwägen wäre, ob eine aus dem Zusammenhang gerissene, missverstandene oder absichtlich verballhornte liturgische Textpassage zugrunde liegt (Ora pro nobis). lassen guͤetlich thuen, schlemmen vnd brassen, wir werden jm nicht entlauffen.
Also wil es komen, darfur vns der heilige Lutherus vnd tewre man Gottes schier mit heissen zehrenZähren, Tränen. treulichen gewarnet hat. O last vns bitten, sprach
er offt, das Gott vnsere nachkomen mit vns zu sich nehme; was wil noch fuer ein erbermlicher jamer auff dieser welt werden? Sie werden komen, die werdens ausmachen etc. Hie greifft es dieser Meister schon an, vnd wer weis, wer sie sind, die noch hernacher volgen werden? Jst das war, das es gilt, also zu deuten: fleisch heist die Gottheit, blut heist die Gottheit etc. Wolan, so last
her gehen, wir kuͤntens auch deuten, wie wir wollen. O, wie sol das eine kirche geben, ja wie sol denn auch auff kuͤnfftige zeit der liebe Gott mit feusten darein schlahen, wirfft er anders die welt nicht bald gar in einen hauffen mit seinem lieben juͤngsten tage, darumb wir teglich seufftzen vnd bitten. Denn sonst wil der glaube duͤnne vnd der ausserwelten zumahl wenig werden. Mit
den vorigen Ketzern hat man aus der schrifft handeln koͤnnen, den vortheil wollen vns diese neh- men vnd der schrifft jre krafft auffloͤsen, das sie sol mit allen worten zu jrer meinung stimmen, wenn sie gleich mit aller gewalt wider sie stuͤrmet vom himel herab. Wie sie hie thut, da stehet sie fest auff vnser seiten, das blut Christi reiniget vns. Nein (felt jr der
schwermer in die gorgel),Schneidet ihr das Wort ab, nimmt ihr die Luft. Vgl. Art. Gurgel 2.c), in: DWb 9, 1149f. es heist nicht das blut, sondern die Gottheit, vnd redet Johannis hie nicht vom blut Christi, am Creutz vergossen.
Hie fragen wir zu guter nacht:zum Abschied. Vgl. Art. Nacht II.A.6.b), in: DWb 13, 158f. Lieber herr Schwermer, was mus denn das fur ein blut sein, daruon Johannes hier redet, welches doch nicht ist das blut, am Creutz vergossen? Es ist vieleicht ein getreumet, geticht, geschnitzt, ge
malt, genethes,genähtes. gewoben, gestickt, gekocht, gesotten, gebraten, gepflantzt, gesetzt, gebawet, in summa: ein Sacramentirisch blut, darunder ewer andechtige Geistlicheit vns das rechte blut in einen winckel setzenin einen Winkel setzen = beiseite rücken, wegschaffen. vnd ausredenuns davon abbringen. Vgl. Art. ausreden 4), in: DWb 1, 931. wil, als das vor 1500 jaren verschut,vergossen, verschüttet. vertruckenetvertrocknet. vnd verwesen ist. Das ist dahin, ja du verlest dich darauff, es wirt dich helffen, hat new
lich dieses Meisters juͤnger einer geprediget, Siehe also, wie die pauren die spies tragen.Redensartlich: Hinter sich, wie die Bauern den Spieß tragen = nutzlos, zwecklos, erfolglos, sinnlos. Vgl. Art. Spiesz I.1.k.α), in: DWb 16, 2441–2444. Vnd dergleichen mussen wir vnzeliche viel lesterung mehr hoͤren; mit was grosser freud vnd wollust, koͤnnen alle frome Christliche hertzen wol erachten.
Es hat noch nechst verschienenvor kurzem (das Schreiben ist auf den 7. Dezember datiert). den 2. Decembris dieses 51 jarsDer 2. Dezember fiel 1551 auf einen Mittwoch; vgl. Grotefend, 159. der
feinde des bluts Christi einerder Feinde des Bluts Christi einer = einer der Feinde des Blutes Christi. mir, D. Moͤrlin, im ThumDom. eine zettel in meinen stuelseparates, reserviertes Kirchengestühl. gelegt, darauff er ein kleines Nerrlein gemahlet mit einem Kelch in der hand, vmb welchen Kelch etliche humelenHummeln (Insekten). geflogen, vnd daruͤber diese wort geschrieben gewesen: Darinnen leith Doctor Moͤrlins Gerechtigkeit verschlossen. Dieser zettel ist an vier oͤrternEcken. Vgl. Art. Ort I.3.a), in: DWb 13, 1351. mit
feur angesteckt gewesen vnd darbey geschrieben, man solle mich als einen Seelmoͤrder vnd Ketzer verbrennen, ohne zweifel dieweil ich den Kelch vnd das Blut Christi wider diesen Antichrist vnd grimmigen, wuͤtigen Teufel mit grosser freidigkeitKühnheit, Freimut. Vgl. Art Freidigkeit, in: DWb 4, 103. aus Gottes gnaden fur vnsere Gerechtigkeit predige, welches sie fuͤr hummeln vnd grillen halten.
Wolan, wir verhoffen, es sol aus diesem vnserm warhafftigen, gruͤntlichen bericht beide, vnsere vnschult genugsam an den tag gegebenan den Tag gegeben = ans Licht gebracht, veröffentlicht. Vgl. Art. Tag II.B.3.f), in: DWb 21, 40–42. vnd das vnuerschempte, Teufelische gedicht dieser newen schwermerey aus Gottes wort reichlichen widerleget sein. Wie wir vns denn des auff alle Kirchen, so der Augspurgischen Euangelischen Confession verwant vnd zugethan sind, wol
len hiemit gezogen haben, vnd koͤnnen jre Iudicia nicht allein wol dulden vnd leiden, Sondern bitten vnd ermahnen auch gantz freuntlich alle vnd jede vnsere herren Praeceptores vnd bruͤder in Christo, sie wollen jre Iudicia nicht verhalten,zurückhalten, vorenthalten, verschweigen, unveröffentlicht lassen. Vgl. Art. verhalten 5), in: DWb 25, 510–512. Sondern sich des ehlends der armen, betruͤbten Kirchen erbarmen vnd jren jamer lassen zu hertzen gehen, Die nicht allein fastbeinahe. vorsic; von?
aller welt anohne. einigen trost verlassen, verfolget vnd mit schmertzlicher viel truͤbseligkeit beengstiget ist, Sondern das die hoͤchste klag: Auch diejenigen, zu denen sie jre arm auswirfftausstreckt. Vgl. Art. auswerfen 4), in: DWb 1, 1016. vmb troͤstliche huͤlff vnd rettung, welchen sie auch jr fromer, allerliebster breutigam in der marter seines Creutz befohlen hat,Anspielung auf Joh 19,26f, verbunden mit der traditionellen Identifikation von Maria und der Mutter Kirche. die suchenbedrücken, bedrohen. Vgl. Art. suchen 4.c), in: DWb 20, 845f. jr die Seele vnd stehen jr nach
diesem allerhoͤchsten guth,jmdm. nach etw. stehen = jmdm. etw. wegzunehmen suchen, rauben wollen. Vgl. Art. stehen II.C.8.a.ε), in: DWb 17, 1598f. daruͤber sie sonst aller zeitlicher wolfart mit darstreckung jres bluts zu vergessen willig vnd von hertzen bereit ist. Gott troͤste sie vnd mach es mit dem grossen Concilio vnd herlichen tag seiner zukunfft ja kurtz, damit wir, von dieser schnoͤdenarmseligen, elenden. Vgl. Art. schnöde 1.b), in: DWb 15, 1372–1374. welt erloͤset, in seinem reich den lieben Vater schawen moͤgen in der freut vnd herligkeit, die
vns sein einiger Son mit seinem schweis erarnetverdient, erworben, bezahlt. Vgl. Art. erarnen, in: DWb 3, 697f. vnd bereit hat. Amen. Amen. Amen.
Volendet zu Koͤnigsberg in Preussen, den 7. Decembris im 1551. jar.Der 7. Dezember fiel im Jahre 1551 auf einen Montag; vgl. Grotefend, 159.
CORRECTVR.
A. 4 facie 2 Iudicum, liese Iudicium.
B. 1 fac. 2 in der 9. zeil beschwermig liese beschwerung.
C. 2 fac. 1 in der 16. zeil Jrenus liese Jrenaeus.
D. 3 fac. 2 in der 21. zeil proscriptione liese praescriptione.
E. 1 fac. 1 in der 4. zeil Leiden vnd sterben Christi nicht (setz darzu) wil.
E. 4 fac. 2 in der 17. zeil leider liese leidet.
G. 1 fac. 1 in der 6. zeil gahien liese dahin.
H. 3 fac. 1 in der 4. zeil berde liese berge.
O. 2 fac. 1 in der 20. zeil daben liese haben.
R. 4 fac. 2 in der 10. zeil wie er zum offtern mal von der (setz darzu) Canzel.
S. 2 fac. 1 uirgulem, liese uirgulam.
T. 1 fac. 2 in der 3. zeil fur aller liese fur alle.
Was ander gering errata sind, wird ein jeder selbst wol corrigirn.