Controversia et Confessio, Bd. 7


Pasquill. Colloquium (1552) Nr. 10: Pasquill. Colloquium (1552)

Pasquill. Colloquium (1552) Nr. 10: Pasquill. Colloquium (1552)Nr. 10 ULB Darmstadt info:isil/DE-17 Darmstadt Letzte Änderung: 2023-05-23 Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz (CC BY)

Zum Leser.

Wiltu wissen, o mein frommer Christ,

Wie itzt der grausam Antichrist,

Der Ketzer schwartz, in seinem kindtOsiander als Kind des Antichrists.

Vnd boͤsem Geist gantz leugtlügt. geschwindttückisch. Vgl. Art. geschwind 10), in: DWb 5, 3997.

Wider Gott vnd sein heilsames wort

Von Christi leiden vnd auch todt,

So liese diß kleine Buͤchlein,

Wird dich es alles leren fein.

Vorrede.

Edle vnd wolweise Herrn

Vnd die jr allzeit hoͤret gern

Den Herren Christ durch Gottes wort

Mit euch reden, das hie vnd dort

Vns speisen soll an seel vnd leib,

Auff das sie ewig bey vns bleib,

Jr woͤllet kuͤrtzlich hoͤren an,

Wie itzund leugt der schwartze mannOsiander wurde immer wieder wegen seiner schwarzen Haare (und eines möglicherweise eher dunkleren, südeuropäischen Teints?) als schwarzer Mann, Nachtrabe u. dgl. bezeichnet und dies als Indiz für eine Nähe zum Teufel, zur Hölle etc. angeführt. Vgl. a. oben Zeile 4.

Von Christi leiden vnd auch todt

Wider die Schrifft vnd Gottes wort.

Christus, der ware Gottes Son,

Auch von Maria Mensch geborn,

Den rechten weg gen himel weist,

Den Ketzer in die hellen reist.

Er spricht: Zum ersten suchen thut

Gotts Gerechtigkeit, das hoͤchste gut.

Vnd auch sein Reich mus darbey sein,

Solt jr entlauffen hellisch pein.

Das ander euch zufallen wird,

Das euch kein leid noch kummer jrt.Vgl. Mt 6,33.

Darzu kompt nu der hellisch hundt

Vnd leuget itzt zu dieser stundt

Von einer hohen Gerechtigkeit

Die bey Gott bleibt in ewigkeit,

Wie jr denn werd vornemenvernehmen. schir,

Wenn auff wird gehn des himels thuͤr,

Von Paul Sperat, dem Bischoff fron,(dem) herrlichen (Bischof). Vgl. Art. frohn 1), in: DWb 4, 230–232.

Vnd von Martino Luther schon.

WerdKustode: Werdt. auch hoͤrn, wie das himlisch heer

Darzu vns sagt Christus der Herr,Wie uns Christus die Mitgliedschaft im himmlischen Heer verheißt (?).

Vnd was es je vor vrsach sey,

Das Gott schickt solche ketzerey,

Wird Martin Luther sagen thun.

Der hat geglaubt an Gottes Son,

Jst kommen an der Engel schar,

Mit Gott lebet ewig fuͤrwar.

Der wolt der seele ein selig endt

Beschern vnd nemen in sein hendt.

A M E N

Jnterloquutores:

Speratus moriens.

Genius.

Petrus.

Martinus.

Gabriel.

Adam.

Abraham.

Esaias.

Paulus.

Stephanus ex Martiribus.

Bernhardus ex Patribus.

Jesus.

Thomas.

Speratus moriens:

Jch armer alter, schwacher mann

Ein lang zeit nu gelebet han.

Jn kommer,Kummer. truͤbsall vnd elendt,

Bis ich schier kommen bin zum endt,

Das ich sol sehn den bittern todt,

Welcher denn ist der Suͤnden soldt.Vgl. Röm 6,23.

Sol gehen gar ein fehrlich strass,

Darauff ist weder laub noch grass,

Finster vnd gantz wild vberall.

Jch foͤrcht, moͤcht vnter Dmoͤrder fall,Ich fürchte unter die Mörder zu fallen.

So nicht toͤdten den leib allein,

uͤuͤrn(sie) führen. auch die seel inn hellisch pein.Vgl. Mt 10,28.

Den Todt sehe ich schon vor mir stan,

Vnd auch den Mann so zornig an.

Der Teufel ist auch bey der handt,

Freß(er) fräße. lieber auff das gantze landt

Wie sol ich denn nu sicher sein,

Entkommen scharffen klawen fein?

Kein kraut fuͤrnfür den oͤ gegen den. todt gewachsen ist,Vgl. Wander, s. v. Kraut, Nr 33: Es ist kein Kraut vor den todt gewachsen (2, 1592).

Kein kunst hilfft fuͤr des Teufels list,

Kein golt, kein gelt bezalen thut

Mosen, so er sein buch auffthut.Vgl. Joh 5,45–47; Dtn 31,24–27; Ex 32,32f; Ps 69,29. Hier erscheint Moses als Ankläger im Endgericht bzw. als Buchhalter des Buches des Lebens bzw. des Gerichtsbuches, in dem die Taten der Menschen verzeichnet sind als Grundlage für das Endgericht.

Wie sol ich denn thun deme all,Wie soll ich mich zu alldem verhalten.

Das ich entwerde dieser fall,dass ich der Falle entkomme. Vgl. Art. entwerden, in: DWb 3, 654f.

So mir gestelt die feinde mein,

Mich fuͤren woln in ewig pein?

Jch bitt dich, weib von ehren fron,

Du wollest zu mir kommen lonlassen.

Den Priester, so ist Gottes knecht,

Das er mir itzt den weg weis recht,

Das ich nicht jrr noch fallen mag

Vnd also kom in ewig klag.

Erst wil ich haben rew vnd leidt

uͤuͤr meine suͤnde vnd bosheit,

Wil beichten meinem Herrn vnd Gott

Vnd dem Priester hie, so Gottes wort

Vertrawet ist; der kan allein

Mir helffen aus der hellen pein.

Mein zuflucht ist allein zu Gott

Vnd zu seinem heilsamen Wort,

Darinn er mir gentzlich verspricht

Den himel, ob ich ghalten nicht

Die zehen Gebot vnd lere hart,

Welche gibt der Mann im grawen bart.

Drumb du Moses nichts schaffen wirst

An mir, vnd auch du, Antichrist

Jm schwartzen kittel, kenn dich wol,

Dir von der beuth nichts werden sol.

Denn Gott so hat die welt geliebt,

Das er jr auch gantz eigen gibt

Sein Son, der weggenomen hat

All vnser suͤnd vnd missethat;

Der an jn glaubt wird nicht verlorn,

Sondern zum leben new geborn

Durch seinen todt vnd rotes Blut,

Welchs vns von suͤnden waschen thut.Vgl. Joh 3,16.

Darinn er auch zum Testament

Vns geben hat ereher, vor. Vgl. Art. ehr, in: DWb 3, 52. seinem endt

Sein Leib zur speis, sein Blut zum tranck,

Damit sich labe der Suͤnder kranck.Das Abendmahl erscheint hier in der Tradition des Ignatius v. Antiochien als φάρμακον ἀθανασίας (Arznei zur Unsterblichkeit; vgl. IgnEph 20,2).

Gib mir darumb du, Priester, her

Die speis, so ich hertzlich beger,

Vnd auch den tranck, so stercken thut

Mein hertz, mein sinn vnd auch mein mut,

Den Leib vnd das Blut CHRJSTJ thewr,

Das mir hie schade kein vngehewr,

Es sey der Teufel oder Todt.

uͤuͤr jr wird mich behalten Gott,Vor ihnen wird mich Gott bewahren. Vgl. Art. behalten 3), in: DWb 1, 1321f.

Der denn der recht TriackerMedikament (insbes. in Latwergenform), bes. Gegengift, Theriak. Evtl. auch: Triakler = Apotheker, Theriakshersteller od. -händler. Vgl. Art. Triakel 1.b) u. c), in: DWb 22, 399f; Art. Triakler, in: DWb 22, 401f. heist,

Daruon des Trachen bauch zureist,

Wie Daniel gedeutet hatVgl. vom Drachen zu Babel (StDan 2,26).

Auff Christum, den ewigen Gott.

Las mir derhalben grausen nicht,

Ob jrgent keme der boͤsewicht,

Wolt mich verschlingen, fressen auff.

Das leben ist mir schon erkaufft.

Denn Christus sagt: Wer gleubt an mich,

Den Todt wird ewig sehen nicht.

Ob er schon todt, so lebt er doch.

Den himel erbt er gleichwol noch.Vgl. Joh 11,25f.

Darauff ich frisch vnd froͤlich bin,

Wil nu mit freuden faren hin

Zu meinem Gott vnd Heiland trew,

Der mich erschaffen hat auffs new.Vgl. Joh 3,3.5; 1,12f.

Hab zerung viel, ein beutel schwer,

Darmit ich kom durch alle heer,

Durch alle strassen, weg vnd thuͤr,

So mir nu moͤgen komen fuͤr.

Gesegne dich Gott, mein hertzesliebes. Vgl. Art. herz, in: DWb 10, 1223. weib,

Die ich geliebt als meinen leib,Vgl. Eph 5,21.

Dich auch, mein aller liebster Son.

Der mutter du bissei. Vgl. Art. bis [I], in: DWb 2, 41f. vnderthan,

Hoͤr gern Gotts wort, den armen gib,

Wie ich in meinem leben trib,wie ich es in meinem Leben getan habe.

So wird sich Gott erbarmen dein

Vnd dir geben den segen sein,

Das du hie zeitlich lebest schon,

Vnd denn erbest des himels thron.

Ade, ade, zu guter nacht!

Befelh euch all in Gottes macht,

Der lebt von ewigkeit anohne. endt.

Mein Seel befelh in seine hendt.

A M E N.

Genius:

Petre, mach auff, es klopffet an.

Ein Gast wil zu dem Herren gan.gehen.

Jst erst gescheiden von der welt,

Gar trawriglichen er sich helt.

Petrus:

Wer ist, den ich einlassen sol?

Das solt mir auch bekommen wol,

Wenn es ein bubVerbrecher, Missetäter. Vgl. Art. Bube 5), in: DWb 2, 460f. vnd Ketzer wer,

Zerstoͤret mir des himels heer.

Den namen ich vorzuvor. Vgl. Art. vor V.3.a), in: DWb 26, 806f. wissen wil,

Alsdenn auffmachen in der still.

Speratus:

Kein Ketzer bin ich, glaube mir,

Kom aber itzt fuͤr diese thuͤr

Gefoddert von Gott inns himels thron,

Den mir allein schenckt Gottes Son.

Mein namen ist dir wol bekannt,

PAVLVS SPERAtus bin genant.

Petrus:

Dein namen, glauben vnd auch lehr

Bekant ist wol dem himlischen heer.

Dann Pauli glaub vnd hoffnunge gros

Dir hilfft inn Abrahami schoß.Vgl. Lk 16,22.

Eins mus ich aber fragen dich:

Was ists, das du so traurig sichst,blickst. Vgl. Art. sehen 1.c), in: DWb 16, 133–135.

So du vielmehr gantz freudenvoll

Mit Christo soltest leben wol?

Gehe her, dir stehet der himel auff,

Den hat dir Christi blut erkaufft.

Speratus:

Du himelfuͤrst, o Petre groß,

Des Creutzes Christi mitgenoß,Teilhaber. Vgl. Art. Mitgenosse, in: DWb 12, 2347.

Die vrsach meines traurens ist,

So ich gedenck zu dieser frist

Der welt jamer vnd gross elendt,

Wie sie der Teufel itzt verblendt

Durch einen Ketzer, schwartz vnd langk,

Macht in der Welt ein grossen stanck

Mit grossem schein der heiligkeit

Subtielvorsichtig, sanft, leisetreterisch. Vgl. Art. subtil B.3), in: DWb 20, 829. vnd mit behendigkeit,

Jedoch sein schwartze klawen scharff

Erfuͤr ragen vnter der larff,

Das man jn eigent kennen kan

Das er hie baw auffs Teufels ban.

Petrus:

Solchs lasse du nicht wundern dich,

Denn Christus der Herr selber spricht,

Do er vns lert vom Juͤngsten tag,

Wie man rechtschaffen kennen mag

Die Zeichen, so zuuor gehen her.Vgl. Mk 13,3–23; Mt 24,3–28, bes. V. 15.

Damit er meint die falsche ler,

Die DANJEL ein grewel nent,Vgl. Dan 9,27; 11,31; 12,11.

Dardurch wird Gottes wort geschendt.

Viel Ketzer alsdenn leben wern,werden.

Wenn kommen sol Christus der Herr,

Das auch der Grechtder Gerechte. wird leiden not,

Wo jneaus: jnen. nicht hielt Gottes wort.

Frew dich darumb, du frommer Man,

Das du gangen die rechte ban,Bahn, Weg, Straße.

Auch das dich nu der bitter todt

Jn jenner welt bestritten hat.

Darfuͤr du ewig itzund lebst

Vnd mit Christo in ehren schwebst,

Auch mit den lieben Vetern all,

Die Sitzen in dem schoͤnen saal,

Loben Gott Vater vnd den Son,

Den heiligen Geist an vnterlohn.an vnterlohn = ohne Unterlass.

Also wird bald dein kommer gros

Verkert in grosse freud anohne. maß.

Speratus:

Du heilige Dreifaltigkeit,

Darzu du Goͤttlich Maiestet,

Von angesicht zu angesicht

Jch sehe, wie solchs Paulus spricht

Der Engel schar ich singen hoͤr

Mit grossem schalle lob vnd ehr.

Die lieben Veter auch her gehen

Zu ehren jrem Gott vnd Herren.

Petrus:

Dieweil du bist ein Lerer auch,

So schlahe dich zu diesem hauff,

Der Gottes wort gepredigt hat,

Darumb er auch den ersten grad

Jm himel hat vnd leuchtet schon,schön.

Gleich wie die Sonne vnd der MonMond. Vgl. Art. Mon 2), in: DWb 12, 2497f.

Vor andern Sternen glintzen thun,

Welchs Daniel lengst saget nun.Vgl. Dan 12,3.

Speratus:

Gros ist Gotts gnad vnd guͤtigkeit,

Viel groͤsser sein gerechtigkeit.

Treulich helt, was er verspricht.

Wunderbarlich sind sein gericht.

Das Christus in der welt zusagt

Alhier reichlich geleistet hat,

Jnn deme er gibt den Lerern sein

Groß lohne fuͤr jre erbeit klein.

Ein Christen, fuͤr der welt voracht,

Jst fuͤr Gott gar viel mehr geacht

Denn ein Keiser mit seiner kron,

Ja land, leuten vnd all sein thon.

Die welt das aber glaubet nicht,

Bis sie ereilet Gotts gericht.

Darumb ich dem ewigen Gott

Thu dancken fuͤr sein heiliges wort,

Darinn er mir sein Son geweist,

Gezeiget auch den heiligen Geist,

Mich einen Bischoff hat erwelt,

Der da solt weiden seine herdt,

Das ich itzund die kron der ehrn

Erlangt durch Christum, meinen Herrn.

Petrus:

Doctor Martinus kommet her,

Wird woͤllen hoͤren newe mehr,Mär, Kunde, Nachricht. Vgl. Art. Mär 1), in: DWb 12, 1615.

Von wannvon wann(en) = woher. Vgl. Art. wann VII.2), in: DWb 27, 1882f. du seist vnd was du bringst.

Dem sage an, wonach du ringst!

Speratus:

Martinum ich gantz kenne wol,

Denn ich bin gangen in sein schul,

Von jm gelernt das heilsam wort,

Domit mich hie vnd dorthie und dort = im Himmel und auf Erden. Vgl. Art. hie 3), in: DWb 10, 1305f. speist Gott.

Martinus:

Sperate, liebster bruder mein,

Jch heis dich gantz wilkommen sein!

Frewe mich auch von hertzen sehr,

Das du bist kommen zu vns her.

Daraus ich aber spuͤren kan,

Das es nicht recht mus sein gethan

Jn der welt vnd an deme ort,

Da du geleret Gottes wort.

Denn wenn Gott nimpt die Hirten trew,

So kompt alsbald ein grosser grewl,

Abgoͤtterey, streit vnd gross kriegk

Vnd all des Teufels vngluͤck.

Darumb auch bald nach deinem todt

Verfolget ist worden Gottes wort.

Jm land zu Sachsen gieng es an,

Des weinet weib, kindt vnde mann.

Der Churfuͤrst drumb gefangen leidt.leit = liegt. Herzog Johann Friedrich I. von Sachsen verlor nach der Niederlage in der Schlacht bei Mühlberg 1547 die Kurwürde an seinen Vetter Moritz vom albertinischen Zweig des Hauses Wettin, er wurde bis Ende August 1552 von Kaiser Karl V. gefangengehalten.

Gott verleihe jm hie bstendigkeit

Vnd helff jm anzu. der Engel schar,

Welchs Gott der Herr wird thun fuͤrwar.

Jch foͤrcht, das nicht betrogen sey

Der Fuͤrst, so Gottes wort fiel bey,

Hertzog AlbrechtHerzog Albrecht von Preußen, der sich als Hochmeister des Deutschen Ordens 1525 der Reformation zuwandte. Ich förcht, dass nicht betrogen sei = Ich hoffe, dass (der Fürst) nicht betrogen worden ist. Ich befürchte, dass er betrogen wurde. gantz lobesam,

Daruon er denn ein guten nahm.Namen.

Jm himel seltzam wildprethd. h. eine außerordentliche Seltenheit. Vgl. Art. Wildbret II.B.5.d.γ), in: DWb 30, 53f. ist

Ein Fuͤrst, du jr gar wenig sichst.siehst. Vgl. Luther, WA 11, 273,31: Wer weyß das nicht, das eyn furst wiltprett ym hymel ist? (Von weltlicher Obrigkeit, 1523).

Speratus:

Doctor Martin, du thewer man,

Ein gross liecht hast gezuͤndet an

Durch Gottes wort weit vnde breit,

So weit die gantze Christenheit.

Jst aber nach absterben dein

Ein boͤser Wolff geschlichen ein,

Viel erger, denn der Bapst je war,

Mit aller menschen pfaffen schar,

Den du im leben wol gekent,

Andre Osiander er sich nent.

Martinus:

Zu Nuͤrmberg in der werden Stadt

Er Gottes wort geleret hat

Bey meiner zeit, ich gantz wol weis.

Las hoͤrn, wie er es nu beschmeis.besudelt. Vgl. Art. beschmeiszen, in: DWb 1, 1582–1584.

Wiewol mich allweg hat gedaucht,gedeucht.

Er truͤge vor stoltz ein grossen bauch,

Wuͤrd einmall geberen thun

Ein Basilisck,Ein Fabeltier, das als König der Schlangen gilt. Seinem Gift und seinem Blick wurde tödliche Wirkung zugeschrieben. Seinem Blut sagte man wunderbare Heilkräfte, seiner Asche Hilfe gegen andere giftige Tiere nach. Das angebliche Ei des Basilisken wurde auf Jahrmärkten und in fürstlichen Wunderkammern gezeigt. Heute trägt eine Leguanart diesen Namen. Vgl. Christian Hünemörder, Annemarie Brückner, Art. Basilisk, in: LexMA 1 (1980), 1529f. Beim Basilisken soll es sich um eine Kreuzung aus Hahn und Kröte handeln. Vgl.: Vom Basilisken zu Mag||deburg. Jtem vom Hanen eyhe / daraus || ein Basilisck wirt / mit seiner Bedeutung || aus der heiligen Schrifft. || An den standhafftigen Bekenner Christi || M. Caspar Aquilae geschrieb) / durch || ERASMVM ALBERVM. || [Hamburg: Joachim Löw 1552] (VD 16 A 1538). Vgl. ferner unsere Ausgabe Bd. 2, Nr. 10, S. 903,2–4. so macht vnrhu

Der Kirchen Christi vnd auch braut,Vgl. Eph 5,25–32.

Wie denn deine klagrede laut.lautet.

Denn er auch bey dem leben mein

Schon fuͤret einen falschen schein,

Dorfft sich aber nicht vnterstehen,

Frey offentlich hereinzugehen,

Besorget, ich wuͤrd schweigen nicht

Vnd schelten jn ein boͤsewicht.

Speratus:

Dieweil du seiner kuntschafft hastWeil du Kenntnis von ihm hast, weil du ihn kennst. Vgl. Art. Kundschaft II.2.c.β), in: DWb 11, 2637.

Vnd kennest wol den boͤsen gast,

Von Nuͤrmberg er herkommen ist,

Der welt gebirt den Antichrist

Jn Preussen, weistu selber wol,

Do ich gehabt den Bischoffsstul,Paul Speratus war ab 1530 bis zu seinem Tod 1551 Bischof von Pomesanien.

So acht ich fuͤr vnnoͤtig gar,

zurzelnzu erzählen. von seiner falschen lar,

Sein gstalt vnd auch greßlich figur,

Die gantz ist wider all natur,

Wol bis auff die fussolen schwartz,

Die sind geschmirt mit Teufels hartz,

Darumb er denn so schnell gefarn

Jn Preussen auff des Teufels karn.

Des Fuͤrsten hertz hat gnomen ein,

Bereden will die gantz Gemein

Von einer newen Gerechtigkeit,

Das ich die andern jrthumb schweig.

Martinus:

Den haubtartickel er angreifft,

Darinn des Menschen heil gantz leit.

Du wolst mir aber sagen nu,

Mit was gstalt er das itzt thu.

Es wird was newes muͤssen sein,

Das jm die leute gehen ein.damit ihm die Leute auf den Leim gehen, ihm zustimmen und folgen.

Denn auch kein groͤssern schaden# thut

Jn aller welt denn newes gut,

Das jederman stracks haben wil,

Vnd kostets doppel noch so vil.

Also es mit der Lehr zugeht;

Ein jederman gern newes hoͤrt,

Das alt verwirfft vnd faren lest,

Ob es schon ist das aller best.

Speratus:

Gantz new ist es vnd vnerhort,

Dardurch die gantze Schrifft verkort,verkehrt.

Jn menschen hertz nicht kommen je

Das teufflisch er fuͤrgibet hie.

Er spricht, das vnser seligkeit

Mit nichtmitnichten, keineswegs. in Christi leiden stet,

Nicht in seim Blut vnd bittern todt,

Den er fuͤr vns gelitten hat.

Martinus:

Viel Ketzerey gewesen sein,

Des gleichen weis ich aber kein,Es hat viele Ketzereien gegeben, eine wie diese ist mir aber nicht bekannt.

So lange die welt gestanden gar,

Nu schir bis in Sechstausent Jar.Traditionell rechnete man mit etwa 6000 Jahren seit Erschaffung der Welt. Vgl. Luther, WA 53, (1) 22–184 (Supputatio annorum mundi, 1541).

Mus aber weiter fragen dich,

Worauff beruhtsich stützt. Vgl. Art. beruhen 2), in: DWb 1, 1534f. der boͤsewicht

Vnd was er fuͤr ein seligkeit

Erdacht hat, so in kurtzer zeit

Nach meim tod, hoͤre ich gar wol,

Jst er des boͤsen geistes vol.

Speratus:

Er spricht, das vnser seligkeit

Allein sey Christi grechtigkeit,

Die er mit Gott dem Vater gleich

Von ewigkeit im himelreich,

Auch mit dem heiligen Geist gehabt,

Ehr denn die welt erschaffen ward.

Martinus:

Wil erst der Teufel da hinaus,

Stossen dem vaß den boden aus?

Das loch ich jm lang hab vormacht,das Loch habe ich ihm längst verstopft. Vgl. Art. vermachen 1), in: DWb 25, 832f.

So einer nur darauff gibt acht,

Wie man wird sehn an orten vil,

Mein buͤcher vnd Kirchenpostil,Luther veröffentlichte 1522 die sogenannte Wartburgpostille mit Musterpredigten für die Advents- und Weihnachtszeit (WA 10I.1; 10I.2, 1–208), 1525 die Fastenpostille (WA 17II, 1–247); beide zusammen bilden die Kirchenpostille.

Do ich mit fleis gescheiden hab

Die grechtigkeit, so Gott vns gab,

Von dere, so er von ewigkeit

Gehabt vnd die jme allein bleibt,

Domit er an jme selbst gerecht,

Lest vns bleiben der Suͤnden knecht,

Verflucht, verdampt die Suͤnder gar

Vnd stoͤst sie aus der Engel schar;

Die ander, so er vns geschenckt,

Zu vns des Vatern hertze wendt,

Nimpt vns auch gern zu gnaden an

Durch Jhesum Christ, sein lieben Son,

Welcher vor vns gestorben ist,

Wie man solchs im Propheten list.Vgl. Jes 52,13–53,12; Lk 24,25–27.

Christus auch solchs persoͤnlich sagt

Vnd alle welt gewarnet hat,

Do er auff erd aus Gottes will

Sein Goͤttlich macht furt in der still.Vgl. Mt 16,21; 17,22f; 20,17–19.

Den Tod vnd Teufel fangen solt,

Damit er vns erloͤsen wolt

Von Gottes zorn vnd vrtheil schwer

Vnd bringen an das himlisch heer.

Darumb thu ich verwundern mich,

Das der also lest effenäffen, zum Narren halten. Vgl. Art. äffen, in: DWb 1, 183. sich,

uͤuͤrn mit der nasen hin vnd her

Bald in die leng bald in die quer.

Speratus:

Jch sage es auff die trewe mein,

Das ich hab keine groͤssere pein

Denn vmb den Fuͤrsten lobesan,

Der dann viel guts an mir gethan,

Das er nicht tracht nach Christi ehr,

Dencket auch nicht an deine lehr,

Lest sich verfuͤrn ein jedern windt,

Gott gebeGott gebe = einerlei, gleich. Vgl. Art. geben [II] II.20.d), in: DWb 4, 1709. von wannen das er koͤmpt.

Jch danck darumb dem ewigen Gott,

Das er mich nu erloͤset hat

Von ketzerey vnd truͤbsal groß,

So ich erlitten het anohne. maß.

Martinus:

Die hohe Goͤttliche Maiestat

Jn diesem fall kein schuld nicht hat,

Dieweil sie reichlich geben hat

Der welt jr Wort an allem ort.

Das sie es aber glaubet nicht,

Vmb jrer suͤnde willn geschicht

Gross vndanck vnd halsstarrigkeit

Welchs jr dann bringt solchs hertzenleid,

Das sie verfurt von Gottes wort

Fest in des Teufels strick vnd mord.

Kein groͤsser straff auff erden ist,

Denn wo mit gewalt des Teufels list

Einbricht vnd schleust den himel zu,

Damit die seel hab keine rhu.

Sag mir aber du, Bischoff fron,

Aus was vrsach er das gethan,

Mit welcher fard vnd was gestalt

Er leugnet nu den glauben alt,

Dere Adam vnd all seine kindt

Die ewige freud vnd leben bringt.

Kein Teufel ist so vnuorschempt,

Der sich nicht auch mit schrifft berempt,verkleidet. Vgl. Art. berämen, in: DWb 1, 1486.

Denn wo die schrifft ein ketzer schilt,

Wird bald erkent des Teufels bildt.

Speratus:

Die ketzerey verstanden hast.

Nu aber weiter fragen thust,

Womit er solche luͤgen groß

Geschmuͤckt hat vber alle maß.

Das wil ich kuͤrtzlich sagen dir.

Hett es vor freud vergessen schir.

Es ist kein groͤsser Argument,

Damit probirt er sein Comment,

Denn du vnd deine Buͤcher gut,

Daraus er all gifft saugen thut.

Gleich wie die Spin aus rosen rot

Zeucht toͤdtlich gifft vnd sonst vnflat,Unreinigkeit, Ekel- od. Krankheitserreger. Vgl. Art. Unflat II.B.2.b) und d), in: DWb 24, 548–551. Zur Spinne, die (anders als die Biene) aus Blumen Gift saugt, vgl. Art. Spinne 1.i), in: DWb 16, 2510.

Also er aus dem Bibel buch

Nicht mehr denn eitel luͤgen sucht.

Bewert das aus den Buͤchern dein,

Vorfuͤrt das volck im guten schein,

Spricht:

Das wil ich gentzlich thun bewehr.

Nimpt, was jm dient, das ander bleibt,

Was sich nicht mit den luͤgen reimbt,

Wie auch der Teufel thet nach art,

Do er Christum verfuͤret hart,Vgl. Mt 4,1–11.

Vnd auch Adam im Paradeis,

Den er verfuͤrt auff gleiche weis.Vgl. Gen 3,1–5.

Zurissen hat er dir dein lehr,

Getrent dein Buͤcher hin vnd her,

Geraubt, gestoln die Spruͤche dein,

Damit er deckt sein buͤberey.Schurkerei, Frevel. Vgl. Art. Büberei, in: DWb 2, 465f.

Lest sie drucken vnd publicirn,

Darmit er wil die leut verfuͤrn.

Den armen, so nicht lesen kan,

Vorstet auch sonst gar nichts daruon,

Bereden thut mit worten glind,

Das sein lehr vnd dein eines sind.

Spricht, du vorstehts vnd weist es gar,

Hasts aber nicht woͤln offenbarn.

Jedoch er auch an orten viel

Halsstarrig helt das widerspiel,

Das du nicht recht vordeutscht hast

Die Bibel, so der welt du gabst.

Gibt sich aus fuͤr ein Rabinist,Anhänger, Kenner der rabbinischen Lehre, hier wohl bes. Kenner der hebräischen Sprache.

Aber vnterm schein, der Antichrist.

Jn deme wird jrrverunsichert. Vgl. Art. irre 3), in: DWb 10, 2161. der gmeine man,

Weis nicht, ob ers sol nemen an.

Es zweifeln auch gelerte leut,

Die er mit falschem schein betreugt,

Ob solches sey die meinunge dein,

Oder ob es sey die luͤgen sein.

Vnd wenn sie diese woͤlln erkennen,

Sein falsche lehr von deiner trennen,

Hats so ein weiten vnterscheidt

Als himel vnd erden vonnander leidt.

Martinus:

Kein erger Ketzer gelebet hat

SindSeit. Gott die welt erschaffen hat.

Jch mein, es sey der Teufel schwartz

Vnd auch seiner großmutterdes Teufels Großmutter. Vgl. Art. Groszmutter 3), in: DWb 9, 572f. artzt,Andreas Aurifaber war Leibarzt des Herzogs Albrecht von Preußen. Vgl. Anm. 113, 123.

Der alten hurrn zu Babilon,

Da vns Johannes schreibet von,Vgl. Apk 14,8; 17,3–6; 18,3.

Darzu der Geist, von jme geborn,

Der nun vnd ewig ist verlorn,

Den Daniel gesehen hat,

Da er vns von dem grewel sagt.Vgl. Dan 9,27; 11,31; 12,11.

Kein Ketzer hat betrogen mehr

Die welt denn er mit seiner lehr,

Jn deme das er sie schmuͤcken thut

Mit meinen Buͤchern recht vnd gut.

Wie koͤndt er bas kommen darbey

Vnd bas verfuͤrn den armen leyLaien, Nichttheologen, Ungelehrten. Vgl. Art. Laie 2), in: DWb 12, 78.

Denn vnterm schein vnd namen mein,

Weil mir all welt gefallen bey,

Auff das er koͤndt sein hundes har

Mit eintragen von jar zu jar,Redensartlich: Hundshaar eintragen = verfälschen, falsches Material mit einbringen (nach dem Verfälschen von Wolle durch Untermischen von Hundehaaren). Vgl. Art. Hundshaar, in: DWb 10, 1936.

Zu tilgen die Christliche ler,

Welchs jme woͤl wehren Christ der Her.

Jedoch so schoͤpffe ich wider trost

Von deme, das du gesagt hast,

Wie er vorsprechverwerfe, zurückweise. Vgl. Art. versprechen II.A.3.b), in: DWb 25, 1471. die Bibel mein,

Jn deme sie nicht Vertirtübersetzt. Vgl. Art. vertieren [II], in: DWb 25, 1911 (vgl. lat. vertere). sey rein.

Daraus, hoff ich, ein jederman

Wird spuͤren seinen falschen wahn,

Jn deme er schilt nicht mich allein,

Sondern die Veter all gemein,

Die du hie sichstsiehst. im himels tron

Mit Gott dem Vater vnd dem Son,

Dem heiligen Geist auch leben nu,

Darin sie haben ewig rhu.

Dennoch so thut er auch gewalt

Den gelerten, so noch in der welt,

Die warlich auch kein narren sein,

Ob er sich duͤnckt der kluͤgst allein,

Mit welcher huͤlff vnd trewem hortUnterstützung. Vgl. Art. Hort 4), in: DWb 10, 1835f.

Jch hab gedeutscht das Goͤttlich wort.

Jch gschweig itzt der Propheten zall,Zahl.

Die er luͤgenstrafft allzumall,

Die Apostel vnd Merterer gleich,

So itzt leben im himelreich,

Die all durch Christi leiden gros

Der suͤnd vnd straff sind worden los,

Darauff ich aber hoffe nu,

Das jme die leut nicht fallen zu,

Denn je noch Gott erhalten werdt

Noch sieben tausent man auff erdt,

So nicht beten den Baal an,Vgl. I Reg 19,18.

Folgen auch nicht dem schwartzen Man,

Der schlangen, so im Paradeis

Vns gantz von Gott vnd himels preis

Sondern,trennen, abbringen. Vgl. Art. sondern verb. 1), in: DWb 16, 1584. Vgl. Gen 3,1–24. hertzlich bedencken woll

Vorm Juͤngsten tag, wie es gehen sol,

Auch wie Deutschland verdienet hab

Gar grosse straff vnd harte plag,

Das der Teufel an allem ort

Zusetzt dem lieben Gottes wort

Mit Jnterim,Das Augsburger Interim von 1548 gestand den Protestanten für die Zwischenzeit bis zur endgültigen Entscheidung durch ein allgemeines Konzil den Laienkelch beim Abendmahl und die Priesterehe zu, verlangte ansonsten eine Rückkehr zur altgläubigen Lehre und zum altgläubigen Kultus. Das sog. Leipziger Interim war eine Vorlage für den Leipziger Landtag um die Jahreswende 1548/49, die dazu dienen sollte, den Forderungen des Kaisers nach Umsetzung des Augsburger Interims in Kursachsen möglichst Genüge zu tun, ohne evangelischen Glauben und Lehre zu gefährden. Insbesondere diese Leipziger Landtagsvorlage wurde zum Auslöser zahlreicher innerprotestantischer Streitigkeiten der Folgezeit. Vgl. allg. Joachim Mehlhausen, Art. Interim, in: TRE 16, 230–237; unsere Ausgabe, bes. Bd. 1 u. Bd. 2. Juͤdischem thandt,

Welch er itzt schickt in alle landt,

Welchs ich jn alsalles. zuuor gesagt,

Das sie nicht finge des Teufels wath.Netz, Schleppnetz, Garn. Vgl. Art. Wate [II], in: DWb 27, 2570f.

Hoff auch, sie werden folgen mir

Vnd bleiben, Jhesu Christ, bey dir.

Jn deinem netz vnd deinem garn

Wirstu sie ewiglich bewarn.

Speratus:

Luther, gros ist die weisheit dein,

Domit du weist all ding gemein,

Was hin, was itzt, was kommen sol,was vergangen, was gegenwärtig, was künftig ist.

Wie ich an deiner red hoͤr wol.

Aus Gottes geist du solchs hast,

Der alle ding zusamen fast,

Gleich wie ein kleull,Knäuel. Vgl. Art. Kläuel 1.b), in: DWb 11, 1031. darauff er windt

Die hendel aller menschen kindt.Wie ein Knäuel, auf das er die Schicksale aller Menschen aufwickelt.

Es wundert mich gentzlich von dir,

Das du so eigen sagest mir,

Wer der Ketzer vnd schuͤler sein,

Die zurtrennen die lere dein.

Drey person du hast genent,

So fuͤrnführen; hier = ausüben. des Teufels regiment,Herrschaft, Leitung. Vgl. Art. Regiment 1), in: DWb 14, 535–538.

Den Vater, Son vnd boͤsen geist,

Denn man sie billich also heist.

Jrn namen auch fein geben thun,

Was sie im schilde fuͤren nun,

Das sie schmiden ein suppen gut,Dass sie eine gute Suppe zusammenbrauen. Vgl. Art. Suppenschmied, in: DWb 20, 1240.

Die jnen macht ein stoltzen mut,

Blasen das fewer, schmeltzen woll,

Das eisen macht fett jren kholl.Zusammenhang nicht ganz deutlich: Sie blasen das Feuer an und schmelzen wohl, damit (erschmolzenes) Eisen ihr Anliegen stärkt (den Kohl fett machen meint eigtl.: einen Eintopf aus Kohl mit fettem Speck o. dgl. nahrhafter machen; im übertragenen Sinn: eine deutliche Stärkung/Verbesserung bewirken; vielleicht wird auch Kohle assoziiert, die ebenfalls als fett oder mager bezeichnet werden kann, allerdings nicht wegen des Eisengehaltes). Wenn man gliedern wollte: schmelzen wohl das Eisen, dann ergibt sich kein sinnvoller Zuammenhang für den Rest: macht fett ihren Kohl.

VulcanusDer römische Gott der Schmiede, hier anscheinend als der Teufel selbst aufgefasst; denn die drei Gehilfen werden in der Folge erst genannt. schmit in grosser eil.

Der GoltschmidtAndreas Aurifaber, geboren 1514 in Breslau (sein jüngerer Bruder war Johannes A. Vratislaviensis), studierte ab August 1527 an der Leucorea und wurde dort am 28. August 1534 zum Magister promoviert. 1539 wurde er Rektor in Danzig, 1541 in Elbing. 1542 ehelichte er in Wittenberg die Tochter des Druckers Hans Lufft, die 1549 an der Pest starb. Im Sommersemester 1543 wurde Aurifaber Dekan der philosophischen Fakultät. Mit einem Stipendium Herzog Albrechts I. von Brandenburg-Ansbach setzte er seine medizinischen Studien, die er bereits in Wittenberg aufgenommen hatte, in Padua fort, wo er am 1. Dezember 1544 zum Doktor der Medizin promoviert wurde. Im Folgejahr kehrte er nach Preußen zurück und wurde 1546 in Königsberg Leibarzt von Herzog Albrecht, auf den er großen Einfluss gewann; Aurifaber erhielt die Professur für Physik und (zunächst außerordentlich) Medizin an der 1544 gegründeten Universität, 1554 war er ihr Rektor; in den Jahren 1549 bis 1553 leitete er in Königsberg die Filiale der Wittenberger Druckerei von Hans Lufft. 1550 heiratete er in zweiter Ehe Osianders Tochter Agnes. Aurifaber starb am 12. Dezember 1559. – Vgl. (Wagenmann†) Gustav Kawerau, Art. Aurifaber 1, in: RE³ 2 (1897), 287f; Irene Dingel, Art. Aurifaber, 1) Andreas, in: LThK 1 (1993), 1256f. kompt mit seiner feil.

Die funckenZu Johannes Funck vgl. die Einleitung zu Nr. 3. stieben aus der Eß,

Machen dem Teufel gut gefreß.Speise, Fressen. Vgl. Art. Gefräsz 1), in: DWb 5, 2153–2155.

Das EichhornMagister Johannes Sciurus (Eichhorn), Mathematiker, Philologe, ev. Theologe, geb. um 1518 in Nürnberg als Sohn des Predigers an Allerheiligen Johann Eichhorn d. Ä. († 19. Dez. 1549), besuchte seit 1537 die Universität Wittenberg, ab Sommersemester 1542 die Universität Leipzig, dann wieder Wittenberg, wo er am 1. Sept. 1545 den philosoph. Magistergrad erwarb. Er bekleidete ab Wintersemester 1547 die zweite mathematische Professur in Königsberg, ab 15. Juli 1550 die Professur für Griechisch und Ethik, ab 1554 für Hebräisch und Theologie, zugleich wurde er Hofprediger Herzog Albrechts in Preußen und blieb dies nach der Niederlegung seiner Professuren 1558. Er war einer der Nachlassverwalter Osianders. Am 3. November 1564 starb er in Königsberg an der Pest (vgl. DBA I 1166,68–71; II 1208,351). – Der Drucker Johann Eichhorn (d. Ä.), Frankfurt/Oder, ist von dem Königsberger Theologen zu unterscheiden, obwohl Eichhorn auch Beiträge im osiandrischen Streit gedruckt hat. Beide dürften verwandt gewesen sein, denn der Drucker wurde in Nürnberg geboren, im Jahr 1524; er starb am 21. Aug. 1583 in Frankfurt/O.; vgl. Reske, 269f. glockenspeiseigtl. (flüssiges) Metall (in der Regel Bronze) für den Glockenguss; übertragen auch: eine Versammlung (allgemein oder von [geistlichen] Würdenträgern). Vgl. Art. Glockenspeise 1) und 3), in: DWb 8, 180f. zufuͤrt,

Das man dem Teufel salsenBrühen, Suppen, Soßen. Vgl. Art. Salse, in: DWb 14, 1702f. ruͤrt.

Der vater pfeifft, der sone, der tantzt,

Der boͤse geist gibt seinen glantz.

Das Eichhorn springt, ein nuͤßlin findt,

Gab es zu beissen seinem kindt.

Denn je billich der jrdisch Gottder irdische Gott = der Teufel. Vgl. II Kor 4,4.

Auch seinen eignen boten hat,

Des Teufels Eichhorn, wie man sagt,Die Vorstellung vom Eichhörnchen als Bote oder Zuträger des Teufels, wie sie hier als bekannt vorausgesetzt wird, konnte bislang andernorts nicht nachgewiesen werden. Eine Verbindung von Eichhörnchen und Teufel ist allerdings in volkskundlichen Kontexten geläufig und wird mit der roten Fellfarbe und der Geschwindigkeit des Tiers begründet. Im HWDA (II, 655–659) wird das Eichhörnchen v. a. als Gewitter- und Orakeltier behandelt. Vgl. außerdem die Redewendung Gott einen guten Mann sein lassen und den Teufel ein Eichhörnchen (vgl. HWDA II, 658; Verwandlung des Teufels in ein Eichhörnchen s. HWDA VIII, 835).

Das er auff allen strassen jagt,

Das fleissig ist im colligirn.sammeln, zusammentragen.

Was drey person hie geben fuͤr,

Der Ketzer LosianderOsiander, mit Anspielung auf lose = nichtsnutzig, sittenlos, böse. Vgl. Anm. 140. schwartz

Vnd sein Eidem, der hundes artzt,Eidam = Schwiegersohn. Agnes Osiander (* 1530 Nürnberg) war in erster Ehe mit Andreas Aurifaber verheiratet (vgl. oben Anm. 113) (in zweiter Ehe dann mit Johann Funck). – Hundesarzt: Aurifaber hatte 1545 die Schrift De cura canum herausgegeben: PHAEMONIS || ueteris Philosophi, Cynoso- || phion, seu de cura canum li- || ber, graece ac latine, ante hunc || diem nusquam alibi excu= || sus, interprete || ANDREA AVRIFABro || Vratislauiense, Me- || dico. || Accesserunt annotationes, quibus consilij ra- || tionem exponit, quare quaedam in codice || graeco, quo unico primum est || usus, mutarit. || VITENBERGAE APVD || Iohannem Lufft. [Im Kolophon: EXCVDEBAT IO- || annes Lufft Vitebergae || Anno Salutis M. D. || XLV. Calendis || Octobribus.] (VD 16 ZV 4335); seit 1546 war Aurifaber der Leibarzt Herzog Albrechts; diesem hatte er die Schrift auch gewidmet, nicht zuletzt weil er die Möglichkeit zum Medizinstudium einem Stipendium Albrechts verdankte: Non etenim satis habuit C.[elsitudo] T.[ua] ut me liberaliter in Germania aliquot annis cum familia aleret, sed in Italiam etiam grauibus impensis misit, ut ibi ad utilitatem publicam audirem Medicos doctissimos, et artis Medicae uaria exempla uiderem, denique coram uarietatem remediorum contemplarer in solo uberrimo. Libenter itaque profiteor, quicquid in me est, id omne C.[Celsitudini] T.[uae] Illustrissimae deberi. (AaO Bl. A3v–A4r). – Eine andere lateinische Fassung des Texts (ohne die griechische Vorlage) war bereits 1535 in Wien erschienen: KYNOSOPHION || AC OPVSCVLVM PHEMONIS, || de Cura et conseruatione Canum, per Nobilem et || excellentissimum virum, DominH Rudbertum a || Moshaim, DecanH Patauiensem, Grec£ et Lati= || n£ eruditissimum, I. V. Doctorem, Regium con= || siliarium, ) graeco in latinum translatum. || || Viennae per Io. Singrenium (VD 16 D 468).

Darzu auch Fungk,Johann Funck. Zu seiner Vita vgl. Einleitung zu Nr. 2, S. 56–59. ein loser man,

Die Christum, den Herrn, verraten han

Jm tausent vnd fuͤnffhundert jar

Ein vnd funffzig, sag ich fuͤrwar,

Leugnen sein tod vnd Rotes blut,

Welchs er vor vns vergossen hat.

Duͤrffen frey sagen offentlich:

Wie sol Christi tod helffen dich?

Denn er hat vor gantz so viel jarn

Gelitten, du nicht warst geborn,

Du warst mit sampt den Eltern dein

Viel weniger denn ein schatt vnd schein.

Jtzund vor funffzenhundert jar

Vnd neunzenthalbsachtzehneinhalb. sag ich fuͤrwar,

Wie kan sein blut deiner seel

Jtzund erst bringen trost vnd heil?

Wie kan, das so vorgangen ist,

Helffen dir mehr zu dieser frist?

Martinus:

O wehe dem Ketzer ewiglich!

Dem Teufel hat aus: ergeben.er geben sich,dem Teufel hat er sich ergeben.

Der Teufel hat die ketten gar

Zurissen,zerrissen. Zur Vorstellung, der Teufel sei in Ketten gelegt und werde in der Endzeit für eine bestimmte Zeit frei, vgl. II Petr 2,4; Apk 20,1–3. ist in jn gefarn.Zur Besessenheit durch den Teufel vgl. allgemein z. B. Mk 1,34; Mt 12,43–45.

O wehe, o wehe der seelen sein,

So leiden wird viel schwerer pein

Denn Judas, der Verreter Christ,

Den auch betrug des Teufels list.Vgl. Lk 22,3; Joh 13,2.

Viel schwerer suͤnd vnd moͤrderey

Bringt dieses menschen ketzerey,

Jn deme er nicht ein seel allein

Verfuͤrt vnd bringt in hellisch pein.

Darumb er auch sein marter gros

Vormehren thut an alle maß

Solchs alsalles. gehoͤret haben an

Die lieben Veter, so da stan,stehen.

Verwundern sich mit mir zugleich,

Wie jmmer wachs des Teufels reich,

Wie vnuorschempt er liegenlügen. thu,

Das er der Kirchen mach vnrhu,

So Christi Blut erbawet hat

Vnd sie vom todt zum leben bracht.

Kein groͤsser luͤgen je sein kan,

Denn so itzt leugt der gottlos Man

Von Christi leiden vnd auch todt,

Das vns nicht helffen sol in nodt

Sein schweis, sein blut vnd grosser schmertz,

So er trug an seim leib vnd hertz.

Mich wundert, das du hellischer fuͤrst

Jtzund so gar vorgessen wirst,

Zeuchst aus Judea in Deutsch landt

Vnd kommest mit deim narrentandt.

Jtz glaub ich, das du gantz sinlos

Dich flickest mit der Juͤden glos.dich entschuldigst mit der jüdischen Auslegungstradition. Vgl. Art. flicken 8), in: DWb 3, 1776.

Auffs luͤgenmaul gibstu nicht acht,

Damit zureistu dein eigen macht.

Machs alzu grob vnd widern sin,

Das all dein macht felt itzt do hin

Als sprew vnd staub, vom windt geweht.

Jtzund dein Reich gantz vntergeht.

Jst das denn nu ein wunder nicht,

Das itzundt felt der Boͤsewicht,

Sein list, sein kunst, sein triegerey,

Domit er vor hat mancherley

Die leut gefurt, geblendet gar,

Nimpt nicht seins eigen schadens war.

An tag ist er nicht kommen mehr

Mit luͤgen vnd mit falscher lehr

Denn eben itzt zu dieser frist,

So in der welt der Antichrist

Lebt vnd regirt gewaltiglich.

Vormeint, man sol es mercken nicht,

so es doch moͤcht ein blinder Man

Greiffen, ob ers nicht sehen kan.Redensartlich, vgl. Art. greifen II.B.2), in: DWb 9, 26f.

Was nu hieraus erfolgen wil

Vnd wie er selbst vorterb sein spil,

Sich schlegt ins maulsich selbst Lügen straft, sich selbst als Lügner zu erkennen gibt. Redensartlich, vgl. Art. Maul 7.o), in: DWb 12, 1793. vnd liegen heist,

Wie er denn ist ein luͤgengeist.

Denn sol nicht helffen Christi todt,

Was wird es auch alhier sein not,

Die Erbsuͤnd hoch zu ziehen an,

So Adam erbt an alle Man?

Speratus:

Luther, du thust erinnern mich

Der red, so droben hoͤret ich

Starcker hoffnung vnd trostes vol,

Wie es gantz nicht gelingen sol

Dem Ketzer, so itzt leugt geschwindt

Vnd als des Teufels hoffgesindt

Wolt dir auch bald gesaget han,

Wie es darumb itzt werwäre. gethan

Jn der welt vnd Preussen landt,

Do dann der Kertzer lebt zuhandt,sogleich, sofort; hier: gegenwärtig, zur Zeit. Vgl. Art. zuhand, in: DWb 32, 450.

Wo nicht die troͤstlich rede dein

Verzogenverändert. Vgl. Art. verziehen D.6), in: DWb 25, 2611. Evtl. auch: meine Meinungsäußerung verzögert, hinausgezögert (?). het die meinung mein,

Dieselb gesterckt, gebessert auch,

Das mich dunckt, so du lebest noch,

Dem Ketzer wuͤrdest wehren wol,

Ob er sey thoͤricht oder toll.

Denn itzt in gantzem Preusser landt

Niemandt glaubt, annimpt seinen thandt,gehalt-, wertloses, täuschendes Gerede. Vgl. Art. Tand 2.b), in: DWb 21, 104.

Allein der Fuͤrst, gantz hochgeborn,

LosanderOsiander. Entstellt unter Anspielung auf lose = nichtsnutzig, sittenlos, böse. Vgl. Art. lose II.5), in: DWb 12, 1184. kraut jn hintern ohrnschmeichelt ihm, beschwatzt ihn. Vgl. Art. krauen II.2.b), in: DWb 11, 2087; Art. Ohrenkrauer, in: DWb 13, 1256f.

Mit seinen gesellen vmb jn her.

Hoff aber, Gott sol jn bekern,

Das er dem schelmenSchurken. Vgl. Art. Schelm 3), in: DWb 14, 2507f. also gram,

So lieb als jm ist Gottes nam,

Sol werden dass er dem Schelm ebenso gram werden soll, wie ihm Gottes Name lieb ist, vnd sie jagen all,

Das jn dhosendie Hosen. vnd schue entfaln.

Sol folgen dem getrewen rath,

So Gott der Herr jm geben hat

Durch die Fuͤrstin gantz hoch geborn,

Die jm zum gmahl ist auserkorn.auserwählt, ausersehen. Vgl. Art. auserkiesen, in: DWb 1, 851. Am 16. Februar 1550 hatte Albrecht in zweiter Ehe Anna Maria von Braunschweig-Calenberg-Göttingen geheiratet, geb. 23. April 1532 in Münden, gest. 20. März 1568 [sic] in Neuhausen (heute Гурьевск [Gurjewsk]) bei Königsberg. Sie verfasste 1563 einen Fürstenspiegel für ihren Sohn Albrecht Friedrich. Vgl. Ruth Scheller, Die Frau am preußischen Herzogshof (1550–1625), Köln 1966 (Studien zur Geschichte Preußens 13), S. 29–71.

Denn sie ein Fuͤrstin tugentreich,

Die armen liebt, Gott fuͤrcht zugleich,

Die Ketzer sie wil hoͤren nicht,

Glaubt, was Got durch sein wort vorspricht.verspricht, verheißt.

Des gleichen auch sein Tochter zart

Aus hertzen grundt liebt Gottes wort.Hier muss die Tochter Albrechts aus erster Ehe (mit Dorothea von Dänemark und Norwegen), Anna Sophie, geb. 11. Juni 1527 Königsberg, gemeint sein; am 24. Februar 1555 heiratete sie in Wismar Herzog Johann Albrecht I. zu Mecklenburg (gest. 12. Februar 1576 in Schwerin); sie starb am 6. Februar 1591 auf ihrem Witwensitz in Lübz und wurde im Schweriner Dom bestattet. (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Anna_Sophie_von_Preu%C3%9Fen, zuletzt besucht 10.10.2022) Martin Stupperich vermerkt (Osiander in Preußen, S. 183, Anm. 98): Der preußische Student in Wittenberg Erhard von Kunheim wagte es sogar, Anna Sophia, die Tochter des Herzogs, vor den Umtrieben des Satans zu warnen, die augenblicklich in Preußen zu beobachten seien. – Albrechts Tochter aus zweiter Ehe, Elisabeth, wurde am 20. Mai 1551 geboren und starb am 19. Februar 1596. (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Albrecht_(Preu%C3%9Fen) zuletzt besucht 10.10.2022).

Wird folgen auch dem trewen rath,

Den jm der Churfuͤrst zu Sachssen hat

Gegeben durch die glerten sein.Vgl. CENSVRAE || Der Fuͤrstlichen || Sechsischen Theologen zu || Weimar vnd Koburg. || Auff die Bekendtnis des || Andreae Osiandri. || Von der Rechtfertigung || des Glaubens. || Zu Erffurd / bey || Geruasius Sthürmer / Gedrückt. || Anno M. D. LII. [114 Bl. 4°] (VD 16 ZV 10866). Darin sind drei Gutachten enthalten, das eine verfasst von Justus Menius, der auch das Vorwort schrieb, die beiden andern vermutlich von Viktorin Striegel und Erhard Schnepf. (Stupperich, Osiander in Preußen, S. 288, mit Anm. 116–118). Möller, 496f, bemerkt zu den Vorgängen in Sachsen: Zu einer synodalen Verhandlung kam es auch hier nicht, sondern es wurden den Herzögen drei Gutachten eingereicht. Die bedeutendsten herzoglich sächsischen Theologen, darunter auch Amsdorf, bekannten sich aber durch Unterschrift zu allen dreien. Obgleich es in diesen Gutachten nicht an schiefen Auffassungen und ungerechten Urtheilen über Osiander fehlt, halten sie sich – namentlich das des Menius – im Ganzen ziemlich sachlich. Sie treten aber durchaus auf die Seite der Gegner Osianders. – Vgl. oben die Einleitung 1, S. 446f.

Des wird er sich erinnern fein

Vnd folgen auch der Ritterschafft,

Die bestendig ist aus Gottes krafft,Er wird sich als Miles Christianus bewähren. Vgl. entsprechende biblische Motive in II Kor 10,3–6; Eph 6,13–17; I Thess 5,8; II Tim 2,3–5; ferner das Enchiridion militis Christiani des Erasmus von Rotterdam.

Den Ketzern widersprechen thut,

Vnd solt es kosten leib vnd blut.

Es sol jn auch bewegen thu

Der gemeine Man, so hoͤret zu.

Wenn Moͤrlin predigt Gottes wort,

Das man vorhuͤt auffrhur vnd mordt,

Darumb es auff die rede dein

Jtzundt kompt, liebster bruder mein.

Vnd weil es also Gott der Herr

Geschicket hat, so wolt ich gern

Hoͤren von dir, wie jme zu thun,

Das man den Ketzer finge nun

Mit seinem netz vnd stricken arg,

Das es jme gieng durch bein vnd marck.

Wie du denn angefangen hast,

Zu erweisen seine luͤgen fast.

Martinus:

Sperate, von dir hoͤre ich itzt,

Das aldo sey ein Lerer nutz,

Jochim Moͤrlin, ein glerter Man,

Dem Ketzer thut verhawenversperren, verbarrikadieren. Vgl. Art. verhauen 5), in: DWb 25, 540. die ban,

Wie er denn that im leben mein.im Leben mein = zu meinen Lebzeiten.

Danck Gott, das er bstendig sey

Nach vngluͤck, viel verfolgunge schwer,

Die er erlitten vmb die lehr.

Darin sihestu, wie wunderbar

Der Herr Gott mit den seinen fahr,verfahre. Vgl. Art. fahren 12), in: DWb 3, 1253–1255.

Das, ob er schon den Ketzer boͤß

Raum geben, gleichwol er erloͤß

Die Christen vnd die Kirchen sein,

Die Christi blut erkaufft allein,

Darneben auch gibt Lerer trew,

So fort farn anohne. alle schew.

Lehrn Christum, der am Creutze hing,

Den Tod, den Teufel er da fieng,

Welchs ist der weg zum himel schlecht,

Die warheit vnd das leben recht,Vgl. Joh 14,6.

Wie all Propheten sagen thun

Vnd auch das himlisch heer darzu,

Das von nu an in ewigkeit

Dancke Gott vnd lobe in ewigkeit

uͤuͤr sein demut vnd guͤte groß

Jn deme er ist geboren bloß,

Ein mensch von einer Jungfraw rein,

Vnd hat erloͤst das gschoͤpffe sein.

Darumb ich dir von hertzen gern

Wil sagen nach all deim begern

Wie vnuorschemt der Teufel leugt

Vnd der Ketzer die leut betreugt,

Jn dem das er das leiden Christ

Gentzlich vorwirfft zu dieser frist,

Darumb, das es nu lang ist geschen,

Sols vnser heil gar nichts angehn.

So frag ich nu den Teufel klug,

Den Ketzer auch, der ist sein pflug,Werkzeug, Handlanger. Vgl. Art. Pflug 3), in: DWb 13, 1776f.

Daran er keiletintensiv arbeitet; nach immer mehr strebt. Vgl. Art. keilen 2.b), in: DWb 11, 449f. tag vnd nacht,

Das itzt himel vnd erden kracht,

Ob nicht alhier auch gelten wolt,

Das die Erbsuͤnd vnd auch jr soldtder Tod, vgl. Röm 6,23.

Auch schaden koͤnnen Menschen kindt.

Denn es nu gantz viel jare sind,Denn es ist noch viel länger her

Da Eua brach den apffelbeiß,aus: apfel beiß.Apfelbissen. Vgl. Art. beis 1), in: Fnhd. Wb. 3, 984.

Denn da Christus von blut lies schweis.

Solt solches denn nicht helffen mich

So wird mir jens auch schaden nicht,

Wie viel es nu gantz lenger ist

Vier tausent jar, das ist gewis.

Sieh, wie stelt sich der Boͤse geist,

Der Gott den Herrn itzt liegen heist.

Er kroͤmptkrümmt. Zur Form vgl. Art. krümmen 1.b), in: DWb 11, 2457. sich, windwindet. sich wie ein schlang.

Erst wird jm nu rechtschaffen bang.

Denn wie es jme gelingen sol,

Das wird er kuͤrtzlich fuͤlen wol,

Das er mutwillig vnd gantz frech

Ein luͤgener schilt vnd vngerecht

Gott, seinen Herrn, ins himels thron.

Der wird jm geben rechten lohn.

Denn solt man hie dem luͤgen-VogtVogt = Anwalt, Advokat. Vgl. Art. Vogt 1), in: DWb 26, 437f.

Folgen, so wird auch vnser Gott

Geschendt, geschmecht,geschmäht. gelestert sehr

Vnd jme genomen all sein ehr.

Die Bibel auch, der warheit buch,

Wird nicht mehr gelten als ein tuch,

So man die schuh an wischen thut.

Mit fuͤssen trit man Christi blut.

Viel besser es dem Teufel wehr,

So er leugnet Christum, den Herrn,

Gentzlich vnd gar, wie Tuͤrcken thun,

Ließ jm kein ehr vnd keinen rhum,

Oder mit EpicuroDer altgriechische Philosoph Epikur galt in der Vulgärrezeption als Vertreter eines atheistischen Hedonismus. freß,fräße, sich irdischen Genüssen hingäbe.

Obals ob. Vgl. Art. ob coniunction II.A.2.a), in: DWb 13, 1052f. gar kein Gott im himel seß,

Denn das der hellisch hundt itzt bilt,bellt. Vgl. Art. bellen 1), in: DWb 1, 1451f.

Gott ehren wil vnd Christum schilt,

Sein ehr vnd sein gerechtigkeit,

Damit den Menschen er gefreit

Von Suͤnd, von Tod, Teufel darzu,

Das kan der Schelmverworfener Mensch, Verführer, Betrüger. Vgl. Art. Schelm 3.a.α), in: DWb 14, 2508. nicht leiden nu,

Darumb er denn so vngereimptkonfus, absurd. Vgl. Art. ungereimt 2.a.γ), in: DWb 24, 814f.

Jtzt leuget, das die erde greint,weint. Vgl. Art. greinen I.C.6), in: DWb 9, 61.

Der himel kracht vnd brechen wil.

Die Creatur thut schweigen stil,

Rufft stets zu Gott vnd seinem Son,

Das er sie wolt erloͤsen thun

Mit seinem gricht vnd Juͤngsten tag,

Wie er jn solchs hat zugesagt.Vgl. Röm 8,19–22.

Speratus:

Das heist dem Teufel treug geschorntrocken geschoren (ohne zuvor einzuseifen), geprellt, übervorteilt. Vgl. Art. scheren I.4.h.β), in: DWb 14, 2576f.

Vnd dem Ketzern, von jm geborn,

Jn deme das er nicht liegen kan.

Die Erbsuͤndt, so ein jederman

Von mutter leib bringt in die welt,

Wie Dauid sagt, der trewe held.Vgl. Ps 51,7.

Auch Moses, von Gott auserkorn,

Spricht, das daher kom Gottes zorn,

Wie solchs alles der Teufel weis.

Denn er die Suͤnd im Paradeis

Geschaffen hat vnd kriget rechtVerfügungsgewalt, Verfügungsrecht. Vgl. Art. Recht I.4.f), in: DWb 14, 370f.

Vber das gantze Menschlich gschlecht,

Darumb man jm gantz recht einhelt

Die Erbsuͤnd vnd jn darmit felt.

Martinus:

Du sagest recht, vnd ist auch war.

Denn wo die kranckheit geht zuuor,

Die ertzney auch bald folgen mus,

Das nicht draus werd ein boͤser flus.böser Fluss = chronische Krankheit, von Eiter o. dgl. begleitet. Vgl. Art. Flusz 3.c), in: DWb 3, 1856.

Die kranckheit gibt der Teufel zu,

Ertzney er vns mus lassen nu.

Da steht die Suͤnd vnd Gottes zorn,

Sagen, all menschen sind verlorn

Von Adam bis zum letzten kindt,

So die mutter im leib empfindt.

Da steht auch Gottes grechtigkeit,

Vordampt Menschen in ewigkeit,

Verurteilt jn zur straff vnd pein,

Die ewig vnd anohne. endt sol sein,

Vnd wil, das er gantz gnug thun sol

Vnd buͤssen vor die Suͤnde wol,

Wil auch jr recht nicht lassen nach,

Er werde denn gestraffet auch

An leib vnd seel, wie er vordient.

Solt ewig sein des Teufels kindt.

Vnd solt solch zorn Gotts sein gestilt,

So muste vor das werden wild,so musste (der Zorn) zuvor ausbrechen, wirksam werden. (?)

Das Gott auch an dem fleisch vnd blut

Wolt straffen solchen vbermut,

Vngehorsam vnd auch Suͤnde gros,

Solt er des vrteils werden los.

Dieweil denn solchs vnmuͤglich war,

Das man solt in der Menschen schar

Ein Man finden, der Gottes zorn

Tragen solt vnd sein geborn

Von Adam, dere nu suͤnden vol,

Da bdachte Gott der Herr gantz wol,

Das alda were kein ander rath,

Dardurch er huͤlff des Menschen not,

Denn so sein Son quemkäme. in die welt,

An denen sich der Suͤnder helt,

Nem an sich das menschliche fleisch.

Darzu jn trieb die liebe heis,

Die er zu vns getragen hat,

Ehe denn die welt gegruͤndet wardt,

Vnd lideerlitt. auch den bittern todt,

Dardurch er hat versoͤnet Gott;

Den Tod, den Teufel vnd die Hell

Dardurch gebracht in gross vngfel,Schaden, Verderben, Widerwärtigkeit. Vgl. Art. Ungefall II.2.a), in: DWb 24, 665.

Das sie nu gantz verlorn jr recht.

Gott liebet das Menschlich gschlecht

Vmb seines Sones wiln allein,

Dieweil er auch hat fleisch vnd bein

Vnd blut, so er genomen hat

Von der Jungfraw Maria zart,

Das also Gott in ewigkeit

Vnd seine gstrenge gerechtigkeit

Genug than vnd bezalet hat

Christus, der ware Mensch vnd Gott,

Was der mensch hat verbrochen all,

Da jn der Teufel bracht zu fall.

Vnd also gantz gerochengerächt, geahndet. Vgl. Art. rächen II.2), in: DWb 14, 22f. ist

Des Teufels mord vnd boͤse list.

Ob er den Menschen btrogen sehr,

So macht jm Christus solchs zu schwer

Durch sein Menscheit vnd bittern todt,

Das er vns huͤlff aus aller not.

Johannes Christi Teuffer ist,Vgl. Mt 3,13–17; Mk 1,9–11.

Entdecket auch des Teufels list,

Jn deme er gentzlich zeugen thut,

Das vns rein macht Christi blut.Vgl. Apk 1,5.

Christo dem Herrn den weg bereit

Vnd jn darzu mit fingern zeigt

Das der Mannaus: Mam. Gottes LemlinLämmchen. Vgl. Art. Lämmlein, in: DWb 12, 86f. sey,

Das vns von allen suͤnden frey.befreie, frei mache. Vgl. Art. freien [I], in: DWb 4, 104f. Vgl. Joh 1,29.36.

Jst also endlich zum beschluß

Christus der Mensch die rechte buß,

Das recht opffer, so Gott gefelt.

Hat jm versoͤnt die gantze welt,

Das die Natur, der Gott war feindt,

Jtzunder ist sein liebster freundt.Vgl. Röm 5,6–10.

Der er zuuor verboten het,

Das sie ins Paradeis nicht tret,Vgl. Gen 3,23f.

Die setzt er zu der rechten sein,Vgl. Mt 26,64.

Gibt jr den himel ewig ein.

Das fleisch, so er dann werden wolt,

Dem wird nu Gott der Herr gantz holdt,

Das er jme gentzlich vbergeb

All gewalt im himel vnd auff erd.Vgl. Mt 28,18.

Solchs alles kanstu luͤgengeist

Nicht leugnen, denn du es wol weist.

Hast auch erfarn mit schaden gros,

Da er dir gab einen harten stos

Vor deinen kopff, das gentzlich kracht

Die Helle vnd Teufflische macht.

Wust nicht, wo du solt fliehen hin,

Das du moͤchts diesem Held entgehn.

Die Helle dir zu enge war,

Des freut sich der AltueterPatriarchen. Vgl. Art. Altvater, in: DWb 1, 274. schar,

Die dann Christus mit jme zugleich

uͤuͤrt in seins Vaters ewig reich.

Die thun sich itzt verwundern sehr,

Das du bringst newe luͤgen her

von einer newen gerechtigkeit,

Die ausser Christi menscheit bleibt.

Allein bey Gott sie niemandt erbt,

Der nicht mit Christi blut geferbt.

Sein leiden steckst vnter die bancklässt du unter den Tisch fallen. Vgl. Art. Bank 1), in: DWb 1, 1106–1108, bes. 1107.

Vnd bringst zu marckt dein Teufelsstanck.

Meinstu, es werde schencken dir

Solchs Gott, wenn er zum gericht schir

Wird kommen vnd zuknirschen gar

Dein kopff, das globgelobe, verspreche. ich dir fuͤrwar,

Vnd mit den Ketzern stossen wol

Jn ewig fewer vnd hellisch pful.Vgl. Apk 19,20; 20,10.14f; 21,8.

Speratus:

Dein red ich hab gehoͤret an,

Martine, theurer Gottes Man.

Wie du mit gutem grundt vnd schrifft

Gewaltig all des Teufels gifft

Erlegetunwirksam gemacht, abgetötet. Vgl. Art. erlegen 3), in: DWb 3, 898. vnd zu nicht gemacht,

Vnd auch den Ketzer dahin bracht,

Das er schamrot sich schlagen mus

Jns luͤgenmaulsich selbst für die eigenen Lügen öffentlich strafen. Vgl. Art. Maul 7.o), in: DWb 12, 1793. vnd JudeJudae, des Judas. kußVgl. Mt 26,47–50; Mk 14,43–46; Lk 22,47f.

Bekennen thun, damit er hat

Verkaufft die Goͤttlich Maiestat,

Die Menscheit Christi mein ich itzt,

Die Gott zu seiner rechten sitzt

Vnd vns inn himel bringen thut

Durch sein Marter vnd rotes blut,

Wie du denn gentzlich hast erklert

Vnd solchs mit Gottes wort bewert.

Des wir auch, liebster Bruder mein,

Nu in erfarunge kommen sein,

Leben mit Gott in ewigkeit

Vnd preisen seine guͤtigkeit

Mit allen auserwelten schon,

So leben in des himels thron.

Martinus:

Sperate, du bald hoͤren wirst,

Was sagen wird der himelfuͤrst,

So tregt den Zepter vnd die kron,

Die Jhesus Christus, Gottes Son,

Auffsetzen solt, nachdem er het

Den Suͤnder von dem Tod erret.

Gabriel:

Von aller Engel wegen ich,

Herr Jhesu Christ, bekenne dich,

Ein waren Gott vnd Mensch darzu.

Ob solchs die welt nicht glauben thu,

So zeuget solchs das himlisch heer,

Erkent dich jren Gott vnd Herrn.

Recht bin ich GabrielDer Name des Erzengels Gabriel (גַּבְרׅיאֵל) bedeutet Gott ist meine Stärke. genant,

Denn mich Gott in die welt gesandt

Mit Gottes sterck, mit Gottes krafft

Zu einer Jungfraw tugenthafft,

Die ein Mutter solt werden schon,

Geberen Gottes lieben Son

Von jrem zarten fleisch vnd blut,

Dem Suͤnder arm allein zu gut.Vgl. Lk 1,26–38.

Der Herr vnd Heilandt Jhesus Christ

Jn Mutter leib entpfangen ist,

Geboren in der letzten frist,Vgl. I Petr 1,18–21; Hebr 1,1–4.

Vnd solchs allein vom heiligen Geist,

Das er im fleisch erloͤst das fleisch,

So Adam hett mit suͤndt beschmeist.beschmutzt, besudelt. Vgl. Art. beschmeiszen, in: DWb 1, 1582–1584.

Darumb er tregt die kron der ehrn,

Gegeben jme von Gott dem Herrn.

All Creatur sich wundern thut,

Das Gott, der ist das ewig gut,

Die menscheit angenomen hat

Aus Gottes willen vnd auch rath,

Das nu Mensch worden Gottes Son,

Den Menschen bracht ins himels thron,

Das Gott vnd Mensch ein ding nu sey,

Vom Tod, Teufel vnd Helle frey.

Christus, der Mensch, ein Heilandt ist

Der Engel heut zu dieser frist.

Englischengelhafte, den Engeln eigene. Vgl. Art. englisch 1), in: DWb 3, 481. natur kein vortheil hat

Jm himel, denn den Menschen Gott

Jm gleich gemacht gantz vberall.

Darumb wir nu mit grossem schall

Gott loben, ehren, preisen thun

Jn ewigkeit an vnterlohn,ohne Unterlass.

Das er erloͤse das geschoͤpffe sein

Vom tod, auch von ewiger pein,

Vmb Christi Menscheit mir zuhandtsogleich. Vgl. Art. zuhand, in: DWb 32, 450.

Geschenckt das ewig Vaterlandt.Vgl. Phil 3,20.

Martinus:

Sperate, kom, lass vns auch gehn,

Das wir Gott, vnsern Herren, sehn,

Die Patriarchen freudenvol.

Mit den Altuetern hoͤre ich wol

Apostel vnd auch Merterer trewe

Bekennen Christum all auffs newe,

Das er, der ware Gottes Son,

Ein warer Mensch auch sey geborn.

Der Christen Sabbath nicht vorgehtvergeht.

So lang das ewig leben steht.

Darinn sie sehn mit wunder groß,mit großer Verwunderung. Vgl. Art. Wunder I.2.a.β), in: DWb 30, 1785f.

Wie sie der Son Gotts hat erlost

Demuͤtig, nidrig gantz vnd gar,

Denn solchs des Vatern wille war.

Des guͤtigkeit sie loben schonschön (adv.). Vgl. Art. schon, in: DWb 15, 1459f. Vgl. Luthers Dichtung: Christum wir sollen loben schon, AWA 4, Nr. 16, S. (74f) 210–213.

Mit den Engeln ins himels thron.

Den Geist, heilig vnd tugentreich,

Sie loben vnd ehrn innigleich.von Herzen. Vgl. Art. inniglich 2), in: DWb 10, 2136.

Adam:

Nach deme ich in dem Paradeis

Mit meinem weib den apffel beiß,

Fiel ich in Suͤndt vnd Gottes zorn.

Das ich vnd all mein kindt verlorn,

Wohewo, sofern, wenn. sich Gott nicht erbarmet mein,

Der mir gab die verheissunge sein

Von weibes Samen, ist gewis.Vgl. Gen 3,15 (im Kontext).

Domit er meint den Herren Christ.

Sein Son, der ware Gott von art,

Jnn ewigkeit geboren ward,

Der solt mir helffen aus der not,

Durch sein Menscheit die Suͤnd vnd todt

Auffheben vnd vortilgen gar,

Mich bringen an der Engel schar,

Welch er denn als ein trewer Gott

Gehalten vnd erfuͤllet hat.

Denn nu vom weib geboren ist

Der Herr vnd Heilandt Jhesus Christ;

Des weibes fall gerochen hat,

Jn deme er, warer Mensch vnd Gott,

Der schlangen kopff zurtretten gantz,Vgl. Gen 3,15.

Leucht heller als der Sonnen glantz.Vgl. Mal 3,20; Lk 1,78.

Der ist allein heilig, gerecht,

Erloͤset hat das Menschlich gschlecht.

Darumb lacht mir mein hertz im leib,

Das ich nu sehe mit meinem weib

Mein fleisch, mein blut ins himels thron

Regiren, das ist Gottes Son,

Vom heiligen Geist heilig vnd rein

Empfangen in Marie leib,

Geboren vnd ans Creutzes stam

Mir widerbracht all meinen sam,

All meine kindt, so glauben thun

An Jhesum Christum, Gottes Son.

Deme sey lob, ehre in ewigkeit

uͤuͤr sein grosse barmhertzigkeit.

Abraham:

Von Adam bin geboren ich.

Die Erbsuͤnd auch vordammet mich,

Vnd mein nachkommen alzumal

Warn ins Teufels strick gefalln,

Das sie verloren in ewigkeit,

Trugen schwer pein vnd hertzenleidt.

Das kondt die Goͤttlich Maiestet

Nicht sehen, mir vorsprechen thet

Durch einen Segen gnadenreich,

Der war der ersten zusage gleich:

All Voͤlcker, so auff erden sein,

Die segne ich im namen dein,Gen 12,3; 18,18.

Sprach Gott der Herr durch seinen mundt,

Das heil werde der Suͤnder wundt.damit die Wunde der Sünder heil werde.

So sol kommen der starcke Helt,

Der selig macht die gantze welt,

Aus deinem Samen, blut vnd fleisch,

Des armen Suͤnders rechte speis.

Dein Samen wil ich so vormehrn,

Wie viel im himel sein der stern.Vgl. Gen 15,5; Gen 22,17f.

Das er mir bald zum zeichen gab

Mein namen, denen ich noch hab.

Abram, sagt er, groß Hoheit heistDer Name אַבְרָם ist wahrscheinlich auf die Komponenten אָב (= Vater) und רום (= hoch, erhaben sein) zurückzuführen. Die Bedeutung ist nicht eindeutig geklärt, vgl. R[onald] E[rnest] Clements, Art. אַבְרָהָם, in: ThWAT 1 (1973), 53–62, bes. I, Sp. 54f; Thomas Hieke, Art. Abraham, in: WiBiLex (https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/12288/; zuletzt besucht 17.09.2020); Erhard Blum, Art. Abraham I. Altes Testament, in: RGG4 1 (1998), 70–74, bes. 70.

Du heist nu Abraham im geist,

Dieweil du aller voͤlcker solt

Ein vater, das jnaus: jm. Gott werd holdt,

Werden vnd sie auch leren fein

Glauben an Gott, den Herren dein.Vgl. Gen 17,4–7.

Des Heldes, der all Suͤnd nimmet hin,

Geboren von Maria zart,

Das mich dann der ewige Gott

Reichlichen nu gewehret hat,

Das ich ein Vater worden bin

Des Heldes, der all Suͤnd nimmet hin,

Geboren von Maria zart,

Der aller Menschen Troͤster wardt,

Am Creutz beweist die liebe sein.

Sein blut macht alle Suͤnder rein,

Das ich nu sehe ein menge groß

Der glaubigen in meinem schoß,

So gleuben in den Samen mein,

Der Jhesus Christus ist allein,

Ewiger Gott, dem Vater gleich,

Lebt vnd regiert im himelreich.

Dem sag ich danck, lob vnd auch preis,

Darzu auch dem heiligen Geist

uͤuͤr seine gnad vnd wolthataus: wothat. gros,

Das er das Menschlich gschlecht erlost,

Lest es leben ewig mit jm,

Das es jn lobe mit heller stim:

Heilig, gerecht ist vnser Gott,

Barmhertzig durch sein ewig Wort,

Den heiligen Geist er vns geschenckt,

Der vns troͤstet ewig anohne. endt.

Esaias:

Was Gott Adam vnd Abraham

Zusaget von des weibes Sam,

Do ers wolt als ein trewer Gott

Halten nach seim Goͤttlichen wort

Vnd schicken nu den Risen starck,

Der vmbrechte die Schlangen argk,

Offenbart mir der heilige Geist

Des hohen wercks weg vnde weis

Vom empfengnis vnd der geburt,

Bey menschen kindt vorzuvor, vorher. nicht erhort,Vgl. Jes 7,14.

Auch von leiden vnd marter gros,

So die arm schwache Menscheit blos

Nicht tragen kundt,Vgl. Jes 53,4f. verzweifelt baldt

Vnd wurd zuteil der schlangen alt,

So er nicht auch wer Gottes Son,

Der kuͤndte tragen Gottes zorn,

Die Suͤndt, Teufel vnd auch den Todt,

Tilgen vnd stillen vnser nodt,

Welchs werck ein gros geheimnus hat

Das alleine Gottes Maiestat

Vorstehet vnd volnbringen kan

Vnd sonst auff erden nie kein Man.

Auch die wir itzt den Engeln gleich

Christum sehen im himelreich

Verwundern vns in ewigkeit

Gottes grosser barmhertzigkeit,

Das er inn seim Goͤttlichen rath,

Ehe denn die welt, beschlossen hat

Zu kommen in das Menschlich fleisch,

Wie mir gesagt der heilig Geist:

Empfangen wird ein Jungfraw rein

Geberen auch ein Soͤnelein.

Emanuel sein namen ist.Vgl. Jes 7,14. Immanuel = Mit uns Gott.

Der Mensch vnd Gott ist Jhesus Christ.

Gott mit vns

Denn er Erloͤst der Suͤnden knecht.

Wunderlich er sie gefreitbefreit.

Durch trewen Rath, so er mitteilt,

Ein Vater vnd ein starcker Gott,

Der ewig leben in sich hat,

Welches er gibt ewig an endt.

Die er mit seinem blut besprengt,

Denn wir an leib vnd seel verwundt,

Durch sein Blut sein worden gesundt,

Jn deme das liebe LemeleinLämmlein, Lämmchen.

Vor vns bezalt die schwere pein,

So vns Gott auffgeleget hat

uͤuͤr vnser Suͤnd vnd missethat.

Das opffer ist er worden gern,

Domit vorsuͤnet Gott den Herrn,

Wers gleubet vnd bekennet jn.

Den himel Gott wil geben jm

Vmb Christi willen, seines knecht,

Der fuͤr jme ist allein gerecht.

Darumb dem aller hoͤchsten Gott

uͤuͤr sein gnad vnd groß wolthat

Sey lob vnd danck zu aller frist,

Das du, O Herre Jhesu Christ,

Geboren bist, gelitten hast,

Darzu erwuͤrgt den boͤsen gast,

Die Suͤndt, den Teufel vnd die Hell,

Das der Mensch nu sey dein gesel,

Lebe mit dir gantz Bruͤderlich

Vnd mit dem Vater ewiglich,

Auch mit dem heiligen Geiste schon

Sey froͤlich in des himels thron.

Lobt Gott vnd singt mit grossem schall,

Wie thun die lieben Vater all:

Heilig, heilig ist vnser Gott,

Ewig bleibt sein Goͤttlich wort!

Petrus:

Christus der Herr mir geben hat

Die schluͤssel zu des himels pfort,

Dieweil er noch auff erden ging

Vnd ehe denn er am Creutze hieng,

Da ich sein Juͤnger war zuhandt.

Vertraut mir auch das hoͤchste pfandt.

So du mich liebst, sprach er zu mir,

Mein Schafe weid, befelh ich dir.Vgl. Joh 21,15–17.

Sagt das dreymal vorgebens nicht,

Denn er kendt wol den Boͤsewicht,

Den Teufel, so wurd schleichen nach

Den Schaffen, sie stecken in rach.Vgl. I Petr 5,8.

Vnd das er auch von mir erfuͤr,

Ob ich wolt gehen ein zur thuͤr

Jn Schaffstal vnd nicht brechen ein,

Wie alle Dieb thun in gemein,Vgl. Joh 10,1.

So fragt er mich vmb seine lehr

Vnd von wannen das er wol wer.

Darauff ich jme die antwort gab,

Die ich noch denck auff diesen tag.

Jch sage aus meins hertzen grundt:

Du bist Christus zu dieser stundt,

Des lebendigen Gottes Son,

Von jme in ewigkeit geborn.

Das saget dir nicht fleisch vnd bein,

Es leret dich der Vater mein,

Sprach er,

Darauff ich bawe die Kirche mein,

Mein reich vnd die himlische lehr,

Das sich der Suͤnder zu mir ker.Vgl. Mt 16,15–19.

Dieweil denn aus Goͤttlichen Rath

Der Herre Gott beschlossen hat,

Das er seins Sones liebste BrautVgl. Apk 19,7; 21,9–22,5.17; Mt 9,15; Joh 3,29.

Allein auff diesen felsen baut,

Auff Jhesum Christum, seinen Son,

Den die Bawleut verworffen han,Vgl. Mt 21,42; I Kor 3,11; Eph 2,20f.

Vnd mir Christus vertrawet hat

Die schluͤssel seins Goͤttlichen worts,Vgl. Mt 18,19.

So mus ich itzt beklagen sehr

Des boͤsen Ketzers falsche lehr,

Den er hat je gesehen wol,

Das er mir sagt ein ding dreymal.

Jch mein den langen, schwartzen schalck,Gemeint ist Osiander.

Der Teufel schuͤttschüttle. Vgl. Art. schütten 2), in: DWb 15, 2111–2113. jm seinen balck,

Auch seinen Son, mit ertzeney

Dem Ketzer vberal steht bey,Die Bemerkung zielt wohl wieder auf den Arzt Aurifaber, Osianders Schwiegersohn.

Den boͤsen Geist, der Funck genant.Johann Funck. Zu seiner Vita vgl. Einleitung zu Nr. 2, S. 56–59.

Christo hat er sein Kirch verbrandt,verbrannt hier metaphorisch wegen des Namens Funck = Feuerfunke.

Wie itzt Speratus hat vermeldt,

Der erstgerade erst, erst vor kurzem. ist komen aus der welt.

Jch mus alhier bedencken thun,

Was mich mein nam erinnert nun.

Denn Christi reich vnd seiner lehr,

damit ich je dem Ketzer wehr:

Petrus von griech. πέτρα = Fels. Vgl. Mt 16,18; Joh 1,42.

Der fels allein ist Jhesus Christ,

Von dem ich Petrus bin genant,

Die Kirch auff jme sol han bstandt.Vgl. Mt 16,18.

Petra ist gar ein harter stein,

Wer widern ist, melhtmahlt. Vgl. Art. mahlen 2.a), in: DWb 12, 1454f; dort auch das Sprichwort: zwene harte steine malen selten kleine. (metaphorisch von Mühlsteinen auf menschliche Charaktere bezogen). nimmer klein.

Mein Peterskopff behalt ich wol,

Jtzund ist er aus: mir grillen voll. Evtl. auch zu lesen: mit grillen voll.mir grillenvoll.voller grüblerischer, sorgenvoller Gedanken. Vgl. Art. grillenvoll, in: DWb 9, 333.

Kan ich denn mit dem Herren mein

Jm himel nicht zufriden seinzufrieden sein = meine Ruhe haben. Vgl. Art. zufrieden 1.a–c), in: DWb 32, 366.

uͤuͤr demfür dem = vor dem, wegen des (Bösewichts). gottlosen boͤsewicht,

Der nu erst newe luͤgen ticht.erfindet.

Wer noth,Es wäre nötig. ich schluͤg mit feusten drein,

Hies mich nicht Christus stecken ein.Vgl. Joh 18,11.

Judas, der mitaus: mir. in garten kam,

Am HolderbaumHolunder. Im biblischen Text ist der Baum nicht näher charakterisiert; die Legende will wissen, dass es sich um einen Holunder gehandelt habe. Vgl. [Heinrich] Marzell, Art. Holunder 6), in: HWDA 4 (1932), 267f. Eine Pilzart, die besonders häufig an Holunderstämmen wächst, wird deshalb auch Judasohr genannt (Auricularia auricula-judae). Vgl. https://de.wikipedia. org/ wiki/ Judasohr (zuletzt besucht 22.09.2020). nam seinen lohn.Vgl. Mt 27,5.

Malcho ich auch ein ohr abschneidt.Vgl. Joh 18,10.

Den Ketzer hengen ist hoch zeit

An den baum der vorzweifflunge gar,

Denn er zutrennet Christi schar.

Sol er in himel komen nu?

Ja, wie ins meusloch eine khw,Redensartlich: In den Himmel od. ins Paradies kommen wie die Kuh ins Mauseloch. Vgl. Art. Mäuseloch, in: DWb 6, 1825: zur bezeichnung von etwas, wohin man nie gelangen könne. Vgl. Art. Kuh, Nr. 628, in: Wander 2 (1870), 1692.

Ein Kamel durch ein nadel klein.Vgl. Mt 19,24.

Des Teufels mus er ewig sein.

Der himel ist geschlossen fest,

Gott wil nicht haben solche gest.

Halt mir, O Jhesu Christ, zu gut,

Das ich bin schelligerregt, aufgebracht, ungehalten. Vgl. Art. schellig 2.b), in: DWb 14, 2502. vmb dein blut,

Domit du hast die Suͤnder arm

Erkauffet an des Creutzes stam.

Am dritten tag bist von dem todt

Erstanden widerumb durch Gott.

Zur rechten sitzt dem Vater dein,

Von dem wirst komen in der eil

Mit wolcken schon bekleidet gar,

Zu richten aller Menschen schar

Durch Goͤttlich krafft, gerechtigkeit,

Wirst lassen sehn dein herligkeit,

Alsdenn die Ketzer straffen hart,

So leugnen deine Menscheit zart

Vnd auch deine grechtigkeit,

Domit die Suͤnder hast gefreit.

Denn je kein ander namen ist

Denn deiner, O Herr Jhesu Christ,

Der selig macht die Suͤnder all,

Wie singet der Propheten zal.Vgl. Act 4,12; 10,43.

Du bist der schluͤssel vnd die thuͤr,

Dardurch der Suͤnder kompt zu dir.Vgl. Joh 10,9; Act 14,27.

Die wil der Ketzer leiden nicht;

Dein bitter leiden er verspricht.

Solt ich denn hie nicht zornig sein

Vnd reden vmb die schluͤssel mein,

Die du mir gabst vnd die ich hab?

Solt mir sie steln der schwartze rab,

Das muͤste mich gerewen sehr,

Vnd wenn er selbst der Teufel wer.

Denn du mir als ein warer Gott

Versprochen hast in deinem wort:

Der Hellen pforten sollen auch

Mir schaden nicht in meinem lauff.

Drauff ich gtrost einstecken wil

Dem Ketzer ein sehr hohes zil,

Dein heilig Creutz, darnach er schieß

Vnd seiner nimmermehr genieß.Metaphorisch vom Schützenwesen: Er wird das gesteckte Ziel niemals treffen, nicht erreichen, den Preis nicht erringen. Vgl. Art. genieszen 3.b), in: DWb 5, 3457.

Daruͤber er soll fallen schwer,

Dieweil er angreifft deine ehr.

Sol gantz zubrechen hals vnd bein,

Darzu kommen in ewig pein,

Darumb das er vorleugnet hat

Dich Christum, waren mensch vnd Gott,

Den Herrn, der jn mit seinem blut

Erkaufft als mit dem hoͤchsten gut.

Wollest darumb, O Jhesu Christ,

Der Kirch beistehen zu dieser frist,

Erhalten sie bey deinem wort

Vnd strewren dieses Ketzers mordt,Vgl. Martin Luther, Ein Kinderlied, zu singen wider die zween Ertzfeinde Christi vnd seiner heiligen Kirchen, den Bapst vnd Türcken, etc., Str. 1: ERhalt vns, HErr, bey deinem Wort | vnd steur des Bapsts vnd Türcken Mord, | Die Jhesum Christum deinen Son | wolten stürtzen von deinem Thron. (Wackernagel, Kirchenlied III, S. 26, Nr. 44).

Auff das dein blut die kirchen dein

Von allen Suͤnden mach gantz rein,

Das sie mit dir das himelreich

Thu erben vnd auch ehre zu gleich

Den Vater, Son vnd heiligen Geist.

Dem sey ewig lob, ehr vnd preis.

Paulus:

Von Petro hab ich angehoͤrt,

Wie der Teufel die kirch zurstoͤrt

Mit luͤgen groß, mit falscher lehr,

Wil rauben Christo seine ehr.

Das wird jme aber fehlenfehlschlagen (auch dies metaphorisch aus dem Schützenwesen genommen: fehlen = das Ziel verfehlen). weit.

Christus der Herr vnd Heiland bleibt

Jn ewigkeit warwahrer. Mensch vnd Gott,

Der die Suͤnde vorsuͤnet hat

Gott, seinem Vater, durch sein blut,

Das allein auff den himel thut.

Der Ketzer mus sein gar verblendt,

Der grewlich Gott, sein Herren, schendtschändet, verunehrt.

Mit tyranney vnd ketzerey.

Das sein der grossen stuͤcke zwey,

Daran die Goͤttlich Maiestet

Gar grossen vngefallenMissfallen. Vgl. Art. Ungefallen, in: DWb 24, 666f. tregt.

Das ein hab auch versuchet ich,

Vorm andern Gott behuͤt hat mich.

Noch ist besser Tyrannisirn

Denn mit ketzerey die leut vorfuͤrn.

Die Tyranney den leib nur nimpt,

Durch ketzerey die seel vmbkompt.

Ein Tyrann ich gewesen bin

Der Kirchen mit vorhertemverhärtetem. sin;Vgl. Act 8,1; 22,20.

Verfolgt ich auch hab Jhesum Christ,

Der itzt mein Herr vnd Heilandt ist.

Geplaget hab die Christen from

Mit marter, spot vnd grossem hon,

So lang, bis solchs Gott, der Herr,

Nicht wolt sehen mit augen mehr,

Schlug mich zu boden durch sein macht,

Das der himel vnd erden kracht,

Hat mich bekert durch seinen Son,

Den ich anbet in himels thron.Vgl. Act 9,1–19; 22,3–21; 26,9–18; Gal 1,11–23.

Auff erd hat er mich erwelt,

Vnd im dritten himel gelert,

Was ich der welt vortragen solt,

Das sie erwuͤrbe Gottes holdt:Huld, Wohlwollen. Vgl. Art. Hold f., in: DWb 10, 1736.

Nicht mehr denn seinen Son allein,

Der also liebet sein gemein,

Das er fuͤr sie den bittern todt

Am heiligen Creutz gelitten hat.

Am dritten tage erstanden ist

Der Herr vnd Heilandt Jhesus Christ.

Wer das gelaubt vnd ist getrost,

Das jn Christus am Creutz erlost,

Der ist gerecht durch jn allein,

Ewig hat er den himel ein.

Das habe ich gantz trewlich gelert.

Dardurch viel Suͤnder sein bekert

Zum Creutz Christi in jrer not

Gebrochenrectius: Gekrochen? vnd gedancket Gott,

Das er jn seinen Son geschenckt,

Der sie mit seinem blut getrenckt.

Dieweil denn itzt der Ketzer schwartz

Bey sich hat gar ein boͤsen artzt

Vnd auch so gar ein boͤsen geist,

Der Gottes wort mit gifft beschmeist,

So must ich je dem Creutze zu,

So Christi Kirch gewinnen thu,

Vnd itzundt nu bekennen frey,

Das keine ander grundtfest sey,

Weder im himel noch auff erdt,

Darauff die Kirch erbawet werd,

Dann Jhesus Christus, Gottes Son,

Der von Maria Mensch geborn,

uͤuͤr vnser Suͤnd am Creutze starb

Vnd vns seins Vaters gnad erwarb.Vgl. I Kor 3,11.

Denn je kein ander Christ nicht ist,

Denn der am Creutz gestorben ist,

Darumb last rhuͤmen froͤlich sein

Jm Creutze Jhesu Christi fein,

Welcher ist vnser seligkeit,

Das leben vnd gerechtigkeit,

Die aufferstehung auch darzu,

Durch den wir selig werden nu,

Erloͤset aus der gefencknus hart,

Allein durch seine Menscheit zart.

Dem Teufel gentzlich wider ist

Allein das Creutze Jhesu Christ.

Das ist sein todt vnd bitter gall,

Das er gantz in verzweifflung fall

Vnd hoff nu keiner seligkeit,

Viel weniger der gerechtigkeit.

Darumb er gern der Menschen schar

Daruon wolt fuͤren gantz vnd gar,

Wolt sie bringen in ewig pein

Allein aus neid des herren sein.

Richt an groß jamer vnd groß mordt,

Wo er mehr kan an allem ort.

Wer nur Christum am creutze spot,

An dem er wolgefallen hat.

Viel feindt des Creutzes machet er,

Die Christo abstelen seine ehr.

Das ich kleglichen hab beweint,

Das so des Teufels sonne scheint.

Habe auch verflucht in grundt hinein

Die Engel, ob sie heilig sein,

Wenn einer wolt ein ander lehr

Bringen von Christo, meinem Herrn.Vgl. Gal 1,8.

Verfluch darumb auch billich itzt

Dich Ketzer, der du itzundt sitzt

An heiliger stet vnd leugest sehr

Von gerechtigkeit vnd auch von ehr,

Die dir der Teufel hat geweist,

Dardurch die leut vom himel reist.

O Ketzer, du wirst schaffen nicht,

Vergebens wird sein dein gedicht.

Du wilt des Teuffels affeDen Affen assoziierte man leicht mit Lastern und mit dem Teufel, vgl. Liselotte Wehrhahn-Stauch, Art. Affe, in: LCI 1 (1968), 76–79. Luther bezeichnet den Teufel mehrfach als Gottes Affen, z. B. WA 14, 434,18 (Predigten über das erste Buch Mose, 1523/24), WA 50, 644,12–647,7 (Von den Konziliis und Kirchen, 1539); vgl. Alfred Adam: Der Teufel als Gottes Affe. Vorgeschichte eines Lutherwortes, in: LuJ 28 (1961), 104–109. Hier erscheint Osiander als Affe des Teufels, d. h. als sein dressierter Gehilfe etc. sein.

Leid wird es sein der seele dein.

Engels gestalt er fuͤren thut,

Wenn er wil schmehen Christi blut.Vgl. II Kor 11,14.

Gibt von sich gar ein heilgen schein

Vnd deckt damit die luͤgen sein,

Wie du itzt thust vnd lerest starck

Die boͤse gifft der schlangen argk.

Darumb ich itzundt wider dich

Als wider ein Ertzboͤsewicht,ein Bösewicht durch und durch, von Grund auf. Das Praefix Erz- steigert die Bedeutung des folgenden Substantivs und geht zurück auf griech. ἀρχι, lat. archi, ital. arci. Vgl. Art. Erz [II] in: DWb 3, 1076.

Ein feindt des creutzes Christi gantz,

Der du fuͤrest des Teufels glantz,

Stehe bey dem creutze Christi frey,

Dein luͤgen straff vnd moͤrderey.

Du leugst, du leugst,

Denn du bist je der schwartze Rab,

Der aus der Arch geflogen ist.Vgl. Gen 8,7.

Verleugnet hastu Jhesum Christ.

All Creatur itzt schreien thut,

Das du verleugnet hast sein blut.

Ach, zeter,Ausruf des Schreckens, Wehe- und Schmerzensruf. Vgl. Art. Zeter [II] 3.a), in: DWb 31, 810. zeter, ach vnd weh,

Dem Ketzer nun vnd jmmer mehr.

Den Herrn des lebens schenden thut,

Brennen wird er in helscherhöllischer. glut.

O Jhesu Christe, Gottes Son,

Der du aufftregst der Ehren kron,

Jch dancke dir gantz inniglich

uͤuͤr deine gutthat ewiglich,

Das du mich wirdig hast gemacht

Deins Creutzes vnd in himel bracht.

Erbarme dich der Kirchen dein,

Die dein Blut hat erloͤst allein.

Den Ketzer vnd den Gottesdieb

Zurmahlb,zermalme, zerkleinere. Ein Verb zermalben findet sich belegt in Texten des 18. Jhdts., insbes. in der Bedeutung zerkleinern, zerkauen, verdauen, anscheinend jedoch nicht in DWb. das er wie asch zerstieb,

Das wir ewig vnd jmmerdar

Dir sagen alzeit Alleluia.

Stephanus ex Martiribus:der Erzmärtyrer Stephanus, vgl. Act 6,8–8,1, bes. 7,54ff.

Stephanus ich bin recht genant,

Der MertrerMärtyrer = (Blut)Zeugen, von griech. μάρτυς. kron ich trag zuhandt,

Dieweil ich je der erste bin,

Der also bald gerichtet hin

Vmb Christi lehr vnd auch sein Wort,

Das vns sagt von seim Creutz vnd todt,

Die er mir beides aufferlegt,

So schnel, als ich das maul auffthet

Vnd predigt von dem Herren mein,

Der Jhesus Christus ist allein,

Warer Gott vnd mensch in ewigkeit,

Wie solchs die Schrifft gewaltig zeigt.

Ein Gott Abraham vnd auch Herr

Jsaac, Jacob fuͤret Er

Auff seinen weg, Mosen darzu.Vgl. Ex 3,6.

Der welt das grossen zorn wolt thun.

Der Phariseer heiligkeit

Jtzundt nu gantz im drecke leit,Vgl. Mt 5,20.

Die morden vnd verraten jn

Vnd alle, die nachfolgen jm.

Darumb mus ich nu auff die ban

Vnd an meins Herren Creutze stan.

Der himel ploͤtzlich oͤffnet sich,

Das ich gantz habe gesehen dich,

O Jhesu Christ, du hoͤchster hort,

Zur rechten deines Vatern dort

Stehendt in deiner menscheit klar,

Die Gottheit mit bekleidet war.Vgl. Act 7,55f.

Darauff ich denn mit frischem mut

Gestorben vnd mich deines bluts

Gefrewet, das mir geben hat

Das leben ewiglich mit Gott

Vnd mit viel tausent Mertrern fron,

Die alle bekennen Gottes Son,

Das er der Heilandt sey gerecht,

Der selig macht das menschlich gschlecht.Vgl. Act 7,59f.

Darumb nu Gott dem Vater schon

Sey lob durch seinen lieben Son,

Darzu auch dem heiligen Geist,

Der vns den weg zum himel gweist,

Der woͤl itzundt die kirchen sein

Erleuchten mit dem Worte rein,

Das sie nicht hie der jrdisch Gottder irdische Gott = der Teufel.

Abfuͤre von des himels pfort.

Bernhardus ex Patribus:

Kompt, kompt, jr lieben Bruͤder all,

Last vns ehren mit grossem schall

Den Herrn vnd Heilandt Jhesum Christ,

Der warer Gott vnd Mensch auch ist.

Das all die Engel zeugen thun,

So viel im himel leben nun,

Vnd das auch die Ertzueter schon

Gesungen in des himels thron.

Die Propheten des gleichen han

Starck zeugnis geben diesem Man.

Die Apostel vnd auch Mertrer gut,

Die rhuͤmen all sein theures blut,

Das er am Creutz vergossen hat,

Domit erseufft den bittern todt,

Darumb wir denn mit freuden viel

Vormehrn solches Seitenspiel.

Dich loben wir, O Jhesu Christ,

Das du der Mitler worden bist

Zwischen Gott vnd dem Menschen arm,

Das er sich seiner nun erbarm.

Sehe an dein blut vnd wunden rot,

Dein leiden vnd den bittren todt,

Das du vmb vnsern willen hast

Getragen solche schwere last,

Des Teufels mordt vnd Gottes zorn,

Den die Erbsuͤnde hat geborn.

Die Suͤnd, der Todt vnd hellisch pein

Sind gangen durch sein marck vnd bein,

Wie Dauid vor viel hundert jarn

Jm geist gesaget gantz vnd gar,

Des schuͤler vnd nachkommen wir

Gros lob vnd danck thun sagen dir,

Das du vns an des Creutzes stam

Erloͤset hast aus helscher flam.

Denn du auch, Herre Jhesu Christ,

Nirgent sonsten zu finden bist

Jm himel, erdt, wasser vnd landt,

Denn an dem heiligen Creutz zuhandt.sogleich. Vgl. Art. zuhand, in: DWb 32, 450.

Am Creutz du schleffst vnd ruhest auch,

Weidest die Schaff, so du erkaufft

Jn angst vnd hitz der Seelen dein,

Als wenn die Sonn am mittag schein.

Der dich wil finden, findet dich

Allein am Creutz, sonst nirgent nicht.

An diesem Creutz die Seele hengt.

Suͤess oͤppffel werden jr geschenckt

Wol von dem Baum des lebens schon,

Der du bist Christus, Gottes Son.

Wir loben, preisen, ehren dich.

Mit deinem Vater ewiglich

Vnd mit dem Geist, so heilig ist,

Singen wir dir zu aller frist:

Lob, ehr vnd danck sey vnserm Gott,

Der vns sein Son geschencket hat!

Speratus:

Jch seh vnd hoͤr itzt alles das,

Was Paulus, das erwelte faß,Gefäß. Vgl. Röm 9,23f.

Gesaget hat von freuden viel

Vnd von gar manchem seitenspiel,

Das in kein hertz nicht kommen wer

Solch freud, als gibet Gott der Herr,

Wie man im himel itzt erfert,

Damit Gott durch sein Son wird geehrt.

Das wenn ich erst bedencken thu,

Wie es in jenner welt geht zu,

Erbarmet mich von hertzen sehr

Der armen welt, so nicht wil ehreher, früher.

Die Suͤnd hassen vnd werden from,

Bis gar das letzte stuͤndtlindas letzte stündlin = die Todesstunde. kom,

Viel weniger sie auch glauben wil,

Es treff sie denn das letzte zil,

Das kein raum in keinem landt

Den glauben krieget in die handt.

Den himel vmb ein stuͤcklin brodt

Verkauffet sie, vnd darzu Gott.

Nach gut, nach gelt, nach ehren gros

Tracht sie teglich anohne. alle maß.

Gott bey jr gantz vorgessen ist.

Den nechsten treugt mit falscher list.

Darumb Gott rechte vrsach hat,

Das er jr nemnehme. sein Goͤttlich wort,

Schickt jr darfuͤr boͤs ketzerey,

Des Teufels luͤgen moͤrderey.

Martinus:

Es naht sich Christus, vnser Gott,

Hat angehoͤrt all vnser wort.

Las vns hoͤren mit reuerentzReverenz, Verehrung.

Der hohen Maiestat sententz,Urteilsspruch. Vgl. Art. Sentenz 1), in: DWb 16, 613f.

Was sie nu wird beschlossen han

Vber den Ketzerischen Man.

Jhesus Christus:

Jch, Jhesus Christus, Gottes Son,

Von jme in ewigkeit geborn,

Ein warer Gott vom Vater mein,

Vnd auch von einer Jungfraw rein

Ein warer Mensch von fleisch vnd blut,

Geborn dem Suͤnder arm zu gut,

Ein Herr des himels vnd der erdt,

An mir hab Menschliche geberd,

Heilig, gerecht vom Vater mein,

Selig mach ich die Kirch vnd rein

Durch meinen schweis vnd rotes blut,

Das ich am Creutze hab verschut,verschüttet, vergossen.

Wie denn das gantze himlische heer

Vormeldet hat mit grosser ehr,

Mit grossem lob vnd danck zu gleich

Jn meines Vatern ewig reich.

Weil aber itzt ein Ketzer schwartz

Erstanden ist vnd boͤser Artzt,

Ein boͤser geist von jm ausgeht,

Dardurch mein leiden wird geschmecht,

Hab auch darzu gehoͤret an

Die klag, so itzt die Kirch hat than,

So kan ich vnterlassen nicht,

Mus einen zu dem Boͤsewicht

Von den Aposteln schicken thun.

Thoma, du wirst sein gut darzu.

Thomas:

O Jhesu Christ, mein Herr vnd Gott,

Billich vorbring ich dein gebot,

Ob du mich schickest in die hell,

Bistu doch selbst mein mitgesel,

Das mir der Teufel schadet nicht,

Viel weniger der boͤsewicht,

Der ist kein knecht vnd diener trew,

Den wird ankommen JudeJudae, des Judas. Vgl. Mt 27,3–5. rew,

Das er sich selber hengen wird,

Wo jn der Teufel nicht weg fuͤrt.

Jhesus:

Erstlich du vberwinden kanst

Den geitzhals vnd den Teufelswanst

Mit meinen worten, schlecht vnd trew,

Do ich erinnert gantz auffs new

Die Juͤnger, so giengen nach Emmaus,Vgl. Lk 24,13–27.

Lieffen, als wer es mit mir aus,

Das ich auch jre torheit gros

Hefftig straffet vber die maß,

Das jr hertz je so trege wer,

Zu glauben der Propheten lerLehre.

Vnd auch dem heiligen Psalmist,

Der weissagt von mir, Jhesu Christ,

Wie ich must leiden, aufferstehn

Vnd in mein herrligkeit eingehn.

Dasselb du fleissig mercken solt.

Das must erwerben Gottes holdt.

Darnach auch dein exempel klar

Den Ketzer vberwindt fuͤrwar.

Denn das du nicht glaubst Gottes wort,

Das ich erstanden wer vom todt,

Jst nicht geschehen an gefehr,

Auch nicht an grosse heimlich lehr.

Denn du mit deim vnglauben gros

Starck zeugest nu vber die maß,

Das ich vom todt erstanden sey,

Hab fleisch vnd bein an meinem leib,

Jn deme du mit den fingern dein

Gegriffen hast die wunden mein

An henden, fuͤssen vnd der Seidt,Vgl. Joh 20,24–29.

Jn der das ewig leben leidt,

Daraus gantz mild geflossen war

Blut vnd wasser,Vgl. Joh 19,34. der Christen schar

Zu waschen von den Suͤnden rein

Vnd machen sie die Schefflin mein.

Solchs alles du dem Ketzer dort

Wirst sagen gantz von wort zu wort.

Thomas:

Dieweil du mein Herr vnd Meister bist,

Wahr Gott vnd Mensch, Herr Jhesu Christ,

So wil ich nach der lere dein

Gantz willig dir gehorsam sein,

Wil gehen in die finster welt,Vgl. Mk 16,15.

Ob der Teufel viel netz gstelt,

So wird es doch nu fristen nicht

Den Ketzer,dem Ketzer Frist geben, ihm rettenden Aufschub verschaffen. Vgl. Art. fristen 3), in: DWb 4, 218f. mus fuͤr dein gericht.

Jhesus:

Noch eins wirstu mich hoͤren an,

Wie du den Ketzer greiffest an:

Gottes zorenZorn. vnd vrteil schwer

Erstlich du jm must bringen her,

Ob du jme das gewissen sein

Kanst ruͤren mit der helschenhöllischen. pein.

DannochDanach (korrespondiert mit Erstlich drei Zeilen darüber). so schreib jme wider fuͤr,vor.

Was jn fuͤrführe. durch des himels thuͤr,

Nemlich mein blut vnd mein vordienst,

Das ander ist alles vmb sonst.

Wil er denn nicht, so far er hin

Zum Teufel mit vorkertem sin

Mit seinem Son vnd boͤsen geist,

Die er mit sich zur Hellen reist.reißt.

Thomas:

Jch wil mich fertig machen nu

Vnd gehen zu dem Ketzer zu.

Das Bibelbuch ich mit mir trag,

Darinn ich all mein werckzeug hab.

Wil meine pfeilen scherffen auch,

Das mir der Ketzer nicht entlauff.

Ein platten wil ich scheren jm,

Das jm der kopff sol gehen vmb.redensartlich: Jemandem eine Platte (Tonsur) scheren, dass ihm der Kopf dabei Schaden nimmt. Etwa: will ihm gehörig den Kopf waschen, den Kopf zurechtsetzen. Vgl. Art. scheren I.2.c), in: DWb 14, 2572.

Petrus:

Mein ampt itzundt vorhindert mich,

Das ich nicht zu dem boͤsewicht

Geschicket werd, er moͤcht in eil

Mir in den himel kommen sein.

Mus also fleissig achtunge han,

Wenn Thomas aus vnd ein wil ghan,

Das er nicht als ein schlange schleich

Vnd schlupffe mir ins himelreich.

Das ich nicht rathe dem Ketzer alt,

Den kopff ich jme gewis zurspalt!

Thomas:

Ob in der welt wil glauben sein,

So ist Thomas der name mein.

Vnglaubig bin ich gantz genent,

Glaubig ich doch Christum erkent.Vgl. Joh 20,24–29.

Vnd gleubig wil ich bleiben nu,

Das mich nicht tret die schwartze khu.redensartlich: dass ich es nicht bitter bereue. Vgl. Art. Kuh II.6). in: DWb 11, 2550.

Einmal glaubt ich, gleub nu nicht mehr,

Vnglaubig wil ich bleiben ehr.

Dem Herren Christ wil gleubig sein,

Dem Ketzer auch vnglaubig fein.

Der Ketzer mit mir reuffetrauft, schlägt. sich,

Vmb Christum aber ist jms nicht.

Ein Christus ist, hat zwo natur.

Die ein gehoͤrt der Creatur,

Die ander jm alleine bleibt,

Er sie auch niemandt mitteilt.

Doher er zwo gerechtigkeit.

Mit einer er den Menschen gefreit,

Die ander Gott dem Vater gleich

Jm bleibet in dem himelreich.

Die ein gerechtigkeit ist das,

Auff das ich es besehe bas.besser. Vgl. Art. basz 1), in: DWb 1, 1153–1155.

Christus, der Mensch vnd ware Gott,

Die gantze welt erloͤset hat,

uͤuͤr sie bezalt, genug gethan,

Denn er, der rechte Gottes man,

Durch sein heilig fuͤnff wunden rot,

Der er viel mehr erlitten hat

An seinem heubt vnd gantzen leib,

Auff das er vns vom tod gefreit

Vnd vns dardurch das leben bracht,

Den lieben Engeln gleich gemacht.

Auch vnser Bruder worden ist

Der Herr vnd Heiland Jhesus Christ.

Gott, vnser Vater, vnd der Geist

Vns seine lieben kinder heist,

Dardurch ist selig vnd gerecht

Vor Gott das gantz Menschlich geschlecht.

Das kan der Teuffel vnd die welt

Nicht leiden, sich gar grausam stelt

Mit liegen, triegen, morderey

Vnd all des Teufels Ketzerey,

Mus auff die ban vnd greiffen an

Jhesum Christum, den Gottes Man,

Beweisen an jm all jr macht,

Die erChristus. Vgl. Ps 2,4. doch endtlich gantz vorlacht.

Jtzund der Teufel vngehewer

Spruͤht von sich eitel hellisch fewr

Durch Pandaram,Pandora. Hesiod, Theogonie 571–612, Werke und Tage 60–105, erzählt, Hephaistos habe die schöne Pandora auf Befehl des Göttervaters Zeus aus Lehm geschaffen, um den Diebstahl des Feuers durch Prometheus an den Menschen zu rächen. Pandora, die von den Göttern vielfältig beschenkt wurde, um sie verführerisch zu machen, bringt in ihrer sprichwörtlichen Büchse alle Übel der Welt mit. Epimetheus heiratet Pandora, trotz der Warnung seines Bruders Prometheus, und sie öffnet die Büchse, so dass die Übel sich verbreiten können, nur die Hoffnung bleibt in der Büchse zurück. Vgl. Art. Pandora 3), in: KP 4 (1972), 453f. das schoͤne weib,

Verterbt die seel vnd auch den leib.

Jch mein die ander gerechtigkeit,

Von welcher itzt der Ketzer schreibt,

Dardurch er macht die Hellen voll.

Der Teufel sol jme lohnen wol.

Je das, das, das hett ich sehr gern,

Wilkommen bistu meinem herrn

Gleich wie S. Barbara vater klug,

Den toͤdt, der blixBlitz. Vgl. Art. Blix, in: DWb 2, 135. vnd donner schlug,Das Satzgefüge ist undurchsichtig. Möglicherweise wäre es folgendermaßen aufzufassen: Du bist meinem Herrn so willkommen wie der Vater der Heiligen Barbara. Diesen tötete derjenige, der Blitz und Donner verursachte und die Jungfrau abstrafte, die weder Öl noch Licht in ihrer Lampe hatte. (alternativ: Und [du bist so willkommen wie] diejenige Jungfrau, die weder Öl noch Licht ) – Der Legende nach überantwortete Barbaras Vater seine Tochter der Folter, weil sie Christin geworden war, und tötete sie schließlich selbst, woraufhin er vom Blitz erschlagen wurde. Die törichten Jungfrauen, die nicht genügend Öl in ihren Lampen hatten (traditionell auf mangelnden Glauben gedeutet), wurden vom Bräutigam nicht mehr in den Hochzeitssaal eingelassen.

Vnd Jungfraw titz,triezte, anfuhr, misshandelte (?). Vgl. Art. dauzen [I], in: DWb 2, 858; Art. dutzen, in: DWb 2, 1773. so hatte nicht

Jn jrer lampen oͤl vnd liecht.Vgl. Mt 25,1–13.

Das mag ein schwartzer Ketzer sein,

Vor schwertz sicht man kein hand noch bein.

Jch habe kein schwertzern boͤsewicht

Mein lebens tag gesehen nicht.

Jch glaub auch, das itzund zuhandt

Kein groͤsser Ketzer sey im landt,

Dieweil er so verwegenruchlos, frevelhaft. Vgl. Art. verwegen II.B.3.a), in: DWb 25, 2157. ist,

Leugnet das leiden Jhesu Christ,

So doch der Teufel selbst hie mus

Zurbeissen vnd auffthun die nuß,

Darin verborgen leidt der kern.

Mus zeugnis geben Christ dem Herrn,

Das er am Creutz gestorben sey,

Das macht vns aller Suͤnden frey,

Jn deme er offt bekennet hat,

Das Christus sey wahr Mensch vnd Gott,

Hat geschrien vnd gesperret sich:

Was wiltu aberwiederum. plagen mich,

Das du bist Jhesus, Gottes Son,

Was hab ich nu mit dir zu thun,

Das du mich nu wilst treiben aus

Vnd iagen mich aus meinem haus?Vgl. Mt 8,29; Mk 5,7–9; Lk 8,28.

Solchs, ob ers hat mit grimmer gall

Gethan, halffs jn nicht vberall.nicht überall = überhaupt nicht.

Sein macht beweist Christus der Herr

Vnd stuͤrtzt jn in das tieffe meer.Vgl. Mk 5,13.

Was wil hiezu der Ketzer nu

Sagen, das er entfliehen thu

Dem zorn Gottes vnd seim gericht,

Das er so vnuorschempt vorspricht

Das leiden Christi vnd auch todt,

Welchs selbst bekent der jrdisch Gott,

Der aller Teufel ist er herr,

Sein name heisset Lucifer.Seit dem 4. Jahrhundert wird infolge der Verknüpfung von Jes 14,12 mit Lk 10,18 Luzifer mit dem Satan gleichgesetzt. Vgl. Anneliese Felber, Art. Teufel I. Namen und Begriffe 4. Luzifer, in: RGG4 8 (2005), 181.

Jch halt, es sey auch aus mit jm

Vnd das jm Gott hat geben hin

Jn Teufels strick, wie Arrium,

Julianum vnd Cherinthum,Arius, Presbyter in Alexandria, vertrat eine subordinatianische Christologie, die auf dem Konzil von Nicaea 325 als häretisch verurteilt wurde. Vgl. Hans Christof Brennecke, Art. Arius/ Arianismus, in: RGG4 1 (1998), 738–743. – Mit Julian ist vmtl. Bischof Julian von Aeclanum gemeint, ein führender Vertreter des Pelagianismus in der 1. Hälfte des 5. Jahrhunderts. Man könnte auch an den römischen Kaiser Julian, genannt Apostata, denken, der sich vom christlichen Glauben abgewandt hatte und eine Renaissance der alten heidnischen Götterkulte anstrebte. Vgl. Winrich Löhr, Art. Julian von Aeclanum, in: RGG4 4 (2001), 694; Gernot Krapinger, Art. Julian Apostata, in: RGG4 4 (2001), 693. – Kerinth war ein als häretisch bekämpfter (juden)christlicher Lehrer in Kleinasien um 100. Vgl. Roman Hanig, Art. Cerinthus, in: RGG4 2 (1999), 88f.

Das er, verstockt vnd gantz verblendt,

Bedenckt nicht jr erschrecklich endt,

Das jnen Gott so straffen werd

Alhier zeitlich auff dieser erdt

Vnd dortin der Ewigkeit. stossen in ewig pein,

Der nimmermehr kein endt wird sein.

Also er denn vorstehen wird,

Wie jn fraw HoldenFrau Hulda, Holda, Holle etc., ursprünglich eine Gestalt der germanischen Mythologie bzw. des Volksaberglaubens, vgl. [Ernst?] Schwarz, Art. Perhta, in: HWDA 6 (1934/35), 1478–1492. Bei Luther die als eine Art Hexe personifizierte natürliche Vernunft, die zur Abgötterei verführt; vgl. Art. Hulda, in: DWb 10, 1887f. hat vorfuͤrt,

Des Teufels braut, die zart Vernunfft

Mit jrer grossen Juͤdenkunst.Osiander wurde immer wieder mit antijüdischen Stereotypen belegt, man unterstellte ihm jüdische Herkunft. Unbezweifelbar ist Osianders Interesse für hebräische (und aramäische) Sprache und Literatur einschließlich kabbalistischer Werke; er war ab 1520 als Hebräischlehrer im Nürnberger Augustinerkloster tätig. Seine gutachterliche Ablehnung der den Juden gegenüber geäußerten Ritualmordbezichtigung trug ihm wüste Beschimpfungen von Seiten Johann Ecks ein. Vgl. [Andreas Osiander:] Ob es war v] glau || blich sey / daß die Juden der Chri || sten kinder heymlich erwürgen / vnd jr blut || gebrauchen / ein treffenliche schrifft / || auff eines yeden vrteyl gestelt. [Nürnberg: Johann Petreius um 1540] (VD 16 O 1079; vgl. OGA 7, 216–248; Matthias Morgenstern, Annie Noblesse-Rocher (Hg.): Andreas Osiander. Ob es wahr und glaublich sei Eine Widerlegung der judenfeindlichen Ritualmordbeschuldigung, Leipzig 2018). – Johannes Eck: Ains Judenbüech= || lins verlegung: darin ain Christ / || gantzer Christenhait zG schmach / will || es geschehe den Juden vnrecht in be= || zichtigung der Christen kin= || der mordt. || Durch Doctor Joh. Ecken zG Jngoldstat. || [liegend-rechteckige Vignette mit zwei Wappen unter einer Mitra mit Sonnensymbol] || Hierin findst auch vil histori / was übels vnd || büeberey die Juden in allem teütschen || land / vnd andern künigreichen || gestift haben. || Getruckt zG Jngoldstat durch || Alexander Weissenhorn. || M. D. XXXXI. (VD 16 E 383).

Wird auch erkennen Jhesum Christ,

Das wird jn aber helffen nicht

uͤuͤr dem gestrengen Richter sein,

Vngnad vnd zorn wird jm allein

Zuteil werden in ewigkeit.

Denn da ist kein barmhertzigkeit.

Wer einmale in dieaus: dir(kopfstehend: e). Helle kompt

Christus jn nimmeraus: nimme (vgl. die vorige Anm.). mehr annimpt

Zu gnaden, wie der Reiche Man

Genugsam leidt vnd zeiget an.Vgl. Lk 16,19–31, bes. V. 26.

Mein ampt, das wil erfordern hie,

Das ich nicht lenger nu verzieh,

Gehe in sein haus vnd sprech jn an.

Ob er schon ist ein boͤser Man

Mit spiessen, buͤchsenSchießgewehr, Flinte. Vgl. Art. Büchse 5), in: DWb 2, 477. vnd gewehr,Waffe(n), bes. Verteidigungswaffen jeglicher Art. Vgl. Art. Gewehr 2.c.α.3), in: DWb 6, 5403f.

Jedoch so mus mich dulden er

Vnd hoͤren, was die Maiestat

Durch mich jm itzt entboten hat,

Wie ers in der legationBeglaubigungsschreiben eines Gesandten. Vgl. Art. Legation, in: DRW 8 (1984–1991), 860; Art. Legation 1), in: Fnhd. Wb. 9.1 (1999–2012), 611.

Wird sehen, so mir Gottes Son

Hat geben in gantz voller macht.

Ob er sie nu schon gar veracht,

So hengt daran das Siegel gut

Des Lemblins,Lämmleins, Lämmchens. Jhesu Christi blut.

Mein nam auch vnterschriben ist

Mit seinem blut zu aller frist.

Speratus:

Nu ist es je ein wunder ding,

Das itzt die welt ist gar so blindt,

Lest sich fuͤren von Gottes wort

Durchs Teufels luͤgen vnd seelmord.

Gleubt itzundt dis vnd gar bald das,

Jst wie ein alt zurrissen faß,

Das guten wein nicht halten mag,Vgl. Mt 9,17.

Allein vnflatSchlamm, Dreck. Vgl. Art. Unflat II.A.1), in: DWb 24, 547. vnd heffenHefe, Bodensatz. Vgl. Art. Hefe 1) und 3.b), in: DWb 10, 763–765. tragk.

Martinus:

Sperate, das ich endlich schlies

Mein red vnd dir auch das auffloͤs,

So mustu erst erinnern dich,

Was droben hab gesaget ich

Von menschen suͤndt vnd jrem lohn,

Wie sie verdient hat Gottes zorn,

Vmb welcher wiln der Satan hat

Den Menschen gplagt vnd gelestert Gott.

Je kuͤrtzer nu die letzte zeit,

Je mehr luͤgen das er ausspeit.

Denn er gentzlich vor augen sicht

Das hart verdamnis, so jn sticht.

Darumb er nu wird tobens voll,

Verlorn ist er, das weis er wol.

Darumb er gantz mit zorn entbrendt,

Christum je mehr vnd mehr nu schendt.

Gotts grechtigkeit jm solchs zulest,

Den gleubigen zum aller best,

Das sie munter vnd wacker sein,

Stehn fest bey Gottes wort allein,

Das sie alhier werden vorklert,

Mit Jhesu Christo schon geehrt.

Die gottlos welt er straffen thut,

Wenn er jr nimbt das beste gut,

Sein Wort, das sie verachtet gar.

Mit schanden, schaden dahin far

Jns Teufels reich vnd in die Hell,

Da wird sie ewig sein gesel.

Der Teufel auch das vorteil hat,

Je mehr das er erzuͤrnet Gott,

Je herter wird das vrteil sein,

Dardurch er kompt in ewig pein.

Je mehr vngluͤck auff erden ist,

Je neher ist zu aller frist

Der Juͤngste tagk vnd letzt gericht.

Also denn auch wird helffen nicht

Kein ding, alleine der glauben gut,

Der sich verlest auff Christi blut.

Der sey gelobt, gebenedeit

Jtzund vnd auch zu aller zeit

Mit dem Vater vnd Troͤster werd.

Der woͤll sein Kirche hie auff erd

Erhalten vnd erloͤsen schier

Durch Jhesum Christum, bitten wir.

Speratus:

Es woͤll die Goͤttlich Maiestat

Volenden alles, was sie hat

Gefangen an inn Christen sein

Vnd fuͤren sie an diesen reihn,Reihen, Reigen(tanz). Vgl. Art. Reihen [II]

Geben jn auch des lebens kronVgl. Apk 2,10.

Durch Jhesum Christum, seinen Son.

A M E N.

Beschlus zum Leser.

Christlicher Leser, nim vorgutnim vorgut = lass dir freundlich genügen an , nimm vorlieb mit Vgl. Art. vorgut, in: DWb 26, 1127f; Art. fürlieb, in: DWb 4, 768f; Art. fürgut, in: DWb 4, 738.

Das klein geticht, so leren thut

Vom leben vnd gerechtigkeit,

Wie die von Gott wird ausgeteilt

Durch den glauben an Jhesum Christ,

Der fuͤr die Suͤnd gestorben ist,

Am Creutz erwuͤrgt den bittern todt,

Dardurch er vns versoͤnet Gott,

uͤuͤrt vns mit sich ins Himelreich

Vnd machet vns den Engeln gleich.

Den loben, preisen, ehren wir,

Gott Vater, heiliger Geist, mit dir.

A M E N.