Controversia et Confessio, Bd. 7


Alber, Wider das Lästerbuch Osiandri (1551)

Alber, Wider das Lästerbuch Osiandri (1551)Nr. 6 ULB Darmstadt info:isil/DE-17 Darmstadt Letzte Änderung: 2023-05-23 Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz (CC BY)


Quod reliquum, Alber gibt damit eine kurze Beschreibung der Entstehungsgeschichte seines Werks. In Magdeburg (Virginis: Anspielung auf die Jungfrau im Stadtwappen der Stadt) begann er mit der Abfassung, arbeitete während eines Aufenthalts in Lüneburg (Luna: mythologische Vorstellung, dass Lüneburg von der Göttin Luna gegründet worden sei) daran weiter und vollendete das Werk in Hamburg (Iovis: mythologische Vorstellung, dass Hamburg von Iupiter Hammon als seine Burg gegründet worden sei). Vgl. Beckmann, Historie des Fuͤrstenthums Anhalt V, 2; Körner, Alber, 134.

Durchleuchtiger, hochgeborner Furst, gnediger Herr. Vnser Herr Gott hat dem lande zu Preussen grosse barmhertzigkeyt erzeygt vnd E. F. G. als sein heyliges werckzeug vnd desselben Landes vater erwelet, das Euangelium darinnen zu pflantzen, von den Kirchenguͤtern die Pfarren, Predigempter,
Schulen vnd Spitale ehrlich zu uersehen,auszustatten, einzurichten. Vgl. Art. versehen 6), in: DWb 25, 1243. bessern vnd zu erhalten, darzu auch ein Vniuersitet von newen vffzurichten. Also ist das Land zu Preussen ein schones, lustigesanmutiges, liebliches. Vgl. Art. lustig 4.b), in: DWb 12, 1341. Paradeis Gottes worden, welchs der alten Schlangendem Teufel. Vgl. Apk 12,9. sehr wehe thut, vnd wolt gerne dasselb Paradeis verwuͤsten vnnd also zurichten, wie er itzt mit dem Teutschen Lande vmbghet.Anspielung auf die politisch-militärische sowie die religiöse Lage der Evangelischen in Deutschland nach dem Schmalkaldischen Krieg 1546/47 und dem kaiserlichen Religionsedikt (Augsburger Interim) von 1548. Vgl. dazu unsere Edition Bd. 1.

Es mus furwar ein boͤser, gifftiger, stoltzer, neydischer geyst sein, der nit zufrieden ist, das er durch den Mahometh neun hundert Jar die Orientalische Kirchen vorwustet vnd die warheit zu bodem getretten hat,Polemische Anspielung auf Muhammads Wirken in Mekka und Medina im 7. nachchristlichen Jahrhundert und auf die Ausbreitung des Islam. Vgl. dazu Anton Schall, Art. Islam I. Religionsgeschichtlich, in: TRE 16 (1987), 315–336. lest sich auch nit benugen,daran genügen. Vgl. Art. benügen 1.a), in: DWb 1, 1475. das er in den Occidentalischen Kirchen durchs Bapsthumb vnzeliche Selen ermordet vnd noch heutigs tags viel lender, dem Bepstischem
Grewel vnterworffen, vnter im hat. Darzu ist er nit zu frieden damit, das er itzt durch sein JnterimVgl. dazu unsere Edition Bd. 1. vnd AdiaphoraVgl. dazu unsere Editon Bd. 2. schier alle Furstenthuͤme Deutsches landes an sich bracht hat, sonder wolt auch gern E. F. G. furstenthumb an sich reissen vnd E. F. G. sinn, in ihrem alter,Im Jahr 1551 war Herzog Albrecht 61 Jahre alt. von der eynfeltigkeytKindlichkeit, dem schlichten Vertrauen auf. in Christo verruͤcken,abbringen. Vgl. Art. verrücken 3.b), in: DWb 25, 1022f.2. Cor: 11.Vgl. II Kor 11,3. welchs mich hertzlich iamert vnd bewegt,
E. F. G. dissen klaren vnd waren bericht vntertheniglich mitzuteylen, vnd bitte den barmhertzigen Vater vnsers Herrn Jhesu Christi, er wolt doch dem grimmigen Satan nit so viel willens lassen, auch vber E. F. G. vnd ihre herrschafft die vberhand zu gewinnen.

Jch bin bei Doctore Martino, vnserm lieben Elia,Zu den Epitheta Luthers (Elia, Mann Gottes, Held usw.) vgl. Kolb, Luther. vor drei vnd dreissig
Jaren gewestAlber war Student in Wittenberg. Inskribiert wurde er an der dortigen Universität allerdings erst am 19. Juni 1520. Vgl. Körner, Alber, 9. vnd die lebendige Stim D: Martini (Gott lob) offt mit freuden gehoret, welchs Osiandro nit gepuret vnd er auch, als von ihm selbst gelert gnug, nit begert hat, habe auch in dreien iaren fur seinem [Luthers] tode, als ich durch den hellischen Cardinal zweymal veriagt,Gemeint ist Erzbischof und Kurfürst Albrecht von Mainz. Ihm wies Alber die Schuld zu, dass er 1541 die Stelle als Superintendent in Brandenburg/Neustadt sowie 1543 in Staden/Wetterau verlor. Vgl. Körner, Alber, 61–71, 75–88. den Man Gottes offt gehoͤret, vnd bin von ihm beherberget vnd teglich sein lieber gast gewest.
Zuletzt, so hat er freilich nie keyn Buch gemacht, das ich nit gelesen hett, habe aber nie vermerckt, das er also vom Blute vnd Gerechtigkeyt vnsers Herrn Christi geredt oder geschrieben habe wie Osiander.Vgl. Andreas Osiander, Von dem einigen Mittler (1551), G 3v–G 4r, in: OGA 10, 152,18–156,4: (), dweil sie Christum unser Gerechtigkeit bekennen und doch die goͤttliche natur in der rechtfertigung von ihm trennen, werden sie alle erschrecklicherweiss irr, koͤnnen weder sagen noch wissen, was an Christo oder in Christo sey, das sie unser gerechtigkeit sollen setzen oder sprechen. Einer sagt, es sey ein werck Gottes, das Gott in Christo wirck [Staphylus]; ein ander sagt, es sey ein mittele gerechtigkeit, nicht die goͤtlich, auch nicht die menschliche gerechtigkeit [Mörlin]; ein ander sagt, es sey das blut Christi [Mörlin]; ein ander sagt, die wesentliche gerechtigkeit erschaffe ein neue creatuͤrliche gerechtigkeit in uns, gleichwie er auch weiter narret und sagt, das wesentliche leben Gottes erschaffe in uns ein neues, creatuͤrliches leben [Melanchthon]; ein ander sagt ein anders, und wollen, wie Paulus I. Tim 1 [Vers 7] spricht, der schrifft meister sein und verstehen nicht, was sie sagen oder was sie setzen. Dann sie tichten uns eine gerechtigkeit, die sol Christus sein und doch nicht Gott sein. Das heist aus Christo ein pur lautere creatur gemacht. Dieweil aber kein Christus ist weder im himel noch auff erden, der ein pur lautere creatur ist, so volgt, das ir Christus auch ein pur lauter nichts ist. Wie kan aber ein solche pur lautere, gedichte creatur, die auch ein pur lauter nichts ist, unser gerechtigkeit sein? Ja, wol ein solche gerechtigkeit, die mit neid, hass, luͤgen, lestern, zuͤrnen, treuen [drohen] und auffrur schwanger gehet und solche fruͤcht den meisten teil teglich gebirt.

Vnd ob wol Osiander seine lesterung mit D. Martini Schrifften vntersteht zu beweisen,Vgl. Osianders Schrift Etliche schöne Sprüche von der Rechtfertigung (OGA 9, Nr. 448, S. 582–601) aus dem Jahr 1551. so thut ers doch nit, vnd wirts nimer mehr in ewigkeyt thun, wie
E. F. G. in dissem Buchlin sehen wirt.

Der lugenhafftige Grickel Jsleben,Spottbezeichnung für Johann Agricola. Als Grickel bezeichnete man eine launische, wählerische, nie zufriedene Personen. Vgl. Art. grickeln, in: DWb 9, 249. Eisleben wurde verwendet, da Johann Agricola aus Eisleben stammte. Vgl. zu dieser Spottbezeichnung auch Albers Lied Vom Grickel Interim aus dem Jahr 1548, in: unsere Edition, Bd. 1, Nr. 18, S. 887–892. der grosse spotter beyde, Gottes vnd aller menschen, rhumet sich auch D. Martinus sei seiner meinung vnd ein Jnterimist, desgleichen thun die Adiaphoristen, die Mammelucken.Glaubensabtrünnigen. Vgl. Jan Martin Lies, Art. Mameluck (Mammeluck), in: Lies, Schneider, 95 Schimpfwörter, 127f. Zu der Auseinandersetzung, wer sich in der Frage des Umgangs mit dem Augsburger Interim und der Lehre von den Adiaphora rechtmäßig auf Luther berufen können vgl. unsere Edition Bd. 1 und 2. Dann der Satan schemet sich in seinen Propheten keiner lugen.

Haben doch alle Ketzer ihre lere aus der heyligen Schrifft vnterstanden zu beweisen, ists dann wunder, das solchs D. Martino widderfert?

Jn der Kirchen Historia steht geschrieben, das der Apostel discipel keyn ander wort noch weisse von Christo zu reden horen noch annehmen wolten, dann wie die liebe Apostelln dauon geredt hatten.Mit Blick auf den Apostelschüler Polykarp berichtet z. B. Irenaeus von Lyon: [Polycarpus] haec docuit semper quae ab apostolis didicerat, quae et ecclesiae tradidit, et sola sunt vera. unam et solam hanc veritatem adnuntians ab apostolis percepisse se quam et ecclesiae tradidit. Irenaeus von Lyon, Adversus haereses III, 3, 4 (FChr 8/3, 34,15f, 36,3f; PG 7, 852f). Die griechische Originalversion des Irenaeus-Texts ist erhalten als Zitat bei Eusebius von Caesarea, Historia ecclesiastica IV, 14,4f: ταῦτα διδάξας ἀεὶ ἃ καὶ παρὰ τῶν ἀποστόλων ἔμαθεν, ἃ καὶ ἡ ἐκκλησία παραδίδωσιν, ἃ καὶ μόνα ἐστὶν ἀληθῆ. μίαν καὶ μόνην ταύτην ἀλήθειαν κηρύξας ὑπὸ τῶν ἀποστόλων παρειληφέναι τὴν ὑπὸ τῆς ἐκκλησίας παραδεδομένην. (GCS 9/1, 332,15–17.22–24; PG 20, 337B.C). Also sollen wir auch nie
mand hoͤren, der vff eynandereine andere. weisse von vnser Religion redet, dann Doctor Martinus, vnser Apostel vnd praeceptor, geredt hat. Dann dissen thewern Man hatt Gott zu vns gesandt, den Romischen widderchrist gewaltiglich zu sturtzen vnd von allen Artickeln vnser Religion recht zu reden, dabei gepurt vns zu bleiben vnd vnserm Hern Gott hertzlich dafur zu dancken.

E. F. G. wolt diss Buchlin von mir gnediglich annehmen, lesen vnd darnach richten, darzu vnser Herr Gott E. F. G. seinen heyligen Geist gebe. Amen.

Datum, vff der reyse meines exilii im Wintermonat Anno Domini 1551.

E. F. G. Vntertheniger Erasmus Alberus, exul Christi.Selbstbezeichnung im Sinne von: Märtyrer. Vgl. Osten-Sacken, Exul Christi.

Widder den hochfarendenanmaßenden, überheblichen. Vgl. Art. hochfahren, in: DWb 10, 1613. Geyst, der das Gerechte Blut
vnsers Herrn Jhesu Christi lestert als vntuchtig zu vnser Gerechtigkeyt.

Es ergern sich viel Leuͤte vber der Gelerten zwitracht vnnd vorwundern sich, wie es doch zughet [sic], so die Gelerten einerley Schrifft haben, doch so mancherley opiniones draus fassen. Dergleichen ergernis ist vorzeiten ge
west bei den Heyden, da sie sahen, das vnter den Christen so viel Secten vnd gezenck war.Eine Anspielung auf die zahlreichen Streitigkeiten in der Alten Kirche und die Reaktionen darauf. Vgl. dazu Hauschild, Lehrbuch I.

Nun ist es nit wunder, das menschen irren vnd verfuͤren konnen, dann soͤlchs ist vns angeborn. Ein sonderlich gros gnade aber ist es, das ein mensch bei dem rechten verstand der heiligen Schrifft bleiben kan. Dann wir
sind nit allein von natur zu irthum vnd lugen geneyget, sonder haben dar zu [sic] auch noch einen tausent kunstigenEin tausendfach geübter Meister der Verstellung. Vgl. Art. künster, in DWb 11, 2691. Luther verwandte dieses Bild häufig. Vgl. Martin Luther, Großer Katechismus, in: BSLK, 550,12f; Martin Luther WA 23, 64 (Das diese Wort Christi, 1527). versucher vnd verfurer, einen grossen gewaltigen widdersacher, den Teuͤffel, der vmbher ghet vnd suchet, welchen er verschlinge.Vgl. I Petr 5,8.

Weill nun die Gelerten andern leuͤten den rechten weg zeygen sollen vnd
daruͤmb in der heiligen schrifft studiern, so ghet der Satan den selben viel mehr nach wederals. Vgl. Art. weder III.1), in: DWb 27, 2842f. andern leuͤten, das er ihr hertz verblende vnd inn irthum fuͤre. Wenn er denn die Gelerten vff seiner seiten hat, so stehts wol vmb sein Reich. Darumb richten die Leyhen gar selten kerzerei an, sonder, wie man spricht,Im Original steht hier eine Klammer, anstelle einer Virgel. die Gelerten die verkerten.Sprichwörtlich. Vgl. zu diesem populären Spruch der Reformationszeit, zu der impliziten Bildungsfeindlichkeit sowie zu dessen Vorgeschichte im Antiklerikalismus des 15. Jahrhunderts Gilly, Sprichwort; Oberman, Impact, 201–224.

Vnser Herr Gott hat im Paradeiss gesagt, der Satan werd Christum vnd sein Reich verfolgen bis an der welt ende.Gen 3,15; Apk 12,4f.15–17. Dann weill Christus ein fuͤrst des lebens vnd prediger der warheyt,Vgl. Joh 14,6. dagegen der Satan ein furst des Tods vnd lugen prediger ist,Vgl. Joh 8,44. so ists gut zu mercken, das zwischen dissen beyden fursten keyn fried nimmermehr sein wirt.

Darumb itzt etliche Theologi tollwahnsinnig, verrückt. Vgl. Art. toll I.1.a), in: DWb 21, 632. vnd toricht, rasend vnd vnsinnig, tobend vnd wutend sind, die da vnterstehn, zwischen Christo vnd dem Widderchrist frieden zu machen, vnd vnterwerffen sich dem Bapst vnd gotlosen Bischoffen,Anspielung auf die Lehre von den Adiaphora der Wittenberger Theologen, mit deren Hilfe die kursächsische Politik den Versuch unternahm, die zentralen Elemente des evangelischen Glaubens zu bewahren und gleichzeitig dem Kaiser und seiner Forderung nach Umsetzung des Augsburger Interims zu gehorchen. Vgl. dazu unsere Edition Bd. 2. guter zuuersicht, dieselbige werden inn der Christenheyt also regieren wie die Wolffe vnter den SchaffenVgl. Joh 10,12.. Warumb aber vnser Herr Gott dem
Satan verhengt,zulässt. gestattet. Vgl. Art. verhängen 3), in: DWb 25, 524. das er falsche prediger aussendet,Vgl II Kor 11,13–15. sind zwo vrsachen:

Die erste, das er seine Schuler examinier vnd probier, was sie gelernet, vnd ob sie auch sein wort mit ernst angenommen haben vnd darbei bleiben woͤllen. Disser vrsach wirt gedacht Deutero. 13: Der Herr, ewer Gott, versucht euch, das er erfhar, ob ihr ihn von hertzen vnd von gantzer selen lieb habt.Deut 13,4.
Also schreibt auch S. Paulus. 1 Corin. 11: Es mussen rottenVon Luther häufig verwendete polemische Bezeichnung für Gruppen mit abweichenden Lehrinhalten. Vgl. Diekmannshenke, Schlagwörter der Radikalen, 340–347. vnter euch sein, vffauf. das die, so rechtschaffen sind, offenbar vnter euch werden.I Kor 11,19.

Die ander vrsach ist der menschen vndanckbarkeyt, dann wenn die leute vnserm Herrn Gott vmb sein wort nit dancken, sonder noch wol ergerschlimmer. werden dann zuuor (wie wir itzund leider sehen, das bei dissem hellen liecht des
Euangelii alle bose stuckeTaten, Handlungen. Vgl. Art. Stück II.D.2.f.β), in: DWb 20, 221. vnd wercke der finsternis vberhand nehmen), so nimpt Gott das wort widder von ihnen, wie der Herr spricht Luce 8: Wer da hat, dem wirt gegeben, wer aber nit hat, von dem wirt genommen auch das, [was] er meynet zu haben.Luk 8,18.

Wann nun Gottes wort hinweg ist, so hat der Teuffel das regiment vber den
menschen, vnd wirt mit im erger denn vorhin, wie Christus spricht Luce 11.Vgl. Luk 11,26. Dauon schreibt auch S. Paulus 2. Thessa. 2: Gott wirt ihnen krefftige irthumen senden, das sie gleuben der lugen, weill sie lust haben zur vngerechtigkeyt vnnd nichts nach der lieben warheyt fragen.II Thess 2,11f.

Doch hat vnser lieber Herr Gott der Welt alzeit disse Gnade erzeiget, das er
sein wort nit gar hinweg genummen, sonder immer gute Lerer erweckt hat, dadurch etliche irrigen widder vff die richtige bahnWeg. kummen sind. Also hat Gott auch etliche frumme Lerer im Bapstumb gegeben, die dem Romischen Widderchrist widerstanden haben. Endlich aber, weil der Jungste tag fur handen,kurz bevorsteht. Vgl. Art. fürhanden 5), in: DWb 4, 742f. hat er vns mit seiner Gnade vberschuttet. Dann durch den thewern
Man vnd trewen ProphetenZu den Epitheta auf Luther vgl. Kolb, Luther. D. Martinum hat er vns sein wort so reichlich, so reyn, so klar vnd lauter,deutlich. offenbaret vnd gegeben, das einer ia gernleicht. Vgl. Art. gern 10), in: DWb 5, 3726f. zum Teuffel faren mus, der sich itzt verfuren lest.

Als die SacramentschenderPolemische Bezeichnung, die von Luther auf Andreas Bodenstein, nach seinem Geburtsort genannt Karlstadt, und Huldrych Zwingli und dessen Anhänger gewendet wurde. Vgl. Art. Sakramentsschänder, in: DWb 14, 1677; Lepp, Schlagwörter des Reformationszeitalters, 5, 107. Zum Streit über das Abendmahl vgl. Köhler, Luther und Zwingli. widder das Euangelium anfingen zu toben, gab ich allwegeimmer, beständig. Vgl. Art. allweg, in: DWb 1, 241f. dissen rat: Wer den rechten weg treffengehen, einschlagen. Vgl. Art. treffen III.1.b.β), in: DWb 21, 1619. will, der halte sich an
D. Martini lere. Dann dissen Man hat vns Gott aus sondernbesonderen. gnaden beschert,gegeben, geschenkt. Vgl. Art. bescheren 1), in: DWb 1, 1563. das er vns den rechten weg zum ewigen leben weise. Solchen rat gebe ich noch heutiges tags vnnd sage also: Wer da vnuerfurt sein vnd selig werden will, der habe sein lustFreude, Vergnügen. Vgl. Art. Lust 4.h), in: DWb 12, 1324. in D. Martini Buchern. So einer dieselbige weniger acht, sodesto. er ehe verfurt wirt. Is sciat se in Dei cognitione
plurimum profecisse, cui Lutherus valde placet. Disse Regel gebe ich allen menschen, die da gedencken selig zu werden vnd ist ein gewissesichere. Vgl. Art. gewiss 1.b), in: DWb 6, 6212f. Regel.

Wenn vnser Herr Gott sein Wort durch iemand offenbaret, so sehe man vff den selben man, den Gott erwecket vnd berufft, sein wort zu predigen, vnd bleibe bei demselbigen vnd kere sich nicht an die ihenen, die nach ihm
kummen vnd wollens besser machen. Jmmer bei dem bornQuelle. Vgl. Art. Born, in: DWb 2, 243. vnd vrsprung geblieben. Des will ich etliche exempel setzen:

Adam empfing von Gott das reyne wort. Darnach kam die heylige Schlang mit einer MunchskappenPolemisch gegen die römische Kirche. vnd bracht auch ein predigt, die lautklang, besagte. viel anders wederals. vnsers Herrn Gottis wort.Vgl. Gen 3. Wie solt sich da Adam gehalten haben?
Hett er disse Regel gemercket,befolgt. so were er bei dem ersten wort blieben. Weill er aber das erste verlies vnd nam das ander an, so folget daraus der grosse iamer, den wir noch fur augen sehen vnd teglich fulen, daraus vns niemand denn Christus helffen kan.

Noch ein Exempel: Adam bracht aus dem Paradis die reyne Lere von der
frawen Samen, die der Schlangen kopff zutrettenzertreten. solt,Vgl. Gen 3,15. das ist, niemand wirt selig on durch den Glauben an Christum. Widder disse lere bracht Cain vff die wercklere, das ist, das man durch eygen verdienste vnd gute werck must selig werden, vnd vmb disser verfluchten lere willen ermordet er seinen frummen Bruder Habel,Vgl. Gen 4. der es mit Adam hielt. Welches lere war nu recht?
Adams oder Cains?

On zweiuelZweifel. Adams lere war recht. Cains lere war falsch, denn Adam war fur Cain als der born vnd vrsprung. Noch ein Exempel: Nach der Sindflut war Noe der Born vnd vrsprung vnd der rechte Prediger Gottes worts. Nach ihm kam sein Sone Ham, der bracht ein newe lere vff erden vnd
richt viel abgoͤtterei an.Vgl. Gen 9,20–26. Wer nun zur selben zeit nicht wolt des Teuffels sein, der bleybe bei Noe predigt. Das vierde Exempel: Mose hatte die rechte lere von Gott empfangen. Nach ihm vnd widder ihn erhub sich Korah sampt seiner geselschafft vnd hernach viel falscher Propheten.Vgl. Num 16. Welcher da nit wolt zum Teuffel faren, der bleybe bei dem born vnd vrsprung, das ist, bei
Mose vnd lies die Rotten faren.gab die Abweichler auf, ließ sie fallen. Vgl. Art. fahren 13), in: DWb 3, 1255f. Das funffte Exempel: Vnser Herr Christus gab sein wort den Apostelln. Nach den Apostelln kamen andere lerer, die es besser machen wolten. Wer da nit wolt mutwilliglich zum Teuffel faren, der bleybe bei der Apostell lere. S. Johannes der Euangelist hatte die rechte lere von Christo selbst empfangen. Nach ihm neben ihm vnd widder ihn war
Cerinthus.Kerinth lebte im ersten nachchristlichen Jahrhundert und lehrte gnostische Vorstellungen. So sollte die Welt von einer Kraft erschaffen worden sein, die vom Ursprung des Alls weit entfernt sei. Jesus sei der Sohn Josefs und Marias gewesen. Auf ihn sei nach der Taufe das Urprinzip Christos herabgekommen. Danach habe er Wunder vollbracht und den unbekannten Vater verkündet. Christos sei schließlich wieder von ihm gewichen und Jesus habe gelitten und sei von den Toten auferweckt worden. Christos hingegen sei vom Leiden unberührt geblieben, da er rein geistig war. Vgl. Josef Frickel, Art. Kerinthos, Kerinthianer, in: LTHK4 5 (1996) 1402f. Wenn du nu zur selben zeit gelebt hettest, zu welchem woltestu dich gehalten haben? Jch were bei Johanne blieben vnd hett Cerinthum lassen faren. S. Paulus hatte die Galater recht gelert, nach ihm kamen andere, die es besser machen wolten.Vgl. Gal 1,6–10. Hetten nun die Galater disse Regel gemercket, so weren sie bei dem Born vnd vrsprung blieben vnd hetten die lacu
nasSümpfe. vnd cisternasZisternen, Brunnen. lassen faren.Vgl. Joh 4,10–14.

Da die gantze Welt durch Mahomath vnd Bapst verfuret war, erwecket vnser Herr Gott seinen auserweleten werckzeug D. Martinum vnd offenbaret vns durch denselbigen, seinen trewen Diener, sein heyliges Wort. Nach ihm aber kamen Carlstad, ZwingelAndreas Bodenstein von Karlstadt und Huldrych Zwingli. Vgl. Anm. 52. vnd andere die es besser machen wol
ten. Bei welchem sol ich nun bleiben? Soll ich den Born vnd vrsprung verlassen vnd aus den Cisternen vnd Kroͤten pfuͤtzen sauffen? Das las ich wol. Aber die leute sind furwitzig,abenteuerlustig in einem unbesonnen, übermütigen und lüsternen Sinn. Vgl. Art. voritzig b), in: DWb 26, 1957. newer dinge begirig vnd der reinen lere vberdrussig, es eckelt ihnen fur dem HimmelbrodtVgl. Ex 16., drumb geschicht ihnen recht, das sie verfurt werden vnd zum Teuffel faren. So mercke nun lieber
Christ disse Regel vnd las sie dir nicht nehmen, denn sie ist gewiss, wie ein iglicher, der nicht widder sein eygen gewissen reden will, bekennen mus: Rectum est quodcunque primum fuit, posterius adulterinum, sagt Tertullianus.Tertullian, Adversus Praxean 2,2 (PL 2, 157B; FChr 34, 104f). Es hat aber itzt der Satan ein newe list erdacht, die leute zu betriegen. Denn weil er sihet, das D. Martinus bei vns in grossem ansehen ist, so
braucht er eyn recht bubenstuck,ausgemachten Schurkenstreich. Vgl. Hans-Otto Schneider, Art. Bube, Bubenstück, buben, in: Lies, Schneider, 95 Schimpfwörter, 34f. das seine Propheten ihre lugen mit D. Martini buchern schmucken, wie wir sehen an dem verfluchten Buben Magister Jnterim zu BerlinJohann Agricola. Dieser verfasste nach Fertigstellung des Augsburger Interims für den kursächsischen Rat Christoph von Carlowitz einen Ratschlag, in dem er anhand von Luther-, Melanchthon- und Bucerzitaten das kompromissbereite Verhalten gegenüber dem Kaiser in Religionsfragen zu rechtfertigen suchte. Vgl. Kawerau, Agricola, 262. Vgl. zu Agricolas Rolle überdies unsere Edition Bd. 1. vnd an den schendlichen Bauchknechten,Vgl. Röm 16,17f; Phil 3,18f. Vgl. zudem Hans-Otto Schneider, Art. Bauchknecht, in: Lies, Schneider, 95 Schimpfwörter, 26–28. den Adiaphoristen,Vgl. dazu unsere Edition Bd. 2. desgleichen am Osiander.

Grickel,Johann Agricola. Vgl. Anm. 19. des Teuffels Kind, voll aller list vnd aller Acto. 13.Vgl. Act 13,10.schalckeyt vnd feind
aller gerechtigkeyt, der nicht vffhoͤret, abzuwenden die rechte Wege des Herrn, rhumet, wenn D. Martinus itzt lebt vnd sehe das schone Jnterim, er wurde fur freuden vffspringen vnd noch zehen Jahre lenger leben.In Verhandlungen mit Markgraf Johann von Brandenburg-Küstrin empfahl Agricola die Annahme des Augsburger Interims vor allem dadurch, dass er behauptete, Luther sei zu den größten Zugeständnissen gegenüber der römischen Kirche bereit gewesen, solange der Artikel von der Rechtfertigung rein gelehrt würde. Er bezeichnte dabei Luther als seinen geistlichen Vater und führte aus, dass Luther, wenn er diesen Tag noch erlebt hätte, er Herz, Augen und Hände gegen Gott aufgehoben und für solches Jubeljahr Gott gedankt haben würde. Ja, er hätte wol noch zehn Jahre länger gelebt. Kawerau, Agricola, 263f, bes. 264. Der heylose spotter beyde, Gottes vnd der Menschen, soll seinen woluerdienten lohn noch wol empfahen vnd mit dem Teuffel circuitumPolemische Anspielung auf das Recht auf freie Bewirtung (Circuitio) von Visitatoren, die von Bischöfen zu einer Visitation der Landgemeinden bestellt waren. Vgl. Franz Michael Permaneder, Art. Circuitores, in: WWKL2 3 (1884), 367. im hellischen
fewer halten. Er ist auch noch in D. Martinus Banne,Vermutlich eine Anspielung auf die Entzweiung zwischen Agricola und Luther im (ersten) antinomistischen Streit 1537–1540. Vgl. Richter, Gesetz und Heil, 60–66. darin gedenckt er zu sterben, drumb mus er ewiglich verderben. Vnd wer ihn horet, der ist mit ihm ein kind des hellischen fewers.

Warlich der Satan ist nicht faul noch seumig, braucht allerley tucke,Tücke = Listen, Hinterhältigkeiten. sein Reich zu stercken. Vnd weil er itzt des Herrn zukunfftAnkunft. fulet vnd das er
schier inn den feurigen Pful soll geworffen werden,Vgl. Apk 20,10. so gedenckt er, ein grossen Hauffen grosser Hanseneinflussreiche Leute; vgl. Art. grosz I.F.1.c.β), in: DWb 9, 481f; Art. Groszhans, in: DWb 9, 541f. mit sich in die Helle zu furen. Denn er ist eyn hoher, stoltzer Geyst vnd hat gern hohe leute in seinem hofe. Er hat vnter ihm viel vnd grosse Lender dem Mahometh vnterworffen, er hat vnter ihm die Muscowiten,Moskowiter. Zeitübliche Bezeichnung für das Großfürstentum Moskau, bzw. das russische Zarenreich. darnach in Europa die meyste Konigreiche, Vnd will
dannoch damit der greuliche Wolff nicht gesetiget sein. Dann weill er ein Furst der welt ist,Vgl. Joh 12,31. so hett er auch gern das vbrige kleyne heufflin, so des Herrn Jesu stimme hoͤret, vnd darzu braucht er itzt furnemlich drei wege: Der erste heyst Jnterim (die Bawern nennens QuenterimPolemisches Wortspiel, welches das Interim als faule Angelegenheit abwerten soll, durch die Verbindung der Worte Que und Interim, vgl. Art. que, in: DWb 13, 2334. oder LuntherusTagedieb. Vgl. Art. Lunterus, in: DWb 12, 1309; zugleich ein polemisches Wortspiel, um die Differenz zwischen Luther und dem Interim (Lunterus) aufzuzeigen.), damit hat ers so weit bracht, das sich viel Fursten vnd Stedte demselben
wusten GrewelGräuel. vmb eines armen, elenden, siechen, stinckenden, wurmessigen,wurmstichigen. Vgl. Art. wurmäszigen, in: DWb 30, 2259. sterbenden, gotlosen, verfluchten vnd verdampten menschenGemeint ist wohl Kaiser Karl V., auf dessen Geheiß das Augsburger Interim 1548 erstellt und erlassen wurde. Vgl. unsere Edition Bd. 1. willn vnterworffen vnd die erkandte warheyt verleugnet haben. O, ein greuliche sunde widder den heyligen GeystKonjiziert aus: Gryst.Vgl. Mt 12,31f; Mk 3,28–30; Lk 12,10. vnd ein gros, schrecklich zeychen vor dem Jungsten tage.Vgl. Apk 13,13f; 16,13f.

Der ander weg heyst Adiaphora (die Bawern nennens QuadiaphoraPolemisches Spiel mit den Worten quad, quat = schlecht, böse und Adiaphora. Damit sollte die Lehre von den Adiaphora als unrecht und widergöttlich diskreditiert werden. Vgl. Art. quad, quat, in: DWb 13, 2294. vnd QuadenteuffelWohl: Erzteufel. Verbindung des Wortes quad, quat mit Teufel. Zur Intention vgl. Anm. 104.), da hat der Satan die hochgelerten an sich gezohen,gezogen. die helffen ihm ein heuchelkirch anrichten vnd hindern den lauff des Euangelii, dann ihr falsches, vnbestendigestreuloses. Vgl. Art. unbeständig 5), in: DWb 24, 365f. hertz thut draunwahrlich. Vgl. Art. traun 4), in: DWb 21, 1530f. grossen schaden vnter vns, weil sie ein gros ansehens haben. Was sie zuuor beyd, offentlich vnd
sonderlich, ver-dampt haben, das widderuffen sie itzt mit vnuerschampten huhrnstirn.frecher Schamlosigkeit. Vgl. Art. Hurenstirn, in: DWb 10, 1964; Art. Stirn 2.c.α), in: DWb 18, 3192. O, wie viel leute hindern sie, der warheyt zu gehorchen.

Vnser Herr Christus lobt Johannem den Teuffer, weill er vff einer rede bestendig bleybe vnd weder Herodem noch keynen Gotlosen achtet, wie der
heylige Geist Psal. 15 befihlt,Vgl. Ps 15,2–4. war nit ein rhur,Rohr. das der wird hin vnd her webt, hatte nicht weyche, adiaphoristische kleyder an.Vgl. Mt 11,7f; Lk 7,24f. Wie nun Johannes der Teuffer vmb seines bestendigen gemuts willn lobens werd ist, also sind vnser ThalerologenPolemisches Wortspiel, dass Alber nutzt, um den Wittenberger Theologen wegen ihrer Lehre von den Adiaphora Käuflichkeit (Taler) zu unterstellen. Beispiele dafür sind auch die Bezeichnungen Dr. Geiz für Georg Major (vgl. Amsdorfs Schrift Wider den Evangelisten des Chorrocks D. Geiz Major, unsere Edition Bd. 3, Nr. 3) und Dompropst, d. h. in diesem Fall Pfründenjäger, für Johann Pfeffinger, vgl. dazu Jan Martin Lies, Art. Dompropst/Propst/Domherr, in: Lies, Schneider, 95 Schimpfwörter, 47f. werd, das sie wie das tummeeigentlich: dumme, törichte. Hier jedoch wohl im Sinne von: schlechte, unnütze. Vgl. Art. tumm, in: DWb 22, 1717. Saltz mit fussen zutretten werden, wie der Herr sagt, Matth. 5.Vgl. Mt 5,13; Mk 9,50; Lk 14,34f. Ja, es were ihnen besser, das
eyn Mulstein an ihren hals gehenckt vnd gewurffen wurdenMatth. 18.Vgl. Mt 18,6; Mk 9,42; Lk 17,2. inns Meer, da es am tieffsten ist.

Der dritte weg ist die newe ketzerei Osiandri, da wil vns der Satan des aller hohesten Artickels vnser Religion (daher wir Christen heissen) vberdrussig vnd mude machen vnd hindern, das Gottes wort nit auch in Polen vnd Reus
sen geprediget werde. Die arme Christenheit ist nicht geplaget gnug, Osiander mus sie noch mehr betruben, vff das er die Schrifft helffe erfullen: Et super dolorem vulnerum meorum addiderunt. Psal: 69.Ps 68,27 (Vg).

O, wie lobt derselbe schone Teuffel die ewige Gerechtigkeyt Gottes,Vgl. z. B. Andreas Osiander, Von dem einigen Mittler (1551), in: OGA 10, 240,19–246,26. vff das er mit demselben schein das gerechte Blut vnsers Herrn Christi vnder die
fusse trette vnd vns vnser hohste ehre beraube.Vgl. Anm. 17. Dann des menschlichen Geschlechts hohste ehre ist, das das WORT Fleysch worden ist.Vgl. Joh 1,14. So streittet nun der bose Geist darob,darüber. das vns das Blut Jhesu Christi nit gerecht mache, vnd weiset vns ghenin Richtung. Himel, die Gerechtigkeyt Gottes zu suchen, so doch die Gerechtigkeyt Gottes zu vns vom himel kummen vnd
mit vnserm fleisch vnd blut in der Jungfrawen Maria leib ein Person worden ist, da wir sie suchen vnd gewiss finden sollen.

Der Teuffel wolt gern vnser lere bei den vngleubigen verdechtig machen vnd viel leute an der erkentnis Christi hindern. Dann wann die vnuerstendigen horen, das die Lutherischen Lerer vnternander vneyns sind, so haben sie ein
abschewens furm Euangelio, wiewol sie nit entschuldiget sind. Dann (wie vnser Herr ChristusJohan. 7.Vgl. Joh 7,17. spricht), so iemand will des Vaters willn thun, der wirt innensich bewusst. werden, ob disse lere von Gott sei.

Da sind viel schoner Bucher D. Martini furhanden, daran halte sich ein iglicher, der da will recht thun vnd kere sich nichts an das gezenck der vbel
gelerten.Irrlehrer. In Anlehnung an die Verwendung des Worts übel im Sinne von: sündhaft, schlecht, böse usw. Vgl. Art. übel 6.b und c), in: DWb 23, 16. D. Martinus hat so klar von vnser Religion geschrieben, das ich nit weys, wie ein mensch irren konne, der sich an seine lere helt. Wer nun dieselbige heylsame lere angenummen hat, der dancke Gott von gantzem hertzen vnd kerewende. sich an keynen andern Geyst, er prangeglänze, beeindrucke. prahle. Vgl. Art. prangen 2), in: DWb 13, 2065. auch so doch mit worten als wolle, vnd wann er gleich wunderwerck thet, so verachte du
ihn doch, dann der TeuffelMatt. 24.Vgl. Mt 24,24. kan auch zeychen thun. Bleibe du, lieber Christ, auff dem Wege, den du ghest, vnd bitte Gott teglich vmb Gnade, das dich der schone Engel(), denn er selbst, der Satan, verstellt sich als Engel des Lichts. II Kor 11,14. nit dauon fure, vnd bete mit Dauid also:

O, das mein leben deine rechte mit gantzem hertzen hielt. Wann ich schawschaue. vff dein Gepott, so werde ich nit zu schanden.verderben. Jch dancke dir von rech-
tem hertzen, das du mich lerest die Rechte deiner Gerechtigkeyt, verlas mich nimer mehr.Ps 119,5–8. Jch suche dich von gantzem hertzen, las mich nit feilenverfehlen, abirren von. deiner Gepott.Ps 119,10. Jch frewe mich des wegs deiner zeugnis, alswie. vber allerley reichthumb.Ps 119,14. Das Gesetz deines mundes ist mir lieber, dann viel tausent stucke Gold vnd Silber.Ps 119,72. Das ist meyn Schatz, das ich dein
befehl halte. Das sol mein erbe sein, das ich deine wege halte.Ps 119,56f. Lugen bin ich gram vnd habe grewel daran, aber dein Gesetz habe ich lieb.Ps 119,163. Jch habe lust zu deinen zeugnissen, die sind meine Ratsleute,Ps 119,24. deine rechte sind mein lied inn meinem hause.Ps 119,54. Jch habe den weg der warheit erwelet, deine rechte hab ich fur mich gestelt,Ps 119,30. fure mich vff dem steigeWege. Vgl. Art. Steig 2.a), in: DWb 18, 1863. deiner
gepott, dann ich habe lust darzu,Ps 119,35. wende von mir den falschen weg vnd ghunne mir dein Gesetz.Ps 119,29. Lasse meinen gang gewiss sein in deinem wort vnd lasse keyn vnrecht vber mich herschen [sic].Ps 119,133. Mein hertz bleibe rechtschaffenKonjiziert aus: rechtschvffen. in deinen Rechten, das ich nit zuschanden werd,Ps 119,80. vnd nim ia nit von meinem munde das wort der warheyt etc.Ps 119,43.

Lieber Christ, du woltest in dissem hundert vnnd neunzehnden Psalmen offt mit fleis lesen, so wirstu reichlich finden, wie dein hertz gegen Gott stehen soll, vnd habe eyn hertzlich wolgefallens an Doctoris Martini buchern, vnd sonderlich liese gern inn seiner HauspostillVeit Dietrich, einer von Luthers engsten Mitarbeiter, publizierte 1544 seine Mitschriften von Luthers Hauspredigten, die sogenannte Hauspostille. Vgl. WA 52. vnd inn der Auslegung des vierzehnden, funff-zehnden, sechszehnden vnd siebenzehnden Capi
tels Johannis.Vgl. dazu WA 28, 45 und 46.

Wer D. Martini Lere lieb hat, vmb den selben Menschen stets wol. Wer aber sein lere gering acht, der ist falschuntreu. Vgl. Art. falsch 2), in: DWb 3, 1292. vnd weys nichts von Gott. Mit denen aber stets ser vbel, die gar nichts vom Euangelio wissen vnd hoͤren, das die Lutherischen lerer vneyns sind, die gedencken bei ihrem alten irthumb zu
bleiben, bis die Gelerten der sachen eyns werden vnd kummen also nummermehr zur erkendnis der warheit. Denselben geschicht aber recht, weill sie nicht mit ernstEifer, Nachdruck. Vgl. Art. Ernst 5), in: DWb 3, 924f. nach dem Reich Gottes gedracht vnd die gnadenreiche zeitVgl. Lk 4,19; II Kor 6,2. des offenbarten Euangelii schendlich verseumet haben. Vnd weil sie warten wollen, bis die Gelerten der sachen eins werden, so mussen sie ewig
lich warten. Es sind alzeit falsche Lerer gewest vnd werden falsche Lerer bleiben bis an der welt ende.Vgl. Mt 24,24.

Weill aber viel leute sich an der Prediger zwispalt ergern vnd das Euangelium fur ein zenckische vnd argwonige lere halten vnd also in ihren sunden verderben, spricht deshalben vnser Herr Christus: Wehe demMatth. 18Mt 18,7. menschen
durch welchen ergernis kumpt. Weill vnser Herr Christus wust, das der Satan die Christenheyt mit Secten plagen wurde, so vermanet er seine Junger, sunderlich als er von hinnen scheyden wolt, ser vleissig, das sie eins sein vnd das Band der liebe nicht zutrennen woltenVgl. Joh 15,9–17. (denn aus hoffart vnd verachtung wechst alle Ketzerei), vnd stellet ihnen fur das exempel seiner vnaus
sprechlichen liebe gegen vns menschen, waschet ihnen zu warzeychensichtbaren Erinnerung. Vgl. Art. Wahrzeichen II.3.i), in: DWb 27, 1025. vnd gedechtnis die fusse.Vgl. Joh 13,1–20. O, wie steinhart Hertzen sind es, die sich soͤlche liebliche, freundliche, holdselige predigt vnd vetterliche vermanung des HERN, sampt seinem demuͤtigen exempel des fuͤswaschens vnd darzu seines Blutvergiessens, nicht bewegen noch erweychen lassen vnd richten
Secten an. Hetten sie Christum lieb, so weydeten sie seine Johan. 21.Vgl. Joh 21,15–17.Schafe vnd hielten sie zusamen.

Der Satan fuͤlet wol, was ihm vnser Heubtartickel Justificationis, durch D. Martinum erleuchtet,klar dargestellt. fur ein grossen abbruch an seinem Reich thut, drumb versucht er sich am selben vff mancherley weise, vff das wir ihn widderumb
verliessen.

So will ich nu mit Gottes huͤlffe den einfeltigenaufrichtigen, redlichen. Vgl. Art. einfältig 2), in: DWb 3, 173. Christen einen gruͤndlichen,ausführlichen, vollständigen. Vgl. Art. gründlich B.2.a.β), in: DWb 9, 848f. klaren vnd lautern Bericht thun vff Osianders Buch,Osianders Schrift Von dem einigen Mittler. welchs funff vnd xx. QuaternQuart ist ein Papierformat, bei dem der Bogen zweimal gefaltet wird, daher vier (lat. quartus) Blätter, das sind acht Seiten pro Bogen, ergibt. hat, darin er vnsers lieben Herrn Christi Blut lestert als vntuchtig zu vnser Gerechtigkeit, verkleynet das heylige, theure Blut
Gottis vnd nennets nach Arrianischer Der Presbyter Arius (um 260–336) verleugnete im vierten Jahrhundert die Wesenseinheit Gott Vaters und des Sohnes. Seine Lehre, die Christus wohl als göttlich, jedoch als aus dem Vater geboren und damit als Geschöpf begriff, wurde auf den Konzilien von Nizäa im Jahr 325 und Konstantinopel im Jahr 381 ausdrücklich verworfen. Vgl. Hans Christof Brennecke, Art. Arius/Arianismus, in: RGG4 1 (1998), 738–743; Adolf Martin Ritter, Art. Arianismus, in: TRE 3 (1978), 692–719. weise ein Creatur,Vgl. Anm. 17. vff das er ihm abschneide die krafft zu rechtfertigen, trennet vns den Herrn Christum vnd wuͤlet in der heyligen Schrifft, wie ein wilde Sawe in eym Weinberge.Vgl. Ps 79,14 (Vg); vgl. zudem die Ähnlichkeit dieser Passage mit dem Beginn der Bannandrohungsbulle Leos X. gegen Luther, bei: Fabisch/Iserloh 2, 364f. Schrecklich vnd greulich ist es, das der Hohmuͤtige Geyst schreibt, es sey ein greulicher irthumb vnd lauter gedicht,Lügen. Vgl. Art. Gedicht 5.b.α), in: DWb 4, 2015. Vgl. Osiander, Von dem einigen Mittler (1551), G 4r–v, in: OGA 10, 156, 5–15: Soͤlche irren all sehr greulich, erstlich das sie das woͤrtlein rechtfertigen verstehen und auslegen allein fur gerecht halten und sprechen, und nicht mit der that und in der warheit gerecht machen, darnach auch in dem, das sie dar kein unterscheid halten zwischen der erloͤsung und zwischen der rechtfertigung, so doch ein grosser unterscheid ist, (), ferner auch in dem, das sie nichts bestendigs koͤnnen setzen, was doch die gerechtigkeit Christi sey, die durch den glauben in uns muͤss sein und uns zugerechnet werden, und entlich irren sie auch in dem am allergrobsten, das sie die goͤttliche natur Christi von der gerechtigkeit absundern und Christum zertrennen und auffloͤsen, welchs gewislich des leidigen teuffels werk ist. das wir sagen (ia die heylige
Schrifft sagt es), Christus habe vns mit seinem Blute gerechtfertiget. Das heyst die Menscheit Christi gelestert, die Goͤtliche warheit lugenstrafft, Gottes Rat verachtet vnd seine Weisheit fur narrheit gehalten.

Der gute Johannes der Euangelist mus auch zum luͤgener werden, der da geschrieben hat, das WORTJoh. 1.Im Original steht: 1. Joh.,Vgl. Joh 1,14. 1. Joh. 1.Vgl. I Joh 1,7. sei Fleisch worden vnd das Blut Jhesu
Christi Gottes Soͤnes reynige vns von aller Suͤnde.

Vnd der frumme Paulus mus dem Osiander auch liegen, da er schreibt,Ebre. 9.Röm 4,25. Christus sei gestorben vmb vnser suͤnden willen, vnd vfferstanden vmb vnser Gerechtigkeit willn. Denn darumb ist ia Gottes SoͤneSohn. Mensch worden, das er dem Gesetz an vnser stat gnug thet vnd die straff, so wir vmb vnsers vn
gehorsams willen verdienet hatten, durch seinen gehorsam vff sich luͤde vnd sich alsJesa. 53.Vgl. Jes 53,4f. vnser Hoherpriester vnd Mitteler fur vns opffert, dem Vater einen suͤssen geruͤch zu vergebung vnser Suͤnden.Vgl. Eph 5,2.

Disses Hohenpriesters ampts wolt vns gern der Satan berauben vnd weisen dorthin zu der ewigen Gerechtigkeit Gottes, im schein, als meyne ers ser gut
mit vns nach der alten, listigen SchlangenVgl. Anm. 4. art. Ja, du schoͤner Engel,Vgl. Anm. 129. du hasts wol troffen. Gottes ewige Gerechtigkeit hat beyde, dich vnd vns, verdampt, vnd solten wir Gerecht werden, so muͤst Gottes Soͤne vnser Natur an sich nehmen, fuͤr vns das Gesetz erfuͤllen vnd vnsere schmertzen vff sich laden, sunst were vns die ewige Gerechtigkeit nicht allein nicht nuͤtze
noch foͤrderlich, sonder auch verdamlich gewest, weill wir Gottes feindeVgl. Röm 5,10. vnd kinder des ZornsVgl. Eph 2,3. waren.

Solten wir von Suͤnden los vnd gerecht werden, so muͤst Gottes Son mensch werden, das Gesetz fuͤr vns erfuͤllen, vnsere wol verdiente straff durch sein leiden von vns nemen. Darumb ist des Herrn Christi Gepurt,
Gehorsam, Leiden, Sterben vnd Vfferstehung vnser Gerechtigkeit vnd seligkeit. Gott sey lob in ewigkeit fuͤr seine grosse barmhertzigkeit. O du vberschwengliche Guͤtigkeit vnd herligkeit, vns armen menschen widerfaren, soltu noch durch menschen veracht, verworffen vnd gelestert werden, denen doch solche ehre widerfaren ist. O du schendtliche,
schreckliche, greuliche vndanckbarkeit solcher menschen, die ihre himmelische schetze vnd ewige Reichtumme nicht erkennen noch achten.

Das heylige vnd Gerechte Blut vnsers Herrn Christi will vns der Osiander nichtig, vnnuͤtz vnd vntuͤchtig zu vnser gerechtigkeit machen, vnd fuͤret ein newe weise, vom Blute Christi zu reden, der heyligen Schrifft gar
vnbekand vnd spricht, wir werden gerecht durch Gottes Gerechtigkeit vnnd nicht duͤrch vnsers Herrn Christi Blut,Vgl. Anm. 17. will also das Wort vom Fleisch vnd die Gerechtigkeyt vom Blute Christi scheyden.

Wir keren vns aber nicht an des Luͤgengeystes gepoͤlter, sonder gleuben, sagen vnd bekennen von gantzem hertzen, mit allen freuden, das WORT sei
Fleysch worden,Vgl. Joh 1,14. vnd dancken dem allerguͤtigsten Gott vmb seine Goͤtliche ehre vns menschen geschehen vnd suͤchensuchen. vnser Gerechtigkeit nirgend anders, denn im Fleysch vnd Blute Jhesu Christi.

Wenn man nu den Osiander fragt, warumb sagestu, das wir durch das Blut Christi nicht Gerecht werden, so ist diss sein Antwort: Christus blut
ist ein Creatur. Wie kan vns ein Creatur rechtfertigen?Vgl. Anm. 17. Sihestu da den ArriumVgl. Anm. 165. herfur ghucken? Ja, wenn es mein oder eins andern Suͤnders blut were, oder wenn es Kuͤhe oder Bocks blut were, das kundt vnns freilich Ebr. 10.,Vgl. Hebr 10,4. Ac. 10.,Vgl. Act 10,43. Coloss. 2.Vgl. Kol 2,9. nicht gerecht machen. Aber S. Paulus spricht, wir seyen duͤrch Gottis Blut erworben, vnd volkummen in Christo, als in dem die gantze fuͤlle der
Gotheit leibhafftig wonet. Duͤrch sein Blut sind wir gerecht worden, Ro. 5.Vgl. Röm 5,9. Christus Blut ist nicht ein schlechtschlichtes, einfaches. Menschen blut, sonder (wie es S. Paulus nennet) Gottis Blut, denn in dissem Blute sind verborgen alle SchetzeColos. 2.Vgl. Kol 2,3. der weissheit vnd erkendniss.

Das Gott von natur vnd ewigkeit gerecht vnd die Gerechtigkeit selbst ist, das
macht vns nicht gerecht, sonder also heyst es: Were vns das Kindlin nit geborn, so weren wir allzumal verlorn.Lied: Ein Kindelein so löbelich, Strophe 1, in: Wackernagel II, Nr. 697, S. 525. Druͤmb spricht S. Paulus: Halt in gedechtnis Jhesum Christum, der von den Todten vfferstanden ist, 2. Timo 2.II Tim 2,8.aus dem Samen Dauid, nach meinem Euangelio. Das Gottes Soͤne ist Dauid Soͤne vnd mensch worden, dadurch werden wir allein gerecht. Sunst weren wir
nymmermehr gerecht worden. Gott hat seines eingebornen Soͤnes nicht verschonet, sonder denselben (Non tantum filium Mariae, verumetiam Dei filium) fuͤr vnsRo. 8.Vgl. Röm 8,32. gegeben vnd vns mit ihm alles (on zweiuel auch die Gerechtigkeit) geschencket. Durch des Herrn Christi gehorsam sind wir Gerecht worden, Roma 5.Vgl. Röm 5,19. Das Christus fuͤr vns zur suͤnden gemacht ist,
dadurch sind wir gerecht, 2. Cor. 5.Vgl. II Kor 5,21.

Nemand [sic] kundt das Gesetz halten, drumb war niemand gerecht. Christus allein hat das Gesetz fuͤr vns gehalten, daher sind wir gerecht. Sein gehorsam vnd volkummenheit ist vnser Gerechtigkeit. Es must ein bezalung vnd gnugthuung fuͤr vnsere Suͤnde geschehen. Vnd muͤst das Gesetz in
menschlicher natur gehalten sein, weill es aber niemand halten kundt, ward Gottes Soͤne selbst mensch vnd erfuͤllet das Gesetz an vnser stat, dieselbige erfuͤllung ist vnser Gerechtigkeit. Denn wer das Gesetz helt, der ist gerecht, Roma. 2.Vgl. Röm 2,13. Weill wir das Gesetz nicht erfuͤllen kundten, ward Gottes Soͤne Mensch vnd erfuͤllet fuͤr vns das Gesetz, das wir nun fuͤr Gott duͤrch
Christum gerecht sind, Roma. 8.Vgl. Röm 8,1–4.

Christus ist des Gesetzes ende vnd erfuͤllung, wer an den gleubt, der ist gerecht, Roma. 10,Vgl. Röm 10,4. Acto. 13.Vgl. Act 13,39. Also steht auch Jesa. 53: Duͤrch sein erkendnis, das ist, durch den Glauben an Christum, wirt er, mein Knecht, viel gerecht machen, denn er tregt ire suͤnde.Vgl. Jes 53,12. Sihe da, das Christus vnser
suͤnde tregt, dasselb ist vnser Gerechtigkeit. Drumb spricht er Jesa. 43: Mir hastu erbeit gemacht in deinen Suͤnden, vnd hast mir muͤhe gemacht in dei-nen missethaten. Jch, Jch tilge deine vbertrettung vmb meinen willen vnd gedencke deiner Suͤnde nicht.Jes 43,24f. Christus hat vns mit seiner sawernmühevollen. Vgl. Art. sauer II.3.b.β), in: DWb 14, 1865. erbeyt, das ist, mit seinem leiden vnd sterben die Gerechtigkeit vnd der
Suͤnde vergebung erworben. Christus hat fuͤrvor, aus. vnaussprechlicher angst, vmb vnser suͤnden willn, bluͤtigen schweys geschwitztVgl. Lk 22,44. vnd sein Blut vergossen zu vergebung vnser suͤnden. Drumb last vns, Gott zu ehren, vns zu trost vnd dem Teuffel zu trotz sagen: O du heyliges Blut Gottes, du bist mein Gerechtigkeit. Du hast mich gereyniget von meinen suͤnden, dir sei
lob vnd danck in ewigkeit.

Das Christus fuͤr sich gerecht ist, das were vns nicht nuͤtze gewest, wenn er vns nicht mit seinem Blut von suͤnden gereiniget vnd gerechtfertiget hett. Duͤrch seine Wunden sind wir geheylet worden, Jesa. 53.Jes 53,5. Vnd Zacha. 9: Du lest aus deine Gefangene, duͤrchs Blut deines Bundes.Vgl. Sach 9,11. Das mag
ie ein grosse Gnade vnd hehrligkeit sein, damit vns Gott verehret hat. Er warff vnsere suͤnde vff Christum, die hat Christus vertilget duͤrch seinen gehorsam leiden vnd sterben. Gottes Soͤn hat das Gesetz in menschlicher natur gehalten vnd erfuͤllet. Denn die ewige Gerechtigkeit Gottes (welche Christus selbst ist) macht vns nich t ge-recht on seinen gehorsam,
Blutuergiessen, leiden vnd sterben. Drumb ists ein Teuffelischer mutwill,Frevel. Vgl. Art. Mutwille 3), in: DWb 12, 2833. das Osiander die erloͤsung vnd vergebung der suͤnden von des Herrn Christi Gerechtigkeit vnd Blut absondert.

S. Johannes schreibt, Christus sey die versoͤnning [sic] fuͤr vnsere suͤnde.Vgl. I Joh 2,2. Jst die Suͤnde versoͤnet, so sind wir gerecht, das felet
nimmermehr. Vnser Herr Christus spricht, sein Gang zum Vater, das ist, das er duͤrch den Todt vnd vfferstehung zum VaterJohan. 16.Vgl. Joh 16,10. ghet, sei vnser Gerechtigkeit. Also schreibt auch sein trewer diener Paulus, Roma. 5, vnd spricht, der Tod vnd vfferstehung Christi sei vnser Gerechtigkeit.Vgl. Röm 5,8–11. Vnd Phil. 3. spricht er, die krafft der vfferstehung Christi vnd gemeinschafft
seiner leiden sei vnser Gerechtigkeit.Vgl. Phil 3,10. Vnd Titum 1. & 3., wir werden gerecht duͤrch Christus gnade.Vgl. Tit 1,9; 3,7. Vnd disse Gnade nennet S. Paulus Roma. 5.Vgl. Röm 5,1f. die Gnade des menschen Jhesu Christi, vff das wir viel mehr sehen vff seine Gnade vnd Menscheit, wederals. vff seine ewige Gerechtigkeit vnd Gotheit, welche vns ausser des Herrn Christi menscheit schrecklich vnnd
nicht troͤstlich ist. Denn were er nicht Mensch worden, so hett vns seine Gerechtigkeit nimmermehr gehulffen. Wir wollen vnser Gerechtigkeit nirgend anders suͤchen, dennals. in Marien schos, an ihren Bruͤs ten, in der Krippen vnd windeln vnsersKonjiziert aus: vnses. Herrn Christi, vnd nicht ghen Himmel darnach ghaffen.

Des Herrn Christi menscheit ist vnser leyter hie vff Gene. 28.Vgl. Gen 28,12.erden, die rhuͤret mit der spitzen bis an himmel, daran halten wir vns, dadurch steigen wir inn himmel. Ebre. 9. steht geschrieben: Vnser Herr Christus habe vns mit seinem Blute ewige erloͤsung erworben.Vgl. Hebr 9,12. Dieselbige erloͤsung halten wir fuͤr vnsere Gerechtigkeit.

Jn dissem leben haben wir nicht die volkummene Gerechtigkeit, dauon Osiander schreibt,Vgl. Osiander, Von dem einigen Mittler (1551), P 2r, in: OGA 10, 216,2–13: So ist nun Vater, Son und heiliger Geist, das gantz goͤttliche wesen in uns, und der Vater gebirt uns durch seinen samen wider von neuen, das ist, er verneuet unsern alten menschen gantz und gar, das wir eine neue creatur werden. Ein creatur sein wir und bleiben wol ein creatur, wie koͤstlich wir auch verneuert werden, aber der same Gottes und das gantze goͤttliche wesen, das also aus ganden in uns ist wie in Christo von natur und bleibt ewigklich in uns, das ist Gott selbs und kein creatur, wirt auch in uns oder von unsernwegen nimmermehr kein creatur werden, sonder wol warer Gott ewigklich in uns bleiben. Derhalben haben wir nun aus gnaden auch beide naturn, nemlich nicht allein die menschlichen (), sonder wir sein auch der goͤttlichen natur teilhafftig (). weill noch suͤnde in vns ist, als S. Paulus auch von ihme selbst sage vnd klaget, Roma. 7.Vgl. Röm 7,14–25. Sonder gleich wie wir in dissem sterblichen leben des ewigen lebens warten, also warten wir in dissem suͤndlichem leben der ewigen Gerechtigkeit, wie S. Paulus sagt, Gala. 5: Wir warten im
Geyst durch den Glauben der Gerechtigkeit, derauf die. man hoffen mus.Gal 5,5.

Wie nun itzt Suͤnde vnd Todt bei einander sind, also werden wir hernach ewige Gerechtigkeit vnd ewiges leben mit einander haben. Was wir itzt haben, das haben wir in hoffnung, wie S. Johannes sagt: Wir sind Gottes Kinder, vnd ist noch nicht erschienen, was wir sein werden, wir wissen aber,
wenn es erscheinen wirt, das wir ihm gleich sein werden, 1. Johan. 3.I Joh 3,2. Wo Suͤnde ist, da ist auch der Todt. Wo volkummene Gerechtigkeit ist, das ist ewiges leben. Weill wir hie noch Suͤnde haben, so muͤssen wir sterben. Hetten wir hie volkummene Gerechtigkeit, so stuͤrben wir nicht. Weill die suͤnde noch an vnser verdirbten natur klebet vnd wir derselben in
dissem leben nicht los werden, so mus die verdirbte natur sterben vnd am Juͤngsten tage durch den heyligen Geyst widder ernewet werden zum ewigen leben, da werden wir allererst die ewige Gerechtigkeit empfahen, dere wir hie warten wie S. Paulus sagt.Vgl. Gal 5,5. So lang wir aber in dissem leben sind, so ist vnser Gerechtigkeit nichts anders denn vergebung der suͤnden.
Hetten wir die volkummene vnd ewige Gerechtigkeit, so kundten wir nicht suͤndigen. Weill aber die Suͤnde itzt in vns wohnet, als S. Paulus sagt,Vgl. Röm 7,14–25. vnd wir selbst on vnterlas fuͤlen, so ist vergebung der suͤnden, durch Christum erworben, vnser Gerechtigkeit. Daher sprechen wir: Jch gleube an den heyligen Geyst, ein heylige Gemeine, vergebung der suͤnden.3. Artikel des Apostolischen Glaubensbekenntnisses: Ich glaube an den heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben, in: BSELK, 43. Das
ist: Jch gleube, das der heylige Geyst vns heyliget mit vergebung der Suͤnden, so lang wir hie leben.

Gott gibt vns wol gnade, vnser leben zu bessern, dasselb ist aber nicht ein volkummene, sonder ein angefangene Gerechtigkeit, die aller erst nach dissem leben volkummen wirt, da werden wir vnserm Herrn Christo gleich sein,
1. Johan. 3.Vgl. I Joh 3,2. Jtzt aber ist vergebung der suͤnden vnser Gerechtigkeit, welchs S. Paulus beweisetVgl. Röm 4,6–8. aus dem 32. Psalm: Wol dem, dem die vbertrettung vergeben sind, dem die Suͤnde bedeckt ist. Wol dem Menschen, dem der Herr die missethat nicht zurechnet.Ps 32,1f.

Mit dissen worten weiset vns der heylige Geist zur vergebung der Suͤnden
vnd nicht zu ihener Gerechtigkeit, daruff wir hoffen, Gala. 5.Vgl. Gal 5,5. Also spricht auch Gott, Exo: 34: Du bist der Gott, der suͤnde vergibt, vnd ist niemand fuͤr dir vnschuͤldig,Vgl. Ex 34,7. das ist, niemandt helt dein Gesetz, niemand hat volkummene Gerechtigkeit, sonder vergebung der suͤnden ist itzt vnser Gerechtigkeit. S. Paulus spricht, Christus mache die Suͤnder selig, 1. Timo. 1.Vgl. I Tim 1,15.
Suͤnder sind sie vnd bleiben Suͤnder ir leben lang, drumb bitten sie auch Gott vmb vergebung der suͤnden, so lang sie leben. Selig sind sie aber darumb, das ihnen ire suͤnde vmb Christus willn nicht zugerechnet werden, wie der 32. Psalm zeuget.Vgl. Ps 32,1f. Hetten sie die ewige Gerechtigkeit empfangen, wie Osiander sagt, so weren sie nicht Suͤnder, kundten auch nicht mehr
suͤndigen.

Gleich aber wie Hanania, Misael vnd Asaria im gluͤenden Ofen von des fewers flammen nicht verderben kundten, Danie. 3,Vgl. Dan 3,21–26. Alber verwendet hier die jüdischen Namen, während in der biblischen Überlieferung in Dan 3 die babylonischen Namen erscheinen: Schadrach, Meschach, Abed-Nego. Vgl. dazu Dan 1,7. vnd Daniel vnter den Lewen lebendig bleibe, Daniel. 6,Vgl. Dan 6,17–23. Alber verwendet denn Christus war mit ihnen, also sind wir itzt mitten vnter den Suͤnden vnd suͤndigen teglich,
noch hat die Suͤnde keyne krafft noch macht vns zu uerdammen, denn Christus ist Jmmanuel.Vgl. Jes 7,14; Mt 1,23. Ro. 8: Wer will vns verdammen? Christus ist hie, der gestorben ist etc.Röm 8,34. Aber gleich wie nach dissem leben keyn todt mehr, sonder ewiges leben sein wirt, also werden wir auch alssden keyn suͤnde mehr, sonder ewige Gerechtigkeit haben.

Wir sind hie noch vff dem wege zur ewigen Gerechtigkeit vnd wallenwandern zu. dem Herrn, wandeln im Glauben vnd nicht im schawen, 2. Cor. 5.II Kor 5,7. Wir habens noch nicht ergriffen, sind noch nit volkummen, wir iagen ihm aber nach, das wirs ergreiffen moͤgen, wie wir von Christo ergriffen sind etc., Philip. 3.Vgl. Phil 3,12. Wenn das volkummen kummen wirt, so wirt das
stuͤckwerck vffhoͤren.Vgl. I Kor 13,10. Hie mit stimmetDem entspricht. auch S. Augustinus vnd spricht: Die heylige Altuetter haben gegleubet als wir.Konnte leider bislang nicht verifiziert werden. Waruff haben die Altuetter nun gewart? Das Christus solt die wesentliche Gerechtigkeit werden?Osiander, Von dem einigen Mittler (1551), G3r–v, in: OGA 10, 152,6–13: Dan sie bekennen mit dem munde, Gott wone durch den glauben in uns, und schreien doch daneben darwider und streitten, Gottes wesentliche Gerechtigkeit, die Gott selbs ist, sey nicht unser gerechtigkeit, koͤnn es auch nicht sein, dan sie sey uns zu hoch, und wir koͤnnens nicht ergreiffen noch leiden. Ist aber Gottes wesentliche gerechtigkeit, die Gott selbs ist, nicht unser noch in uns, so ist auch in der warheit der ware Gott nicht unser noch in uns. Darumb moͤgen sie wol zusehen, wer der Gott sey, der in inen wonet und doch die wesentliche gerechtigkeit Gottes, die Gott selbs ist, nicht neben sich leiden kan. O nein. Denn er ist die wesendliche Gerechtigkeit von ewigkeit her. Was haben dann die Vetter gegleubt? Sie haben gegleubt, Christus
wuͤrde mensch vnd ein opffer fuͤr der gantzen welt suͤnde werden. Also hat auch D. Martinus Luther gelert. Vnd ist eitel,leeres. Vgl. Art. eitel 1), in: DWb 3, 383f. losnichtsnutzige, bösartiges. Vgl. Art. lose II.5), in: DWb 12, 1184. geschwetz, damit Osiander vff D. Martinum so ser pochet, als sei er vff seiner seiten.Vgl. Anm. 18. Jch will ihm aber das widderspiel zeygen, quod illum mordeat.

Jn der Summarien des obgedachtenerwähnten. 32. Psalmen schreibt D. Martinus, vn
ser Gerechtigkeit sei nichts anders, denn vergebung der suͤnden.Martin Luther, WA 38, 28,19 (Summarien über die Psalmen und Ursachen des Dolmetschens 1531–1533): Summa: Unser gerechtigkeit heisst auf deudsch Vergebung unser sunde, (). Jtem, in der Summarien des 130. Psal. schreibt er disse wort: Dauid bekent, das fuͤr Gott niemand gerecht sei noch sein moͤge, on allein durch gnade vnd vergebung der suͤnden.Vgl. Martin Luther, WA 38, 60,32–61,2 (Summarien über die Psalmen und Ursachen des Dolmetschens 1531–1533). Desgleichen schreibt er in der Auslegung des 51. Psal. vber den dritten vers.Martin Luther, WA 40II, 340,33–36 (Enarratio Psalmi LI [1532], 1538): Ad eundem modum facimus legem per Spiritum sanctum, et tamen manet verbum Miserere, hoc est, nos manemus peccatores et opus habemus gratuita remissione peccatorum per Christi meritum. Jtem, in der Postill prima do-minica Aduen
tus.Martin Luther, WA 52, 13,14–16 (Predigt am ersten Advent 1533 über Mt 21,1–9, Hauspostille 1544): Den sein [Christus] heyligkeyt und gerechtigkeyt will er dir anhengen, das du von den sünden ledig seyst, und sein leben wil er für dich lassen, das du durch seinen todt vom ewigen tod solst erloͤset sein. Jn Hoseam fo. 105, 248, 249 etc.,Vgl. IN HOSEAM || PROPHETAM || Reurendi D. Martini Lu / || theri Doctoris Theologiae Enarratio, ab ipso et in publicis praelectionibus || tradita, et postea recognita, || Collecta per Vitum Theo / || dorum Noribergensem, || Plena piae doctrinae et salu || tarium consolationum. || [Wittenberg: Hans Lufft, 1545] (VD 16 B 3850), 105v, 248r, 249v. vnd an mehr orten seiner Buͤcher. Ja, in der grossen Postill warnet vnd vermanet er, das man sich ia fuͤrsehe vnd das wort Gerechtigkeit nicht verstehe fuͤrals. die wesendliche vnd ewige Gerechtigkeit, denn dieselbige sei vns erschrecklich, sonder verstehe dafuͤr vergebung der suͤnden.Konnte bislang nicht verifiziert werden. Noch darff Osiander disse lere ein
greulich irthumb vnd lauter Gedicht heyssen vnd beruͤffet sich des vff D. Martinum, das mag mir ie ein vnuerschampter LoserNichtsnutz. In Anlehnung an Art. los 5), in: DWb 12, 1184. man sein.

Weill du aber, lieber Christen, den Osiander vff einer offentlichen, wissentlichenvorsätzlichen. luͤgen findest, so huͤte dich fuͤr ihm vnd lasse dich ia nicht irre machen, halte ihm disse Schrifften D. Martini getrost fuͤr die nasen et par
pari referto. VexiereVerspotte, Foppe. Vgl. Art. vexieren 2.b), in: DWb 26, 39f. ihn widder mit der warheit, wie er vns mit luͤgen vexieret vnd des Herrn Christi Blut mit fuͤssen tritt. Wann einer vff offentlicher luͤgen funden wirt, so gleubt man ihm nit mehr, oder helt ihn ia verdechtig, wann er schon die warheit sagt. Si mentiris, etiam quod uerum dicis mentiris.Sprichwort, geprägt wohl von dem griechischen Philosophen Chrysippos von Soloi. Vgl. Art. lügen 175), in: TPMA 8 (1999), 68. Jch rede aber von solchen luͤgen, die zeitliche ehre vnd
guͤter betreffen. Viel weniger sol man von dem halten, der fuͤr Gott vnd der gantzen Welt leugt in den dingen, die Gottes ehre vnd der menschen seligkeit betreffen.

Weill nun Osiander vff D. Martini lere offentlich leuget vnd seine luͤgen truͤckendrucken. lest vnd alle menschen vntersteht zu betriegen mit dem
namen D. Martini, als eines hochberuͤmpten Propheten (von dem er doch selbst im hertzen nichts helt), vnd du bleibst gleich wol an seiner falschen lere hangen, die er vff luͤgen bawet, so mustu entweder ein Narr oder Schalcksnarrhinterhältiger, untreuer Mensch. Vgl. Art. Schalksnarr 2), in: DWb 14, 2086. vnd ein soͤlcher mensch sein, der auch lust zu luͤgen hat vnd dem nichts an der warheit vnd seligkeit gelegen. Denn hie sihstu, das er
mit luͤgen vmbghet, vnd luͤgen ist seiner lere Fundament.

D. Martinus hat sichs wol vorsehengeahnt, befürchtet. Vgl. Art. versehen 9), in: DWb 25, 1247. vnd zuuor gesagt,Martin Luther, WA 26, 499,15–19 (Vom Abendmahl Christi. Bekenntnis 1528): Weil ich sehe, das des rottens und yrrens yhe lenger yhe mehr wird, und kein auffhoͤren ist des tobens und wuetens des Satans: Damit nicht hinfurt bey meym leben oder nach meinem tod der ettliche zukuͤnfftig sich mit mir behelffen und meine schrifft, yhr yrthum zu stercken, felschlich furen moͤchten, wie die Sacraments und Tauffs schwermer anfiengen zu thun, (). es wurden nochnach. seinem tode falsche lerer vffstehn vnnd ihre Schwermerey mit seinen Buͤ chern flicken.zusammenschustern. Vgl. Art. flicken, in: DWb 3, 1774f. Welchs wir itzt sehen am vnuerschampten Luͤgener Meister Grickel Jnterim, an den Adaphoristen vnd am Osiander. Es hat auch
D. Martinus geschrieben, das gleich wie der Teuffel bald im anfang der ketzerien [sic] nach des Herrn himmelfart widder die menscheit Christi tobet, also werden auch disse Ketzerei die letzte sein fuͤrm Jungstentag.Konnte bislang nicht verfiziert werden. Drumb kumme doch bald, lieber Herr Christe, vnd mache es mit dissem vnd allen Greweln ein ende. Amen.

Der Satan fuͤlet noch wol die predigt, die vnser lieber Herr Gott widder ihn im Paradis gethan hat. Der FRAWEN SAMEN soll dir den Kopff zutretten.Vgl. Gen 3,15. Drumb wuͤtet er also greulich widder der Frawen Samen, will ihn nit lassen vnser Gerechtigkeit sein. Satan ist ein stoltzer, neidischer Geyst, hett sich des nimmermehr versehen, das Gottes eingeborner Soͤn sich
vmb des menschen suͤnde vnd verdamnis willn so treff demuͤtigen vnd in der Frawen leibe neun Monde verborgen ligen vnd ein kleines, armes, schwaches Kindlin werden, fuͤr das menschliche Geschlecht so viel leiden vnd so eins schendlichen Todes sterben wuͤrde, dadurch wir zu groͤsser hehrligkeit kummen sind, wederals. wir im Paradiss verlorn hatten, weill
Gottis eingeborner Soͤne Mensch vnd mit Menschlicher natur ein Person worden ist. O, welch ein vnaussprechliche hehrligkeit, die weder von menschen noch Engeln kan gnugsam ausgesprochen werden, daruber sich auch die Engle nicht gnug verwundern vnd frewen konnen vnd vns Menschen viel hoher achten weder sich selbst, weil vnser Natur mit der
Gotheit ein Person ist vnd von allen Creaturen geehrt vnd angebetwohl: angebetet. wirt, Philip. 2,Vgl. Phil 2, 9f. vnd wir dadurch vnserm Herrn Gott viel neher verwand sind weder die Engel, denn Gottes Soͤne hat nicht Engelische, sonder menschliche natur an sich genummen.

Das thut dem hoffertigen, neidischen, boͤsen Geyst draun sehr wehe, das wir
so vber die massen hoch verehret vnd erhaben sind. Furwar, die menschliche natur in Christo ist in des Teuffels hertzen ein brennend fewr, dafuͤr er nimmer rugen kan, drumb tobet vnd wuͤtet er also dawidder, vnd weill ihm Osianders hoffartHochmut. Vgl. Art. Hoffahrt, in: DWb 10, 1666f. wol bewust, so braucht er ihn als ein bequemespassendes. Vgl. Art. bequem 1), in: DWb 1, 1481f. werckzeug, des Herrn Christi demut vnd Menscheit anzutasten. Vnd daruber
wirt Osiander so irre, das er nicht weys, wo er daheym ist, vergisset offt seiner eygen wort vnd schreibt widder sich selbst.

Jch hoͤre fuͤrwar sagen, Osiander sei vnsers Herrn Christi Vetter vnd von dem edeln geblute der Juͤden geborn,Polemisches Gerücht, was seinen Ursprung wohl in der strikten Positionierung Osianders gegen jeden Antijudaismus besitzt. Vgl. z. B. Osianders Gutachten Über die Blutbeschuldigung, das er vor 1540 verfasste, OGA 7, Nr. 257, S. 216–248. Auch Mörlin verlästerte ihn als Juden und Judengenossen, vgl. Osiander, Von dem einigen Mittler (1551), P 4r, in: OGA 10, 220,17f, mit Anm. 502. darumb solt er ia billich das edle Blut Jhesu Christi nicht so gering achten, denn das wir durch
Christus Blut gerecht werden, ist allen gleubgen Juͤden ein ehre, wie Simeon sagt.Vgl. Lk 2,29–35. Weill aber Osiander Christus Blut veracht, so ists ein zeychen das ers in seinem hertzen mit den vngleubigen Juͤden helt vnd Christo feind ist.

Jm 23. Quatern seines Buchs schreibt er, Christus sei vnser Heyligkeit nach
seiner Gotlichen natur, vnd nicht nach der Menschlichen natur.Osiander, Von dem einigen Mittler (1551), S 2r, in: OGA 10, 240,18f: () Christus ist nach seiner goͤttlichen natur unser gerechtigkeit. (Diss ist ein Arrianischer gestanckKonjiziert aus: getank.) vnd spricht weiter: Ob wol die menschliche natur in Christo heylig ist, so ist sie doch nicht die Heyligkeit selbst.Osiander, Von dem einigen Mittler (1551), Q 3v–4r, in: OGA 10, 228,8–11: Darumb kan die menschliche natur an Christo wol gerecht sein, dieweil sie die goͤttlichen gerechtigkeit hat, aber die gerechtigkeit selbs ist sie nicht – sondern allein seine goͤttliche natur ist die recht, war und ewig gerechtigkeit.

Lieber, was ist doch das gesagt? oder wo findt ers geschrieben? Sind disse zwey nicht gerad widder einander? Er bekent auch, die menschliche natur in
Christo sei wol heylig, aber vns sei sie nicht heylig, noch vnser heyligkeit. Hat dann Osiander nicht in der kirchen mit gesungen oder singen hoͤren: Nobis natus, nobis datus, ex intacta virgine.Zitat aus dem eucharistischen Hymnus Pange lingua des Thomas von Aquin, in festo corporis Christi, ad vesperas. Vgl. Wackernagel I, Nr. 233, S. 145 (1. Strophe). Welchs genummen ist aus Jesa. 9: Ein Kind ist vns geborn, ein Soͤn ist vns gegeben.Jes 9,5. Was huͤlffe es vns, wenn Christus ihm allein heylig were? Quid est, si haec contumelia
non est, humanitari Christi et nobis hominibus facta? Das ist beide, vnserm Herrn Christo an seine ehr vnd vns Christen an vnser seligkeit, allzunahe geredet. Haec verba non Osiandro, sed Losiandro et Asebelandro digna sunt.Alber spielt hier mit dem Namen Osianders einerseits und anderserseits mit dem deutschen Wort lose [1.] und dem griechischen Wort ἀσεβής [2.]. Entsprechend einer Bedeutung des Wortes lose ließe sich das erste Wortspiel mit Sittenlosiander und das zweite mit Pietätlosiander, Gottlosiandro übertragen. Vgl. Art. lose 4), in: DWb 12, 1183f; Art. ἀσεβής, in: Passow I/1, 412[a]. Zu denken wäre zugleich an eine Anspielung auf die alttestamentliche Königin Isebel, die fremden Göttern huldigte und umgebracht wurde. Vgl. II Kön 9,33–37. Einen soͤlchen losen man solt man mit Hunden zum Lande hinaus hetzen, oder mit gluenden Zangen pfetzen.kneifen. Vgl. Art. pfetzen 1), in: DWb 13, 1694.

O du arme Menscheit Christi, ob du wol heylig bist, so kanstu doch niemand heyligen. Vnd disser vnheylige man sagt, du seist nicht die Heyligkeit. Schreibt doch S. Paulus 2. Cor. 5, wir Christen seine in Christo nicht alleyn gerecht, sonder auch die Gerechtigkeit selbst.Vgl. II Kor 5,21. Wie kan denn nicht Christus, von dem wir alles guts haben, die Heyligkeit selbst sein? Doch
Gott sei gelobt, luͤgen strafft sich disser Losemanlose Mann = hinterhältiger, nichtsnutziger, böser Kerl. Vgl. Art. lose 4), in: DWb 12, 1183f. darnach in seinem Buch selbst vnd schreibt: Christus habe die Heyligung durch sein leiden blutuergiessen vnd sterben erworben, wie er vns auch die Gerechtigkeit erworben hat etc.Osiander, Von dem einigen Mittler (1551), V 1r, in: OGA 10, 254,17–23: Darumb ist das eigentlich die meinung Pauli, das, wie uns Christus durch sein gehorsam, leiden, sterben und blutvergiessen freiheit vom gesetz und vergebung der suͤnde verdienet, erworben und teur erkaufft hat, also hat er uns durch dasselbig sein blutvergiessen auch erworben und erkaufft, das uns Gott die goͤttlichen gerechtigkeit Christi durch den glauben geben will und teglichs gibt, und dasselig eben durch das euangelion, welchs uns verkuͤndigt, das Christus sein blut fur unser suͤnde vergossen hat. Er ist gar irre vnd weys nicht, was er saget. Er arbeitmüht. sich ser, die klare Spruͤche, so widder ihn sind, zu glosieren vnd zu
obscuriern.verdunkeln. Des Herrn wort: Jch bin das Brod des lebens,Joh 6,35. deutetArrianisat. er vff die Gotheyt vnd nicht vff die menscheit Christi.Osiander, Von dem einigen Mittler (1551), Bb1r, in: OGA 10, 294,17–19: Wan er spricht: Ich bin das brot des lebens, so mus man verstehen seine gottheit, die durch seine menscheit in uns kompt und unser leben ist. Wir aber verstehns recht vom gantzen Christo beide, Gott vnd menschen, vnd wollen ausser des Herrn Christi menscheyt von keynem leben wissen.

Osiander sihet des Herrn Christi menscheit an, nur als ein Gefees, darin die
Gotheyt sei, vnd nicht dafuͤr, das sie mit Gott ein person sei, gleich wie ein Erdengefees nicht ein person oder Substantz ist mit dem Golde, das drinnen ist, drumb schleust er die Gerechtigkeit aus des Herrn Christi Blute. Vnd weill er dem Blute Christi die Gerechtigkeit nimpt, so nimpt er ihm auch die Gotheit, sintemal er selbst bekent, Gottes Gerechtigkeit sei Gott selbst.Vgl. Anm. 241.
Darumb ist Osiander des Arrii Bruder. Denn gleich wie Arrius dem Herrn Christo die Gotheit nehmen wolt, also will Osiander dem Blute vnsers Herrn Christi die Gerechtigkeit nehmen. Vnd2. Trip. 22.Vgl. Sozomenos, Historia Ecclesiastica I, 15,3 (FChr 73/1, 163). wie die Arrianer Christum pflegten ein Creatur zu nennen, also nennet Osiander des Herrn Christi Blut ein Creatur.Vgl. Anm. 17.

Aber S. Paulus redet von des Herrn Blut viel anders vnd spricht, es sei Gottes Blut, Acto. 20.Vgl. Act 20,28. Also spricht auch S. Johannes, Gottes Sones Blut macht vns rein von aller Suͤnde, 1. Johan. 1.Vgl. I Joh 1,7. Desgleichen spricht S. Peter, die Juͤden haben den Fuͤrsten des lebens getodt.Vgl. Act 3,15. Spricht nicht, sie haben ein Creatur getodt, sonder den Fursten des lebens, das ist, Gott selbst. Also singt
man auch in der Kirchen: Vita in ligno moritur.Vgl. Corpus Antiphonalium Officii 4, Nr. 8449. Es heyst Vita, non Creatura. Das leben ist am Creutze gestorben. Also spricht auch S. Hilarius li. 9. de Trinitate: Viuens moritur, Deus moritur.Vgl. Hilarius, De Trinitate IX,7, in: PL 10, Sp. 286 [263B]. Gott selbst must fuͤr vns sterben, sunst were des Menschen Christi sterben vns menschen nicht nutz gewest. Gott selbst must sterben, vff das wir menschen lebten, so gros
war vnser suͤnde, das sie keyne Creatur vertilgen kund, sonder Got selbst, der auch warer mensch ist, must fur vnser suͤnde sterben. Gott must sein Blut fuͤr vns vergiessen. Gott hat vns mit seinem Blute erworben, spricht S. Paulus.Vgl. Act 20,28. Vnd Got hat seins eingebornen Sones nicht verschonet,Vgl. Röm 8,32. spricht nicht, Got hat der Creatur nicht vorschonet.

Ob sich wol die tolle vernunfft an soͤlcher rede ergert, da ligt nicht an. Christus heyst puer admirabilis.Aus dem dem Lobgesang Dies est laetitiae in ortu regali zu Weihnachten. Vgl. Wackernagel I, Nr. 332, S. 206 (1. Strophe). Mein hertz lachet fuͤr freuden, wann ich hoͤre, Gott habe sein Blut fuͤr mich vergossen vnd sei fuͤr mich gestorben. Denn diss ist der Christen hochster vnd ewiger rhum freude vnd seligkeit, damit sie trotzenzuversichtlich Widerstand leisten. Vgl. Art. trotzen 1), in: DWb 22, 1115f. widder der Hellenpforten. An disser Rede,
Got hat sein Blut vor vns vergossen, ergern sich die Juͤden, Tuͤrcken vnd ihr Bruͤder Osiander vnd sprechen: Durus est hic sermo.Vgl. Joh 6,60 (Vg). Quomodo mori potest Deus? Wie kan Got sein Blut vergiessen? Hat doch Got keyn Blut. Ja, der Juͤden vnd Tuͤrcken Gott hat kein blut, dann ihr Gott (nemlich der Teuffel) ist nicht Mensch worden. Aber vnser Herr Gott ist Mensch worden,
drumb hat er Blut. Es moͤgen sich Juͤden, Tuͤrcken vnd beyde, alte vnd newe Arianer, immer hin ergern. Denn was sollen die Schweine mit Perlen thun?Vgl. Mt 7,6. Wir dancken vnserm Herrn Got fuͤr seine verehrung, das seine Gotliche Maiestet, Rex gloriae,Vgl. Ps 23 (24),10 (Vg). fuͤr vns gestorben ist.

Weill nu Osiander des Herrn Christi Blut ein Creatur nennet, so sehen wir ia
wol, was er im SchildeSprichwörtlich: Wissen, was jemand tun will, plant. Vgl. Art. Schild 34), in: Wander 4 (1876), 179. fuͤret, vnd wo er hinaus will. Der Teuffel speiet solche wort aus seinem hellischen Rachen, als der keynem Artickel vnser Religion so feind ist als dissem der da heyst: VERBVM CARO FACTUM EST.Joh 1,14.

Rechte Christen reden nicht also von vnsers Herrn Christi Blute wie Osi
ander. Es heyst vns nicht Creatur blut, sonder Gottes Blut. Christliche ohren konnen nicht leiden, das Christus vnd sein Blut ein Creatur genennet wirt, vnd das man spricht, ein Creatur habe fuͤr vns gelitten, denn es ist ein Arrianischer gestanck aus des Teuffels hindern.

Vnd weil Osiander des Herrn Christi Blut ein Creatur nennet, so ist er nicht
ferrn [sic] von der Zwinglischen ketzerei.

Ein Creatur kan nicht zugleich allenthalben sein. Ein Zwinglischer Syllogismus.Ein Syllogismus ist eine logische Schlussfolgerung, die entsprechend der aristolelischen Logik aus einem Ober- und einem Untersatz gezogen wird.

Des Herrn Christi Blut ist ein Creatur.

Darumb kan sein Blut nicht allenthalben sein.Zwingli lehnte die Realpräsenz Christi im Abendmahl ab, da er das est [dt.: ist] in den Einsetzungsworten hoc est corpus meum [dt. Dies ist mein Leib] im Sinne von significat [dt. bedeutet] verstand. Außerdem – so Zwingli später – schlössen Himmelfahrt und Erhöhung zur Rechten Gottes eine reale Präsenz der Menschheit Christi in den Abendmahlselementen aus. Vgl. dazu und zu seiner Auseinandersetzung mit Luther: Köhler, Zwingli und Luther.

Osiander bringt vns auch mit seiner newen ketzerei des Carlstads vocabel
Konjiziert aus: widderherfuͤr.widder herfuͤr nemlich Creaturalis,Andreas Bodenstein, nach seinem fränkischen Herkunftsort Karlstadt genannt, unterschied zwischen der geistlichen Speise im Abendmahl, nämlich Christus, und den kreatürlichen Früchten darin, nämlich Brot und Wein. Vgl. Barge, Andreas Bodenstein von Karlstadt II, 86f; ausführlich zu Karlstadts Abendmahlslehre vgl. ebd., 144–296. creaturlich, barbara vox est barbarorum haereticorum. Vnd nennet die Gerechtigkeit, die wir im Blute Christi haben, ein creatuͤrliche gerechtigkeit. Arriana et Iudaica perfidia ghuckt da herfuͤr.Konjiziert aus: daherfuͤr. Er will vns immer von des Herrn Christi menscheit vff die Gotheit weisen, das wir Christum trennen sollen. Dawidder sagen wir also: Was
Gott zusamen gefuͤget hat, das soll niemand scheyden.Mt 19,6. Drumb lassen wir das Blut Christi nicht von seiner Gotheit trennen, quia VERBVM CARO FACTVM EST.Joh 1,14. Vnd das Heylige von Maria geborn, ist Gottes sone, Lucae 1.Vgl. Lk 1,30–33. Diss ist vnser hohste ehre vnd Schatz. Huͤtet euch, lieben Christen, vnd last euch nicht ewers lieben Herrn Christi Blut von der Gotheit trennen.

Osiander wolt vns gern die Gerechtigkeit von vnsers Herrn Christi menscheit reissen vnd vntersteht, solchs mit des Herrn Christi eygen worten zu beweisen, denn Christus spricht, Matth. 6: Trachtet nach Gottes Gerechtigkeit,Vgl. Mt 6,33. spricht nicht: Trachtet nach meiner Gerechtigkeit.Osiander, Von dem einigen Mittler (1551), S 3v, in: OGA 10, 244,3–7: Dieweil aber Christus alhie selbst redet und spricht doch nicht: Trachtet nach meiner gerechtigkeit, sonder: nach der gerechtigkeit Gottes, so ist gewiss, das er die gerechtigkeit Gottes, seines vaters, meinet, die auch die gerechtigkeit des Sons und des heiligen Geistes im goͤttlichen wesen ist. Valde friuolum et frigidum, ia bacchanticum est hoc. O, es ghet schaleabgeschmackt. Vgl. Art. schal 2), in: DWb 14, 2057f. aus. Es
heyst: Custos virgas in plurali,Der Mentor solle die Ruten verwenden. vnd den Bacchantenals Ba(c)chanten bezeichnete man angehende Studenten. Vgl. Art. Bachant, in: DWb 1, 1060. wol gestrichen.gezüchtigt. Vgl. Art. streichen B.7.a.α), in: DWb 19, 1213f. Ja, im hellischen fewer soll disse GottslesterungKonjiziert aus: Gottolesterung gestrafft werden.

Sehet, lieben Christen, welch ein gerumpel macht vns disser Poltergeystlärmendes Nachtgespenst. Vgl. Art. Poltergeist, in: DWb 13, 1990; Mengis, Art. Geist 2), in: HWDA 3 (1927), 480f. in der heyligen Schrifft. Wie groͤblichdrastisch, deutlich, plump. Vgl. Art. grob D.4.a und b), in: DWb 9, 397f. lest er sich mercken, wo er her kumme vnd wer ihn ausgesand habe, sagt vnuerschampt heraus, wie ein
Gotloser Juͤde, Gottes Gerechtigkeit sei nicht Christus Gerechtigkeit, wolt vns gern ein blosen Menschen in Christo on Gerechtigkeit dar stellen. Behuͤt vns Gott fuͤr solchem Christo, der kein Gerechtigkeit hat.

Wenn Christus schon gesagt hett: Trachtet nach meiner Gerechtigkeit, hett er drumb vnrecht geredt? Er pflegt aber offt dergleichen zu reden, wenn er sich
als ein mensch vnd knecht, vom Vater gesandt, demuͤtiget vnd spricht: Meine wort sind nicht mein, sonder meines Vaters.Vgl. Joh 14,24. Jtem: Niemand ist gut, onaußer. Vgl. Art. ohne, ohn III.2.α), in: DWb 13, 1217. allein Gott etc.Vgl. Lk 18,19. Hie muͤst Christus Osianders meynung nach weder Gott noch Gut sein. Den Spruͤch Pauli Ro. 8.: Wer nicht Christus geyst hat, der ist nicht sein,Röm 8,9. zeucht auch Osiander offt an, zu beweisen,
das die Gerechtigkeit nicht sei in des Herrn Christi blut,In direkter Verbindung mit Ausführungen zur Wirkung des Blutes Christi lässt sich Röm 8,9 in Osianders Schrift Von dem einigen Mittler nicht auffinden. Tatsächlich wird diese Bibelstelle mehrfach in der Schrift verwendet, um zu betonen, dass die göttliche Natur Christi die Rechtfertigung im Menschen bewirke. Vgl. OGA 10, 198,1–14; 276,13–278,25; 284,5–15; 296,13–28. vnd beweiset doch gar nichts, damit sperret nur den leuten das maul vff,macht er falsche Hoffnung, führt auf falsche Wege. Vgl. Art. aufsperren, in: DWb 1, 742; Art. Maul 360), in: Wander 3 (1873), 515. als wolt er koͤstlichkostbare, hochwertige. ding fuͤrgeben, vnd ghet ihm nach dem Sprichwort: Parturiunt montes, nascetur ridiculus mus.Sprichwort. Vgl. Horaz, De arte poetica, 139; vgl. zudem ADAGIORVM OPVS || DES. ERASMI ROTERODAMI PER EVNDEM || exquisitiore quàm antehac unquam cura recogni / || tum, cui || accesse / || runt ferè quin[que] Centuriae. || || [Basel: Hieronymus Froben d.Ä., Nikolaus Episcopius d.Ä., 1533] (VD 16 E 1940), 300.

Sein Buch ist voller Spruͤche von Gottes Gerechtigkeit, die er alle fuͤret
widder das Blut vnsers Herrn Jesu Christi, vnd versiegelt die schone Spruͤche mit Teuffels dreck vnd beschmeyst sie mit Arrianischem gifft. Was hat ihm vnsers Heren Christi Blut zu leyd gethan hat, das er ihm so feind ist?

Er vntersteht seine lere mit D. Martino zu beweisen. Denn also schreibt D. Martinus:Konjiziert aus: Martinue. Man soll nicht der blossen menscheyt Christi zu schreiben, das
sie vns lebendig mache, sonder in dem wort ist das leben, welchs im fleysche wohnet.WA 10 I,1, 199,13–16. D. Martinus hat recht geschrieben. Der blossen menscheit, das ist, allein der menscheit, ausserohne. der Gotheyt, soll man das leben nit zuschreiben, sonder man soll beyde, Gotliche vnd menschliche, natur bei eynander lassen vnd nit von einander trennen. D. Martinus beraubt nit die
Menscheit Christi ihrer ehre, nemlich der Gerechtigkeit, wie Osiander thut. Wann in Christo nur die blosse menscheit were, so kuͤnd er weder ihm noch vns helffen, vnd were auch ein armer Suͤnder gleich wie wir, vnd seine menscheit were nit allein vnnutz, sonder auch verdampt. Weill aber Christus beyde, Gott vnd mensch, ist, so hat er auch, der menscheit nach zu reden,
macht vnd krafft, suͤnde zu uergeben, Gerechtigkeit zu geben, Teuffel zu uertreiben vnd das ewige leben zu schencken,Matth. 9.Mt 9,6. darumb spricht er: Des Menschen Son hat macht, vff erden sunde zu uergeben. Spricht nit, Gottes Son, sonder menschen Son, schleust aber drumb die Gotheit nit aus. Die Schrifftgelerten gaben dem Herrn Christo schuld, er lestert Gott,Vgl. Mt 9,3. weill er
zu dem Gichtbruͤchtigen sprach: Sei getrost mein Son, dir sind deine suͤnde vergeben.Mt 9,2. Dagegen spricht Christus: Jhr solt wissen, das des Menschen Son (nit alleyn Gottes Son) macht hat, vff erden sunde zu uergeben.Mt 9,6. Wie nun dieselbigen Schrifftgelerten sagen: Christus lestert Gott, weill er, als ein Menschen Sohn, vntersteht sunde zu uergeben, also
spricht auch der Schrifftgelerte in Preussen, es sei ein greulicher irthum,Vgl. Anm. 168. das wir gleuben, Christus mache vns Gerecht durch sein Blut. Also reden ihene Schrifftgelerten vnd disser Schrifftgelerte aus einem geyst.

Jtem, Christus spricht Matth. 18: Des menschen Sohn ist kummen, selig zu machen, das verloren ist.Lk 19,10. Des menschen Son (spricht er), nit allein Gottes
Sohn. Vnd Matth. 11: Alle dinge sind mir vbergeben von meinem Vater.Mt 11,27. Sind ihm alle dinge vbergeben so ist ihm freilich auch die Gerechtigkeit vbergeben. Jtem, Matth. 28. spricht der Herr: Mir ist gegeben alle gewalt in himel vnd erden.Mt 28,18. Data est mihi omnis potestas iustificandi, sanctificandi, saluandi etc. Mir (spricht er), nit allein als Gott, sonder auch als
menschen. Dann nach der Goͤtlichen natur hat er vom Vater solche gewalt von ewigkeit her.

Hat er als ein mensch allen gewalt, nit allein vff erden, sonder auch im himel, so hat er auch die Gerechtigkeit in syner gewalt. Drumb spricht S. Johannes recht, das Blut Jhesu Christi, des Sohns Gottes, macht vns rein von
allen suͤnden.I Joh 1,7. Wer rein von suͤnden ist, der ist Gerecht. So ist nun Christus nit allein in der Gotheit, sonder auch in der menscheit almechtig. Dann es heyst: Mir ist gegeben. Was Christo gegeben ist, das wirt ihm Osiander nit nehmen.

Darumb ruffen wir Christum an, nit allein als Gott, sonder auch als men
schen vnd treiben dannoch damit kein abgotterey. Dann der Mensch Christus ist warer Gott vnd seine Menscheit wirt von der Gotheit nimmer mehr zurtrennet. Drumb beten wir den gantzen Christum an. Die Arrianer wolten nit singen Gloria patri et filio,5. Tripar. 32.Vgl. Cassiodor, Historia tripartita V,32 [Lyon: Jacobus Giuncti, 1534], F 6r. Sonder sungen Gloria patri in filio, vel, per filium, besorgtenbefürchteten, sorgten sich. aus teuffelischer andacht, sie beten ein Creatur an vnd
trieben abgotterei. Also thut auch Osiander, besorget, er treibe abgotterei, wann er dem Blut Christi, als einer Creatur, die Gerechtigkeit Gottes zuschreibe, will also dem Menschen Christo nehmen, das ihm der vater gegeben vnd vns menschen damit verehret hat. Jst das nit ein grosser mutwill vnd Gottes raub?

Als vnser Herr Christus geborn war, haben die Engel, Maria, Joseph, die Hirten etc. das liebe Kindlin Jhesum angebetVg. Lk 2,13–20. vnd doch kein abgotterei getrieben. Sie haben ihn nit allein nach der Gotheit, sonder auch nach der menscheit angebet, quia Verbum Caro factum est.Joh 1,14. Gotliche ehre vnd Maiestat ist dem fleisch vnsers Herrn Christi widderfaren. Welchs dem Teuffel
nit ein geringer schmertz ist, drumb tobet er also widder das Fleisch Christi durch seine Arrianer. Die Gotheit hat sich mit der menscheit in Christo also vereyniget, das sie on vnd ausser der menscheit nit will angebetet sein, wie gefelt dir das, du Arrianischer Osiander?

O, wie ein greuliche Gotslesterung ist es, die Gerechtigkeit Gottes aus dem
Blute vnnd Menscheit Christi schliessen. Jst das der danck fuͤr die wolthat Gottes, das er vmb vnser ehre vnd seligkeit willn seinen eingebornen Sohn hat lassen mensch werden, sein Blut vergiessen, leiden vnd sterben? Thun wir ihm kein ander ehre fuͤr seine verehrung, das er vns durch seines eingebornen Sohns Blut die Gerechtigkeit schenckt? Da wir allein durch die Ge
rechtigkeit Gottes kundten gerecht werden, war es on not, das Gottes Sohn mensch wuͤrde, so kundten wir auch keine freude an des Herrn Christi gepurt haben, vnd were vergeblich, das wir singen: Were vns das Kindlin nit geborn, so wern wir alzumal verlorn.Vgl. Anm. 190. Sihe, also ghets zu, wenn Fraw Hulda,Frau Holle. In Verbindung mit der Vernunft, wie hier, wird sie vor allem bei Luther genannt. Vgl. Art. Hulda, hulde, in: DWb 10, 1887f. Zu der Gestalt der Frau Holle, ihren Attributen sowie den ihr zugeschriebenen Fähigkeiten vgl. Schwarz, Art. Perhta, in: HWDA 6 (1935), 1478–1492. die vernunfft, vber die heylige Schrifft kumpt, so macht sie ein
solch gerumpel vnd wirfft alles vber ein hauffen.

Vorzeiten war ein Pfarnherr zu Constantinopel der hies Nestorius, eben ein soͤlcher Gesel wie Osiander, der viel von ihm selbst hielt vnd doch nicht sonderlich gelert war, vnd so stoltz, das er sich nicht demuͤtigen wolt, der Gelerten Buͤcher zu lesen, vnd von ihm selbst gelert sein, war wol
beschwetzt, daruff verlies er sich auch vnd achtet niemand. Drumb brauchet seines diensts der Gott der hoffart, welcher ihn so weit treibe, das er was sonderlichs in der Kirchen anfing, vnd ging eben mit soͤlchen gedancken vnd schwermerei vmb, damit Osiander vmbghet, wolt nicht hoͤren, das man Mariam Gottes gebererin oder Gottes Mutter nennet, rieffe vnd schreye,
es were vnmoͤglich, das Gott kundt von eim menschen geborn werden.Nestorius (ca. 381 – 451/453) wurde als Patriarch von Konstantinopel (428–431) in einen Streit um die Frage verwickelt, ob Maria als Gottesgebärerin bezeichnet werden könne, wie dies in der Volksfrömmigkeit häufig getan, jedoch von dem Presbyter Anastasius zurückgewiesen wurde. Nestorius brachte daraufhin den Begriff Christusgebärerin für Maria als Vermittlungsvorschlag in die Kontroverse ein. Statt einer Beruhigung führte dies im Gegenteil zu einer Verschärfung der Auseinandersetzungen. Seine Gegner unterstellten Nestorius zu Unrecht, er lehre adoptianische Vorstellungen und verstehe die Einheit der zwei Naturen Christi rein äußerlich, ja er trenne die Gottheit und die Menschheit Christi radikal voneinander. Sie wandten sich daher an den Bischof von Rom um Unterstützung. Eine römische Synode ermächtigte im Anschluss daran Bischof Cyrill von Alexandrien dazu, Nestorius zwölf Thesen vorzulegen, die dieser verwerfen sollte. Nestorius verweigerte dies und wurde schließlich durch Kaiser Theodosius II. Vgl. Thomas Böhm, Art. Nestorianischer Streit, in: RGG4 6 (2003), 202–204; Christoph Markschies, Art. Nestorianismus, in: RGG4 6 (2003), 204–206; Thomas Böhm, Art. Nestorius, in: RGG4 6 (2003), 206f; Lionel R. Wickham, Art Nestorius/Nestorianischer Streit, in: TRE 24 (1994), 276–286.

Nun ist es dennoch war, das Maria vnsern Herrn Gott geboren hat, wie der Engel zu ir saget: Das Heylige, das von dir geborn wirt, wirt Gottes Sone genent werden.Lk 1,35. Sie hat nicht ein schlechtenschlichten, einfachen. menschen geborn, sonder einen soͤlchen menschen, der Gott ist, drumb ists recht geredet vnd lautklingt für.
vns menschen ser troͤstlich vnd ehrlich, wenn Maria Gottes mutter genennet wirt, welchs vnser hohste hehrligkeit ist, das Gottes Son vmb vnsert willn von einer Jungfraw vnd von vnserm Fleysch vnd blute geborn vnd das WORT Fleisch oder mensch worden ist.Vgl. Joh 1,14. Also ists auch vnser hohste ehre, freude vnd lust, wenn wir hoͤren die schrifft, die da saget: Wir seien duch
Gottes Blut gerecht worden.Vgl. Act 20,28. Darumb muͤssenKonjiziert aus: muͤsseen. das lose Tropffenliederlicher, verkommener Geselle. Vgl. Art. Tropf 3.b), in: DWb 22, 856. sein, die vns menschen vnsere ehre woͤllen zu schanden machen vnd vnsere hehrligkeit nemen, damit vns der liebe Gott fuͤr allen Creaturen, auch fuͤr den Engeln, verehret hat? Sie sind ia auch menschen, drumb solten sie sampt vns Gott dancken vmb die gemeineallgemeine. ehre, allen Menschen widderfarn,
so faren sie zu vnd verachten die hehrliche wunderthaten Gottes vnd berauben sich selbst ihrer hehrligkeit. Indignos semet iudicant diuina gloria.

Alles was in Christo ist vnd was er gethan hat, ist vnser vnd vns zur seligkeit geschehn. Sein Empfengnis, Gepurt, leiden, blutuergiessen, todt, hellefart, vfferstehung, himelfart ist vnser reynigung, heyligung, erloͤsung, gerechtig
keit, ewiges leben vnd Seligkeit, wie S. Paulus sagt 1. Corin. 1: Christus ist vns von Gott gemacht zur weyscheit,Weisheit. gerechtigkeit, heyligung vnd erlosung.I Kor 1,30.

Es kundt vns weder das Goͤtliche wesen in Christo allein, noch seine menscheit allein, gerecht machen. Dann vnser Herr Gott hatte es als ein wei
ser Gott, vnd der alleinRoma. 16,Vgl. Röm 16,27. 1. Timo. 1.Vgl. I Tim 1,15. weise ist, also beschlossen vnd verheyssen, das Christus beyde, Gott vnd mensch, vns die Sunde vergeben vnd vnser Gerechtigkeit sein solt.

Jere. 23: Das GERECHTE GEWECHS Dauids ist vnser Gerechtigkeit.Vgl. Jer 23,5f. Mercke diss Spruͤchlin wol, welchs allein sterck gnug ist, den Osiander zu
vberwinden.

Ja, die erste verheyssung Gottes im Paradeis schreibt des Teuffels vberwindung der Menscheit vnsers Herrn Christi zu (schleust aber drumb die Gotheit Christi nit aus) vnd spricht: Der Frawen Same soll dir Teuffel den kopff zutretten.Gen 3,15. Dann Christus muͤst dannoch fuͤr die suͤnde leiden vnd sterben.
Welchs leiden vnd sterben vns nichts gehulffen het, wenn der mensch Christus nit auch Gottes Sohn were.

Darumb lasse man beide, Gotliche vnd menschlichs Natur, vnzurtrennet vnd schreibe die Gerechtigkeit dem gantzen Christo zu. Dann es hat Christus beyde, Gottes vnd Menschen Sohn, fuͤr vns gelitten. Die Engel be
ten Jhesum Christum nit allein als Gott, sonder auch als menschen an. Denn die Goͤtliche natur ist mit der Menschlicher natur also vereyniget, das sie nimmermehr zutrennet, noch ein natur on die ander angebet werden kan. Nach der Gotheit haben die Engel Christum, ehe er mensch ward, angebetet, das sie ihn aber auch nach der menscheit anbeten werden, hat die Heylige
Schrifft zuuor bezeuget.Vgl. Ps 97,7; Hebr 1,5–14. Wie nun die Engel Christum nit allein als Gott, sondern auch als ein menschen anbeten, also werden wir nicht allein gerecht durch Christum als Gott, sonder auch als menschen. Drumb ists ser wol vnd recht geredt, wenn wir sagen: Durch des Herrn Christi Blut werden wir Gerecht.Vgl. Röm 5,9. Denn in des Herrn Christi Blut ist die Gerechtigkeit, nit aber
also wie Geld im beutel,Osiander, Von dem einigen Mittler (1551), V 1r, in: OGA 10, 254,7–12: (), dan daraus [aus Röm 5,8f] wollen sie schliessen, das das blut Christi unser gerechtigkeit sey, aber es volgt gar nicht! Dan man kan auch wol sagen: Der ist doctor worden durchs gelt, es volgt aber nicht, das darumb das gelt die doctorey sey; wir musten sonst bekennen, das, die das gelt empfangen, die hetten auch die doctorey, und der das gelt het ausgeben, der hette kein doctorey, sonder nur ein lehren beuthel. auch nit wie im Abendmal des Herrn Leib im brode vnd sein Blut im Wein, sonder wie das WORT ist FLEJSCH worden,Vgl. Joh 1,14. also ist im Blute Christi die Gerechtigkeit Gottes persoͤnlich vnd ewiglich.

Dagegen sagt Osiander das Blut Christi sei nit vnser Gerechtigkeit, sonder die Gotliche Natur in Christo sei vnser Gerechtigkeit. Das ist ein Arrianische
vnd Gots lesterische rede, dadurch die menschliche natur in Christo sampt seinem leiden vnd sterben verkleinert, veracht vnd verworffen vnd Gottes Rat fuͤr narheit gehalten wirt. O, wehe dir, Osiander, wehe dir, du widderrruffest denn disse Gottes lesterung.

Jtem, er spricht, es sei ein greulicher irthumb, zu sagen, vnsere Gerechtigkeit
sei vergebung der Suͤnden.Vgl. Anm. 168. Dagegen sagen wir: Teuffel, du leugst. Were Christus nit gerecht, so kundt er vns die Suͤnde nit vergeben. Seine Gerechtigkeit tilget vnser suͤnde, doch nit on sein leidenLu. 18.Vgl. Lk 18,14. vnd sterben. Der Zolner, dem seine suͤnde vergeben sind, ghet gerecht heym inn sein haus. Woher ist er anders Gerecht, dann das ihm seine suͤnde vergeben sind? wie daselbst
Christus, die ewige warheyt, selbst sagt.

So gleube du nun, lieber Christ, deinem Herrn vnd Bruder Christo der da spricht, welchem seine suͤnde vergeben sind, der sei gerecht. Vnd gleube dem heyligenJesa. 53.Vgl. Jes 53,5. Geist, der durch Jesaia spricht, dadurch werden wir gerecht, das Christus vnser suͤnde tregt. Vnd huͤte dich fuͤr dem luͤgen geist
Osiander. Vnd daswas. er greulichen irthumb heyst, das halte du fuͤr den rechten weg zum ewigen leben.

Weill aber S. Johannes Spruch (das Blut Jhesu Christi macht vns rein von aller Sunde)Vgl. I Joh 1,7. den Osiander fuͤr den Kopff stoͤst, so legt ihn Osiander also aus: Das Blut, das ist die Gotheit im Blute (ecce nequiciam mali spiritus).
Leugt auch weiter vnd spricht, Johannes rede nit vom Blute Christi vie [sic] es am Creutze vergossen ist.Osiander, Von dem einigen Mittler (1551), Bb 1r, in: OGA 10, 294, 25–28: (), da mus man auch verstehen die gottheit Christi, die im blut ist, dan Johannes redet hie nicht vom blut Christi, wie es am creutz vergossen ist, sonder wie es im glauben sampt dem fleisch Christi unser himlische speise und tranck ist. Osiander ist gar tollverrückt, wahnsinnig. vnd der Teuffel spottet vnser durch dissen heillosen Man. Jch weys von keynem andern Blute Christi, denn das er fuͤr vns vergossen hat, doch nicht allein am Creu-tze, sonder auch im Garten,Vgl. Lk 22,44. im Richthause,Vgl. Mt 27,27–30; Mk 15,16–20. item, da er beschnittenVgl. Lk 2,21. ward.
Dasselbe Blut Christi, es sei vergossen, wie, wo oder wenn, so ists vmb vnsert willn vnd zu vergebung vnser suͤnden vergossen.

Malus spiritus hanc crassam et barbaram blasphemiam suam vocat subtilitatem, sapientiam reconditam et mysterium: Ja, mysterium iniquitatis. Der Luͤgengeyst rhuͤmet, diss sein heylos geschwetz, sei ein Geheymnis vnd
hoch ding,Vgl. Osiander, Von dem einigen Mittler (1551), Bb1r, in: OGA 10, 294,28. dann er wolt gern hoch inn die Gotheit faren, ein GemsensteigerNeunmalkluger, der sich mit seinen übersteigernden Ideen verrennt. Vgl. Art. Gemsensteiger, in: DWb 5, 3288f. ist er worden, vnd versteiget sich, feret alzu hoch, wie der Jcarus mit seinen wechsern Fluͤgeln, drumb zusmeltzen sie ihm.Ikaros ist eine Gestalt aus der griechischen Mythologie. Zusammen mit seinem Vater Daidalos entfloh er angeblich dem kretischen König Minos, indem sie von Daidalos gebaute Flügel (aus Federn, die mit Wachs an einem Gestänge befestigt worden waren) nutzten. Ikaros wurde während des Flugs jedoch übermütig und kam der Sonne zu nahe, so dass das Wachs an seinen Flügeln schmolz und er abstürzte. Vgl. Fritz Graf, Art. Ikaros, in: NP 5 (2003), 929. Es heyst aber: Inter vtrumque vola, medio tutissimus ibis.Der Ratschlag des Daidalos an seinen Sohn Ikaros soll gelautet haben, nicht zu hoch und nicht zu tief, sondern in der Mitte zu fliegen. Vgl. zudem Ovid Metamorphosen 2, 137. Es ist fuͤrwar ein verwegener, vnuerschampter Geyst, der die klare vnd helle wort Johannis
noch glosiern will. Johannes wort sind klar gnug, bedurffen gar keyner glosen, eben so wenig als die wort: Hoc est corpus meumVgl. Mt 26,26; Mk 14,22; Lk 22,19. der Schwarmer glosen bedurffen.Alber spielt hier auf den Streit um das rechte Abendmahlsverständins zwischen Luther und Zwingli an. Vgl. Anm. 304. Johannes hett auch sagen konnen: Christus Gotheit in seinem Blute macht vns rein von aller Suͤnde, das will aber S. Johannes nit thun, sonder also setzt er seine rede, wie ihn der heylige geist
geleret hat: Das Blut Jhesu Christi, Gottes Sones, macht vns rein von aller Sunde, da bei bleibe es. Lieber, lere du Johannem, wie er reden soll. Er hat seine wort gesogen aus der brust vnsers Herrn Jesu Christi, so hastu deine glose gesogen aus Fraw HuldaVgl. Anm. 341. bruͤsten. Die Schrifft redet nit also von Christo wie Osiander, spricht nit, die Gotheit im blute Christi macht vns
rein von aller suͤnde, sonder also: Das Blut Jhesu Christi macht vns rein etc. Dem blute Christi gibt sie die ehre. Dann das Blut Jhesu Christi ist mit der Gotlichen Natur vereiniget, drumb thusts eben das ihenige, das Gott selbst thut vnd reiniget vns von aller suͤnde.

Es hindert auch den Osiander an seiner opinion des Herrn Jhesu Spruͤch
Iohann. 6: Mein fleisch ist die rechte speise, vnd mein blut, ist der rechte tranck.Joh 6,55. Drumb meystert er ihn also: Fleisch (spricht er) heyst die Gotheit im fleische etc.Osiander, Von dem einigen Mittler (1551), Bb 1r, in: OGA 10, 294, 19–21: Wan er spricht: Mein fleisch ist die rechte speise, und mein blut, ist der rechte tranck, so mus man verstehen, das uns seine gottheit, die im fleisch und blut ist, speise und trencke. Der grosse Redener wolt gern Christum leren, wie er seine wort setzen solt. Doch nemen wir von ihm an, das er bekennet, die Gotheit sei im fleisch Christi, vnd sagen daruff also: Jst die Gotheit im fleisch
Christi, so ist auch die Gerechtigkeit im fleisch Christi. Jst die Gerechtigkeit im fleisch Christi, so ist sie auch on zweiuel im Blute Christi. Demnach, so ists ia noch recht geredt: Meyn fleysch ist die rechte speise, vnd mein Blut ist der rechte tranck, vnd bedarff gar keyner glosen.

Johannes 17. steht: Den Vater vnd Christum erkennen, sei das ewige le
ben.Vgl. Joh 17,3. Da mercke lieber Christ, das nit allein den Vater erkennen, sonder auch Christum erkennen, sei das ewige leben. Christum erkennen setzt der Herr fuͤrnemlich darzu, vmb seiner Menscheit willen, die mit der Gotlichen Natur in dem Sone, vnd nit im Vater, ein person ist.

So wollen wir nun vnserm lieben Herrn Christo die ehre thun vnd mit
grossem dancke gern gleuben, das er sein Blut zu vergebung vnser Suͤnde vergossen habe, wollen auch gleuben, das dieselbige vergebung der Suͤnden sei vnser Gerechtigkeit. Ob schon der stoltze Geist sehr druber zuͤrnet, da ligt nit an. Wenn mir meine suͤnde vergeben sind, so habe ich gerechtigkeit gnug vnd voll vff, trotze,biete demjenigen die Stirn, trete demjenigen entgegen, widerstehe demjenigen. Vgl. Art. trotzen B.1.b.β), in: DWb 22, 1126. der mich verdamme als einen vngerechten.
Wenn ich durch das Blut Christi von meinen Suͤnden gereiniget bin, so ists on not, das ich nach einer andern Gerechtigkeit im Himel gaffe. Meine Gerechtigkeit ist das liebe Blut Jhesu Christi. Deo gratias.

Aller Heyligen Blut wirt von Christo ein gerecht blut genennet, Matth. 23.Vgl. Mt 23,35. Jst der Heiligen Blut gerecht, so ist viel mehr das Blut Christi gerecht, denn
alle Heyligen haben ihre Gerechtigkeit von Christo. Jst das Blut Jhesu gerecht, so macht es auch alle menschen Gerecht, die an ihn gleuben. Dann Christus blut ist nit allein in sich oder fuͤr sich allein, sonder auch VNS gerecht, macht VNS gerecht vnd ist vnser Gerechtigkeit. Denn ein Kind ist VNS Jesa. 9.Vgl. Jes 9,5.geborn, ein Sohn ist VNS gegeben. So ist vns gewislich auch sein Blut
gegeben. Warzu ists vns aber gegeben? freilich nit darumb, das wir dadurch vngerecht, sonder Gerecht werden.

Osiander rhuͤmet sich, er wisse wol, wie es sich halt vmb die Communication idiomatum.Die wechselseitige Durchdringung und Mitteilung der Eigenschaften der göttlichen und menschlichen Natur in der Person Christi. Vgl. Notger Slenczka, Art. Communicatio idiomatum, in: RGG4 1 (1999), 433f. Zu Osianders Auffassung vgl. Osiander, Von dem einigen Mittler (1551), bes. N 1v–O 2v, in: OGA 10, 200,6–208,31. Hier vertrat er die Auffassung, dass der Person Christi die Eigenschaften beider Naturen innewohnen. Man müsse aber die unterschiedlichen Eigenschaften sehr deutlich der jeweiligen Natur zuordnen und dies mit der heiligen Schrift beweisen. Daher müsse die Antwort auf die Frage, welche Natur Christi uns gerecht mache, eindeutig beantwortet werden: mit seiner göttlichen Natur. Denn niemand könne den Nachweis führen, dass Christus seine göttliche Natur hintangesetzt habe und allein nach seiner menschlichen Natur die Rechtfertigung bewirken könne. Weys ers, warumb trennet er denn das WORT vom Fleische, das ist, die Gerechtigkeit vom Blute Christi? vnnd will
die Gerechtigkeit nit im Blute haben? Jst doch das Wort Fleysch worden vnd wohnet vnter vns.Vgl. Joh 1,14.

Ausser dem Blute Christi will Gott von keyner Gerechtigkeit wissen, dadurch wir gerecht werden. Weil nun Osiander nit hoͤren will, das wir bekennen, die Gerechtigkeit Christi werde vns durch sein Blut geschencket, so thut
er damit eben so viel, als wann er saget, Christus were nit inns fleysch kummen,1. Johan. 4.Vgl. I Joh 4,2f. vnd das ist der Geyst des widderchrists, dauon S. Johannes sagt.

Jn der Ebreer Epistel steht geschriebe: WennEbre. 10.Vgl. Hebr 10,28f. iemand das Gesetz Mosi bricht, der mus sterben on barmhertzigkeit, wie viel, meinet ihr, erger straffe wirt der verdienen, der den Son Gottes mit fuͤssen tritt vnd das Blut des
Testaments, dadurch er geheyliget ist, vnrein achtet vnd den Geyst der gnaden schmehet? Jn dissem Spruͤch sehen wir, das wir durch Christus Blut geheyliget werden. Vnd weill Osiander nein darzu saget, den Son Gottes mit fuͤssen tritt vnd das Blut des Testaments, dadurch er geheyliget ist, vnrein achtet vnd den Geyst der gnaden schmehet, so ist er nicht allein werdt, das er
on barmhertzigkeit sterbe, sonder hat auch ewige straff verdient. Spricht er aber, er sei nicht dawidder, das wir durch Christus Blut geheyliget werden,Osiander, Von dem einigen Mittler (1551), V1r, in: OGA 10, 254, 12–14: Also spricht auch Paulus recht: Wir sein durchs blut Christi gerecht worden, es volgt aber darumb auch keineswegs, das das blut die gerechtigkeit sey (). warumb ist er denn dawidder, das wir mit S. Paulo vnd Johanne leren, wir werden durch des Herrn Blut gerecht? Hat das Blut Christi die krafft zu heyligen, so hats auch krafft zu rechtfertigen. Denn in Christo ist beyde, Heylig
keit vnd Gerechtigkeit, gleicher krafft. Vnd er ist beyde, vnser Heiligkeit vnd Gerechtigkeit, durch sein Blut worden. 1. Cor. 1.Vgl. I Kor 1,30. Wo will Osiander nun hinaus? er mus entweder ein subtiles, ia ein schales Gloslin erfinden oder sagen, epistola ad Ebreos non est ex libris Canonicis.

Das wir sagen, Christus habe vns mit seinem blute suͤnden erloset, kan Osi
ander leiden, das wir aber sagen, Christus habe vns mit seinem Blute gerechtfertiget, das will er nicht hoͤren. Schreibt auch, er habe nie gelesen, koͤnne es auch nicht begreiffen, das die erfuͤllung des Gesetzes sampt dem leiden vnd sterben Christi vnser Gerechtigkeit sei.Osiander, Von dem einigen Mittler (1551), B 2v, in: OGA 10, 110,31–112,3: Das aber die erfullung des gesetzs und das leiden und sterben unsers herren Jhesu Christi als ein werck solten unser rechtfertigung oder gerechtigkeit sein, das hab ich in der heiligen schrifft meines wissens all mein tage noch nie gefunden, kan auch nicht begreiffen, das es sich nach rechter eigenschafft der sprachen also reden las.

Daruff sagen wir: Es tu magister in Israel et haec ignoras?Joh 3,10 (Vg). Hat er xxx.
Jahre das Euangelium geprediget, wie er sich rhuͤmet,Vgl. die Widmung Osianders an Herzog Albrecht von Preußen, Osiander, Von dem einigen Mittler (1551), :: 2r, in: OGA 10, 78,16–18. vnd das nicht gelesen? vnd verstehts nicht? Hat ers nicht gelesen, so haben wirs aber gelesen vnd predigens (Gott lob) teglich, vnd alle Christen gleubens vnd dancken vnserm HERRN Gott von hertzenSic Aetius, non credit supra captum rationis. 10. Eccle. 20. etc. drumb. Kans ers nit begreiffen, da ligt nit an, wir konnens auch nit begreiffen, gleubens aber, weill wir wissen, das
Gott nit leugt noch liegen kan.Aëtius war der Führer der Anhomöer, die die Ansicht vertraten, dass Christus der Substanz nach dem Vater unähnlich sei. Vgl. Richard P. Vaggione, Art. Aëtius, in: RGG4 1 (1999), 133.Vgl. Tit 1,2.

Die vernunfft kan keinen Artickel Christlicher Religion begreiffen, sie mus sich vnter den gehorsam Jesu Christi gefangen geben. Alle Propheten zeugen von 2. Cor. 10.Vgl. Röm 1,1–3.Christo, er sei vnser Gerechtigkeit. Jst Christus vnser Gerechtigkeit, so ist auch sein Blut, Sterben, Vfferstehung, vnd alles, was er vmb vnser selig
keit willn gethan hat, vnser Gerechtigkeit. Man spricht: Alles, was am Schafe ist, das sei nutz vnd gut,Sprichwörtlich: An dieser Sache stimmt alles. also sagen wir auch vom Lamme Gottis, vnserm Herrn Christo: alles, was an ihm ist, das ist vns nutz vnd gut zur heyligkeit, gerechtigkeit vnd seligkeit.Vgl. I Kor 1,30. Sein empfengnis, sein Gepurt, sein Beschneidung, veriagung in Egypten, sein beten, fasten, reysen leiden,
sterben, blutuergiessen, vfferstehung, himmelfart etc. macht vns gerecht, heylig, selig. Vnd ob wol sein blutuergiessen vnd todt vffgehort hat, so bleibt doch die frucht desselben, nemlich erloͤsung vom Tode, vergebung der sunden vnd ewige Seligkeit. Der Poltergeyst macht vns ein vnnotigen vnterscheyd zwischen der Gerechtigkeit vnd vergebung der suͤnden. Facit nae in
telligendo, vt nihil intelligat, spricht darzu, es sei ein greulicher irthum, zu sagen, vergebung der suͤnden sei vnser Gerechtigkeit.Vgl. Anm. 168. Jst das ein greulicher Jrthum? O des heyligen Jrthumbs, dabei vns der liebe Gott ia erhalten vnd nit anders dann in solchem irthumb sterben lassen wolt. Amen.

Darumb mag sich der Luͤgengeist wol verkriechen mit seiner
spitzfundigkeit vnd subtilen Stincktzion (distinction, wolt ich sagen). Warzu ist der Spitzfundtrügerische theologische Argumentation. Vgl. Art. Spitzfund 1), in: DWb 16, 2621. not oder nutz, das er die erloͤsung des menschlichen geschlechts absondert von der Rechtfertigung, so es doch ein ding ist, on das er gern was newes vff die ban bringenIn der Scholastik wurde die distinctio als Methode zur Behebung von Schwierigkeiten durch Zergliederung bzw. Unterscheidung verwendet. Vgl. O. Muck, Art. Distinktion, in: HWPh 2 (1972), 271f. wolt, dadurch ein grossen namen zu vberkummen,zu erhalten. wie Erostratus?Herostratos setzte im Jahr 356 v. Chr. den Tempel der Artemis in Ephesos in Brand, um unsterblichen Ruhm zu erlangen. Vgl. Konrad Wicker, Art. Herostratos, in: KP 2 (1979), 1110. Dann also schreibt der
newe Ketzermeyster,Erzketzer. Vgl. Art. Ketzermeister 1), in: DWb 11, 644. das wir durch das ihenige so Christus von vnsert wegen durch erfullung des Gesetzs vnd durch sein leiden mit Gott dem Vater gehandelt hat, nit gerecht, sonder erloͤset werden etc.Osiander, Von dem einigen Mittler (1551), B 2r, in: OGA 10, 110,4–15: Darumb kan es, eigentlich zu reden, nicht unser rechtfertigung gewest sein, noch genennet werden, sonder nur unser erloͤsung und genugthuung fur uns und unser suͤnde. Denn wer gerechtfertigt sol werden, der mus glauben; sol er glauben, so mus er schon geporen sein und leben. Darumb hat Christus uns, die wir itzo leben, und andere vor uns durch erfullung des gesetzes und sein leiden und sterben nicht gerechtfertigt; aber erloͤset sein wir dardurch von Gotts zorn, todt und helle. Dann man kan ein menschen wol erloͤsen und befreien, der auch noch nicht geboren ist (). Aber man kan keinen gerecht und from machen, ehe dann er geporen ist.

Hoͤre aber, lieber Christ, was er des fuͤr ein vrsach gibt; Denn zu der zeit (spricht er), da Christus leyde, waren wir noch nit geborn.Osiander, Von dem einigen Mittler (1551), B 1v–B 2r, in: OGA 10, 110,1–4: Es ist aber offenbar, das alles dasjenig, das Christum als der getreue mitler von unsernwegen durch erfullung des gesetzes und durch sein leiden und sterben mit Gott, seinem himlischen vater, gehandelt hat, das ist fur funfzehnhundert jaren und lenger geschehen, da wir noch nicht geporen sein. Wie gefelt dir
abermal disse Consequentz? Zur zeyt des leidens Christi waren wir noch nit geborn, drumb macht vns Christus leiden nit gerecht. Jst das nit ein schoͤne folge? In qua dialectica? in qua figura? Quorsum haec tam putida tendunt?Horaz, Satiren 2, 7, 21. Das ist mir ein abentheurliche Consequentz, hat sie doch weder hende noch fuͤsse,Sprichwörtlich: Es ist unnütz. Vgl. Art. Hand *741), in: Wander 2 (1870), 322. weder saltz noch schmaltz.Vgl. Art. Salz *69), in: Wander 3 (1876), 1853. Christus hat gelitten
(spricht er) vnd dem Gesetz gnug gethan, ehe wir geborn waren, drumb werden wir nit gerecht durch Christus leiden, sterben vnd gnugthun. Jst das die heilige Schrifft, damit er sein opinion beweiset? Das mag ia heyssen percutiat te Deus amentia et caecitate.Dtn 28,28 (Vg). Also soll es denen ghen, so den heyligen Geyst in seinen worten meystern vnd alle Euangelische predigten,
so im 33. iaren geschehen,Alber rechnet von Beginn der Reformation 1517 an. vnd dadurch viel tausent Selen erhalten sind, zuschanden machen will. Dann das er sich ruͤmet, D. Martinus sei vff seiner seiten,Vgl. Anm. 18. Auch in der Schrift Von dem einigen Mittler finden sich immer wieder Zitate aus Luthers Schriften, vgl. z. B. OGA 10, 142,8–28; am ausführlichsten ebd., 170,30– 190,16. ist ein lugendeckel, darunter der boͤse Geist seine falsche wahrWare. gern verkeuffen wolt. Also laut des Schwermers Enthymema:Ein Enthymem bezeichnte in der Rhethorik nach Aristoteles einen Schluss mit nicht ausgesprochenen Prämissen. Vgl. Manfred Kraus, Art. Enthymem, in: HWRh 2 (1994), 1197–1222.

Da Christus leyde, war ich noch nit geborn.

Drumb macht mich sein leiden nicht Gerecht.

Daraus mus folgen, das allein die ihenen, so zur zeit des leidens Christi gelebt haben, durch sein leiden gerecht werden. Wir andern arme tropfen sind eyns teyls zu langsam, eyns teyls zu bald geborn. Vnd hindert vns nichts mehr an der Gerechtigkeit, dann das wir zu langsam (nemlich, nochnach. der
zeit des leidens Christi), oder zu bald (das ist, ehe Christus gelitten hat) geborn sind. So werden allein die ienen, so zur zeit des leidens Christi gelebt vnd gegleubt haben, durch sein leiden gerecht. Nun, wie wol diss tolle geschwetz des lestergeysts keiner antwort werdt ist, so sagen wir dannoch also: Christus leiden fasset alle Gleubigen zusamen, die vor ihm, die zu seiner zeit
gewest, vnd die nach ihm kummen. Einer hat eben so viel teyls an ihm, als der ander, drumb heysts Sanctorum communio.Die Kirche als Gemeinschaft der Heiligen. Vgl. den 3. Artikel des Apostolischen Glaubensbekenntnisses. Vgl. BSELK, 43. Die vmb die elffte stunde in des Herrn Weinberg kummen, empfahen eben denselben lohn, den die ersten empfangen.Vgl. Mt 20,9.

Macht Christus leiden die ihenen gerecht, so zur zeit Christi gelebt vnd ge
gleubt haben, so macht es auch gerecht beyde, die Gleubigen, so fuͤr ihm gewest vnd nach ihm kummen. Abraham ward froh (spricht Christus), das er meinen tag sehen solt, vnd er sahe ihn vnd frewet sich.Vgl. Joh 8,56. Deßgleichen haben die Christen, so nach Christo kummen sind, auch des HERRN tag gesehen, vnd die heutiges tags leben vnd gleuben, sehen des Herrn tag vnd frewen
sich desselben von gantzem hertzen, vnd singen: Christ ist erstanden von seiner marter alle, des sollen wir alle froh sein, Christ will vnser trost sein.Ein Lobgesang zu Ostern. Vgl. Wackernagel V, Nr. 1305, S. 1031 (1. Strophe). Gleich wie wir durch des Herrn tod sind lebendig worden, ob wir wol zur zeit seines sterbens nit geborn waren, also sind wir durch Christum gerecht worden, ob wir wol zur zeit Christi noch nit geborn waren. Da hin
dert kein zeit, allein der vnglaub hindert. Christus leiden vnd sterben sihet hinder sich vnd fuͤr sich, vnd fasset alles zusamen, so an in gleubt, es sei vor im oder zu seiner zeit gewest, oder nach ihm kummen. Er ist praeteriti, praesentis et futuri temporis. Jhesus Christus, gestern vnd heut, vnd derselbe auch in ewigkeit.Hebr 13,8. Last euch nit mit mancherley vnd frembden leren
vmbtreiben, Ebre. 13.Hebr 13,9. Jtem, Apoca. 13: das Lamme ist erwurget von anfang der Welt.Vgl. Apk 13,8. Wann ich erhoͤhet werd von der erden (spricht derJohan: 12.Joh 12,32. Herr), will ich sie alle zu mir ziehen. Drumb reckt er seine arme am Creutze aus, als wolt er alles zusammen fassen.

Ghets doch in der welt auch also zu, das offt ein Kind, so noch soll
geborn werden, ein erb ist der guͤter, die vor langer zeit durch seine Voreltern erworben sind. Das kind ist noch nicht geborn vnd seine erbguͤter sind gleichwol fuͤrhanden. Also hat vns vnser lieber Herr Christus vor funfftzehnhundert iarenVgl. Anm. 403. fuͤrgeerbeyt, was wir itzt irben,erben. vnd fuͤr vns gesorget, ehe wir geborn waren. Dem guͤtigen Herrn sei lob, preis vnd
danck in ewigkeit. Amen.

Der SchindelgeystPhantast. Vgl. Art. Schwindelgeist 2), in: DWb 15, 2659. treibt diß Argument noch weiter vnd nerrichter, vnd spricht: Der Gehorsam Christi macht vns nit gerecht, sunst muͤst folgen, wir weren funfftzehn hundert iar gerecht gewest.Vgl. Anm. 403.

Antwort: Toll vnd torichtöricht. bistu. Wir kundten nicht ehe gerecht werden, wir
weren dann zuuor geborn. Der Gehorsam vnsers Herrn Christi, dem himlischen Vater vor funfftzhen hundert iaren geleystet, wirt allen Gleubigen beyd, vor vnd nach Christi geburt, mit geteylt, bis an der welt ende. Ach, der heylose Geyst spottet vnsers Glaubens mit seinen tollen Consequentzen. Aber also muͤssen die ihenen schwermen vnd rasen,toben. so ihr eigen ehre
suchen vnd was newes vff die bahnetwas Neues vorbringen. Vgl. Art. Bahn 6), in: DWb 1, 1077f. bringen wollen.

Weiter, das S. Paulus schreibt, wir werden gerecht durch die vfferstehung Christi,Vgl. Röm 5,8–11. da sagt disser Ketzermeister auch nein zu, spricht, wir verstehn Paulum nit recht. S. Paulus rede aber darumb also, denn wo Christus nit vfferstanden were, so kundten wir nit gleuben, das wir vom tode erloͤset
weren.Vgl. Anm. 281. Vide, quomodo eludat et obscuret iste Pauli clarissimam sententiam, vt ne ipse quidem, quid dicat, intelligat. Nisi, inquit, Christus resurrexisset, non potuissemus credere, nos esse liberatos a morte etc. Respondeo: imo, nisi etiam Christus natus et mortuus fuisset, non, potuissemus credere, nos esse liberatos a morte. Quomodo enim potuissemus credere,
quod nondum euulgatum erat? Quia ignoti nulla cupido.Sprichwörtlich: Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. Sed quid hoc ad propositum? Et quomodo cohaerent ista? Das mag ia redlichpolemisch: mächtig, ordentlich. geschwermet heissen, kuͤnds eym doch im traum kaum so nerricht fuͤrkummen. Jch dancke vnserm Herrn Gott, das der SchwindelgeystDämon, der falsche Lehren von sich gibt. Vgl. Art. Schwindelgeist 1), in: DWb 15, 2658. so tunckele vnd vngereimete wort fuͤret, das man nit wol verstehn kan, was er meynet, so
kan er auch niemand verfuͤren, es ist eitelreine. confusum, Cahos, was er fuͤrgibt. Carlstads vnd Zwingels buͤcher waren auch so tunckel vnd toͤlpisch, das D. Martinus druber klagt, er koͤnne schwerlich vernehmen, was sie meyneten.Wohl eine Anspielung auf den Abendmahlstreit der 1520er Jahre. Vgl. dazu Äußerungen Luthers in seine Argumentation in der Schrift Vom Abendmahl Christi. Bekenntnis, die dahingehend gedeutet werden könnten. Vgl. Martin Luther, WA 26, 261–509 (Vom Abendmahl Christi. Bekenntnis, 1528). Dann Gott strafft also seine feinde, das sie nit koͤnnen haben eruditam linguam, wie des heyligen Geysts schuͤler. Doctor Martinus
ist ein feiner lerer, des lere leuchtet so helle vnd klar, das auch die kinder vnd einfeltige leute seine meynung wol vernehmen koͤnnen vnd vnserm Hern Gott dafuͤr dancken.

Das wir durch des Herrn Christi Blut nicht gerecht werden, beweiset Osiander mit einer aus den bundenpolemisch: köstlichen, herrlichen. schoͤnen Gleichnis. So hoͤret zu, lieben
Leute, vnd lachet nicht, est similitudo insulsissima (elegantissima solt ich sagen), also lautet die Gleichnis: Gleich wie einer Doctor wirt durch geld vnd folget doch nit daraus, das dasselbe geld vnd doctorat ein ding sei, also, wenn wir sprechen (wir werden durchs Blut Christi gerecht), folget nit daraus, das das Blut Christi vnser Gerechtigkeit sei.Vgl. Anm. 358.

Es ghet warlich schale aus. Si dicas: Hic est Doctor insignitus per pecuniam, non sequitur, pecuniam esse ipsa insignia. Sic, vbi Paulus dicit,Vgl. Röm 5,8–11. nos per sanguinem Christi iustificari, non sequitur, quod sanguis Christi sit nostra iusticia. Nimpt efficientem Causam pro formali, ist lauter SophistereiDer altgriechischen Philosophenschule der Sophisten wurde nachgesagt, auf argumentativem Wege Tatsachen beliebig zu verdrehen. Vgl. Margarita Kranz, Art. Philosophie, in: NP 15/2 (2002), 339–343 (343f); Lepp, Schlagwörter, 83f. vnd Sycophanterei.Verleumderei. Vgl. Art. Sykophanterei, in: DWb 20, 1368. Er ist eben ein Dialecticus vnd selbst gewach
senerselbst ernannter, autodidaktischer. Vgl. Art. gewachsen 2.a.β.5)), in: DWb 6, 4732. Doctor wie Zwingel.

Lieber, geld ist nit alleyn die vrsach, das einer Doctor wirt, es sind wol andere vrsachen. Mit der heiligen Schrifft solt der Meyster von hohen sinnen beweisen, das S. Paulus klare wort nicht also zu uerstehen weren, so kumpt er daher getrolt mit einer losen gleichnis vom Gelde vnd doctorat. Wenn ein
Theologus beweisen will, das ein Spruch der Schrifft anders zu uerstehen sei dennals. er lautet, so mus ers mit der heyligen Schrifft thun, darnach mag er auch seine beweisung mit Gleichnissen schmucken.

Jch hoͤre sagen, Osiander sei noch nicht deponiert,Die Depositio erfolgte vor der Immatrikulation und war für den neuen Studenten mit mancherlei unangenehmen Initationsriten verbunden. Vgl. Hautz, Geschichte der Universität Heidelberg 1, 85f. vnd sei noch ein BeanusAus dem Französischen: bec jeune = Gelbschnabel. Gemeint ist damit ein neu immatrikulierter Student. Vgl. Hautz, Geschichte, 85. vnd Bachant, habe die hoͤrner noch nicht abgestossen,Sprichwörtlich: hat noch keine ausreichenden Erfahrungen gemacht. Vgl. Art. Horn *46), in: Wander 2 (1870), 784. sei in
keiner Vniuersitet nie gewest,Osiander hatte kein Universitätsstudium abgeschlossen und akademische Grade erworben. Dies wurde ihm gerade bei seiner Berufung zum Professor primarius an der Theologischen Fakultät der Universität Königsberg von Gegnern vorgehalten. Vgl. Stupperich, Osiander in Preussen, 29–33. darumb spottet er den Gradibus vnd sticht vff die ihenen,bekämpft. so Magistri oder Doctores werden, vnd gibt den Promotoribus schuld, das sie vmb gelds willn Doctores machen, welchs doch nicht zu Wittemberg, sonder zu Rom geschicht, da macht man Doctores Bullatos.Bezeichnung für einen Gelehrten, der sein Doktordiplom nicht durch Studium an einer Universität, sondern durch einen Herrscher, hier vom Papst, verliehen bekam. Damit ging häufig der Vorwurf des Titelkaufs, sowie die Qualifizierung als Narr oder Quacksalber einher. Vgl. Art. kurzweilig 2.b), in: DWb 11, 2863; Art. auskaufen 1, 890. Vnd etliche Romanisten schreiben sich Pfaltzgreuen,Als Pfalzgrafen bezeichnete man z. B. Richter an kaiserlichen bzw. königlichen Gerichten. Außerdem war Pfalzgraf ein Titel, mit dem bestimmte Rechte und Regalien veliehen wurden. Vgl. Art. Pfalzgraf 3 und 4), in: DWb 13, 1602. die von
der Babilonischen HuhrnVgl. Apk 17,5. In der Vollbibel von 1534 findet sich ein kolorierter Holzschnitt Lucas Cranachs d.Ä., der das Papsttum als Hure Babylon zeigt. gewalt haben, Doctores zu machen, ein solcher Doctor war Carion, der Teuffelsfenger vnd Cristallenghucker.Johannes Nägelin (1499–1537). Er studierte in Tübingen und schloss dort wohl bereits Bekanntschaft mit Philipp Melanchthon. Seit 1522 war er Hofastronom bei Kurfürst Joachim I. Nestor von Brandenburg und seit 1527 auch Berater Herzog Albrechts von Preußen. Er fertigte aufgrund seiner astronomischen Studien auch astrologische Vorhersagen über zukünftige Entwicklungen und Ereignisse an. Zudem verfasste er eine Weltchronik, die nach senem Tod von Melanchthon überarbeitet herausgegeben wurde. Vgl. Johannes Schultze, Art. Carion, Johannes, in: NDB 3 (1957), 138f. Im selben Jahr, 1552, in dem Alber diese Schrift publizierte, veröffentlichte Johann Funck, ein Parteigänger Osianders, eine Weiterführung der Chronik des Johann Carion: Chronica || Durch M. Johann || Carion fleißig zusamen gezogen / || menniglich nuͤtzlich zu lesen. || Volstreckung diser Chronica vom || 32 Jar der mindern zal / biß inn das 52. || Sampt eym kurtzen außzug des grossen || kriegß / so Kei. Carolus V. mitt || den Protestierenden gefurt / im Jar 46. || Auch was sich in || Magdeburg zu= || getragen hat. || [Frankfurt/Main: o. Druckerangabe in VD 16, 1552] (VD 16 C 1006). Solchen Bullendoctoribus vnd Comitibus palatinis solt Osiander spotten. Zu Wittemberg macht man soͤlche Doctors nicht.

Es gibt aber disser spoͤttische Geist nit allein eyn Gleichnis vom
Doctorat, sonder auch von einem Diebe, zu beweren, das die Erloͤsung von Sunden nit vnser Gerechtigkeit sei. Einen Dieb (spricht er) kan man wol vom Galgen erloͤsen vnd doch nit gerecht machen.Osiander wählt als Beispiel die Scipionenprozesse aus dem Jahr 188 v.Chr. und führt dazu dann aus (Osiander, Von dem einigen Mittler (1551), G 2v, in: OGA 10, 150,7–18): (), dan wie der Scipio zu Rom durch des roͤmischen volcks urteil gerechtfertigt worden ist, der muss aus not also gedencken: Ist der Scipio gerecht und from gewest, so hat im das roͤmische volck kein gnad oder wolthat bewisen; ist er aber ungerecht und untreu gewest, so hat im das roͤmische volck mit seinem urteil und ledigzelen wol aus einer gefahr geholfen, hat in aber keineswegs gerecht und from gemacht, sonder einen schalck und dieb lassen bleiben, wie er vorhin war – dan es ist unmoͤglich, das sie ine mit irem urteil solten gerecht und from gemacht haben! Nun koͤnnen wir nicht sprechen, das wir fur Gott gerecht und from gewest sein, wie Scipio sprechen moͤcht, er were dem roͤmischen recht nach from gewest. Darumb volgt aus obgedachter lehre, das wir durch den glauben allein fur gerecht und from gehalten und gesprochen, aber keineswegs durch den glauben mit der that und in der warheit gerecht und from gemacht werden. Ja, lieber Schwermer, die Menschen konnens freilich nicht thun, aber vnser HERR Christus kans wol thun, wie gefelt dir das, du boͤser Geist? Deus iustificat impium, Ro. 4.,Vgl. Röm 4,5 (Vg). vt
publicanos,Vgl. Mt 9,13; Mk 2,17; Lk 5,32. meretrices,Vgl. Lk 7,48–50; Joh 8,7–11. latronem in cruceVgl. Lk 23,43. etc.

Der stoltze Geyst saget vns wol viel von des glaubens Gerechtigkeit, zu beweisen, das sie aus Gott vnd ein ewige Gerechtigkeit sei, wer leugnet aber dasselb?

Wo soll sie anders her kummen, dann von Gott? Das aber daraus folge, des
Herrn Christi blut sei vns nit nuͤtz zur Gerechtigkeit, das gilt beweisens. Ja, es heyst schendlich gelogen vnd gelestert. Bekent er doch selbst, die Gotheit sei im Blut Christi.Vgl. Anm. 365 und 378. Jst die Gotheit im Blute Christi, so ist auch die Gerechtigkeit Gottes im blute Christi, weil er selbst bekent, Gottes Gerechtigkeit sei seine Gotheit.Vgl. Anm. 242. Sehet doch, lieben Christen, wie disser Rumpelgeist
widder sich selbst schnacketschwatzt. Vgl. Art. schnacken 2), in: DWb 15, 1156f. vnd nicht weys, wo er daheym ist. Darumb redet S. Paulus recht, das wir durchs blut Christi gerecht werden,Vgl. Röm 5,8f. vnd bedarff keyner losen glosen noch Gleichniss vom Doctorat vnd Dieben. Der luͤgengeist wil vns die Gerechtigkeit vom Blute Christi trennen, vnd bekent doch selbst, die Gotheit sei im Blute vnd die Gerechtigkeit sei die Gotheit.
Heyst das nicht geschwermet vnd widder sich selbst geredt? Ja, im Sechsten Quatern bekent er, das vns Christus mit seinem leiden, blutuergiessen vnd ster-ben die Gerechtigkeit erworben habe,Osiander, Von dem einigen Mittler (1551), H 2v–H 3r, in: OGA 10, 162,6–16: Die goͤttliche froͤmmigkeit oder gerechtigkeit aber ist die, die Gott selber hat, ja die Gott selbst ist, nemlich die, die er von ewigkeit her bey und in sich gehabt und beschlossen hat, dieselbigen im wort, das Gott selbs ist, wan es mensch wirt, mit seiner menscheit zu vereinigen und also dieselbigen allerheiligsten menscheit unsers herren Jhesu Christi mit solcher seiner ewigen gerechtigkeit und frommkeit gerecht zu machen, zu bewegen, zu leiten und zu furen zu allem gehorsam und guten wercken biss zu volkomner erfullung des gantzen gesetzes und zu aller gedult, fur uns und unser suͤnde zu leiden, sein blut zu vergissen, zu sterben des allerschmehlichsten tods am creutz und entlich auch gen helle zu fahren, das er uns erloͤsete, und dan umb unser rechtfertigung willen wider erstunde. darnach sagt er das widderspiel.Gegenteil.

Ach, er wolt gern newe vnd grosse kunst fuͤrgeben vnd ihm ein namen in
der welt machen, wie Witzel,Georg Witzel war, nachdem er sich der Reformation zugewandt und auf Empfehlung Luthers Pfarrstellen im Kurfürstentum Sachsen bekleidet hatte, wieder zum alten Glauben zurückgekehrt und zeichnete sich durch seine zahlreichen Veröffentlichungen gegen die Reformation aus. Unter anderem griff er auch Melanchthon direkt an, so dessen Gutachten zum Interim. Vgl. dazu mit weiterführender Literatur unsere Edition Bd. 1, Nr. 17, S. 795–870. GrickelAnspielung auf Johann Agricola. vnd Jeckel,Anspielung auf D. Jakob Schenk, von Luther meist Jeckel genannt. Er wurde um 1508 in Waldsee an der Aach (Württemberg) geboren. Im Jahr 1536 war er Hofprediger Heinrichs von Sachsen in Freiberg und wurde des Antinomismus verdächtig. Seit 1538 versah er die Hofpredigerstelle in Weimar. Ab 1541 war er Prediger und Professor in Leipzig. Danach (1544–46) bekleidete er das Amt des Hofpredigers von Kurfürst Joachim II. Hektor von Brandenburg in Berlin. Vgl. Walter Delius, Art. Schen(c)k, Jakob, in: RGG3 5 (1961), 562. vnd wirt daruber so irre, das er nicht weys, was er sagt.Alber fasst in den folgenden Sätzen jene aus seiner Sicht widersprüchlichen Lehraussagen Osianders zusammen, die er zuvor in seiner Schrift näher erörtert hat. Er bekennet die Gotheit sei im Blute Christi vnd will gleichwol die Gerechtigkeit nit drinnen leiden, vnd sagt doch daneben, Gottes Gerechtigkeit sei Gott selbst. Jst das nit widdereinander? Jtem, er bekent, Christus habe vns mit seinem blute geheyliget, vnd wil
doch nicht, das wir auch dadurch gerecht werden. Bekent auch, das die Gotliche Natur Christi durch seine Menscheyt in vns als seine Glieder kumme vnd er also gantz vnd vnzutrent vnser leben, weischeyt, gerechtigkeit vnd heyligkeit sei. Jst das nit fein vnd wol geredt? noch bleibt er nit dabei, vergist wie ein Narr vnd Trunckenpolt seiner eygen vorigen rede vnd setzt gera
de das widderspiel, spricht, Christus sei vnser weissheit nach der Gotlichen Natur vnnd nicht nach der Menschlichen Natur, desgleichen sei er vnser Gerechtigkeit nach der Gotlichen vnd nicht nach menschlicher Natur, wiewol (spricht er) wir solche Gotliche Gerechtigkeit ausser halb seiner Menscheit nit koͤnnen finden, macht zwischen der Menschlichen vnd Goͤtlichen Natur
keyn andern vnterscheyd, denn zwischen dem Beutel vnd Geld, oder zwischen dem Wein vnd Becher, so doch die Goͤtliche vnd Menschliche Natur in Christo neher zusamen gehoͤren weder Beutel vnd Geld Wein vnd Becher. Quia Verbum Caro factum est,Vgl. Joh 1,14. sed pecunia non est facta marsupium, Vinum non est factum poculum. Beutel vnd geld ist nit ein
Person, Wein vnd Becher sind nit ein Person, wie das Wort vnd Fleysch ein Person worden ist. O, du elender Schwermer. Fatetur etiam nos iustificari per Euangelium, et tamen non concedit, nos iustificari per sanguinem Christi praedicatum in Euangelio. Jst der Geyst nit toll vnd toͤricht? Imo credentes iustificantur sanguine Christi oblato nobis per
Euangelium. Die erloͤsung des Menschlichen geschlechts schreibt er zu der Menschlichen natur in Christo, aber die Rechtfertigung will er der Menschlichen Natur nicht zuschreiben, so doch die erloͤsung eben so wol der Almechtigkeit Gottis werck ist als das werck der Rechtfertigung.

Last vns dem barmhertzigen Gott dancken, das er seinen feind also strafft
vnd blendet, das er widder sich selbst reden vnd die Leute damit warnen mus, das sie sich fuͤr ihm huͤten, quia manefeste pugnantia dicit.

Man sagt: Oportet mendacem esse memorem,Vgl. Quintilian, De Institutione Oratoria IV,2, 91; Art. lügen, in: TPMA 8, 66. ein Luͤgener mus ein gut gedechtnis haben. Aber disser Luͤgener hat ein boͤsschlechtes. gedechtnis, vff das er vber seiner Gotslesterung zu schanden werde.

Er schreibt auch, wir erlangen die Gerechtigkeit durch den Glauben vnd nit durchs leiden Christi, noch durch die erfuͤllung des Gesetzs. Was nuͤtzen doch soͤlche wort, die man nirgend in der heyligen Schrifft findt? Welcher Prophet, welcher Apostel redet also? S. Paulus befihlt den Predigern, zu meiden das vngeystliche lose geschwetz vnd das gezenck der falschberuͤmpten
kunst.Vgl. I Tim 6,20. Es ist alles eitel schwermerei, fantasei vnd verworren ding, was disser Geist fuͤrgibt. Warumb reisst er des Herrn Blut leiden, erfuͤllung des Gesetzs vnd gnugthun fuͤr vnser suͤnde von der Gerechtigkeit ? Warumb redet er nit lieber von dissem [sic] Goͤtlichen dingen, wie S. Paulus, warumb braucht er nit desselben weise von der Gerechtigkeit zu reden? will
ers denn besser machen wederals. S. Paulus, welcher vom Glauben, von der gerechtigkeit, von der erlosung vnd blute Christi also schreibt: Wir werden on verdienst Gerecht,Rom. 3Vgl. Röm 3,24f. aus Gottes gnade, durch die erloͤsung, so durch Christum Jhesum geschehen ist, den Got hat fuͤr gestelt zu eym gnaden stule, durch den Glauben, in seinem Blute, vff das er die Gerechtigkeit, die fuͤr
ihm gilt, dar biete, in dem, das er die Sunde vergibt. Sihe, also soll man von dissen hohen dingen reden, wie hie Paulus thut, der reist nit die Erloͤsung von der Gerechtigkeit, wie Osiander, trennet keyn stuͤck vom andern, helts fein zusamen, lest Gnade, Glauben, Gerechtigkeit, Gnadenstul, Blut vnd Erloͤ-sung beieinander.

Jtem, der Schwermer lest Gleuben vnd vertrawen nit ein ding sein, vileicht hat sein hertz nie erfaren, was gleuben vnd vertrawen sei. Dann die reichen Theologi, so stets gute tage haben, kummen schwerlich darzu, das sie erfaren, was Gleuben vnd vertrawen sei.

Es bringt auch Osiander herfuͤr, seine irthume zu bestetigen, den Spruch
Christi, Johan. 6: Fleysch ist kein nutz,Vgl. Joh 6,63 verstehe (spricht er), on die Gotheit.Vgl. Osiander, Von dem einigen Mittler (1551), Bb 1r, in: OGA 10, 294,22. Wiewol aber der Herr Christus am selben ort nit von seinem Fleisch redet, so ists doch recht gesagt, das des Herrn Christi Fleysch, on seine Gotheit, nit nutze ist, dann welcher Christen hat ie anders gesagt? oder wie kan das Fleysch Christi on die Gotheit sein?

Weill dann Osiander bekent, das die Gotheit im im fleysche Christi sei, so folget ie daraus, das vns das fleisch vnd Blut Christi nuͤtze sei, Gerechtigkeit vnd alles guts bringe. Drumb redet Osiander widder sich selbst vnd sturtzet vber dissem Spruch den hals entzwey.

Er bekent, das wir durch des Herrn Christi Menscheyt seiner Goͤtlichen
Natur teilhafftig werden, nochaber. lest er nicht zu, das wir durch des Herrn menscheit die Gerechtigkeit empfahen. Jst das nicht toll ding vnd widdereinander? Es ist lauter gespoͤtt, das der Satan mit vnser Religion treibt.

Jch hoͤre sagen, der Meister disser newen lere sei ser reich vnd habe viel tausent Gulden.Während seiner Tätigkeit in Nürnberg hatte Osiander ein beträchtliches Vermögen angesammelt und es gab offenbar Kritik daran, wie Osiander seinen Reichtum zur Schau stellte. In Preußen erhielt er 200 Gulden auf seiner Pfarrstelle und weitere 100 Gulden für die theologische Lektur. Osiander teilte Verwandten, z. B. seinem Schwiegersohn, nach seiner Ankunft in Preußen mit, dass sich sein Gehalt aufgrund niedriger Lebenshaltungskosten im Herzogtum nun im Vergleich zu seiner Zeit in Nürnberg fast verdoppelt habe. Vg. Seebaß, Werk, 209–216; Stupperich, Osiander in Preussen, 28. Weill nu Christus sagt, ein Reicher kumme schwerlich
inns himelreich,Vgl. Mt 19,24; Mk 10,25; Lk 18,25. so ist zu besorgen, die liebe zum gelde mache dissen Propheten so toll, wie die Adiaphoristen auch reich vnd geldsuchtig sind, vnd ihr NothulfferSeit dem 14. Jahrhundert verehrt, entwickelte sich die Anrufung von 14 Nothelfern im 15. und 16. Jahrhundert zur allgemeinen Volksfrömmigkeit im deutschsprachigen Bereich, die ihren Ausdruck in festen Nothelfergebeten und Messbüchern mit einem Nothelferformular fand. Bei den 14 Nothelfern handelte es sich mit Ausnahme des Aegidius (7./8. Jhd.) um Märtyrer und Märtyrerinnen des 2. bis 4. Jahrhunderts, deren Historizität nicht in allen Fällen gesichert ist. Vgl. Georg Kraus, Art. Nothelfer, in: RGG4 6 (2003), 399f. Alber verwendet diesen Terminus hier in polemischer Absicht, da er die angebliche Korrumpierbarkeit Osianders und der Wittenberger Theologen (Adiaphoristen) durch den heiligen Taler behauptet. heyst Sanctus Talerus, der itzt grosse wunder in der welt thut, macht die sehenden blind, krum schlecht,gerade. recht vnrecht. Solchen Thalertheologen wolt ich raten, das sie sich der schweren last des Mammons
entladeten vnd armen Leuten, Schuͤlern vnd Studenten mitteileten, das sie nicht vnter der schweren last der Ducaten, Kronen, Nobeln vnd Thaler niddersincken zur hellen zu.

Es gibt Osiander etlichen schuld, das sie die Goͤtliche Natur in Christo von seiner Menscheit reissenOsiander, Von dem einigen Mittler (1551), G 3r, in: OGA 10, 152,1–6: Etliche aber, wan sie mit heiliger schrifft gedrungen werden, so bekennen sie, das Christus selbs unser gerechtigkeit und in uns sey [gemeint scheinen Georg v. Venediger und Peter Hegemon]. Sie wollen in aber nach seiner goͤttlichen natur nicht unser gerechtigkeit lassen sein, sonder trennen in der rechtfertigung die goͤttliche natur Christi von seiner menschichen natur und lassen uns nur ein stuͤck von Christo, ja, das noch vil erger ist, sie trennen auch die gottheit voneinander und machen zwen goͤtter. vnd er ist doch selbst der rechschuldige, der
solchs thut,Gegen diesen Vorwurf hatte sich Osiander in seiner Schrift Von dem einigen Mittler bereits verteidigt (OGA 10, 138,8–16): Es sol aber neimandt hie gedencken, das wan wir sagen, das wort, das ist die goͤttliche natur in Christo, sey unser leben, das wir darumb wolten die menschliche natur absundern und ausschliessen, als hette sie nichts darzu, das wir durch sein goͤttliche natur lebendig werden. Das sey ferne von uns! eben als wenn ein Dieb, vff frischer that ergriffen, feindlich schrie: Dieb io,Ausruf, um andere aufzufordern, einen Dieb festzuhalten. Vgl. Art. Diebio, in: DWb 2, 1092. Dieb io, wie man von einem sagt, der gestolen hatte vnd als man ihm nacheylet, schreye er die leute an, so ihm entkegen kamen: halt mir den Dieb, halt mir den Dieb.

Das er auch etlichen schuld gibt, sie ertichten ein mittel gerechtig
keit, die weder Gotlich noch menschlich sei, vnd etlichen, die da sagen, Christus warer Gott vnd Mensch wohne nicht durch den Glauben in vns etc.,Vgl. Anm. 17. dieselbigen moͤgen fuͤr sich selbst antworten.

Das er aber der Augßburgischen Confession ein stich gibt, als stimme sie nit mit der heyligen Schrifft,Die einzige Stelle, an der sich Osiander in seiner Schrift Von dem einigen Mittler auf die Confessio Augustana bezieht, findet sich in der Widmung an Herzog Albrecht (OGA 10, 88,13–15): Als aber E. F. D. [Eure Fürstliche Durchlaucht] von inen [Osianders Gegnern] gleicherweis bekantnus forderte, suchten sie abermals ausflucht: Erstlich wolten sie nicht, daranach zogen sich etlich auff die Augsburgische Confession (). Mörlin und Osiander thematisierten in ihrem Briefwechsel im April 1551 die Frage der Bedeutung der Confessio Augustana und ob diese ebenso als kanonisch zu gelten habe, wie die biblischen Texte selbst. Vgl. Joachim Mörlin an Andreas Osiander. 18. April 1551, in: OGA 9, Nr. 454, S. 618–622; Andreas Osiander an Joachim Mörlin. 18. April 1551, in: ebd., Nr. 455, S. 623f; Joachim Mörlin an Andreas Osiander. 19. April 1551, in: ebd., Nr. 456, 625f; Andreas Osiander an Joachim Mörlin. 23. April 1551, in: ebd., Nr. 460, 641–644; Joachim Mörlin an Osiander. 25. Aprl 1551, in: ebd., Nr. 462, 647–652. das ist ser vnredlich gehandelt vnd den Papisten
vrsach gegeben, vns mit vnser Religion zu uerspotten. Heyst das, seine mutter, die Christliche Kirche, geehrt? Ja, es heist beyde, Gott vnd seine Kirche, geschendet vnd dem Teuffel hoffiert. Wirt ihm das vnser Herr Gott schenckenzulassen. vnd nit ein mal dran gedencken.

Wie ehrlich solchs dem Osiander anstehe, das er der Augsburgischen Con
fession verwandter ist vnd gleichwol dieselbige strafft, ist gut zu mercken. Hat er gewust, das die Augßburgische Confession nit rechtschaffen ist vnd doch solchs nit allein nit angezeygt, noch andere leute fuͤr irthumb gewarnet, sonder auch selbst widder sein Gewissen in die Confession bewilliget, so ist er ein bauchknecht,Ein allein an materiellen, irdischen Dingen orientierter Mensch. Vgl. Röm 16,17f; Phil 3,18f; Hans-Otto Schneider, Art. Bauchknecht/Bauchprediger, in: Lies, Schneider, 95 Schimpfwörter, 26–28. ein heyloser glaubloser vnd liebloser
man, von dem man gar nichts mehr halten kan. Vnd die Papisten werden selbst den Osiander fuͤr ein falschen menschen halten, der in sein eygen nest hoffiert, der sein eygen mutter (die Christliche Kirche) betrubet, schendet vnd fuͤr ein Huhr ausrufft.

Jn summa: hie sihet man, das er nie gut Lutherisch noch Euangelisch gewest,
wie fastsehr. Vgl. Art. fast, in: DWb 3, 1348f. er sich auch des Luthers rhumet. Vnd doch vnter dem Lutherischen namen grossen reichthumb zusamen bracht hat. Auch soll er wissen, das er improprie redet, da er etlich mal schreibt (die in den Tod Christi bewilligen, haben vergebung der suͤnden)Osiander, Von dem einigen Mittler (1551), B 1r–v, in: OGA 10, 108,17–23: () also wendet er [Christus] sich auch herumb zu uns und handelt von Gottes, seine himlischen vaters, wegen als ein getreuer mitler durch die predigt der puss und seins heiligen euangelions und durch die heilige sacrament, nemlich die tauffe, schluͤssel und abentmal, auch mit uns und schaffet bey uns, das wir durch die puss, vergebung der suͤnde anzunehmen, begirig und, in todt Christi zu bewilligen, geneigt werden, desgleichen durch den glauben und die tauff vom tod der suͤnde wider lebendig, gerecht, neugeborne kinder Gottes mit Gott versonet werden. sonder also solt er reden: Die inn die predigt vom Todt Christi bewilligen vnd dran gleuben etc. Die
ihenen, so in des Herrn Christi todt bewilligeten, waren Gotlos. Joseph von Luce Xxiij.Vgl. Lk 23,50f. Arimathia war ein frummer man, der wolt nit in den tod Christi bewilligen, bewilliget aber in die predigt von der frucht des Tods Christi.

Doch wolten wir mit dem Osiander disses stucks halben (weill es nur widder die Grammatica ist) gern zufrieden sein, wenn er seine irthume erkennen
wolt, da gebe ihm Gott gnade zu vnd beware vns alle fuͤr dem vbel. AMEN.

Lutherus si iam viueret,

Osander [sic] haec non scriberet.

Si semper ita docuit,

Semper docendo nocuit.

Et tempus male perdidit,

Nec vnquam recte credidit.

Pestisque fuit Norica,Nürnberg.

Nec dignus est pecunia.

Quam acquisiuit nequiter,

Ciues fallendo turpiter.

Osander [sic] scribit valde vana.

In eo non est fides sana,

Nec illi virtus est Germana,

Quaecumque dicit, non sunt plana,

Sed curua, fatua, prophana,

In summa, prorsus Arriana.

Proinde lector tibi caue,

Haeretico ne dicas, aue.

Lutheri scriptis semper saue,

Nam quicquid scribit est suaue,

Iucundum et conditum sale.

In Christo Ihesu lector vale,

In Christo non valebis male.

EX EPISTOLA MARTINI LVTHERI

ad D. Vuencelaum Lincum, de Osiandro:

Non credidissem istum hominem tot cogitationibus occupatum et tam procul a sinceritate nostrae doctrinae positum esse. Sed, vt dixi, si magis irritaretur, effunderet maiora scandala, per quae etiamsi non vinceret, tamen turbas moueret et negocia faceret, quae melius esset praecaueri etc. 8. Octo
bris, Anno 33.Martin Luther an Wenzelaus Linck. 8. Oktober 1533, in: WA.B 6, 533,11–16: Non credidissem ego (hoc neque iactabis, neque disseminabis in publicum) istum hominem tot cogitationibus occupatum et, ut ex suo scripto intelligo, tam procul a sinceritate nostrae doctrinae positum; sed, vt dixi, si magis irritaretur, effunderet maiora scandala, per quae, etiamsi non vinceret, tamen turbas moveret et negotia faceret, quae melius esset praecavere.

Jtem, D. Martinus sagt vom Osiandro: Jr werdet sehen, er wirt sich mit seinem hohen Geyst versteigen vnd damit offentlich zu schanden werden.Vgl. WA.TR 5, 373 (Nr. 5825).

Item dixit D. Martinus:

Es werden noch viel Secten kummen, vnd Osiander wirt auch noch eine
anrichten. Denn illud ingenium nihil potest quam reprehendere alios. Nos vertimus Biblia et ille vnum atque alterum vocabulum accipit, et oppugnat nos. Vnd ligt doch der Christenheit nichts dran, vnd er probierts dannoch auch nicht et offendit ecclesiam.

Poterat illa res priuatim agi et disputari. Sed ille non potest se et artem suam
continere. SchmalcaldiaeGemeint ist der Bundestag des Schmalkaldischen Bundes in Schmalkalden im Februar/März 1537. praedicaui locum Iohannis. Christus habitat in nobis per fidem et gratiam, et operatur in nobis, defendit ac subleuat nos. Statim vt ego incidi in morbum, palam sed non nominatim me reprehendit coram omnibus eruditis. Christus, inquit, habitat in nobis essentialiter. Et male habuit omnes ea res, et maxime Brentium. Eer hat seine Eloquentiam
vnd disponiert vnd rhetoriciert et non docet vulgum, die andern zwen Lincus et Vitus.Wenzelaus Link und Veit Dietrich.docent tamen, et hodie bene placuit M. Moͤrlin, docuit vulgum de officio vxoris, ancillae etc. Vxor cogitet se esse in sancto statu, virum esse donum Dei etc. Ancilla cogitet suum statum esse sanctum, opera esse sancta etc. Das tragen die leutlin heym, turgida, abdita, alta non intelligunt. De hac re
loquutus sum Bucero, vt is et Osiander abstinerent ab ambitione. Philippus non est docendus, nec ego propter illum doceo aut lego, propter simplices docemus publice. Christus hett auch wol koͤnnen hoch leren, sed voluit simplicissima tradere, vt vilgus intelligeret. Lieber Gott, veniunt in Ecclesiam puellae 16. annorum, mulieres et senes. Et simplices illi non intelligunt sub
limia, sed si quis aptas et notas similitudines proferre potest (vt eius rei magister est ipse LinckWenzelaus Link.), id intelligit vulgus et retinet. Quare, qui simpliciter, pueriliter, populariter et triuialiter potest docere, is est optimus praedicator. Jch wills gern gering vnd schlechtschlicht. machen. Wenn es aber disputierens gilt, so kumme eyner inn die Schule zu mir, ich wills scharff gnug machen
vnd ihm antworten, er machs wie krauswirr. Vgl. Art. kraus II.5.b), in: DWb 11, 2091. er woͤlle. Jch mus noch einmal ein Buch widder die klugen Prediger schreiben etc.Eine deutsche Variante findet sich in: Tischreden || Oder || COLLOQVIA DOCT. || Mart: Luthers / So er in vielen || Jaren / gegen gelarten Leuten / auch frembden Ge= || sten / vnd seinen Tischgesellen gefuͤret / Nach || den Heubtstuͤcken vnserer Christli= || chen Lere / zusammen || getragen. || || [Hrsg. v. (Joannes Aurifaber.||)]. [Eisleben: Urban Gaubisch, 1566] (VD 16 L 6748), 269r; vgl. WA.TR 4, 478; Nr. 5074, S. 634f.

Ex officina Ioachimi Leonis.Joachim Löw, ngw. 1547–1590, vgl. Reske, Buchdrucker, 334, 768.