Einleitung 1. Historische Einleitung
Hans Fürstenauer, SchachtelmacherEin Schachtelmacher verfertigte Spanschachteln und Kästchen aus Weichholz als Verpackungen für den Handel oder – dann gern auch bemalt oder mit Papierornamenten beklebt – zur Aufbewahrung von Gegenständen, Kleidungsstücken (z. B. Hauben) etc. im Haushalt; die Schachteln waren außerdem als Geschenke (und Geschenkverpackungen) beliebt. Ein Beispiel aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg unter Inventarnr. HG9974 (https://objektkatalog.gnm.de/wisski/navigate/34195/view [zuletzt besucht 05.07.2022]). in Nürnberg, blieb auch nach Osianders Wegzug nach Königsberg in brieflichem Kontakt mit seinem früheren Gemeindepfarrer. Osiander hatte sich in einem Brief vom 9. September 1551 aus Königsberg bei Fürstenauer erkundigt, wie ein erbar rath gegen Röting gesinnet ist, der das henckermessig lesterbuch wider mich meuchlich hat lassen aussgehen.OGA 10, 305,3–5 (Nr. 489). Damit ist Michael Rotings hier edierte Schrift gemeint, eine der ersten, die sich im Druck gegen Osianders Theologie wandte.Möglicherweise erfolgte der Druck bereits in der zweiten Junihälfte 1551, jedenfalls sandte Melanchthon den Text (gedruckt oder doch abschriftlich?) als Beilage zu einem Brief mit Datum vom 7. Juli 1551 an Johann Brettschneider in Danzig, vgl. MBW 6121 (CR 7, 804f, Nr. 4918) (Hinweis bei Wengert, Defending Faith, 29). Anscheinend hatte Osiander vom Erscheinen der Schrift und von ihrer inhaltlichen Tendenz Kenntnis erhaltenMöglicherweise durch das nicht erhaltene Klagschreiben Fürstenauers und einiger anderer, auf das Osiander mit seinem Schreiben vom 9. September 1551 antwortet. Vgl. OGA 10, 302,1–5: Lieber freundt und bruder in Christo! Ich hab euer und etlicher erbarer frauen clagschreiben vernomen und mit grosem hertzenleidt beseuftzet und beweinet, und jamert mich von hertzen der herde, die keinen getreuen hirten hatt, und wolte Gott, das ich kont doch in abwesen noch ein hirt sein, wils auch fleissig versuchen und an mir nicht fehlen lassen. Osiander legte seinem Schreiben einige Exemplare seines gerade erschienenen Bekenntnisses Von dem einigen Mittler bei. und fürchtete die Zerstörung seiner Reputation in Nürnberg, seiner langjährigen Wirkungsstätte, wo er sich maßgeblich für die Einführung der Reformation eingesetzt hatte. So droht er auch im Vorwort zu seiner Schrift Von dem einigen Mittler,Vgl. OGA 10, (49) 78–300 (Nr. 488 Von dem einigen Mittler / Nr. 496 De unico mediatore). unterzeichnet am 8. September 1551 in Königsberg: Die jungen unzeitigen schreiber aber wil ich hiemit gewarnet haben, sie wolten mich mit unrechtmessigen lesterschrifften, dermassen Michel Roting neulich wider mich hat ausgegeben, unangetastet lassen, dan ich gedenk den eseln die lewenhaut also abzuziehen, das sie niemand mer zu schrecken unterstehn, sonder von yderman gespottet werden sollen.OGA 10, 96,20–24. Allerdings scheint er zunächst noch kein Exemplar in Händen gehabt zu haben, denn Fürstenauer sandte mit einem Brief vom 18. Oktober drei Exemplare von Rotings Schrift nach Königsberg, je eines für Osiander, Johann FunckVgl. unsere Ausgabe Nr. 2, Einleitung, S. 56–59. und Ulrich Fischer.Ulrich Fischer aus Nördlingen, immatrikuliert 1538 in Ingolstadt, 1540 in Wittenberg, war am 29. Mai 1544 auf die nürnbergische Pfarrei Offenhausen berufen, im Juli 1545 entlassen worden; anschließend war er Prediger am Neuen Spital in Nürnberg, gab jedoch wegen des Interims 1548 seine Stelle auf. Ende 1549 erhielt er die Pfarrstelle Germau in Preußen (heute Русское [Russkoje], Oblast Kaliningrad, Russ. Föderation), die er bis 1565 innehatte. Vgl. OGA 10, 345, Anm. 109; Stupperich, Osiander, 64f; https://de.wikipedia.org/wiki/Kirche_Germau (zuletzt besucht 05.07.2022); https://de.wikipedia.org/wiki/Russkoje_(Kaliningrad) (zuletzt besucht 13.07.2022). – Gustav Wulz, Der Sonnenwirtssohn Ulrich Vischer von Nördlingen, Andreas Osianders letzter Getreuer, in: Der Daniel. Heimatkundlich-kulturelle Vierteljahrsschrift für das Ries und Umgebung, Jg. 6 (1970), Heft 1, S. 26–33. Fürstenauer wusste zu berichten, dass der Schulmeister an St. Egidien Joachim HellerJoachim Heller, geb. um 1518/20 in Weißenfels, im Mai 1536 an der Leucorea immatrikuliert, kam 1543 auf Empfehlung Melanchthons als Rektor (Nachfolger Michael Rotings) ans Nürnberger Egidiengymnasium; dort lehrte er zunächst Latein und Griechisch, ab 1546 zusätzlich Mathematik. Ab 1551 betrieb er eine Druckerei und veröffentlichte u. a. Schulbücher und Kalender. Mehrmals geriet er mit dem Rat in Konflikt. Er reduzierte allmählich seine Lehrtätigkeit und druckte bis 1560 in Nürnberg. Im März 1563 wurde er mit seiner Familie aus der Stadt gewiesen. Begründet wurde dies mit seinem Lebenswandel, mit der Einmischung in Religionsstreitigkeiten und mit seiner Parteinahme für Flacius und seine Lehre. Die Familie übersiedelte nach Eisleben. Dort betrieb Heller bis etwa 1567 eine Druckerei; später veröffentlichte er als kursächsischer Astronom neue Praktiken, die er in Leipzig und Schneeberg drucken ließ, die letzte 1580. Er starb wohl um 1590. Vgl. Will, Gelehrtenlexikon, Bd. 2, 84–86; Reske 682f, 187f. – In VD 16 R 3323 (s. Anm. 16) unterzeichnet er 1555 als Ioachimus Hellerus Leucopetraeus [= aus Weißenfels], Mathematicus et Ludimagister ac Typographus. und der Drucker Johann DaubmannJohann(es) bzw. Hans Daubmann aus Torgau erlangte am 23.12.1545 das Nürnberger Bürgerrecht, nachdem er anscheinend in jenem Jahr zu drucken begonnen hatte, eindeutig nachweisbar seit 1548. Einige Male wurde er wegen Druckvergehen arretiert. Am 25. Mai 1554 erteilte ihm der Nürnberger Rat auf Fürsprache Herzog Albrechts die Erlaubnis, für zunächst drei Jahre in Preußen tätig zu werden, ohne sein Nürnberger Bürgerrecht aufgeben zu müssen. Anscheinend befand Daubmann sich zu dieser Zeit bereits in Königsberg, jedenfalls ist Daubmanns Druck von Osianders Catechismus oder kinderpredig (VD 16 O 1057) auf Februar 1554 datiert. Daubmann blieb in Königsberg. Er führte seine Druckerei bis 1573. Nach dem 26. August 1573 starb er; seine Erben firmierten noch bis 1575. Vgl. Reske 484f, 679f. jeweils zu einer Woche Turmhaft verurteilt worden waren, weil Heller unter Umgehung der Zensur des Nürnberger Rats Rotings Schrift von Daubmann habe drucken lassen. Roting hingegen sei unbestraft geblieben und nach wie vor beim Rat wohlgelitten, weil er sich zwar zur Verfasserschaft des Texts bekannt, jedoch die Verantwortung für die Drucklegung (wie auch für die Titelformulierung) von sich gewiesen habe. Dazu habe im übrigen auch die Unterstützung durch Osianders Schwiegersohn Hieronymus Besold beigetragen.Vgl. OGA 10, 350,14–351,2 [mit Anm. 171] (Nr. 495). Heller hatte den Titel formuliert und anscheinend auch das Manuskript für den Druck vorbereitet, außerdem soll er Exemplare zum Verkauf auf den Markt nach Neuburg/Donau gebracht haben. Der Beschluss des Rats datiert vom 24. September 1551.
Gegen den Vorwurf, er verbreite Irrlehren, der nicht nur von Roting erhoben wurde, wehrte sich Osiander mit der Schrift Beweisung: || Das ich nun vber || die dreisig jar / alweg einerley || Lehr / Von der || Gerechtigkeit des Glaubens / || gehalten / vnd gelehret hab / Nem= || lich / das vnser HERR Jhesus Chri= || stus / Gottes vnd Marie Son / wa= || rer Gott vnd Mensch / nach seiner || Goͤtlichen Natur / vnser / der || rechtgleubigen Ge= || rechtigkeit sey. || Andreas Osiander. || Matthei 10 || Haben sie den Hausuatter Belzebul geheis= || sen? wievil mer werden sie seine Hausge= || nossen also heissen? Darumb furchtet || euch nicht vor jnen. || Künigsperg in Preussen. || Den 24. Januarij. || 1552.(VD 16 O 994; OGA 10, Nr. 508). Dagegen richtete sich wiederum: Etlicher Jungen Pre= || diger zu Nuͤrnberg verantwor= || tung gegen der anklag Andreae Osiandri / so || newlich im druck widder sie ist aus= || gangen.Auf dem Titel außerdem: Spr 16,5 (Luther 1545); Hebr 10,28–30. Magdeburg: Christian Rödinger, [1552] (VD 16 R 3325). Der Druckort wurde vmtl. gewählt, um die Zensur des Nürnberger Rats zu umgehen. Roting wird auch die Autorschaft an diesem Text zugeschrieben. Allerdings weist der Text selbst eher auf Wolfgang Waldner als Verfasser, ganz abgesehen davon, dass Roting im Jahr 1552 allenfalls ironisch oder uneigentlich als junger Prediger hätte gelten können, denn er war weder Pediger noch jung, sondern immerhin bereits etwa 58 Jahre alt und Gymnasiallehrer/Rektor. Wengert, Defending Faith, 376, zieht aufgrund entsprechender Überlegungen Osianders Schwiegersohn Hieronymus Besold als Mitautor Waldners in Betracht.
Ausdrücklich gegen Rotings hier edierte Schrift – neben anderen zwischenzeitlich veröffentlichten gegnerischen Texten – wandte sich Osiander wiederum in seinem Schmeckbier. || Aus D. Joachim Moͤrleins Buch. || Aus M. Michael Roͤtings Buch. || Aus des Nuͤrmbergischen Vhu Buch. || Aus Justi Menij Buch. || Aus Mathiae Jllirici / vnd Nicolai Galli Buch. || Aus Johannis Policarij Buch. || Aus Alexandri Halesij Buch. || Aus Nicolaj Amsdorffs Buch. || Aus Johannis Knipstro Buch. || Das sein kurtze Anzaigung / etlicher furnemlicher Stuck / || vnd Artickeln / Die in Jren Buchern wider mich begriffen || sein / aus denen man leichtlich Jren Gaist / Glauben vnd || Kunst kan pruefen / Gleich wie man aus einem Trunck / || was im Faß fur Bier ist / kan schmecken. || Andreas Osiander. || [II Tim 3,8f] || Konigsperg in Preussen. || MDLij.(VD 16 O 1094; OGA 10, Nr. 538; Kolophon: Gedruckt zu Koͤnigßperg in Preussen durch Hanns Weynreich am 24. des Brachmons [Juni] im jahr 1552. [OGA 10, 796,7f]). Osiander führt darin eine Menge von Kostproben aus gegnerischen Schriften an und setzt sich mit ihnen auseinander.Dieses Schmeckbier hatte Osiander schon am Schluss seiner Widerlegung der Antwort Philipp Melanchthons angekündigt und auch dort Rotings Schrift erwähnt: Es haben ihr etwo vil wider mich geschriben. Ein thail sind gefragt worden, was sie von meiner lehr halten, und haben ihr urtail wol von sich, aber noch nicht in truck geben. Got woll, das sie sich furo noch weyßlicher halten! Ein thail haben geeylet und sein durch den truck herausgefahrn, als Philippus Melanthon, doctor Johan Bugenhagius Pomer und doctor Forster, wie man alhie sihet. Ettlich aber haben sich selbs zu mir und wider mich genöttigt, als Michel Roting und ein andrer uhu zu Nürmberg [= Wolfgang Waldner], darnach auch magister Matthias Flacius Illiricus, der nicht allain ain puch in truck gegeben, sonder auch dasselb mit einem unwarhafftigen, gifftigen lesterbrieff wider mich F. D. in Preuͤssen, meinem gnedigen herrn, zugefertigt hat, villeycht der hoffnung, ich soll sein nicht innenwerden, was er im selben auff und wider mich liege. So ligt doctor Joachim Moerlein jetz auch in kindsnoͤten und gepirt ein lang, dick puch wider mich. Was aber in denen allen fur offenliche, greyffliche unwarheit, schwirmerey, verfelschung der heyligen schrifft, ketzerey und gotslesterung begriffen seyen, wil ich, ob Gott will, bald mit kurtz anzeygen, die feßlin anzepfen und jederman auffs wenigst schmeckpier daraus zu versuchen geben, damit man merck, das nichts guts darin sey, und jederman sein urthail auffhalt, biß ich mit meiner rechten, volligen antwort hernachkom. (OGA 10, 668,1–17; Kolophon: Gedruckt zu Koͤnigßperg in Preuͤssen durch Hanns Weynreich anno 1552, den 21. Aprilis. [OGA 10, 670,9f]).
1555 gehörte Roting zu den Unterzeichnern der Kundgebung Das der Mensch in der Bekerung in diesem Leben Gerecht werde für Gott, von wegen des Gehorsams des MITTLERS, durch Glauben, nicht von wegen der Wesentlichen Gerechtigkeyt:Abgedruckt in: Das der Mensch in der || Bekerung zu Gott / in diesem Leben Ge= || recht werde fuͤr Gott / von wegen des || Gehorsams des MITTLERS, durch || Glauben / nicht von wegen der || Wesentlichen Ge= || rechtigkeyt. || Geschrieben zu Nuͤrnberg / Anno || M. D. LV. Vnd vnterschrieben von den || Personen / welcher namen zu ende || verzeichnet sind. || Ein Predigt Jacobi || Rungij Pomerani / von der Ge= || rechtigkeyt / zu Nuͤrnberg gepredigt. || Gedruckt zu Nuͤrnberg durch Jo= || hann vom Berg / vnd Vlrich Newber. (VD 16 R 3323), Bl. A 2r–C 4r; Rotings Unterschrift dort C 3r. – Hinsichtlich der mutmaßlichen Verfasserschaft des Textes ist zu beachten, dass an der Spitze der Unterzeichner Alexander Alesius D. & Professor Theologiae in Academia Lipsica und Philippus Melanthon stehen. Eine zweite Ausgabe erschien 1555 in Wittenberg bei Peter Seitz Erben (VD 16 R 3324). Beide Ausgaben enthalten neben den im Titel genannten Schriften noch zusätzlich eine ADHORATIO AD EOS QVI DOCENT IN ECCLESIA NORIBERGENSI. Michael Rotingus subscripsit, contra impium dogma Osiandri, iuxta meum testimonium ante annos quatuor. Damit nahm Roting nochmals ausdrücklich Bezug auf sein Testimonium von 1551.
2. Der AutorMichael RotingZum folgenden vgl. v. a. Georg Andreas Will, Nürnbergisches Gelehrten-Lexicon, Bd. 3 (1757), 410–414, u. Bd. 7 (1806), 325–327. wurde 1494 in Sulzfeld am MainHeute zur Verwaltungsgemeinschaft Kitzingen (Landkreis Kitzingen, Unterfranken) gehörig; nicht zu verwechseln mit Sulzfeld im Grabfeld (Verwaltungsgemeinschaft Bad Königshofen im Grabfeld, Landkreis Rhön-Grabfeld, Unterfanken), Sülzfeld in Oberfranken (Stadtteil von Bad Rodach, Landkreis Coburg) oder Sülzfeld in Thüringen (Landkreis Schmalkalden-Meiningen). als Sohn des Winzers Hans Röting geboren. Nach Schulbesuch in Ochsenfurt und Studien in Leipzig,Immatrikuliert im Sommersemester 1515 als Michael Rotting de Sulczfelt [Matrikel Leipzig I, 541(b), B 84]; am 13. Sept. 1518 erwarb er hier das Bakkalaureat [Marikel Leipzig II, 529: Michael Roting de Sultzfelt]. Ingolstadt,Rotings Onkel mütterlicherseits, der Humanist Veit Werler (vgl. Karl Hartfelder, Art. Werler, Veit, in: ADB 42 [1897], 14f) hielt sich dort ab der Jahreswende 1516/17 als Hofmeister und Reisebegleiter eines Neffen des Bamberger Fürstbischofs Georg III. Schenk von Limpurg auf. [Vgl. Friedrich Ritschl, Bio-bibliographisches zu Camerarius’ Plautusstudien. (Schluss), in: Rheinisches Museum für Philologie N. F. 28 (1873), 151–170, der die Angaben bei Will, Gelehrten-Lexicon (s. Anm. 17) in einigen Punkten korrigiert.] und WittenbergImmatrikuliert am 04. Oktober 1520 als Michael Roeting de Sultzfeld Herbipo. dio. [= Diözese Würzburg] [Förstemann, AAV I, 98(a); Sommersemester 1520 Nr. 292]. wurde der Melanchthonschüler 1526 Lehrer für Rhetorik und Dialektik am neu gegründeten humanistischen Gymnasium in Nürnberg.Zur – wenig überzeugenden – These, Albrecht Dürer habe in seiner bekannten Darstellung der vier Apostel von 1526 Petrus den Zügen Rotings nachgestaltet, vgl. Karl Arndt, Bernd Moeller, Albrecht Dürers Vier Apostel. Eine kirchen- und kunsthistorische Untersuchung, Gütersloh 2003 (SVRG 202), bes. Exkurs II, S. 61–66. – Ein vermutlich authentisches Altersbildnis Rotings von Jakob Lucius d. Ä. bei Walter L. Strauss, The German Single-leaf Woodcut 1550–1600, vol. 2 (1975), 641. Weitere Fassungen und spätere Bilder im Digitalen Portraitindex unter Roting, Michael. Am 27. Februar 1527 heiratete er Katharina Leys, eine Tochter des Nürnberger Bürgers und Fingerhutmachers Heinrich Leys.Deren Schwester Kunigunda heiratete am 27. Dezember 1535 Veit Dietrich, den Prediger an der Sebalduskirche. Rotings Ehefrau Katharina starb 1573, nachdem sie 15 Kinder geboren hatte.
1543 wurde Roting in seiner Eigenschaft als Rektor des Egidiengymnasiums pensioniert, da es den Anschein hatte, als könne er krankheitsbedingt die volle Belastung seiner Ämter nicht mehr tragen. Wider Erwarten erholte er sich aber einigermaßen, lebte noch 45 Jahre und widmete sich den Studien, nicht zuletzt der Mathematik und besonders der Astronomie.Roting soll – laut Will, Münzbelustigungen (wie Anm. 27), S. 176 – auch frühzeitig auf die Supernova von 1572 im Sternbild Cassiopeia aufmerksam gemacht haben, die Tycho Brahe beschrieb: TYCHONIS BRAHE, DANI || DE || NOVA ET NVLLIVS || AEVI MEMORIA PRIVS VISA || Stella, iam pridem Anno à nato CHRI= || STO 1572. mense Nouem= || brj primum Con= || specta, || CONTEMPLATIO MATHEMATICA. || || HAFNIAE, || IMPRESSIT LAVRENTIVS || Benedictj. || 1 5 7 3.
Roting bereitete die lateinische Übersetzung von Luthers Hauspostille vor und gab sie 1545 in den Druck.Vgl.: SIMPLEX || ET PIA EVANGE= || LIORVM, QVAE DOMINICIS || DIEBVS, ET IN PRAECIPVIS || Festis legi solent, explicatio. || Per Reuerendum Dominum, Doctorem || MART. LVTHERVM. || Nunc primum ex Germanico uersa, per || MICHAELEM ROTINGIVM. || || Impressum Norimbergae, in Officina Ioannis Montani, || & Vlrici Neuber. Anno M. D. XLV. (VD 16 L 4888). Außerdem war er an der Veröffentlichung von Luthers Genesis-Vorlesung beteiligt und unterzeichnete das Vorwort zum zweiten Teil.Vgl. WA 44, XII. XXI–XXIII. Er veröffentlichte mit der hier edierten Schrift 1551 den ersten Druck gegen Osianders Rechtfertigungslehre.
1576 sollte Roting als Professor an das neu gegründete Gymnasium in Altdorf wechseln, was er aber mit Hinweis auf sein hohes Alter ablehnte. Er wurde daraufhin – mit den Altdorfer Bezügen – in den Ruhestand versetzt und starb 94jährig am 20./22. Mai 1588.Die Unterschriften des Gedenkbildes von Jakob Lucius d. Ä. [vgl. Anm. 22] (anscheinend beide Drucke von 1588) geben in der deutschen (Warhafftige Abcontrafactur Michaelis Rotingi des Eltern) und in einer lateinischen Version (VIVA IMAGO MICHAELIS ROTINGI senioris) als Todestag den 20. Mai an, in der zweiten lateinischen (EPITAPHIVM MEMORIAE MICHAELIS ROTINGI 1589; Porträtsammlung HAB: A 17847) XI. cal. Juni. (= 22. Mai). – Georg Andreas Will, Nürnbergische Münzbelustigungen, 4. Theil, 22. Stück (30. Mai 1767), S. 171–178, hier S. 171, zeigt Ein schönes einseitiges Schaustück auf den gelehrten 94 jährigen Michael Röting mit der Umschrift M. MICHAEL . ROTING . AETATIS . SVAE . XCIIII . OBIIT . XX . MAII . MDLXXXVIII .
3. InhaltOsiander hätte, wenn er theologisch korrekt arbeiten wollte, zunächst einmal darlegen müssen, mit welchem Recht und in welcher Hinsicht er den bisherigen Lehrkonsens der Kirche zurückweise und inwiefern seine nun neu ans Licht gebrachte Auffassung mit der Wahrheit des Evangeliums übereinstimme. Stattdessen trage er eine gänzlich neue Rechtfertigungslehre vor.
Die Lehre von der Rechtfertigung allein aus Glauben aufgrund der Sündenvergebung durch Christi Leiden und Sterben sei der Kirche über die Apostel von Christus her im Heiligen Geist übermittelt worden. Der Teufel aber habe immer wieder mit Hilfe falscher Lehrer auf mancherlei Weise versucht, die Lehre zu verdunkeln und Verwirrung zu stiften, zunächst mit der Opfervorstellung der altgläubigen Sakramentenlehre, nun auch mit Osianders Vorstellung von der Rechtfertigung als Einwohnung der göttlichen Natur Christi im sündigen Menschen, die kein Apostel je gelehrt habe. Luthers Rede von essentialer Gerechtigkeit diene zur Unterscheidung von einer Rechtfertigung aus Werken. Die Einwohnung Gottes könne erst infolge der Rechtfertigung geschehen, die zuvor im Glauben angenommen werden müsse. Dieser Glaube mache Menschen zum Tempel Gottes und lasse die Kirche als Gottes Haus entstehen. Wenn Osiander die Zurechnung der Gerechtigkeit wegen der Vergebung, die allein im Glauben empfangen werde, für nichts achte, gelte dies folgerichtig auch für die Gerechtigkeit gemäß der Lehre der Apostel, für die Heiligung und für die Rechtfertigung, und von einem Tempel Gottes könne in diesem Zusammenhang auch nicht die Rede sein. Gleichfalls abzulehnen sei Osianders Auffassung, Christi Inkarnation sei auch ohne die menschliche Sünde notwendig gewesen. Die Gottesebenbildlichkeit des Menschen werde vielmehr erst nach der Annahme der Sündenvergebung in Christus wiederhergestellt. Diese Sündenvergebung sei Nichtzurechnung und Bedeckung der Sünde im Glauben um Christi willen.
4. AusgabeNachgewiesen werden kann eine Ausgabe:
A:TESTIMONIVM || OPTIMI AC DOCTISSIMI VIRI || D. Michaelis Rotingi unius e populo Eccle= || siastico contra falsam Andreae Osiandri || de IVSTIFICATIONE sen= || tentiam, quam in Prussia libel= || lis ac propositionibus || spargit. || 1. Ioannis .2. || Filioli nouissimum tempus est, et sicut audiuistis, || quod Antichristus uenturus sit, etiam nunc || Antichristi multi coeperunt esse. [Nürnberg: Hans Daubmann, 1551] [25] Bl. 4° (VD 16 R 3326)
Vorhanden:
Berlin, Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz: Dm 1026
Dresden, Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek: Hist.eccl.E 343,6
Gotha, Forschungsbibliothek: Hist. 5275(9); Th 2723(3); Theol.4 238-239 (19)R
Hannover, Stadtbibliothek: 3 an: Ratsbibl. 8 Nr. 68
Leipzig, Universitätsbibliothek: Syst.Theol.678-d/26
Lutherstadt Wittenberg, Reformationsgeschichtliche Forschungsbibliothek: LC627/3
München, Bayerische Staatsbibliothek: 4 L.impr.c.n.mss. 1036#Beibd.1
München, Ludwig-Maximilians-Universität: 4 Theol.1228:11
Röhrsdorf-Klipphausen, Kirchenbibliothek: 1568,16
Weimar, Herzogin Anna Amalia Bibliothek: Aut.ben.Aut.Roting,M.(15)
Wien, Österreichische Nationalbibliothek: 79.W.72 [benutztes Exemplar]
Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek: 511.57 Theol.(19); G 676.4 Helmst.(2); Li Sammelbd.19(34); S 206.4 Helmst.(13); S 229.4 Helmst.(12); S 230.4 Helmst.(8)